Trinkwasser sparen durch Brauch- und Regenwassernutzung: Anfrage StRn Lisbach, StRn Dr. Leidig, StR Geiger (GRÜNE)

Vorlage: 32165
Art: Beschlussvorlage
Datum: 13.09.2013
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 14.05.2013

    TOP: 22

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE-Trinkwasser sparen
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadtrat Alexander Geiger (GRÜNE) vom 12. April 2013 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 50. Plenarsitzung Gemeinderat 14.05.2013 1422 22 öffentlich Trinkwasser sparen durch Brauch- und Regenwassernutzung 1. Wo wird von Stadtverwaltung und städtischen Gesellschaften bereits Brauch- bzw. Regenwasser eingesetzt? 2. In welchen (weiteren) Bereichen in Verantwortung von Stadt und städtischen Gesellschaften wäre der Einsatz von Brauch- und Regenwasser anstelle von Trinkwasser grundsätzlich denkbar? 3. Wie hoch wird das mögliche Trinkwasser-Einsparpotential dabei eingeschätzt, und welche Maßnahmen wären zur Umstellung auf Brauch- und Regenwassernutzung jeweils erforderlich? 4. Welche Maßnahmen halten Stadtverwaltung und Stadtwerke für geeignet, um Großverbraucher/-innen für den Einsatz von Brauch- und Regenwasser zu sensibilisieren und zu motivieren? 5. Welche Maßnahmen halten Stadtverwaltung und Stadtwerke für geeignet, um Private für den Einsatz von Brauch- und Regenwasser zu sensibilisieren und dies gezielt zu fördern? 6. Welche Möglichkeiten sieht die Stadtverwaltung, den Bau von Zisternen über Bebauungspläne verbindlich festzuschreiben? Trinkwasser ist ein hochwertiges Lebensmittel, mit dem allerdings oft recht verschwenderisch umgegangen wird. Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ In vielen Fällen lässt sich der Einsatz von Trinkwasser ohne Komfortverzicht durch Brauch- bzw. Regenwasser ersetzen. Zur Umsetzung fehlt allerdings oft die erforderliche Ausstattung, u. a. in Form von Auffangsystemen und Brauchwasserleitungen. Bereits häufiger praktizierte Beispiele für den Einsatz von Brauch- bzw. Regenwasser durch Kommunen sind die Fahrzeug- und die Straßenreinigung. Ebenfalls naheliegend ist der Einsatz für die Bewässerung von Grünanlagen. Auch bei gewerblichen Großabnehmern und Großabnehmerinnen besteht sicher Potential für Trinkwassereinsparungen. Interessant wäre beispielsweise der Umgang mit Trinkwasser im Bereich von Golfplätzen, bei Baustellen oder in den Betrieben selbst. Private Haushalte können durch den Einbau von Zisternen ebenfalls einen wichtigen Beitrag zur Trinkwassereinsparung leisten. Hier wäre zu klären, wie die Stadt durch Information, finanzielle Unterstützung sowie durch eine gezielte Förderung von Zisternen über die Bauleitplanung Anreize schaffen kann. Auch vor dem Hintergrund begrenzter Trinkwasser-Förderkapazitäten in Karlsruhe bzw. der damit einhergehenden ökologischen Probleme möchte die Grüne Fraktion einen Überblick über die bisherigen Anstrengungen der Stadt sowie über potentielle Handlungsfelder zur Trinkwassereinsparung erhalten. Darauf aufbauend sollten weitere Maßnahmen geplant werden. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Dr. Ute Leidig Alexander Geiger Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 3. Mai 2013

  • Stellungnahme TOP 22
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadtrat Alexander Geiger (GRÜNE) vom: 12.04.2013 eingegangen: 12.04.2013 Gremium: 50. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 14.05.2013 1422 22 öffentlich Dez. 4 Trinkwasser sparen durch Brauch- und Regenwassernutzung Vorbemerkung: In der Anfrage bleibt offen, wie der Begriff „Brauchwasser“ verstanden wird. Es wird deshalb unterstellt, dass „Grauwasser“ im engen Sinne gemeint ist, also Trinkwasser, das bereits für den Zweck der Körperpflege (Baden, Duschen etc.) genutzt wurde und ein zweites Mal für die Toilettenspülung verwendet werden soll. Frage 1: Wo wird von Stadtverwaltung und städtischen Gesellschaften bereits Brauch- bzw. Regenwasser eingesetzt? Die Stadtwerke Karlsruhe entnehmen in ihren vier Wasserwerken Grundwasser und bereiten es zu Trinkwasser auf. Dieser Eingriff in den natürlichen Wasserkreislauf erfolgt streng nach dem Kriterium der ökologischen Nachhaltigkeit, indem nie mehr Grundwasser entnommen wird, als durch Niederschläge nachgebildet wird. In der Region Karlsruhe stellt Wasser in der Regel kein knappes Gut dar. Derzeit wird im Mittel nur etwa 1/3 der Grundwasserneubildung aus Niederschlägen für die Trinkwassergewinnung der Stadtwerke Karlsruhe genutzt. Nach diesem Grundprinzip der Wasserversorgung findet bei den Stadtwerken somit bereits eine Nutzung des Regenwassers statt. Der CO 2 -Fußabdruck, der durch die Trinkwasseraufberei- tung und -verteilung verursacht wird, ist nachweislich denkbar gering. Frage 2: In welchen (weiteren) Bereichen in Verantwortung von Stadt und städtischen Gesell- schaften wäre der Einsatz von Brauch- und Regenwasser anstelle von Trinkwasser grundsätzlich denkbar? Die Trinkwasserverordnung legt fest, dass Wasser zum Trinken, zum Kochen, zur Zubereitung von Speisen und Getränken, zum Zweck der Körperpflege und -reinigung, der Reinigung von Seite 2 Gegenständen, die bestimmungsgemäß mit Lebensmitteln in Berührung kommen, sowie zum Zweck der Reinigung von Gegenständen, die bestimmungsgemäß nicht nur vorübergehend mit dem menschlichen Körper in Kontakt kommen, Trinkwasserqualität aufweisen muss. Für alle anderen Nutzungszwecke könnte, rein rechtlich gesehen, grundsätzlich Regen- oder Brauchwasser verwendet werden. Aber die große Mehrzahl der denkbaren Nutzungen ist aufgrund hygienischer Aspekte, aus Gründen der Anwendungssicherheit oder schlicht aus wirtschaftlichen Überlegungen heraus nicht empfehlenswert. Insbesondere aus der Betrach- tungsweise des Gesamtkonzerns Stadt Karlsruhe heraus dürfte es vielfach günstiger sein, Wasser mittels hoch effizienter Anlagen zentral über den Wasserversorger bereitzustellen, als dezentral für Speicher, Pumpen, Aufbereitungstechnik, Qualitätssicherung sowie Wartung und Instandhaltung Sorge zu tragen. Der Einsatz von Regenwasser als Gießwasser anstelle von Trinkwasser ist grundsätzlich geeig- net und auch zu begrüßen. Fragen 3 und 4: Wie hoch wird das mögliche Trinkwasser-Einsparpotential dabei eingeschätzt, und welche Maßnahmen wären zur Umstellung auf Brauch- und Regenwassernutzung jeweils erforderlich? Welche Maßnahmen halten Stadtverwaltung und Stadtwerke für geeignet, um Großverbraucher/-innen für den Einsatz von Brauch- und Regenwasser zu sensibili- sieren und zu motivieren? Das Einsparpotential ist als gering anzusehen. Aufgrund der Erfordernis in fehlende Infrastruk- tur (nachträglicher Zisternen- und Leitungsbau etc.) zu investieren, dürfte sich eine Umstel- lung kaum als ökonomisch sinnvoll darstellen. Im gewerblichen Bereich wird die Nutzung von Brauchwasser bereits durch die gesetzliche Vorgabe des haushälterischen Umgangs mit Wasser aus dem Wasserhaushaltsgesetzes vor- gegeben. Hier werden wassersparende Maßnahmen wie z. B. Kreislaufführung von Spülwas- ser in der Metallverarbeitung oder in Kfz-Waschanlagen umgesetzt. Frischwasser wird nur eingesetzt, wenn eine hohe Wasserqualität, z. B. im letzten Spülgang, erforderlich ist. In manchen Bereichen ist aus hygienischen Gründen die Nutzung von Trinkwasser unumgäng- lich (als Lebensmittel, für die Körperreinigung usw.) Seite 3 Fragen 5 und 6: Welche Maßnahmen halten Stadtverwaltung und Stadtwerke für geeignet, um Pri- vate für den Einsatz von Brauch- und Regenwasser zu sensibilisieren und dies gezielt zu fördern? Welche Möglichkeiten sieht die Stadtverwaltung, den Bau von Zisternen über Be- bauungspläne verbindlich festzuschreiben? Die Kundenberatung der Stadtwerke berät seit über 20 Jahren über den rationellen Umgang mit Trinkwasser und gibt Tipps zur sparsamen Nutzung. Die Nutzung von Regenwasser zur Gartenberegnung nach Zwischenspeicherung in einer Zis- terne wird seitens des Umwelt- und Arbeitsschutzes seit 1997 in der Broschüre „Regen bringt Segen“ (Seite 14) empfohlen. Die Broschüre ist auch über das Internet abrufbar. Einen finanziellen Anreiz zur Nutzung einer Zisterne bietet auch die zwischenzeitlich einge- führte gesplittete Abwassergebühr des Tiefbauamtes, wonach derzeit bei einem Speichervo- lumen der Zisterne ab 2,5 m³ die für die (Regenwasser-)Gebühr maßgebliche (d. h. abfluss- wirksame) Fläche reduziert wird. Für die Nutzung von Grau- bzw. Dachablaufwasser (Verun- reinigungen durch Tiere, Emissionen, Pflanzen) im Privathaushalt müsste ein zweites Rohr- netzsystem parallel zum Frischwassersystem im Haus installiert werden. Dies muss auch nach Jahren (keine Installationspläne mehr vorhanden, Besitzerwechsel - Verwechselungsgefahr) bei Sanierung oder Änderungen der Rohrleitungen gewährleistet sein, damit es nicht zur Ver- seuchung des Trinkwassers und Erkrankung der Nutzer kommen kann. Der Wasseranschluss für den Garten muss durch eine schwer zugängliche Armatur gesichert werden, damit nicht aus Versehen (z. B. durch Kinder) daraus getrunken werden kann. Der Wartungsaufwand für Filteranlage und Behälter darf nicht vernachlässigt werden. Der Kosten-/Nutzenaufwand steht folglich in keinem Verhältnis. Der Einsatz von Regenwasser oder sonstigem Brauchwasser anstelle von Trinkwasser wird deshalb – außer bei Garten- und Grünflächenberegnung – nicht gezielt forciert, da ein zwei- ter Wasserkreislauf innerhalb des Gebäudes auch erhebliche Probleme nach sich ziehen kann: Seite 4  Es ist zwangsläufig eine Verbindung zum Trinkwassersystem herzustellen, um auch bei „trockenen“ Phasen Spülwasser zur Verfügung zu haben, die technisch fehlerhaft sein könnte.  Es besteht die Gefahr von Fehlanschlüssen, zwar nicht unbedingt zum Zeitpunkt der Erstinstallation, aber in den Folgejahren (bei Umbauten, Eigentümerwechsel). Schon hierdurch könnte das öffentliche Trinkwassersystem in erheblichem Umfang gefährdet werden. Versorgungstechnisch kann das Trinkwassersparen außerdem dazu führen, dass die Ausle- gung des Leitungsnetzes nicht mehr zum Bedarf passt und dort deshalb die Gefahr von Stag- nationen zunimmt. Das kann zur Erwärmung und Verkeimung des Trinkwassers im Vertei- lungssystem des Wasserversorgers und in der Hausinstallation führen. Eine zurückgehende Trinkwassernutzung kann sich auch abwasserseitig negativ bemerkbar machen. Durch die Veränderung des Wasser-/Feststoffverhältnisses im Abwasser kann Sedi- mentation in den Leitungen zunehmen. Steigende Geruchsprobleme können ein Resultat die- ser Entwicklung sein, mitunter müssen die Abwasserentsorger sogar verstärkt Spülungen des Abwassernetzes vornehmen, was wiederum den Wasserverbrauch und die Kosten steigert.