Kindergesundheitsbericht und Maßnahmen zur Förderung der Kindergesundheit

Vorlage: 30916
Art: Beschlussvorlage
Datum: 11.03.2016
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Durlach, Hagsfeld, Hohenwettersbach, Innenstadt-Ost, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Oberreut, Oststadt, Palmbach, Rintheim, Südstadt, Südweststadt, Weststadt

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 18.12.2012

    TOP: 16

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Kindergesundheitsbericht
    Extrahierter Text

    BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 42. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 18.12.2012 1290 16 öffentlich Dez. 5 Kindergesundheitsbericht 2012 und Maßnahmen zur Förderung der Kindergesundheit Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für Umwelt und Gesundheit 30.11.2012 1 vorberaten (einstimmige Empfehlung) Gemeinderat 18.12.2012 16 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Gemeinderat nimmt den Kindergesundheitsbericht zur Kenntnis und beauf- tragt die Verwaltung, die vorgeschlagenen Maßnahmen bis zur Entscheidungsreife weiterzuentwickeln. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Kontierungsobjekt: Kostenstelle: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: ISEK Karlsruhe 2020 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Der Gemeinderat hat in der Sitzung am 19.04.2011 die Verwaltung mit der Erarbeitung eines Kindergesundheitsberichtes (Anlage) beauftragt. Des Weite- ren hat der Gemeinderat mit der Verabschiedung der Leitlinie "Gesund Auf- wachsen" im Herbst 2010 beschlossen, der Gesundheit von Kindern und Ju- gendlichen Priorität einzuräumen und zu deren Förderung weitere Maßnahmen zu prüfen. Die Gesundheit von Kindern wird von zahlreichen Rahmenbedingungen beein- flusst, insbesondere von den Lebensbedingungen ihrer Familie. Untersuchungen zeigen, dass die gesundheitlichen Risikofaktoren für Kinder und Jugendliche aus sozial benachteiligten Familien größer und ihre Zugänge zu gesundheitsförderli- chen Angeboten schlechter sind. Ein Vergleich der Daten des Gesundheitsamtes mit der bundesweiten Kinder- und Jugendgesundheitsstudie (KIGGS) bestätigt den Zusammenhang zwischen Gesundheit, sozialer Zugehörigkeit und Bildung. Die kinderreichsten Stadtteile (bezogen auf die Bevölkerung im jeweiligen Stadtteil) sind die Nordstadt und Hohenwettersbach (je 26,4 %) gefolgt von Palmbach (19 %) und Oberreut (18,6 %) Mit dem Bericht wird deutlich, dass Durlach die mit Abstand höchste Zahl von Haushalten mit Alleinerziehenden hat. Dies ist auch darin begründet, dass Durlach ohnehin der Stadtteil mit der höchsten Zahl an Haushalten ist. Ver- gleicht man die prozentualen Anteile innerhalb der einzelnen Stadtteile mitei- nander, zeigt sich dass in Oberreut 8,4 % aller Haushalte Alleinerziehende sind, gefolgt von der Nordstadt (7,2 %) und Rintheim (5,8 %). Gleichzeitig sind in Oberreut 18,2 % der Haushalte SGB-II-Bezieher, davon wiederum 61,9 % Alleinerziehende. In der Nordstadt sind die Haushalte von Alleinerziehenden mit SGB-II-Bezug dagegen im statistisch unauffälligen Be- reich. Eine zentrale Lebenswelt sind die Kindertageseinrichtungen. Kinder und Ju- gendliche lernen hier Kulturtechniken kennen, machen Erfahrungen zur gesun- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 den Ernährung, üben wichtige soziale Techniken ein und erfahren alltäglich eine unspezifische Stärkung der Lebenskompetenz - alles Faktoren der Stärkung von Resilienz der Heranwachsenden. Eine Bestandsaufnahme zeigt in Karlsruhe eine relativ gute Versorgung mit Kindertageseinrichtungen, stellt aber auch Defizite fest für den Altersbereich von unter drei Jahren. Ein gesundheitsförderliches Umfeld zum frühestmöglichen Zeitpunkt wirkt sich positiv auf die individuelle Entwicklung und Gesundheit im weiteren Lebensver- lauf aus. Die Strukturen im Wohnumfeld und den Lebenswelten der Heran- wachsenden sollten daher so gestaltet sein, dass sie gesunden Lebensstil er- möglichen, fördern und erleichtern. Naturräume zum Toben, Spielen und zum Erleben der freien Natur existieren in großer Zahl. Besonders günstig stellt sich die Situation in den kinderreichen Außenstadtteilen und Stadtrandlagen dar. Defizite an leicht erreichbaren Na- turräumen sind dagegen in zentralen, dicht bebauten Stadtquartieren wie Süd- , Südwest- oder Weststadt, Mühlburg und Oststadt zu verzeichnen. Pro- gramme wie "Schüler erleben Naturschutz" oder "Stadtgärtnern" (urban gar- dening) stellen eine Möglichkeit dar, Natur erlebbar zu machen. Die Versorgung mit Spielflächen ist ein weiterer Indikator für Kindergesund- heit. Hier weisen die Stadtteile Weststadt, Durlach, Südstadt sowie Mühlburg Defizite auf. Weitere Einrichtungen und Örtlichkeiten für Kinder und Jugendliche werden zusammengefasst als "außerschulische Lernorte" oder "strukturelle Angebote" bezeichnet. Sie besitzen eine wichtige Funktion bei Förderung und Stärkung von Resilienz. In Karlsruhe ist die Versorgung mit diesen Lernorten gut. Defi- zite sind erkennbar bei der niederschwelligen Erreichbarkeit dieser Einrichtungen und bei Angeboten, die eine Teilhabe aller Kinder und Jugendlichen ermögli- chen. Bei Neuplanungen ist daher die räumliche Verzahnung mit kinderreichen Stadtteilen stärker in den Fokus zu rücken; im Bestand kann Chancengleichheit verbessert werden etwa durch konsequenten freien - oder bezuschussten - Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Eintritt oder durch eine Ertüchtigung hinführender Radwege für Kinder oder Schulklassen. Daten zu Luftschadstoffen, Lärm oder Klima zeigen die Belastungsschwerpunk- te im Stadtgebiet auf. Die damit verbundenen gesundheitlichen Auswirkungen schlagen sich auch auf dort wohnende Kinder und Jugendliche nieder. Struk- turdaten über Haushalte an verkehrsbelasteten Straßen liegen jedoch nicht vor. Gesundheitliche Statistiken zeigen einen Wandel. Ehemals wichtige Indikatoren wie "Säuglings- und Kindersterblichkeit", "Zahngesundheit" zeigen eine positive Entwicklung. Dagegen haben "Adipositas", "Asthmaerkrankungen" und "psycho- soziale Entwicklungsprobleme" eine steigende Tendenz. Auffällig angestiegen ist auch die Alkoholproblematik. Daten über die Lebensbedingungen und den Gesundheitszustand der Karlsruher Kinder sind nicht in dem wünschenswerten Maße verfügbar: Insbesondere medi- zinische Daten unterliegen dem Datenschutz bzw. der ärztlichen Schweige- pflicht und werden nicht oder nicht differenziert genug erhoben. So gibt es z. B. keine lokalen Statistiken über die Entwicklung von Allergien, Neurodermitis- erkrankungen, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder Heuschnupfen bei Kin- dern und Jugendlichen. Um negativen Entwicklungen entgegenzuwirken und Betroffene zu beraten und zu unterstützen, gibt es in Karlsruhe über 70 Angebote für unterschiedliche Zielgruppen und mit sehr differenzierten Ansätzen (siehe Kapitel 5). Im Zuge des Programms "Gesund Aufwachsen" werden weitergehende bzw. er- gänzende Maßnahmen als notwendig erachtet. Erste Maßnahmenvorschläge wurden von einer städtischen Arbeitsgruppe unter Beteiligung des Landratsam- tes Karlsruhe - Gesundheitsamt - erarbeitet und gemeinsam mit den Arbeits- gruppen der Kommunalen Gesundheitskonferenz weiterentwickelt. Die Maßnahmen orientieren sich dabei am "Settingansatz" mit dem Ziel, die Kinder und Jugendlichen dort zu fördern, wo sie sich altersbedingt überwie- Ergänzende Erläuterungen Seite 5 gend aufhalten. Die Förderung von Chancengleichheit und Umweltgerechtigkeit ist dabei eine wichtige Bedingung. Die weitergehenden Maßnahmenvorschläge lauten: 1. Bestands- und Bedarfsanalyse: Gemeinsame Datenbank "Gesundheitsför- derliche Aktivitäten für Kinder und Jugendliche in Stadt- und Landkreis Karlsruhe" (Verantwortlich: Umwelt- und Arbeitsschutz) 2. Fortbildungen und Fachveranstaltungen für Kitas, Schulen, Jugendein- richtungen und Ehrenamtliche zu "Prävention und gesundheitsförderliche Lebensbedingungen" (Verantwortlich: Umwelt- und Arbeitsschutz) 3. Gesundheitsverträglichkeitsprüfung: Berücksichtigung gesundheitlicher Auswirkungen bei Entscheidungen des Gemeinderats mit wesentlicher Be- deutung (Verantwortlich: Umwelt- und Arbeitsschutz) 4. Erarbeitung von Kriterien für gesundheitsförderliche Kindertageseinrich- tungen (Verantwortlich: Umwelt- und Arbeitsschutz) 5. Gesunde Verpflegung an Kindertageseinrichtungen entsprechend der Vor- gaben der Deutschen Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) (Verant- wortlich: Umwelt- und Arbeitsschutz) 6. Ausdehnung von "Startpunkt"-Familienzentren auf alle noch nicht er- reichten Stadtteile (Verantwortlich: Sozial- und Jugendbehörde) 7. Einzelprojekte für Schulen: "Laufender Bus/Walking Bus", Ausweitung der Elternhalte für weitere Schulen (Verantwortlich: Sozial- und Ju- gendbehörde) Die Maßnahmenvorschläge sind derzeit nur grob skizziert und müssten, sofern sie weiter verfolgt werden sollen, noch detaillierter ausgearbeitet werden. Erst dann wird auch ersichtlich, mit welchen Kosten zu rechnen wäre und wer als Kostenträger in Betracht käme. Ergänzende Erläuterungen Seite 6 Im Rahmen von Fortschrittsberichten wird über die Entwicklung der umgesetz- ten Maßnahmen berichtet. Zu prüfen wäre, wie die Wirkung von Maßnahmen evaluiert werden könnte. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat 1. Der Gemeinderat nimmt den Kindergesundheitsbericht 2012 zur Kenntnis. 2. Der Gemeinderat empfiehlt nach Vorberatung im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit der Verwaltung, die vorgeschlagenen Maßnahmen bis zur Ent- scheidungsreife weiterzuentwickeln. Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 7. Dezember 2012

  • Anlage Kindergesundheitsbericht
    Extrahierter Text

    2 Herausgeber und Redaktion Stadt Karlsruhe Umwelt- und Arbeitsschutz Markgrafenstr. 14, 76131 Karlsruhe Tel.: 0721 / 133-3101 Mail: umwelt-arbeitsschutz@karlsruhe.de http://www.karlsruhe.de/b3/gesundheit/gesundheitfoerdern.de Mitwirkende Landratsamt Karlsruhe - Gesundheitsamt Stadt Karlsruhe: Amt für Stadtentwicklung Gartenbauamt Sozial- und Jugendbehörde Sozial- und Jugendbehörde - Kinderbüro Schul- und Sportamt Stadtplanungsamt Liegenschaftsamt - Forst Stadtjugendausschuss e.V. Anmerkung Angaben in Karten und Text können wegen unterschiedlicher Datenstände voneinander abweichen Stand: November 2012 Impressum 2 3 Zusammenfassung 1. Einleitung 1.1. Allgemeines 1.2. Situation der Kinder in Deutschland 1.3. Gesundheitsstrategie Baden-Württemberg 2. Allgemeine Lebensumstände für Kinder in Karlsruhe 2.1. Wo leben die meisten Kinder? 2.2. Soziale Situation von Kindern in Karlsruhe 2.2.1. Haushalte mit einem Elternteil / Alleinerziehende 2.2.2. Stadtteile mit hohem Anteil an SGBII - Beziehern 2.3. Versorgung mit Kindertageseinrichtungen 2.4. Versorgung mit Spiel- und Lernorten 2.4.1. Frei zugängliche Naturräume 2.4.2. Spielflächen 2.4.3. Strukturelle Angebote 3. Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen wie Lärm, Luftbelastung, Hitzeinseln 3.1. Lärm 3.2. Luftbelastung 3.2.1. Stickstoffdioxid (NO 2 ) 3.2.2. Feinstaub (PM10 und PM2,5) 3.2.3. Bürgerbefragung 3.2.4. Bioklimatische Situation 4. Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen 4.1. Impfungen 4.2. Zunahme Chronische Erkrankungen und psychosoziale Entwicklungsproblematiken 4.3. Zahngesundheit 5. Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale 5.1. Verhaltensbezogene Angebote 5.2. Maßnahmen zur Schaffung gesundheitsförderlicher Lebensbedingungen 5.3. Kommunikationsmaßnahmen - Modellprojekt „Gesund aufwachsen in Mühlburg“ 6. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Anhang: Leitlinien "Gesund aufwachsen" Inhalt 3 4 Gesundheitsförderung hat in der Karlsruher Kommunalpolitik einen hohen Stellenwert. Im Herbst 2010 beschloss der Gemeinderat mit den Leitlinien zu "Gesund Aufwachsen" der Förderung der Kindergesundheit Priorität einzuräumen. Die Gesundheit wird nicht nur durch eigenes gesundheitsbewusstes Verhalten, sondern auch von zahlreichen äußeren Randbedin- gungen teilweise stark beeinflusst. Soziales Umfeld, Umweltbedingungen, Wohlstand, Bildung sind prägende Aspekte die sich auf die Gesundheit des gesamten Lebens auswir- ken können. Aus medizinischer Sicht ist es da- her erstrebenswert, mit Maßnahmen zur Ge- sundheitsförderung so frühzeitig wie möglich - am besten im Vorkindergartenalter - anzu- setzen. Entscheidend ist hierbei der "Settingansatz", also eine Strategie die sich in den jeweiligen Lebenswelten der Kinder (beispielsweise Kin- dergarten, Schule, Familie) möglichst umfas- send und integral auswirken kann. Das er- streckt sich von Maßnahmen zur Bildungsför- derung bis zur Entwicklung bzw. Steigerung eines Selbstwertgefühls. Der Gemeinderat wünschte in einem Kinder- gesundheitsbericht eine umfassende Darstel- lung aller für das Thema "Gesund Aufwach- sen" relevanten Gesichtspunkte. Bisher wurde Kindergesundheit allenfalls im Rahmen der Berichterstattung für andere Themenbereiche (etwa wie Kinderarmuts-, Bildungs-, Wohnungsbericht) tangiert. Eine integrierte Betrachtungsweise und entspre- chend systematische Berichterstattung wäre ein wichtiger Schritt, um die Entwicklung um- fassend einschätzen und kontinuierlich und langfristig begleiten zu können. In diesem ersten Bericht wurden vorhandene Daten aus verschiedenen Bereichen zusam- mengefasst und können nur einen ersten Ü- berblick vermitteln. Zentrale Stelle in diesem Netzwerk von „Zulieferern“ ist das Gesund- heitsamt. Zahlreiche wünschenswerte Daten, insbesondere aus dem medizinischen Bereich unterliegen jedoch dem Datenschutz bezie- hungsweise der ärztlichen Schweigepflicht oder werden nicht systematisch erhoben. Daher kann der vorliegende Bericht nur ein erster Schritt auf dem Weg zu einer umfas- senderen, integrierten Berichterstattung sein. Im Laufe der Zeit, auch im Hinblick auf die Ergebnisse der Arbeitsgruppen der Gesund- heitskonferenz, sollte sich der Horizont er- weitern können. Stand November 2012 Vorwort 4 5 1. Einleitung 1.1. Allgemeines Ende 2010 beschloss der Gemeinderat die Leitlinie "Gesund aufwachsen in Karlsruhe" und beauftragte die Verwaltung mit der Erar- beitung von Maßnahmen zur Umsetzung der in den Leitlinien enthaltenen Ziele. Als Grundlage hierfür wurde ein Kindergesund- heitsbericht erstellt, in dem alle für Kinder und Jugendliche relevanten Aspekte beleuch- tet und die bisherigen Aktivitäten der Ver- waltung dargestellt werden. Der Kindergesundheitsbericht 2012 gibt ei- nen Überblick über den Gesundheitszustand der in Karlsruhe lebenden Kinder sowie rele- vante Parameter, die hierauf Einfluss haben. Dem vorliegenden Bericht liegen die Er- kenntnisse des Nationalen Kinder- und Ju- gendsurveys „KiGGS“, des Gesundheitsförde- rungsplans Baden-Württembergs und des daraus erwachsenen Handbuchs „Gesund auf- wachsen und leben in Baden-Württemberg“ zugrunde. Mit der KiGGS (Kinder- und Jugendgesund- heitsstudie, Robert-Koch-Institut im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung des Bun- des, 2011) wurde eine bundesweit repräsen- tative und umfassende Datengrundlage für Kinder- und Jugendgesundheit geschaffen. Die dort publizierten daten-basierten Er- kenntnisse besitzen eine hohe Qualität und können ohne weiteres auf die Verhältnisse in Karlsruhe übertragen werden. Die KiGGS lie- fert belastbare und repräsentative Informati- onen zur gegenwärtigen Verteilung von ge- sundheitsrelevanten Indikatoren für Kinder und Jugendliche. Sie ist ein umfassender Da- tenfundus für die Gesundheitsberichterstat- tung und liefert wertvolle Ansätze für die sich daraus ergebende Gesundheitsförde- rung. Diese Daten werden ergänzt durch vorhande- ne Statistiken aus Karlsruhe: • Das Amt für Stadtentwicklung erstellt Da- ten, standardisiert und in längeren Zeitrei- hen, methodisch gesichert und auf Stadt- teilebene (= kleinräumig) bezogen. • Das Gesundheitsamt erhebt Daten. Diese sind auf die Stadt Karlsruhe beziehungs- weise den Landkreis Karlsruhe bezogen. Daten zur Situation der Vorschul– und Ein- schulungskinder liegen im Gesundheitsamt vor. Seit 2005 werden nicht mehr alle Kin- der ärztlich untersucht und somit bis auf Impfdaten nicht mehr alle Daten von je- dem Kind erhoben. Sie können jedoch hochgerechnet werden und Aussagen zu Tendenzen sind möglich. Die im Kinderge- sundheitsbericht Stadt Karlsruhe 2012 dar- gelegten Daten aus dem Gesundheitsamt sind vertretbar. • Die Daten des Gesundheitsamts wurden im Rahmen der Erstellung eines Kinderge- sundheitsberichts 2010 inklusive der Er- gebnisse aus den Einschulungsuntersu- chungen zusammengetragen und inter- pretiert. • Dazu kommen Daten im Rahmen des Ju- gendhilfeplans Frühe Prävention, die für das Kinderbüro erstellt wurden. • Des Weiteren werden Inhalte aus einschlä- gigen Berichten anderer Dienststellen (Jugendhilfeplan, Armutsbericht, Lebens- qualität in Karlsruhe aus Bürgersicht und ähnliches) mitverarbeitet. Zahlreiche Daten, insbesondere zu sensiblen Fragestellungen, liegen nicht vor, werden nicht erhoben oder stehen aus Gründen des Datenschutzes oder der ärztlichen Schweige- pflicht nicht zur Verfügung. Einleitung 5 6 1.2. Situation der Kinder in Deutschland Als allgemeine Ergebnisse des "Nationalen Kinder- und Jugendsurveys (KiGGS) - Lebens- phasenspezifische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen 2008" kann festgehalten werden: • „Die Gesundheit von Kindern und Jugend- lichen ... wird in entscheidendem Maße von gesellschaftlichen und individuellen Rahmenbedingungen bestimmt, unter an- derem von der allgemeinen sozialen Lage, der Situation in der Familie, den Umwelt- bedingungen und für einen Teil durch den Migrationsstatus.“ • „Die soziale Lage ist durch unterschiedli- che Faktoren bestimmt, beispielhaft ange- führt seien hier Bildung, Einkommen so- wie Lebensform. Damit verbundene Vor- und Nachteile, mit denen Kinder und Ju- gendliche aufwachsen, sind bedeutend für ihre Entwicklungschancen.“ • „Kinder und Jugendliche sind vor allem dann von Armut betroffen, wenn sie (...) in Migrantenhaushalten, in Haushalten, die eine geringe Erwerbsbeteiligung oder (Langzeit-)Arbeitslosigkeit aufweisen, o- der in Familien, die SGB II-Leistungen be- ziehen, leben.“ • „Einkommensarmut kann nicht nur zu Ein- schränkungen des Konsum- und Freizeit- verhaltens der Kinder und Jugendlichen führen, sondern auch das Familienklima und das Erziehungsverhalten der Eltern ungünstig beeinflussen. Die daraus entste- henden psychosozialen Belastungen kön- nen die Heranwachsenden nachhaltig be- einträchtigen.“ • „Für Bildung als Merkmal der sozialen La- ge gilt, dass sie neben der Platzierung im gesellschaftlichen Gefüge auch für die Ausprägung gesundheitsbezogener Ein- stellungen und Verhaltensmuster relevant ist.“ • „Weitere Konsequenzen der Armut erge- ben sich in Bezug auf das Wohlbefinden und die Gesundheit der Heranwachsen- den: sozial benachteiligte Kinder und Ju- Einleitung Abb. 1: Kosten Früher Hilfen in unterschiedlichen Lebensaltern Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe 7 gendliche bewerten diese seltener als sehr gut; sie weisen vermehrt gesundheitliche Beeinträchtigungen, Unfallverletzungen und zahnmedizinische Probleme auf.“ • „Kinder und Jugendliche mit niederem Sozialstatus weisen häufiger Gesundheits- defizite, wie psychische Auffälligkeiten und Verhaltensauffälligkeiten sowie Defi- zite in der motorischen Entwicklung auf und sind auch häufiger übergewichtig.“ ... „ungesündere Ernährung, stärkeren Ta- bakkonsum und eine höhere Passivrauch- exposition sowie eine geringere Teilnah- me an Krankheitsfrüherkennungspro- grammen.“ • „Daraus ergeben sich deutliche Hinweise, dass ein Aufwachsen in einer benachteilig- ten sozialen Lage mit zahlreichen Fakto- ren verbunden sein kann, die sich in ihrer Summe ungünstig auf die gesundheitliche Chancengleichheit auswirken können.“ Studien machen deutlich, dass eine frühest- mögliche Förderung des Kindeswohls sowohl den finanziell niedrigsten Aufwand, als auch die geringsten Folgekosten verursacht. Es wird dabei erkennbar, dass sozialpolitisch motivierte Förderansätze auch volkswirt- schaftlich positive Aspekte nach sich ziehen. 1.3. Gesundheitsstrategie Baden- Württemberg Die Gesundheitsstrategie des Landes Baden- Württemberg hat sich daher folgende Ziele gesetzt: • Förderung der Gesundheit in allen Lebens- phasen und Lebenswelten • Gesundheitsförderung und Prävention als vierte Säule neben Behandlung, Rehabili- tation und Pflege • Gestaltung gesundheitsförderlicher Le- benswelten als Querschnittsaufgabe Dies soll im Rahmen einer gesundheitsför- dernden Gesamtpolitik erfolgen auf der Basis folgender Schlüsselbotschaften: • gesunde Umgebungen schaffen • früh und ganzheitlich ansetzen • gesundheitliche Benachteiligung verrin- gern • chronische Erkrankungen früh erkennen • mit chronischen Krankheiten besser umge- hen • chronisch kranke Menschen besser versor- gen • Patientenrechte und Fähigkeiten zum Selbstmanagement stärken • Selbsthilfegruppen stärker einbinden Bezogen auf die Förderung der Kinderge- sundheit und der Leitlinie "Gesund aufwach- sen“ stehen hier vor allem die ersten drei Punkte im Blickfeld. Ergebnisse der Präventionsforschung und fachpolitische Expertisen betonen, dass Akti- vitäten am erfolgreichsten sind, wenn sie • in den Lebenswelten von Kindern und ih- ren Eltern ansetzen • niederschwellig angelegt sind • in Netzwerkstrukturen eingebettet sind • langfristig angelegt sind • Entwicklung unspezifisch fördern Die Stadt Karlsruhe hat diese Ansätze weiter verfolgt, in dem sie in der ersten Karlsruher Gesundheitskonferenz am 21.03.2012 Arbeits- kreise unter Einbeziehung aller relevanten Akteure gebildet hat, die sich an den Lebens- welten von Kindern und Jugendlichen orien- tieren. So haben sich nachfolgende Arbeits- kreise gefunden: • Gesund aufwachsen in Karlsruhe (werdende Eltern, Kinder von 0 - 6 Jahre) • Gesund aufwachsen in Karlsruhe (Kinder und Jugendliche von 6 - 18 Jahre) • Gesund aufwachsen und leben in Karlsru- he-Mühlburg Alle Arbeitskreise haben mittlerweile ihre Arbeit begonnen. Hierüber wird in Zukunft berichtet werden. Darüber hinaus bildeten sich weitere Arbeitskreise: „Gesund älter wer- den“ und „Gesundheitliche Chancengleich- heit“. Einleitung 8 2. Allgemeine Lebensumstände für Kin- der in Karlsruhe Individuelle und soziale gesundheitsrelevante Aspekte wie die wirtschaftliche Situation der Familie oder Lebensgemeinschaft, allein er- ziehende Elternteile und Kinderbetreuung, Arbeitslosigkeit, Bezug sozialer Hilfeleistun- gen, familiäre Belastungen bestimmen und beeinflussen das Leben von Kindern und Ju- gendlichen, ihre gesundheitlichen Potenziale und ihre Möglichkeiten an gesundheitsför- derlichen Einrichtungen teilzuhaben. Im Sinne einer vorbeugenden Planung ist es sinnvoll räumliche Verteilungen zu kennen. 2.1. Wo leben die meisten Kinder? 2010 betrug der Anteil der Personen unter 18 Jahren an der Gesamteinwohnerzahl (Wohnbevölkerung) 14,9 Prozent. Allgemeine Lebensumstände für Kinder Stadtteil %-Anteil an der Gesamtzahl in Karlsruhe < 18 Jahre < 3 J. 3- < 6 J. 6- < 15 J. 15- < 18 J. Durlach 10,2 9,5 10,2 10,4 10,5 Südweststadt 7,0 8,8 7,5 6,6 5,4 Weststadt 6,7 8,4 7,5 6,1 5,6 Neureut 6,3 6,0 5,9 6,5 6,1 Nordstadt 5,6 3,8 4,8 6,1 6,0 Südstadt 4,9 8,0 4,9 4,2 4,7 Tab. 1: Stadtteile mit besonders hohen Anteilen an den unter 18-jährigen in Karlsruhe Quelle: Amt für Stadtentwicklung, Statistisches Jahrbuch 2011 Abb. 2: Anteil der unter 18-Jährigen an der Bevölkerung Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 9 Auf die Gesamtstadt bezogen hat Durlach dabei mit Abstand den höchsten Anteil von unter 18-jährigen Bewohnern. Bezogen auf die Wohnbevölkerung im jewei- ligen Stadtteil haben die höchsten Anteile an unter 18-Jährigen: Nordstadt 24,6 Prozent Hohenwettersbach 24,6 Prozent Palmbach 19,0 Prozent Oberreut 18,6 Prozent Hagsfeld 17,1 Prozent Die Liste zeigt, dass die bevölkerungsreichs- ten Stadtteile erwartungsgemäß die meisten Kinder haben, dass aber Familien mit Kindern bevorzugt von Stadtteilen angezogen wer- den, die preiswerten Wohnraum bieten, etwa für kinderreiche und/ oder einkommens- schwache Familien (als Beispiel kann Ober- reut gelten) oder kinderfreundliche Wohnla- gen (ruhige Lage, im Grünen, Einfamilienhäu- ser). Als Beispiele sind Hohenwettersbach und Palmbach zu nennen, die durch die Anzie- hungskraft ihrer Neubaugebiete auf junge Familien vor anderen vergleichbaren Stadttei- len liegen. 2.2. Soziale Situation von Kindern in Karlsruhe Der Nationale Kinder- und Jugendsurvey KiGGS betont die soziale Lage als wichtige Größe, die die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen mitbestimmt. Ein besonderes Augenmerk verdienen daher Haushalte, in denen (statistisch gesehen) die Betreuungssi- tuation der Kinder und / oder die materielle Situation schwierig sind. 2.2.1. Haushalte mit einem Elternteil / Allein- erziehende 6968 Karlsruher Haushalte sind Alleinstehen- de mit Kindern, das sind 4,3 Prozent aller Karlsruher Haushalte. Die höchste Zahl von Alleinstehenden mit Kindern (beziehungsweise deren Prozent - Anteil an den 6968 Haushalten in Karlsruhe) haben: Durlach 766 Haushalte (11 Prozent) Weststadt 499 Haushalte (7,2 Prozent) Mühlburg 482 Haushalte (6,9 Prozent) Südweststadt 475 Haushalte (6,8 Prozent) Südstadt 421 Haushalte (5,9 Prozent) Stadtteile mit hohen Anteilen an Alleinerzie- henden an der Gesamtzahl der Stadtteilbe- wohnerinnen und -bewohner: Oberreut 8,4 Prozent Nordstadt 7,2 Prozent Rintheim 5,8 Prozent Palmbach 5,2 Prozent Stadtteile sowohl mit hohen Anteilen an Al- leinerziehenden als auch mit hohem Kinder- anteil sind Oberreut, Palmbach und die Nord- stadt. Allgemeine Lebensumstände für Kinder 9 10 2.2.2. Haushalte mit SGBII-Bezug Einkommensarmut kann vielfältige nachteili- ge Auswirkungen auf Kinder haben. Einen Hinweis auf die Situation in Karlsruhe kann der Anteil bzw. die Verteilung der SGBII- Bezieher sein. 2010 erhielten 7,0 Prozent der Karlsruher Haushalte SGBII-Leistungen, darunter sind: 12,1 Prozent Bedarfsgemeinschaften mit Kindern 30,8 Prozent Alleinerziehende Oberreut hat den mit Abstand höchsten An- teil an SBGII-Beziehern, darunter einen be- sonders hohen Anteil an Alleinerziehenden. In anderen Stadtteile mit hohen Anteilen an unter 18-Jährigen und Alleinerziehenden, (insbesondere der Nordstadt, s.o.), gibt es da- gegen einen unauffälligen Anteil an Haushal- ten mit prekären finanziellen Situationen. Allgemeine Lebensumstände für Kinder Anteil SGBII- Bezieherhaushalte davon Bedarfsgemein- schaften mit Kindern davon Alleinerziehende Oberreut 18,2 % 29,5% 61,9 % Innenstadt-Ost 12,2 % 25,5% 49,2 % Südstadt 10,0% 17,6 % 37,1 % Mühlburg 9,7 % 19,2 % 37,3% Durlach 7,0 % 11,0 % 26,2% Tab. 2: Stadtteile mit dem höchsten Anteil an SBGII-Haushalten (Statistisches Jahrbuch 2011) Abb. 3: Anteil der SBGII-Haushalte an der Gesamtzahl der Karlsruher Haushalte Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 11 2.3. Versorgung mit Kindertageseinrichtun- gen Zunächst soll die Situation betrachtet werden in den Stadtteilen, die einen besonders ho- hen Anteil von Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe aufweisen. Für Kinder im Kindergartenalter findet sich vor allem in der Südweststadt und der West- stadt ein deutliches rechnerisches Defizit. Andererseits waren in der Weststadt nur 401 Plätze der 426 vorhandenen Plätze belegt. Insgesamt gibt es aber eine gute Auslastung oder auch eine Überbelegung (Neureut). Allgemeine Lebensumstände für Kinder Abb. 4: Tageseinrichtungen für Kinder im Vorschulalter Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung Stadtteil %-Anteil an den in Karlsruhe vorhandenen Plätzen Kinder unter 3 Jahren * Kindergartenalter (3 - 6/7 Jahre) * Durlach 10,1 (9,5) 10,1 (10,2) Südweststadt 3,6 (8,8) 4,5 (7,5) Weststadt 3,8 (8,4) 5,4 (7,5) Neureut 4,8 (6,0) 5,8 (5,9) Nordstadt 2,2 (3,8) 4,8 (4,8) Südstadt 3,6 (8,0) 4,5 (4,9) Tab. 3: Tageseinrichtungen in den Stadtteilen mit besonders hohen Anteilen an den unter 18-Jährigen in Karlsruhe Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung * in Klammer stehen die Werte aus Tab. 1: Prozent-Anteil an der Gesamtzahl in Karlsruhe 12 Für Kinder unter drei Jahren ist das Angebot weniger gut. Größere rechnerische Defizite finden sich in der Südweststadt, der West- stadt und der Südstadt. In allen drei Stadttei- len findet sich dementsprechend eine Über- belegung, besonders extrem in der Nordstadt (36 Plätze vorhanden, 63 belegt). Diese rechnerischen Überlegungen werden natürlich von anderen Effekten überlagert. Beispielsweise können es Kinder näher zu ih- rer Wohnung haben, wenn sie eine Tagesein- richtung in einem benachbarten Stadtteil be- suchen. Andererseits sind Eltern sehr mobil und es kommt auch zu Belegungen in weiter entfernten Stadtteilen. Insofern lohnt ein Blick auf die Stadtteile, in denen ein hoher Anteil von Alleinerziehen- den bzw. Familien in schwierigen finanziellen Umständen wohnen, die aus zeitlichen und finanziellen Gründen eher weniger mobil sind. Offensichtlich ist gerade dort die Versorgung besonders gut. Im Gegensatz zu den Stadt- teilen mit einem hohen Anteil von Kindern, die rechnerisch oft unterversorgt sind, gibt es hier eine besonders gute Versorgung. Mit Ausnahme der Kinder unter drei Jahren in Oberreut, liegt der Anteil an Plätzen in Ta- geseinrichtungen über dem Anteil an Kindern in dieser Altersklasse, teilweise sogar sehr deutlich. Der Bedarf in einem Stadtteil lässt sich nicht allein daran bemessen, dass die Plätze belegt sind. Nicht wenige Plätze werden von Kin- dern / Eltern aus anderen Stadteilen bean- sprucht. In besonderem Maß gilt das für Kin- dertageseinrichtungen, die besondere Öff- nungszeiten, besondere Programme oder Profile aufweisen. Erkenntnisse über Bedarfe fließen in den Ju- gendhilfebericht ein und werden über den Jugendhilfeplan umgesetzt. Zusammenfassung: Kindertageseinrichtungen sind bedeutende Faktoren für die kindliche Gesundheit, weil sie die zentralen Lebenswelten für Kinder sind • zum Kennenlernen und Aneignen von Kul- turtechniken • für Erfahrungen zu gesunder Ernährung • für wichtige soziale Erfahrungen und In- teraktionen • zum Stärken der eigenen Lebenskompe- tenz Die Versorgung in Karlsruhe ist relativ gut, für Kinder unter drei Jahren bestehen jedoch Defizite. Allgemeine Lebensumstände für Kinder Stadtteil %-Anteil an den in Karlsruhe vorhandenen Plätzen Kinder unter 3 Jahren * Kindergartenalter (3 - 6/7 Jahre) * Oberreut 1,2 (4,7) 4,4 (3,9) Innenstadt-Ost 8,0 (1,9) 3,0 (1,5) Mühlburg 7,1 (5,7) 5,2 (4,9) Tab. 4: Tageseinrichtungen in den Stadtteilen mit besonders hohen Anteilen an Alleinerziehenden und SBGII-Empfängern Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung * in Klammer stehen die Werte %-Anteil an der Gesamtzahl in Karlsruhe 13 2.4 Versorgung mit Spiel- und Lernorten Neben Schwimmbädern und anderen öffent- lichen Einrichtungen mit gesundheits- förderlicher Wirkung sind in diesem Zusam- menhang besonders allgemein zugängliche und kostenfreie Orte gemeint. Sie können ohne soziale oder sonstige Unterschiede auf- gesucht werden und dienen der Entspan- nung, der freien Bewegung sowie dem sozia- len Miteinander. 2.4.1. Naturräume Kinder und Jugendliche benötigen Räume für das freie Spiel unter freiem Himmel, das sie körperlich fordert und übt. Zur Grundausstat- tung von Spielflächen gehören sichere und langlebige Geräte und Bauten. In den letzten Jahren ist darüber hinaus die Bedeutung von Natur für die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen in den Blick- punkt gerückt. Mit Natur ist in diesem Zusam- menhang nicht nur „draußen sein“, „sich be- wegen an der frischen Luft“ gemeint, son- dern ein darüber hinausgehender Naturkon- takt. In diesem Sinne sind unter Naturräumen auch nicht der Stadtgestaltung unterworfene, von ästhetischen und gestalterischen Aspekten dominierte Grünflächen gemeint. Unter dem Schlagwort „Leave no child in- side“ hat sich in den USA in den letzten Jah- ren eine breite gesellschaftliche Bewegung formiert, die Kindern ausreichend Naturkon- takt vermitteln will und in Kindergärten und Schulen schon bemerkenswerte Erfolge vor- zuweisen hat. Die positive Wirkung eines Zugangs zu Natur auf Gesundheit und Wohlbefinden ist durch wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Schon der Anblick naturnaher Landschaften führt, im Vergleich zu einer Stadtlandschaft, zu einer kurzfristigen Erholung von Stress und geistiger Ermüdung, schnellerer körperli- cher Erholung und langfristig zur Verbesse- rung der Gesundheit und des Wohlbefindens, bei Kindern etwa zu erhöhter Aufmerksam- keit. Ein guter Zugang zur Natur fördert die körperliche Aktivität von Kindern. Die positive Wirkung von Natur auf das Wohlbefinden und die Gesundheit ist beson- ders nachhaltig, wenn sich der Naturkontakt im Alltag manifestiert, in der Schule, in der Freizeit. Gelegentliche besondere Naturkon- takte wie Wochenend- oder Schulausflüge können das ergänzen, aber nicht ersetzen. Ein intensiver Zugang zu Natur in jungen Jah- ren fördert die Wohlfahrtswirkung in beson- derem Maße. Situation in Karlsruhe: Die Stadt Karlsruhe ist umgeben von Natur- räumen, vor allem Feldflur- und Waldgebiete, die teilweise weit in den Siedlungsbereich hineinreichen, so dass sich für Jugendliche vielfach kurze Wege in die Natur ergeben. Die kinderreichen Stadtteile Hohenwetters- bach, Palmbach, Oberreut, Nordstadt und Hagsfeld sind stadtrandnah und verfügen über Naturräume an ihren Peripherien; die Nordstadt beispielsweise über den Alten Flug- platz oder die Gebiete um den Heidesee. Zahlreiche Grünzüge, die teilweise bis in den Kernstadtbereich hineinreichen, ergänzen dieses Angebot. Besondere Bedeutung hat die Alb mit ihrem Grünzug und der Günter- Klotz-Anlage. Zu fördern sind strukturelle Möglichkeiten für das freie Spielen und den Naturzugang, Aktivitätsfelder im Wohnumfeld sowie Stadt- grün, bei dem weder die Gestaltungsästhetik noch die Pflegeleichtigkeit (eintöniges Ab- standsgrün) den Vorrang haben. Zusammenfassung: Grünflächen und Naturräume spielen eine ganz zentrale Rolle für die Entwicklung und Stabilisierung der Resilienz von Kindern. Es kann für Karlsruhe festgehalten werden, dass die Versorgung mit diesen Flächen im Allgemeinen gut ist. Besonders günstig ist die Situation in den Außenstadteilen und an den Stadtrandlagen, allesamt kinderreiche Quar- tiere. Weniger günstig ist sie in der Süd-, Südwest- und Weststadt, aber auch in Mühl- burg und der Oststadt. Allgemeine Lebensumstände für Kinder 14 Schlussfolgerungen: Die festgestellten Defizite können baulich nur bei Neuplanungen ausgeglichen werden: Naturräume, Parks oder bespielbare Grünflä- chen brauchen Platz und können im Bestand einer innerstädtischen Bebauung nicht ein- fach hinzugefügt werden. Bei einer etwaigen gartenbaulichen Neu- o- der Umgestaltung wäre für den Aspekt „allgemeine Gesundheit “ die Bepflanzung mit nicht allergieauslösenden Pflanzenarten zu beachten. Hintergrund ist, dass rund ein Fünftel aller Kinder in Deutschland im Lauf ihres Lebens eine Pollenallergie entwickeln. Die Birken gehören dabei zu den bedeutendsten Verur- sachern. Daher ist bei Neupflanzungen eine neue Verantwortung und Sensibilität im Um- gang mit allergieauslösenden Bäumen und Pflanzen im öffentlichen Raum dringend er- forderlich. Kinder und Jugendliche aus innerstädtischen natrurraumfernen Quartieren können aber auch nicht einfach zu weiter entfernten Na- turflächen gehen oder fahren. Finanzielle Grenzen, fehlendes Bewusstsein oder Zeit- mangel des Elternhauses schaffen hier schnell deutlich sichtbare soziale Ungleichheiten und Unterschiede. In den Settings von Kindertageseinrichtun- gen, Schule oder Jugendzentrum haben Kin- der und Jugendliche die Möglichkeit, auch räumlich entfernte Naturräume aufzusuchen. Konzepte der Träger, die solche Ausflüge und Erlebnistage enthalten, sind gesundheitsför- derlich, nicht stigmatisierend, sie beachten die Chancengleichheit und tragen erheblich bei zu gesundheitsförderlichen Leben und Resilienz. Konzepte zur Umweltgerechtigkeit, die bei städtischen Dienststellen entwickelt und er- probt werden (etwa bei Gartenbauamt, Um- welt- und Arbeitsschutz), berücksichtigen die- se Erkenntnisse ebenfalls. Als ein Beispiel sei "Urban gardening / Stadtgärtnern" genannt. Des Weiteren können Konzepte wie "Schüler erleben Naturschutz" im Rahmen der Natur- pägagogik ausgebaut werden, um nicht nur Kindergruppen im direkten Umfeld eines Na- turschutzraums anzusprechen, sondern auch naturraumferne innerstädtische Kinder und Jugendliche. Des Weiteren können Projekte wie "Schüler erleben Naturschutz" im Rahmen der Natur- pägagogik ausgebaut werden, um nicht nur Kindergruppen im direkten Umfeld eines Na- turschutzraums anzusprechen, sondern auch naturraumferne innerstädtische Kinder und Jugendliche. Darüber hinaus können die Aktivitäten städtischer Einrichtungen systematisch aufeinander abgestimmt werden und ein ge- meinsames stadtweites Handlungskonzept entwickelt werden in das ggf. auch außer- städtische Akteure und Einrichtungen einbezogen werden können und in dessen Rahmen auch neue Projekte entwickelt werden. Allgemeine Lebensumstände für Kinder 14 15 2.4.2. Spielflächen „Im Stadtgebiet Karlsruhe gibt es 330 öffent- liche Spielanlagen mit einer bespielbaren Flä- che von insgesamt rund 540.000 m², die in die Berechnung zur Spielflächenversorgung ein- fließen. Bei einer wohnberechtigten Bevölke- rung von 300.850 Bewohnern (Stand 31.12.2010) entspricht dies einem gesamt- städtischen Versorgungsgrad von aktuell 1,79 m² bespielbare Fläche pro Bewohnerin und Bewohner. Der genannte Richtwert dient nur als Orien- tierungsrahmen. Auch wenn der Versor- gungsgrad auf das gesamte Stadtgebiet be- zogen die Mindestanforderungen von 1,7 m²/ Bewohner erfüllt, so ist die Versorgung in den einzelnen Stadtteilen sehr unterschied- lich. Während in einigen, eher peripher gele- genen, Stadtteilen eine sehr gute Versorgung vorliegt, weisen die innerstädtischen Gebiete überwiegend Defizite auf. Das Wohnumfeld, die Erreichbarkeit alternativer Spielflächen und die Altersstruktur eines Stadtviertels müssen bei der Betrachtung berücksichtigt werden.“ (Spielflächenentwicklungsplan 2011) Spielplätze, Bolzplätze und ähnliche Einrich- tungen stehen für gesundheitsförderliche Bewegung und sind nicht per se gleichzuset- zen mit Naturkontakt. In Karlsruhe liegen aber viele dieser Einrichtungen eingebettet in naturnahe Umgebung bzw. enthalten Natur- elemente wie Büsche und Bäume. Unabhän- gig von der Ausgestaltung mit Geräten kön- nen Kinder und Jugendliche den Wechsel der Jahreszeiten bewusst oder unbewusst miter- leben. So ist neben der "Bewegung" auch "Naturkontakt" ein gesundheitsförderliches Moment. Wie die Kinder und Jugendlichen ihre Spiel- möglichkeiten empfinden, wird vom Kinder- büro mit Hilfe verschiedener Methoden quar- tierbezogen ermittelt. Das Gartenbauamt be- teiligt Kinder und Jugendliche der Nachbar- schaft, wenn ein Spielplatz neu angelegt oder umfassend saniert wird. Besonders betrachtet werden die Spiel- und Bewegungsmöglichkeiten in Stadtteilen mit: • dem höchsten Anteil von Kindern und Ju- gendlichen an der Bevölkerung • den meisten Alleinerziehenden • den meisten Sozialleistungsempfängern mit Kindern Es findet sich kein durchgängiges Muster: Unter den Stadtteilen mit einem hohen An- teil an den Karlsruher Kindern und Jugendli- chen finden sich sowohl solche, die mit Spiel- flächen gut versorgt sind, als auch solche, die erhebliche Defizite aufweisen. Stadtteil Anteil unter 18 J (%) Anteil an bespielbarer Fläche (%) 1 rechnerisch ermittelte Versorgung (m 2 ) 2 mit besonders vielen Personen unter 18 Jahren Durlach 10,2 8,4 -7.435 Südweststadt 7,0 7,1 2.772 Weststadt 6,7 3,4 -17.122 Neureut 6,3 7,1 8.224 Nordstadt 5,6 4,6 8.057 Südstadt 4,9 2,8 -15.318 mit besonders viel Haushalten Alleinerziehender und Sozialleistungsempfänger Oberreut 6,0 15.378 Innenstadt-Ost 2,1 -460 Mühlburg 1,6 -19.245 Tab. 5: Versorgung mit Spielflächen in Stadtteilen mit Personen unter 18 Jahren und hohen Anteilen po- tentiell schwieriger Haushalte für Kinder Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 1 bezogen auf die bespielbare Fläche in Karlsruhe 2 bezogen auf den Spielflächenbedarf von 1, 7 m2/ Bewohner Allgemeine Lebensumstände für Kinder 16 Allgemeine Lebensumstände für Kinder Auch unter den Stadtteilen mit einem hohen Anteil an für Kinder potentiell schwierigen Haushaltssituationen ist die Lage heterogen: Oberreut, als junger Stadtteil, bei dessen Ent- wicklung die Spielflächen berücksichtigt wer- den konnten, ist ausgezeichnet versorgt, Mühlburg schlecht, Innenstadt-Ost befriedi- gend. Über alle 27 Stadtteile gesehen haben dieje- nigen, die im Peripheriebereich der Stadt oder zumindest am äußeren Rand des Stadt- kernbereiches liegen, meist eine gute bis zu- frieden stellende Versorgung. Die größten Defizite haben tendenziell ältere Stadtteile im Kernbereich mit hoher Bebauungs- und Bevölkerungsdichte. Die Situation jedes Stadtteils ist ausführlich im Spielflächenent- wicklungsplan beschrieben. Zusammenfassung: Die Versorgung mit Spielflächen ist in Karlsru- he sehr unterschiedlich: Große Defizite an bespielbarer Fläche sind in der Weststadt, in Durlach, in der Südstadt oder in Mühlburg festzustellen. Auch liegen zahlreiche Spielflä- chen mit spezieller Ausstattung sehr peripher, etwa der Skaterplatz und Abenteuerspiel- platz bei der Günter-Klotz-Anlage oder die Skateranlage im Otto-Dullenkopf-Park. Hier ist eine Erreichbarkeit nicht niederschwellig möglich. Im Prinzip können die Erkenntnisse im Kapitel 2.4.1. zu den Defiziten bei Grünflächen und Naturräumen auch für die Situation in Bezug auf Spielflächen übertragen werden. 2.4.3. Strukturelle Angebote In Karlsruhe gibt es zahlreiche Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, Familien und Schulklassen, die die Resilienz fördern und stärken. Einige können den Bedarfen in Stadtteilen zugeordnet werden, beispielswei- se Jugendzentren, und werden gezielt von den dortigen Bewohnerinnen und Bewoh- nern aufgesucht und genutzt. Andere besitzen eine größere Zentralität und werden von Kindern, Jugendlichen, Familien oder Klassenverbänden aus allen Stadtteilen besucht. Sie werden als außerschulische Lernorte zusammengefasst und dienen neben Abb. 5: Zufriedenheit mit den Spielflächen Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 17 Allgemeine Lebensumstände für Kinder der Bildung dem Erlangen von Lebens - kompetenz in einem umfassenden gesundheitsförderlichen Sinn. Hierzu zählen öffentliche Einrichtungen wie Schwimmbä- der, aber auch Sportvereine, das Naturschutz- zentrum Rappenwört, das Waldklassenzim- mer, der Zoologische Garten, der Birkenhof und andere außerschulische Lernorte. Gesundheitsförderlich sind die genannten Einrichtungen, wenn sie direkt oder indirekt eine oder mehrere der Aspekte erfüllen: • Förderung von Bewegung • Förderung einer gesunden Ernährungs- weise • Förderung einer gesunden Alltagsmobili- tät • Förderung von Naturkontakten • Förderung von Sozialkontakten • Förderung einer allgemeinen Lebenskom- petenz • Verbesserung der allgemeinen Gesund- heitssituation • Verbesserung der Chancengleichheit • Verringerung von Suchtproblematik und Suchtgefahr • Abbau von Stress, Verbesserung der Stress- verarbeitung Ein Verzeichnis von Lernorten für Schulen findet sich im Internet unter http://www.karlsruhe.de/b3/natur_und_umw elt/umweltschutz/umweltbildung/lernorte.de. In der Vorbereitung befindet sich der zukünf- tige Lernort Hofgut Maxau, der mit dem Kon- zept „erlebbare Landwirtschaft“ (Land- wirtschaftsbetrieb mit Betonung auf eine nachhaltige Arbeitsweise und strukturelle Vielfalt, Generationenspielplatz, pädagogi- sches Begleitkonzept) die Chance für einen gesundheitsförderlichen Ort hoher Zentralität hat. Durch die periphere Lage am äußersten Stadtrand ist gesundheitsförderliche Alltags- mobilität und Bewegung zu diesem Lernort am besten per Rad möglich. Das hinführende Radwegnetz wäre daher auf „Schul- klassentauglichkeit“ zu überprüfen und ge- gebenenfalls zu ertüchtigen. Dieser und wei- tere Lernorte wären in einen erweiterten Radwegschulplan aufzunehmen. Bei der gartenbaulichen Gestaltung wäre für den Aspekt „allgemeine Gesundheit “ die Neubepflanzung mit nicht allergieauslösen- den Pflanzenarten zu beachten. Hintergrund ist, dass rund ein Fünftel aller Kinder in Deutschland im Lauf ihres Lebens eine Pollenallergie entwickeln. Die Birken gehören dabei zu den bedeutendsten Verur- sachern. Daher ist bei Neupflanzungen eine neue Verantwortung und Sensibilität im Um- gang mit allergieauslösenden Bäumen und Pflanzen im öffentlichen Raum dringend er- forderlich. Zusammenfassung: Die Versorgung mit Lernorten in Karlsruhe ist im Allgemeinen gut. Die vorhandenenen Orte weisen eine sehr gute Ausstattung aus. Ande- rerseits erfüllen einige nicht die Vorausset- zungen für einen niederschwelligen Zugang aller Schichten, wie z. B.: • allgemeine Zugänglichkeit, gute Erreich- barkeit mit ÖPNV, Rad oder zu Fuß • freier Eintritt • Nähe zu Lebenswelten wie Schule, Kinder- garten oder Hort Naturschutzzentrum Rappenwört, Waldklas- senzimmer, Energieberg, Birkenhof, Schwimmbäder, die meisten Sportvereine, Hofgut Maxau sind ausgezeichnete und qua- litativ hochwertige Lernorte. Sie liegen aber in den Peripherien sowohl von Wohnorten als auch von den meisten Schulen, Kindergärten oder Horten. Einige weisen zudem eine unbe- friedigende Anbindung an den ÖPNV auf, hinführende Wegeverbindungen sind teilwei- se nur unzureichend für Schulklassen, Kinder und Jugendgruppen ausgelegt. Zentral gelegene und gut erreichbare Lernor- te sind dagegen beispielsweise: Zoo, Staatli- ches Naturkundemuseum, Fächerbad. Lernorte sollen für Schulklassen, Kinder- oder Jugendgruppen leicht, sicher und zügig er- reichbar sein. Inklusionsgruppen sollten eben- falls einen guten Zugang haben. Im schulischen Kontext ist durch die gut ver- breitete Schoolcard eine kostengünstige Er- reichbarkeit per ÖPNV gegeben. Bei peripher gelegenen Spiel- und Lernorten wäre eine Überprüfung der bestehenden Radwege in Bezug auf ihre Eignung für ein gefahrloses Befahren durch Kinder und Ju- gendliche wichtig. Die in Karlsruhe zu erstel- lenden Rad-Schulwegpläne für weiterführen- de Schulen könnten Lernorte mit einbezie- hen. 18 Bei der Planung neuer Lernorte sollte die Schul- und Wohnortnähe sowie eine gute und schnelle Erreichbarkeit für Schulklassen berücksichtigt werden. 3. Umweltbezogene Gesundheitsbelas- tungen wie Lärm, Luftbelastung, Hitze 3.1. Lärm Der Zusammenhang von Lärmexposition und nachteiligen Auswirkungen auf die Gesund- heit ist seit langem bekannt und erforscht. Im "Kinder-Umwelt-Survey (KUS) 2003/06 - Lärm", (Umweltbundesamt 2009, zuletzt kor- rigiert am 02.04.2012), wurde die Lärmeinwir- kung auf 1.048 Kinder im Alter zwischen acht und 14 Jahren untersucht. Danach weisen 12,8 Prozent der Kinder eine auffällige Hör- minderung von mehr als 20 Dezibel auf. Hierbei spielt auch das Freizeitverhalten von Kindern und Jugendlichen, wie der Gebrauch von elektrischen Musikgeräten über Kopfhö- rer, Disco- oder Konzertbesuch und ähnliches eine Rolle. Bei Kindern, deren Kinderzimmer an stark befahrenen Straßen liegt, wurde bei dieser Untersuchung "andeutungsweise im Mittel ein leicht erhöhter Blutdruck" festge- stellt. Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialsta- tus sind nach dieser Untersuchung insgesamt stärker betroffen. In Karlsruhe wurde im Zusammenhang mit der Aufstellung des Lärmaktionsplanes das gesamte Stadtgebietgebiet getrennt nach den Lärmquellen Straßenverkehr, Straßen- bahnen und Schienenverkehr untersucht. Als sogenannte "Hot Spots" wurden die Berei- che ausgewiesen, in denen der nächtliche Lärmwert von 60 Dezibel (L N > 60 dB(A)) überschritten ist. Für diese Bereiche wurden Maßnahmenpläne erarbeitet, die auf unter- schiedlichen Handlungsansätzen beruhen und in der nächsten Zeit Zug um Zug abgearbeitet werden. Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen Abb. 6: Lärmbelastete Straßenzüge in Karlsruhe Quelle: Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz, Datengrundlage: Stadtplanungsamt 19 Die Karte des Zufriedenheitsgrades mit der Wohnruhe stellt die subjektive Wahrneh- mung der Lärmbelästigung dar. Sie weist noch auf andere Lärmquellen wie Gaststätten und öffentliche Plätze hin, die zur Störung der Nachtruhe führen. Hier ist besonders die Innenstadt zu nennen. 3.2. Luftbelastung Ein gesundes Wohnumfeld ist für Kinder beson- ders wichtig. Für ihre körperliche und seelische Entwicklung spielen Umwelteinflüsse und Le- bensbedingungen eine zentrale Rolle (WHO, 2006). Sie reagieren besonders empfindlich auf Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen Abb. 7: Zufriedenheit mit der Wohnruhe Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 0 10 20 30 40 50 60 70 80 1 9 80 1 9 81 1 9 82 1 9 83 1 9 84 1 9 85 1 9 86 1 9 87 1 9 88 1 9 89 1 9 90 1 9 91 1 9 92 1 9 93 1 9 94 1 9 95 1 9 96 1 9 97 1 9 98 1 9 99 2 0 00 2 0 01 2 0 02 2 0 03 2 0 04 2 0 05 2 0 06 2 0 07 2 0 08 2 0 09 2 0 10 μg/m³ KA-Mitte KA-West KA-NW Eggenstein KA-Kriegsstr. KA-Strasse Abb. 8: Stickstoffdioxidbelastung- NO2 (Jahresmittelwerte) Quelle: Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz 20 Umweltbelastungen. Durch ihre höhere Atemfre- quenz können mehr Schadstoffe oder Allergene als bei Erwachsenen in die Lunge gelangen. Zum anderen reagieren Kinder in bestimmten Phasen ihrer Entwicklung besonders sensibel auf Schadstoffe. So gibt es bei der Entwicklung der Organe bestimmte „Fenster der Suszeptibili- tät“ (Schneider, 2002; EEA, 2002). Sie stellen daher eine spezielle Risikogruppe dar: Kinder sind besonders vulnerabel. Innenraumluft Da Kinder - insbesondere Babys und Kleinkin- der - relativ viel Zeit in Innenräumen verbrin- gen, wäre eine Betrachtung im Rahmen des Kindergesundheitsberichts interessant. Man- gels verfügbarer Daten für Karlsruhe konnte dieser Aspekt nicht aufgenommen werden. 3.2.1. Stickstoffdioxid (NO 2 ) Stickstoffdioxid ist ein giftiges Gas, das we- gen seiner Löslichkeit in Wasser bereits in niedrigen Konzentrationen und bei normaler Atmung zu Reizungen der Atemschleimhäute führen kann. Es entsteht bei allen Verbren- nungsvorgängen mit hohen Temperaturen. Wesentliche Emissionsquellen sind industriel- le Feuerungsanlagen und der Kraftfahrzeug- verkehr. Zunächst wird überwiegend Stick- Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen Abb. 10: Verursacher der NO2-Immissionsbelastung am Messpunkt Reinhold-Frank-Straße 2004 Quelle: Luftreinhalteplan des Regierungspräsidiums Karlsruhe 2006 Abb. 9: Straßenabschnitte mit vergleichsweise hoher Luftbelastung (über oder knapp unter dem Grenz- wert von 40 μg/m³ Jahresmittelwert) Quelle: Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt 21 stoffmonoxid emittiert, das sich nach einer Verweilzeit in der Atmosphäre durch Oxidati- on in das giftigere Stickstoffdioxid umwan- delt. Längere Verweildauer in höheren Konzentra- tionen können chronische Bronchitis und hö- here Empfindlichkeit gegenüber Atemwegs- erkrankungen zur Folge haben. In Karlsruhe sind die aktuell geltenden Grenz- werte für Stickstoffdioxid (40 μg/m³ als Jahres- mittelwert) an stark befahrenen Straßen (wie der Messstation Karlsruhe-Straße und Karlsru- he-Kriegsstraße) dauerhaft überschritten. Ab- seits der Hauptverkehrsstraßen liegen die Im- missionswerte jedoch deutlich unter den Grenzwerten (etwa Messstation Karlsruhe- Nordwest). Wesentliche Emissionsquelle für die Grenz- wertüberschreitung ist der Kraftfahrzeugver- kehr. Dies wurde in einer vorangegangenen Wirkungsanalyse bestätigt. Industrielle Emis- sionen haben in der Wirkungsbetrachtung nur eine untergeordnete Bedeutung. Wegen der dauerhaften Überschreitung des Luftschadstoffgrenzwertes wurden vom Re- gierungspräsidium Karlsruhe Luftreinhalte- /Aktionspläne aufgestellt. Die dort aufgeführ- ten Maßnahmen haben zum Ziel die Immissi- onswerte weiter abzusenken. Hauptbelastungsbereiche sind daher Woh- nungen an stark befahrenen Straßen. Die nachfolgende Karte stellt auf der Basis einer Immissionsberechnung der LUBW die höher belasteten Straßenzüge dar, an denen die Stickstoffdioxidimmissionen über dem Grenz- wert beziehungsweise leicht darunter liegen. 3.2.2. Feinstaub (PM10 und PM2,5) Feste und flüssige Teilchen (Partikel) in der Luft, die nicht sofort zu Boden sinken, son- dern eine gewisse Zeit in der Atmosphäre ver- weilen, werden als Schwebstaub bezeichnet. Aus medizinischer Sicht sind Partikel gesund- heitlich relevanter je kleiner sie sind. Ultrafei- ne Partikel können bis in die Lunge gelangen und von dort direkt ins Blut übergehen. Feinstäube können aus sehr unterschiedlichen Quellen stammen: Sandstürme, Vulkanasche, Meersalz, Pollen, Pilzsporen, aber auch alle Verbrennungsprozesse, ob von der Industrie, Hausfeuerung oder insbesondere aus dem Kraftfahrzeugverkehr. Speziell aus Verbren- nungsvorgängen werden hauptsächlich klei- ne bis sehr kleine Partikel freigesetzt. Von gesundheitlicher Relevanz sind neben der Größe von Partikeln auch die Inhaltsstof- fe der Stäube. So sind beispielsweise Diesel- ruß oder Zigarettenrauch als krebserzeugend klassifiziert. Für diese gibt es jedoch gegen- wärtig keine gesetzlichen Beurteilungswerte. Derzeit gibt es Grenzwerte für Feinstäube bis maximal 10 μm Korngrößendurchmesser (PM 10) und einen Zielwert für Partikel bis maxi- mal 2,5 μm Durchmesser (PM2,5), der ab 2015 zum Grenzwert umgewandelt werden soll. Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 55 Karlsruhe-MitteKarlsruhe-NordwestKarlsruhe-StraßeKarlsruhe-Kriegsstr. Tage/Jahr 2003 2004 2005 2006 2007 2008 2009 2010 2011 Abb. 11: Überschreitungen des PM10-Tagesmittelgrenzwertes von 50 mg/m³ (zulässig sind max. 35 Überschreitungen pro Kalenderjahr), Stand 28.12.2011 Quelle: Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz 22 Die Karlsruher Luftmessstationen zeigen im langjährigen Verlauf lediglich einmal im Jahr 2006 eine Überschreitung des Kurzzeit- Grenzwertes für Feinstaub PM 10 in straßen- nahen Bereich an, der am stärksten belastet ist. Diese Überschreitung war auf eine groß- räumige Inversionswetterlage im Süden Deutschlands zurückzuführen. Seither sind die Grenzwerte deutlich unterschritten. Orientierende Messungen für Feinstaub PM2,5 lassen erkennen, dass auch dieser Be- urteilungswert bereits heute deutlich unter- schritten ist. Die Ursachenanalyse zeigt, dass Feinstaub gut zur Hälfte vom "großräumigen Hintergrund", die andere Hälfte zum größten Teil aus dem Straßenverkehr stammt. Industrielle Einflüsse liegen vernachlässigbar bei 1-2 Prozent. Damit konzentrieren sich die höchsten Feinstaubbelastungen auf die gleichen Stel- len wie für Stickstoffdioxid NO 2 . Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen Abb.12: Verursacher von Immissionsbelastungen an der Messstation Reinhold-Frank-Straße 2006 Quelle: Luftreinhalteplan des Regierungspräsidi- ums Karlsruhe 2006 Abb. 13: Zufriedenheit mit der Luftqualität 2011 Quelle: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung 23 3.2.3. Bürgerbefragung Als subjektive Bewertung zur Einschätzung der Luftqualität kann eine Bevölkerungsum- frage dienen, in der die Zufriedenheit der Einwohner mit der Luftqualität abgefragt wurde. Bei der Bewertung spielen neben den oben genannten Luftschadstoffen sicherlich auch andere Parameter wie beispielsweise Gerüche eine Rolle. Vom Stadtzentrum aus nach Osten wird die Zufriedenheit immer besser, nach Westen hin schlechter. Insbesondere die Nachbarschaft von Raffinerie und Rheinhafen scheint die Zufriedenheit mit der Luftqualität zu min- dern. Auch wenn dies mess-technisch nicht bestätigt werden kann. 3.2.4. Bioklimatische Situation Im Rahmen der Tragfähigkeitsstudie wurde eingehend die klimatische Situation im Raum Karlsruhe untersucht. Dabei wurden neben Kaltluft produzierenden Flächen, Kalt- und Frischluftströmungen auch "Städtische Wär- meinseln" betrachtet. Von Bedeutung ist das Bioklima insbesondere im Hinblick auf die bestehende Ausgangssitu- ation. Karlsruhe liegt in einer der wärmsten Zonen Deutschlands. Im Hinblick auf den Kli- mawandel ist zukünftig eine Verdoppelung der Hitzetage (Temperaturen von mehr als 30°C) zu erwarten. Von gesundheitlicher Re- levanz ist vor allem eine fehlende Nachtab- kühlung, die für den menschlichen Körper eine Erholungsphase darstellt. Als Beurteilungswert für bioklimatische Belas- tung wird der Bewertungsindex PMV (Predicted Mean Vote) verwendet, der den Grad der Behaglichkeit als mittlere subjektive Beurteilung einer größeren Anzahl von Men- schen wiedergibt. Ein PMV von 0 stellt dabei die Behaglichkeitszone dar. In der Karte dar gestellt sind unter anderem Flächen sehr ho- her (PMV > 1, rosa eingefärbt) nächtlicher bioklimatischer Belastung. Als "sehr hoch bioklimatisch belastete Stadt- teile" sind erkennbar: Innenstadt Ost, Innen- stadt West, Weststadt, Zentrum der Südwest- stadt, Zentrum der Südstadt, und Zentrum von Mühlburg. Eine bioklimatische Belastung allein ist zwar nicht primär relevant für die Kindergesund- heit, allerdings verfügen Kinder ebenso wie alte Menschen nur über einen eingeschränk- ten Wärmeausgleich und können daher schneller unter einem Hitzschlag leiden (UBA & DWD 2008, Koppe et. al. 2004). Als prakti- sche Maßnahme sollte in Kindertageseinrich- tungen und Schulen ein angepasstes Verhal- ten in Hitzezeiten gezeigt und unterrichtet werden. Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen 23 24 Umweltbezogene Gesundheitsbelastungen Abb. 14: Bioklimatische Belastung Quelle: Tragfähigkeitsstudie des NVK 25 4. Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen Das Krankheitsbild ändert sich In den letzten Jahren hat sich eine wesentli- che Akzentverschiebung innerhalb der Kin- dergesundheit in Deutschland und anderen Industrienationen ergeben. Waren früher für die Gefährdung der Gesundheit der Kinder und Jugendlichen vor allem akute körperliche Erkrankungen und Unfälle verantwortlich, wird ihre Gesundheit heute eher durch psy- chosoziale Fehlentwicklungen und chronisch- degenerative Erkrankungen bedroht (Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendli- chen in Deutschland (KiGGS), 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesregierung). Dabei wird der Zusammenhang zwischen Gesund- heit, sozialem Status und Bildung immer deutlicher. 4.1. Impfungen Verbesserung der Kindergesundheit in klassi- schen Bereichen wie Infektionskrankheiten, Säuglings- und Kindersterblichkeit Auf Grund der hohen Durchimpfungsraten von Kindern und Jugendlichen sind Infekti- onskrankheiten nur noch selten Ursache für Tod und Behinderung. Aus den Daten der Beobachtungsgesund- heitsämter in Baden-Württemberg ergibt sich ein Zusammenhang zwischen ansteigenden Impfraten und rückläufigen Erkrankungszah- len an Keuchhusten. Die verbesserte medizinische Vorsorge für Schwangere und die verbesserte Versorgung Neu- und insbesondere auch Frühgeborener haben zu einer verminderten Säuglingssterb- lichkeit geführt, wobei das verbesserte Über- leben Frühgeborener und vor allem extrem Frühgeborener zum Teil schwere Entwick- lungsverzögerungen und Behinderungen für die Betroffenen bedeuten kann. Verbesserte und systematisierte Behandlungs- konzepte chronischer Erkrankungen wie Mu- koviszidose, Diabetes Mellitus Typ 1, Autoim- munerkrankungen und auch Tumorerkran- kungen sind der Grund für einen Rückgang der Kindersterblichkeit. Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen Abb. 15: Todesfälle von Kindern unter 15 Jahren durch Infektionen Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 16: Anteil von Kindern mit vollständigem Impfschutz gegen Keuchhusten Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 17: Säuglingssterblichkeit in Baden- Württemberg Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 18: Kindersterblichkeit in Baden- Württemberg Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe 26 Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen 4.2. Zunahme chronischer Erkrankungen und psychosozialer Entwicklungsproblematiken Parallel dazu hat eine Verschiebung von aku- ten hin zu chronischen Krankheiten (beispielsweise Adipositas und Asthma) und von körperlichen zu psychischen Krankheiten und psychosozialen Entwicklungsdefiziten stattgefunden, die als „Neue Morbidität“ be- zeichnet wird. Übergewicht und Adipositas: Bundesweit hat sich der Anteil der adipösen Kinder und Jugendlichen in einem Zeitraum von 20 Jahren verdoppelt, der Anteil überge- wichtiger Kinder und Jugendlicher ist andert- halb mal so groß. Dabei haben Kinder mit Migrationshintergrund ein deutlich erhöhtes Risiko für Übergewicht und Adipositas. Für Baden-Württemberg lassen sich diese Zahlen in Unteranalysen der Daten aus den Einschu- lungsuntersuchungen für die Altersgruppe der unter Sechsjährigen bestätigen. Dies ist deshalb relevant, weil mit der Adipositas häu- fig Folgeerkrankungen wie die Zuckerkrank- heit und Herz-Kreislauf-Erkrankungen ver- knüpft sind, die zu den wichtigsten Todesur- sachen gehören. In einer Bevölkerung gelten folgende Anteile als normal: Anteil untergewichtiger Kinder 3 Prozent Anteil normalgewichtiger Kinder 87 Prozent Anteil übergewichtiger Kinder 7 Prozent Anteil von Adipositas 3 Prozent Die im Bild dargestellten Daten zeigen zwei wichtige Befunde: erhöht ist vor allem der Anteil adipöser, also fettsüchtiger Kinder; dies sowohl bei Kindern deutscher Nationalität als noch ausgeprägter bei Kindern mit anderen Nationalitäten. Kinder mit einer anderen als der deutschen Nationalität sind fast doppelt so häufig adi- pös wie Kinder deutscher Nationalität und gut 50 % häufiger übergewichtig. Vergleichbare Daten sind auch aus den Ein- schulungsuntersuchungen anderer baden- württembergischer Städte bekannt (etwa Stuttgart) und zeigen sich auch in der großen bundesweiten Studie des Robert-Koch- Instituts zur Kindergesundheit KiGGS (http://www.kiggs.de/). Asthmaerkrankungen halten sich nach einem Anstieg in den 70er Jahren auf hohem Ni- veau. Nach Untersuchungen an zehnjährigen Kindern in Baden-Württemberg schwanken die Raten von Kindern mit Asthma je nach Definition seit 1992 zwischen vier und acht Prozent beziehungsweise zehn und 15 Prozent (Quelle: LGA, Beobachtungsgesund- heitsämter Baden-Württemberg 2004/05). Auch andere Allergien stagnieren auf hohem Niveau: seit 1993 sind gleich bleibend um 21 Prozent der zehnjährigen Kinder aus Baden- Württemberg davon betroffen. Zum anderen finden sich zunehmend psycho- soziale Entwicklungsproblematiken und psy- chische Erkrankungen bei Kindern und Ju- gendlichen. Darunter werden Entwicklungs- und Verhaltensstörungen wie Lernstörungen, Aufmerksamkeits- und Aktivitätsstörungen, Gewaltbereitschaft, emotionale Auffälligkei- ten sowie Alkohol- und Drogenkonsum ver- standen. Dabei bestimmen Störungen der Entwicklung, der Emotionalität und des Sozi- alverhaltens einen großen Teil der aktuellen gesundheitlichen Problematiken. Entspre- chend manifestieren sich diese Störungen pri- mär in sozialen Settings wie Kindergarten, Schule und Vereinen und weniger im häusli- chen Bereich. Für die Stadt Karlsruhe liegen hierzu Zahlen aus den Schuleingangsuntersuchungen vor. Seit dem Einschuljahr 2006 wird das Verhal- ten der Kinder in vier Kategorien erfasst: nicht verhaltensauffällig, leicht verhal- tensauffällig, verhaltensauffällig und extrem verhaltensauffällig. Leicht verhaltensauffälli- ge Kinder gehören dabei in die Gruppe der Kinder, die sich regulär in eine Schulklasse Abb. 19: Gewichtsklassenverteilung bei Einschu- lungskindern in Karlsruhe Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe 27 Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen einfügen können. Kinder, die verhaltensauf- fällig oder extrem verhaltensauffällig sind, haben einen Interventionsbedarf wie bei- spielsweise intensivere Beratung durch die Schulärztinnen, Therapie oder zusätzliche Betreuung durch Sozialarbeiter oder Sonder- pädagoginnen an Schulen. Der Anteil extrem verhaltensauffälliger Kin- der schwankte von 2006 bis 2009 um die Ein- prozentmarke. Angestiegen ist der Anteil von leicht verhaltensauffälligen und verhaltens- auffälligen Kindern von knapp 35 Prozent auf 42 Prozent entsprechend gesunken der Anteil der unauffälligen Kinder von 63 Prozent auf 57 Prozent. Umgebungsfaktoren werden bestimmen, in welche Richtung sich die Grenze zwischen leicht auffälligen und auffälligen Kindern in Zukunft verschieben wird. Unter diesem Ge- sichtspunkt sollte alles dafür getan werden, dass Schulen ein stabiles soziales Umfeld bie- ten können und Familien unterstützt werden. Beispielhaft seien zwei Diagramme für den Zeitraum über 4 Jahre vorgestellt: Zusätzlich werden im Gesundheitsamt Kinder und Jugendliche mit schulvermeidendem Ver- halten sozial-medizinisch begutachtet. Dabei fiel in den letzten Jahren ein deutlicher An- stieg der Untersuchungsaufträge auf: so wa- ren im Jahr 2006 acht Kinder zu untersuchen, im Jahr 2011 bereits 21 Kinder. Nach wie vor spielen Suchterkrankungen eine Rolle. Abb. 20: Verhaltensauffälligkeit von Einschülern in Karlsruhe Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 21: Anteil verhaltensauffälliger Einschülerin- nen und Einschüler in Karlsruhe Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 22: Anteil von Kindern und Jugendlichen, die rauchen Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe 28 Bei den illegalen Drogen zeigt sich ein ande- res Bild: hier hat sich der Anteil der Jugendli- chen von zwölf bis 25 Jahren, die damit Er- fahrung haben, von 19 Prozent im Jahr 1973 auf 29 Prozent im Jahr 2008 erhöht. Für Ba- den-Württemberg liegen nur Zahlen aus dem Jahr 2007 von Jugendlichen bis 16 Jahre vor. Danach gaben vier Prozent der Befragten an, Erfahrungen mit Cannabis und 5 % mit wei- teren illegalen Drogen gemacht zu haben. An Drogen- bzw. und Medikamentenabhängig- keit gestorben sind in BW im Jahr 1990 noch über 250 Menschen, im Jahr 2008 noch 120. Alkohol: Bundesweit hat der Anteil Jugendli- cher im Alter von 12 bis 16, die nie Alkohol trinken, von 2004 bis 2008 zugenommen. Für Kinder und Jugendliche in Baden- Württemberg liegen Zahlen nur für 2007 vor. Diese zeigen vergleichbare Ergebnisse: gut 70 Prozent der zwölf- bis 16-jährigen Kinder und Jugendlichen in Baden-Württemberg trinken nie Bier und Wein. Für harte Alkoholika liegt der Anteil noch höher: gut 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen in diesem Alter trin- ken sie nie. Hier liegt Baden-Württemberg unter dem Bundesschnitt von 86 bis 88 Pro- zent für zwölf bis 16 Jahre alte Kinder und Jugendlichen (Quelle: HBSC-Studie 2007/08, LGA). Dagegen haben sich die alkoholbeding- ten Krankenhausaufenthalte in Baden- Württemberg von 2000 bis 2008 bei den un- ter 15-jährigen von 23 auf 46 je 100.000 Kin- der und Jugendliche verdoppelt (Quelle: GBE Bund, 02.12.2010). Alarmierend ist, dass be- reits zwölf Prozent der Kinder und Jugendli- chen aus Baden-Württemberg angaben, be- reits vor dem zwölften Lebensjahr Alkohol konsumiert zu haben (Quelle: HBSC-Studie 2007/08, LGA). Die Datenlage für die psychische und psycho- soziale Gesundheit ist komplex und weniger eindeutig, auch weil es hier bisher keine Längsschnittuntersuchungen gibt. Für Baden- Württemberg kann davon ausgegangen wer- den, dass zwischen 80 Prozent und 90 Prozent der zwölf- bis 16 Jahre alten Kinder und Ju- gendlichen sich wohl fühlen und über Res- sourcen verfügen, die ihnen bei der Bewälti- gung des Lebens hilfreich sind: 87 Prozent gaben an, sich durch Mitschüler akzeptiert zu fühlen; 79 Prozent betrachten ihre Mitschüler als nett. Über 86 Prozent schätzen ihren Gesundheitszustand als ausge- zeichnet oder gut ein. Mehr als 93 Prozent sind der Meinung, dass ihr Leben ein eher gutes sei, 85 Prozent gaben an, sich von ihren Eltern gerecht behandelt zu fühlen (Quelle: HBSC-Studie 2007/08, LGA). Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen Abb. 23: Anteil von Kindern und Jugendlichen, die noch nicht geraucht haben Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 24: Anteil von Kindern und Jugendlichen, die nie Alkohol trinken Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe Abb. 25: Anzahl der alkoholbedingten Kranken- hausaufenthalte in Baden-Württemberg Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe 29 Das bedeutet umgekehrt, dass zwischen zehn und 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen Schwierigkeiten mit ihrem Leben haben und nicht über ausreichende Ressourcen verfügen, um mit Schwierigkeiten fertig zu werden. Das entspricht den bundesweiten Daten. Bei den psychischen Erkrankungen muss da- von ausgegangen werden, dass 15 bis 20 Prozent der Kinder und Jugendlichen in ihrer Kindheit / Jugend an einer psychischen Störung leiden. Führend sind hierbei Angst- störungen, gefolgt von Störungen im Sozial- verhalten und depressive Störungen. Bezüglich der Entwicklungsstörungen liegen für Baden-Württemberg die meisten Daten zur Sprachentwicklung vor. Bei knapp 15 Pro- zent der Kinder mit Familiensprache Deutsch zeigte die Untersuchung der Sprachentwick- lung eine Auffälligkeit (Quelle: Daten zur Ein- schulungsuntersuchung des Jahrgangs 2010, LGA). 4.3. Zahngesundheit Die Karies konnte durch breite Präventions- kampagnen stark reduziert werden. Die Zahngesundheit von Kindern und Erwachse- nen wird wie folgt beschrieben: Zum einen mit dem Anteil der Menschen, die ein natur- gesundes Gebiss haben, also weder Karies noch behandelte oder fehlende Zähne. Zum anderen mit dem sogenannten DMF-T-Index. Dabei stehen die einzelnen Buchstaben für Decayed (kariös), Missing (fehlend aufgrund von Karies oder Parodontitis), Filled (mit Fül- lungen versehen) und Teeth (Zähne). Der In- dex beschreibt also, wie viele Zähne eines Ge- bisses im Schnitt geschädigt sind. Baden- Württemberg hat mit einem DMF-T- Index für die Zwölfjährigen von 0,56 den bes- ten Wert in Deutschland aufzuweisen (die Bundesländer Hessen, Nordrhein und Sachsen haben einen Index von jeweils 0,6 bezie- hungsweise 0,65). Das bedeutet, dass im Schnitt bei jedem Zwölfjährigen 0,56 Zähne geschädigt sind. Während mit 70 Prozent ein Großteil von ihnen ein naturgesundes Gebiss aufweist, haben Kinder des am stärksten be- troffenen Drittels im Schnitt 1,7 Zähne mit Karies (Ergebnisse Begleituntersuchung Zahn- gesundheit LGA 2010). Aus anderen Untersu- chungen kann geschlossen werden, dass die- ses untere Drittel stark von Kindern aus nied- rigen sozialen Schichten geprägt ist. Im Jahr 1994 wurde in Baden-Württemberg noch ein DMF-T-Wert bei den Zwölf-jährigen von 2,4 ermittelt, 1997 lag dieser Wert bei 1,43, im Jahr 2000 bei 1,03, 2004 waren es nur noch 0,7 kariöse oder gefüllte bleibende Zäh- ne bei dieser Altersgruppe. Aus diesem Ver- lauf ist deutlich zu erkennen, dass die Prophy- laxeanstrengungen aller Beteiligten dazu bei- getragen haben, dass hierzulande naturge- sunde Zähne bei Kindern die Regel sind. Auch bei den Milchzähnen haben sich die Zahlen verbessert. Hatten im Jahr 1997 nur 46 Prozent der untersuchten baden- württembergischen Sechsjährigen naturge- sunde Zähne, ist dieser Anteil heute auf 58 Prozent gestiegen. Leider profitieren nicht alle Kinder gleichermaßen von den Bemühun- gen um gesunde Zähne. So weisen auch nach neuesten Zahlen acht Prozent der Jugendli- chen 30 Prozent der erkrankten Zähne auf. Landesweit ist die Zahngesundheit von Kin- dern umso besser, je höher Familieneinkom- men sowie Schulbildung und Beruf der Eltern sind. Aus diesem Grund untersuchen die Schulzahnärztinnen des Gesundheitsamtes an Schulen, an denen der Anteil Kinder mit na- turgesunden Gebissen kleiner als 50 Prozent ist, besonders häufig. Hier werden zusätzlich auch die vierten Klassen und je nach Einschät- zung der Zahnärztinnen auch noch weitere Klassen zahnmedizinisch untersucht. Die El- tern erhalten dann einen Befundbericht und werden bei behandlungsbedürftigen Befun- den aufgefordert, bei ihrem Kind eine zahn- ärztliche Behandlung durchführen zu lassen. Auch die Prophylaxehelferinnen gehen in die- se Schulen besonders häufig und informieren die Kinder über die Bedeutung des Zähneput- zens und einer gesunden Ernährung. Außer- dem üben sie mit den Kindern das Zähneput- zen. Gesundheitszustand von Kindern und Jugendlichen Abb. 26: Anteil der 12-Jährigen mit naturgesundem Gebiss Quelle: Gesundheitsamt Karlsruhe 30 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale 30 5. Stärkung gesundheitsförderlicher Po- tenziale Ziel der Gesundheitsförderung bei Kindern und Jugendlichen ist es, ungünstige Lebens- muster so früh wie möglich zu durchbrechen und gesundheitliche Schutzfaktoren zu stär- ken. So werden Kinder belastbarer und wi- derstandsfähiger gegen Risikofaktoren. Die- ses als Salutogenese bezeichnete Prinzip be- rücksichtigt außerdem eine wichtige jugend- psychologische Erkenntnis: Eine zunächst un- spezifische Stärkung der persönlichen Res- sourcen und des Selbstbewusstseins (Stärkung der Lebenskompetenz ) führen zur Fähigkeit, mit „Verführungen“ aller Art, auch zu ge- sundheitsschädlichem Verhalten, adäquat umzugehen. Um die gesundheitsförderlichen Potenziale zu optimieren, sind aus der Sicht der kommu- nalen Gesundheitsförderung folgende Hand- lungsschwerpunkte erkennbar: • Verhaltensbezogene Angebote • Maßnahmen zur Schaffung gesundheits- förderlicher Lebensbedingungen • Kommunikationsmaßnahmen 5.1. Verhaltensbezogene Angebote Selbstentwicklung, soziale und individuelle Kompetenz, Strategien zur Stressbewältigung sind umfassende Potenziale des Menschen, die es ihm ermöglichen, sein Leben eigenver- antwortlich in die Hand zu nehmen und sein Verhalten gesundheitsförderlich auszurich- ten. Zur möglichst frühen Entwicklung dieser Po- tenziale bieten zahlreiche Einrichtungen Un- terstützungen an. Die zentrale Zielgruppe für ihre Aktivitäten sind Kinder und Jugendliche. Wesentliche Handlungsfelder sind neben der Lebenskompetenz die Bewegung, die Ernäh- rung sowie die Alltagsmobilität. Erreicht werden können Kinder und Jugendli- che optimal in ihren Lebenswelten, das sind vor allem Kindertageseinrichtungen, Schulen inklusive Hort, Spiel- und Bewegungsflächen oder Freizeiteinrichtungen. In diesem jeweili- gen Lebensumfeld verbringen sie einen gro- ßen Teil ihrer Zeit. Hier ist Unterstützung be- sonders wirkungsvoll und kann dazu beitra- gen, diese Einrichtungen dauerhaft zu Orten mit gesundheitsfördernder Kultur zu entwi- ckeln. 31 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Tab. 6: Überblick über die bestehenden Angebote zu „Gesund aufwachsen in Karlsruhe“ Quelle: Stadt Karlsruhe, Umwelt- und Arbeitsschutz Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen Lebenswelt: Kleine Kinder in der Familie A1 Beikost und Er- nährung nach dem ersten Le- bensjahr Landesinitiative Beki - Fachfrauen für bewusste Kin- derernährung - Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucher- schutz Baden- Württemberg, Landratsamt Karlsruhe, Land- wirtschaftsamt Gruppenberatung so- wie Workshops mit Theorie und Praxis zur bedarfsgerechten Er- nährung des Kleinkin- des • Ernährung • Stärkung der Eltern- kompetenz • Infos: www.landk reis-karlsruhe.de, www.landwirtschaft bw.info/servlet/PB/ menu/1035332_l1/ index12157731143 38.html A2 Frühe Prävention • Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, • Frühe Präventi- on • Begrüßungsmappe in den Geburtskliniken • Familienwegweiser „Startklar“ • Beratungsstelle Frühe Hilfen • Familienhebammen • Fachteam Frühe Kind- heit • Welcome • Café für jugendliche Eltern • Lebenskompetenz • Familienentlastung • Familienunterstüt- zung • Familienbildung • Bindungsförderung • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A3 Internetplatt- form: Infos über familienentlas- tende Dienste Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Bünd- nis für Familie • Lebenskompetenz • Familienstärkung • Infos: s.o. A4 Landesprogramm STÄRKE Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Fami- lienbildung Familienbildungskurse, Bindungsförderung • Lebenskompetenz • Familienbildung • Bindungsförderung • Stärkung der Erzie- hungskompetenz • Infos: s.o. 32 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A5 Projekt Alt & Jung der Familienbil- dung Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Seni- orenbüro Leihgroßeltern, Senio- rinnen und Senioren betreuen Kinder in Gruppen in vielen Stadtteilen • Lebenskompetenz • Förderung des Ge- nerationendialogs • Infos: s.o., www.karlsruhe.de/ b3/soziales/ personengruppen/ senioren/ seniorenwegweiser/ beratung A6 Elternbriefe Stadt Karlsruhe - Kinderbüro 45 verschiedene „Briefe“ mit altersge- rechten Themen in mehreren Sprachen • Lebenskompetenz • Stärkung der Eltern- kompetenz • Infos: s.o. A7 Elterncafé, offene Treffs, Vätertreff Stadt Karlsruhe - Kinderbüro • Lebenskompetenz • Familienbildung • Infos: s.o. A8 offenes Eltern- café für psychisch kranke Eltern im Parkcafé der Psy- chiatrie Stadt Karlsruhe - Kinderbüro einmaliges Projekt im Rahmen von „Frühe Prävention“ • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz • Infos: s.o. A9 Antirauchkam- pagne Stadt Karlsruhe - Kinderbüro Aufklärungsaktion, Pla- kate in Kindereinrich- tungen • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz • Infos: s.o. A10 Startpunkt- Familienzentren im Rahmen der „Frühen Präventi- on“ Stadt Karlsruhe - Kinderbüro • in 10 Stadtteilen • Austausch und Infor- mation für Schwan- gere und werdende Eltern • Beratungsangebot durch regelmäßige Besuche von Ärztin- nen des Gesundheits- amts, der Beratungs- stelle Frühe Hilfen, Fa- milienhebammen und dem Fachteam Frühe Kindheit • Lebenskompetenz • allg. Gesundheit • Chancengleichheit • Familienbildung • niederschwellige medizinische und psychologische Ver- sorgung • Bindungsförderung • Infos: s.o. 33 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen Kinder im Kindergarten = Lebenswelt Kindergarten A11 Aktivitäten zur Zahngesundheit ARGE Zahngesund- heit im Stadt- und Landkreis Karlsruhe verschiedene maßge- schneiderte Projekte im Rahmen der Zahn- arztbesuche und Fluo- ridierungsmaßnahmen • Ernährung • Infos: www.jugendzahnp flege.de/ A12 Aktion „5 am Tag“ Stadt Karlsruhe - Marktamt, Umwelt- und Arbeitsschutz, BeKi-Fachfrauen im Landratsamt Karlsru- he Kindergartengruppen erleben den Wochen- markt und probieren saisonale Früchte • Ernährung • Einzelaktionen • kostenlos • Materialien für Er- zieherinnen und Eltern • Infos: s.o., www.karlsruhe.de/ b3/maerkte A13 Landesinitiative Be Ki- Bewusste Kinderernäh- rung Landesinitiative Beki - Fachfrauen für be- wusste Kinderernäh- rung, Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucher- schutz Baden- Württemberg, Land- ratsamt Karlsruhe - Landwirtschaftsamt Veranstaltungen zu Themen der gesunden Ernährung, z.B. Frühs- tück, Pausenverpfle- gung, Süßigkeiten und Getränke Hygiene: Profil-Beki- Kindergarten • Ernährung • Hygiene • Zielgruppen sind Eltern und Erziehe- rinnen, auch Perso- nal in Kitas • Beki-Kindergärten übernehmen die Ernährung in ihre Konzeption • Infos: s.o. A14 „Bewegungswelt Karlsruher Kin- dergarten“ Stadt Karlsruhe - Schul- und Sportamt (SuS), Karlsruher Turngau weiterer Partner: Jugendstif- tung der Sparkasse • Zusatzqualifikation für Erzieherinnen und Erzieher • Kooperationen Kigas - Sportvereine • Großveranstaltung Kindergartenolympi- ade einmal jährlich • Bewegung • Schulung der Multi- plikatoren • kostenpflichtig • Materialien • Turngau: Durchfüh- rung • SuS: Organisation, Finanzierungshilfe, teilweise Durchfüh- rung • Infos: www.karlsru he.de/b3/freizeit/ sport 34 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A15 Tiger Kids AOK Projekt für mehr Bewe- gung und gesunde Er- nährung in Kinderta- geseinrichtungen • allg. Gesundheit • Schulungen • Materialien • Infos:www.aok.de/ baden-wuerttembe rg/die-aok/6734.php A16 Landesprogramm: „Komm mit in das gesunde Boot“ Stadt Karlsruhe - SuS, Stiftung • Stiftung: Ausbildung von Fachkräften, die in Kigas gehen und das Programm als Mo- dul anbieten • SuS: bewirbt und ver- teilt die Infos • konkret in KA: Modul Ernährung • Bewegung • Ernährung • Projekt (mehrfache Aktion, Modul) • kostenlos • Materialien • Infos: s.o. A17 Elternveranstal- tungen, Eltern- abende Stadt Karlsruhe, Kinderbüro zu verschiedenen The- men können kostenlos Referentinnen und Re- ferenten gebucht wer- den • Lebenskompetenz • Familienbildung • Stärkung der Erzie- hungskompetenz • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A18 Gesundheitsför- dernde Kinderta- geseinrichtungen Gesundheitsamt Karlsruhe zukünftig weitere Partner denkbar Beratung für Kinderta- geseinrichtungen, die konsequent ein gesund- heitsförderndes Profil, bzw. Lern- und Arbeits- klima gestalten wollen • allg. Gesundheit • Bewegung • Ernährung • Alltagsmobilität • Lebenskompetenz • siehe auch: „g ́sund & g ́scheit“ - Netz- werk für gesund- heitsfördernde Kitas und Schulen • Infos: www.gesundheitsa mt-bw.de 35 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen Lebenswelt: Kinder in der Freizeit A19 Sporthits für Kids Stadt Karlsruhe - SuS, Karlsruher Sport- vereine • SuS: Koordination und Infos • Sportvereine: Durch- führung • Bewegung • kindgerechte Bewe- gungsangebote mit qualifizierter Betreuung im Verein • alle "Sporthits für Kids" im Internet • Infos: www.karlsruhe.de/ b3/freizeit/sport/ freizeitspass/spass/ sporthits A20 Broschüren „Ferienangebote für Schulkinder“ Stadt Karlsruhe - SuS, Jugendfreizeit- und Bildungswerk (jfbw) des Stadtju- gendausschuss e.V. Überblick über Ferien- angebote und Freizei- ten für Schulkinder in Karlsruhe • Bewegung • Infos: www.jfbw.de/, www.karlsruhe.de/ b2/schulen/ ferienbroschuere A21 Beteiligung bei Spielflächenges- taltung Stadt Karlsruhe - Gartenbauamt, Stadtplanungs- amt, Kinderbüro • Beteiligung von Kin- dern bei Neugestal- tung oder Verände- rungen • Begehung der Spiel- flächen, Beurteilung, Auswertung • Bewegung • Lebenskompetenz • Infos: www.karlsru he.de/b3/freizeit/ gruenflaechen/ ksp_allgemeines/ index_html, Kinder- büro: s.o. A22 Ernährungsaktion Minimarathon / Stadtmarathon ARGE Zahnge- sundheit im Stadt- und Landkreis Karlsruhe Aktion im September • Ernährung • Zahngesundheit • Infos: www.jugendzahnpfl ege.de/ A23 Essstörungen AK Essstörungen (Kontakt Gesund- heitsamt) Fortbildungen, Fachta- ge, Aktionen • Ernährung • Lebenskompetenz • Bewusstsein schaf- fen • Infos: s.o. 36 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A24 Alkoholpräventi- on Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Ju- gendschutz Elternveranstaltungen, Jugendveranstaltungen • Lebenskompetenz • allg. Gesundheit • Bewusstsein schaf- fen, Umgang mit Al- kohol zu erlernen • Infos: s.o. A25 Kinderrechtefeste Stadt Karlsruhe - Kinderbüro jährliche Aktion, The- men waren und sind u.a.: „Gesundheit“ • Lebenskompetenz • allg. Gesundheit • Bewusststein schaf- fen • Infos: s.o. A26 Power Kids AOK • Programm für über- gewichtige Kinder zwischen 8 und 12 Jahren mit ihren Fami- lien • 12-Wochen-Aktion • kostenpflichtig • allg. Gesundheit • Spiel für die ganze Familie • Infos: s.o. A27 Relax Kids AOK • Kurs mit 6 – 8 Einhei- ten und Elternveran- staltung • für stressgeplagte Kin- der von 8 – 10 Jahren • Lebenskompetenz • Entspannung • Arbeitsmappe • kostenloses Angebot • Infos: s.o. Lebenswelt: Schule A28 Broschüre "Schulische Bil- dung und Betreu- ungsangebote" Stadt Karlsruhe - SuS • Adressen und Infor- mationen über die Schulen und schuli- schen Betreuungsan- gebote • Standortkarten unter- stützen die konkrete Suche nach einem wohnortnahen Ange- bot. • Bewegung • kostenlose Broschü- re • Infos: www.karlsruhe.de/ b2/schulen/ schulwegweiser A29 Kooperation „Schule und Ver- ein“ Stadt Karlsruhe - SuS, Sportvereine Sportvereine bieten an Schulen zusätzliche Be- wegungsangebote au- ßerhalb des Regelunter- richts • Bewegung • Dauerangebot • für Schulen kosten- los • Infos: s.o. 37 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A30 Landesprogramm: „Komm mit in das gesunde Boot“ Stadt Karlsruhe - SuS, Stiftung • Stiftung: Ausbildung von Fachkräften, die das Programm Grund- schulen als Modul an- bieten und selbst in Klassen gehen • SuS: bewirbt und ver- teilt die Infos • wissenschaftliche Be- gleitung durch Uni Ulm • Bewegung • Ernährung • Projekt (mehrfache Aktion, Modul) kos- tenlos • Materialien • Infos: s.o. A31 Elternveranstal- tungen, Fortbil- dungen für Lehr- kräfte, Erzieherin- nen und Erzieher Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Ju- gendschutz Themen: Mobbing, Me- dien, Pubertät etc. • Lebenskompetenz • zusätzlich Pubertäts- elterngruppen • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A32 „Zeigt her eure Füße“ in Grund- schul-Klassen Bundesverband der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. jährlicher, bundesweit Aktionstag 10. Novem- ber • Bewegung • Lebenskompetenz • allg. Gesundheit • Infos: www.bvou.net A33 Schulwegpläne für die Grund- schulen Stadt Karlsruhe - Stadtplanungsamt Für alle Grundschulen in Karlsruhe liegen Schulwegpläne vor, die den gesamten Einzugs- bereich einer Schule umfassen. In ihnen wer- den alle für die Siche- rung des Schulwegs we- sentlichen Einzelheiten festgehalten. • Alltagsmobilität • zusätzlicher Elter- brief zu den Schul- wegplänen in Deutsch, Spanisch, Italienisch, Türkisch, Russisch • Verbreitung auch bei der Aktion zum Schulbeginn, A38 • Infos: www.karlsru he.de/b2/schulen/ schulwegplaene 38 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A34 Ordner „mobil“ Karlsruher Ver- kehrsverbund KVV • Alltagsmobilität • Ordner mit Spielen, Aktionen, Tipps • Infos: www.kvv.de A35 Modellprojekt „Elternhalt“ Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Ord- nungs- und Bür- ger amt, Stadtpla- nungsamt, Polizei- präsidium Stand 5/12: an 5 Schu- len • Alltagsmobilität • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A36 Unterrichtseinhei- ten im Rahmen von „Umweltthemen im Unterricht“ Stadt Karlsruhe - UA • Beispiele: • Aufenthaltsqualität der Schulwege • Sicherheit im Alltag und auf dem Schul- weg • Ernährung • Nachhaltigkeit • Gesundheit • Alltagsmobilität • Ernährung • Lebenskompetenz • Naturkontakt • kostenlos • externe Fachkräfte • Infos: www.karlsru he.de/b3/ natur_und_umwelt/ umweltschutz/ umweltbildung/ umwelt/ umweltthemen A37 Aktion „Umweltfreund- licher und gesun- der Schulbeginn“ Stadt Karlsruhe - Marktamt, Kin- derbüro, Stadtpla- nungsamt Einzelaktionen zum Schulbeginn auf Wo- chenmärkten, Vertei- lung von Schulwegeplä- nen • Ernährung • Alltagsmobilität • Gesamtorganisation: Marktamt • Infos: www.karlsru he.de/b3/maerkte/ kontaktinformation/ A38 Projekt „Energy“ Max-Rubner- Institut an 10 Schulen, europa- weites Projekt • Ernährung • Infos: www.mri.bund.de/ A39 Bedarfsgerechte Ernährung von Kindern (Landes- initiative Be Ki - Bewusste Kinder- ernährung) Ministerium für Ländlichen Raum und Verbraucher- schutz Baden- Württemberg, Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe Angebot bis Kl 6 und für Eltern in Form von Veranstaltungen zu Themen der gesunden Ernährung, z.B. Frühs- tück, Pausenverpfle- gung, Süßigkeiten und Getränke • Ernährung • Infos: www.landkreis-kar lsruhe.de, www.landwirtschaft bw.info/servlet/PB/ menu/1035332_l1/ in- dex1215773114338. html 39 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A40 Ausstellungen im Ernährungszent- rum Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe Interaktive Ausstellun- gen mit wechselnden Themen zu gesunder Ernährung, Lebensmit- tel und Kochpraxis für Schulklassen • Ernährung • für Vorschulklassen und 1. bis 4. Klasse • Thema bis 2013: Obst • Infos: s.o. A41 „Vom Korn zum Brot“ Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe Lernstation zu Getreide für Vor- und Grund- schulen • Ernährung • mobile Ausstellung im Landkreis für 6 Wochen im Jahr • Infos: s.o. A42 Projekt Fast Food Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe • Fett und Energie in Fast-Food-Menüs • Fast Food und Geträn- ke • Fast Food und Bewe- gung • kleine Küchenpraxis • Ernährung • ab Kl. 7 • findet in den Schu- len statt • Infos: s.o. A43 Erzeugung von Lebensmitteln in der Landwirtschaft. Leben in der Landwirtschaft Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe Lernort Bauernhof bie- tet außerschulischen Ort um zu erleben, wie Lebensmittel erzeugt werden und Nutztiere leben. • Ernährung • Schwerpunktthe- men von Obst bis Geflügel • alle Altersklassen von Schulen • aktives Erleben • mit allen Sinnen ler- nen • Infos: s.o. A44 Fortbildungen für Lehrkräfte Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe • Ernährung • Lehrkräfte für The- ma sensibilisieren • Beispiele für den Einsatz im Unter- richt zeigen • Kompetenzen verbessern • Infos: s.o. 40 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A45 Aktivitäten zur Zahngesundheit ARGE Zahnge- sundheit im Stadt- und Landkreis Karlsruhe verschiedene maßge- schneiderte Projekte im Rahmen der Flankie- rung der Zahnarztbesu- che, der Fluoridierungs- maßnahmen • Ernährung • allg. Gesundheit • Infos: www.jugendzahnpfl ege.de/ A46 Projekt „Trinkwasser- brunnen“ Stadtwerke Karls- ruhe Ziel des Initiativkreis für die Leitlinie „Gesund aufwachsen“ ist die In- stallierung von Trink- wasserbrunnen an allen Karlsruher Schulen und Einrichtungen • Ernährung • Gesundheit • Infos und Kontakt: www.stadtwerke- karlsruhe.de A47 ScienceKids: Gesundheit entdecken von Klasse 1 bis 10 AOK Baden- Württemberg Angebote für Grund- schule, Sekundarstufe 1, Lehrkräfte • allg. Gesundheit • Bildungsplankonfor- me und wissen- schaftlich erprobte Materialien • Fortbildungsange- bote • Infos: www.aok.de /baden-wuerttem berg/die-aok/6734. php, www.scien cekids.de A48 Tabakprävention für Schülerinnen und Schüler Landratsamt - Ge- sundheitsamt Zweistündiges Angebot für 6. und 7. Klasse • allg. Gesundheit • Infos: s.o. A49 „Gesundheit macht Schule“ AOK Mittlerer Oberrhein Angebote für Unter- richtseinheiten durch Fachkräfte, Fortbildun- gen für Eltern, Lehr- kräfte • Ernährung • Bewegung • Stressbewältigung • Suchtprävention • Lebenskompetenz • Ordner zur Über- sicht der Themen und Angebote • i. d. R. kostenlos • Infos: s.o. 41 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A50 Schulgärten Stadt Karlsruhe - Gartenbauamt Bau, Pflege, Beratung, Beteiligung bei Neuges- taltung oder Verände- rung • Ernährung • Lebenskompetenz • Naturkontakt • Infos: www.karlsruhe.de/ b3/freizeit/ gruenflaechen/ broschueren/ A51 Schüler erleben Naturschutz Stadt Karlsruhe - UA • schulischer Rahmen • Pflegeeinsätze und Ex- kursionen in schulna- hem Schutzgebiet • Naturkontakt • Lebenskompetenz • Chancengleichheit • i.d.R. 4. Klassen • Infos: s.o. A52 Modellprojekt „Gesund aufwachsen in Mühlburg“ Stadt Karlsruhe - SuS u.a. • Ernährung • Bewegung • Alltagsmobilität • Lebenskompetenz • Chancengleichheit • Infos: s.o. A53 Netzwerk „Bildung und Ge- sundheit“ Stadt Karlsruhe - SuS, Landratsamt - Ge- sundheitsamt • Bildungsangebote für Schule, Freizeit • SuS und Gesundheits- amt koordinieren • Ernährung • Bewegung • Alltagsmobilität • Lebenskompetenz • Infos: www1.karls ruhe.de/Ressourcen/ Gesund_Bildung/ A54 Gesundheitsför- dernde Schulen Landratsamt - Ge- sundheitsamt weitere zukünfti- ge Partner denk- bar Beratung für Schulen, die konsequent ein ge- sundheitsförderndes Profil, bzw. Lern- und Arbeitsklima gestalten wollen • allg. Gesundheit • Bewegung • Ernährung • Alltagsmobilität • Lebenskompetenz • siehe auch: „g ́sund & g ́scheit“ - Netz- werk für gesund- heitsfördernde Kin- dertageseinrichtung en und Schulen • Infos: www.gesund heitsamt-bw.de, www.landkreis- karlsruhe.de 42 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A55 „Schule gesund- heitsorientiert lei- ten und gestal- ten“ Landratsamt - Ge- sundheitsamt Fortbildungsreihe für Schulleitungen • allg. Gesundheit • Bewegung • Ernährung • Alltagsmobilität • Lebenskompetenz • Infos: s.o. Setting: Jugendliche in der Freizeit, außerhalb von Schule und Hort A56 „Sport auf der Straße“, „Integration mit Sport“ Stadt Karlsruhe - SuS vielfältiges Angebot verschiedener Sportar- ten • Bewegung • Lebenskompetenz • Chancengleichheit • für Kinder ab 6 Jah- re, Jugendliche und junge Erwachsene • Teilnahme kosten- los, keine Anmel- dung • Infos: www.karlsruhe.de/ sport/projekte A57 Beteiligung bei Skaterplätzen Stadt Karlsruhe - Gartenbauamt Partizipation bei Neu- gestaltung • Bewegung • Lebenskompetenz • Dauereinrichtung • oder Veränderung A58 Netzwerk „Bildung und Ge- sundheit“ im Stadt- und Land- kreis Karlsruhe Stadt Karlsruhe - SuS, Landratsamt - Ge- sundheitsamt • Bildungsangebote für Schule, Freizeit • Sus und Gesundheits- amt koordinieren • Lebenskompetenz • Datenbank mit viel- fältigen Angeboten außerschulischer Partner zur Gesund- heitsförderung und Prävention • Infos: s.o. A59 Karlsruher Ju- gendkonferenz „Hier ist unser Platz“ Stadtjugendaus- schuss e.V. Ideen und Vorstellun- gen von lebenswertem Karlsruhe • Lebenskompetenz • Chancengleichheit • Einzelaktion • Anmeldung und In- fos:: www.stja.de/ Jugendkonferenz 43 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen A60 Wir zeigen ́s euch! Stadt Karlsruhe - Kinderbüro, Stadtjugendaus- schuss e.V. Kinder führen Kinder durch Rathaus, Zoo, BLM • Lebenskompetenz • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A61 Kinder- und Ju- gendeinrichtunge n in allen Stadt- teilen Stadt Karlsruhe - SJB, Stadtjugen- daus-schuss e.V. • Bewegungs- und Ex- perimentierräume • altersentsprechende Angebote und Anfor- derungen • Mitwirkungs- und Gestaltungsmöglich- keiten • Bewegung, Spiel, Ent- spannung, Anerken- nung und Geborgen- heit • Lebenskompetenz • Bewegung • Infos und Beratung auch für Eltern • Infos: www.stja.de A62 „Hast du Bock auf BogG?“ Stadt Karlsruhe - SuS, Polizeiposten A- kademiestraße • Boxen gegen Gewalt für Kinder und Ju- gendliche von 12 - 17 Jahren • Schirmherrschaft Sven Ottke • Lebenskompetenz • Bewegung • Infos: s.o. A63 Initiative „Gut- Drauf“ „Komm in Form“- Projekt des Minis- teriums für ländli- chen Raum und Verbraucher- schutz Baden- Württem-berg, Gut-Drauf Teamer auf die Zielgruppe Ju- gendliche zugeschnitte- ne Inhalte zu Ernäh- rung und Alltagskom- petenzen • Ernährung • Lebenskompetenz • Vermittlung: Ernäh- rungszentrum • kostenfrei • in Jugendeinrichtun- gen • Infos: s.o. A64 Kochkurse für Kinder und Ju- gendliche Ernährungszent- rum im Land- ratsamt Karlsruhe praktische Vermittlung von Grundkenntnissen in der Lebensmittelzu- bereitung und im Ko- chen • Lebenskompetenz • Ferienangebot • versch. Altersstufen • Infos: s.o. ambulante medizinische Versorgung von Kindern und Jugendlichen A65 IGEL-Gruppe für Kinder von psy- chisch kranken Eltern Stadt Karlsruhe - Psychologische Beratungsstelle für Eltern, Kinder u. Jugendliche • seelische Gesund- heit • Infos und Kontakt über Telefon: 0721/133-5360 44 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Nr Thema Akteur Unterthema Ziel, Anmerkungen Projekte und Programme für mehrere Lebenswelten A66 Kinderfreundlich- keitspreis Arbeitsgemein- schaft Kinder in Karlsruhe (KiK) des Karlsruher Bündnis für Fami- lie Würdigung der Arbeit für Kinder und Familien • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz • Jury nur aus Kindern und Jugendlichen • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A67 Ferienprogramme Jugend-Freizeit- und Bildungswerk jfbw des Stadtju- gendausschuss e.V Ferienangebote • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz • Infos: http:// www.jfbw.de A68 Kinderinteressen- vertretung Jugendschutz Stadt Karlsruhe - Kinderbüro Infos und Aktionen zu „Mobil zum Ziel“, „Elternhalt“, Häusliche Gewalt, Stärkung bei Problemen mit Alkohol oder Drogen • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz • Beratung, Projekte • Infos: www.karlsru he.de/b3/soziales/ einrichtungen/ kinderbuero.de A69 „Gesundheit für alle“ Initial e.V. Kochkurse für Kinder von Hartz IV- Empfängern, Schulgar- tenarbeit • Ernährung • Lebenskompetenz • Chancengleichheit • neue Idee: Brotback- haus für Gruppen • Infos: http://www. gfa-karlsruhe.de/ A70 „Bleib Xund!“ private Initiative Broschüre für Jung und Alt, Karlsruhe und Um- gebung • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz A71 Kinderpass Stadt Karlsruhe - SJB, Stadtjugend- ausschuss e.V. • allg. Gesundheit • Lebenskompetenz • Infos: s.o. 45 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale 5.2. Weitere Maßnahmen zur Schaffung ge- sundheitsförderlicher Lebensbedingungen Empfehlenswerte Beispiele und Maßnahmen bezüglich der Gesundheitsförderung von Kin- dern und Jugendlichen sind auszugsweise dem Handbuch „Gesund aufwachsen und le- ben Baden-Württemberg“ des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg (www.gesund- heitsamt-bw.de, 2012) entnommen: • "Schulhöfe, Sporthallen und -plätze, Spiel- plätze sowie Parks sollten für die Öffent- lichkeit zur Verfügung stehen, wohnge- bietsnah sein und attraktive Öffnungszei- ten aufweisen" • "Bewegung, Spiel und Sport in Wohnquar- tieren können durch Schaffung verkehrs- beruhigter Zonen / Spielstraßen gefördert werden" • "Fuß-, Schul- und Fahrradwege sollten si- cher sowie gut beleuchtet und gekenn- zeichnet sein" • "ungenutzte Räume können, auch tempo- rär, für Kinder nutzbar gemacht werden" • "an Schulen ... sollten Automaten mit Sü- ßigkeiten und Süßgetränken ... abge- schafft werden" • "im näheren Umfeld von Kitas und Schulen sollten keine Kioske, Fast-Food-Angebote zugelassen werden" • "Kitas und Schulen sollten kostenlos Trink- wasser oder ungesüßten Tee anbieten" In Karlsruhe hat eine Arbeitsgruppe zur Er- stellung der Leitlinie „Gesund aufwachsen in Karlsruhe“ (siehe Anhang) unter Federfüh- rung des Gesundheitsamts ebenfalls konkrete Maßnahmen vorgeschlagen, die 2012 aktuali- siert, und zwischenzeitlich auch in den Ar- beitsgruppen der kommunalen Gesundheits- konferenz diskutiert wurden. 45 46 • grün. ist umgesetzt • gelb: kurzfristig umsetzbar • orange: mittelfristig oder langfristig um- setzbar • rot: große Stolpersteine, nicht umsetzbar Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Tab. 7: Maßnahmenvorschläge zur Kindergesundheit, Bezug zur Leitlinie "Gesund aufwachsen in Karlsruhe" Quelle: Stadt Karlsruhe, Umwelt und Arbeitsschutz Setting Thema, Maßnahme Bezug zur Leitlinie, Anmerkungen 1. Allgemeines 0 - 18 J. alle 1.1. Bestands- und Be- darfsanalyse entlang der Haupt- schwerpunkte der Leitli- nie Gesund aufwachsen • Leitlinie: D - Vernetzen und vermitteln, Zugänge schaffen • wird in den beiden AGen zu Kindern und Jugendlichen in Folge der Gesundheitskonferenz vorgenommen umgesetzt: • Verhaltensbezogene Angebote in Karlsruhe, Kap. 5.1. • Ergebnis: breite Palette von Aktivitäten mit gutem Ni- veau • Bestandserfassung der pädagogischen Angebote für Schulen (Netzwerk Bildung und Gesundheit in Stadt und Landkreis Karlsruhe) • Analyse, z.B. für Kitaplätze aufgrund des Rechtsan- spruchs, bereits erfolgt und in Umsetzung (Dez. 3), nicht aus gesundheitsförderlichen Gründen erfolgt • Bedarfsabfrage teilweise schon erfolgt bei Einladung zur Gesundheitskonferenz 2012 kurzfristig umsetzbar: • gemeinsame Datenbank: „Gesundheitsförderliche Akti- vitäten für Kinder und Jugendliche in Stadt und Land- kreis“ analog zu „Netzwerk Bildung und Gesundheit“ • hoher Abstimmungsbedarf (AG hierfür existiert) • Zielstellung: Bekanntmachen der Angebote nach außen, Bedarfserkennung nach innen • Personal- und Finanzressourcen: • Medienbüro oder Externe zur Erstellung, • Personal für Dateneingabe und -verwaltung • Landkreis stellt Antrag im LK der Gesundheitskonferenz, Stadt im AUG • notfalls Entscheidung erst in GK 2013 47 2. Multiplikatoren 0 - 18 J. Kitas Schulen 2.1. Fortbildungen „Prävention und gesund- heitsförderliche Lebens- bedingungen“ für • Kitas • Schulen • Jugendeinrichtungen • Leitlinie: D - Vernetzen und vermitteln, Zugänge schaffen • Leitlinie: E - Gesunde Lebenswelten schaffen umgesetzt: • Landesprogramm „stark.stärker.WIR“ für Schulen in Pi- lotphase • Kitas und Jugendeinrichtungen: diverse, zu Einzelthe- men • Präventionstag des Stadtjugendausschuss für Stadt und Landkreis, jährlich zu diversen Themen - für Lehrkräfte und Personal der Jugendeinrichtungen kurzfristig umsetzbar: • Fortbildungen sinnvoll als unterstützende Maßnahmen zu Aktivitäten oder Strukturverbesserungen, z.B. zum Landesprogramm „stark.stärker.WIR“, nicht isoliert an- bieten • für Kita-Bereich trägerübergreifend anbieten, z.B. bei Fachberatungstreffen • Themen der Betrieblichen Gesundheitsförderung mit an- bieten - Erzieherinnen, Lehrkräfte als Betroffene, Ge- sundheit der Mitarbeiterinnen • Qualifizierung ehrenamtlich Tätiger sichern, Fortbildun- gen als Teil von Qualitätskriterien für Ehrenamtliche 3. Verbesserung der Strukturqualität in Einrichtungen 0 - 18 J. Kitas, Schu- len, Ju- gend- einrich- tungen 3.1. Gesundheitsverträg- lichkeitsprüfung GVP: Berücksichtigung gesund- heitlicher Auswirkungen bei Entscheidungen von Gemeinderat oder Stadt- verwaltung mit wesentli- cher Bedeutung • Definition und Eingren- zung • Zuständigkeiten • Entwicklung einer Checkliste • Leitlinie: E - Gesunde Lebenswelten schaffen • hoher Anspruch, großer Abstimmungsbedarf: AG • hoher Ressourcenbedarf teilweise umgesetzt: • Sozialverträglichkeitsprüfung bei vorhabensbezogenen Bebauungsplänen wurde vom GR beschlossen, ein zu prüfender Plan wird per Rundlauf in Fachstellen der SJB gelesen und mit Stellungnahme versehen; hat keine bin- dende Form, kein Arbeitskreis existiert flankierend mittel- oder langfristig umsetzbar: • Gesundheitsverträglichkeitsprüfung einrichten • Beschluss des GR notwendig Setting Thema, Maßnahme Bezug zur Leitlinie, Anmerkungen Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale 48 Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale 0 - 18 J. Kitas 3.2. Kriterien für gesund- heitsfördernde Kinderta- geseinrichtungen • Leitlinie: A - Lebenslagen und Chancengleichheit • Leitlinie: E - Gesunde Lebenswelten schaffen umgesetzt : • Teilkriterien haben viele Kitas und Schulen in ihren Pro- filen umgesetzt • Verpflegung über SuS entspricht den Kriterien der DGE mittel- oder langfristig umsetzbar: • Konzepte: „Gesunde Kita“, „Gesunde Schule“ • differenzierte Betrachtung und Zertifizierung jeweils für Schule, Kita etc. • hoher Abstimmungsbedarf 0 - 18 J. Kitas, Schu- len, sonsti- ge Ein- rich- tungen 3.3. Verpflegung für Kin- dertageseinrichtungen: Vorziel: Frisches Obst als Pflichtbestandteil jeder Mahlzeit • Leitlinie: A - Lebenslagen und Chancengleichheit • Leitlinie: E - Gesunde Lebenswelten schaffen • „gesunde Ernährung“ ist Teil der AG-Themen • federführend für Trinkwasserspender: Stadtwerke Karlsruhe umgesetzt: • Schulen: Projekt „Schulfruchtprogramm“ an einer (privaten) Schule • Kitas: zahlreiche Projekte von Beki, AOK, etc. • Trinkwasserspender an mehreren Schulen und Einrich- tungen von Stadtwerken und anderen Sponsoren (BBBank) bereits umgesetzt kurzfristig umsetzbar: • Trinkwasserspender in allen Schulen und Kinderta- geseinrichtungen mittel- oder langfristig umsetzbar • kostenlose Verpflegung in allen Kindertageseinrichtun- gen • kann nur für Einrichtungen in städtischer Trägerschaft beschlossen werden - ansonsten: Beschluss der Träger oder gesetzliche Regelung im Landtag • langfristig umsetzbar, Beschluss durch GR notwendig • Vorziel: mp 13 der Horte in Trägerschaft des Stja als Vor- bild, fördern und ausbauen für alle Stja- Horte große Stolpersteine: • nicht mit Bildungs- und Teilhabepaket konkurrieren • Schulfruchtprogramm: Co-Finanzierung durch Einrich- tung Setting Thema, Maßnahme Bezug zur Leitlinie, Anmerkungen 49 0 - 6 J. Famili- en 3.4. Familienzentren in allen Stadtteilen • Leitlinie: A - Lebenslagen und Chancengleichheit • Leitlinie: B - Ermöglichen und befähigen • federführend für Konzept der Familienzentren: Kinder- büro umgesetzt: • Anknüpfungskonzept: „Startpunkt Familienzentren“ • gesundheitsförderliche Aspekte werden eingebracht mittel- oder langfristig umsetzbar • Startpunkt Familienzentren für alle Stadtteile einrichten 4. Einzelmaßnahmen in Schulen Schulen (GS) 4.1. Laufender Bus / wal- king bus • Leitlinie: A - Lebenslagen und Chancengleichheit • Leitlinie: B- Ermöglichen und Befähigen • ist Thema in AG „Gesund aufwachsen“ • ist Thema in AG Kind-Mobilität-Verkehr • hoher Abstimmungsbedarf (OA, Polizei, Kibü, Träger etc.) • federführend: Kinderbüro, Stadtplanungsamt, OA umgesetzt: • Elternhalt als Vorstufe an 5 Standorten kurzfristig umsetzbar: • Elternhalt an weiteren Schulen einführen • Laufender Bus / walking bus: Einzelaktion, Möglich- keiten der Ausweitung werden geprüft 5. ambulante psychotherapeutische Versorgung 0 - 18 J. Eltern 5.1. Gruppen und Hilfen für psychisch und chro- nisch Kranke: • für stark belastete El- tern zum Thema "Elternsein", "was brau- chen Kinder?" • Patenschaften und Gruppen für psychisch kranke Eltern und deren Kinder • spezifische Erziehungs- beratung für psychisch kranke Eltern • Leitlinie: B - Ermöglichen und Befähigen • federführend: AK Kinder von psychisch kranken Eltern im Kinderbüro umgesetzt: • IGEL-Gruppen • Patenschaftsprojekte wie "Kulturlotsen" oder „Balu und Du“ • Teile des Landesprogramms „STÄRKE“ • SAFE-Kurse für mehrfach belastete Eltern einrichten Setting Thema, Maßnahme Bezug zur Leitlinie, Anmerkungen Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale 50 5.3. Kommunikationsmaßnahmen: Modell- projekt „Gesund aufwachsen in Mühlburg“ Das Pilotprojekt Gesund aufwachsen in Karls- ruhe Mühlburg war eine Gemeinschaftsinitia- tive des Gesundheitsforums Baden- Württemberg, aufgelegt vom Landesgesund- heitsamt mit finanzieller Förderung durch die Robert-Bosch-Stiftung. Projektlaufzeit war 2008 bis 2010. Ziel war, die Lebenswelt von Kindern und Ju- gendlichen gesundheitsgerechter auszuges- talten, unabhängig von ihrem sozialen Status. Zur Umsetzung wurde gezielt ein Gebiet der „Sozialen Stadt“ gewählt. Die Bestandsanalyse im Stadtteil zeigte eine vielfältige und innovative Angebotsland- schaft. Dies bedeutete in Konsequenz für Lenkungskreis und Beteiligte, dass nicht die Initiierung neuer Projekte im Vordergrund stand, sondern die interdisziplinäre und res- sortübergreifende Zusammenarbeit sowie der Aufbau nachhaltiger Arbeitsstrukturen: • Die Transparenz der reichhaltigen Ange- botslandschaft • Der Netzwerkaufbau und die Schaffung von Arbeitsstrukturen • Die Auswahl „passgenauer“ Angebote Wesentliche Ergebnisse waren die Verbesse- rung der Kommunikationsstrukturen und ei- ne Ausdehnung der gesundheitsfördernden Intervention auf alle Bewohnerinnen und Be- wohner im Stadtteil Mühlburg. Die positiven Ergebnisse zeigen Wirkung bisheute: Das Gesundheitsbüro war bis Ende der Pro- jektlaufzeit von „STÄRKEN vor Ort“ im Bür- gerzentrum Mühlburg angesiedelt. Entspre- chend der Programmatik des Förderpro- gramms „STÄRKEN vor Ort“, lag der Fokus bis Ende 2011 auf arbeitsmarktintegrativer Ge- sundheitsförderung mit Jugendlichen und junge Erwachsenen. In diesem Rahmen entwickelte sich das Teil- projekt "JobFit" für Jugendliche und junge Erwachsene, das gesundheitsfördernden In- put mit beruflicher Qualifizierung verbindet. Dieses Projekt wird auch 2012 weiter verfolgt. Die „Stadtteilmütter“- Frauen mit Migrations- hintergrund unterschiedlicher Herkunft - wurden im Rahmen von „STÄRKEN vor Ort“ in einem hierfür konzipierten Qualifizie- rungsmodul geschult. Sie agieren nun als Multiplikatorinnen für Gesundheit. Seit 2012 beraten zehn Stadtteilmütter Familien bei Fragen zu Erziehung, Bildung und Familien- gesundheit und unterstützen sie bei Behör- dengängen (Kontakt: info@jugendhaus- karlsruhe.de). Aufgrund der Übernahme der Projektkoordi- nation durch das städtische Schul- und Sport- amt konnten wichtige Aufgaben auch nach Beendigung des Modellprojekts hinaus be- gleitet und umgesetzt werden: "Sport auf der Straße'", "Komm mit in das gesunde Boot", "Gesundheit macht Schule" in Kooperation mit der AOK, "Fit Flott" an der Vogesenschule. Zielgruppen waren Kinder und Jugendliche im Kindergarten, der Schule und in ihrer Frei- zeit. Alle diese Projekte im Kinder- und Ju- gendbereich sind sehr gut angenommen und erfolgreich. Im Zuge der ersten kommunalen Gesund- heitskonferenz 2012 konnte ein neuer Ar- beitskreis mit dem erweiterten Themenspekt- rum „Gesund aufwachsen und leben in Mühl- burg“ mit der Weiterführung der Aufgaben und Fortschreibung von Themenfeldern be- auftragt werden. Ausblick: Die Alltagsmobilität von Kindern und Jugend- lichen in der Schule wird ein neues Themen- feld werden. In Zusammenarbeit mit dem Kinderbüro und weiteren Dienststellen wird Stärkung gesundheitsförderlicher Potenziale Abb. 27: Darstellung der Projektthemen „Gesund aufwachsen in Mühlburg“ Quelle: Lenkungskreis GAL Mühlburg, Elke Vienken 51 modellhaft mit einer Schule erprobt werden, wie Radwegschulpläne erstellt und eingesetzt werden können. Weiterhin ist die Stärkung von Familien - ins- besondere auch von Familien mit Migrations- hintergrund und mit erschwertem Zugang zu Hilfen, Programmen und Versorgungseinrich- tungen - ein wichtiges Thema. Eine intensive Zusammenarbeit mit den Kin- dertageseinrichtungen ist vorgesehen, um bei Bedarf qualifizierte Programme - beispiels- weise der AOK - für gesundheitsfördernde Kitas einzubringen. Mit den ansässigen Dienstleistern und Gewer- betreibenden soll angedacht werden, wie öffentlichkeitswirksame Aktivitäten im Ge- sundheitsbereich gemeinsam geplant und ausgerichtet werden können. 6. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen Soziale Schichtzugehörigkeit hat wesentli- chen Einfluss auf die Gesundheit Für alle aufgeführten Aspekte der Gesund- heit von Kindern und Jugendlichen finden sich erhebliche Unterschiede im Gesundheits- zustand verschiedener sozialer Gruppen. Niedrigere soziale Schichten haben fast bei allen Krankheiten oder Entwicklungsstörun- gen (Ausnahme: allergische Erkrankungen) eine deutlich höhere Krankheitslast zu tra- gen. Beispielhaft kann dies in Baden-Württemberg für den Konsum von Nikotin, Alkohol und Drogen gezeigt werden. Ein weiteres Beispiel ist die Verteilung der Karies. Aus verschiedenen Untersuchungen kann geschlossen werden, dass hiervon insbe- sondere Kinder aus niedrigen sozialen Schich- ten betroffen sind. Bundesweite Daten zeigen, dass die Häufig- keit von Übergewicht und Adipositas, psychi- scher Erkrankungen und Entwicklungsstörun- gen eine klare Abhängigkeit von der sozialen Schicht aufweisen. Auch bei gesundheitsför- derlichen Verhaltensweisen ist dieser Zusam- menhang gegeben: Kinder und Jugendliche aus der oberen und mittleren sozialen Schicht ernähren sich abwechslungsreicher und be- wegen sich mehr. Schließlich kann auch beobachtet werden, dass Kinder und Jugendliche aus niedrigen sozialen Schichten über weniger familiäre und soziale Ressourcen verfügen und damit Belastungen weniger gut bewältigen können. Die Zugehörigkeit zu einer sozialen Schicht hat sich neben dem Geschlecht als wichtigs- ter Einflussfaktor für Gesundheit und Lebens- erwartung herausgestellt. Gesundheit ist abhängig von Bildung: Bildung und Gesundheit beeinflussen sich wechselseitig: Zahlreiche Studien zeigen, dass der Bildungsstand eine wesentliche Determi- nante der Gesundheit ist, aber umgekehrt ermöglicht auch erst ein altersentsprechender Gesundheits- und Entwicklungszustand, die persönlichen Potenziale umsetzen zu können. Dabei wird unter Bildung nicht nur die Ver- mittlung von Wissen verstanden, sondern auch die Vermittlung von Haltungen und Ein- stellungen. Beispiele hierfür sind Sprachent- wicklungsstörungen, die offensichtlich eine erfolgreiche Teilnahme am Schulunterricht erschweren, sowie Verhaltensstörungen, die Untersuchungen zufolge unabhängig von der Intelligenz zu schlechteren Schulkarrieren führen. Schlussfolgerungen Diese allgemeingültigen Erkenntnisse haben auch für Karlsruhe Bestand und spiegeln sich im Berichtswesen der Sozial- und Jugendbe- hörde zu Kindern und Jugendlichen. Den aufgezeigten Mängeln wird begegnet in der Sozialplanung, in Konzepten etwa zu "Frühe Hilfen" von Gesundheitsamt und Kin- derbüro oder auch bei Projekten der "Sozialen Stadt". "Kommunale Gesundheitsförderung" ist ein weiterer, neu geschaffener und noch junger, Bereich in Karlsruhe, der mit der Leitlinie "Gesund Aufwachsen" einen besonderen Fo- kus auf die Aktivierung gesundheitsförderli- cher Ressourcen und die Verbesserung der Lebenswelten von Heranwachsenden legt. Zentral ist hierbei zunächst die Vernetzung und Abstimmung der verschiedenen Akteure. Da Bildung, sozialer Status und Gesundheit so eng verzahnt sind, müssen auch gesundheits- förderliche und präventive Angebote der ver- schiedenen Fachleute miteinander verzahnt werden, um Synergien zu entfalten und wir- ken zu können, optimalerweise im Rahmen Erkenntnisse und Schlussfolgerungen 52 einer gesamtgesellschaftlichen Anstrengung. Ein erster Schritt war die Bestandsaufnahme Karlsruher Angebote (Tab. 6), ein zweiter die Weiterentwicklung der im Zuge der Leitlinie "Gesund aufwachsen" zusammengetragenen Maßnahmenvorschläge (Tab. 7). Von großer Bedeutung ist eine nicht stigmati- sierende Vorgehensweise, um diejenigen, die Gesundheitsförderung und Prävention auf- grund ihrer Krankheitslast am dringendsten benötigen, auch zu erreichen. Wichtig ist in diesem Zusammenhang, einen Schwerpunkt auf die Schaffung gesundheitsförderlicher Lebenswelten aller Kinder und Jugendlicher zu setzen. Stigmatisierung findet unbewusst in den Köpfen der meisten Menschen statt. Sich dies bewusst zu machen und damit um- zugehen ist für die Akteure wichtig, um eine Verbesserung der Bildungs- und Gesundheits- chancen erreichen zu können. Alle Arbeitsgruppen und Akteure der kom- munalen Gesundheitsförderung haben sich daher auch den Werten und Eckpunkten der gesundheitlichen Chancengleichheit ver- schrieben. "Frühe Hilfen" und andere aufsuchende Hilfs- angebote, die Startpunkt Familienzentren, Gruppen für Familien mit psychisch oder chronische kranken Mitgliedern sind bedeu- tende und gut funktionierende Angebote in Karlsruhe mit dem Qualitätsmerkmal "gesundheitliche Chancengleichheit". Es wäre zu wünschen, dass sie weiter ausgebaut wer- den und in allen Stadtteilen zur Verfügung stehen. Projekte wie die Einrichtung von kostenlosen und allen zugänglichen Trinkwasserspendern in Schulen sind sowohl gesundheitsförderlich als auch nicht stigmatisierend und damit bei- spielhaft. Sie sollten möglichst in naher Zu- kunft in allen Kindertageseinrichtungen, al- len Schulen - vielleicht auch in Grünanlagen oder auf Spielplätzen - der Stadt den Men- schen das gesunde, kalorienfreie und schmackhafte Karlsruher Trinkwasser kosten- los zur Verfügung stellen. Ausblick: Kommunale Gesundheitsförderung ist ein noch neuer, aber zukunftsweisender Teil der städtischen Gesamtpolitik. Die Berichterstat- tung ist dabei ein notwendiger Teil, um wei- tergehende, erforderliche Maßnahmen erar- beiten zu können. Im vorliegenden Kinder- gesundheitsbericht 2012 wurden relevante Daten zusammengetragen und erste Maß- nahmen vorgeschlagen. Bei der Suche nach einschlägigen Daten zeigen sich Grenzen z. B. bei stadtteilbezogenen Angaben zu gesund- heitlichen Beeinträchtigungen, Daten zu In- nenraumluft und Wohngiften, Allergiehäu- figkeiten, Nahrungsmittelunverträglichkei- ten, Neurodermitiserkrankungen oder Beteili- gung an Präventionsprogrammen. Auch er- weist es sich als schwierig, die vorliegenden Daten zu priorisieren auf ihre Bedeutung für die Förderung von Gesundheit und Resilienz von Heranwachsenden. In Abstimmung mit der Gesundheitsverwaltung sind zukünftig noch Indikatoren zu entwickeln, die repräsen- tative Aussagekraft haben können. Es ist beabsichtigt, einen stärkeren Fokus zu setzen auf umweltbezogene Indikatoren. Schon in diesem Bericht zeichnet sich bei- spielsweise ab, dass Alltagsmobilität und Na- turkontakt - im Verbund mit Umweltgerech- tigkeit beziehungsweise Chancengleichheit betrachtet - bedeutende Indikatoren für die Resilienz sind. Abgeleitete Maßnahmen sind in der Vorbereitung. Im Rahmen von Fortschrittsberichten soll über die Entwicklung der genannten - und eventuelle weiterer entwickelten - Maßnahmen informiert werden. Angestrebt wird auch eine wissenschaftliche Begleitung, inwieweit sich die praktizierten Aktivitäten konkret auswirken und nachhaltig zur Erreichung der gesetzten Ziel beitragen. Erkenntnisse und Schlussfolgerungen 53 Anhang 54 Anhang 55 Anhang 56 Anhang 57 Anhang 58 Anhang 59 59