Fußballstadion in Karlsruhe: Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Wildparkstadion: Anfrage StRn Dr. Leidig, StRn Lisbach, StR Schubnell, StR Borner (GRÜNE)
| Vorlage: | 30350 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 08.10.2012 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadtrat Manfred Schubnell (GRÜNE) Stadtrat Michael Borner (GRÜNE) vom 24.07.2012 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 39. Plenarsitzung Gemeinderat 16.10.2012 1216 16 a öffentlich Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Wildparkstadion 1. Wie schätzt die Verwaltung die derzeitige Sicherheitslage bei Fußballspielen im Wildparkstadion ein, und welche Maßnahmen sind aktuell in Planung, um die Sicherheitslage zu erhöhen? 2. Wie stellt sich die Lage speziell aus Sicht des Brandschutzes dar, und welche Maßnahmen sind erforderlich, um hier einen ausreichenden Sicherheitsstandard zu erreichen? 3. Welche Umbaumaßnahmen im Wildparkstadion sind nötig, um die Auflagen der DFL für die verschiedenen Fußballbundesligen zu erfüllen, und welche notwendigen Umbaumaßnahmen ergeben sich aus Baurecht und Mietvertrag? 4. Welche der Maßnahmen unter 3. dienen dabei der Verbesserung der Sicherheitslage, und mit welchen Kosten – einmalig und laufend – wären diese Maßnahmen verbunden? 5. Durch welche weiteren Maßnahmen könnte die Sicherheit im Stadion zusätzlich effektiv erhöht werden, und mit welchen Kosten wären diese Maßnahmen verbunden? 6. Weichen die aufgeführten Maßnahmen und Kosten von den Ausführungen ab, die von der Verwaltung im April 2009 genannt wurden - und falls ja, womit begründen sich die Abweichungen? 7. Durch welche baulichen Maßnahmen und welche Wegeplanung außerhalb des Stadions könnte die Sicherheit erhöht werden (Stichwort: Fangruppentrennung), und mit welchen Kosten wären diese verbunden? 8. Wie bewertet die Verwaltung die bisherigen Anstrengungen des KSC zur Bewahrung bzw. Erhöhung der Sicherheit vor, während und nach den Fußballspielen, z. B. hinsichtlich Fankultur, Einsatz des Ordnungspersonals sowie dem Aussprechen von Stadionverboten, wo sieht die Verwaltung hierbei Optimierungsmöglichkeiten und inwiefern kann die Verwaltung auf diese Maßnahmen Einfluss nehmen? Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Sicherheit in Fußballstadien ist ein hochaktuelles Thema. Nicht erst die Ausschreitungen nach dem Relegationsspiel im Mai dieses Jahres haben den Ruf nach erhöhten Sicherheitsmaßnahmen laut werden lassen. Auch die GRÜNE Gemeineratsfraktion sieht die Notwendigkeit einer verbesserten Sicherheitslage in und um das Wildparkstadion, verlangt hier jedoch Augenmaß und den gewissenhaften Umgang mit öffentlichen Mitteln bzw. Einsätzen. Daher ist zunächst festzustellen, mit welcher Ligaklasse welche Anforderungen einhergehen und welche Kosten damit verbunden sind. Zusätzliche sicherheitserhöhende Maßnahmen im und um das Stadion sind ebenfalls in die Überlegungen miteinzubeziehen. Um einen guten Sicherheitsstandard zu erreichen, sollten Umbauten so vorgenommen werden, dass eine effektive Kosten-Nutzen- Relation entsteht. Neben baulichen Maßnahmen wird öffentlich ein breites Feld von Strategien in den Bereichen Einstellung, Verhalten, Organisation und Steuerung diskutiert, die mittel- und langfristig der Entwicklung von Gewaltspiralen in und um Fußballstadien entgegenwirken könnten. Dies erstreckt sich von der Etablierung einer friedfertigen Vereins- und Fankultur über das Verhalten des Ordnungspersonals bis hin zum Aussprechen von Stadionverboten. Hierbei stellt sich die Frage, wo hier Verbesserungsmöglichkeiten liegen und inwiefern die Stadt als enge Partnerin des KSC Einfluss nehmen kann, um mit Anstrengungen auf allen Ebenen die Sicherheitslage zu erhöhen. unterzeichnet von: Dr. Ute Leidig Bettina Lisbach Manfred Schubnell Michael Borner Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 5. Oktober 2012 Sachverhalt/Begründung:
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadtrat Manfred Schubnell (GRÜNE) Stadtrat Michael Borner (GRÜNE) vom: 24.07.2012 eingegangen: 24.07.2012 vom: 24.07.2012 eingegangen: 24.07.2012 Gremium: 39. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 16.10.2012 1216 16 a Dez. 2 Fußballstadion in Karlsruhe: Maßnahmen zur Erhöhung der Sicherheit im Wildparkstadion 1. Wie schätzt die Verwaltung die derzeitige Sicherheitslage bei Fußballspielen im Wildparkstadion ein, und welche Maßnahmen sind aktuell in Planung, um die Si- cherheitslage zu erhöhen? Aufgrund der topographischen Lage des Wildparkstadions gestaltet sich die Separierung von rivalisierenden Fußballfans außerhalb des befriedeten Stadiongeländes schwierig. Bereits bei der Anreise kommt es auf den öffentlichen Straßen, Wegen und Parkplätzen rund um das Stadion zu einer Vermischung von Fußballfans. Hieraus entstehenden Ge- fahren für die öffentliche Sicherheit und Ordnung wird durch den Einsatz von Polizeikräf- ten und durch den Ordnerdienst des Karlsruher Sport-Clubs entgegengewirkt. Seit 2010 befasst sich der Ausschuss „Örtlicher Ausschuss für Sport und Sicherheit“ (ÖASS) mit Vertretungen der Führungsebenen des Karlsruher Sport-Clubs, des Polizei- präsidiums und der Stadtverwaltung (Dezernat 2 und Ordnungs- und Bürgeramt) mit Si- cherheitserfordernissen grundsätzlicher Art bei Heimspielen des Karlsruher Sport-Clubs. Vor jeder anstehenden Spielbegegnung werden die erforderlichen Sicherheitserfordernis- se von Veranstalter und den Sicherheitsorganen im konkreten Spiel festgelegt (u. a. Ord- neranzahl, Alkoholabgabe, Fantransfer vom Hauptbahnhof etc.). Durch dieses Vorgehen ist sichergestellt, dass die Erfahrungen aus den vergangenen Spielen in das aktuelle Sicherheitskonzept einfließen. Insgesamt bewertet die Verwaltung die Sicherheitslage im Wildparkstadion vergleichbar mit der anderer Stadien. 2. Wie stellt sich die Lage speziell aus Sicht des Brandschutzes dar, und welche Maßnahmen sind erforderlich, um hier einen ausreichenden Sicherheitsstandard zu erreichen? Für die Gegentribüne wurde im Jahre 2011 durch ein Sachverständigenbüro eine Evaku- ierungsanalyse erstellt. Diese wurde gemeinsam mit dem Amt für Hochbau und Gebäu- dewirtschaft, dem Bauordnungsamt und der Branddirektion abgestimmt. Mit dem Einbau von zwei zusätzlichen, 2 Meter breiten Fluchttreppen im Bereich des Stadionwalls hinter der Gegentribüne kann das Schutzziel einer Entfluchtungszeit für die Gegentribüne von unter sechs Minuten erfüllt werden. Der Einbau der Fluchttreppen ist zwischenzeitlich ab- geschlossen. Zusätzlich wird die Löschwasserversorgung auf der Gegentribüne erweitert Seite 2 und die Brandsicherheitswache erhöht. Mit den genannten Kompensationsmaßnahmen bestehen aus Sicht der Branddirektion keine Bedenken gegen eine weitere Nutzung der Holztribüne. 3. Welche Umbaumaßnahmen im Wildparkstadion sind nötig, um die Auflagen der DFL für die verschiedenen Fußballbundesligen zu erfüllen, und welche notwendigen Umbaumaßnahmen ergeben sich aus Baurecht und Mietrecht? Das Lizenzierungsverfahren für die zweite Liga unterscheidet sich nicht von dem der drit- ten Liga. Es sind die gleichen Anforderungen an die Fußballstadien in baulicher, infra- struktureller, organisatorischer und betrieblicher Hinsicht zu erfüllen. Der für die 3. Liga zuständige DFB hat vor Beginn der neuen Spielzeit die Zulassung ohne weitere bauliche Auflagen erteilt. 4. Welche der Maßnahmen unter 3. dienen dabei der Verbesserung der Sicherheits- lage und mit welchen Kosten - einmalig und laufend - wären diese Maßnahmen ver- bunden? Da seitens des DFB keine Auflagen gefordert sind, entfällt die Beantwortung. 5. Durch welche weiteren Maßnahmen könnte die Sicherheit im Stadion zusätzlich effektiv erhöht werden, und mit welchen Kosten wären diese Maßnahmen verbun- den? Derzeit prüft die Stadtverwaltung den Ausbau der Videoüberwachung am Gästeeingang Ost/Busparkplatz und hinter der Haupttribüne am Aufgang zur Geschäftsstelle. Die Kosten hierfür belaufen sich auf rund 22.000 Euro. 6. Weichen die aufgeführten Maßnahmen und Kosten von den Ausführungen ab, die von der Verwaltung im April 2009 genannt wurden - und falls ja, womit begründen sich die Abweichungen? Die Maßnahmen und Kosten der jetzt ausgeführten Sicherheitserfordernisse weichen von den Ausführungen aus dem Jahr 2009 ab, weil zum damaligen Zeitpunkt von einer Sanie- rung des Stadions am Standort Wildpark ausgegangen wurde und somit endgültige Maß- nahmen aufgeführt waren, während diese Frage nun noch nicht entschieden ist und des- wegen nur das Notwendigste am Standort Wildpark realisiert wird. Ein Teil der 2009 genannten Maßnahmen (z. B. Ertüchtigung der Wellenbrecher) wurden bzw. werden verwirklicht. 7. Durch welche baulichen Maßnahmen und welche Wegeplanung außerhalb des Stadions könnte die Sicherheit erhöht werden (Stichwort: Fangruppentrennung), und mit welchen Kosten wären diese verbunden? Seite 3 Im Juli dieses Jahres wurde die Fläche des (Gäste-)Busparkplatzes am Eingang Ost ein- gezäunt, um Ausschreitungen und Provokationen zwischen rivalisierenden Fans zu ver- hindern. Da bereits an den beiden Zauntoren Einlasskontrollen stattfinden, wird gewähr- leistet, dass nur Gästefans diese Eingänge benutzen. Damit kann eine weitere Fangrup- pentrennung erzielt werden. Busse der Gästefans parken innerhalb des eingezäunten Busparkplatzes. Die Gästefans werden dort nach Spielende wieder aufgenommen. Für bahnreisende Gästefans - insbesondere solche mit Gewaltpotential - besteht ein Bus- transfer von den Bahnhöfen Karlsruhe und Durlach zum Wildparkstadion und zurück. Die Kosten für den Bustransfer sind Bestandteil der Eintrittskarte. Fans der gegnerischen Mannschaften reisen in der Regel über die Autobahnanschlüsse der BAB 5 an und nehmen von dort die ausgeschilderten Anfahrtswege zum Wildparksta- dion in Anspruch. Besondere Parkierungsflächen in Stadionnähe für den Individualverkehr gibt es für diese Fans nicht. Eine besondere Wegeplanung, mit der eine frühzeitige Fanseparierung erreicht würde, lassen die derzeitige bauliche Infrastruktur des Stadions und die auf dieses zulaufenden Straßen und Wege nicht zu. 8. Wie bewertet die Verwaltung die bisherigen Anstrengungen des KSC zur Bewah- rung bzw. Erhöhung der Sicherheit vor, während und nach den Fußballspielen, z. B. hinsichtlich Fankultur, Einsatz des Ordnungsdienstpersonals sowie dem Ausspre- chen von Stadionverboten, wo sieht die Verwaltung hierbei Optimierungsmöglich- keiten und inwiefern kann die Verwaltung auf diese Maßnahmen Einfluss nehmen? Die drei Säulen der Fanarbeit beim Verein stellen die KSC-Fanbetreuung mit dem Fanbe- auftragten, die Supporters Karlsruhe sowie das Fanprojekt Karlsruhe dar. Dabei bietet vor allem das von der Stadt Karlsruhe mitfinanzierte Fanprojekt im Rahmen von aufsuchender und begleitender Jugendsozialarbeit vorbeugende Angebote, Einzelhilfe und Gruppenar- beit an. Das Projekt besitzt einen starken fachlichen und politischen Rückhalt durch den Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe. Es genießt eine hohe Akzeptanz bei den Fans. ● Fankultur Der KSC unterstützt die Fans hinsichtlich der positiven Stimmung im Stadion durch Ge- nehmigungen von Choreografien. Für die Gästefangruppen gibt es eine Fanbetreuerin, die sich ausschließlich um die Belange der Gästefangruppen kümmert. Zum 01.08.2011 mussten alle Profivereine auf DFB-Verlangen einen hauptamtlichen Fanbeauftragten ein- stellen, allerdings werden keine bestimmten Kriterien an die Qualität des Beauftragten oder an die finanzielle Ausstattung der Stelle gefordert. Durch gemeinsame Veranstaltun- gen mit Spielern, Trainern und Fans im Fanprojekt wird versucht, eine Bindung der Fans an den Verein herzustellen, um sicherheitsrelevante Ausschreitungen möglichst zu ver- hindern. Diese Treffen und die Kommunikationsmöglichkeiten könnten noch besser unter- stützt werden. Eine intensivere Zusammenarbeit zwischen Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter des Fanprojekts und der Verantwortlichen des KSC ist aus Sicht der Verwaltung wün- schenswert. ● Einsatz Ordnungspersonal Der KSC beschäftigt einen eigenen Ordnungsdienst und eine professionelle Sicherheits- firma, die an Spieltagen für Sicherheit und Ordnung sorgen soll. Die eigenen Ordner sind Seite 4 hauptsächlich für Einlasskontrollen, Anweisungen zu den Sitz- und Stehplätzen und für das Freihalten der Durchgänge verantwortlich. Der professionelle Sicherheitsdienst (BIG) ist für Personenkontrollen und hauptsächlich auch im Bereich der Gegentribüne und im Gästefanbereich tätig. Im Benehmen mit dem Polizeipräsidium Karlsruhe, dem Ordnungs- und Bürgeramt und dem Karlsruher Sport-Club wird zu Beginn jeder Saison ein Ordnerdienstkonzept erstellt, das die Anzahl der Ordner und ihre Einsatzbereiche unter Berücksichtigung des Be- sucheraufkommens und der Sicherheitsstufe der jeweiligen Spielbegegnung bestimmt. Regelmäßige Schulungen des Ordnerpersonals und die Kontrolle der Arbeit der externen Sicherheitsfirma durch den Sicherheitsbeauftragten sind notwendig und werden auch durchgeführt. Für die Saison 2012/2013 hat der Karlsruher Sport-Club einen neuen Sicherheitsbeauf- tragten bestellt. ● Aussprechen von Stadionverboten Stadionverbote basieren auf der Grundlage der „Richtlinien zur einheitlichen Behandlung von Stadionverboten“ des DFB. Nachdem bisher bei Anträgen der Polizei sofort ein Stadionverbot ausgesprochen wurde, was in der Fanszene Deutschlands für Unmut gesorgt hatte, hat der Karlsruher Sport-Club in Zusammenarbeit mit dem Fanprojekt ein Anhörungsgremium, bestehend aus Fans, Fanbeauftragter KSC, Stadionverbotsbeauftragter KSC und Fanprojekt, installiert. Diese Praxis mit der persönlichen Anhörung hat in der Fanszene für eine positivere Stimmung gesorgt, da sich die Fans nun auch ernst genommen fühlen.