Projekt Tageseltern: Anfrage Stadtrat Mossuto, Stadtrat Wenzel (FW)
| Vorlage: | 30185 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 11.09.2012 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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Extrahierter Text
STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadtrat Eduardo Mossuto (FW) Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) vom 10.08.2012 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 38. Plenarsitzung Gemeinderat 18.09.2012 1187 25 öffentlich Projekt Tageseltern A. Ist der Verwaltung das „Projekt Tageseltern gemeinsam für Karlsruhe“ be- kannt? Wenn JA – sieht die Verwaltung eine Chance der Prüfung auf Umsetz- barkeit des Projektes? B. Sieht die Verwaltung eine Möglichkeit der Festanstellung von Tageseltern durch die Stadt Karlsruhe? Wenn NEIN - sieht die Verwaltung zumindest eine Chance, die Festan- stellung von Tageseltern in fester Anstellung als Springer zu beschäfti- gen? C. Sieht die Verwaltung eine Möglichkeit, die Förderung von Tagespflegeperso- nen durch berufsbegleitende Weiterbildung an staatlich anerkannten Fach- schulen oder Berufsfachschulen zu Erzieherinnen und Erziehern bzw. in ei- nem sozialpädagogischen Assistenzberuf zu ermöglichen? Nach dem Kinderförderungsgesetz besteht bundesweit ab 1. Juli 2013 ein Rechtsan- spruch für alle unter Dreijährigen auf einen Krippenplatz. Laut Gerd Landsberg, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeinde- bundes, „wird diese Garantie nicht einlösbar sein". Vorgesehen ist, Krippenplätze für Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ 35 Prozent der Kinder dieser Altersklasse anzubieten. Nach jüngsten Umfragen ist die Nachfrage jedoch fast doppelt so groß und liegt bei rund 66 Prozent. Um dem tatsächlichen Bedarf nachzukommen und eine Betreuungsquote von 66 Prozent zu sichern, sind laut Landsberg bis 2013 rund 1,3 Millionen Krippenplätze nötig, was finanziell nicht zu schaffen sei. Selbst wenn ausreichend Geld zur Verfü- gung stünde, gäbe es bei weitem nicht genügend Erzieher für eine Betreuung in die- sem Umfang. Am 12. Juni 2012 wurde von der CDU/CSU und von der FDP ein Antrag zum Thema „Tagespflegepersonen stärken – Qualifikation steigern“ im Bundestag gestellt. Aus diesem Antrag geht hervor, dass die Politik zurzeit auf die Erweiterung der Tages- pflege setzt. Um eine Erweiterung zu ermöglichen, bedarf es aber vorerst der Steige- rung der Attraktivität des Berufsbildes. Dazu sind folgende Maßnahmen notwendig: Die Verbesserung der rechtlichen und finanziellen Situation der Tagespflegeperso- nen, die Förderung der berufsbegleitenden Weiterbildung von Tagespflegepersonen an staatlich anerkannten Fachschulen oder Berufsfachschulen zu Erzieherinnen und Erziehern bzw. in einem sozialpädagogischen Assistenzberuf und die Möglichkeit, einen Zuschuss zum Schulgeld sowie eine monatliche Aufwandsentschädigung in Höhe von 150 Euro zu beantragen, die Förderung von 160 Modellstandorten bun- desweit, an denen gute Ideen, wie Tagespflegepersonen gewonnen werden können, umgesetzt werden. Das Programm wurde mit 17 Mio. Euro aus dem europäischen Sozialfonds gefördert. Des Weiteren wird in diesem Antrag auf die neue EU-Hygieneverordnung und die damit entstandene Verunsicherung unter Tagespflegepersonen hingewiesen. Es werden umfangreiche Dokumentationspflichten und Kontrollen befürchtet. Die für die Umsetzung zuständigen Länder sollen den erheblichen Spielraum in der Ausgestal- tung von Leitfäden und Verordnungen zur Lebensmittelhygiene, den sie haben, im Sinne der besonderen Situation der Tagespflegepersonen nützen. Seite 3 __________________________________________________________________________________________ Kindertagespflegestellen, in denen eine größere Anzahl Kinder von mehreren Ta- gespflegepersonen betreut wird, können eine sinnvolle Ergänzung der Tätigkeit selb- ständiger Tagespflegepersonen, die eine kleine Anzahl von Kindern betreuen, sein. Es muss allerdings gewährleistet sein, dass nicht über eine massive Ausweitung der Großtagespflege eine „Tagesbetreuung light“ mit geringerem Qualitätsstandard und niedrigerer Bezahlung der Tagesmütter etabliert wird. Der Verein „Sternschnuppen e. V. Tageseltern für Karlsruhe“ hat, angelehnt an den oben erwähnten Antrag zur Stärkung der Tagespflegepersonen konkrete Vorschläge, die zum Ausbau der Kindertagespflege führen würden: 1. Projekt Tageseltern gemeinsam für Karlsruhe Der erste Vorschlag sieht die Einrichtung von Großpflegestellen nach dem Kita-Modell vor. Hierfür suchen Tageseltern und die Stadt Karlsruhe gemeinsam ge- eignete Räumlichkeiten. Die Mietkosten und die Einrichtung der Räume werden von der Stadt übernommen. Drei bis vier Tageseltern nehmen an solchen Projekten teil. Sie werden bei Ihrer Arbeit von der Pflegekinderstelle der Stadt begleitet. Die Tageseltern können in diesem Rahmen einer Selbständigkeit nachgehen. Sie könnten aber auch vom Amt fest angestellt werden. Vorteile des Projektes: Es entstehen mehr Betreuungsplätze für Kinder im Raum Karlsruhe. Eltern können längere und flexiblere Öffnungszeiten als in der klassischen Kita z. B.: Mo. - Fr. 07:00 - 18:30 Uhr in Anspruch nehmen. In der Tagespflege müssen sich die Eltern beim Ausfall der Tagesmutter (Krankheit, Urlaub, ...) um einen Ersatz kümmern. Dieser gravierende Nachteil gegenüber der Kita wäre mit dem Projekt aufgehoben. Durch geeignete Räumlichkeiten, größere Kindergruppen, förderndes Spielmaterial und nicht zuletzt durch unterschiedliche Begabungen, Besonderheiten und Potenzia- le der Betreuer würde sich die Tagespflege positiv entwickeln. Mögliche Nachteile des Projektes: Seite 4 __________________________________________________________________________________________ Ein möglicher negativer Aspekt könnte durch eine zu große Anzahl der Betreuungs- kinder entstehen. Um die Individualität der Tagespflege nicht ganz zu verlieren, sollte man in solchen Einrichtungen sich auf 20 Kinder beschränken. 2. Der zweite Vorschlag wäre die Festanstellung von Tageseltern durch die Stadt Karlsruhe. Tageseltern haben bekanntlich geringe Einnahmen. Da sie selbständig sind, müssen sie sich ab einem gewissen Einkommen selbst versichern. Das Amt übernimmt zwar einen Anteil der Sozialversicherung, jedoch sind die restlichen Kosten oft zu hoch in Relation zum Einkommen. Hinzu kommt ein ständiger Wechsel der Anzahl von Be- treuungskindern. Eine feste Anstellung würde eine finanzielle Sicherheit bieten. Sie würde dazu führen, dass das Interesse an dem Berufsbild der Tagesmutter/des Ta- gesvaters zunimmt. 3. Ein Nachteil der Tagespflege ist das Fehlen der Ersatzpflege. Wenn die Tagesel- tern erkranken, müssen die Eltern sich um eine Ersatzbetreuung kümmern. Hier könnte man Abhilfe verschaffen, indem man Tageseltern in fester Anstellung als Springer beschäftigt. Diese Maßnahme würde das Ansehen und die Effektivität der Tagespflege steigern, mehr Eltern würden sich entscheiden, ihre Kinder in die Ta- gespflege zu geben. 4. Um das Ganze abzurunden, sollte man auf die Förderung von Tagespflegeperso- nen durch berufsbegleitende Weiterbildung an staatlich anerkannten Fachschulen oder Berufsfachschulen zu Erzieherinnen und Erziehern bzw. in einem sozialpäda- gogischen Assistenzberuf setzen. Dies würde die angestrebte Annäherung zum Be- ruf des Erziehers/der Erzieherin bewirken und den Tageseltern die lang ersehnte Anerkennung verschaffen. unterzeichnet von: Eduardo Mossuto Jürgen Wenzel Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 7. September 2012
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Extrahierter Text
STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Eduardo Mossuto (FW) Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) vom: 10.08.2012 eingegangen: 10.08.2012 Gremium: 38. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 18.09.2012 1187 25 öffentlich Dez. 3 Projekt Tageseltern A. Ist der Verwaltung das "Projekt Tageseltern gemeinsam für Karlsruhe" bekannt? 1. Wenn JA - sieht die Verwaltung eine Chance der Prüfung auf Umsetzbarkeit des Pro- jekts? Das „Projekt Tageseltern gemeinsam für Karlsruhe“ ist der Verwaltung bisher nicht bekannt. Aus der Anfrage geht allerdings hervor, dass es sich hierbei um Vorschläge des Vereins „Stern- schnuppen e. V. Tageseltern für Karlsruhe“ handelt, mit dem der Pflegekinderdienst der Sozial- und Jugendbehörde in einem unregelmäßigen, anlassbezogenen Austausch steht. B. Sieht die Verwaltung eine Möglichkeit der Festanstellung von Tageseltern durch die Stadt Karlsruhe? 1. Wenn NEIN - sieht die Verwaltung zumindest eine Chance, die Festanstellung von Ta- geseltern in fester Anstellung als Springer zu beschäftigen? Die durch Mittel des Europäischen Sozialfonds (ESF) im Rahmen des „Aktionsprogramms Kinder- tagespflege“ der Bundesregierung geförderten Festanstellungsmodelle (Vorschlag 2 der Anfrage) wurden durch den Pflegekinderdienst geprüft. Aufgrund der in Karlsruhe im interkommunalen Ver- gleich deutlich verbesserten Rahmenbedingungen der Kindertagespflege (Eingewöhnungspau- schale, erhöhtes Pflegegeld, monatliche Pauschalabrechnung des Pflegegeldes, Pflegegeldfort- zahlung bei Urlaubs- und Krankheitstagen, falls keine Ersatzbetreuung benötigt wird) und der ge- setzlich geregelten Erstattung der hälftigen Sozialversicherungsabgaben, ist die Kindertagespflege als selbstständige Tätigkeit im eigenen Haushalt rein finanziell bereits bei einer Ganztagesbetreu- ung von mehr als zwei Kindern attraktiver, als das durch den ESF geförderte Festanstellungsmo- dell. Die Festanstellung einer Tagespflegeperson als Springerkraft (Vorschlag 3 der Anfrage) kann speziell für Tagespflegepersonen, welche Kinder in anderen geeigneten Räumen betreuen, eine sinnvolle Einrichtung sein, um den Rechtsanspruch der Eltern auf die Sicherstellung der Betreu- ung bei Ausfallzeiten der Tagespflegeperson (§ 23 Abs. 4, Satz 2 Achtes Buch Sozialgesetzbuch - SGB VIII) erfüllen zu können. Bei Tagespflegepersonen, die Kinder im eigenen Haushalt betreuen, kann nicht selbstverständlich erwartet werden, dass die erkrankte Tagespflegeperson eine Ersatzbetreuung durch eine Sprin- gerkraft im eigenen privaten Haushalt ermöglicht. Deshalb fördert der Pflegekinderdienst für diese Personengruppen durch wöchentlich stattfindende Spielkreise für Tagespflegepersonen und Ta- geskinder, Netzwerkstrukturen, die eine wechselseitige Vertretung von zwei oder drei Tagespfle- gepersonen ermöglichen, bei der die Tageskinder bei Ausfall ihrer Tagespflegeperson im Haushalt der Vertretungskraft - die den Kindern durch den Spielkreis vertraut ist - betreut werden. Seite 2 Darüber hinaus kann die Festanstellung für Träger der freien Jugendhilfe, Vereine und Arbeitgeber durch die Refinanzierung über die individuelle Pflegegeldgewährung des Jugendamtes durchaus attraktiv sein. C. Sieht die Verwaltung eine Möglichkeit, die Förderung von Tagespflegepersonen durch berufsbegleitende Weiterbildung an staatlich anerkannten Fachschulen oder Berufs- fachschulen zu Erzieherinnen und Erziehern bzw. in einem sozialpädagogischen Assis- tenzberuf zu ermöglichen? Im Rahmen der Säule II des Aktionsprogramms Kindertagespflege des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend werden bereits tätige Tagespflegepersonen unterstützt, die sich an einer staatlich anerkannten Fachschule berufsbegleitend zum Erzieherberuf weiterbilden oder eine berufsbegleitende Weiterbildung für einen sozialpädagogischen Assistenzberuf absolvie- ren möchten. Aus Mitteln des ESF kann ein Weiterbildungszuschuss in Höhe von 150 Euro monat- lich beantragt werden. Darüber hinaus wird in Baden-Württemberg ein Zuschuss von maximal 50 Prozent für das Schulgeld bzw. die Ausbildungsgebühren auf der Grundlage der tatsächlich entstandenen Kosten gewährt. Weitere Zuschüsse zu den Ausbildungskosten sind gegebenenfalls durch die Agentur für Arbeit möglich. Bislang haben sich in Karlsruhe nur wenige Tagespflegepersonen für eine berufsbegleitende Aus- bildung interessiert. Eine Tagesmutter hat diese Ausbildung absolviert und arbeitet jetzt als Erzie- herin in einer Einrichtung.