Nachtspeicherheizungen: Anfrage StR Hoyem (FDP)

Vorlage: 29927
Art: Beschlussvorlage
Datum: 17.07.2012
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Grötzingen

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 24.07.2012

    TOP: 28

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • FDP-Nachtspeicherheizungen
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadtrat Tom Høyem (FDP) vom 20. Juni 2012 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 37. Plenarsitzung Gemeinderat 24.07.2012 1150 28 öffentlich Nachtspeicherheizungen 1. Ist die elektrische Speicherheizung ein Element im Karlsruher Energieplan für die Zukunft nach der Energiewende? 2. Welche alternativen Heizmöglichkeiten kann Karlsruhe den Nachtstromnutzern in Grötzingen u. a. anbieten? 3. Uns ist bekannt, dass die Stadtwerke Karlsruhe seit längerer Zeit in „Im Speitel“ Untersuchungen mit dem Fokus auf technische Optionen und sozialwissenschaftlichen Begleitprozess eingeleitet haben. Wie weit ist man hier gekommen? 4. Wäre es möglich und/oder interessant, mit den Eigentümern im " Im Speitel" dieses Thema als Modellversuch für Karlsruhe anzugehen oder ist es auch hier die Absicht, spätestens in 2020 das Verbot durchzusetzen? 5. Statt die Nachtstromnutzer als eine Belastung zu sehen, könnte man auch die mehr als 2 Millionen Haushalte in Deutschland mit elektrischer Speicherheizung als ein phantastisches Netzwerk für die zukünftig notwendige Speicherfunktion sehen. Könnte Karlsruhe hier eine Vorreiterrolle spielen? (Selbstverständlich würde die FDP dieses auf Bundesebene verfolgen.) Die Elektrische Speicherheizung wird sehr kontrovers diskutiert und nach der Energie-Einsparverordnung (EnEV 09) soll sie - gegen die Stimme der FDP - bis spätestens 2020 abgeschafft werden. Seit dieser Entscheidung leben wir in einer anderen Welt - der nach der so genannten Energiewende. Gleichzeitig wird intensiv in Deutschland - auch im Fraunhofer-Institut in Pfinztal Berghausen - erforscht, Speichermöglichkeiten für Strom aus Windrädern zu entwickeln. Dies ist besonders wichtig für den während der Nacht entstandenen Strom, der keinen unmittelbaren Gebrauch findet. Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Falls die Energiewende mit erneuerbarer Energie als Schwerpunkt gelingen soll, muss man kreativ denken und die notwendige moderne Technik entwickeln. Die Leute, die seit vielen Jahren - teilweise unter Zwang - mit Nachtstrom geheizt haben, sind vertraut mit diesem Thema. Überall in Europa werden nicht nur Speicherung, sondern auch Preisfestsetzungen für Nachtstrom diskutiert. Selbstverständlich bräuchte man beispielsweise intelligente Messgeräte, die unterscheiden können zwischen Nachtstrom und Tagstrom. Es gibt sogar Versuche im Ausland, wo Nachtstrom kostenlos angeboten wird. Warum sehen wir in Deutschland und Karlsruhe nicht den Nachtstrom als Vorteil? Zur Speicherung von Strom aus Windrädern ist es unerheblich, ob der Strom in der Nacht oder am Tag angeboten wird. Es sollten Versuche unternommen werden, dieses wechselnde Stromangebot aus den Windrädern mit den Speicherkapazitäten der seitherigen „Nachtspeichergeräte“ zu universellen Speichergeräten zu kombinieren. Gerade die Personen, die sich mit Nachtstrom auskennen, wären eine relevante Zielgruppe für intelligente Zukunftsversuche mit Nachtstrom. unterzeichnet von: Tom Høyem Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 13. Juli 2012

  • TOP 28
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Tom Høyem (FDP) vom: 20.06.2012 eingegangen: 20.06.2012 Gremium: 37. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 24.07.2012 1150 28 öffentlich Dezernat 4 Nachtspeicherheizungen 1. Ist die elektrische Speicherheizung ein Element im Karlsruher Energieplan für die Zukunft nach der Energiewende? Siehe hierzu die Ausführungen zu Punkt 5. 2. Welche alternativen Heizungsmöglichkeiten kann Karlsruhe den Nachtstromnut- zern in Grötzingen u. a. anbieten? Belastbare Aussagen hierzu sind erst nach Vorliegen wesentlicher Ergebnisse der geplan- ten ergebnisoffenen Untersuchung für den Wohnpark Grötzingen (siehe Punkt 3) möglich. Die Stadtwerke Karlsruhe werden zu gegebener Zeit berichten. 3. Uns ist bekannt, dass die Stadtwerke Karlsruhe seit längerer Zeit in „Im Speitel“ Untersuchungen mit dem Fokus auf technische Optionen und sozialwissen- schaftlichen Begleitprozess eingeleitet haben. Wie weit ist man hier gekommen? Die Stadtwerke Karlsruhe planen für den Wohnpark Grötzingen („Im Speitel“) zusammen mit mehreren Partnern (Ingenieurbüro, Fachinstitut für nachhaltige Ressourcennutzung mit sozialwissenschaftlicher Kompetenz sowie Eigentümer eines großen Mehrfamilien- hauses, vertreten durch die Hausverwaltung) eine Untersuchung der technischen Mög- lichkeiten und von alternativen Heizungsoptionen für die vom Außerbetriebnahmegebot für elektrische Speicherheizsysteme nach § 10 a der Energieeinsparverordnung (EnEV 2009) betroffenen Wohngebäude. Vorgesehen sind exemplarische Untersuchungen einzelner technischer Optionen (z. B. Wärmedämmung, Einsatz innovativer Heizsysteme und – komponenten) an einem repräsentativen Mehrfamilienhaus. In einem sozialwissenschaftli- chen Begleitprozess werden die Bedürfnisse der Bewohner erfasst, ihre persönliche Be- troffenheit und ihre Präferenzen in allen Phasen des Prozesses aufgezeigt. Hierzu wurden dafür im Mai d. J. Fördermittel im Rahmen des neu aufgelegten Zuschuss- programms „Energetische Stadtsanierung“ (Programm Nr. 432) der KfW beantragt. An- tragstellerin ist die Stadt Karlsruhe; die Fördermittel sollen an die Stadtwerke Karlsruhe GmbH als Begünstigte weitergeleitet werden. Der Antrag ist in Bearbeitung, ein Förderbe- scheid liegt noch nicht vor. Aus heutiger Sicht kann mit einer Auftaktveranstaltung mit be- troffenen Bewohnern bzw. Wohnungseigentümern im Herbst gerechnet werden. Das Vorhaben, für das zunächst etwa ein Jahr Bearbeitungsdauer angesetzt wird, hat exemplarischen Charakter für weitere Wohngebiete in Deutschland. Ggf. können auch all- Seite 2 gemeingültige Aussagen für weitere Gebäude in Karlsruhe, z. B. in der Bergwaldsiedlung, abgeleitet werden. In Abhängigkeit von den Ergebnissen ist die exemplarische Umsetzung von als aussichtsreich eingeschätzten Sanierungskonzepten denkbar. Wenn möglich, sol- len hierfür weitere Fördermittel beantragt werden. Vorarbeiten und statistische Auswertungen wurden bereits erbracht. Nach Analyse des Wärmebedarfs eines großen Mehrfamilienhauses „Im Speitel“ ist eine schon jetzt ab- sehbare realistische Option die wärmetechnische Sanierung auf einen Mindest-Standard entsprechend der Wärmeschutzverordung von 1995. Dies würde nach EnEV ein Weiter- betreiben der Nachtspeicherheizungen bei dann reduziertem Energieverbrauch und ent- sprechend reduzierten Heizkosten ermöglichen. 4. Wäre es möglich und/oder interessant, mit den Eigentümern „Im Speitel“ dieses Thema als Modellversuch für Karlsruhe anzugehen, oder ist es auch hier die Ab- sicht, spätestens in 2020 das Verbot durchzusetzen? Der exemplarische Charakter der geplanten Untersuchung für den Wohnpark Grötzingen wurde bereits erwähnt. Inwieweit sich aussichtsreiche Konzepte ergeben, deren Umset- zung Modellcharakter haben könnten, ist aus heutiger Sicht noch offen. Die Verpflichtungen der EnEV gelten für die jeweiligen Wohnungseigentümer. Die Frage, inwiefern ein Verbot des Betriebs von Nachtspeicherheizungen diesen gegenüber durch- zusetzen ist, stellt sich zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch nicht, da das Ergebnis der Un- tersuchung abgewartet werden sollte. 5. Statt die Nachtstromnutzer als eine Belastung zu sehen, könnte man auch die mehr als 2 Millionen Haushalte in Deutschland mit elektrischer Speicherheizung als ein phantastisches Netzwerk für die zukünftig notwendige Speicherfunktion sehen. Könnte Karlsruhe hier eine Vorreiterrolle spielen? (Selbstverständlich würde die FDP dieses auf Bundesebene verfolgen.) Die Bundespolitik hat die Forderung zur Abschaffung der Nachtstrom-Speicherheizungen formuliert und sie in der EnEV von 2009 verbindlich verankert. Die Argumentation basiert auf energetischen Überlegungen, wonach Strom als hinsichtlich seiner Arbeitsfähigkeit hochwertigster und in verschiedenen Umwandlungsstufen erzeugter Energieträger grund- sätzlich nicht in Widerstandsheizungen zur Raumwärmeerzeugung eingesetzt werden sollte. Die Energiewirtschaft beschäftigt sich angesichts der bestehenden Regelungen mit der Frage der Umsetzung. Auf alle Fälle wäre eine Umstellung von Nachtspeicherheizungen für die Haus- und Wohnungsbesitzer mit Kosten verbunden. Auch auf die Energiewirt- schaft könnten Kosten zukommen, wenn sie die Infrastruktur für Ersatzsysteme bereitstel- len würde. Die Energiewirtschaft beschäftigt sich andererseits intensiv mit der Frage, wie die fluktuie- renden Strommengen aus den Erneuerbaren Energiequellen zukünftig gespeichert wer- den können. Insbesondere für die Windenergie wird dies – sofern die Ausbaupläne nur annähernd in der gedachten Höhe realisiert werden – von großer Wichtigkeit sein. Unter anderem wird die temporäre Stromspeicherung mittels rückspeisender Elektrofahrzeuge als Option untersucht. Seite 3 Die Nachtspeicherheizungen stellen ebenfalls eine Form der Energiespeicherung dar, und zwar in Form von elektrisch erzeugter Wärme. Der Strom kann in bedarfsarmen Zeiten oder bei Überschüssen am Markt - beispielsweise durch die unstete Stromproduktion der Windkraft - eingesetzt und die Wärme zu anderen Zeiten verwendet werden. Gleiches gilt im Übrigen auch für die elektrische Brauchwarmwasserbereitung. Tendenziell wird es so- gar so sein, dass gerade im Winter, also in der Heizperiode, mehr Windstrom zur Verfü- gung steht als im Sommer. Elektrische Heizungssysteme, die überwiegend mit Ökostrom betrieben werden, wären sehr umweltschonend, da emissionsfrei. Die Stadtwerke Karlsruhe werden das Thema weiter begleiten.