Karlsruher Integrationsplan
| Vorlage: | 29900 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 17.07.2012 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Beiertheim-Bulach, Innenstadt-Ost, Nordstadt, Oberreut, Südstadt, Weiherfeld-Dammerstock |
Beratungen
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 37. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 24.07.2012 1126 7 öffentlich Dez. 3 Karlsruher Integrationsplan Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Migrationsbeirat 13.06.2012 1 vorberaten Hauptausschuss 17.07.2012 4 Gemeinderat 24.07.2012 7 Antrag an den Gemeinderat 1. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Migrationsbeirat und Hauptaus- schuss den Karlsruher Integrationsplan (s. Anlage). 2. Der Gemeinderat beauftragt die Stadtverwaltung mit der Einleitung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung der im Karlsruher Integrationsplan aufgeführten Zie- le. Die Kosten zur Umsetzung sind zu ermitteln und für künftige Haushalte vorzu- schlagen. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Miteinander Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Beteiligungsverfahren Am 7. Februar 2012 wurde der Integrationsplan in den Räumlichkeiten der Industrie- und Handelskammer einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt und für die Beteiligung am Karlsruher Integrationsplan geworben. Etwa 350 Einladungen waren an Migrantenvereine und -selbstorganisationen, Vereine und Verbände, Einrichtungen, religiöse Gemeinschaften so- wie an haupt- wie ehrenamtlich im Integrationsbereich Tätige versandt worden. Der Termin wurde zudem über die Lokalpresse und per Internet bekannt gegeben. Dieser Auftaktveran- staltung folgten ca. 150 Personen. Am 24. März 2012 erfolgte die Bürgerbeteiligung zur inhaltlichen Ausgestaltung des Integra- tionsplans. In sieben moderierten Arbeitsgruppen mit mindestens neun bis maximal 23 Teil- nehmenden fand eine vertiefende Auseinandersetzung mit den vier Handlungsfeldern des Entwurfs statt. Ursprünglich waren vier Arbeitsgruppen - je Handlungsfeld eine - vorgese- hen. Aufgrund der regen Beteiligung und der hohen Anmeldezahlen wurden die Workshops jedoch erweitert, auch um die Arbeitsfähigkeit in den einzelnen Gruppen sicherzustellen. Insgesamt haben sich ca. 130 Bürgerinnen und Bürger an den Workshops beteiligt. In den Arbeitsgruppen priorisierten die Teilnehmenden pro Handlungsfeld des Integrations- plans jeweils ein Ziel. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hatten dabei die Möglichkeit, selbst Ziele zu formulieren. Zudem haben sie zu dem gewichteten Ziel Indikatoren und mög- liche Maßnahmen erarbeitet. Die Ergebnisse der Arbeitsgruppen wurden schließlich in ei- nem gemeinsamen Abschlussplenum von den jeweiligen Moderatorinnen präsentiert. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung wurden anschließend in das Konzept eingearbeitet, in der Sitzung des Arbeitskreises Migrationsbeirat am 19.04.2012 einstimmig beschlossen und mit den städtischen Ämtern am 03.05.2012 erörtert. Den Bürgerinnen und Bürgern, die sich an der Ausgestaltung des Integrationsplans beteiligt haben, wurde rückgemeldet, dass die Ergebnisse der Arbeitsgruppen in den Integrations- plan eingearbeitet sind, unter Angabe der entsprechenden Internetseite. Inhaltliche Ausgestaltung des Integrationsplans durch Bürgerbeteiligung Der Integrationsplan enthält die Ziele, die im Rahmen der Bürgerbeteiligung von den Teil- nehmenden priorisiert wurden. Einige Ziele, die bereits im Plan enthalten waren, wurden von den Teilnehmenden mit inhaltlichen Ergänzungen übernommen, z. B. wurde im Bereich Ergänzende Erläuterungen Seite 3 schulischer Bildung das vorhandene Ziel „Chancengleichheit im Bildungssystem, unabhän- gig von sozialer oder ethnischer Herkunft“ mit dem Zusatz „und Geschlecht“ ergänzt. Auch sind alle von den Beteiligten vorgeschlagenen Indikatoren zur Überprüfung der Integrations- ziele in das Konzept eingeflossen. Insgesamt haben die Workshop-Teilnehmerinnen und -Teilnehmer einen vielfältigen Maß- nahmenkatalog zu jedem Handlungsfeld erarbeitet. Quer zu allen Handlungsfeldern wurden eine Vernetzung der relevanten Akteure und Institutionen sowie die Erstellung einer Ange- botsübersicht vorgeschlagen. Handlungsfeld Soziale Partizipation Für das Handlungsfeld Soziale Partizipation war den Bürgerinnen und Bürgern allgemein eine intensive Einbindung der Eltern wichtig. Zur Umsetzung des Ziels „Erhöhung der Aus- bildungsreife für Jugendliche mit Migrationshintergrund“ wurde als mögliche Maßnahme z. B. ein Gütesiegel für interkulturelle Kompetenz für Schule, Verwaltung und Wirtschaft vor- geschlagen, wie auch ein Netzwerk zur Anerkennung beruflicher Qualifikation. Einige von den Bürgerinnen und Bürgern empfohlene Maßnahmen konnten keine Berück- sichtigung in dem vorliegenden Integrationsplan finden, da die Stadt diesbezüglich z. B. kei- nen Handlungsspielraum hat oder die Maßnahme bereits durch anderweitige Förderung abgedeckt ist. So konnte im Bereich vorschulischer Bildung die Empfehlung „Bei Kindergar- tenplatzvergabe: Bevorzugung von Migrantenkindern“ wegen positiver Diskriminierung nicht aufgenommen werden. Stattdessen wurde in der Einleitung des Integrationsplans darauf hingewiesen, dass Chancengleichheit und Gerechtigkeit bei allen Entscheidungen und Maßnahmen - beispielsweise bei der Kindergartenplatzvergabe - gefördert und berücksich- tigt werden. Auch die Maßnahme „Einstellen von muslimischen Erzieherinnen mit Kopftuch“ konnte nach Abstimmung mit dem Arbeitskreis Migrationsbeirat nicht in das Konzept aufgenommen wer- den, da die Kommune keinen Einfluss auf die Einstellungspraxis von freien Trägern hat. Der Vorschlag aus der Bürgerschaft „Kostenlose Beförderung für alle Schülerinnen und Schüler, zumindest die Möglichkeit des Erwerbs der ScoolCard (unabhängig der 3-km- Entfernungsregelung)“ fand keine Berücksichtigung, da das Bildungs- und Teilhabepaket (BuT) bereits die mobile Teilhabe abdeckt. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Ein weiterer Vorschlag der Workshop-Teilnehmenden „ Weiterentwicklung der Kitas zum Familienzentrum“ konnte nicht in den vorliegenden Integrationsplan übernommen werden, da man sich in Karlsruhe für das Konzept „Startpunkt Familienzentrum“ entschieden hat, das bei Trägern angesiedelt ist. Handlungsfeld Gesellschaftliche Partizipation Im Bereich „Gesellschaftliche Partizipation“ haben die Beteiligten unter anderem einen inter- kulturellen Kongress bzw. ein interkulturelles Festival vorgeschlagen. In der Arbeitsgruppe „Interkulturelle Öffnung der Verwaltung“ wurde die Frage, ob die Stadtverwaltung eine Mig- rantenquote einführen sollte, kontrovers diskutiert. Schließlich wurde vom Arbeitskreis des Migrationsbeirats das ebenfalls vorgeschlagene anonymisierte Bewerbungsverfahren favori- siert sowie der Hinweis, dass in Stellenausschreibungen Menschen mit Migrationshinter- grund willkommen sind. Ein weiterer Vorschlag aus der Bürgerschaft war, dass in den Aus- schüssen und Gremien des Gemeinderats wie z. B. im Sozial- und Jugendhilfeausschuss darauf geachtet wird, dass die sachkundigen Einwohnerinnen und Einwohner die kulturelle und religiöse Vielfalt widerspiegeln. Zudem haben die Teilnehmenden die Schaffung einer Antidiskriminierungsstelle empfohlen. Handlungsfeld Kulturelle Partizipation Als mögliche Maßnahmen für das Handlungsfeld Kulturelle Partizipation haben die Teilneh- merinnen und Teilnehmer beispielsweise die Einrichtung eines Begrüßungsbüros zur Ver- besserung der Willkommenskultur angeregt oder auch die Wertschätzung der religiösen Feste im öffentlichen Raum. Handlungsfeld Gesundheit und Sport Für das Handlungsfeld Gesundheit und Sport wurde beispielsweise vorgeschlagen, Bedarfe im Gesundheitsbereich zu erheben, um dort passgenaue Angebote entwickeln zu können. Für das Tätigkeitsfeld Sport haben die Beteiligten unter anderem empfohlen, dass Migran- tenvereine Krankenkassen zur Information über ihre Gesundheitsförderung einladen. Der Integrationsplan soll in einem fortlaufenden Prozess unter Einbindung der Beteiligten und der Bürgerschaft in zwei Jahren fortgeschrieben werden. Zudem ist ein Monitoring vor- gesehen, um die Zielerreichung zu überprüfen und ggf. nachzusteuern, aber auch um die Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Maßnahmen bedarfsgerecht anpassen und weiterentwickeln zu können. Die Steuerung des Prozesses erfolgt über den Arbeitskreis Migrationsbeirat und das Büro für Integration, in enger Abstimmung mit den städtischen Ämtern. In einem nächsten Schritt werden vom Steuerungskreis erste Maßnahmen zur Umsetzung des Integrationsplans umgesetzt. Dabei sollen unter Berücksichtigung bestehender Maß- nahmen Doppelstrukturen vermieden werden. Bereits in Angriff genommen ist mit dem In- krafttreten der Förderrichtlinien für die Sprachförderung in Kindertageseinrichtungen die Pro- jektbegleitung für 20 neue Projektträger sowie den noch zu installierenden Qualitätszirkel zur Evaluation der Förderung. Um die priorisierten Ziele mit den vorgeschlagenen und geeigneten Maßnahmen anzugehen und somit die Umsetzung des Integrationplans qualitativ zu gewährleisten, werden zusätzli- che Ressourcen benötigt. Der etwaige Personalbedarf, der durch die Projektsteuerung im Rahmen des Karlsruher In- tegrationsplans entsteht, lässt sich derzeit nicht konkret beziffern und soll nach Besetzung der Stelle der/des Integrationsbeauftragten verifiziert werden. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat 1. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Migrationsbeirat und Hauptausschuss den Karlsruher Integrationsplan (s. Anlage). 2. Der Gemeinderat beauftragt die Stadtverwaltung mit der Einleitung und Umsetzung von Maßnahmen zur Erreichung der im Karlsruher Integrationsplan aufgeführten Ziele. Die Kosten zur Umsetzung sind zu ermitteln und für künftige Haushalte vorzuschlagen. Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 13. Juli 2012
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1 Karlsruher Integrationsplan Stadt KarlsruheDezernat 3 Sozial- und Jugendbehörde | Büro für Integration 2 3 Inhalt 1Einleitung.....................................................................................................4 2Migration in Karlsruhe................................................................................6 2.1Sozialräumliche Verteilung in den Karlsruher Stadtteilen..............................9 2.2Einbürgerungen...........................................................................................10 3Integrationsplan für Karlsruhe.................................................................12 3.1Beteiligungsprozess....................................................................................12 3.2Aufbau, Struktur..........................................................................................13 3.3Prozesscharakter........................................................................................14 4Handlungsfelder........................................................................................15 4.1Soziale Partizipation: Bildung, Ausbildung, Erwerbsleben..........................15 4.1.1Vorschulische Bildung.................................................................................15 4.1.2Schulische Bildung......................................................................................17 4.1.3Übergang Schule– Beruf............................................................................19 4.1.4Erwerbsleben..............................................................................................20 4.2Gesellschaftliche Partizipation: Bürgerschaftliches Engagement und interkulturelle Öffnung der Verwaltung........................................................22 4.2.1Bürgerschaftliches Engagement.................................................................22 4.2.2Interkulturelle Öffnung der Verwaltung........................................................23 4.3Kulturelle Partizipation: interkulturelle und interreligiöse Begegnung..........25 4.3.1Interkulturelle Begegnung...........................................................................25 4.3.2Interreligiöse Begegnung............................................................................26 4.3.3Zugang zu Dienstleistungen........................................................................27 4.4Gesundheit und Sport.................................................................................28 4.4.1Gesundheit..................................................................................................28 4.4.2Sport...........................................................................................................29 4 1Einleitung Der vorliegende Integrationsplan ist eine Weiterführung der Karlsruher Leitlinien zur Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern. In einem kommunalen Integrati- onsplan werden die Richtlinien für die kommunale Integrationspolitik vorgegeben, da Integration in besonderem Maße auf der kommunalen Ebene gelebt und umgesetzt wird. Hier findet politische Partizipation und Teilhabe am öffentlichen Leben statt. Das Thema Integration ist zudem ein wichtiges kommunales Anliegen, um den Zu- sammenhalt und die Solidarität in unserer Stadtgesellschaft zu stärken. Die Weiter- führung der Leitlinien ist aber auch sichtbares Bestreben und Auftrag der Stadt Karls- ruhe, den gesellschaftlichen Entwicklungen gerecht zu werden:Positives aufzuneh- men und negativen Entwicklungen entgegen zu wirken. Integration ist zudem eine Querschnittsaufgabe, die themenübergreifend alle Berei- che der kommunalen Politikfelder anbelangt und damit die Partizipation der Karlsru- her Einwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrund auf allen Ebenen stär- ken soll. Karlsruhe ist eine moderne Stadt der Vielfalt. Seit ihrer Gründung haben hier viele unterschiedliche Menschen unterschiedlichster Herkunft, kultureller Sozialisation und religiöser Überzeugung ihr Zuhause gefunden. Ihre Zuwanderung ist in der Rück- schau für die Stadt Bereicherung und Zugewinn gewesen. So muss auch in Zukunft Zuwanderung als Erweiterung kultureller Vielfalt und Öffnung verstanden werden. Der demografische Wandel und der absehbare Mangel an gut ausgebildeten Fach- kräften bedeuten für die Stadt, will sie ihre Zukunftsfähigkeit als Wirtschaftsstandort sichern, dass die Zuwanderung von spezialisiertem Fachpersonal immanent wichtig ist. Hierzu bedarf es einer deutlichen Willkommenskultur. In unserer Stadt leben bereits sehr viele gut ausgebildete, erfolgreiche Migrantinnen und Migranten, die mit Blick auf ihren Erfolg und ihrer Stellung in der Gesellschaft berechtigte Erwartungen in Bezug auf gesellschaftliche und politische Teilnahme ha- ben.Hier ist die Kommune gefordert, stärker aktiv zu werden und die gleichberech- tigte Einbindung aller in die Gestaltung des Gemeinschaftslebens selbstverständlich zu machen. Es gibt jedoch auch Migrantinnen und Migranten, deren Teilhabechancen gering sind, da sie keinen Bildungs- und Berufsabschluss haben oder die im Herkunftsland erworbene Qualifikation nicht anerkannt ist.Hier gilt es, bedarfsorientierte, ge- schlechts- undaltersspezifische Angebote zu schaffen und umzusetzen, aber auch bestehende Angebote zu vernetzen. Ein besonderes Augenmerk der Stadt sollte hierbei auf der Erleichterung der Aner- kennung ausländischer Schul- und Berufsausbildung liegen. Ziel ist es, diePotenzia- le von Migrantinnen und Migranten, die in unserer Stadt leben zu nutzen und zu för- dern. Den in Karlsruhe lebenden älteren Menschen mitMigrationshintergrundmuss mehr Beachtungzukommen.Anhand von nachholender Integration soll ihr Zugang zu so- zialen Dienstenund Gesundheitspräventionerhöhtund Barrierenabgebaut werden. 5 Der Integrationsplan ist ein wichtiger Schritt,um die gleichberechtigte Teilhabe aller– unabhängig von Herkunft und sozialer Lage oder Geschlecht zu fördern und aktiv gegenjegliche Form von Rassismus und Diskriminierung anzugehen. Chancen- gleichheit und Gerechtigkeit wird bei allen Entscheidungen und Maßnahmen- bei- spielsweise bei der Kindergartenplatzvergabe- gefördert und berücksichtigt. Mit Hilfe eines breit angelegtenBeteiligungsprozesses (s. Kap 3)werden integrati- onsfördernde Ziele und Maßnahmen zu deren Umsetzung erarbeitet. Dabeiist ein Anliegen, dass die Angebote und Maßnahmen in erster Linie bedarfsgerecht und geschlechtssensibel und nicht herkunftsorientiert sind. Gemäß neuerer sozialwissenschaftlicher Studien wie der Sinus-Studie über Migran- ten-Milieus unterscheiden sich Migrantinnen und Migranten auch innerhalb einer Ethnie hinsichtlich ihrer Wertvorstellungen oder Alltagspraktiken unter Umständen enorm. Dies heißt, dass sich Menschen mit Migrationshintergrund nicht primär ent- sprechend ihrer Herkunftsgruppe oder Ethnie differenzieren, sondern sich vielmehr entlang ihrer Zugehörigkeit zu verschiedenen Milieus orientieren. Die Milieus spie- geln dabei die unterschiedlichen Wertvorstellungen, Lebenslagen oder Einstellungen, aber auch Ästhetikvorstellungen wider. Der Studie zufolge verbindet Menschen des gleichen Milieus mit unterschiedlichem Migrationshintergrund offenbar mehr miteinander als Menschen gleicher Herkunfts- kultur in anderen Milieus. Die Milieu-Studie verweist somit statt auf statische Katego- rien wie „Herkunftskultur“ auf dynamische Konzepte der Lebensführung. 1 Auf Integra- tionsprozesse bezogen heißt dies, dass es nicht um die Integration „des Migranten“ oder „der Migrantin“ in eine bestehende Gesellschaft geht, sondern vielmehr um die Integration aller in eine sich stets verändernde Gesellschaft. Anhand des vorliegenden Integrationsplans wird berücksichtigt, dass sich der Inte- grationsprozess auf mehreren Ebenen vollzieht. Er ist folglich entlang der verschie- denen Partizipationsmöglichkeiten sozialer, kultureller oder gesellschaftlicher Teil- habe in verschiedene Handlungsfelder gegliedert. Bevor die einzelnen Handlungsfelder im vierten Kapitel dargestellt werden, wird in Kapitel drei das Vorhaben Integrationsplan unter Berücksichtigung des Beteiligungs- prozesses erläutert. Zwei wesentliche Bedeutungen stehen dabei im Vordergrund: Zum einen stellt der Integrationsplan für die Verwaltung selbst eine Grundlage für integrationspolitische Ziele und Maßnahmen dar, zum anderen ist er eine Basis für Bürgerbeteiligung und liefert somit den Rahmen für einen lebendigen Dialog zwi- schenBürgerinnen und Bürgern und Verwaltung, der wiederum aufgrund der regel- mäßigen Fortschreibung in das Konzept einfließt. Zunächst wird jedoch im folgenden Kapitel die örtliche Datenlage unter Berücksichti- gung der sozialräumlichen Verteilung, des Anteils der Migrantinnen und Migranten mit und ohne deutsche Staatsangehörigkeit sowie die Zahl der Einbürgerungen be- leuchtet. 1 Anhand der Sinus-Studie über Migranten-Milieus sind acht verschiedene Milieus entlang von Wert- orientierungen, Lebensstilen und sozialen Lagen identifizierbar. In:vhw– Bundesverband für Wohnen und Stadtentwicklung e.V. 2009. Migranten-Milieus. vhw-Schriftenreihe 1, Berlin. 6 2Migration in Karlsruhe Knapp ein Fünftel der in Deutschland lebenden Menschen hat einen Migrations- hintergrund, das sind rund 15,6 Mio. Personen. Dabei ist die Bevölkerungsgruppe aufgrund der verschiedenen Herkunftsländer oder Wanderungsmotive äußerst hete- rogen. Die Definition „Menschen mit Migrationshintergrund“ schließt sowohl Men- schen mit eigenen Migrationserfahrungen als auch deren in Deutschland geborene Nachkommen, Deutsche mit Migrationshintergrund und Ausländerinnen und Auslän- der 2 mit ein. Eine allgemein akzeptierte und in den amtlichen Statistiken durchgängig angewandte Definition von dieser Personengruppe gibt es derzeit nicht. Daher basieren Analysen zu Migrationsfragenbisher auf Daten, die vor allem die Staatsangehörigkeit, nicht aber die persönlicheoder familiäre Herkunft berücksichtigen. Der Anteil von Menschen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung liegt damit bei 19 %. Während sich die Zahl der deutschen Staatsbürgerinnen- und bürger mit Migrationshintergrund erhöht hat, stagniert die Zahl der Ausländerinnen und Aus- länder in Deutschland seit circa 10 Jahren bei 7,2 Millionen. 3 Zudem ist anzu- merken, dass die Zuwanderung nach Deutschland schrumpft und die Abwanderung steigt. 4 Unter den Flächenländern hat Baden-Württemberg mit 25 % den höchsten Migrantenanteil, übertroffen nur noch von Hamburg und Bremen mit rund 26 %. 5 Die Alterspyramide für Deutschland im Jahr 2008 zeigt, dass der Anteil der Personen mit Migrationshintergrund an der Gesamtbevölkerung in den jüngeren Altersstufen am größten ist. So haben inzwischen 34,4 % der Kinder unter fünf Jahren einen Mig- rationshintergrund, bei den Kindern bis zum Lebensalter von zehn Jahren sind es 32,7 %. Auch in der Altersgruppe bis 35 Jahre ist der Anteil der Personen mit Migra- tionshintergrund mit 27,3 % deutlich über einViertel der Gesamtbevölkerung. Dage- gen beträgt der Migrantenanteil in der Altersgruppe über 65 Jahre nur 8,5%. Das Durchschnittsalter der Personen mit Migrationshintergrund ist 34,4 Jahre, bei Perso- nen ohne Migrationshintergrund sind es 45,3 Jahre. 6 2 Ausländer sind Personen, die eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen oder staatenlos sind bzw. deren Staatsangehörigkeit nicht geklärt ist.Nicht in der Ausländerzahl enthalten sind Personen, die- neben der deut- schen noch eine ausländische Staatsangehörigkeit besitzen (dies gilt insbesondere bei Aussiedlern, die neben ihrer ausländischen auch die deutsche Staatsangehörigkeit angeben)- Angehörige der ausländischen Stationie- rungsstreitkräfte sowie der ausländischen diplomatischen und konsularischen Vertretungen mit ihren Familienan- gehörigen- Lebendgeborene, bei denen nur ein Elternteil Ausländer ist (vgl. auch Artikel 4 des Gesetzes vom 30. Juni 1993 (BGBl. I S. 1062)). Im Integrationsplan wird der Begriff „Ausländer“ aufgrund der statistischen Sprachregelung übernommen, obwohl der Begriff zwischenzeitlich antiquiert ist. Zu denMigrantinnen und Migrantenzählen sowohl Personen, die nicht die deutsche Staatsangehörigkeit besit- zen (Ausländer) als auch die Personen, die eine deutsche Staatsangehörigkeit besitzen und gleichzeitig anhand der Eintragungen im Einwohnermelderegister (z.B. Geburtsort) einen persönlichen Migrationshintergrund erken- nen lassen. Hierzu werden auch deutsche Kinder-undJugendliche nach dem Optionsmodell gemäß § 29 StAG gerechnet.Nicht in der Gruppe der Migranten enthaltensind nach Definition der Kommunalstatistik Personen mit einem(lediglich) familiären Migrationshintergrund (z. B. in Deutschland geborene Kinder von (Spät-)Aussiedlern). Diekommunale Statistik bezieht ihre Daten aus dem Melderegister, weshalb der familiäre Migrationshintergrund hier nicht erfasst werden kann. Der familiäre Migrationshintergrund einer Person kann zum Beispiel über eine direkte Befragung wie den Mikrozensus erhoben werden. 3 Statistisches Bundesamt. Bevölkerung und Erwerbstätigkeit. Ausländische Bevölkerung. Ergebnisse des Aus- länderzentralregisters 2009. Fachserie 1, Reihe 2, Wiesbaden, 2010. S. 23. 4 Bade, Klaus 2009. Von der Arbeitswanderung zur Einwanderungsgesellschaft. 5 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg 6 8. Bericht der Beauftragten der Bundesregierung über die Lage von Ausländerinnen und Ausländern 7 In Karlsruhe leben 10,1 % Deutsche mit erkennbarempersönlichemMigrationshin- tergrund und 14,5 % der Menschen besitzen keine deutsche Staatsangehörigkeit. Zusammenergeben dies 24,6 % Migrantinnen und Migranten. 7 In Zahlen sind dies über 41 000 Menschen aus über 150 Nationen; vertreten sind alle Kontinente. HerkunftslandAusländerdavonHerkunftsland Auslän- der davon zu-MännerFrauenKinderzu-MännerFrauenKinder sammen (18 Jahre (18 Jahre unter sam- men (18 Jahre (18 Jahre unter u. älter)u. älter) 18 Jahren u. älter)u. älter) 18 Jahren Staaten der EU Argentinien5627254 Belgien123575214Bolivien249132 Bulgarien69936529242Brasilien3028319029 Dänemark4723222Chile6233254 Estland4115215Haiti43 - 1 Finnland5218304Kanada8638417 Frankreich1.611774723114Kolumbien9740552 Griechenland83245331564Mexiko12167513 Großbritannien34918014722Peru9939546 Irland5832188Venezuela442717 - Italien4.2142.2241.548442 Vereinigte Staaten58833620844 Lettland7324445 übr. amerikani- sche23611610614 Litauen2184614428Staaten Luxemburg16411648 -Amerika 1.719818785116 Malta ---- Niederlande2431299618 Österreich65531131133 Polen1.9717521.033186 Portugal42619116966Afghanistan181844750 Rumänien1.768888757123 China (Volks- republ.) 1.26863555380 Schweden81393210Georgien2486015434 Slowakische Republik138467220Indien42128710034 Slowenien6328332Indonesien1961007026 Spanien1.00846648755Irak581313141127 Tschechische Republik 16659989Iran37619015531 Ungarn56929924327Israel76352615 Zypern22 -- Japan177521169 EU-Staaten zus. 15.5717.5376.7351.299Jordanien3012153 Kasachstan200859421 sonst. europäi- sche Libanon1841363216 Staaten Malaysia4530141 Bosnien- Herzegow.1.012442421149Pakistan2661627331 Island21993Philippinen737606 Kroatien2.2621.0271.095140Sri Lanka174885729 Mazedonien30213311950Süd-Korea1925611026 Norwegen3515164Syrien111653511 Russland1.633548889196 Taiwan (Rep. China) 329221 Schweiz2249911312Thailand3945330734 Serbien und1.884759901224Vietnam35014015456 Montenegroübr. asiatische58827724368 Türkei6.0872.8812.467739Staaten Ukraine1.160422621117 Asien 6.1632.8762.578709 7 Statistisches Jahrbuch der Stadt Karlsruhe 2011. 8 Weissrussland136447220 übr. europ. Staa- ten59324126389 Europa 30.92014.15713.7213.042 Ägypten70402010Australien7135297 Äthiopien7230339Neuseeland201154 Algerien1441023111 übr. ozeani- sche422 - Eritrea6318387Staaten Ghana91354115 Australien und 95483611 Kamerun47327115844 Ozeanien Marokko3492459212 Nigeria128833411 Somalia91442324 Tunesien266191687Ohne Angabe98542915 übr. afrik. Staaten41019316255 Afrika 2.1571.252700205 Insgesamt41.15219.20517.8494.098 Quelle: Statistisches Jahrbuch Stadt Karlsruhe 2011 Die größte Bevölkerungsgruppe in Karlsruhe stammt mit 6.087 Personen aus der Türkei, gefolgt von Personen aus dem ehemaligen Jugoslawien bzw. dessen Nach- folgestaaten (5.523) und Italienern (4.214). Die Zuwanderinnen und Zuwanderer kommen vor allem aus Europa, hiervon knapp mehr als die Hälfte mit 15.571 Perso- nen aus EU-Staaten. 9 2.1Sozialräumliche Verteilung in den Karlsruher Stadtteilen Bevölkerung mit erkennbarem Migrationshintergrund in Karlsruhe 2010 nach Stadttei- len StadtteilWohn- darunter bevölkerungAusländer Deutsche mit erkenn- barem Migranten 1) pers. Migrationshin- tergrund zusammen AnzahlAnzahl%Anzahl%Anzahl% 01 Innenstadt-Ost5.9881.69328,393315,62.62643,9 02 Innenstadt-West9.1112.34725,87087,83.05533,5 03 Südstadt16.5054.27125,91.77910,86.05036,7 04 Südweststadt19.3362.81114,51.6318,44.44223,0 05 Weststadt19.3373.50418,11.7429,05.24627,1 06 Nordweststadt10.9501.34112,21.28111,72.62223,9 07 Oststadt18.5274.60824,91.6699,06.27733,9 08 Mühlburg15.7143.02619,31.88212,04.90831,2 09 Daxlanden11.7149378,01.16710,02.10418,0 10 Knielingen8.8621.08512,27258,21.81020,4 11 Grünwinkel10.2341.22812,01.0019,82.22921,8 12 Oberreut9.6891.32313,72.28823,63.61137,3 13 Beiertheim-Bulach6.5945959,04216,41.01615,4 14 Weiherfeld-Dammerstock6.0164787,93796,385714,2 15 Rüppurr10.1515905,85245,21.11411,0 16 Waldstadt12.2911.61213,11.68413,73.29626,8 17 Rintheim5.54670912,879414,31.50327,1 18 Hagsfeld6.97479311,497714,01.77025,4 19 Durlach29.5343.99713,52.6499,06.64622,5 20 Grötzingen9.2387768,46096,61.38515,0 21 Stupferich2.6871003,7742,81746,5 22 Hohenwettersbach2.8661254,41133,92388,3 23 Wolfartsweier3.1601986,31795,737711,9 24 Grünwettersbach3.9911584,01313,32897,2 25 Palmbach1.685945,6472,81418,4 26 Neureut16.9501.6359,61.6259,63.26019,2 27 Nordstadt9.3981.11811,91.44315,42.56127,3 Stadt Karlsruhe283.04841.15214,528.45510,169.60724,6 1) Ohne in Deutschland geborene Kinder von Bewohnern mit persönlichem Migrationshintergrund. Quelle: Statistisches Jahrbuch Stadt Karlsruhe 2011 Bezogen auf die Karlsruher Stadtteile ist mit über 28 % der Anteil der ausländischen Bevölkerungin der Innenstadt-Ost am höchsten; es folgen mit jeweils rund 26 % die Südstadtund dieInnenstadt West. Ebenfalls einen hohen Anteil hatdie Oststadtmit fast 25 %. Der gesamtstädtische Durchschnitt beträgt 14,5 %. Deutlich unterdurch- schnittlich ist der Anteil derausländischen Bevölkerung mit Werten zwischen 3,7 % und 6,3 % in den Karlsruher Höhenstadtteilen. Den höchsten Anteil anDeutschen mit Migrationshintergrundweist mit 23,6 % Oberreutauf; in der Innenstadt-Ost und in der Nordstadt wohnen knapp über15 % Deutsche mit Migrationshintergrund. Der städtische Durchschnittswert liegt bei 10,1%. Insgesamt leben in der Innenstadt-Ost fast44 %Migrantinnen und Migranten, ge- folgt von Oberreut mit 37,3 % und von der Südstadt mit 36,7 %. Der gesamt- städtische Durchschnitt liegt bei 24,6 %. Nur in vier Stadtteilen beträgt der Anteil un- ter 10%. 10 2.2Einbürgerungen Herkunftsgebiete der eingebürgerten Personen in Karlsruhe 2010 Quelle: Statistisches Landesamt Baden-Württemberg Die Zahl der Einbürgerungen ist seit 2006 kontinuierlich zurückgegangen: Im Jahr2006 bürgerten sich 531 Personen ein, 2007 waren es 381, 389 Einbür- gerungen gab es im Jahr 2008 und 2009 wurden 333 Personen eingebürgert. Im Jahr 2010 ließen sich insgesamt 289 Personen einbürgern, die meisten davon (48) aus Asien (ohne ehemalige Sowjetunion) und aus der Türkei (41), gefolgt von 38 Personen aus den Nachfolgestaaten der ehemaligen Sowjetunion und 35 aus den Nachfolgestaaten des ehemaligen Jugoslawien. Fast die Hälfte der Eingebürgerten, d.h. 48,8 % ist zwischen 18 und unter 25 Jahre alt 8 ,knapp ein Viertel (24,2 %) befindet sich in der Altersgruppe der 35- bis unter 45- Jährigen. 9 Die Einbürgerung ist ein bedeutender Schritt für die Integration in unsere Gesell- schaft. Sie bedeutet das Ausüben des aktiven und passiven Wahlrechts, d.h. die vol- le Teilhabe an den Bürgerrechten. Die Einbürgerung von Menschen aus verschie- denen Ländern bereichert Karlsruhe, macht es vielfältiger, offener und stärker. Dabei trägt eine hohe Zahl an Einbürgerungen zur besseren und langfristigen Integration von Zugewanderten bei. Allerdings gelingt Integration nicht alleine durch die Zuer- 8 Optionsdeutsche, d.h. Kinder und Jugendliche, die sich bis spätestens zur Vollendung des 23. Le- bensjahres zwischen der deutschen und einer anderen Staatsangehörigkeit entscheiden müssen, werden nicht zu den Einbürgerungen gezählt. 9 Statistisches Jahrbuch der Stadt Karlsruhe2011. 11 kennung eines Aufenthaltstitels oder durch Einbürgerung. Eine richtig verstandene Integration muss darüber hinaus Identität, ein gemeinsames „Wir-Gefühl“, stiften. Eingebürgerteweisen oftmals einen höheren Bildungsabschluss und eine bessere Integration in den Arbeitsmarkt auf als ausländische und deutsche Gleichaltrige. Da Eingebürgerte aber statistisch als Deutsche erfasst werden, blieben diese Integrati- onserfolge lange verdeckt. 10 10 Bade, Klaus 2009. Von der Arbeitswanderung zur Einwanderungsgesellschaft. 12 3Integrationsplan für Karlsruhe Ein kommunaler Integrationsplanverfolgt das Ziel, zentrale Vorstellungen für ein friedliches Miteinander von Menschen mit und ohne Migrationshintergrund in einem Gesamtkonzept zusammenzufassen und bei diesem Prozess in möglichst großem Umfang Menschen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte gleichermaßen zu betei- ligen. Der Integrationsplan für Karlsruhe basiert auf dem Nationalen Integrationsplan, dem Integrationsplan des Landes sowie auf den Leitlinien zur Integration von Zuwande- rinnen und Zuwanderern, die der Gemeinderat am 23.09.2008 beschlossen hat. Be- reits mit den Leitlinien hat die Stadt Karlsruhe das Ziel vorgegeben, unter Einbe- ziehung von Migrantinnen und Migranten die Grundlagen für eine gelingende Integra- tion zu schaffen. Der Karlsruher Integrationsplan wurde gemeinsam mit dem Arbeitskreis Migrations- beirat erarbeitet. 3.1Beteiligungsprozess Auf Grundlage der eher allgemein formulierten Leitlinien, fokussiert der Integra- tionsplanaufdie Entwicklung konkreter Zieleund Maßnahmen, welche die künftige Integrationsarbeit vor Ort steuern sollen. Der Integrationsplanumreißt daher im We- sentlichen konkrete Handlungsvorschläge für Karlsruhe, die in einem breiten Beteili- gungsprozessstets weiterentwickelt und vertieftwerden und auf kommunaler Ebene realisierbar sind. Beteiligte, die im Rahmen der Umsetzung mitwirken sind unter an- deremder Arbeitskreis Migrationsbeirat, Migrantinnen und Migranten, Migranten- selbstorganisationen, städtische Ämter, Vereine, ehrenamtlich Tätige sowie alle am Prozess Interessierte. Die direkte Beteiligung bei der Erarbeitung des Integrationsplanes, insbesondere bei der Formulierung von Zielen und Maßnahmen, ist eine wichtige Voraussetzung, In- tegrationspolitik zu einem gemeinsamen Thema von Bürgerschaft und Verwaltung zu machen und die Vielstimmigkeit der Stadtgesellschaft zu repräsentieren. Im Februar 2012wurde der Entwurf Integrationsplan mit den städtischen Ämtern ab- gestimmt.Anschließenderfolgte die Vorstellung des Konzepts einer breiten Öffent- lichkeit. In dieser Auftaktveranstaltung wurde für die die Beteiligung zur Weiterent- wicklung des Konzepts geworben.Ende März 2012haben sich Bürgerinnen und Bürger in themenbezogenen und moderierten Arbeitsgruppen an der inhaltlichen Ausgestaltungdes Karlsruher Integrationsplans beteiligt, um Ziele, Indikatoren und Maßnahme gemeinsam zu erarbeiten. Durch den Austausch der Personen undGruppen mit und ohne Migrationshin- tergrund sowie der Institutionen wurde zudem ein wichtiger interkultureller Dialog und Meinungsbildungsprozess angeregt. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligungsind nun in das vorliegende Konzept eingear- beitet und wiederum mit dem Arbeitskreis Migrationsbeirat sowie den städtischen Ämtern abgestimmt. 13 3.2Aufbau, Struktur Der Integrationsplan ist in folgende vierHandlungsfeldergegliedert: -Soziale Partizipation: Bildung, Ausbildung, Erwerbsleben -Gesellschaftliche Partizipation: Bürgerschaftliches Engagement undinterkultu- relle Öffnung der Verwaltung, -Kulturelle Partizipation: interkulturelle und interreligiöse Begegnung, -Gesundheit und Sport. Die Handlungsfelder beschreiben Lebensbereiche und / oder kommunale Aufgaben, die zum Teil auch die Mehrdimensionalität 11 von Integrationsprozessen widerspie- geln, denn Integration zielt auf die Partizipation am gesellschaftlichen, wirtschaft- lichen, kulturellen und politischen Leben ab.Jedes Handlungsfeld verfolgt eine we- sentliche Zielsetzung. Daher wurde für jedes Handlungsfeld im Rahmen des Beteili- gungsprozessesein konkretes Zielpriorisiert. DieZiele repräsentieren dabei, was die Stadt Karlsruhe auf Grundlage der Hand- lungsfelder integrationspolitisch jeweils erreichen möchte.Folglich wurden möglichst konkrete, umsetzbare Ziele für die einzelnen kommunalen Handlungsfelder erarbei- tet. Um die Ziele messen zu könnensindIndikatorenbenannt.Diese geben darüber Auskunft, ob ein Ziel erreicht wurde bzw. welcher Stand zu einem vorgegebenen Zeitpunkt erreicht ist und woran der gewünschte Zielerreichungsgrad gemessen wer- den soll. Schließlichwurden- ebenfalls unter Einbeziehung der Bürgerinnen und Bürger- Maßnahmenzur Umsetzung der Ziele formuliert. Da Integration eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist, ist bei derUmsetzung des Integrationsplanes eine starkeVernetzungmit den beteiligten Gruppen der Zivilge- sellschaft wichtig. Geplant sind themenspezifische Netzwerkemit wichtigenOrgani- sationen und Institutionen, Fachämtern,Vereinen undVerbänden, Arbeitgebern und Arbeitsverwaltungund insbesondere Initiativgruppen sowie Migrantenselbstorga- nisationen. Neben der Entwicklung und Fortschreibung von Zielen und Maßnahmen bedarf es derBerichterstattungan die zuständigen Gremien und derWirksamkeitskontrolle. Daher sind in Bezug auf die Ziele und die Handlungsfelder regelmäßig Daten zu er- heben, die einen Abgleich des jeweils erreichten Ist-Zustandes mit den angestrebten Zielen ermöglichen. Der Integrationsplan versteht sich in diesem Sinne als ein Konzept, das den politi- schen Willen des Gemeinderates und der Verwaltung beschreibt, die Bedingungen und Ziele der Karlsruher Integrationspolitik und des städtischen Handelns abbildet und einen Rahmen für die Vernetzung der öffentlichen, institutionellen und zivilge- sellschaftlichen Organisation vorgibt. 11 Friedrich Heckmann unterscheidet analytisch folgenden Dimensionen von Integration:strukturelleIntegration, kulturelle Integration, soziale Integration und identifikatorische Integration; in:Bedingungen erfolgreicher Integra- tion 2005. 14 3.3Prozesscharakter In Karlsruhe wird besonderer Wert darauf gelegt, dass der Integrationsplan nicht sta- tisch ist, sondern sich in den kommenden Jahren durch ein Monitoring der Maßnah- men dem Bedarf und der Entwicklung in den unterschiedlichen Aufgabenbereichen und gesellschaftlichen Fragestellungen kontinuierlich anpassen wird. Der vorliegende Integrationsplan wird deshalbim Zwei-Jahres-Rhythmus fortgeschrieben.Vorgese- hen ist dabei die Einbindung aller Beteiligten bei der Entwicklung von Handlungskon- zepten, ihrer Kontrolle, bei der Berichterstattung an den Gemeinderat und seine Gremien sowie bei der Formulierung weiterer Ziele. Gesteuert wird dieser Prozess durch den Migrationsbeirat und seinen Arbeitskreis. 15 4Handlungsfelder Integration ist ein andauernder Prozess. Daher isteswichtig,dass Integrations- maßnahmen auf Dauer angelegt sind. Es bedarf vor allem einer gezielten Planung sowie Maßnahmen, die die Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigen. 12 Um ihre Teilhabemöglichkeiten zu erhöhen, sollten die Integrationsmaßnahmen auf Menschen mit geringeren Partizipationschancen zugeschnitten werden, wie Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund aus so genannten bildungsfernen Fami- lien, Frauen und Erwerbslose. 4.1Soziale Partizipation: Bildung, Ausbildung, Erwerbsleben Die Beherrschung der deutschen Sprache ist- unabhängig von sozialer oder ethni- scher Herkunft- Voraussetzung, um sich gesellschaftlich integrieren zu können und die Teilhabechancen in allen gesellschaftlichen Bereichen wie Schule, Ausbil- dung, Beruf und Arbeitsmarkt zu verbessern. 4.1.1Vorschulische Bildung Ausgangslage Gemäß Nationalem Integrationsplan ist die Betreuungsquote von Kindern mit Migrationshintergrund an Kindergärten um 9 % niedriger als bei Kindern ohne Migrationshintergrund. Dort ist auch empirisch belegt, dass der Besuch einer Kindertageseinrichtung von mehr als einem Jahr bei Kindern aus benachteilig- ten Milieus und Kindern mit Migrationshintergrund positive Effekte für den spä- teren Schulerfolg hat. Daher ist einZiel, die Betreuungsquote von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund anzugleichen bzw. die Quote der Kinder mit Migrationshintergrund zu erhöhen. LautErgebnis einer Umfrage zum Stand der Sprachförderung in Kinderta- geseinrichtungender Stadt Karlsruhe aus dem Jahr 2011 benötigen 26 % der Kinderim Vorschulalter Sprachförderung. Davon sind 40 % der Kinder ohne Migrationshintergrund. Daher sollte das Sprachförderangebot bedarfsgerecht sowohl quantitativ als auch qualitativ ausgebaut und unter Einbezug der Eltern umgesetzt werden. Quelle:Büro für Integration 2011 12 Es ist anzumerken, dass bislang keine kommunale multivariable Statistik vorliegt, die z.B. auf Geschlechterdif- ferenzierung sowie Alter und Bildungshintergrund von Menschen mit Migrationshintergrund fokussiert. Diese Daten könnten als Grundlage dienen, um einen konkreten Handlungsbedarf aufzuzeigen, beispielsweise hinsicht- lich des Bedarfs an Angeboten zur Verbesserung der Qualifikationsstruktur und damit der Arbeitsmarktchancen von Personen mit Zuwanderungsgeschichte. Sprachförderbedarf (SFB) bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund (MHG) 74% 15% 11% Kinder ohne SFB (5002) Kinder mit SFB mit MHG (1007) Kinder mit SFB ohne MHG (756) 16 Ziel Effektive Sprachförderung bereits in den Kindertagesstättenunter Einbezie- hung der Eltern. Indikatoren -Erfolgreiche Sprachstandsdiagnose -Mehr Elternbegleitenden vorschulischenBildungsweg ihrer Kinder -Mehrinterkulturell geschultes Personalin Kindertagesstätten mit hohem Migrantenanteil;interkulturelle Öffnung und Schulung aller Erzieher/-innen, regelmäßige verpflichtende Teilnahme an Teamfortbildungen, jedoch nicht nur im Bereich der Sprachförderung, auch im Bereich der interkulturellen Erzie- hung -Mehr Kinder mit Migrationshintergrund besuchen regelmäßig die Kita; die Quote von Kindern mit und ohne Migrationshintergrund ist angeglichen -Die Anzahl der Kinder mit Schulreife erhöht sich Mögliche Maßnahmen -In das Konzept der Sprachförderung sind Eltern aktiv durchgezielte Angebote einzubeziehen. Die Sprachförderung wird von qualifiziertem Personal ausge- führt und fest im Kindergartenalltag implementiert. Die Zahl der Mitarbeitenden mit Zusatzqualifikation Sprachförderung wird erhöht -Sprachliche Förderung, indem Kinder spielerisch zum Sprechen gebracht werden -„Lesen & Lesen lassen“: Karlsruher Studierende des Interkulturellen Studiengangs bieten Lesepatenschaften für Kinder; dies wird als Studienleis- tung anerkannt -Weiterentwicklung des städtischen Richtlinienentwurfs zur Sprachförderung -Patenschaften zwischen Kindergärten und Migrantenvereinen -Mehr Personalmit Migrationshintergrundin Kindertagesstättenmit hohem Migrantenanteil -Aufsuchende Familienbildungsangebote -Niederschwellige Elternberatung in Bildungsfragen (Eltern-Berater-Programm) -Die Kindertagesstätten sollten sich auf ein Sprachförderkonzept einigen -Angebot von interkulturellen Programmen im Kindergarten, mit dem Ziel, ver- schiedene Kulturen und Sprachen kennen zu lernen -Regelmäßigen Kindergartenbesuch fördern -Übersicht über bestehende Angebote, Vereine, Institutionen -Netzwerkarbeit (Kita, Kinderärzte, Elternvereine, öffentliche Einrichtungen...) zur Herstellung von Transparenz und Effektivität Strukturen und Netzwerke Elternvertretungen, Schulverwaltung, Träger von Kindertageseinrichtungen, Jugendamt,Migrantenvertretung und Migrantenvereine,Badisches KONSer- vatorium,Pädagogische Hochschule Berichterstattung, Controlling Migrationsbeirat, Jugendhilfeausschussund Gemeinderat 17 4.1.2Schulische Bildung Unterschiede in Bildungserfolgen und beruflicher Mobilität sind vor allem auf Sozial- lagen,aber auch auf soziokulturelle Milieus undherkömmliche Traditionen zurück zu führen und nicht primär auf ethnische Herkunft. 13 Daher kann Integration nur gelin- gen, wenn soziale Mobilität möglich ist. Ausgangslage Ausländische Jugendliche verlassen mehr als doppelt so häufig die Schule ohneAbschluss wie deutsche Jugendliche (2007: 16 % vs. 6,4 %). Deutsche Jugendliche erreichen rund drei Mal so häufig die Hochschulreife (2007: 30 % vs. 11 %) Überproportional viele ausländische 14 Jugendliche bleiben ohne Berufsab- schluss (2007, junge Menschen im Alter von 25 bis 34 Jahren: 39,4 % vs. 11,8 %). 15 In Karlsruhe ergibt sich für das Schuljahr 2010/2011 folgendes Bild: Während 45 % der deutschen Jugendlichen das Gymnasium besuchen, sind es mit 18,1 % weit weniger als die Hälfte der ausländischen Jugendlichen. Der Anteil ausländischer Schülerinnen und Schülern anGrund-, Werkreal- und Hauptschule beträgt 57 %; hingegen beträgt der Anteil bei den Deutschen nur 36,2 %. Was den Besuch der Realschule betrifft, divergiert der Anteil nicht so stark: Bei den Deutschen beträgt dieser 14,1 %, bei den Ausländern sind es 17 %. Die Sonder- bzw. Förderschule besuchten 4,6 % der deutschen und 7,1 % der ausländischen Schülerinnen und Schüler. Deutsche und ausländische Schüler/-innen an öffentlichen und privaten allgemein bildenden Schulen in Karlsruhe 2010/2011 45,00% 14,10% 36,20% 4,60% 18,10% 17,00% 57,80% 7,10% 0,00% 10,00% 20,00% 30,00% 40,00% 50,00% 60,00% 70,00% Gymnasien (ohne Europäische Schule) RealschulenGrund-, Werkreal- und Hauptschulen Sonder-/Förderschulen Deutsche Ausländer Daten: Statistisches Jahrbuch der Stadt Karlsruhe 2011 13 Bade, Klaus 2009. Von der Arbeitswanderung zur Einwanderungsgesellschaft. 14 In Ermangelung von statistischen Erhebungen zu Deutschen mit Migrationshintergrund können diese nicht dargestellt werden. 15 „Potenziale erschließen, Integration fördern. Mehr Bildung und Ausbildung für Jugendliche aus Zuwandererfami- lien!“Erklärung der Partner des Nationalen Pakts für Ausbildung und Fachkräftenachwuchs in Deutschland der Bundesagentur für Arbeit, der Kultusministerkonferenz und derBeauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, 2011 18 Ziel Chancengleichheit imBildungssystem unabhängig von sozialer oder ethni- scher Herkunft und Geschlecht. Indikator -Gleiche Verteilung von Schüler/-innenmit und ohne Migrationshintergrund auf allen Schulen -Die Quote der Schulabbrecher mit Migrationshintergrund ist in zweiJahren deutlich verringert -Erhöhung derZahlen (absolut und prozentual) der außerschulisch geförderten Migrantenschüler/-innen unter Einbeziehung ihrer Eltern (Sprache und Bil- dungsberatung) Mögliche Maßnahmen -„Von den Großen lernen“: Schulübergreifende Fördermaßnahme durch Schülerinnen und Schüler der gymnasialen Oberstufe als soziales Projekt im Fach Deutsch. -Unterstützung bei der Hausaufgabenbetreuung:Hausaufgabenbetreuung mit Sprachförderung -Intensive Elternarbeit; dafür werden Elternmentoren ausgebildet, die beraten und begleiten -Kampagne zur Aufklärung und Information der Migranteneltern. Themen könn- ten u.a. sein: Das deutsche Bildungssystem oder Bedeutung der Hausaufga- benbetreuung. -Interkulturell ausgebildetePädagoginnen und Pädagogen, die alsSchullotsen fungieren -Projekte zum Nachholen des Hauptschulabschlusses -Projekte zur Persönlichkeitsfestigung -Identifizierung von Förderbedarfen (durch Lehrer, Eltern....), Unterstützung in Zusammenarbeit mit Fördereinrichtungen und BfI/SJB (Schulsozialarbeit) -Erkennung und Förderung von Hochbegabung bei Kindern mit und ohne Migrationshintergrund -Einführung einer differenziertenSchulstatistik zum Migrationshintergrund -Internationale Vorbereitungsklasse als Modellversuch an einem Gymnasium und an einer Realschule -Erhöhung deraußerschulischen Deutschförderung(Deutsch als Fremdspra- che; Deutsch als Zweitsprache) -Ausbau der Schulsozialarbeit, u.a. mitSchwerpunktIntegration -Erstellen einer Infobroschüre mit Überblick über Angebote zum Thema Schule undIntegration -Interkulturelle Kompetenz vermitteln (Maßnahmen für Lehrer/-innen und Eltern) -Interkulturell ausgebildete Schülerlotsen -Netzwerk Migration gründen- regelmäßige Netzwerktreffen Strukturen und Netzwerke Staatliches Schulamt, Schul-und Sportamt, Migrationsbeirat, Beratungs- stellen, Migrantenvereine mit eigenen Projekten aus diesem Bereich,Gesamt- elternbeirat, pädagogische Fachkräfte,Pädagogische Hochschule, AG Über- gang Schule/Beruf 19 Berichterstattung, Controlling Migrationsbeirat,Jugendhilfeausschuss, Schulbeiratund Gemeinderat 4.1.3Übergang Schule– Beruf Ausgangslage Laut Nationalem Integrationsplan weisen Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund eine geringere Ausbildungsbeteiligung gegenüber Jugendlichen ohne Migrationshintergrund auf. Das erschwert ihnen den Über- gang in eine berufliche Ausbildung. Zudem resultiert ein deutlich niedrigeres berufliches Bildungsniveau. Ziel -Erhöhung der Ausbildungsreife für Jugendliche mit Migrationshintergrund, da- durch Verbesserung der Übergangsquoten von Migrantenjugendlichen in ein Ausbildungsverhältnis, Verbesserung der Berufsorientierung Indikator -Angleichung der Ausbildungsquote von Jugendlichen mit und ohne Migrati- onshintergrund Mögliche Maßnahmen -Gütesiegel für interkulturelle Kompetenz für Schule, Verwaltung und Wirtschaft -Ausbildungsplatzbörse -Die Bildungsberatung von Schülerinnen und Schülern mit Migrationshin- tergrund und deren Eltern wird organisiert, gebündelt und gefördert. -Die Kommune stellt Ausgleichsangebote bereit, um Chancengleichheit zu schaffenund damit die gesellschaftliche und berufliche Integration junger Menschen zu ermöglichen. -Sprachförderung mit Berufsorientierung -Angebote zur ausbildungsorientierten Elternarbeit -Partnerschaftsinitiativen unter Einbeziehung KarlsruherUnternehmen und Kammern sowie der Bildungsträger -Der Bewerbungsprozess von Jugendlichen wird geschult und begleitet -Seminarangebote „Interkulturelle Kommunikation“ für Firmen von Arbeitsagen- tur/ Stadt -Die Stadt organisiert Werbung mit Vorbildern -Stadt unterstützt weiterhin Ausbildung in Migrantenunternehmen -Verbesserung derBerufsorientierung der Jugendlichen mit Migrationshin- tergrund unter Einbeziehung der Eltern Strukturen und Netzwerke Staatliches Schulamt,Schul-undSportamt, Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer, Migrationsbeirat, Migrantenvereine mit eigenen Projekten aus diesem Bereich,Agentur für Arbeit, Berufseratung,Jobcenter, Jugendmigra- tionsdienst, Berufsschulen, Arbeitsförderungsbetriebe, Stadtjugendausschuss Berichterstattung, Controlling Migrationsbeirat, Jugendhilfeausschuss 20 4.1.4Erwerbsleben Integration gelingt am besten dort, wo Menschen aus Zuwandererfamilien aktiv im Erwerbsleben stehen. Migrantinnen und Migranten sind strukturell integriert, wenn sie gleichberechtigten Zugang zu Positionen am Arbeitsmarkt haben. „Eine deutliche Verbesserung der Arbeitsmarktintegration ist sowohl aus sozial- und gesellschaftspolitischer wie aus volkswirtschaftlichen Gründen dringend geboten“. 16 Ausgangslage Nach aktueller Datenlage 17 liegt derAnteil der ausländischen Bevölkerung in Karlsruhe im erwerbsfähigen Alter, das sind Personenzwischen 18 und 65 Jahren bei 17,6 %. Dieser Anteil ist seit 2003 relativ konstant. Hier: Tabellen evtl. Grafik: aktuelle Zahl der arbeitslosen ausländischen Bevölke- rung inKarlsruhe Ziel -Die Stadt Karlsruhe begleitet und fördert die zu erwartende Internatio- nalisierung der Bevölkerung und damit auch der Arbeitskräfte vor Ort aktiv und leistet somit einen wesentlichen Beitrag zur Zukunftsfähigkeit des Wirtschafts- standorts Karlsruhe -Deutsche und Zuwanderer haben gleiche Beschäftigungschancen bei gleicher Qualifikation Indikator -Angleichung der Beschäftigungsquoten zwischen Deutschen und Zuwande- rern Mögliche Maßnahmen -Beratung bei der Anerkennung von ausländischen Abschlüssen -(Nach-)Qualifizierungsmaßnahmen für Migrantinnen und Migranten -Seminarewerden durchgeführtwie z.B. Arbeitsrecht, Arbeitsvertrag, Kündi- gung, etc. (niederschwellige Angeboteim Bereich der Rechtskenntnisse) -Modellversuch starten zum anonymisierten Bewerbungsverfahren (Wirtschaft und Verwaltung) -Aufklärung der Eltern über Ausbildungswege -Die Stadt finanziert höherwertige Deutschsprachkurse -Kinderbetreuung für aus- und weiterbildungswillige Migrantinnen -Netzwerke schaffen zur umfassenden Anerkennung beruflicher Qualifikation Strukturen und Netzwerke Agentur für Arbeit,Berufsberatung,Jobcenter,Industrie- und Handelskammer, Handwerkskammer,Migrationsbeirat, Migrantenvereine mit eigenen Projekten 16 Nationaler Integrationsplan 17 Amt für Stadtentwicklung 2011 AH/R 1228; S. 6 21 aus diesem Bereich, Verwaltung, Betriebe,regionale Interessensgemeinschaf- ten, Arbeitsförderungsbetriebe, Volkshochschule Karlsruhe Berichterstattung, Controlling Migrationsbeirat, Sozialausschuss, Aufsichtsrat Arbeitsförderungsbetriebe 22 4.2Gesellschaftliche Partizipation: Bürgerschaftliches Engagement und in- terkulturelle Öffnung der Verwaltung 4.2.1Bürgerschaftliches Engagement Bürgerschaftliches Engagement stellt eine wichtige Grundlage für die Identifikation mit dem Gemeinwesen,fürden gesellschaftlichen Zusammenhalt und die Mitwirkung an der demokratischen Willensbildung auf allen politischen Ebenen dar. Damit ist bürgerschaftliches Engagement auch eine wichtige Komponente im Integrationspro- zess. Vor allem gemeinsames bürgerschaftliches Engagement von Menschen mit und oh- ne Migrationshintergrund fördertdie gegenseitige Akzeptanz und den gesellschaft- lichen Zusammenhalt. Bürgerschaftliches Engagement sollte daher mit dem Ziel ei- ner verstärkten Beteiligung der Migrantenvertretungen unterstützt werden. Ziel Menschen mit Migrationshintergrund sind angemessen an Willensbildungs- prozessen, z.B. bei derStadtteilentwicklung, Elternvertretung, Bürgerverei- nen etc. beteiligt Indikatoren -Menschen mit Migrationshintergrund sind in Verbänden und Vereinen vertreten -Vereine sindinterkulturell geöffnet -SachkundigeEinwohnerinnen und Einwohner mit Migrationshintergrundsind inpolitischenGremien vertreten -Menschen mit Migrationshintergrundsind entsprechend ihres Bevölkerungs- anteils angemessen anWillensbildungs- und Beteiligungsprozessen vertreten -hohe Delegiertenbeteiligung bei Wahl des Migrationsbeirats -Schulungen und Fortbildungen im Bereich bürgerschaftlichen Engagements werdenvon Menschen mit Migrationshintergrundangenommen -Öffentlichkeitsarbeit findet statt Mögliche Maßnahmen -Einsatz von Stadtteilmütternals Multiplikatorinnen -Gewinnung und Einsatz von Migrantinnen und Migranten als Botschafter -Integrationspreis für Jugendliche ausloben -Im Leitbild der Vereine sind Menschen mit Migrationshintergrund adäquat be- rücksichtigt -Optimierung der Informationen über Wahl des Migrationsbeirats -Verbesserung derÖffentlichkeitsarbeithinsichtlich Ansprache von Menschen mit Migrationshintergrund -Konzept erstellen, umAustausch undBegegnung der Vereine(auch Migran- tenvereine)zu fördern -erneute Befragunghinsichtlich bürgerschaftlichen Engagements unter Einbe- ziehung der Menschen mit Migrationshintergrund -Interkultureller Kongress/ interkulturellesFestival -Weiterführung des ProjektsAusbildung von Bürgermentoren für Integrations- arbeit/-projekte -Stärkere interkulturelle Öffnung von Bürgervereinen -Bildung von Netzwerken 23 Strukturen und Netzwerke Migrationsbeirat, Migrantenselbstorganisationen, Aktivbüro, Bürgervereine, Internationales Begegnungszentrum, Volkshochschule Karlsruhe Berichterstattung, Controlling Sozialausschuss, Migrationsbeirat 4.2.2Interkulturelle Öffnung der Verwaltung Gemäß Nationalem Integrationsplan sollen alle Bevölkerungsgruppen angemessen vertreten sein und hinsichtlich ihrer Belange kompetent unterstützt werden. Ein Bei- trag hierzu kann über die interkulturelle Öffnung der Verwaltung und der Institutionen geleistet werden. Das bedeutet, dass alle Konzepte bzw.Produktbeschreibungen Aussagen zu einer interkulturellen Orientierung und Öffnung der Einrichtung zu tref- fen haben. Interkulturelle Öffnung, verstanden als Querschnittsaufgabe für die Ge- samtverwaltung, zielt darauf ab, Qualitätsstandards zu setzen, an denen die Angebo- te gemessen werden und an denen überprüft werden kann, ob Einrichtungenund ÄmterderTatsache der Migrationsgesellschaft entsprechen. Punktuelle Maßnahmen wie z.B. die Einstellung vereinzelter Migrantinnen und Migranten, externe Fortbildungen in interkultureller Kompetenz oder die Schaffung von Beauftragtenstellen ohne Leitungskompetenzen können zu einer Verbesserung beitragen, sind aberunzureichend, umdem Anspruch der interkulturellen Öffnung gerecht zu werden. Ausgangslage Da es keine kommunale Statistik bzgl. des Anteils an Migrantinnen und Migranten in der Stadtverwaltung gibt, wird im Folgenden die Zahl der auslän- dischen Beschäftigen dargestellt. Beschäftigte in der Stadtverwaltung Karlsruhe (Stand 31.12.2010) Anzahl Beschäftigte insgesamt (ohne Auszubil- dende) 5 703 darunter Frauen2 920 darunter Ausländer insgesamt286 darunter Frauen139 Quelle:Personal- und Organisationsamt Stadt Karlsruhe Auf die Gesamtanzahl der Beschäftigten bezogen sind 95 % Deutsche und 5 % Ausländer; dies entspricht einem Anteil von 2,4 % an ausländischen Frauen und 2,6 % an ausländischen Männern. Das Geschlechterverhältnisist insgesamt ausgewogen. 24 Ziel Strukturelle Verankerung der interkulturellen Öffnung in Leitbildern, Konzep- ten, Selbstverständnis, Personalpolitik, mit dem Ziel, dass Zugangsbarrieren abgebaut sind. Indikatoren -Erhöhung des Anteils von Beschäftigten mit Migrationshintergrund proportio- nal zum Anteil an der Gesamtbevölkerung -Schulungenim Bereich interkulturelle Kompetenzwerden angenommen Mögliche Maßnahmen -Entwicklung und Koordinierung von Konzepten und Strategien zur Interkultu- rellen Öffnung(z. B. bei Stellenschaffungen, Forbildungen) -Personalentwicklungskonzept unter Einbezug von Menschen mit Migrations- hintergrund -Interkulturelle Fortbildungsveranstaltungen für Mitarbeitende in der Verwaltung -Hinweis inallen Stellenausschreibungen der Stadt Karlsruhe, dass Menschen mit Migrationshintergrund willkommen sind; es werden anonymisierte Bewer- bungen eingeführt -Vermittlung von Fachwissen und Methoden zur Reflexion der beruflichen Pra- xis sowie die Aus-, Fort- und Weiterbildung der Mitarbeiterinnen undMitarbei- ter -Wegweiser, Verfahren und Entscheidungen werden transparent, bürgernah und verständlich vermittelt. -Interkommunaler Vergleich: Best practice Beispiele in Bezug auf die interkultu- relle Öffnung der Verwaltung -Schaffung einerAntidiskriminierungsstelle -Migrantinnenund Migrantenwird es möglich gemacht Dienstleistungsangebo- te wahrzunehmen -Prüfstelle für die vorgeschlagenen Maßnahmen -Prüfung einer Ausweitung der Dolmetscherdienste der Stadtverwaltung -Paten für neue Mitarbeiter/-innen in der Stadtverwaltung -In Karlsruhe gibt es eine Stelle zur Beratung über ausländische Abschlüsse (Ausbau) -In den Ausschüssen des Gemeinderats wie z.B. Sozial- und Jugendhilfeaus- schuss wird darauf geachtet, dass dieSachkundigen Einwohner/-innendie kulturelle und religiöse Vielfalt der Karlsruher Bevölkerung widerspiegeln. -gemeinsamer Fachtag von PH und AK Migrationsbeirat zur interkulturellen Öffnung Strukturen und Netzwerke Gleichstellungsbeauftragte,Institutionen und Verbände, Personalverwaltun- gen, Migrantenvertretung und Migrantenvereine, Bürgervereine Berichterstattung, Controlling Personalausschuss, Migrationsbeirat und Gemeinderat 25 4.3Kulturelle Partizipation:interkulturelle und interreligiöse Begegnung Kultur ist eine wesentliche Grundlage unseres Zusammenlebens und verbindet Men- schen unterschiedlicher Herkunft. Dabei ist der angemessene Umgang mit kultureller Vielfalt eine notwendige und von vielen noch zu erlernende Kompetenz. 18 Religiosität und Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft prägenu. a. die kultu- relle Identität eines Menschen und tragen zu seiner Beheimatung bei. 4.3.1InterkulturelleBegegnung Ausgangslage In Karlsruhe existiert bereits seit 1995 eininternationales Begegnungszentrum zum Austausch der Kulturen. Von ihm gehen wichtige Impulse aus.Darüber hinaus bestehen ca. siebzig aktive Migrantenvereine. Auch das Büro für Inte- gration und das Kulturamt fördern den interkulturellen Dialog. In anderenKul- tureinrichtungen sind Menschen mit Migrationshintergrund jedoch noch deut- lichunterrepräsentiert. Ziel Interkulturelle Öffnung und Vernetzung der vorhandenen öffentlichen und privaten Einrichtungen Indikatoren -Erhöhung des Migrantenanteilssowohl der Besucherinnen und Besuchervon Kultureinrichtungen als auch derAkteure -Ein fester Ansprechpartner in der Stadtverwaltung ist bei den verantwortlichen Akteuren bekannt, das Kommunikations- und Informationssystem funktioniert weitgehend störungsfrei. -Fremdenfeindlichkeit geht zurück -Jugendliche Kriminalität geht zurück -Migrant/-innen und Deutsche nutzengemeinsamgleiche Angebote -Gegenseitiges Kennenlernen und Verstehen findet statt -Mehr Veranstaltungen interkultureller Art werden durchgeführt Mögliche Maßnahmen -Projekte, die Gemeinsamkeiten und gegenseitige Beeinflussung verschiede- ner Kulturen sichtbar machen und die die Zusammenarbeit zwischen Perso- nen mit und ohne Migrationshintergrund verstärken -Verbesserung der Information über bestehende Angebote:DieVerwaltung pflegt die Daten(sowohl der Angebote als auch der Akteure)kontinuierlich, um den Informationsfluss zu sichern -Austausch und Kommunikation der verschiedenen Kultureinrichtungen untereinander -Einrichtung eines Begrüßungsbüros zur Verbesserung der Willkommenskultur -Verbesserung der Serviceleistungenund Informationen für Menschen mit Migrationshintergrund, insbesondere durch das Internationale Begegnungszentrum 18 Nationaler Integrationsplan, S. 19 26 -Ausbau musischer gemeinsamer Veranstaltungen für Kinder und Jugendliche, z.B. durch das Konservatorium in Zusammenarbeit mit anderen Kultur- einrichtungen -Förderung des Austausches, der Kommunikationund Zusammenarbeitder verschiedenen kulturellen und religiösen Einrichtungen, insbesondere der in- terreligiösen Frauen-, Kinder- und Jugendarbeit -Verbesserung der Angebotsübersicht und der Netzwerke, z.B. überTermin- kalender, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Infoveranstaltungen Strukturen und Netzwerke Kulturvereine,Internationales Begegnungszentrum, Migrantenvertretung und Migrantenvereine,Kulturamt, Volkshochschule Berichterstattung, Controlling Kulturausschuss, Migrationsbeirat und Gemeinderat 4.3.2Interreligiöse Begegnung Ausgangslage Um ihren Glauben zu leben, sind Menschen mit Migrationshintergrund in zahlrei- chen religiösen Gemeinden und Gemeinschaften beheimatet. Zum Teil bilden sich aucheigene Gemeinden mit spezifischem Kultur- und Sprachprofil. All diese Gemeinden leisten wichtige Integrationsarbeit. Darüber hinaus gibt es interreligiö- se Dialoginitiativen, die gute Verbindungen zueinander und zu den einzelnen Re- ligionsgemeinschaften pflegen. Dennoch erreichen diese Bemühungen um Dialog nur einen kleinen Teil der Karlsruher Bevölkerung. Ziel Der interreligiöse Dialog und die interreligiöse Begegnung werden auf allen Ebe- nen verstärkt, ebenso die Verankerung der religiösen Vielfalt im öffentlichen Le- ben und im Stadtbild, so dass Karlsruhe zur Modellstadt wird. Indikatoren Jeder Gemeinde bzw. Gemeinschaft stehendie ihren Bedürfnissenentspre- chenden Räumlichkeiten zur Verfügung. Mögliche Maßnahmen -Ein „Rat der Religionen“ bzw. ein oder mehrere „Runde Tische der Religionen“ werden eingerichtet -Errichtung eines „Gartens der Religionen“ in Zusammenhang mit dem Stadtgeburtstag 2015 -In der Verwaltung existiert eine Ansprechperson für die Religionsgemeinschaf- ten mit klar umrissenem Aufgabenfeld; Anliegender Religionsgemeinschaften werden von den Fachämtern gemeinsam mit der Ansprechperson für Religi- onsgemeinschaften bearbeitet -Unterstützung der religiösen Gemeinschaften und Gemeinden in ihren Bemü- hungen um Integration -Förderung von interreligiösen Begegnungsmöglichkeiten auf gesamt- städtischer und stadtteilbezogener Ebene -Einbeziehung der Religionsgemeinschaften in Integrationsbemühungen der Stadt 27 -Bau-und planungsrechtliche Möglichkeiten für religiöse Bauvorhaben (vor allem innerorts) -Wertschätzung derreligiösen Feste im öffentlichen Raum Strukturen und Netzwerke Kulturvereine,Internationales Begegnungszentrum, Migrantenvertretung und Migran- tenvereine,Kulturamt,Gemeinden,Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen (ACK), Dachverband der muslimischenGemeinden in Karlsruhe,Gesellschaft für christlich jüdische Zusammenarbeit (GCJZ), Christlich islamische Gesellschaft (CIG), Arbeits- gruppe „Garten der Religionen für Karlsruhe“,Moscheengemeinden, islamische Ver- eine und Institutionen Berichterstattung,Controlling Kulturausschuss, Migrationsbeirat und Gemeinderat 4.3.3Zugang zu Dienstleistungen Ausgangslage Migrantinnen und Migranten nehmen soziale Angebote, Betreuungsangebote und Beratungen in sehr unterschiedlichem Umfang an. Teilweise gibt es keine speziellen Angebote wie z.B. in der Notfallseelsorge oder in Konflikt- beratungen. Der Erfolg von Maßnahmen und Diensten wird dadurch sehr er- schwert. Hier: Tabellen zur Inanspruchnahme von Diensten durch Migrantinnen und Mig- ranten in Karlsruhe mit Grafik - Daten wurden bisher nicht erhoben- Ziel -Verbesserung des Zugangs zu sozialen und Betreuungsangeboten -Unterstützung von Netzwerken in der Nachbarschaft Indikatoren Der Anteil der Migrantinnen und Migranten, die öffentliche Dienstleistungsan- gebote wahrnehmen, steigt. Mögliche Maßnahmen Lotsendienste/interkulturelleMittlerinnen und Mittler Strukturen und Netzwerke Beratungsstellen,Volkshochschule Karlsruhe Berichterstattung, Controlling Sozialausschuss, Jugendhilfeausschuss, Migrationsbeirat und Gemeinderat 28 4.4Gesundheit und Sport 4.4.1Gesundheit Gesundheit ist die Grundlage für ein selbstbestimmtes, aktives Leben. Gesundheit ist, nach der bekannten umfassenden Definition der Welt-Gesundheits-Organisation, nicht die Abwesenheit von Krankheit, sondern ein körperliches, geistiges und sozia- les Wohlbefinden. 19 Der gleichwertige Zugang zu Gesundheitsangeboten ist ein wesentliches Kriterium zur Integration. Hierzu zählen neben umfassenden Informationsangeboten der Betei- ligten auch kultursensible Angebote bei dermedizinischen Behandlung in Kranken- häusern bzw. im Rahmen der Pflege, aber auch die interkulturelle Öffnung der Re- gelversorgung. Angebote sollten inhaltlich wie organisatorisch an den Lebenswelten der Migrantinnen und Migranten ansetzen. Für die Einrichtungen der Altenpflege bedeutet die demografische Entwicklung zu- dem, dass sie sich auf eine veränderte Zielgruppe einstellen müssen. Es gibt immer mehr ältere Menschen mit Migrationshintergrund, weshalb es einer kultursensiblen Altenpflege bedarf. Ziele Verbesserter Zugang zu (präventiven) Gesundheitsangeboten für alle (auch für Seniorinnen und Senioren mit Migrationshintergrund) Indikatoren -Erhöhung der kultursensiblen Betreuungs- und Pflegeplätze im Seniorenbereich -Die bestehenden Angebote sind bekannt und werden wahrgenommen Mögliche Maßnahme -Kultursensible Angebote speziell für ältere Migrantinnen und Migranten -Mehrsprachige Aufklärungskampagnen im Bereich der Gesundheit wie z.B. Demenz, psychische Erkrankungen, rund um die Pflege -Interkulturell geschulte Gesundheitslotsen -Qualifizierung von Hilfskräften mit Migrationshintergrund im Pflegebereich -Gezielte Berufsausbildungsförderungen: Seelsorgeausbildung, Psychothera- pieausbildung und Ausbildung zum Psychologen/zur Psychologin für Migran- tinnen und Migranten -Bedarfeerheben, um passgenaue Angebote zu entwickeln; diese werden in verschiedenen Sprachen übersetzt; eineDolmetscherlistewird zugänglich gemacht -Verbesserung der Sprachfähigkeit von Fachkräften -NiederschwelligeEinstiegsqualifizierung (z. B. Pflegebegleiter, Schwestern- helferin) -Sicherung der Überbrückungsversorgung (bis Anträge genehmigt sind) -Koordinationsstelleals Anlaufstelle im Bereich Gesundheit zur Angebotsüber- sicht,Information und gezielten (Weiter-)Vermittlung in bestehende Angebote -Netzwerk zur Angebotsübersicht 19 Beauftragte der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration 2007 (Hrsg.). Gesundheit und Integration. Ein Handbuch für Modelle guter Praxis 29 Strukturen und Netzwerke Seniorenbüro, Pflegedienste, Gesundheitsämter, Verwaltung, Kranken- und Pflegekassen, Krankenhäuser, Träger von Seniorenheimen und Pflege- diensten, medizinische Beratungsstellen, Migrationsberatungsstellen, Volks- hochschule Karlsruhe Berichterstattung, Controlling Sozialausschuss, Migrationsbeirat, Seniorenbeirat, AR Städtisches Klinikum, Heimstiftung 4.4.2Sport Sport trägt in großem Maße dazu bei, dass sich Menschen unterschiedlicherHer- kunft freundschaftlich und fair begegnen. Sport wirkt somit als Integrationsmotor. Sport, individuelle Sportausübung, aber auch die ehrenamtliche Arbeit in Vereinen ist eine wichtige Voraussetzung für Gesundheit, Partizipation und Selbstbewusstsein. Ausgangslage In Baden-Württemberg haben12,3 % aller Sportvereinsmitglieder einen Migra- tionshintergrund, d. h. verglichen mit ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung (24,8 %) sind sie unterrepräsentiert. 20 Hier: Tabellen zur Mitgliederzahl von Migrantinnen und Migranten in Sportverei- nen in Karlsruhe mit Grafik, ggf. differenziert nach Altersgruppen - Daten wurden bisher nicht erhoben- Ziel Interkulturelle und geschlechtssensible Ausrichtung der Sportstätten /-vereine Indikatoren -Erhöhung des Anteils von ehrenamtlich tätigen Personen mitMigrationshin- tergrund -Erhöhung des Anteils der Übungsleiter und-leiterinnen mit Migrationshin- tergrund -Steigerung des Anteils der Mitglieder, vor allemin Bezug auf Mädchen mit Migrationshintergrund -Die Integrationsarbeit ist in den Vereinen fest verankert und ausgebaut (Leit- bild) 20 Daten aus: Breuer 2008. Sportentwicklungsbericht 30 Mögliche Maßnahmen -Gender- und kultursensible Angebote in den Vereinen -spezielle Angebote zur Ausbildung von Übungsleiterinnen in Kombination mit Kleinkindbetreuung und Sprachförderung -Differenzierte Statistik über Mitglieder, v.a. mit Migrationshintergrund -Verstärkte Kooperation der Sportvereine mit Seniorenbüro zur Weiterentwick- lung undBekanntgabe der Angebote für Seniorinnen und Senioren -Enge Zusammenarbeit des Projekts „Integration durch Sport“ mit den Verei- nen -differenzierte und bedarfsgerechte Angebote für Frauen in Vereinen (z.B. Fit- nesscenter) -Die Angebote der Sportvereine werden Kulturvereinen zugänglich gemacht -(muslimische) Frauen ausbilden als Übungsleiterin im Schwimmbereich -Migrantenvereine laden Krankenkassen ein zur Information über ihre Gesund- heitsförderung Strukturen und Netzwerke Schul- und Sportamt,Sportkreis, Sportselbstverwaltung, Sportvereine, Migran- tenvereine Berichterstattung, Controlling Sportausschuss, Migrationsbeirat und Gemeinderat 31 Impressum Herausgegeben vonStadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde (SJB) Büro für Integration Helmholtzstraße 9-11 76133 Karlsruhe Internet: www. karlsruhe.de/b3/soziales/einrichtungen/bfi RedaktionBüro für Integration LayoutCindy Streek, Regina Heibrock, SJB DruckRathausdruckerei;Recyclingpapier StandMai 2012