Jobcenter Stadt Karlsruhe - Jahresbilanz 2010, Sachstand gemeinsame Einrichtung
| Vorlage: | 28519 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 01.12.2011 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: Sozialausschuss Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 07.12.2011 1 a öffentlich Dez. 3 Jobcenter Stadt Karlsruhe – Jahresbilanz 2010 Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 07.12.2011 1 a Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Sozialausschuss nimmt die Jahresbilanz 2010 zustimmend zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Vorbemerkung Das Jahr 2010 war zunächst noch von den Folgen der Wirtschaftskrise überschattet. Die posi- tive Entwicklung der Vorjahre wurde durch die Einflüsse dieser Krise unterbrochen. Ab der zweiten Hälfte des Jahres war der Wirtschaftsaufschwung auch im Rückgang der Bedarfsge- meinschaften erkennbar. Trotzdem wirkten sich die positive konjunkturelle Entwicklung und die Belebung am Arbeitsmarkt zunächst vor allem im Rechtskreis des SGB III aus. Der hohe Anteil von Kundinnen und Kunden mit multiplen Vermittlungshemmnissen konnte nicht in glei- chem Umfang von dieser Belebung profitieren. Einige integrationsnahe Kundinnen und Kun- den des Rechtskreises SGB II konnten zumindest verzögert diese Marktbelebung für sich nut- zen. Dank ihres traditionellen Schwerpunktes im Dienstleistungsbereich ist die Region in Re- zessionsphasen weniger anfällig. Die Konjunkturlokomotiven des verarbeitenden Gewerbes sind in Karlsruhe aber unterdurchschnittlich repräsentiert, weshalb positive Entwicklungen hier weniger stark und dann mit zeitlicher Verzögerung ankommen. Der Arbeitsmarkt der Stadt Karlsruhe ist geprägt von einer hohen Nachfrage an qualifizierten Fachkräften im Bereich der öffentlichen und privaten Dienstleistungen, sowie der öffentlichen Verwaltung. Es besteht nicht das flächendeckende Angebot an Arbeitsplätzen im verarbeiten- den und produzierenden Gewerbe wie in anderen Agenturbezirken ähnlicher Größe, somit werden Arbeitsplätze für Ungelernte und Geringqualifizierte auch in Zeiten wirtschaftlicher Dynamik in der Stadt Karlsruhe und in unmittelbarer Umgebung nicht in dem wachsenden Umfang angeboten. Derzeit befinden wir uns weiterhin noch in einer Phase des Aufschwungs, die primär vom ver- arbeitenden Bereich getragen wird. Gerade Arbeitsplätze für ungelernte und wenig qualifizier- te Arbeitnehmer/-innen sind im Zuge der Rationalisierungs- und Modernisierungsoffensiven der Industriebetriebe in den letzten Jahrzehnten weggefallen. Der Rückgang der Arbeitslosigkeit im Rechtskreis SGB II liegt in der Stadt Karlsruhe unter dem Durchschnitt in Baden-Württemberg. Trotz dieser beschriebenen Umstände konnten ins- besondere auch durch die intensive Betreuung der Leistungsbezieherinnen und -bezieher durch die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Jobcenters erheblich mehr Leistungsempfän- ger integriert werden, als ursprünglich geplant waren. Das Jahr 2010 war ferner von den Vorbereitungsarbeiten des Übergangs der ARGE in die gemeinsame Einrichtung Jobcenter Stadt Karlsruhe zum 01.01.2011 gekennzeichnet. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 1. Statistische Daten 1.1 Zielwerte Zielindikatoren Zielwert im Ver- gleich zum Vorjahr Erwartungs- werte Ergebnis Senkung passiver Leistungen 13,1 % 4,7 % -0,80 % Steigerung Integrationen (alle) -13,0 % 1,1 % 22,5 % Die Zielwerte wurden im Frühjahr 2010 aufgrund der allgemeinen wirtschaftlichen Ent- wicklung durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales nach oben korrigiert und als Erwartungswerte in die Planung aufgenommen. Die passiven Leistungen durften ursprünglich um 13,1 % im Vergleich zum Vorjahr stei- gen, wurden jedoch als korrigierte Erwartung der wirtschaftlichen Entwicklung in eine höchstmögliche Steigerung von 4,7 % geändert. Das Jobcenter Stadt Karlsruhe konnte sogar die Ausgaben für passive Leistungen gegenüber dem Vorjahr um 0,8 % senken. Ziel sollte es auch sein, die Integrationsquote im Jahr 2010 um nicht mehr als 13,0 % zu senken. Diese Zielsetzung wurde aber nochmals berichtigt und auf eine Steigerung um 1,1 % angepasst. Das Jobcenter Stadt Karlsruhe konnte im Ergebnis diesen Erwar- tungswert auf 22,5 % steigern. 1.2 Entwicklung der Bedarfsgemeinschaften Im November 2010 waren noch 11.189 Bedarfsgemeinschaften ganz oder teilweise auf die Leistungen nach dem SGB II angewiesen. Dies entspricht 327 Bedarfsgemeinschaf- ten weniger als im Monat Dezember 2009. Im gleichen Zeitraum hat auch die Anzahl der Personen in den Bedarfsgemeinschaften um 593 abgenommen. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 1.3 Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit ergänzenden Ansprüchen 1.3.1 Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit anrechenbarem Erwerbseinkommen Dez. 2007 Dez. 2008 Dez. 2009 Nov. 2010 Bedarfsgemeinschaften 11.425 11.139 11.516 11.189 Personen in Bedarfsgemein- schaften 20.783 19.888 20.339 19.746 erwerbsfähige Hilfebedürftige (eHb) 15.150 14.550 14.991 14.546 davon mit anrechenbarem Er- werbseinkommen 2.572 3.339 3.378 3.551 in Prozent zu eHb 16,98 % 22,95 % 22,53 % 24,41 % Einkommen über 400,00 € 1.287 1.770 1.693 1.805 in Prozent zu eHb 8,50 % 12,16 % 11,29 % 12,41 % Einkommen unter 400,00 € 1.285 1.569 1.685 1.746 in Prozent zu eHb 8,48 % 10,78 % 11,24 % 12,00 % Prozentanteil der eHb mit Einkommen aus Erwerbstätigkeit zu allen eHb (erwerbsfähige Hilfebedürftige) 5 % 10 % 15 % 20 % 25 % 30 % Dez. 2007 Dez. 2008 Dez. 2009 Nov. 2010 Eink. über 400,00 € Eink.unter 400,00 € alle eHb mit anr. Erw. Einkommen Im November 2010 haben 968 der 1.805 Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit an- rechenbarem Einkommen über 400,00 € ein Bruttoeinkommen von über 800,00 € erzielt. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 1.3.2 Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit Anspruch auf Arbeitslosengeld I (Alg I). Dez. 2007 Dez. 2008 Dez. 2009 Nov. 2010 Bedarfsgemeinschaften 11.425 11.139 11.516 11.189 Erwerbsfähige Hilfebedürftige (eHb) 15.150 14.550 14.991 14.546 Erwerbsfähige Hilfebedürftige mit Alg I 307 261 407 262 in Prozent zu eHb 2,03 % 1,79 % 2,72 % 1,80 % 1.4 Integrationen insgesamt davon unter 25 Jahre 2007 3.770 2007 760 2008 3.622 2008 748 2009 2.853 2009 531 2010 3.794 2010 728 Die positive Entwicklung am Arbeitsmarkt schlägt sich auch an der Steigerung der Integ- rationen nieder. 1.5 Zu- und Abgänge aus Arbeitslosigkeit 2008 2009 2010 Zugänge: 14.080 13.856 16.950 Abgänge: 15.319 15.181 18.219 Die Zu- und Abgangszahlen betreffen nur den Bereich SGB II und belegen auch im Jahr 2010 die große Bewegung im Bereich der Langzeitarbeitslosen. 2. Haushaltsdaten 2010 2.1 Transferleistungen in Tausend € 2006 2007 2008 2009 2010 Transferaufwendungen Bund 50.163 48.549 46.740 47.709 47.577 Transferaufwendungen Stadt Karlsruhe 45.296 47.551 47.586 48.806 49.449 Gesamtaufwand 95.459 96.100 93.204 96.515 97.026 Ergänzende Erläuterungen Seite 6 2.2 Aufwendungen Bund (ohne Bundesanteil Kosten der Unterkunft) 2007 2008 2009 2010 Transferleistung (Bund) 48,08 Mio. € 46,80 Mio. € 47,70 Mio. € 47,58 Mio. € Eingliederungsleistungen (Bund) 12,60 Mio. € 13,90 Mio. € 14,60 Mio. € 15,94 Mio. € Verwaltungskosten (Bund) 9,81 Mio. € 11,00 Mio. € 12,30 Mio. € 13,03 Mio. € 2.3 Kommunale Aufwendungen 2007 2008 2009 2010 Unterkunftskosten Stadt Karlsruhe 46,50 Mio. € 46,40 Mio. € 47,60 Mio. € 48,11 Mio. € Bundesanteil an der KdU (2007 35,2 %; 2008 32,6 %; 2009 29,4 %; 2010 27,0 %) 16,00 Mio. € 14,80 Mio. € 13,70 Mio. € 12,79 Mio. € Nettobelastung KdU Kommune 30,50 Mio. € 31,60 Mio. € 33,90 Mio. € 35,32 Mio. € Einmalige kommunale Leistungen 1,00 Mio. € 1,12 Mio. € 1,19 Mio. € 1,33 Mio. € Flankierende kommunale Eingliederungsleistungen 0,71 Mio. € 0,81 Mio. € 0,82 Mio. € 0,82 Mio. € Personal- und Verwaltungskosten- anteil der Stadt Karlsruhe (12,6 %) 1,24 Mio. € 1,60 Mio. € 1,75 Mio. € 1,79 Mio. € 2.4 Eingliederungsmittel Bund Jahr Zuweisung Eingliederungsmittel Übertragung auf Verwaltungshaushalt Gesamtausgaben in % 2005 12,6 Mio. € keine 6,3 Mio. € 50,00 % 2006 12,6 Mio. € keine 11,8 Mio. € 85,00 % 2007 14,5 Mio. € 450.000,00 € 12,6 Mio. € 92,59 % 2008 15,8 Mio. € 600.000,00 € 13,9 Mio. € 88,00 % 2009 15,8 Mio. € 600.000,00 € 14,6 Mio. € 91,80 % 2010 16,7 Mio. € Keine 15,9 Mio. € 95,80 % Ergänzende Erläuterungen Seite 7 3. Markt & Integration Für Fördermaßnahmen konnten im 2010 knapp 16 Mio. € eingesetzt werden. Dies ent- spricht einer Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 1,3 Mio. Einer der Schwerpunkte der Eingliederungsbemühungen des Jobcenters waren erneut jugendliche Arbeitslose unter 25 Jahre. 3.1 Zielgruppenspezifische Aktivitäten 3.1.1 Erwerbsfähige Hilfebedürftige unter 25 Jahre (U 25) Im Dezember 2010 bezogen insgesamt 2.145 erwerbsfähige Jugendliche zwischen 15 und 24 Jahren Leistungen nach dem SGB II. 327 Betroffene dieser Personengruppe waren arbeitslos. Dez. 2008 Dez. 2009 Dez. 2010 Bedarfsgemeinschaften 10.538 10.931 10.863 erwerbsfähige Hilfebedürftige (eHb) 13.732 14.182 14.083 eHb unter 25 Jahre 2.159 2.208 2.145 in Prozent zu eHb 15,72 % 15,57 % 15,23 % arbeitslose eHb unter 25 Jahre 398 405 327 in Prozent zu eHb unter 25 Jahre 18,43 % 18,34 % 15,24 % Zur Vergleichbarkeit wurden die vorläufigen Werte verwendet. Neuantragstellerinnen und Neuantragsteller: Auch 2010 wurde das Ziel, allen jugendlichen Neuantragsteller/-innen bereits beim ersten Gespräch ein adäquates Angebot zu unterbreiten, erreicht. Insgesamt 272 Jugendliche wurden im Laufe des Jahres in ein dreimonatiges Sofort- angebot vermittelt. Dieses Programm verbindet Tätigkeiten in einer Übungswerkstatt mit einem klassischen Bewerbungstraining und Vermittlungsbemühungen in den ers- ten Arbeitsmarkt. Marktnahe Jugendliche In einer vierwöchigen Trainingsmaßnahme wurden insgesamt 104 Teilnehmerinnen und Teilnehmern notwendige Schlüsselqualifikationen vermittelt, Bewerbungsunterla- Ergänzende Erläuterungen Seite 8 gen erstellt und Unterstützung bei der Arbeits- oder Ausbildungsplatzsuche geleistet. Im Anschluss erhielten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer weitere acht Wochen Nachbetreuung. Teilzeitausbildung Das vom Jobcenter kofinanzierte Projekt des Europäischen Sozialfonds ermöglicht es jungen Müttern und Vätern, eine Ausbildung in Teilzeit zu absolvieren. Gleichzeitig erhalten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch den Träger Hilfe bei der Organi- sation der Kinderbetreuung, sozialpädagogische Betreuung aber auch Unterstützung bei Behördengängen. 2010 nahmen insgesamt 45 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Teilzeitausbildung (Vorbereitungsphase und Ausbildung) teil. 10 Ausbildungs- verhältnisse konnten neu abgeschlossen werden, 10 Ausbildungen wurden erfolg- reich beendet. Davon wurden 9 Teilnehmerinnen und Teilnehmer übernommen oder anderweitig in Arbeit vermittelt. Freie Förderung Im Rahmen dieser gesetzlichen Möglichkeit wurde ein Projekt für 20 langzeitarbeits- lose junge Menschen konzipiert, die bereits alle Maßnahmen durchlaufen oder abge- brochen haben. Hier arbeiten drei Träger und das Jobcenter eng zusammen, um die soziapädagogische Betreuung, psychologische Beratung und Arbeitsangebote indivi- duell aufeinander abzustimmen. Abbrüche sollen dadurch weitestgehend verhindert werden. Arbeitsgelegenheiten (AGH) Insgesamt stehen speziell für Jugendliche 104 Plätze zur Verfügung. Die Arbeitsan- gebote reichen von Hilfstätigkeiten in sozialen Einrichtungen, im Bereich Verwaltung oder Hauswirtschaft, bis hin zu landschaftspflegerischen Arbeiten. Die Heranführung an eine Ausbildung oder Arbeit durch intensive sozialpädagogische Betreuung steht im Vordergrund. Ergänzende Erläuterungen Seite 9 Von Obdachlosigkeit bedrohte bzw. obdachlose junge Menschen Zusätzlich zur Obdachlosigkeit bestehen oft weitere Problemlagen wie z. B. Drogen- oder Alkoholmissbrauch. Die Jugendlichen werden individuell in Teilzeitangeboten an regelmäßige Strukturen herangeführt. Das Projekt findet über einen Zeitraum von sechs Monaten statt und wird besonders intensiv sozialpädagogisch begleitet. 2010 wurden die Plätze aufgrund des Bedarfs von 12 auf 15 Plätze erhöht. Zwischenzeit- lich wurde das Angebot insgesamt von 37Jugendlichen genutzt. „Totalverweigerer“ In einer sechs Monate dauernden individuellen Aktivierungsmaßnahme wurde 2010 mit 60 (2009: 43) Jugendlichen daran gearbeitet, wieder eine Grundlage für zielge- richtete Eingliederungsmaßnahmen zu schaffen. Hauptschulabschluss Mit der Einführung des Rechtsanspruchs wird der Erwerb des Hauptschulabschlus- ses während der Dauer einer 12-monatigen berufsvorbereitenden Bildungsmaßnah- me ermöglicht. 3.1.2 Wohnungslose bzw. von Wohnungslosigkeit Bedrohte Dieser Personenkreis hat neben oftmals multiplen Vermittlungshemmnissen zusätzlich noch Wohnungsprobleme. Zunächst wird daher in intensiver Beratungsarbeit versucht, die Wohnsituation zu verbessern, bevor Maßnahmen zur Integration in den Arbeitsmarkt erfolgen können. Die Mitte des Jahres 2009 eingekaufte spezielle Maßnahme im Rahmen von Arbeitsge- legenheiten wird mit 15 Plätzen weiterhin angeboten. Ziel ist es, realisierbare Lebens- perspektiven zu entwickeln, die die Bedürfnisse und Fähigkeiten der Wohnungslosen berücksichtigen. Immerhin ist es der Fachstelle Wohnungssicherung gelungen, ca. 11 % der dort betreu- ten Personen wieder in Arbeit zu integrieren. Ergänzende Erläuterungen Seite 10 3.1.3 Alleinerziehende Auch im Jahr 2010 wurden wieder AGH-Plätze für allein erziehende Mütter und Väter angeboten. Besonderheit dieser AGH ist die vorgeschaltete „Clearingphase“, während der mit den allein erziehenden Müttern oder Vätern Unterbringungsprobleme der Kinder besprochen und gelöst werden. 3.1.4 Förderung von Migrantinnen und Migranten Ein hoher Anteil an Migrantinnen und Migranten wird bei allen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen angestrebt. Außerdem lag der Schwerpunkt der Förderung im Angebot von Sprachkursen. Bei allen Leistungsbezieherinnen und -beziehern mit Sprachdefiziten, die sich auf die Vermittlung auf den ersten Arbeitsmarkt auswirken, wurde geprüft, ob die Integrationskurse des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ausgeschöpft waren. Gegebenenfalls wurde eine erneute Verpflichtung für einen BAMF-Kurs ausgesprochen. War die Förderung eines Integrationskurses durch das BAMF nicht mehr möglich, konn- ten die Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit Migrationshintergrund an einem be- rufsbezogenen Sprachkurs über ESF-BAMF teilnehmen. Danach wurden nur noch we- nige Teilnahmen an Sprachkursen ergänzend über das Jobcenter notwendig. Seit dem 01.09.2009 wird im Rahmen der freien Förderung eine Maßnahme zur Einglie- derung von Migrantinnen und Migranten mit 10 Plätzen (ab 01.06.2010 15 Plätze) ange- boten. Schwerpunkt ist hier die intensive Betreuung unter Einbeziehung der Familie so- wie aufsuchende Sozialarbeit. 19 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben die Maßnah- me bisher durchlaufen. Davon konnten 8 in Arbeit/Selbständigkeit vermittelt werden. Dez. 2007 Dez. 2008 Dez. 2009 Dez. 2010 Bedarfsgemeinschaften 10.784 10.538 10.931 10.863 erwerbsf. Hilfebedürftige (eHb) 14.260 13.732 14.182 14.083 Alleinerziehende eHb 2.232 2.162 2.124 2.070 in Prozent zu eHb 15,65 % 15,74 % 14,98 % 14,70 % Alleinerz. eHb unter 25 Jahre 203 207 212 181 Alleinerz. eHb über 25 Jahre 2.016 1.955 1.912 1.889 Alleinerz. eHb männlich 108 100 103 102 Alleinerz. eHb weiblich 2.111 2.062 2.021 1.968 Ergänzende Erläuterungen Seite 11 3.1.5. Leistungsbezieherinnen und –bezieher über 50 Jahre (Bundesprogramm „Perspektive 50plus“) Im Rahmen des Bundesprogrammes wurden im Jahr 2010 im Durchschnitt 650 Leis- tungsbezieherinnen und -bezieher des Jobcenters von den zusätzlich eingestellten 7 Vermittlungskräften betreut. Die Personalkosten wurden hierbei zu 100 % aus Bun- desmitteln erstattet. Durch intensive Betreuung und Aktivierung der Fachkräfte konnten 189 Leistungsbezieher/-innen des Jobcenters in sozialversicherungspflichtige Beschäfti- gungsverhältnisse am ersten Arbeitsmarkt vermittelt werden. Das Jobcenter hat be- schlossen auch ab 01.01.2011 – 31.12.2015 an der III. Programmphase teilzunehmen. 3.1.6. Modellprojekt „Bürgerarbeit“ des BMAS Ab 15.07.2010 nimmt das Jobcenter am Modellprojekt des BMAS teil. Ziel der Bürger- arbeit ist es, während einer 6-monatigen Aktivierungsphase möglichst viele arbeits- marktferne Leistungsbezieherinnen und -bezieher direkt in den 1. Arbeitsmarkt zu vermitteln. Arbeitslosen bei denen dieses nicht gelingt, kann im Einzelfall nach der Ak- tivierungsphase ein Bürgerarbeitsplatz angeboten werden. Beim Jobcenter werden so sukzessive 500 Kunden aktiviert. Die für Karlsruhe bewilligten 50 Bürgerarbeitsplätze sollen ausschließlich bei den städtischen Arbeitsförderungsbetrieben gGmbH (AFB) angesiedelt werden. Die im Rahmen der Bürgerarbeit ausgeführten Tätigkeiten müs- sen im öffentlichen Interesse liegen, zusätzlich und wettbewerbsneutral sein. Die Bür- gerarbeitsplätze werden vom BMAS für einen Zeitraum von 3 Jahren mit monatlich bis zu 1080 Euro gefördert. Die Vergütung im Rahmen der Bürgerarbeit erfolgt nach Tarif. Es handelt sich um sozialversicherungspflichtige (ohne Arbeitlslosenversicherung) Be- schäftigungsverhältnisse. 3.2 Allgemeine Eingliederungsmaßnahmen 3.2.1 Arbeitsgelegenheiten (AGH) 2010 standen ca. 1.200 AGH-Plätze mit Mehraufwandsentschädigung zur Verfügung. Eine Zuweisung erfolgt im Regelfall für bis zu sechs Monate. Insgesamt nahmen 1.986 Teilnehmerinnen und Teilnehmer an einer AGH teil. Ergänzende Erläuterungen Seite 12 Im Prüfbericht des Bundesrechnungshofes vom 12.08.2010 wird die Auslegung der Be- griffe „Zusätzlichkeit“, „öffentliches Interesse“ und „Wettbewerbsneutralität“ erneut kon- kretisiert und die Handhabung in den Jobcentern beanstandet. Im Rahmen der Antragstellung wird durch das Jobcenter auf das Vorliegen aller Voraus- setzungen besonders geachtet. Dennoch werden die Beanstandungen zum Anlass ge- nommen, 2011 alle Einsatzstellenangebote erneut zu überprüfen und entsprechend den Erfordernissen zu beurteilen. Trotz aller Kritik sind die AGH weiterhin das wichtigste Eingliederungsinstrument des Jobcenters. Ziel der AGH ist es, erwerbsfähige Leistungsbezieherinnen und -bezieher bei der Aufnahme einer Erwerbstätigkeit zu unterstützen und diese auf den ersten Arbeitsmarkt vorzubereiten sowie daran mitzuwirken, die vorhandene Erwerbsfä- higkeit zu erhalten. Neben den allgemeinen Arbeitsgelegenheiten wurden 2010 für die folgenden Zielgrup- pen Themenschwerpunkte gebildet: Wohnungslose, Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit Suchtproblemen, Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit gesundheitlichen Einschränkungen, Alleinerziehende, Leistungsbezieher/-innen ab 50 Jahre, Neuantragstellerinnen und -antragsteller. 2010 wurden 66 AGH-Plätze in der so genannten Entgeltvariante eingerichtet. Hier können Lohnkosten zu 100 % durch das Jobcenter übernommen werden. Insgesamt 79 Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen dieses Angebot wahr. 3.2.2 Weitere Eingliederungsmaßnahmen Art der Maßnahme Zielgruppe Dauer der Maßnahme Anzahl der Plätze Teilnehmerinnen und Teilnehmer 01.01.2010 bis 31.12.2010 sofortige Aktivierung mit Bewerbungscoaching und Unterstützung bei der An- tragstellung Neuantragstellerinnen und -antragsteller 3 - 5 Tage Teilzeit 240 monatlich 2.221 Ergänzende Erläuterungen Seite 13 Art der Maßnahme Zielgruppe Dauer der Maßnahme Anzahl der Plätze Teilnehmerinnen und Teilnehmer 01.01.2010 bis 31.12.2010 Trainingsmaßnahme mit Schwerpunkt Bewerbungs- training marktnahe Kunden 4 Wochen Teilzeit 54 427 Trainingsmaßnahme mit Schwerpunkt Orientierung & Aktivierung Kunden mit größerem Unterstützungsbedarf 8 Wochen Vollzeit + 4 Wochen Praktikum 44 214 Aktivierungsmaßnahme: Gesundheitsmanagement, Ziele definieren, individuelle Lösungsansätze finden Kunden über 50 Jahre, die am Bundespro- gramm „Perspektive 50plus“ teilnehmen 6 Monate Teilzeit 15 15 Aktivcenter zur Heranfüh- rung an den Arbeitsmarkt mit sozialpädagogischer Unterstützung Langzeitarbeitslose mit besonderen Schwierig- keiten (z. B. psychische Auffälligkeiten, gesund- heitliche Einschränkun- gen) 6 Monate 56 117 Stabilisierungsmaßnahme- alternative Beschäfti- gungsmöglichkeiten, Stei- gerung der Motivation Integrationsferne Lang- zeitarbeitslose über 50 Jahre mit schwerwie- genden Vermittlungs- hemmnissen 6 bis 12 Monate 21 31 vermittlungsorientierte Maßnahme Leistungsbezieherinnen und -bezieher mit ver- stärktem Betreuungs- bedarf 6 Monate Teilzeit 324 366 vermittlungsorientierte Maßnahme schwerbehinderte Kun- den 6 bis 12 Monate 50 58 Existenzgründerseminar - Informationen und Eig- nungsfeststellung Gründungsinteressierte 4 Wochen Teilzeit 60 54 Existenzgründercoaching - Unterstützung in der An- fangsphase der Selbststän- digkeit Kunden in der Grün- dungsphase 12 Monate 5 5 Businesscoaching zur Fest- stellung der Tragfähigkeit Selbstständige mit län- gerem ergänzenden Leistungsbezug 6 Monate 40 39 Motivationscoaching zur Unterstützung bei der Ver- mittlung arbeitsmarktnahe Kun- den 5 Termine 100 100 Integrationscoaching zur Motivationsstärkung, Kri- senmanagement oder Klä- rung von Vermittlungs- hemmnissen Langzeitarbeitslose 6 Termine 324 276 Förderung der beruflichen Weiterbildung (FbW) durch Bildungsgutscheine Leistungsbezieher/ -innen mit speziellem Qualifizierungsbedarf Ø 3 Monate 648 Summe 4571 Ergänzende Erläuterungen Seite 14 3.3 Jobcenter-Jobvermittlung Mit Unterstützung des Vermittlungsteams des Jobcenters konnten 274 Leistungsbezie- herinnen und -bezieher im Jahre 2010 in versicherungspflichtige Tätigkeiten vermittelt, sowie 23 weiteren Kundinnen und Kunden bei der Aufnahme einer selbständigen Tätig- keit geholfen werden. Insgesamt wurden damit 297 Kundinnen und Kunden auf diesem Wege integriert. 32 weitere Kundinnen und Kunden wurden in 400-€-Jobs vermittelt. Er- gänzend hierzu wurde die Kooperation mit der Arbeitsvermittlung des Arbeitgeberser- vice der Agentur für Arbeit weiter ausgebaut. 4. Bereich Leistungsgewährung 4.1 Schnittstelle zur Fachstelle Wohnungssicherung Von der Fachstelle Wohnungssicherung wurden zum 31.12.2010 insgesamt 418 Be- darfsgemeinschaften als Wohnungsnotfälle bearbeitet. Die Zahl der dort betreuten Be- darfsgemeinschaften ist gegenüber dem Vorjahr weiter gesunken. Dez. 2007 Dez. 2008 Dez. 2009 Dez. 2010 Bedarfsgemeinschaften 400 522 484 443 Personen 550 679 662 617 Durch die enge Verzahnung zwischen dem Jobcenter und der Fachstelle Wohnungssi- cherung konnten auch 2010 wieder Wohnungsräumungen für SGB II-Hilfebezieherinnen und -bezieher weitgehend verhindert werden. Wie in den Vorjahren wurden Zwangs- räumungen und obdachlosenrechtliche Unterbringungen von Familien mit Kindern aus- schließlich wegen finanzieller Probleme vermieden. Ergänzende Erläuterungen Seite 15 4.2 Außendienst 2010 haben die Mitarbeiter/-innen des Außendienstes bei 557 Aufträgen und über 750 Hausbesuchen wesentliche Informationen erhalten, die für den weiteren Verlauf der Hil- fegewährung ausschlaggebend waren. Bei ca. 20 % der Außendienstaufträge hat sich der Verdacht auf Leistungsmissbrauch bestätigt. Dadurch konnten z. B. im 2. Halbjahr 2010 ungerechtfertigte Transferaufwen- dungen des Bundes und der Stadt Karlsruhe vermieden werden. Anzahl der Außendienstaufträge Finanzielles Ergebnis BA-Leistungen Kommunale Leistungen 557 49.688,57 € 74.750,30 € 4.3 Widerspruchs- und Klageverfahren Im Jahr 2010 wurden insgesamt 2.232 Widersprüche neu eingelegt. In 850 Fällen wurde dem Anliegen der Widerspruchsführer ganz stattgegeben. In 177 Fällen wurden Klagen vor dem Sozialgericht eingereicht und in 33 Fällen einstweiliger Rechtsschutz beantragt. 5. Ausblick auf 2011 5.1 Eingliederungsmittel Die für das Jahr 2011 zur Verfügung stehenden Eingliederungsmittel wurden im Rah- men der Eingliederungsmittel-Verordnung (EinglMV 2011) für das Jobcenter Stadt Karls- ruhe deutlich gekürzt. Deshalb stehen im Jahr 2011 nur noch 12,75 Mio. € zur Verfü- gung. In diesem Betrag sind die Leistungen zur Beschäftigungsförderung mit 1,73 Mio. € enthalten. Weiter sind wegen der ebenfalls sinkenden Zuweisungen im Verwaltungs- haushalt ca. 850.000.00 € aus dem Eingliederungstitel in den Verwaltungshaushalt um- zuschichten. 5.2 Eingliederungsmaßnahmen Die Eingliederungsmaßnahmen müssen wegen der Mittelkürzung entsprechend ange- passt werden. Dabei ist an keine größere Veränderung der Schwerpunktthemen ge- Ergänzende Erläuterungen Seite 16 dacht worden. Lediglich eine weitere Differenzierung auf die speziellen Bedürfnisse der Leistungsbezieherinnen und -bezieher wird angestrebt. Ergänzende Erläuterungen Seite 17 Beschluss: I. Antrag an den Sozialausschuss: Der Sozialausschuss nimmt die Jahresbilanz 2010 zustimmend zur Kenntnis.