Anfrage StR Mossuto, StR Wenzel (FW): Erhöhung des Anteils von Biogas bzw. Bio-Erdgas
| Vorlage: | 27560 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 18.07.2011 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadtrat Eduardo Mossuto (FW) Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) vom 02.06.2011 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 26. Plenarsitzung Gemeinderat 26.07.2011 810 27 öffentlich Erhöhung des Anteils von Biogas bzw. Bio-Erdgas A. Woher beziehen die Stadtwerke Karlsruhe ihren Biogas-Anteil? B. Laut Statistischem Jahrbuch 2010 gab es im Jahr 2007 88 landwirtschaftliche Betriebe, davon 42 mit einer genutzten landwirtschaftlichen Fläche von über 10 ha. Zehn Betriebe für Viehhaltung mit ca. 280 Rindern und 1 300 Schwei- nen wurden aufgeführt. Gab es den Versuch, diese Betriebe für die Biogas- Gewinnung zu gewinnen? Wenn Ja - wie ist hier der gegenwärtige Stand? C. Wenn Nein - wäre es nicht ein Versuch wert, sich mit diesen Betrieben hin- sichtlich einer Erhöhung des Biogas-Anteils in Verbindung zu setzen? D. Biogas kann in vielfältiger Weise eingesetzt werden. Es kann nach Aufberei- tung ins Erdgasnetz eingespeist werden oder in Blockheizkraftwerken genutzt werden. Sie garantieren dezentrale Energiegewinnung und führen zu mehr Unabhängigkeit von großen Energieanbietern. Wäre es nicht an der Zeit, auch für Karlsruhe bzw. die Stadtwerke den Weg zu mehr Unabhängigkeit zu be- schreiten? Biomasse entsteht in der Land- und Forstwirtschaft auf verschiedenen Wegen: Pflanzenreste oder tierische Abfälle gehören ebenso dazu wie speziell angebaute, schnell wachsende Energiepflanzen oder Zwischenfrüchte, die dann angebaut wer- den, wenn die Haupternten eingefahren sind. Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Der vermehrte agrarindustrielle Anbau von Energiepflanzen wie Mais und Grün- landumbruch muss dabei als problematisch angesehen werden. Durch Vergärung der Biomasse entsteht Biogas. Die Biogaserzeugung ist somit Teil der Kreislaufwirtschaft und eine wichtige Perspektive für die heimische Landwirt- schaft. Die Nutzung von Biomasse zur Erzeugung von Strom und Wärme ist eine beson- ders unter Klimaaspekten attraktive Form der Energiewandlung. Denn für die Bildung von Biomasse wird der Atmosphäre zunächst das Treibhausgas CO 2 entzogen; der Kohlenstoff wird in der Biomasse gebunden. Später wird er wieder in die Atmosphäre abgegeben, z. B. bei der Verbrennung oder der Verrottung der Biomasse. Daher wird nur das CO 2 freigesetzt, das zuvor beim Wachstum der Pflanzen der Atmosphäre entnommen wurde. Biomasse ist nicht gleich Biomasse. Organische Abfälle, Holz, Gülle, auch Getreide, Mais, Stroh und andere Dreschabfälle oder andere Stoffe pflanzlichen und tierischen Ursprungs und deren Neben- und Folgeprodukte können für eine klimaverträgliche Energieerzeugung herangezogen werden. Zu den wichtigsten der biogenen Brenn- stoffe zählen sicherlich Holz und Holzreste, aber auch organische Reststoffe eignen sich als Energielieferant. Gülle, Bioabfall, Klärschlamm und kommunale Abwässer oder Speisereste können in ein energiereiches Biogas verwandelt werden. Auch aus Mülldeponien tritt Biogas aus, das genutzt werden kann – wie hier in Karls- ruhe, bei der Mülldeponie West. Die in der Deponie Karlsruhe-West anfallenden De- poniegase werden in einem Blockheizkraftwerk genutzt. Die insgesamt drei Gasmo- toren erzeugen jährlich über 8 Mio. Kilowattstunden Strom und rund 4 Mio. Kilowatt- stunden Wärme. Der Strom wird ins öffentliche Netz eingespeist und kann den Be- darf von mehr als 3.300 Haushalten decken. Die Wärme wird im Betriebshof der Ver- kehrsbetriebe genutzt. Durch die Nutzung des methanhaltigen Deponiegases wird die Umwelt um rund 10.000 Tonnen Kohlendioxid (CO 2 ) und mehr als 50 Tonnen Schwefeldioxid (SO 2 ) pro Jahr entlastet. In diesem Zusammenhang ist auch die ehem. Deponie Ost oberhalb von Durlach zu erwähnen. Dort wird erfolgreich eine Biovergärungsanlage mit dem Karlsruher Biomüll gefüttert. Seite 3 __________________________________________________________________________________________ Zunehmend an Bedeutung gewinnen kleinere KWK-Anlagen für die Versorgung ein- zelner Wohngebiete bzw. einzelner Mehr- und sogar Einfamilienhäuser, so genannte Blockheizkraftwerke (BHKW). Doch Biogas hat - unter anderem wegen seiner ganz unterschiedlichen Rohstoffquel- len - eine stark schwankende Zusammensetzung. Es kann nicht einfach in jeder gängigen Heizung verbrannt oder beliebig mit ERDGAS vermischt werden. Eine Auf- bereitung in speziellen Anlagen ist nötig, um das Biogas fit für die Einspeisung ins Erdgasnetz zu machen. Nach der Behandlung hat das ursprüngliche Biogas ein Qua- litätsniveau erreicht, das eine Einspeisung ins Erdgasnetz erlaubt. Es weist die ge- wohnte Erdgasqualität auf. Der Geruch von Bio-Erdgas entspricht dem Geruch von Erdgas. Dieses wird grundsätzlich mit Riechstoffen versehen, um etwaigen Gasaus- tritt besser wahrnehmen zu können. So können immer mehr Erdgaskunden auf ganz unkomplizierte Weise von der erneuerbaren Energie BIO-ERDGAS profitieren. Sie schonen damit die Umwelt und stärken die heimische Landwirtschaft. Mittlerweile besteht bei zahlreichen Gasversorgern die Möglichkeit, BIO-ERDGAS zu beziehen. So bieten zum Beispiel auch die Stadtwerke Karlsruhe mit ihrem Angebot: NatuRgas - Erdgas mit einem Anteil von 10 Prozent Bio-Erdgas an. unterzeichnet von: Eduardo Mossuto Jürgen Wenzel Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 15. Juli 2011
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Eduardo Mossuto (FW) Stadtrat Jürgen Wenzel (FW) vom: 02.06.2011 eingegangen: 06.06.2011 Gremium: 26. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 26.07.2011 810 27 öffentlich Dez. 4 Erhöhung des Anteils von Biogas bzw. Bio-Erdgas A. Woher beziehen die Stadtwerke Karlsruhe ihren Biogas-Anteil? Die Stadtwerke Karlsruhe GmbH (SWK) beziehen ihr Biogas derzeit von zwei unterschiedlichen Lieferanten, die Zugang zu Biogasanlagen haben. Die Mengen richten sich dabei nach dem Be- darf der Naturgaskunden. Die SWK haben sicherzustellen, dass jederzeit die notwendigen Men- gen bereitgehalten werden. B. Laut Statistischem Jahrbuch 2010 gab es im Jahr 2007 88 landwirtschaftliche Be- triebe, davon 42 mit einer genutzten landwirtschaftlichen Fläche von über 10 ha. Zehn Betriebe für Viehhaltung mit ca. 280 Rindern und 1.300 Schweinen wurden auf- geführt. Gab es den Versuch, diese Betriebe für die Biogas-Gewinnung zu gewin- nen? Wenn Ja – wie ist hier der gegenwärtige Stand? Die Situation der Biomassegewinnung und Verwertung im Sektor Landwirtschaft wurde bereits im Rahmen der Erstellung des Biomassekonzepts, das wiederholt, zuletzt am 07.10.2010 im AUG behandelt wurde, erörtert. Unter Abwägung aller Gesichtspunkte war eine Intensivierung der Bio- massegewinnung im landwirtschaftlichen Bereich nicht weiter zu forcieren. Gespräche mit Betrie- ben wurden deshalb nicht aufgenommen. C. Wenn Nein – wäre es nicht ein Versuch wert, sich mit diesen Betrieben hinsichtlich einer Erhöhung des Biogas-Anteils in Verbindung zu setzen? Siehe unter B. D. Biogas kann in vielfältiger Weise eingesetzt werden. Es kann nach Aufbereitung ins Erdgasnetz eingespeist werden oder in Blockheizkraftwerken genutzt werden. Sie garantieren dezentrale Energiegewinnung und führen zu mehr Unabhängigkeit von großen Energieanbietern. Wäre es nicht an der Zeit, auch für Karlsruhe bzw. die Stadtwerke den Weg zu mehr Unabhängigkeit zu beschreiten? Eine eigene Biogaserzeugung im Stadtgebiet aufzubauen, ist aus Sicht der SWK unrealistisch, da es keine ausreichenden Flächen für die Biomassebereitstellung gibt. Eine Nutzung von Bioerdgas in Blockheizkraftwerken (BHKW) setzt eine entsprechende Zustimmung des Kunden voraus. Bis- her werden alle BHKW, die im Rahmen von Contractingprojekten errichtet wurden, mit Erdgas betrieben. Die Potentiale für BHKW sind allerdings begrenzt, weil eine entsprechende Wärmeab- nahme vorhanden sein muss. Unabhängig davon haben sich die SWK durch diversifizierte Strom- beschaffung bei über 30 Handelspartnern und der Börse EEX schon seit längerer Zeit unabhängig von einzelnen Energieanbietern gemacht. Seite 2 Darüber hinaus laufen derzeit Planungen zur Erneuerung des Anlagenverbundes der ehemaligen Deponie Ost. Ziel ist eine moderne, nachhaltige Bioabfallverwertung unter möglichst optimaler Ausnutzung der energetischen Potenziale. Hierzu wird nach Abschluss der Vorberatungen in den Fachgremien eine Grundsatzentscheidung im Gemeinderat zu treffen sein. Im Ausschuss für Um- welt und Gesundheit wird hierzu laufend berichtet.