Erweiterung des Jugendhilfeplans Frühe Prävention
| Vorlage: | 27279 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 03.06.2011 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Oberreut, Rintheim, Rüppurr, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock, Weststadt |
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April 2011 BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: Jugendhilfeausschuss Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 08.06.2011 5 öffentlich Dez. 3 Erweiterung des Jugendhilfeplans Frühe Prävention Beratungsfolge dieser Vorlage am TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 08.06.2011 5 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Jugendhilfeausschuss nimmt von der Evaluation der Frühen Prävention Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) 176.000 € 176.000 € 176.000 € Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung Kontierungsobjekt: Kostenstelle: Kontenart: Ergänzende Erläuterungen: Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 April 2011 Auftrag In der Sitzung des Gemeinderates am 19.10.2010 wurde von der CDU-Fraktion ein Antrag auf den Ausbau weiterer Startpunkt-Familienzentren gestellt. Der Antrag wurde vom Gemeinderat in den Jugendhilfeausschuss verwiesen, um die Evaluation der bisherigen Umsetzung der Frühen Prävention in die Überlegungen mit aufzu- nehmen und dem Gemeinderat eine Empfehlung vorzulegen. Ausgangslage Ziel der Frühen Prävention in Karlsruhe ist die Schaffung einer früh ansetzenden bedarfsgerechten Unterstützung für Schwangere und Eltern mit Kindern bis drei Jah- ren, die sich durch Armut, Trennung oder andere Umstände in schwierigen Lebens- verhältnissen befinden. In Kooperation zwischen Jugendamt und Gesundheitsamt geschieht dies durch den Ausbau bereits vorhandener Strukturen und durch Vernet- zung und Weiterentwicklung der bestehenden Angebote. Die Angebote umfassen die Begrüßungsmappe, die mittlerweile in allen Karlsruher Geburtskliniken an die Eltern ausgegeben wird, das Begrüßungsgeschenk und die Startpunkt-Familienzentren. Niedrigschwellige Beratung und aufsuchende Hilfen leis- ten die Beratungsstelle Frühe Hilfen, das Fachteam Frühe Kindheit und die Famili- enhebammen. Durch die sehr gute Annahme der Angebote entstehen mittlerweile Wartezeiten für die Familien bei der Inanspruchnahme von Beratung. Startpunkt-Familienzentren Ein wichtiger Baustein des Jugendhilfeplans sind die Startpunkt-Familienzentren. Sie arbeiten trägerübergreifend eng mit anderen Institutionen wie dem Fachteam Frühe Kindheit, der Beratungsstelle Frühe Hilfen, den Familienhebammen sowie dem So- zialen Dienst und Einrichtungen aus dem Stadtteil zusammen. Sie organisieren und koordinieren bedarfs- und sozialraumorientierte Angebote der Beratung, Familienbil- dung und Entlastung. Ziel ist, diese niedrigschwelligen Angebote für Familien flä- chendeckend in Karlsruhe zu schaffen. Besuchszahlen und Rückmeldungen der Ergänzende Erläuterungen Seite 3 April 2011 Familien zeigen, dass die in den Startpunkt-Familienzentren stattfindenden Elternca- fés gut angenommen werden und für die Familien eine wichtige Anlaufstelle bedeu- ten. Bei vielen Familien zeigt sich auch erweiterter Beratungsbedarf. In diesen Fällen werden sie an das Fachteam Frühe Kindheit, die Familienhebammen und die Bera- tungsstelle Frühe Hilfen weiter verwiesen. Diese Weitervermittlung funktioniert des- halb so gut, weil die Fachleute durch die regelmäßigen Besuche in den Startpunkt- Familienzentren den Familien bereits bekannt sind und Hemmschwellen dadurch abgebaut sind. Der Unterschied zwischen den Startpunkt-Familienzentren und anderen Elterncafés besteht in bestimmten Standards, die verbindlich für alle Startpunkt-Familienzentren gelten und die den Erfolg maßgeblich bestimmen. Diese sind folgende: Die Startpunkt-Familienzentren erhalten regelmäßig (ein bis dreimal jährlich) Besuch von folgenden Fachkräften: Fachteam Frühe Kindheit, Beratungsstel- le Frühe Hilfen, Familienhebammen sowie Ärztinnen des Gesundheitsamtes. Jedes Startpunkt-Familienzentrum hat „seine“ festen Fachleute, die die Besu- che vor Ort tätigen, so dass die Eltern Vertrauen entwickeln können und sich im Café direkt mit ihren Fragen an die Fachleute wenden. Der Träger/die Trägerin eines Startpunkt-Familienzentrums bietet regelmäßig einen Kurs im Rahmen des Landesprogramms STÄRKE für Familien in be- sonderen Lebenslagen an. Fachteam Frühe Kindheit, Beratungsstelle Frühe Hilfen, Familienhebammen Diese speziell ausgebildeten Fachleute leisten niedrigschwellige aufsuchende Bera- tung und Begleitung sowie regelmäßige Besuche in den Startpunkt-Familienzentren. Gemeinsame Standards der Arbeit sind: Ein bindungsorientiertes Arbeiten, bei dem Eltern für die Bedürfnisse ihrer Kinder sensibilisiert werden, der Blick auf das Kindeswohl und entsprechendes fachliches Handeln bei (drohender) Kindeswohlgefährdung, Ergänzende Erläuterungen Seite 4 April 2011 die Kooperation mit Ärztinnen und Ärzten, Kliniken und anderen Fachstellen wie z. B. dem Sozialen Dienst und Beratungsstellen, die Vernetzung innerhalb der Stadt Karlsruhe. Inanspruchnahme der Angebote der Frühen Prävention in 2010 Die Tabelle umfasst die Gesamtbesuchszahlen in den Startpunkt-Familienzentren im Jahr 2010 (z. T. wurden die neuen Startpunkt-Familienzentren erst im Laufe von 2010 eröffnet, das Eröffnungsdatum ist aufgeführt). Durchschnittlich werden die El- terncafés in den Startpunkt-Familienzentren von 18 Personen pro zwei Stunden Öff- nungszeit pro Woche besucht. In 2010 konnten dort 669 neue Eltern erreicht wer- den. Viele Startpunkt-Familienzentren werden von den Familien über einen gewis- sen Zeitraum regelmäßig besucht. Startpunkt- Familienzentren Mütter Väter Kinder neue Besuche- rinnen/ Besu- cher Infobedarf/ Einzelberatung, Waldstadt, StJA e. V. Eröffnung: 6/09 854 69 963 63 147 8 Rheinstrand, VfJ* Eröffnung: 1/10 152 15 185 30 36 5 Mühlburg, pro familia Eröffnung: 6/09 452 21 476 45 104 46 Nordstadt, Parität. Sozialdienste Eröffnung: 1/10 148 17 222 109 92 42 Innenstadt Ost, AWO Eröffnung: 3/08 559 36 562 109 37 36 Weststadt, Caritas Eröffnung: 1/10 258 50 324 49 23 6 Innenstadt West, SkF Eröffnung: 3/08 406 41 421 94 223 82 Oberreut, DWK Eröffnung: 3/08 747 33 776 70 55 32 Rintheim, DWK Eröffnung: 10/10 17 6 23 7 3 Durlach, Verbund Eröffnung: 4/10 559 45 587 93 81 37 Gesamt 2010 4152 333 4539 669 798 297 * Verein für Jugendhilfe Ergänzende Erläuterungen Seite 5 April 2011 Die Gruppenangebote sind z. B. Mutter-Kind-Gruppen oder offene „Themen-Cafés“. Die Gruppenangebote sind fortlaufend für die gleichen Teilnehmerinnen und Teil- nehmer. In den offenen „Themen-Cafés“ werden unterschiedliche und immer wieder neue Familien erreicht. Das Fachteam Frühe Kindheit begleitete in 2010 insgesamt 143 Familien. Es fan- den 183 Haus- bzw. Klinikbesuche statt. In acht Fällen wurde im Verband eine Risi- koabschätzung nach § 8a durchgeführt. 359 Kontakte mit Kooperationspartnerinnen und Kooperationspartnern fanden statt. Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle Frühe Hilfen berieten und begleiteten in 2010 127 neue Familien, 113 Beratungskontakte wurden beendet. 36 Familien wur- den von Ärztinnen und Ärzten oder Kliniken an die Beratungsstelle vermittelt. Die Familienhebammen des Gesundheitsamtes (die Stelle für die Stadt war ab August besetzt, und die Familienhebamme für Stadt und Landkreis gemeinsam ist auch für die Stadt tätig) unterstützten in 2010 25 Familien, dabei wurden 183 Haus- besuche durchgeführt und 146 Telefonanrufe bearbeitet. 13 Startpunkttermine wur- den wahrgenommen. 118 Termine zur Vernetzung, Öffentlichkeitsarbeit oder Ta- gung sind für die Stadt wahrgenommen worden. Die Familienhebamme bei der pro familia betreute 20 Familien zu Hause und 19 Familien in der Sprechstunde. Insge- samt wurden 138 Hausbesuche durchgeführt, ebenso Besuche in den Startpunkten. Die Evaluation durch das Gesundheitsamt zeigt, dass durch diese niedrigschwelli- gen aufsuchenden Hilfen die Zielgruppe der Familien in besonderen Lebenslagen sehr gut erreicht werden konnte. So waren in 2010 33 % der begleiteten Eltern unter 25 Jahren, 41 % befanden sich in einer schwierigen Wohnsituation. 45 % der Mütter Gruppenangebote des Fach- teams Frühe Kindheit Mütter Väter Kinder Alleinerziehenden-Café AWO 104 1 107 Café für jugendliche Eltern 353 4 354 Mutter-Kind-Gruppe SKF 1 9 Termine 32 32 Mutter-Kind Gruppe SKF 2 19 Termine 87 8 92 Ergänzende Erläuterungen Seite 6 April 2011 befanden sich in prekären finanziellen Verhältnissen (31 % waren ALG- Empfängerinnen und -Empfänger). 36 % der begleiteten Familien in 2010 hatten ei- nen Migrationshintergrund. Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe musste in 25 Fällen wegen des Verdachts auf Kindeswohlgefährdung eingeschaltet werden, in 39 Fällen war die Familie bereits dem Sozialen Dienst bekannt. Leider mussten von den Familien mit Beratungsbedarf in 2010 Wartezeiten von zwei Wochen beim Fachteam Frühe Kindheit und Familienhebammen und drei Wochen bei der Beratungsstelle Frühe Hilfen in Kauf genommen werden. Familienentlastende Dienste wellcome Ziel des Projekts wellcome ist die Errichtung und Aufrechterhaltung eines Unterstüt- zungsangebotes für Eltern in den ersten Monaten nach der Geburt eines Kindes. Voraussetzung für den Erfolg der wellcome-Initiative ist das ehrenamtliche Engage- ment von Menschen, die in ihrer Stadt Familien in der ersten Zeit nach der Geburt eines Kindes helfen wollen. Es wird von den Paritätischen Sozialdiensten gGmbH umgesetzt. Wellcome vermittelte in 2010, aus einem Pool von insgesamt 46 Freiwil- ligen, Helferinnen an 44 Familien, die die Unterstützung wünschten. Der Bedarf nach weiteren Familienentlastungsangeboten zeigt sich deutlich. Landesprogramm STÄRKE In 2010 wurden 690 Gutscheine der Komponente 1 (Kurse für Eltern mit einem Neu- geborenen) für einen Familienbildungskurs eingelöst. Mit insgesamt 97 Kursen der Komponente 2 (Kurse für Familien in besonderen Lebenslagen) konnten 623 Teil- nehmende aus allen zehn Kategorien der besonderen Lebenslagen wie Alleinerzie- hung, frühe Elternschaft, Gewalterfahrung, Krankheit und Behinderung, Mehr- lingsversorgung, Migrationshintergrund, Pflege- und Adoptivfamilien, prekäre finan- zielle Verhältnisse und Trennung erreicht werden. Zahlreiche Familienbildungskurse zur Förderung der Erziehungskompetenz wurden in Startpunkt-Familienzentren an- geboten. Ergänzende Erläuterungen Seite 7 April 2011 Empfehlungen für die perspektivische Erweiterung des Jugendhilfeplans Frühe Prävention Die sehr gute Annahme der Angebote und der sich aufzeigende Bedarf, insbesonde- re in den niedrigschwelligen und aufsuchenden Beratungs- und Hilfeangeboten, sprechen für einen gezielten Ausbau dieser Angebote und Hilfen. Ziel ist weiterhin, die Startpunkt-Familienzentren flächendeckend in Karlsruhe zu schaffen. Für eine sinnvolle perspektivische Erweiterung der Frühen Prävention sind nach An- sicht der Verwaltung und nach Beratungen in der interdisziplinär besetzten „Len- kungsgruppe Frühe Prävention“ folgende Maßnahmen erforderlich: Maßnahmen städtische Kosten pro Jahr 1. Die Erweiterung der Beratungsstelle Frühe Hilfen um 1,0 Stellen (Dipl.-Psychologin) 70.000 € 2. Die Erweiterung des Fachteams Frühe Kindheit um 1,0 Stellen (Dipl. Soz.-Päd.) 58.000 € Prioritätenliste Startpunkt- Familienzentren 1. Ein Startpunkt-Familienzentrum für Rüppurr, Weiherfeld, Dammerstock 12.000 € (Zuschuss an den Träger) 2. Ein Startpunkt-Familienzentrum für die Süd- stadt 12.000 € (Zuschuss an den Träger) 3. Ein Startpunkt-Familienzentrum für Knielin- gen 12.000 € (Zuschuss an den Träger) 4. Ein Startpunkt-Familienzentrum für Neureut 12.000 € (Zuschuss an den Träger) Gesamt 176.000 € Bei der Stellenbesetzung ist zu beachten, dass aufgrund der hohen Vernetzungstä- tigkeit die Stellen nicht unter einer halben Stelle vergeben werden. Die Mitarbeiterin- nen des Fachteams können ihre Stellenanteile aufstocken, somit kann das spezielle, bereits vorhandene Fachwissen genutzt werden. Ergänzende Erläuterungen Seite 8 April 2011 Beschluss: Antrag an den Jugendhilfeausschuss: Der Jugendhilfeausschuss nimmt von der Evaluation der Frühen Prävention Kennt- nis.