Antrag GRÜNE: Kindergesundheitsbericht
| Vorlage: | 26954 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 11.04.2011 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister STELLUNGNAHME zum Antrag GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom: 21.02.2011 eingegangen: 21.02.2011 Gremium: 23. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 19.04.2011 700 8 öffentlich Dezernat 5 Kindergesundheitsbericht - Kurzfassung - Dem Antrag wird so weit als möglich entsprochen werden. Finanzielle Auswirkungen des Antrages nein ja Gesamtkosten der Maßnahme Einzahlungen/Erträge (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Ergänzende Erläuterungen: Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Sport, Freizeit und Gesundheit Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Klinikum Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Die Verwaltung erstellt zunächst einen detaillierten Kindergesundheitsbe- richt, in dem die Situation der besonderen Zielgruppe Kinder und Jugend- liche unter den folgenden für die Gesundheit relevanten Rahmenbedin- gungen, nach Geschlechtern getrennten Gesichtspunkten untersucht wird. Die Gesundheitsberichterstattung erfolgt stadtteilbezogen und wird zusätz- lich nach ehemaligen und derzeitigen SSP-Stadtgebieten aufgeschlüsselt. Folgende Faktoren werden darin berücksichtigt: a) Individuelle und soziale gesundheitsrelevante Belastungen wie wirtschaftliche Situation der Familie oder Lebensgemeinschaft, al- lein erziehende Elternteile und Kinderbetreuung, Arbeitslosigkeit, Bezug sozialer Hilfeleistungen, familiäre Belastungen b) indikatorenbasierte Daten zu allgemeinen bzw. umweltbezogenen Gesundheitsbelastungen wie Lärm, Luftbelastung, Hitzeinseln c) Gesundheitszustand der Stadtteilbevölkerung wie Übergewicht, Sprach- und Motorikauffälligkeiten bei Kindern, Suchtmittelmiss- brauch, Atemwegserkrankungen, Allergien, Infektionshäufigkei- ten, chronische Krankheiten, psychisch bedingte Verhaltensauf- fälligkeiten d) Gesundheitsversorgung wie Teilnahme an Früherkennungsunter- suchungen, Präventionsverhalten, Zahngesundheit e) gesundheitsfördernde Potenziale wie öffentliche Grünflächen, Spielplätze, Gesundheitsprojekte in Kitas und Schulen, Vereinen, sonstige Ernährungsangebote Kindergesundheitsberichte und Gesundheitsberichte, erstellt von Sachverständigen- kommissionen, liefern wichtige Impulse und Erkenntnisse für die gesundheitliche Entwicklung von Kindern. So z. B. der 13. Kinder- und Jugendbericht der Bundesre- gierung, die Studie zur Gesundheit von Kindern und Jugendlichen in Deutschland (KIGGS-Studie) des Robert-Koch-Instituts oder auch empirische Studien des Sozi- alwissenschaftlers Klaus Hurrelmann. Ein städtischer Kindergesundheitsbericht würde zu einer genaueren Sicht auf die lokalen Rahmenbedingungen beitragen. Im Zuge der Erarbeitung von Maßnahmenkatalogen im Zusammenhang mit der Leit- linie „Gesund aufwachsen in Karlsruhe“ wird auf jeden Fall eine Analyse der lokalen Situation erforderlich. Hierbei wird sich zeigen, in welchem Umfang Daten vorhanden sind oder ermittelt werden können, um methodisch gesicherte und aussagekräftige Erkenntnisse zu erzielen, die sich für einen Kindergesundheitsbericht verwenden lassen. Grundsätzlich ist dabei auf ausreichend große Datenmengen zu achten, um die Validität der Ergebnisse zu sichern. Erschwerend kommt hinzu, dass bei detail- lierten Erhebungen die Erfordernisse des Datenschutzes, der insbesondere sozial schwache Personenkreise einbezieht, zu beachten sind. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 2) Im Folgeschritt erarbeitet die Verwaltung aus den Ergebnissen des Kinder- gesundheitsberichts ein integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept für unsere Stadt. „Karlsruhe setzt sich für die Entwicklung eines Gesundheitsbewusstseins bereits im Kindesalter ein ...“ lautet eines der Ziele im Karlsruher Masterplan 2015. Im Dezember 2010 verabschiedete der Gemeinderat die „Leitlinien gegen Kinderar- mut“. Die Verwaltung wurde daraufhin beauftragt, die Umsetzung der Maßnahmen anzugehen und konkrete Handlungsempfehlungen vorzulegen, die sich u. a. auch positiv auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen auswirken sollen. Diese Empfehlungen werden voraussichtlich Anfang April 2011 vorliegen. In der Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Gesundheit am 25.02.2011 wurden die Leitlinien „Gesund aufwachsen in Karlsruhe“ vorgestellt und zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung wurde auch hier beauftragt, Maßnahmen vor- zuschlagen, die zu einer konkreten Verbesserung der Kindergesundheit in Karlsruhe beitragen. Eine Analyse der lokalen Kindergesundheitssituation ist Grundlage für die Ableitung von Maßnahmen im Rahmen der Leitlinie „Gesund aufwachsen in Karlsruhe“. Dabei werden auch - um Doppelarbeiten zu vermeiden - bereits geleistete Vorarbeiten, z. B. die bis dahin erarbeiteten Maßnahmen bezüglich der „Leitlinien gegen Kinder- armut“, mit berücksichtigt. 3) In einem späteren weiteren Schritt erfolgt die Ausweitung des Berichts und seiner konzeptionellen Auswertung mit entsprechend angepassten Fakto- ren auf andere Zielgruppen, wie ältere Menschen, psychisch kranke Men- schen und Menschen mit Migrationshintergrund. Die kommunale Gesundheitsvorsorge wird sich zunächst auf das Thema Kinderge- sundheit konzentrieren, da dort aktuell der größte Handlungsbedarf gesehen wird. Im Zuge der weiteren Entwicklung ist eine Ausweitung auf andere Zielgruppen wie z. B. Senioren o. Ä. vorstellbar.
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANTRAG Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Dr. Dorothea Polle-Holl (GRÜNE) Stadträtin Dr. Ute Leidig (GRÜNE) Stadtrat Alexander Geiger (GRÜNE) GRÜNE-Gemeinderatsfraktion vom 21.02.2011 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 23. Plenarsitzung Gemeinderat 19.04.2011 700 8 öffentlich Kindergesundheitsbericht 1. Die Verwaltung erstellt zunächst einen detaillierten Kindergesundheitsbericht, in dem die Situation der besonderen Zielgruppe Kinder und Jugendliche unter den folgenden für die Gesundheit relevanten Rahmenbedingungen, nach Geschlech- tern getrennten Gesichtspunkten untersucht wird. Die Gesundheitsberichterstat- tung erfolgt stadtteilbezogen und wird zusätzlich nach ehemaligen und derzeiti- gen SSP-Stadtgebieten aufgeschlüsselt. Folgende Faktoren werden darin berücksichtigt: a) individuelle und soziale gesundheitsrelevante Belastungen wie wirtschaftliche Situation der Familie oder Lebensgemeinschaft, allein erziehende Elternteile und Kinderbetreuung, Arbeitslosigkeit, Bezug sozialer Hilfeleistungen, familiä- re Belastungen, b) indikatorenbasierte Daten zu allgemeinen bzw. umweltbezogenen Gesund- heitsbelastungen wie Lärm, Luftbelastung, Hitzeinseln c) Gesundheitszustand der Stadtteilbevölkerung wie Übergewicht, Sprach- und Motorikauffälligkeiten bei Kindern, Suchtmittelmissbrauch, Atemwegserkran- kungen, Allergien, Infektionshäufigkeiten, chronische Krankheiten, psychisch bedingte Verhaltensauffälligkeiten, d) Gesundheitsversorgung wie Teilnahme an Früherkennungsuntersuchungen, Präventionsverhalten, Zahngesundheit e) gesundheitsfördernde Potenziale wie öffentliche Grünflächen, Spielplätze, Gesundheitsprojekte in Kitas und Schulen, Vereinen, sonstige Ernährungsan- gebote. 2) Im Folgeschritt erarbeitet die Verwaltung aus den Ergebnissen des Kinderge- sundheitsberichts ein integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept für unse- re Stadt. 3) In einem späteren weiteren Schritt erfolgt die Ausweitung des Berichts und seiner konzeptionellen Auswertung mit entsprechend angepassten Faktoren auf andere Zielgruppen, wie ältere Menschen, psychisch kranke Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund. Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Kindergesundheit ist beeinflusst von verschiedenen Faktoren. Auf der gesellschaftli- chen Ebene sind hier soziale Einflüsse wie wirtschaftliche Situation der Familie, For- men des Zusammenlebens, Betreuung der Kinder und Wohnbedingungen (Lärm, Luft, aber auch Spielplätze, Vereine etc.) von großer Bedeutung. Diese machen sich auf der individuellen Ebene in gesundheitsrelevanten Verhaltensweisen bemerkbar, z. B. Ernährung, Bewegung, Vorsorge etc. Es ist zu vermuten, dass sich in den meisten Bereichen die Situation für Kinder in Karlsruhe vergleichsweise günstig oder zumindest nicht schlechter als im Landes- durchschnitt darstellt. Dennoch ist eine Reihe von Verbesserungen wünschenswert, etwa bei ganztägigen Angeboten der Kinderbetreuung, bei der Versorgung psychisch kranker Kinder und Jugendlicher oder bei der Schulverpflegung. In Karlsruhe gibt es - wie in anderen Regionen Baden-Württembergs - überdurch- schnittlich häufig Probleme und Defizite von Kindern aus sozial benachteiligten Fami- lien oder Kindern mit Migrationshintergrund. Dies betrifft etwa die Teilnahme an Vor- sorgeuntersuchungen, den Besuch von Kindertageseinrichtungen, den Entwick- lungsstand der Kinder bei der Einschulung, ihren Schulerfolg oder die Gewohnheiten bei Ernährung und Mundgesundheit, beim Bewegungsverhalten und beim Medien- konsum. Das Gleiche trifft auf andere Zielgruppen zu, wie ältere Menschen, psychisch kranke Menschen und Menschen mit Migrationshintergrund, wobei der zu erstellende Be- richt zum Teil andere, auf die Personengruppen passende Faktoren berücksichtigen sollte. Ein detaillierter Kindergesundheitsbericht und weitere Gesundheitsberichte anderer Bevölkerungsgruppen können daher deutlich machen, dass der aktuelle Gesund- heitsstatus, das familiäre Gesundheitsverhalten und die Chancen für Gesundheit und soziale Teilhabe in den Bevölkerungsgruppen unterschiedlich verteilt sind. Die klein- räumige Datenanalyse soll aufzeigen, wo Maßnahmen der Prävention und Interven- Sachverhalt/Begründung: Seite 3 __________________________________________________________________________________________ tion sozialräumlich und zielgruppenbezogen ausgerichtet werden müssen. Und letzt- endlich gibt damit der Bericht den Akteuren und Akteurinnen vor Ort eine wichtige Handlungsgrundlage. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Dr. Dorothea Polle-Holl Dr. Ute Leidig Alexander Geiger Hauptamt - Ratsangelegenheiten - 08.04.2011