Betriebsträgerschaft Kindertageseinrichtung an der Albschule, Scheibenhardter Weg 23
| Vorlage: | 26848 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 18.03.2011 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach |
Beratungen
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: Jugendhilfeausschuss Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 16.02.2011 1 öffentlich Dez. 3 Betriebsträgerschaft Kindertageseinrichtung an der Albschule, Scheibenhardter Weg 23 Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 16.02.2011 1 Antrag an den Ausschuss Der Jugendhilfeausschuss vergibt aufgrund der Auswertung der Angebote die Betriebsträ- gerschaft für die Kindertageseinrichtung an der Albschule an den Träger AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld 4: Miteinander Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 1. Ausgangssituation Ziel der Stadt Karlsruhe ist es, für Eltern ein bedarfsgerechtes, qualitativ gutes Ange- bot im Vorschulbereich zu schaffen und zu sichern. Zum erforderlichen Ausbau für den Rechtsanspruch ab August 2013 für Kinder ab dem 1. Lebensjahr (und darunter) ge- hört eine neue Einrichtung mit drei Gruppen am Scheibenhardter Weg 23 in Weiher- feld mit insgesamt 43 Plätzen, darunter 18 Plätzen für Kinder unter drei Jahren. Auf dem Areal am Scheibenhardter Weg, mitten im Weiherwald, befindet sich die Wei- herwaldschule (zweizügige Grundschule), die Albschule (Schule für geistig behinderte Kinder ab der 1. Klasse), der Albschulkindergarten (staatlicher Schulkindergarten für entwicklungsverzögerte und geistig behinderte Kinder ab drei Jahren bis zur Einschu- lung), ein Sportgebäude und ein Schwimmbad. Das zweigeschossige neue Gebäude für die nachfolgenden Einrichtungen und Ange- bote ist im Bau. Im Erdgeschoss entstehen neue Räume für den Albschulkindergarten, die Sozialpädagogische Beratungsstelle (angegliedert an die Albschule) sowie der Mu- sikraum der Albschule und ein Raum für die Ergänzende Betreu- ung/Schulkindbetreuung der Weiherwaldschule. Die Räume der Kindertageseinrich- tung befinden sich im Obergeschoss. Das Gebäude wird im Spätsommer 2011 fertig gestellt; nach jetzigem Sachstand kann die Kindertageseinrichtung im Oktober 2011 in Betrieb gehen. Entsprechend dem in den §§ 3 und 4 SGB VIII verankerten Subsidiaritätsprinzip wurde die Trägerschaft nach der vom Jugendhilfeausschuss im März 2010 beschlossenen neuen Regelung ausgeschrieben. Ausschreibungsprofil 1 Krippengruppe 1 altersgemischte Gruppe 1 Ganztagsgruppe ab 2 Jahren (je nach Bedarf Öffnungszeit „Verlängerter Vormittag“) Integrative Einrichtung (INE) des Stadtteils (vier behinderte Kinder in zwei Gruppen) Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Sonderschulkindergarten und integrative Kindertageseinrichtung (INE = zentrale integ- rative Einrichtung des Stadtteils) unter einem Dach ermöglichen es, die vom Albschul- kindergarten gewünschte Intensivkooperation zwischen einer Regeleinrichtung und ei- nem Schulkindergarten in unterschiedlicher Trägerschaft zu entwickeln und zu erpro- ben. Bisher gibt es an der Weiherwaldgrundschule das Angebot der „Ergänzenden Be- treuung“ (Schul- und Sportamt) und darüber hinaus das Angebot einer „Flexiblen Nachmittagsbetreuung“ mit Mittagessen durch die „Kinder-Stadtkirche“. Durch die neue Kindertageseinrichtung werden weitere Ganztagsplätze angeboten; daraus resul- tiert der Bedarf eines Ganztagsangebots für Schulkinder. Berufstätige Eltern brauchen ein verlässliches, durchgängiges Ganztagsangebot für ihre Vorschul- und Schulkinder. Vor diesem Hintergrund soll geprüft werden, ob ein bedarfsgerechtes Angebot der Schulkindbetreuung in einer Trägerhand durch den Kita-Träger gewährleistet werden kann. Dies würde auch die Gestaltung des Übergangs von der Kindertagesstätte in die Grundschule und die Zusammenarbeit erleichtern. Ob und wie die konkrete Umset- zung erfolgt, soll dann zusammen mit der Weiherwaldschule geklärt werden. Qualität - Umsetzung Bildungsplan Baden-Württemberg (Orientierungs- plan) Wie in den bisherigen Ausschreibungen wurde auch dieses Mal auf die Qualität im Be- reich der frühkindlichen Bildung und Förderung sowie die konzeptionelle Umsetzung des Erziehungs- und Bildungsauftrags der Einrichtung Wert gelegt. Grundlage hierfür ist der Bildungsplan (Orientierungsplan) von Baden-Württemberg. Dabei ist anzumer- ken, dass in den Bildungsplan (Orientierungsplan) Baden-Württemberg, der sich bis- her vor allem auf Kinder ab 3 Jahren bezog, erst in der Weiterentwicklung zur flächen- deckenden Umsetzung die Erziehung und Bildung von Kindern unter 3 Jahren mit auf- genommen werden sollte. Insgesamt liegt die Umsetzung des Orientierungsplans nach der Erprobungsphase nun in der jeweiligen Verantwortung des Trägers. Bildungspläne definieren Ziele frühkindlicher Bildung und Unterstützung im Hinblick auf eine ganz- heitliche Förderung von Kindern. Der Bildungsplan Baden-Württemberg benennt Ent- wicklungsfelder und weist auf die Bedeutung der Beobachtung für die individuelle För- derung des Kindes hin. Die Gestaltung des Übergangs vom Elternhaus zur Kinderta- geseinrichtung und von der Kindertageseinrichtung zur Grundschule ist wichtig, damit eine durchgängige Bildungsbiographie gelingt. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Die Umsetzung muss in der Praxis entwickelt und erprobt werden. Orientierung bieten hier bundesweit anerkannte pädagogische Handlungskonzepte mit Instrumentarien, wie beispielsweise das Infans-Bildungskonzept, die Lerngeschichten/Deutsches Ju- gendinstitut (DJI), das Bildungskonzept nach Prof. Gerd Schäfer, das Konzept der Early Excellence Center aus England (für Deutschland übertragen von Pestalozzi- Fröbel-Haus, Berlin). Aufbauend auf dem Situationsansatz, der Montessoripädagogik und/oder der Reggiopädagogik entwickeln und erproben Träger eigene Konzepte, greifen neue Impulse auf und integrieren verschiedene Instrumentarien in die konzep- tionelle pädagogische Arbeit und entwickeln so die Arbeit in der Praxis weiter. Von den interessierten Trägern wurde deshalb erwartet, dass sie in ihren Bewerbun- gen, entsprechend dem ausgeschriebenen konzeptionellen Anforderungsprofil (siehe auch Kriterien Nutzwertanalyse), Angaben zur Qualität der pädagogischen Arbeit und deren Sicherstellung darlegen. Mit einem innovativen Konzept soll das Angebot für Familien und Kinder in Karlsruhe ergänzt und bereichert und das Thema Inklusion mit den Partnern vor Ort vernetzt, entwickelt und aufgebaut werden. Eingegangene Bewerbungen Für die Übernahme der Betriebsträgerschaft haben sich vier Träger beworben: AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. educcare Bildungskindertagesstätten gemGmbH Pro-Liberis gGmbH Reha Südwest gGmbH 2. Allgemeine Informationen zu den Bewerbern Die AWO Kreisverband Karlsruhe-Stadt e. V. (AWO) ist seit vielen Jahren aner- kannter Karlsruher Kindergartenträger. Die 15 Kindertagesstätten in seiner Träger- schaft sind in den jeweiligen Stadtteilen verankert. Darüber hinaus haben die Einrich- tungen mit einem Angebot an Plätzen für Kinder unter drei Jahren und mehreren Ein- richtungen mit Belegplätzen für Unternehmen auch ein stadtteilübergreifendes Ein- zugsgebiet. Der Träger hat mit den ganztägig geöffneten Einrichtungen und der Auf- Ergänzende Erläuterungen Seite 5 nahme von Kindern ab 2 Monaten langjährige Erfahrungen. Die Erfahrungen beziehen sich auch auf bilinguale Einrichtungen, den Schwerpunkt Sport und Bewegung, In- tegration und inzwischen den naturwissenschaftlichen Bereich (Haus der kleinen For- scher). Der Orientierungsplan wird über fachlich anerkannte und erprobte Bildungskonzepte (Infans und Lerngeschichten/DJI) umgesetzt. Die AWO beteiligte sich vor einigen Jah- ren mit der Kindertagesstätte am Weinbrennerplatz an der Praxiserprobung „Bildung in der Kindertageseinrichtung“. Mit dem so genannten Infans-Projekt waren das Team und die Organisationseinheit Kindertagesstätte in einen Lernprozess eingetreten, um eine qualitative Weiterentwicklung und Professionalisierung der pädagogischen Praxis in der Interaktion mit den Kindern, den Eltern und den Kollegen und Kolleginnen im Team zu erreichen. Die Kindertagesstätte ist inzwischen Konsultationseinrichtung für andere interessierte Einrichtungen. Die educcare Bildungskindertagesstätten gemGmbH (educcare) mit Sitz in Köln ist seit 2002 bundesweit anerkannter Träger der Jugendhilfe. Grundlage der Arbeit in ih- ren 19 Einrichtungen in vier Bundesländern ist das „educcare Bildungskonzept“ (bisher bilingual deutsch-englisch) sowie „die Praxis unterstützende Strukturen und Prozesse, die eine verlässliche Umsetzung ermöglichen und zugleich sicherstellen“. Kooperati- onspartner der betrieblichen und öffentlichen Kindertageseinrichtungen sind Unter- nehmen wie BASF SE, die Bundesanstalt für Wasserbau und das Karlsruher Institut für Technologie (KIT). Educcare verantwortet das Projektdesign und -management für das bundeslandüber- greifende Projekt „Offensive Bildung/Offensive Plus“ an dem über 230 Kindertages- stätten teilgenommen haben. Der Träger hat in Karlsruhe inzwischen zwei Kinderta- geseinrichtungen und übernimmt die Trägerschaft der geplanten Kindertagseinrichtung des KIT. Die Pro-Liberis gGmbH ist seit 2007 anerkannter Träger der Jugendhilfe und betreibt drei Einrichtungen in Karlsruhe. Die Praxiserfahrungen der Gesellschafter und des Geschäftsführers als Mitglieder selbstverwalteter Kindergärten, aus der Vorstandsar- beit im Dachverband der freien Kindergärten e. V., der Mitgründung der Kindertages- stätte „Wikis“ an der Universität, Gesamtelternbeiratsvorsitz und Mitarbeit im Träger- kreis Karlsruher Kindergärten reichen weiter zurück. Vor diesem Hintergrund sind dem Träger eine enge Zusammenarbeit mit den Eltern und weiterreichende Mitwirkungs- möglichkeiten der Eltern in seinen Kindertagesstätten wichtig. Darüber hinaus sieht Ergänzende Erläuterungen Seite 6 sich Pro-Liberis gGmbH speziell als eine Karlsruher Anlaufstelle für Familien und Kin- der. Die Reha Südwest gGmbH, bestehend aus Vereinen der Elternselbsthilfe, Trägerver- einen und fünf Kommunen, bietet für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene mit und ohne Behinderung ambulante und stationäre Hilfen in Baden-Württemberg an. Der Träger hat Erfahrungen mit Kooperationen und Kombinationen von Regel- und sonder- pädagogischem Bereich. 2008 eröffnete er in Karlsruhe die erste integrative Kinder- krippe. Als Träger des Sonderschulkindergartens in Durlach hat er lange nach einem Partner zur Umsetzung einer Intensivkooperation mit einer Regel-Kita gesucht. Mit der Eröffnung der inklusiven Kindertagesstätte „Villa im Zaubergarten“ gelang es ihm, die- ses innovative Konzept (durch Verlagerung von Sonderschulkindergartengruppen aus Durlach) in seiner Trägerschaft umzusetzen. Zu seinen drei Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe gehört auch die Betriebskinderkrippe des Landratsamtes mit öffentlichen Plätzen. 3. Auswertung und Empfehlung der Verwaltung Die eingereichten Bewerbungen wurden entsprechend dem vom Jugendhilfeausschuss beschlossenen, neuen Verfahren mittels einer Nutzwertanalyse ausgewertet. Eine Nutzwertanalyse dient der Entscheidungsvorbereitung bei der Auswahl komplexer Al- ternativen, bei denen ein monetärer Wert nicht bestimmt werden kann bzw. zur Ent- scheidungsfindung allein nicht ausreicht. Neben objektiven Informationen werden auch Einschätzungen mit in die Entscheidungsfindung einbezogen. Das Ergebnis der Nutzwertanalyse ist für die jeweiligen Träger als Anlage 1 bis 4 bei- gefügt. Darüber hinaus stehen die sich bewerbenden Träger dem Ausschuss für Rück- fragen zur Verfügung. Aufgrund der Auswertung der eingereichten Konzepte und Ausführungen zu den ge- sonderten Anforderungsprofilen hält die Verwaltung den AWO Kreisverband Karls- ruhe-Stadt e. V. als Träger für besonders geeignet. Es wird empfohlen, ihm die Trä- gerschaft für die Kindertageseinrichtung an der Albschule zu übertragen. Die Verwaltung wird beauftragt, nach einem Jahr gemeinsam mit den Trägern, den Stand der Umsetzung und Konzeptentwicklung auszuwerten.