Anfrage StRn Zürn, StR Fostiropoulos (Die Linke): Kultursensible Altenpflege - Ältere pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund in Karlsruhe
| Vorlage: | 26156 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 07.12.2010 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom 09.11.2010 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 18. Plenarsitzung Gemeinderat 14.12.2010 609 32 öffentlich Kultursensible Altenpflege - Ältere pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund in Karlsruhe 1. Wie hat sich die Zahl der Altenheimbewohner/-innen mit Migrationshintergrund in Karlsruher Alten- und Pflegeheimen von 2005 bis heute entwickelt? Bitte je nach a) Männer/Frauen b) Herkunftsland 2. Wie hoch wird der Anteil von Alten- und Pflegeheimbewohner/-innen mit Migrationshintergrund in den Karlsruher Einrichtungen voraussichtlich im Jahr 2020 sein (absolut und in Prozent)? 3. Welche Möglichkeiten der Beratung haben ältere Karlsruher Bürger/-innen mit Migrationshintergrund vor einem Wechsel in ein Alten- oder Pflegeheim? 4. In welcher Art und Weise werden bei diesen Beratungsmöglichkeiten die jeweilige Sprache/Sprachkompetenz, kulturelle Lebensweisen, fehlende Informationen über die hiesige Pflegelandschaft, das Leben in hiesigen Alten- und Pflegeheimen usw. berücksichtigt? 5. Welche Möglichkeiten haben Senioren/Seniorinnen mit Migrationshintergrund bei der Wahl eines Alten- oder Pflegeheims eigene Bedürfnisse einzubringen wie kulturelle Gewohnheiten, religiöse Traditionen (Gebetszeiten usw.), den Wunsch dort Kontakt zu eigenen „Landsleuten“ zu haben? 6. In wie vielen der in Frage kommenden Beratungsstellen arbeiten Mitarbeiter/- innen mit speziellen Kenntnissen in kulturellen bzw. interkulturellen Fragen und Themen in Bezug auf Senioren/Seniorinnen mit Migrationshintergrund? Seite 2 __________________________________________________________________________________________ 7. Gibt es in Karlsruhe speziell qualifizierte Beratungsangebote für Senioren/Senioren mit Migrationshintergrund in den finanziellen Fragen, die sich oft vor einem Wechsel in ein Altersheim stellen? 8. In wie vielen der Karlsruher Alten- und Pflegeheime gibt es Mitarbeiter/-innen, die in Fragen der kultursensiblen Altenpflege qualifiziert sind? 9. In wie vielen Alten- und Pflegeheime gibt es für Bewohner/-innen mit Migrationshintergrund die Möglichkeit, religiöse Traditionen (religiöses Fasten etwa), kulturelle oder religiöse Feiertage zu leben bzw. zu begehen? 10. Welche speziellen Diagnose-, Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten sind in Karlsruhe für Demenz-Erkrankte mit Migrationshintergrund vorhanden (unter der Maßgabe, dass bei einer guten Behandlung und Betreuung Kenntnisse über die Biografie des/der Demenz-Erkrankten eine immer wichtigere Rolle spielen)? 11. Welche Qualifizierungs-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Mitarbeiter/-innen in Karlsruher Alten- und Pflegeheimen in Bezug auf kultursensible Altenhilfe? 12. Wie viele der Karlsruher Alten- und Pflegeheime arbeiten mit Migrantenorganisationen zusammen? 13. Welche Anforderungen und Aufgaben sieht die Stadtverwaltung in Bezug auf ihre eigenen Möglichkeiten und Pflichten in Anbetracht des steigenden Anteils von Migrantinnen und Migranten in den Altenrichtungen in Karlsruhe? 14. Ist die Stadtverwaltung bereit, das Thema, die Anforderungen und die Chancen der kultursensiblen Altenpflege in den zuständigen Gemeinderatsausschüssen vorzustellen und zu diskutieren? Kultursensible Altenpflege berücksichtigt, dass immer mehr ältere Bürger/-innen mit Migrationshilfe auf Hilfe im Alter angewiesen sind bzw. in Alten- und Pflegeheimen leben. Sie sehen sich einem ihnen fremden Milieu gegenüber, in das sie sich einleben sollen bzw. müssen. Sie sind geprägt von einer anderen Sprache, anderen Kulturen und Lebensgewohnheiten. Zahlenmäßig stehen ältere Menschen aus den sog. Anwerbeländern im Vordergrund. Um auf die Bedürfnisse der älteren Sachverhalt/Begründung: Seite 3 __________________________________________________________________________________________ Einwanderer und Einwanderinnen angemessen eingehen zu können, um Sprach- und Verständigungsbarrieren zu beseitigen, ist eine interkulturelle Öffnung der Altenhilfe und Altenpflege angesagt. Zunehmende Bedeutung erhalten eine angemessene Diagnose, Behandlung und Pflege von an Demenz erkrankten älteren Menschen mit Migrationshintergrund. Wesentlich ist hier (wie bei Demenz-Erkrankten überhaupt) Zugänge und Verständnis für die Lebensgeschichten, Erinnerungen und Prägungen dieser Bürger/-innen zu erhalten und sie in das tägliche Zusammenleben einzubringen. Kultursensible Altenpflege ist somit ein wesentlicher Bestandteil im humanen Umgang mit älteren Bürger/-innen mit Migrationshintergrund und ebenso wesentlicher Teil gelebter Integration. Die Anfrage soll Stand und Status der kultursensiblen Altenpflege in Karlsruhe erheben und Erfordernisse und Möglichkeiten für die Zukunft aufzeigen. unterzeichnet von: Sabine Zürn Niko Fostiropoulos Hauptamt - Sitzungsdienste - 3. Dezember 2010
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Extrahierter Text
STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom: 09.11.2010 eingegangen: 09.11.2010 Gremium: 18. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 14.12.2010 609 32 öffentlich Dez. 3 Kultursensible Altenpflege - Ältere pflegebedürftige Bürgerinnen und Bürger mit Migrationshintergrund in Karlsruhe Zu 1.: Wie hat sich die Zahl der Altenheimbewohner/-innen mit Migrationshintergrund in Karlsru- her Alten- und Pflegeheimen von 2005 bis heute entwickelt (nach Frauen, Männern und Herkunftsland)? Im Jahr 2006 wurde vom Seniorenbüro eine Umfrage bei den damals 36 Pflegeheimen zur Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner mit einem ausländischen Pass durchgeführt. Die Meldungen von 30 Heimen ergaben 16 Männer und 28 Frauen, damit 44 Bewohnerinnen und Bewohner in den Karlsruher Pflegeheimen. Dies entsprach einer Quote von 1,1 % der älteren ausländischen Wohnberechtigten in Karlsruhe im Jahr 2006. Die Herkunftsländer waren dabei breit gestreut. Nicht berücksichtigt waren Menschen mit deutschem Pass, jedoch persönlichem Migrationshinter- grund. Aktuelle Angaben für die heutige Bewohnerzusammensetzung liegen der Stadtverwaltung nicht vor. Zu 2.: Wie hoch wird der Anteil von Alten- und Pflegeheimbewohner/-innen mit Migrationshinter- grund in den Karlsruher Einrichtungen voraussichtlich im Jahr 2020 sein (absolut und in Prozent)? Eine Prognose für den Anstieg der Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund bis 2020 diffe- renziert nach Altersgruppen liegt nicht vor. Entsprechend kann auch keine Aussage über die zu- künftige Pflegeheimbelegung getroffen werden. Zu 3.: Welche Möglichkeiten der Beratung haben ältere Karlsruher Bürger/-innen mit Migrations- hintergrund vor einem Wechsel in ein Alten- oder Pflegeheim? Das Informations- und Beratungsangebot des Seniorenbüros und der Seniorenfachberatung steht auch Menschen mit Migrationshintergrund zur Verfügung. In zwei Flyern wird auf türkisch und Seite 2 russisch über das Beratungsangebot informiert. Die Beratung im Zusammenhang mit der Beantra- gung von stationärer Hilfe zur Pflege nach SGB XII wird vom Sozialamt geleistet. Zu 4.: In welcher Art und Weise werden bei diesen Beratungsmöglichkeiten die jeweilige Spra- che/Sprachkompetenz, kulturelle Lebensweisen, fehlende Informationen über die hiesige Pflegelandschaft, das Leben in hiesigen Alten- und Pflegeheimen usw. berücksichtigt? Im Bedarfsfall werden für die Beratung Dolmetscher hinzugezogen. Die Beratung ist prinzipiell auf die individuellen Bedürfnisse hinsichtlich Themenstellung und Intensität ausgerichtet. Insofern wird auch auf die besonderen kulturellen Hintergründe in den Beratungsgesprächen eingegangen. Zu 5.: Welche Möglichkeiten haben Seniorinnen/Senioren mit Migrationshintergrund, bei der Wahl eines Alten- oder Pflegeheims eigene Bedürfnisse einzubringen wie kulturelle Gewohnhei- ten, religiöse Traditionen (Gebetszeiten usw.), den Wunsch dort Kontakt zu eigenen „Landsleuten“ zu haben? Es gehört generell zu den Heimkonzeptionen, auf die Bedürfnisse der Bewohner so weit wie mög- lich einzugehen. Eine Spezialisierung auf spezielle ethnische Gruppen hat sich jedoch angesichts der noch relativ geringen Zahl der Bewohnerinnen und Bewohner aus Sicht des Seniorenbüros noch nicht entwickelt. Zu 6.: In wie vielen der in Frage kommenden Beratungsstellen arbeiten Mitarbeiterin- nen/Mitarbeiter mit speziellen Kenntnissen in kulturellen bzw. interkulturellen Fragen und Themen in Bezug auf Seniorinnen/Senioren mit Migrationshintergrund? Spezielle Beratungsangebote für Menschen mit Migrationshintergrund sind aktuell angesichts ge- ringer Nachfrage (rd. 100 Beratungsfälle pro Jahr vom Seniorenbüro und Seniorenfachberatungs- kräften) nicht angezeigt. Die Beratungskräfte versuchen gemäß ihrem generellen Grundansatz der persönlichen Beratung auf die Besonderheiten einzugehen und sich jeweils sukzessive in der Praxis und mit verschiede- nen Schulungsangeboten näher kundig zu machen. Seite 3 Zu 7.: Gibt es in Karlsruhe speziell qualifizierte Beratungsangebote für Seniorinnen/Senioren mit Migrationshintergrund in den finanziellen Fragen, die sich oft vor einem Wechsel in ein Al- tersheim stellen? Das Beratungsangebot des Sozialamtes wurde von rd. 100 Personen mit Migrationshintergrund im Jahr 2010 in Anspruch genommen. Auf die persönlichen Bedürfnisse der Menschen mit Migrati- onshintergrund wird so weit wie möglich eingegangen. Zu 8.: In wie vielen der Karlsruher Alten- und Pflegeheime gibt es Mitarbeiter/-innen, die in Fragen der kultursensiblen Altenpflege qualifiziert sind? Hierzu liegen der Stadtverwaltung keine Zahlenangaben vor. Ein Teil der Mitarbeiter/-innen hat selbst einen Migrationshintergrund und kann die besonderen Interessen ggf. aufgreifen. Zu 9.: In wie vielen Alten- und Pflegeheimen gibt es für Bewohner/-innen mit Migrationshinter- grund die Möglichkeit, religiöse Traditionen (religiöses Fasten etwa), kulturelle oder religiö- se Feiertage zu leben bzw. zu begehen? Es ist nicht bekannt, ob und in welcher Form auf spezifische religiöse Traditionen in den einzelnen Heimen von der Mitarbeiterschaft eingegangen werden kann. Zu 10.: Welche speziellen Diagnose-, Behandlungs- und Betreuungsmöglichkeiten sind in Karlsru- he für Demenzerkrankte mit Migrationshintergrund vorhanden (unter der Maßgabe, dass bei einer guten Behandlung und Betreuung Kenntnisse über die Biographie des/der Demenzer- krankten eine immer wichtigere Rolle spielen)? Spezielle Diagnose- und Behandlungsangebote für Menschen mit Migrationshintergrund bestehen nicht. In der ambulanten Pflege können in einzelnen Pflegediensten die Mitarbeiter/-innen mit ei- genem Migrationshintergrund evtl. auf Besonderheiten eingehen. Bei den Erstberatungsgesprä- chen und der individuellen Hilfeplanung durch die Pflegedienste wird versucht, auf besondere Be- dürfnisse Rücksicht zu nehmen. Das Edukative Ethno Zentrum e. V. bietet einen speziellen Betreuungsdienst für die stundenweise Betreuung von Menschen mit Migrationshintergrund vorwiegend aus osteuropäischen Ländern an. Seite 4 Darüber hinaus schult und begleitet das Zentrum auch Ehrenamtliche, die die pflegenden Fami- lienangehörigen unterstützen. Diese beiden ehrenamtlichen Dienste werden von Seiten der Stadt finanziell mit gefördert. Zu 11.: Welche Qualifizierungs-, Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es für Mitarbeiter/- innen in Karlsruher Alten- und Pflegeheimen in Bezug auf kultursensible Altenhilfe? Es liegen der Stadtverwaltung keine Detailinformationen über die vielfältigen bundesweiten und verbandsbezogenen Fort- und Weiterbildungsmöglichkeiten für die Mitarbeiter/-innen der Heime vor. Das Thema „kultursensible Altenhilfe“ dürfte teilweise aufgegriffen werden. Zu 12.: Wie viele der Karlsruher Alten- und Pflegeheime arbeiten mit Migrantenorganisationen zu- sammen? Hierüber liegen der Stadtverwaltung keine näheren Angaben vor. Zu 13.: Welche Anforderungen und Aufgaben sieht die Stadtverwaltung in Bezug auf ihre eigenen Möglichkeiten und Pflichten in Anbetracht des steigenden Anteils von Migrantinnen und Migranten in den Alteneinrichtungen in Karlsruhe? Von Seiten der Stadtverwaltung wird angestrebt, die bestehenden Informations- und Beratungsan- gebote weiter publik zu machen. Dafür kann ggf. mit der Einrichtung des Pflegestützpunktes eine stärkere Vernetzung mit den Migrationsorganisationen als Multiplikatoren realisiert werden. Die Bedarfsentwicklungen in den Bereichen Information, Beratung, ambulante Pflege und stationä- re Versorgung sind längerfristig zu verfolgen. Zu 14.: Ist die Stadtverwaltung bereit, das Thema, die Anforderungen und die Chancen der kultur- sensiblen Altenpflege in den zuständigen Gemeinderatsausschüssen vorzustellen und zu diskutieren? Die Thematik der adäquaten Unterstützung von pflegebedürftigen Menschen mit Migrationshinter- grund im Rahmen einer kultursensiblen Altenpflege ist auch für die Stadtverwaltung von Bedeu- Seite 5 tung. Auf die Ausführungen in den „Aktuellen Eckpunkten für die kommunale Sozialpolitik für die ältere Generation in Karlsruhe“, Oktober 2007 sowie Folgebericht 2009, ist zu verweisen. Die Thematik wird ggf. längerfristig zunehmen. Aktuell wird kein dringender Handlungsbedarf von Seiten der Stadtverwaltung über die bestehenden Initiativen hinaus gesehen.