Modellprojekt des Badischen Konservatoriums an drei städtischen Kindertagesstätten
| Vorlage: | 25929 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 11.11.2010 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Grötzingen, Oberreut, Rüppurr |
Beratungen
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Gremium: Jugendhilfeausschuss BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 17.11.2010 1 öffentlich Dez. 3 Modellprojekt des Badischen Konservatoriums an drei städtischen Kindertagesstätten Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 17.11.2010 1 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Jugendhilfeausschuss nimmt von dem als Anlage 1 beigefügten Abschlussbericht Kenntnis. (Als Anlage 2 ist zur Vollständigkeit der bereits am 9. Juni 2009 an die gemeinderätlichen Mitglieder versandte Evaluationsbericht beigefügt. Das Modellprojekt wird abgelöst durch das vom Land Baden-Württemberg finanzierte Projekt “Singen-Bewegen-Sprechen”. Derzeit findet dieses neue Förderprojekt an 23 Karlsruher Kindertageseinrichtungen mit Kooperati- onsklassen, deren Personalkosten durch das Land übernommen werden, statt.) Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Text ergänzende Erläuterungen Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Beschluss: I. Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Jugendhilfeausschuss nimmt von dem als Anlage 1 beigefügten Abschlussbericht Kenntnis. (Als Anlage 2 ist zur Vollständigkeit der bereits am 9. Juni 2009 an die gemeinderätlichen Mitglieder versandte Evaluationsbericht beigefügt. Das Modellprojekt wird abgelöst durch das vom Land Baden-Württemberg finanzierte Projekt “Singen-Bewegen-Sprechen”. Derzeit findet dieses neue Förderprojekt an 23 Karlsruher Kindertageseinrichtungen mit Kooperati- onsklassen, deren Personalkosten durch das Land übernommen werden, statt.) II. Auf die Tagesordnung der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am 17.11.2010. III. Aufnahme ins Ratsinformationssystem und Übersendung der Vorlage an die Mitglieder des Gemeinderates/Ausschusses. Dez. 1: Dez. 3: KONS : Dir.SJB: Sachbearbeiter: Doris Giebeler Tel.: R-4300 AZ: (nur für interne Bearbeitung)
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Musikalische Frühförderung durch das Badische KONServatorium an Kindertagesstätten in Karlsruhe AbschlussberichtSeptember 2010 Fachbereich Elementare Musikerziehung Fachgruppenleiterin: Bettina Kos Lehrkraft in den Pilotprojekten: Andreas Knepper Stand: 22. September 2010 Projektstart: März 2008 Projektende: Sommer 2010 Der Evaluationsbericht vom 24. Mai 2009 ist dem Abschlussbericht beigefügt. Rahmenbedingungen Voraussetzung Gemeinderatsbeschluss zur Durch- führung von maximal 5 Pilotkursen im Bereich der musikalischen Frühförderung in Kindertagesstätten füralle Kinder der entsprechenden Jahrgänge vom 13. November 2007. Pilotprojekte in Rüppurr- Kindergarten Blütenweg (2 Kurse), Oberreut– Kindergarten Bonhoefferstr.( 2 Kurse) und Grötzingen– Kindergarten Obere Setz (1 Kurs) Teilnehmer und Teilnehmerinnen: Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, schwerpunktmäßig jedoch die Kinder, die ein bzw. zwei Jahre vor der Einschulung standen. Unterrichtsform Klassenunterricht mit 12 bis 15Kindern Unterrichtszeit: 1 mal wöchentlich 60 Minuten pro Kurs Einleitung Anliegen der Kurse der musikalischen Frühförderung war es, über das Medium Musik, Kinder in vielfältigen Lebens- bereichen zu fördern und sowohl ihre kognitiven als auch insbesondere ihre emotionalen Fähigkeiten auszubilden und zu trainieren. Bisher wurden die im Bereich der musikalischen Frühförderung über das Badische KONServatorium angebotenen Kurse vorwiegend von Kindern bildungsnaher Elternhäuser besucht. Durch die gebührenfreie Durchführung von Kursen zur musikalischen Frühförderung in den ausgewählten Kindertagesstätten, wurden alleKinder des jeweiligen Jahrgangs– und somit auch Kinder bildungsferner Elternhäuser– erreicht. Die anfängliche Skepsis bei Erzieherinnen und Erziehern sowie Eltern wich schnell einer zunehmenden Begeisterung. Inzwischen sind die Kurse in den Tagesablauf der Kindertagesstätte voll integriert und als gewinnbringende inhaltliche Ergänzung zur umfassenden Erziehung der jungen Persönlichkeiten nicht mehr weg zu denken. Ergebnis Die gezielte Beschäftigung mit Musik hat in den einzelnen Gruppen immer wieder zu einer hohen positiven Stimmung und einer großen Aufnahmebereitschaft, Aufmerksamkeit und vollen Konzentration der Kinder geführt. Durch Musik konnten den Kindern vielfältige Bildungs- und soziale Inhalte spielerisch vermittelt werden. So zeigte sich gleich zu Beginn der Kurse, dass die Kinder im Hinblick auf ein musikalisches Gesamtergebnis in diesen Gruppenstunden ein ausgeprägtes diszipliniertes Verhalten erkennen ließen. 3 Eher stille Kinder übernahmen eigeninitiativ führende Rollen, lebhafte Kinder lernten Rücksicht zu nehmen und Schwächeren Unterstützung zu geben. Inhalte des Kurse zur musikalischen Frühförderung waren -Singen und Sprechen -Bewegung und Tanz -Hören, Sehen, Beobachten -Elementares Instrumentalspiel -Instrumentenkunde -Allgemeine Musiklehre Musik beschreiben und Gedanken formulieren, die die Kinder beim Hören und Erleben von Musik bewegen, fördert die allgemeine Sprachfähigkeit des Kindes. Viele– vor allem auch stillere Kinder– nutzten die Gelegenheiten, sich und ihre Gefühle über Sprache zu kommunizieren. Das gemeinsame Singen führte insgesamt zu einer Verbesserung des Sprachflusses vieler Kinder. Sprachhemmungen konnten abgebautund der Sprachschatz deutlich vergrößert werden. Darüber hinaus boten kleine Singspiele und kreative körperliche Darstellung von Musik immer wieder Gelegenheit auch Gestik und Mimik zu trainieren und darüber die eigenen Gefühle zum Ausdruck zu bringen. Die nach den musikalischen Inhalten ausgerichtete gezielte Bewegung der Kinder im Raum führte zu einer verstärkten Entwicklung des Körper- gefühls, Grob- und Feinmotorik wurden über Tanz und elementares Instrumen- talspiel auf Orff’schem Instrumentarium mit sehr positiven Ergebnissen weiter entwickelt. Mit viel Kreativität und Phantasie wurden z.B. eigene musikalische Vorstellungen umgesetzt. Dabei war es besonders wichtig, zu beobachten und immer wieder aufeinander zu reagieren, was die Wahr- nehmungsfähigkeit sowie das Mitgefühl und das emphatische Verhalten der Kinder in besonderem Maße unterstützte. Schließlich führte das erste elementare Instrumentalspiel zu vielfältigen eigenen Klangerlebnissen und Erfahrungen, die die Freude an der Musik und am Musizieren geweckt und gestärkt haben, so dass die Kinder die in Zusammenarbeit mit den Grundschulen vorgehaltenen musikali- schen Bildungsangebote auch weiterhin nutzen möchten. Damit hat die musikalische Frühförderung in den Kindertagesstätten zum Einen positive Wirkung in den sechs Bildungsfeldern des Orientierungsplans entfaltet, zum Anderen hat sie die Lust und die Freude zu einem „Mehr“ an Musik und musikalischer Bildung und damit einer sinngebenden und nachhaltig gesamt- persönlichkeitsfördernden Beschäftigung geweckt. Auch über die wöchentliche Musikstunde hinaus, haben die Inhalte der musika- lischen Frühförderung in den Kinder- tagesstätten für alle eine positive Wirkung entfaltet. Häufig wurde das Erlernte von 4 Erzieherinnen und Erziehern an den übrigen Tagen durch Wiederholung und Einbindung in den Tagesablauf gefestigt. Sie griffen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Lieder und Unterrichtsinhalte– so weit der Tagesplan dies zuließ– an anderen Tagen der Woche auf und intensivierten so Sprachförderung und Kommunikations- fähigkeit mit Hilfe der musischen Elemente. Die Freude der Kinder in den Musikstunden und an deren Inhalten, führte darüber hinaus immer wieder dazu, dass sie häufig auch unaufgefordert und selbstvergessen das Erlernte wiedergaben und auf diese Weise auch schon in ihren Spiel- und Bastelgruppen die jüngeren Kinder zur Musik führten. Die Zusammenarbeit mit den Kinder- tagesstätten war vertrauensvoll, kon- struktiv und in jeder Hinsicht unter- stützend, auch das zusätzlich bereit- gestellte Unterrichtsmaterial bei Ein- führung der Kurse hat wesentlich zum Erfolg beigetragen. Die Eltern sind von der Art und Weise der Durchführung des Unterrichts begeistert und wünschen eine Fortführung für ihre Kinder. Insgesamt kann das Pilotprojekt als voller Erfolg für die Einrichtung– insbesondere für die teilnehmenden Kinder- gewertet werden. Ausblick Die Pilotprojekte münden ab dem nächsten Schuljahr in die vom Land Baden-Württemberg initiierte musikalische Frühförderung in Kindertagesstätten, die unter dem Titel „Singen– Bewegen– Sprechen“ angeboten wird. Das Land fördert flächendeckend 1.000 Kurse für vier- bis sechsjährige Kinder in Kindertagesstätten, die in den an- schließenden vier Grundschuljahren ihre Fortsetzung finden sollen. Ziel dieserKurse soll es sein, schwerpunktmäßig durch das Medium Musik die Schulfähigkeitsentwicklung der Kinder intensiv zu unterstützen. Das Land Baden-Württemberg übernimmt für die Durchführung der Kurse die Personalkosten zu nahezu 100% sowie einen geringen Anteil an den Verwaltungskosten. Die Unterrichtszeit- dauer wird insgesamt jeweils 45 Minuten betragen, was zu einer Straffung des Unterrichts und vorwiegender Ein- schränkung der elementaren Instru- mentalerfahrung führen wird. Im kommenden Schuljahr werden voraussichtlich 23 Kooperations-kurse „Singen– Bewegen– Sprechen“ an Kindertagesstätten in Karlsruhe durch- geführt. Musikalische Früherziehung wird weiterhin am Badischen KONServatorium angeboten werden.
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Musikalische Frühförderung durch das Badische KONServatorium an Kindertagesstätten in Karlsruhe Pilotprojekte in Rüppurr- Kindergarten Blütenweg (2 Kurse), Oberreut– Kindergarten Bonhoefferstr.( 2 Kurse) und Grötzingen– Kindergarten Obere Setz (1 Kurs) Evaluationsbericht– Mai 2009 Fachbereich Elementare Musikerziehung Fachgruppe KONS-Küken, KONS-Kindergarten, Rhythmik, Musikmäuse, Musikalische Früherziehung Fachgruppenleiterin: Bettina Kos Lehrkraft in den Pilotprojekten: Andreas Knepper Stand: 24. Mai 2009 2 Projektstart: März 2008 geplantes Projektende: August 2009 voraussichtliches Projektende: Sommer 2010– s.u. Voraussetzung: Gemeinderatsbeschluss zur Durch- führung von maximal 5 Pilotkursen im Bereich der musikalischen Frühförderung in Kindertagesstätten füralle Kinder der entsprechenden Jahrgänge vom 13. November 2007. Teilnehmer und Teilnehmerinnen: Kinder im Alter von 3 bis 6 Jahren, schwerpunktmäßig jedoch die Kinder, die voraussichtlich im September 2009 eingeschult werden. Unterrichtsform: Klassenunterricht mit 12 bis 15 Kindern Unterrichtszeit: 1 mal wöchentlich 60 Minuten pro Kurs Einleitung: Anfänglich wurde das Angebot, Kurse der musikalischen Frühförderung in den Kindertagesstätten für alle Kinder der entsprechenden Jahrgänge verpflichtend durchzuführen sowohl von Seiten der Erzieherinnen und Kindertagesstätten- leitungen als auch einem großen Teil der Eltern skeptisch aufgenommen. Inzwischen ist das Angebot aus diesen Kindertagesstätten jedoch nicht mehr wegzudenken. Erste Elterninitiativen haben sich– mit Unterstützung der jeweiligen Kindertagesstättenleitungen- gebildet und deutlich für den Erhalt und die Fortsetzung des Angebots in Zusammenarbeit mit dem Badischen KONServatorium ausgesprochen. Wichtiges Anliegen ist es dabei, die musikalische Frühförderung allen Kindern zu ermöglichen, was nur gelingen kann, wenn die Kurse auch zukünftig gebührenfrei angeboten werden können. War es zunächst nicht immer unproblematisch, Räumlichkeiten und teilnehmende Kinderzu organisieren, klappt dies nun bereits seit mehreren Monaten im Zusammenspiel mit den Erzieherinnen vor Ort völlig reibungslos. Das notwendige Instrumentarium wurde inzwischen vom Badischen KONSer- vatorium angeschafft und hat seinen festen Platz in den Räumen der jeweiligen Kindertagesstätte. Eltern werden in einem wöchentlichen Elternbrief über die Inhalte der musikalischen Frühförderung per Aushang informiert. Die Erzieherinnen greifen im Rahmen ihrer Möglichkeiten die Lieder und Unterrichtsinhalte– so weit der Tagesplan dies zulässt– an anderen Tagen der Woche auf und intensivieren so Sprachförderung und Kommunikations- fähigkeit mit Hilfe der musischen Elemente. Die musikalische Frühförderung 3 wirkt ebenso erkennbar positiv auf das jeweilige Sozialverhalten der Kinder– hier insbesondere Rücksichtnahme, Achtsamkeit und die Fähigkeit zuzuhören. Lernziele der musikalischen Frühför- derung: Inhaltlich liegen den Kursen folgende Leitgedanken gemäß J.Ribke “Elemen- tare Musikerziehung“ zugrunde: - Förderung der Kinder in ihrer ganz- heitlichen Entwicklung; ihnen Anregung und Orientierung geben, um ihre Inter- essen ausbilden zu können. - Unterstützung der Kinder in ihrer Persönlichkeitsentwicklung und Ent- wicklung ihrer sozialen Beziehungs- fähigkeit. - Befähigung der Kinder, ein gutes Kör- perbewusstsein zu erlangen und differenzierte Bewegungs- und Aus- drucksmöglichkeiten zu erhalten. - die Musik als ein Mittel erleben, mit dem die Kinder ihre Gefühle und Kräfte ausdrücken können. - Erleben der Musik als ein Element zur Förderung einer ganzheitliche Ent- wicklung; aber auch Erleben der Musik und die Beschäftigung mit ihr, als ein Element , welches das gesamte Leben bereichern kann ohne zweckgebunden einem ökonomischen Ziel unterworfen zu sein. Gedächtnisschulung, Förderung der Konzentration und Ausdauer, Fantasie entwickeln, Rollenspiele, Selbstvertrauen aufbauen, Schulung der Grob- und Feinmotorik, Sicherheit gewinnen im Umgang mit Schulmaterial, Auf- gabenstellungen erfassen, Zuhören lernen und Förderung der Stimmentwicklung sind dabei Aufgaben und Ziele, die besonders für den Schuleintritt wichtig sind. Umgesetzt wurden diese Gedanken durch die Arbeit in folgenden Bereichen: Singen/Sprechen: Die Kinder lernen, mit ihrer Stimme unbefangen und sicher umzugehen, sie erlernen ein Repertoire an Versen und Liedern. Hören : Die Kinder üben sich darin, hinzuhorchen, sich zu konzentrieren; sie lernen, Musik nach Kriterien wie räumliche ,farbliche, zeitliche, strukturelle Gestaltung zu erfassen, sie erweitern ihr Repertoire. Bewegung /Tanz /Körpererfahrung /Kör- perinstrumente: Die Kinder nehmen ihre Körperteile differenziert wahr und verbessern ihre Bewegungsmöglichkeiten; sie haben Spaß daran, Lieder, Geschichten, und instrumentale Musik in Bewegung auszudrücken. 4 Musizieren: Das gemeinsame Musizieren mit verschiedensten Orffinstrumenten ist wesentlicher Bestandteil der Kurse und schult insbesondere das Gehör, das Klanggefühl, die Fein- und Grobmotorik sowie ein interaktives Sozialverhalten. Rhythmus: Das Erkennen und Lesen von Rhythmusnoten und Umsetzung derselben in Bewegung und Klang trainieren kog- nitive und motorische Fähigkeiten. Instrumente: Instrumente werden kennen gelernt und die jeweilige Klangerzeugung verstanden. Musiklehre/Allgemeinwissen: Die Kinder lernen Noten und Begriffe aus der Musiklehre kennen, sie lernen über die Lieder und Spiele auch Wissen über nichtmusikalische Themenbereiche (z.B. Tiere, Arbeit etc.). Sozialverhalten: Über das musikalische Lernen hinaus erfahren die Kinder Geborgenheit, üben sich darin, Spannung auszuhalten, steigern ihr Durchhaltevermögen und lernen, in einer Gruppe Regeln zu akzeptieren, aufeinander Rücksicht zu nehmen und einander zuzuhören. Im Prinzip finden sich sämtliche Bereiche in beiden Unterrichtsjahren wieder, wobei allerdings eher kognitive Themen wie Musiklehre und das Kennenlernen der Instrumente schwerpunktmäßig im zweiten Jahr Berücksichtigung finden. Der Unterricht in der musikalischen Frühförderung für Kinder im Vorschulalter sollte, wie in den Regelkursen am Badischen KONServatorium praktiziert, auf eine zweijährige Kursdauer angelegt sein. Er beginnt i.d.R. nach den Sommerferien mit Kindern, die ca. die vier Jahre alt sind, und soll sie bis zum Schuleintritt begleiten. Im Pilotprojekt konnte der Unterricht erst im März 2008 beginnen, daher wurden einige Inhalte gerafft, manche Vertiefungen aus den Regelkursen weggelassen. 5 Unterschiede zum gebührenpflichtigen wahlfreien Besuch der Kurse der musikalischen Frühförderung, insbe- sondere Musikalische Früherziehung am Badischen KONServatorium: Verschiedene Sozialstruktur: Bei einem Kurs, der gebührenpflichtig ist, entsteht eine Auslese zwischen bildungsinteressierten und bildungs- uninteressierten Eltern (und dadurch oft auch zwischen reicheren und ärmeren Bevölkerungsteilen). Bildungsinteressierte Eltern unterstützen ihre Kinder stärker im Sinne des Kurses, was eine zusätzliche Motivation bedeutet, der Vertiefung der Unterrichtsinhalte dient und auch hilft, über gelegentliche Motivationstäler hinwegzukommen. In das Pilotprojekt sind alle Kinder eines Jahrganges aus einer Kindertagesstätte eingebunden. Dies bedeutet, dass auch viele Kinder in der Gruppe sind, die sonst keinen Bezug (oder keine Möglichkeit) zu einer vorschulischen musikalischen Bildung dieser Art haben. Kinder im „normalen“ Unterricht werden von vornherein von ihren Eltern auf den Kurs vorbereitet, ihre Ausgangsmotivation ist dadurch im Durchschnitt höher. Viele „Projekt“-Kinder waren am Anfang noch relativ desinteressiert bzw. konnten sich schlichtweg nicht vorstellen, was in den Kursen auf sie zukommen würde. In den Kurszeiten wurde darauf reagiert, indem verstärkt auf Abwechslung, d.h. kürzere Themeneinheiten geachtet wurde. Dies entsprach auch zunächst der wahrnehmbaren geringeren Konzentra- tionsfähigkeit einiger Kinder. Im Laufe der Zeit und mit wachsender Neugier, Begeisterung und Vorfreude der Kinder auf die wöchentliche Kursstunde konnten auch die Lerneinheiten entsprechend verlängert und inhaltlich intensiviert werden. Über die Kinder konnte auch teilweise Interesse bei den Eltern geweckt werden, die einer musikalischen Bildung bisher eher ablehnend oder nichtssagend gegenüberstanden. Besonders interessierte Kinder und deren Eltern erhalten auf Nachfrage vertiefende Anregungen (z.B. Vorschlag für ein weiteres Lied oder Musikspiel). Damit gelingt es, die unterschiedlichen Lern- und Wissensbedürfnisse zu befriedigen und die Lernfreude bei allen Kindern gleichermaßen hoch zu erhalten, ohne Über- oder Unterforderung. 6 Unterschiedliche Einbindung der Eltern: Im normalen Unterricht werden die Eltern mittels einer Elternzeitung (aus dem Unterrichtsprogramm), regelmäßig stattfindenden Elternmitmachstunden und einem Aushang über die Inhalte des Unterrichts informiert. Es wird gefordert, dass die Eltern ihre Kinder bei den regelmäßig anfallen „Hausaufgaben“ (z.B. Glockenspiel) unterstützen. Im Projekt wird auf eine Einbindung der Eltern in dieser Weise verzichtet, da nicht alle Eltern willens- und– nicht zuletzt auch zeitlich– dazu nicht in der Lage sind . Eine regelmäßige Information zu den Inhalten der jeweiligen Kursstunde erhalten alle Eltern durch Aushang der jeweiligen Kursinhalte in der Kindertagesstätte. Auf die Erteilung von Hausaufgaben über die Stunde hinaus wird aus den o.g. Gründen gänzlich verzichtet; im Bonhoeffer-Kindergarten haben die Kinder jedoch aus gemeinschaftlichem Interesse heraus gemeinsam mit der Erzieherin in der Woche an Projekten oder Aufgaben aus der musikalischen Frühförderung gearbeitet (z. B ein Wandbild vom Verlauf der Moldau-> B. Smetana:“Die Moldau“ aus „Mein Vaterland“). Begleitmaterial: Auf käuflich zu erwerbendes Begleitmaterial ( Notenhefte, Glockenspiel etc.) wird in den Pilotkursen verzichtet. Im normalen Unterricht arbeiten die Kinder mit einem Unterrichtsheft, welches von den Eltern gekauft wird und die Aufgabe hat, über seine Funktion als Bilder- und Malbuch die Inhalte zu vertiefen. Im Projekt bearbeiten die Kinder von der Lehrkraft selbst erstellteArbeitsblätter im Unterricht, die sie mit nach Hause nehmen und den Eltern zeigen sollen. In wie weit dieser Transfer ins Elternhaus gelingt muss z.T. offen bleiben. Die Ausstattung mit Instrumenten und Spielmaterial : Die Ausstattung mit Instrumenten und Spielmaterial ist durch die Bereitstellung der finanziellen Mittel durch den Gemeinderat 2007 zur Ausstattung der Pilotkurse im Projekt ausgezeichnet und damit bei weitem besser als in den meisten Regelkursen, die ansonsten vom Badischen KONServatorium angeboten werden. Damit haben die Kinder die Möglichkeit, zahlreiche Inhalte– auch ohne häusliche Unterstützung– intensiv zu erleben. Dies eröffnet ebenso für die Gestaltung der Unterrichtseinheiten neue Perspektiven, die intensiv genutzt wurden und deren Transfer in bereits bestehende Unterrichtsstätten wünschenswert wäre. Reaktion, Entwicklung und Verhalten der Kinder: Trotz der unterschiedlichen Aus- gangsbedingungen und der um ein halbes Jahr verkürzten Kurszeit haben sich alle Gruppen sehr gut entwickelt. Die 7 wichtigsten Ziele werden zum Sommer erreicht sein. Die Kinder haben dann u.a. eine erste Notation kennen gelernt, verschiedene Instrumente ausprobiert, ihr Liedrepertoire erweitert, unterschiedliche Liedformen gelernt, gemeinsam auf Orff- Instrumenten musiziert, Sprach- und Rhythmusgefühl sowie feinmotorische Abläufe verbessert, Musik gehört, beschrieben und in Zeichen und Bilder umgesetzt. Die Motivation der Kinder, die Kurse zu besuchen, ist im Verlaufe der Zeit deutlich gestiegen, auch wenn nicht in jeder Stunde jedes Kind gleichermaßen motiviert ist. Die Kinder kommen jedoch gerne, sind interessiert und machen gut mit. Die Unterrichtsinhalte „leben“ auch in den weiteren Wochentagen fort. Auf einmal Gelerntes kann zurückgegriffen und aufgebaut werden. Das emotionale Empfinden der Kinder hat eine neue Ausdrucksmöglichkeit gefunden und ist daher auch ein Stück weit für die Betroffenen selbst spürbarer und greifbarer geworden. Diese positive Entwicklung ist in allen drei Kindertagesstätten, am deutlichsten jedoch im sozialen Brennpunkt, wahrnehmbar. Viele Kinder haben die Musik als ein Stück Lebensqualität erfahren, die sie– aktiv oder passiv– auf dem Weg zu einer guten eigenen Lebensgestaltung unterstützen kann. Die nachfolgenden dreiBeispiele mögen in aller Kürze ein Zeugnis davon geben, dass musikalische Bildung nicht nur– und keineswegs zu verachten– „Schöngeistigkeit“ verfolgt, sondern auch ganz praktisch positiven sozialen Einfluss nimmt und darüber hinaus einmal mehr kognitive und emotionale Fähigkeiten fördert und trainiert: Hubert*: Hubert ist in der Entwicklung deutlich zurückgeblieben, er hatte zu Beginn des Unterrichts (3/08) kaum die Möglichkeit, sich verständlich mitzuteilen, konnte sich allerhöchstens 5-10 Minuten auf ein Thema konzentrieren, dann beschäftigte er sich mit anderen Dingen, lief im Raum herum, betrachtete Bücher. Inzwischen zeigt er sehr deutliches Interesse am Unterricht, singt mit und hat über das Singen sein Sprachvermögen deutlich verbessert, fragt (laut Erzieherin) sehr häufig, wann wieder Musikschule ist, ist sehr anhänglich. Balduin*: zu Beginn des Unterrichts eher ein „Tobe“-kind, geringe Konzentrations- fähigkeit, konnte kaum still zuhören, ließ sich sehr leicht von anderen ablenken. Er ist heute ein besonders interessiertes Kind, beteiligt sich sehr, merkt sich gut Abläufe, Liedtexte und Noten, kann Aufgabenstellungen viel besser umsetzen. Hartwig*: In den ersten Stunden versteckte er sich sehr häufig im Raum, konnte sich kaum konzentrieren,störte ständig den Unterricht, schlug Kinder, legte sich mitten in der Stunde plötzlich auf den Boden, sprach während des Unterrichts kaum, 8 d.h. er kommunizierte nicht mit der Lehrkraft und den anderen Kindern, nur die Erzieherin hatte die Möglichkeit, auf ihn Einfluss zu nehmen. Inzwischen hat er Stunden, wo er völlig ruhig und konzentriert zuhört, wo er sich beteiligt, mitsingt oder mittanzt, wartet bis er beim Instrumentalspiel an der Reihe ist und teilt seine Wünsche sprachlich mit. Diese Kinder undauch noch einige andere zeigen Verhaltensweisen, wie sie im „normalen“ Unterricht eher selten vorkommen, auf keinen Fall in dieser Häufung. Aber gerade diese Kinder freuen sich ganz besonders auf den Unterricht und zeigen eine große Anhänglichkeit. * Namen mit Rücksicht auf die Kinder abgeändert (Fantasienamen) Gespräche mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen: Insgesamt fanden in Zusammenarbeit mit der Sozial- und Jugendbehörde zwei Gespräche mit den Trägern der Kindertageseinrichtungen statt. Das Programm der musikalischen Früh- förderung wurde in groben Zügen vor- gestellt, Träger, Leitungen und Er- zieherinnen der Kindertageseinrichtungen wurden vom Badischen KONServatorium zu einem gesonderten Informationsabend eingeladen (siehe Anlage). Grundsätzlich stehen zahlreiche Träger der Kindertageseinrichtungen dem Angebotder Einführung einer musikalischen Frühförderung mit dem Badischen KONServatorium vornehm- lich für Kinder im Vorschulalter in ihren Kindertageseinrichtungenpositiv gegen- über. Nachdem im Frühjahr 2009 ein erstes Feedback auch aus den Piloteinrichtungen gegeben wurde, stieg das Interesse nochmals deutlich. Eher kritisch wird jedoch– gerade auch im Hinblick auf die zahlreich umzusetzenden Neuerungen durch das neue Kinder- gartengesetz und den verbindlich durch- zuführenden Orientierungsplan– eine verbindlich einzuführende musikalische Frühförderung in den Kindertagesstätten gesehen. Alle interessierten Träger sind jedoch in dem Punkt einig, dass ein weitestgehend flächendeckendes Angebot nur dann Sinn macht, wenn es für alle Kinder 9 gebührenfrei angeboten werden kann, um Ausgrenzungen vorzubeugen und Ungleichheiten in den Kindertagesstätten zu vermeiden. Eine Möglichkeit, die musikalische Frühförderung mit dem Badischen KONServatorium in den Kinder- tageseinrichtungen füralle Kinder der betreffenden Jahrgänge selbstbestimmt durchzuführen, wird seitens der Träger darin gesehen, dass z.B. jährlich für die musikalische Frühförderung in Kindertageseinrichtungen eine bestimmte Summebereit gestellt würde, die dann interessierten Kindertageseinrichtungen zur Durchführung dieser Kurse bzw. dem Badischen KONServatorium zur Durchführung dieser Kurse an den Kindertagesstätten auf Abruf zur Verfügung stünde. Bis zur endgültigen Entscheidung über die Einführung einer weitestgehend flächen- deckenden musikalischen Frühförderung mit dem Badischen KONServatorium in Karlsruher Kindertagesstätten schlägt das Badische KONServatorium in Abstimmung mit der Verwaltungsspitze vor, das Pilotprojekt an den drei Kinder- tagesstätten in Rüppurr, Oberreut und Grötzingen bis längstens zum Ende des Schuljahres 2009/10 weiterzuführen, um die Nachhaltigkeit der begonnenen musikalischen Frühförderung ebendort bis zur Entscheidungsfindung nicht durch eine Unterbrechung zu gefährden.