Baumkonzept Friedhof
| Vorlage: | 25836 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 20.10.2010 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Grötzingen |
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Extrahierter Text
BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Ortsverwaltung Grötzingen Gremium: Ortschaftsrat Grötzingen Termin: Vorlage Nr.: TOP: 27.10.2010 97 1 öffentlich Baumkonzept Friedhof Innerhalb des Friedhofs sind derzeit verschiedene Baumarten anzutreffen und von dem dominierenden Birkenbestand sind altersbedingt alljährlich einige Exemplare abgängig, die aus Standsicherheitsgründen gefällt werden müssen. Der Baumbestand soll stufen- weise über vier Jahre hinweg saniert werden. Der Ortschaftsrat hat am 14.07.2010 das Baumkonzept des Friedhof- und Bestattungsamtes vorberaten und es grundsätzlich gebil- ligt. Es bestanden jedoch Bedenken bei der Leitbaumart „Säuleneiche“ wegen der Be- fallsmöglichkeit durch den Eichenprozessionsspinner. Daher ist nunmehr nochmals die Frage alternativer Baumarten zu klären; so waren bei- spielsweise aus dem Gremium der Ginkgobaum, die Esche und der bereits an der Au- gustenburgstraße stehende Amberbaum vorgeschlagen worden. Das Friedhof- und Bestattungsamt teilt dazu mit: In der engeren Auswahl zur Leitbaumart für den Friedhof Grötzingen, sind vier Arten ver- blieben. Die Säuleneiche, Quercus robur „Fastigiata“ (eine Form der heimischen Stiel- eiche) Bedenken hinsichtlich eines möglichen Befalls vom Eichenprozessionsspinner kön- nen auch auf Rückfrage bei verschiedenen Baumschulen nicht gänzlich ausge- schlossen werden. Da bei einem Befall, durch die umherfliegenden-, lungengängigen Haare der Raupe auch eine gesundheitliche Gefahr für Friedhofsbesucher entstehen könnte, dürfte diese Baumart ausscheiden. Ginkgobaum, Ginkgo biloba Der Ginkgobaum ist in mehrfacher Hinsicht ein botanischer Sonderfall. Schon seine Zuordnung zu den Nadelbäumen, ist zunächst bemerkenswert, da dies nicht auf den ersten Blich ersichtlich ist. Ginkgobäume sind getrenntgeschlechtlich- zweihäusig, was bedeutet, dass es männliche und weibliche Bäume gibt. Das Geschlecht ist im Jugendstadium des Baumes allerdings auch für Fachleute nicht bestimmbar. Die Früchte der weiblichen Ginkgobäume sind von einer fleischigen Hülle umgeben die bei Reife einen sehr unangenehmen Buttersäuregeruch (nach Erbrochenem) ver- strömen. Das kann auf dem Friedhof zu allerlei Beschwerden führen und wer jemals diesen wirklich Ekel erregenden Geruch wahrgenommen hat, wird zugeben müssen, dass diese Beschwerden zu Recht eingehen würden. Esche, Fraxinus excelsior Die gewöhnliche Esche ist eine einheimische Baumart mit stattlichem Habitus und erreicht durchaus Höhen bis 40m. Dies würde ich nun nicht gerade auf dem Friedhof Grötzingen empfehlen, da einige Bereiche ohnehin nicht mit dem Hubsteiger erreicht werden können und somit ein erhöhter Kostenaufwand bei der Baumpflege abzuse- hen wäre. Die Esche bringt auch im Wurzelbereich einiges an Problempotential mit, sie ist näm- lich jene heimische Baumart mit der größten Wurzelausdehnung, was gerade im häufig bewegten Erdreich des Friedhofes, im schlimmsten Fall, zu Standfestigkeits- problemen führen kann. Leider stößt die Esche in unserer Region recht schnell an ih- re Verbreitungsgrenzen weil die Wasserversorgung der Bäume bei den hier vorherr- schenden Böden oft nicht ausreicht. Amberbaum, Liquidambar styraciflua Der Amberbaum kommt aus dem südöstlichen Nordamerika und erreicht hier bei uns Höhen von ca. 20m. Er hat eine Wurzelausdehnung, die viel Raum beansprucht, braucht also in unmittelbarer Nachbarschaft genügend unbewegten Wurzelraum um sich entsprechend gesund entwickeln zu können. Der Boden sollte nicht besonders al- kalisch sein, ggfs. ist jedoch mit sauer wirkendem Dünger gut vermeidbar, dass chloro- tische Fleckenbildung auf den Blättern auftritt. Der Amberbaum ist sehr gut an unsere klimatischen Verhältnisse angepasst und kann trotz einer gewissen Anfälligkeit gegen Frost in seiner Jugend, durch eine enorme Regenerationsfähigkeit punkten. Ganz besonders bemerkenswert ist seine herbstliche Blattfärbung in wundervollen rot- orange-grün-gelb Tönen. Fazit: Aus der Betrachtung der vier Baumarten ergibt sich für die Verwendung auf dem Grötzin- ger Friedhof als Favorit der Amberbaum, der durchaus als neue Leitbaumart tauglich ist und selbst bei zu erwartender Klimaerwärmung mit den vorherrschenden Bedingungen gut zurecht kommen wird. Eine Mischung verschiedener Baumarten würde das ursprüngliche Pflanzkonzept und die Gesamtwirkung des Friedhofes nachhaltig beeinträchtigen und ist daher nicht empfeh- lenswert. Beschlussvorschlag: Der Ortschaftsrat beschließt den Amberbaum als Leitbaumart.