Bericht über den kommunalen Entwicklungsbaustein "Interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements" von 2007 bis 2010 in Karlsruhe
| Vorlage: | 25674 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 04.10.2010 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Beiertheim-Bulach, Oberreut, Südstadt, Weiherfeld-Dammerstock |
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Karlsruhe Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung - Aktivbüro Mach mit! Engagement für Menschen mit Migrationshintergrund KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG DER STADT KARLSRUHE 2005 BIS 2030 1 Mach mit! Engagement für Menschen mit Migrationshintergrund Bericht über den kommunalen Entwicklungsbaustein „Interkulturelle Öffnung des bür- gerschaftlichen Engagements“ von 2007 bis 2010 in Karlsruhe Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung - Aktivbüro KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG DER STADT KARLSRUHE 2005 BIS 2030 2 Botschafter für das Bürgerland und Werbung für Bürgerengagement Der kommunale Entwicklungsbaustein „interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ in Karlsruhe wurde im Namen des Ministeriums für Arbeit und Sozial- ordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg und in Zusammenarbeit mit dem Fachberater des StädteNetzWerks Baden-Württemberg, Dr. Ralf Vandamme, Städtetag Baden-Württemberg, durchgeführt. Die Qualifi zierungsmaßnahme ist Teil des Projekts „Botschafter für das Bürgerland und Werbung für das Bürgerengagement“ des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg. Impressum Herausgeber: Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung Zähringerstr. 61, 76133 Karlsruhe Postanschrift: 76124 Karlsruhe Redaktion: Aktivbüro Rathaus am Marktplatz Eingang im Turmhof an der Hebelstraße Internet: www.karlsruhe.de/Stadtentwicklung Rosemarie Strobel-Heck Telefon: 0721 133-1212 Telefax: 0721 133-1279 E-Mail: aktivbuero@afsta.karlsruhe.de Grafi k/Layout: Stefanie Groß, Marlis Arz Die Maßnahme wurde in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration und dem Internationalen Begegnungszentrum durchgeführt. KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG DER STADT KARLSRUHE 2005 BIS 2030 3 Bildung ist der Schlüssel zur Integration. Gemeinsame Interessen verbinden die Kulturen. Liebe Leserinnen und Leser, Migration ist ein Thema, das die Welt im wörtlichen Sinne in Bewegung bringt. Menschen wanderten seit Beginn der Menschheit. Menschen tauschen Waren, Kulturgüter, Sitten und Bräuche. Deutschland hat eine Zuwanderertradition, die mindestens fünf Jahrzehnte zurückreicht. In dieser Zeit sind Millionen von Menschen eingewandert mit der Absicht, für eine bestimmte Zeit in Deutschland zu leben, zu arbeiten und später wieder in ihr Heimatland zurückzukehren. Viele sind entgegen ihrer Absicht geblieben. Generationen mit Migrationshintergrund sind hier geboren und bilden mittlerweile einen nennenswerten Teil der Bevölkerung. In Deutschland hat jeder fünfte Mensch Migrationshintergrund. Das sind rund 15 Millionen. Im statistischen Durchschnitt haben Menschen mit Migrationshintergrund insgesamt deutlich niedrigere Schul- und Be- rufsabschlüsse und sind fast doppelt so häufi g erwerbslos als die Gesamtbevölkerung. 14 Prozent der Migrantinnen und Migranten haben keinen allgemeinen Schulabschluss, 44 Prozent keinen Berufsabschluss. Überdurchschnittlich betroffen sind davon Frauen. Deshalb ist Bildung ein wichtiger Schlüssel zur Integration. Eine gelungene, umfassende Integration der Zuwanderer eröffnet neue Chancen und Potenziale für die Weiterentwick- lung unserer Gesellschaft. Sie ist ein gesamtgesellschaftlicher Prozess und eine dauerhafte Aufgabe, die nicht von heute auf morgen gelöst werden kann. Erforderlich sind ein Bewusstseinswandel und die Bereitschaft zur Veränderung. Berüh- rungsängste und Vorurteile müssen abgebaut, soziale Ausgrenzung vermieden werden. Der kommunale Entwicklungsbaustein „interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ hat gezeigt, dass die Bereitschaft zur gegenseitigen Akzeptanz sehr hoch ist. Es müssen verstärkt Gelegenheiten geschaffen werden, sich kennen zu lernen und zu verstehen. Der Weg über das bürgerschaftliche Engagement verspricht Erfolg, weil er die Menschen über ihre persönlichen Neigungen verbindet. Die Befragung der ehrenamtlichen und gemeinnützigen Vereini- gungen in Karlsruhe zu ihren Aktivitäten hat dies deutlich gezeigt. Ob das Interesse Fußball spielen, Musik machen oder einen Kleingarten bewirtschaften ist, ist sekundär. Ich danke allen Beteiligten für ihre Mitwirkung am kommunalen Entwicklungsbaustein zur interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements. Die Ergebnisse haben gangbare Wege aufgezeigt, wie die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund im Alltag gelingen kann. Wolfram Jäger Bürgermeister KLEINRÄUMIGE BEVÖLKERUNGSVORAUSRECHNUNG DER STADT KARLSRUHE 2005 BIS 2030 5 Inhalt Seite 1. Ausgangslage 7 1.1 Bevölkerungsstruktur 7 1.2 Infrastruktur für Menschen mit Migrationshintergrund in Karlsruhe 7 1.3 Forum Ehrenamt 8 2. Umsetzung des kommunalen Entwicklungsbausteins „Interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ 9 2.1 Auftrag des Gemeinderats 9 2.2 Beschluss des Forums Ehrenamt 9 2.3 Vertrag zur Umsetzung des kommunalen Entwicklungsbausteins 9 2.4 Projektgruppe 9 2.5 Fachveranstaltung „Bürger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ am 14. Mai 2007 10 2.6 Befragung der gemeinnützigen und ehrenamtlichen Vereinigungen in Karlsruhe 11 2.7 Workshop „Bürger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ am 6. März 2009 11 3. Maßnahmen zur Umsetzung der Ergebnisse 17 3.1 Mentorenausbildung mit Schwerpunkt interkulturelle Kompetenz 17 3.2 Qualifi zierung für ehrenamtlich Engagierte in Vereinen und Initiativen 17 3.3 Spezielle Qualifi zierung für Lesepatinnen und Lesepaten 18 3.4 Fortbildung für Migrantinnen 19 3.5 jes-Projekt „Perspektivenwechsel - Integration aus Sicht der Migrantinnen“ 19 3.6 Veröffentlichungen über ehrenamtliches und freiwilliges Engagement 19 3.7 Weitere Planungen 20 Danksagung an die Mitwirkenden 21 Anlagen: 1 Ergebnisse der Befragung der gemeinnützigen und ehrenamtlichen Vereinigungen in Karlsruhe 24 2 Fragebogen 31 3 Input „Multikulturalität – Interkulturalität? Probleme und Perspektiven der multikulturellen Gesellschaft“ von Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha im Workshop am 6. März 2009 34 4 Input „Kulturübergreifende Kompetenz in Vereinen, Anregungen für zukünftige fruchtbare Zusammenarbeit“ von Nina Bratkoff im Workshop am 6. März 2009 42 5 Einladung zum Workshop „Bürger einer Stadt“ am 6. März 2009 47 6 Einladung zur Fachveranstaltung „Bürger einer Stadt“ am 14. Mai 2007 49 7 Presseausschnitte 51 1. AUSGANGSLAGE 7 _______________ 1 Deutsche mit erkennbarem Migrationshintergrund sind Ausländerinnen und Ausländer, die eingebürgert sind oder eine Option auf die Einbürgerung, die Rechtsstellung als Deutsche bzw. Deutscher oder die Staatsangehörigkeitsurkunde o. ä. haben. 1.1 Bevölkerungsstruktur Im Jahr 2009 waren 39.593 der 280.327 Personen zählenden Bevölkerung in Karlsruhe Ausländerinnen und Ausländer. Weitere 27.895 Personen waren Deutsche mit erkennbarem persönlichem Migrations- hintergrund 1 . Insgesamt 67.488 Karlsruherinnen und Karlsruher (24,1 %) hatten ihre Wurzeln im Ausland. Seit 2007 sank die Zahl der Ausländerinnen und Aus- länder um 683. Hingegen lebten 1.038 mehr Deut- sche mit erkennbarem persönlichem Migrationshin- tergrund in Karlsruhe. Die Bevölkerung zählte 2007 insgesamt 278.047 Personen. Davon hatten 67.133 Migrationshintergrund (24,1 %). 1.2 Infrastruktur für Menschen mit Migra- tionshintergrund in Karlsruhe Büro für Integration Das städtische Büro für Integration ist die zentra- le Anlauf-, Beratungs- und Koordinierungsstelle für Anliegen von Zuwanderinnen und Zuwanderern. Es fördert die politische, soziale und kulturelle Gleich- stellung von Einwanderinnen und Einwanderern, um ein gleichberechtigtes und friedliches Zusammenle- ben aller Menschen in Karlsruhe zu gewährleisten. Auch die Organisationen und Vereine der Zuwande- rinnen und Zuwanderer, Institutionen, Unternehmen und Behörden können sich an das Büro für Integra- tion wenden. Es führt Projekte zur Integration wie z. B. Sprachför- derung im Kindergarten durch, vermittelt Kontakte, unterstützt bei der Organisation multikultureller Pro- jekte und fördert interkulturelle Dialoge. Internationales Begegnungszentrum (ibz) Das Internationale Begegnungszentrum wurde im Jahre 1995 gegründet, um Menschen, Organisatio- nen und Vereinen in Karlsruhe, die sich mit interkul- tureller Arbeit und Migration auseinandersetzen, Räume zur Verfügung zu stellen und die nationalitäts- übergreifende Kulturarbeit unter einem Dach zusam- menzuführen. Im ibz finden regelmäßig Veranstaltungen und Aktivi- täten statt, die zum Dialog zwischen den verschie- denen Kulturen und zum Abbau von Ängsten und Fremdenfeindlichkeit beitragen. Unter dem Titel Kul- turdialog gibt das ibz regelmäßig ein Programmheft mit aktuellen Terminen heraus. Darüber hinaus initi- iert und organisiert das ibz Integrationsprojekte mit nachhaltigen Zielen wie z.B. das Karlsruher Patinnen- Projekt und “Sprecht Miteinander!”. Es vermietet Räume an derzeit 11 ausländisch-deut- sche Vereine, in denen diese sich regelmäßig treffen. Weitere Seminarräume bzw. ein großer Saal stehen für Tagungen, Sitzungen und Feste zur Verfügung. Menschenrechtszentrum (MRZ) Das Menschenrechtszentrum Karlsruhe e. V. entstand 1996 aus einer gemeinsamen Initiative verschiedener Menschenrechts- und Flüchtlingshilfsorganisationen, um den in Karlsruhe ansässigen Menschenrechtsor- ganisationen ein gemeinsames Dach zu bieten. Der- zeit sind sieben Vereine, Stiftungen und Initiativen im MRZ angesiedelt. 1. Ausgangslage 1. AUSGANGSLAGE 8 Einer der Schwerpunkte ist die Arbeit für und mit Flüchtlingen und Asylbewerbern, die in der nur we- nige hundert Meter entfernten Landesaufnahmestelle für Flüchtlinge Baden-Württemberg (LASt) ankommen und von dort auf die Gemeinden im Umland weiter- verteilt werden. Die Asylbewerber erfahren Unter- stützung und Beratung auf ehrenamtlicher Basis, z. B. durch Sprechstunden, Übersetzungshilfen, durch Rechtsberatung, Deutschkurse u. a. Zu den Aufgaben des MRZ gehört auch die Informations- und Bildungs- arbeit zum Thema Menschenrechte, Migration und Flüchtlinge. Es finden Hintergrundgespräche, Vorträ- ge, Filmabende, Diskussionsrunden und Workshops statt. Zu den bekanntesten Besuchern des MRZ ge- hört die Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi. Migrationsbeirat Die Stadt Karlsruhe beteiligt Ausländerinnen und Aus- länder als sachkundige Einwohnerinnen und Einwoh- ner im Migrationsbeirat, einem beratenden Ausschuss des Gemeinderats unter dem Vorsitz eines Bürger- meisters in ständiger Vertretung des Oberbürger- meisters. Dem Ausschuss gehören 21 Mitglieder an. Davon sind 11 Mitglieder des Gemeinderats. Im Migrationsbeirat sind jeweils zwei fachlich kom- petente Personen aus den Themenbereichen Spra- che und Bildung, rechtliche und wirtschaftliche Integration, Kultur und interreligiöser Dialog, inter- kulturelle Öffnung und Wohnen sowie Gesundheit, Senioren und Sport vertreten. Die Fachkompetenz wird durch haupt- oder ehrenamtliche Arbeit mit Migrantinnen und Migranten nachgewiesen. Sie sind mit den Organisationen der einzelnen Migran- tengruppen in Karlsruhe und mit den kommunalpo- litischen Strukturen in Karlsruhe vertraut. Auf eine ausgewogene Verteilung der Herkunftsländer und Geschlechter im Migrationsbeirat wird geachtet. Der Migrationsbeirat wurde im Jahr 2010 auf Be- schluss des Gemeinderats gegründet. Er löste den bis dahin eingesetzten Ausländerbeirat ab. Fest der Völkerverständigung Das Fest der Völkerverständigung ist seit dem Jahr 1984 fester Bestandteil des Veranstaltungskalenders der Stadt Karlsruhe und fand im Jahr 2010 zum 25. Mal statt. Wie hoch die Akzeptanz dieser Verans- taltung in der Karlsruher Bevölkerung ist, zeigt eine jährlich steigende Zahl der Besucherinnen und Be- sucher. Nahezu 60 ausländisch-deutsche Vereinigungen ver- wandeln den Marktplatz jedes Jahr zur inter natio- nalen Bühne. Sie bieten ein buntes Programm mit Tänzen, Liedern, Ausstellungen, Work shops, Infor- mationsständen und nicht zuletzt kulinarischen An- geboten aus aller Welt. Leitlinien zur Integration von Zuwande- rinnen und Zuwanderern Das Büro für Integration wurde im Jahr 2006 be- auftragt, die Karlsruher Leitlinien zur Integration von Zuwanderinnen und Zuwanderern zu erarbeiten. Es bildete eine Projektgruppe aus Vertreterinnen und Vertretern des Büros für Integration, verschiedener Institutionen, Migrantenvereinen und des Ausländer- beirats. Der Entwurf wurde in der Ausländerbeirats- sitzung am 14. Februar 2007 und an elf Abenden in Stadtteilen mit hohen Migrantenanteilen präsentiert und diskutiert. Die Ergebnisse daraus flossen in den Ausländerbeirat zurück. Zur Ausarbeitung der einzelnen Handlungsfelder, wie z. B. Sprache und Bildung, Religion, rechtliche und wirtschaftliche Integration, Gesundheit, Kultur und Sport, wurden Expertengruppen gebildet, die kon- krete Umsetzungsvorschläge bzw. detaillierte Kon- zepte erarbeiteten. Der Gemeinderat verabschiedete die Leitlinien am 23. September 2008. Der Kommu- nale Entwicklungsbaustein „Interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ ist ein Beitrag zur Umsetzung der Leitlinien. 1.3 Forum Ehrenamt Das Forum Ehrenamt wurde als Beirat des Gemein- derats im Jahr 2004 eingesetzt. Es besteht aus 19 Sparten des bürgerschaftlichen Engagements, wie z. B. Sport, Kultur, Jugend, Bürgervereine, Förder- vereine und Stiftungen, Umwelt, Kirchen, Wohl- fahrtsverbände und engagierte Unternehmen mit jeweils zwei Mitgliedern, unter dem Vorsitz eines Bürgermeisters in ständiger Vertretung des Oberbür- germeisters. Das Gremium entwickelt Vorschläge, wie das bürgerschaftliche Engagement in Karlsruhe stärker unterstützt werden kann. Zu den Sitzungen des Forums Ehrenamt werden die Fraktionen des Karlsruher Gemeinderats eingeladen. Sie sind in der Regel öffentlich. 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 9 2.1 Auftrag des Gemeinderats In seiner Sitzung am 15. Juli 2006 regte der Gemein- derat der Stadt Karlsruhe an, Konzepte zu entwickeln, um Menschen mit Migrationshintergrund stärker zu integrieren. Dabei wurde das bügerschaftliche Enga- gement als eine wichtige Möglichkeit benannt, um die Verbundenheit mit der Gesellschaft herzustellen. Die freiwillige und ehrenamtliche Mitwirkung in Ver- einen, Initiativen und gemeinnützigen Organisationen trägt dazu bei, dass Migrantinnen und Migranten in ihr soziales Umfeld stärker aufgenommen werden, dass sie sich wohler fühlen und auch einen Beitrag zur Gestaltung der Gesellschaft leisten können. Dies hat zur Folge, dass die ethnischen Kulturen leichter einfließen und das Verständnis dafür bei der einhei- mischen Bevölkerung geweckt wird. 2.2 Beschluss des Forums Ehrenamt Den Anstoß zur Entwicklung eines Konzepts zur inter- kulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engage- ments gab der Geschäftsführer des Caritas Karlsruhe e. V., Hans-Gerd Köhler, der im Forum Ehrenamt die Sparte Kinder vertrat. In seiner neunten, öffentlichen Sitzung am 10. Januar 2007 beschloss das Forum Ehrenamt folgende Vorgehensweise: 1. Es wird eine Bestandsaufnahme unter den Ver- einen und Initiativen durchgeführt, um die eh- renamtlichen Leistungen zu erfassen, die diese in Bezug auf die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund erbringen. 2. Auf der Grundlage der Bestandsaufnahme wird ein Workshop durchgeführt, bei dem konkrete Maßnahmen erarbeitet werden. 3. Die Vorbereitung der Bestandsaufnahme und des Workshops erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration und dem Internationalen Begegnungszentrum. Beteiligen sollen sich auch Mitglieder des Forums Ehrenamt, Bürgermento- rinnen und Bürgermentoren. 2.3 Vertrag zur Umsetzung des kommu- nalen Entwicklungsbausteins Der Antrag auf Umsetzung des Konzepts als kom- munaler Entwicklungsbaustein an das Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württemberg, Stabs- stelle Bürgerengagement und Freiwilligendienste, wurde in Absprache mit dem Fachberater für bür- gerschaftliches Engagement des Städtetags Baden- Württemberg, Dr. Ralf Vandamme, am 18. Januar 2007 gestellt. Der Vertrag zwischen der Stadt Karlsruhe und dem Ministerium für Arbeit und Soziales Baden-Württem- berg zur Durchführung des kommunalen Entwick- lungsbausteins kam am 5. Februar 2007 zustande. 2.4 Projektgruppe Daraufhin wurde eine Projektgruppe gegründet. Die Mitglieder waren • Marion Schuchardt, Leiterin des Internationalen Begegnungszentrums, • Siegfried Wagner, Büro für Integration, • Ralph Zielosko, Vorsitzender der Bürger-Gesellschaft der Südstadt e. V., einem Stadtteil mit 35,7 % Be- 2.Umsetzung des kommunalen Entwicklungsbausteins „Interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 10 Fachveranstaltung Bürger einer Stadt am 6. März 2009 v. l. n. r.: Thomas Haigis (Leiter des Referats für Bürgerbeteiligung und Stadt- entwicklung aus Filderstadt), Salahdin A. Maow (Bürgermentor, Vorsitzender der Ogaden-Direkthilfe e. V.), Dr. Jean-Louis Zambujo (Mentorentrainer, Dipl. Psychologe), Nilgün Kaya (Vorsitzende des türkischen Frauenvereins Karlsruhe und Umgebung e. V.) und Ralph Zielosko (Vorsitzender der Bürger-Gesell- schaft Südstadt e. V.) völkerungsanteil mit Migrationshintergrund, • Nilgün Kaya, später Hülya Eksi-Yilmaz, Vorsitzende des türkischen Frauenvereins Karlsruhe und Umge- bung e. V., • Salahdin A. Maow, Vorsitzender der Ogaden-Di- rekthilfe und Bürgermentor mit Migrationshinter- grund, • Renate Braun-Schmitz, Bürgermentorin, die meh- rere interkulturelle Projekte initiiert und begleitet hatte, • Hans-Gerd Köhler, Geschäftsführer des Caritasver- bands Karlsruhe e. V., • Ursula Rossbach, Mentorentrainerin, • Dr. Jean-Louis Zambujo, Dipl. Psychologe und Men- torentrainer sowie • Rosemarie Strobel-Heck, Leiterin der Karlsruher Fachstelle für Bürgerengagement des Amts für Stadtentwicklung, Aktivbüro. Die Zusammensetzung gewährleistete, dass alle As- pekte der Interkulturalität in Zusammenhang mit dem bürgerschaftlichen Engagement berücksichtigt werden konnten. 2.5 Fachveranstaltung „Bürger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ am 14. Mai 2007 Um die Frage der Integration aus der Sicht von Men- schen mit Migrationshintergrund zu beleuchten, initiierte die Projektgruppe eine nicht-öffentliche Fachveranstaltung am 14. Mai 2007 im internati- onalen Begegnungszentrum, zu der die Mitglieder des Forums Ehrenamt, die Bürgermentorínnen und -mentoren, Elternbeiräte und Fachstellen eingeladen wurden. Der Fachtag beinhaltete einen Vortrag des stellvertre- tenden Leiters des Amts für Stadtentwicklung, Otto Mansdörfer, über die Entwicklung der Wohnbevölke- rung mit Migrationshintergrund in Karlsruhe. Thomas Haigis, Leiter des Referats für Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung, Filderstadt, berichtete über dortige Maßnahmen zur Integration und Beteiligung. Der Schwerpunkt der Veranstaltung war eine Ge- sprächsrunde zur Frage „Was kann bürgerschaftliches Engagement zur Integration beitragen?“ mit Thomas Haigis, Ralph Zielosko, Salahdin A. Maow und Nilgün Kaya, die Dr. Jean-Louis Zambujo moderierte. Disku- tiert wurden u. a. die Bedingungen, die Integration erleichtern bzw. erschweren, die Erfahrungen, die Migrantinnen und Migranten bei ihrem Engagement in Vereinen machen und welche Engagementformen in den Herkunftsländern üblich sind. Die Veranstaltung ergab im Wesentlichen folgende Ergebnisse: • Integration gelingt am besten auf der kommunalen bzw. der persönlichen Ebene. • Projekte zur Integration entwickeln sich meist nicht zu Selbstläufern. • Erfolgreiche Integration geschieht mit kleinen, langsamen Schritten. • Es müssen Netzwerke gebildet und Öffentlichkeit geschaffen werden. • Bildung ist der Schlüssel zur Integration. • Der Arbeitsplatz ist ein wesentliches Integrations- instrument. 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 11 Marion Schutt, Höfl ing & Partner - Entwicklung + Training, Heidelberg, mo- derierte den Workshop. 2.6 Befragung der gemeinnützigen und ehrenamtlichen Vereinigungen in Karlsruhe Im nächsten Schritt entwickelte die Projektgruppe ei- nen Fragebogen (siehe Anlage 2), um die Karlsruher Vereinigungen nach ihren Aktivitäten zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund und nach ihrem Unterstützungsbedarf zu befragen. Es wur- den 1.430 Vereinigungen angeschrieben, von denen 23 % antworteten. Als Belohnung erhielten diejenigen, die den Frage- bogen beantwortet und zurückgesendet hatten, ei- nen kleinen faltbaren Taschenrechner mit der Gravur „Danke für Ihr Engagement, Siegfried König, Erster Bürgermeister“. Eine Überraschung war, dass die meisten Menschen mit Migrationshintergrund, die ehrenamtliche Funk- tionen in einem Verein innehaben, im kulturellen Be- reich zu finden sind. Der Bereich Umwelt rangiert an zweiter Stelle. Dieses Ergebnis basiert auf dem Um- stand, dass die Mitgliedsvereine des Bezirksverbands der Gartenfreunde e. V. etwa 40 Funktionsträger mit Migrationshintergrund haben. An dritter Stelle ste- hen die Vereinigungen aus dem Bereich Zuwanderung selbst. Erst mit großem Abstand rangierte der Sport- bereich an vierter Stelle. In den Sportvereinen gibt es zwar sehr viele Mitglieder mit Migrationshintergrund. Jedoch hat im Vergleich zum Kulturbereich nur ein Viertel eine aktive Funktion z. B. im Vorstand. Am häufigsten wünschten sich die Vereinigungen, dass ihre Aktivitäten in der Öffentlichkeit bekannt und anerkannt werden. An zweiter und dritter Stelle stand der Wunsch, Austauschmöglichkeiten mit an- deren Vereinen und Projektideen kennen zu lernen. Finanzielle Unterstützung bzw. die Bereitstellung von hauptamtlichem Personal wurde erst an dreizehnter Stelle genannt. Das Befragungsergebnis wurde am 27. Februar 2008 im Forum Ehrenamt vorgestellt (siehe Anlage 1). 2.7 Workshop „Bürger einer Stadt - inter- kulturelle Öffnung des bürgerschaft- lichen Engagements“ am 6. März 2009 Vorbereitung Der Workshop wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Fachberater für bürgerschaftliches Engagement, Dr. Ralf Vandamme, vorbereitet. Am 10. Juni 2008 wurde ein Planungsgespräch mit Dr. Vandamme, dem Integrationsbeauftragten der Stadt Karlsruhe, Alois Kapinos, dem Leitungsteam des Internationalen Begegnungszentrums, Marion Schuchardt und Ralf Kappler, der Bürgermentorin Renate Braun-Schmitz, dem Ansprechpartner für Ehrenamtliche im Caritas- verband Karlsruhe e. V., Claus-Dieter Luck, und der Leiterin des Aktivbüros, Rosemarie Strobel-Heck, ge- führt. Ein weiteres Vorbereitungsgespräch fand mit der Moderatorin des Workshops, Marion Schutt, Höfling & Partner - Entwicklung + Training, Heidelberg, Dr. Ralf Vandamme und Rosemarie Strobel-Heck am 18. Dezember 2009 statt, bei dem das Konzept für den Workshop im Detail abgestimmt wurde. Strategische Ziele • Der Workshop interkulturelle Öffnung des bürger- schaftlichen Engagements ist der Start für den Er- fahrungsaustausch zwischen Vereinen, Initiativen, gemeinnützigen Organisationen, Bürgermentoren und anderen Interessierten. • Veranstalter ist das Aktivbüro des Amts für Stadt- entwicklung in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration und dem Internationalen Begegnungs- zentrum (ibz). 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 12 Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Workshop Bürger einer Stadt, interkultu- relle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements im Saal des Internationa- len Begegnungszentrums Arbeitsgruppe Frauen - Projekt „Aus aller Frauen Länder“ mit Prof. Dr. Caroline Y. Robertson von Trotha als Moderatorin (Dritte von links) • Im Workshop sollen Maßnahmen und Fortbil- dungen zur Integration von Menschen mit Migra- tionshintergrund entwickelt werden. Operative Ziele: • Zwischen den Akteuren der Integration sollen Kon- takte hergestellt werden. • Gute Beispiele für Maßnahmen zur Integration sol- len aufgezeigt werden. • Weitere Aktivitäten und Unterstützungsformen für die Umsetzung sollen entwickelt werden. Rahmenbedingungen: • Als zeitliche Rahmenbedingungen wurden zwei bis drei Abendstunden an einem Wochentag oder an einem Samstagnachmittag anvisiert. • Die Veranstaltung soll sich an Vereinigungen aus der gesamten Stadt richten und nicht stadtteilori- entiert sein. Weitere stadtteilorientierte Veranstal- tungen können in der Folge durchgeführt werden. • Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 100 Personen aus Vereinen, Initiativen, gemeinnützigen Organisa- tionen, Fachstellen, Bürgermentorinnen und -men- toren sowie politisch Verantwortlichen begrenzt. Akteure Die Gesamtmoderation des Workshops übernahm Marion Schutt. Sie entwickelte die Leitfragen, die im Workshop bearbeitet werden sollten. Für den allge- meinen, grundlegenden Input zu Beginn wurden Prof. Dr. Caroline Y. Robertson von Trotha, Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale Karlsruhe (ZAK) und Nina Bratkoff, World-Experts - Direktanbieter für interkulturelle Trai- nings, gewonnen. Sie moderierten außerdem jeweils eine Arbeitsgruppe. Weitere Moderatorinnen und Moderatoren für die Arbeitsgruppen waren • Rolf Kamuf, Moderator bei der Entwicklung der Karlsruher Leitlinien zur Integration, • Andrea Sauermost, PR-Beraterin und • Ersan Akyüz. Die Moderatoren trafen sich im Januar 2009 zur Vor- besprechung. Aus den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, die an der Bestandsaufnahme der ehrenamtlichen Aktivitäten zur Integration von Menschen mit Migrationshinter- grund teilgenommen hatten, wurden fünf Beispiele aus den Bereichen Kultur, Umwelt, Sport, Zuwan- derung und Frauen zur Präsentation im Workshop ausgewählt. 1. Arbeitsgruppe Kultur: Musikalische Früherziehung als Schlüssel zur Integration Beispielgeber: Deutscher Harmonika Verband e. V. (DHV) Dieter Nees, Vizepräsident des DHV Baden- Württemberg und Bezirksvorsitzender des DHV Karlsruhe-Nordbaden Moderation: Rolf Kamuf Der Deutsche Harmonika Verband e. V. ist im Stadt- gebiet und im Umland aktiv. Er führt spezielle An- gebote für Kinder und Jugendliche durch, hat aktive Mitglieder mit Migrationshintergrund in Leitungs- funktionen und bietet gezielte Aktivitäten zur Inte- gration von Menschen mit Migrationshintergrund an. 2. Arbeitsgruppe Umwelt: Gemeinsame Interessen verbinden die Nationen Beispielgeber: Bezirksverband der Gartenfreunde e. V. Wolfgang Walter, stellvertretender Vorsitzender und Juri Hahn, Vorsitzender der Kleingartenanlage Steinäcker Moderation: Andrea Sauermost 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 13 Arbeitsgruppe Zuwanderung II Der Bezirksverband der Gartenfreunde e. V. hatte be- reits frühzeitig ein Integrationskonzept entwickelt. Etwa 40 Vorsitzende und andere Vorstandsmitglieder der angeschlossenen Vereine haben Migrationshinter- grund. Der Verband profitiert davon, Migrantinnen und Migranten auch in Vorstandspositionen zu wäh- len und sie aktiv einzubinden. Die Interkulturalität trägt Früchte. 3. Arbeitsgruppe Sport: Gorodki - eine migrierte Sportart knüpft Bande Beispielgeber: Sportzentrum Südwest Hardeck- Oberreut 1950 e. V. Bernd Gindner, Schriftführer und Edwin Feser, Gründer der Abteilung Gorodki Moderation: Nina Bratkoff Das Sportzentrum Südwest Hardeck-Oberreut 1950 e. V. bietet u. a. die russische Sportart Gorodki an. Insbesondere für Kinder und Jugendliche hat sie eine stark integrative Wirkung. Die Gorodki-Anlage wurde im Jahr 2001 im Rahmen eines Beteiligungsprojekts mit jugendlichen Aussiedlerinnen und Aussiedlern errichtet. Im Verein sind Mitglieder mit Migrations- hintergrund im Vorstand, als Übungsleiter und bei Projekten aktiv. 4. Arbeitsgruppe Zuwanderung - Integration aus Sicht der Migranten Beispielgeber: Türkischer Frauenverein Karlsruhe und Umgebung e. V. Hülya Eksi-Yilmaz, Vorsitzende Moderation: Ersan Akyüz Der Türkische Frauenverein Karlsruhe und Umgebung e. V. war bereits in der Projektgruppe aktiv und hatte die Fachveranstaltung am 14. Mai 2007 mit vorbe- reitet. Der Verein ist überregional tätig. Er engagiert sich durch Veranstaltungen zur Völkerverständigung, für die berufliche Bildung, initiiert Angebote zur Frei- zeitgestaltung und andere Maßnahmen, die zur In- tegration beitragen. Alle Mitglieder des Vorstands haben Migrationshintergrund. 5. Arbeitsgruppe Frauen - Projekt „Aus aller Frauen Länder“ Beispielgeberin: Renate Braun-Schmitz, Bürger- mentorin Moderation: Prof. Dr. Caroline Y. Robertson von Trotha Das fünfte Beispiel war das Projekt „Aus aller Frauen Länder“, das die Bürgermentorin Renate Braun- Schmitz initiierte. Es ging aus dem Karlsruher Pa- tinnenprojekt hervor, bei dem eine einheimische Frau und eine zugewanderte Frau eine interkultu- relle Lernpartnerschaft bilden. Die Teilnehmerinnen entwickelten das interkulturelle Kochbuch „Aus aller Frauen Länder“. Die Projektidee bestach durch sei- ne Einfachheit und seine leichte Übertragbarkeit auf andere Personenkreise und Themen. Ablauf In Abstimmung mit den Beispielgeberinnen und -ge- bern wurde als Termin Freitag, 6. März 2009 von 16:00 bis 20:00 Uhr im Internationalen Begegnungs- zentrum festgelegt. Es wurde angenommen, dass viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer direkt von ihrer Arbeitsstelle kommen. Deshalb sollte es zu Beginn einen interkulturellen Imbiss geben. 76 Personen mel- deten sich an. Darunter waren Mitglieder des Forums Ehrenamt und des Gemeinderats, Bürgermentorinnen und -mentoren, Vertreterinnen und Vertreter von Ver- einen, Fachstellen und anderen Städten. Nach der Einführung um 16:30 Uhr durch Marion Schutt gab Prof. Dr. Robertson von Trotha einen Input zum Thema „Multikulturalität - Interkulturali- tät? Probleme und Perspektiven der multikulturellen Gesellschaft“. Nina Bratkoff griff im Anschluss das Thema „Kulturübergreifende Kompetenz in Vereinen - Anregungen für zukünftige fruchtbare Zusammen- arbeit“ auf. Aus Zeitgründen gab es keine Diskussi- onsrunde zu den Vorträgen. Diese wurde in die Ar- beitsgruppen verlagert. Nach der Überleitung in die Workshops und der Vorstellung der Moderatorinnen und Moderatoren gaben die Beispielgeberinnen und Beispielgeber ein Blitzlicht, damit die Teilnehmenden sich für einen Workshop entscheiden konnten. Die Arbeitsgruppe Sport kam nicht zustande. Statt- dessen bildete sich spontan eine zweite Arbeitgruppe Zuwanderung. Beispielgeberin war Najoua Benzarti, Bürgermentorin und Vorsitzende des Internationalen islamischen Frauengemeinschaft e. V. Karlsruhe (IIFG). Die Arbeitsgruppen dauerten ca. 1,5 Stunden. Da- rin wurden die Beispiele ausführlich vorgestellt und Einschätzungen zu folgenden Leitfragen erarbeitet: 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 14 Arbeitsgruppe Umwelt v. l. n. r.: Wolfgang Walter, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands der Gartenfreunde e. V., Juri Hahn, Vorsitzender der Kleingartenanlage Stei- näcker und Andrea Sauermost, Moderation Welche Qualifi zierungsmaßnahmen wer- den gewünscht? Welche Stolpersteine gab es und wie wur- den diese ausgeräumt? Wie kann die Stadt Karlsruhe darüber hi- naus unterstützen? Was motiviert Menschen mit Migrations- hintergrund, Verantwortung z. B. in einem Verein, in einer Initiative zu übernehmen? Was hat der Verein davon, wenn Migran- ten aktiv sind? Sammlung spontaner Umsetzungsideen z. B. in Form einer Kärtchenabfrage, eines World-Cafés, Brainstorming. Die Ergebnisse wurde im Plenum vorgestellt. Die Ver- anstaltung endete um 20:00 Uhr. Ergebnisse aus den Arbeitsgruppen 1. Arbeitsgruppe Kultur: Musikalische Früherziehung als Schlüssel zur Integration Interessante Aspekte: • Integration fängt mit der Bildung an. • Die Kindertagesstätten bieten einen wichtigen Bil- dungsansatz. • Die höchste Priorität hat die Sprachentwicklung. • Musik erleichtert die Verständigung. • Problematisch sind die Familien, die sich nicht öff- nen und bildungsferne Familien. Ideen für die Zukunft: • Kinder über andere Kulturen erzählen lassen • Kinder kochen international • gemeinsam international kochen • in der Kita verschiedensprachige Lieder lernen Wünsche und Erwartungen: • finanzielle Hilfe • Aktivitäten sollen in den Medien bekannt gemacht werden. 2. Arbeitsgruppe Umwelt: Gemeinsame Interessen verbinden die Nationen Ideen: • Funktionen im Verein müssen multikulturell besetzt werden. • Multiplikatoren mit Migrationshintergrund können Brücken bauen. • Kinder und Jugendliche müssen als Nachwuchs ein- bezogen werden. • Wir kennen uns direkt und gut. • Miteinander essen. Wünsche und Erwartungen: • Vernetzung von Vereinen, denen Integration gut gelingt mit anderen, denen es noch schwer fällt. • Stadt soll Vernetzungshilfe und Vermittlerfunktion leisten. 3. Arbeitsgruppe Zuwanderung I: Integration aus Sicht der Migranten Ideen: • Zeitfaktor: Um Migrantinnen den Zugang zum bür- gerschaftlichen Engagement zu erleichtern, müssen Zeiträume angeboten werden, in denen die Fami- lien der Frauen versorgt sind. • Umfeld: Sorgen Sie für eine einladende Atmosphä- re - Tee, Kaffee ... Sprache: Zuerst sollte über allgemeine Themen ge- sprochen werden, nicht sofort zur Sache kommen, lieber durch die Blume erzählen. • Persönliche Kontakte: Menschen suchen, die Brü- cken bilden können. Wünsche und Erwartungen: • Die Fortbildungsangebote für Ehrenamtliche sollen weiter ausgebaut werden. 4. Arbeitsgruppe Zuwandung II: Ideen: • Sprachförderung für Kinder, Mütter und Väter in der Kita (Beispiel: „Samenspel“, NL) • Schulung ehrenamtlicher Mitarbeiterinnen und Mit- arbeiter für Netzwerknutzung • Vorstellung der Arbeit vor Zielgruppen • Elterntreffen interkulturell initiieren, um voneinan- der zu lernen 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 15 Arbeitsgruppe Zuwanderung I links: Hülya Eksi-Yilmaz, Vorsitzende des Türkischen Frauenvereins Karlsruhe und Umgebung e. V. • Kontakt durch einfache alltägliche Tätigkeiten z. B. Spaziergang, gemeinsames Kochen • finanzielle Unterstützung für ehrenamtliche Mitar- beit • personelle Ressourcen, um auf Personen zuzuge- hen, denen es schwer fällt, Angebote anzunehmen • amtliche psychologische Beratungsstelle mit mus- limischen weiblichen Fachkräften, die mit anderen Frauen aus islamischen Ländern besser umgehen können • miteinander arbeiten, organisieren Die Schulen sollten stärker Kontakt zu auslän- dischen Eltern aufnehmen, um die sprachliche För- derung zu stärken und ehrenamtliche Arbeit mehr zu nutzen. • Infobörse verschiedener ausländischer und deut- scher Gruppen, Vereine, Initiativen stellen sich einmal pro Jahr zu bestimmten Themen vor, z. B. Thema: ältere Menschen, nächstes Jahr Frauen - Gesundheit - Krankheit • Folgeworkshop: MigrantInnen berichten über ihr Leben, Wünsche - Begegnung schaffen zwischen Deutschen und MigrantInnen; Deutsche berichten ebenso. Beispiele gelungener Zusammenarbeit: Worauf kön- nen Sie stolz sein? • Zusammenarbeit mit sozialen Diensten, Kinderhäu- sern, mit anderen Vereinen, Kindereinrichtungen • persönliches Vertrauen aufbauen: Nr. 1 für Erfolg • mit sehr viel Öffentlichkeitsarbeit verbunden • Die Zusammenarbeit mit den Vereinen und Initiati- ven im Oststadtforum ist sehr gut. Welche Stolpersteine haben Sie auf dem Weg be- wältigt? • nur durch positiven persönlichen Einsatz - sehr wichtig! • Angebote werden nicht genutzt • zu wenig Menschen, um die Arbeit zu bewältigen • viele Migranten kommen nicht – Sprachprobleme? Weitere Anregungen für die Stadt: Welche Unter- stützung wünschen Sie? Qualifizierungsmaßnahmen? • Informationen an Eltern, Familien weitergeben • mehr Veranstaltungen • Folgeseminare • Infobörsen • interkulturelle Begegnungen • Netzwerk zwischen Vereinen aufbauen • Räume für Treffen • genügend Ansprechpartner finden • hauptamtliche Stelle für muslimische Frauen • Sprachförderung Mutter und Kind 5. Arbeitsgruppe Frauen: Projekt „Aus aller Frauen Länder“ • Vorurteile kennen lernen - miteinander austauschen • Vertrauen aufbauen • Schutzraum für Begegnung • Erwartungen und Realitäten verarbeiten • über Erfahrungen reden, um sie sichtbar zu ma- chen: von allen Seiten • Probleme sind nie einseitig. Es gehören immer zwei dazu. • reflektieren und nachfragen, warum Angebote nicht angenommen werden • Selbständigkeit von Frauen offen ansprechen - Rol- lenbilder • Beispiele veröffentlichen • Aktion „Mund auf!“ [Anmerkung: Die Friedensno- belpreisträgerin und Menschenrechtsaktivistin aus Kenia, die 1977 die „Grüngürtel“-Bewegung zum Schutz der Wälder Ostafrikas gegründet hatte und wegen ihres Engagements für Naturschutz auch „Mutter der Bäume“ genannt wird, war auf Einla- dung der Akademie für zahnärztliche Fortbildung nach Karlsruhe gekommen und hielt einen Vortrag über den Zusammenhang von Umweltschutz, De- mokratie und Frieden.] • Kochbuchprojekt auf Sport o. ä. übertragen: „Zeig mir wie du ...“ • jes-Projekte • Aufgeschlossenheit im Verein für interkulturelle Themen • Frauen in Führungspositionen fördern - Kampagne: sichtbar machen! • mehr Kurse mit mehr Zeit für wirklichen Austausch • dauerhafte Foren, die themenzentriert interkulturell zusammenarbeiten 2. UMSETZUNG DES KOMMUNALEN ENTWICKLUNGSBAUSTEINS „INTERKULTURELLE ÖFFNUNG DES BÜRGERSCHAFTLICHEN ENGAGEMENTS“ 16 Nina Bratkoff, World-Experts - Direktanbieter für interkulturelle Trainings Zusammenfassung der Ergebnisse Auffallend häufig - insgesamt 18-mal - wurde in den Arbeitsgruppen die Thematik Kontakte, Vernetzung und Austausch aufgeworfen. Dabei wurden infor- melle Formen wie gemeinsam kochen und essen bis zu organisierten Veranstaltungen wie Info-Börsen genannt. Ein weiterer wichtiger Aspekt war die Qualifizierung der Menschen mit Migrationshintergrund einerseits im Hinblick auf Sprachförderung und berufliche Ent- wicklung. Andererseits wurde die Fortbildung der ehrenamtlich Engagierten zur Thematik Integration und Migration als notwendig erachtet. Andererseits wurde deutlich, dass Bildung und gute Deutschkennt- nisse wichtige Voraussetzungen für die Integration der Migrierten sind. Der dritte herausragende Gesichtspunkt war, das bürgerschaftliche Engagement von Migrantinnen und Migranten in der Öffentlichkeit bekannt zu machen. Beurteilung des Workshops Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer erhielten am Ende der Veranstaltung einen Fragebogen zur Beur- teilung des Workshops. Die Bewertungsskala reichte von 1 (sehr gut) bis 6 (sehr schlecht). Die Veranstal- tung insgesamt erhielt die durchschnittliche Bewer- tung 1,5, die Moderation 1,4. Die Workshops wurden mit 1,8 und die Organisation bzw. die Rahmenbedin- gungen mit 1,4 bewertet. 3. MASSNAHMEN ZUR UMSETZUNG DER ERGEBNISSE 17 Integration erfordert viele kleine Schritte und viele Akteure. Die Fachveranstaltung am 17. Mai 2007 hatte den wichtigen Hinweis gegeben, dass Projekte nach der Anschubphase oft nicht eigenständig fort- geführt werden. Der Workshop am 6. März 2009 wies den Weg in die richtige Richtung: Qualifizierung und Vernetzung zwischen den Akteuren führen lang- fristig zum Erfolg. In diese Richtung wurden die wei- teren Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements entwickelt. Wichtige Kooperationspartner für die Umsetzung sind das Büro für Integration und das Internationale Begegnungs- zentrum. Bei der Umsetzung des Maßnahmenkatalogs starteten wir mit Qualifizierungsangeboten mit dem Ziel, die interkulturelle Kompetenz ehrenamtlich und freiwil- lig Engagierter mit und ohne Migrationshintergrund nachhaltig zu stärken. 3.1 Mentorenausbildung mit Schwer- punkt interkulturelle Kompetenz In Abstimmung mit dem Paritätischen Bildungswerk Baden-Württemberg, das das Mentorenkonzept ent- wickelt hatte und Mittel für die Kurse zur Verfügung stellt, wurde der Mentorenkurs 2009 zusätzlich zu den bisherigen Inhalten mit einem eintägigen Semi- nar zum Thema interkulturelle Kompetenz erweitert. Beauftragt wurden Josef Minarsch-Engisch und Gisela Wolf, Evangelischer Migrationsdienst Württemberg e. V. in Stuttgart, die seit dem Jahr 2007 im Rahmen eines Modellprojekts des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge (BAMF) ehrenamtliche Multiplikato- rinnen und Multiplikatoren (EMU) im Bereich Migra- tion/Integration qualifiziert. Der Kurs hatte zum Ziel, die eigene Kultur besser ken- nen zu lernen, im Umgang mit Unterschieden sicherer zu werden und zu lernen, andere Wertvorstellungen als gleichwertig zu betrachten. Der methodische Aufbau war schlüssig in Wahrnehmungs- und Kom- munikationsübungen, Rollen- und Simultationsspiele, Gruppenarbeit und theoretische Inputs gegliedert. Das Konzept basierte auf der Haltung, dass in der Internationalisierung die Chance zur Erweiterung der persönlichen und sozialen Kompetenzen liegt und interkulturelle Kompetenz heute zu den Basisqua- lifikationen gehört, die Menschen im privaten und öffentlichen Raum brauchen. Zentral ist dabei die Einstellung, Verschiedenartigkeit als Normalität zu betrachten und gleichzeitig das Gemeinsame, Ver- bindende zu stärken. 3.2 Qualifi zierung für ehrenamtlich Enga- gierte in Vereinen und Initiativen Das Karlsruher Fortbildungsprogramm für Ehrenamt- liche 2009 war in Ausbildungsgänge Kommunika tion und Führung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Fi- nanzen und Recht sowie Fundraising mit drei bis fünf Modulen gegliedert. Auf dem Hintergrund des Work- shops „Bürger einer Stadt – interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ wurde das Programm 2010 u. a. um den Ausbildungsgang „In- terkulturelle Kompetenz“ mit vier Modulen erweitert. Den eintägigen Grundkurs interkulturelle Kompetenz führte das Team Josef Minarsch-Engisch und Gisela Wolf durch, die diesen bereits im Vorjahr im Rahmen der Mentorenausbildung gestaltet hatten. Die weiteren Module hatten die Ethnien der Türkei, Osteuropa und Afrika zum Inhalt. Die Referentin war Nina Bratkoff, World-Experts – Direktanbieter für interkulturelle Trainings, die im Workshop „Bür- ger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürger- schaftlichen Engagements“ einen einführenden Input gegeben und die Arbeitsgruppe Zuwanderung II mo- deriert hatte. 3. Maßnahmen zur Umsetzung der Ergebnisse 3.3. MASSNAHMEN ZUR UMSETZUNG DER ERGEBNISSE 18 Die Kurse beinhalten jeweils die Themen • kulturell geprägte Werte und Einstellungen, • wissenswertes aus der Geschichte des jeweiligen Landes für das Selbstbild und die Identität der Be- wohnerinnen und Bewohner, • Religion, Tradition und Moderne, • gegenseitige Wahrnehmung der Kulturen, • soziokulturelle Hintergründe für typische Verhal- tensweise, • Werteorientierungen, Normen und Tabus, • die Rolle der Frau, • Konfliktverständnis, Konfliktverhalten und Problem- lösungsstrategien und • Umgangsformen im Alltag. 3.3 Spezielle Qualifi zierung für Lesepatinnen und Lesepaten In Karlsruhe leben ca. 5000 Kinder zwischen drei und zehn Jahren, die Migrationshintergrund haben. An insgesamt 53 Grundschulen und Kindertagesstätten engagieren sich ca. 200 Lesepatinnen und Lesepaten, indem sie einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen in den Einrichtungen vorlesen. Das ursprüngliche Ziel war, durch Vorlesen die Lesemotivation der Kinder zu stärken. Ein Teil der Kinder hat Migrationshintergrund und braucht zusätzliche Förderung. Die Lesepatinnen und Lesepaten engagieren sich für diese Kinder ganz be- sonders, so dass eine spezielle Qualifizierung für die Ehrenamtlichen im Hinblick auf die interkulturelle Kompetenz sinnvoll schien. In den Jahren 2009 und 2010 boten wir jeweils einen Grundkurs zum Thema interkulturelle Kompetenz an, den das Team des Lernprojekts kreativlernen, Bojana Sarenkapa und Karin Köstner, durchführten. Der Kurs beinhaltete u. a. einen theoretischen Input, Work- shops für praktisches interkulturelles Arbeiten sowie zu den individuellen Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Das Projekt kreativlernen bietet Bil dungsangebote von der Vorschule bis hin zur Erwachse nenbildung. Die Initiatorinnen sind auf Lerntherapie bei Dyskal- kulie, Legasthenie, AD(H)S, Hochbe gabtenförderung, Fremdsprachenunterricht und Deutsch training spe- zialisiert. Bojana Sarenkapa studierte Soziologie, Philosophie und komparative Literatur an der Universität Sarajevo, bildete sich an der Fachhochschule Nordwestschweiz für integrative Begabungs- und Begabtenförderung weiter, war u. a. als Betreuerin und Übersetzerin beim Begegnungs- und Beratungszentrum für Flüchtlinge in Karlsruhe tätig, gründete eine Muttersprachen- schule für Kinder in Karlsruhe und den Verein Initia- tive für Lern- und Begabungs förderung. Karin Köstner ist Diplom-Politologin, Lerntherapeutin, Dozentin und Bewerbungscoach. Sie studierte an der Freien Universität Berlin, legte ihr Staatsexamen in Amsterdam ab und ist langjährig in der interkul tu- rellen Arbeit tätig, unter anderem für den Verband binationaler Familien und Partnerschaften e. V. Weiterhin wurde der Gesprächskreis „Einblicke in das islamische Familienleben“ angeboten, den die Tunesierin Najoua Benzarti durchführte. Sie referierte über den Unterschied zwischen traditioneller und is- lamischer Lebensweise, über die Stellung der Frau im Islam und über das alltägliche Leben im Islam. Najoua Benzarti studierte Betriebswirtschaft in Tune- sien, Volkswirtschaft an der Universität Karlsruhe und islamische Theologie in Hessen. Sie ist Gründungs- mitglied der Elterninitia tive „Halima - unabhängiger Kindergarten von Muslime e. V.“, der Christlich-isla- mischen Gesellschaft Karlsruhe (CIG) e. V., des mus- limischen Sportvereins e. V. und der der „Islamischen internationalen Frauengemeinschaft Karlsruhe und Umgebung e. V.“ (IIFG). Sie ist Vorsitzen de der IIFG und die muslimische Leiterin der Frauen kommission der CIG. Einen weiteren ethnischen Gesprächskreis über Ein- blicke in das türkische Familienleben führte Nelly Finger durch. Sie referierte über die traditionelle Erziehung und deren Auswirkungen im Alltag, über Rituale in der türkischen Erziehung und über die Be- deutung von Spielen, Malen und Lesen in der Ent- wicklung der Kinder. Nelly Finger ist Dipl. Psychologin und sozialpädago- gische Familienhelferin. Sie verfasste ihre Diplomar- beit zum Thema „Erziehungsstile türkischer Mütter“. Ihre Arbeitsschwerpunkte sind unter anderem Verhal- tenstherapie, Kinder- und Jugenddiagnostik, das Mar- burger Konzentrationsprogramm, Bewegungsthe rapie und Erlebnispädagogik. Sie arbeitete acht Jahre als Deutschlehrerin für Mi grantinnen und Migranten. Im Inter nationalen Café der Nebe nius-Grundschule Karlsruhe bietet sie Erziehungsberatung an und ist Referentin für Migra tionsfragen. 3. MASSNAHMEN ZUR UMSETZUNG DER ERGEBNISSE 19 3.4 Fortbildung für Migrantinnen Die Vorsitzende des Türkischen Elternvereins Karls- ruhe und Umgebung e. V., Hülya Eksi-Yilmaz, die auch als Beispielgeberin am Workshop „Bürger ei- ner Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaft- lichen Engagements“ mitgewirkt hatte, hatte an drei Grundschulen in Karlsruhe Elterncafés initiiert. Die El- terncafés dienen als Treffpunkt und zum Erfahrungs- und Informationsaustausch vor allem für Mütter mit Migrationshintergrund. Auf Anregung der Initiatorin boten wir im Jahr 2010 für die Teilnehmerinnen an den Elterncafés mit Migra- tionshintergrund einen mehrtägigen Rhetorikkurs an. Ziel des Kurses war, das Selbstwertgefühl der Teilneh- merinnen zu stärken und sie zu ermutigen, öffentlich aufzutreten. Den Kurs führte der Mentorentrainer und Dipl. Psychologe Dr. Jean-Louis Zambujo durch. Der Pilotkurs wurde sehr gut angenommen, so dass er im Jahr 2010 ein zweites Mal angeboten wird. 3.5 jes-Projekt „Perspektivenwechsel – In- tegration aus Sicht der Migrantinnen“ Die Stadt Karlsruhe hatte das jes-Programm zum 1. Januar 2009 übernommen, nachdem die Baden- Württemberg-Stiftung gGmbH die Finanzierung zum 31. Dezember 2008 beendet hatte. Karlsruhe ist als jes-Standort zertifiziert. In Zusammenarbeit mit der Pädagogischen Hoch- schule Karlsruhe, Prof. Dr. Sabine Liebig, initiierte die Bürgermentorin Renate Braun-Schmitz vom 12. Oktober 2009 bis 20. April 2010 das jes-Projekt „Per- spektivenwechsel - Integration aus Sicht der Migran- tinnen“. Der Hintergrund war, dass es über Migration zwar viele Forschungsarbeiten gibt, doch die Perspektive der Migrantinnen wurde bisher wenig beachtet und untersucht. 21 Studentinnen der Pädagogischen Hochschule er- forschten die Biografien von Migrantinnen aus 17 Ländern, deren Motivation zur Emigration, ihre ur- sprünglichen Zukunftsvorstellungen und ihre per- sönliche Entwicklung in Deutschland. Sie fragten außerdem nach ihren Erziehungskonzepten und nach dem Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Die Interviews wurden anonymisiert. Die Studentinnen erhielten eine Einführung zu Mi- gration allgemein und zu Migration aus weiblicher Sicht. Danach wurden die Interviewpaare gebildet. Die Präsentation erfolgte zusammen mit den Migran- tinnen im geschützten Rahmen der Hochschule. Eine öffentliche Präsentation fand am 21. Februar 2010 im Internationalen Begegnungszentrum, eine weitere im Rahmen der jes-Zertifizierung am 20. April im Rat- haus am Marktplatz statt. Sie wird in geeigneter Form den Fachstellen für Migration in Karlsruhe und dem Migrationsbeirat zur Verfügung gestellt. Das Projekt bot den Studentinnen ein praktisches Übungsfeld für die Arbeit mit Migrantinnen, die sie im Rahmen ihrer späteren Lehrtätigkeit an Schulen weiterführen können. Ihre Handlungsmöglichkeiten im Umgang mit Kindern und Jugendlichen mit Mi- grationshintergrund wurden dadurch erweitert. Die Intergrationsbereitschaft wurde dadurch auf beiden Seiten gestärkt. 3.6 Veröffentlichungen über ehrenamt- liches und freiwilliges Engagement Die StadtZeitung ist das Presseorgan der Stadt Karls- ruhe. Sie erscheint wöchentlich am Freitag als Beila- ge zur kostenlosen Wochenzeitung und wird an alle Haushalte in Karlsruhe verteilt. In loser Folge erscheinen dort in der Rubrik „ich habe Zeit für andere“ Veröffentlichungen über ehrenamt- lich und freiwillig Engagierte aus den verschiedenen Bereichen des bürgerschaftlichen Engagement. Bisher beschreiben drei Veröffentlichungen den Einsatz von und für Migrantinnen und Migranten. Der Kameruner André Simo engagiert sich bei der Hausaufgabenbetreuung eines Karlsruher Wohl- fahrtsverbands und ist Mitbegründer des Edukativen Zentrums e.V. Er lernte die deutsche Sprache durch Selbststudium und spricht fließend französisch und englisch. Der studierte Betriebswirt betreibt eine private Arbeitsvermittlung für Migrantinnen und Mi- granten. Beim Schreibwettbewerb WendePunkte der 3.3. MASSNAHMEN ZUR UMSETZUNG DER ERGEBNISSE 20 Aktion Mensch und des Deutschen Roten Kreuzes wurde er 2008 für seinen Einsatz als Helfer in der Not prämiert. Klaus Heckfuß gibt zweimal wöchentlich ehrenamt- lich Sprachunterricht für Asylbewerberinnen und -bewerber im Menschenrechtszentrum, die aus der benachbarten Landesaufnahmestelle für Asylbewer- ber Baden-Württemberg kommen. Dazu hatte der Soziologe und Bürokaufmann eine eigene Methode nach dem Prinzip „Learning by Doing“ entwickelt. Der Vorsitzende des Kleingartenvereins Steinäcker, Juri Hahn, wurde in Kasachstan geboren. Er ist der Verbindungsmann zwischen 147 Parzellen und dem Bezirksverband der Gartenfreunde e. V., dem alle Kleingartenvereine angehören. Er sorgt auch für ein harmonisches Zusammenleben zwischen den Men- schen, die aus unterschiedlichen Kulturen kommen. 3.7 Weitere Planungen Die weiteren Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration und dem Internationa- len Begegnungszentrum geplant. Vorgesehen ist im ersten Halbjahr 2011 eine Diskussionsveranstaltung, bei der alltagstaugliche Beispiele gelungener Integra- tionsmaßnahmen aus Vereinen und Initiativen vorge- stellt werden. Die Veranstaltung dient als Startpunkt für ein Konzept zur Vernetzung gemeinnütziger und ehrenamtlicher Vereinigungen. Das Forum Ehrenamt wird nach der Neubesetzung im zweiten Halbjahr 2010 in die Konzeptentwicklung eingebunden. Das Qualifizierungsprogramm wird im beschriebenen Um- fang weitergeführt und bedarfsorientiert erweitert. DANKSAGUNG AN DIE MITWIRKENDEN 21 Danksagung an die Mitwirkenden Wir danken für die engagierte Unterstützung bei der Durchführung des kommunalen Entwicklungsbau- steins „interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ bei den ehrenamtlich und hauptamt- lich Mitwirkenden • Ersan Akyüz, • Najoua Benzarti, Bürgermentorin und Vorsitzende des Internationalen islamischen Frauengemein- schaft e. V. Karlsruhe (IIFG), • Nina Bratkoff, World-Experts - Direktanbieter für interkulturelle Trainings, • Renate Braun-Schmitz, Bürgermentorin, • Hülya Eksi-Yilmaz, Vorsitzende des Türkischen Frau- envereins Karlsruhe und Umgebung e. V., • Edwin Feser, Gründer der Abteilung Gorodki im Sportzentrum Südwest Hardeck-Oberreut 1950 e. V. , • Bernd Gindner, Sportzentrum Südwest Hardeck- Oberreut 1950 e. V., • Thomas Haigis, Leiter des Referats für Bürgerbetei- ligung und Stadtentwicklung Filderstadt, • Juri Hahn, Vorsitzender der Kleingartenanlage Steinäcker, • Rolf Kamuf, Moderator bei der Entwicklung der Karlsruher Leitlinien zur Integration, • Alois Kapinos, Integrationsbeauftragter der Stadt Karlsruhe i. R., • Ralf Kappler, Internationales Begegnungszentrum, • Nilgün Kaya, Vorsitzende des türkischen Frauenver- eins Karlsruhe und Umgebung e. V., • Hans-Gerd Köhler, Geschäftsführer des Caritasver- bands Karlsruhe e. V., • Claus-Dieter Luck, Ansprechpartner für Ehrenamt- liche im Caritasverband Karlsruhe e. V. und Leiter des Beratungszentrums Caritashaus, • Salahdin A. Maow, Vorsitzender der Ogaden-Di- rekthilfe und Bürgermentor, • Dieter Nees, Deutscher Harmonika Verband e. V. (DHV), Vizepräsident des DHV Baden-Württemberg und Bezirksvorsitzender des DHV Karlsruhe-Nord- baden, • Ursula Rossbach, Mentorentrainerin, • Prof. Dr. Caroline Y. Robertson von Trotha, Direk- torin des Zentrums für Angewandte Kulturwissen- schaft und Studium Generale Karlsruhe (ZAK), • Andrea Sauermost, PR-Beraterin, • Marion Schuchardt, Internationales Begegnungs- zentrum, • Marion Schutt, Höfling & Partner - Entwicklung + Training, Heidelberg, • Dr. Ralf Vandamme, Städtetag Baden-Württemberg, Fachberater StädteNetzWerk, • Wolfgang Walter, stellvertretender Vorsitzender des Bezirksverbands der Gartenfreunde e. V., • Siegried Wagner, Büro für Integration, • Ralph Zielosko, Vorsitzender der Bürger-Gesell- schaft der Südstadt e. V., • Dr. Jean-Louis Zambujo, Dipl. Psychologe und Men- torentrainer und den Mitgliedern des Forums Ehrenamt. Danksagung an die Mitwirkenden ANLAGEN 23 Anlagen ANLAGEN 24 Anlage 1 Kommunaler Entwicklungsbaustein: Interkulturelle Öffnung des bürgerschaft- lichen Engagements - Auswertung der Befragung im November 2007 1. Begriffsdefi nition: Menschen mit Migrationshintergrund Mit Stand 2006 sind 40.621 der 300.134 Wohnberechtigten in Karlsruhe Ausländer (13,5 %). 26.757 Deutsche (8,9 %) haben Migrationshintergrund. Unter dem Begriff „Migrationshintergrund“ wird verstanden: - Ausländer mit eigener Migrationserfahrung, - Ausländer ohne eigene Migrationserfahrung, - Eingebürgerte mit eigener Migrationserfahrung, - Eingebürgerte ohne eigene Migrationserfahrung, - Deutsche ohne eigene Migrationserfahrung (Ein Elternteil ist Migrant oder Migrantin.), - deutsche Zuwanderer ohne Einbürgerung. Nicht nur die jeweilige Nationalität, sondern auch die unterschiedlichen Migrationshinter- gründe erfordern dementsprechend differenzierte Ansätze, um eine Integration erfolgreich zu unterstützen. 2. Befragung ehrenamtlich und gemeinnützig tätiger Organisationen zur interkultu- rellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements Befragt wurden 1430 bürgerschaftlich engagierte Organisationen in Karlsruhe, von denen 333 (23 %) antworteten. Die Organisationen wurden befragt, in welchen Stadtteilen sie aktiv sind, ob sie Angebote für spezielle Zielgruppen haben, wie viele ihrer Mitglieder Mi- grationshintergrund haben, in welchen Stadtteilen sie aktiv sind und aktive Aufgaben in der Organisation übernommen haben, welche Integrationsleistung sie bereits erbringen und welche Unterstützung sie sich für diese und weitere Leistungen wünschen. Die Ergebnisse wurden zudem nach den Sparten aufgeschlüsselt, die im Forum Ehrenamt vertreten sind: Kinder, Jugend, Frauen, Senioren, Zuwanderung, Gesundheit - Menschen mit Behinderung, Selbsthilfe, Sport, Kultur, Umwelt, Karlsruher Fasnacht, Kirche - Religion, Wohlfahrt, Rettungsdienste und Bürgervereine. 2.1 Aktivitäten in den Stadtteilen 165 Organisationen gaben an, in der ganzen Stadt oder in mehreren Stadtteilen aktiv zu sein. 137 Vereinen und Initiativen sind in einzelnen Stadtteilen, 105 auch außerhalb von Karlsruhe tätig. Mehrfachnennungen waren möglich. ANLAGEN 25 Zwischen der Anzahl der Wohnberechtigten im Stadtteil und der Anzahl der aktiven Or- ganisationen besteht offenbar kein Zusammenhang. Es scheint jedoch, als sei das bürger- schaftliche Engagement in den Stadtteilen besonders hoch, in denen ein starker sozialer Zusammenhalt gewachsen ist. Rang Stadtteil aktive Organisa- tionen alle Wohn berechtigten Wohnberechtigte mit Migrationshintergrund in Prozent 1Durlach3031496663821,1 1Mühlburg3016824486128,9 3Neureut2217250299217,3 4Innenstadt-West2010334309930,0 5Beiertheim-Bulach15686099014,4 5Oststadt1520117596029,6 7Rüppurr141106310149,2 7Südweststadt1420343421720,7 7Waldstadt1413214303222,9 10Daxlanden1312255200916,4 10Grötzingen139974130413,1 10Innenstadt-Ost136768256137,8 10Knielingen139320179519,3 10Nordweststadt1311733245120,9 15Hagsfeld117368179524,4 16Südstadt1016218579035,7 17Nordstadt99832148425,3 17Weiherfeld-Dammerstock9645679012,2 19Grünwettersbach842482616,1 19Grünwinkel810681222120,8 21Hohenwettersbach729182277,8 21Palmbach718051075,9 21Rintheim75948144624,3 21Weststadt720644517925,1 25Oberreut610128357535,3 25Wolfartsweier6345839211,3 27Stupferich428791886,5 Summe33830013466378 Stand: 2006 2.2 Engagement nach Sparten Die meisten Rückmeldungen kamen aus der Sparte Kultur (Musik- und Kunstvereine u. ä.), in der die meisten Menschen mit Migrationshintergrund eine aktive Aufgabe übernommen haben. Der Bereich Umwelt rangiert an zweiter Stelle. Der Bezirksverband der Gartenfreunde mit ca. 2.300 Mitgliedern hatte ca. 40 Funktionsträger mit Migrationshintergrund ange- geben. An dritter Stelle stehen die Organisationen aus der Sparte Zuwanderung, also die Vereinigungen der Menschen, die selbst Migrationshintergrund haben, sich mit Zuwande- rungsfragen oder mit internationalen Anliegen befassen. Der Sportbereich folgt mit großem Abstand an vierter Stelle. ANLAGEN 26 Sparte alle angeschriebenen Organisationen Anzahl der Ant- worten in Prozent Funktionsträger mit Migrationshintergrund 1.Kultur2876723198 2.Umwelt148342391 3.Zuwanderung117242185 4.Sport286572056 5.Kirche, Religion37112839 6.Jugend3192915 7.Frauen6791314 8.Andere1475014 9.Fasnacht4271712 10 Selbsthilfe18441284 11. Bürgervereine2610382 12. Kinder447161 13. Senioren3711280 14. Wohlfahrt2210450 15. Gesundheit, Menschen mit Behinderung 458180 16. Rettungsdienste437160 Summe1430319531 Die Frage, welche Aufgaben genau diese Funktionsträger wahrnehmen, wurde teilweise nicht beantwortet. Am häufigsten wurden Übungsleiterfunktionen oder das Engagement in Projekten genannt. Erst an dritter Stelle stehen Vorsitz- oder Sprecherpositionen. Die meisten Übungsleiter mit Migrationshintergrund (13) sind im Sport tätig. In der Sparte Zuwanderung haben 33 aktive Mitglieder mit Migrationshintergrund Leitungs- aufgaben, davon sieben mit Vorsitz- oder Sprecherfunktion. Knapp 21 Prozent der Befragten aus der Sparte Zuwanderung beantworteten den Fragebogen. Dies ist etwas niedriger als die durchschnittliche Rücklaufquote von 23 %. FunktionAnzahl Leiterin oder Leiter von Gruppen und Initiativen (z. B. Kinder- und Jugendgruppen, Übungsleiter)37 Leitung oder Mitwirkung bei Projekten, wie z. B. bei der Organisation und Durchführung von Festen, Ausfl ügen 35 Vorsitz, stellvertretender Vorsitz, Sprecherin, Sprecher21 Beisitzer17 Schriftführer15 Kassenwart10 Pressesprecher3 Summe138 ANLAGEN 27 2.3 Angebote für spezielle Zielgruppen Die Vereine und Initiativen bieten in erster Linie spezielle Angebote für Kinder und Jugend- liche sowie an dritter Stelle für Frauen an. ZielgruppenAnzahl Kinder124 Jugendliche122 Frauen115 Senioren99 Männer95 Familien72 Menschen mit Behinderungen52 Summe679 2.4 Aktivitäten zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund Die Angebote, die auf die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind, sind im Verhältnis zu den Angeboten für spezielle Zielgruppen eher gering. Es kann aber angenommen werden, dass deutlich mehr Aktivitäten in dieser Richtung durchgeführt werden, die die Anbieter aber als selbstverständlich betrachten und daher nicht als „spezi- elles Angebot“ erkennen. Als häufigste Aktivität werden offene Zusammenkünfte genannt, die der Geselligkeit und des Austauschs dienen. AktivitätAnzahl Austauschmöglichkeiten, Stammtische, gesellige Abende51 Interkulturelle Abende31 Unterstützung bei Behördengängen, Antragstellungen etc.29 Sprachförderung für Erwachsene20 Sprachförderung für Kinder und Jugendliche14 Patenschaften zwischen Personen unterschiedlicher nationaler Herkunft8 Summe153 2.5 Finanzierung der Aktivitäten Die Organisationen finanzieren ihre Aktivitäten in erster Linie aus Mitgliedsbeiträgen und Spenden. Die Zuschüsse von Krankenkassen basieren auf einem gesetzlichen Anspruch, nachdem 0,50 Euro pro Kassenmitglied der Selbsthilfe zur Verfügung gestellt werden muss. Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln etc. rangieren auf dem dritten Platz. FinanzierungsartAnzahl 1Mitgliedsbeiträge78 2Spenden75 3Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln44 4Eintrittgeld, Kursbeiträge, Kostenbeiträge31 5Projektmittel von Stiftungen20 6Private Finanzierung8 7Zuschüsse von Krankenkassen6 8Veranstaltungen5 9Eigenmittel der Organisation4 9Kirchliche Mittel4 11Verkauf3 11Anderes3 ANLAGEN 28 3. Gewünschte Unterstützung Am meisten wünschen sich die Organisationen, dass ihre Aktivitäten in der Öffentlichkeit bekannt werden. Diese Haltung ist z. B. auch bei der Teilnahme an Wettbewerben oder der Meile des Engagements zu beobachten. Die öffentliche Anerkennung z. B. durch Bericht- erstattung in den Medien, durch die Veröffentlichung in einer Broschüre oder durch die Einladung zu einem Empfang ist wichtiger als ein Geldpreis. An zweiter bzw. dritter Stelle wünschen sie sich Austauschmöglichkeiten mit anderen Ver- einen und möchten Projektideen kennen lernen, für die sie gerne Unterstützung bei der Durchführung hätten. Der Wunsch nach finanzieller Unterstützung bzw. Bereitstellung von hauptamtlichem Personal wird an dreizehnter Stelle genannt. MaßnahmenAnzahl 1Präsentation ihrer Aktivitäten in der Öffentlichkeit65 2Austauschmöglichkeit mit anderen Vereinen und Initiativen54 3Projektideen kennen lernen50 4Unterstützung bei der Planung und Durchführung von Projekten47 5Bereitstellung von Räumen z. B. für Gruppentreffen, Veranstaltungen38 6Formelle Anerkennung ihrer Aktivitäten durch die Stadt Karlsruhe (Ehrung)37 7Qualifi zierungsangebote, z. B. um kulturelle Eigenheiten kennen zu lernen31 8Patenschaften zwischen Personen unterschiedlicher nationaler Herkunft16 9Integrationskonzept, Sprachförderung12 10Gemeinsame Aktivitäten (z. B.: Religion, Kunst, Sport, Ausfl üge)11 11Information über Angebote, Vereinsleben, mehrsprachige Informationen, Vereinsrecht etc.10 11Interesse der Menschen mit Migrationshintergrund wecken10 13Finanzielle Unterstützung, hauptamtliches Personal8 14Kontakte, Netzwerke herstellen, persönliche Ansprache7 15Information über Anzahl der Menschen mit Migrationshintergrund im Stadtteil3 15Dolmetscher, Gruppenleiter mit entsprechenden Sprachkenntnissen3 ANLAGEN 29 4. Weitere Anregungen - einzelne Aussagen Bei der Frage „Haben wir etwas vergessen?“ konnten weitere Anregungen und Wünsche geäußert werden. Im Folgenden ist eine Auswahl aufgeführt. Angebote zum besseren Kennenlernen • Es fehlen Angebote zum besseren kennenlernen. Eine Kontaktbörse. Kennen-Lern-Parties. Neubürger kennen evtl. die Möglichkeiten nicht. Hier sollte die Stadt laufende Veranstal- tungen organisieren mit Beteiligung der Vereine. So etwas muss aktiv betreut werden. • Ich wäre daran interessiert, direkte Kontakte bezüglich der interkulturellen Öffnung zu knüpfen, um dadurch zum Gelingen beitragen zu können. Gemeinsame Aktivitäten • Da Musik im Zentrum unserer Aktivitäten steht, waren besondere Integrationsmaßnahmen nie erforderlich. Musik verbindet von sich aus. • Für 2008 war mein Gedanke, auch Lesungen von in- und ausländischen Mitgliedern bei anderen Organisationen durchzuführen. Interesse der Menschen mit Migrationshintergrund wecken • Die Integration von Menschen und Mitbürgern ist nur dann möglich, wenn ihrerseits auch Interesse an unserem Sportangebot und an unserem Verein besteht. • Die Migranten bleiben oft unter sich. Ziel wäre ein Mitwirken in den Vereinsabteilungen. • Wir haben im Stadtteil ca. 160 ausländische Mitbewohner, die sich teilweise bei den 17 Vereinen integriert haben. Von ihnen kommen aber keine Anregungen. Persönliche Ansprache • Wenn Ausländerkinder bei unseren Freizeiten sind, bemühen wir uns intensiv, alles Wich- tige im Gespräch abzuklären und lassen die Eltern nicht mit Fragebögen allein. • Unsere Literatur gibt es in über 20 Sprachen. Menschen mit Migrationshintergrund können in ihrer eigenen Sprache lesen und in den Treffen lernen, in deutscher Sprache darüber reden. • Ich habe schon mit Personen, deren Muttersprache nicht deutsch war, telefoniert. In der Gruppe ist mir aber noch kein Gast aufgefallen. Vielleicht muss man bei Gesundheitsfra- gen in die einzelnen Landmannsgruppen gehen und ihre Sprache beherrschen. ANLAGEN 30 Sprachförderung • Für die Patientenbücherei wäre es wichtig, Bücher in „Fremdsprache“ (türkisch/russisch) qualifiziert anzubieten. Die Frauenklinik ist für uns ein wichtiger Brennpunkt. • Im Sanitätsdienst können leider nur Migranten mit sehr guten Sprachkenntnissen die anspruchsvolle Ausbildung absolvieren und bestehen. Deshalb ist trotz unserer internati- onalen Gestaltung dort der Migrantenanteil zwangsläufig niedrig. • Ein „Einzug der Muttersprache“ ist keine Integrationsförderung. Muttersprachlicher Un- terricht fördert Selbstbewusstsein. Ich kann eine ganze Menge, nur NOCH NICHT auf Deutsch. Unser Verein ist offen für alle • Das Engagement bei der Feuerwehr ist unabhängig von der Herkunft. Ausnahme: Berufs- feuerwehr - Beamtenrecht - nur EU-Bürger. • Unser Angebot richtet sich an Personen, die Sport treiben wollen. Die Integration der Sportkameraden mit Migrationshintergrund stellte bislang keinerlei Problem dar und er- forderte keine besonderen Maßnahmen/Aktionen etc. • Wir haben festgestellt, dass es kulturelle und sprachliche Unterschiede gibt, aber auch Gemeinsamkeiten. Jeder muss ein Stück zu- und abgeben um gemeinsame Ziele zu er- reichen. • Wir machen keine Unterschiede hinsichtlich Herkunft, Religionszugehörigkeit. Wir sind interessiert an Personen und Organisationen, die sich mit Demenz befassen möchten. Präsenz der Stadtverwaltung • Präsenz von Mitgliedern der Stadtverwaltung bei diversen Anlässen, Ereignissen, Ge- sprächen ist wichtig! ANLAGEN 31 Anlage 2 Interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements – Befragung zu den Aktivitäten in Vereinen und Initiativen 2007 Bitte senden Sie den Fragebogen bis spätestens 23. November 2007 zurück an die: Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung - Aktivbüro - 76124 Karlsruhe 1) Angaben zu Ihrer Organisation: Organisation Ansprechpartner/in Anschrift Tel. Fax: E-Mail 2) In welchem Stadtteil ist Ihre Organisation aktiv? (Bitte alles Zutreffende ankreuzen !) In der ganzen StadtInnenstadt-OstRintheim Außerhalb von KarlsruheInnenstadt-WestRüppurr Beiertheim-BulachKnielingenStupferich DaxlandenMühlburgSüdstadt DurlachNeureutSüdweststadt GrötzingenNordstadtWaldstadt GrünwettersbachNordweststadtWeiherfeld-Dammerstock GrünwinkelOberreutWeststadt HagsfeldOststadtWolfartsweier HohenwettersbachPalmbach 3) Wie viele Mitglieder hat Ihre Organisation ungefähr? 4) Gibt es in Ihrer Organisation Angebote für spezielle Zielgruppen (z. B. für Kinder, Jugendliche, Senioren)? Ja Nein weiß nicht 5) Wenn ja, gibt es Angebote für ...? (Bitte alles Zutreffende ankreuzen !) KinderFrauenSenioren JugendlicheMännerMenschen mit Behinderungen FamilienAndere, nämlich: 6) Gibt es in Ihrem Verein bzw. in Ihrer Initiative Mitglieder, die einen Migrationshintergrund haben? Ja Nein weiß nicht 7) Wenn ja, wie viele Personen sind das ungefähr? Fax: 0721/1331279 E-Mail: aktivbuero@afsta.karlsruhe.de ca. ca. ANLAGEN 32 Wenn Sie zu den Fragen 6) und 7) keine Angaben machen konnten, gehen Sie bitte weiter zu Frage 10). 8) Wie viele Mitglieder mit Migrationshintergrund haben aktive Aufgaben übernommen (z. B. Mitglied im Vorstand, Übungsleiter)? 9) Welche Aufgaben oder Funktionen haben sie? (Bitte alles Zutreffende ankreuzen !) Vorsitz, stellvertretender Vorsitz, Sprecherin, Sprecher Kassenwart Schriftführer Pressesprecher Beisitzer Leiterin oder Leiter von Gruppen und Initiativen (z. B. Kinder- und Jugendgruppen, Übungsleiter) Leitung oder Mitwirkung bei Projekten, wie z. B. bei der Organisation und Durchführung von Festen, Ausfl ügen Anderes, nämlich: 10) Gibt es in Ihrem Verein bzw. in Ihrer Initiative gezielte Aktivitäten, die auf die Integration von Menschen mit Migrationshintergrund ausgerichtet sind? Ja Nein weiß nicht 11) Wenn ja, welche Aktivitäten sind das? (Bitte alles Zutreffende ankreuzen!) Interkulturelle Abende Unterstützung bei Behördengängen, Antragstellungen etc. Sprachförderung für Kinder und Jugendliche Sprachförderung für Erwachsene Patenschaften zwischen Personen unterschiedlicher nationaler Herkunft Austauschmöglichkeiten, Stammtische, gesellige Abende Anderes, nämlich: 12) Wie fi nanzieren Sie diese Aktivitäten – falls dabei Kosten anfallen? (Bitte alles Zutreffende ankreuzen!) Mitgliedsbeiträge Eintrittsgeld, Kursbeiträge, Kostenbeiträge Spenden Zuschüsse aus öffentlichen Mitteln Projektmittel von Stiftungen Anderes, nämlich: ca. ANLAGEN 33 Wenn Sie die Frage 10) mit „Nein“ oder „weiß nicht“ beantwortet haben: 13) Gab es zurückliegend in Ihrer Organisation solche Aktivitäten? o Ja o Nein o weiß nicht Wenn Ja: 14) Warum wurden diese Aktivitäten nicht weitergeführt? Bitte nennen Sie Stichworte! 15) Welche Unterstützung würde Ihre Organisation vor allem benötigen, um Menschen mit Migrationshintergrund noch besser ins Vereinsleben oder in die Tätigkeit Ihrer Initiative einzubeziehen? (Bitte alles Zutreffende ankreuzen!) Unterstützung bei der Planung und Durchführung von Projekten Qualifi zierungsangebote, z. B. um kulturelle Eigenheiten kennen zu lernen Austauschmöglichkeit mit anderen Vereinen und Initiativen Projektideen kennen lernen Präsentation Ihrer Aktivitäten in der Öffentlichkeit Patenschaften zwischen Personen unterschiedlicher nationaler Herkunft Formelle Anerkennung Ihrer Aktivitäten durch die Stadt Karlsruhe (Ehrung) Bereitstellung von Räumen z. B. für Gruppentreffen, Veranstaltungen Anderes, nämlich: 16) Haben wir etwas vergessen? Sollte aus Ihrer Sicht ein wichtiger Aspekt bei der Integration von Menschen mit unterschiedlicher nationaler Herkunft in Vereine und Organisationen fehlen, sprechen Sie den Sachverhalt bitte hier an: Bitte senden Sie den Fragebogen auch dann an uns zurück, wenn Sie ihn nicht vollständig ausfüllen konnten. Wir möchten uns bei den ersten 400, die den Fragebogen zurück senden, mit einem kleinen Präsent bedanken. Datum, Unterschrift ANLAGEN 34 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) Interkulturelle Öffnung des bürgergesellschaftlichen Engagements 6. März 2009 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) 2*1()2*12/ *(1619,1$/)2*12/ *(161 /-!*$+$2,#$/0.$)1(3$,#$/+2*1()2*12/$**$,$0$**0"' %1 /-%/ /-*(,$-!$/10-,3-,/-1' InterkulturelleÖffnungdesbürgergesellschaftlichen Engagements 6.März2009 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) Übersicht O 5:2K4>A:35:0519A8@57A8@A>18811?188?/4-2@ O ?<17@101>:@13>-@5;: O ?<17@101?K>31>1:3-3191:@? ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Deutschland – eine multikulturelle Gesellschaft? !14>-8?15:*51>@1801>A:@1>I4>531:A:0>A:0 $>;E1:@01>A:@1>I4>531:5:1A@?/48-:0 4-.1:15:1:!53>-@5;:?45:@1>3>A:0 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Kinder und Integration ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Kinder und Integration 51:@13>-@5;:9A??.1>15@?59 5:01>3->@1:A:05:01>*;>?/4A81.135::1: A98-:32>5?@531>2;83>15/4?15:EA7J::1: Anlage 3 Input „Multikulturalität – Interkulturalität? Probleme und Perspektiven der multi- kulturellen Gesellschaft“ von Prof. Dr. Caroline Y. Robertson von Trotha ANLAGEN 35 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Ausländer in Deutschland seit 1950 !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Migrationserfahrung in Deutschland !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Ausländeranteil in Deutschland (2005) Quelle: Berlin-Institut !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) 1BJ871>A:3A:@1>-4>1::-/4!53>-:@1:3>A<<1:5:-01:+K>@@19.1>3 Quelle: Mikrozensus 2005, Bevölkerung am Wohnsitz der Lebensgemeinschaft Migrantengruppen in BaWü (2005) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) These '@I0@1A:0'@-0@@1581.5801:-88@I385/4B5>A81:@1 >5?@-885?-@5;:?<A:7@15:01:1:A:@1>?/451085/41 A8@A>1:A:0 1.1:??@581-A215:-:01>@>1221:?25:01: ?;C;48$>;E1??101>31?188?/4-2@85/41::@13>-@5;:-8? -A/401>1?5:@13>-@5;:?@-@@ 51>5?@.K>31>?/4-2@85/41?:3-3191:@312>-3@ !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) ANLAGEN 36 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Karlsruhe 2006 1 #11$(*$)1(3$ /& ,(0 1(-,$, **$ -',!$/$"'1(&1$ -',!$/$"'1(&1$+(1 (&/ 1(-,0'(,1$/&/2,# ,/-5$,1 2 /* "' ::1:?@-0@+1?@ 0101 #1 'K0C1?@?@-0@ ::1:?@-0@#?@ 8#01 #1 +1?@?@-0@ ->8?>A41 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ These '@-0@@15817J::1:15:1:*;>@158.1501>:@13>-@5;: 4-.1:C158?51 K.1>?/4-A.->1>?5:0'51B1>2K31: -A/44IA253 K.1>15:11531:101:@5@I@05101: ?;E5-81:,A?-991:4-:3?@I>71:7-:: ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Integrationsthese #4:115::@13>-@5;:?7;:E1<@C5>0:@13>-@5;:?<;85@57 01:?@1531:01::2;>01>A:31:5:EA:1491:0 38;.-85?51>@1:'@I0@1::5/4@31>1/4@:15:19 1?-9@7;:E1<@9K??1:78->1,5181 )9?1@EA:3??@>A7@A>1:A:0'@1A1>A:3?7;:E1<@1?;C51 N'/48K??18I9@1>M7@1A>1A:0 NK991>1>M -A201> '@-0@@1581.1:1.1:-::@C1>01: !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Definition von Integration :@13>-@5;:5?@15:8-:32>5?@531>$>;E1??'15:,5185?@1? -881!1:?/41:0510-A1>4-2@A:0>1/4@9IH535:1A@?/48-:0 81.1:5:0511?188?/4-2@15:EA.1E5141:,AC-:01>1>:?;8815:1 A92-??1:01A:03815/4.1>1/4@53@1(1584-.15:-881: 31?188?/4-2@85/41:1>15/41:1>9J385/4@C1>01:'51?@141: 0-2K>5:01>$285/4@1A@?/4EA81>:1:?;C51051*1>2-??A:3A:0 0511?1@E1EA71::1:EA>1?<17@51>1:A:0EA.12;831: #225E51881125:5@5;:01>A:01?>1351>A:3 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) These K>01:$>;E1??01>:@13>-@5;:5?@051*1>95@@8A:3 3-:E415@85/41>'5/4@C15?1:C5/4@5351?358@?;C;482K> 051:-8D?101?$>;E1??1?-8?-A/42K>051 :@C5/78A:35:@13>-@5;:?<;85@5?/41>!-H:-491: ?9A??0-.15EC5?/41:B51>.1:1:01>:@13>-@5;: A:@1>?/45101:C1>01:P !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) Integrationsebenen und Assimilation !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ANLAGEN 37 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Integrationsebenen und Assimilation ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Bildungsstatistik Anteile von Ausländern und Aussiedlern an allgemein bildenden Schulen in Baden-Württemberg im Schuljahr 2007/2008 Quelle: Schulstatistik 2007/2008 !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) Beschäftigungsanteile und Arbeitslosenquote %A1881 '@-@5?@5?/41?A:01?-9@ A:01?-31:@A>2K>>.15@ !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Kontakthypothese !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) These :@1>1@4:5?/41;:@-7@125:01:B;:-8815:1:5/4@ ?@-@@1>&-A92K>1313:A:39A??31?/4-221: C1>01: !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Bürgerengagement ANLAGEN 38 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Definition des Bürgerengagements K>31>?/4-2@85/41?:3-3191:@5?@0-?2>15C588531 :5/4@-A225:-:E51881*;>@158131>5/4@1@1 0-?1915:C;482J>01>:01:3-3191:@ B;:K>31>:EA9>>15/41:31915:?-91>,5181 :=A1@1;995??5;: N,A7A:2@01?K>31>?/4-2@85/41::3-3191:@?M ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Grundlage des Bürgerengagement K>0-?,A?-991:81.1:5:01>19;7>-@515?@1? C5/4@53(A31:01:C51 $/ ,14-/12,&-*$/ ,5 -*(# /(1612,#8")0("'1, '+$15:EAK.1: K>31>?/4-2@85/41?:3-3191:@5?@?;9 5@-A/4 31.A:01:5:?@188A:31:A:0#>51:@51>A:31:C51 !5@B1>-:@C;>@A:32K>-:01>1A:0'1:?5.585@I@2K> 0-? 019;7>-@5?/411915:C1?1:?EA<28131: ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Das Win-win des Bürgerengagements !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ K>31>1:3-3191:@ 8!$/4(,#$1#($*$("'&8*1(&)$(15: <>5B-@1:.1>A285/41:31?188?/4-2@85/41:A:0<;85@5?/41: :318131:41 5@1:LE5:!A?57A:0'<;>@B1>15:1: K>31>1:3-3191:@?/4-22@:5/4@:A><1>?J:85/41 ,A2>5101:415@?; :01>:@>I3@5:?15:1:B5182I8@531:;>91: EA9&$0$**0"' %1*("'$,20 ++$,' *1A:0EA15:19*(+ #$0$/1/ 2$,0.15 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Bereiche des Bürgerengagements in Deutschland ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Sozialer Zusammenhalt ';E5-81>,A?-991:4-8@.1:J@53@051.>15@312I/41>@1: ;>91:01?.K>31>?/4-2@85/41::3-3191:@?51 >.15@5:E5B5831?188?/4-2@85/41:>A<<1:A:0 #>3-:5?-@5;:1:<>I3@5:.1?;:01>1>+15?10-??;E5-81 12K3115:1? -:01?51>4-.1:051*1>15:115:1 !J385/4715@*1>-:@C;>@A:3EA K.1>:1491: ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Integrationsebenen und Assimilation ANLAGEN 39 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Oberflächenstruktur, bewusst Perceptas Tiefenstruktur, unbewusst conceptas 002/% "$"2*12/$ !A?57 5@1>-@A>A:?@)93-:3?2;>91: 1?@1??7A8@A>81501>;>0:A:3 +;4:7A8@A>1@ / #$$."2*12/$ +1>@1";>91:$458;?;<451 B1>.-81A:0:;:B1>.-81;99A:57-@5;: 1?/481/4@?>;881:0125 :5@5;:'-A.1>715@?>1318: ,15@;>51:@51>A:3';E5-81#>0:A:351>->/451 1?A:0415@?:;>91:&-A9385101> A:3 &1/4@??D?@19 DasEisberg-Modell !A8@57A8@A>-85@I@L:@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Bedeutung des kulturellen Hintergrunds - Worte !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) '@1>1;@D<1 O 31:1>-85?51>@1 F.1>E1A3A:31: *;>A>@1581 O 4IA253:13-@5B O 95@1C1>@A:3B1>.A:01:1 F.1>E1A3A:3 O 19;@5;:-81591:?5;:O 7;3:5@5B1591:?5;: O #>51:@51>A:3?2A:7@5;: .3>1:EA:3?01:@5@I@?2A:7@5;: 'K:01:.;/791/4-:5?9A? :<-??A:3?2A:7@5;: Stereotype und Vorurteile !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Beobachtung – Interpretation – Bewertung !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ These :@13>-@5;:.>-A/4@31915:?-91:@1>1??1:A:0 ,51815:31?188?/4-2@85/41?!5@15:-:01>7;99@:5/4@ B;:-8815: ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Kultur und Musik ANLAGEN 40 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Umwelt ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Sport ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Sport ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) Frauen aus aller Länder !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Frauen in der Integration >-A1::1491:5:01>:@13>-@5;:15:1 '/48K??18>;88115:.1>1?35.@5:-95851A:01>A2 A:@1>?/451085/41>-A1:>;881:A:0 .5801> 1?;:01>? M-A?2>-A1:M .>-A/41:15:1 ,AC1:0A:35:*1>15:1:A:0#>@101>1313:A:3 ZAK | Ze ntr um f ür Ange wa nd te K ult ur wisse nsc haf t und St udi um Ge nera leUniversität Karlsruhe (TH) Statistik über Zwangsheiraten in B-W 2005 *;:-:A-> .5?#7@;.1> P •P 3-.1?5:-01:+K>@@19.1>3 3191801@1I881B;:,C-:3?415>-@ •1@>;221:C->1: >-A1:A:0!I::1> • 1@>;221:1C->1:#<21>B;:,C-:3?415>-@1:31C;>01: 1@>;221:1 0-B;:.10>;4@ •: I881:?5:05:01>-A?01>4141>B;>313-:31: • 01>,C-:3?B1>415>-@1@1C->1:EA9,15@<A:7@01>15>-@95:01>6I4>53 •1@>;221:1C->1:@K>75?/4?@I99531.1:2-88?2-?@ •1@>;221:1C->1:01A@?/41>'@--@?-:314J>53715@-.1>-8814-@@1:15:1: !53>-@5;:?45:@1>3>A:0 •01>1@>;221:1:314J>1:019?8-9-: %A1881-/47;995??5;:,C-:3?415>-@01> -:01?>1351>A:3-01:+K>@@19.1>3 !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ANLAGEN 41 ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ Zuwanderung ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) Integrationsthese Integration kann durch entsprechende Konzepte des „Förderns und Forderns“ wesentlich unterstützt werden. Sie alleine garantieren eine erfolgreiche Integration aber nicht. Eine wichtige Voraussetzung ist das jeweils vorherrschende Klima zwischen der Mehrheitsgesellschaft und Personen mit Migrationshintergrund. !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) !A8@57A8@A>-85@I@ L :@1>7A8@A>-85@I@ ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium GeneraleUniversität Karlsruhe (TH) ZAK | Zentrum für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha Direktorin Kronenstr. 32 76133 Karlsruhe Tel.: +49 (0) 721 608- 8027 Fax.: +49 (0) 721 608- 4811 E-Mail: robertson@zak.uni-karlsruhe.de www.zak.uni-karlsruhe.de ANLAGEN 42 Anlage 4 Input zum Workshop "Bürger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements" Karlsruhe, am 6. März 2009 Nina Bratkoff M.A. Interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements Anlage 4 ANLAGEN 43 2 © Nina Bratkoff M.A.2009 Kulturübergreifende Kompetenz in Vereinen, Anregungen für zukünftige fruchtbare Zusammenarbeit Zum Thema kulturübergreifende Kompetenzen sind mittlerweile unzählige Bücher geschrieben und viele Gedanken formuliert worden. Das Interesse an diesen Fragen wurde durch die Globalisierung und Internationalisierung von Unternehmen stark gefördert. Öffentliche Diskussionen und neue Konzeptüberlegungen zu Migration und Integration haben nicht weniger zur Erweiterung des Themenkreises beigetragen. Was Kultur ist und was kulturelle Unterschiede bedeuten und bewirken beschäftigt die Menschen seit der Antike. Kultur ist das komplexe Ganze, das sich jeder Mensch als Teil seiner Gesellschaft angeeignet hat: Werte, Normen, Regeln, Überzeugungen und geteiltes Wissen, Handlungsorientierungen und Zielvorstellungen. Kultur ist unsere mentale Software, schreibt Geert Hofstede, ein niederländischer Experte für Kulturwissenschaften. Aus kulturellen Unterschieden resultieren häufig andere Einstellungen hinsichtlich unserer Beziehung zu Zeit, unseren Rollenvorstellungen, unserer Haltung zu Arbeit und Freizeit, unserer Regelorientierung, unseres Schamgefühls und Respekts, unseres Umgangs mit Konflikten, auch unserer Lebensziele und unseres Lebensentwurfs, um nur einige wenige von vielen zu nennen. Kultur ist nur bedingt sichtbar, das macht das Thema nicht einfach. Wir nehmen wahr, wie Menschen in anderen Kulturen essen, trinken, sich kleiden, dass sie Moscheen, Synagogen oder Kirchen besuchen, doch wir verstehen häufig nicht die Hintergründe und warum Menschen anderer Kulturen ihr Leben anders definieren. Unsere kulturelle Identität wird zum größten Teil geprägt von Aspekten, die uns selbst in der Regel nicht bewusst sind. Ein sehr bekanntes Modell zur Erklärung ist das des kulturellen Eisbergs. Das Eisberg-Modell geht auf den Begründer der Psychoanalyse Sigmund Freud (1856 - 1939) zurück. Es verweist auf die Bedeutung der Ebenen, die zunächst nicht offensichtlich sind. Dem Modell liegt das Prinzip zugrunde, dass auch bei einem Eisberg nur ein kleiner Teil (20%) sichtbar ist, während der wesentlich größere Teil (80%) unter der Wasseroberfläche verborgen ist. Robert Kohls hat es für die interkulturelle Forschung weiterentwickelt. Unter der Wasseroberfläche sind: Werte: Annahmen, Einstellungen, Auffassungen, Erwartungen, Weltanschauungen, Denkweisen Gefühle: Emotionen, Stimmungen, Bedürfnisse, Verpflichtungen, Beziehungen, Wahrnehmungen: Vorstellungen, Gedanken, Interpretationen, Ziele Wille: Absichten, Antriebe, Motive Kultur ist historisch gewachsen, wir erwerben Sie in einem Sozialisationsprozess, das heißt, wir lernen unsere Kultur von unseren Eltern und den Mitgliedern unserer Gesellschaft. Kultur ist wandelbar, nie statisch, Kultur ist ein permanenter Prozess, immer in Bewegung! Kulturelle Werte verändern sich und unterliegen einer ständigen Weiterentwicklung. Kultur macht die Dinge und Menschen um uns herum vertraut und selbstverständlich. Wenn wir in ein anderes Land reisen bemerken wir die Unterschiede. Im Ausland gelten eigene Arten zu sprechen und zu handeln, die den Menschen dort vertraut und selbstverständlich sind – nur uns eben nicht. Wir erleiden, je ferner die andere Kultur von unserer ist, das, was die Kulturforschung den „Kulturschock“ nannte. ANLAGEN 44 3 © Nina Bratkoff M.A.2009 Geprägt wurde der Begriff des Kulturschocks (engl. „culture shock“) durch den kanadischen Anthropologen Kalvero Oberg (1960). Er beschreibt das Phänomen des kulturellen Anpassungsprozesses an eine fremde Umgebung, vom Eintritt in die Gastkultur bis zur (gelungenen) Integration. Im Übergang der Eingewöhnung in eine neue Kultur können verschiedene Symptome auftreten: Gefühle von Hilflosigkeit Ängste und Frustrationen Einsamkeit Stress ... Versetzen wir uns hier einen Moment in die Situation von Migranten: Selbstverständliches gilt von heute auf morgen nicht mehr, gewohnte heimatliche und neue kulturelle Werte kommen miteinander in Konflikt, was insbesondere für Jugendliche nicht einfach zu handhaben ist. Die Fragen: was soll ich, was darf ich, was kann ich und was will ich, gewinnen eine große Dimension. Kulturschock kann starken Widerstand erzeugen Der Kulturschock wird häufig besser durch Überbetonung der (z.B. religiösen) kulturellen Wurzeln überlebt und durch Gruppenbildung mit Gleichgesinnten, (was ebenfalls bei deutschen Auslandsentsandten festzustellen ist, die dann auch zur Gluckenbildung tendieren und Abgrenzungsmechanismen gegen die einheimische Kultur entwickeln) Widerstand verstärkt Traditionen, weil diese sinnstiftend sind, führt aber auch z.T. zu Ausgrenzung. Integration wird dann als verordnete Anpassung erlebt. Migranten empfinden „die Deutschen“ häufig als sehr dominant, weil sie ihren Anforderungen in Bezug auf Leistung, Wettbewerb, Bestimmtheit, Planung und Ordnung. nicht zu genügen glauben. Neben Kommunikationsproblemen empfinden sie Ausgrenzung und Einsamkeit, Verunsicherung, schwanken zwischen dem Bedürfnis nach Anerkennung und einem unbestimmten Ärger über die neuen Zwänge, und entwickeln teilweise starken Widerstand gegen den „Anpassungsdruck“. Ihre Ängste werden nicht wahrgenommen und sie glauben, sie nicht zeigen zu dürfen. Die Suche nach Sinn, Würde, Stolz und einer neuen Identität ist angesichts der Erwartungen von außen für viele sehr schwer. 1960, als der Begriff Kulturschock geprägt wurde, war kulturübergreifende Kompetenz noch ein Fremdwort. Seitdem sind viele erfolgreiche Modelle und Konzepte zur sozialen Integration erdacht und erfolgreich umgesetzt worden. Dennoch gibt es noch viel zu tun und weiterzudenken, dazu bedarf es der Sensibilität, aktiver Auseinandersetzung und konstruktivem Umgang mit kulturellen Unterschieden, d.h. mit kulturübergreifender Kompetenz. Stellen wir uns doch einmal vor, wir alle wären Früchte: Eine subjektive Interpretation angelehnt an die nationalen Fruchtkulturen: die Italiener und Franzosen wären Trauben, die Polen Äpfel, die Rumänen Pflaumen, die Spanier Granatäpfel, die Griechen Oliven, die Türken Wassermelonen, die Russen Quitten, die Serben und Kroaten Waldbeeren, die Chinesen Kiwis... ANLAGEN 45 4 © Nina Bratkoff M.A.2009 Kennzeichen dieser Kulturen, unter vielen, vielen anderen, sind: Gruppenloyalität, Gemeinschaftsdenken, Familien-, und Beziehungsorientierung, Bedürfnis nach Harmonie, Zugehörigkeitsgefühl, Solidarität mit Gleichgesinnten, Traditionsbewusstsein. Man kann alle diese Früchte zusammen in den Entsafter geben, zu einem Fruchtmus verarbeiten oder ... einen kreativen bunten Fruchtkorb gestalten. Um den Fruchtkorb kreativ zu gestalten, müssen wir kulturelle, ethnische und religiöse Aspekte in das Zusammenleben integrieren, die Vielfalt positiv erlebbar machen: Wir müssen zunächst über die eigene Kultur und über die eigenen Reaktionen auf Fremdheit nachdenken, also Selbst- und Fremdbilder neu bewerten und diskutieren. Wir müssen lernen, Unterschiede wahrzunehmen und als Bereicherung zu betrachten, Gemeinsamkeiten finden und Ideen sammeln diese produktiv umzusetzen. Wir müssen verstehen lernen, was es heißt, aus der einen Kultur zu kommen und in der anderen Kultur zu leben, d.h. wir müssen Kompetenzen für kulturübergreifendes Leben und Handeln erwerben. Wir müssen uns damit beschäftigen, wie Menschen aus anderen kulturellen Hintergründen auf die für sie manchmal schwer zu durchschauenden Regeln in Deutschland reagieren, diese interpretieren und für uns selbstverständliche und gültige Normen wahrnehmen. Wir sollten immer wieder über gegenseitige Erwartungen diskutieren, Handlungskompetenzen besprechen und gemeinsam das Beste für alle Beteiligten finden. Wir müssen die konstruktive Auseinandersetzung suchen, in Interaktion treten, Vorbehalte und Vorurteile wo immer sie auftreten möglichst schnell ausräumen. Wir sollten Migranten mehr emotionale Unterstützung geben, ihre Stärken betonen, ihr Selbstwertgefühl steigern und Mitverantwortung aufbauen. Wir werden unsere zukünftige gemeinsame Kultur nur gut gestalten, in dem wir uns offen begegnen und unsere Gefühle, Ängste und Probleme ehrlich teilen. Wie können Vereine zukünftige und fruchtbare Zusammenarbeit besser gestalten? Barrieren und Hemmnisse für Migranten, sich in Vereinen zu engagieren bestehen laut einer Machbarkeitsstudie 1 von Susanne Huth unter anderem in den folgenden wichtigen Punkten: Unkenntnis der Angebote Wahrnehmung deutscher Vereine als „geschlossene Gemeinschaft“ Wie können diese Haupthindernisse bewältigt werden? Im Prinzip geht es dabei zunächst um folgende Fragen: Was wollen wir erreichen? Was sind unsere gemeinsamen Ziele? Wen wollen wir wie ansprechen? Wie setzen wir das um? Wer kann uns dabei helfen? Die Betonung liegt auf dem Wir! Vereine können ihre Offenheit demonstrieren, indem sie z.B. ihre Kontakte erweitern, ausländische Geschäfts- und Restaurantbesitzer als Sponsoren ansprechen, Aushänge in Schulen machen, Flyer in verschiedenen Sprachen erstellen, in Stadtteilzeitungen werben, usw., dabei ist Kreativität gefragt. Laut der Machbarkeitsstudie ist die persönliche Ansprache das wichtigste Instrument. ANLAGEN 46 5 © Nina Bratkoff M.A.2009 Lassen Sie sich auf Nähe ein und bleiben Sie nicht auf Distanz. Gehen Sie offen auf die Menschen zu, warten Sie nicht ab, dass sie von selbst kommen, sondern holen Sie sie positiv ab. In der bereits zitierten Studie wurde außerdem erkannt, dass es sehr wichtig ist, Ansprechpartner mit gleichem Migrationshintergrund im Verein zu haben bzw. solche Personen in den Vereinen als Kontaktpersonen aufzubauen. Dadurch sinkt die Hemmschwelle zur Kontaktaufnahme ganz beträchtlich. Ebenso wichtig ist die Vernetzung ethnischer Vereine mit deutschen Organisationen (z.B. in Verbänden und Verwaltungen) voranzutreiben. Laden Sie Vereine ausländischer Mitbürger zu öffentlichen Veranstaltungen ein, oder bitten Sie sie sich an Ortsfesten etc. aktiv zu beteiligen. Ehre im Amt oder Amt in Ehre Viele Tätigkeiten die man in Deutschland als bürgerliches Engagement bezeichnet, sind in anderen Kulturen selbstverständlich, weil sie in engen Nachbarschaftsbeziehungen täglich gelebt werden. Warum sollte sich ein gruppenorientierter Mensch auch noch zusätzlich mit ehrenamtlicher bzw. Vereinstätigkeit beschäftigen? Ein gutgemeinter Aufruf zu ehrenamtlichem Engagement kann dann leicht als Integrationszwang fehlinterpretiert werden. Beim letzten SIETAR 2 Gespräch (SIETAR ist ein großes Forum für interkulturelle Fragen in Forschung, Bildung, Wirtschaft und Politik) zum Thema bürgerschaftliches Engagement ist auch die Frage aufgetaucht was der Begriff „Amt“ für Menschen aus anderen Kulturen bedeutet. Gerade für Menschen aus Staaten mit undemokratischen Regierungen gelten Ämter und somit auch die Amtsträger als Organe einer repressiven und korrupten Obrigkeit, mit der man sich lieber nicht einlässt und die für viele Migranten mit ein Grund war, die Heimat zu verlassen. Es lohnt sich sicherlich, darüber nachzudenken ob man dem Begriff „Ehrenamt“ nicht etwas von seiner Schwere nimmt und verständlich macht, dass es dabei nicht um streng von oben organisierte Tätigkeiten geht, sondern um gegenseitige Hilfe und ein positives Miteinander. Die interkulturelle Zusammenarbeit ist eine große und bereichernde Chance für die Zukunft von Vereinen und für jeden Einzelnen von uns. Wir können nur gemeinsam wachsen. Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit und viel Erfolg Nina Bratkoff , M.A. World Experts c/o Nina Bratkoff Yorckstrasse 4 76185 Karlsruhe www.world-experts.de nins.bratkoff@world-experts.de Tel:0721 8307186 Fax: 0721 83086863 1 Die Machbarkeitsstudie von Susanne Huth „Migrant(inn)en handeln und lernen im sozialen Umfeld - Kompetenzentwicklung, Partizipation und Integration durch interkulturelles Lernen“: Bürgerschaftliches Engagement von Migrantinnen und Migranten – Lernorte und Wege zu sozialer Integration INBAS-Sozialforschung GmbH 2007 2 SIETAR Deutschland e.V. http://www.sietar-deutschland.de/ ANLAGEN 47 Antwortkarte Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung - Aktivbüro - 76124 Karlsruhe VeranstalterAmt für StadtentwicklungAktivbüroZähringerstr. 6176124 KarlsruheInternet: www.karlsruhe.de/StadtentwicklungTel. 0721 133-1212Fax: 0721 133-1279E-Mail: aktivbuero@afsta.karlsruhe.deIn Zusammenarbeit mitSozial- und JugendbehördeBüro für IntegrationHelmholtzstr. 9-1176133 KarlsruheInternet: www.karlsruhe.de/fb4/einrichtungen/bfiTel.: 0721133-5761Fax: 0721 133-5769Email: bfi@sjb.karlsruhe.deInternationales Begegnungszentrum (ibz)Kaiserallee 12 d76135 KarlsruheInternet: www4.karlsruhe.de/kultur/zentren/ibzTel.: 0721 844479Fax: 0721 84441-0E-Mail: ibz@karlsruhe.de Bürger einer StadtInterkulturelle Öffnung desbürgerschaftlichen EngagementsFachveranstaltung14. Mai 200718:00 UhrimInternationalenBegegnungszentrum (ibz)Kaiserallee 12 dKarlsruheMach‘ Mit!Amt für Stadtentwicklung Anlage 5 ANLAGEN 48 Liebe Bürgerinnen und Bürger,Am 10. Januar 2007 hat das Forum Ehrenamtbeschlossen, dass ein Konzept zur interkulturellenÖffnung des bürgerschaftlichen Engagements inKarlsruhe erarbeitet wird. Eine Bestandsaufnahmeüber die Integrationsleistungen, die das bürger-schaftliche Engagement bereits erbringt, soll erstellt werden. Als zweiter Schritt ist ein Workshopgeplant, um konkrete Maßnahmen zu erarbeiten. Viele gemeinnützige Organisationen, ehrenamtlicheVereine und Initiativen in Karlsruhe engagieren sichin vielfältiger Hinsicht für Menschen mit Migrations-hintergrund. Migrantinnen und Migranten sind imKarlsruher Vereinsleben aktiv. Auch hat sich einebereits große Zahl interkultureller Vereinigungen,ethnischer Vereine und Netzwerke in Karlsruheetabliert. Sie geben Beispiele, wie das Zusammen-leben der Menschen unterschiedlicher Herkunftgestaltet werden kann. Dieses Engagement derKarlsruher Bürgerinnen und Bürger muss gestärktund anerkannt werden. Ich möchte Sie herzlich einladen, bei der Entwicklungdes Konzepts zur interkulturellen Öffnung desbürgerschaftlichen Engagements mitzuwirken. ZurVorbereitung findet hierzu eine nichtöffentlicheFachveranstaltung statt, die über grundlegendeFragen zu Migration und Integration auch aus derSicht Betroffener informiert. Weitere Interessentenaus Ihrem Umfeld sind herzlich willkommen.Ich danke für Ihr Engagement.Siegfried KönigErster Bürgermeister ProgrammFachveranstaltung: Bürger einer Stadt – Interkulturelle Öffnung desbürgerschaftlichen Engagements18.00 Uhr BegrüßungRosemarie Strobel-HeckLeiterin Aktivbüro des Amtes fürStadtentwicklung 18:05 Uhr Entwicklung der Wohnbevölkerungmit Migrationshintergrund inKarlsruheOtto Mansdörfer, Dipl. Geogr., stellv. Amtsleiter des Amtes fürStadtentwicklung 18:20 Uhr Interkulturelle Öffnung desbürgerschaftlichen EngagementsThomas Haigis, Stadt Filderstadt,Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung 18:50 Uhr „Was kann bürgerschaftlichesEngagement zur Integrationbeitragen?“Gesprächsrunde mit Thomas Haigis Nilgün Kaya, Vorsitzende des türkischenFrauenvereinsRalph Zielosko, Bürgergesellschaft derSüdstadt e. V.Salahdin Maow, Ogaden Direkt Hilfee.V., Bürgermentor Moderation: Dr. Jean-Louis Zambujo,Dipl. Psychologe 19:15 Uhr Fragen und Anregungen aus dem Publikum 19:45 Uhr Imbiss 20:15 Uhr Ende der Veranstaltung Ich melde mich an zu:Bürger einer Stadt – Interkulturelle Öffnungdes bürgerschaftlichen Engagements am 14.05.2007 Anzahl der Personen OrganisationName, VornamePLZ, OrtStraßeTelefon, E-MailDatum, Unterschrift Per Fax: 0721/133-1279 Per Email: aktivbuero@afsta.karlsruhe.de ANLAGEN 49 Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung - Aktivbüro - Mach mit! Karlsruhe Bürger einer Stadt Workshopzur Interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements am Freitag, 6. März 2009 von 16:00 bis 20:00 Uhr Internationales Begegnungszentrum (ibz)Kaiserallee 12d Karlsruhe Sie erreichen das Internationale Begegnungszentrum mit den Straßenbahnlinien 4 und 6 bzw. mit den S-Bahnlinien S2, S4 und S6 Haltestelle Yorckstraße Veranstalter Amt für Stadtentwicklung AktivbüroZähringerstr. 61 76133 Karlsruhe Internet: www.karlsruhe.de/Stadtentwicklung Tel.: 0721 133-1212 Fax: 0721 133-1279 E-Mail: aktivbuero@afsta.karlsruhe.de In Zusammenarbeit mit Sozial- und Jugendbehörde Büro für Integration Helmholtzstr. 9-11 76133 Karlsruhe Internet: www.karlsruhe.de/fb4/einrichtungen/bfi.de Tel.: 0721 133-5761 Fax: 0721 133-5769 Email: buero.fuer.integration@sjb.karlsruhe.de InternationalesBegegnungszentrum (ibz) Kaiserallee 12 d 76135 Karlsruhe Internet: www.ibz-karlsruhe.de Tel.: 0721 844479 Fax: 0721 84441-0 E-Mail: ibz-karlsruhe@web.de Der Workshop wird als kommunaler Entwicklungsbaustein durch das Ministerium für Arbeit und Soziales, Stabsstelle Bürgerengagement und Freiwilligendienste sowie durch den Fachberater des Städtenetzwerks Bürgerschaftliches Engagement in Baden-Württemberg, Dr. Ralf Vandamme, Städtetag Baden-Württemberg, unterstützt. Anlage 6 ANLAGEN 50 AG Umwelt: Gemeinsame Interessen verbinden die Nationen Bezirksverband der Gartenfreunde e. V. Juri Hahn, Vorsitzender der Kleingartenanlage SteinäckerModeration:Andrea Sauermost, PR-Beraterin AG Sport: Gorodki - eine migrierte Sportart knüpft Bande Sportzentrum Südwest Hardeck-Oberreut 1950 e. V. Bernd Gindner, Schriftführer Edwin Feser, Gründer der Abteilung Gorodki Moderation:Nina Bratkoff AG Zuwanderung: Integration aus Sicht der Migranten Türkischer Frauenverein Karlsruhe und Umgebung e. V. Hülya Eksi-Yilmaz, Vorsitzende Moderation:Ersan Akyüz AG Frauen: Projekt "Aus aller Frauen Länder" Renate Braun-Schmitz, Bürgermentorin Moderation:Prof. Dr. Caroline Y. Robertson-von Trotha 19:00 Uhr Präsentation der Ergebnisse - Wünsche für die Zukunft - Schlussrunde 20:00 Uhr Ende der Veranstaltung Liebe Bürgerinnen und Bürger, etwa 20 % der Karlsruherinnen und Karlsruher haben Migrationshinter- grund. Sie bzw. ihre Vorfahren kommen aus allen Kontinenten. Diese kulturelle Vielfalt ist sehr spannend, verlangt aber auch gegenseitiges Verständnis und Akzeptanz. Integration ist mehr als tolerante Duldung oder einseitige Anpassung. Integrationsarbeit ist Beziehungsarbeit, die ein hohes Engagement und persönlichen Einsatz erfordert. Beide Seiten, Deutsche und Nicht-Deutsche, müssen aktiv werden, aufeinander zugehen und sich füreinander interessieren. Ende 2007 wurden Vereine, Initiativen und gemeinnützige Organisationen befragt, wie viele Mitglieder mit Migrations- hintergrund in ihrer Vereinigung aktiv sind, welche Inte- grationsmaßnahmen sie durchführen und welche Unter- stützung sie sich dafür wünschen. Im Workshop "Bürger einer Stadt" werden fünf Vereine und Initiativen aus verschiedenen Bereichen ihre Erfahrungen zur interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engage- ments vorstellen. Wie gelingt es, dass Menschen mit Migrationshintergrund einer Vereinigung beitreten und aktiv mitarbeiten? Wie kann das gegenseitige Verständnis gefördert und die Kommunikation verbessert werden? Wie können Hemmnisse überwunden werden? Welche Unter- stützung ist notwendig? Ich wünsche Ihnen einen regen Austausch und danke Ihnen herzlich für Ihr Engagement. Wolfram Jäger Bürgermeister Programm 16:00 Uhr Ankommen mit Imbiss 16:30 Uhr EinführungMarion Schutt, M. A. Erziehungs- wissenschaften, Heidelberg 16:40 Uhr Input:Multikulturalität - Interkulturalität? Probleme und Perspektiven der multikulturellen Gesellschaft Prof. Dr. Caroline Y. Robertson- von Trotha, Direktorin des Zentrums für Angewandte Kulturwissenschaft und Studium Generale an der Universität Karlsruhe 17:00 Uhr Input:Kulturübergreifende Kompetenz in Vereinen - Anregungen für zukünf- tige fruchtbare Zusammenarbeit Nina Bratkoff M. A., Geschäftsführerin von World Experts - Global Business Consulting, Karlsruhe 17:40 Uhr Arbeitsgruppen AG Kultur: Musikalische Früherziehung als Schlüssel zur Integration Deutscher Harmonika Verband e. V. (DHV) Dieter Nees, Vizepräsident des DHV Baden- Württemberg und Bezirksvorsitzender des DHV Karlsruhe-NordbadenUte Schüßler, stellvertretende Bezirksdirigentin Moderation:Rolf Kamuf, Moderator bei der Entwicklung der Karlsruher Leitlinien zur Integration ANLAGEN 51 Anlage 7 Karlsruhe: Aktuell, 11.11.2008 ANLAGEN 52 StadtZeitung, 16. Januar 2007 ANLAGEN 53 Badische Neueste Nachrichten, 12. Januar 2007 ANLAGEN 54 Badische Neueste Nachrichten, 24. April 2010 ANLAGEN 55 StadtZeitung, 29. April 2010 ANLAGEN 56 StadtZeitung, 4. Juli 2008 ANLAGEN 57 StadtZeitung, 26. Oktober 2007 ANLAGEN 58 StadtZeitung, 13. April 2007
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Extrahierter Text
Gremium: 8. Sitzung Hauptausschuss BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 12.10.2010 84 3 öffentlich Dez. 2 Bericht über den kommunalen Entwicklungsbaustein „Interkulturelle Öffnung des bürger- schaftlichen Engagements“ von 2007 bis 2010 in Karlsruhe Beratungsfolge Sitzung am TOPönöErgebnis Hauptausschuss12.10.20103 Antrag an den Hauptausschuss Der Hauptausschuss nimmt den Bericht über den kommunalen Entwicklungsbaustein „Inter- kulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ von 2007 bis 2010 in Karlsruhe zustimmend zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO)nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Das Aktivbüro des Amts für Stadtentwicklung hat im Rahmen des Projekts „Botschafter für das Bürgerland und Werbung für das Bürgerengagement“ des Ministeriums für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren Baden-Württemberg die Qualifizierungsmaßnahme der „Interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ als kommunalen Ent- wicklungsbaustein in Karlsruhe durchgeführt. Zur Projektbegleitung konstituierte sich eine Projektgruppe aus Vertretern des Internationalen Begegnungszentrums (ibz), des Büros für Integration, des Aktivbüros, der Bürger-Gesellschaft Südstadt e. V., dem Türkischen Frau- enverein e. V., Bürgermentorinnen und Bürgermentoren mit Migrationshintergrund und Er- fahrung mit interkulturellen Projekten sowie des Caritasverbands Karlsruhe e. V. Der Ent- wicklungsbaustein bestand aus mehreren Modulen, die zwischen 2007 und 2010 durchge- führt wurden. Dies waren im Einzelnen: Modul 1 : Fachveranstaltung „Bürger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürger- schaftlichen Engagements“ am 14. Mai 2007 Um die Frage der Integration aus der Sicht von Menschen mit Migrationshintergrund zu be- leuchten, initiierte die Projektgruppe eine nicht-öffentliche Fachveranstaltung am 14. Mai 2007 im Internationalen Begegnungszentrum, zu der die Mitglieder des Forums Ehrenamt, die Bürgermentorinnen und -mentoren, Elternbeiräte und Fachstellen eingeladen wurden. Der Schwerpunkt der Veranstaltung war eine Diskussionsrunde zur Frage „Was kann bür- gerschaftliches Engagement zur Integration beitragen?“. Modul 2 : Befragung der gemeinnützigen und ehrenamtlichen Vereinigungen Im nächsten Schritt entwickelte die Projektgruppe einen Fragebogen, um die Karlsruher Vereinigungen nach ihren Aktivitäten zur Integration von Menschen mit Migrationshin- tergrund und nach ihrem Unterstützungsbedarf zu befragen. Es wurden 1.430 Vereinigun- gen angeschrieben, von denen 23 % antworteten. Am häufigsten wünschen sich laut Umfra- geergebnis die Vereinigungen, dass ihre Aktivitäten in der Öffentlichkeit bekannt und aner- kannt werden. An zweiter und dritter Stelle stand der Wunsch, Austauschmöglichkeiten mit anderen Vereinen und Projektideen kennen zu lernen. Modul 3 : Workshop „Bürger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaftli- chen Engagements“ am 6. März 2009 Der Workshop interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements war der Start für den Erfahrungsaustausch zwischen Vereinen, Initiativen, gemeinnützigen Organisationen, Bürgermentoren und anderen Interessierten. Veranstalter war das Aktivbüro des Amts für Stadtentwicklung in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration und dem Internationalen Begegnungszentrum (ibz). Im Workshop wurden Maßnahmen und Fortbildungen zur Integration von Menschen mit Migrationshintergrund entwickelt. Modul 4 : Maßnahmen zur Umsetzung der Ergebnisse Integration erfordert viele kleine Schritte und viele Akteure. Die Fachveranstaltung am 17. Mai 2007 hatte den wichtigen Hinweis gegeben, dass Projekte nach der Anschubphase oft nicht eigenständig fortgeführt werden. Der Workshop am 6. März 2009 wies den Weg in die richtige Richtung: Qualifizierung und Vernetzung zwischen den Akteuren führen langfristig zum Erfolg. In diese Richtung wurden die weiteren Maßnahmen zur interkulturellen Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements entwickelt. Wichtige Kooperationspartner für die Um- setzung sind das Büro für Integration und das Internationale Begegnungszentrum. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Die Umsetzung des Maßnahmenkatalogs startete mit Qualifizierungsangeboten mit dem Ziel, die interkulturelle Kompetenz ehrenamtlich und freiwillig Engagierter mit und ohne Migrationshintergrund nachhaltig zu stärken. 4.1 Mentorenausbildung mit Schwerpunkt interkulturelle Kompetenz Der Kurs hatte zum Ziel, die eigene Kultur besser kennen zu lernen, im Umgang mit Unter- schieden sicherer zu werden und zu lernen, andere Wertvorstellungen als gleichwertig zu betrachten. Der methodische Aufbau war schlüssig in Wahrnehmungs- und Kommunikati- onsübungen, Rollen- und Simultationsspielen, Gruppenarbeit und theoretische Inputs ge- gliedert. 4.2 Qualifizierung für ehrenamtlich Engagierte in Vereinen und Initiativen Das Karlsruher Fortbildungsprogramm für Ehrenamtliche war 2009 in Ausbildungsgänge Kommunikation und Führung, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Finanzen und Recht sowie Fundraising mit drei bis fünf Modulen gegliedert. Vor dem Hintergrund des Workshops „Bür- ger einer Stadt - interkulturelle Öffnung des bürgerschaftlichen Engagements“ wurde das Programm 2010 u. a. um den Ausbildungsgang „Interkulturelle Kompetenz“ mit vier Modulen erweitert. Den eintägigen Grundkurs interkulturelle Kompetenz führte das Team Josef Mi- narsch-Engisch und Gisela Wolf durch, die diesen bereits im Vorjahr im Rahmen der Mento- renausbildung gestaltet hatten. 4.3 Spezielle Qualifizierung für Lesepatinnen und Lesepaten In Karlsruhe leben ca. 5.000 Kinder zwischen drei und zehn Jahren, die Migrationshin- tergrund haben. An insgesamt 53 Grundschulen und Kindertagesstätten engagieren sich ca. 200 Lesepatinnen und Lesepaten, indem sie einzelnen Kindern oder kleinen Gruppen in den Einrichtungen vorlesen. Das ursprüngliche Ziel war, durch Vorlesen die Lesemotivation der Kinder zu stärken. Ein Teil der Kinder hat Migrationshintergrund und braucht zusätzliche Förderung. Die Lesepatinnen und Lesepaten engagieren sich für diese Kinder ganz beson- ders, so dass eine spezielle Qualifizierung für die Ehrenamtlichen im Hinblick auf die inter- kulturelle Kompetenz sinnvoll schien. In den Jahren 2009 und 2010 wurde daher jeweils ein Grundkurs zum Thema interkulturelle Kompetenz angeboten, den das Team des Lernpro- jekts kreativlernen, Bojana Sarenkapa und Karin Köstner, durchführte. Der Kurs beinhaltete u. a. einen theoretischen Input, Workshops für praktisches interkulturelles Arbeiten sowie zu den individuellen Anliegen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. 4.4 Fortbildung für Migrantinnen Auf Anregung der Initiatorin wurde im Jahr 2010 für die Teilnehmerinnen mit Migrationshin- tergrund an den Elterncafés ein mehrtägiger Rhetorikkurs angeboten. Ziel des Kurses war, das Selbstwertgefühl der Teilnehmerinnen zu stärken und sie zu ermutigen, öffentlich aufzu- treten. Den Kurs führte der Mentorentrainer und Dipl. Psychologe Dr. Jean Louis Zambuja durch. Der Pilotkurs wurde sehr gut angenommen, so dass er im Jahr 2010 ein zweites Mal angeboten wurde. 4.5 jes-Projekt „Perspektivenwechsel - Integration aus Sicht der Migrantinnen“ 21 Studentinnen der Pädagogischen Hochschule erforschten die Biografien von Migrantin- nen aus 17 Ländern, deren Motivation zur Emigration, ihre ursprünglichen Zukunftsvorstel- lungen und ihre persönliche Entwicklung in Deutschland. Sie fragten außerdem nach ihren Erziehungskonzepten und nach dem Verhältnis zwischen Frauen und Männern. Die Inter- views wurden anonymisiert. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Ausblick Die weiteren Maßnahmen werden in Zusammenarbeit mit dem Büro für Integration und dem Internationalen Begegnungszentrum geplant. Vorgesehen ist im ersten Halbjahr 2011 eine Diskussionsveranstaltung, bei der alltagstaugliche Beispiele gelungener Integrationsmaß- nahmen aus Vereinen und Initiativen vorgestellt werden. Die Veranstaltung dient als Start- punkt für ein Konzept zur Vernetzung gemeinnütziger und ehrenamtlicher Vereinigungen. Das Forum Ehrenamt wird nach der Neubesetzung im zweiten Halbjahr 2010 in die Kon- zeptentwicklung eingebunden. Das Qualifizierungsprogramm wird im beschriebenen Umfang weitergeführt und bedarfsorientiert erweitert. Beschluss: Antrag an den Hauptausschuss Der Hauptausschuss nimmt den Bericht zustimmend zur Kenntnis. Hauptamt - Sitzungsdienste - 1. Oktober 2010