Fahrradverleihsystem
| Vorlage: | 25275 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 19.07.2010 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
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Extrahierter Text
BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 7. Sitzung Hauptausschuss Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 20.07.2010 68 4 öffentlich Dez. 6 Fahrradverleihsystem Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Planungsausschuss 06.07.2010 9 Zustimmung Hauptausschuss 20.07.2010 4 Antrag an den Ausschuss Nach der Sitzung des Planungsausschusses wurde mit der DB Rent erneut verhandelt. Dadurch konnte der ursprünglich nach verhandelte Betrag von 98.500 € auf 90.000 € redu- ziert werden. Die Verwaltung empfiehlt, auf das Angebot der DB Rent mit einem städtischen Zuschuss von 90.000 Euro incl. MWSt pro Jahr für zwei weitere Jahre (2011 - 2012) einzugehen und weiterhin das bereits eingeführte Call a bike-Leihfahrradsystem zu betreiben. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) 180.000 Euro 180.000 Euro 90.000 Euro p.a. (2011/12) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: 3.610.51.10.11 Ergänzende Erläuterungen: Die notwendigen Mittel werden im THH 6100 für den DHH 2011/12 angemeldet. Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Mobilität Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Bisherige Entwicklung des Leihfahrradsystems „Call a bike“ in Karlsruhe Das Leihfahrradsystem Call a bike startete im August 2007 mit 350 Rädern in Karlsruhe. Seitdem steigen die Kunden- und Fahrtenzahlen kontinuierlich an, bleiben jedoch bisher hinter den Erwartungen zurück. Im Jahr 2009 wurden in Karlsruhe ca. 30.000 Fahrten getä- tigt, davon etwa ein Drittel von auswärtigen Besucherinnen und Besuchern. Call a bike ist inzwischen flächendeckend in sieben deutschen Großstädten und zusätzlich an etwa 60 ICE-Bahnhöfen vertreten. Die Karlsruher selbst unternahmen 2009 etwa 10 % ihrer Fahrten in anderen Städten. Seit Beginn der Radsaison 2010 ist nach Angaben der DB Rent die Zahl der Fahrten gegen- über den vergleichbaren Vorjahresmonaten um ca. 30 % gestiegen. Der städtische Zuschuss beträgt bisher 150.000 Euro incl. MWSt pro Jahr. Wird der Vertrag nicht bis zum 31.10.2010 gekündigt, verlängert er sich automatisch um ein Jahr. Kriterien an ein Leihfahrradsystem in Karlsruhe Bundesweit geht der Trend zu stationsgebundenen Leihfahrradsystemen. Diese Entwicklung ist aber vor allem in Städten mit einem Systembruch im ÖPNV zu beobachten, z.B. in Stutt- gart, Hamburg und Düsseldorf. In diesen Städten erreichen die Einpendler die Stadt bei- spielsweise mit der Bahn oder S-Bahn und müssen - auch auf Grund hoher Haltestellenab- stände - zur Naherschließung in Busse, Straßenbahnen oder eben auf das Leihfahrradsys- tem wechseln. Einen solchen Systembruch gibt es in Karlsruhe nicht, zusätzlich ist eine sehr hohe Haltestellendichte vorhanden. Von daher sollte auch weiterhin ein flexibles stationsun- abhängiges System erhalten werden. Bauliche Stationen in der Karlsruher Innenstadt zu errichten, wäre in den nächsten Jahren wegen der Kombilösungsbautätigkeiten eine nahezu unlösbare Aufgabe. Bereits heute ist es fast unmöglich, Ausweichflächen für öffentliche Fahrradabstellanlagen für Kundinnen und Kunden und Beschäftigte in der Innenstadt zu finden. Zudem ermöglicht ein flexibles System, dass die Nutzerinnen und Nutzer den großen Vorteil des Fahrrades in der Innenstadt - die kurze Haus-zu-Haus-Reisezeit - voll ausschöpfen kön- nen. Aus diesen Gründen sieht die Verwaltung in einem System ohne bauliche Stationen weiterhin einen großen Vorteil. Das angebotene Leihfahrradsystem soll künftig in der Lage sein, durch technische Fortent- wicklung den An- und Abmeldeprozess zu vereinfachen. Außerdem sollte es die Zukunftsop- tion beinhalten, über eine elektronisch lesbare Mobilitätskarte (deren Einführung jedoch der- zeit beim KVV noch nicht geplant wird) im Umweltverbund Zugang zu dem für den jeweiligen Fahrtzweck geeigneten Verkehrsmittel (ÖPNV, Leihfahrrad, Car-sharing) zu erhalten. Leihfahrradsystem „next bike“ Die Firma next bike bietet ein Leihfahrradsystem an, das sich teilweise über Werbeeinnah- men finanziert. Dies hätte im Vergleich zu Call a bike einen geringeren städtischen Zu- schuss zur Folge. Aufgrund bestehender Exklusiv-Werbeverträge zwischen der Stadt Karls- ruhe und den Firmen Wall und JCDecaux war ursprünglich kein werbefinanziertes Leihfahr- radsystem möglich. Inzwischen handelt es sich jedoch nicht mehr um drei wirtschaftlich völ- lig unabhängige Firmen. Die neuen Besitzverhältnisse könnten daher u. U. jetzt doch ein werbefinanziertes Leihfahrradsystem ermöglichen. Entsprechende Zustimmungen der Fir- men Wall und JCDecaux liegen vor. Das Angebot von next bike geht nicht auf Werbeein- Ergänzende Erläuterungen Seite 3 schränkungen für Tabak (städtische Satzung) ein. Außerdem sollte auch Alkoholwerbung auf den Leihfahrrädern untersagt sein. Eine entsprechende Anpassung des next bike- Angebotes steht dazu noch aus. Es stellt sich auch grundsätzlich die Frage, ob ein Leihfahr- radsystem möglicherweise durch Tabak-, Alkohol-, Glücksspiel- oder Kfz-Werbung finanziert werden sollte. Next bike ist in etwa 20 deutschen Städten mit Leihfahrrädern vertreten. An- und Abmeldung erfolgen telefonisch. Das Schloss funktioniert rein mechanisch, eine Weiterentwicklung zu einem elektronischen An- und Abmeldesystem, das auch die Nutzung einer Mobilitätskarte ermöglichen könnte, ist bisher nicht bekannt. Es liegen zwei Angebote der Firma next bike vor. Sollte sich der Gemeinderat im Frühjahr 2011 für next bike entscheiden, würde dies bedeuten, dass das System erst mit einer erheb- lichen Verzögerung in die Radsaison 2011 starten könnte und noch keinen Kundenstamm in Karlsruhe hätte. a) Angebot mit Werbevermarktung Ein werbefinanziertes Leihfahrradsystem von next bike würde über eine einmalige Anschub- finanzierung durch die Stadt bezuschusst werden. Für 30 Freiminuten pro Fahrt würde ein zusätzlicher Zuschuss fällig werden. Die Vertragslaufzeit beträgt mindestens drei Jahre. Bei einem werbefinanzierten Leihfahrradsystem würde der städtische Zuschuss bei einer Laufzeit von zwei Jahren 70.805 Euro brutto (incl. MWSt) im Schnitt pro Jahr betragen. Anzahl Räder Betriebskostenzuschuss im ersten Jahr (brutto) Betriebskostenzu- schuss in den Folgejahren (brut- to) Aufpreis bei 30 Minuten Freifahrt (brutto) 250 59.500 € 39.270 € 17.850 € 350 83.300 € 58.310 € 24.990 € b) Angebot ohne Werbevermarktung Ohne Werbevermarktung würde der städtische Zuschuss bei gleicher Anzahl Leihfahrräder wie heute 74.970 Euro brutto (incl. MWSt) pro Jahr betragen, bei einer Mindestlaufzeit von zwei Jahren. Anzahl Räder Einmaliger Bruttobetrag (incl. MWSt.) Jährlicher Betriebskos- tenzuschuss ohne 30 Minuten Freifahrt (brut- to) Jährlicher Betriebskos- tenzuschuss bei 30 Mi- nuten Freifahrt (brutto) Garantierte Vertragslaufzeit in Jahren 250 0 € 53.550 € 71.400 € 2 350 0 € 74.970 € 99.960 € 2 Erfahrungen mit „next bike“ Aus den Städten mit dem next bike-Leihfahrradsystem liegen unterschiedliche Erfahrungen vor. Das System war in den Jahren 2007 und 2008 in geringer Stückzahl in Karlsruhe prä- sent. Die Fahrräder wurden selten bewegt und Mängel (platte Reifen, abgebrochene Tret- kurbel, usw.) wurden oft über längere Zeit nicht behoben. Sie standen an werbewirksamen Stellen der Innenstadt. Aufgrund der damals bestehenden Werbeverträge mussten sie ent- fernt werden. Inzwischen liegen auch positive Erfahrungen aus Städten mit next bike- Fahrrädern vor. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Leihfahrradsystem von JCDecaux Die Firma JCDecaux macht zwei Angebote über Leihfahrradsysteme in Karlsruhe. a) Vélib-System Das Vélib-System ist stationsgebunden und lässt sich in den nächsten Jahren aufgrund der Baustellentätigkeiten im Zusammenhang mit der Kombilösung nicht realisieren. Es wird da- her von der Verwaltung als nicht umsetzbar abgelehnt. b) next bike-System Aufgrund der neuen Besitzverhältnisse ist JCDecaux in der Lage, das werbefinanzierte next bike-System ebenfalls anzubieten. Als Gegenleistung wird eine Ausdehnung des bestehen- den Werbevertrages gefordert. Dies lehnt die Verwaltung insbesondere auch aus städtebau- lichen Gründen ab. Leihfahrradsystem „Call a bike“ Von der DB Rent liegen ebenfalls zwei Angebote für eine Vertragsverlängerung, bzw. für eine „Nichtkündigung“ vor. Beide Angebote beinhalten eine Bewerbung des Leihfahrradsystems, die stärker auf Karls- ruher Bedürfnisse abzielt. Insbesondere sollen KVV-Dauerkunden, soweit dies datenschutz- rechtlich zulässig und von den Kosten verhältnismäßig durchführbar ist, mit einem vergün- stigten Tarif als Neukunden gewonnen werden. Die DB Rent wird daher erneut den Kontakt zum KVV/VBK aufnehmen, um für eine ÖPNV-Integration zu werben. Sollten Lösungsansätze für eine tarifliche Verknüpfung von ÖPNV und der Leihfahrradnut- zung gefunden werden, würde sich die DB Rent um eine Förderung dieses Projektes durch das Bundesverkehrsministerium (BMVBS) bemühen. a) Angebot ohne Freiminuten Die DB Rent bietet das flexible Leihfahrradsystem im bestehenden Verbreitungsgebiet zu den bestehenden Konditionen an. Die Vertragslaufzeit beträgt mindestens zwei Jahre bei einem jetzt nach verhandelten, reduzierten Zuschuss von 90.000 Euro brutto (incl. MWSt.) pro Jahr. Sie behält sich vor, die Anzahl der Räder entsprechend des reduzierten Zuschus- ses anzupassen, was aus Sicht der Verwaltung unproblematisch erscheint. b) Angebot mit Freiminuten Es werden 30 Freiminuten pro Fahrt für diejenigen Nutzer angeboten, die ihr Leihfahrrad an einem von 20 sog. „Metastandorten“ zurückgeben. Dies sind keine baulichen Stationen, sondern lediglich durch eine mobile Säule gekennzeichnete Stellen in der Stadt. Diese könn- ten je nach Baustellensituation bei der Kombilösung verändert werden. Es besteht zusätzlich weiterhin die Möglichkeit der völlig flexiblen Nutzung, dann allerdings ohne Freiminuten. Der städtische Zuschuss würde in diesem Falle weiterhin 150.000 Euro brutto (incl. MWSt.) pro Jahr betragen. Die Vertragslaufzeit beträgt ebenfalls mindestens zwei Jahre. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Erfahrungen mit „Call a bike“ Die Erfahrungen mit Call a bike in Karlsruhe und bundesweit sind durchweg gut. Trotz zahl- reicher Vandalismusprobleme in der Anfangsphase (Reifen wurden mutwillig über mehrere Monate hinweg platt gestochen) war immer eine ausreichende Anzahl Fahrräder verfügbar, um die Nachfrage zu decken. Durch den vergünstigten Tarif für BahnCard-Kunden und die Bewerbung von Call a bike in den Fernzügen der DB wird Intermodalität und damit der Umweltverbund gefördert. Bereits heute können sich die Nutzerinnen und Nutzer das nächste verfügbare Call a bike- Leihfahrrad über iPhone anzeigen lassen. Etwa ein Drittel aller Fahrten werden von den Kundinnen und Kunden über iPhone „vorreserviert“, dies ist deutlich leichter als die Anmel- dung über ein klassisches Mobiltelefon. Die DB Rent arbeitet in Berlin an Funklösungen für den Entleihvorgang (bei Terminalanwen- dungen). Dies würde zukünftig auch in Karlsruhe An- und Abmeldung deutlich vereinfachen. Empfehlung der Verwaltung Karlsruhe hat das Ziel, eine bedeutende Fahrradstadt in Deutschland zu werden. Dazu trägt auch ein Leihfahrradsystem bei. Angesichts der Haushaltslage und des eigenen Qualitäts- anspruches sollte ein Leihfahrradsystem allerdings gewissen Anforderungen genügen. Wer- den diese von einem Anbieter nicht erfüllt, sollte man nicht darauf zurückgreifen, auch wenn es möglicherweise kostengünstiger ist. Durch die kontinuierliche Zunahme der Anzahl der Fahrten mit Call a bike sank der städti- sche Zuschuss pro Fahrt von ca. 8 € im Jahr 2008 auf ca. 5 € im Jahr 2009. Bei gleich blei- bender Entwicklung wird der städtische Zuschuss pro Fahrt voraussichtlich auf etwa 3,75 € im Jahr 2010 und auf etwa 1,80 € im Jahr 2011 sinken. Ein Anbieterwechsel wäre zunächst auch mit einem deutlichen Rückgang an Fahrten mit dem Leihfahrradsystem verbunden, da der neue Anbieter nicht auf einen bereits bestehen- den Kundenstamm in Karlsruhe zurückgreifen könnte. Zurzeit besteht keine Ermächtigung für den Haushalt 2011/2012. Eine Empfehlung des Pla- nungsausschusses und ein Beschluss des Hauptausschusses haben keine haushaltsrele- vante Bedeutung. Wegen der Beantragung von Haushaltsmitteln muss die Verwaltung jedoch die grundsätzli- che Haltung des Gemeinderates kennen. Die Verwaltung empfiehlt daher, auf das Angebot der DB Rent mit einem städtischen Zu- schuss von 90.000 Euro incl. MWSt pro Jahr für zwei weitere Jahre (2011 - 2012) einzuge- hen und weiterhin das bereits eingeführte Call a bike-Leihfahrradsystem zu betreiben, vor- behaltlich einer Zustimmung durch den Gemeinderat im Frühjahr 2011 zur Fortsetzung des Vertrages. Ergänzende Erläuterungen Seite 6 Beschluss: Antrag an den Hauptausschuss Der Ausschuss beschließt, auf das Angebot der DB Rent mit einem städtischen Zuschuss von 90.000 Euro incl. MWSt pro Jahr für zwei weitere Jahre (2011 - 2012) einzugehen und weiterhin das bereits eingeführte Call a bike-Leihfahrradsystem zu betreiben, unter der Bedingung der Zurverfügungsstellung der Finanzmittel für den DHH 2011/2012. Hauptamt - Sitzungsdienste - 16. Juli 2010