Anfrage StRn Zürn, StR Fostiropoulos (Die Linke): Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter an Karlsruher Schulen

Vorlage: 24714
Art: Beschlussvorlage
Datum: 19.04.2010
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 27.04.2010

    TOP: 21

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Linke-Jugendbegleiter
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom 30. März 2010 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 10. Plenarsitzung Gemeinderat 27.04.2010 371 22 öffentlich Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter an Karlsruher Schulen 1. Was ist die Aufgabe der Jugendbegleiter/-innen an Ganztagsschulen? 2. An wie vielen Schulen gibt es derzeit je wie viele Jugendbegleiter/-innen? 3. Welches Angebotsspektrum decken diese Jugendbegleiter/-innen ab? 4. Wie sieht die Qualifizierung der Jugendbegleiter/-innen aus (berufliche Herkunft, Qualifikation für die Tätigkeit an den Ganztagsschulen)? 5. Ist es richtig, dass Jugendbegleiter/-innen eine Aufwandsentschädigung von 6 bis 8 EURO pro Stunde erhalten? 6. Sieht die Stadtverwaltung an Karlsruher Schulen eine Tendenz schulische Fachkräfte durch Jugendbegleiter/-innen zu ersetzen? 7. Laut GEW will die Landesregierung 800 Lehrer/-innenstellen in Jugendbegleiter/innen umwandeln. a) ist hierin eine Tendenz zu erkennen, die Jugendbegleiter/-innen als Sparmodell in Bezug auf Ganztagschulen zu funktionalisieren? b) Wäre es nicht notwendig, stattdessen Lehrer/-innenmangel und Unterrichtsausfall zu kompensieren, den Klassenteiler zu senken, die Unterrichtsqualität zu verbessern? Jugendbegleiter/-innen sind an vielen Ganztagsschulen fester Bestandteil des schulischen Alltags. Die Landesregierung scheint darin vor allem preiswerte Arbeitskräfte zu sehen. Wie das in Karlsruhe aussieht, soll die Anfrage klären. unterzeichnet von: Sabine Zürn Niko Fostiropoulos Hauptamt - Sitzungsdienste - 16. April 2010 Sachverhalt / Begründung:

  • TOP 22
    Extrahierter Text

    STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom: 30.03.2010 eingegangen: 30.03.2010 Gremium: 10. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 27.04.2010 371 22 öffentlich Dez. 3 Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter an Karlsruher Schulen 1. Was ist die Aufgabe der Jugendbegleiter/innen an Ganztagsschulen? Das Jugendbegleiter-Programm ist ein Ehrenamtlichen-Programm des Landes mit dem Ziel, die Schulen für außerschulische Institutionen und für engagierte Bürgerin- nen und Bürger zu öffnen. Qualifiziertes Ehrenamt von Vereinen, Verbänden, Kir- chen und Eltern wird in das Ganztagsangebot integriert. Die Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter machen ein über den klassischen Unterricht hinausgehendes Angebot. Die Jugendbegleitung zielt nicht vorrangig auf den Erwerb rein inhaltlichen Wissens ab, sondern unterstützt durch vielfältige Lern- formen die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Das Jugendbegleiter- Programm ist somit ein ergänzender Baustein im Ausbau der bedarfsorientierten flä- chendeckenden Ganztagsschule. Der Einsatz erfolgt nur außerhalb des Unterrichts. 2. An wie vielen Schulen gibt es derzeit je wie viele Jugendbegleiter? In Karlsruhe nehmen derzeit 31 von 75 allgemeinbildenden Schulen am Jugendbe- gleiter-Programm teil. Im Jahr 2008* engagierten sich 417 Jugendbegleiter und Jugendbegleiterinnen an 28 Karlsruher Schulen, die sich folgendermaßen auf die unterschiedlichen Schularten verteilten: * Die vorliegende Evaluation bezieht sich auf den Zeitraum vom 01.02.2008 bis 31.08.2008. Die Daten für Karlsruhe aus der Evaluation 2009 der Jugendstiftung Baden-Württemberg liegen noch nicht vor. 18 34 108 2 17 217 21 050100150200250 Grundschule Grund- u. Hauptschule GHWRS Hauptschule Realschule Gymnasium Sonderschule 2 3. Welches Angebotsspektrum decken diese Jugendbegleiter/innen ab? Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter machen Betreuungsangebote in unter- schiedlichen Bereichen. Sie vermitteln wesentliche Bildungselemente durch Aktivitä- ten in Sport, Musik, Kunst und Kultur, durch Angebote zu Wirtschafts-, Umwelt- und naturwissenschaftlichen Themen oder durch Werte bezogene Angebote der kirchli- chen Jugendarbeit. Soziale Tätigkeiten wie Streitschlichter-Schulung, Erste-Hilfe- Kurse gehören ebenso zum Angebot wie Unterstützung im Rahmen der Mittagsver- pflegung sowie bei der Hausaufgabenbetreuung. Im Jahr 2008 wurden in Karlsruhe wöchentlich 573 Betreuungsstunden mit diesen Schwerpunkten durchgeführt. Angebot Wochen- stunden Hausaufgabenbetreuung 124 Spielraum/Bibliothek 82 Sport 82 Aufsicht Mittagszeit 63 Sprach-/Leseförderung 47 Musik 35 Essensbetreuung 31 Kunst/Kultur 24 Soziales 13 Medien 10 Arbeitswelt 6 Natur/Umwelt 5 Sonstiges 51 Summe 573 Fast die Hälfte der Betreuungsstunden in Karlsruhe wurde im Bereich von Hausauf- gaben- und Essensbetreuung sowie der Aufsicht in der Mittagszeit eingesetzt. 4. Wie sieht die Qualifizierung der Jugendbegleiter/innen aus (berufliche Her- kunft, Qualifizierung für die Tätigkeit an Ganztagsschulen)? Aus welchem Umfeld kommen die Jugendbegleiter? Die Schulleitungen wurden gebeten, die eingesetzten Jugendbegleiterinnen und Ju- gendbegleiter einem Hintergrund zuzuordnen, der für das Engagement der Jugend- begleiter maßgebend ist. In einigen Fällen treffen sicherlich mehrere Hintergrundka- tegorien auf die Jugendbegleiter und Jugendbegleiterinnen zu. Beispielsweise sind Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter in mehreren Vereinen gleichzeitig aktiv, oder aktive Ehrenamtliche werden aufgrund des Inhalts ihres Betreuungsangebots nicht in der jeweiligen Vereinskategorie gezählt, da dieses vom Thema des Vereins wesentlich abweicht. 3 Die Karlsruher Jugendbegleiter wurden in folgende Bereiche eingeordnet: Hintergrund Anzahl derJugend- begleiterinnen und Jugendbegleiter Sport 19 spezielle Ortsvereine 17 Soziales 10 Wirtschaft 6 Jugend 6 Hilfsorganisationen 5 Musik 4 Kunst/Kultur/Medien 3 Kirche 3 Natur/Umwelt 2 Innerhalb der Vereine/Verbände/Organisationen, die Jugendbegleiter stellen, ist der Anteil des Sports am höchsten. Für Jugendbegleiterinnen und Jugendbegleiter, die eine Qualifikation nicht bereits über Beruf oder qualifiziertes Ehrenamt (z.B. als Übungsleiter, Gruppenleiter, als Schüler- oder Bürgermentor) mitbringen, bietet das Land Qualifizierungen an. Diese Grundqualifikation umfasst neben pädagogischen Grundkenntnissen auch or- ganisatorische und administrative Kompetenzen. Grundausbildungen und Fortbil- dungen können an verschiedenen Bildungseinrichtungen im Land durchgeführt wer- den. Wie sieht die Qualifizierung aus? Die Schulleitungen machen hinsichtlich der Qualifikation ihrer Jugendbegleiter fol- gende Angaben: Art der Qualifizierung Anzahl der Jugend- begleiterinnen und Jugend- begleiter durch Ausbildung/Beruf 119 über Ehrenamt 70 über Jugendbegleiter-Programm 6 über Jugendbegleiter-Programm vorgesehen 26 andere Qualifizierungen 196 Die meisten in Karlsruhe aktiven Jugendbegleiter konnten bereits vor Beginn ihres Engagements an Schulen eine Qualifikation vorweisen. 4 Das Qualifizierungsangebot über das Jugendbegleiter-Programm wurde bis August 2008 in Karlsruhe nur viermal nachgefragt, davon wurde dreimal das Schulmodul besucht. Die Einführung in schulinterne Abläufe wird offensichtlich als besonders wichtig erachtet. 5. Ist es richtig, dass Jugendbegleiter/innen eine Aufwandsentschädigung von 6,00 - 8,00 € erhalten? Beim Jugendbegleiter-Programm handelt es sich grundsätzlich um eine ehrenamtli- che Tätigkeit, für die allerdings eine Aufwandentschädigung gewährt werden kann. Die Schulleitungen der Karlsruher Modellschulen haben sich bei Programmbeginn auf einen „Richtwert“ von 7,50 € geeinigt. Die Schulleitungen der Modellschulen erhalten ein Budget für ihre Schulen und ent- scheiden grundsätzlich selbstständig und in eigener Verantwortung über die Ver- wendung der Mittel. 6. Sieht die Stadtverwaltung an Karlsruher Schulen eine Tendenz, schulische Fachkräfte durch Jugendbegleiter/innen zu ersetzen? 7. Laut GEW will die Landesregierung 800 Lehrer/innenstellen in Jugendbeglei- ter/innen umwandeln. a) Ist hierin eine Tendenz zu erkennen, die Jugendbegleiter/innen als Sparmo- dell im Bezug auf Ganztagsschulen zu funktionalisieren? b) Wäre es nicht notwendig, stattdessen Lehrer/innenmangel und Unterrichts- ausfall zu kompensieren, den Klassenteiler zu senken, die Unterrichtsqualität zu verbessern? Das Jugendbegleiter-Programm ist ein Programm des Landes. Auswertungen und Entscheidungen über den inhaltlichen Fortgang des Programms trifft daher aus- schließlich das Land. Die Aufgabe der Stadt Karlsruhe als Schulträger besteht darin, die Fördermittel des Landes zu verbuchen, den Schulen zur Verfügung zu stellen und die Schulleitungen durch Serviceleistungen bei der praktischen Umsetzung vor Ort zu unterstützen. Als Fazit der vierten Evaluation vom September 2009 stellt das Land fest, dass das Jugendbegleiter-Programm an der überwiegenden Zahl der Schulen als fester Be- standteil in den Ganztagesbetrieb eingebunden ist. Das Programm verleiht dem Schulalltag Impulse und Anregungen und bereichert das Schulleben insgesamt. Lan- desweit haben 81 % der Schulleitungen von Modellschulen das Programm positiv bis sehr positiv bewertet. Die Entscheidungen des Landes zum Fortgang des Programms bleiben abzuwarten.