Anfrage SPD: Entwicklung des Radverkehrs
| Vorlage: | 23901 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 07.12.2009 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Weiherfeld-Dammerstock |
Beratungen
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
ANFRAGE Stadträtin Doris Baitinger (SPD) Stadtrat Michael Zeh (SPD) vom 22. September 2009 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 6. Plenarsitzung Gemeinderat 15.12.2009 214 35 öffentlich Entwicklung des Radverkehrs 1.) Wie haben sich die Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrern, insbesondere an den bisherigen Unfallschwerpunkten in den letzten Jahren entwickelt? 2.) Wie hat sich der Anteil der Fahrradfahrer am gesamten Verkehrsaufkommen entwickelt? 3.) Haben sich in den letzten Jahren neue Unfallschwerpunkte herausgebildet? 4.) Wie beurteilt die Stadt die Situation durch die Entwicklung der Radverbindungen insgesamt? Das 20-Punkte-Programm zur Förderung des Radverkehrs soll die Situation der Radfahrer in Kerlsruhe verbessern. Deshalb ist es an der Zeit eine Zwischenbilanz zu ziehen. unterzeichnet von: Doris Baitinger Michael Zeh Hauptamt - Sitzungsdienste - 4. Dezember 2009 Sachverhalt / Begründung:
-
Extrahierter Text
STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Doris Baitinger (SPD) Stadtrat Michael Zeh (SPD) vom: 22.09.2009 eingegangen: 08.10.2009 Gremium: 6. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 15.12.2009 214 35 öffentlich Dez. 6 Entwicklung des Radverkehrs Wie haben sich die Unfallzahlen mit Beteiligung von Radfahrern, insbesondere an den bis- herigen Unfallschwerpunkten, in den letzten Jahren entwickelt? Ein wichtiger Bestandteil des 20-Punkte-Programms ist die Senkung der Unfallzahlen mit Schwer- verletzten Radfahrern um 25 % bis zum Jahr 2010. Dieses Ziel wird voraussichtlich nicht erreicht werden. Die Unfallzahlen und die Zahl Leicht- und Schwerverletzter Fahrradfahrer stagnieren auf hohem Niveau. Jahr polizeilich gemeldete Radunfälle verletzte Radfahrer schwer verletzte Radfahrer 2003 523 447 82 2004 498 435 74 2005 547 481 70 2006 581 502 95 2007 579 498 86 2008 557 495 92 Eine Unfallhäufungsstelle mit Radfahrerbeteiligung liegt vor, sobald im vorangegangenen 3-Jahreszeitraum mindestens 5 Fahrradunfälle registriert wurden. 2006 bestanden 36 Unfallhäu- fungsstellen. An diesen Stellen ereigneten sich etwa 20 % aller Radunfälle. Im Jahr 2009 bestan- den nur noch 15 Unfallhäufungsstellen, an denen sich etwa 10 % aller Radverkehrsunfälle ereig- neten. Darunter befinden sich 4 neue Unfallhäufungsstellen. Durch Planung und Umbau konnten zahlreiche Unfallhäufungsstellen entschärft werden, bei- spielsweise die Autobahnabfahrt Karlsruhe-Mitte von Frankfurt kommend oder die Einmündung Viktoriastraße/Reinhold-Frank-Straße. An der Einmündung Stephanienstraße/Kaiserplatz und der Abzweigung Michelinstraße/Am Entenfang haben sich seit den Umbaumaßnahmen keine Unfälle mit Radfahrerbeteiligung mehr ereignet. Allen Maßnahmen war gemeinsam, dass die Sichtbezie- hungen zwischen den Verkehrsteilnehmern verbessert wurden und die Geschwindigkeit des ein- bzw. abbiegenden Kfz-Verkehrs durch bauliche Maßnahmen reduziert wurde. Die Analyse der Radverkehrsunfälle der Jahre 2003-2005 hat ergeben, dass es sich bei rund 40 % der Unfälle um den Unfalltyp „Einbiegen-/Kreuzen-Unfall“ handelt. Auf diesen Unfalltyp wird in den laufenden Radroutenplanungen eingegangen. Viele Unfalltypen lassen sich jedoch nicht durch punktuelle Umbaumaßnahmen beseitigen: So war bei etwa 20 % der Unfälle das Radfahren in Gegenrichtung die Ursache und laut der Bundesanstalt für Straßenwesen könnten etwa 25 % der Radunfälle vermieden werden, würde vom Kfz-Verkehr die zulässige Höchstgeschwindigkeit ein- gehalten. Seite 2 Die Stadtverwaltung ist daher angewiesen, durch eine geeignete Kampagne auf die Unfallsituation im Radverkehr zu reagieren. Um eine Polarisierung zwischen den Verkehrsteilnehmern zu ver- meiden, sollte sich eine solche Kampagne jedoch nicht allein an eine einzelne Gruppe von Ver- kehrsteilnehmern richten. Von solchen Überlegungen ausgehend, hat beispielsweise Münster eine allgemeine Kampagne zur Verbesserung der Verkehrssicherheit entwickelt und sein Hauptaugen- merk auf eine wesentliche Unfallursache, den fehlenden Schulterblick bei allen Verkehrsteilneh- mern, gerichtet. Die „Karlsruher Kampagne“ soll im Frühjahr 2010, zu Beginn der Radsaison star- ten. Wie hat sich der Anteil der Fahrradfahrer am gesamten Verkehrsaufkommen entwickelt? Der Anteil des Radverkehrs am Gesamtverkehr wird routinemäßig alle 10 Jahre im Rahmen einer Haushaltsbefragung festgestellt. Turnusmäßig findet die nächste Haushaltsbefragung im Jahr 2012 statt. Bis dort hin liegen keine belastbaren Zahlen hinsichtlich des Anteils der Radfahrer vor. Bei den meisten Neuplanungen werden Vorher- und Nachherzählungen vorgenommen. So stieg die Zahl der Radfahrer im Zirkel nach Einrichtung der Cityroute Nord von 3.500 auf 5.200 Radler pro Tag, ein Zuwachs von fast 50 %. In der Rheinstraße stieg die Zahl der Radfahrer nach Einrich- tung des Angebotsstreifens ebenfalls um fast 50 % (von ca. 800 auf etwa 1.150 Radler pro Tag). Diese Zahlen belegen, dass die neuen Radverkehrsanlagen vom Radverkehr gut angenommen werden. Sie lassen allerdings keine Aussage darüber zu, ob es sich um einen möglichen Zuwachs im Radverkehr oder um eine örtliche Verlagerung handelt. Um einen Hinweis auf die allgemeine Entwicklung im Radverkehr zu erhalten, wird jährlich die Zahl der Radfahrer auf der Weiherfeldbrücke gezählt. Diese Brücke stellt für den Radverkehr die kürzeste Verbindung von Weiherfeld zur Innenstadt dar, alle anderen Wege wären mit einem Um- weg verbunden. Hier stieg beispielsweise die Zahl der täglichen Radfahrer von 3.200 im Jahr 2007 auf 4.100 im Jahr 2008. Ursache hierfür könnten unter anderem auch die hohen Spritpreise im Jahr 2008 gewesen sein. Allerdings wurde durch eine Wiederholungszählung im Jahr 2009 diese hohe Zahl an Radfahrern bestätigt. Haben sich in den letzten Jahren neue Unfallschwerpunkte herausgebildet? (siehe 1.) Wie beurteilt die Stadt die Situation durch die Entwicklung der Radverbindungen insge- samt? Insgesamt beurteilt die Verwaltung den eingeschlagenen Weg zur Umsetzung des 20-Punkte- Programms zur Förderung des Radverkehrs positiv. Durch den Gewinn der Werbekampagne „Kopf an. Motor aus.“ beim bundesweiten Wettbewerb „Emissionsfreie Mobilität in Städten“ erfuhr Karlsruhe auch von außen eine Bestätigung für seinen eingeschlagenen Weg. Im Herbst 2010 wird die vom Bundesverkehrsministerium initiierte 4. bundesweite Fahrradkommunalkonferenz in Karlsruhe stattfinden, eine weitere Anerkennung der Fahrradstadt Karlsruhe. Um die im 20-Punkte-Programm festgelegten messbaren Ziele und konkreten Maßnahmen bis zum Jahr 2015 zu erreichen bzw. umzusetzen sind im Bereich „Unfallgeschehen“ noch erhebliche Anstrengungen notwendig. Bei Planung und Bau von Radrouten hängt der Fortschritt auch davon ab, in welcher Höhe finanzielle und personelle Mittel zur Verfügung stehen. Regelmäßige Berichterstattung erfolgt in den jeweiligen Radlerforen. Zusätzlich kann den Fraktionen und den Stadträtinnen und Stadträten auf Wunsch die Broschüre „Aspekte der Stadtplanung Nr. 28, Materialien zum Verkehr in Karlsruhe, Radverkehr“ zugesandt werden.