Anfrage StRn Zürn, StR Fostiropoulos (Die Linke): Lebenssituation älterer Menschen in Karlsruhe

Vorlage: 23642
Art: Beschlussvorlage
Datum: 09.11.2009
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 17.11.2009

    TOP: 30

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Linke-Ältere Menschen
    Extrahierter Text

    STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom 15. Oktober 2009 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 4. Plenarsitzung Gemeinderat 17.11.2009 168 33 öffentlich Lebenssituation älterer Menschen in Karlsruhe 1. Wie erhebt die Stadt Karlsruhe Daten/Erkenntnisse bezüglich der Lebenssituation älterer Menschen? 2. Welche Erkenntnisse liegen bezüglich prekärer Wohnsituationen von Menschen über 65 in Karlsruhe vor? Sind die Daten bezüglich der Bevölkerungsgruppen Frau- en, Menschen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen ausdiffe- renziert? 3. Gibt es in Karlsruhe Indizien für eine steigende Altersarmut von älteren Frauen, älteren Menschen mit Migrationshintergrund und/oder älteren Menschen mit Behin- derungen? 4. Bewertet die Stadt Karlsruhe die zunehmende Wohnungslosigkeit von Frauen über 65 als Indikator für steigende Altersarmut von Frauen in Karlsruhe? In welcher Größenordnung ist verdeckte Wohnungslosigkeit und Alternsarmut von Frauen in Karlsruhe zu vermuten? 5. Ist beabsichtigt, in naher Zukunft einen Bericht über die Situation älterer Menschen in Karlsruhe zu erstellen? Der Anteil der Seniorinnen und Senioren an der Karlsruher Bevölkerung beträgt fast 20 Prozent, die Tendenz ist steigend. Die Mehrheit der Älteren sind Frauen, der An- teil der Menschen mit Migrationshintergrund steigt. Wie auch in der Gesamtbevölke- rung nimmt der Anteil der Alleinlebenden unter den Älteren zu Wenn Angehörige Sachverhalt / Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ nicht vorhanden oder nicht in der Nähe sind, sind ältere Menschen auf eine eigene finanzielle, soziale, gesundheitliche und pflegerische Versorgung angewiesen. In der Befragung im Rahmen des Gesamtkonzepts Wohnungslosenhilfe 97, Bericht 09, ist der Anteil wohnungsloser Renterinnen von Null auf 7,5 Prozent im Berichtsjahr gestiegen. Angesichts der Tatsache, dass Männer im Schnitt derzeit eine Rente von 984 Euro, Frauen dagegen nur 509 Euro erhalten (Auskunft der Deutschen Renten- versicherung) und die Kosten der Daseinsfürsorge ständig steigen, sind prekäre Le- bensverhältnisse gerade bei älteren Frauen anzunehmen. Nur ein differenzierter Bericht über die Situation von Seniorinnen und Senioren kann Aufschluss geben über Handlungsnotwendigkeiten in Fragen der Wohnungsversor- gung, der materiellen Situation sowie sozialer und gesundheitlicher Absicherung älte- rer Menschen in Karlsruhe. unterzeichnet von: Sabine Zürn Niko Fostiropoulos Hauptamt - Sitzungsdienste - 6. November 2009

  • TOP 33
    Extrahierter Text

    STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Sabine Zürn (Die Linke) Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom: 15.10.2009 eingegangen: 15.10.2009 Gremium: 4. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 17.11.2009 168 33 öffentlich Dez. 3 Lebenssituation älterer Menschen in Karlsruhe 1. Wie erhebt die Stadt Karlsruhe Daten/Erkenntnisse bezüglich der Lebenssituation älte- rer Menschen? Die Stadt Karlsruhe verfügt mittels der regelmäßig durchgeführten Bürgerumfragen des Amts für Stadtentwicklung über kontinuierliche Erkenntnisse zur Lebenssituation älterer Menschen aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Vertiefte Einblicke in die Thematik ergab die Seniorenum- frage 2005, deren Ergebnisse dem Gemeinderat in der Sitzung vom 27.09.2005 vorgestellt wurden (Die Lebenssituation der älteren Menschen 2005/Beiträge zur Stadtentwicklung Nr. 19- 8/2005). Aus den persönlichen Anfragen und Beratungsgesprächen beim Seniorenbüro und den Senio- renfachberatungskräften sowie der Beratung im Sozialamt werden Trends hinsichtlich Unter- stützungsbedarfe sichtbar. Allgemeine Erkenntnisse zu Entwicklungslinien in der Lebenssitua- tion der älteren Generation generell werden im Rahmen der Sozialplanung für die ältere Gene- ration auch aus der wissenschaftlichen und gesellschaftspolitischen Fachdiskussion zusam- mengetragen. 2. Welche Erkenntnisse liegen bezüglich prekärer Wohnsituationen von Menschen über 65 in Karlsruhe vor? Sind die Daten bezüglich der Bevölkerungsgruppen Frauen, Men- schen mit Migrationshintergrund und Menschen mit Behinderungen ausdifferenziert? Aus der Seniorenumfrage 2005, die auch die Wohnsituation älterer Menschen grundlegend analysierte, ergaben sich keine Anhaltspunkte hinsichtlich prekärer Wohnsituationen von Men- schen über 65 Jahren. Aus den Antworten ist generell auf eine eher großzügige Ausstattung älterer Menschen mit Wohnraum zu schließen. Mit Blick auf die Situation älterer Frauen wurde ermittelt, dass 70 % der befragten Frauen ihre Wohnung für altersgerecht halten. Seite 2 Schwierige Wohnsituationen älterer Menschen mit niedrigem Einkommen zeigen sich in den persönlichen Anfragen beim Seniorenbüro, dem Sozialamt und der Fachstelle für Wohnungs- sicherung dennoch. Älteren Menschen mit geringem Einkommen ist es nur schwer möglich, ih- re nicht altersgerecht ausgestatteten Wohnungen, z. B. mit schwieriger Heizsituation und Treppe, zu wechseln. Hier zeigt sich der Bedarf an altersgerechten Wohnungen zu niedrigem Mietpreis. Differenzierte Daten im Blick auf die Wohnsituation speziell für die Gruppe älterer Menschen mit Migrationshintergrund und älterer Menschen mit Behinderung liegen noch nicht vor. 3. Gibt es in Karlsruhe Indizien für eine steigende Altersarmut von älteren Frauen, älteren Menschen mit Migrationshintergrund und/oder älteren Menschen mit Behinderungen? Nach der Seniorenumfrage 2005 ergab sich ein Anteil von 11,4 % der Frauen im Alter von 65 Jahren und älter - insgesamt rd. 2.600 Seniorinnen -, die laut ihren Angaben mit einem Haus- haltsnettoeinkommen von unter 500 € auskommen mussten. Derzeit beziehen in Karlsruhe 2.137 Personen über 65 Jahre Leistungen nach dem 4. Kapitel SGB XII Grundsicherung für ältere und erwerbsunfähige Menschen. Dies entspricht einem An- teil von 3,9 % an der Gesamtbevölkerung in dieser Altersgruppe. Die Gruppe teilt sich auf 1.333 Frauen (62,4 %) und 804 Männer (37,6 %) auf. 683 Grundsicherungsbezieher/-innen sind Ausländer, davon 406 Frauen (59,4 %) und 277 Männer (40,6 %). Der Anteil der ausländischen Mitbürger/-innen, die Grundsicherungsleistun- gen beziehen, beträgt 32 %. Menschen mit Behinderung werden statistisch nicht separat erfasst. Nach der letzten Auswer- tung des Amts für Stadtentwicklung September 2008 waren in Karlsruhe insgesamt 13.987 Menschen über 65 Jahre anerkannt schwerbehindert. 4. Bewertet die Stadt Karlsruhe die zunehmende Wohnungslosigkeit von Frauen über 65 als Indikator für steigende Altersarmut von Frauen in Karlsruhe? In welcher Größenord- nung ist verdeckte Wohnungslosigkeit und Altersarmut von Frauen in Karlsruhe zu vermuten? Aktuell ist lediglich eine Frau über 65 obdachlosenrechtlich untergebracht. Ältere Frauen in verdeckter Wohnungslosigkeit gibt es nach Einschätzung der Fachstelle Wohnungssicherung in Karlsruhe kaum. Seite 3 5. Ist beabsichtigt, in naher Zukunft einen Bericht über die Situation älterer Menschen in Karlsruhe zu erstellen? Die grundlegende Erhebung der Lebenssituation älterer Menschen in Karlsruhe liegt vor (s. 1.). Es ist davon auszugehen, dass sich an dieser Gesamtsituation der Wohn- und Einkommens- verhältnisse in dem kurzen Zeitabschnitt nichts Wesentliches verändert hat. So hat sich die Gesamtzahl der Menschen im Alter von 65 Jahren und mehr in Karlsruhe von 54.320 im Jahr der Umfrage (2005) nur auf 54.899 (2008) erhöht. Auch der Anstieg zum Jahr 2015 wird sich in Grenzen halten. Erst im Zeitabschnitt von 2020 bis 2030 ist ein deutlicher Anstieg der älteren Altersgruppe zu erwarten. Vor diesem Hintergrund wird vom Amt für Stadtentwicklung vorerst keine neue repräsentative Umfrage der älteren Menschen in Karlsruhe geplant.