2. Sachstandsbericht "Wohnraumakquise durch Kooperation" 2007/2008
| Vorlage: | 23531 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 28.10.2009 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: Sozialausschuss Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 04.11.2009 1 öffentlich Dez. 3 2. Sachstandsbericht "Wohnraumakquise durch Kooperation" 2007/2008 Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 04.11.2009 1 Zustimmende Kenntnisnahme Antrag an den Sozialausschuss: Der Sozialausschuss nimmt von der Vorlage zustimmend Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Nach den ersten beiden Projektjahren entwickelte sich die „Wohnraumakquise durch Kooperation“ ab 2007 zu einem laufenden Programm, das seinen Projektstatus „ab- legte“ und zu einem unverzichtbaren Instrument bei der Wohnungsversorgung be- nachteiligter Menschen avancierte. Aufgrund des zunehmend angespannten Woh- nungsmarktes und der Kostenersparnis im Vergleich zur obdachlosenrechtlichen Unterbringung erhöhte der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe für den Doppelhaushalt 2007/2008 den Haushaltsansatz auf rund 300.000,00 € pro Jahr. Mit diesen Mitteln wurde es möglich, auch größere Sanierungsvorhaben anzugehen (siehe unten). Gleichzeitig entstand durch den Erwerb der Belegrechte ein „Mikro- Wohnungsmarkt“. Im Rahmen der Akquise wurde für die Wohnungen ein drei- bis zehnjähriges Belegungsrecht vertraglich vereinbart. Ende 2008 befanden sich 129 Wohnungen, deren Belegrechte zwischen 2009 und 2018 enden werden, im Be- stand. Zwischen diesen Wohnungen fanden erste Auszüge und damit Neubelegun- gen ohne vorherige Akquise statt. Dies ermöglichte es, in den Jahren 2007 und 2008 bereits wesentlich mehr Menschen mit Wohnraum zu versorgen, als in den beiden Vorjahren: Ergebnisse Wohnraumvermittlung Wohnungen Personen Alleinstehende Familien Kinder 2005 24 84 5 19 46 2006 34 75 27 12 26 2007 53 160 36 27 72 2008 61 164 63 28 45 Neben der Fortsetzung der Akquise einzelner Wohnungen wurde im Jahr 2007 das Programm erstmals auch für Umbauten ganzer Häuser eingesetzt. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Umbau von Büroräumen in Wohnungen Im Gegensatz zu Wohnräumen gibt es in Karlsruhe einen nennenswerten Leerstand an Büroräumen. Diese können nach Einbau von Bädern als Wohnungen genutzt werden. Es gelang 2007, mit vier verschiedenen Eigentümern Kooperationsverträge zum Umbau von Büroräumen zu schließen. Ergebnis war Wohnraum für vier Fami- lien, eine 4-köpfige Wohngemeinschaft sowie erstmals auch eine behindertenge- rechte Wohnung. Haus für eine 9-köpfige Familie Bereits seit längerem wurde für eine 9-köpfige Familie, die in einer 3-Zimmer- Wohnung in einem Industriegebiet leben musste, ein familiengerechtes neues Zu- hause gesucht. Die Stadt Karlsruhe verfügte nach Auszug der letzten langjährigen Mieter über ein leer stehendes Einfamilienhaus, dessen veralteter Zustand eine Neuvermietung nicht mehr möglich machte. Aus Rentabilitätsgründen hätte es abge- rissen werden müssen. In Zusammenarbeit mit der AWO Karlsruhe gelang es je- doch, die umfangreichen Sanierungsarbeiten (2 vollständig neue Bäder, neue Hei- zungsanlage) durchzuführen. Aufgrund der Unterstützung mehrerer Stiftungen sowie des Einsatzes der Akquisemittel war es möglich, aus einem Abbruchhaus ein neues Zuhause für eine Großfamilie entstehen zu lassen. Umbau eines dreistöckigen Hauses Nachdem 2005 zunächst große Familien zu versorgen waren, entwickelte sich da- nach ein zunehmender Bedarf an kleineren Wohneinheiten. Vor allem für kleine Fa- milien (oft Alleinerziehende) und Alleinstehende ist es schwierig, kurzfristig einen sozialhilferechtlich angemessenen Wohnraum anzumieten. Im Jahr 2007 bot ein privater Eigentümer ein 3-stöckiges Haus für das Programm an. Er war bereit, die vorhandenen drei extrem großen Wohnungen in kleinere Ein- heiten umzubauen. Dieser Umbau wurde mit Mitteln der Akquise unterstützt. Bereits Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Ende 2007 konnten drei Familien und fünf Alleinstehende ihren neuen Wohnraum beziehen. Umbau einer Gaststätte In einem der Hotels, das von der Stadt Karlsruhe zur vorübergehenden Unterbrin- gung von Wohnungslosen genutzt wird, stand seit längerem die Gaststätte im Erd- geschoss leer. Der Hotelier fragte nach, ob Bedarf an weiteren Hotelzimmern be- steht. Es gelang, ihn davon zu überzeugen, stattdessen das Erdgeschoss in sechs Appartements umzubauen. Seit Mai 2008 konnten 5 alleinstehende SGB II- Leistungsbezieher, von einem Träger betreut, einziehen. Für einen ehemaligen Be- wohner des Hotels wurde im Rahmen des neuen Konzeptes eine dauerhafte Be- schäftigungsgelegenheit begründet: Als fester Mieter im Haus ist er Ansprechpartner für die wechselnden Bewohner, für den Träger und für die Fachstelle Wohnungssi- cherung. Daneben ist regelmäßig ein Sozialarbeiter als Ansprechpartner vor Ort. Kooperation mit Sportverein 2008 konnte erstmals in Kooperation mit dem FC Südstern ein Belegrecht an einer Hausmeisterwohnung eines Sportvereins erworben werden. Dank der Unterstützung der Vorstandschaft konnte hier ein von Wohnungslosigkeit bedrohtes junges Paar versorgt werden. Ziel ist, dass für den Verein sowie für alle privaten Partner die Zusammenarbeit mit der Stadt zu einem Erfolgsmodell wird, und damit Werbung auch bei anderen Verei- nen gemacht werden kann. Auch in anderen Vereinsgebäuden gibt es noch leer ste- hende Wohnungen, die sich für Kooperationen anbieten würden. Neue Aufgaben Im Zusammenhang mit den Projekten entstanden neue Aufgaben für die Fachstelle Wohnungssicherung: Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Beim Umbau des dreistöckigen Hauses wurde die Herausforderung gemeistert, ein ganzes Haus so zu belegen, dass keine neue stigmatisierende Adresse entsteht. Alle Bewohner und Bewohnerinnen wurden daher vor Einzug in das Rathaus zu ei- ner gemeinsamen Versammlung eingeladen. Ziel war das gegenseitige Kennenler- nen und gemeinsame Klären von Fragen, die alle Bewohner und Bewohnerinnen betreffen (Hausordnung etc.). Auch 6 Monate nach dem Einzug hat es bislang noch keine Nachbarschaftsprobleme gegeben. In einem anderen Haus, in dem sechs ehemals wohnungslose Familien und drei Parteien leben, die bereits zuvor im Haus wohnten, entstanden nach Abschluss der Mietverträge Probleme wegen Ruhestörung der Kinder sowie wegen Dreck und Ab- fall im Treppenhaus. Gemeinsam mit dem Vermieter wurde daher von der Fachstelle eine Bewohner-/Bewohnerinnenversammlung im Haus organisiert. Ergebnis ist eine neue Hausordnung, die auch eingehalten wird. Im Garten, der zunächst großes Streitthema war, fanden bereits die ersten gemeinsamen Grillfeste der Bewohner und Bewohnerinnen statt. Im Rahmen des Umbaus der Gaststätte kam es zu erheblichen Einwendungen der Nachbarschaft. In einer Nachbarschaftsversammlung konnten die Bedenken besei- tigt werden, so dass die Baumaßnahme genehmigt werden konnte und auch ein Kontakt zwischen Bauherrn und Nachbarn hergestellt wurde. Das Angebot der Fachstelle, sie bei Problemen direkt einzuschalten, musste bisher kein Nachbar bzw. keine Nachbarin in Anspruch nehmen. Neben diesen Service-Angeboten für die Vertragspartner, die zeigen, dass die Stadt auch nach Abschluss der Mietverträge Ansprechpartner bleibt, wird ein zunehmen- des Aufgabenfeld die Überprüfung der Mietausfallgarantien sein. Bislang fiel sie vor allem bei Bewohner- und Bewohnerinnenwechseln an. Die Möglichkeit, Leerstands- mieten sowie notwendige Räumungen, Renovierungen und Sanierungen zu finanzie- ren, reduziert die Bedenken der Vermieter, an den Personenkreis der Menschen in Wohnungsnot zu vermieten, erheblich. Ergänzende Erläuterungen Seite 6 Ausblick Die Wohnraumakquise wird auch in den kommenden Jahren ein wichtiges Instru- ment zur Vermeidung von Obdachlosigkeit bleiben. Ziel muss es sein, das Programm immer an die jeweiligen Bedarfe und Zielgruppen anzupassen (2005: Familien, 2006: Alleinstehende, 2007: Alleinerziehende, 2008: 3- bis 4-köpfige Familien). Wünschenswert wäre ein Ausbau des Programms in der Gestalt, dass neben akuten Wohnungsnotfällen auch unzureichende, ihre Bewohner und Bewohnerinnen be- nachteiligende Wohnbedingungen innerhalb der Stadt verbessert werden. So konnte bereits im Jahr 2008 mit einem privaten Kooperationspartner ein Vertrag über den Umbau eines Hotels geschlossen werden, in dem circa 30 Menschen in baurechtlich bedenklichen Umständen in Dauermietverhältnissen lebten. Ergänzende Erläuterungen Seite 7 Beschluss: I. Antrag an den Sozialausschuss: Der Sozialausschuss nimmt von der Vorlage zustimmend Kenntnis.