Wohnen in Karlsruhe: a) Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe 1997 - Sechster Sachstandsbericht
| Vorlage: | 23399 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 12.10.2009 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Hagsfeld, Innenstadt-West, Mühlburg, Oberreut, Oststadt, Rintheim |
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 3. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 20.10.2009 110 11 a öffentlich Dez. 3 Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe 1997 - Sechster Sachstandsbericht 2009 Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Sozialausschuss 15.07.2009 3 Kenntnisnahme Gemeinderat 20.10.2009 11 a Antrag an den Gemeinderat In seiner Sitzung am 13.05.1997 hat der Gemeinderat beschlossen, im Zwei-Jahres- Rhythmus den jeweiligen Sachstandsbericht des Gesamtkonzeptes Wohnungslosenhilfe ́97 zu diskutieren. Der Gemeinderat nimmt den 6. Sachstandsbericht nach Vorberatung im Sozialausschuss zustimmend zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit
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Extrahierter Text
1 Sechster Sachstandsbericht 2009 Wohnungslose 1987- 2008 Stichtag 31.12. 191 180 279 343 444 588 613 468 328 267 207 177 183 226 241 311 340 303 294 333 317 296 0 100 200 300 400 500 600 700 87888990919293949596979899000102030405060708 Jahr Anzahl Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugenddezernat Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 2 Impressum Herausgeber Stadt Karlsruhe/Dezernat 3 Bearbeitung/ Sozial- und Jugendbehörde Federführung Winfried Uhrig in Zusammenarbeit mit Hannes Hildenbrand/Sozial- und Jugendbehörde Axel Kastner/Sozial- und Jugendbehörde Martin Lenz/Sozial- und Jugendbehörde Barbara Mauter/Sozial- und Jugendbehörde Sonja Rexhäuser/Sozial- und Jugendbehörde Steffen Schäfer/Sozial-Jugendbehörde Uwe Schlindwein/Sozial-Jugendbehörde Mauricette Smitran/Sozial- und Jugendbehörde Peter Stieglbauer/Sozial- und Jugendbehörde Heike Winter/Sozial- und Jugendbehörde Songard Grebe/Heimstiftung Karlsruhe Christine Jung-Weyand/Diakonisches Werk Inge Kemm/SOZPÄDAL Uwe Enderle/Diakonisches Werk Manfred Kern/Diakonisches Werk Peter Schmidt/AWO Sarah Schwiers/bwlv Layout Stefanie Hochadel/Sozial- und Jugendbehörde Druck Mai 2009 3 Vorwort Mit dem Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ’97 initiierte der Karlsruher Gemeinderat in seiner Sitzung vom 13.05.1997 eine Aufgabe, die in sozia- ler und baulicher Hinsicht in Bezug auf die darin untersuchten Wohngebiete mit Entwicklungsbedarf auf etwa zwanzig Jahre angelegt ist. Dem Gemeinderat wurde zum damaligen Zeitpunkt zugesagt, im Zweijah- resrhythmus einen Sachstandsbericht vorzulegen. Diesem Anliegen wird nunmehr zum sechsten Mal Rechnung getragen. Nach dem Barackenbeseitigungsprogramm der Stadt Karlsruhe in den 60er Jahren, dem Rahmenprogramm zur Rehabilitation sozialer Randgruppen in Karlsruhe von 1974, der intensiven Diskussion um den (Fort-)Bestand des Wohngebiets Kleinseeäcker in den 80er Jahren stellten das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ’97 und dessen Fortschreibungen weitere konzeptio- nelle Bausteine im Bereich der Wohnraumversorgung für besondere Ziel- gruppen dar. Nachdem die im Zweijahres-Rhythmus an den Gemeinderat zu leistende Sachstandsberichterstattung des Gesamtkonzepts Wohnungslosenhilfe ’97 im März 2003 auf die ständig steigende Zahl an wohnungslosen Menschen aufmerksam gemacht hatte, legte das Dezernat 3 das „Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe" auf. Mit dessen Hilfe konnte der negative Trend steigender Wohnungslosenzahlen bis heute gestoppt werden. Der vorliegende sechste Sachstandsbericht belegt in beeindruckender Wei- se, wie die Wohnungslosenhilfe Karlsruhe in den vergangenen zwei Jahren weiter den Weg der Entwicklung zu einem differenzierten und bedarfsge- rechten Hilfesystem gegangen ist. Dieses Ergebnis war nur möglich durch eine konstruktive Zusammenarbeit aller beteiligten städtischen Ämter, die Unterstützung der Stadträtinnen und Stadträte des Karlsruher Gemeinderats, der in diesem Arbeitsfeld täti- gen Institutionen und freien Verbände sowie der von Wohnungslosigkeit betroffenen Menschen. Mein Dank für diese Arbeit gilt allen Beteiligten, insbesondere Eigentümern und Vermietern, die bis 2005 mit über 200 Wohnungen ca. 600 Menschen eine selbständige Lebensführung in einer Wohnung ermöglicht haben. Harald Denecken Erster Bürgermeister 4 5 Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 Sechster Sachstandsbericht 2009 Inhalt Seite 1. Vorbemerkung 7 2. Sachstand Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 8 2.1 Fachstelle Wohnungssicherung 10 2.1.1 Prävention 14 2.1.1.1 Vorbeugung 14 2.1.1.2 Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe 16 2.1.1.3 Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe im Kontext der Wohnungssicherung 19 2.2 Beseitigung von Obdachlosigkeit 19 2.2.1 Zahlen, Strukturen, Ergebnisse... 20 2.2.2 Unterkünfte und Unterbringung in Hotels 28 2.2.3 Unterbringungen mit Betreuungsangebot vor Ort 28 2.2.3.1 Wohnheim Rüppurrer Str. 23 28 2.2.3.2 Frauenpension (SOZPÄDAL) 31 2.2.3.3 Übergangsgruppe Kriegsstr. 88 31 2.3 Wohnraumbeschaffung 32 2.3.1 Wohnraumakquise durch Kooperation 32 2.3.2 Nutzungsverhältnisse 33 2.3.3 Scharnierstelle zur Volkswohnung GmbH 34 2.4 Sozialleistungen 34 2.4.1 Wohnungslosenhilfe in Zeiten von „Hartz IV“ 34 2.4.2 Arbeitsvermittlung 35 2.4.3 Leistungsbereich SGB XII 36 2.5 Persönliche Hilfen in Wohnraum 37 2.5.1 SOZPÄDAL: Betreute Wohnformen 37 2.5.2 Heimstiftung: Wohngruppe Adlerstraße und Außenstellen 38 2.5.3 AWO: Betreutes Wohnen 39 2.5.4 Verein für Jugendhilfe: Betreutes Wohnen für haftentlassene wohnungs- lose Männer 40 2.5.5 Ohlebusch GmbH: Mehrfamilientherapie 41 2.5.6 bwlv: Betreutes Wohnen WG Lessingstr. 42 2.6 Beratung 43 2.6.1 Beratungsstelle für wohnungslose Männer 43 2.6.2 Beratungsstelle für Frauen und Paare in Wohnungsnot (SOZPÄDAL) 44 2.6.3 Programm „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ 45 2.6.4 Straßensozialarbeit (Diakonisches Werk) 47 2.7 Langzeithilfen 48 2.7.1 Langzeitwohngruppe Thomas-Mann-Str. (Heimstiftung) 48 2.7.2 Hotel Anker (AWO) 49 6 2.8 Versorgung 50 2.8.1 Erfrierungsschutz Kriegsstr. 88 50 2.8.2 Tagestreff „Tür“ (Diakonisches Werk) 50 2.8.3 TafF – kombiniertes Angebot: „Tagesaufenthalt“ und „Arbeiten und Quali- fizieren“ für Frauen in Wohnungsnot (SOZPÄDAL) 51 2.8.4 Anlaufstelle„IGLU“ (Heimstiftung) 52 2.9 Junge erwachsene Wohnungslose 54 2.9.1 Pilotprojekt Betreutes Wohnen (SOZPÄDAL) 54 2.10 Psychisch kranke Wohnungslose 56 2.10.1 Betreutes Wohnen für psychisch kranke Wohnungslose (AWO) 56 2.10.2 Betreutes Wohnen für psychisch kranke Wohnungslose (SOZPÄDAL) 56 2.10.3 Pilotprojekt „Aufsuchende Sozialpädagogische Hilfen“ im Rahmen des Betreuten Wohnens für psychisch kranke Menschen (Diakonisches Werk) 56 2.10.4 Sozialpsychiatrischer Dienst 57 2.11 Arbeit, Beschäftigung, Aktivierung 58 2.11.1 Arbeits- und Beschäftigungsprojekt (AWO) 58 2.11.2 TafF – Arbeiten und Qualifizieren (SOZPÄDAL) 58 2.11.3 Wohnungsakquise und Sanierung (SOZPÄDAL) 58 2.11.4 Streetwork (Diakonisches Werk) 59 2.12 Medizinische Versorgung 59 2.12.1 Die Situation 60 2.12.2 Bedarf in Karlsruhe 61 2.13 Befragung Wohnungsloser 62 2.14 Kooperation mit der Stadt Stutensee 79 2.15 Ausblick 83 3. Soziale Stadtteilentwicklung 84 3.1 Soziale Stadt 85 3.1.1 Oststadt 85 3.1.2 Innenstadt-West 86 3.1.3 Mühlburg 87 3.2 Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS) 87 3.3 Wohngebiete 88 3.3.1 Nußbaumweg 88 3.3.2 Kleinseeäcker 89 3.3.3 Zeppelinstraße/Durmersheimer Straße 91 3.3.4 Karl-Flößer-Straße 91 3.3.5 Lachäcker 91 3.4 Zielkategorien 2009 - 2011 94 7 1. Vorbemerkung Als im November 1993 der „Sozialbericht '93" im Gemeinderat der Stadt Karlsruhe behandelt wurde, hatte die Wohnungsnot in Karlsruhe ihren Höchststand erreicht, was sich unter anderem negativ in der Wohnungslo- senstatistik der Sozial- und Jugendbehörde niederschlug. Zum damaligen Zeitpunkt war eine Entspannung auf dem Wohnungs- markt, wie sie dann Mitte der 90er Jahre zu beobachten war, nicht unbe- dingt vorhersehbar. Diese Entspannung, die auch bedingt durch den Er- werb der ehemaligen amerikanischen Siedlung (Erzbergerstraße) durch die Volkswohnung GmbH und die bauliche Erweiterung Oberreuts war, gab dem Sozialdezernat die Möglichkeit, die Wohnraumversorgung materiell und sozial benachteiligter Menschen in Karlsruhe 1996 wiederum als ein Schwerpunktthema aufzugreifen. Die Entspannung am Wohnungsmarkt währte aber nicht lange. So waren seit 1998 wiederum steigende Zahlen an Wohnungslosen zu verzeichnen. Dieser Trend schien sich 2004 umzukeh- ren, was die Hoffnung auf sinkende Wohnungslosenzahlen nährte. Inzwi- schen ist aber deutlich geworden, dass es ohne spürbaren Neubau von preiswertem Wohnraum auf dem Wohnungsmarkt keine wirkliche Ent- spannung geben wird. Nur durch eine Reihe von innovativen Maßnahmen gelang es, den Abfluss aus den Wohnungslosenunterkünften erheblich zu steigern und so die Zahlen der obdachlosenrechtlich untergebrachten Per- sonen auf dem Vorjahresniveau zu halten. 8 2. Sachstand Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe ́97 Das Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe '97 wurde im Sozialausschuss am 16.04.1997 diskutiert und am 13.05.1997 im Gemeinderat der Stadt Karls- ruhe verabschiedet. Die Bilanz des 1. Sachstandsberichtes 1999 enthielt folgende Schwer- punkte: 1. Abriss Bernsteinstraße 5/7 und Nußbaumweg 1/2; 2. Errichtung von Sanierungsbeiräten in den Wohngebieten Kleinseeäcker und Nußbaumweg; 3. Beteiligung der Bewohner/-innen zur Erstellung der Modernisierungs- pläne; 4. Befriedung Wohnwagenabstellplatz; 5. Rückgang der Anzahl von Unterbringungen im gesamten Bereich der Wohnungslosenhilfe. Die Bilanz des 2. Sachstandsberichtes umfasste 2001 folgende Schwer- punkte: 1. Beschreibung der Entwicklung der baulichen Situation in den Wohnge- bieten Nußbaumweg und Kleinseeäcker; 2. Auflistung der wesentlichen Ergebnisse von Evaluation und Monitoring in verschiedenen Wohngebieten; 3. Beschreibung des Städtebauförderungsprogramms „Stadtteile mit be- sonderem Entwicklungsbedarf - die Soziale Stadt“; 4. Aktuelle Entwicklung der Karlsruher Wohnungslosenhilfe in empiri- scher und konzeptioneller Hinsicht; 5. Fachtagung vom 27.03.2001: „Arme Kinder und Jugendliche in sozial benachteiligten Wohngebieten“. Im 3. Sachstandsbericht 2003 ließen sich die Themenschwerpunkte wie folgt skizzieren: 1. Wohnungssicherung; 2. Methodische Orientierung: Von der Kleinräumigkeit hin zur Stadtteil- ebene; 3. Soziale Durchmischung; 4. Förderprogramme insbesondere mit der Zielrichtung „Abbau von Bil- dungsbenachteiligung“; 9 5. Fachtagung vom 15.11.2003: „Entwicklung – Chancen – Prävention: Kooperative Jugendhilfe in Sozialen Brennpunkten zur Verhinderung von Kriminalität und Gewalt“. Im 4. Sachstandsbericht 2005 fanden sich folgende Themenbereiche: 1. Wohnungslosenhilfe in der Sozialen Stadt; 2. Aktionsprogramm Wohnungslosenhilfe 2003 – 2005; 3. Soziale Stadt(teil)entwicklung in kleinräumiger Perspektive; 4. Soziale Stadt aus Sicht der Städtebauförderung; 5. Jugendhilfe als Kooperationspartner der Sozialen Stadt; 6. Tagesaufenthalt sozial und materiell benachteiligter Menschen; 7. Fachtagung vom 20.05.2003: "Schulverweigerung"; 8. Fachtagung vom 24.09.2004: „Die Aufgegebenen einer Stadt? Psy- chisch kranke Wohnungslose zwischen Sozialverwaltung, Sozialarbeit, Medizin und Politik“. Der 5. Sachstandsbericht 2007 konzentrierte sich auf folgende Schwer- punkte: 1. Wohnraumakquise und -sicherung; 2. Ausbau des Hilfesystems für alleinstehende Wohnungslose unter den Gesichtspunkten Differenzierung und Bedarfsgerechtigkeit; 3. Aktivierung; 4. Sanierung des Wohnwagenabstellplatzes (Gewann Lachäcker); Für den Themenkreis „Soziale Stadt“ wurde 2007 ein separater Bericht vorgelegt Der hier vorgelegte 6. Sachstandsbericht 2009 dokumentiert die Themen- bereiche: 1. Konsolidierung der Fachstelle Wohnungssicherung 2. Entwicklung der Unterbringungsstruktur 3. Ausbau und Differenzierung des Hilfesystems 4. Dokumentation der 3. Befragung wohnungsloser Menschen 5. Kooperation mit der Stadt Stutensee 6. Wohnraumakquise durch Kooperation 7. Programm „Soziale Stadt“ 10 2.1 Fachstelle Wohnungssicherung Masterplanziel „Auflösung unbetreuter Obdachlosenunterkünfte“ Der Masterplan der Stadt Karlsruhe führt unter der Überschrift „Nachhalti- ge Integration von Obdachlosen in den Wohnungsmarkt und in die Gesell- schaft“ aus: unbetreute Häuser zur Unterbringung Wohnungsloser – Ob- dachlosenunterkünfte – sind Inseln der Ausgrenzung in einer Stadt. Soziale Integration, gesellschaftliche und kulturelle Teilhabe der Betroffenen kann nur erreicht werden über Wohnraum, der dezentralisiert über das gesamte Stadtgebiet Karlsruhes verteilt ist und den Bewohner/-innen ein sie aktivie- rendes Angebot im Sinne eines umfassenden Lebenslagekonzeptes (Arbeit, Bildung, Wohnen, Gesundheit und die Teilhabe am gesellschaftlichen, kul- turellen und politischen Leben) bietet. Bereits bis 2010 soll Karlsruhe eine Stadt ohne unbetreute Obdachlosenun- terkünfte sein. Dazu sind derzeit noch vorhandene Obdachlosenunterkünfte aufzulösen und Wohnungslose in Wohnungen des freien Wohnungsmark- tes zu vermitteln. Zum Ende des Jahres 2008 bestehen nur noch zwei unbe- treute Unterkünfte: Scheffelstr. 37 mit 17 Plätzen sowie Gartenstr. 9 mit 30 Plätzen. Im Jahr 2009 soll in der Scheffelstr. 37 das 2. Obergeschoss umgebaut werden, so dass statt der bisherigen Durchgangszimmer Einzelzimmer ent- stehen. Diese werden dann mit chronisch mehrfach beeinträchtigten Frauen belegt, die langfristig nicht mehr in eigenständigen Wohnraum vermittelt werden können. Für die Betreuung dieser Frauen wird ein Träger beauf- tragt. Die Gartenstr. 9 wird als letzte unbetreute Unterkunft aufgelöst. Hier sind vor allem Familien und Frauen vorübergehend untergebracht. Ange- dacht ist ein Umbau in kleinere Wohneinheiten, die Familien als Unter- kunft dienen sollen. Wichtig wird danach die nachhaltige Sicherung des Erreichten, damit bei der zunehmenden Verknappung des Mietwohnraums nicht wieder neue unbetreute Unterkünfte gegründet werden müssen. Für Menschen in Wohnungsnot werden vor allem preiswerte Wohnungen be- nötigt. Dringend notwendig ist daher die Fortsetzung des Programms „Wohnraumakquise durch Kooperation“. Bei einem ausgeglichenen Woh- nungsmarkt wären zur Versorgung der Wohnungsnotfälle betreute Unter- künfte für Menschen mit Unterstützungsbedarf sowie die Vermittlung in Wohnraum die einzigen beiden Bausteine. Da wir jedoch nicht über aus- reichend Wohnraum verfügen, ist es notwendig, zusätzlich Menschen vo- rübergehend in Hotels unterzubringen. Dort werden sie dann bei Bedarf von den „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ unterstützt. 11 Im Jahr 2008 hat sich gezeigt, dass in den Hotels vermehrt Menschen un- tergebracht werden müssen, die auf dem regulären Wohnungsmarkt keine Chancen mehr haben. Es handelt sich vielfach um verhaltensauffällige, körperlich abgebaute Menschen. Für diese ist als weiterer Baustein der be- treuten Unterkünfte eine Ergänzung zur Einrichtung „Anker“ notwendig. Die Fachstelle Wohnungssicherung organisiert ihre Arbeit unter prozess- begleitender Selbstevaluation mit wissenschaftlicher Begleitung von Frau Prof. Dr. Susanne Gerull/Berlin. 12 Schuldnerberatung Planung Fachbereich 2 Prävention, Wohnraum- akquise Fachbereich 3 Sozialpädagogische Be- treuung alleinstehender wohnungsloser Menschen In PU mit Abt. L Obdachlosen- Unterkünfte Prävention Mietrückstandsüber- nahme Räumungstermine Wohnraumakquise Beratungsstelle für wohnungslose Männer Erfrierungsschutz/Not- quartier Übergangswohngruppe Kriegsstr. 88 Wohnheim Rüppurrer Str. 23 Gewährung von Leistungen nach SGB II Organigramm Fachstelle Wohnungssicherung Quelle: Sozial- und Jugendbehörde 2008 Fachstellenleitung Personal, Finanzen, Planung Fachbereich 1 Unterbringung nach PolG BW Fachbereich 4 SGB II Gewährung von Leistungen nach SGB XII Unterbringung obdachloser Menschen Scharnierfunktion VoWo Aufsuchende Sozialarbeit Hilfen für Familien Nutzungsverträge 13 Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe (Dez. 2008) Schuldnerberatung Prävention Prävention durch SoDi Sozialleistungen SGB II PAP SGB XII Fachstelle Wohnungssicherung _________ betreibt --------------- finanziert und/oder steuert Beseitigung von Obdachlosig- keit Einweisung in Unterkünfte und Hotels Verwaltung der Unterkünfte Erfrierungsschutz K 88 Prävention Mietschuldenübernahme Prävention „2. Stufe“ Mietsicherung Persönliche Hilfen Beratungsstelle Männer Lotsenkonzept Persönliche Hilfen Beratungsstelle Frauen Mehrfamilientherapie Institutionelle Hilfen Wohnheim Rü 23 Erstaufnahme in Rü 23 Übergangswohngruppe K88/DG Institutionelle Hilfen Frauenpension Wohnen Wohnungsakquise Belegungsvereinbarungen/ Nutzungsverträge Wohnen Betreutes Wohnen SOZPÄ- DAL Begleitetes Wohnen SOZPÄ- DAL Betreutes Wohnen Heimstif- tung Betreutes Wohnen AWO Betreutes Wohnen für junge Erwachsene (SOZPÄDAL) Langzeithilfen LZWG Thomas-Mann-Str. Anker WG Lessingstr. (Sucht) Versorgung Tagestreff Tür TafF Iglu Herz-Jesu-Stift Psychisch Kranke Appartmenthaus Rü56 Aufsuchende Hilfe Betr. Wohnen AWO Betr. Wohnen SOZPÄDAL Aktivierung Angebote AWO TafF Wohnungsrenovierung AWO + SOZPÄDAL Streetwork (Diakonie) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde 2008 14 2.1.1 Prävention „Retten was geht“ Die Prävention in Karlsruhe arbeitet nach dem Motto “Retten was geht“ um drohende Wohnungsverluste zu verhindern. Dies bedeutet, dass der in- nerhalb des vorgegebenen rechtlichen Rahmens vorhandene Spielraum ausgeschöpft wird, wenn der Erhalt der Wohnung sinnvoll und möglich ist. Durch schnelles Agieren und frühzeitige Hilfen können drohende Woh- nungsverluste und damit verbundene hohe Kosten der obdachlosenrechtli- chen Unterbringung und soziale Nachteile für die Betroffenen verhindert werden. 2.1.1.1 Vorbeugung Zur langfristigen Sicherung des Wohnraumes bei Mietrückstandsfällen hat sich die enge Anbindung der Schuldnerberatung in der Fachstelle als sehr vorteilhaft erwiesen. Um noch mehr Unterstützung in diesem Bereich ge- ben zu können, werden seit 2008 Sozialarbeiter/-innen der Wohnungslo- senhilfe über Infoveranstaltungen der städtischen Schuldnerberatung ge- schult. Dies soll fortgesetzt und ausgeweitet werden. Mieträumungsklagen/ Ausgleich von Mietrückständen Die bereits in den Jahren 2005 und 2006 hohe Zahl der Mahnungen, frist- losen Kündigungen und Räumungsklagen hat sich leider auch in den Jah- ren 2007 (997 Vorgänge) und 2008 (1081 Vorgänge) weiter gesteigert. Gründe für diese Entwicklung sind u. a. die zunehmende Verschuldung innerhalb der Bevölkerung und die Auswirkungen des Arbeitslosengeldes II. Durch eine Gesetzesänderung des SGB II wurde die Weiterbewilligung der Mietzahlungen bei einer Inhaftierung gestoppt. Auch diese Anträge werden nun bei der Prävention der Fachstelle für Wohnungssicherung be- arbeitet Trotz weiter steigender Verfahrenszahlen ist die Zahl der Räumungstermi- ne und die Anzahl untergebrachter Personen nicht analog angestiegen. Dies ist ein Erfolg der konzeptionellen Arbeit der Prävention. 269 Mietrückstände wurden im Jahr 2007 und 290 Mietrückstände im Jahr 2008 ausgeglichen. Hiervon waren 2007 insgesamt 567 Personen und im 15 Jahr 2008 insgesamt 599 Personen betroffen. In beiden Jahren waren je- weils 72,8 % der Antragsteller Leistungsempfänger nach dem SGB II. Der überwiegende Teil des Mietrückstandsausgleiches erfolgt als Darle- hen. 2007 wurden 79 % der Fälle als Darlehen und 21% der Fälle als Bei- hilfe gewährt. Im Jahr 2008 hat sich der seit 2006 bestehende Trend hin zum Darlehen weiter verfestigt. 88% aller Fälle wurden als Darlehen ge- währt und 12 % als Beihilfe. 307.978 € 336.314 € 407.052 € 281.217 € 93.922 €87.779 €56.088 € 179.233 € 463.144 € 424.094 € 487.211 € 375.139 € 0 € 50.000 € 100.000 € 150.000 € 200.000 € 250.000 € 300.000 € 350.000 € 400.000 € 450.000 € 500.000 € 2005200620072008 Darlehen Beihilfe Gesamt Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Mietsicherung Nach wie vor setzt die Fachstelle W die Mietsicherung als effektives In- strument der Wohnungssicherung ein. Der Mieter tritt die eigenen Einkünf- te (z. B. Arbeitslohn, Rente, Krankengeld etc.) in Höhe der monatlichen Monatsmiete an die Fachstelle W ab. Die Fachstelle leitet diese Einkünfte dann an den Vermieter weiter. Somit können sehr zuverlässig Mietrück- stände verhindert werden. 16 32 37 43 71 110 124 139 152 153 139 127 154 187 216 271 171 164 162 174 0 50 100 150 200 250 300 9092949698 20002002200420062008 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 2.1.1.2 Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosen- hilfe Die aufsuchende Sozialarbeit im Bereich der Prävention ist ein fester und wichtiger Bestandteil der Fachstelle Wohnungssicherung. Aufgrund der Erweiterung der Aufgaben und der steigenden Zahl wohnungsloser und von Wohnungslosigkeit bedrohter Menschen sind zusätzliche Maßnahmen notwendig geworden. Durch interne Umorganisation innerhalb der Fach- stelle konnte dieser Arbeitsbereich auf zwei Stellen erweitert werden. Schwerpunkte sind die Hilfen vor dem Räumungstermin mit dem Ziel, Wohnungslosigkeit zu verhindern und - falls dies nicht möglich ist - die Unterstützung bei der weiteren Wohnungssuche. Je nach Problemlage werden zum Erhalt der Wohnung oder beim Einzug in eine neue Wohnung begleitende Hilfen über Träger angeboten, z. B. das Familienprojekt. Räumungstermine Schwerpunkt der aufsuchenden Arbeit ist die Hilfe vor dem Räumungs- termin mit dem Ziel der Verhinderung von Wohnungslosigkeit. Dies bein- haltet, die vor dem Wohnungsverlust stehenden Haushalte aufzusuchen, den Hilfebedarf abzuklären und falls notwendig, Hilfen zum Mietrück- standsausgleich und zur Mietabsicherung zu vermitteln. Hierzu sind Ver- handlungen mit Vermietern und Vermieterinnen, Begleitung zum Amtsge- 17 richt, Absprachen mit Gerichtsvollziehern und Gerichtsvollzieherinnen sowie eine enge Zusammenarbeit von Sozialarbeit und Verwaltung not- wendig. Sollte der Wohnungserhalt nicht möglich sein, werden die betroffenen Haushalte intensiv beraten, unterstützt und beim Räumungstermin beglei- tet. Bei allen anstehenden Problemen, wie Einlagerung der Möbel, vo- rübergehender obdachlosenrechtlicher Unterbringung und vor allem der weiteren Wohnungssuche wird unsere Hilfe angeboten. Durch die aufsu- chenden Sozialarbeit vor Ort ist der individuelle Hilfebedarf gut einschätz- bar. Bei der weiteren Wohnungssuche hat sich die enge Zusammenarbeit mit der Volkswohnung GmbH sowie unserem Programm der Wohn- raumakquise als sehr hilfreich erwiesen. Die nachfolgenden Statistiken zeigen die hohe Zahl an verhinderten Räumungsterminen sowie die Räu- mungsgründe und die Haushaltsstrukturen auf. Seit vielen Jahren gelingt es, deutlich mehr als 50 % der Räumungs- termine zu verhindern. Mehr denn je sind Mietrückstände, also i. d. R. Überschuldung, der bedeutendste Räumungsgrund. In 2008 sind bei 84 % der Haushalte Mietrückstände der Räumungs- grund. Eine Übernahme der Rückstände erfolgte bei 18 %. Bei 39 % konnte eine neue Wohnung vermittelt werden. Diese Zahl ist seit 2005 stetig abnehmend, bedingt durch den engen Wohnungsmarkt, s. auch grafische Darstellung. Drastisch zunehmend ist auch die Zahl der Haushalte von Alleinste- henden. 2008 waren es 62,5 %. Sowohl bei der Prävention als auch bei der Sicherung der Nachhaltigkeit der Hilfen ist deshalb auf diese Personengruppe besonders einzugehen und bedarfsgerechte Angebote zu machen. 18 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Räumungstermine 177 Haushalte (277 Personen) Ohne direkten Kontakt 60 Haushalte (83 Personen) Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung Aufsuchende Sozialarbeit in der präventiven Wohnungslosenhilfe Zeitraum: 01.01. - 31.12.2008 Abgesetzte Räumungs- termine 89 Haushalte (151 Personen) Unterbringung nach Räumungsterminen 28 Haushalte (43 Personen) Alleinstehende 21 (21) allein Erziehende 2 (4) Paare 1 (2) Familien 4 (16) Alleinstehende 52 (52) allein Erziehende 12 (28) Paare 15 (30) Familien 10 (41) 19 2.1.1.3 Der Soziale Dienst der Stadt Karlsruhe im Kontext der Wohnungssicherung Die Tätigkeit des Sozialen Dienstes im Aufgabenfeld Wohnungssicherung wurde im 5. Sachstandsbericht ausführlich beschrieben. Im Jahr 2008 war der Soziale Dienst in 850 Fällen der Beratung zur Wohnungssicherung be- fasst. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Sozialer Dienst 2008 2.2 Beseitigung von Obdachlosigkeit Nach dem baden-württembergischen Polizeigesetz (wie auch im Ord- nungsrecht aller Bundesländer) ist die Kommune verpflichtet, auftretende Obdachlosigkeit als Störung der Öffentlichen Ordnung und Sicherheit zu beseitigen, sofern den Betroffenen nicht zumutbare Selbsthilfe möglich ist. Dabei spielen die jeweiligen Ursachen der Obdachlosigkeit keine Rolle. In Karlsruhe ist schon seit Jahrzehnten diese eigentlich ordnungsrechtliche Funktion an die SJB delegiert. Außerhalb der regulären Sprechzeiten der Fachstelle für Wohnungssicherung werden notwendige Sofortmaßnahmen über das Wohnheim Rüppurrer Str. 23 veranlasst. Soweit nicht unmittelbar Fallzahlen der Beratung zur Wohnungssicherung beim Sozialen Dienst (2000 - 2008) 795 776 770 812 770 699 850 751 734 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 200020012002200320042005200620072008 20 Wohnungen zur Verfügung stehen, werden obdachlose Haushalte und Ein- zelpersonen in den städt. Unterkünften und den angemieteten Hotels ein- gewiesen. Am 31.12.08 befanden sich in diesen Einrichtungen 296 Perso- nen, darunter 20 Kinder. 2.2.1 Zahlen, Strukturen, Ergebnisse... Über die am Jahresende untergebrachten Personen gibt die folgende Grafik Auskunft: Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Durch die verschiedenen von der Fachstelle Wohnungssicherung der SJB in den letzten Jahren eingeleiteten Maßnahmen zur Wohnraumversorgung und die damit einher gehende Differenzierung des Karlsruher Wohnungs- losenhilfe-Systems konnte ein ebenso drastischer Anstieg der Obdachlo- senzahlen wie in den Jahren 1988 bis 1993 verhindert werden. Während die Zahl der Räumungsklagen und vorgerichtlichen Verfahren vom Jahr 1987 bis 2008 um ca. 220 % stieg, ergibt der Vergleich der Unterbrin- gungszahlen lediglich einen Anstieg um ca. 55 %. 2007 stieg die Gesamtzahl der im Laufe des Jahres untergebrachten Perso- nen auf 876 (höchste Zahl in den letzten 5 Jahren); für 2008 war jedoch wieder ein deutlicher Rückgang auf 740 Personen zu verzeichnen. Die Jah- Wohnungslose 1987-2008 Stichtag 31.12. 191 180 279 343 444 588 613 468 328 267 207 177 183 226 241 311 340 303 294 333 317 296 0 100 200 300 400 500 600 700 87888990919293949596979899000102030405060708 Jahr Anzahl 21 reszahlen der untergebrachten Haushalte betrugen für 2007: 710 und für 2008: 622. Das folgende Schaubild zeigt die Entwicklung seit 2003. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Bei einer Auswertung der Gründe für die Notwendigkeit der obdachlosen- rechtlichen Unterbringung ergeben sich die folgenden Sachverhalte. (Es handelt sich nicht um die möglicherweise langfristig entstandenen Ursa- chen der Entwicklung zur Wohnungslosigkeit – wie z. B. Arbeitslosigkeit, Armut, Suchterkrankung etc.. Diese können bei der Fachstelle nicht für al- le Betroffenen verlässlich erhoben werden.): Nur 10,4 % der Untergebrachten kommen aus einer Zwangsräumung, die mit den Mitteln der Fachstelle nicht verhindert werden konnte. Diese nied- rige Zahl zeigt deutlich, dass die Prävention zur Verhinderung von Woh- nungsverlust vor allem bei Mietschulden sehr gut funktioniert. Letztlich ist dieser Bereich auch der einzige, dessen Entwicklung durch Konzept und Organisation der Fachstelle beeinflussbar ist. Alle anderen Gründe, die ei- ne Unterbringung erforderlich machen, sind nicht steuerbar. Die Fachstelle kann nur auf sie reagieren. Die zweitgrößte Gruppe mit 13,9 % stellen die Personen dar, die eine Kün- digung ohne Widerspruch akzeptieren und die Wohnung verlassen. Hier dürfte das fehlende Wissen über die rechtlichen Möglichkeiten des Mieter- schutzes, Ohnmachtsgefühle u. ä. eine große Rolle spielen. Es scheint auch, als wären unter dieser Gruppe die jungen Erwachsenen besonders stark vertreten. Dies trifft in gleicher Weise für die Personen zu, die vor ihrer Meldung bei der Fachstelle bei Bekannten Unterschlupf gefunden ha- ben: 10 %. Meist haben diese Personen zuvor auch die Kündigung ihres Untergebrachte 2003-2008 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 1000 200320042005200620072008 Personen Haushalte 22 letzten Mietverhältnisses widerspruchslos akzeptiert. Vielleicht könnte die- se Zahl durch gezielte Öffentlichkeitsarbeit über Mieterschutz und Mög- lichkeiten der Verhinderung von Wohnungsverlust vermindert werden. Die größte Gruppe mit 18,4 % stellen alleinstehende Wohnungslose dar, die schon längere Zeit wohnungslos leben und bisher aus den unterschied- lichsten Gründen keinen Weg aus der Wohnungslosigkeit herausfanden. Erschreckend hoch ist auch die Zahl der jungen Erwachsenen, die obdach- los wurden, weil sie das Elternhaus verlassen mussten (7,7 %). Das auf der nächsten Seite dargestellte Schaubild veranschaulicht die Gründe für die Unterbringung. Es beruht auf der Auswertung von 613 Personen im Jahr 2008. 23 Gründe der Unterbringung in 2008 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Unterbringung wegen.../bzw. vorherige Situation Zuzug wegen Arbeitsstelle 1 % nach Therapie 12,4 % Räumung 10,4 % Rauswurf aus Elternhaus 7,7 % Kündigung ak- zeptiert 13,9 % Haftentlassung 8,5 % Einreise Aus- land 4,7 % Beziehungs- konflikt 12,6 % Unterschlupf bei Bekannten 10 % Brandfälle/ Wasserschäden 0,5 % 24 U n t e r b r i n g u n g s a r t ( S t a n d 3 1 . 1 2 . 0 3 ) 77% 23% in H e im e n / U n t e r k ü n f t e nin H o t e ls Unterbringungsstruktur Bei einem Vergleich mit der Unterbringungssituation am 31.12.2003 sind folgende Veränderungen augenfällig: Unterbringungsart Während 2003 die Unterbringung in städtischen Unterkünften mit 77 % noch die Regel war und eine Hotelunterbringung nur für „Überkapa- zitäten“ diente, wurden diese Verhältnisse inzwischen umgekehrt. Durch Belegungsvereinbarungen mit Hotels konnten die Unterbringungskosten erheblich reduziert werden. Die teure Unterhaltung eigener Gebäude als Obdachlosenunterkunft konnte tendenziell aufgegeben werden. Auch wur- de durch die Aufgabe von in ihrer Wirkung auf die Bewohner kontrapro- duktiven Großunterkünften zugunsten kleinerer dezentraler Einheiten die Qualität der Unterbringung verbessert und für Beruhigung in Nachbar- schaften gesorgt. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 U n t e r b r i n g u n g s a r t ( S t a n d : 3 1 . 1 2 . 0 8 ) 52% 48% in H e im e n / U n t e r k ü n f t e nin H o t e ls 25 H a u s h a l t s s t r u k t u r d e r u n t e r g e b r a c h t e n H a u s h a l t e ( S t a n d : 3 1 . 1 2 . 0 3 ) 72% 28% E in - P e r s o n e n - H a u s h a lt e M e h r - P e r s o n e n - H a u s h a lt e G e s c h l e c h t e r v e r t e i l u n g d e r u n t e r g e b r a c h t e n e r w a c h s e n e n W o h n u n g s l o s e n ( S t a n d 3 1 . 1 2 . 0 3 ) 65% 35% M ä n n lic hW e ib lic h H a u s h a l t s s t r u k t u r d e r u n t e r g e b r a c h t e n H a u s h a l t e ( S t a n d : 3 1 . 1 2 . 0 8 ) 9% 91% E in - P e r s o n e n - H a u s h a lt e M e h r - P e r s o n e n - H a u s h a lt e Geschlechterverteilung der untergebrachten Erwachsenen Wohnungslosen (Stand 31.12.08) 70% 30% MännlichWeiblich Haushaltsstruktur Der Anteil der Mehrpersonen-Haushalte – und damit der Familien – ging von 28 % auf 9 % zurück. In den letzten Jahren wurden einige familien- spezifische Angebote erfolgreich durchgeführt. Erfreulicher Weise ging damit auch der Anteil an Kindern in den Unterkünften von 16 % auf 6,8 % zurück. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Frauenanteil Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 26 Der Anteil der Frauen an den untergebrachten erwachsenen Personen ist von 35 % auf 30 % zurückgegangen. Der Ausbau frauenspezifischer An- gebote dürfte hierzu beigetragen haben. Ausländeranteil Der Ausländeranteil ist von 14 % auf 11 % gesunken. Allerdings dürfte die Zahl der Betroffenen mit Migrationshintergrund erheblich größer sein. Dieses Merkmal konnte bisher nicht erfasst werden. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Abgangsart nach Unterbringung Wie das folgende Schaubild deutlich macht, haben der Ausbau und die Differenzierung des Hilfesystems zu einer Verbesserung der Ergebnisse der Wohnungslosenhilfe geführt. Während 2006 noch die Mehrheit der Abgänge aus den Unterkünften und Hotels (56,6 %) nach unbekannt ver- zeichnet werden mussten, – also ohne dass die aufgewandten Bemühungen an der grundsätzlichen Lebenssituation etwas verändert hätten – waren dies 2008 nur noch 43,6 %. Die Zahl der Menschen, die in gesicherte Wohn- verhältnisse oder in notwendige Therapien gingen, stieg im gleichen Zeit- raum von 39,1 % auf 48,1 %! Ausländeranteil der untergebrachten Wohnungslosen (Stand 31.12.03) 86% 14% DeutscheAusländer Ausländeranteil der untergebrachten Wohnungslosen (Stand: 31.12.08) 89% 11% DeutscheAusländer 27 A b g a n g n a c h u n b e k a n n t o d e r i n W o h n e n / T h e r a p i e 0 , 0 % 1 0 , 0 % 2 0 , 0 % 3 0 , 0 % 4 0 , 0 % 5 0 , 0 % 6 0 , 0 % 200620072008 U n b e k a n n tW o h n u n g / T h e r a p ie Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 2.2.2 Unterkünfte und Unterbringung in Hotels Unterkünfte Als unbetreute Unterkünfte werden derzeit nur noch Gartenstr. 9 (ca. 30 Plätze) und Scheffelstr. 37 (ca. 20 Plätze) betrieben. In beiden Häusern werden aber einige Betroffene im Rahmen des Programms „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ betreut. Unterbringung in Hotels Gegenwärtig bestehen mit 7 Hotels Belegungsvereinbarungen. Dadurch stehen ca. 160 Plätze zur Verfügung. Der Unterbringungsstandard in den einzelnen Hotels ist sehr unterschiedlich. Durch weitere Verhandlungen und durch den Ersatz von teueren durch preiswertere Hotels konnten in der Zwischenzeit die Kosten der Hotelunterbringung deutlich reduziert wer- den. Lagen diese 2006 noch bei über 500,00 €/Person/Monat so betrugen Sie Ende 2008 nur noch 312,00 €. 28 2.2.3 Unterbringungen mit Betreuungsangebot vor Ort 2.2.3.1 Wohnheim Rüppurrer Str. 23 2008 war das Jahr der Veränderungen im Wohnheim für alleinstehende wohnungslose Männer. Bis Ende 2007 wurden die zur Verfügung stehen- den 50 Einzelzimmer, ohne dass ein besonderes Belegungskonzept zu Grunde gelegt wurde, vergeben. Ein alleinstehender Mann, der gerade sei- ne Wohnung verloren hatte oder schon länger wohnungslos war, wurde in der Regel durch den Unterbringungsbereich je nach Kapazität entweder im Wohnheim oder in einem der Vertragshotels obdachlosenrechtlich unter- gebracht. Wer einen Platz im Wohnheim bekam, konnte auch sozialarbei- terische Unterstützung bekommen. Wenn er im Hotel untergebracht wurde, wurde er – bei freier Kapazität – von einem Lotsen betreut. Aber gerade in der Anfangsphase der Wohnungslosigkeit besteht ein er- höhter Bedarf an Beratung und sozialarbeiterischer Begleitung. Bei genau- erer Betrachtung der Situation, in der sich ein wohnungsloser Mann befin- det, stellt man schnell fest, dass die Wohnungslosigkeit in der Regel nicht das einzige Problem ist. Hinzu kommen Armut, Arbeitslosigkeit, hohe Verschuldung, Suchterkrankungen, psychische und gesundheitliche Prob- leme. In diesem Fall spricht man von einer Kumulierung der Problemla- gen. Bei einigen Männern kommt erschwerend noch ein Migrationshinter- grund, evtl. verbunden mit einem nicht geklärten Aufenthaltsstatus und schlechten Sprachkenntnissen, hinzu. Erstberatung Aber selbst Männern, die offensichtlich keine besonderen sozialen Schwie- rigkeiten haben, fällt es schwer, sich in dieser neuen, verwirrenden Situati- on, geprägt von unklaren Zuständigkeiten, zurecht zu finden. Eine ausführ- liche Erstberatung ist dringend angezeigt, nur so kann die möglichst schnelle Vermittlung in Wohnraum gewährleistet und die Resignation sei- tens des Klienten verhindert werden. Aus diesem Grund wurde im Wohn- heim im Januar 2008 eine so genannte Erstaufnahme (17 Plätze) installiert. Fragt ein wohnungsloser Mann im Rathaus West wegen Unterbringung nach, so wird er nun in die Erstaufnahme des Wohnheimes für längstens drei Wochen eingewiesen. Hier erfährt er durch die Sozialarbeiter eine in- tensive Erstberatung in mehren Gesprächsterminen. So konnten im letzten Jahr von den 176 Abgängen aus der Erstaufnahme bereits 17 innerhalb von drei Wochen in privaten Wohnraum vermittelt werden. Je nach ermitteltem 29 Hilfebedarf des Einzelnen wird der Klient entweder im Hotel oder im Wohnheim untergebracht. Bei Unterbringung im Hotel findet eine Vernet- zung mit dem zuständigen Lotsen statt. Die Erstaufnahme stellt sicher, das jeder obdachlosenrechtlich untergebrachte Mann zu Beginn eine ausführli- che Beratung erhält und eine möglichst frühe Vernetzung mit dem Hilfe- system der freien Träger statt findet. Männer, die aufgrund ihres komple- xen Hilfebedarfs schwer zu vermitteln sind, erhalten einen der noch vor- handenen 32 Plätze im Wohnheim. Von hier wird dann eine möglichst bal- dige Vermittlung ins betreute Wohnen der AWO, des Diakonischen Werks, der Heimstiftung oder bei SOZPÄDAL angestrebt. Leider reichen dort die Kapazitäten nicht aus, was zur Folge hat, dass für die einzelnen Einrichtungen lange Wartelisten entstehen. Abgänge aus Erstaufnahme Rü 23 in 2008 (176 Personen) 6 69 56 16 2 27 01020304050607080 Sonstiges Hotel Wohnheim Rü23 Wohnung Betr.Wohnen unbekannt Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Besonders der Bedarf an Plätzen für psychisch Kranke und chronisch mehrfach Beeinträchtigte ist groß. So waren von 176 Abgängen (Stand 31.12.08) in der Erstaufnahme allein 13,7 % psychisch krank und 9,1 % chronisch mehrfach beeinträchtigt. 30 Erstaufnahme Rü23: Hilfebedarf (176 Personen) in 2008 22 75 28 24 16 7 4 01020304050607080 Kein Hilfebedarf Unterstützung durch Lotsen besond.soz. Schwierigkeiten psychisch krank chron. Mehrf. beeinträchtigt nicht vermittelbar nicht ermittelbar Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Der Anteil an Männern mit psychischem Krankheitsbild sowohl mit als auch ohne Krankheitseinsicht im übrigen Wohnheim betrug im November 2008 43,7 %. Insgesamt sind 71,8 % der übrigen Heimbewohner nur in so genannte niedrigschwellige Einrichtungen von Diakonischem Werk, AWO und Heimstiftung vermittelbar; davon zählen 9,38 % zu den chronisch mehrfach beeinträchtigten Personen. Umso erfreulicher ist es, das im Jahr 2008 14,3% der Abgänge in privaten Wohnraum vermittelt werden konn- ten. Das Wohnheim betreut auch 5 Wohngemeinschaften mit insgesamt 16 Per- sonen. In diese konnten 7,8% der Abgänge vermittelt werden und ein Nut- zungsverhältnis eingehen. Weitere 10,4 % gingen ins Betreute Wohnen der einzelnen Träger, und bei 10,4 % der Abgänge handelte es sich um chro- nisch mehrfach Beeinträchtigte, die in das Hotel Anker verlegt wurden. Erstaunlich hoch ist mit 14,3 % der Anteil derer, die inhaftiert wurden. Da- für ist die Zahl der Abgänge nach unbekannt weiter von 26,7 % im Jahre 2005 auf 19,5 % im Jahr 2008 zurückgegangen. 31 2.2.3.2 Frauenpension (SOZPÄDAL) Die Frauenpension „Unter den Linden“ war auch im Jahr 2007 durchge- hend voll belegt. Im Laufe des Jahres sind 17 Frauen mit 7 Kindern neu aufgenommen worden, 2 der Frauen waren schwanger. 17 Frauen mit 8 Kindern konnten aus der Frauenpension ausziehen. Mit 14 Frauen (82,4 %) wurden die im Hilfeplan formulierten Ziele/Perspektiven erreicht. Um die Nachhaltigkeit des in der Frauenpension begonnen Hilfe- prozesses sicher zu stellen, war es für 12 Frauen notwendig, Anschlusshil- fen bei Bezug einer Wohnung zu installieren. Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in der Frauenpension ist aufgrund zunehmend komplexerer Problemlagen der Bewohnerinnen gestiegen und liegt 2007 bei 8,8 Monaten. Der Anteil von Frauen mit psychischen Er- krankungen, der Anteil sehr junger Frauen und von Frauen mit massiver Suchtproblematik ist gestiegen. Die begrenzte Verfügbarkeit von preiswer- tem und adäquatem Wohnraum durch private Anbieter machte sich auch hier bemerkbar. Das Konzept Frauenpension ist eine äußerst erfolgreiche Form der Betreu- ung während der Zeit der obdachlosenrechtlichen Unterbringung. Trotz vieler Verstöße gegen die Hausordnung, Konflikten mit Freunden und Be- suchern, gelingt es, den Kontakt mit den Frauen so zu gestalten, dass eine nachhaltige Perspektive aufgebaut werden kann. Die Unterbringung in Einzelzimmern und die gute Instandhaltung des Hauses durch den Eigen- tümer schaffen hierfür eine positive Grundlage. 2.2.3.3 Übergangswohngruppe Kriegsstraße 88 Die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss der Kriegsstraße 88 wird or- ganisatorisch und inhaltlich von der Beratungsstelle für wohnungslose Männer der Stadt Karlsruhe betreut. Seit April 08 steht ein Bewohner für hausmeisterliche Aufgaben und als unmittelbarer Ansprechpartner in der Wohngruppe zur Verfügung. Dieser Nutzen für die Betreuung der Wohn- gruppe rechtfertigt die dadurch erfolgte Verringerung der Platzzahl von 8 auf 7 Wohnplätze. Für die anderen Nutzer blieb die Aufenthaltsdauer von längstens 6 Monaten bestehen. Die durchschnittliche Verweildauer ist aber im Gegensatz zum letzten Sachstandsbericht von 6 Monaten auf 3,6 Mona- te gesunken, dies ist das Ergebnis intensivierter Sozialarbeit. 32 Insgesamt wurden im Jahr 2008 27 Männer betreut. Von den 22 Ausgezo- genen fanden 12 Bewohner (55 %) eine eigene Wohnung oder konnten in eine adäquate Einrichtung vermittelt werden; 2 mussten anderweitig ob- dachlosenrechtlich untergebracht werden; 3 mussten in eine JVA und 5 Bewohner haben Karlsruhe nach unbekannt verlassen. 2.3 Wohnraumbeschaffung 2.3.1 Wohnraumakquise durch Kooperation In den Jahren 2007 und 2008 hat der Gemeinderat der Stadt Karlsruhe wieder jeweils 307.500,00 Euro für die Wohnraumakquise zur Verfügung gestellt. Somit konnte das ursprüngliche Pilotprojekt Wohnraumakquise durch Kooperation fortgesetzt und intensiviert werden. Im Zeitraum 2007 und 2008 konnten 114 Wohnungen akquiriert werden. In diesen Wohnungen leben insgesamt 324 Personen, davon 117 Kinder. 55 Familien konnten so mit Wohnraum versorgt werden. Die Wohnungen sind zwischenzeitlich über das ganze Stadtgebiet verteilt, so dass eine dezentrale Versorgung der Betroffenen möglich ist. Die Band- breite der Wohnungen geht vom Einzimmerappartement bis zur Fünf- Zimmer-Wohnung für eine Großfamilie. Für die Vermieter erweisen sich die Instrumente Mietausfallgarantie, Bele- gungsvereinbarung und Nutzungsvertrag als sehr wichtige Komponenten bei der Wohnungsvergabe. Durch diese Komponenten und die gewährleis- tete sozialpädagogische Betreuung bei Problemen im Mietverhältnis, sowie direkten, verlässlichen Ansprechpartnern bei der Fachstelle, erhalten die Vermieter Sicherheiten, die eventuelle finanzielle Nachteile durch das Vermieten auf Hartz IV-Niveau aufwiegen. Da es zwischenzeitlich, wie zu erwarten war, auch im Programm Wohn- raumakquise zu Mieterwechseln kommt und für die Wohnungen, die über das Programm akquiriert wurden, zehnjährige Belegungsrechte bestehen, hat sich hier ein wachsender Wohnungspool in der Verfügung der Fach- stelle Wohnungssicherung etabliert. Dieser trägt mit dazu bei, trotz einer angespannten Wohnungsmarktsituation auch für sozial benachteiligte Menschen angemessenen und bezahlbaren Wohnungsraum bereitzustellen. Der für die Wohnraumakquise 2007 und 2008 bereitgestellte Etat wurde 33 für beide Jahre jeweils komplett ausgeschöpft. Das folgende Schaubild zeigt, wie sich die Wohnraumakquise in den letzten Jahren entwickelt hat, und wie viele Personen durch dieses Programm versorgt werden konnten. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 2.3.2 Nutzungsverhältnisse Eine wichtige Aufgabe ist auch die Auswahl der Menschen für unsere Wohnungen mit Nutzungsverhältnissen und deren Begleitung. Die Fach- stelle bietet Ansprechpartner/-innen für die Bewohner/-innen sowie für die Vermieter/-innen. Diese Hilfe ist oft sehr zeitintensiv, ermöglicht aber den langfristigen Verbleib in der Wohnung und gibt den Vermietern/-innen die Sicherheit der Unterstützung bei Schwierigkeiten. (Mit) Stand 31.12.2008 leben in 75 Nutzungsverhältnissen 192 Menschen. Sie alle haben, vorausgesetzt es gibt keine gravierenden Probleme, nach einem Jahr die Möglichkeit, einen eigenen Mietvertrag zu erhalten. Mit diesem Konstrukt, welches vor allem den Vermietern eine zusätzliche Si- cherheit bietet, haben wir in den letzten Jahren gute Erfahrungen gemacht. Seit 2006 haben 184 Menschen in 63 Nutzungsverhältnissen einen eigenen Mietvertrag erhalten. In nur 7 Haushalten, davon 6 Alleinstehende, muss- ten wir das Nutzungsverhältnis beenden, und es kam kein Mietvertrag zu Stande. 24 34 53 61 75 160 164 27 36 63 19 12 27 26 46 26 72 45 84 5 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2005200620072008 Wohnungen Personen Alleinstehende Familien Kinder 34 2.3.3 Scharnierstelle zur Volkswohnung GmbH Die Scharnierstelle mit der Volkswohnung GmbH wurde ausgeweitet und intensiviert. In monatlichen Gesprächen werden die Wohnungsnotfälle be- sprochen und Lösungen erarbeitet. Eine große Zahl unserer obdachlosen- rechtlich untergebrachten Menschen erhält hierdurch die Chance, wieder eine Wohnung zu erhalten. Zudem stellt die Volkswohnung GmbH für ein Pilotprojekt Wohnungen zur Verfügung. Sie ist nach wie vor der wichtigs- te Partner für die Wohnraumversorgung in Karlsruhe für die SJB. Erste Gespräche fanden auch schon mit dem Dezernat 6, in dessen Zuständig- keitsbereich die Volkswohnung nun ist, statt. Über regelmäßige Routinege- spräche soll eine weiterhin gute Zusammenarbeit gewährleistet werden. 2.4 Sozialleistungen 2.4.1 Wohnungslosenhilfe in Zeiten von „Hartz IV“ Zwischenzeitlich erhalten ca. 80-90% der Leistungsbezieher/-innen bei der Fachstelle Wohnungssicherung Leistungen nach dem SGB II. Zum 31.12.2008 wurden 522 Bedarfsgemeinschaften mit 599 Personen von der Fachstelle betreut. Die Zahl der Bedarfsgemeinschaften ist zwischenzeitlich gestiegen, da durch das Programm „Wohnraumakquise in Kooperation“ auch die Be- treuungs- und Wohnmöglichkeiten für Wohnungslose verbessert und ver- größert werden. Allgemeine Auswirkungen Im 5. Sachstandsbericht wurde bereits von den verschärften Sanktionsmög- lichkeiten und deren möglichen Folgen berichtet. Die Auswirkungen der verschärften Regelungen, die 2006 in Kraft getreten sind, sind zunehmend zu spüren. Die strikten Sanktionsbestimmungen des SGB II haben auch die Reduzierungen der Unterkunftskosten bis hin zur vollständigen Einstellung der Leistungen zur Folge. Im Jahr 2008 ist die Umsetzung der strikten Sanktionsbestimmungen des SGB II auch in der Wohnungslosenhilfe zu spüren. Zum Zeitpunkt der Berichterstattung lagen allerdings noch keine genauen Zahlen vor. 35 Miethöhe Bei der Festlegung der angemessenen Unterkunftskosten wurden die örtli- chen Gegebenheiten in Karlsruhe berücksichtigt, so dass seit Juli 07 in Karlsruhe für Sozialleistungsbezieher/-innen folgende Mietobergrenzen gelten: Tab. 1: Miethöhe Personen Grundmiete Nebenkosten Heizung Gesamtmiete 1 Pers. 45 qm 294,00 54,00 45,00 393;00 € 2 Pers. 60 qm 354,00 72,00 60,00 486,00 € 3 Pers. 75 qm 442,50 90,00 75,00 607,50 € 4 Pers. 90 qm 531,00 108,00 90,00 729,00 € 5 Pers. 105 qm 619,50 126,00 105,00 850,50 € Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Die Kosten für die Heizung erhöhen sich ggf. um den Grundpreis für Gas oder Fernwärme bei den Stadtwerken. In Karlsruhe erhielten zum 31.12.2008 insgesamt 10.538 Bedarfsgemein- schaften - mit insgesamt 18.781 Personen - Arbeitslosengeld 2. 2.4.2 Arbeitsvermittlung Die Fachstelle Wohnungssicherung kann nunmehr auf drei Jahre Arbeits- vermittlung zurückblicken, in denen sich der Bereich personell und inhalt- lich weiterentwickelte. So werden mittlerweile drei Arbeitsvermittler/- in- nen (2,0 Stellen) beschäftigt, um wohnungslosen Menschen die Teilhabe am Arbeitsleben bzw. eine Annäherung zu ermöglichen. Durch eine Ar- beitsaufnahme, auch im geringfügigen Bereich oder in Arbeitsgelegenhei- ten, werden die Kompetenzen und Ressourcen der Betroffenen gefördert und ihr Selbstwertgefühl gestärkt. Eine Beschäftigung verbessert darüber hinaus die Chancen auf dem Wohnungsmarkt, was sich wiederum positiv auf die Arbeitssuche auswirkt. Dementsprechend groß war auch im Jahr 2008 die Nachfrage der Betroffenen nach Maßnahmen, insbesondere nach Arbeitsgelegenheiten. Erwähnt werden muss dabei, dass nicht wenige Per- sonen um die Zuteilung von Arbeitsgelegenheiten gebeten haben, obwohl sie ohne jegliche gesicherte Unterkunft waren. 36 Sehr deutlich ist jedoch der große und intensive Betreuungsbedarf der Be- troffenen, sowohl durch die Arbeitsvermittler als auch durch die Maßnah- menträger. Häufig werden erst während der Teilnahme an einer Maßnahme die vielfältigen Probleme sichtbar, die eine reguläre Arbeitsaufnahme ver- hindern und oftmals auch zum Ausschluss aus der Maßnahme führen. Des- halb erarbeitet die Fachstelle Wohnungssicherung zielgerichtete Konzepte für spezielle Maßnahmen, die den Bedarfslagen der Betroffenen entspre- chen. Der Arbeitsvermittlung wohnungsloser Menschen geht zunächst die Auf- deckung, Bearbeitung und Beseitigung diverser Problemlagen unter Einbe- zug des Karlsruher Hilfesystems voraus. Besonders Jugendliche (unter 25 Jahren) müssen intensiv gefördert werden, um ihre Zukunftschancen z.B. durch eine Ausbildung nachhaltig zu verbessern. Zur Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem Hilfesystem organisierte die Fachstelle im Jahr 2008 zwei Mal einen "Runden Tisch wohnungslose Jugendliche", an dem ein konstruktiver Austausch mit ca. 40 Teilnehmern statt fand und der auch im Jahr 2009 fortgesetzt werden soll. 2.4.3 Leistungsbereich SGB XII Seit der Gründung der Fachstelle Wohnungssicherung am 01.01.2007 wur- den die Hilfen nach § 67 ff SGB XII weiter ausgebaut und vervollständigt. Mit verschiedenen Trägern wurden Vereinbarungen geschlossen, sodass jetzt die nachfolgenden Hilfen angeboten werden können: Betreutes Wohnen, Betreutes Wohnen für psychisch kranke Personen, Aufsuchende sozialpädagogische Hilfen für psychisch kranke Personen, Betreutes Wohnen für junge Erwachsene, Lotsen aus der Wohnungslosigkeit, Hilfen in der Frauenpension, Hilfen im „Anker“. Die Sachbearbeitung erstreckt sich auf die Bewilligung der jeweiligen Hil- fen und die Abrechnung der Betreuungspauschalen mit den Trägern. Dar- über hinaus erfolgt die Teilnahme an Hilfeplangesprächen mit Trägern und Betreuten, sowie der Abgleich der Leistungen mit den vertraglichen Ver- einbarungen. Hierfür steht im Stellenplan eine Stelle zur Verfügung, die mit zwei Halbtagskräften besetzt ist. Außer den Hilfen nach § 67 ff 37 SGB XII werden hier noch Ansprüche auf Grundsicherung nach §§ 41 ff SGB XII bearbeitet (Sozialhilfe im Alter und bei Erwerbsunfähigkeit). 2.5 Persönliche Hilfen in Wohnraum 2.5.1 SOZPÄDAL: Betreute Wohnformen Da der Begriff des Betreuten Wohnens häufig Assoziationen wie „Betreu- tes Wohnen im Alter“ oder „gesetzliche Betreuung“ bei den Betroffenen weckt, hat SOZPÄDAL die Angebote im Jahr 2008 teilweise umbenannt: Tab. 2: Betreute Wohnformen Wohnen intensiv Betreutes Wohnen nach den Richtlinien der §§ 67/68 SGB XII (47 Plätze) Wohnen nachhaltig Wohnen mit dem Fokus auf den Woh- nungserhalt, in der Regel für Wohnungslo- se, die intensivere Formen des Betreuten Wohnens bereits durchlaufen haben und weiterer Begleitung bedürfen (130 Plätze) Betreutes Wohnen für psychisch Kranke Nach § 53 SGB XII BWB/E und nach §§ 67/68 BWB/S (20 Plätze) Wohnen 18+ Pilotprojekt für wohnungslose junge Er- wachsene (4 Plätze) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 SOZPÄDAL verfügte Ende 2007 für den Bereich der Wohnungslosenhilfe über 199 Wohneinheiten (Anmietung auf dem freien Markt und bei der Volkswohnung sowie vereinseigener Wohnraum). Der Bestand an 1-2 Zimmerwohnungen für eine Person konnte um 12 % erhöht werden. In 2007 konnten 33 erwachsene Personen und 3 Kinder neu mit Wohnraum und dem entsprechenden Betreuungsangebot versorgt werden (17 Männer, 16 Frauen). 24 Personen und 4 Kinder konnten aus Projektwohnraum aus- ziehen (14 Männer, 10 Frauen). 13 Personen haben Anschlusswohnraum gefunden und konnten sich somit verselbständigen, 6 Personen wurden an geeignete Einrichtungen vermittelt, 2 sind verstorben. Nur 3 Personen ha- ben das Projekt ohne Perspektive verlassen. 38 SOZPÄDAL dokumentiert seine Arbeit seit Beginn (1984) fortlaufend und kann eine kontinuierliche Erfolgsquote von über 70 % nachweisen (2007 74,2 %). SOZPÄDAL stellt die Sachberichte auf Anfrage gern zur Verfü- gung. 2.5.2 Heimstiftung: Wohngruppe Adlerstraße und Außenstellen Die Wohngruppe Adlerstraße bietet weiterhin Hilfe gem. § 67 ff SGB XII an. Hinsichtlich der Inhalte und Ziele dieser Hilfe sowie dem Personen- kreis (volljährige Frauen, Männer, Paare) sind keine Änderungen erfolgt. Dagegen wurde der rechtliche Status grundlegend dahingehend verändert, als die stationären Plätze von ehemals 19 auf 3 gekürzt und durch ein am- bulantes Stufenmodell ersetzt wurden. Die Hilfe nach § 67 ff SGB XII wird seit März 2007 im Rahmen ambulan- ter Betreuungsstufen je nach individuellem Bedarf geleistet und ebenso stufenweise vergütet (Fallpauschalen). Es wurden je 10 Plätze für Personen mit intensivem, allgemeinem und geringem Betreuungsbedarf vereinbart. Die Stufen sind in jede Richtung durchlässig, wenn ein entsprechender Be- darf dies begründet. Die Betreuung erfolgt in selbständig bewohntem, voll- ständig eingerichtetem Wohnraum, welcher seitens der Heimstiftung zur Verfügung gestellt wird und sich im Stadtgebiet (Innenstadt, Durlach, Ad- lerstraße) verteilt. Die Aufnahme in das Betreute Wohnen erfolgt durch die oder im Einver- nehmen mit der Fachstelle Wohnungssicherung der SJB und durch Ab- schluss eines Nutzungsvertrages. Voraussetzung ist ein Bedarf i.S. des § 67 ff SGB XII, die Bereitschaft zur Zusammenarbeit, die Mitwirkung bei der Veränderung der Lebensverhältnisse, das Einhalten der Hausordnung, ins- bes. der Verzicht auf die Anwendung von Gewalt oder deren Androhung. Grundlage des Betreuungsprozesses ist ein Hilfeplan, welcher im Einver- nehmen und ggfs. unter Mitwirkung der Fachstelle erstellt und i. d. R. nach längstens 6 Monaten fortgeschrieben wird. Erstmals ist er 3 Monate nach Aufnahme zu erarbeiten, und er dient als Grundlage für die Entscheidung über die weitere Betreuungsform d.h. notwendige Intensität. Die Qualität der Arbeit wird durch 3 sozialpädagogische Fachkräfte und eine Bereichsleitung (Dipl.-Päd.) sichergestellt. Darüber hinaus stehen ein Hausmeister, der mobile Nachtdienst sowie verschiedene Helferinnen zur Verfügung. 39 Die Altersstruktur ist aktuell sehr interessant: 1/3 der Bewohner/- innen (10) sind unter 25 Jahre alt (kontinuierlicher An- stieg), ebenfalls 1/3 (11) sind zwischen 41 und 50 Jahre. Zwischen 26 und 30 sind 5 Personen, zwischen 31 und 40 Jahre 4 und 51 Jahre oder älter sind 3 Personen. 1/5 der Bewohner/- innen sind weiblich. Die Einrichtung ist ausgelastet, und es gibt eine Warteliste. Die Konzeption wird unter Berücksichtigung der besonderen Bedarfe der veränderten Bewohnerstruktur (U25/Frauen/psychische Erkrankungen) kontinuierlich weiterentwickelt und angepasst. 2.5.3 AWO: Betreutes Wohnen Über das Betreute Wohnen für wohnungslose Menschen hat die AWO mit der Fachstelle Wohnungssicherung eine Leistungsvereinbarung über 30 Plätze abgeschlossen. Zielgruppe sind wohnungslose Personen, darunter auch Personen, die psychisch krank sind aber aus formalen Gründen keine Eingliederungshilfe nach § 53 ff SGB XII erhalten können. Vorrangiges Ziel ist die Vermittlung und vor allem das Halten von geeignetem Wohn- raum für psychisch kranke bzw. wohnungslose Menschen. Die Hilfen ori- entieren sich dabei am individuellen Bedarf, sowie am Prinzip der Scha- densminimierung. Mit einem Minimum an Regeln sowie mit Toleranz ge- genüber krankheitsbedingtem Verhalten können damit auch die Personen erreicht werden, die sonst keinen Zugang zum Hilfesystem finden, bzw. diesen ablehnen. Mit den Nutzern des Betreuten Wohnens für wohnungslose Menschen wird deshalb lediglich ein Untermietvertrag abgeschlossen und bewusst auf den Abschluss einer getrennten Betreuungsvereinbarung und ein fachärztliches Gutachten verzichtet. Das Angebot der Betreuung und Begleitung im All- tag richtet sich gleichermaßen an beide Personengruppen. Die Bewohner können hier größtmögliche Eigenständigkeit wahren, bei Bedarf Unterstüt- zung im Alltag erhalten und sich auf ein Sicherheitsnetz für Krisensituatio- nen verlassen. Ziel des Angebotes ist die Sicherung des Wohnraums für die Bewohner, die Förderung ihrer Selbstständigkeit im Alltag sowie die Erhöhung der Lebensqualität dieses Personenkreises. 40 2.5.4 Verein für Jugendhilfe: Betreutes Wohnen für haftentlassene wohnungslose Männer In enger Kooperation mit der Fachstelle Wohnungssicherung der Stadt Karlsruhe und einem privatem Investor wurden im vorderen Teil des Ho- telkomplexes Neue Messe (ehemalige Gaststätte) in den ersten Monaten des Jahres 2008 6 Appartements für haftentlassene wohnungslose Männer errichtet. Der Umbau erfolgte im Auftrag des Investors, die Konzeption wurde gemeinsam von der Fachstelle und dem Verein für Jugendhilfe Karlsruhe e. V. erarbeitet, die Einrichtung organisierte der Verein. Zum 1. Mai 2008 waren die Appartements bezugsfertig, und in den ersten Mai- wochen zogen die Bewohner ein. Ein Appartement wird von einem Be- treuer bewohnt, der die Aufsicht vor Ort führt und Auffälligkeiten bzw. Störungen an die Mitarbeiter der Anlaufstelle für Straffällige beim Verein für Jugendhilfe meldet. Zielgruppe sind haftentlassene oder straffällige Männer, vorrangig aus Karlsruhe, die wohnungslos sind und einen Hilfe- bedarf nach § 67 ff SGB XII haben. Ziel ist die Überwindung der besonde- ren sozialen Schwierigkeiten oder im Einzelfall die Verhinderung der Ver- schlimmerung. Im Aufnahmeverfahren prüfen wir die Motivation des Kli- enten und seine Bereitschaft zur Mitarbeit. Das Angebot der Betreuungs- maßnahme ist als Hilfe zur Selbsthilfe konzipiert und umfasst folgende Be- reiche: Soziale Probleme/ Beziehungsfähigkeit Arbeit/ Qualifizierung Einkommen/ Finanzen/ Schulden Gesetzeskonformes Verhalten Gesundheit/ Abhängigkeit Hauswirtschaft Alltagsstruktur Der Klient hat mindestens zwei Kontakttermine in der Woche - 1 Einzelgespräch mit dem zuständigen Mitarbeiter 1 Gespräch vor Ort mit dem Mitarbeiter und dem ehrenamtlichen Betreuer Seit Mai 2008 haben insgesamt 9 Bewohner in der Hardeckstrasse Über- gangswohnplätze beziehen können. 4 Bewohner sind bereits wieder ausge- zogen, davon 2 in eigene Wohnungen, 1 kam wieder in Haft, 1musste aus disziplinarischen Gründen gekündigt werden, 5 Bewohner wohnen derzeit in den Appartements. 41 Die Einzelunterbringung in abgeschlossenen Appartements hat sich sehr bewährt und begünstigt die individuell ausgerichtete Betreuungstätigkeit. 2.5.5 Ohlebusch GmbH: Mehrfamilientherapie Um die Zahl der obdachlosen Familien zu reduzieren, wurde 2005 ein Pi- lotprojekt gestartet, das - einmalig in der BRD - wohnungslosen Familien in einer Mehrfamilientherapie Hilfen und Begleitung anbietet, mit der Ziel- setzung „Dauerhaftes Wohnen sichern“. Seit Beginn des Projektes konnten bis Ende 2008 insgesamt 27 Familien mit 43 Kindern mit Wohnraum ver- sorgt und für neun Monate therapeutisch begleitet werden. Von diesen 27 Familien ist nur eine Familie wieder wohnungslos geworden. Alle anderen leben zwischenzeitlich mit eigenem Mietvertrag in ihren Wohnungen. Bei Anschlussbefragungen haben 85 % der Familien die Unterstützung und Begleitung durch das Mehrfamilienprojekt als sehr hilfreich und lohnend eingeschätzt. Die aufsuchenden, therapeutischen Hilfen werden über einen privaten Träger (Firma Ohlebusch) angeboten. Die Zuweisung der woh- nungslosen Familien erfolgt über die Fachstelle. Für diese Angebote wer- den zeitlich begrenzte Leistungsvereinbarungen getroffen. In das Hilfe- planverfahren und die Koordination der Hilfen ist außer der Fachstelle auch der Soziale Dienst mit eingebunden. Die notwendigen Wohnungen werden über das Programm der Wohn- raumakquise von einem privaten Vermieter oder von der Volkswohnung zur Verfügung gestellt. Im Dezember 2008 ist das fünfte Projekt mit sechs Familien angelaufen. Stark verändert hat sich im Laufe der Jahre die Fami- lienkonstellation. Bei den ersten Projekten wurden nur Familien mit vier und mehr Kindern betreut. In den Folgejahren bedurften mehr Alleinerzie- hende und Menschen mit Migrationshintergrund der Unterstützung. Erfreulich ist, dass wir es geschafft haben, von der Rekordzahl 2004 mit 30 untergebrachten Familien herunterzukommen. Durchschnittlich sind seit 2005 zehn bis zwölf Familien obdachlosenrechtlich eingewiesen. Über die Projekte und die Wohnraumakquise gelingt es, die Familien zeitnah mit Wohnungen zu versorgen. Unser Ziel, keine wohnungslosen Familien mehr unterbringen zu müssen, werden wir bei zunehmender Armut, Über- schuldung und engem Wohnungsmarkt wohl nicht in nächster Zukunft er- reichen. 42 2.5.6 bwlv: Betreutes Wohnen WG Lessingstr. Der Baden-Württembergische Landesverband für Prävention und Rehabili- tation gGmbH (bwlv) ist der größte Träger der Suchtkrankenhilfe in Ba- den-Württemberg und beschäftigt derzeit rund 700 Mitarbeiter/innen in 54 Einrichtungen. Der bwlv hat sich zum Ziel gesetzt, Abhängigkeitserkrankungen präventiv vorzubeugen, Suchtkranke oder deren Angehörige zu beraten und zu be- handeln und schwerbehinderte Menschen zu betreuen. Das Betreute Wohnen in der Lessingstraße richtet sich an chronisch- mehrfach beeinträchtigte alkohol- und/oder medikamentenabhängige Män- ner, die obdachlosenrechtlich untergebracht oder von der Wohnungslosig- keit bedroht sind. Somit deckt dieses Angebot seit Frühjahr 2008 die Schnittstelle zwischen der Wohnungslosenhilfe und der Suchthilfe. Das Haus Lessingstraße 21 befindet sich in zentraler Lage innerhalb der Innenstadt von Karlsruhe. Die Wohngemeinschaft befindet sich in einem vierstöckigen Wohnhaus zur alleinigen Nutzung für die Bewohner der WG. Das Haus ist aufgeteilt in vier Wohnungen, die jeweils aus 3 Bewoh- ner-Zimmern, Küche und Bad sowie einem Aufenthaltsraum bestehen. Kü- che und Bad stehen in jeder Wohnung zur gemeinschaftlichen Nutzung für die Bewohner zur Verfügung. Im Mittelpunkt der pädagogischen Ziele steht die Anleitung der Hilfe zur Selbsthilfe. Dies erfolgt u. a. in Form von Einzelgesprächen, Gruppenakti- vitäten, Lernen am Modell unter Anwendung verhaltenstherapeutischer, systemischer und arbeitstherapeutischer Ansätze. Zu den Zielen gehören u. a. die Anleitung und Unterstützung zur selbständigen Lebensführung, die persönliche und räumliche Hygiene, sowie die gesunde und regelmäßi- ge Ernährung. Ziel ist es, die gesamtgesundheitliche Situation der Bewoh- ner sowohl psychisch wie auch physisch zu stabilisieren bzw. zu verbes- sern, da sie sich bei Aufnahme oft in einem desolaten gesundheitlichen Zu- stand befinden. Trainiert wird die Verbesserung der Ausdauer, Belastbar- keit und Konzentrationsfähigkeit. In Arbeitsprojekten wird die Heranfüh- rung an den zweiten Arbeitsmarkt geübt. Die vorstehenden Ziele beinhalten auch suchttherapeutische Interventionen wie Anhalten zum kontrollierten bzw. reduzierten Umgang mit Alkohol (kein Kontrollverlust), Vermeidung von Trinkexzessen und Konsum harter 43 Alkoholika, Motivierung zu sinnvollen Freizeitaktivitäten auch im Sinne eines Kompensationsversuchs sowie die Motivierung und Unterstützung zum regelmäßigen Besuch einer Selbsthilfegruppe. In Absprache mit den Betreuern bzw. unter Berücksichtigung der jeweili- gen finanziellen Situation des Bewohners übernehmen die Mitarbeiter des bwlv die Verwaltung der Finanzen, d. h. die Zuteilung und Auszahlung von Geldbeträgen. Ziel ist es, die suchtkranken Bewohner durch die Be- reitstellung eines überschaubaren Geldbetrages, der zur Deckung des tägli- chen Bedarfs dient, von einem insgesamt gesundheitsschädigenden Verhal- ten abzuhalten und damit Trinkexzesse zu vermeiden. 2.6 Beratung 2.6.1 Beratungsstelle für wohnungslose Männer Die Beratungsstelle für wohnungslose Männer ist neben ihren primären Aufgaben der Beratung und der Bereitstellung einer Postadresse organisa- torisch und inhaltlich auch für den städtischen Erfrierungsschutz mit 57 Plätzen, sowie die Übergangswohngruppe im Dachgeschoss mit 7 Plätzen in der Kriegsstraße 88 verantwortlich. Die Personalsituation hat sich ver- bessert. Seit Oktober 2008 unterstützt ein neuer Mitarbeiter im Rahmen einer Fördermaßnahme für Langzeitarbeitslose die Fachkräfte im Postbe- reich. Trotz dieser Verbesserung ist die Beratungsstelle an drei Wochenta- gen nur mit einer Fachkraft besetzt, was vor allem in den Wintermonaten nur durch die enge Kooperation mit den Kollegen der „Tür“ (Diakonisches Werk) im Hause abgefedert werden konnte. Beratungen finden, den Be- dürfnissen des Klientels folgend, an allen Wochentagen statt. Aufgrund der weiterentwickelten Statistik ergaben sich für die Beratungs- stelle im Jahr 2008 folgende Kontakte mit Klienten: Über die Poststelle alleine 5071 Kontakte. Vom Fachpersonal wurden 1599 Beratungsgesprä- che durchgeführt, so dass sich eine Anzahl von 6670 Kontakten mit Klien- ten ergab. D. h. monatlich gab es im Durchschnitt 556 Klientenkontakte in der Beratungsstelle. In diesem Zeitraum wurden insgesamt 488 Personen betreut. Dies ent- spricht einem Anstieg um 40 % zum Vorjahr 2007 mit 347 Betreuten. Von 358 abgängigen Personen im Jahr 2008 sind 75,8 % nach unbekannt abgemeldet worden; 3,1 % konnten einen Platz in einer Einrichtung in 44 Karlsruhe finden; ca. 1 % mussten in eine JVA; 5,6 % wurden obdachlo- senrechtlich untergebracht und 14,5 % fanden eigenen Wohnraum. Im Hinblick auf das Soziale Dienstezentrum für Wohnungslose in der Kriegsstraße 88 mit dem Diakonischen Werk Karlsruhe, die im gleichen Gebäude u. a. den Tagestreff „Tür“ betreibt, wurde von der Fachstelle für Wohnungssicherung ein Entwurf für einen Kooperationsvertrag zwischen beiden Trägern erarbeitet. 2.6.2 Beratungsstelle für Frauen und Paare in Wohnungsnot (SOZPÄDAL) Die Beratungsstelle bietet dreimal wöchentlich offene Sprechstunden an; daneben werden die Frauen und Paare in den Obdachlosenunterkünften aufgesucht und bei Bedarf zu Behörden, Ärzten, Wohnungsanbietern etc. begleitet. Pro Sprechtag haben 2008 im Durchschnitt 8,2 Frauen/Paare die Beratungsstelle besucht. Im Jahr 2008 haben insgesamt 335 Personen (296 Frauen und 39 Männer) das Beratungsangebot genutzt. 84 Frauen konnten in Wohnraum bzw. not- wendige Einrichtungen vermittelt werden. Die Beratungsstelle wurde 2007/2008 wieder, wie auch bereits 2006 von einem großen Anteil von unter 25-jährigen Personen aufgesucht (95 Perso- nen in 2008). Typisch jugendspezifische Verhaltensweisen und die gesetz- lichen Bestimmungen im Rahmen von Arbeitslosengeld-II-Leistungen er- fordern für diesen Personenkreis einen erhöhten Unterstützungsbedarf. Ebenfalls auffällig war die hohe Zahl von Klientinnen mit Migrationshin- tergrund (116 Personen in 2008). Die Mehrzahl sind Migrantinnen der ers- ten Generation aus nicht EU-Ländern. Besonders schwierig stellte sich die Unterstützung von Migrantinnen aus den neuen EU-Ländern dar, da z. B. Sozialleistungen nur unter ganz bestimmten Umständen erfolgreich bean- tragt werden können. In den letzten Jahren ist ein Anstieg wohnungsloser Frauen mit Kindern festzustellen, welche die Dienste der Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Im Vergleich zu den Vorjahren ergibt die Statistik der Beratungsstelle, dass sich die Zahl der im Haushalt lebenden Kinder vervielfacht hat (2004: 30, 2005: 36, 2006: 83, 2007: 85, 2008: 117). 45 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Entwicklungsbedarf ist in folgenden Bereichen gegeben: Junge erwachsene Wohnungslose, chronisch mehrfach beeinträchtigte Frauen, medizinische Versorgung, Vernetzung der Akteure. 2.6.3 Programm „Lotsen aus der Wohnungslosigkeit“ Aufgrund des 2004 bis 2006 mit großem Erfolg durchgeführten Pilotpro- jektes stimmte der Sozialausschuss 2006 der festen Implementierung die- ses Programms im Umfang von zunächst 42 Plätzen zu. Es wurden folgen- de Träger mit der Durchführung beauftragt: AWO, Caritas, Diakonisches Werk, Ohlebusch GmbH (je 7 Plätze = 0,5 Sozialarbeiterstellen), SOZPÄ- DAL (14 Plätze = 1 Stelle). Am 23.7.08 beschloss der Sozialausschuss eine Ausweitung um 7 Plätze. In den Jahren 2007 und 2008 nahmen insgesamt 150 Personen am Lotsen- programm teil. Die erreichte Erfolgsquote d.h. der Anteil der Personen, die in eigene Mietverhältnisse, in betreute Wohnformen oder notwendige Ein- richtungen vermittelt wurden – betrug 58,3 %. Das Ziel der Verkürzung Kinder im Haushalt der beratenen Frauen/Paare 30 36 83 85 117 0 20 40 60 80 100 120 140 20042005200620072008 46 der Aufenthaltsdauer in den Obdachlosenunterkünften und den dazu ange- mieteten Hotels wurde erreicht. Bei konzeptionell vorgegebener Dauer der Lotsentätigkeit von max. 26 Wochen je Fall betrug die tatsächliche durch- schnittliche Dauer nur 18,8 Wochen. Aus der Verkürzung der Aufenthalts- dauer folgt nicht nur für die Stadt eine Verminderung der Unterbringungs- kosten, sondern für die Betroffenen eine Verhinderung der Chronifizierung ihrer Wohnungslosigkeit. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Dieses Programm wird von der Fachstelle Wohnungssicherung permanent begleitend evaluiert um die Qualität zu sichern. Dabei wurde in den letzten Monaten deutlich, dass die Arbeitsergebnisse zwischen den einzelnen Trä- gern extrem divergieren. Mit dem Lotsenprogramm wurden am 31.12.08 ca. 35 % der in unbetreu- ten Unterkünften untergebrachten Alleinstehenden betreut. Damit ist das Lotsenprogramm ein wesentlicher Beitrag zur Erreichung des Ziels 2010: Abschaffung der unbetreuten Unterbringungen. 16 3 2 21 14 1 17 11 0 38 16 0 46 47 3 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 20042005200620072008 Ergebnis Lotsentätigkeit (nur beendete!) (Stand:31.12.08) erfolgreichnicht erfolgreich sonstiges/unklar 47 2.6.4 Straßensozialarbeit (Diakonisches Werk) Streetwork ist ein niedrigschwelliges Kontakt- und Unterstützungsangebot für einzelne Menschen und Gruppen, deren überwiegender Lebensort die Straßen und Plätze der Karlsruher Innenstadt sind. Und zwar insbesondere für jene, die von anderen sozialen Einrichtungen und Angeboten nicht oder nur unzureichend erreicht werden. Die Streetworker machen ein individu- elles Hilfeangebot zur Überwindung akuter Notlagen sowie zur Entwick- lung von Lebensperspektiven. Ziel ist es, den Prozess der sozialen, psychi- schen und physischen Verelendung zu unterbrechen. Es muss dafür gesorgt werden, die vitalen Grundbedürfnisse zu befriedigen und die Menschen ins bestehende Hilfesystem zu integrieren. Straßensozialarbeit leistet wichtige Beiträge zur Entspannung und Befrie- dung im Gemeinwesen. Erfolgsfaktoren sind v. a. die starke Sozialraum- orientierung sowie die direkten aktivierenden Angebote im Stadtteil. Stra- ßensozialarbeit hat Zugang zu Wohnungslosen, die sonst nicht erreicht würden, begegnet Verelendungs-Tendenzen und motiviert zur Inanspruch- nahme von Hilfen. Sie fungiert außerdem als Frühwarnsystem bei Men- schen in prekären Wohnsituationen und wirkt präventiv. Da die Streetwor- ker nach erfolgreicher Vermittlung in Wohnraum nachgehende Betreuung sicherstellen, leisten sie auch einen Beitrag zur Nachhaltigkeit im Hilfesys- tem. Der Karlsruher Gemeinderat hatte 2008 erstmals anteilige Mittel für die Straßensozialarbeit bereitgestellt. Da in 2009 keine ESF-Mittel mehr zur Verfügung stehen, baut die Stadt Karlsruhe das finanzielle Engagement aus. Ziel ist die dauerhafte Etablierung von Streetwork als Regelangebot im Hilfeverbund für wohnungslose Menschen in Karlsruhe sowie die Ein- bindung in ein fachübergreifendes Plätzekonzept der Stadt Karlsruhe im Rahmen der Sozialen Stadt. 48 2.7 Langzeithilfen 2.7.1 Langzeitwohngruppe Thomas-Mann-Str. (Heimstiftung) Der Langzeitwohnbereich bietet weiterhin vollstationäre Hilfe zur Pflege mit einem Pflegebedarf unterhalb der Pflegestufen (Pflegestufe 0 G) nach § 15 SGB XI. Die 30 Plätze sind durchgehend belegt, und es gibt eine Warteliste. Daher kann oft der Nachfrage, die vermehrt auch direkt von Krankenhäusern kommt, leider nicht (im erforderlichen Zeitrahmen) nachgekommen wer- den. Hier wären weitere Plätze, auch solche, die flexibel belegt werden können, notwendig/wünschenswert. Die Qualität der Arbeit wird durch 2 Altenpflegerinnen, einen Sozialarbei- ter, 2 Nachtdienste, 2 Hauswirtschaftskräfte, einen ZDL, verschiedene Hel- fer und die Bereichsleitung sichergestellt, fortlaufend verfeinert und den Bedarfen angepasst. Die Dokumentation ist mittlerweile sehr differenziert, das Angebot der tagesstrukturierenden Maßnahmen wird kontinuierlich ausgeweitet. Die Dienstzeiten sind - aufgrund des Bedarfes – auch auf das Wochenende ausgeweitet, so dass eine „Rund-um-die-Uhr-Betreuung“ stattfindet. Hinsichtlich der Belegung fällt auf, dass zunehmend (schwer) psychisch kranke Menschen (7) (teilweise mit Doppeldiagnose Alkoholismus) in der Einrichtung leben, deren spezieller Problematik durch entsprechende Wei- terbildungen der Mitarbeiter und eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Ärzten/Fachärzten/Kliniken und Betreuern Rechnung getragen wird. Eine weitere Bewohnergruppe erhält Unterstützung beim Einteilen der täg- lichen Alkoholmenge (6), was sich als sehr erfolgreich erweist, ein anderer Teil lebt abstinent (5), während die restlichen Bewohner hinsichtlich des Trinkens eigenverantwortlich sind. 3 Bewohner konnten, nachdem sie abs- tinent lebten, motiviert wurden und entsprechende Unterstützung erhielten, in eigenen Wohnraum ziehen und – über den 2. Arbeitsmarkt – sogar wie- der stundenweise arbeiten. Mit fortschreitendem Alter der Bewohner ist aktuell die Tendenz der zu- nehmenden Pflegebedürftigkeit i.S.v. versorgt werden müssen, sowohl hin- sichtlich der Verpflegung als auch des Bereiches Hygiene/Sauberkeit, deutlich. 49 Das Durchschnittsalter liegt bei 60,8 Jahren, wobei der jüngste Bewohner 40 Jahre alt ist und der älteste 73 Jahre. 2.7.2 Hotel Anker (AWO) Im Dezember 2008 waren im Hotel Anker 28 wohnungslose Menschen un- tergebracht: 5 Frauen und 23 Männer. Das Hotel ist seit der Wiedereröff- nung im September 2005 durchgängig voll belegt. Es handelt sich bei den Bewohnern und Bewohnerinnen in der überwiegenden Mehrzahl um so genannte chronisch mehrfachgeschädigte Abhängigkeitskranke, bei denen alle Therapieversuche bisher fehlschlugen. Dieser Personenkreis erhält durch das multidisziplinär zusammengesetzte Team eine Grundversorgung und vielfältige lebenspraktische und pädagogische Hilfen über den gesam- ten Tag. Die medizinische Versorgung wird durch einen Allgemeinmediziner, der Sprechstunden im Hause abhält, sichergestellt. Perspektiven zur Entgiftung werden dabei aufgezeigt. Außerdem übernehmen Pflegedienste die notwe- nige Grund- und Behandlungspflege bei verschiedenen Bewohner/-innen. Tagesstrukturierende Angebote wie Nachmittagstreff, Gartenpflege im AWO-Garten in Hagsfeld, Ausflüge, Mitarbeit im Hause gegen Entgelt und sonstige Gemeinschaftsveranstaltungen in der hoteleigenen Gaststätte helfen, dass die Bewohner und Bewohnerinnen wieder Interesse am sinn- vollen und gemeinsamen Tun und Vertrauen in die eigene Person entwi- ckeln. Aus den Erfahrungen, die die AWO Karlsruhe mit den Bewohner/-innen des Hotel Ankers gewonnen hat, leitete sich die Notwendigkeit nach einer Weiterentwicklung ab: da der körperliche Zustand vieler Bewohnerinnen als ausgesprochen schlecht zu bezeichnen ist und der Bedarf an pflegeri- schen Leistungen immer höher wird, hat die AWO Karlsruhe gemeinsam mit der Fachstelle Wohnungssicherung eine Konzeption für eine WG für wohnungslose Menschen mit erhöhtem Unterstützungsbedarf entwickelt. Das Konzept wird in 2009 umgesetzt werden. 50 2.8 Versorgung 2.8.1 Erfrierungsschutz Kriegsstraße 88 Der Erfrierungsschutz der Stadt Karlsruhe im 2. und 3. OG der Kriegsstra- ße 88 mit 2 hauptamtlichen Mitarbeitern und 2 Assistenten, die jeweils im Wochenwechsel die schwierige Klientel betreuen, ist fachlich an die Bera- tungsstelle für wohnungslose Männer angegliedert. In der Saison 2007/2008 war der Erfrierungsschutz vom 24. Oktober bis 26. April geöff- net und stellte 52 Übernachtungsplätze für Männer zur Verfügung. Insgesamt wurden 5.769 Übernachtungen von 252 Personen verzeichnet. Der höchste Stand der Belegung war am 6.3.08 mit 50 Personen. Durch- schnittlich wurde der Erfrierungsschutz von 32 Männern genutzt. Die Auf- enthaltsdauer betrug im Durchschnitt 23 Nächte. Der Erfrierungsschutz wird sowohl kurzfristig, als auch langfristig genutzt. 40 % der übernach- tenden Männer blieben nur 3 Nächte und 24 % blieben 3 Monate und län- ger. Was die Altersstruktur betrifft, so sind 49 % der Benutzer zwischen 30 und 50 Jahren. Durch eine Fortbildung konnte die Fachlichkeit der Mitarbeiter/-innen ver- bessert werden. Angesichts des zum Teil sehr problematischen Klientels ist eine ständige Reflexion des bestehenden Konzeptes und die damit verbun- dene Umsetzung in praxisrelevantes Handeln zwingend notwendig. Weite- re Fortbildungen für die Mitarbeiter sollten daher angestrebt werden. 2.8.2 Tagestreff „Tür“ (Diakonisches Werk) Funktion und Arbeitsweise der „Tür“ wurden im 5. Sachstandsbericht des Gesamtkonzepts Wohnungslosenhilfe 1997 ausführlich beschrieben. Im Jahr 2008 gab es mit 241 Besucher/-innen (rund 91 % Männer) insge- samt 713 intensive Einzelkontakte, nicht eingerechnet die eher unverbind- lichen Gespräche im offenen Bereich. Hochgerechnet haben deutlich über 400 Einzelpersonen die Einrichtung aufgesucht, hiervon rund 70 % Woh- nungslose. Pro geöffnetem Tag fanden sich durchschnittlich 59 Besucher/- innen ein, wobei insbesondere in den Wintermonaten deren Anzahl und Verweildauer höher ist. Auffällig ist vor allem winters der hohe Anteil wohnungsloser Migranten (überwiegend im Erfrierungsschutz über- nachtend) aus den neuen EU-Beitrittsländern (mindestens 10 %), ohne 51 Krankenversicherungsschutz und vom Sozialleistungsbezug ausgeschlos- sen. Die kostenlose ärztliche Sprechstunde konnte 2008 an 23 Mittwoch- nachmittagen realisiert werden; das dem Tagestreff angegliederte Kran- kenzimmer war 2008 mit 5 Personen über insgesamt 256 Tage belegt. Die Integration der vielfältigen niederschwelligen, miteinander kooperie- renden Dienste im Anwesen Kriegsstr. 88 in Trägerschaft der Stadt (Bera- tungsstelle für wohnungslose Männer mit Erfrierungsschutz und Über- gangswohnbereich) und des Diakonischen Werks (Tagesstätte mit Kran- kenzimmer und Streetwork mit Arbeitsprojekt) hat sich in der Praxis be- währt. 2.8.3 TafF – kombiniertes Angebot: „Tagesaufenthalt“ und „Arbeiten und Qualifizieren“ für Frauen in Wohnungsnot (SOZPÄDAL) Mit Ablauf des Jahres 2007 war die ESF-Förderperiode beendet. Wir dan- ken nochmals dem Karlsruher Gemeinderat, dass er im Rahmen der frei- willigen Leistungen ab 2008 die Weiterfinanzierung dieser wichtigen Ein- richtung für wohnungslose Frauen ermöglicht hat. Langfristig sollte dieses Projekt sowohl im Bereich Tagesaufenthalt, wie auch Beschäftigung im Rahmen der §§ 67/68 SGB XII (Hilfe zur Über- windung besonderer sozialer Schwierigkeiten) regelfinanziert werden. Er- gänzend oder auch alternativ ist die Öffnung für niedrigschwellige Maß- nahmen im SGB II anzustreben. In dem kommunal finanzierten Programm „Proaktive Arbeitsplatzsuche – Psychosoziale Betreuung zur Tagesstruktu- rierung nach § 16 Abs. 2 Satz 2 Nr. 3 SGB II“ (psychosoziale Betreuung als Leistung zur Eingliederung) sehen wir einen positiven Ansatz dazu. 9 zusätzliche Plätze aus diesem Programm werden im TafF angeboten. 2007 haben 178 Frauen wiederholt, viele regelmäßig, den Tagesaufenthalt genutzt. Hinzu kommt eine nicht zu erfassende Anzahl von Frauen, die mal vorbeischauen, sich mit Kleidung oder Nahrung versorgen. Der TafF wird regelmäßig von der Karlsruher Tafel beliefert, so dass sich wohnungslose Frauen mit zusätzlichen Nahrungsmitteln versorgen können. Die größte Besucherinnengruppe sind Frauen aus den Obdachlosenunterkünften und Frauen, die verdeckt wohnungslos sind. Zahlenmäßig wenige Frauen leben „auf der Straße“, es sind Frauen, die für weitergehende Hilfen nicht zugänglich sind, die aber im TafF zumindest eine Basisversorgung finden. 52 2.8.4 Anlaufstelle „IGLU“ (Heimstiftung) Die Anlaufstelle „IGLU“ wendet sich als niedrigschwelliges Kontakt- und Hilfeangebot an Jugendliche und junge Erwachsene zwischen 14 und 27 Jahren, die ihren Lebensmittelpunkt auf der Straße haben, von Obdachlo- sigkeit bedroht oder betroffen sind. Durchschnittlich wird das „IGLU“ täg- lich von ca. 20 Jugendlichen und jungen Erwachsenen aufgesucht. Neben dem vorhandenen offenen Freizeit- und Versorgungsangebot, wel- ches die Möglichkeit zum Wäsche Waschen, Duschen, Frühstück, Kochen oder zur alternativen Freizeitgestaltung etc. beinhaltet, haben die Besucher der Anlaufstelle die Möglichkeit, die Beratung und Hilfe, bei Bedarf auch anonym, bei den dort tätigen Sozialarbeitern in Anspruch zu nehmen. Dies geschieht unter den Prinzipien der Parteilichkeit, Freiwilligkeit und Akzep- tanz. Das Beratungsangebot soll zur Klärung der gegenwärtigen Situation, zur Entwicklung einer persönlichen Perspektive und zur sozialen Integrati- on bzw. Reintegration beitragen. Hierbei wird in allen relevanten Problem- bereichen (Grundsicherung, Wohnsituation, Schule/Ausbildung/Beruf, Schulden, Sucht, Delinquenz etc.) beraten, begleitet und bei Bedarf an die entsprechenden Fachberatungsstellen vermittelt. Das „IGLU“ stellt für zahlreiche junge Menschen in besonderen sozialen Problemlagen einen Knotenpunkt dar, welcher bei eintretenden Krisen aufgesucht wird und zwischen den Hilfesuchenden und den verschiedenen weiterführenden Angeboten der Jugend- oder Wohnungslosenhilfe vermit- telt. Die jungen Menschen werden bei der Kontaktaufnahme mit Behörden und dem Verfassen von Schriftstücken oder Bewerbungen unterstützt und beraten. Neben diesen Angeboten besteht für die jungen Menschen die Möglichkeit, in der Anlaufstelle ein Postfach einzurichten. Im Jahr 2008 wurde das „IGLU“ von ca. 260 Jugendlichen und jungen Er- wachsenen aufgesucht (vgl. 193 Personen in 2007). Hiervon waren 2/3 männlich und 1/3 weiblich. Die meisten Besucher sind im Alter zwischen 18 und 25 Jahren. Im Berichtszeitraum wurde die Anlaufstelle verstärkt als Postmeldeadresse genutzt. Die Zahl der „Postmelder“ ist von durchschnittlich 17 Personen im Jahre 2005 auf 70 Personen im Jahre 2008 angewachsen. Insgesamt wurden im Laufe des Jahres 99 Postfächer eingerichtet. Bis auf wenige Ausnahmen handelte es sich dabei um junge Menschen, die vor Eintritt 53 ihrer Wohnungslosigkeit ihren Wohnsitz in der Stadt Karlsruhe hatten und zur Wahrnehmung ihrer Rechtsansprüche eine Postanschrift benötigten. In Zusammenhang mit der Einführung des § 22 Abs. 2a SGB II, dem oft als Auszugsverbot bezeichneten Paragraphen, verfassten wir im Jahr 2008 insgesamt 19 Stellungnahmen bezüglich der Übernahme der Kosten für Unterkunft und Heizung für unter 25-Jährige. Die Besucherstruktur in der Anlaufstelle „IGLU“ hat sich in den letzten Jahren gravierend verändert. Die Anzahl der jungen Menschen, die sich in der Straßenszene verortet oder beheimatet haben, stagniert seit einigen Jah- ren. Großen Zulauf können wir hingegen bei der Personengruppe attestie- ren, die die Anlaufstelle ausschließlich als Beratungs- und Hilfsangebot nutzen. Die meisten jungen Menschen dieser Gruppe sind im öffentlichen Raum nicht besonders auffällig. Sie wenden sich mit ihren vielfältigen Problemen, allen voran der drohenden oder bestehenden Wohnungslosig- keit an die Sozialarbeiter der Anlaufstelle. Das offene Versorgungsangebot wird von dieser Personengruppe nur selten oder gar nicht in Anspruch ge- nommen. In Karlsruhe gibt es ca. 80 junge Menschen, die Leistungen nach dem SGB II von der Fachstelle Wohnungssicherung erhalten, jedoch nicht von der Fachstelle untergebracht sind. Die meisten von ihnen stehen vor dem Prob- lem, mit der Anmietung und Finanzierung einer eigenen Wohnung über- fordert zu sein. Ein Großteil dieser Personen sucht in regelmäßigen Ab- ständen die Anlaufstelle „IGLU“ auf, um das Beratungsangebot wahrzu- nehmen. Die jungen Menschen, die das „IGLU“ anlaufen, zeichnen sich insbesondere dadurch aus, dass sie mit den üblichen Formen der Erzie- hungshilfe und auch den vorhandenen Obdachlosenhilfen nicht erreicht werden. Deshalb sind sie in besonderer Weise in ihrer seelischen und phy- sischen Gesundheit gefährdet. Für die von Obdachlosigkeit bedrohten jungen Menschen müssen weiter- gehende Hilfsangebote entwickelt werden, die sich an ihrer Lebenswelt orientieren, d. h. dergestalt sind, dass sie sie erreichen und von ihnen ange- nommen werden. Eine niedrigschwellige kurzfristige Übernachtungsmöglichkeit würde das Abgleiten der jungen Menschen in die Obdachlosigkeit verhindern. In der „Notunterkunft“ könnten die jungen Menschen in einem geschützten Rah- men, gemeinsam mit einer Fachkraft, den bestehenden Hilfebedarf und das 54 weitere Vorgehen klären. An dieser Stelle besteht unseres Erachtens eine Versorgungslücke, die es zu schließen gilt. Ein entsprechendes Projekt ist bereits in Planung. 2.9 Junge erwachsene Wohnungslose 2.9.1 Pilotprojekt Betreutes Wohnen (SOZPÄDAL) Ausgangspunkt für das am 1.3.2007 neu begonnene Pilotprojekt Wohnen 18+ war und ist die hohe Zahl junger wohnungsloser Menschen, die bei SOZPÄDAL und in den städtischen Beratungsstellen und Einrichtungen in Erscheinung treten. In diesem Lebensabschnitt werden entscheidende Wei- chenstellungen vorgenommen. Das Konzept wurde im letzten Bericht be- reits beschrieben. Die jungen Menschen sind mit der Situation der Wohnungslosigkeit über- fordert und kommen nicht ohne Unterstützung aus dieser schwierigen Not- und Lebenslage heraus. Obgleich ein hoher pädagogischer Entwicklungs- bedarf besteht, werden Jugendhilfemaßnahmen nicht mehr angenommen, entweder, weil Maßnahmen bereits abgebrochen wurden, die Anforderun- gen und Ziele der Jugendhilfe zu hoch gesteckt sind oder mangelnde Kenntnisse oder Vorurteile auf Seiten der Jugendlichen bestehen. Wenn Jugendhilfe doch noch in Frage kommt, wird dies vorrangig in Rückspra- che mit dem Sozialen Dienst geklärt. Im Pilotprojekt werden 4 junge Er- wachsene im Alter zwischen 18 - und 25 Jahren intensiv, für die Dauer von 9 bis max. 12 Monaten betreut. Inzwischen (bis zum 30.06.2008) haben 8 junge Erwachsene das Betreuungsangebot angenommen. Auffallend ist das große Interesse an der eigenen Wohnung, die hohe Motivation, selbständig zu leben. Durchgängig kommen die jungen Erwachsenen aus äußerst schwierigen familiären Verhältnissen, die unter anderem von körperlicher Gewalt und Alkohol- und Drogenmissbrauch geprägt sind. Im Unterschied zu den vor Jahren aufgetretenen subkulturellen Gruppen (Punks), die auch häufig von Wohnungslosigkeit bedroht waren, bilden die heute auftreten- den jungen erwachsenen Wohnungslosen eine sehr heterogene Gruppe. Die Gestaltung und Perspektivfindung in den entscheidenden Lebensbereichen Wohnen, Arbeit und Beziehungen gelingt nicht. Der Versuch, selbständig Lösungen zu finden, ist auf Grund mangelnder finanzieller Mittel und feh- lender familiärer Unterstützung immer wieder gescheitert. 55 Ein Wohnungsangebot, die Klärung von Leistungsansprüchen und die Un- terstützung bei der Suche nach Beschäftigung oder Arbeit/Ausbildung werden als Hilfe angesehen und angenommen. Alles muss erlernt und in der Betreuung geregelt werden, es treten die ty- pisch jugendspezifischen Probleme auf: zu laute Musik, zu viele Besucher, Ignorierung der Hausordnung, etc. In einem „normalen“ Mietverhältnis wären dies Gründe für die Beendigung des Mietverhältnisses. Alle jungen Erwachsenen waren von öffentlichen Hilfen abhängig. Abzu- klären sind die Ausbildungsmöglichkeiten oder Perspektiven auf dem Ar- beitsmarkt. Um jungen Menschen in Wohnungsnot den Zugang zu Wohnen und unter- stützender Hilfe und damit eine Perspektive zu eröffnen, müsste das Ange- bot bedarfsgerecht ausgebaut werden. Aus unserer Bewerberzahl gehen wir von einem Bedarf von 20 Plätzen aus mit einer flexiblen Öffnung, falls die Platzzahl nicht reichen würde. Der Vorrang der Jugendhilfe darf nicht in Frage gestellt werden, es sollte weiterhin darüber nachgedacht werden, Ju- gendhilfemaßnahmen besser sich ändernden Situationen junger Menschen anzupassen. Wichtiger Konzeptbestandteil ist die enge Zusammenarbeit mit dem Jobcenter, vor allem mit den für U25 zuständigen Sachbearbeiter/- innen. Verbindliche Vereinbarungen zwischen dem Träger und dem Job- center bezüglich Hilfeplan und Eingliederungsvereinbarung sind erforder- lich. Um den Zugang zu den Hilfen für die jungen wohnungslosen Erwach- senen zu erleichtern und damit auch den Beginn von „Karrieren“ zu ver- hindern, sollten Lotsen eingesetzt werden. Niedrigschwellige Angebote benötigen entsprechenden Nischenwohnraum. 56 2.10 Psychisch kranke Wohnungslose 2.10.1 Betreutes Wohnen für psychisch kranke Wohnungslose (AWO) (siehe Beitrag 2.5.3 „AWO: Betreutes Wohnen“ in Kapitel „Persönliche Hilfen in Wohnraum“ ) 2.10.2 Betreutes Wohnen für psychisch kranke Wohnungslose (SOZPÄDAL) 2007 wurden im Sonderprogramm für psychisch kranke Wohnungslose (§ 67 ff SGB XII) 8 Männer und 7 Frauen betreut. Ab 2009 können insge- samt 20 Plätze belegt werden. Diese Betreuungsform erfolgt bei denjeni- gen Betroffenen, die keine Krankheitseinsicht haben oder nicht bereit sind, sich behandeln zu lassen. Ziel dieser Maßnahme ist neben der Sicherung der Wohnung und Gewährleistung würdiger Lebensumstände die Motiva- tion zur Annahme entsprechender fachlicher Hilfen. Wo dies gelingt, wird das Betreute Wohnen im Rahmen der Eingliederungshilfe nach § 53 SGB XII fortgesetzt. (2007 wurden 9 Männer und 7 Frauen betreut). 2.10.3 Pilotprojekt „Aufsuchende Sozialpädagogische Hilfen“ im Rahmen des Betreuten Wohnens für psychisch kranke Men- schen (Diakonisches Werk) Das Diakonische Werk Karlsruhe ist der größte Anbieter vielfältiger ambu- lanter Wohnangebote für psychisch kranke Menschen. In unserem Appar- tementhaus, welches wir seit Februar 2005 betreiben, betreuen wir 16 ehemals wohnungslose psychisch kranke Menschen, die oftmals in keiner anderen Einrichtung oder Unterkunft innerhalb von Karlsruhe integriert werden konnten. Die Erfahrungen aus dem Appartementhaus haben gezeigt, dass bei einigen wohnungslosen psychisch kranken Menschen eine sehr frühe Kontaktauf- nahme notwendig ist, um mittel- bis langfristig einen Übergang aus der Wohnungslosigkeit bzw. aus Unterkünften und Einrichtungen der Woh- nungslosenhilfe nach § 67 ff SGB XII zu schaffen. Seit 01.08.2007 können in dem Pilotprojekt „Aufsuchende sozialpädagogi- sche Hilfen“ regelmäßig vier alleinstehende psychisch kranke Menschen, die in solch benachteiligenden Unterkünften untergebracht sind, mit den entsprechenden Unterstützungs- und Betreuungsleistungen versorgt 57 werden. Im Rahmen des Projektes wurden insgesamt bisher 13 dieser sehr schwer zugänglichen Menschen betreut. Bei drei von ihnen blieb es bei ei- nem Erst- bzw. Zweitkontakt, zehn Personen haben sich jedoch länger auf das Betreuungsangebot eingelassen. Nachdem hier ein dauerhafter Kontakt und eine Vertrauensbasis geschaffen war, konnten wir inzwischen sieben von ihnen aus der Wohnungslosigkeit in Mietverhältnisse und ärztliche Versorgung vermitteln. Eine Person gilt ebenfalls als versorgt und wartet im Wohnheim „Rüppurrer Straße 23“ auf einen demnächst freiwerdenden Platz in unserem Appartementhaus. Eine weitere Person wurde erst im De- zember 2008 aufgenommen, eine Vermittlung in Wohnraum war aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht möglich. Eine andere im November 2008 aufgenommene Person ist im Januar 2009 in den Landkreis abgewandert. Die aktuelle Erfolgsquote liegt für die regelmäßigen Betreuungen damit bei 70 bzw. 80 Prozent, für alle kontaktierten Personen bei 54 Prozent. Das erfolgreiche Pilotprojekt hat gezeigt, dass einer Beheimatung in Woh- nungslosenunterkünften entgegen gewirkt werden kann, wenn frühzeitig Betreuungsangebote gemacht werden. Dies gilt insbesondere bei sehr jun- gen psychisch kranken Menschen. Sechs der aus der Wohnungslosigkeit ins ambulant betreute Wohnen begleiteten Personen waren junge Erwach- sene bis 25 Jahre. Für diese Gruppe reichen die zurzeit zur Verfügung ste- henden Hilfeangebote nicht aus, und es werden noch differenziertere Hil- feangebote benötigt, um diese Personengruppe bedarfsorientiert zu versor- gen. Junge Erwachsene wünschen sich eine auf sie zugeschnittene Hilfe, in die möglichst wenig Personen mit einbezogen sind, obwohl vielfältige Hil- feangebote notwendig sind, z. B. Unterstützung im hauswirtschaftlichen Bereich/bei der schulischen Förderung/bei der medizinischen Versor- gung/bei behördlichen Angelegenheiten/bei finanziellen Angelegenheiten. Die Hilfe für diese nur sehr schwer erreichbaren jungen Menschen muss daher auf freiwilliger Basis aufsuchend, niederschwellig, bedarfsorientiert und flexibel erfolgen. Sie wird längerfristig nur erfolgreich sein, wenn es gelingt, tragfähige, kontinuierliche Beziehungen aufzubauen. Ausreichende zeitliche Ressourcen müssen zur Verfügung stehen, um notwendige Unter- stützungsangebote anzubieten. Dafür ist ein erhöhter Betreuungsaufwand notwendig. Wir planen daher ein Projekt für junge wohnungslose Men- schen, in dem uns 5-8 Stunden pro Woche/Person zur Verfügung stehen. 2.10.4 Sozialpsychiatrischer Dienst Auch in den Jahren 2007 und 2008 unterstützte der SPDi die Mitarbei- ter/innen und Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe durch regelmäßige Fallbesprechungen, kollegiale Beratung und Informationsveranstaltungen. 58 2.11 Arbeit, Beschäftigung, Aktivierung 2.11.1 Arbeits- und Beschäftigungsprojekt (AWO) Das Arbeits- und Beschäftigungsprojekt „erfindet“ fachlich und sozial qua- lifizierte Beschäftigungsangebote für Personen mit Handicaps. Das Projekt verfolgt vier Ziele: 1. Festigung der Allgemein- und Persönlichkeitsausbildung 2. Sicherung bzw. (Wieder-)Herstellung der Beschäftigungsfähigkeit 3. Verbesserung der Berufsorientierung und Berufsfindung 4. Vermittlung in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung Dabei werden Arbeitsbedingungen geschaffen, die das Handicap der ein- zelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter berücksichtigen und gleichzeitig deren Fähigkeiten und Ressourcen beanspruchen. Mit der Schaffung verschiedener Einsatzbereiche auf unterschiedlichem Leistungsniveau wird der großen Nachfrage nach Beschäftigung von Men- schen mit unterschiedlichsten Handicaps in Karlsruhe Rechnung getragen. So verfügt das Arbeitsprojekt neben Einsatzfeldern im gastronomischen Bereich (Leos Café, Catering u. a.) auch über folgende Beschäftigungsan- gebote: Wäscherei, niederschwellige Werkstatt mit einem Platzkontingent für tagesstrukturierende Maßnahmen für SGB XII-Leistungsbezieher, Bau- und Sanierungstrupp. Darüber hinaus kann auf eine Vielzahl unterschiedli- cher Einsatzstellen innerhalb der AWO Karlsruhe und bei kooperierenden Vereinen und Institutionen zurückgegriffen werden. 2.11.2 TafF - Arbeiten und Qualifizieren (SOZPÄDAL) An „Arbeiten und Qualifizieren“ nahmen 2007 48 Frauen teil, 18 Frauen kamen neu in das Projekt. 7 Frauen haben Arbeit auf dem ersten und zwei- ten Arbeitsmarkt gefunden, 3 Frauen haben eine Suchttherapie angetreten und damit wesentliche Schritte zur Verminderung ihrer Vermittlungs- hemmnisse gemacht. Um Frauen in Praktika nach außen vermitteln zu können, sind wir immer auf der Suche nach neuen Möglichkeiten und konnten die Angebotspalette erweitern. 2.11.3 Wohnungsakquise und Sanierung (SOZPÄDAL) 2007 konnten 12 Wohnungen für 24 Personen von SOZPÄDAL mit Hilfe städtischer Mittel saniert werden, 2008 waren es 11 Wohnungen für 59 25 Personen, ein nach unserer Auffassung sehr erfolgreiches Programm. Ab dem 15.12.2008 wurden 2 Arbeitsplätze im Rahmen von „Jobperspek- tiv„ in Zusammenarbeit mit der Agentur für Arbeit und der Fachstelle Wohnungssicherung für Langzeitarbeitslose mit Wohnungslosenhinter- grund im Sanierungsprojekt geschaffen. Seit längerer Zeit ist es uns ein Anliegen, neben dem neu akquirierten Wohnraum auch bereits länger an- gemietete Wohnungen in einen besseren Zustand zu versetzen. Insbesonde- re in Mehrzimmerwohnungen sind die gemeinschaftlich genutzten Räume in einem stark renovierungsbedürftigen Zustand. 2.11.4 Streetwork (Diakonisches Werk) (siehe auch 2.6.4) Auch die durch Streetwork betreuten Menschen verfügen über Ressourcen, die sie zu einer aktiven Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft befähigen. Über die Stabilisierung und Verbesserung der Lebenssituation sollen verlo- ren geglaubte Fähigkeiten und Fertigkeiten wieder entdeckt, erhalten und gefördert werden. Die Straßensozialarbeit macht deshalb Basisaktivie- rungsangebote für diese besonders benachteiligte Zielgruppe. Zusammen mit diversen Kooperationspartnern werden temporäre Einzelprojek- te/Maßnahmen z.B. „Perspektive Straßenleben“: Wohnungslose fotografie- ren ihre eigene Perspektive vom Leben auf der Straße; „Tor der Begeg- nung“ u. a. durchgeführt. Außerdem werden ein Sportangebot (Straßen- fußball) sowie dauerhafte, zusätzliche und im öffentlichen Interesse lie- gende Service-Dienste im Gemeinwesen organisiert. Die Teilnehmer er- fahren bei diesen Aktivitäten nach langer Arbeitslosigkeit wieder eine fle- xible und behutsame Heranführung an tagesstrukturierende, sinnvolle Tä- tigkeiten. Der Zugang zu diesen Angeboten ist niedrigschwellig. Je nach Leistungsfähigkeit und den sozialen Kompetenzen steht entweder der Be- schäftigungsaspekt oder die psychosoziale Betreuung im Vordergrund. Die Teilnehmer erfahren eine Stärkung des Selbstwertgefühls, weil sie Lob, Anerkennung und öffentliche Aufmerksamkeit in ihrem Lebensumfeld be- kommen und entdecken verloren geglaubte Stärken. Sie gehen damit wie- der erste Schritte hin zu einer umfassenden sozialen und beruflichen In- tegration. 2.12 Medizinische Versorgung Zahlreiche nationale und internationale Untersuchungen der letzten Jahre zeigten, dass die gesundheitliche Situation wohnungsloser Menschen zum Teil besorgniserregend schlecht ist. (Fichter u. a.: „Facetten der Gesundheit 60 Wohnungsloser“ in: Materialien der Wohnungslosenhilfe Nr. 43, 2000) Allerdings gibt es eine Diskrepanz zwischen subjektiv empfundenem und objektivem Gesundheitsstatus. Diese Lücke wird mit zunehmender Dauer der Wohnungslosigkeit größer: „je schwieriger es ist, die Grundbedürfnisse wie Schlafen, Nahrung, Kleidung oder persönliche Hygiene zu befriedigen, desto unwichtiger wird Gesundheit“. (Haje/Ishorst-Witt: „Stationäre Ver- sorgung Wohnungsloser in einem System der Fallpauschalenfinanzierung“ in: Materialien der Wohnungslosenhilfe Nr. 59, 2008). Es gibt eine Häu- fung verschiedener Erkrankungen, die meist mit den schwierigen Lebens- bedingungen (auf der Straße) zu tun haben. (Atemwege, Verdauung, Herz- Kreislauf, Skelett, Zähne, Haut, Infektionen, Verletzungen als Gewaltfol- gen). Aus den Erfahrungen und Beobachtungen der Mitarbeiter/innen der Karls- ruher Wohnungslosenhilfe sowie den Ergebnissen einer Befragung unter den Mitgliedern des Arbeitskreises Wohnungslosenhilfe ergibt sich für Karlsruhe folgendes Bild: 2.12.1 Die Situation Viele Wohnungslose scheuen den Weg zum Arzt, obwohl sie objektiv krank sind. Einerseits gibt es finanzielle Hürden (Praxisgebühr und Zuzah- lungsregelungen) zum medizinischen Regelversorgungssystem, die dazu führen, dass objektiv notwendige Arztbesuche aus finanziellen Gründen unterbleiben. Darüber hinaus gibt es auch nicht-finanzielle Zugangsbarrie- ren, die aus der besonderen Lebenssituation wohnungsloser Menschen re- sultieren. Negative Erfahrungen, Abweisung, Hemmungen, fehlende Krankheitseinsicht sind einige der Ursachen. Wohnungslose sind im War- tezimmer von Arztpraxen vielfach keine leichte Klientel und dort meist nicht gern gesehen. Wenn sie nicht offen abgewiesen werden, so spüren sie trotzdem diese Ablehnung und gehen nicht zum Arzt, weil sie sich stigma- tisiert fühlen. Mitarbeiter/innen der Wohnungslosenhilfe suchen oft fieber- haft nach Arztpraxen, wo Wohnungslose vorurteilsfrei und vorbehaltlos aufgenommen und behandelt werden. Diese unterlassenen bzw. verscho- benen Arztbesuche können Krankheiten verschlimmern und dadurch grö- ßere Leiden, aber auch später umso höhere Behandlungskosten verursa- chen. Hinzu kommt eine Verschärfung der Situation aufgrund der Einfüh- rung der diagnose-orientierten Fallpauschalen (DRG) in den Krankenhäu- sern (Stichwort: „blutige Entlassungen“): Wohnungslose haben kein zu Hause, wo sie gesund gepflegt werden könnten und selten Angehörige, die dies tun könnten. 61 Die Einrichtungen der Karlsruher Wohnungslosenhilfe reagieren in der praktischen Arbeit auf diese Problematik mit diversen Maßnahmen: Einige wenige Träger verfügen über Spendenmittel, um die Praxisgebühr bzw. Zuzahlungen für Medikamente oder Hilfsmittel zu finanzieren, damit eine notwendige medizinische Leistung nicht schon an den finanziellen Hürden scheitert. Fast alle Mitarbeiter/innen versuchen, als Vermittler zur medizi- nischen Regelversorgung zu fungieren. Zahlreiche Einrichtungen begleiten die Betroffenen auch dorthin und kooperieren mit Ärzten und/oder Pflege- diensten usw. um die notwendigen Maßnahmen/Leistungen zu koordinie- ren. Trotzdem gelingt dieser „Lotsendienst“ nicht immer. Einige Träger machen deshalb auch (niedrigschwellige) medizinische Angebote (z.B. ärztliche Sprechstunde in der Einrichtung selbst, Krankenzimmer). Beson- derer Bedarf wird auch hinsichtlich der psychiatrischen Versorgung gese- hen. Wohnungslose Menschen leiden sehr viel häufiger unter psychischen Krankheiten als die Allgemeinbevölkerung. Und auch hier ist die Inan- spruchnahme v. a. ambulanter psychiatrischer Einrichtungen (nach einem stationären Aufenthalt) erschreckend gering. Insgesamt lässt sich feststellen, dass es den etablierten Gesundheitsversor- gungseinrichtungen nicht gelingt, diese besonders benachteiligte Perso- nengruppe adäquat zu versorgen. Und auch die bisherigen Maßnahmen der Wohnungslosenhilfe reichen bei weitem nicht aus, um diesen Menschen eine bedarfsgerechte medizinische Versorgung zu gewährleisten. Zudem basieren die Angebote meist auf zusätzlichem und/oder ehrenamtlichem bzw. freiwilligem Engagement der Beteiligten, und die Finanzierung steht auf sehr unsicheren Füßen. 2.12.2 Bedarf in Karlsruhe Da Wohnungslose aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation häufig nicht in der Lage sind, den Verwaltungsaufwand für eine Zuzahlungsbefreiung zu erledigen, besteht ein großer Bedarf an kostenlosen Behandlungsmög- lichkeiten. Zunächst bräuchte es allerdings eine ausreichende Bereitschaft der medizinischen Regelversorgung, diese Menschen überhaupt vorbehalt- los und vorurteilsfrei aufzunehmen und zu behandeln. Wenn dies aber nicht uneingeschränkt gewährleistet ist und die erwähnten Barrieren dazu führen, dass notwendige Leistungen im Regelsystem aus den genannten Gründen nicht in Anspruch genommen werden, dann muss die „Komm- Struktur“ durch eine „Geh-Struktur“ ergänzt werden. D. h. Ärzte und/oder ausgebildete Pflegepersonen müssen die Wohnungslosen entweder an ihren Aufenthaltsorten aufsuchen (d. h. auf der Straße bzw. in den Einrich- 62 tungen der Wohnungslosenhilfe) oder ergänzend niedrigschwellige Be- handlungs- und Pflegeangebote außerhalb des Regelsystems bereithalten. In ein solches System müsste auch die Versorgung mit psychiatrischen Diensten einbezogen werden. Eine Lösung des Problems ist auch und vor allem wegen der unsicheren Finanzierung der bisherigen Ansätze auf der Basis von Freiwilligkeit und Barmherzigkeit nötig. Beispielhaft kann ein Versorgungsmodell in Nordrhein-Westfalen genannt werden: Hier wurde eine bedarfsorientierte niedrigschwellige und aufsu- chende Versorgung („medical streetwork“, Ambulanzfahrzeuge, Kranken- stuben) installiert, die den spezifischen Gesundheitsproblemen dieser Gruppe gerecht wird und von Krankenkassen, Kassenärztlichen Vereini- gungen sowie Kommunen gemeinsam finanziert wird. Aus Sicht des Arbeitskreises Wohnungslosenhilfe Karlsruhe sollte drin- gend untersucht werden, ob und in welcher Form ein solches Beispiel guter Praxis auch in Karlsruhe (bzw. Nordbaden) realisierbar ist. 2.13 Befragung Wohnungsloser In den vergangenen Jahren wurden im Zwei-Jahresabstand drei Befragun- gen wohnungsloser Menschen in Karlsruhe durchgeführt, im Folgenden wird ein Ergebnisüberblick der im August 2007 durchgeführten dritten Be- fragung dokumentiert. Die darin angegebenen Zahlen und Prozentanteile beziehen sich auf die Teilnehmer der Befragung, nicht auf alle Karlsruher Wohnungslosen. Ergebnisüberblick der 3. Befragung von Wohnungslosen 2007: In den vergangenen Jahren wurde das Hilfesystem der Wohnungslosenhilfe kontinuierlich weiterentwickelt und den Bedarfslagen angepasst. Als ein Höhepunkt kann neben den zielgruppenspezifischen Angeboten wie Eröff- nung der Frauenpension, Einrichtung des Appartementwohnens für Woh- nungslose mit psychischer Erkrankung, Familien-Wohnprojekte und Inbe- triebnahme des neuen Ankers die Umorganisation der Abteilung Woh- nungssicherung zur Fachstelle zum 01.01.2007 genannt werden. Darüber hinaus wurde ein Programm zur Wohnraumakquise initiiert, das erfolg- reich mit privaten Vermietern Wohnraum für diesen Personenkreis bereit- stellt. 63 Zur Evaluation der bisherigen Umstrukturierung und zum Vergleich der bisher durchgeführten Befragungen in den Jahren 2003 und 2005 wurden im August 2007 erneut Wohnungslose in ihren Unterkünften aufgesucht und mittels des gleichen Fragebogens wie in den Vorjahren befragt. Her- ausragend ist bei dieser Befragung, dass die gesamte Fachstelle Woh- nungssicherung in die Befragung involviert war und persönlich die Durch- führung der Interviews in den Unterkünften vorgenommen hat. Dadurch konnten 169 Personen, die in 140 Haushalten leben, befragt werden (da- runter 13 Kinder). Unter den Befragten waren 11 Familien mit 16 Kindern, davon sechs Alleinerziehende. Orte der Befragung Um eine Vergleichbarkeit mit der Befragung der Jahre 2003 und 2005 zu erhalten, wurden dieselben Unterkünfte bzw. Einrichtungen für die Befra- gung aufgesucht. Dennoch gibt es Unterschiede, da die Unterkunft in der Kriegsstraße 124 im Jahr 2004 und die in der Schlachthausstraße im Jahr 2005 aufgelöst wurden. Als neue Einrichtung konnte im Frühjahr 2004 die Frauenpension eröffnet werden, die in die Befragung mit aufgenommen wurde. Ebenso wurde der „Anker“, der im Spätsommer 2005 wieder in Betrieb genommen wurde, in die Befragung 2007 miteinbezogen. Neu hin- zu kamen außerdem das Appartementwohnen für psychisch kranke Woh- nungslose sowie die Unterkunft in der Taubenstr. 2. Die nachfolgende Ta- belle zeigt, wie viele Personen in den einzelnen Einrichtungen befragt wurden: 64 Tab. 3: Orte der Befragung Orte der Anzahl Prozent Befragung 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Schlachthausstraße 53 10 -- 25,7 6,7 -- Rüppurrer Straße 35 24 25 18,3 16,0 14,8 Scheffelstraße 27 24 12 12,9 16,0 7,1 Adlerstraße 33 20 10 7 9,9 6,7 4,1 Gartenstraße 17 26 19 8,4 17,3 11,2 Kriegsstraße 12 -- -- 5,9 -- -- Kriegsstraße DG -- -- 4 -- -- 2,4 Frauenpension -- 10 11 -- 6,7 6,5 Rüppurrer Straße 56 -- -- 3 -- -- 1,8 Taubenstraße 2 -- -- 5 -- -- 3,0 Anker -- -- 19 -- -- 11,2 Pensionen 38 46 64 18,9 30,6 37,9 Gesamt 202 150 169 100,0 100,0 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Geschlechterdifferenziert stellt sich das folgendermaßen dar: Tab. 4: Geschlechterdifferenzierung Orte der Befragung Anteil Anteil Anteil Männer in % Frauen in % Kinder in % 2003 2005 2007 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Schlachthausstraße 58,5 3,7 -- 34,0 6,8 -- 13,4 14,3 -- Rüppurrer Straße 100,0 28,4 100,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 0,0 Scheffelstraße 18,5 2,5 0,0 48,2 34,1 75,0 30,0 28,6 25,0 Adlerstraße 33 95,0 12,3 100,0 0,0 0,0 0,0 3,3 0,0 0,0 Gartenstraße 11,8 3,7 15,8 35,3 29,5 68,4 30,3 47,6 15,8 Kriegsstraße 75,0 -- -- 25 -- -- 0 -- -- Kriegsstraße DG -- -- 100,0 -- -- 0,0 -- -- 0,0 Frauenpension -- 0,0 0,0 -- 18,2 72,7 -- 9,5 27,3 Rüppurrer Straße 56 -- -- 100,0 -- -- 0,0 -- -- 0,0 Taubenstraße 2 -- -- 60,0 -- -- 20,0 -- -- 20,0 Anker -- -- 63,2 -- -- 36,8 -- -- 0,0 Pensionen 55,3 49,4 84,4 26,3 11,4 10,9 18,4 0 4,7 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 65 Geschlecht Wie das folgende Schaubild zeigt, ist der Anteil der befragten weiblichen Wohnungslosen mit 28,2 % im Vergleich zu den Vorjahren deutlich ge- sunken (2005: 33,9 %), übersteigt aber noch immer den bundesweiten Durchschnitt von 25 % (Stand: 2006; Bundesdurchschnitt Jahr 2005: 23 %). Mit Berücksichtigung der Kinder beträgt der Mädchen- und Frau- enanteil 28,4 % (2005: 34,7 %). Von einem Rückgang der weiblichen Wohnungslosen zu sprechen wäre jedoch nicht korrekt, da sich die Zahlen nur auf die befragten, in den Unterkünften angetroffenen Personen bezie- hen. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Altersverteilung Das Durchschnittsalter der befragten Personen beträgt 39,31 Jahre (2005: 33,9 Jahre; 2003: 34,1 Jahre). Darin enthalten sind 6,5 % (2005: 14,4 %; 2003: 15,1 %) Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Das Durchschnitts- alter der Erwachsenen über 18 Jahre beträgt 41,6 Jahre. 2005 und 2003 lag das Durchschnittsalter der Erwachsenen bei 38,1 Jahren. Das der erwach- senen Frauen beträgt 40,3 Jahre (2005: 34,6; 2003: 33,8 Jahre), während die Männer im Durchschnitt 42,6 Jahre (2005: 40 Jahre; 2003: 39,9 Jahre) alt sind. Es ist also insgesamt eine Erhöhung des Durchschnittsalters der Befragten festzustellen. Die Verteilung zeigt sich wie folgt: 66 Altersverteilung 15,1 15,7 23,7 10,6 8,1 14,4 28,8 17,1 20,5 14,4 4,8 6,5 15,4 30,2 17,7 7,1 26,8 23,1 0 5 10 15 20 25 30 35 < 1818-2930-3940-4950-59> 60 Prozent 2003 2005 2007 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Staatsangehörigkeit Die überwiegende Anzahl der Wohnungslosen hat die deutsche Staatsbür- gerschaft (84,5 %), wie die nachfolgende Tabelle zeigt: Tab. 5: Staatsangehörigkeit Staatsangehörigkeit Anzahl Prozent 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Deutsch 152 112 131 78,4 75,7 84,5 Italienisch 13 10 4 6,7 6,8 2,6 Türkisch 8 12 5 4,1 8,1 3,2 Polnisch 5 0 1 2,6 0,0 0,7 Sonstige 16 14 14 8,2 9,4 9,0 Gesamt 194 148 155 100,0 100,0 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 67 Migrationshintergrund Bei 18 Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft konnte ein Migrations- hintergrund festgestellt werden. Diese 18 Personen kommen unter anderem aus der Türkei (2), Polen (2), Kroatien (3) und Kenia (2). Herkunft/Ort des Wohnungsverlustes Die Untersuchung zeigt, dass 31,6 % (2003: 35,3 %; 2005: 27,4 %) der wohnungslosen Personen in Karlsruhe geboren sind. 80,3 % (2003: 71,6 %; 2005: 74,8 %) der befragten Personen haben ihre letzte Wohnung im Stadtkreis verloren. Im Landkreis ihre Wohnung verloren haben 6,3 % (2003: 5,9 %; 2005: 0,9 %). Familienstand Bei der geschlechtsdifferenzierten Betrachtung des Familienstandes gibt es zu 2003 und 2005 geringe Abweichungen. So ist der Anteil der geschiede- nen Frauen mit 31,8 % deutlich höher als die Jahre zuvor, während die Gruppe der ledigen Frauen kleiner geworden ist. Tab. 6: Familienstand Familienstand Weiblich Männlich (> 18 Jahre) 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Ledig 54,0 52,4 36,4 65,0 58,0 59,6 Verheiratet 14,0 11,9 6,8 2,5 6,2 4,6 Verwitwet 8,0 0,0 9,1 1,7 0,0 3,7 Geschieden 10,0 19,0 31,8 21,7 28,4 22,9 Getrennt lebend 14,0 16,7 11,4 9,1 7,4 5,5 Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 (Angaben in Prozent) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 68 Kinder 93 von 155 Personen beantworteten die Frage, ob sie Kinder haben, mit „ja“. Von diesen 93 Personen leben 13 Personen (8,3 %) mit ihren Kindern zusammen (2005: 20 %; 2003: 24,7 %). Tab. 7: Kinder Kinder 2003 2005 2007 Ja 50,6 50,8 60,0 Nein 49,4 49,2 40,0 Gesamt 100,0 100,0 100,0 (Angaben in Prozent) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Dauer der Wohnungslosigkeit/Aufenthalt in Einrichtungen oder Pensionen Nachdem sich die Dauer der Wohnungslosigkeit der Erwachsenen von 2003 (über 4 Jahre) bis 2005 (unter 2 Jahren) um mehr als die Hälfte ver- ringert hat, stieg sie 2007 wieder leicht an und beträgt 2,4 Jahre. Auch bei den Kindern setzt sich dieser Trend fort und beträgt im Jahr 2007 im Durchschnitt 1 Jahr. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 69 Die Aufenthaltsdauer in Einrichtungen, Unterkünften oder Pensionen be- trägt im Durchschnitt 10,2 Monate; im Vergleich dazu betrug diese im Jahr 2003 ein Jahr und einen Monat, im Jahr 2005 9,9 Monate. Bei einer diffe- renzierten Betrachtung der Obdachlosenunterkünfte und der Pensionen zeigt sich, dass die Aufenthaltsdauer in Unterkünften (10,2 Monate) und Pensionen (10,1 Monate) nahezu gleich ist. Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Aufenthalt vor Wohnungslosigkeit Die Mehrzahl der Befragten, nämlich 82,9 % (2005: 88,6 %; 2003: 82,3 %), die eine Antwort gaben, lebten vor dem Wohnungsverlust in einer ei- genen Mietwohnung bzw. in einem möblierten Zimmer. Bei den Eltern lebten bis zum Zeitpunkt der Wohnungslosigkeit 12 der befragten Perso- nen (2005: 9 Personen; 2003: 13 Personen). Grund für Wohnungsverlust 144 Personen gaben Auskunft darüber, weshalb sie ihre Wohnung verloren haben. 6,9% wurden aufgrund von Mietschulden gekündigt. Im Vergleich zu 2005 konnte diese Zahl halbiert werden, was auf verstärkte präventive Maßnahmen wie zum Beispiel Übernahme von Mietrückständen zurückzu- führen ist. Nach dem starken Anstieg der Kündigungen 2005 ist die Zahl wieder deutlich gesunken, jedoch sind die Zahlen der gewollten Auszüge wieder sehr stark angestiegen. 70 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Ursache für Wohnungsverlust Die Frage nach der Ursache des Wohnungsverlustes sollte hinterfragen, weshalb es zum Beispiel zu einer Kündigung kam. 87 Personen gaben hierzu Antworten: Tab. 8: Ursache für Wohnungsverlust Prozent 2003 2005 2007 Alkohol 13,0 10,0 6,9 Mietrückstand 2,9 20,0 6,9 arbeitslos 33,3 10,0 21,8 Trennung 2,9 0 17,3 Streit mit Eltern/Mitbewohner 2,9 6,7 8,0 Ärger mit Vermieter 17,4 16,7 6,9 Eigenbedarf Vermieter 4,4 16,7 8,0 Gesundheitliche Probleme 4,4 3,3 2,4 Sonstiges 18,8 16,6 21,8 Gesamt 100,0 100,0 100,0 (Angaben in Prozent) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 71 Kontakt mit Sozial- und Jugendbehörde (SJB) vor Wohnungsverlust 34 Personen beantworteten die Frage, ob Kontakt zur SJB vor Wohnungs- verlust bestand, mit „ja“ (2005: 35 Personen; 2003: 65 Personen). 99 Per- sonen verneinten die Frage (2005: 42 Personen; 2003: 67 Personen). So- fern Kontakt aufgenommen wurde, bestand dieser bei 51,4 % der Befrag- ten zur Fachstelle Wohnungssicherung. 25,7 % suchten Hilfe beim Sozia- len Dienst. Kontakt mit Beratungsstellen Die folgende Tabelle zeigt, zu wem die befragten Personen Kontakte ha- ben bzw. wie viele Personen die einzelnen Beratungsstellen aufsuchen. Tab. 9: Kontakt mit Beratungsstellen Kontakt 2003 2005 2007 Anlaufstelle Frauen 18 10 12 Anlaufstelle Männer 2 1 7 Die Tür/Diakonie 3 3 3 TAFF/Sozpädal 2 1 5 Sozialer Dienst/Stadt Karlsruhe 4 1 6 Sozialpsychiatrischer Dienst 3 2 0 Sozpädal 2 5 9 „IGLU“/Heimstiftung 2 1 1 Straßensozialarbeit 6 1 4 Sozialarbeit im Haus 11 20 46 Drogenberatungsstelle 5 6 1 Betreuer 1 2 3 1) GESAMT 59 53 90 1) Lotsen Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 72 Bewertung der Gesundheit Die Befragten wurden aufgefordert, ihre Gesundheit mit einer „Schulnote“ von 1 (= sehr gut) bis 6 (= sehr schlecht) zu bewerten. Die Verteilung der Noten ist untenstehend abgebildet. Im Durchschnitt bewerteten die befrag- ten Personen, wie im Jahr 2005, ihre Gesundheit mit der Note 2,9 (2003: 3,2). Eine geschlechtsspezifische Betrachtung zeigt, dass sich Männer und Frau- en bei der Bewertung ihrer Gesundheit kaum unterscheiden (Männer: 2,9; Frauen: 3,1) Tab. 10: Bewertung der Gesundheit Gesundheit 2003 2005 2007 sehr gut 16,4 14,3 17,5 gut 22,6 30,5 25,5 befriedigend 23,3 31,4 24,8 ausreichend 13,0 9,5 18,1 mangelhaft 11,0 7,6 10,1 sehr schlecht 13,7 6,7 4,0 Gesamt 100,0 100,0 100,0 (Angaben in Prozent) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Ärztliche Behandlung Nachdem sich im Jahr 2005 die Zahl der sich in ärztlicher Behandlung be- findenden Wohnungslosen im Vergleich zu 2003 von 42,4 % auf 27,6 % verringert hat, stieg diese Zahl 2007 wieder auf 35,9 %. Die Zahl der Er- wachsenen, die im vergangenen Jahr mindestens einen Klinikaufenthalt hatten, stieg 2007 auf 35% (2005: 23,7 %; 2003: 29,1 %). Schulabschluss 85,1 % der befragten Personen haben eine abgeschlossene Schulausbildung (2003: 78 %; 2005: 80,5 %), der Großteil von ihnen einen Hauptschulab- schluss. 73 Schulabschluss 56,1 14,8 6,5 3,9 18,1 0,6 11,5 2,72,7 61 11,1 11,6 1,3 13 1,9 51,3 16,8 15,0 0 10 20 30 40 50 60 70 HauptschuleRealschuleAbitur/FHSonderschuleohneBerufsschule Prozent 2003 2005 2007 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Eine geschlechtsdifferenzierte Betrachtung zeigt, dass auch im Jahr 2007 mehr männliche Wohnungslose über einen Schulabschluss verfügen als wohnungslose Frauen. Tab. 11: Schulabschluss Abschluss Männlich in % Weiblich in % 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Hauptschule 53,5 52,1 61,8 62,8 50,0 58,1 Realschule 18,8 16,4 11,8 4,7 12,5 9,3 Abitur/FH 7,1 12,3 12,7 4,7 10,0 9,3 Sonderschule 2,7 4,1 0,9 7,0 0,0 2,3 Ohne 17,9 15,1 10,9 18,6 20,0 18,6 Berufsschule 0,0 0,0 1,8 2,3 7,5 2,3 Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Berufsausbildung Bei der geschlechterdifferenzierten Betrachtung der Berufsausbildung ist festzustellen, dass auch hier kleine Unterschiede bestehen. Während 58,3 % der Männer einen Beruf erlernt haben, liegt der Anteil bei woh- nungslosen Frauen immerhin bei 44,1 %. Dennoch verfügen knapp die Hälfte (46,1 %) der wohnungslosen Personen in Karlsruhe über keine Be- rufsausbildung (inklusive abgebrochene Ausbildung). 74 Tab. 12: Berufsausbildung Berufsbildung Gesamt in % Männlich in % Weiblich in % 2003 2005 2007 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Abgeschlossene Ausbildung 47,8 53,1 53,9 56,0 56,8 58,3 26,7 46,2 44,1 Abgebrochene Ausbildung 17,4 19,5 19,8 18,1 17,6 21,3 15,5 23,1 14,0 Keine Ausbil- dung 34,8 27,4 26,3 25,9 25,7 20,4 57,8 30,7 41,9 Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Status vor Wohnungslosigkeit – Erwerbstätigkeit heute Während in den ersten beiden Befragungen noch knapp die Hälfte der be- fragten Erwachsenen zum Zeitpunkt des Wohnungsverlustes berufstätig war, so beantworteten 2007 nur noch 30,9 % diese Frage positiv. Ein Un- terschied zeigt sich jedoch bei den Frauen, deren Erwerbsquote niedriger liegt als bei den Männern, wie folgende Tabelle veranschaulicht: Tab. 13: Status vor Wohnungslosigkeit Status vor Wohnungslosigkeit Gesamt in % Männlich in % Weiblich in % 2003 2005 2007 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Schüler/-in 9,7 4,7 2,2 5,4 5,9 2,0 20,5 2,6 2,5 Arbeitslos 34,2 37,7 54,5 37,8 35,3 57,8 25,0 42,1 45,0 Azubi 0,6 1,0 2,1 0,0 0,0 1,0 2,3 2,6 5,0 Hausfrau/-mann 9,7 4,7 7,7 0,9 0,0 1,0 31,7 13,2 25,0 Erwerbstätig 45,8 50,9 30,9 55,9 57,3 37,2 20,5 39,5 15,0 Rentner/-in 0,0 1,0 2,6 0,0 1,5 1,0 0,0 0,0 7,5 GESAMT 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Bis zum Dezember 2007 ist die Erwerbsquote der befragten Personen auf 10,9 % gesunken. 75 Tab. 14: Status Erwerbstätigkeit Erwerbstätig Gesamt in % 2003 2005 2007 Ja 17,0 8,5 10,9 Nein 83,0 87,2 85,7 1- bzw. 2-Euro-Jobs 0,0 4,3 3,4 Gesamt 100,0 100,0 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Grafisch stellt sich die Tabelle wie folgt dar: Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Nicht im Schaubild dargestellt sind die Eingliederungsmaßnahmen (1- bzw. 2-Euro Jobs), die zum Zeitpunkt der Befragung (2005) 4,3 % ausmachten, (2007) 3,4 %. Grafisch stellt sich der Unterschied in Bezug auf die Erwerbstätigkeit vor und nach dem Wohnungsverlust wie folgt dar: 76 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Lebensunterhalt Durch die Umsetzung von Hartz IV und die Zusammenlegung von Arbeits- losen- und Sozialhilfe hat sich der Lebensunterhalt der Wohnungslosen dementsprechend verschoben. Lebten 67,5 % der Wohnungslosen im Jahr 2003 von Sozialhilfe, so beziehen heute 74,5 % Arbeitslosengeld II, wie folgende Tabelle veranschaulicht (Mehrfachnennungen mit eingerechnet). Tab. 15: Lebensunterhalt Lebensunterhalt 2003 2005 2007 Anzahl Prozent Anzahl Prozent Anzahl Prozent Berufsverdienst 12 7,4 6 4,8 10 6,2 Sozialhilfe/Grundsicherung 110 67,5 26 21,0 13 8,1 Rente 2 1,2 2 1,6 8 5,0 Arbeitslosengeld II 0 0,0 78 63,0 120 74,5 Arbeitslosenhilfe 27 16,6 0 0,0 0 0,0 Arbeitslosengeld 4 2,5 5 4,0 2 1,3 Vermögen 0 0,0 1 0,8 0 0,0 Unterhalt 1 0,6 1 0,8 2 1,3 Geld von Lebenspartner 3 1,8 3 2,4 1 0,6 Tagessatz 0 0,0 1 0,8 0 0,0 1- bzw. 2-Euro-Jobs 0 0,0 1 0,8 3 1,8 Mutterschutz 1 0,6 0 0,0 0 0,0 Krankengeld 1 0,6 0 0,0 1 0,6 Eltern 1 0,6 0 0,0 0 0,0 Asylleistungen 0 0 0 0 1 0,6 Freiwilliges soziales Jahr 1 0,6 0 0,0 0 0,0 Gesamt 163 100,0 124 100,0 161 100,0 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 77 Aus folgender Tabelle ist ersichtlich, dass der Wunsch nach Arbeit am stärksten bei den Frauen zugenommen hat: Tab. 16: Arbeitswunsch Arbeits- wunsch Gesamt Frauen Männer 2003 2005 2007 2003 2005 2007 2003 2005 2007 Ja 71,7 78,7 81,6 57,5 75,0 81,25 77,5 80,7 81,5 Nein 28,3 21,3 18,4 42,5 25,0 18,75 22,5 19,3 18,4 Gesamt 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 100,0 (Angaben in Prozent) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 Wohnwunsch 153 Personen gaben über ihren Wohnwunsch Auskunft. 92,2 % wünschen sich eine eigene (Miet-) Wohnung (2005: 87,3 %; 2003: 84,6 %), Die Zahl der Befragten, die sich mit einem möblierten Zimmer oder einem Zimmer in einer Wohngemeinschaft begnügten, ist im Vergleich zu 2005 um fast die Hälfte von 6,8 % auf 3,9 % gesunken (2003: 4 %). Nicht auf der Suche nach einer Wohnung sind nach eigenen Angaben 3,8 % der Befragten. Die Personen mit dem Wunsch nach einer eigenen Wohnung wurden be- fragt, ob sie eine Betreuung wünschen. 21,7 % der 141 Personen, die diese Frage beantworteten würden ein Betreuungsangebot annehmen (2005: 22,2 %). Ziele Auf die Frage, was die Betroffenen in Zukunft gerne erreichen wollen, antworteten 153 Personen wie folgt: 78 Tab. 17: Ziele Ziele Anzahl der Nennungen Eigene Wohnung 102 Arbeit 68 Gesundheit/gesund werden 11 Keine Ahnung 10 Keine Ziele 7 Raus aus jetziger Unterkunft 4 1- bzw. 2-Euro Jobs 4 Ausbildungsstelle 4 Eigenes, normales Leben 4 Sprache lernen 3 Literatur lesen 3 Kontakt zum Kind 3 Gute Frau finden 3 Drogentherapie/Alkoholentzug 2 auswandern 2 Kinder zurückbekommen 2 Familie 2 Sport treiben 2 mit Freundin zusammen leben 2 Studieren 2 Neuanfang 2 Schulabschluss machen 1 Kenntnisse in Musikproduktion erweitern 1 In die Politik gehen 1 Führerschein 1 Keine Schulden mehr 1 bei einer Band mitspielen 1 Selbständig machen 1 Drehbuch schreiben 1 Teppiche weben 1 Reisen 1 Einzelbetreutes Wohnen 1 Raus aus dem Milieu 1 Psychische Stabilität 1 Wohnungsverwahrlosung vermeiden 1 Im Lotto gewinnen 1 Kindergartenplatz 1 Ein Buch schreiben 1 Nie wieder wohnungslos werden 1 Rente 1 Abstinenz 1 3 Kinder bekommen 1 Frieden 1 Hund soll Test bestehen 1 Lernen mit Geld umzugehen 1 nach Hause nach Serbien reisen 1 N=153 267 Quelle: Sozial- und Jugendbehörde/Fachstelle Wohnungssicherung 2008 79 2.14 Kooperation mit der Stadt Stutensee Im Jahr 2003 hat die Sozial- und Jugendbehörde begonnen, zur Senkung der Kosten für obdachlosenrechtliche Unterbringungen mit Karlsruher Ho- teliers Rahmenverträge zu schließen. Auch im Jahr 2006 bestand weiterer Bedarf für 20 Hotelplätze, es konnte jedoch in Karlsruhe kein neuer Part- ner gefunden werden, der zu maximal 20,00 Euro die Nacht bis zu 20 Bet- ten hätte anbieten können. In Stutensee bot zeitgleich ein Hotelier diese Platzzahl zu 16,00 Euro die Nacht an. Aus diesem Grund wurde 2006 begonnen, Karlsruher Woh- nungslose vorübergehend in einem Hotel in Stutensee unterzubringen. Da die Alternative in Karlsruhe 29,00 Euro pro Nacht gewesen wäre, be- läuft sich die Ersparnis der letzten beiden Jahre auf 187.200,00 Euro (20 Betten x 24 Monate x 30 Tage x 13,00 Euro/Bett/Monat Differenz). Der Oberbürgermeister der Stadt Stutensee, Herr Demal, wurde von der Belegung informiert. Trotz anfänglicher Bedenken verläuft die Unterbrin- gung seit Beginn ohne größere Auswirkungen auf die Stadt Stutensee. Auch für die untergebrachten Menschen ist die Lage des Hotels nicht nach- teilig, da der Hotelier einen Shuttleservice zur Stadt Karlsruhe zur Verfü- gung stellt. Um der Zusammenarbeit zwischen den Städten Stutensee und Karlsruhe im Bereich der Wohnungslosenhilfe einen festen Rahmen zu geben, wurde Ende 2008 ein gemeinsam erarbeiteter Kooperationsvertrag abgeschlossen, der auch in einer gemeinsamen Sitzung von Mitgliedern der Sozialaus- schüsse der Stadt Karlsruhe und des Landkreises Karlsruhe diskutiert und befürwortet wurde. 80 Stadt Karlsruhe Stadt Stutensee Kooperationsvereinbarung Wohnungssicherung und Wohnungslosenhilfe in Karlsruhe und Stutensee Präambel Karlsruhe ist Großstadt in einem Landkreis mit 32 Städten und Gemein- den. Die politischen Grenzen der Kommunen – ähnlich den Ortsteilen und Stadtteilen in den Kommunen – entsprechen nicht zwingend den von den dort wohnenden Menschen subjektiv wahrgenommenen Sozialräumen. Mit der Kooperation zwischen der Stadt Karlsruhe und der Stadt Stutensee soll eine Sozialregion definiert werden, in dieser die Grenzen zwischen den beiden Kommunen gedanklich aufgehoben sind. Der so definierte Sozial- raum stellt die räumliche Kulisse der von der Stadt Stutensee und der Stadt Karlsruhe gemeinsam wahrgenommenen Versorgung wohnungsloser Men- schen dar. § 1 Ziel Ziel dieser Kooperationsvereinbarung aus Karlsruhe und Stutensee ist die bedarfsgerechte und angemessene Wohnraumversorgung von Menschen, bei denen die intensiven Bemühungen um Vermeidung des Wohnungsver- 81 lustes nicht gelingen konnten. Soweit für diese Menschen nicht unmittelbar Wohnraum zur Verfügung gestellt werden kann, bedarf es einer vorüber- gehenden obdachlosenrechtlichen Unterbringung. Diese soll so gestaltet werden, dass die Aufenthaltsdauer der untergebrachten Personen so kurz wie möglich gehalten wird. Dazu ist in der Regel die Leistung persönlicher Hilfe für die betroffenen Personen erforderlich. § 2 Aufgabenstellung Die gemeinschaftliche Erfüllung der in § 1 skizzierten Aufgaben erfolgt nach Beschluss der jeweils zuständigen politischen Gremien der Städte Karlsruhe und Stutensee. Der gemeinsame – in der Regel jährlich tagende – Jugendhilfe- und Sozialausschuss des Stadt- und Landkreises Karlsruhe dient in diesem Kontext der kontinuierlichen Sachstandsberichtserstattung des Projekts. § 3 Jugendsporthotel Die Stadt Karlsruhe schließt zum Zweck der obdachlosenrechtlichen Un- terbringung von Menschen in Wohnungsnot mit dem Betreiber des Ju- gendsporthotels in der Helmholtzstr. 7 in 76297 Stutensee einen Koopera- tionsvertrag über fünf Jahre. Die Einweisung in das Hotel erfolgt über die Stadt Karlsruhe/Fachstelle Wohnungssicherung. Sofern die Stadt Stutensee keine andere Unterkunft für wohnungslose Menschen findet, kann das Hotel ebenfalls von ihr, zu gleichen Konditio- nen, belegt werden. Sollte es sich um Menschen handeln, für die eine Un- terbringung im Jugendsporthotel ungeeignet erscheint, erklärt sich die Stadt Karlsruhe bereit, diese innerhalb ihres Hilfesystems zu versorgen. § 4 Handlungskonzept Grundlage für die Belegung und Betreuung des Jugendsporthotels ist ein gemeinsames Handlungskonzept, in welches weitere bei Hilfen für woh- nungslose Menschen zu berücksichtigende Institutionen, insbesondere So- zialleistungsträger, einbezogen werden sollen. 82 § 5 Kosten Die Stadt Karlsruhe trägt als Obdachlosenpolizeibehörde die Kosten der Unterbringung der Karlsruher wohnungslosen Menschen im Jugendsport- hotel. Die Stadt Stutensee trägt als Obdachlosenpolizeibehörde die Kosten der Unterbringung wohnungsloser Menschen aus Stutensee im Jugendsportho- tel. Die Kosten für die Versorgung wohnungsloser Menschen aus Stutensee, die aus besonderen Gründen im Karlsruher Hilfesystem versorgt werden müssen, werden von der Stadt Karlsruhe getragen. § 6 Inkrafttreten Diese Vereinbarung tritt zum 01.01.2009 in Kraft. Eine Kündigung aus ei- nem wichtigen Grund ist mit einer Kündigungsfrist von 12. Monaten je- derzeit möglich. 10. September 2008 Stadt Karlsruhe Stadt Stutensee _______________ _____________ 83 2.15 Ausblick Der Wohnungsmarkt wird in Karlsruhe auch in den nächsten Jahren ange- spannt bleiben, so dass der Zufluss an Menschen mit Wohnungsproblemen anhalten wird. Für 2009 und 2010 hat die Fachstelle Wohnungssicherung die Aufgabe, das Masterplanziel der Auflösung der unbetreuten Unterkünfte umzuset- zen. Zunächst wird die Scheffelstr. 37 in eine betreute Unterkunft für mehrfach chronisch beeinträchtigte Frauen umgewandelt, danach ist die Gartenstr. 9 in Wohnungen umzuwandeln. Auch danach wird noch weiter ein Bedarf bestehen, Familien vorübergehend obdachlosenrechtlich unter- zubringen. Ziel soll hierbei jedoch nicht die unbetreute Unterkunft sein, sondern ein Wohnen in einer einfachen Übergangswohnung. Neben den Unterkünften ist auch ein Augenmerk auf die Entwicklung in den Hotels zu richten. Die Unterbringung im Hotel Fässle wird zum 31.12.09 beendet. Hierfür ist als Ersatz wiederum ein Hotel gedacht, das jedoch als betreute Unterkunft geführt werden soll. Ein besonderer Bedarf besteht hier bei dem Personenkreis, der im Anker versorgt wird, dessen Kapazität jedoch hierfür nicht mehr ausreicht. Zentrale Themen der Fachstelle werden in den nächsten beiden Jahren die Schnittstellen mit anderen Fachbereichen sein: Die zunehmende Zahl an jungen Erwachsenen erfordert ein spezielles Un- terbringungsangebot für sie, das zwischen Jugendhilfe und Wohnungslo- senhilfe angesiedelt ist. Es bleibt abzuwarten, ob die Anzahl an obdachlo- sen jungen alleinerziehenden Müttern konstant hoch bleibt und auch für diese Gruppe ein spezielles Angebot geschaffen werden muss. Die zunehmend große Gruppe der psychisch kranken Menschen, die von uns versorgt werden müssen, stellt eine große Herausforderung dar. Hier werden gemeinsam mit dem Gemeindepsychiatrischen Verbund (GPV) be- reits Lösungen gesucht, wie Menschen, die bereits im psychiatrischen Sys- tem waren, von dort auch nach Verlassen einer Einrichtung weiter betreut werden können. Die derzeit vorhandenen Plätze im Bereich der Woh- nungslosenhilfe für psychisch Kranke sind ständig belegt, da wenig Wech- sel stattfinden. Gemeinsam mit den Kolleginnen der Eingliederungshilfe wird derzeit geprüft, wie man auch für Menschen mit geringerer Mitwir- kungsbereitschaft einen Einstieg in die Eingliederungshilfe finden kann. 84 Weiter begleiten wird uns auch die Suche nach langfristigem Wohnraum hierfür. Schnittstellen gibt es auch außerhalb der Stadt Karlsruhe: 2008 sind mit der Kooperation mit Stutensee die ersten Schritte zu einer verbesserten Zu- sammenarbeit in der Wohnungslosenhilfe mit dem Landkreis gemacht worden. Darauf aufbauend wird in 2009 begonnen, gemeinsam mit dem Sozialamt und dem Jobcenter des Landkreises zu erarbeiten, wie die Arbeit noch besser vernetzt werden kann. 3. Soziale Stadtteilentwicklung Der Karlsruher Gemeinderat hatte in seiner Sitzung vom 18.12.2001 eine zeitliche Reihenfolge der Stadtteilentwicklungsprozesse in Karlsruhe fest- gelegt. Die Gemeinschaftsinitiative „Stadtteile mit besonderem Entwick- lungsbedarf - Soziale Stadt“ gilt Stadt- und Ortsteilen, die ins soziale Ab- seits abzugleiten drohen. Es handelt sich dabei meist um hoch verdichtete einwohnerstarke Stadtteile in städtischen Räumen, die im Hinblick auf ihre Sozialstruktur, den baulichen Bestand, das Arbeitsplatzangebot, das Aus- bildungsniveau, die Ausstattung mit sozialer und stadtteilkultureller Infra- struktur sowie die Qualität der Wohnungen, des Wohnumfeldes und der Umwelt erhebliche Defizite aufweisen. Die Gemeinschaftsinitiative „Soziale Stadt“ erhebt den Anspruch, Quartie- rentwicklungsprozesse in Gang zu setzen, welche die sozialen Problemge- biete zu selbständig lebensfähigen Stadtteilen mit positiver Zukunftsper- spektive machen. In Karlsruhe werden derzeit drei Stadtteile gefördert. Die Oststadt, Innenstadt-West und Mühlburg werden mit einem eigenen Ent- wicklungs- und Handlungskonzept von einem ämterübergreifenden Sanie- rungsbeirat in den unterschiedlichen Bereichen unterstützt. Eine enge Ko- operation ist hierfür Voraussetzung. Die Federführung im Bereich Sozia- les, Familie, Beruf, Schule, Bildung, Migrationsfragen, Kinder und Ju- gendliche sowie Gesundheit obliegt dem Dezernat 3. Die Unmittelbarkeit im Sinne einer kleinräumigen Sozial- und Jugendhilfeplanung genießt hierbei Priorität. Folgende Aufgabenbereiche sind für den Stadtteilentwick- lungsprozess unabdingbar: Aktivierung der Bürgermitwirkung und -beteiligung, Stärkung der lokalen Wirtschaft/Stärkung von Arbeit und Beschäfti- gung, 85 Einrichtung von Stadtteilzentren, Entwicklung einer sozialen, kulturellen, bildungs- und freizeitbezo- genen Infrastruktur, Verbesserung der Wohnsituation in Form von baulichen und wohn- wirtschaftlichen Maßnahmen und Verbesserung des Wohnwertes durch Aufwertung des Wohnumfel- des und Verbesserung der sozialen Infrastruktur. Die Auswahl der Stadtteile wird auf kommunaler Ebene in einem transpa- renten Verfahren geregelt und durch den Gemeinderat beschlossen. Der Stadtteilentwicklungsprozess im Rahmen des Bund-Länder-Pro- gramms „Soziale Stadt“ bewirkte in den vergangenen Jahren positive Ent- wicklungen für die Menschen in den Stadtteilen. Die Vielfalt, Kontinuität und Wachstumskraft hat sich in der Oststadt, der Innenstadt-West und Mühlburg zunehmend verbessert und zu einer guten sozialen Infrastruktur weiterentwickelt. 3.1 Soziale Stadt In Karlsruhe werden drei Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf im Rahmen des Bund-Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf - Soziale Stadt“ gefördert: Oststadt (November 2000), Innenstadt-West (Dezember 2002), Mühlburg (April 2007). 3.1.1 Oststadt Die Karlsruher Oststadt steht am Ende der Stadtteilentwicklung im Rah- men des Bund–Länder-Programms „Stadtteile mit besonderem Entwick- lungsbedarf – Soziale Stadt“. Dieser Prozess wird Ende 2010 auslaufen, wenngleich noch bei Bedarf eine Verlängerungsoption der Stadt Karlsruhe möglich ist. Im Einzugsbereich der Schulen leben viele ausländische Familien zum Teil in sehr beengten und schlechten Wohnverhältnissen. Viele Teilfamilien und Alleinerziehende haben nach Trennungssituationen hohe soziale Be- lastungsfaktoren wie z. B. mangelnde Erziehungskompetenz. Drogen- und 86 Alkoholprobleme kennzeichnen die außerschulische Lebenswelt der Schü- lerinnen und Schüler. Die Quote der Hauptschulabgänger ohne Abschluss- zeugnis liegt an den drei Hauptschulen im Quartier mit 17,9 % weit über dem gesamtstädtischen Durchschnitt (8,3 %). Mit diesen negativen Erfah- rungen in den Familien und der Schule ist ein Einstieg in die Ausbildung bzw. in den Arbeitsmarkt denkbar ungünstig. Aufgrund der benachteili- genden Voraussetzungen beim Übergang in die Ausbildung oder in den Beruf, insbesondere bei den Jugendlichen, sind die Chancen auf Vermitt- lung in Arbeit schlecht. Es ist festzustellen, dass die Karlsruher Oststadt als Programmgebiet der sozialen Stadt nach wie vor einen sehr hohen sozial- räumlichen Handlungsbedarf aufweist. Aus den Stadtteilentwicklungspro- zessen in der Karlsruher Oststadt ist das Oststadtforum hervorgegangen und hat sich mittlerweile als tragende Säule in der Oststadt etabliert. Nahe- zu alle Einrichtungen, Institutionen, Verbände, Initiativen, Bürgerinnen und Bürger, Schulen, Existenzgründer, Einzelhändler, Betriebe sind im Oststadtforum organisiert. Im Rahmen der Stadtteilentwicklung hat sich das sozialen Klima verbessert und zu einer guten sozialen Infrastruktur ge- führt. 3.1.2 Innenstadt-West Die Innenstadt-West ist seit 2003 Programmgebiet der Sozialen Stadt. Im Stadtteil gibt es einen deutlich überdurchschnittlichen Ausländeranteil Er- wachsener und unter 18-Jähriger, sowie einen überdurchschnittlichen Ar- beitslosenanteil. Die Leopoldschule hat einen sehr hohen Anteil an Mig- rantinnen und Migranten. Ein Einstieg in den Arbeitsmarkt bzw. in die Ausbildung ist daher denkbar ungünstig. Aus sozialer Sicht ist das Defizit im sozialen Zusammenhalt aufgrund unterentwickelter Schlüsselqualifika- tionen der Bewohnerinnen und Bewohner wie Bildung und Sprachkompe- tenz offensichtlich. Jugendlichen fehlt es an Bewegungsräumen, sozial be- nachteiligte Menschen finden oft keinen Anschluss und haben Bedarf im Gesundheitsbereich. Der Übergang von der Schule in die Ausbildung bzw. in den Beruf stellt für die Jugendlichen nach wie vor ein große Hürde dar. Die Integration von Migranten und Migrantinnen durch sprachliche Förde- rung ist von hoher Priorität. Das Netzwerk „lokal sozial“ in der Innenstadt- West hat sich zwischenzeitlich im Stadtteil etabliert. 87 3.1.3 Mühlburg In allen drei Stadtvierteln Alt-Mühlburg, Rheinhafen und Mühlburger Feld liegt der Anteil der Arbeitslosen an der erwerbsfähigen Bevölkerung im Alter zwischen 15 und 65 Jahren über dem städtischen Durchschnitt (7,5 %). Auch der Anteil der Personen mit SGB II-Bezug an der Wohnbe- völkerung liegt deutlich über dem städtischen Durchschnitt. Besonders be- troffen sind die Alleinerziehenden (ca. 36 %) sowie generell die Haushalte mit Kindern (29,1 %). Die überdurchschnittliche Anzahl von Fällen von Hilfe zur Erziehung und der Jugendgerichtshilfe verdeutlicht den Hand- lungsbedarf im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe. In vielen Familien, besonders auch bei Alleinerziehenden, sind Anzeichen von Überforderun- gen auszumachen. Die Hardtschule im Gebiet Rheinhafen ist die Grund- schule in Karlsruhe mit der niedrigsten Übergangsquote von Klasse 4 in die weiterführenden Schulen (29,7 % gegenüber 51,3 % im städtischen Durchschnitt). Es ist festzustellen, dass in Mühlburg im Gegensatz zu früheren Jahren die Gewaltbereitschaft von Schülerinnen und Schülern deutlich zugenommen hat. Eine massive Zunahme an Schulschwänzern muss konstatiert werden. Die in Mühlburg liegende Hardtschule hat einen sehr hohen Anteil an Migranten. Damit zeigen sich in Mühlburg deutliche Benachteiligungen hinsichtlich der Bildungsprozesse. Die Kinder und Ju- gendlichen, die aufgrund des Aufwachsens in einem sozialen Brennpunkt als benachteiligt gelten müssen, sind spezielle Zielgruppen des Bund- Länder-Programms „Soziale Stadt“. Mit den Schulen wurden gemeinsam Überlegungen angestellt, wie die Erziehungskraft der Familien gestärkt werden kann. 3.2 Lokales Kapital für soziale Zwecke (LOS) Das Förderprogramm „Lokales Kapital für soziale Zwecke – LOS“ hat im Stadtteil-Entwicklungsprozess einen wesentlichen Teil zur Weiterentwick- lung der Stadtteile beigetragen. LOS hat erfolgreich mitgeholfen, benach- teiligte Menschen beruflich und sozial in ihrem Stadtteil zu integrieren. Mit den maßgeschneiderten Angeboten des Programms wurden Menschen erreicht, die nicht auf dem Arbeitsmarkt tritt fassen konnten. Die Zahlen beweisen das. In rund 300 Mikroprojekten wurden mehr als 3.500 Men- schen, Kinder und Jugendliche gefördert, um ihre Chance im Hinblick auf Schulabschlüsse, Ausbildung, Qualifikationen und „lebenslanges Lernen“ zu verbessern. Der soziale Zusammenhalt, die Stärkung der sozialen und wirtschaftlichen Potenziale und die Bekämpfung von Fremdenfeindlichkeit 88 in den Stadtteilen Karlsruhe Oststadt und Innenstadt-West haben hierbei eine große Bedeutung. „Lokales Kapital für soziale Zwecke – LOS“ wird im Jahr 2009 fortgeführt um die sozialen und beschäftigungswirksamen Potenziale vor Ort zu akti- vieren und denjenigen, die auf Unterstützung angewiesen sind, weiterhin helfen zu können. Die entsprechenden Anträge und lokalen Aktionspläne für die drei Programmgebiete der sozialen Stadt - Oststadt/Rintheim, In- nenstadt-West und Mühlburg - für den Förderzeitraum 2009 bis 2013 wur- den gestellt bzw. eingereicht. 3.3 Wohngebiete Ein Hauptziel des Gesamtkonzepts Wohnungslosenhilfe `97 war, die Situa- tion von Menschen in Wohngebieten mit einfachem Wohnungsbestand der Volkswohnung GmbH zu verbessern. Die Wohngebiete Nußbaumweg und Kleinseeäcker waren vor allem in baulicher Hinsicht im Vergleich zu den angrenzenden Wohngebieten der Stadt Karlsruhe nicht integriert. Man war sich darüber einig, dass bauliche Maßnahmen zur Anpassung an die heute üblichen Wohnstandards aus ökologischen und ökonomischen Gründen notwendig waren. Aus diesen Gründen hat die Volkswohnung GmbH ent- sprechende Maßnahmen, die im Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe `97 formuliert wurden, umgesetzt. Die Sanierungen der Wohngebiete Klein- seeäcker und Nußbaumweg sind abgeschlossen. Der Ansatz für eine Ver- besserung der Situation wird in einem kleinräumigen maßgeschneiderten Vorgehen von bereits gut vernetzten Einrichtungen und Institutionen gese- hen. Durch die aktive Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger ist es ge- lungen, eine hohe Identifikation mit ihrem Wohngebiet zu schaffen. Nach- folgend wird die Situation der ausgewählten Wohngebiete Nußbaumweg, Kleinseeäcker, Zeppelinstraße/Durmersheimer Straße, Karl-Flößer-Straße und Lachäcker dargelegt. 3.3.1 Nußbaumweg Die Wohnsituation im Nußbaumweg wird von den Bewohnerinnen und Bewohnern grundsätzlich positiv beschrieben. Insbesondere die Sanierung der Treppenhäuser und der Lichtanlagen und die Nachbesserung der Ein- gangssituation in den Häusern wurden von den Bewohnerinnen und Be- wohnern positiv erlebt. Die Kinder und Jugendlichen sind mit der Gestal- tung der Außengelände nicht zufrieden. So wünschen sich die Jugendli- 89 chen nach wie vor einen Bolzplatz und entsprechende Freizeitanlagen. Das Gartenbauamt führt im regelmäßigen Turnus die Spielplatzsanierung durch. Alle Geräte werden in einen betriebssicheren Zustand versetzt. Nach wie vor sind die Themen wie die Förderung der Nachbarschaftsent- wicklung, die Entwicklung von Hilfsangeboten für Haushalte, die auf Transfereinkommen angewiesen sind, die Weiterentwicklung der schuli- schen und außerschulischen Unterstützungsformen im Bildungsbereich für die Kinder und die Jugendlichen bedeutsam. Das Diakonische Werk mit seiner Spiel- und Lernstube und die Jugendsozialarbeit leisten hier einen wichtigen Beitrag. Im Nußbaumweg hat sich die Datenlage kaum verän- dert. Die Anzahl der Bewohnerinnen und Bewohnern ist konstant. Dabei ist der Anteil an Alleinerziehenden-Haushalte nach wie vor hoch. Nach Aussagen der Spiel- und Lernstube ist die Sonderschulquote bei den Kin- dern und Jugendlichen nach wie vor gering. 3.3.2 Kleinseeäcker Neben den baulichen Erfordernissen gilt der Verbesserung der sozialen Lebenslage der Bewohnerinnen und Bewohner in Kleinseeäcker das Hauptaugenmerk. Basis hierfür ist ein kleinräumiges Vorgehen von bereits vernetzten sozialen Institutionen. Die Ergebnisse der Befragung der Universität Karlsruhe am 12. und 13. Februar 2008 in Kleinseeäcker wurden zusammenfassend im Sozialaus- schuss des Gemeinderats der Stadt Karlsruhe am 02.04.2008 vorgestellt. Folgende sich verfestigende Tendenzen in den Zeitreihen ab 1996 sind 2008 besonders aufgefallen: Erfasst wurden bei der Befragung 2008 in Kleinseeäcker im Wohn- block 12 und Wohnblock 14 insgesamt 112 Personen in 47 Haushal- ten (62 Erwachsene und 50 Kinder), der Migranten-Anteil liegt unter 10 %. 90,2 % der Bewohner besit- zen die deutsche Staatsangehörigkeit, der hohe Anstieg von Kindern und Jugendlichen auf 44,7 % am An- teil der Bevölkerung (1996 = 18,1 %) gepaart mit dem Anstieg der Gruppe der Alleinerziehenden, besonders die große Gruppe der Kin- der unter 6 Jahren, der stark gesunkene Anteil der berufstätigen Bewohner (19,1 %) im Vergleich zum gestiegenen Anteil der Bewohner mit staatlichen Transferleistungen (63 %); 59,6 % beziehen ALG II, 90 Verfestigungstendenzen zum Stadtteil Oberreut: 50 % haben vor ih- rem Umzug nach Kleinseeäcker in Oberreut gewohnt und 48,7 % wollen dort auch bei einem Umzug wohnen bleiben, Änderungswünsche betreffen in der Befragung 2008 eher die sozial- räumlichen Wohnbedingungen als die bauräumlichen; hinzu kommt eine gewisse Abneigung zwischen den Bewohnern von Wohnblock 12 und Wohnblock 14, die Langzeitbewohner (25), die Alleinstehenden (18) und ein Teil der Kinderreichen (12), besonders die Alleinerziehenden, sind am zu- friedensten. Je länger die Wohndauer und je enger die familiären Bindungen sind, je zufriedener sind die Bewohner, die Unzufriedensten sind zu einem Drittel nicht aus Karlsruhe und wollen alle (14) ausziehen und der Auszugswunsch ist bei 41,9 % der Bewohner vorhanden, 58,1 % schließen dies aus. Bei den Kindern und Jugendlichen zeigen sich bildungsmäßig negative Tendenzen: Von den 24 Schulpflichtigen besuchen 41,6 % eine Grund- und Hauptschule, 16,6 % eine Schule für Erziehungshilfe und 41,6 % ei- ne Förderschule, von den 3- bis 6-Jährigen besuchen fast alle regelmäßig einen Kin- dergarten und nur 5,9 % besuchen eine Freizeiteinrichtung im Wohngebiet oder sind Mitglied in einem Verein. Aufgrund dieser Ergebnisse hat der Sozialausschuss des Gemeinderats der Stadt Karlsruhe in seiner Sitzung vom 23.07.2008 der sozialen Begleitung und Unterstützung der Bewohnerinnen und Bewohner in Kleinseeäcker zugestimmt. Folgende Rahmenbedingungen, Ziele und Aufgaben zur Ge- staltung eines Konzeptwettbewerbs wurden vorgegeben: 1. Dezentrale Versorgung mit Wohnraum und Nachbetreuung der aus- zugswilligen Familien in ihrem neuen Wohnumfeld, 2. Initiierung der kleinräumigen sozialen Quartiersentwicklung Klein- seeäcker unter Berücksichtigung der anvisierten baulichen und räum- lichen Vorhaben in unmittelbarer Nachbarschaft, 91 3. Akquise von Wohnraum in Stadtteilen mit einem im gesamtstädti- schen Vergleich unterdurchschnittlichen Anteil an Haushalten, die auf Grundsicherung für Arbeitssuchende angewiesen sind, 4. Unterstützung und Begleitung beim Umzug, persönliche und prakti- sche Hilfen für den Wohnungsbezug und die Fragen des Einlebens in die neue Lebenssituation der betroffenen Familien, 5. Nachbetreuung der Familien nach Umzug im neuen Wohnumfeld, 6. Quartiersmanagement im Sinne des Städtebauförderungsprogramms „Soziale Stadt“ für die in Kleinseeäcker verbleibenden Bewoh- ner/innen und 7. aufsuchende Sozialarbeit (auszugswillige Familien) Der Projektzeitraum ist vom 01.04.2009 bis zum 31.03.2011 vorgesehen. Auf die Ausschreibung haben sich drei Träger beworben. Im Rahmen des Auswahlverfahrens wurde die Arbeiterwohlfahrt mit der Trägerschaft für das Quartiersmanagement beauftragt, die Ohlebusch GmbH wird die Be- gleitung der auszugswilligen Familien übernehmen. 3.3.3 Zeppelinstraße/Durmersheimer Straße Die Häuser Nr. 52, 54, 60 und 62 sind entmietet und abgerissen worden. Das Stadtplanungsamt und die Volkswohnung planen derzeit auf diesem Arial ein Mehrgenerationenhaus. Das Projekt wurde bereits im Planungs- ausschuss vorgestellt und geht jetzt in die intensivere Beplanung. 3.3.4 Karl-Flößer-Straße Von Seiten der Volkswohnung GmbH besteht die Planung, die Karl- Flößer-Straße 8 und 10 zu entmieten, abzureißen und eine Neubebauung zu planen. Die beiden Blocks konnten noch nicht vollständig entmietet wer- den. Die bereits ausgezogenen Mieter wurden mit neuem Wohnraum in Karlsruhe versorgt. Über die zeitlichen Abläufe konnte bis zum heutigen Zeitpunkt noch keine genauere Planung von Seiten der Volkswohnung GmbH mitgeteilt werden. 3.3.5 Lachäcker Im Frühjahr 2006 hatte die Universität Karlsruhe eine Befragung der Be- wohner und Bewohnerinnen des Wohngebiets Lachäcker durchgeführt. Zum Befragungszeitraum lebten etwa 100 Personen in 21 Haushalten auf dem Wohnwagenabstellplatz, davon 43 Erwachsene und 47 Kinder und 92 Jugendliche unter 18 Jahren. 60,4 % sind davon Frauen, ein Drittel 27,9 % sind Männer. Über drei Viertel der Bewohner (75,8 %) sind Eltern und ha- ben zwei bzw. drei Kinder. Knapp die Hälfte der Frauen gab an, zurzeit Hausfrau und Mutter zu sein (48,7 %), 23 % sind arbeitslos und 65,1 % der Haushalte beziehen Leistungen des ALG II. Über die Hälfte der Bewohner (51,1 %) will den Wohnwagenabstellplatz nicht verlassen. Ein Viertel möchte wegziehen (25,8 %). Die dringlichsten Probleme, die auf dem Platz verändert werden sollten, sind vor allem bauräumliche Probleme. Das Müllproblem mit 19,4 %, der Zustand des Spielplatzes mit 12,7 % und die Rattenplage mit 10,6 % waren die häufigsten Nennungen. Das Durch- schnittsalter der Kinder beträgt zum Befragungszeitraum 11,5 Jahre. Dabei fällt die hohe Anzahl derjenigen auf, die die Förderschule besuchen bzw. besucht haben (53,8 %). Fazit: Der Wohnwagenabstellplatz muss als langfristiges Ziel als Wohn- quartier besonderer Art entwickelt werden, da die Bewohner/-innen sehr zufrieden mit dieser Lebensform sind, nicht ausziehen wollen, aber berechtigte bauräumliche Umgestaltungswünsche haben, aus dem Quartier sollte ein Wohnumfeld geschaffen werden, das be- sonders den zahlreichen Kindern ein normales und perspektivenrei- ches Aufwachsen ermöglicht, um Armutskarrieren zu verhindern, die bauräumlichen Probleme müssen beseitigt werden und die Gründung eines Sanierungsbeirats, die Integration der Bewoh- ner/-innen und die Koordinierung und Planung müssen gewährleistet sein. Der Karlsruher Gemeinderat hat in den Beratungen über den Haushaltsplan 2007/2008 die Mitteleinstellung für die Sanierung des Landfahrerplatzes, insbesondere für die Schaffung von Kinderbetreuung und Bildungsmög- lichkeiten in Höhe von jährlich 100.000,00 Euro, beschlossen. Ziel ist ne- ben der Abschaffung der baulichen Probleme insbesondere, den Bewohne- rinnen und Bewohnern Kinderbetreuungs- und Bildungsmöglichkeiten zu bieten. Im Rahmen der Beteiligung wurde ein Bewohnerrat Lachäcker von den Bewohnerinnen und Bewohnern des Wohngebiets Lachäcker gewählt. Im Oktober 2007 fand unter der Leitung von Herrn Ersten Bürgermeister Denecken eine Bewohnerversammlung für das Wohngebiet Lachäcker statt. Der Sanierungsbeirat setzt sich aus vier gewählten Bewohnern des Wohngebiets Lachäcker, Vertreterinnen der Fraktionen des Karlsruher Gemeinderats und zwei Vertretern der Sozial- und Jugendbehörde zusam- men. Im Rahmen der Beteiligung ist hier vor allen Dingen die Förderung der Nachbarschaftsentwicklung und die Entwicklung von Hilfeangeboten 93 für Haushalte, die auf Transfereinkommen angewiesen sind, die Weiter- entwicklung der schulischen und außerschulischen Unterstützungsformen im Bildungsbereich für die Kinder und die Jugendlichen und die Ausbil- dungssituation von Schulabgängern bzw. Qualifizierungsmaßnahmen von bestimmten Zielgruppen vorrangig zu erarbeiten. Der Bewohnerrat beglei- tet das Konzept zur Umgestaltung des Wohngebiets Lachäcker und strebt eine gute Kooperation mit allen Beteiligten an. Zwischenzeitlich fanden neun Sitzungen des Bewohnerrats Lachäcker vor Ort statt. In den Sitzungsterminen am 22.01.2008 27.02.2008 01.04.2008 29.04.2008 11.06.2008 17.07.2008 16.09.2008 In den Sitzungsterminen am 06.11.2008 09.12.2008 03.02.2009 wurden bauräumliche Themen geklärt: Gestaltung Kinderspielplatz, Müllentsorgung und Gestaltung des Müllplatzes, Entsorgung der Alt-Container, Planung, Anschaffung und Gestaltung des Lerncontainers, Sicherheit auf dem Platz. wurden Kinderbetreuungs- und Bildungs- möglichkeiten besprochen und vorbereitet: Jedes Kind im Vorschulbereich erhält einen Kindergartenplatz, Ausschreibung und Sichtung der An- gebote für die Kernzeitbetreuung vor Ort, Kursangebot „Lesen und Schreiben lernen“ vor Ort, Bildungs- und Ausbildungsberatung. 94 3.4 Zielkategorien 2009 - 2011 Gesamtkonzept Wohnungslosenhilfe '97 Soziale Stadtteilentwicklung Sechster Sachstandsbericht 2009 Wohngebiete Bund-Länder-Programm „So- ziale Stadt“: - Oststadt 2000 – 2011, - Innenstadt West 2003 - 2013, - Mühlburg 2007 – 2015. Vorbereitende Untersuchung „Soziale Stadt“ Stadtteil Rintheim 2009/2010, Erstellung einer neuen Priori- tätenliste für SSP-Gebiete in Karlsruhe (2010), Quartiersmanagement Klein- seeäcker, Quartiersentwicklung Lachäcker, Fortentwicklung baulicher Maßnahmen (Abriss, Sanie- rung, Modernisierung, Neu- bau) wie z. B. Karl-Flößer- Str., Weiterentwicklung Nuß- baumweg. Zielgruppenorientierte Konzepte Neubeantragung LOS für die Stadtteile: - Oststadt/Rintheim, - Innenstadt-West und - Mühlburg. Umsetzung der beantragten Förderprogramme, Europäisches Städtenetzwerk „Elisan“, Umsetzung Konzept Anal- phabetisierung Wohnwagen- abstellplatz, Umsetzung Konzept Alleiner- ziehende, Leseprojekt in den Quartieren Lachäcker und Kleinseeäcker, Qualifizierungs- und Bil- dungsangebote im Wohnge- biet Kleinseeäcker, Das Europäische Jahr 2010 zur Bekämpfung von Armut und sozialer Ausgrenzung.