Anfrage GRÜNE: Stadttauben
| Vorlage: | 22782 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 15.06.2009 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister ANFRAGE Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Sabine Just-Höpfinger (GRÜNE) vom 18. Mai 2009 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 64. Plenarsitzung Gemeinderat 23.06.2009 1787 24 öffentlich Stadttauben 1. Welche Maßnahmen wurden bzw. werden im Rahmen des städtischen Taubenkonzeptes umgesetzt? 2. Wird dabei nach dem Taubenkonzept der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben verfahren? 3. An wie vielen Taubenschlägen oder Taubentürmen in der Stadt werden regelmäßig Taubeneier aus Gelegen entfernt und wie wird die Wirksamkeit dieser Maßnahmen bewertet? 4. Hält die Stadtverwaltung die Einrichtung weiterer Taubenschläge, Taubentürme oder Fütterungsstellen zur Regulierung der Taubenpopulation im Stadtgebiet für zielführend? Wenn ja, welche? Wenn nein, welche andere Maßnahmen plant die Stadtverwaltung zur Regulierung der Taubenpopulation? 5. Welche Maßnahmen wurden durchgeführt, um die Tauben in der Bahnunterführung Ettlinger Straße umzusiedeln und wie wird der Erfolg der Umsiedlung eingeschätzt? 6. Wie erfolgreich war die Einrichtung des Taubenschlages in der Blumenstraße? 7. Welche Möglichkeiten sieht die Stadtverwaltung, die Taubenzüchter als die eigentlichen Verursacher des „Taubenproblems“ in der Stadt mit in die Verantwortung zu nehmen? 8. Sind haupt- und ehrenamtlicher Tierschutz aktuell in die Umsetzung des Taubenkonzeptes eingebunden? Tauben in der Stadt sind auch in Karlsruhe ein häufiges und konfliktbeladenes Streitthema. Die einen fühlen sich durch Taubenkot gestört oder durch von Tauben vermeintlich ausgehende Infektionsgefahren bedroht und sehen in einer Vertreibung der Tauben aus der Innenstadt den richtigen Weg. Andere vertreten die Auffassung, dass Sachverhalt/Begründung: Seite 2 __________________________________________________________________________________________ Stadttauben aus Gründen des Tierschutzes mit geeigneten Brut- und Ruheplätzen versorgt und gefüttert werden müssen. Eine dritte Gruppe füttert Tauben in der Stadt aus spontaner Tierliebe. Um sowohl dem Tierschutz als auch den verschiedenen menschlichen Bedürfnissen in dieser Frage gerecht zu werden, hat der Ausschuss für Umwelt und Gesundheit sich u. a. im Jahr 2000 mit dieser Frage befasst und erste Maßnahmen zur Regulierung der Stadttaubenpopulation beschlossen, darunter die Einrichtung von Taubenschlägen, Taubentürmen und erlaubter Futterstellen. Die Umsetzung des Taubenkonzeptes scheint bisher nicht alle Probleme zufriedenstellend behoben zu haben. Um hier gemeinsam Lösungen zu finden, könnte eine engere Zusammenarbeit des Amtes für Bürgerservice und Sicherheit mit dem haupt- und ehrenamtlichen Tierschutz sinnvoll sein. Daneben sollten aus Gründen des Tierschutzes auch die Taubenzüchter als Verursacher mit in die Verantwortung genommen werden. Sie zwingen die Tauben zum Zurücklegen viel zu langer Wege. so dass die Vögel häufig erschöpft, verirrt oder verletzt zwischenlanden, nicht mehr zu ihrem Herkunftsort zurückfinden und sich dauerhaft in der Stadt niederlassen. Über die Beringung dieser Vögel wäre eine Kontaktaufnahme mit den Züchtern möglich, denen dann z. B. die Futterkosten für einige Jahre in Rechnung gestellt werden können. unterzeichnet von: Bettina Lisbach Sabine Just-Höpfinger Hauptamt - Sitzungsdienste - 12. Juni 2009
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Extrahierter Text
STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) Stadträtin Sabine Just-Höpfinger (GRÜNE) vom: 18.05.2009 eingegangen: 18.05.2009 Gremium: 64. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 23.06.2009 1787 24 öffentlich Dez. 2 Stadttauben 1. Welche Maßnahmen wurden bzw. werden im Rahmen des städtischen Taubenkonzeptes umgesetzt? Ziel des Taubenkonzeptes ist eine tierschutzgerechte und stadtverträgliche Taubenpopulation. Hierzu wurden/werden an Stellen im Stadtgebiet, die mit Stadttauben stark belastet sind, Tau- benschläge eingerichtet. Um die Tauben in die Taubenschläge zu locken, werden für kurze Zeit, in unmittelbarer Nähe zum Taubenschlag im öffentlichen Raum Fütterungsplätze einge- richtet. In den Taubenschlägen werden den Stadttauben artgerechtes Futter und Nistplätze angebo- ten. Die Gelege werden sodann gegen Gipseier ausgetauscht. Die Taubenschläge werden durch ehrenamtlich tätige Personen betreut. Die Betreuung umfasst die Fütterung der Stadt- tauben, Reinigung der Taubenschläge, die Gesundheitsvorsorge im Taubenschlag wie auch der Gelegeaustausch. 2. Wird dabei nach dem Taubenkonzept der Bundesarbeitsgruppe Stadttauben verfahren? Grundlage für das Karlsruher Taubenkonzept ist das Konzept der Bundesarbeitsgruppe Stadt- tauben, allerdings mit der Einschränkung, dass die Taubentürme am Mühlburger Tor und an der B 36/Lindenallee für bedingt geeignet gehalten werden, da sie nur wenigen Tauben Platz bieten und auch vom Betreuungspersonal wegen der räumlichen Ausmaße sehr schlecht be- gangen werden können. 3. An wie vielen Taubenschlägen oder Taubentürmen in der Stadt werden regelmäßig Tau- beneier aus Gelegen entfernt und wie wird die Wirksamkeit dieser Maßnahmen bewer- tet? Derzeit gibt es in Karlsruhe vier Taubenschläge: Blumenstraße 2 a: Besetzt mit etwa 100 brütenden Tauben, jährliche Eierentnahme: ca. 450. Zur Futteraufnahme halten sich täglich ca. 300 weitere Tauben im Schlag auf. Unterführung Ettlinger Straße: Taubenschlag wird von Tauben zum Brüten kaum angenommen. Reitinstitut-von-Neindorff-Stiftung: Taubenschlag konnte aufgelöst werden, nachdem die Taubenpopulation durch die Gelegeent- nahme stark zurückgegangen ist. Universität an der Kaiserstraße: Derzeit besetzt mit etwa 60 Stadttauben. Taubenpopulation ging durch Eierentnahme (ca. 250 jährlich) stark zurück. Seite 2 Hinzu kommen zwei Taubentürme: Mühlburger Tor: Im Nahbereich gibt es einen Bestand von ca. 400 Tauben, der das Futterangebot unterhalb des Taubenturmes annimmt. Derzeit brüten im Taubenturm 30 Taubenpaare. Jährliche Ge- legeentnahme etwa 330 Eier. B 36/Lindenallee: Bestand etwa 50 Tauben. In der Regel brüten 10 Tauben im Taubenturm. Jährlich werden et- wa 80 Eier entnommen. 4. Hält die Stadtverwaltung die Einrichtung weiterer Taubenschläge, Taubentürme oder Fütterungsstellen zur Regulierung der Taubenpopulation im Stadtgebiet für zielführend? Wenn ja, welche? Wenn nein, welche andere Maßnahmen plant die Stadtverwaltung zur Regulierung der Taubenpopulation? Die Anzahl der bislang entnommen Gelege zeigt den Erfolg von Taubenschlägen. Ziel ist die weitere Einrichtung von Taubenschlägen. Derzeit ist ein Taubenschlag am Durlacher Tor im Dachspeicher der Heinrich-Meidinger-Schule in Planung. Dieser wird der gesamten Tauben- population am Durlacher Tor – etwa 300 Tauben – zur Verfügung stehen. Ein weiterer Tau- benschlag soll, sobald eine geeignete Räumlichkeit zur Verfügung steht, im Nahbereich des Marktplatzes eingerichtet werden. 5. Welche Maßnahmen wurden durchgeführt, um die Tauben in der Bahnunterführung Ett- linger Straße umzusiedeln und wie wird der Erfolg der Umsiedlung eingeschätzt? Zu Beginn der Baumaßnahmen wurden Jungtiere aus den Nestern durch ehrenamtliche Mitar- beiterinnen der Arbeitsgruppe „Stadttauben“ (mit dieser Arbeitsgruppe hat BuS das Tauben- konzept entwickelt) entnommen und zum Teil händisch aufgezogen. Danach wurden ca. 250 Tauben aus der Unterführung an den Container gelockt. Leider haben die Tauben bis heute den Container nicht angenommen. Die Tauben halten sich tagsüber häufig über dem Contai- ner auf Stromleitungen auf, nächtigen aber nach wie vor im Bereich vor der Eisenbahnunter- führung. Der Grund, dass der Schlag nicht angenommen wird, dürfte eine Vielzahl von Greif- vögeln sein, die die Tauben daran hindern, sich ständig am Taubenschlag aufzuhalten. 6. Wie erfolgreich war die Einrichtung des Taubenschlages in der Blumenstraße? Der Taubenschlag wurde von den Stadttauben sofort angenommen. Derzeit ist der Schlag mit etwa 100 brütenden Tauben besetzt, deren Gelege gegen Gipseier ausgetauscht wurden. Die Tauben halten sich überwiegend im Schlag auf. Eine Belastung für die umliegenden Anwesen ist nicht gegeben. 7. Welche Möglichkeiten sieht die Stadtverwaltung, die Taubenzüchter als eigentliche Ver- ursacher des „Taubenproblems“ in der Stadt mit in die Verantwortung zu nehmen? Rechtlich besteht hierzu keine Möglichkeit. Werden im Einzelfall beringte Brieftauben festge- stellt, so kann der Züchter ermittelt und zur Abholung der Taube veranlasst werden. In der Re- gel wird die Taube dann auch durch einen in der Region ansässigen Taubenzüchter abgeholt. Aufgrund der Erfahrungen, dass die Taube sodann getötet wird, da sie für den Taubenflug- sport nicht mehr geeignet ist, wird diese Möglichkeit nicht mehr praktiziert. Seite 3 8. Sind haupt- und ehrenamtlicher Tierschutz aktuell in die Umsetzung des Taubenkonzep- tes eingebunden? Die Betreuung der Taubenschläge, d. h. Fütterung, Reinigung, Gelegeentnahme und die Ge- sundheitsfürsorge wird ausschließlich von ehrenamtlichen Tierfreunden aus Karlsruhe und der Region vorgenommen. Die Taubentürme werden ausschließlich vom Tierschutzverein betreut, der aber signalisiert hat, dass er dies zukünftig nicht mehr leisten kann. Diese Absichtserklä- rung hat zur Konsequenz, dass im Nahbereich des Mühlburger Tors ein Standort für einen Taubenschlag zu suchen ist. Aus den in Ziffer 2 genannten Gründen und wegen der Vielzahl der dortigen Tauben (etwa 400 Tauben) ist eine Weiterführung des Taubenturmes nicht effek- tiv. Bürgerservice und Sicherheit wird den Tierschutzverein bitten, die Betreuung des Tauben- turmes bis zur Realisierung eines Taubenschlages weiter zu übernehmen. Der Taubenturm an der B 36/Lindenallee kann dort wegen der geringfügigen Taubenpopulation bestehen bleiben, zumal auch dort kein geeigneter Standort für einen Taubenschlag zu finden sein wird. Die Be- treuung des Taubenturmes kann von den ehrenamtlichen Taubenfreunden übernommen wer- den.