Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten - Bedarf und Konzeption
| Vorlage: | 21530 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 11.12.2008 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 56. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 16.12.2008 1607 11 öffentlich Dez. 3 Verhaltensauffällige Kinder im Kindergarten - Bedarf und Konzeption Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Jugendhilfeausschuss 27.11.2008 3 einstimmige Empfehlung Gemeinderat 16.12.2008 11 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Gemeinderat beschließt, nach einstimmiger Empfehlung des Jugendhilfeausschusses, zur Integration verhaltensauffälliger Kinder in Kindertageseinrichtungen den Aufbau eines Heilpädagogischen Fachdienstes (Baustein 1) in privater Trägerschaft. Hierdurch wird die Möglichkeit zur Unterstützung von Kindertageseinrichtungen sowie zur spezifischen Förde- rung einzelner Kinder geschaffen. Die qualitative Weiterentwicklung von Kindertageseinrich- tungen, in deren Einzugsbereich besonders belastete Familien wohnen (Baustein 4), und die Verbesserung der Rahmenbedingungen von Kindertageseinrichtungen (Baustein 5) werden 2009 im Jugendhilfeausschuss zusammen mit dem quantitativen Ausbau diskutiert. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) 300.000 € 300.000 € 300.000 € Haushaltsmittel sind im Budget für DHH 09/10 in Produktgruppe 36.30 enthalten. Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Ausgangslage Im Jugendhilfeausschuss wurden am 24.09.2008 erste Überlegungen zur Integration verhaltensauffälliger Kinder diskutiert und zustimmend zur Kenntnis genommen. Die Verwaltung wurde beauftragt, ein konkretes Konzept zur Umsetzung zu erarbeiten und im Jugendhilfeausschuss am 27.11.2008 vorzustellen. Ziel ist die Integration von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten in Kindertageseinrichtungen. Dort, wo die Grenzen der Integration erreicht sind, bietet das St. Antoniusheim spezifische Hilfen im Rahmen einer heilpädagogischen Tagesgruppe. Vorgehen zur Konzeptionsentwicklung Seit 1999 wird wiederholt die Frage nach Förderung und Integration von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten im Gemeinderat (20.04.1999, 25.09.2001, 24.09.2002), im Jugendhilfeausschuss sowie mit Vertretern und Vertreterinnen verschiedener Institutionen, die Kinder mit Verhaltensauffällgikeiten und ihre Eltern unterstützen, diskutiert. Am 16.09.2008 wurden die Träger erneut eingeladen, um die der Vorlage für den Jugendhilfeausschuss vom 24.09.2008 zugrunde liegenden Überlegungen zu einem konkreten Konzept weiter zu entwickeln. Vertreten waren neben Jugendamtsleitung und Behindertenkoordinatorin folgende Institutionen: Öffentliche Jugendhilfe, Bildungs- und Gesundheitssystem: - St. Antoniusheim, Sozialdienst katholischer Frauen e. V. - Diakonisches Werk Baden, Fachberatung der ev. Kindertageseinrichtungen - AWO, Fachberatung Kindertageseinrichtungen - AWO Geschäftsleitung - Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe - Sonderpädagogische Beratungsstelle Erich-Kästner-Schule - Sonderpädagogische Beratungsstelle an der Federbachschule - Familienzentrum/Frühförderstelle, Reha-Südwest für Behinderte gGmbH - Städtisches Klinikum, Sozialpädiatrisches Zentrum - Karlsruher Vereinigung zur Hilfe für psychisch kranke Kinder und Jugendliche e. V. Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Sozial- und Jugendbehörde, Stadt Karlsruhe: - Fachbereich Eingliederungshilfe, Sozialamt - Abt. Kindertageseinrichtungen, Jugendamt - Kinderbüro - Sozialer Dienst - Psychologische Beratungsstelle Bausteine einer Konzeption Aufbauend auf der bestehenden Hilfestruktur können unten stehende Bausteine die Integration von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten verbessern: Baustein 1: Heilpädagogischer Fachdienst inkl. Ressourcenpool (1. Schritt) Baustein 2: Verbesserung der Qualifizierung von Erzieher/-innen (begleitend) Baustein 3: Vernetzung, Entwicklung eines Verbundsystems, Vernetzungswegweiser (begleitend) Baustein 4: Stärkung der pädagogischen Arbeit in 'Brennpunkteinrichtungen' und in besonderen Gruppen in einer Einrichtung (2. Schritt) Baustein 5: Verbesserung der Rahmenbedingungen von Kindertageseinrichtungen (3. Schritt) Baustein 1: Heilpädagogischer Fachdienst inkl. Ressourcenpool Der Heilpädagogische Fachdienst, ausgestattet mit 3,5 Personalstellen (inkl. Sach- und Gemeinkosten ca. 230.000 €) ist zuständig für 165 Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe (Stand 10/2008). Diese entsprechen einem Schlüssel von einer Personal- stelle pro 4.766 Kinder im Alter von 0 - 6 Jahren bzw. von einer Personalstelle pro 2.659 Kinder von 3 - 6 Jahren (vgl. Fachdienste anderer Kommunen in Baden- Württem-berg 1 ). Der Heilpädagogische Fachdienst umfasst ein Hilfesystem für Kin- der, Erzieher/-innen und Eltern; der Fachdienst kann nach Rücksprache mit den El- 1 Heilbronn: 1 Pers.stelle pro 3.452 Kinder, 0 - 6 Jahre bzw. 1 Pers.stelle pro 1.978 Kinder, 3 - 6 Jahre Tübingen: 1 Pers.stelle pro 2.380 Kinder, 0 - 6 Jahre bzw. 1 Pers.stelle pro 1.356 Kinder, 3 - 6 Jahre Heidelberg: 1 Pers.stelle pro 7.596 Kinder, 0 - 6 Jahre bzw. 1 Pers.stelle pro 4.136 Kinder, 3 - 6 Jahre (siehe Anlage 1) Ergänzende Erläuterungen Seite 4 tern von der Kindertageseinrichtung direkt in Anspruch genommen werden und bie- tet schnelle Reaktionsmöglichkeiten und Unterstützung. Vor Ort hilft der Heilpädagogische Fachdienst bei der Einschätzung von Verhaltens- weisen (Diagnostik), dem pädagogischen Umgang in der Einrichtung, der gezielten Förderung, der Beratung der Eltern und der Vermittlung weiterführender Unterstüt- zung. Zu den Angeboten gehören die Zusammenarbeit mit dem Team in der Einrich- tung, Fortbildungsangebote für Erzieher/-innen und Sprechstunden für Eltern. Neben der aufsuchenden Arbeit verfügt der Heilpädagogische Fachdienst über einen budgetierten, flexibel einsetzbaren Ressourcenpool von 70.000 € zur Gewährung spezieller Hilfen für Kinder (z. B. für den zeitlich begrenzten Einsatz von jungen Menschen im Freiwilligen Sozialen Jahr). Prioritäten werden seitens der Fachkräfte des Fachdienstes eigenverantwortlich gesetzt. Eine individuelle Beantragung von Eingliederungshilfe oder Jugendhilfe wird aufgrund des damit verbundenen bürokra- tischen Aufwands und der Gefahr der Stigmatisierung einzelner Kinder vermieden. Von folgenden Trägern liegen Angebote zum Aufbau eines Heilpädagogischen Fachdienstes vor: - Psychologische Beratungsstelle, Stadt Karlsruhe - St. Antoniusheim, Sozialdienst katholischer Frauen e. V. - Familienzentrum, Reha-Südwest für Behinderte gGmbH Die jeweiligen Konzepte umfassen in unterschiedlicher Ausgestaltung: - Diagnostische Abklärung - Beratung und Anleitung von Erzieher/-innen - Durchführung qualifizierter Fortbildungen - Elternberatung - Individuelle Fördermaßnahmen - Kooperation und Vernetzung - Dokumentation, Evaluation und - Öffentlichkeitsarbeit Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Aufgrund der Ausrichtung der jeweiligen Träger und ihrer unterschiedlichen Ange- botspalette, sind mit den Angeboten spezifische Vor-, aber auch Nachteile verbun- den. Es wird vorgeschlagen, nach Zustimmung zum Konzept durch den Jugendhil- feausschuss und positivem Votum des Gemeinderates zur Bereitstellung entspre- chender Haushaltsmittel, eine Ausschreibung mit differenzierten Vorgaben durchzu- führen und die Bewertung der Trägervergabe dem Jugendhilfeausschuss zur Ent- scheidung vorzulegen. Baustein 2: Verbesserung der Qualifizierung von Erzieher/-innen Verbunden mit der Weiterentwicklung der pädagogischen Arbeit in Kindertagesein- richtungen ist die Frage der Qualifizierung von Erzieher/-innen. Neben einzelnen Angeboten, die der Heilpädagogische Fachdienst übernehmen kann, muss langfris- tig das Thema 'Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten' in der Aus- und Weiterbildung von Erzieher/-innen stärkere Berücksichtigung finden. Baustein 3: Vernetzung, Entwicklung eines Verbundsystems, Vernetzungs- wegweiser Die Förderung von Kindern mit Verhaltensauffälligkeiten berührt nicht nur die Ju- gendhilfe, sondern auch das Gesundheits- und Bildungssystem. Darüber hinaus ist sie Teil einer Unterstützungskette. Diese beginnt mit der Frühen Prävention, setzt sich fort durch Förderung und Prävention in Kindertageseinrichtungen, begleitet den Übergang zur Schule und die bestmögliche Integration in den richtigen Schultyp bis hin zur Ausbildung und zur Integration ins Berufsleben. Um ein abgestimmtes System zu erreichen, werden folgende Schritte vorgeschla- gen: - Regelmäßigen Treffen zur Klärung der Zusammenarbeit (z. B. Träger Kinderta- geseinrichtungen, Heilpädagogischer Fachdienst, St. Antoniusheim, Sonderpä- dagogische Beratungsstellen, Psychologische Beratungsstelle, Sozialer Dienst, Frühe Prävention, Frühförderung, Sozialpädiatrisches Zentrum) zur Rollen- und Aufgabenklärung der verschiedenen Akteure/-innen - Jährliches Koordinations- und Planungstreffen - Erstellung eines Vernetzungswegweisers Ergänzende Erläuterungen Seite 6 Baustein 4: Stärkung der pädagogischen Arbeit in 'Brennpunkteinrichtungen' und in besonderen Gruppen in einer Einrichtung Kindertageseinrichtungen, in deren Einzugsbereich vermehrt besonders belastete Familien wohnen, benötigen verbesserte Rahmenbedingungen, um diesen Kindern gute Fördermöglichkeiten und Bildungschancen zu eröffnen. Treten hier verstärkt Verhaltensauffälligkeiten auf, sind die Fachkräfte vor große Herausforderungen ge- stellt. Eine Unterstützung durch einen Heilpädagogischen Fachdienst reicht nicht aus. Im Rahmen der Jugendhilfeplanung zum Ausbau und zur Weiterentwicklung der Kindertageseinrichtungen werden die personelle und räumliche Ausstattung dieser Einrichtungen betrachtet und gegebenenfalls verbessert. Konkrete Anträge für Einrichtungen (z. B. der AWO für die Kindertagesstätte Bernstein) liegen vor. Nach Abstimmung und Überprüfung der Konzeption wird entschieden, in welcher Weise eine Anpassung der Richtlinien erforderlich ist. Das Ergebnis wird dem Ju- gendhilfeausschuss 2009 vorgelegt. Baustein 5: Verbesserung der Rahmenbedingungen von Kindertageseinrich- tungen Frühe Förderung und Bildung in Kindertageseinrichtungen haben gesellschaftlich eine große Bedeutung und stellen die Einrichtungen vor zunehmende Herausforde- rungen. Im Alltag von Familien und Kindern sind Kindertageseinrichtungen mit ihrem Betreuung-, Bildungs- und Erziehungsangebot ein fester Bestandteil. Darüber hin- aus passen sie sich durch flexible Öffnungszeiten den Anforderungen des Berufsle- bens der Eltern an. Eine Verbesserung der Rahmenbedingungen wird deswegen nicht nur notwendig, um Kinder mit Verhaltensauffälligkeiten zu unterstützen, viel- mehr geht es darum, Familien insgesamt adäquate Angebote machen zu können und vor allem allen Kindern entsprechend ihren Bedürfnissen und Potentialen ge- rechte Bildungschancen zu eröffnen. Damit verknüpft sind Fragen nach der Verbesserung des Personalschlüssels, Ver- besserung der Ausstattung (Gruppengröße, räumliche Bedingungen: Rückzugs- räume, Rückkehr zum früheren Raumprogramm) sowie nach einer möglichen Profi- lierung und Schwerpunktbildung von Kindertageseinrichtungen. Diese werden im Ergänzende Erläuterungen Seite 7 Rahmen der Planung des quantitativen und qualitativen Ausbaus 2009 im Jugend- hilfeausschuss diskutiert. Analog zur Frühen Prävention wird ein trägerübergreifendes Konzept favorisiert, welches sich an vorhandene Ansätze zur Verbesserung der Rahmenbedingungen und der Angebote für Familien (Frühe Prävention, Elternberatung/-bildung) sowie zur Verbesserung des Kinderschutzes anschließt. Bestehende und neu zu schaffende Angebote werden zusammengefasst. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat beschließt, nach einstimmiger Empfehlung des Jugendhilfeaus- schusses, zur Integration verhaltensauffälliger Kinder in Kindertageseinrichtungen den Aufbau eines Heilpädagogischen Fachdienstes (Baustein 1) in privater Träger- schaft. Hierdurch wird die Möglichkeit zur Unterstützung von Kindertageseinrichtun- gen sowie zur spezifischen Förderung einzelner Kinder geschaffen. Die qualitative Weiterentwicklung von Kindertageseinrichtungen, in deren Einzugsbereich beson- ders belastete Familien wohnen (Baustein 4), und die Verbesserung der Rahmenbe- dingungen von Kindertageseinrichtungen (Baustein 5) werden 2009 im Jugendhil- feausschuss zusammen mit dem quantitativen Ausbau diskutiert. Hauptamt - Sitzungsdienste 9. Dezember 2008
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