Umsetzung des Jugendhilfeplans „Frühe Prävention“

Vorlage: 21226
Art: Beschlussvorlage
Datum: 03.11.2008
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Durlach, Mühlburg, Neureut, Nordstadt, Oberreut, Rintheim, Waldstadt

Beratungen

  • Ortschaftsrat Neureut

    Datum: 04.11.2008

    TOP: 1

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • DV zu Top 1 ö. 04.11.2008
    Extrahierter Text

    Druckvorlage zur öffentlichen Sitzung des Ortschaftsrates Neureuts am 04.11.2008 Zu Punkt 1 der T.O.: Umsetzung des Jugendhilfeplans „Frühe Prävention“ Die Thematik wurde am 24.09.2008 im Jugendhilfeausschuss und am 21.10.2008 im Gemeinderat behandelt. Frau Dr. Zahradnik vom Kinderbüro der Sozial- und Jugendbehörde wird zur Sitzung anwesend sein und nunmehr den Ortschaftsrat Neureut informieren. Ausgangslage Ziel der Frühen Prävention in Karlsruhe ist die Schaffung einer früh ansetzenden bedarfsgerechten Unterstützung für Schwangere und Eltern mit Kindern bis drei Jahren, die sich durch Armut, Trennung oder andere Umstände in schwierigen Lebensverhältnissen befinden. In Kooperation zwischen Jugendamt und Gesundheitsamt geschieht dies durch den Ausbau bereits vorhandener Strukturen, durch Vernetzung und Weiterentwicklung der bestehenden Angebote. Die Frühe Prävention in Karlsruhe verfügt über verschiedene Bausteine, die sich auch in anderen Städten bewährt haben (vgl. das Modul „Willkommen im Leben“ des Dormagener Modells): 1.a. Begrüßungsmappe Die Begrüßungsmappe bietet einen diskriminierungsfreien Zugang zu allen neuen Eltern in der Stadt. Sie wird ihnen mit den Entlassungspapieren in der Klinik überreicht. In dieser befindet sich eine Broschüre mit gezielten Informationen und Anlaufstellen rund um die neue Lebenssituation (Startklar – Wegweiser für werdende Eltern und Familien mit Kindern bis drei Jahren). Neben den Informationen beinhaltet die Mappe einen Gutschein für ein Geschenk (Kapuzenhandtuch mit Karlsruher Pyramide), der in einem so genannten Startpunkt-Familienzentrum eingelöst werden kann. 1.b. Startpunkt-Familienzentren Die Startpunkt-Familienzentren arbeiten trägerübergreifend eng mit anderen Institutionen wie dem Fachteam Frühe Kindheit, der Beratungsstelle Frühe Hilfen, dem Sozialen Dienst und Einrichtungen aus dem Stadtteil zusammen. Sie organisieren und koordinieren bedarfs- und sozialraumorientierte Angebote der Beratung, Familienbildung und Entlastung. Ziel ist, diese niedrigschwelligen Angebote für Familien flächendeckend in Karlsruhe zu schaffen. Die ersten drei Startpunkt-Familienzentren (Innenstadt Ost, Innenstadt West und Oberreut) haben Anfang 2008 ihre Arbeit aufgenommen und werden gut angenommen. Unter Berücksichtigung der Bevölkerungs- und Haushaltsstrukturen sind für 2009 zwei neue Startpunkt-Familienzentren mit Standort in Mühlburg und der Waldstadt geplant. Hierfür gibt es bereits Kooperationspartner mit geeigneten Räumlichkeiten. Das Diakonische Werk übernimmt unter bestimmten Voraussetzungen (siehe Punkt 5) die Anschubfinanzierung von Startpunkt- Familienzentren in der Nordstadt, in Rintheim und in Durlach. Fünf weitere Startpunkt- Familienzentren sind, unter Berücksichtigung der Bedarfsermittlung anhand der Statistiken der Haushaltsstrukturen, für 2010 geplant. 2. Fachteam Frühe Kindheit Anders als im Dormagener Modell, bei welchem die Eltern das Begrüßungspaket von Bezirkssozialarbeiter/-innen bei Hausbesuchen überreicht bekommen, übernimmt in Karlsruhe das Fachteam Frühe Kindheit eine Vermittlerrolle. Das Fachteam Frühe Kindheit geht aus dem ehemaligen Mutter-Kind-Programm hervor. Fünf Fachfrauen (aufgeteilt auf 1,75 Stellen) arbeiten auf verschiedenen Ebenen. Sie leiten die Elterncafés und machen bedarfsgerechte Gruppenangebote in den Startpunkt- Familienzentren wie z. B. Gruppen für jugendliche Eltern oder für Alleinerziehende. Das Fachteam übernimmt darüber hinaus in einzelnen Familien eine Lotsenfunktion, um vorübergehend zu begleiten oder in weiterführende Hilfen zu vermitteln. Ein enger Kontakt des Fachteams mit allen relevanten Einrichtungen und Akteuren der Frühen Prävention wie Kinderärzten/-innen, Hebammen und Beratungsstellen ist selbstverständlich. Im Zuge des Ausbaus der Startpunkt-Familienzentren ist geplant, das Fachteam Frühe Kindheit auf zwei Stellen zu erweitern, um belasteten Familien zielgerichtete Hilfen anbieten zu können. 3. Familienentlastende Hilfen Eltern sind oft überfordert und brauchen gerade in der Anfangszeit mit einem Säugling Entlastung. Hierzu soll es ein unbürokratisches Angebot geben. Geschulte ehrenamtliche Mitarbeiter/-innen begleiten z. B. Eltern mit ihren Kindern zum Kinderarzt, oder helfen beim Einkaufen, oder im Haushalt mit oder helfen Migranten/-innen im Umgang mit Behörden und Ärzte-/innen. Die Vermittlung dieser familienentlastenden Hilfen kann in den Startpunkt-Familienzentren geschehen, z. B. in Form des Projekts ‚Wellcome’. Unter der Schirmherrschaft von Bundeskanzlerin Angela Merkel kümmert sich dieses Projekt bundesweit um junge Familien, die sich für die erste Zeit nach der Geburt ihrer Kinder Unterstützung wünschen, oder die besondere Belastungen haben, wie beispielsweise allein erziehende Mütter oder Mütter mit Mehrlingsgeburten (nähere Informationen siehe www.wellcome-online.de). Für die Koordination des Projektes und die Vermittlung der ehrenamtlichen Mitarbeiter/-innen wird eine Fachkraft (Diplom- Sozialpädagogin) für 10 Stunden wöchentlich benötigt. Kooperationsgespräche mit dem Deutschen Kinderschutzbund sind angelaufen. Es besteht prinzipiell die Möglichkeit das Projekt dort anzusiedeln (erwartete Personalkosten für die Koordinatorin 14.000 € jährlich). Für die Schulung und Aufwandsentschädigung der Ehrenamtlichen sowie für die spezielle Schulung von Migrant/-innen als Begleiter/-innen für ausländische Familien werden 4.000 € benötigt. Für die Öffentlichkeitsarbeit und die Verwaltung (Druckkosten, Telefon, Porto, Internet) werden 2.000 € benötigt. Die Kosten ergeben sich aus der Kalkulation des Projekts ‚Wellcome-plus in Karlsruhe’ aus der Größe der Stadt Karlsruhe. 4. Beratungsstelle Frühe Hilfen In der Beratungsstelle Frühe Hilfen erhalten Eltern mit Babys und Kleinkindern psychologische Frühberatung. Um den Kontakt zu den Eltern herzustellen und um Hemmschwellen abzubauen gibt es regelmäßige Besuche der Psychologin in den Startpunkt-Familienzentren. Es hat sich gezeigt, dass durch diese Vorgehensweise schon einige Familien die Beratungsstelle ‚Frühe Hilfen’ in Anspruch genommen haben, die von sich aus keinen Kontakt aufgenommen hätten. Die Beratungsstelle ist mit anderen Fachleuten und Akteuren der Frühen Prävention vernetzt. Mit der Psychologin werden Fallbesprechungen durchgeführt und Fortbildungen für Multiplikatoren/- innen organisiert. In der Beratungsstelle ‚Frühe Hilfen’ ist der hohe Bedarf an Beratung deutlich sichtbar geworden, da die Fallzahlen dieses Jahr bereits im August die Zahlen des Gesamtjahres 2007 annähernd erreichen bzw. sogar schon übertreffen: Zeitraum 2007 gesamt Zeitraum 01.01.08 - 08.08.08 226 Einzelberatungen 186 Einzelberatungen 73 Neuanmeldungen 82 Neuanmeldungen Um dem gestiegenen Bedarf gerecht zu werden, soll die Stelle der Psychologin um 0,25 Stellen erweitert werden. 5. Startpunkt-Familienzentren des Diakonischen Werks Es besteht das Angebot des Diakonischen Werks, für drei weitere Startpunkt- Familienzentren (Nordstadt, Rintheim und Durlach) eine Projektfinanzierung durch den landeskirchlichen Fonds ‚Diakonische Gemeinde’ zu übernehmen. Dieses Angebot besteht - im Sinne der Nachhaltigkeit - unter der Voraussetzung, dass die Stadt Karlsruhe die Finanzierung dieser Startpunkte nach Ablauf der Projektfinanzierung (nach zwei bis drei Jahren) übernimmt. Die Kosten liegen in Höhe von insgesamt 36.000 € pro Jahr, ab 2011. Vor der konkreten Kostenübernahme ab 2011 sollen die Ergebnisse der Aktivitäten der Startpunkt-Familienzentren des Diakonischen Werks 2009 und 2010 abgewartet und ausgewertet werden. Sachstand Juli 2008 Seit April 2008 erhält jede Familie nach der Geburt eines Kindes im städtischen Klinikum die Begrüßungsmappe, seit Mitte Juni auch in der St. Marien-Klinik. Ein Kontakt mit dem Diakonissenkrankenhaus ist hergestellt um auch dort die Begrüßungsmappen ausgeben zu können. Die Startpunkt-Familienzentren schicken halbjährlich an die Koordinierungsstelle eine Dokumentation, wie das Angebot angenommen wird. Um das Angebot auf der Ebene der Multiplikatoren/-innen bekannt zu machen, fand am 28.05.2008 eine Informationsveranstaltung für Kinderärzte/-innen zum Thema Kindswohlgefährdung statt, veranstaltet vom Sozialen Dienst und den Frühen Hilfen/ Frühe Prävention von Stadt und Landkreis. Am 16.07.2008 folgte der Fachtag „Frühe Prävention“. In insgesamt acht Foren wurde in unterschiedliche Angebote der Frühen Prävention Einblick gegeben. Koordinationsstelle Die Koordinationsstelle ist für die Weiterentwicklung der Jugend- und Gesundheitshilfe sowie für ein planvolles und ressourcenorientiertes Vorgehen ein wichtiges Funktionselement. Am 1. Juli 2008 übernahm Frau Dr. Frauke Zahradnik (Diplom- Sozialpädagogin und promovierte Soziologin) die Leitung des Kinderbüros und die Koordination und Jugendhilfeplanung der Frühen Prävention. Landesprogramm STÄRKE Das neue Landesprogramm STÄRKE startet am 01.09.2008. Ziel ist, durch Eltern- und Familienbildung Alltags- und Erziehungskompetenzen zu stärken und dadurch präventiv zum Kinderschutz beizutragen. STÄRKE besteht im Wesentlichen aus zwei Komponenten: · Ausgabe von Familien- und Elternbildungsgutscheinen (40 €) an alle Eltern, · Angebote zur weiteren Unterstützung von Familien in besonderen Lebenslagen (z. B. Alleinerziehende, Trennung und Scheidung, frühe Elternschaft, etc.) Die benötigten Mittel (1,5 Mio. € für 2008 und jährlich 4 Mio. € ab 2009 bis 2013) stellt das Land zur Verfügung. Der KVJS bewilligt die Mittel, und die Jugendämter verwalten sie. Karlsruhe bindet das Landesprogramm STÄRKE in das Sachgebiet der Familienbildung im Kinderbüro ein. Eine Kooperation mit der Frühen Prävention ist vorgesehen. Ausblick Das Karlsruher Modell beinhaltet verschiedene Elemente (Zusammenarbeit und Vernetzung von Institutionen der Kinder-, Jugend-, und Gesundheitshilfe; Entwicklung von Familienzentren, Umsetzung des neuen Schutzauftrags bei Kindeswohlgefährdung), die für ein erfolgreiches Vorgehen erforderlich sind. Diese müssen weiterentwickelt und ausgebaut werden. Weitere Bestandteile der Konzeption wie: · Aufbau einer Präventionskette im Leben des Kindes (Schwangerschaft, Frühe Kindheit, Vorschul- und Schulalter), · Sprachpaten/-innen zur Unterstützung von Familien mit Migrationshintergrund, · Einbindung der Familienhebamme des Gesundheitsamtes · Fortbildung und Sensibilisierung der Fachkräfte im Bereich Frühe Kindheit und zu bindungsorientierten Ansätzen, · Überprüfung der Konzeption auf Effektivität und Sinnhaftigkeit durch Dokumentation und Evaluation, sollen in Kooperation mit anderen Institutionen und Fachleuten weiter umgesetzt werden.