Anfrage Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke): Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in Karlsruhe

Vorlage: 21060
Art: Beschlussvorlage
Datum: 13.10.2008
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Beiertheim-Bulach, Durlach

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 21.10.2008

    TOP: 21

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Linke-Jugendliche ohne Hauptschulabschluss
    Extrahierter Text

    ANFRAGE Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom 26. August 2008 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 54. Plenarsitzung Gemeinderat 21.10.2008 1549 21 öffentlich Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in Karlsruhe 1. Ist die Stadtverwaltung meiner Auffassung, dass das Verlassen der Haupt- schule ohne Abschluss eine gravierende Verengung von Zukunftschancen darstellt, der im Interesse der Jugendlichen mit aller Kraft und Kompetenz ent- gegenzuwirken ist? 2. Wie viele Jugendliche sind derzeit in Karlsruhe ohne Hauptschulabschluss? 3. Wie viele davon haben Migrationshintergrund? 4. Bei wie vielen kann ein eher bildungsfernes Elternhaus vermutet werden? 5. Welche Förderprogramme gibt es für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in Karlsruhe? 6. Wie viele Jugendliche sind derzeit in einem solchen Programm? 7. Wie hoch ist die Erfolgsquote (Hauptschulabschluss)? 8. Was sind die Hauptgründe für Scheitern oder vorzeitigen Abbruch seitens der Jugendlichen? 9. Erhalten die Jugendlichen in diesen Programmen eine ganzheitliche Förde- rung (Einzelbetreuung, Hausaufgabenbetreuung, individuelle Hilfen bei Lern- schwierigkeiten, individuelle Sprachförderung, Untersuchung und Bearbeitung individueller Lernschwierigkeiten oder solcher im sozialen Umfeld/Familie)? 10. Wenn Nein, warum nicht? 11. Gibt es seitens der Stadt oder des Landes definierte Zielvorgaben, die Zahl von Abbrechern in der Hauptschule zu minimieren? 12. Welche materiellen Leistungen erhalten die Jugendlichen, während sie den Hauptschulabschluss nachholen? Nach einer Studie des Deutschen Jugendinstituts im Auftrag des Paritätischen Wohlfahrtsverbands erhalten Jugendliche Hartz-IV-Empfänger wenig Unterstüt- zung, um einen Schulabschluss nachzuholen. Stattdessen landet bundesweit über ein Viertel in 1-EURO-Jobs. 13. Wie hoch ist der entsprechende Anteil von jugendlichen Schulabbrechern in Karlsruhe? 14. Welchen Stellenwert hat bei Jugendlichen Hartz-IV-Empfängern/-innen der Grundsatz, dass die Befähigung zum nachholenden Schulabschluss absoluten Vorrang hat vor einer Vermittlung in perspektivlose Beschäftigung etwa in Form von 1-EURO-Jobs? Seite 2 __________________________________________________________________________________________ 15. Wenn Nein, warum nicht? 16. Ist die Stadtverwaltung meiner Auffassung, dass bei diesem Kreis von Ju- gendlichen ohne Hauptschulabschluss eine Unterstützung und Förderung, den Schulabschluss nachzuholen, im Interesse der Jugendlichen an vorderster Stelle stehen muss? 17. Wenn Nein, warum nicht? 18. Was unternehmen Schulleitung und Stadtverwaltung in Sachen Förderung und Betreuung von Jugendlichen an den Hauptschulen, bei denen die Gefahr eines Schulabbruchs oder eines Nichtbestehens der Abschlussprüfungen sichtbar wird? 19. Werden die Eltern dieser Jugendlichen frühzeitig darin einbezogen? 20. Wäre hier nicht viel mehr Schulsozialarbeit wünschbar, um diese Jugendli- chen intensiver zu betreuen, v. a. wenn etwa das soziale Umfeld eher hem- mend auf deren Motivation für einen Hauptschulabschluss wirkt? 21. Hält die Stadtverwaltung die derzeitigen Maßnahmen im Themenfeld Jugend- liche ohne Hauptschulabschluss für ausreichend? 22. Welche grundsätzlichen Verbesserungsmöglichkeiten wären wünschbar? Wenn auch bekanntermaßen der Hauptschulabschluss keine Gewähr mehr für eine befriedigende Ausbildungs- und Berufskarriere darstellt, sind Jugendlichen, die die Hauptschule ohne Abschluss verlassen, so gut wie alle Wege verbaut. Entsprechend intensiv sollte darauf hingewirkt werden, dass solche Fälle nicht vorkommen. Die hier eingesetzten Ressourcen sind neben dem ethischen und sozialen Gebot einer men- schenwürdigen Existenz echte Zukunftsinvestitionen, die an anderer Stelle Aufwand und Kosten senken. gez. Niko Fostiropoulos Hauptamt - Sitzungsdienste - 10. Oktober 2008 Sachverhalt/Begründung:

  • TOP 21
    Extrahierter Text

    STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom: 26.08.2008 eingegangen: 26.08.2008 Gremium: 54. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.10.2008 1549 21 öffentlich Dez. 3 Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in Karlsruhe 1. Ist die Stadtverwaltung meiner Auffassung, dass das Verlassen der Hauptschu- le ohne Abschluss eine gravierende Verengung von Zukunftschancen darstellt, der im Interesse der Jugendlichen mit aller Kraft und Kompetenz entgegenzu- wirken ist? Ja. 2. Wie viele Jugendliche sind derzeit in Karlsruhe ohne Hauptschulabschluss? Im Schuljahr 2006/07 sind von 759 Hauptschulabgängern 42 ohne Abschluss. 3. Wie viele davon haben Migrationshintergrund? Von den 42 Abgängern ohne Hauptschulabschluss sind 17 ausländische Schüler. Migrationshintergründe bei deutschen Schülern werden in der offiziellen Statistik nicht erfasst. 4. Bei wie vielen kann ein eher bildungsfernes Elternhaus vermutet werden? Hierzu liegen keine Daten vor. 5. Welche Förderprogramme gibt es für Jugendliche ohne Hauptschulabschluss in Karlsruhe? Die Fördermöglichkeiten sind vielfältig und z. T. sehr umfassend, auch mit Begleitung der Schülerinnen und Schüler. Je nach Vorbildung, Problemlage oder Zugang kann die geeignet erscheinende Maßnahme und ein kompetenter Träger gewählt werden. Allein die Liste der Träger zeigt die Vielfalt auf: 1. Berufsschulen (BVJ): - Carl-Hofer-Schule Karlsruhe - Gewerbliche Schule Seite 2 - EBS Engelbert-Bohn-Schule Karlsruhe - Kaufmännische Schule - Elisabeth-Selbert-Schule Karlsruhe - Hauswirtschaftliche Schule - Gewerbeschule Durlach Karlsruhe - Heinrich-Hübsch-Schule Gewerbliche Schule Karlsruhe - Carlo-Schmid-Schule, Internationaler Bund Karlsruhe 2. Flankierende Unterstützungs- und Betreuungsmaßnahmen in den Bereichen Sozi- al- und Lernkompetenz - AWO Karlsruhe-Stadt e. V. - BBQ Berufliche Bildung gGmbH - CJD, Christliches Jugenddorfwerk Deutschlands e. V. - Internationaler Bund e. V. - Stadtjugendausschuss e. V. Karlsruhe - Verein für Jugendhilfe Karlsruhe e. V. 6. Wie viele Jugendliche sind derzeit in diesen Förderprogrammen? Dies ist nicht zentral erfasst. 7. Wie hoch ist die Erfolgsquote? Da die hierfür notwendigen qualitativen und quantitativen Daten nicht zentral ermittelt sind, kann zu der Erfolgsquote keine Aussage gemacht werden. 8. Was sind die Hauptgründe für das Scheitern oder den vorzeitigen Abbruch? Nach den vorliegenden Erkenntnissen sind hierfür unterschiedliche Gründe zu nen- nen, z. B.: - die falsche Maßnahme - nach der 3. Maßnahme tritt ein Gewöhnungs- und Abstumpfungsprozess ein, der resignieren lässt (Lern- und Maßnahmenresistenz) - ein abgestimmter, effizienter Förderplan - verbunden mit den notwendigen Kon- sequenzen - fehlt - wenn soziale und familiäre Probleme überwiegen und die Voraussetzungen feh- len, damit die Maßnahme greifen kann (z. B. Jugendliche schwänzen die Schule, El- tern wirken nicht mit) Seite 3 9. Erhalten die Jugendlichen in diesen Programmen eine ganzheitliche Förderung (Einzelbetreuung, Hausaufgabenbetreuung, individuelle Hilfen bei Lernschwie- rigkeiten, individuelle Sprachförderung, Untersuchung und Bearbeitung indivi- dueller Lernschwierigkeiten oder solcher im sozialen Umfeld/in der Familie)? Es gibt unterschiedliche Förderprogrammen mit unterschiedlichen Förderbereichen, die den Jugendlichen in seiner ganzheitlichen Entwicklung berücksichtigen. 10. Wenn nein, warum nicht? Es gibt kein Angebot (Träger), das alle Unterstützungsangebote (Einzelbetreuung, Hausaufgabenbetreuung, individuelle Betreuung....) abdecken kann. 11. Gibt es seitens der Stadt oder des Landes definierte Zielvorgaben, die Zahl von Abbrechern in der Hauptschule zu minimieren? Das Land Baden-Württemberg hat mit dem Maßnahmenpaket „Stärkung Hauptschu- le“ verschiedene Unterstützungs- und Fördermöglichkeiten wie Lernstandsdiagnose, individuelle Förderpläne, Kompetenzanalysen, Praxiszug oder Lernmodulen zur Stär- kung der Basiskompetenzen (SchuB) verpflichtend eingeführt und Ressourcen dafür bereitgestellt. 12. Welche materiellen Leistungen erhalten die Jugendlichen, während sie den Hauptschulabschluss nachholen? Die Frage, welche Leistungen Jugendliche, während sie den Hauptschulabschluss nachholen, erhalten, hängt davon ab, in welcher Form der Hauptschulabschluss nachgeholt wird. Folgende Fördermöglichkeiten sind denkbar: - BaföG bei berufsbegleitenden Ausbildungen - Berufsausbildungsbeihilfe (BAB) bei berufsvorbereitenden Bildungsmaßnahmen - Leistungen der Jugendhilfe bei Hilfe zur Erziehung - Leistungen nach dem SGB II bei Eingliederungsmaßnahmen nach dem SGB II 13. Wie hoch ist der entsprechende Anteil von jugendlichen Schulabbrechern in Karlsruhe? Im Schuljahr 2006/2007 sind 23 Schüler/-innen vorzeitig (6. Klasse: 1 Schüler, 7. Klasse: 4 Schüler, 8. Klasse: 18 Schüler) aus der Schule ausgeschieden. Seite 4 14. Welchen Stellenwert hat bei jugendlichen Hartz-IV-Empfänger/-innen der Grundsatz, dass die Befähigung zum nachholenden Schulabschluss absoluten Vorrang hat vor einer Vermittlung in perspektivlose Beschäftigung etwa in Form von 1-Euro-Jobs? Für die ARGE des Jobcenters der Stadt Karlsruhe hat der Erwerb eines Hauptschul- abschlusses bei Jugendlichen absoluten Vorrang. 1-Euro-Jobs werden lediglich dort, wo andere Maßnahmen, insbesondere Bildungsmaßnahmen, nicht Erfolg verspre- chend sind, eingesetzt. Die betroffenen Jugendlichen selbst stehen schulischen Weiterbildungsmaßnahmen zum Teil ablehnend gegenüber. 15. Wenn nein, warum nicht? - 16. Ist die Stadtverwaltung meiner Auffassung, dass bei diesem Kreis von Jugend- lichen ohne Hauptschulabschluss eine Unterstützung und Förderung, den Schulabschluss nachzuholen, im Interesse der Jugendlichen an vorderster Stellen stehen muss? Ja! 17. Wenn nein, warum nicht? - 18. Was unternehmen Schulleitung und Stadtverwaltung in Sachen Förderung und Betreuung von Jugendlichen an den Hauptschulen, bei denen die Gefahr eines Schulabbruchs oder eines Nichtbestehens der Abschlussprüfungen sichtbar wird? Zur Förderung besonders schwacher Hauptschüler/-innen führen die folgenden Schu- len Kooperationsklassen mit Berufsschulen (BVJ): - GHS Beiertheim – Elisabeth-Selbert-Schule - Schiller-Grund- und Hauptschule – Carl-Hofer-Schule - Oberwald-Grund- und Hauptschule – Gewerbeschule Durlach Seite 5 19. Werden die Eltern dieser Jugendlichen frühzeitig darin einbezogen? Durch Informationsveranstaltungen, Elternabende und persönliche Gespräche mit Lehrern/-innen und Schulleiter/-innen werden die Eltern frühzeitig und begleitend in die Schullaufbahn der Kinder und Jugendlichen einbezogen. 20. Wäre hier nicht viel mehr Schulsozialarbeit wünschbar, um diese Jugendlichen intensiver zu betreuen, v. a. wenn etwa das soziale Umfeld eher hemmend auf deren Motivation für einen Hauptschulabschluss wirkt? Der seit 9 Jahren stattfindende stetige Ausbau der Schulsozialarbeit in Karlsruhe trägt sicher dazu bei, diese Zielgruppe und ihre Problemlagen besser zu erreichen. 21. Hält die Stadtverwaltung die derzeitigen Maßnahmen im Themenfeld Jugendli- che ohne Hauptschulabschluss für ausreichend? Die derzeitigen Maßnahmen, die im Einvernehmen mit den Schulleitungen erfolgen, sind ausreichend. Die Jugendlichen, die trotzdem aus der Schule ausscheiden, ste- hen im Focus der Bemühungen des Jobcenters. Die dazu notwendigen Fördermaß- nahmen werden laufend überdacht und verbessert. 22. Welche grundsätzlichen Verbesserungsmöglichkeiten wären wünschbar? Siehe Frage 21