Lebenssituation der Jugend in Karlsruhe 2008 - Ergebnisse der Jugendumfrage
| Vorlage: | 21041 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 13.10.2008 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Nordweststadt, Rintheim, Südweststadt |
Beratungen
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 54. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.10.2008 1535 7 öffentlich Dez. 2 Lebenssituation der Jugend in Karlsruhe 2008 - Ergebnisse der Jugendumfrage - Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 27.02.2007 9 Weiterberatung im Jugendhilfeausschuss Gemeinderat 21.10.2008 7 Antrag an den Gemeinderat In der 33. Plenarsitzung des Gemeinderats am 17.02.2007 wurde zum Thema Jugendgewalt in Karls- ruhe eine vertiefte Analyse der Lebensverhältnisse der Kinder und Jugendlichen gefordert. Das Amt für Stadtentwicklung hat gemeinsam mit der Sozial- und Jugendbehörde in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe einen Fragenkatalog entwickelt. Die Untersuchung der Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe wurde in der Zeit von Oktober 2007 bis Frühjahr 2008 durchgeführt. Rund 1.700 repräsentativ ausgewählte 12- bis unter 21-jährige Kinder und Jugendliche - sowie bei Minderjährigen auch deren Eltern - wurden in persönlichen Interviews zu den Bereichen Wohn- und Familienverhältnisse, Freizeit, Schule, Ausbildung, Alkohol- und Suchtmittelkonsum sowie Gewalter- fahrung befragt. Das Amt für Stadtentwicklung legt den Analysebericht jetzt vor. Der Gemeinderat nimmt den Bericht ”Lebensverhältnisse der Jugendlichen in Karlsruhe 2008 – Er- gebnisse der Jugendumfrage” zustimmend zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, die sich in der Studie aufzeigenden Problembereiche zusammen mit den Institutionen und Verbänden vertieft aufzuarbeiten und kommunale Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Miteinandere Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Zwischen Oktober 2007 und März 2008 wurden 1.700 repräsentativ ausgewählte Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis unter 21 Jahren in Karlsruhe zu ihren Lebensumständen, Verhaltensweisen, Medienkonsum, Befindlichkeiten und Einstellungen befragt. Bereits vor 14 Jahren, im Jahr 1994, wurde in Karlsruhe eine ähnliche Umfrage durchgeführt, die in die Jugendplanung der Stadt Karlsruhe eingegangen ist. An der städtischen Arbeitsgruppe 2007/08 waren unter Federführung des Amtes für Stadtentwicklung verschiedene Bereiche der Sozial- und Jugendbehörde, der Stadtjugendausschuss, das Gartenbauamt sowie das Polizeipräsidium Karlsruhe beteiligt. Nach der Bevölkerungsstatistik hat die Zahl der jungen Menschen in Karlsruhe im Alter von 12 bis unter 21 Jahren seit 1995 (21.800) stetig zugenommen. Ihre Zahl stieg bis 2007 auf 25.000 wohnberechtigte Personen an (+14,5 %). Die Zahl junger Menschen wird bis zum Jahr 2010 auf bis zu 26.000 weiter zunehmen und voraussichtlich dann – dem allgemeinen Trend folgend – wieder auf das heutige Niveau zurückgehen. Die Anteile der Ausländer (14 %) und der Deutschen mit Migrationshintergrund (10 %) sind unter den jungen Men- schen etwas höher als in der Gesamtbevölkerung (Ausländer: 13,6 %; Migrationshintergrund 6,7 %). Familienverhältnisse Die Jugendumfrage 2008 hat Erkenntnisse aus verschiedensten Lebensbereichen der Karls- ruher Jugendlichen erbracht. So leben zwei Drittel von ihnen (67 %) in einer Kernfamilie mit Vater, Mutter und Geschwistern und 16 % in Haushalten von Alleinerziehenden mit einem Elternteil (und Geschwistern). Auf „Patchwork-Familien“ entfallen 4 %. Außerhalb des El- ternhauses leben insgesamt 11 % der Jugendlichen. Die klassische Familienform („Vater, Mutter und 2 Kinder“) dominiert auch bei den ausländischen Haushalten und bei 83 % der türkischen Familien. Von den befragten Jugendlichen leben 42 % in Familien, deren Haupt- verdiener eine gehobene Ausbildung mit Abitur, Fachhochschul- bzw. Hochschulreife be- sitzt. Unter den ausländischen Familien überwiegen die Volks-, Haupt-, Sonderschulab- schlüsse unter den Hauptverdienern (ca. 60 %). Darüber hinaus fehlt den Hauptverdienern ausländischer Haushalte häufig ein beruflicher Ausbildungsabschluss. Deutsch ist die von allen jungen Menschen nach eigenen Angaben am besten beherrschte Sprache (95 %). Lediglich 14 % der türkischen und 21 % der italienischen Jugendlichen sprechen ihre Herkunftssprache besser als deutsch. Rund 30 % der befragten Haushalte, in denen Jugendliche wohnen, verfügen nur über ein Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro – darunter sind allerdings auch Studentenhaushalte. Weitere 30 % können zwischen 1.000 und 2.000 Euro ausgeben. Die verbleibenden 41 % verfügen netto über 2.000 Euro und mehr pro Monat. In mehr als der Hälfte der ausländi- schen Haushalte, in denen Jugendliche befragt wurden, stehen weniger als 1.000 Eu- ro/Monat zur Verfügung, insbesondere in türkischen Familien. Die Medienausstattung der Haushalte, in denen die Jugendlichen leben, ist hervorragend. Handy, Radio/Musikanlage, Computer und Fernseher sind nahezu flächendeckend vorhan- den. Mit Internetanschluss sind ebenso fast alle Haushalte (95,2 %) ausgestattet. Der Zu- gang zu den Medien ist in den Familien meist reglementiert. Je höher der Schulabschluss des Hauptverdieners ist, desto eher wird insbesondere bei den Jüngeren der Zugang zum Fernsehen eingeschränkt. Freunde, Freundschaften und Cliquen Die Zusammensetzung und die Herkunft der Freundeskreise der Karlsruher Jugendlichen sind vergleichsweise breitgestreut und international. Lediglich ein Fünftel der jungen Men- schen hat Freunde aus nur einem Land. Die Schule ist für 94 % der Jugendlichen der am Ergänzende Erläuterungen Seite 3 häufigsten genannte Ort, um Freunde zu gewinnen. Danach folgen ein gemeinsames Hob- by, Freizeit und die Nachbarschaft. Wichtige Treffpunkte für Jugendliche sind die eigene Wohnung bzw. die der Freunde (76 %) und die Schule bzw. die Ausbildungsstätte (75 %). Danach folgen Cafés, Gaststätten, Kneipen/Disco (60 %), Sport- und Bolzplätze, Skateran- lagen u. Ä. (54 %) sowie Vereine (52 %). Kinder- und Jugendtreffs werden von den befrag- ten Jugendlichen nur in geringem Umfang aufgesucht (15 %), am meisten noch von Schü- lern. Wichtig sind den Jugendlichen für die Gestaltung von Jugendtreffs abwechselnde, un- terhaltsame und informative Angebote (Beratung, Workshops, Ausflüge u. Ä.), aber auch Indoor-Sportangebote. Streit- und Gewalterfahrung Fast drei Viertel aller befragten jungen Menschen (72 %) haben in irgendeiner Form Ärger, Streit oder Auseinandersetzungen mit anderen beobachtet oder selbst erlebt, männliche Jugendliche (79 %) häufiger als weibliche (64 %). Ausländische Jugendliche (75 %) sind stärker damit konfrontiert als deutsche (71 %), am meisten allerdings Jugendliche aus den EU-Stammländern (84 %) und weniger solche mit türkischer Abstammung (68 %) oder aus Südosteuropa (68 %). Jeder zweite Jugendliche war selbst in Auseinandersetzungen verwi- ckelt, darunter 11, 4 % mindestens einmal pro Woche. Dabei sind türkische Jugendliche überproportional vertreten. Mehr als drei Viertel der streiterfahrenen Jugendlichen erleben Streit jedoch deutlich seltener, d. h. weniger als einmal in mehreren Wochen. Orte von Strei- tigkeiten sind häufig die Schule (59 %), die Innenstadt (44 %) oder während Veranstaltungen (25 %). Jugendtreffpunkte in der Wohngegend spielen dagegen eine geringe Rolle (12 %). Allerdings fallen die Nordweststadt (32 %), Rintheim (29 %) und die Südweststadt (27 %) mit erhöhten Angaben lokaler „Streit-Orte“ auf. Die häufigste Art der Gewalt sind Beleidigungen und Beschimpfungen (97 %). Danach fol- gen leichtere körperliche Auseinandersetzungen wie z. B. Anfassen, Schubsen, Haare zie- hen, Treten, Schlagen und/oder Boxen. Diese Mittel sind in jeder zweiten Auseinanderset- zung üblich. Waffen spielen in 16 % der Streitigkeiten eine Rolle (siehe ABBILDUNG 6.11). Ausländische Jugendliche (22 %) und insbesondere türkische (29 %) sowie Jugendliche aus EU-Stammländern (21 %) haben häufiger Streitigkeiten mit Waffen erlebt. Am meisten ge- nannt wird das Messer, gefolgt vom Schlagring, Baseballschläger, Schusswaffen und Nunchaku. Der Anteil von Streitigkeiten mit Waffengebrauch ist in den Schulen (12 %) ge- ringer als beim Ausgehen in der Innenstadt (23 %), bei Veranstaltungen (26 %) oder an Ju- gendtreffpunkten in der Wohnumgebung (30 %). Viele Jugendliche greifen bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen schlichtend ein (87 %). Dies gilt besonders bei Veranstaltungen (91 %) und bei Auseinandersetzungen in der Innenstadt (89 %). Durchschnittlich meiden 12 % der Karlsruher Jugendlichen tagsüber bestimmte Orte und Plätze in ihrem Stadtteil, um Übergriffen aus dem Weg zu gehen. Abends bzw. nachts ist dieser Anteil fast dreimal so groß (34 %). Rauchen Der Anteil der befragten jugendlichen Raucher ist gegenüber der Jugendumfrage 1994 (27 %) zurückgegangen. Im Jahr 2007 rauchten nach eigenen Angaben nur noch 18 %. Drei Viertel der rauchenden Jugendlichen haben bereits vor dem 16. Lebensjahr mit dem Rau- chen begonnen. Alkohol Nach Erkenntnissen des Sozialministeriums Baden-Württemberg sind die alkoholbedingten Behandlungsfälle von Jugendlichen zwischen 2001 und 2005 wesentlich angestiegen. Be- troffen ist dabei in Karlsruhe vor allem die Altersgruppe 15 – unter 18 Jahre. Im landeswei- ten Vergleich fallen die Zahlen aus den Großstädten Baden-Württembergs deutlich über- durchschnittlich aus. Karlsruhe liegt hinter Stuttgart mit Mannheim im oberen Drittel. In den Ergänzende Erläuterungen Seite 4 ländlichen Bereichen sind geringere Werte zu finden. Die verstädterten Umlandkreise folgen allerdings den Tendenzen der Großstädte. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass das alkohol- bedingte Geschehen in den Großstädten am Wochenende auch von angetrunkenen Ju- gendlichen aus dem gesamten Einzugsbereich mit verursacht wird. Entgegen der allgemeinen Auffassung, Jugendliche würden generell sehr viel mehr trinken als früher, ergibt sich nach den Aussagen der befragten Jugendlichen in der Jugendum- frage 2008 eine Verringerung des individuellen Alkoholkonsums im Vergleich zu 1994. Der Anteil der Jugendlichen, die im Jahr 2007 angegeben haben, noch nie Alkohol getrunken zu haben (36 %), hat sich im Vergleich zur ersten Jugendumfrage 1994 (20 %) fast verdoppelt. Regelmäßig oder öfters Alkohol zu trinken, gaben im Jahr 1994 16 % der Jugendlichen an, im Jahr 2007 tranken dagegen nur 4 % der Jugendlichen nach eigenen Angaben mehrmals wöchentlich oder täglich Alkohol. Hochgerechnet umfasst der letztgenannte Personenkreis aber immerhin rund 1.100 Jugendliche in Karlsruhe. Das „Vorglühen“ mit alkoholischen Getränken ist wesentlich mehr Jugendlichen geläufig. Jeder Fünfte (19 %) gibt an, „häufig“ vorzuglühen, weibliche Jugendliche stärker als männliche. Vorglühen kommt verstärkt unter Heranwachsenden im Alter von 18 Jahren und älter vor. Illegale Drogen Ein Viertel der befragten Jugendlichen (26 %) gibt an, dass in ihrem Freundeskreis Drogen genommen werden. In dieser Teilgruppe ist nach wie vor Cannabis (Haschisch/Marihuana) mit 98 % der Nennungen die bekannteste illegale Droge und dies durchgängig durch alle Befragtengruppen. Dies war auch im Jahr 1994 bereits der Fall. Alle übrigen illegalen Dro- gen spielen dagegen nur eine nachrangige Rolle - Ecstasy wird von 13 %, Zauberpilze (Magic Mushrooms, Psilos) von 12 % der Teilgruppe mit Drogenerfahrungen genannt. Probleme von Heranwachsenden und Jugendlichen/Ansprechpartner Die wichtigsten Themenbereiche, mit denen sich die Karlsruher Jugendlichen beschäftigen, sind (Mehrfachnennungen): Sexualität und Verhütung (87 %), Probleme mit Freunden (86 %), Schul- und Berufsprobleme (83 %), Probleme zu Hause (81 %), Arbeitslosigkeit (79 %), Alkohol und Drogen (79 %), Liebes- und Partnerschaftsprobleme (76 %). Das The- ma „Gewalt in der Familie“ beschäftigt knapp die Hälfte der Jugendlichen. Die Gewalt unter Gleichaltrigen hat dagegen eine viel größere Bedeutung (71 %). Ausländische Jugendliche nennen mehr Probleme als deutsche, darunter mit hohem Gewicht „Probleme zu Hause“ (83 %). Dies gilt besonders für die türkischen Jugendlichen (89 %). Die Freunde sind die wichtigsten und hauptsächlichen Ansprechpartner bei den meisten Fragen, ein Viertel der Jugendlichen bezieht auch die Eltern mit ein. Schul- und Ausbildungsprobleme Annähernd zwei Drittel der befragten Schüler sieht keine größeren Probleme mit der Schule (61 %). Andererseits meint nur eine kleine Minderheit (1,4 %), die Schule sei „sehr schwie- rig/jeden Tag Stress“ und weiter 3,4 % finden, dass es nicht so gut läuft. Die Schülerinnen haben es in der Schule allgemein leichter als Schüler. Deutsche Schülerinnen und Schüler (62 %: „es läuft gut“) kommen in der Schule nach eigenen Angaben besser zurecht als aus- ländische (55 %: „es läuft gut“). Allerdings sind 9 % der ausländischen Schüler der Meinung, dass es in der Schule nicht so gut läuft bzw. die Schule sehr schwierig sei. Von Ganztags- schülern kommen bessere Rückmeldungen als von Jugendlichen, die Regelschulen besu- chen. Kreuzauswertungen von Schulproblemen und Alkoholgenuss zeigen eindeutige Zu- sammenhänge auf. Mehr als die Hälfte aller Schüler geben einen hohen bis übermäßigen Fernseh- und Inter- netkonsum an. Auch dieser beeinträchtigt den Schulerfolg. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Mehr als 80 % der Schüler aller Schularten erhalten bei Schulproblemen Unterstützung, wei- tere 15 % brauchen nach eigener Einschätzung keine Hilfe im Schulalltag und 3 % erhalten keine Unterstützung. Unter den Hauptschülern können sich allerdings nur 8 % selbst helfen. Besonders große Defizite geben die ausländischen Schülerinnen und Schüler an den Hauptschulen an. Rund 15 % der ausländischen Hauptschüler gab an, keine Person (El- tern, Freunde, Geschwister, Sozialarbeiter) bei der Unterstützung bei „Problemen in der Schule“ zu haben (deutsche Hauptschüler: 5 %). Bei Schulproblemen sind für alle befragten Schülerinnen und Schüler die Eltern (59 %) nach wie vor der wichtigste unterstützende Ansprechpartner vor Freunden und Schulkameraden (56 %). Bei ausländischen und insbesondere türkischen Schülern können weitaus weniger Eltern Hilfe bieten. Nur 11 % der türkischen Schülerinnen und Schülern erhalten Hilfe von den Eltern bei der Erledigung der Hausaufgaben, dagegen 32 % von Geschwistern. Die Ge- schwister sind damit sogar noch wichtiger als die Lehrer und Schulsozialarbeiter (29 %). Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat nimmt den Bericht ”Lebensverhältnisse der Jugendlichen in Karlsruhe 2008 – Ergebnisse der Jugendumfrage” zustimmend zur Kenntnis und beauftragt die Ver- waltung, die sich in der Studie aufgezeigten Problembereiche zusammen mit den Institutio- nen und Verbänden vertieft aufzuarbeiten und kommunale Handlungsmöglichkeiten abzulei- ten. Hauptamt - Sitzungsdienste - 10. Oktober 2008
-
Extrahierter Text
BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 54. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 21.10.2008 1535 7 öffentlich Dez. 2 Lebenssituation der Jugend in Karlsruhe 2008 - Ergebnisse der Jugendumfrage - Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Gemeinderat 27.02.2007 9 Weiterberatung im Jugendhilfeausschuss Gemeinderat 21.10.2008 7 Antrag an den Gemeinderat In der 33. Plenarsitzung des Gemeinderats am 17.02.2007 wurde zum Thema Jugendgewalt in Karls- ruhe eine vertiefte Analyse der Lebensverhältnisse der Kinder und Jugendlichen gefordert. Das Amt für Stadtentwicklung hat gemeinsam mit der Sozial- und Jugendbehörde in einer interdisziplinären Arbeitsgruppe einen Fragenkatalog entwickelt. Die Untersuchung der Lebensumstände von Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe wurde in der Zeit von Oktober 2007 bis Frühjahr 2008 durchgeführt. Rund 1.700 repräsentativ ausgewählte 12- bis unter 21-jährige Kinder und Jugendliche - sowie bei Minderjährigen auch deren Eltern - wurden in persönlichen Interviews zu den Bereichen Wohn- und Familienverhältnisse, Freizeit, Schule, Ausbildung, Alkohol- und Suchtmittelkonsum sowie Gewalter- fahrung befragt. Das Amt für Stadtentwicklung legt den Analysebericht jetzt vor. Der Gemeinderat nimmt den Bericht ”Lebensverhältnisse der Jugendlichen in Karlsruhe 2008 – Er- gebnisse der Jugendumfrage” zustimmend zur Kenntnis und beauftragt die Verwaltung, die sich in der Studie aufzeigenden Problembereiche zusammen mit den Institutionen und Verbänden vertieft aufzuarbeiten und kommunale Handlungsmöglichkeiten abzuleiten. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Miteinandere Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Zwischen Oktober 2007 und März 2008 wurden 1.700 repräsentativ ausgewählte Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis unter 21 Jahren in Karlsruhe zu ihren Lebensumständen, Verhaltensweisen, Medienkonsum, Befindlichkeiten und Einstellungen befragt. Bereits vor 14 Jahren, im Jahr 1994, wurde in Karlsruhe eine ähnliche Umfrage durchgeführt, die in die Jugendplanung der Stadt Karlsruhe eingegangen ist. An der städtischen Arbeitsgruppe 2007/08 waren unter Federführung des Amtes für Stadtentwicklung verschiedene Bereiche der Sozial- und Jugendbehörde, der Stadtjugendausschuss, das Gartenbauamt sowie das Polizeipräsidium Karlsruhe beteiligt. Nach der Bevölkerungsstatistik hat die Zahl der jungen Menschen in Karlsruhe im Alter von 12 bis unter 21 Jahren seit 1995 (21.800) stetig zugenommen. Ihre Zahl stieg bis 2007 auf 25.000 wohnberechtigte Personen an (+14,5 %). Die Zahl junger Menschen wird bis zum Jahr 2010 auf bis zu 26.000 weiter zunehmen und voraussichtlich dann – dem allgemeinen Trend folgend – wieder auf das heutige Niveau zurückgehen. Die Anteile der Ausländer (14 %) und der Deutschen mit Migrationshintergrund (10 %) sind unter den jungen Men- schen etwas höher als in der Gesamtbevölkerung (Ausländer: 13,6 %; Migrationshintergrund 6,7 %). Familienverhältnisse Die Jugendumfrage 2008 hat Erkenntnisse aus verschiedensten Lebensbereichen der Karls- ruher Jugendlichen erbracht. So leben zwei Drittel von ihnen (67 %) in einer Kernfamilie mit Vater, Mutter und Geschwistern und 16 % in Haushalten von Alleinerziehenden mit einem Elternteil (und Geschwistern). Auf „Patchwork-Familien“ entfallen 4 %. Außerhalb des El- ternhauses leben insgesamt 11 % der Jugendlichen. Die klassische Familienform („Vater, Mutter und 2 Kinder“) dominiert auch bei den ausländischen Haushalten und bei 83 % der türkischen Familien. Von den befragten Jugendlichen leben 42 % in Familien, deren Haupt- verdiener eine gehobene Ausbildung mit Abitur, Fachhochschul- bzw. Hochschulreife be- sitzt. Unter den ausländischen Familien überwiegen die Volks-, Haupt-, Sonderschulab- schlüsse unter den Hauptverdienern (ca. 60 %). Darüber hinaus fehlt den Hauptverdienern ausländischer Haushalte häufig ein beruflicher Ausbildungsabschluss. Deutsch ist die von allen jungen Menschen nach eigenen Angaben am besten beherrschte Sprache (95 %). Lediglich 14 % der türkischen und 21 % der italienischen Jugendlichen sprechen ihre Herkunftssprache besser als deutsch. Rund 30 % der befragten Haushalte, in denen Jugendliche wohnen, verfügen nur über ein Nettoeinkommen von unter 1.000 Euro – darunter sind allerdings auch Studentenhaushalte. Weitere 30 % können zwischen 1.000 und 2.000 Euro ausgeben. Die verbleibenden 41 % verfügen netto über 2.000 Euro und mehr pro Monat. In mehr als der Hälfte der ausländi- schen Haushalte, in denen Jugendliche befragt wurden, stehen weniger als 1.000 Eu- ro/Monat zur Verfügung, insbesondere in türkischen Familien. Die Medienausstattung der Haushalte, in denen die Jugendlichen leben, ist hervorragend. Handy, Radio/Musikanlage, Computer und Fernseher sind nahezu flächendeckend vorhan- den. Mit Internetanschluss sind ebenso fast alle Haushalte (95,2 %) ausgestattet. Der Zu- gang zu den Medien ist in den Familien meist reglementiert. Je höher der Schulabschluss des Hauptverdieners ist, desto eher wird insbesondere bei den Jüngeren der Zugang zum Fernsehen eingeschränkt. Freunde, Freundschaften und Cliquen Die Zusammensetzung und die Herkunft der Freundeskreise der Karlsruher Jugendlichen sind vergleichsweise breitgestreut und international. Lediglich ein Fünftel der jungen Men- schen hat Freunde aus nur einem Land. Die Schule ist für 94 % der Jugendlichen der am Ergänzende Erläuterungen Seite 3 häufigsten genannte Ort, um Freunde zu gewinnen. Danach folgen ein gemeinsames Hob- by, Freizeit und die Nachbarschaft. Wichtige Treffpunkte für Jugendliche sind die eigene Wohnung bzw. die der Freunde (76 %) und die Schule bzw. die Ausbildungsstätte (75 %). Danach folgen Cafés, Gaststätten, Kneipen/Disco (60 %), Sport- und Bolzplätze, Skateran- lagen u. Ä. (54 %) sowie Vereine (52 %). Kinder- und Jugendtreffs werden von den befrag- ten Jugendlichen nur in geringem Umfang aufgesucht (15 %), am meisten noch von Schü- lern. Wichtig sind den Jugendlichen für die Gestaltung von Jugendtreffs abwechselnde, un- terhaltsame und informative Angebote (Beratung, Workshops, Ausflüge u. Ä.), aber auch Indoor-Sportangebote. Streit- und Gewalterfahrung Fast drei Viertel aller befragten jungen Menschen (72 %) haben in irgendeiner Form Ärger, Streit oder Auseinandersetzungen mit anderen beobachtet oder selbst erlebt, männliche Jugendliche (79 %) häufiger als weibliche (64 %). Ausländische Jugendliche (75 %) sind stärker damit konfrontiert als deutsche (71 %), am meisten allerdings Jugendliche aus den EU-Stammländern (84 %) und weniger solche mit türkischer Abstammung (68 %) oder aus Südosteuropa (68 %). Jeder zweite Jugendliche war selbst in Auseinandersetzungen verwi- ckelt, darunter 11, 4 % mindestens einmal pro Woche. Dabei sind türkische Jugendliche überproportional vertreten. Mehr als drei Viertel der streiterfahrenen Jugendlichen erleben Streit jedoch deutlich seltener, d. h. weniger als einmal in mehreren Wochen. Orte von Strei- tigkeiten sind häufig die Schule (59 %), die Innenstadt (44 %) oder während Veranstaltungen (25 %). Jugendtreffpunkte in der Wohngegend spielen dagegen eine geringe Rolle (12 %). Allerdings fallen die Nordweststadt (32 %), Rintheim (29 %) und die Südweststadt (27 %) mit erhöhten Angaben lokaler „Streit-Orte“ auf. Die häufigste Art der Gewalt sind Beleidigungen und Beschimpfungen (97 %). Danach fol- gen leichtere körperliche Auseinandersetzungen wie z. B. Anfassen, Schubsen, Haare zie- hen, Treten, Schlagen und/oder Boxen. Diese Mittel sind in jeder zweiten Auseinanderset- zung üblich. Waffen spielen in 16 % der Streitigkeiten eine Rolle (siehe ABBILDUNG 6.11). Ausländische Jugendliche (22 %) und insbesondere türkische (29 %) sowie Jugendliche aus EU-Stammländern (21 %) haben häufiger Streitigkeiten mit Waffen erlebt. Am meisten ge- nannt wird das Messer, gefolgt vom Schlagring, Baseballschläger, Schusswaffen und Nunchaku. Der Anteil von Streitigkeiten mit Waffengebrauch ist in den Schulen (12 %) ge- ringer als beim Ausgehen in der Innenstadt (23 %), bei Veranstaltungen (26 %) oder an Ju- gendtreffpunkten in der Wohnumgebung (30 %). Viele Jugendliche greifen bei Streitigkeiten und Auseinandersetzungen schlichtend ein (87 %). Dies gilt besonders bei Veranstaltungen (91 %) und bei Auseinandersetzungen in der Innenstadt (89 %). Durchschnittlich meiden 12 % der Karlsruher Jugendlichen tagsüber bestimmte Orte und Plätze in ihrem Stadtteil, um Übergriffen aus dem Weg zu gehen. Abends bzw. nachts ist dieser Anteil fast dreimal so groß (34 %). Rauchen Der Anteil der befragten jugendlichen Raucher ist gegenüber der Jugendumfrage 1994 (27 %) zurückgegangen. Im Jahr 2007 rauchten nach eigenen Angaben nur noch 18 %. Drei Viertel der rauchenden Jugendlichen haben bereits vor dem 16. Lebensjahr mit dem Rau- chen begonnen. Alkohol Nach Erkenntnissen des Sozialministeriums Baden-Württemberg sind die alkoholbedingten Behandlungsfälle von Jugendlichen zwischen 2001 und 2005 wesentlich angestiegen. Be- troffen ist dabei in Karlsruhe vor allem die Altersgruppe 15 – unter 18 Jahre. Im landeswei- ten Vergleich fallen die Zahlen aus den Großstädten Baden-Württembergs deutlich über- durchschnittlich aus. Karlsruhe liegt hinter Stuttgart mit Mannheim im oberen Drittel. In den Ergänzende Erläuterungen Seite 4 ländlichen Bereichen sind geringere Werte zu finden. Die verstädterten Umlandkreise folgen allerdings den Tendenzen der Großstädte. Es ist deshalb wahrscheinlich, dass das alkohol- bedingte Geschehen in den Großstädten am Wochenende auch von angetrunkenen Ju- gendlichen aus dem gesamten Einzugsbereich mit verursacht wird. Entgegen der allgemeinen Auffassung, Jugendliche würden generell sehr viel mehr trinken als früher, ergibt sich nach den Aussagen der befragten Jugendlichen in der Jugendum- frage 2008 eine Verringerung des individuellen Alkoholkonsums im Vergleich zu 1994. Der Anteil der Jugendlichen, die im Jahr 2007 angegeben haben, noch nie Alkohol getrunken zu haben (36 %), hat sich im Vergleich zur ersten Jugendumfrage 1994 (20 %) fast verdoppelt. Regelmäßig oder öfters Alkohol zu trinken, gaben im Jahr 1994 16 % der Jugendlichen an, im Jahr 2007 tranken dagegen nur 4 % der Jugendlichen nach eigenen Angaben mehrmals wöchentlich oder täglich Alkohol. Hochgerechnet umfasst der letztgenannte Personenkreis aber immerhin rund 1.100 Jugendliche in Karlsruhe. Das „Vorglühen“ mit alkoholischen Getränken ist wesentlich mehr Jugendlichen geläufig. Jeder Fünfte (19 %) gibt an, „häufig“ vorzuglühen, weibliche Jugendliche stärker als männliche. Vorglühen kommt verstärkt unter Heranwachsenden im Alter von 18 Jahren und älter vor. Illegale Drogen Ein Viertel der befragten Jugendlichen (26 %) gibt an, dass in ihrem Freundeskreis Drogen genommen werden. In dieser Teilgruppe ist nach wie vor Cannabis (Haschisch/Marihuana) mit 98 % der Nennungen die bekannteste illegale Droge und dies durchgängig durch alle Befragtengruppen. Dies war auch im Jahr 1994 bereits der Fall. Alle übrigen illegalen Dro- gen spielen dagegen nur eine nachrangige Rolle - Ecstasy wird von 13 %, Zauberpilze (Magic Mushrooms, Psilos) von 12 % der Teilgruppe mit Drogenerfahrungen genannt. Probleme von Heranwachsenden und Jugendlichen/Ansprechpartner Die wichtigsten Themenbereiche, mit denen sich die Karlsruher Jugendlichen beschäftigen, sind (Mehrfachnennungen): Sexualität und Verhütung (87 %), Probleme mit Freunden (86 %), Schul- und Berufsprobleme (83 %), Probleme zu Hause (81 %), Arbeitslosigkeit (79 %), Alkohol und Drogen (79 %), Liebes- und Partnerschaftsprobleme (76 %). Das The- ma „Gewalt in der Familie“ beschäftigt knapp die Hälfte der Jugendlichen. Die Gewalt unter Gleichaltrigen hat dagegen eine viel größere Bedeutung (71 %). Ausländische Jugendliche nennen mehr Probleme als deutsche, darunter mit hohem Gewicht „Probleme zu Hause“ (83 %). Dies gilt besonders für die türkischen Jugendlichen (89 %). Die Freunde sind die wichtigsten und hauptsächlichen Ansprechpartner bei den meisten Fragen, ein Viertel der Jugendlichen bezieht auch die Eltern mit ein. Schul- und Ausbildungsprobleme Annähernd zwei Drittel der befragten Schüler sieht keine größeren Probleme mit der Schule (61 %). Andererseits meint nur eine kleine Minderheit (1,4 %), die Schule sei „sehr schwie- rig/jeden Tag Stress“ und weiter 3,4 % finden, dass es nicht so gut läuft. Die Schülerinnen haben es in der Schule allgemein leichter als Schüler. Deutsche Schülerinnen und Schüler (62 %: „es läuft gut“) kommen in der Schule nach eigenen Angaben besser zurecht als aus- ländische (55 %: „es läuft gut“). Allerdings sind 9 % der ausländischen Schüler der Meinung, dass es in der Schule nicht so gut läuft bzw. die Schule sehr schwierig sei. Von Ganztags- schülern kommen bessere Rückmeldungen als von Jugendlichen, die Regelschulen besu- chen. Kreuzauswertungen von Schulproblemen und Alkoholgenuss zeigen eindeutige Zu- sammenhänge auf. Mehr als die Hälfte aller Schüler geben einen hohen bis übermäßigen Fernseh- und Inter- netkonsum an. Auch dieser beeinträchtigt den Schulerfolg. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Mehr als 80 % der Schüler aller Schularten erhalten bei Schulproblemen Unterstützung, wei- tere 15 % brauchen nach eigener Einschätzung keine Hilfe im Schulalltag und 3 % erhalten keine Unterstützung. Unter den Hauptschülern können sich allerdings nur 8 % selbst helfen. Besonders große Defizite geben die ausländischen Schülerinnen und Schüler an den Hauptschulen an. Rund 15 % der ausländischen Hauptschüler gab an, keine Person (El- tern, Freunde, Geschwister, Sozialarbeiter) bei der Unterstützung bei „Problemen in der Schule“ zu haben (deutsche Hauptschüler: 5 %). Bei Schulproblemen sind für alle befragten Schülerinnen und Schüler die Eltern (59 %) nach wie vor der wichtigste unterstützende Ansprechpartner vor Freunden und Schulkameraden (56 %). Bei ausländischen und insbesondere türkischen Schülern können weitaus weniger Eltern Hilfe bieten. Nur 11 % der türkischen Schülerinnen und Schülern erhalten Hilfe von den Eltern bei der Erledigung der Hausaufgaben, dagegen 32 % von Geschwistern. Die Ge- schwister sind damit sogar noch wichtiger als die Lehrer und Schulsozialarbeiter (29 %). Beschluss: Antrag an den Gemeinderat Der Gemeinderat nimmt den Bericht ”Lebensverhältnisse der Jugendlichen in Karlsruhe 2008 – Ergebnisse der Jugendumfrage” zustimmend zur Kenntnis und beauftragt die Ver- waltung, die sich in der Studie aufgezeigten Problembereiche zusammen mit den Institutio- nen und Verbänden vertieft aufzuarbeiten und kommunale Handlungsmöglichkeiten abzulei- ten. Hauptamt - Sitzungsdienste - 10. Oktober 2008
-
Extrahierter Text
Die umfangreiche Anlage kann beim Hauptamt - Abteilung Sitzungsdienste - eingesehen werden.