Anfrage des Stadtrats Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom 26. August 2008: Jugendliche ohne Ausbildungsstelle in Karlsruhe
| Vorlage: | 20868 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 15.09.2008 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | _Fachbereich Datenübernahme |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
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ANFRAGE Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom 26. August 2008 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 53. Plenarsitzung Gemeinderat 23.09.2008 1528 29 öffentlich Jugendliche ohne Ausbildungsstelle in Karlsruhe 1. Ist die Stadtverwaltung meiner Auffassung, dass es für Jugendliche eine eine gravierende negative Erfahrung darstellt, nach dem Schulabschluss keine Lehrstelle zu bekommen? Wird damit das Vertrauen in die Gestaltungsfähigkeit der eigenen Zukunft sowie auch das Vertrauen in die Gesellschaft und ihre (demokratischen) Regeln untergraben? 2. Wie viele Jugendliche sind derzeit in Karlsruhe ohne Lehrstelle? 2. a) Wie viele davon sind „Altanwärter/innen“? 2. b) Wie viele davon sind aus dem Abschlussjahrgang 2008 dazu gekommen? 3. Wie viele davon haben Migrationshintergrund? 4. Bei wie vielen kann ein eher bildungsfernes Elternhaus vermutet werden? 5. Was sind die Hauptgründe für eine Nichtvermittlung? 6. Wie ist derzeit das Verhältnis von offenen Lehrstellen zu Bewerber/innen um eine Lehrstelle in Karlsruhe? 7. Gibt es in Karlsruhe eine besondere Förderform für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz (in anderen Städten z. T. Jugendservice genannt), bei denen eine ganzheitliche individuelle Einzelbetreuung durch eine/n feste/n Betreuer/in stattfindet mit dem Ziel, den/die Jugendliche letztlich in eine Lehrstelle zu vermitteln? 8. Wenn Nein, warum nicht? 9. Wenn ja, unterscheiden sich diese Vermittlungsergebnisse von den anderen ‚Fällen’? 10. Gibt es seitens der Stadt oder des Landes definierte Zielvorgaben, die Zahl von Jugendlichen ohne Lehrstelle zu vermindern? 11. Wie viele Jugendliche ohne Lehrstelle sind in 2006, 2007 und bisher 2008 in 1-EURO-Jobs vermittelt worden? 12. Teilt die Stadtverwaltung die Auffassung von Fachleuten und Teilen der Wohlfahrtspflege, dass 1-EURO-Jobs in dieser Lebensphase eher noch zu mehr Frust und einer Entfernung vom Ziel beitragen, eine Lehrstelle zu bekommen? 13. Wie wird das Bundesprogramm zur Vermittlung von „Altbewerber/innen“ in eine Lehrstelle in Karlsruhe genutzt? 14. Hat die Stadtverwaltung hierbei Mitnahmeeffekte seitens der Wirtschaft Seite 2 __________________________________________________________________________________________ festgestellt (Wegfall von ‚vollen’ Lehrstellen zugunsten von subventionierten)? 15. Wie werden die ‚Altbewerber/innen’ auf die Perspektive einer Lehrstelle vorbereitet, gecoacht und gestärkt? 16. Ergeben sich besondere Probleme bei der Vermittlung von ‚Altbewerber/innen’, z. B. Frust und Resignation aus langen Wartezeiten und wie unterstützt die Stadt die Jugendlichen dabei, dies zu überwinden? 17. Welche zusätzlichen Ressourcen (Fachpersonal, materielle Ressourcen) sind nach Auffassung der Stadtverwaltung noch erforderlich, um möglichst allen Jugendlichen in Karlsruhe einen Ausbildungsplatz vermitteln zu können? Vor einiger Zeit war in der Presse zu lesen, dass in den letzten Jahren die Zahl von Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz auf ca. 300 000 angestiegen ist. Ein Bundesprogramm zur Vermittlung von ‚Altbewerber/innen’ wurde aufgelegt. In den Medien sind ständig Berichte zu sehen, in denen auch Jugendliche mit guten Abgangszeugnissen keine Ausbildungsstelle finden, z. T. weil immer mehr Jugendliche mit Abitur die Stellen besetzen. Man darf hier durchaus von einem gesellschaftlichen Skandal sprechen. Jugendliche erfahren gleich nach der Schule, was sie der Gesellschaft wert sind. Eine grundsätzliche Stärkung von Demokratie und Solidarität dürfte aus solchen Entwicklungen nicht zu erwarten sein. Wie der Sachverhalt sich in Karlsruhe darstellt, ist Sinn dieser Anfrage. unterzeichnet von: Niko Fostiropoulos Hauptamt - Sitzungsdienste - 11. September 2008 Sachverhalt / Begründung:
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STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadtrat Niko Fostiropoulos (Die Linke) vom: 26.08.2008 eingegangen: 26.08.2008 Gremium: 53. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 23.09.2008 1528 29 öffentlich Dez. 4 Jugendliche ohne Ausbildungsstelle in Karlsruhe 1. Ist die Stadtverwaltung meiner Auffassung, dass es für Jugendliche eine gravierend negative Erfahrung darstellt, nach dem Schulabschluss keine Lehrstelle zu bekommen? Wird damit das Vertrauen in die Gestaltungsfähigkeit der eigenen Zukunft sowie auch das Vertrauen in die Gesell- schaft und ihre (demokratischen) Regeln untergraben? Sicherlich ist es eine negative Erfahrung, keinen Lehrstellenvertrag nach dem Schulabschluss zu bekommen. Ob dies das Vertrauen in die eigene Zukunft und in die Gesellschaft untergräbt, hängt von der Persönlichkeit des Jugendlichen ab. 2. Wie viele Jugendliche sind derzeit in Karlsruhe ohne Lehrstelle? Seite 2 Anmerkung zu den hier aufgeführten Daten der Arbeitsagentur: Die Statistiken zur Ausbildungsvermittlung der BA sind die einzigen monatlich verfügbaren Infor- mationen über Angebot und Nachfrage am Ausbildungsmarkt, und zwar für beide Seiten des Marktes. Die Daten liegen in tiefer berufsfachlicher und regionaler Gliederung vor. Die Inanspruchnahme der Dienste der Berufsberatung und der Ausbildungsvermittlung durch Arbeit- geber und Jugendliche ist freiwillig. Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass der Einschaltungsgrad (gemeldete Ausbil- dungsstellen und gemeldete Bewerber) gemessen an Gesamtangebot und Gesamtnachfrage zwar sehr hoch ist, den Ausbildungsmarkt aber dennoch nicht vollständig abbildet. Denn ein nicht quan- tifizierbarer Teil der freiwilligen Inanspruchnahme durch Arbeitgeber und Jugendliche richtet sich nach den jeweiligen Verhältnissen auf dem Ausbildungsstellenmarkt. Bei wachsendem Nachfra- geüberhang nutzen Ausbildungsbetriebe die Ausbildungsvermittlung seltener und später, die Ju- gendlichen jedoch häufiger und früher. Bei einem Angebotsüberhang verhält es sich umgekehrt. Daher sind direkte Rückschlüsse auf die absoluten Zahlen von Gesamtangebot und Gesamtnach- frage nicht möglich. 3. Wie viele davon haben Migrationshintergrund? Informationen zu Karlsruhe liegen nicht vor. 4. Bei wie vielen kann ein eher bildungsfernes Elternhaus vermutet werden? Informationen hierzu liegen für Karlsruhe nicht vor. 5. Was sind die Hauptgründe für eine Nichtvermittlung? Lebenslaufstrukturen Jugendlicher machen deutlich, an welchen Schnittstellen es zu markanten Weichenstellungen kommen kann. An diesen Knotenpunkten sind sie mit einschneidenden Verän- derungen in ihrer Lebens-, Bildungs- und Ausbildungsplanung konfrontiert – und oft überfordert. Sich zu orientieren, eine richtige Entscheidung zu treffen, fällt trotz umfangreicher Beratungsange- bote insbesondere bildungsfernen Familien oft schwer. 6. Wie ist derzeit das Verhältnis von offenen Stellen zu Bewerbern/innen um eine Lehrstelle in Karlsruhe? Siehe Tabelle unter 2. Seite 3 7. Gibt es in Karlsruhe eine besondere Förderform für Jugendliche ohne Ausbildungsplatz (in an- deren Städten z.T. Jugendservice genannt), bei denen eine ganzheitliche, individuelle Einzelbe- treuung durch eine/n feste/n Betreuer/in stattfindet mit dem Ziel, den/die Jugendliche letztlich in einer Lehrstelle zu vermitteln? 7.1 Bestehende Netzwerke im Übergang Schule - Beruf 7.1.1 Regional Die Jugendagenturen Stadt- und Landkreis Karlsruhe sind ein überregionales Netzwerk. The- menschwerpunkte sind: Sozial- und Ausbildungsreife, Projekte zur Lebens- und Berufsorientierung insbesondere mit Betrieben und Unternehmen. Zu den Angeboten, Projekten und Vernetzungsleistungen siehe auch www.jaka-ka.de. 7.1.2 Stadtweit: ESF Arbeitskreis Der ESF-Arbeitskreis besteht aus Vertreter/innen von Stadt, Kammern, Arbeitsagentur, ARGE Jobcenter, Arbeitgebern, Gewerkschaft, Schule, Bildungsträgern und der Liga der Wohlfahrtsver- bände sowie der Frauenbeauftragten der Stadt Karlsruhe und ist das lokale Organ innerhalb der in Baden-Württemberg regionalisierten Umsetzung des Europäischen Sozialfonds. Der Arbeitskreis entwickelt eine lokale Strategie auf der Basis des operationellen Programms des Landes Baden- Württemberg. Die Sicherstellung gelingender Übergänge von der Schule in Ausbildung ist eine der Strategieschwerpunkte in der aktuellen Förderperiode. Karlsruher Pädagogik-Offensive Die Karlsruher Pädagogikoffensive und die Jugendagentur Karlsruhe sind interdisziplinäre Zu- sammenschlüsse von Entscheidungsträgern aus Schul- und Sportamt, Staatlichem Schulamt, So- zial- und Jugendbehörde, Stadtjugendausschuss e.V., AFB-Arbeitsförderungsbetriebe gGmbH, Arbeitsagentur, Gesamtelternbeirat, ARGE Jobcenter, Polizeibehörde und weiteren Akteuren mit dem Ziel der Steuerung und Abstimmung von schul- und jugendpolitisch relevanten Themen für die Stadt Karlsruhe. Arbeitsgruppe Übergang Schule-Beruf Beteiligte: Agentur für Arbeit Karlsruhe, Theo Prax – Fraunhoferstiftung, Arbeiterwohlfahrt, Interna- tionaler Bund – IB, Jugendagentur Landkreis Karlsruhe, Jugendagentur - Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe, Verein für Jugendhilfe – Kompetenzagentur Karlsruhe, SJB Schulsozialarbeit / Sozialer Dienst, AFB-Arbeitsförderungsbetriebe gGmbH, ARGE Jobcenter Stadt Karlsruhe, CJD Maximiliansau, Staatliches Schulamt Karlsruhe Seite 4 Aufgaben der Arbeitsgruppe sind: - Information und Öffentlichkeitsarbeit - Internetplattform der Jugendagentur Stadt- und LK Karlsruhe, Ausbau und Weiterentwicklung - Fachtag „Übergang Schule – Beruf“ - Bestehende Netzwerke, Projekte und Angebote in Karlsruhe - Konzeptionelle Weiterentwicklung in Zusammenarbeit mit der Jugendarbeit Schule–Wirtschaft Netzwerk Staatliches Schulamt, Arbeitsgruppe „Karlsruher Basiswissen“ - Hauptschule als Basis für die Berufsschule und das Handwerk. - Berufswegplanordner, erweitert mit Mathematik und Deutsch zur Vorlage für Berufsschulen. - Arbeitsmaterialangebotslisten für Mathematik / Deutsch zu Grundlagenvorgaben der Berufs- schulen und des Handwerks. 7.1.3 Stadtteilbezogen In einigen Stadtteilen gibt es ein Stadtteilnetzwerk: Über Schulen / Schulsozialarbeit werden au- ßerschulische Jugendarbeit und Jugendhäuser von Kirchen und Verbände vorgehalten. Als Ko- operationspartner agieren, z.B. Schulen und Träger der außerschulischen Jugendbildungsarbeit (Jugendarbeit, Jugendverbände und Jugendhilfe). Was auf- und ausgebaut werden muss ist der Kontakt zu den Eltern und den Betrieben, diese sind meist nicht in dieses Netzwerk eingebunden, dies sollte forciert werden. Es gibt in der Region Karlsruhe also viele gute Angebote und Projekte zu dem Themenkomplex „Übergang Schule - Beruf“. Zu diesen Angeboten existieren Infoflyer (Kurzübersicht) und eine Infobroschüre sowie Informatio- nen unter www.jaka-ka.de. Es existieren darüber hinaus Eingliederungsmaßnahmen von Jobcen- ter und Arbeitsagentur. 8. Wenn Nein, warum nicht? Entfällt. 9. Wenn ja, unterscheiden sich diese Vermittlungsergebnisse von den anderen „Fällen“? Dies wird statistisch nicht erfasst. Seite 5 10. Gibt es seitens der Stadt oder des Landes definierte Zielvorgaben, die Zahl der Jugendlichen ohne Lehrstelle zu vermindern? Hierzu sei auf den „Karlsruhe Masterplan 2015“ verwiesen (Seite 42 und 43): Ziel ist die Vorbereitung der besseren Integration von Schulabgängerinnen und Schulabgängern in den Arbeitsprozess. Land und Bund verfolgen mit Programmen wie: Europäischer Sozialfonds, z.B. Maßnahmen u. Projekte zahlreicher freier Träger LOS - Lokales Kapital für soziale Zwecke (Programm des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ)) in Programmgebieten des Bund-Länder- Programms „Soziale Stadt“. Landesstiftung BW, z.B. KOMET 2 – Sozial- und Erfolgstrainings für benachteiligte Jugend- liche Kultusministerium BW, z. B. Jugendberufshelfer Sozialministerium BW, z.B. AKKU ein ESF Programm speziell für benachteiligte Jugendli- che mit Migrationshintergrund das Hauptziel, die Ausbildungs- u. Berufschancen durch aufeinander abgestimmte Angebote für benachteiligte Jugendliche im Übergang Schule/Beruf zu verbessern. 11. Wie viele Jugendliche ohne Lehrstelle sind in 2006, 2007 und bisher 2008 in 1-EURO-Jobs vermittelt worden? Die ARGE bietet hierzu spezielle Arbeitsgelegenheiten für Jugendliche an. Allerdings sind diese Maßnahmen nicht nur Jugendlichen ohne Ausbildungsplatz vorbehalten. Es wird versucht, solche Arbeitsgelegenheiten auf notwendige Fälle zu begrenzen. 12. Teilt die Stadtverwaltung die Auffassung von Fachleuten und Teilen der Wohlfahrtspflege, dass 1-EURO-Jobs in dieser Lebensphase eher noch zu mehr Frust und einer Entfernung vom Ziel beitragen, eine Lehrstelle zu bekommen? Arbeitsgelegenheiten werden verantwortungsvoll und zurückhaltend in Fällen, in den es nicht an- ders geht, eingesetzt. 13. Wie wird das Bundesprogramm zur Vermittlung von „Altbewerber/innen“ in eine Lehrstelle in Karlsruhe genutzt? Die Ausbildungsvermittlung für die von der ARGE betreuten Jugendlichen wird von der Ar- beitsagentur durchgeführt, um zu gewährleisten, dass Arbeitslosengeld II-Bezieher/-innen nach den selben Maßstäben wie andere Bewerber betreut werden. Seite 6 14. Hat die Stadtverwaltung hierbei Mitnahmeeffekte seitens der Wirtschaft festgestellt (Wegfall von „vollen“ Lehrstellen zugunsten von subventionierten)? Nein. 15. Wie werden die „Altbewerber/innen“ auf die Perspektive einer Lehrstelle vorbereitet, gecoacht und gestärkt? Die Vorbereitung erfolgt im Rahmen des Eingliederungsprogramms der Arbeitsagentur und der ARGE-Jobcenter. Es gibt dort gesonderte Ansprechpartner für diese Zielgruppe. 16. Ergeben sich besondere Probleme bei der Vermittlung von „Altbewerber/innen“, z. B. Frust und Resignation aus langen Wartezeiten und wie unterstützt die Stadt die Jugendlichen dabei, dies zu überwinden? Dies wird individuell vom persönlichen Ansprechpartner beurteilt und entsprechend bearbeitet. 17. Welche zusätzlichen Ressourcen (Fachpersonal, materielle Ressourcen) sind nach Auffas- sung der Stadtverwaltung noch erforderlich, um möglichst allen Jugendlichen in Karlsruhe einen Ausbildungsplatz vermitteln zu können? Wie aufgezeigt wurde, sind die Angebote zahlreich vorhanden.