Anfrage GRÜNE: Eichennutzung in Karlsruher Wäldern

Vorlage: 20514
Art: Beschlussvorlage
Datum: 08.07.2008
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 15.07.2008

    TOP: 28

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • GRÜNE-Eichennutzung
    Extrahierter Text

    ANFRAGE Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) vom 8. Mai 2008 Gremium: Termin: Vorlage Nr.: TOP: 52. Plenarsitzung Gemeinderat 15.07.2008 1479 33 öffentlich Eichennutzung in Karlsruher Wäldern 1. Wie viel Holz wurde in der Saison 2007/2008 auf Gemarkung Karlsruhe eingeschlagen, aufgeteilt nach Stadtwald und Staatswald sowie nach Baumarten? 2. Wie haben sich der Holzeinschlag und die damit erzielten Erlöse in den letzten Jahren entwickelt, insbesondere im Hinblick auf Laubholz? 3. Wie hat sich insbesondere der Einschlag von Eichen (Eicheneinschläge ab einem Alter von 60 Jahren) in den unterschiedlichen Waldgebieten – aufgeteilt nach Stadtwald und Staatswald – in den letzten Jahren entwickelt? 4. Welche Altersstruktur bei welchem Holzvorrat weisen die Eichenbestände auf Karlsruher Gemarkung auf, wie ist der Gesundheitszustand der Alteichen (über 160 Jahre) einzuschätzen? 5. Gibt es ein Alteichenschutzkonzept (dessen Erstellung die Landesregierung dem Landesnaturschutzverband vor Jahren zugesagt hatte) bzw. wie sonst wird sichergestellt, dass kein übermäßiger Einschlag von Alteichen erfolgt? 6. Wie wird auf Gemarkung Karlsruhe insgesamt sichergestellt, dass im Hinblick auf die Lebensraumfunktion des Waldes wichtige Alt- und Höhlenbäume erhalten bleiben? 7. Welche Maßnahmen wurden beim diesjährigen Holzeinschlag ergriffen, um sicherzustellen, dass die Eingriffe in Alteichenbestände nicht zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustands einer lokalen Population einer besonders geschützten Art (z.B. Heldbock) führen? 8. Ist die vom Ministerium Ländlicher Raum zugesagte Neuausweisung von Schonwäldern im Hardtwald inzwischen erfolgt und falls nein, wann ist mit einer Neuausweisung zu rechnen? Seite 2 __________________________________________________________________________________________ unterzeichnet von: Bettina Lisbach Hauptamt - Sitzungsdienste - 4. Juli 2008 Sachverhalt / Begründung: Laut Landtagsdrucksache 14/384 ist die Nutzung von starken Eichen im Hardtwald mit einem Anteil von unter 2 % am Vollzug des Gesamtholzeinschlags gering. Frühere Forsteinrichtungen hatten keine aktive, wirtschaftlich motivierte Nutzung von Alteichen vorgesehen. Eine Nutzung von Alteichen fand nach Aussage der Landesforstverwaltung praktisch nicht statt; Eichen über 140 Jahre würden grundsätzlich stehen gelassen. Demgegenüber stehen aktuelle Meldungen über Spitzenerlöse bei Holzverkaufsaktionen, bei denen von der Eiche als Favorit die Rede ist. Laut Landtagsdrucksache 14/1123 hat die Landesregierung zugesichert, dass erloschene Schonwälder im Hardtwald bei Karlsruhe (Wildpark, Teichelholz, Sulzwegschlag) neu ausgewiesen würden und noch im Jahr 2007 mit den Arbeiten hierfür begonnen werde.

  • TOP 33
    Extrahierter Text

    STELLUNGNAHME zur Anfrage Stadträtin Bettina Lisbach (GRÜNE) vom: 08.05.2008 eingegangen: 08.05.2008 Gremium: 52. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 15.07.2008 1479 33 öffentlich Dez. 4 Eichennutzung in Karlsruher Wäldern Frage 1: Wie viel Holz wurde in der Saison 2007/2008 auf Gemarkung Karlsruhe einge- schlagen, aufgeteilt nach Stadtwald und Staatswald sowie nach Baumarten? Die nachfolgende Tabelle zeigt den Einschlags-Vollzug im gesamten Jahr 2007 sowie im bisherigen Jahr 2008, getrennt nach Staats- und Stadtwald sowie aufgeteilt auf die wichtigsten Sortimente . Seite 2 2007 2008 (Januar – Mai) Staatswald Stadtwald Staatswald Stadtwald Holzeinschlag 14.815 Fm 13.285 Fm 7.335 Fm 9.086 Fm Holzeinschlag je Hektar Waldfläche 6,7 Fm/ha 6,8 Fm/ha 3,3 Fm/ha 4,6 Fm/ha davon Kiefer-Stammholz 4.842 Fm 144 Fm 2.792 Fm 65 Fm Sonst. Nadel-Sth 586 Fm 946 Fm 119 Fm 498 Fm Nadel- Industrieholz 2.072 Fm 500 Fm 2.479 Fm 217 Fm Nadel-Brennholz 31 Fm 65 Fm - 4 Fm Ahorn-Sth 206 Fm 81 Fm 67 Fm 132 Fm Buche-Sth 924 Fm 1.475 Fm 88 Fm 796 Fm Eiche-Sth 90 Fm 195 Fm 17 Fm 285 Fm Erle-Sth 84 Fm 168 Fm - 46 Fm Esche-Sth 443 Fm 191 Fm 116 Fm 332 Fm Pappel-Sth 354 Fm 1.997 Fm - 1.117 Fm Roteiche-Sth 89 Fm 178 Fm 7 Fm 190 Fm Sonst. Laub-Sth 41 Fm 28 Fm 9 Fm 38 Fm Laub-Industrieholz 1.669 Fm 3.319 Fm 495 Fm 1.814 Fm Laub-Brennholz 1.078 Fm 1.538 Fm 166 Fm 1.897 Fm Geschätztes Derbholz 2.306 Fm 2.460 Fm 980 Fm 1.656 Fm Fm = Festmeter = Kubikmeter Sth = Stammholz Ih = Industrieholz * Geschätztes Derbholz: Restholz-Menge, die zum großen Teil durch Brennholz- Selbstwerber aufgearbeitet wird. Seite 3 Frage 2: Wie haben sich der Holzeinschlag und die damit erzielten Erlöse in den letzten Jahren entwickelt, insbesondere im Hinblick auf Laubholz? a) Die Tabelle zeigt die Entwicklung des Holzeinschlags von 2005 – 2008; Daten vor 2005 sind für den Stadtkreis in dieser Form nicht verfügbar (vor Verwaltungsreform). 2005 2006 2007 2008* Januar-Mai Staatswald 15.952 Fm 16.215 Fm 14.815 Fm 7.335 Fm Anteil Laubholz 28 % 38 % 43 % 20 % Stadtwald 14.190 Fm 12.683 Fm 13.285 Fm 9.086 Fm Anteil Laubholz 76 % 86 % 86 % 90 % 2008*: nur Januar – Mai b) Die Tabelle zeigt die Entwicklung der Holzverkaufserlöse 2005 - 2007. Tendenziell zeigt sich eine Erhöhung der Erlöse. Allerdings ist zu berücksichtigen, dass die Erlössituation beim Holz nach dem Orkan Lothar massiv rückläufig war und jetzt in etwa wieder das Preisniveau vor dem Orkan erreicht hat. Beim Nadelholz zeigt sich derzeit bereits wieder eine deutliche Preisabschwächung. E n tw ic k lu n g H o lz e in s c h la g 0 2 . 0 0 0 4 . 0 0 0 6 . 0 0 0 8 . 0 0 0 1 0 . 0 0 0 1 2 . 0 0 0 1 4 . 0 0 0 1 6 . 0 0 0 1 8 . 0 0 0 2005200620072008 S t a a t s w a ld S t a d t w a ld Seite 4 Waldbesitzer 2005 2006 2007 2008 Jan.-Mai Stadt Karlsruhe Gesamterlös 376.969 € 389.789 € 401.575 € 262.454 € Durchschnitts- erlös je Fm 44,24 € 47,69 € 61,14 € 67,43 € Staatswald im Stadtkreis Gesamterlös 302.254 € 449.576 € 471.943 € 202.525 € Durchschnitts- erlös je Fm 32,92 € 48,91 € 63,41 € 61,88 € Frage 3: Wie hat sich insbesondere der Einschlag von Eichen (Eicheneinschläge ab einem Alter von 60 Jahren) in den unterschiedlichen Waldgebieten – aufgeteilt nach Stadtwald und Staatswald – in den letzten Jahren entwickelt? Die Tabelle zeigt die Entwicklung des Eichen-Einschlags (Stamm- und Industrieholz). Die Erhöhung des Einschlags 2008 im Stadtwald ist auf den schlechten Gesundheitszustand vieler Eichen zurückzuführen. Auf das Belassen von genügend absterbenden Alt-Eichen wurde sorgfältig geachtet (siehe Punkt 6). 2005 2006 2007 2008 Jan.-Mai Staatswald 404 Fm 532 Fm 449 Fm 25 Fm Anteil am Gesamteinschlag 3 % 4 % 4 % < 1 % Stadtwald 470 Fm 291 Fm 443 Fm 732 Fm Anteil am Gesamteinschlag* 4 % 3 % 4 % 10 %  ohne geschätztes Derbholz Seite 5 Frage 4: Welche Altersstruktur bei welchem Holzvorrat weisen die Eichenbestände auf Karlsruher Gemarkung auf, wie ist der Gesundheitszustand der Alteichen (über 160 Jahre) einzuschätzen? Flächenanteile der Waldentwicklungstypen (WET) Stieleichen- bzw. Traubeneichen- Mischbestand und der Baumartenflächen: a) Staatswald Karlsruhe Baumartenanteil der Eichen: 8 % Dem Waldentwicklungstyp Stieleichen-Mischbestand sind 24 Hektar oder 1 % der Holzbodenfläche zugewiesen (Auewald). Dem Waldentwicklungstyp Traubeneichen-Mischbestand sind 145 Hektar oder 7 % der Holzbodenfläche zugewiesen (Hardtwald). Alter in Jahren WET Stieleiche Fläche in Hektar WET Traubeneiche Fläche in Hektar bis 10 3 5 11 bis 20 5 22 21 bis 40 6 29 41 bis 60 2 20 61 bis 80 8 57 81 bis 100 - 11 101 bis 120 - 1 121 bis 140 - - über 140 - - Dauerwald - - Seite 6 b) Stadtwald Karlsruhe Baumartenanteil der Eichen: 7 % Dem Waldentwicklungstyp Traubeneichen-Mischbestand sind 191 Hektar oder 10 % der Holzbodenfläche zugewiesen. Alter in Jahren WET Traubeneiche Fläche in Hektar bis 10 17 11 bis 20 9 21 bis 40 23 41 bis 60 2 61 bis 80 2 81 bis 100 2 101 bis 120 21 121 bis 140 25 über 140 50 Dauerwald 40 Der Holzvorrat der Eiche im Stadtwald gliedert sich wie folgt (für den Staatswald ist diese Aufgliederung nach der neuen Forsteinrichtung noch nicht verfügbar): Alter in Jahren Holzvorrat in Vorrats-Fm in % bis 10 1.015 3 11 bis 20 645 2 21 bis 40 2.597 7 41 bis 60 7.101 19 61 bis 80 4.517 12 81 bis 100 2.188 6 101 bis 120 6.017 16 121 bis 140 5.410 14 über 140 7.973 21 Gesamt 37.463 100 Anteil am Gesamtvorrat aller Baumarten 6 % Seite 7 Der Gesundheitszustand der Alteichen über 160 Jahre stellt sich zum überwiegenden Teil sehr schlecht dar. Zahlenmäßige Aussagen hierzu sind für den Stadtkreis nicht verfügbar. Tendenziell ist der Gesundheitszustand auf den trockenen Standorten des Hardtwaldes sowie auf den sandigen und kiesigen Standorten in der Flussaue deutlich schlechter als auf den guten Standorten im Bergwald oder auf den lehmigen Standorten im Auewald. Besonders schlecht zeigt sich derzeit der Gesundheitszustand der Alteichen im Hardtwald und in den Stadtwald-Distrikten Oberwald und Rissnert. Hier sterben mittelalte und alte Eichen seit dem Trockenjahr 2003 in rasantem Tempo ab. Frage 5: Gibt es ein Alteichenschutzkonzept (dessen Erstellung die Landesregierung dem Landesnaturschutzverband vor Jahren zugesagt hatte) bzw. wie sonst wird sichergestellt, dass kein übermäßiger Einschlag von Alteichen erfolgt? Ein Alteichenschutzkonzept für den Hardtwald liegt seitens des Landes bisher nicht vor. Die Erhaltung von alten Eichen ergibt sich jedoch aus der Forsteinrichtung, dem Pflege- und Entwicklungsplan zum FFH-Gebiet und letztlich aus der konkreten Behandlung der Waldbestände durch die örtlich zuständige Forstverwaltung. Auch aus den Zielsetzungen für den Staats- und Stadtwald ergibt sich ein besonderes Augenmerk für alte Eichen. Frage 6: Wie wird auf Gemarkung Karlsruhe insgesamt sichergestellt, dass im Hinblick auf die Lebensraumfunktion des Waldes wichtige Alt- und Höhlenbäume erhalten bleiben? Die Revierleiter achten beim Holzauszeichnen ganz besonders auf Habitatbäume. Es wurde begonnen, diese Habitatbäume zu markieren. Auch die Forstwirte sind an- gewiesen, Höhlenbäume stehen zu lassen, falls versehentlich doch beim Holzauszeich- nen eine Bruthöhle übersehen wurde. Zudem wird auch auf die wichtige landschaftliche Bedeutung von alten Bäumen geachtet (Waldästhetik). Auch im Zuge der Forsteinrichtung wurde die Erhaltung von Altholzbereichen berücksichtigt. Seite 8 Frage 7: Welche Maßnahmen wurden beim diesjährigen Holzeinschlag ergriffen, um sicher- zustellen, dass die Eingriffe in Alteichenbestände nicht zu einer Verschlechterung des Erhaltungszustandes einer lokalen Population einer besonders geschützten Art (z. B. Heldbock) führen? In Bereichen mit Heldbockvorkommen, insbesondere im Oberwald/Rissnert wurden Heldbock-Bäume als Habitatbäume markiert. In einem besonderen Fall wurde zudem ein Fachexperte zur Begutachtung der Situation hinzugezogen. Umgekehrt wird versucht, durch Verjüngung mit Eichen langfristig die Lebensraumsituation für besonders ge- schützte Arten wie den Heldbock zu erhalten bzw. zu verbessern. Auch das Belassen und Freistellen von Potenzialbäumen für den Heldbock sichert die lokale Population. Frage 8: Ist die vom Ministerium Ländlicher Raum zugesagte Neuausweisung von Schonwäldern im Hardtwald inzwischen erfolgt und falls nein, wann ist mit einer Neuausweisung zu rechnen? Die Neuausweisung von Schonwäldern im Hardtwald durch das Land ist bisher nicht erfolgt. Vor konkreten Überlegungen zu einer Schutzgebiets- oder Schonwaldausweisung sollten die Forsteinrichtungs-Arbeiten sowie die Pflege- und Entwicklungsplanung für das FFH-Gebiet abgeschlossen sein. Damit ist bis zum Sommer zu rechnen. Die Untere Forstbehörde bei der Stadt wird die Thematik beim Ministerium Ländlicher Raum weiter verfolgen.