Forsteinrichtungen im Stadtwald

Vorlage: 20496
Art: Beschlussvorlage
Datum: 08.07.2008
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: _Fachbereich Datenübernahme
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat

    Datum: 15.07.2008

    TOP: 16

    Rolle: unbekannt

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • TOP 18
    Extrahierter Text

    BESCHLUSSVORLAGE STADT KARLSRUHE Der Oberbürgermeister Gremium: 52. Plenarsitzung Gemeinderat Termin: Vorlage Nr.: TOP: Verantwortlich: 15.07.2008 1460 18 öffentlich Dez. 4 Forsteinrichtungen im Stadtwald Beratungsfolge Sitzung am TOP ö nö Ergebnis Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 10.07.2008 1 Gemeinderat 15.07.2008 18 Antrag an den Gemeinderat / Ausschuss Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen, den in der örtlichen Prüfung am 10.07.2008 vorgestellten und in der beigefügten Vorlage darge- stellten Ergebnissen der Forsteinrichtung 2008 – 2017 als Grundlage für die Bewirtschaftung des Stadtwaldes Karlsruhe zu. Finanzielle Auswirkungen nein ja Gesamtaufwand der Maßnahme Einnahmen (Zuschüsse u. Ä.) Finanzierung durch städtischen Haushalt Jährliche laufende Belastung (Folgekosten mit kalkulatori- schen Kosten abzügl. Folgeer- träge und Folgeeinsparungen) Haushaltsmittel stehen nicht zur Verfügung. Finanzposition: Ergänzende Erläuterungen: Karlsruhe Masterplan 2015 - relevant nein ja Handlungsfeld: Anhörung Ortschaftsrat (§ 70 Abs. 1 GemO) nein ja durchgeführt am Abstimmung mit städtischen Gesellschaften nein ja abgestimmt mit Ergänzende Erläuterungen Seite 2 Zusammenfassung der Ergebnisse der Forsteinrichtung (von Forsteinrichter Lothar Schrodin) Zum Stichtag 01.01.2008 wurde der Stadtwald Karlsruhe neu eingerichtet. Nach der Erfas- sung des aktuellen Zustandes (Inventur) wurden die durchgeführten Maßnahmen des abge- laufenen Forsteinrichtungszeitraums (Vollzug) geprüft und bewertet. Darauf aufbauend wur- den die konkreten Planungen für die kommenden 10 Jahre entwickelt. Die Inventurergebnis- se wurden durch eine temporäre Betriebsinventur (tBI) mit insgesamt 951 Stichprobenpunk- ten und 9.271 Einzelbaummessungen abgesichert. In der letzten Einrichtungsperiode konnte die Fläche des Stadtwaldes Karlsruhe um 143,4 ha vergrößert werden. Größere Flächenveränderungen gab es insbesondere durch den An- kauf der Waldflächen des Hauses Baden im Distr. XIV „Burgau“ im Bereich Knielinger See und durch Übernahme von Waldflächen, die bisher im Zuständigkeitsbereich des Garten- bauamtes lagen. Neben der Erholungsfunktion und der Holzproduktion (Einkommensfunktion) erfüllt der Stadtwald Karlsruhe weitere unverzichtbare ökologische und soziale Funktionen wie z.B. Klimaschutz, Wasserschutz und Immissionsschutz. Auf den gesamten Stadtwald entfallen  4,4 Waldfunktionen je ha; dies bedingt auch, dass auf gleicher Fläche vielfach mehrere Ziele verfolgt werden müssen. Forstliche Maßnahmen auf der Fläche tangieren daher zwangsläufig meist ein ganzes Funktionenbündel. Bei Zielkonflikten haben die Gemeinwohl- Bereiche (Schutz- und Erholungsfunktion) gemäß der Zielsetzung der Stadt Vorrang vor der Nutzfunktion (Holzproduktion). Aufgrund seiner naturnahen Ausstattung ist der Stadtwald auf großer Fläche als ökologisch sehr hochwertig einzuschätzen. 370 ha Stadtwald liegen in Naturschutzgebieten, 1.678 ha in Landschaftsschutzgebieten. Waldschutzgebiete mit besonderen Bewirtschaftungsrestriktio- nen sind als Bannwald auf 5 ha und als Schonwald auf 324 ha im Stadtwald ausgewiesen worden. Die Waldbiotopkartierung weist im Stadtwald Karlsruhe 134 Waldbiotope mit einer Gesamt- fläche von 270,0 ha aus. Die Biotopausstattung liegt mit 12,0% der Gesamtwaldfläche weit über dem Landesdurchschnitt (= 6%). Die gemeldeten FFH-Gebiete (FFH-Gebiet = Schutzgebiet gemäß der europäischen Flora- Fauna-Habitat-Richtlinie) umfassen eine Fläche von 1.276,3 ha. Somit liegen 57% des Ergänzende Erläuterungen Seite 3 Stadtwaldes innerhalb von Natura 2000 Gebieten. Insgesamt tangieren neun FFH-Gebiete mit vier Lebensraumtypen die Fläche des Stadtwaldes Karlsruhe. Die aktuelle Baumartenzusammensetzung hat sich im Vergleich zum vergangenen Einrich- tungsstichtag durch den Umbau der Wälder im Zuge der naturnahen Waldwirtschaft und als unmittelbare Folge der orkanbedingten, beschleunigten Walderneuerung deutlich zugunsten des Laubholzes verändert. Das Baumartenverhältnis Nadelholz zu Laubholz aus dem Jahr 1997 betrug 20:80. Der Nadelholzanteil im aktuellen BA-Verhältnis ist auf 13% gefallen, der Laubholzanteil hat sich auf 87% erhöht. Der Holzvorrat im Stadtwald Karlsruhe ist, trotz der Auswirkungen des Orkans Lothar, um 8% auf jetzt 628.948 Vfm gestiegen. Ursächlich hierfür ist die Flächenzunahme im Stadtwald Karlsruhe, das Inventurverfahren sowie eine Holznutzung, die noch unter dem Zuwachs der Bestände liegt. Die Altersklassengrafik gibt einen Überblick über die Flächenverteilung und die Betriebs- struktur. Ein Flächenschwerpunkt liegt in Beständen zwischen 41 – 60 Jahren (III. Alters- klasse), die vorwiegend den nachkriegsbedingten Flächenüberschuss repräsentieren. Be- stände mit einem Alter über 80 Jahre sind flächenmäßig überdurchschnittlich vertreten. Ge- rade in den letzten vierzig Jahren wurden die Althölzer aufgrund der vorgegebenen Zielhie- rarchie im Stadtwald Karlsruhe sehr lange gehalten, verbunden mit einer unterdurchschnittli- chen Verjüngungstätigkeit. Unterdurchschnittlich sind daher Jungbestände bis zum Alter von 40 Jahren vorhanden. Auch Orkan Lothar vom Dezember 1999 hat in den Altersklassenauf- bau des Betriebes nur unwesentlich eingegriffen. Insgesamt verfügt der Stadtwald Karlsruhe über Naturverjüngungsvorräte von 28% der Holzbodenfläche bzw. durchschnittlich 43% der Gesamtfläche der Altersklassen IV bis VIII. Damit hat sich der Flächenanteil der Naturverjüngung gegenüber der letzten Forsteinrich- tung knapp versechsfacht. Mancherorts ist die Verjüngungssituation aber ausgesprochen unbefriedigend (z.B. in Distrikt XI „Oberwald“, XII „Rissnert“, XIII „Hardtwald“). Sehr gut ver- jüngt sich die Buche im Bergwald, wobei jedoch ortsweise sehr starker Wildverbiss das gute Ergebnis trübt. Der Verjüngungsvorrat wird erhoben, um Aufschluss über das natürliche Po- tenzial zu erhalten, mit dem künftig bei der Verjüngung der Altbestände gearbeitet werden kann. Der FE-Zeitraum war gekennzeichnet durch überdurchschnittlich warme Jahre. Damit setzt sich die klimatische Veränderung weiter fort. Die Auswirkungen der globalen Klimaerwär- mung auf die Wälder sind sichtbar, was auch der jüngste Waldzustandsbericht belegt. Ergänzende Erläuterungen Seite 4 Die Gesamtnutzung im abgelaufenen Forsteinrichtungszeitraum stimmt mit 163.535 Efm, trotz den Auswirkungen von Orkan Lothar, fast punktgenau mit der Planung überein. Ände- rungen des Hiebsatzes waren bei der Zwischenrevision nicht erforderlich. Orkan Lothar fie- len 51.105 Efm als Sturmholz zum Opfer, was etwas mehr als einem dreifachen Jahreshieb- satz entspricht. Die betriebswirtschaftliche Situation im Stadtwald wurde 2000-2002 durch die Orkanereig- nisse und dem damit verbundenen schlechten Holzmarkt negativ beeinflusst. Extrem hohe Belastungen ergaben sich durch Änderungen in der Haushaltssystematik, insbesondere durch interne Leistungsverrechnungen, durch die Anrechnung von Abschreibungen und der negativen Verzinsung des Anlagevermögens Wald. Positiv zu vermerken ist, dass trotz der schwierigen Rahmenbedingungen umfangreiche Konsolidierungsmaßnahmen in den letzten Jahren durchgeführt werden konnten. Die Forsteinrichtung schlägt für das kommende Forsteinrichtungsjahrzehnt eine Gesamtnut- zung von 155.000 Efm vor, was bei der aktuellen Gesamtbetriebsfläche einem jährlichen Hiebsatz von 8,0 Efm/ha entspricht. Die Einnahmen der kommenden Forsteinrichtungsperi- ode hängen sehr stark von der Entwicklung des Holzpreises ab. Unter der Voraussetzung, dass in den nächsten 10 Jahren planmäßig gearbeitet werden kann und sich die Holzpreise weiter positiv entwickeln, ist von einer Verbesserung des jährli- chen Betriebsergebnisses im Holzproduktionsbereich auszugehen. Die ausführliche Darstellung der Ergebnisse können Sie der beigefügten Sitzungsvorlage des Forsteinrichters entnehmen. Auf der Grundlage der Forsteinrichtung werden von der Abteilung Forst im Liegenschaftsamt die jährlichen Nutzungspläne aufgestellt, die dann relevant für den städtischen Haushalt sind. Ergänzende Erläuterungen Seite 5 Beschluss: Der Gemeinderat stimmt nach Vorberatung im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen, den in der örtlichen Prüfung am 10.07.2008 vorgestellten und in der beigefügten Vorlage darge- stellten Ergebnissen der Forsteinrichtung 2008 – 2017 als Grundlage für die Bewirtschaftung des Stadtwaldes Karlsruhe zu. Hauptamt - Sitzungsdienste - 4. Juli 2008

  • Anlage TOP 18
    Extrahierter Text