Stadtwald Karlsruhe: Rückblick 2025 und Situation und Planung 2026
| Vorlage: | 2026/0171 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 15.04.2026 |
| Letzte Änderung: | 01.04.2026 |
| Unter Leitung von: | Forstamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Oberreut |
Beratungen
- Ausschuss für öffentliche Einrichtungen (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 15.04.2026
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Keine Angabe
Zusätzliche Dateien
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0171 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: Forstamt Stadtwald Karlsruhe: Rückblick 2025 und Situation und Planung 2026 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 15.04.2026 6 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Karlsruher Stadtwald steht durch Klimawandel, Trockenheit und Schädlingsbefall weiter unter Druck, bleibt aber als Lebensraum und Erholungsort unverzichtbar. Frühzeitige Pflege, klimastabile Baumarten und naturnahe Strukturen sichern seine Resilienz, während Verkehrssicherung, Holzernte, Erholungseinrichtungen und Waldpädagogik seine Funktionen stärken. Die Bürger*innen schätzen den Stadtwald hoch, und die durchgeführte Bürgerumfrage 2025 - Klima und Grün in der Stadt bestätigt den eingeschlagenen Weg des Forstamtes, ihn naturnah, widerstandsfähig und zukunftsfähig weiterzuentwickeln. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO2-Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☒ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Grüne Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☐ abgestimmt mit -- 1 of 4 -- – 2 – Erläuterungen Zustand des Stadtwaldes Die weiter rasch voranschreitende klimatische Veränderung überfordert trotz der Niederschläge im Jahr 2025 weiterhin viele unserer Waldgesellschaften. Anhaltend hohe Temperaturen und Trockenphasen verändern zudem die Standortbedingungen. Die Vitalität und Stabilität, insbesondere von Buche, Kiefer, Esche und Ahorn, nehmen weiter ab. Insekten und Pilze führen nach wie vor zu Schädigungen und zum Ausfall von Bäumen. Aufgrund der langen Entwicklungszeiträume im Wald ist frühzeitiges Handeln entscheidend. Nur so kann gewährleistet werden, dass Wälder auch künftig ihre vielfältigen Funktionen erfüllen: Biodiversität erhalten, Wasserhaushalt stabilisieren, lokale Kühlung leisten, zur Trinkwasserqualität beitragen und – insbesondere im urbanen Raum Karlsruhes – als Erholungsraum dienen. Voraussetzung dafür sind vitale, strukturreiche und langfristig klimastabile Wälder. Zentrale Daueraufgaben Weiter erkranken Bäume und sterben trotz der Niederschläge im vergangenen Jahr ab. Daher bleibt die Verkehrssicherung ein zentraler Bestandteil der Betriebsarbeiten. Das Betreten der Waldinnenflächen ist weiterhin mit Risiken verbunden, die sich insbesondere bei Wind oder Starkregen verstärken. Durchgeführte, planbare bestandsweise Holzerntemaßnahmen werden dabei weiter häufig durch sicherheitsbedingte Einzelbaumentnahmen ergänzt. Im Vordergrund stehen dabei häufig Gefahrbaumfällungen, die aufgrund der Verkehrssicherungspflicht erforderlich sind. Der Anteil dieser zufälligen, kaum planbaren Maßnahmen blieb auch 2025 hoch und lag zuletzt bei rund 56 Prozent der gesamten Holzerntemenge sowie bei rund 670 Maßnahmen zur Verkehrssicherung. Gleichzeitig erfordert die steigende Komplexität dieser Verkehrssicherungsarbeiten zunehmend den Einsatz moderner und leistungsfähiger Technik, um Sicherheit und Effizienz zu gewährleisten. Im Karlsruher Stadtwald wurden im Jahr 2025 rund 9.698 Festmeter Holz genutzt. Hinzu kommen abgestorbene oder umgestürzte Bäume, die im Bestand verbleiben und nicht erfasst werden. Die genutzte Holzmenge entspricht etwa 4,9 Festmetern pro Hektar, während der jährliche Zuwachs im Mittel bei etwa 7,6 Festmetern pro Hektar liegt. Die Nutzung bleibt damit insgesamt unter dem Zuwachs. Die Holznutzung dient vorrangig der Stabilisierung und Entwicklung klimaanpassungsfähiger Wälder. Durch gezielte Pflege- und Durchforstungsmaßnahmen wird den Bäumen Platz zur Kronenentwicklung gegeben, damit sich diese stabil entwickeln können und somit die Widerstandsfähigkeit der Einzelbäume gegenüber Klimastress steigt. Gleichzeitig sichern diese Eingriffe den Erhalt und die Förderung von Mischbaumarten und tragen wesentlich zur Resilienz und strukturellen Stabilität der Waldbestände bei. Pflanzungen neuer Bäume und anschließende intensive Kulturpflegearbeiten unterstützen die klimastabile Anpassung des Stadtwaldes. Kontinuierlich werden Erholungseinrichtungen kontrolliert und instandgesetzt sowie die wassergebundenen Waldwege durch einen beauftragten Unternehmer gepflegt. Durch die regelmäßige Wegpflege werden aufwändige Weginstandsetzungen mit der Einbringung von Material reduziert. Besonders war im vergangenen Jahr die Sanierung des Waldspielplatzes „Affenplätzle“ im Oberwald. Waldökologie Im vergangenen Jahr wurden mehrere Maßnahmen zur Förderung von Biodiversität und naturnahen Strukturen umgesetzt. Im NSG Grötzinger Bruchwald wurde der Weidgraben in zwei Bereichen renaturiert, um Wasser zurückzuhalten und Lebensräume für wassergebundene Arten wie den Eisvogel zu schaffen. Zudem wurden Amphibientümpel gepflegt und neue Tümpel zur Förderung der Gelbbauchunke angelegt, auch im Elfmorgenbruch. An Waldrändern wurden durch Beweidung mit Ziegen und maschinelle Pflege die Strukturvielfalt gefördert und invasive Arten wie Japanischer Staudenknöterich zurückgedrängt. Kirschlorbeer wurde -- 2 of 4 -- – 3 – im Reitschulschlag und rund um die Bergwaldsiedlung reduziert. Ergänzend erfolgten umfangreiche Kronenpflegemaßnahmen an Alteichen in Oberreut, die mit Mitteln des Landes gefördert wurden. Eine erneute Informationskampagne gegen Grünschnitt im Wald und die intensive Zusammenarbeit mit Kleingartenvereinen zeigen erste Erfolge. Waldpädagogik und bürgerschaftliches Engagement Die Waldpädagogik als gesetzlicher Bildungsauftrag wird gemeinsam mit den Projektpartnern Landesbetrieb ForstBW, Landkreis Karlsruhe und der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. (SDW) umgesetzt. Im Jahr 2025 vermittelten die Waldpädagog*innen und Mitarbeitenden des Forstamtes in rund 860 Veranstaltungen mit ca. 25.700 Teilnehmenden fundiertes Wissen über das Ökosystem Wald. Mittlerweile sind die Rücklagen aus Spenden- und Sponsoringmittel für waldpädagogische Veranstaltungen aus fehlenden Angeboten der Coronajahren aufgebraucht und die Nachfrage übersteigt die Angebotsmöglichkeit durch externe Honorarkräfte und eigene Mitarbeitende. Im Jahr 2026 feiert die Waldpädagogik Karlsruhe ihr 30-jähriges Jubiläum. Beim Tag der offenen Tür im Forstamt am 14. Juni 2026 kann man sich Bild von der Arbeit der Waldpädagogik machen. Ergänzend engagierten sich 2025 bei 11 Veranstaltungen rund 443 Bürger*innen aktiv im Stadtwald und trugen durch Pflege- und Baumpflanzaktionen zu dessen zukunftsfähiger Entwicklung bei. Neben den langfristigen Schulprojekten im Eichelgarten und der Zusammenarbeit mit den Reservisten wurde die Kooperation mit Vereinen und Organisationen – etwa MyReforest – für Maßnahmen der Waldpflege und Waldentwicklung weiter ausgebaut. Die Einbindung ehrenamtlicher Mitbürger*innen bei Baumpflanzaktionen sowie beim Neophytenmanagement bleibt auch im Jahr 2025 auf einem sehr hohen Niveau, ist jedoch weiterhin mit einem erheblichen Betreuungsaufwand verbunden. Projekte, die eine selbstständige Durchführung von Aufgaben ermöglichen, konnten bislang nicht über längere Zeiträume etabliert werden. Gleichwohl spielt das Engagement von Bürger*innen als „Schlagraumer“ zur Brennholzgewinnung nach wie vor eine zentrale Rolle bei der Vorbereitung der Bestände nach Erntemaßnahmen für die anschließende Pflanzung. Personal und Personalentwicklung Ende 2025 teilten sich die Mitarbeitenden im Team des Forstamtes insgesamt 30,76 Vollzeitstellen (ohne Auszubildende und Freiwilligendienstleistende). Der Anteil der Beamt*innen lag Ende 2025 bei 5,75 und der Anteil der Beschäftigten nach TVöD bei 25,01 Vollzeitstellen. Ende 2025 war die Stelle der Klimaanpassungs- und Risikomanager*in Wald besetzt und Stelle der Assistenz nachbesetzt. Die Schulungen der Forstwirte im Aufbau-Motorsägenlehrgang mit Hubarbeitsbühnen (AS Baum II) wurden im Berichtszeitraum erfolgreich abgeschlossen. Die Qualifikation stärkt insbesondere sichere Schnitttechniken und den professionellen Einsatz von Arbeitsbühnen und ist vor dem Hintergrund klimawandelbedingt häufiger geschädigter und instabiler Bäume von zentraler Bedeutung. Eine Forstwirtstelle ist derzeit auf Grund der Stellenbesetzungssperre und Personalabbauvorgaben unbesetzt. Effizienz, Sicherheit und Austausch – Schritte in die Zukunft des Stadtwaldmanagements Die Digitalisierung wurde 2025 weiter konsequent vorangetrieben: Die verbindliche Nutzung der E- Akte und des Dokumentenmanagementsystems Enaio wurde durch den E-Umlauf und E-Posteingang erweitert, Altakten kontinuierlich digitalisiert und Arbeitsabläufe kritisch analysiert, um die Grundlage für eine schlanke, moderne und effiziente Verwaltung zu schaffen. Mit der Schlagraumversteigerung im Saal und der dabei eingeführten bargeldlosen Zahlung wurde beispielsweise auch dieser Teil des Holzverkaufs an Bürger*innen zeitgemäß und kundenorientiert weiterentwickelt. Sicherheit und Risikomanagement bleiben zentrale Aufgaben. Fünf Rettungsübungen mit der Branddirektion sowie die groß angelegte Waldbrandübung im Bergwald haben die Zusammenarbeit auch über die Walbrandtandems hinaus entscheidend gestärkt. -- 3 of 4 -- – 4 – Gemeinsames Lernen, offener Austausch und die Suche nach neuen Lösungen für Wald und Bürger*innen standen im Mittelpunkt der Exkursion der Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft (ANW) mit 30 Teilnehmenden aus ganz Baden-Württemberg im Stadtwald Karlsruhe, beim Ranger-Treffen Baden-Württembergs, zu dem das Forstamt eingeladen hatte sowie beim Austausch in der Arbeitsgruppe der Stadtforstämter Süddeutschlands. Gleichzeitig erfolgt eine konsequente Fokussierung auf vorgegebene Kernaufgaben und eine kontinuierliche Orientierung an Best-Practice-Beispielen, auch durch waldbauliche Fachexkursionen. Ausblick Für eine klimaangepasste Waldentwicklung muss das Wildtiermanagement integraler Bestandteil sein. Unkontrollierte Wildbestände gefährden junge, klimaresiliente Bäume und verursachen erhebliche Kosten für die Stadt. In einzelnen Jagdbezirken verhindern sie bislang das Erreichen der Waldentwicklungsziele, weshalb dort die alleinige Verpachtung durch die Jagdgenossenschaft ohne eine ausreichende Berücksichtigung der Interessen der Grundstückseigentümer kritisch gesehen wird. Das Forstamt muss daher zukünftig seine Einflussmöglichkeiten auf die Pächter ausbauen. Die Ergebnisse der Bürgerumfrage 2025 Klima und Grün in der Stadt zeigen, dass die Bürger*innen ihren Stadtwald schätzen und er ihnen als kühlender Faktor für das Stadtklima und als Lebensraum für Tiere und Pflanzen wichtig ist. Auch Erholung und der Schutz vor Naturgefahren spielen eine zentrale Rolle, während die Nutzung für die Holzproduktion weniger Priorität hat. Die Aufenthaltsqualität wird positiv bewertet, insbesondere von Familien und häufigen Waldbesuchenden. Gleichzeitig zeigen die Befragten große Sorge um den Zustand des Stadtwaldes, besonders in Bezug auf Dürre, Müll, Vandalismus und Bebauung. Angesichts des Klimawandels wird die Anpassung des Waldes – etwa durch die Pflanzung klimastabiler Baumarten – von der Mehrheit als dringend und wichtig angesehen. Die Befragungsergebnisse bestätigen den eingeschlagenen Weg des Forstamtes, den Stadtwald aktiv als naturnahen, widerstandsfähigen Klimapuffer, Lebensraum für Biodiversität und Erholungsraum für die Stadtgesellschaft zu erhalten und weiterzuentwickeln. Durch gezielte Pflege, die Einbringung klimastabiler Baumarten und partizipative Umweltbildung soll der Stadtwald weiterhin die Verbindung von Natur und Stadt stärken, ökologische Risiken mindern und das grüne Herzstück einer resilienten, nachhaltigen Stadtentwicklung bleiben. Kontinuierlich werden Prozesse, Verwaltungsabläufe, Infrastruktur, Erholungseinrichtungen und die Ausstattung des Forstbetriebs an sich verändernde Anforderungen angepasst – von Sicherheitsausrüstung über Maschinen bis hin zu spezialisierten Forstgeräten. Ein engagiertes Team und hochqualifiziertes Fachpersonal bilden die Grundlage für diese Transformation. Die Erkenntnisse der Befragung fließen in die im Jahr 2027 anstehende forstliche Planung (Forsteinrichtung) für die kommenden zehn Jahre ein. Anhang: Datenblätter zu Schwerpunktthemen des Forstamtes -- 4 of 4 --