Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den indischen Partnermetropolen – Aktueller Stand und weitere Vorgehensweise
| Vorlage: | 2026/0143 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 17.02.2026 |
| Letzte Änderung: | 27.03.2026 |
| Unter Leitung von: | Wirtschaftsförderung |
| Erwähnte Stadtteile: | Rüppurr |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 24.03.2026
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0143 Eingang: 17.02.2026 Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den indischen Partnermetropolen – Aktu-eller Stand und weitere Vorgehensweise Anfrage: FDP|FW Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.03.2026 26 Ö Kenntnisnahme 1. Wie sieht der aktuelle Stand zur Anwerbung von Fachkräften aus den indischen Partnerstädten für Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe aus? Konnten in Gesprächen bereits erste Ergebnisse erzielt werden? 2. Welche Erfolge konnte die Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe schon hinsichtlich des Zuzugs von indischen Fachkräften für das „Pflegebündnis TechnologieRegion Karlsruhe“ für Karlsruher Kliniken und Einrichtungen erreichen? Wie viele Pflegekräfte konnten seit Februar 2024 gewonnen werden? 3. Welche Bilanz zieht die Wirtschaftsförderung im Hinblick auf die Anwerbung von Personen für den Bereich Mobilität bzw. die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) seit Februar 2024? Wie sehen hier die weiteren Konzepte für die Gewinnung von Fachkräften aus? 4. Wie ist der generelle aktuelle Stand zum Recruiting von Fachkräften aus den indischen Partnerstädten für die verschiedenen Wirtschafts- und Wissenschaftsbereiche Karlsruhes (Handwerk, IT, Hochschulen etc.)? Welche weiteren Schritte sind hier seitens der Wirtschaftsförderung geplant, um die ökonomische Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit Karlsruhes zu stärken? Sachverhalt / Begründung: Die Partnerschaft der Stadt Karlsruhe mit dem indischen Bundesstaat Maharashtra konnte in den vergangenen Jahren weiter vertieft werden. Erst kürzlich intensivierten Vertreter Karlsruhes im Rahmen einer Reise durch die Städte Pune, Mumbai, Nagpur und Hyderabad die Außenbeziehungen zu diesen Metropolen. Dabei können alle Seiten im Hinblick auf den kulturellen Austausch und die wirtschaftlichen Chancen von diesen Kooperationen profitieren, wenn diese sinnvoll und zielgerichtet ausgerichtet sind. -- 1 of 2 -- – 2 – Im Hinblick auf eine breitere Zusammenarbeit in unterschiedlichen Wirtschaftsbereichen hatte die damalige FDP-Fraktion bereits im Jahr 2023 eine Anfrage zum Stand der Partnerschaft mit der indischen Stadt Pune eingereicht, um die Möglichkeiten und Perspektiven für verschiedene Wirtschaftszweige und für den Pflegebereich in Karlsruhe in Erfahrung zu bringen. Hierbei wurde in der Stellungnahme insbesondere der Ausbau der Partnerschaft für die Bereiche IT, Pflege und Mobilität in Aussicht gestellt (Vorlage Nr.: 2023/1378). Auch hinsichtlich des Personalmangels in Karlsruher Kindertageseinrichtungen stellte die FDP/FW- Fraktion in der Gemeinderatssitzung vom 24. Juni 2025 die Nachfrage zu einer möglichen Kooperation zum Zuzug von pädagogischen Zusatzkräften aus Indien. Daraufhin wurde mündlich zugesagt, diese Anregung für weitere bilaterale Gespräche aufzunehmen (Protokoll zu TOP 25; Vorlage: 2025/0461). Als Beispiel kann hier u.a. die Stadt Heidelberg genannt werden, die aktuell 14 pädagogische Fachkräfte aus Kolumbien gewinnen konnte (https://www.heidelberg.de/Stadtblatt/start/stadtblatt- artikel+in+der+uebersicht/11_02_2026+neue+fachkraefte+fuer+kitas+aus+kolumbien.html). Vor dem Hintergrund der jüngsten Reise der Karlsruher Delegation durch die verschiedenen Metropolen Pune, Mumbai, Nagpur und Hyderabad sollte nun ein weiteres Zwischenfazit zu konkreten Ergebnissen und Entwicklungen in den Beziehungen gezogen werden. Nur so kann herausgearbeitet werden, in welchen Bereichen Austauschprozesse im Sinne der Karlsruher Bevölkerung und Wirtschaft noch verstetigt, ausgeweitet und beschleunigt werden müssen. Unterzeichnet von: Dr. Stefan Noé Thomas H. Hock Annette Böringer Petra Lorenz -- 2 of 2 --
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Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0143 Verantwortlich: Dez. Dienststelle: Wirtschaftsförderung Wirtschaftliche Zusammenarbeit mit den indischen Partnermetropolen – Aktueller Stand und weitere Vorgehensweise Anfrage: FDP|FW Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.03.2026 26 Ö Kenntnisnahme Die Gewinnung Internationaler Fachkräfte ist in der Strategie der Wirtschaftsförderung als Teilziel „Erschließung von Personal- und Innovationsmärkten in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern“ definiert. Diese regionalen Partner sind insbesondere das Welcome Center in der TechnologieRegion Karlsruhe, als Vollzeit-Anlaufstelle für internationale Fachkräfte und Unternehmen, die im internationalen Umfeld Fachkräfte beschäftigen oder beschäftigen möchten. Das Thema Gewinnung von Fachkräften aus Indien hat seit der Delegationsreise unter Leitung von Oberbürgermeister Dr. Mentrup 2023 Fahrt aufgenommen, bei der zum ersten Mal indische Ausbildungseinrichtungen besucht wurden. Seither hat insbesondere das Land Baden-Württemberg Anstrengungen unternommen, um Partnerschaften zur Gewinnung von Fachkräften zu intensivieren. Zur Beantwortung der gestellten Fragen wurden die Kenntnisstände und Einschätzungen des Welcome Centers in der TechnologieRegion, der Handwerkskammer, des Pflegebündnisses in der TechnologieRegion, der Karl Friedrich-, Leopold- und Sophien-Stiftung/Wohnstift Rüppurr, des Badischen Landesvereins für Innere Mission (BLV) sowie der Karlsruher Verkehrsbetriebe eingeholt. Im Folgenden werden die Ergebnisse der Abfrage zusammengefasst: 1. Wie sieht der aktuelle Stand zur Anwerbung von Fachkräften aus den indischen Partnerstädten für Kindertageseinrichtungen in Karlsruhe aus? Konnten in Gesprächen bereits erste Ergebnisse erzielt werden? Die spezifische Anwerbung von Erzieherinnen aus Indien war weder bei den bisherigen Reisen des Landes zum Thema Fachkräfte noch bei den bestehenden Kontakten nach Indien angesprochen worden. Ausgebildete Fachkräfte mit einer anerkannten pädagogischen Ausbildung für den frühkindlichen Bereich sind nicht verfügbar, da es keine standardisierte Ausbildung für Erzieherinnen in Indien gibt. 2. Welche Erfolge konnte die Wirtschaftsförderung der Stadt Karlsruhe schon hinsichtlich des Zuzugs von indischen Fachkräften für das „Pflegebündnis TechnologieRegion Karlsruhe“ für Karlsruher Kliniken und Einrichtungen erreichen? Wie viele Pflegekräfte konnten seit Februar 2024 gewonnen werden? Die Wirtschaftsförderung selbst hat für die Gewinnung von indischen Fachkräften für Soziale Berufe sowie Berufe aus der Gesundheitswirtschaft bisher keine konkreten Anknüpfungspunkte. Die Anbahnung wird vielmehr gesteuert über das Pflegebündnis der TechnologieRegion. -- 1 of 4 -- – 2 – Der Badische Landesverein (BLV) - als Mitglied des Pflegebündnisses - hat beispielsweise in seinen Einrichtungen knapp 800 Mitarbeitende aus 60 Nationen, davon 100 Auszubildende. Seit knapp drei Jahren werden gezielt Fachkräfte aus Indien angeworben. Über 30 indische junge Menschen befinden sich derzeit in Ausbildung zu den Berufsbildern Pflegehelfer/-in (1-jährig), Pflegefachmann/-frau (3-jährige Ausbildung), Heilerziehungspfleger/-in (3-jährig). Die meisten von ihnen waren vorher im Rahmen eines Freiwilligen Sozialen Dienstes beim BLV tätig. Der BLV investiert intensiv in die Bindung der Auszubildenden, in dem er Wohnraum zur Verfügung stellt und den gesamten Onboarding- und Ausbildungsprozess intensiv begleitet, von der Zusammenarbeit mit den Ausländerbehörden bis hin zur Beratung bei gesundheitlichen Problemen. Auch die Karl Friedrich-, Leopold- und Sophien-Stiftung - KFLS/Wohnstift Rüppurr (kein Mitglied des Pflegebündnisses) hat aktuell neun indische Pflegefachkräfte im Einsatz, die bis zur Anerkennung als Pflegehilfskräfte eingesetzt werden. Seit April sind zudem sechs indische Auszubildende aus der Pflege beschäftigt. Eine Vielzahl indischer Pflegekräfte stammt aus dem südindischen Bundesstaat Kerala. Aufgrund einer hohen Ausbildungsdichte im Pflegebereich und begrenzter lokaler Arbeitsplätze hat sich dort eine "Nursing Economy" entwickelt, die den „Export“ von Fachkräften fördert. Hauptgrund ist die Ausbildungsqualität: Kerala hat einen sehr hohen Standard in der Pflegeausbildung (Bachelor of Science in Nursing) und eine hohe Alphabetisierungsrate. Die Vermittlung von Pflegekräften aus Kerala erfolgt zum einen über private Vermittlungsagenturen, zum anderen über das "Triple Win"- Programm der Zentralen Auslands- und Fachvermittlung (ZAV) der Bundesagentur für Arbeit und der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Zusammenarbeit mit Norka-Roots, einer Regierungsbehörde in Kerala. 3. Welche Bilanz zieht die Wirtschaftsförderung im Hinblick auf die Anwerbung von Personen für den Bereich Mobilität bzw. die Verkehrsbetriebe Karlsruhe (VBK) seit Februar 2024? Wie sehen hier die weiteren Konzepte für die Gewinnung von Fachkräften aus? Seit Februar 2024 wurden Initiativen der Verkehrsbetriebe zur Gewinnung von Fachkräften durch die Vermittlung von Kontakten zum Servicedesk des Landes Baden-Württemberg sowie zu privaten Vermittlungsagenturen aus Indien und Deutschland unterstützt. Im Prozess der Prüfung haben sich zum einen formale Einschränkungen bei den Visa-Vorschriften auf Bundesebene ergeben. Zudem sind Straßenbahnfahrer*innen (VBK, Ausbildungsdauer 3 Monate) und Triebfahrzeugführer*innen (AVG, Ausbildungsdauer 12 Monate) Quereinsteigerberufe und keine anerkannten Ausbildungsberufe. Das führt dazu, dass die angeworbenen Kräfte (aus dem außereuropäischen Ausland) nur unter bestimmten schwierigen Voraussetzungen eine Arbeits- und Aufenthaltserlaubnis bekommen können. Des Weiteren hat sich das Bewerberaufkommen erhöht, so dass die Stellen mit inländischen Bewerber*innen besetzt werden können. Bei den Triebfahrzeugführer*innen hat sich die Bewerber*innenlage auch verbessert. Aufgrund der Bedingungen verfolgen die Verkehrsbetriebe Karlsruhe den Weg der Anwerbung aus Indien im Moment nicht weiter. -- 2 of 4 -- – 3 – 4. Wie ist der generelle aktuelle Stand zum Recruiting von Fachkräften aus den indischen Partnerstädten für die verschiedenen Wirtschafts- und Wissenschaftsbereiche Karlsruhes (Handwerk, IT, Hochschulen etc.)? Welche weiteren Schritte sind hier seitens der Wirtschaftsförderung geplant, um die ökonomische Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit Karlsruhes zu stärken? An den Karlsruher Hochschulen, insbesondere am KIT, sind indische Studierende die am schnellsten wachsende Gruppe ausländischer Studentinnen und Studenten. Mehr als 600 Personen indischer Herkunft waren im Semester 2025/2026 am KIT immatrikuliert. Ziel der Wirtschaftsförderung ist es, Projekte zu fördern, um die Zielgruppe der Studierenden stärker dafür zu gewinnen, in Karlsruhe und der Region zu bleiben - zum einen, um den regionalen Arbeitsmarkt zu nutzen, zum anderen, um hier in der Region zu gründen. Bisher kehrt der größere Teil der Absolventinnen und Absolventen wieder nach Indien zurück oder versucht in einem englischsprachigen Land Fuß zu fassen. Die Wirtschaftsförderung fungiert an dieser Stelle auch als Bindeglied zur TechnologieRegion Karlsruhe und den verschiedenen Kammern. Im Welcome Center der TechnologieRegion Karlsruhe wurden im Jahr 2025 sechzig indische Fachkräfte beraten. Zum Vergleich: 2018 waren es fünf Beratungen und 2023 fünfundzwanzig Beratungen. Aufschlüsselung nach Berufsgruppen - siehe Tabelle: Zuletzt fand vom 7. bis 13. Februar 2026 eine Delegationsreise von Handwerk International Baden- Württemberg, einem Geschäftsbereich der Handwerkskammer Region Stuttgart, nach Maharashtra (Indien) statt. Es handelte sich um eine Geschäftsanbahnungsreise für baden-württembergische Betriebe aus der Metallbranche und dem hochwertigen Innenausbau mit dem zusätzlichen Fokus Fachkräftegewinnung. Berufsgruppen Anzahl IT-Branche 25 Baugewerbe 6 Metallverarbeitung & Technik 5 Labor, Chemie, Physik, Biologie 5 Elektrotechnik 4 Fahrzeugtechnik & Automobilindustrie 3 Hotel & Gaststättengewerbe 3 Logistik 2 Information & Kommunikation 2 Kreative & künstlerische Berufe 1 Pflegeberufe 1 Büro & Kaufmännische Angestellte 1 Dienstleistungen 1 Banken & Versicherungen 1 Gesamt 60 -- 3 of 4 -- – 4 – Die TechnologieRegion - und somit auch Karlsruhe – ist fest in die Kooperation Baden- Württemberg & Maharashtra eingebunden ist und profitiert somit von den verschiedenen Ansätzen im wirtschaftlichen als auch sozio-kulturellen Kontext. Auch die Handwerkskammer Karlsruhe steht im Zusammenhang mit der Gewinnung und Betreuung von (künftigen) Fachkräften aus indischen Partnerstädten seit mehreren Jahren sowohl mit den entsprechenden Ansprechpartnern bei der Stadt Karlsruhe, insbesondere dem India-Board Karlsruhe, als auch mit der TechnologieRegion Karlsruhe, vor allem dem Welcome Center, im engen und regelmäßigen Austausch. Der Schwerpunkt der Tätigkeit der Handwerkskammer liegt allerdings weniger in der Rekrutierung, sondern mehr in der Unterstützung von Betrieben und Zugewanderten auf dem Weg in ein Praktikum und die Ausbildung. -- 4 of 4 --