Ausrichtung des Karlsruher Jugendschutzes

Vorlage: 2026/0090
Art: Anfrage
Datum: 02.02.2026
Letzte Änderung: 13.03.2026
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 24.03.2026

    TOP: 24

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0090 Eingang: 02.02.2026 Ausrichtung des Karlsruher Jugendschutzes Anfrage: CDU Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.03.2026 24 Ö Kenntnisnahme 1. Wie bewertet die Stadtverwaltung die Ergebnisse der „Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen“? 2. Welche Trends beim Konsum illegaler Substanzen und Drogen lassen sich für Karlsruhe beobachten? 3. Wie reagiert der Karlsruher Jugendschutz darauf? 4. Welche Rolle spielen (illegale) E-Zigaretten an Karlsruher Schulen? 5. Inwiefern kann der Fokus des Jugendschutzes angesichts des zunehmenden Konsums von E-Zigaretten wieder auf präventive Maßnahmen bei Großveranstaltungen gelegt werden? 6. Wie kann ehrenamtliches Engagement bei der Präventionsarbeit aktiviert und eingebunden werden? Sachverhalt / Begründung In den letzten Jahren ist der Alkoholkonsum und -missbrauch bei Jugendlichen bundesweit deutlich zurückgegangen. Infolgedessen wurden frühere Präventionsprogramme wie die sogenannten Jugendschutzteams (aus SJB + OA), die vor allem auf Alkoholprävention bei Großveranstaltungen fokussiert waren, in ihrer ursprünglichen Form nicht weitergeführt. Im Jahr 2024 wurde das Konzept entsprechend angepasst und konzentriert sich nun auf den Konsum von illegalen Drogen in der Partyszene. Ganz grundsätzlich begrüßen wir es, dass sich der Karlsruher Jugendschutz flexibel am sich wandelnden Konsumverhalten der Jugendlichen orientiert und zielgenau eingreifen kann. Allerdings kommt die „Europäische Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen“ der European Union Drugs Agency (https://www.euda.europa.eu/publications/data-factsheets/espad-2024-key- findings_de) aus dem Jahr 2025 zu dem Ergebnis, dass der Konsum illegaler Drogen durch Jugendliche eher rückläufig ist. Demgegenüber haben E-Zigaretten in der jüngsten Zeit immer mehr an Relevanz gewonnen: diese enthalten oftmals zu viel Nikotin und fördern daher insbesondere auch bei Jugendlichen in der Wachstumsphase das Risiko, später auch zu Zigaretten und anderen Substanzen zu greifen. Vapes – teils auch mit nicht deklarierten oder illegalen Substanzen (d.h. THC-Vapes, synthetische Cannabinoide, Mischsubstanzen usw.) – sind längst im Alltag junger Menschen angekommen, etwa im schulischen Umfeld, im öffentlichen Raum und auf Großveranstaltungen. Anders als Partydrogen -- 1 of 2 -- – 2 – beschränken sich E-Zigaretten also nicht vorrangig auf nur eine Zielgruppe, sondern betreffen deutlich mehr Personen und jüngere Altersgruppen. Vor diesem Hintergrund fragen wir, wie der Karlsruher Jugendschutz auf dieses Konsumverhalten reagiert, und bitten um die Beantwortung obiger Fragen. Unterzeichnet von: Stadtrat Detlef Hofmann Stadtrat Andreas Kehrle -- 2 of 2 --

  • Stellungnahme Anfrage
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0090 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Ausrichtung des Karlsruher Jugendschutzes Anfrage: CDU Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.03.2026 24 Ö Kenntnisnahme 1. Wie bewertet die Stadtverwaltung die Ergebnisse der „Europäischen Schülerstudie zu Alkohol und anderen Drogen“? Es ist erfreulich, dass der Alkohol- und Tabakkonsum bei Jugendlichen seit einigen Jahren rückläufig ist und dass sich die Befürchtung, mit der Teillegalisierung von Cannabis würde der Konsum dieser Droge drastisch zunehmen, nicht bestätigt hat, sondern dass auch hier der Konsum bei Jugendlichen zurück geht. Gleichwohl gibt die Zunahme des Konsums von E-Zigaretten, das Thema Gaming und Medienkonsum ebenso wie die zunehmende Verfügbarkeit von hochpotenten synthetischen Opioiden und der ris- kante Suchtmittelkonsum dieser Substanzen Anlass zur Sorge. Die Suchtprävention muss diese Entwicklungen im Blick haben und ihre Angebote bedarfsgerecht wei- terentwickeln und anpassen. 2. Welche Trends beim Konsum illegaler Substanzen und Drogen lassen sich für Karlsruhe be- obachten? Karlsruhe führt zwar keine eigenen Erhebungen durch, die Erfahrungen aus den verschiedenen Prä- ventionsveranstaltungen, Gesprächen mit der Zielgruppe und mit Fachleuten aus Jugendhilfe und Dro- genhilfe bestätigen die Ergebnisse der in der Anfrage zitierten Schülerstudie auch für Karlsruhe. 3. Wie reagiert der Karlsruher Jugendschutz darauf? Der Karlsruher Jugendschutz reagiert auf das sich wandelnde Konsumverhalten von Kindern und Ju- gendlichen auf mehreren Ebenen: Ein zentraler Baustein ist die bereits umgesetzte Neuausrichtung im Rahmen des Partydrogenpräventionsangebots „HarmLess“, das sich gezielt an junge Menschen mit riskantem Konsumverhalten richtet. Ziel ist es, insbesondere im Party- und Veranstaltungskontext nied- rigschwellig über Risiken aufzuklären, zur Reflexion des eigenen Konsums anzuregen und gesundheits- gefährdende Entwicklungen frühzeitig zu verhindern. Ergänzend dazu arbeiten das Präventionsbüro SUCHT, das Kinderbüro sowie das Ordnungsamt eng zusammen, um die Einhaltung jugendschutzrechtlicher Bestimmungen im Verkaufsumfeld zu stärken. In diesem Rahmen werden Kioskbetreibende gezielt angesprochen und für ihre Verantwortung im Ju- gendschutz sensibilisiert. Über ein gemeinsames Anschreiben aller beteiligten Stellen erhalten die Be- triebe umfassende Informationsmaterialien - teilweise mehrsprachig - zu gesetzlichen Vorgaben sowie zu den Risiken des Konsums von Alkohol und Tabak- und Nikotinprodukten durch Minderjährige. -- 1 of 2 -- – 2 – 4. Welche Rolle spielen (illegale) E-Zigaretten an Karlsruher Schulen? Der Konsum von E-Zigaretten und Vape-Pens stellt derzeit das prägende Thema im Bereich des Sub- stanzkonsums an den weiterführenden Schulen Karlsruhes dar. Nach Rückmeldungen von Schulen, Schulsozialarbeit und Präventionsfachkräften beginnt die Relevanz dieses Themas bereits ab den unte- ren Klassenstufen. Diese Entwicklungen führen dazu, dass Schulen zunehmend nicht nur mit Regelverstößen, sondern auch mit suchtpräventiven Fragestellungen konfrontiert sind. Das Präventionsbüro SUCHT reagiert hie- rauf im Rahmen der personellen Möglichkeiten mit einem erweiterten präventiven Schwerpunkt im Bereich Nikotin- und Vape-Konsum. 5. Inwiefern kann der Fokus des Jugendschutzes angesichts des zunehmenden Konsums von E- Zigaretten wieder auf präventive Maßnahmen bei Großveranstaltungen gelegt werden? Eine stärkere Fokussierung des Jugendschutzes auf Großveranstaltungen ist im Hinblick auf den Kon- sum von E-Zigaretten nur sehr eingeschränkt zielführend. Vapes stellen kein primär veranstaltungsbe- zogenes Phänomen dar, sondern sind Ausdruck eines alltäglichen, lebensweltlich verankerten Kon- summusters. Sie werden im schulischen Umfeld, im öffentlichen Raum, in Freundesgruppen sowie im familiären Kontext genutzt – nicht überwiegend in Party- oder Eventsituationen. Damit unterscheidet sich die aktuelle Lage grundlegend von der früheren Schwerpunktsetzung des Ju- gendschutzes im Bereich Alkohol. Die klassische Alkoholprävention bei Großveranstaltungen war not- wendig, weil dort akute Gefährdungslagen auftraten, etwa: ▪ lebensbedrohliche Alkoholvergiftungen, ▪ unmittelbare körperliche Verletzungen durch Kontrollverlust, ▪ aggressionsbedingte Gewaltdelikte, ▪ sexualisierte Übergriffe in intoxikierten Situationen, ▪ massive Beeinträchtigungen der öffentlichen Sicherheit. Der Konsum von E-Zigaretten zeigt dagegen eine andere Risikostruktur: ▪ keine Rauschzustände, ▪ keine unmittelbaren Gefährdungssituationen für Dritte, ▪ keine typische Eskalationsdynamik in Großveranstaltungskontexten, ▪ stattdessen schleichende Entwicklung von Nikotinabhängigkeit, ▪ gesundheitliche Langzeitrisiken, ▪ möglicher Übergang zu weiteren Substanzen. Das Problem ist somit nicht ereignisbezogen, sondern ein kontinuierliches Alltags- und Lebenswelt- thema. 6. Wie kann ehrenamtliches Engagement bei der Präventionsarbeit aktiviert und eingebunden werden? Ehrenamtliches Engagement ist ein wichtiges Element in der Präventionsarbeit. So ist der Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Karlsruhe e.V. seit vielen Jahren ein wichtiger ehrenamtlich arbeitender Koope- rationspartner des Präventionsbüros SUCHT im Projekt „Sucht in kleinen Dosen“. Regelmäßig wird ehrenamtliches Engagement in der Präventionsarbeit durch gezielte Schulungen, klare Aufgabenbereiche und kontinuierliche Begleitung aktiviert. So wurden aktuell im Projekt „HarmLess“ bereits mehrere Schulungen für Peers und Ehrenamtliche durchgeführt, um sie für prä- ventive Maßnahmen zu qualifizieren und handlungsfähig zu machen. Peers schaffen dabei besonders niedrigschwellige Zugänge und vermitteln Botschaften authentisch. -- 2 of 2 --