Kritische Einordnung und Analyse des außergewöhnlichen Anstiegs der Heizkosten in Karlsruhe für das Jahr 2025

Vorlage: 2026/0024
Art: Anfrage
Datum: 16.01.2026
Letzte Änderung: 13.03.2026
Unter Leitung von: Dezernat 4
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 24.02.2026

    TOP: 16

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Anfrage
    Extrahierter Text

    Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0024 Eingang: 16.01.2026 Kritische Einordnung und Analyse des außergewöhnlichen Anstiegs der Heizkosten in Karlsruhe für das Jahr 2025 Anfrage: FDP|FW Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.02.2026 16 Ö Kenntnisnahme 1. Wie ist der größere Anstieg bei den Heizkosten in Karlsruhe für das Jahr 2025 gegenüber 2024 im Vergleich zu anderen Städten Baden-Württembergs und des Bundesgebiets zu erklären und einzuordnen? 2. Wie gingen die Stadtwerke Karlsruhe beim käuflichen Erwerb von Gas für die Bevölkerung genau vor? Sind hier Fehler beim Einkauf unterlaufen? 3. Wie lässt sich der überdurchschnittliche Kostenanstieg beim Heizen mit Fernwärme im Jahr 2025 begründen? 4. Welche allgemeinen Kostenentwicklungen sind zukünftig beim Heizen mit Fernwärme zu erwarten? a) Wie ist dieser Trend der Kostentwicklung beim Energieträger Fernwärme zu erklären? b) Wie kann hier ein Kostenanstieg zukünftig vermieden werden? 5. Was unternehmen die Stadt und Stadtwerke Karlsruhe zukünftig, um insbesondere nach sehr kalten Winterperioden die Heizkosten für die Bürgerinnen und Bürger – wie in anderen Städten – erschwinglich zu gestalten? Auf welche Aspekte soll beim Einkauf von Energieträgern zukünftig stärker geachtet werden, um der sozialen Verantwortung für die Karlsruher Bevölkerung besser nachkommen zu können? Sachverhalt / Begründung: Für Baden-Württemberg wird für das Jahr 2025 ein höherer Heizkostenanstieg als in anderen Bundesländern prognostiziert. Hier wird mit einer Steigerung gegenüber 2024 um 14,2 Prozent gerechnet (Vergleich Bundesdurchschnitt: Steigerung um 8,6 Prozent) (https://www.swr.de/swraktuell/baden-wuerttemberg/heikosten-steigen-kalter-winter-100.html). Von den 52 analysierten Städten in der bundesweiten Betrachtung wird für Karlsruhe sogar der größte Heizkostenanstieg mit einer Steigerung von 21 Prozent gegenüber 2024 erwartet. Auch vor dem Hintergrund längerer Kältewochen, die den aktuellen Winter kennzeichnen, stellt sich daher die Frage, weshalb gerade Karlsruhe im Vergleich zu den sowieso schon hochpreisigen Städten Baden-Württembergs hinsichtlich der Heizkosten eine Spitzenposition für das Jahr 2025 einnimmt. Da u.a. insbesondere Karlsruher Haushalte mit Gasheizungen zeitnah mit stark erhöhten Rechnungskosten konfrontiert werden, sollte auch die Vorgehensweise der Stadtwerke Karlsruhe beim Einkauf von Gas genauer analysiert und hinsichtlich möglicher fehlerhafter Schritte und Entscheidungen überprüft werden. -- 1 of 2 -- – 2 – Im Hinblick auf das Heizen mit Fernwärme sollte seitens der Stadtwerke Karlsruhe ebenso ein größerer Fokus auf aktuelle überdurchschnittliche und zu-künftige Kostenentwicklungen gerichtet werden. Da für die Kundinnen und Kunden hier keine Möglichkeit des Anbieterwechsels besteht und diese auf den Bezug über die städtische Gesellschaft angewiesen sind, sollten noch-mals genauere Nachforschungen vorgenommen und zentrale Fragen beantwortet werden. Die Stadt und die Stadtwerke Karlsruhe tragen eine besondere Verantwortung für ihre Bevölkerung. Der Versorgungsauftrag muss dabei gewissenhaft und sorgfältig ausgeübt werden, um eine gute und tragbare Lösung bei der Bereit-stellung von Energieträgern erreichen zu können. Unterzeichnet von Stadtrat Dr. Stefan Noé Stadtrat Thomas H. Hock Stadträtin Annette Böringer Stadträtin Petra Lorenz -- 2 of 2 --

  • Stellungnahme Anfrage
    Extrahierter Text

    Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2026/0024 Verantwortlich: Dez. 4 Dienststelle: Stadtwerke Kritische Einordnung und Analyse des außergewöhnlichen Anstiegs der Heizkosten in Karlsruhe für das Jahr 2025 Anfrage: FDP Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.02.2026 16 Ö Kenntnisnahme 1. Wie ist der größere Anstieg bei den Heizkosten in Karlsruhe für das Jahr 2025 gegenüber 2024 im Vergleich zu anderen Städten Baden-Württembergs und des Bundesgebiets zu erklären und einzuordnen? Ursächlich für den Anstieg der Heizkosten in Karlsruhe sind vor allem die kälteren Witterungsbedingungen, die 2025 zu einem höheren Heizbedarf bei den Bürgerinnen und Bürgern geführt haben als im Jahr davor. Aber auch die strukturelle Marktbedingungen erklären den Anstieg. Während 2024 etwa 740,2 GWh an Fernwärme abgenommen wurden, waren es im Jahr 2025 rund 770,2 GWh (+ 4 %; vorläufige Annahme). Im Erdgas ist ein leichter Verbrauchsrückgang (- 2,7 %; vorläufige Annahme) zu verzeichnen. Dieser erklärt sich trotz kälterer Temperaturen darüber, dass sich die Haushalte sukzessive von dem fossilen Energieträger lösen und auf alternative Energiearten wie Fernwärme oder Wärmepumpe umsteigen. Während die Kosten für Fernwärme über die letzten zwei Jahre unter Anwendung der vertraglich vereinbarten Preisanpassungsformeln der Stadtwerke Karlsruhe GmbH (SWK) um rd. 8% gesunken sind, musste der Arbeitspreis im Erdgas – aufgrund gestiegener Netzentgelte – um rd. 16% zum 01.03.2025 erhöht werden. Generell liegen die Fernwärmepreise bundesweit auf einem hohen Niveau und verzeichnen einen allgemeinen Kostenanstieg. Das zeigt auch der Techem Atlas 2025 (siehe Abb. 1). Hintergrund dabei ist, dass die Kosten für die Erzeugung und Verteilung der Wärme auf ein verhältnismäßig kleineres Marktgebiet im Vergleich zu Strom und Gas verteilt werden müssen. Dies wird sich im Zuge des Ausbaus der Fernwärme langfristig relativieren. Eine weitere Rolle spielt der Energieeinsatz, mit dem die Fernwärme erzeugt wird. Die Preise sind dabei abhängig von den Energiemarktentwicklungen, wobei diese immer erst zeitverzögert, spürbar werden – speziell im Rahmen einer Heizkostenabrechnung. Grundsätzlich ist auch der Aufsichtsrat der SWK in die strategischen Entscheidungen eingebunden; dies betrifft sowohl die Einbindung in die Beschaffungsstrategie als auch in die Festsetzung bzw. Änderung der Versorgungstarife. -- 1 of 4 -- – 2 – Abbildung 1: Techem Atlas 2025 (2026) Im Vergleich mit anderen regionalen Städten liegt der Karlsruher Fernwärmepreis jedoch deutlich unterhalb des Preises anderer Städte. Er konnte am 01.04.2025 sogar um 11 % abgesenkt werden. Abbildung 2: Fernwärmepreisvergleich für ein Einfamilienhaus (Stand: 01.04.2025) -- 2 of 4 -- – 3 – 2. Wie gehen die Stadtwerke Karlsruhe beim käuflichen Erwerb von Gas für die Bevölkerung vor? Sind hier Fehler beim Einkauf unterlaufen? Die Gasbeschaffung ist auf unterschiedliche Arten möglich: entweder zu einem Stichtag oder in Tranchen. Die SWK beschafft über Tranchen. Das heißt, es wird an vielen unterschiedlichen Zeitpunkten Gas beschafft. Der Gaseinkauf erfolgt mit einer Vorlaufzeit von über einem Jahr vor der tatsächlichen Belieferung. Der erzielte Durchschnittspreis aus den einzelnen Tranchen ist dann immer für 6 Monate gültig und ist dadurch in der Regel vorteilhaft. Durch diese Vorgehensweise erfolgt die Weitergabe von Marktbewegungen etwas zeitverzögert. Da die Beschaffung zu großen Teilen an einen Vorversorger ausgeschrieben wird, der das volle Temperaturrisiko trägt, ergibt sich hier eine zusätzliche Kostenposition. Die SWK haben sich – mit dem Aufsichtsrat - bewusst für diese Art der Beschaffung und gegen eine Beschaffung an einem bestimmten Stichtag entschieden. Bei sinkenden Märkten erzielen die Stadtwerke dadurch einen teureren Preis als Unternehmen, die auf eine Stichtagsbeschaffung setzen. Bei steigenden Märkten ist dagegen der Stadtwerke-Preis deutlich geringer als Vergleichspreise anderer Unternehmen. Diese langfristige Beschaffungsstrategie schützt das Unternehmen und die Kundinnen und Kunden vor kurzfristigen Preissprüngen, schafft Planungssicherheit und lagert das Temperaturrisiko aus. Die Stadtwerke Karlsruhe setzen damit in unsicheren Energiemarkt-Zeiten auf eine sichere Energieversorgung, die langfristig einen stabilen Preis garantiert. 3. Wie lässt sich der überdurchschnittliche Kostenanstieg beim Heizen mit Fernwärme im Jahr 2025 begründen? Siehe Ausführungen zu Frage 1. Da sich die Energiepreise mittlerweile wieder stabilisiert haben, konnte der Fernwärme- Arbeitspreis am 01.04.2025 um rund 11 % abgesenkt werden. Für den 01.04.2026 bleibt der Arbeitspreis voraussichtlich konstant. 4. Welche allgemeinen Kostenentwicklungen sind zukünftig beim Heizen mit Fernwärme zu erwarten? Die Fernwärmepreise werden jedes Jahr zum 1. April überprüft und angepasst. Dabei nutzen die Stadtwerke Karlsruhe die vertraglich vereinbarten Preisformeln. Bei den Preisformeln – den sogenannten Preisänderungsklauseln – handelt es sich um mathematische Formeln, die gesetzlichen Vorgaben folgen müssen. Sie sind so ausgestaltet, dass nicht nur die tatsächlichen Kosten für Erzeugung und Betrieb der Fernwärme, sondern auch die Entwicklungen auf dem Wärmemarkt berücksichtigt werden. Das macht die Karlsruher Fernwärmepreise transparent, nachvollziehbar und fair. Eine Vorhersage, wie sich die Kosten in Zukunft entwickeln werden, ist dabei dennoch nicht möglich, da die Fernwärmepreise an den Energiemarkt gekoppelt sind und von politischen und gesellschaftlichen Ereignissen geprägt werden. a) Wie ist dieser Trend der Kostentwicklung beim Energieträger Fernwärme zu erklären? Der Verlauf der Fernwärmepreise lässt sich nicht mit einem Faktor erklären. Er ist das Ergebnis mehrerer struktureller, marktlicher und politischer Entwicklungen. Eine zentrale Ursache sind die gestiegenen Brennstoffpreise. So haben sich die Erdgaspreise in den Jahren 2021–2023 zeitweise vervielfacht. Aber auch der Preis für Strom ist deutlich gestiegen. Grund hierfür war der russische Angriff auf die Ukraine der für einen Wegfall günstiger Gasimporte, eine hohe Volatilität an den Energiemärkten und zu teuren Ersatzbeschaffungen führte. Auch wenn sich die Energiemärkte grundsätzlich wieder stabilisiert haben, sind sie noch lange nicht wieder auf dem Niveau von 2021 angekommen. -- 3 of 4 -- – 4 – b) Wie kann hier ein Kostenanstieg zukünftig vermieden werden? Seit 2021 werden fossile Brennstoffe in Deutschland mit einem CO₂-Preis belastet. Die Karlsruher Fernwärme jedoch wird bereits heute zu einem Großteil so erzeugt, dass schon heute nur 78g CO₂ pro kWh anfallen. Bis 2035 soll die Fernwärme komplett CO2-neutral sein, wodurch langfristig der Emissionspreis als Preisbestandteil entfallen wird. Gleichzeitig steigen die CO₂-Abgaben auf Heizöl und Erdgas in den kommenden Jahren deutlich. Die Karlsruhe Fernwärme wird somit perspektivisch günstiger als fossile Brennstoffe werden. 5. Was unternehmen die Stadt und Stadtwerke Karlsruhe zukünftig, um insbesondere nach sehr kalten Winterperioden die Heizkosten für die Bürgerinnen und Bürger – wie in anderen Städten – erschwinglich zu gestalten? Auf welche Aspekte soll beim Einkauf von Energieträgern zukünftig stärker geachtet werden, um der sozialen Verantwortung für die Karlsruher Bevölkerung besser nachkommen zu können? Die SWK setzen aktuell auf eine risikoaverse Beschaffungsstrategie, die kurzfristig – je nach Verhalten der Energiemärkte – im Vergleich zu etwas höheren Energiepreisen führen kann. Langfristig jedoch zahlt sich diese Beschaffungsstrategie aus: Kauft ein Unternehmen langfristig und umsichtig Energie auf den Energiemärkten ein, werden Krisensituationen (z. B. die Energiekrise infolge des Ukraine-Angriffskriegs) sich nicht in gleichem Maße auf die Energiepreise für Kundinnen und Kunden auswirken, wie das bei einer kurzfristigen risikoaffinen Beschaffungsstrategie der Fall wäre. Gerade in unsicheren Zeiten – auch auf den Energiemärkten – ist eine risikoaverse Beschaffungsstrategie daher das beste Mittel, um die Bevölkerung Karlsruhe sozial vor schnell ansteigenden, hohen Energiekosten abzusichern und extreme Preissprünge möglichst zu vermeiden. Darüber hinaus wird auch die zunehmende CO2-neutrale Gestaltung der Karlsruher Fernwärme in den kommenden Jahren einen messbaren Einfluss auf die Energiepreise in Karlsruhe aufgrund der steigenden CO2-Preise haben. Die SWK tragen daher mit ihrer aktuellen Strategie dazu bei, dass die Bürgerinnen und Bürger auch in Zukunft zu einem stabilen, erschwinglichen Preis ihre Immobilien heizen können. -- 4 of 4 --

  • Protokoll GR 24.02.2026 TOP 16
    Extrahierter Text

    Niederschrift 21. Plenarsitzung des Gemeinderates 24. Februar 2026, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 16 der Tagesordnung: Kritische Einordnung und Analyse des außergewöhnlichen Anstiegs der Heizkosten in Karlsruhe für das Jahr 2025 Anfrage: FDP Vorlage: 2026/0024 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 16 zur Behandlung auf und teilt mit, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 27. Februar 2026 -- 1 of 1 --