Entsiegelungskonzept für die Innenstadt
| Vorlage: | 2025/1100 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 18.11.2025 |
| Letzte Änderung: | 20.02.2026 |
| Unter Leitung von: | Stadtplanungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Knielingen, Waldstadt |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 27.01.2026
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: einstimmig beschlossen
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/1100 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: Stadtplanungsamt Entsiegelungskonzept für die Innenstadt Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Planungsausschuss 22.01.2026 5 N Vorberatung Gemeinderat 27.01.2026 10 Ö Entscheidung Kurzfassung Das Entsiegelungskonzept Innenstadt wurde von November 2024 bis November 2025 durch die Bürogemeinschaft bauchplan ).( aus München mit berchtoldkrass space & options aus Karlsruhe als strategische Arbeitshilfe und Leitlinie für die Verwaltung erarbeitet. Zusätzlich wurden erste Pilotplanungen zur Entsiegelung und Umgestaltung des Kronenplatzes und des Passagehofs beauftragt. Die Anlage sowie der dauerhafte Unterhalt von neu entsiegelten Flächen kann bis zu einem Betrag von 200.000 Euro pro Jahr dauerhaft finanziert werden. Wann und in welchem Umfang darüber hinaus die im Konzept beschriebenen Entsiegelungsmodule oder Pilotplanungen umgesetzt werden können, wird im weiteren Verlauf sukzessive durch Konzeptbeschlüsse entschieden. Auch über die Bereitstellung weiterer Haushaltsmittel ist in diesem Zusammenhang sukzessive zu entscheiden. Zuletzt wurde im Planungsausschuss am 24. Juli 2025 (ö) über das Projekt berichtet. 1. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss den Ergebnisbericht des Entsiegelungskonzepts Innenstadt als Leitlinie und Arbeitshilfe für die Verwaltung. 2. Der Gemeinderat nimmt die Vorentwürfe der Pilote Kronenplatz und Passagehof zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO2-Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☒ negativ ☐ geringfügig ☒ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Zukunft Innenstadt, Grüne Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☒ abgestimmt mit SWK, SWK Netzservice GmbH, TSK -- 1 of 5 -- – 2 – Erläuterungen Vorgehen und Inhalte des Konzepts werden in der Anlage 00 (Abschlussbericht Entsiegelungskonzept Innenstadt) ausführlich dargelegt. Die Pilotplanungen zu Kronenplatz und Passagehof sind in der Anlage 01 zu finden. Konzept und Planungen werden in der Gemeinderatssitzung mündlich vorgestellt. Hintergrund Die Verwaltung wurde im Dezember 2023 durch einen mehrheitlich angenommenen Antrag der GRÜNE Fraktion (DHH/2023/3119) damit beauftragt, ein Entsiegelungskonzept für den öffentlichen Raum in der Innenstadt zu erstellen und anschließend stufenweise umzusetzen. Erste wesentliche konzeptionelle Ansätze für eine inklusive und klimagerechte Ausgestaltung der öffentlichen Räume in der Innenstadt gibt das Konzept für „Öffentlichen Raum und Mobilität Innenstadt“ (ÖRMI) vor, das von 2020 bis 2022 in einem umfassenden Beteiligungsprozess erarbeitet wurde. Das Entsiegelungskonzept mit seinen Pilotplanungen baut auf ÖRMI auf, der Planumgriff ist deckungsgleich. Mehr Informationen zum Hintergrund in Anlage (H) – (Ü). Planungsziel In der im April 2025 durch das Amt für Stadtentwicklung veröffentlichten „Bürgerumfrage 2024 – Lebensqualität und Zukunftsfragen“ wird die Klimaanpassung auf Platz zwei der „größten Herausforderungen für die Stadt Karlsruhe in den nächsten 10 bis 15 Jahren“ genannt. Die Entsiegelung von Flächen ist eine zentrale Maßnahme für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels: Regen kann versickern und belastet die Kanalisation nicht, was insbesondere bei Starkregenereignissen wichtig ist. Sind die Flächen begrünt und bestenfalls baumbestanden, heizen sie sich deutlich weniger stark auf als Asphalt oder Pflastersteine, speichern Wärme kürzer, erzeugen Verdunstungskühlung und spenden Schatten. Somit kommt der Ausbau einer blau-grünen- Infrastruktur auch der Aufenthaltsqualität zugute – ein wesentlicher Faktor für die gewünschte Nutzungsmischung der Innenstadt und ihrer Weiterentwicklung zum Begegnungsort. Ergänzend zu Baugrundstücken, die mit dem Bebauungsplan zur Grünordnung und Klimaanpassung, sog. „Grünsatzung Innenstadt“ adressiert werden, bezieht sich das Entsiegelungskonzept auf den öffentlichen Raum. Aktuell prüft die Stadtverwaltung bei jedem Bauvorhaben im öffentlichen Raum Entsiegelungsmöglichkeiten und Baumstandorte. Das Entsiegelungskonzept soll dazu beitragen, solche Entscheidungen künftig zu erleichtern, aber auch Flächen aufzeigen, die sich strategisch für eine proaktive Entsiegelung besonders eignen. Potenzialanalyse Für die Potenzialanalyse wurden folgende Datensätze herangezogen: - Außenraum-Wohlfühlkomfort gemäß UTCI-Standard - Flächennutzung mit Unterscheidung zwischen Fahrbahn, Fuß- und Radwegen, ÖPNV- Haltestellen und PKW-Stellplätzen - Topographische Lage und natürliche Fließrichtungen der öffentlichen Oberflächen - Subjektive Wahrnehmung der öffentlichen Räume aus Beteiligungen - Fußgängerfrequenz - Bevölkerungszahl auf Baublock-Ebene - geplante, öffentliche Tiefbauvorhaben als „Möglichkeitsfenster“ -- 2 of 5 -- – 3 – Mithilfe eines parametrischen Modells wurden die obengenannten Datensätze gewichtet und miteinander verschnitten. Das Ergebnis der Verschneidung zeigt jene Orte der Karlsruher Innenstadt, an denen Entsiegelungsmaßnamen ihre größte Wirkweise entfalten. Je nach örtlicher Gegebenheit können dort die erarbeiteten Entsiegelungsmodule (S-XL) zum Einsatz kommen. Das parametrische Modell ermöglicht es, derartige „Potenzialkarten“ für das gesamte Stadtgebiet zu erstellen. Die Verwaltung plant, diesen Ansatz auch für die Gesamtstadt nutzbar zu machen. Hierfür sind Mittel im Sammelansatz Klimaanpassung 2026 eingeplant. Zielbild und Entsiegelungsmodule Zielbild des Konzepts ist ein blau-grüner Fächer, eine Neuinterpretation der städtebaulich prägenden Karlsruher Fächerstrahlen. Sie sollen künftig als resiliente, blaugrüne Infrastruktur zur Sicherung und Verbesserung des Stadtklimas beitragen und im übertragenen und klimatischen Sinne den Stadtwald in die Innenstadt wirken lassen. Dieses Grundgerüst könnte künftig Extremwetterereignisse wie Hitze- und Trockenperioden oder Starkregenereignisse in der Innenstadt wirkungsvoll abfedern. Des Weiteren wurden Entsiegelungsmodule unterschiedlicher Eingriffsgrößen (S-XL) und Wirkweisen entwickelt und mit Kostenschätzungen für Erstellung und Unterhalt versehen. Als „Modellraum“ für den blau-grünen Fächer wurde die Herrenstraße gewählt, da diese ein besonders heterogenes Raumgefüge aufweist – sie ist teils durch Pkw- und Radverkehr, teils durch Fußgängerverkehr geprägt, es grenzt der Kirchplatz St. Stephan mit Außengastronomie an, die Bebauung hat eine besonders hohe Nutzungsvielfalt. Pilotplanungen im Rahmen der City Transformation Ergänzend zum Entsiegelungskonzept wurden im Gebiet der City-Transformation zwei konkrete Pilotplanungen als Vorentwürfe (Leistungsphasen 1-2 nach HOAI) partizipativ erarbeitet - für den Kronenplatz und den Passagehof (siehe Anlagen 01 und (H) – (B) Beteiligung). Die beiden Piloträume wurden aufgrund ihres Entsiegelungspotenzials sowie ihrer Entwicklungsgeschichte und Transformationsdynamik (Sanierungsgebiet Innenstadt Ost, Reallabor Passagehof) ausgewählt. Sie sollen perspektivisch zu blau-grünen Innenstadträumen weiterentwickelt werden. Umsetzung und dauerhafte Pflege Die Verwaltung wurde neben der Erstellung des Konzepts auch zur sukzessiven Umsetzung von Entsiegelungsmaßnahmen beauftragt. Hierfür sollen entsprechend der mehrheitlich angenommenen Anträge zum Entsiegelungskonzept (DHH/2023/3119 und DHH/2023/3158) 200.000 Euro pro Jahr für die Umsetzung in den Haushalten ab 2026 bereitgestellt werden. Im Sammelansatz Klimaanpassung wurden für die Jahre 2026 und 2027 bereits insgesamt 375.000 Euro für die Umsetzung erster Maßnahmen angemeldet (125.000 Euro in 2026 sowie 250.000 Euro in 2027, siehe Vorlage 2025/0910). Es ist vorgesehen, diese Beträge zunächst für niederschwellige „Upgrades“ durch Belagsänderung bereits eingeplanter Bauvorhaben in der Gesamtstadt einzusetzen und in den Folgejahren vermehrt für die sich aus innerstädtischen Entsiegelungsmaßnahmen ergebende zusätzliche Unterhaltung und Pflege entsiegelter und begrünter Flächen zu verwenden. Dabei wird darauf zu achten sein, dass die zusätzlich entstehenden Unterhaltungskosten dauerhaft aus den 200.000 Euro p.a. finanzierbar bleiben. Um den Prozess zu steuern und insbesondere die Folgekosten im Blick zu behalten, müssen vor der Umsetzung konkreter Entsiegelungsmaßnahmen oder Pilotplanungen Konzeptbeschlüsse eingeholt werden sowie Zuständigkeiten, Finanzierung und Unterhaltung eindeutig geklärt sein. Zudem ist bereits absehbar, dass der Ansatz von 200.000 Euro pro Jahr nicht für großflächige Entsiegelungsmaßnahmen und die daraus folgenden Unterhaltskosten ausreichen wird. Die auf Erfahrungswerten des Büros basierenden groben Kostenschätzungen für die Pflege sind in Anlage 00 – Entsiegelungskonzept (S. 80, Abb. 121) aufgeschlüsselt; die geschätzten Kosten für eine -- 3 of 5 -- – 4 – vollumfängliche Umsetzung der Pilote Kronenplatz und Passagehof in Anlage 01, S.26,27. Im Vorfeld zu den Konzeptbeschlüssen erfolgt die übliche Feinabstimmung mit den Leitungsträgern sowie über die vorhandenen Baulichkeiten und tatsächlichen Kosten. Im Rahmen der Konzeptbeschlüsse zu den einzelnen Maßnahmen ist auch über die weitere Bereitstellung von Haushaltsmitteln sukzessive vom Gemeinderat zu entscheiden. Erläuterungen zur Finanzierung Für die konsumtive Maßnahme der Konzepterstellung wurde ein Budget von 100.000 Euro im Sammelansatz Klimaanpassung reserviert, gefördert mit 65.000 Euro aus dem Landesförderprogramm KLIMOPASS. Ergänzend standen 60.000 Euro aus der „City Transformation“, der Bundesförderung Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren für „umsetzungsorientierte Pilotplanungen in den City- Quartieren“ zur Verfügung: Die benötigten Gesamtkosten der vorliegenden Planungen von 160.000 Euro konnten damit größtenteils über die Fördermittel abgedeckt werden. Für die Umsetzung wurden mit den oben genannten Anträgen die Bereitstellung von 200.000 Euro pro Jahr ab 2026 im Haushalt beschlossen. Dieser Betrag steht wie oben beschrieben im Sammelansatz Klimaanpassung zur Verfügung. Eine Aufteilung des Betrags auf den Investiv- bzw. Konsumtivhaushalt erfolgt nach Bedarf. Weitere Kosten für die Stadt Karlsruhe hängen von Umfang und Zeitschiene von politisch gewünschten und budgetierten Entsiegelungsmaßnahmen ab. Eine Umsetzung wird dadurch begünstigt, dass das Plangebiet zu großen Teilen in den Sanierungsgebieten Innenstadt Ost und Kaiserstraße West liegt. Unabhängig davon wird sich die Verwaltung um die Bewilligung weiterer, ergänzender Fördermittel bemühen. Dabei ist zu beachten, dass Baumaßnahmen nach dem Bruttoprinzip (Haushaltsrecht) als Gesamtbudget (Eigenanteil + Komplementärmittel) im Haushalt vorzusehen sind. Eine dauerhafte Finanzierung der Pflege und Unterhaltung entsiegelter Flächen allein durch den Sammelansatz Klimaanpassung wird im Rahmen des bisher beschlossenen Budgets absehbar an Grenzen stoßen. Auch stehen beim Gartenbauamt keine zusätzlichen Mittel aus dem Budget der Grünflächenpflege für den dauerhaften Unterhalt entsiegelter Flächen zur Verfügung. Über die Finanzierung und Unterhaltung von Entsiegelungsmaßnahmen ist – soweit das Budget von 200.000 Euro jährlich aus dem Sammelansatz Klimaanpassung überschritten wird – daher im Einzelfall durch den Gemeinderat zu entscheiden. Eine Einbindung von Bürgerinnen und Bürgern in die Pflege derartiger Flächen kann allenfalls unterstützend wirken, aber eine routinemäßig erforderliche Pflege, Reinigung und Gewährleistung der Verkehrssicherheit nicht ersetzen. Projektbudget 2024/25 Projektname Fördergeberin, Förderprogramm Fördersumme Eigenmittel Stadt 100.000 Euro Entsiegelungskonzept Innenstadt (Leistungsbausteine 1-4 gem. Ausschreibung) L-Bank, KLIMOPASS 65.000 Euro 35.000 Euro 60.000 Euro Pilotplanungen City Quartiere (Leistungsbaustein 5 gem. Ausschreibung) BBSR, Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZIZ) 60.000 Euro - -- 4 of 5 -- – 5 – Erläuterungen zur CO2-Relevanz Baumpflanzungen und Begrünung binden in geringen Maße CO2. Eine Erhöhung der Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum trägt zur Stärkung der aktiven Mobilität bei. Beschluss: Antrag an den Gemeinderat 1. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss den Ergebnisbericht des Entsiegelungskonzepts Innenstadt als Leitlinie und Arbeitshilfe für die Verwaltung. 2. Der Gemeinderat nimmt die Vorentwürfe der Pilote Kronenplatz und Passagehof zur Kenntnis. -- 5 of 5 --
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Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Anlage (H) // Hintergrundinformationen (Ü) Übersicht bisheriger Projektschritte und zukünftiger Vorgänge Das im Sammelansatz Klimaanpassung reservierte „Entsiegelungskonzept Innenstadt“ wurde im Au- gust 2024 durch das Stadtplanungsamt ausgeschrieben. Von den sechs eingegangenen und zur Wer- tung zugelassenen Angeboten erzielte die Bürogemeinschaft Bauchplan).( aus München mit berchtoldkrass space & options aus Karlsruhe die höchste Gesamtpunktzahl der vorab festgelegten Zu- schlagskriterien und damit den Zuschlag. Die Bürogemeinschaft nahm im November 2024 die Arbeit auf. Im ersten Schritt wurde der Konzept- teil erstellt. Auf ihm aufbauend erfolgte die Erarbeitung der Entsiegelungsmodule sowie unter Beteili- gung der Öffentlichkeit und der Fachämter die Erarbeitung der Vorentwürfe für Kronenplatz und Pas- sagehof. Die sukzessive Umsetzung der Maßnahmen soll in den kommenden Jahren per Konzeptbeschlüsse er- folgen. Ebenso ist für 2026/2027 vorgesehen, das Entsiegelungskonzept auf weitere Stadtteile zu übertragen und weiterzuentwickeln. (B) Beteiligung Das Konzept wurde unter Einbezug aller relevanten städtischen Ämter und Gesellschaften erarbeitet. Auf eine direkte Beteiligung der Öffentlichkeit an der Erarbeitung des Konzeptteils wurde aufgrund des Fokus auf Datenanalyse, den bereits im Rahmen von ÖRMI erfolgten Beteiligungen und aufgrund des sehr engen Zeitrahmens verzichtet – der Konzeptteil musste im Entwurf vorliegen, bevor die Pilot- planungen angegangen werden konnten, das gesamte Projekt musste bis Ende 2025 abgeschlossen sein (Förderbedingungen). Die Pilotplanungen hingegen eigneten sich hervorragend für eine aktive Einbeziehung der Öffentlich- keit: Sie sind präzise verortet und damit für die Nachbarschaft und ansässige Akteure von unmittelba- rer Bedeutung. Gleichzeitig gehen die Planungen tief genug ins Detail, um eine greifbare Vorstellung der Planungen zu ermöglichen und aktiv auf Wünsche der Bevölkerung eingehen zu können. Durchgeführte Beteiligungen und Informationsveranstaltungen: • Dezember 2024 im Rahmen der Vorlagenerstellung. Folgende Interessensgruppen wurden formlos um Anregungen zum Projektstart gebeten: o Klimabündnis Karlsruhe e.V. o IHK Karlsruhe o AG Stadtbild Karlsruhe e.V. o Bürgervereine Stadtmitte und Altstadt • 21. März 2025 Öffentliche Vorstellung des Entsiegelungskonzeptes im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit • 18. Mai 2025 Vorstellung des Entsiegelungskonzepts im Rahmen des Programms „STULLE – wissenschaftlich belegt“ der kultunauten, als Teil des EFFEKTE Wissenschaftsfestivals • Juni 2025 im Rahmen der Vorlagenerstellung. Die oben genannten Interessensgruppen wur- den wiederum formlos an der Vorlagenerstellung beteiligt. -- 1 of 5 -- – 2 – • 14. Juli 2025 Beteiligung der Öffentlichkeit zum Pilot Kronenplatz, Vorstellung und Diskussion von 3 Planungsvarianten • 24. Juli 2025 Beteiligung blaugrüner Fächer „Fresh-Mob – Let it (d)rain!“ zur spielerischen Verortung erarbeiteter Entsiegelungsmodule mit interessierten Bürger*innen vor Ort. • 24. Juli 2025 Vorstellung eines Zwischenstands im öffentlichen Teil des Planungsausschusses. • 1. August 2025 Beteiligung der Öffentlichkeit zum Pilot Passagehof im Rahmen des Kaiserpas- sage-Hoffests • 14. Oktober 2025 Vorstellung des Konzepts und der Pilotplanungen bei der Podiumsdiskussion „Positive Infrastrukturen - Naturbasierte Ansätze für eine wassersensible Stadtentwicklung“ im Rahmen der ScienceWeek • 5. November 2025 Vorstellung des Konzepts und der Pilotplanungen im „Fachforum Zukunft Innenstadt“ • November 2025 im Rahmen der Vorlagenerstellung. Die oben genannten Interessensgruppen sowie die kommunale Behindertenbeauftragte und die Architektenkammer wurden formlos an der Vorlagenerstellung beteiligt. • Januar 2026 Vorstellung des finalen Konzepts im Planungsausschuss und Beschluss im Ge- meinderat Häufig wurde in den öffentlichen Veranstaltungen der hohe Versiegelungsgrad jüngster Bauvorhaben kritisiert (Kaiserstr./Marktplatz) und der Wunsch nach zügiger Umsetzung des Entsiegelungskonzepts geäußert. Die Stadt Karlsruhe stelle mit der sogenannten „Grünsatzung Innenstadt“ umfangreiche und wichtige Anforderungen an Private und solle nun mit gutem Beispiel vorangehen - so eine Rück- meldung aus dem Fachforum Innenstadt, die den Tenor aus den unterschiedlichen öffentlichen Prä- sentationen gut zusammenfasst. Die Ergebnisse der Beteiligungen zu den Pilotplanungen sind auf der Webseite www.karlsruhe.de/ent- siegelung-innenstadt dokumentiert. Rückmeldungen der angefragten Interessensgruppen Kommunale Behindertenbeauftragte, 24. November 2025 ich habe das Konzept zur Kenntnis genommen und stimme den Zielen in vollem Umfang zu. Ich möchte jedoch ausdrücklich darauf hinweisen, dass mit jeder Entsiegelung möglicherweise auch eine Einschränkung der Bewegungsfreiheit von Menschen mit Behinderungen einher geht. Deshalb bitte ich darum, immer darauf zu achten, • dass weiterhin ausreichend absolut barrierefreie Bewegungsflächen vorhanden sind und • barrierefreie Wegführungen ohne größere Umwege erhalten bleiben. Teilentsiegelte Flächen eignen sich in der Regel nicht zum Befahren. Lose Sand- und Schotterwege, Großpflaster, unbearbeitete Natursteinoberflächen, Rasengittersteine und Rasenplatten eignen sich nicht als barrierefreier Untergrund. -- 2 of 5 -- – 3 – Industrie- und Handelskammer, 5. Dezember 2025 Angesichts der sich weiter verschärfenden klimatischen Herausforderungen ist die Erstellung eines Ent- siegelungskonzeptes, insbesondere für den innerstädtischen Bereich Karlsruhes, ein sinnvolles und be- grüßenswertes Instrument. Das Bereitstellen einer größengestaffelten Toolbox ermöglicht es, auf die jeweiligen örtlichen Gegebenheit passend zu reagieren. Hierbei ist insbesondere auf eine weiterhin gute Erreichbarkeit ortsansässiger Unternehmen und deren Belieferung zu achten. Dies muss bei der Umsetzung des Konzepts im jeweiligen Einzelfall unbedingt geprüft werden. Die Pilotplanungen Passagehof und Kronenplatz sind aus unserer Sicht gut gewählt. Auch hier gilt es, die ortsansässigen Unternehmen so früh wie möglich in den Prozess mit einzubinden. Wir gehen da- von aus, dass dies im Rahmen der bereits durchgeführten Beteiligungen geschehen ist. Klimabündnis Karlsruhe, 5. Dezember 2025 herzlichen Dank für Ihre E-Mail vom 21. November und die Möglichkeit, zum Entsiegelungskonzept für die Innenstadt Stellung nehmen zu können – was wir hiermit gerne tun: 1. Allgemeines Das „Entsiegelungskonzept für die Innenstadt“ ist richtig und wichtig. Versiegelte Flächen zu entsie- geln ist eine effektive Maßnahme gegen brütende Hitze tagsüber sowie tropische Nächte. Zudem schützen sie bei Starkregen vor Überschwemmungen und Überlastung der Kanalisation. Sind die Flä- chen zudem mit Pflanzen bewachsen, nutzen sie der Biodiversität und bieten den Menschen eine er- höhte Aufenthaltsqualität in ihrer Stadt. Entsiegelung ist eine Aufgabe, die nicht nur auf die Innenstadt begrenzt sein, sondern auf die gesamte Stadt ausgeweitet werden sollte. Allerdings steht die Umsetzung des Entsiegelungskonzept angesichts der Finanzlage der Stadt in den Sternen. Wann und in welchem Umfang die im Konzept beschriebe- nen Entsiegelungsmodule oder Pilotplanungen umgesetzt werden können, ist – insbesondere auf- grund der ungeklärten Finanzierung der dauerhaften Pflege – bislang unklar. 2. Bürger:innenbeteiligung Entsiegelung Aufgrund der „ungeklärten Finanzierung“ schlagen wir eine aktive Bürger:innenbeteiligung vor. In den Niederlanden gibt es einen Entsiegelungswettbewerb. Jeder kann bei den Landesmeisterschaften in „Tegelwippen“ mitmachen, indem er Betonplatten („Tegel“) entfernt. Kommunen in den gesamten Niederlanden konkurrieren miteinander; wer im Wettbewerbszeitraum von März bis Oktober die meis- ten Versiegelungen entfernt, gewinnt die „Goldene Tegel“. 2020 von einer niederländischen Kreativa- gentur konzipiert, weitete sich das „Tegelwippen“ Jahr für Jahr aus. 2023 waren bereits 173 Städte und Gemeinden beteiligt. (https://www.nk-tegelwippen.nl) Was in den Niederlanden begann, greift Hamburg mit der Aktion „Abpflastern“ auf: „Von Grau zu Grün: Gemeinsam entsiegeln wir unsere Stadt! Wir in Hamburg gestalten in Zeiten des Klimawandels die Balance zwischen Wachstum, Lebensqualität und Nachhaltigkeit.“ Auf der Webseite https://abpflastern.beteilige.me/ werden private Flächen eingetragen, die von Pflaster, Beton oder As- phalt befreit wurden. Zusätzlich können öffentliche Flächen zur Entsiegelung vorgeschlagen werden. Auch in Hamburg ist das Entsiegeln als Wettbewerb angelegt. In Zürich zeigen die „Asphaltknackerinnen“, dass durch das wieder Anlegen einer wasserdurchlässigen Fläche, auf der sich auch Pflanzen und Tiere einfinden, Entsiegelung auch ein wichtiger Beitrag zur Biodiversität darstellt. (https://www.asphaltknackerinnen.ch) Wenn Entsiegelung als spielerischer Wettbewerb angelegt wird, können die Menschen überzeugt und gewonnen werden. Alle Generationen, Straßen, Quartiere und Stadtteile können gemeinsam aktiv werden. Die Stadt spart Kosten und macht das Entsiegeln populär. Die Bürger:innen werden aktiv und -- 3 of 5 -- – 4 – beteiligen sich an der Gestaltung ihrer Stadt. Sie übernehmen Verantwortung. Wer Verantwortung übernimmt, dessen Zufriedenheit wächst. So können wir das Zusammenleben in unserer Stadt stärken. 3. Urban Gardening Ein gutes Beispiel für eine komplett unversiegelte Fläche in Karlsruhe ist der Gemeinschaftsgarten der Fächergärtner am Schloss Gottesaue. Er besteht bereits seit 13 Jahren und wird von ca. 30 Freizeit- Gärtner:innen gestaltet und gepflegt. Das Grundstück stellt die Stadt Karlsruhe zur Verfügung. Ursprünglich war es ein asphaltierter Park- platz, der im Rahmen der Umgestaltung der Otto-Dullenkopf-Anlage entsiegelt wurde. Auch wenn die Erde mit Schadstoffen durch das ehemalige Gaswerk und wohl auch durch den Asphalt belastet ist oder war, zeigt sich doch seit vielen Jahren, welche Biodiversität entstehen kann, wenn man der Natur geeignete Flächen zurückgibt. Interessant ist vor allem auch, welche Vielfalt zwischen den Beeten ohne jedes menschliche Zutun wächst. Die unzähligen Besucher: innen haben sich daran gewöhnt und die meisten wissen es auch zu schätzen, dass der Garten nicht in der Art eines Schrebergartens gestal- tet ist, sondern einen Lebensraum für Menschen, Pflanzen und Tiere bietet. Keine Fläche ist versiegelt, auch die Wege nicht. In der Praxis zeigt sich, dass dies nicht nötig ist. Dort, wo man regelmäßig durch- geht, wächst das Gras langsamer, und wenn zweimal jährlich gemäht wird, kommt man gut durch. Dies gilt auch für die Fahrradständer vor dem Schloss, die in einer Wiese stehen. Da der Boden weder versiegelt noch stark verdichtet ist, kann das Wasser auch dort im Falle eines Starkregens aufgenom- men werden. Die Zusammenarbeit mit dem Gartenbauamt war in letzter Zeit sehr erfreulich. Die Gärtner:innen ha- ben im Rahmen der Vorgaben die Freiheit für Experimente, werden aber auch unterstützt, wenn dies erwünscht und machbar ist. Solche Experimentierfelder für Bürger:innen sind wichtig und es wäre wünschenswert, dass Bürgerinitiativen auch an anderen Stellen möglich sind, wo noch keine offiziellen Urban Gardening-Projekte entstanden sind. 4. Entsiegelung bei Neubau Es fällt immer wieder auf, dass bei Neubauflächen wie am Fasanengarten oder bei Umbau wie bei Steamwork in der Roonstraße 23a verhältnismäßig große Flächen versiegelt sind. Dies macht die Au- ßenfläche heiß und ungemütlich. In einer Stadt, die sich „Schwammstadt“ nennt, sollte die Versiege- lung auf ein Minimum reduziert werden. Entsprechende Vorgaben wären eine kostengünstige Ergän- zung des Entsiegelungsprogramms. Das Wohnprojekt „Umbau-Turley“ in Mannheim von 2016 hat z. B. eine komplett unversiegelte Au- ßenfläche. Auf die Frage an Bewohner:innen, wie sie es geschafft haben, dass das von der Stadt ge- nehmigt wurde, kam die Antwort, das sei die Vorgabe der Stadt Mannheim gewesen. Zu hoffen bleibt, dass solch eine weitgehende unversiegelte Außenfläche auch für die ökologisch ori- entierten Wohnprojekte, die sich gerade im Konzeptvergabeverfahren bei der Stadt Karlsruhe bewer- ben, möglich sein wird. 5. Entsiegelungskonzept für den Kronenplatz Bei der Bürgerveranstaltung am 14. Juli 2025 wurden die drei Vorschläge „Kronenwäldchen“, „Kro- nenboulevard“ und „Kronenwasser“ vorgestellt. Trotzdem sind wohl alle drei Varianten angesichts der finanziellen Situation der Stadt sehr unrealistisch. Beim „Kronenwasser“ scheint die Durchführung be- sonders unrealistisch, wenn nicht einmal Geld zur Reparatur des bereits existierenden, eigentlich sehr schönen wasserfallartigen Brunnens da ist. Vor allem aber waren insgesamt viel zu wenig Flächen ein- geplant, die entsiegelt werden sollten. Wichtig wäre auf jeden Fall, dass die großen, kränkelnden Kastanien dort eine sehr großflächig entsie- gelte Umgebung bekommen, die ihnen möglichst lange ein Weiterleben ermöglicht (Beet Beispiel beim Café Palaver, Steinstr. 23). Außerdem sollten die Kastanien durch jüngere Bäume anderer Baum- arten ergänzt werden, so dass schon schattenspendende Bäume da sind, wenn die Kastanien eines -- 4 of 5 -- – 5 – Tages ihr Lebensende erreicht haben. Ansonsten wird der Platz dann fast kahl und im Sommer uner- träglich heiß wie die Kaiserstraße sein. Auch wenn die Bürgerveranstaltung ansprechend konzipiert und durchgeführt wurde, entstand insge- samt der Eindruck, dass die beauftragte Agentur die Situation der Stadt und den Kronenplatz nicht gut genug kennt, um realisierbare Entwürfe zu liefern, damit durch eine größtmögliche Entsiegelung ein Platz entsteht, der zugleich den unterschiedlichen Bedürfnissen der Bürger: innen entspricht und auf dem man sich auch bei großer Hitze gerne aufhält. 6. Dachbegrünung und Regenwassernutzung Gerade beim Entsiegelungskonzept der Innenstadt sollte das Thema Dachbegrünung nicht vergessen werden. Ein Großteil der Niederschläge fallen auf die Dachflächen und wenigstens die ebenen Dach- flächen sollten mit einer Dachbegrünung mit der Mindeststärke von 12 cm versehen werden. So könn- ten die Niederschläge aufgefangen und zum großen Teil der Vegetation und durch die Verdunstung auch dem Stadtklima zur Verfügung gestellt werden. Dadurch wird zusätzlich die Artenvielfalt (Bio- diversität) in der Innenstadt wirksam unterstützt und eine Vernetzung mit den geplanten Entsiege- lungsmaßnahmen erreicht. Außerdem sollte auch das von den anderen Dachflächen abfließende Regenwasser im Sinne der Schwammstadt im Konzept Berücksichtigung finden und direkt zur Bewässerung der Bäume und Grünflächen und in Versickerungsflächen verwendet werden. Diese Maßnahmen würden die Wirksamkeit des Entsiegelungskonzeptes gerade in der Innenstadt stark erhöhen und einen erheblichen Teil der gesamten Niederschläge an Ort und Stelle einer sinnvollen Nutzung zuführen. -- 5 of 5 --
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Piloträume Entsiegelungs- konzept Innenstadt Blau-grüner Fächer für eine resiliente Innenstadt Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt -- 1 of 28 -- 2 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Kaiserallee 4 76133 Karlsruhe Telefon: 0721 133-6101 E-Mail: stpla@karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/ Amtsleitung: Prof. Dr.-Ing. Anke Karmann-Woessner Die Planung der Piloträume Passagehof und Kronenplatz wurde gefördert durch das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen im Rahmen des Förderprogramms „Zukunfstfähige Innenstädte und Zentren“ Bearbeitung: bauchplan ).( berchtoldkrass space & options Severinstraße 5 Schützenstraße 8a 81541 München 76137 Karlsruhe 089 2880-7875 0721 665-5068 studio@bauchplan.de mail@berchtoldkrass.de © Stadt Karlsruhe | Stand: November 2025 -- 2 of 28 -- Stadtplanungsamt | 3 Inhalt 1. Piloträume und Initialplanungen 4 2. Pilotplanung Passagehof 7 2.1 Partizipativer Planungsprozess 8 2.2 Vorentwurf Passagehof 10 3. Pilotplanung Kronenplatz 17 3.1 Partizipativer Planungsprozess 18 3.2 Vorentwurf Kronenplatz 20 4. Pilotplanungen im Grobkostenansatz 26 -- 3 of 28 -- 4 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 1. Piloträume und Initialplanungen Anlass und Zielsetzung Passagehof - Lokalen Handel und Leben in der Innenstadt stärken! Kronenplatz und Kronenstraße - gelebter Alltagsraum In der stark versiegelten Innenstadt ist die Hitzebelas- tung bereits hoch und der Handlungsbedarf offensicht- lich. Aus diesem Grund entwickelt die Stadtverwaltung seit November 2024 ein Entsiegelungskonzept, um die öffentlichen Flächen in der Innenstadt systematisch zu entsiegeln, unterschiedliche Formen der Begrünung zu schaffen und, wo möglich, natürliche Bodenfunktionen wiederherzustellen. Durch die Entsiegelung können Regenwasser besser aufgenommen, die Umgebung ge- kühlt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaf- fen werden. Dies verbessert nicht nur das Stadtklima, sondern auch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und fördert ihre Entwicklung als lebendiger Begeg- nungsort. Die geplanten Maßnahmen sollen dazu beitra- gen, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern und Karlsruhe als lebenswerte Stadt weiterzuentwickeln. Auf Basis des Entsiegelungskonzeptes wurden zwei Mo- dellräume in der Karlsruher Innenstadt ausgewählt: Der Passagehof als öffentlicher Innenstadthof mit einem qualitativ hochwertigen Baumbestand einerseits, einem hohem Nutzungsdruck, verkehrlichen Anforderungen durch Ver- und Entsorgung, mehreren Gastronomiean- geboten und bislang fehlenden kommerzfreien Auf- enthaltsmöglichkeiten andererseits charakterisieren die Aufgabenstellung jenseits der Entsiegelungsaufgabe. Ziel ist es, mit der Entwicklung des „Typ Hof“ als Mo- dellprojekt auf weitere Hofsanierungen ausstrahlen zu können, nicht nur in Innenstadtlage. Die hohe Frequenz des Ortes kann hier unterstützend wirken. Die zweite Pilotplanung kompletiert das Spektrum der untersuchten öffentlichen Freiräume mit einem Stra- ßen- und einem Platzraum. Die Universität, das Jugend- zentrum sowie die hohe öffentliche Frequenz sind im Zusammenspiel mit der Unterbauung und zu sanieren- den Oberflächen sowie Brunnenanlagen geeignete wie komplexe Vorgaben für den Pilotraum. Abb. 1 - 2: Passagehof Bestandsdokumentation Abb. 3 - 4: Kronenplatz Bestandsdokumentation -- 4 of 28 -- Passagehof Kronenplatz Kronenstraße Stadtplanungsamt | 5 Abb. 5: Verortung der Pilotplanungen in Karlsruhe. Hohes Entsiegelungspotenzial mittleres Entsiegelungspotenzial bereits entsiegelt / niedriges Entsiegelungspotenzial Marktplatz Berliner Platz Kaiser Platz Schlossplatz Kriegsstraße Passagehof Kronenplatz Abb. 6: Verorotung der Piloträume in der Potenzialkarte der Innenstadtentsiegelung. -- 5 of 28 -- 6 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe -- 6 of 28 -- Stadtplanungsamt | 7 Abb. 9: Verorotung der Piloträume in der Potenzialkarte der Innenstadtentsiegelung. Abb. 7: Bestandsdokumentation Passagehof Abb. 8: Rückmeldungen zu den Planungsvarianten im Rahmen der Beteiligung 2. Pilotplanung Passagehof -- 7 of 28 -- 8 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 12: Vision Wäldle. Abb. 10: Ämterübergreifender Planungsworkshop Abb. 11: Ergebnisse aus der Bürgerbeteiligung 2.1 Partizipativer Planungsprozess Beteiligungen zum Passagehof Für die Beteiligung am Passagehof wurden drei atmo- sphärische Bilder entwickelt und planlich umgesetzt: In der Vision Wäldle wird der charakteristische Baum- bestandes verdichtet und der Hof auf mehrern Ebe- nen ökoklimatisch aktiviert. Die Vision Impluvium übernimmt das Bild einer ursprüngliche Hoftypologie zum Anlass und stellt das Element Wasser als zentrales Element mit unterirdischem Schwamm zur Versorgung der Bestandsbäume in den Passagehof. Die Vision Wohnzimmer bleibt nah am Bestand, kleinteilige und vernetzte Retentionsbereiche ergänzen vorhandene Bepflanzung und Aufenthaltsbereiche. Wünsche, Emotionen und Verbesserungsvorschläge wurden über eine Beteiligung im Rahmen des Kaiser- Passage-Hoffests an Hand dieser Konzept-Varianten abgefragt. -- 8 of 28 -- Stadtplanungsamt | 9 Abb. 14: Vision Wohnzimmer. Abb. 13: Vision Impluvium. -- 9 of 28 -- 10 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 2.2 Vorentwurf Passagehof Ein grünes Retentionskissen für den Hof Der Passagehof ist das öffentliche Modell der Inne- hofsentsiegelung der Innenstadt. Der atmosphärische Baumbestand, der Wunsch nach mehr Grün und aktuelle Nutzungen als Gastronomie- und Kulturraum bilden die Basis für den Vorschlag zur Weiterentwicklung. Ein grünes Rasenkissen mit sorgsam eingebundenen Baumbestand ist Träger der Retentions- landschaft. Topografisch gekonnt, die vor Ort vorzufin- denden wirklichen Wurzelbereiche der Bestandsbäume aussparend ergibt sich eine dezente Hügellandschaft mit wechselfeuchten Wiesenmulden und niederschwelligen Sitzhockern für kommerzfreien Aufenthalt und Kultur- veranstaltungen in der grünen Rasenlounge. Darüber hinaus schieben sich zwei Gastronomieterrassen in den yangda restaurant pho & bubble tea atelier marrelli massage studio oriental grill passage leerstand leerstand bautätigkeit venus b durchfahrt ZENTRALES G Außengast Außengastro konsumfreies Sitzen sickerfähiger Belag Außengastro Oberflächensanierung Hügelmodellierung mit Aufenthalt Außengastro Grünfläche Schotterrasen trittfest Außentoilette (12) (8) Abb. 15: Vorentwurf Passagehof. -- 10 of 28 -- Stadtplanungsamt | 11 Grünraum ein. Eine Sitzkante bildet den südlichen Rand mit einer Balkonsituation auch für die dortige Außeng- astronomie. Weitere Intarsien im Hof ermöglichen Retentions- und zusätzliche Verdunstungsbereiche, so dass die Ökosys- temleistung optimiert werden kann ohne die Verkehrs- abläufe zu beeinträchtigen. Die Mülltonnen, Fahrradständer und weitere Ausstat- tungselemente werden neu geordnet ind geclusterten Aufstellflächen. papier fischer jazzclub stile italiono omonia restaurant treppen- aufgang / aufzug passage byblos gastro tealaxy passage ar durchfahrt RÜN OFFENES ENTREE Hofintarsien entsiegelt / Rasenfugen ro Außengastro Trinkbrunnen Bühne, Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Außengastro Außengastro Abfallbehälter konsumfreies Sitzen Schotterrasen trittfest Durchwegung barrierefrei (10) -- 11 of 28 -- 0 FS Abb. 17: Prüfplan Spartenplan 12 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 150m2 Bestand 24 Tische Bestand 24 Planung 100m2 Bestand 18 Tische Bestand 15 Planung 0 Tische Bestand 15 Planung 0 Tische Bestand 5 Planung 16m2 Bestand x Tische Bestand 3 Planung 25m2 Bestand x Tische Bestand 4-5 Planung 76m2 Bestand x Tische Bestand 2-3 Planung 34m2 Bestand x Tische Bestand 4-5 Planung Bühne, Aufenhalt 32m2 Bestand 35m2 Planung papier fischer jazzclub stile italiono omonia restaurant yangda restaurant pho & bubble tea atelier marrelli treppen- aufgang / aufzug passage byblos gastro massage studio oriental grill tealaxy passage passage leerstand leerstand bautätigkeit venus bar durchfahrt durchfahrt ZENTRALES GRÜN OFFENES ENTREE Hofintarsien entsiegelt / Rasenfugen Außengastro Außengastro Außengastro konsumfreies Sitzen sickerfähiger Belag Außengastro Anlieferung / Feuerwehr Trinkbrunnen Bühne, Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Außengastro Außengastro Außengastro Abfallbehälter Grünfläche Schotterrasen trittfest Außentoilette konsumfreies Sitzen Schotterrasen trittfest Durchwegung barrierefrei (12) (8) (10) 1:350 papier fischer jazzclub stile italiono omonia restaurant yangda restaurant pho & bubble tea atelier marrelli treppen- aufgang / aufzug passage byblos gastro massage studio oriental grill tealaxy passage passage leerstand leerstand bautätigkeit venus bar durchfahrt durchfahrt ZENTRALES GRÜN OFFENES ENTREE Hofintarsien entsiegelt / Rasenfugen Außengastro Außengastro Außengastro konsumfreies Sitzen sickerfähiger Belag Außengastro Anlieferung / Feuerwehr Trinkbrunnen Bühne, Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Außengastro Außengastro Außengastro Abfallbehälter Grünfläche Schotterrasen trittfest Außentoilette konsumfreies Sitzen Schotterrasen trittfest Durchwegung barrierefrei t elegt FS 7.40 0.00 0.00 00 R 1.02 0.00 0.00 FS 7.40 00 0.00 0.00 00 3 1 240 AL 20 -- 12 of 28 -- a-a' b-b' O ₂ H₂O CO ₂ O ₂ H₂O CO ₂ O ₂ H₂O CO ₂ ZENTRALES GRÜN OFFENES ENTREE sickerfähiger Belag sickerfähiger Belag Außengastro Hügelmodellierung mit Aufenthalt Schotterrasen trittfest Schotter- rasen trittfest Außengastro Außengastro Außengastro schnitt a-a`, m 1:300 schnittverortung schnitt b-b`, m 1:300 schnittve Außengastro O ₂ H₂O CO ₂ Anlieferung Feuerwehr ZENTRALES GRÜN Hügelmodellierung mit Aufenthalt Schotterrasen trittfest a-a' b-b' schnittverortung Stadtplanungsamt | 13 150m2 Bestand 24 Tische Bestand 24 Planung 100m2 Bestand 18 Tische Bestand 15 Planung 0 Tische Bestand 15 Planung 0 Tische Bestand 5 Planung 16m2 Bestand x Tische Bestand 3 Planung 25m2 Bestand x Tische Bestand 4-5 Planung 76m2 Bestand x Tische Bestand 2-3 Planung 34m2 Bestand x Tische Bestand 4-5 Planung Bühne, Aufenhalt 32m2 Bestand 35m2 Planung temp. Bühne papier fischer jazzclub stile italiono omonia restaurant yangda restaurant pho & bubble tea atelier marrelli treppen- aufgang / aufzug passage byblos gastro massage studio oriental grill tealaxy passage passage leerstand leerstand bautätigkeit venus bar durchfahrt durchfahrt ZENTRALES GRÜN OFFENES ENTREE Hofintarsien entsiegelt / Rasenfugen Außengastro Außengastro Außengastro konsumfreies Sitzen sickerfähiger Belag Außengastro Anlieferung / Feuerwehr Trinkbrunnen Bühne, Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Hügelmodellierung mit Aufenthalt Außengastro Außengastro Außengastro Abfallbehälter Grünfläche Schotterrasen trittfest Außentoilette konsumfreies Sitzen Schotterrasen trittfest Durchwegung barrierefrei (12) (8) (10) m 1:350 Abb. 18: Schnitte Passagehof Abb. 19: Prüfplan Eventbespielung -- 13 of 28 -- 14 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 20: Transformation Passagehof in eine grüne Innenstadtoase -- 14 of 28 -- Stadtplanungsamt | 15 -- 15 of 28 -- 16 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe -- 16 of 28 -- Stadtplanungsamt | 17 Abb. 21: Foto des Kronenplatzes im Winter, 2024. Abb. 23: Kronenplatz inklusive Brunnenanlage, Juli 2025. Abb. 22: Beteiligungsverfahren, Juli 2025. Abb. 24: Bestandsbegehung des Kronenplatzes, Juli 2025. 3. Pilotplanung Kronenplatz -- 17 of 28 -- 18 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 27: Vision Kronenboulevard. Abb. 25: Beteiligungsverfahren zum Kronenplatz, Juli 2024. Abb. 26: Synthese der Rückmeldungenaus der Beteiligung zu den Planungsvarianten 3.1 Partizipativer Planungsprozess Beteiligungen zum Kronenplatz Für die Beteiligung am Kronenplatz wurden drei Pla- nungsvarianten entwickelt: In allen drei Varianten wird In der Vision Kronenbou- levard wird die Kronenstraße zur Allee mit Aufent- haltsqualitäten und der Kronenplatz Nord in seinem Bestand gestärkt. In den weiteren Varianten entfällt der Bestandsbrunnen, dadurch lässt sich ein Zusam- menhang zwischen den derzeit getrennten Bereichen Kronenplatz und Kronenstraße herstellen. In der Vision Kronenwasser wird der Platz zur Bühne mit temporä- rem Wasserspie(ge)l, das Element Wasser als zentrales Element mit unterirdischem Schwamm zur Versorgung der umliegenden Bestandsbäume. Die Vision Kronen- wald zeigt eine grün-blaue Qualifizierung des Stadtrau- mes auf mehreren Ebenen, vom perforierten Stadtboden über kleinformatige Retentionsräume bis zur Verdich- tung des Baumbestandes. Wünsche, Emotionen und Verbesserungsvorschläge der interessierten und anliegenden Bevölkerung wurden über eine Beteiligungsveranstaltung abgefragt. -- 18 of 28 -- Stadtplanungsamt | 19 Abb. 29: Vision Kronenwald. Abb. 28: Vision Kronenwasser. -- 19 of 28 -- O₂ H₂O CO₂ 20 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 30: Ideensammlung für die Wassererlebbarkeit: pedalgetriebene Wasserinstallation am „jungen“ Kronenplatz. Abb. 31: Willy Brandt Platz Mannheim . bauchplan ).( .Aufenthalt am Pflanzbeet Abb. 32: Minimalentsiegelung Rasenfuge . Passeig de Sant Joan Boulevard . Lola Domènech Abb. 33: Aufenthalt am Pflanzbeet Abb. 34: Sitzen unter Baumhain, New David H.Koch Plaza, New York 3.2 Vorentwurf Kronenplatz Kronenboulevard und Klimaplatz . V01 In der Synthese des Vorentwurfs wird die Konenstraße schrittweise, im Zuge fälliger Belagssanierungen zu einem grünen, baumbestandenen Boulevard weiter- entwickelt, der versickerungsoffene Flächen mit neuen Aufenthaltsangeboten zusammenführt. Der unterbaute Kronenplatz wird über neue Pflanzinseln mit integrier- tem Wassermanagement und einem saisonales Sonnen- segel in der Alltagstauglichkeit verbessert, der räumliche Zusammenhang zur Kronenstraße wird gestärkt. Der Straßenraum selbst wird durch Retentionsflächen auf unterschiedlichen Ebenen, Neupflanzungen und neuen Angeboten zum durchlässigen Aufenthaltsraum. Das Jubez erhält ein Freiraumwohnzimmer, das sich in die Kronenstraße ausdehnen kann. In Varianten wird die Ertüchtigung und Inszenierung von Wasserkreisläufen mit Sanierung oder ohne bestehenden Brunnenanlagen untersucht. Nach dem Motto: Aktivität bringt Wasserqualität können Passant*innen wie Studierende mittels Wasser- fahrrädern den Retentionskreislauf des fast vollständig unterbauten Stadtraums in Form einer Pedalkraft getrie- benen Wasserinstallation erfahrbar machen. -- 20 of 28 -- kit hauptgebäude gastro intro kit dreiecksgebäude 24 schlossapottheke friseur salon 72 wohnzimmer cafe 41 sardar transport 28 diyar - cafe und teehaus 30 bad habits tatoo gallery kaffeebar schiller 32 salom moustache 34 siam thai massage 36 4-you tabakshop pangea flugreisen ronny hair style 25 23 weltladen jubez kais pizza laden kit brücken- gebäude Kaiserstraße Fritz-Erler-Straße Aufenthalt im Baumschatten frei bespielbare Platzmitte Ertüchtigung Fassadenberankung Kronenboulevard Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Boule Aufenthalt im Baumschatten Freiraumwohnzimmer jubez Aufenthalt im Baumschatten Aufenthalt im Baumschatten Klimaräder temporäre Beschattung Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen (16) (16) (24) (24) (24) (12) Trinkbrunnen m 1:500 kit hauptgebäude gastro intro kit dreiecksgebäude 24 schlossapottheke friseur salon 72 wohnzimmer cafe 41 sardar transport 28 diyar - cafe und teehaus 30 bad habits tatoo gallery kaffeebar schiller 32 salom moustache 34 siam thai massage 36 4-you tabakshop pangea flugreisen ronny hair style 25 23 weltladen jubez kais pizza laden kit brücken- gebäude Kaiserstraße Fritz-Erler-Straße Aufenthalt im Baumschatten frei bespielbare Platzmitte Beete mit Fassadenberankung Kronenboulevard Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Boule Aufenthalt im Baumschatten Freiraumwohnzimmer jubez Aufenthalt im Baumschatten Aufenthalt im Baumschatten Klimaräder temporäre Beschattung Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Brunnen Bestand m 1:500 Stadtplanungsamt | 21 Abb. 35: Planungsvariante V01 (kleines Bild mit Bestandssanierung Brunnenanlage) -- 21 of 28 -- 22 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Kronenboulevard und Klimaplatz . V02 In einer zweiten Variante wurde das Perforieren des bestehenden Stadtbodens untersucht. Dem Aufbau des Entsiegelungsmodule aus dem Gesamtkonzept folgend wurden Retentionsbereiche in unterschiedlichen Ein- griffsgrößen und Wirkungsweisen untersucht und der Stadtraum zu einem dichten blau-grünen ökoklimatisch wirksamen System auf mehren Ebenen entwickelt. Abb. 37: Gebaute Pfütze, Ruhr-Universität, Erich Reusch, Bochum Abb. 38: Kostenextensive Entsiegelung, Place Eugène Flagey in Brüssel. Abb. 39: versickerungsoffener Pflasterbelag . durchgrünte Fuge Abb. 36: Module des Karlsruher Entsiegelungskonzepts. Abb. 40: Sitzen unter Baumhain, New David H.Koch Plaza, New York -- 22 of 28 -- kit hauptgebäude gastro intro kit dreiecksgebäude 24 schlossapottheke friseur salon 72 wohnzimmer cafe 41 sardar transport 28 diyar - cafe und teehaus 30 bad habits tatoo gallery kaffeebar schiller 32 salom moustache 34 siam thai massage 36 4-you tabakshop pangea flugreisen ronny hair style 25 23 weltladen jubez kais pizza laden kit brücken- gebäude Kaiserstraße Fritz-Erler-Straße Aufenthalt im Baumschatten frei bespielbare Platzmitte reaktivierte Bestands-Beete mit Fassadenberankung Kronenboulevard Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Aufenthalt im Baumschatten Freiraumwohnzimmer jubez Aufenthalt im Baumschatten Aufenthalt im Baumschatten Klimaräder temporäre Beschattung Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen kit hauptgebäude gastro intro kit dreiecksgebäude 24 schlossapottheke friseur salon 72 wohnzimmer cafe 41 sardar transport 28 diyar - cafe und teehaus 30 bad habits tatoo gallery kaffeebar schiller 32 salom moustache 34 siam thai massage 36 4-you tabakshop pangea flugreisen ronny hair style 25 23 weltladen jubez kais pizza laden kit brücken- gebäude Kaiserstraße Fritz-Erler-Straße Aufenthalt im Baumschatten frei bespielbare Platzmitte Kronenboulevard Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Aufenthalt im Baumschatten Freiraumwohnzimmer jubez Aufenthalt im Baumschatten Aufenthalt im Baumschatten Klimaräder temporäre Beschattung Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Brunnen Bestand reaktivierte Bestands-Beete mit Fassadenberankung Stadtplanungsamt | 23 Abb. 41: Planungsvariante V01 (kleines Bild mit Bestandssanierung Brunnenanlage) -- 23 of 28 -- a a' b' b Schnitt a-a', b-b`, m 1:500 O ₂ H₂O CO ₂ O ₂ H₂O CO ₂ O ₂ H₂O CO ₂ sickerfähiger Belag sickerfähiger Belag Aufenthalt im Baumschatten Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Aufenthalt im Baumschatten Klimaräder a a' b b' sickerfähiger Belag Boule Schnittverortung 24 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 42: Längsschnitt Kronenplatz V01 Abb. 43: Grobabgleich Lasttauglichkeit Decke TG für Baumpflanzunegn zulässige Verkehrslast lt. statischem Gutachten 7,5kN7m2 + Eigengewicht Aufbau über TG inkl. Bodenbelag 2,5 - 5,0 kN/m2 60cm Substrat gesättigt 5kN/m2 + Baumkronengewicht 1 - 1,5 kN/m2 >>>> 6,5kN/m2 -- 24 of 28 -- 100 stillgelegt PEHD ST VG N 250 ST stillgelegt La G N 150 ST stillgelegt VG N 100 GG stillg 3.61 R FS 2.40 FS 0.20 0.00 0.60 BP 14.40 13.40 2.20 FS 0.00 BP 1.50 1.44 0.00 0.00 R 1.91 0.00 0.00 R 7.78 0.50 R 4.50 (R 3.03 ) 0.00 0.00 22.00 FS 22.00 FS 2.50 2.40 R 1.88 BP 0.00 0.00 0.77 R 13.23 0.70 R 0.00 0.00 R 1.91 0.00 0.00 0.00 1.80 SM 2.70 0.80 0.00 0.00 1.20 R 0.00 0.89 4.98 SM 7.00 2.40 R 0.00 9.60 0.00 7.40 8.30 1.28 R (R 3.05 ) M 3.20 (R 1.65 ) 1.00 M 16.16 SM 0.65 M 0.00 0.30 R R 0.85 0.17 BP 2.42 BP 0.74 R 0.00 1.45 1.20 M 0.90 1.20 1.44 0.00 R 3.10 0.87 0.00 0.00 SM 0.19 R 0.82 2.60 FS (R 3.50 ) 0.00 3.50 ( 2.09 R) ( 1.60 R) R 2.60 (R 3.90 ) 15.92 SM 0.00 0.00 11.00 R M 1.50 9.65 R 0.38 LWL 0.00 0.00 1.50 1.50 R 0.27 R 3.50 0.00 SM 6.57 3.99 R 0.00 0.00 R 2.60 3.40 R R 37.20 4.66 FS 0.00 R 0.90 0.50 VM 0.70 VM 0.00 3.28 BP 0.00 0.50 1.50 BP 3.56 1.63 BP 1.50 BP 0.00 1.55 1.20 R 0.00 R 2.70 R 1.91 R 3.50 SM 0.88 0.00 (R 10.25 ) 0.70 R 4.00 0.00 0.00 0.00 0.00 0.00 3.10 0.00 R 1.70 0.75 SM 0.00 0.38 BP 4.95 R 0.00 BP+FS 13.80 0.00 BP 0.50 0.00 0.00 0.000.00 R 1.90 0.00 0.16 R R 0.18 4.98 R 7.80 0.00 (R 13.41 ) 7.60 R+FS R 14.50 22.20 SM22.00 FS 3.90 0.00 0.00 R 3.60 0.00 0.78 SM 3.56 VM 6.80 4.20 0.000.00 4.00 R 2.39 R 0.00 0.00 1.10 SM 6.70 IND 0.00 22.00 FS ( 4.40 R) 1*16 CU Erde 1*160 FE Erde 4*6 CU UHREN 4*6 CU BEL 4*16 CU BEL 4*6 CU BEL 4*6 CU UHREN 4*2.5 CU BEL Lage unsicher 5*10 CU BEL 4*6 CU BEL 4*6 CU BEL 4*4 CU BEL 4*4 CU BEL 5*10 CU BEL 4*6 CU BEL 4*2.5 CU BEL 4*6 CU BEL 4*10 CU BEL 4*2.5 CU BEL 4*6 CU BEL 5*10 CU BEL 4*6 CU BEL 4*6 CU BEL 4*4 CU BEL 4*10 CU BEL 4*10 CU BEL 5*10 CU BEL 4*4 CU BEL 4*16 CU BEL 4*16 CU BEL 5*2.5 CU STEU 100*2*0.8 CU TEL 1 * SIG 5 * SIG 4 * SIG 7*1.5 CU STEU 5*2.5 CU STEU CAT 7 UNB STEU 3 * SIG 1 * SIG CAT 7 UNB STEU 5 * SIG 50*2*0.8 CU TEL 5*2.5 CU STEU 7*1.5 CU STEU 7*1.5 CU STEU 1 * SIG 5*2.5 CU STEU 7*1.5 CU STEU 200*2*0.8 CU V-STEUER 1 * PARKL 26 * SIG LWL 1xDN 40 PEHD LWL SRV 4xDN15 PEHD LWL 5xDN 40 PEHD LWL 1xDN 40 PEHD LWL 3xDN 15 PEHD LWL 1xDN 15 PEHD V 2534 KV 658 19*1.5 CU Beleg.TBA unb 2* 1*10 CU RG 11*SIG Beleg.unb Beleg. unb Beleg. unb STW SWK TBA 15*SIG Beleg. unb Einmessung 2021/3410 TBA M Lage unbek RG im Schacht 6*2*0.6 CU Beleg.TBA unb TBA TBA DEFEKT TBA POLIZEI 1.20 HM EINF 2.39 R 3.50 SM 0.30 22.00 FS ( 2.70 R) 1.90 R 0.00 FS 0.20 0.00 0.00 0.00 0.00 0.00 (R 3.03 ) R 2.60 R 0.90 ( 2.09 R) M 1.50 9.65 R 0.80 (R 3.50 ) 0.00 R 4.00 13.40 2.40 R SM 0.30 SM 0.71 (R 2.45 ) 0.00 (R 10.25 ) 2.60 FS (R 13.41 ) 0.00 (R 4.40 ) 9.91 HM 1.20 0.20 0.00 7.60 R+FS 0.00 0.00 4.66 FS 0.00 1.25 R 0.00 BE+M 2.50 0.00 1.00 HM 9.60 M FS 0.70 1.20 R 0.00 R 2.70 0.00 2.40 R FS 2.40 9.40 M ESV 12.40 0.00 4.00 R 0.00 0.00 R 37.20 1*160 FE Erde 4*25 CU 4*70 AL 4*70 AL 3*150/150 AL 400V 4*150 AL 400V 4*25 CU 3*150/150 AL 400V 4*16 CU Lage unsicher 3*150/150 AL 400V 4*70 AL 3*150/150 AL 400V 3*150/150 AL 400V 4*150 AL 400V 4*150 CU 4*25 CU 3*150 AL 20KV Werbung VS-Anlage TBA TBA DEFEKT TBA POLIZEI ø 113.51 KELLERLTG AR - / - 100 / ST KELLERLTG AV - / - 200 / ST HA VR - / - 150 / ST KELLERLTG AR - / - 200 / ST Beete mit Fassadenberankung Kronenboulevard Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen Boule Aufenthalt im Baumschatten Freiraumwohnzimmer jubez Aufenthalt im Baumschatten Aufenthalt im Baumschatten Klimaräder temporäre Beschattung Stadtboden mit versickerungsoffenen Flächen | 25 Stadtplanungsamt Abb. 44: Kronenplatz Spartenplan mit Durchfahrt (Feuerwehr, Müllentsorgung) kit hauptgebäude gastro intro kit dreiecksgebäude 24 schlossapottheke friseur salon 72 wohnzimmer cafe 41 sardar transport 28 diyar - cafe und teehaus 30 bad habits tatoo gallery kaffeebar schiller 32 salom moustache 34 siam thai massage 36 4-you tabakshop pangea flugreisen ronny hair style 25 23 weltladen jubez kais pizza laden kit brücken- gebäude Kaiserstraße Fritz-Erler-Straße Aufenthalt im Baumschatten frei bespielbare Platzmitte -- 25 of 28 -- Grobkostenschätzung angelehnt an DIN 276:2018 Projekt: 24kek - Entsiegelungskonzept Karlsruhe . Pilotraum Passagehof Stand: Vorentwurf Datum: 05.11.25 Lfd. Nr. KG Bezeichnung der Kostengruppe Massen BA1 Massen BA2 Massen Gesamt Ein- heit Einheitspreis [/Einheit] Kosten BA1 Kosten BA2 Kosten gesamt netto Kosten KG 1. Ebene netto % von Gesamt 1 500 Außenanlagen 1.127.900,00 € 100,00% 2 510 Erdbau - € 0,00% 8 520 Gründung, Unterbau - € 0,00% 15 530 Oberbau Deckschichten 444.000,00 € 39,37% 16 531 Wege - € 17 532 Straßen - € 18 533 Plätze, Höfe, Terrassen 19 Hof-Intarsien entsiegelt (Rasenfuge inkl. Oberbau) 300,00 300,00 m2 150,00 € 45.000,00 € 45.000,00 € 20 Oberflächensanierung (Belag + Bettung inkl. Oberbau), barrierefreie Durchwegung 1.400,00 1.400,00 m2 200,00 € 280.000,00 € 280.000,00 € 21 534 Stellplätze - € 22 535 Sportplatzflächen - € 23 536 Spielplatzflächen - € 24 537 Gleisanlagen - € 25 538 Flugplatzflächen - € 26 539 Sonstiges zur KG530 - € 27 Einfassung zentrales Grünkissen, Bank BFT 70,00 70,00 m 1.700,00 € 119.000,00 € 119.000,00 € 28 540 Baukonstruktionen - € 30.000,00 € 2,66% 29 541 Einfriedungen - € 30 542 Schutzkonstruktionen - € 31 543 Wandkonstruktionen - € 32 544 Rampen, Treppen, Tribünen - € 33 545 Überdachungen - € 34 546 Stege - € 35 547 Kanal- und Schachtkonstruktionen - € 36 Wassermanagement inkl. Rohrsysteme 1,00 1,00 psch 30.000,00 € 30.000,00 € 30.000,00 € 37 548 Wasserbecken - € 38 549 Sonstiges zur KG 540 - € 39 550 Techn. Anlagen in Außenanlagen - € 100.000,00 € 8,87% 40 551 Abwasseranlagen - € 41 552 Wasseranlagen - € 42 Trinkbrunnen inkl. Zu- und Ableitung, Schacht für Winterentleerung und Revision 1,00 1,00 Stk 30.000,00 € 30.000,00 € 30.000,00 € 43 553 Anlagen für Gase und Flüssigkeiten - € 44 554 Wärmeversorgungsanlagen - € 45 555 Raumlufttechnische Anlagen - € 46 556 Elektrische Anlagen - € 47 Beleuchtung (Lichtmasten + Effektbeleuchtung), inkl. Leerverrohrung 1,00 1,00 psch 70.000,00 € 70.000,00 € 70.000,00 € 48 557 Kommunikationssicherheits- und informationstechnische Anlagen, Automation - € 49 558 Nutzungsspezifische Anlagen - € 50 559 Sonstiges zur KG 550 - € 51 560 Einbauten in Außenanlagen und Freiflächen - € 161.700,00 € 14,34% 52 561 Allgemeine Einbauten - € 53 Möblierung lose verteilt (Spiel-, Sitzelemente) 50,00 50,00 Stk 3.000,00 € 150.000,00 € 150.000,00 € 54 einheitliche Gastromöblierung (optional) 1,00 1,00 psch 10.000,00 € - € 55 Fahrradbügel 20,00 20,00 Stk 300,00 € 6.000,00 € 6.000,00 € 56 Abfallbehälter 6,00 6,00 Stk 950,00 € 5.700,00 € 5.700,00 € 57 562 Besondere Einbauten - € 58 563 Orientierungs- und Informationssyteme - € 59 559 Sonstiges zur KG 560 - € 60 570 Vegetationsflächen - € 78.000,00 € 6,92% 61 571 Vegetationstechnische Bodenbearbeitung - € 62 572 Sicherungsbauweisen - € 63 573 Pflanzflächen - € 64 zentrale Rasenfläche inkl. Topografie inkl. Oberbau (Schwammkörper) 900,00 900,00 m2 70,00 € 63.000,00 € 63.000,00 € 65 Unterpflanzung 300,00 900,00 m2 50,00 € 15.000,00 € 15.000,00 € 66 574 Rasen und Saatflächen - € 67 579 Sonstiges zur KG 570 - € 68 580 Wasserflächen - € - € 0,00% 69 581 Befestigungen - € 70 581 Abdichtungen - € 71 583 Bepflanzungen - € 72 589 Sonstiges zur KG 580 - € 73 590 Sonstige Maßnahmen für Außenanlagen und Freiflächen - € 314.200,00 € 27,86% 74 591 Baustelleneinrichtung 1,00 1,00 psch 80.000,00 € 80.000,00 € 80.000,00 € 75 592 Gerüste - € 76 593 Sicherungsmaßnahmen - € 77 594 Abbruchmaßnahmen sonstiges - € 78 Abbruch Oberflächen Intarsien ensiegelt 1.200,00 1.200,00 m2 35,00 € 42.000,00 € 42.000,00 € 79 Abbruch Oberflächen für Oberflächensanierung 1.400,00 1.400,00 m2 35,00 € 49.000,00 € 49.000,00 € 80 595 Instandsetzungen - € 81 596 Materialentsorgung - € 82 Entsorgung Abbruchmaterial 360,00 1.120,00 1.480,00 m3 90,00 € 32.400,00 € 100.800,00 € 133.200,00 € 83 Entsorgung Einbauten 1,00 1,00 psch 10.000,00 € 10.000,00 € 10.000,00 € 84 597 Zusätzliche Maßnahmen - € 85 598 Provisorische Außenanlagen und Freiflächen - € 86 599 Sonstiges zur KG 590 - € 91 Kosten Gesamt netto 698.100,00 € 429.800,00 € 1.127.900,00 € 1.127.900,00 € [netto] 92 davon Leistungsbild Freianlagen (FA) - §39 HOAI - € - € [netto] 93 davon Leistungsbild Verkehrsanlagen (VA) - §47 HOAI - € - € [netto] 94 davon Leistungsbild Technische Ausrüstung (TA) - §55 HOAI - € - € [netto] 96 Kosten KG 500 Außenanlagen gesamt / m² 2600,00 m2 433,81 € pro m2 98 Gesamtkosten KG 500 Außenanlagen - netto 1.127.900,00 € netto 99 Mehrwertssteuer 19% 214.301,00 € 100 Gesamtkosten KG 500 Außenanlagen - brutto 1.342.201,00 € brutto Aufgestellt: tr, rh, tb * Kosten vorbehaltlich Weiterverwendbarkeit Oberbau / Verfüllung Baugrube / Grobplanum ** Kosten vorbehaltlich Bodengutachten und Vermesserdaten *** Exkl. Elektroplanung, Anspeisung Elektrozuleitung durch lokalesVversorgungsunternehmen **** Vorbehaltlich Lichtberechnung bzw. techn. Anforderungen Ausleuchtungsgrad AG 26 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb.45: Grobkostenschätzung Passagehof 4. Pilotplanungen im Grobkostenansatz -- 26 of 28 -- Grobkostenschätzung angelehnt an DIN 276:2018 Projekt: 24kek - Entsiegelungskonzept Karlsruhe . Pilotraum Kronenplatz Stand: Vorentwurf Datum: 05.11.25 Lfd. Nr. KG Bezeichnung der Kostengruppe Massen Massen Gesamt Ein- heit Einheitspreis [/Einheit] Kosten Kosten gesamt netto Kosten KG 1. Ebene netto % von Gesamt 1 500 Außenanlagen 3.339.800,00 € 100,00% 2 510 Erdbau - € 0,00% 8 520 Gründung, Unterbau - € 0,00% 15 530 Oberbau Deckschichten 1.764.750,00 € 52,84% 16 531 Wege - € 17 532 Straßen - € 18 533 Plätze, Höfe, Terrassen 19 Entsiegelungsbereiche, perforierte befestigte Flächen (Rasenfuge inkl. Oberbau) 1.100,00 1.100,00 m2 150,00 € 165.000,00 € 165.000,00 € 20 Oberflächensanierung (Belag + Bettung inkl. Oberbau) 2.700,00 2.700,00 m2 200,00 € 540.000,00 € 540.000,00 € 21 Oberflächensanierung (Belag + Bettung inkl. Oberbau) über TG 2.300,00 2.300,00 m2 220,00 € 506.000,00 € 506.000,00 € 22 534 Stellplätze - € 23 535 Sportplatzflächen - € 24 536 Spielplatzflächen - € Boulefläche 65,00 65,00 m2 150,00 € 9.750,00 € 9.750,00 € 25 537 Gleisanlagen - € 26 538 Flugplatzflächen - € 27 539 Sonstiges zur KG530 - € 28 Einfassung Pflanzinseln, BFT 320,00 320,00 m 1.700,00 € 544.000,00 € 544.000,00 € 29 540 Baukonstruktionen - € 110.000,00 € 3,29% 30 541 Einfriedungen - € 31 542 Schutzkonstruktionen - € 32 543 Wandkonstruktionen - € 33 544 Rampen, Treppen, Tribünen - € 34 545 Überdachungen - € 35 546 Stege - € 36 547 Kanal- und Schachtkonstruktionen - € 37 Wassermanagement inkl. Rohrsysteme 1,00 1,00 psch 60.000,00 € 60.000,00 € 60.000,00 € 38 548 Wasserbecken - € 39 Rückbau Brunnen Bestand Kronenplatz 1,00 1,00 psch 30.000,00 € 30.000,00 € 30.000,00 € 40 Sanierung Brunnen Bestand (jubez) 1,00 1,00 psch 20.000,00 € 20.000,00 € 20.000,00 € 41 549 Sonstiges zur KG 540 - € 42 550 Techn. Anlagen in Außenanlagen - € 240.000,00 € 7,19% 43 551 Abwasseranlagen - € 44 552 Wasseranlagen - € 45 Trinkbrunnen inkl. Zu- und Ableitung, Schacht für Winterentleerung und Revision 1,00 1,00 Stk 30.000,00 € 30.000,00 € 30.000,00 € 46 553 Anlagen für Gase und Flüssigkeiten - € 47 554 Wärmeversorgungsanlagen - € 48 555 Raumlufttechnische Anlagen - € 49 556 Elektrische Anlagen - € 50 Beleuchtung (Mastleuchten + Effektbeleuchtung) inkl. Lehrverrohrung 1,00 1,00 psch 110.000,00 € 110.000,00 € 110.000,00 € 51 557 Kommunikationssicherheits- und informationstechnische Anlagen, Automation - € 52 558 Nutzungsspezifische Anlagen - € 53 559 Sonstiges zur KG 550 - € 54 Klimarad Installation mit Wasserspielfunktion 1,00 1,00 psch 100.000,00 € 100.000,00 € 100.000,00 € 55 560 Einbauten in Außenanlagen und Freiflächen - € 197.500,00 € 5,91% 56 561 Allgemeine Einbauten - € 57 Möblierung lose verteilt BTF (Sitz-, Spielelemente) 10,00 10,00 Stk 8.000,00 € 80.000,00 € 80.000,00 € 58 Möblierung lose verteilt (Enzis) 5,00 5,00 Stk 3.000,00 € 15.000,00 € 15.000,00 € 59 Fahrradbügel 60,00 60,00 Stk 300,00 € 18.000,00 € 18.000,00 € 60 Abfallbehälter 10,00 10,00 Stk 950,00 € 9.500,00 € 9.500,00 € 61 temporäre Beschattung (Sonnensegel) inkl. Abspannung am Gebäude und Mast 1,00 1,00 psch 75.000,00 € 75.000,00 € 75.000,00 € 62 562 Besondere Einbauten - € 63 563 Orientierungs- und Informationssyteme - € 64 559 Sonstiges zur KG 560 - € 65 570 Vegetationsflächen - € 215.250,00 € 6,44% 66 571 Vegetationstechnische Bodenbearbeitung - € 67 572 Sicherungsbauweisen - € 68 573 Pflanzflächen - € 69 Pflanzinsel mit Schwammkörper 400,00 400,00 m3 85,00 € 34.000,00 € 34.000,00 € 70 Pflanzinsel mit Schwammkörper über TG 250,00 250,00 m3 105,00 € 26.250,00 € 26.250,00 € 71 Ertüchtigung Fassadenbegrünung Bestand - € 72 574 Rasen und Saatflächen - € 73 Baumpflanzung 25,00 25,00 Stk 2.500,00 € 62.500,00 € 62.500,00 € 74 Baumquartier Neupflanzung 15,00 15,00 Stk 1.500,00 € 22.500,00 € 22.500,00 € 75 Baumquartier Neupflanzung überfahrbar 10,00 10,00 Stk 7.000,00 € 70.000,00 € 70.000,00 € 76 579 Sonstiges zur KG 570 - € 77 580 Wasserflächen - € - € 0,00% 78 581 Befestigungen - € 79 581 Abdichtungen - € 80 583 Bepflanzungen - € 81 589 Sonstiges zur KG 580 - € 82 590 Sonstige Maßnahmen für Außenanlagen und Freiflächen - € 812.300,00 € 24,32% 83 591 Baustelleneinrichtung 1,00 1,00 psch 160.000,00 € 160.000,00 € 160.000,00 € 84 592 Gerüste - € 85 593 Sicherungsmaßnahmen - € 86 594 Abbruchmaßnahmen sonstiges 1,00 1,00 psch 50.000,00 € 50.000,00 € 50.000,00 € 87 Abbruch Oberflächen 3.800,00 3.800,00 m2 30,00 € 114.000,00 € 114.000,00 € 88 Abbruch Oberflächenüber TG 2.300,00 2.300,00 m2 35,00 € 80.500,00 € 80.500,00 € 89 595 Instandsetzungen - € 90 596 Materialentsorgung - € 91 Entsorgung Abbruchmaterial 4.420,00 0,00 m3 90,00 € 397.800,00 € 397.800,00 € 92 Entsorgung Einbauten 1,00 1,00 psch 10.000,00 € 10.000,00 € 10.000,00 € 93 597 Zusätzliche Maßnahmen - € 94 598 Provisorische Außenanlagen und Freiflächen - € 95 599 Sonstiges zur KG 590 - € 91 Kosten Gesamt netto 3.339.800,00 € 3.339.800,00 € [netto] 92 davon Leistungsbild Freianlagen (FA) - §39 HOAI - € - € [netto] 93 davon Leistungsbild Verkehrsanlagen (VA) - §47 HOAI - € - € [netto] 94 davon Leistungsbild Technische Ausrüstung (TA) - §55 HOAI - € - € [netto] 96 Kosten KG 500 Außenanlagen gesamt / m² 6600,00 m2 506,03 € pro m2 98 Gesamtkosten KG 500 Außenanlagen - netto 3.339.800,00 € netto 99 Mehrwertssteuer 19% 634.562,00 € 100 Gesamtkosten KG 500 Außenanlagen - brutto 3.974.362,00 € brutto Aufgestellt: tr, rh, tb * Kosten vorbehaltlich Weiterverwendbarkeit Oberbau / Verfüllung Baugrube / Grobplanum ** Kosten vorbehaltlich Bodengutachten und Vermesserdaten *** Kosten abhängig von Überprüfung Tragkonstruktion TG **** Kosten Wasserpiel vorbehaltlich angestrebter Wasserqualität / Wassertechnik ***** Exkl. Elektroplanung, Anspeisung Elektrozuleitung durch lokalesVversorgungsunternehmen ****** Vorbehaltlich Lichtberechnung bzw. techn. Anforderungen Ausleuchtungsgrad AG Stadtplanungsamt | 27 Abb.46: Grobkostenschätzung Kronenplatz -- 27 of 28 -- Blau-grüner Fächer für eine resiliente Innenstadt Pilotplanungen Entsiegelungs- konzept Innenstadt -- 28 of 28 --
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Extrahierter Text
Let it (d)rain! Entsiegelungs- konzept Innenstadt Blau-grüner Fächer für eine resiliente Innenstadt Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt -- 1 of 91 -- 2 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Kaiserallee 4 76133 Karlsruhe Telefon: 0721 133-6101 E-Mail: stpla@karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/stadtplanung/ Amtsleitung: Prof. Dr.-Ing. Anke Karmann-Woessner Bearbeitung: bauchplan ).( berchtoldkrass space & options Severinstraße 5 Schützenstraße 8a 81541 München 76137 Karlsruhe 089 2880-7875 0721 665-5068 studio@bauchplan.de mail@berchtoldkrass.de Hinweis zu den Abbildungen: Es wurde bewusst auf die Quellenangaben in den Bildunterschriften verzichtet. Diese sind in dem Abbildungsverzeichnis aufgelistet, siehe Seite 85. © Stadt Karlsruhe | Stand: November 2025 -- 2 of 91 -- Stadtplanungsamt | 3 1. Anlass und Ziel 4 1.1 Hintergrund 4 1.2 Projektbeschreibung 7 1.3 Bestehende Gutachten und Vorstudien 8 1.4 Was bedeutet Entsiegelung? 10 1.5 Best-Practice-Beispiele 13 1.6 Methode und Vorgehen 18 2. Potenzialanalyse 20 2.1 Bestandsaufnahme Stadtspaziergang 20 2.2 Digitale Ermittlung des Versiegelungsgrads 23 2.3 Szenarien und Aktionsspektrum 24 2.4 Analoge Flächensuche für Aktionspool 25 2.5 Erstellung und Auswertung parametrischer Datensätze 26 2.6 Datenwolke und Gewichtung 48 2.7 Potenzialkarte der Innenstadtentsiegelung 52 3. Entsiegelungskonzept 54 3.1 Zielbild 54 3.2 Blau-grüner Charakter der Fächerstrassen 56 3.3 Leitbild blau-grüner Fächer als Innenstadt-Vision 60 4. Abgleich der Möglichkeiten 62 4.1 Suche nach Synergien 62 4.2 Umgang mit Einschränkungen 63 5. Entsiegelungsmaßnahmen 64 5.1 Größengestaffelte Toolbox 64 5.2 Pilotmodule 65 5.3 Kopplung und Vernetzung als Chance 68 6. Piloträume und Initialplanungen 69 6.1 Initialmaßnahmen 69 6.2 Pilotraum Herrenstraße 70 7. Errichtung und Unterhalt 80 7.1 Kosten in der Umsetzung 80 7.2 Kosten im Unterhalt 82 7.3 Alternative Unterhaltsmodelle 83 8. Abbildungsverzeichnis 85 Inhalt -- 3 of 91 -- 4 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 1.1 Hintergrund 1. Anlass und Ziel Mit dem am 1. Juli 2024 in Kraft getretenen Klimaan- passungsgesetz haben Träger öffentlicher Aufgaben bei ihren Planungen und Entscheidungen das Ziel der Klimaanpassung fachübergreifend und integriert zu berücksichtigen. Dabei sollen sie auch im Rahmen ihrer Maßnahmen darauf hinwirken, bereits versiegel- te Böden, deren Versiegelung dauerhaft nicht mehr notwendig ist, in den natürlichen Bodenfunktionen wiederherzustellen und zu entsiegeln. Die Entsiegelung von Flächen in der Innenstadt ist eine zentrale Maßnah- me für die Anpassung an die Folgen des Klimawandels in Karlsruhe. Gleichzeitig kommt der Ausbau einer blau-grünen-Infrastruktur auch der Aufenthaltsqualität zugute – ein wesentlicher Faktor für die gewünschte Nutzungsmischung der Innenstadt und ihrer Weiterent- wicklung zum Begegnungsort. Die Stadtverwaltung wurde beauftragt, als Baustein von städtischen Klimaanpassungsmaßnahmen ein Entsiege- lungskonzept für die Innenstadt aufzustellen. Neben der Entsiegelung von Baugrundstücken (Bebau- ungsplan zur Grünordnung und Klimaanpassung, sog. „Grünsatzung Innenstadt“) sollen mit dem Entsiege- lungskonzept Innenstadt jetzt auch die öffentlichen Räume verstärkt in das Handlungsfeld einbezogen werden. Dies gilt insbesondere für die stark belasteten Wohngebiete, in denen mit Entsiegelungsmaßnahmen zeitnah begonnen werden soll. Der öffentliche Raum ist die große Flächenressource in der öffentlichen Hand. Hier kann modellhaft und schrittweise ein neuer Typus Stadt entwickelt und für die Bürger*innen qualitativ und atmosphärisch erfahrbar werden. Aktuell prüft die Stadtverwaltung bei jedem Bauvorha- ben Entsiegelungsmöglichkeiten und Baumstandorte. Das hier vorliegende Entsiegelungskonzept soll dazu beitragen, Entscheidungen künftig strategisch zu tref- fen und im Einzelfall zu erleichtern. Dafür sind neben umfangreicher Abstimmung mit den beteiligten Ämtern auch innovative Lösungen und Standards entwickelt worden. Besonders die Multifunktionalität oder „Multi- kodierung“ von Flächen (z.B. Entsiegelung und Parken mit Rasenfugensteinen) kann helfen, im Rahmen der Konkurrenz der Flächen Kompromisse zu schließen und damit Entscheidungen für ggfs. kleinteilige aber flächen- deckende Entsiegelung zu erleichtern. Für die Umset- zung der Entsiegelungsmaßnahmen im öffentlichen Raum sollen ab 2026 jährliche Mittel zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus gibt es über Förderpro- gramme, wie z.B. KLIMOPASS des Landes Baden-Würt- temberg Möglichkeiten der Teilförderung. Abb. 01: Foto der Ortsbegehung: Entsiegelungspotenziale ausfindig machen und im Zuge von Stadtumbau- oder Sanierungsmaßnahmen aktivieren. Klimaanpassungsgesetz erfordert fachübergreifende Zusammenarbeit -- 4 of 91 -- Stadtplanungsamt | 5 Abb. 02: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Stadtlandschaften. Abb. 03: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Biodiversität. Abb. 04: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Hochwasserschutz. Abb. 05: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Mikroklima. Maßstabsebene Stadtlandschaften: Versie- gelung hat den Grundwasserspiegel unserer Stadtlandschaften über Jahrzehnte sinken lassen. Entsiegelung im Zusammenspiel mit blau-grüner Infrastruktur wirkt diesem Effekt entgegen und ist damit auch eine dringend benötigte Zukunftsvorsorge für Lebenswerte Städte (Grafik angelehnt an LBEG). Maßstabsebene Biodiversität: Gestörte Boden-Luft-Systeme verhindern eine natür- liche Biodiversität. Entsiegelung repariert diese Funktionsgefüge und schafft damit die Grundvoraussetzungen für eine innerurbane Artenvielfalt von Flora und Fauna. Maßstabsebene Hochwasserschutz: Mit im- mer heftigeren und öfter wiederkehrenden Starkregenereignisse steigt die innerstäd- tische Überflutungsgefahr. Entsiegelungs- maßnahmen wirken dieser Gefahr durch Wasseraufnahme entgegen und verzögern Wasserabgabe, wie ein Schwamm auf Stadtebene. Maßstabsebene Mensch: Unsere Innenstädte überhitzen in den Sommermonaten durch Wärmespeicherung und Abstrahlung aus unserer gebauten Umwelt. Entsiegelungsmaß- nahmen führen zu niedrigeren Oberflächen- temperaturen und können in großen Dimen- sionen umgesetzt sogar die innerstädtische Kaltluft-Genese fördern. Für uns Menschen entsteht dadurch ein resilientes, weil gemä- ßigtes, Innenstadtklima, das Aufenthalt und Nutzung unserer öffentlichen Räume sicher- stellt. Entsiegelung ist damit eine entscheiden- de Maßnahme für die Funktionsweise mittel- europäischer Stadtgefüge. Maßstabsebene Mikroklima und Trockenheits- resistenz: Bodenversiegelung verunmöglicht natürliche Verdunstung und Versickerung. Entsiegelungsmaßnahmen erhöhen die lokale Wasserdurchlässigkeit und Wasserspeicher- fähigkeit. Sie sichern so pflanzliches Über- leben auch in langen Trockenperioden und sind damit die entscheidende Maßnahme für (vegetative) Verdunstungsleistungen in den Sommermonaten. Abb. 06: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Mensch. -- 5 of 91 -- 6 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 07: Foto der Ortsbegehung: Entsiegelung der Karlsruher Innenstadt als schrittweise umzusetzende Zukunftsinvestition. -- 6 of 91 -- Stadtplanungsamt | 7 1.2 Projektbeschreibung Bodenversiegelung hat vielfältige Auswirkungen auf das Ökosystem: Bodenfunktionen gehen verloren, der natürliche Wasserhaushalt wird verändert, der Abfluss verstärkt, das Mikroklima wird wärmer und trockener, Lebensräume gehen verloren. Neben Schutz der Böden vor Neuversiegelung rückt, insbesondere in unseren Städten mit hohem Anteil versiegelter Flächen, zunehmend auch die Entsiegelung von Böden in den Fokus. Mit entsprechenden Entsie- gelungsmaßnahmen können ein naturnaher Wasser- kreislauf begünstigt und natürliche Bodenfunktionen zurückgewonnen werden. Mittels Wasserverdunstung, Evaporations- und Verschattungsleistung durch Vegetati- on leistet Entsiegelung darüber hinaus einen Beitrag zur lokalen Klimaanpassung und letztlich dem Wohlfühlen der Bevölkerung. Diese Anpassung an den Klimawandel ist eine der zentralen Aufgaben unserer Zeit. In dicht bebauten Städten wie Karlsruhe führt die Flächenent- siegelung zu niedrigeren Oberflächentemperaturen und reduziert das Risiko von Überschwemmungen bei Starkregen. Entsiegelte, funktionsfähige Böden bilden zudem die Basis für eine urbane Biodiversität. Die Innenstadt Karlsruhe weist, abgesehen von den historischen Grünflächen, einen im Bundesvergleich hohen Versiegelungsgrad auf. Eine zentrale Aufgabe zur Anpassung an die spürbaren Folgen des Klimawandels ist daher, die Entsiegelung von Flächen in der Karlsruher Innenstadt. Versiegelte Flächen sind ein Hauptfaktor für den städtischen Wärmeinseleffekt, also die relati- ve Aufheizung der Stadt im Vergleich zum ländlichen Umland, aber auch für die hohe Auslastung städtischer Kanalsysteme bei Starkregenereignissen und erhöhte Unterhaltsaufwendungen für den Erhalt von bestehen- den Vegetationsstrukturen. Die Ziele des Entsiegelungskonzepts zur Karlsruher Innenstadt sind zweigeteilt: Zunächst werden konkrete Orte der Karlsruher Innenstadt mittels Verschneidung verschiedener Daten herausgearbeitet oder bestätigt, an denen Entsiegelungsmaßnamen für die Bevölkerung ihre größte Wirkweise entfalten. Diesem Schritt ist ein nach Eingriffsgröße und Wirkweise gestaffelter Katalog von modularen Entsiegelungsmaßnahmen zugeordnet. Darüber hinaus entsteht jedoch auch ein technisches Werkzeug, das für den Untersuchungsraum verfügbare, städtische GIS-Datensätze, sowie öffentlich verfügbare Parameter (wie Open-Source-GIS-Daten) unter individu- eller Gewichtung miteinander verschneidet, eine Karte generiert und Empfehlungen ablesbar macht. Hierdurch wird die Vorgehensweise auf andere Teile der Stadt übertragbar. In der stark versiegelten Innenstadt ist die Hitzebelas- tung bereits hoch und der Handlungsbedarf offensicht- lich. Aus diesem Grund entwickelt die Stadtverwaltung seit November 2024 ein Entsiegelungskonzept, um die öffentlichen Flächen in der Innenstadt systematisch zu entsiegeln, unterschiedliche Formen der Begrünung zu schaffen und, wo möglich, natürliche Bodenfunktionen wiederherzustellen. Durch die Entsiegelung können Regenwasser besser aufgenommen, die Umgebung ge- kühlt und Lebensräume für Pflanzen und Tiere geschaf- fen werden. Dies verbessert nicht nur das Stadtklima, sondern auch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt und fördert ihre Entwicklung als lebendiger Begeg- nungsort. Die geplanten Maßnahmen sollen dazu beitra- gen, die Auswirkungen des Klimawandels abzumildern und Karlsruhe als lebenswerte Stadt weiterzuentwickeln. Das Konzept berücksichtigt über einen eingebauten Realitäts-Check, dass es vielfältige Ansprüche an die verfügbaren Flächen gibt. Dabei müssen Lösungen für konkurrierende Flächenansprüche gefunden werden – von Verkehr und Außengastronomie bis zur Begrünung und Aufenthaltsqualität. Auch unterirdisch bestehen Nutzungskonflikte zwischen Wurzeln, Leitungen und anderen Infrastrukturen. Gleichzeitig können Syner- gien genutzt werden, beispielsweise durch eine koor- dinierte Kopplung von Entsiegelungsmaßnahmen mit geplanten Arbeiten zum Fernwärmeausbau oder der Radinfrastruktur. Das Entsiegelungskonzept baut dabei auf dem Konzept „Öffentlicher Raum und Mobilität Innenstadt“ (ÖRMI) auf und wird durch das Landespro- gramm KLIMOPASS gefördert. Auf Basis des Konzeptes werden prototypische Pilotmo- dule für typische Straßenfreiraum- und Platzgestaltun- gen für zentrale Innenstadtbereiche entwickelt und in den kommenden Jahren entsprechend der verfügbaren finanziellen Mittel sukzessive umgesetzt. Zusätzlich werden Pilotplanungen als Teil des Projekts „City Trans- formation“ erarbeitet und durch das Bundesprogramm Zukunftsfähige Innenstädte und Zentren (ZiZ) gefördert. Das Entsiegelungskonzept „Let it (d)rain!“ ist demnach als Konzept einer Zukunftsvorsorge inklusive initiieren- der Pilotplanungen zu verstehen. Ein Aufruf, der bei schrittweiser und beständiger Umsetzung eine gewisse Gelassenheit für Stadtverwaltung wie -politik gegenüber einem sehr herausfordernden Themenfeld als Resultat anbieten soll. Entsiegelung als Baustein der Klimaanpassung Handlungsbedarf Innenstadt Let it (d)rain! -- 7 of 91 -- 8 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 1.3 Bestehende Gutachten und Vorstudien Klimatologische Untersuchungen auf Gesamtstadt- ebene zeigen, dass trotz des verhältnismäßig hohen Grünanteils in den historischen Anlagen die Innenstadt besonders von Überhitzung betroffen ist. Diese Tendenz wird sich den Berechnungen zufolge in den kommenden Jahrzehnten noch verschärfen. Für die mittelfristige Zukunft (2046-55) wird die bio- klimatische Belastungssituation im gesamten Unter- suchungsraum fast flächendeckend als „sehr hoch“ eingestuft. Für den innerstädtischen Stadtstrukturtyp der geschlos- senen Blockrandbebauung wird Entsiegelung, Verschat- tung und Einrichtung von Pocket-Parks und erlebbarem Wasser im öffentlichen Raum empfohlen, um fußläufig gut eingebundene Entlastungsflächen zu schaffen. Klimatologische Untersuchungen Abb. 08: Prognosen zur bioklimatischen Belastung für die mittelfristige Zukunft 2046-55 (links) und die langfristige Zukunft 2090-99 (rechts), GEO-NET Umweltconsulting GmbH, 2013. Abb. 09: Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung, berchtoldkrass space&options, GEO-NET Umweltconsulting. GmbH, 2015. IMAANPASSUNG -- 8 of 91 -- Stadtplanungsamt | 9 Abb. 11: Vision für die Grünvernetzung aus dem Leitprojekt ÖRMI), Gehl, ARGUS, Weeber+Partner, 2022. Die Starkregengefahrenkarte zeigt, dass in Teilen der Karlsruher Innenstadt derzeit bei seltenen oder außerge- wöhnlichen (30- oder 100-jährigen) Starkregenereignis- sen durchaus mit Überflutungen mit Wassertiefen von 10-50 cm zu rechnen ist. Somit spielt das Regenwas- sermanagement in der Stadtplanung eine bedeutende Rolle. Das Leitprojekt ÖRMI - „Öffentlicher Raum und Mobili- tät Innenstadt“ stützt sich auf eine Rückbesinnung zur ursprünglichen Idee der „Stadt im Wald“ mit Strahlen, die eine Verzahnung mit dem umliegenden Waldgebiet ermöglichen. Die prägende Fächerstruktur wird im Leitbild fortgeführt und sieht eine Erhöhung des Grünanteils und Einfüh- rung neuer Grün- und Wasserflächen vor. Starkregengefahrenkarte ÖRMI Abb. 10: Starkregengefahrenkarte ohne Maßstab, Stadt Karlsruhe, Fachpläne, 2025. -- 9 of 91 -- 10 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 1.4 Was bedeutet Entsiegelung? Entsiegelung ist das Rückgängigmachen von Versiege- lung. Unter Bodenversiegelung, auch Oberflächenversie- gelung, Flächenversiegelung oder Versiegelung genannt, ist die auf anthropogene Einflüsse zurückzuführende Unterbrechung oder Behinderung der vielfältigen Austauschprozesse zwischen Atmosphäre, Pedosphäre und Hydrosphäre sowohl im abiotischen (z. B. Wasser- kreislauf) als auch im biotischen (als Lebensraum von Pflanzen und Tieren) Bereich zu verstehen. Die Aus- tauschvorgänge werden unterbunden durch Abdichtung mit undurchlässigen Substanzen (z. B. Teer, Beton oder Gebäude), extreme Verdichtung (z. B. durch Befahren) und unterirdische Baukörper (Tiefgaragen, Tunnel u. Ä.). Der Versiegelungsgrad dient der quantitativen Bestim- mung und meint den Anteil der versiegelten Fläche zu einer Bezugsfläche. Versiegelte Flächen heizen sich bei Sonneneinstrahlung stärker auf als offene Böden. Das ist auch der Grund dafür, dass es in den Innenstädten wärmer ist als in ihrer Umgebung, denn die gespeicherte Sonnenenergie wird vor allem Nachts an die Luft abgegeben. Es kommt zur Ausbildung von städtischen Wärmeinseln. Die Versie- gelung der Fläche kombiniert mit dem veränderten Wasserhaushalt sowie der unterschiedlichen Wärmeab- gabe der Oberflächen bewirkt kleinräumig bedeutende Temperaturunterschiede. Die Reduktion oder Rücknahme von Versiegelung fördert naturnahe Wechselwirkungen zwischen Boden, Oberflächen und Luft. Daraus resultieren im Endeffekt positive Effekte für den Grundwasserstand, das Mik- roklima, die Biodiversität und das Wohlempfinden der Bevölkerung. Entsiegelungsmaßnahmen auf Stadt- und Quartiersebene werden somit mindestens mittelfristig zum Standortvorteil der Städte werden. Die Maßnah- men steigern die Resilienz der urbanen Gefüge und sind somit neben den unmittelbaren Wirkungen auch als nachhaltige Zukunftsinvestition zu verstehen. Im innerstädtischen Bereich unterliegt der Boden hohem Nutzungsdruck sowie einer kontinuierlichen Nutzungs- dynamik. Dabei steht Entsiegelung nicht zwingend im Widerspruch zur Begeh- oder Befahrbarkeit und kann mit zahlreichen anderen Funktionen im Stadtfreiraum wie neuen Aufenthaltsangeboten kombiniert werden. Ziel der Entsiegelung sollte im Sinne einer gesteigerten Resilienz ein möglichst hoher Grad der Multicodierung sein: versickerungsoffene Flächen, die zugleich für Men- schen und /oder Tiere nutzbare, urbane Raumangebote bieten und im Optimalfall zum Beispiel im Zuge einer anstehenden Sanierung etc. zur Umsetzung gelangen. Entsiegelung bedeutet dabei nicht zwangsläufig „zurück zur grünen Wiese“: durch entsprechende Materialien können funktionale Anforderungen oftmals beibhalten werden. Fachlich wird im Allgemeinen zwischen Teilent- siegelung und Vollentsiegelung unterschieden. Wiederherstellung naturnaher Wechselwirkungen Entsiegelung plus! Abb. 12: Menschliches Wohlbefinden, naturnaher Wasserkreislauf und urbane Biodiversität als Zielsetzungen einer Resilienz-Vorsorge. -- 10 of 91 -- Stadtplanungsamt | 11 Als voll entsiegelt gilt eine zusammenhängende Fläche dann, wenn ein naturnaher Bodenaufbau vorhanden ist und dessen Sickerwerte Wasserrückhalt und zeitlich ver- setzte Versickerung lokal ermöglichen, so dass mindes- tens die Niederschläge dieser Fläche, bestenfalls inkl. der Wassermengen aus der noch versiegelten Umgebung, nicht mehr in den Kanal, sondern in einen naturnahen Kreislauf rückgeführt werden. Teilentsiegelung kann zweierlei bedeuten: zum einen, dass die vorhandene, wasserundurchlässige Oberfläche sowie der zugehörige Oberbau auf einem Anteil der Gesamtfläche voll entsiegelt werden und bestenfalls die weiterhin versiegelte Nachbarfläche kompensieren. Zum anderen gelten als Teilversiegelungen auch Belags- arten, die über Fugen oder Stanzungen Versickerung der Gesamtfläche ermöglichen. Entsiegelte Oberflächen werden dabei in der Regel entsorgt und durch angelie- ferten Boden ersetzt. Ein künftiger Fokus im Sinne eines nachhaltigen Massenmanagements muss es deshalb auch sein, vor Ort existierende Materialien in die Entsie- gelungsplanung zu integrieren. Die natürlichen Kreisläufe sind in unseren Städten auch in Bezug auf den Umgang mit Regenwasser stark ge- stört. Dies hat gravierende Folgen für Grundwasserstän- de, Vegetationsbestand, Biodiversität und Mikroklima unserer Städte. Hoch versiegelte Innenstädte sind davon besonders betroffen. Jetzt gilt es, Entsiegelungsmaßnah- men in die Stadtentwicklung zu integrieren und damit einen Beitrag zur naturnahen Wiederherstellung lokaler Wasserkreisläufe zu leisten. Entsiegelung als Aufgabe der Stadtentwicklung Abb. 13: Abflussverhalten bei veränderten Versiegelungsanteilen im jeweiligen Einzugsgebiet (nach DYCK & PESCHKE, 1995). Deutlich wird, dass Entsiegelung die Spitzenabflüsse reduziert und die maximalen Abflussmengen zeitlich verzögert eintreten. Abfluss [m2/s] Versiegelung 100% Scheitelrückverlagerung Scheitelabsenkung Zeit [t] Zeit [t] 2 4 6 8 10 12 Versiegelung 50% Unversiegelt 20 40 60 80 100 Teilentsiegelung durch Belagswechsel Abb. 14: Besipielhafte Darstellungen einer Teil- und Vollentsiegelung. Teilentsiegelung durch Teilflächenentsiegelung Vollentsiegelung Vollentsiegelung mit Integration Re:Use-Material -- 11 of 91 -- 12 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Fachliche Zielsetzung: Das Entsiegelungskonzept stellt einen Leitfaden dafür, wo und wie effizient im Sinne einer Qualitätssteigerung für die Bewohner*innen und ökonomisch sinnvoll mit der notwendigen Entsiegelung der Karlsruher Innenstadt begonnen werden kann. Initialplanungen versuchen darüber hinaus, Abläufe modellhaft zu etablieren, um Vorgehensweisen für die serielle Umsetzung von Entsiegelungsmaßnahmen zu erarbeiten. Fachliche Zielsetzung auf der Software-Ebene: Die entwickelte Methode - bestehend aus der digitalen Potenzialerhebung und dem analogen Abgleich - lässt sich für künftige Entsiegelungs-Zielgebiete replizieren. Darüber hinaus wurde auf der Software-Ebene ein erster Stand für ein Werkzeugset entwickelt, das das Einlesen, Gewichten und Verschneiden digitaler Einzelparameter ermöglicht und daraus grafisch lesbare Entsiegelungs- Potenzialkarten erzeugt. Dieses Werkzeug könnte, entsprechende Einarbeitung und/oder Oberflächen- Entwicklung vorausgesetzt, zu einer universell einsetzba- ren Softwarelösung zur Ermittlung und Kommunikation von innerstädtischen Entsiegelungspotenzialen auf Basis vorhandener Daten weiterentwickelt werden. Soziologische Zielsetzung des Entsiegelungskonzeptes ist es selbstverständlich, eine der Grundlagen für die Entwicklung einer nachhaltig lebenswerten Innenstadt zu schaffen. Das Entsiegelungskonzept kann so zu einem Leitfaden für künftige Oberflächensanierungen oder auch gezielt angegangene Neuplanungen von öffentlichen Freiräumen werden. Im besten Fall inspiriert es darüber hinaus auch private Vorhabenträger*innen, auf ihren Grundstücken ähnliche Maßnahmen umzuset- zen. Ausblick und Zielsetzung -- 12 of 91 -- Stadtplanungsamt | 13 1.5 Best-Practice-Beispiele Auf dem bis dahin vollversiegelten Vorplatz der Architekturfakultät der Universität Delft wurde ein Klimaarboretum ausgeführt. Die ausgewählten Baumarten werden fortlaufend hinsichtlich ihrer Kühlleistung in urbanem Umfeld untersucht. Planung: TU Delft, Faculty of Architecture and the Built Environment Einordnung und Blick über den Tellerrand Vorplatz Universität Delft (NL) Abb. 15: Entsiegelung Vorplatz Universität Delft. Die Schwammstadt ist in Fachkreisen längst ein allge- genwärtiger Begriff. Wollen wir unsere Städte zukunfts- fit weiterentwickeln, wird die Speicherung von Wasser zur zentralen Aufgabe. Wann immer wir dies nicht kos- tenintensiv über technische Maßnahmen künstlich be- werkstelligen wollen, wird Entsiegelung einen wesentli- chen Anteil innerhalb des Maßnahmenspektrums hin zu einem naturnahen urbanen Wasserhaushalt darstellen. Wieder aktivierter Boden ist die Basis für den Aufbau von blau-grüner Infrastruktur, die zur Verbesserung des Stadtklimas, zur Förderung der Biodiversität und zur Steigerung der Aufenthaltsqualität beiträgt. Durch multicodierte Lösungen werden Stadträume geschaffen, die verschiedene Anforderungen – wie Fortbewegung, Regenwassermanagement, Erholung, Kühlung und Ge- staltung – integrieren und so als Begegnungsorte für die Zukunft fungieren. In den europäischen Metropolen hat der Transformationsprozess hin zu blau-grünen Städten längst begonnen. Einige Eingriffe, von niederschwelligen Guerilla- Projekten über Baumrigolen bis hin zu technischen Schwammprojekten werden hier kurz angeführt und in Ihrer Wirkweise eigeschätzt. Ziel ist es einerseits, die Maßnahmen auf den Boden der Realisierbarkeit zu brin- gen, wie auch die Hemmschwellen in Politik und Ver- waltung zu reduzieren. Im Fall von Karlsruhe kann der Blick über den Tellerrand aber auch deutlich machen: Die Stadt ist mittendrin und nicht nur am Nachrüsten, wie das ausgezeichnete Modellprojekt am Bahnhofplatz Süd zeigt. -- 13 of 91 -- 14 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Ein kompaktes Beispiel, aus dem sich in den Folgejahren kon- krete Messergebnisse ableiten werden lassen, ist das Testfeld des Tiefbauamts Zürich auf dem Dreiecksparkplatz in Örlikon. Hier wurden verschiedene sickerfähige Beläge nebeneinander realisiert. Seit 2025 laufen die Messreihen zur Wasseraufnah- mefähigkeit und Hitzeentwicklung. Planung: s2l landschaftsarchitektur in Zusammenarbeit mit: ZHAW Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften, Institut Umwelt und Natürliche Ressourcen, Forschungsgrup- pe Pflanzenverwendung Entlang des neu gestalteten Promenadenrings wird Ober- flächenwasser in begrünte Sickermulden geleitet. Ein im halbjährlichen Wartungsturnus händisch um 180 Grad umzudrehendes Blech gewährleistet die Absonderung der salzbelasteten Wasser des Winterbetriebs in den Kanal und die Wasserversorgung der Retentionsmulde mit Stauden- pflanzungen in den Sommermonaten. Planung: DnD Landschaftsplanung mit Rosinak & Partner Blau-grünes Parken in Zürich, Örlikon (CH) Sickermulden in St. Pölten (A) Abb. 16: Blaugrünes Parken Zürich (CH). Abb. 17: Sickermulden in St. Pölten (A). -- 14 of 91 -- Stadtplanungsamt | 15 Grüne Gullys Berlin (D) Bahnhofsvorplatz Süd in Karlsruhe (D) Seit 2024 werden „grüne Gullys“ an Straßenrändern in Berlin-Mitte eingerichtet und schaffen zusätzliche Wasserre- tentionsflächen an Stellen, an denen das Niederschlagswas- ser bereits natürlich hingeleitet wird. Die Baukosten dieser niedrigschwelligen Lösung belaufen sich auf 7.000 - 10.000 EUR je Maßnahme. Planung: Straßen- und Grünflächenamt Berlin Mitte Trotz fast vollständiger Unterbauung werden die Oberflä- chenwässer der Aufenthaltsbereiche gesammelt und in einem 1.200 m3 großen Schwammkörper den Klimabäumen zur Verfügung gestellt. Die Baumquartiere wurden, angelehnt an das klassische Schwammstadt-Prinzip, mit einer eigens für den urbanen Charakter des Standorts entwickelten Lösung ausgeführt. Planung: bauchplan ).( in Kooperation mit berchtoldkrass space& options und dwd Ingenieur GmbH Abb. 18: Grüner Gully Berlin. Abb. 19: Bahnhofplatz Karlsruhe Süd. -- 15 of 91 -- 16 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 20: Entsiegelung und Aufenthalt Place Eugène Flagey. Abb. 21: Grüner Boulevard Barcelona. Die nachträgliche Klimasanierung mittels Grüninseln in unter- schiedlichen Größen schafft auf der offenen Platzfläche mit Wasserspiel zusätzliche Aufenthaltsqualitäten, eine erhöhte Biodiversität sowie ein verbessertes Mikroklima. Planung: ursprünglich Latz + Partner, Klimasanierung kollektif landscape Place Eugène Flagey in Brüssel (B) Sant Joan Boulevard, Barcelona (E) Erweiterte Baumquartiere und Aufenthaltsbereiche mit Ra- senfugen entlang des Passeig de Sant Joan Boulevards bilden großzügige urbane Wohnzimmer. Planung: Lola Domènech Arquitecta Sant Joan Boulevard, Barcelona (E) -- 16 of 91 -- Stadtplanungsamt | 17 Craquelures dans le réel in Lausanne (CH) In Lausanne wird anläßlich eines Kunstfestivals ein Parkplatz mittels Asphaltschnitt entsiegelt und neu bespielt. Es entsteht ein Spontangarten mit Ruderalvegegation als urbaner Mög- lichkeitsraum für Menschen. Planung und Durchführung: II0I0I, KOIZ, KRI, PALMA, and MOFA Abb. 22: Entsiegelung als künstlerische Intervention in Lausanne. Das Verbundprojekt „Boden-Rohr-System als innovatives Element der klimaangepassten Stadtentwässerung“ (BoRSiS) wurde im Zeitraum 2021-2024 im Rahmen der Förderricht- linie „Forschung an Fachhochschulen in Kooperation mit Unternehmen“ des Programms „Forschung an Fachhoch- schulen“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung gefördert und entwickelt. Der integrale Ansatz dieses neuen Rohrsystems besteht darin Baumstandorte mit (existierenden) Leitungsgräben und Regenwasserspeichern zu verbinden, wodurch ein unterirdischer Raum für Regenwasser entsteht, der zugleich als erweiterter Wurzelraum dient. So wird die Baumvitalität verbessert, ohne zusätzlichen Platz an der Ober- fläche zu benötigen. Das gespeicherte Wasser verdunstet zeitverzögert über die Bäume, die Vegetation wird versorgt und die Kanalisation bei Starkregen entlastet. Erprobt wird BoRSiS beispielsweise in den Städten Detmold, Köln und Bochum. Abb. 24: Neue Verbündete: Leitungstrassen und Baumstandorte in Symbiose. Abb. 25: Boden-Rohr-System BoRSiS. Abb. 23: Querschnitt B-B durch das Boden-Rohr-System mit angeschlossenem Baumstandort. BMBF, 2024. www.dernoton.de ROHRUMMANTELUNG MIT DERNOTON ® -FERTIGMISCHUNG S ... weil die Natur den TON angibt die intelligenten Tonmischungen für Abdichtungen im Erdreich … INFORMATIONEN seit 1987 www.dernoton.de info@dernoton.de Boden-Rohr-System BoRSiS (D) -- 17 of 91 -- 18 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 1.6 Methode und Vorgehen Sowohl auf Basis einer auf Geoinformationssystemen (GIS) gestützten Analyse, als auch durch Begehungen des öffentlichen Freiraums bzw. der Freiräume in städti- scher Zuständigkeit, wird das Potenzial für Entsiegelung, Begrünung und Versickerung untersucht. Dabei wird ermittelt, wo dies besonders dringend und wirksam ist. In einem Abgleich mit Umsetzungshindernissen und weiteren Rahmenbedingungen werden Umsetzungs- möglichkeiten identifiziert und ermittelt. Auf diesem Wege treten die Bereiche zu Tage, in denen die Realisie- rungsbedingungen besonders günstig sind. Das Entsiegelungskonzept beschreibt verschiedene Maß- nahmen zur Entsiegelung, Begrünung und Versickerung (inkl. Baumstandorte) und kartiert die Maßnahmenvor- schläge in einem Umsetzungsplan, welcher mit einem Leitfaden zur Umsetzung ergänzt wird. Für ausgewählte Bereiche werden in der Folge Pilotentwürfe erarbeitet, die aufzeigen, wie und unter welchen Realisierungsbe- dingungen entsiegelt und neue und innovative, klima- resiliente und biodiverse grün-blaue Stadtfreiräume umgesetzt werden können. Das gesamte Konzept zielt auf die Realisierung und einen möglichst hohen Nutzen bei der Umsetzung der Maßnahmen ab. In der Flächenanalyse wurde explizit ein parametrisches Verschneiden vorhandener Geodatensätze zur proto- typischen Entwicklung eines Entsiegelungstools für die Stadtplanung verfolgt. Dieses parametrische Tool soll zu- dem die Einpflegung aktualisierter Datensätze gewähr- leisten und auf andere Stadtteile übertragbar sein. Als Datengrundlage dienen zum einen öffentlich zu- gängliche Geodaten, zum anderen Datensätze der Stadt Karlsruhe. Diese wurden um im Projektverlauf generierte bzw. gewonnene Daten zur subjektiven Raumwahrneh- mung sowie zum Außenraum-Wohlfühlkomfort ergänzt. Hybrides Arbeiten - Zusammenspiel analoger und digitaler Prozesschritte Parametrisches Modell Nutzungen Topografie Stadtklima Frequenzen Subjektive Wahrnehmung Geplante Bauvorhaben Bevölkerungsdichte Abb. 26: Methode und Vorgehen. -- 18 of 91 -- Stadtplanungsamt | 19 Passagehof Kronenplatz Kronenstraße S1 S5 S2 S4 S3 L3 L2 XL1 M3 Verortung Leitungen und Abstände Vorteilhafte Nutzer*innen- strukturen (für Unterhalt/ Pflege) Einbeziehung privater Bauvorhaben Vorgaben Denkmalschutz Verkehrsführung- und Sicherheit Sondernutzungs- Flächen Unterbaute Flächen Synergien Verortung Pilotmodule S/M/L/XL und Pilotmaßnahmen Verortung von Entsiegelungs- Potenzialen Einschränkungen und hemmnisse Nicht unbedingt Ausschlusskriterien: kreativer Umgang gefordert! Vorteile in Umsetzung und Unterhalt maximieren! + Vernetzungspotenziale Daraus entstanden folgende 7 Basiskarten im parametri- schen Modell: - Außenraum-Wohlfühlkomfort aus Klimasimulation im Bestand gemäß UTCI-Standard auf Basis der Daten des Deutschen Wetterdienstes unter Berücksichtigung der Randbebauung, der Oberflächenbeschaffenheit, der Schatten- sowie Evapotranspirationsleistung der Vege- tation, - Flächennutzung der öffentlichen Räume mit Unter- scheidung zwischen Fahrbahn, Fuß- und Radwegen, ÖPNV-Haltestellen und PKW-Stellplätzen (GIS Daten- satz ergänzt im Bereich des KIT Campus, detailliert im Bereich des Stephanplatzes, aktualisiert um aktuelle Planungen im Bereich des Staatstheaters und des Fest- platzes), - Topografische Lage und natürliche Fließrichtungen der öffentlichen Oberflächen auf Basis des digitalen Gelän- demodells, Laserscanbefliegung vom März 2017, - betroffene Bevölkerung über Bevölkerungsdichten je Stadtblock (Amt für Stadtentwicklung, Stand 06.2025) - Fußgänger*innenfrequenzzählungen (2023-2025 an repräsentativen Wochentagen, Wirtschaftsförderung Karlsruhe), ergänzt um Open Street Maps (OSM) Fre- quenzzählungen für Gastronomiebetriebe (2025), - Subjektive Wahrnehmung der öffentlichen Räume (Kartierung der Meinungen aus dem verwaltungsinter- nem Workshop vom 06.02.2025, sowie Auswertung der Beteiligungen im Rahmen der Zukunftwerkstatt ÖRMI, Juli 2021), Einflussradius 25 m. - Baukalender des Tiefbauamtes mit geplanten öf- fentlichen Tiefbauvorhaben (Neubauten, Ausbauten, Sanierungen, GIS-Datei mit Umsetzungszeitraum), Stand 12.12.2024. -- 19 of 91 -- 20 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 2.1 Bestandsaufnahme Stadtspaziergang 2. Potenzialanalyse In einer ganztägigen Begehung durch die Planungsbü- ros im November 2024 wird der öffentliche Raum der Innenstadt flächendeckend gesichtet und dokumentiert. Wie die Bildauswahl zeigt, ist jenseits der historischen Schlossanlagen sowie der Grünanlagen am Fried- richsplatz, am Kaiserplatz und dem Nymphengarten oder dem Botanischen Garten / Bundesverfassungs- gericht und einigen Plätzen wie dem Ludwigs- und dem Stephansplatz der öffentliche Freiraum in der Fußgänger*innen-Wahrnehmung weitestgehend versie- gelt. Auch öffentliches Grün ist nur vereinzelt vorzufin- den. Die typischen Straßenfreiräume der Innenstadt sind wenn, nur mit einzelnen Baumpflanzungen ausgestat- tet, zusammenhängende Baumreihen oder Alleen sind nicht anzutreffen. Ausnahmen hierzu finden sich an den Rändern der Innenstadt, etwa in der Stephanien- oder der Zähringerstraße. Die Kaiserstraße ist beidseits des Marktplatzes von eini- gen dominanten Einzelbäumen bestanden, aber ebenso versiegelt. Auch der öffentliche Freiraum rund um das KIT ist weniger versiegelt und öfter baumbestanden. Die Kriegsstraße zeigt in der Neugestaltung auch als Hauptverkehrsader das Bemühen um unversiegelte Grünbereiche sowie regelmäßige Baumpflanzungen. Ebenso sind im Bereich um Messe, Konzerthaus und Festplatz mit Ettlinger Straße Entsiegelungs- und Begrü- nungsmaßnahmen erkennbar. Abb. 27: Orthophoto des Untersuchungsgebiets, eigene Darstellung nach WMS LGL-BW HIST Digitale Orthophotos in Farbe 2010-2019, Geoportal Baden-Württemberg. -- 20 of 91 -- Stadtplanungsamt | 21 Abb. 28: Fotodokumentation der Ortsbegehung im November 2024. -- 21 of 91 -- 22 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 29: Fotodokumentation der Ortsbegehung im Februar 2025. -- 22 of 91 -- Stadtplanungsamt | 23 2.2 Digitale Ermittlung des Versiegelungsgrads Auf die analoge Annäherung aus der Perspektive von zu Fuß Gehenden folgt der Abgleich via GIS-Daten. Als Datengrundlage diente die Liegenschaftskarte der Stadt Karlsruhe, Stand 03.2025, ergänzt im Bereich des KIT Campus, detailliert im Bereich des Stephanplatzes, aktu- alisiert um aktuelle Planungen im Bereich des Staatsthe- aters und des Festplatzes. Der Versiegelungsanteil einer Fläche ist ein zentrales Kriterium zur Einstufung des Entsiegelungspotenzials. In diesem Entsiegelungskonzept wird dabei auf die öffent- lichen Flächen und deren Versiegelungsgrad fokussiert. Als öffentlicher Raum werden dabei die Flächen er- fasst, die im Besitz der Stadt Karlsruhe oder des Landes Baden-Württemberg und/oder deren Freiräume ganztä- gig min. fußläufig durchquerbar sind. In der Datenanalyse bestätigt sich der optische Eindruck der beinahe durchgängig hohen Versiegelung im Bereich der öffentlichen Freiräume. Im Untersuchungsumgriff ergibt sich folgende Bilanz: 72% der öffentlichen ist versiegelt, 28% unversiegelt. Schließt man den Schloss- platz und den botanischen Garten aus dem Untersu- chungsbereich aus beträgt der Versiegelungsgrad 85%. Unversiegelt 28% 72% Versiegelt Abb. 30: Flächenbilanz Versiegelungsgrad Innenstadt Karlsruhe (öffentlicher Freiraum). Abb. 31: Versiegelung der öffentlich zugänglichen Flächen im Untersuchungsgebiet auf Grundlage der Liegenschaftskarte der Stadt Karlsruhe, Stand 03.2025 ergänzt im Bereich des KIT Campus, detailliert im Bereich des Stephanplatzes, aktualisiert um aktuelle Planungen im Bereich des Staatstheaters und des Festplatzes. -- 23 of 91 -- 24 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe -6°C An ausgesetzten Stellen 2.3 Szenarien und Aktionsspektrum Potenzial-Szenarien loten per Simulation die Möglich- keiten der Klima-Adaptierbarkeit der Innenstadt aus. Eine virtuelle Waldstadt könnte dabei bis zu 7° Celsius gemäß UTCI-Standard im Wohlfühlkomfort der Bevöl- kerung an Hitzetagen bewirken. Ein selbstverständlich utopisches Szenario, das jedoch dabei hilft die Größen- ordnung der Wirkungsweise besser einzuschätzen. Ein erster Realitätscheck, in dem Bewegungstrassen, histori- sche Plätze oder ähnliches mit versiegelten Oberflächen vegetationsfrei verbleiben, ermöglicht immer noch Adaptionsmaßnahmen bis zu 4° Celsius. Was wäre wenn? Abb. 34: Bildschirmaufnahme aus digitalem Modell (links) und Simulationsergebnis (rechts) des Außenraumkomforts UTCI mit Darstellung der Temperaturunterschieden an vier ausgewählten Punkten, Mittelwert heißer Sommertag, Plausibilisierung durch Entfernung offensichtlich nicht möglicher Baumstellungen. Abb. 32: Bildschirmaufnahme aus digitalem Modell (links) und Simulationsergebnis (rechts) des Außenraumkomforts UTCI, Mittelwert heißer Sommertag, Bestand. -4°C An ausgesetzten Stellen Δ Temp ca. -4°C Δ Temp ca. -4°C Δ Temp ca. -3°C Δ Temp ca. -3°C Abb. 33: Bildschirmaufnahme aus digitalem Modell (links) und Simulationsergebnis (rechts) des Außenraumkomforts UTCI, Mittelwert heißer Sommertag, Utopie mit gesamten Freiraum grob baumbestanden. -- 24 of 91 -- Stadtplanungsamt | 25 2.4 Analoge Flächensuche für Aktionspool Versiegelte Parkplätze... Unbeschattete Gehflächen! Unbegrünte Gehflächen! Abb. 35: Beispielhafter Ist-Zustand der öffentlichen Straßenfreiräume, Luftbild 2024, ESRI, Stadt Karlsruhe. Parallel zur digitalen Analyse wurden Flächenreserven im öffentlichen Freiraum der Innenstadt via Luftbild- Erkundung und In-Augenscheinnahme vor Ort gesucht. Viele Straßenfreiräume der Innenstadt erscheinen offensichtlich autogerecht und einseitig auf die KFZ- Nutzung (fahrender und ruhender Verkehr) optimiert. Hier sind bei einer schrittweisen Weiterentwicklung hin zu einer fußläufig erlebbaren Innenstadt die größten Flächenpotenziale vorhanden. Allerdings verlangt deren Aktivierung für Entsiegelungsmaßnahmen eine dezidier- te verkehrsplanerische Optimierung der Straßenprofile und Schleppkurven. Quantitativ den zweitgrößten Flächenanteil haben Parkplätze. Hier brächten Entsiegelungsmaßnahmen nach dem Motto „in der Karlsruher Innenstadt parkt man blau-grün“ großes Verbesserungspotenzial mit sich. Wichtig ist jedoch, dass im Sinne einer nachhaltigen Innenstadtentwicklung die Reduktion von Parkplätzen für private PKW oberstes Ziel bleibt und keine Recht- fertigung des Parkens über den blau-grünen Beitrag gesucht wird. Darüber hinaus sind die meisten Gehwege nicht von Vegetation begleitet oder beschattet, so dass hier Entsiegelung nicht nur in der Wasser- oder Klimabilanz, sondern auch für den Aufenthaltskomfort maßgebliche Verbesserungen mit sich brächte. Auch mit jeder Einführung neuer Mobilitätsangebote (z.B. neue Radwege, Ausbau Tram- und Bustrassen) sollte die Prüfung auf kombinierte Entsiegelungsmaß- nahmen oder technische Wasserspeicherungen fortan eine fachliche Selbstverständlichkeit darstellen. Abb. 36: Luftbild mit Darstellung potenzieller Flächen für Aktionspool, Luftbild 2024, ESRI, Stadt Karlsruhe. Ist es möglich ähnliche Prinzipien zu identifizieren, die auf andere Situationen in der Innenstadt übertragen werden können? In Kombination mit allfälligen Oberflächensanierungen im Zuge von Bau- oder Sanierungsmaßnahmen kann so in der Zusammenschau ein mächtiger Flächenpool für Entsiegelungsmaßnahmen aktiviert angelegt werden. -- 25 of 91 -- 26 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 2.5 Erstellung und Auswertung parametrischer Datensätze Das parametrische Modell basiert auf einer Kombination von Geodatenanalysen (Programm QGIS) und räumlich- analytischen Skripten in dem Programm Grasshopper. Es ermöglicht eine datenbasierende Identifikation und Bewertung potenzieller Orte für städtebauliche Interven- tionen. Durch die Einbindung dynamischer Parameter wie Fußgänger*innenfrequenz, Mikroklima, Topografie, Demographie, Nutzungsdurchmischung und subjektive Wahrnehmung lassen sich verschiedenste Szenarien si- mulieren und miteinander vergleichen. Dies schafft eine fundierte Grundlage für ortsspezifische Entscheidungen im öffentlichen Freiraum. Die Flexibilität des Modells erlaubt es, einzelne Parame- ter zu gewichten oder auszutauschen – etwa um neue planerische Zielsetzungen, Beteiligungsergebnisse oder veränderte Rahmenbedingungen zu integrieren. Zudem ermöglicht die visuelle Rückkopplung in Echtzeit (über das Programm Grasshopper) eine intuitive Auswertung sowie eine transparente Kommunikation der Ergebnisse gegenüber Fachöffentlichkeit und Bürger*innen. So dient das Modell nicht nur der Analyse, sondern auch als Entscheidungswerkzeug in iterativen Planungspro- zessen – mit dem Potenzial, interdisziplinäre Zusammen- arbeit und adaptive Stadtentwicklung zu fördern. Als Datengrundlage dienen zum einen öffentlich zu- gängliche Geodaten, zum anderen Datensätze der Stadt Karlsruhe. Diese wurden um im Projektverlauf generierte bzw. gewonnene Daten zur subjektiven Raumwahrneh- mung sowie zum Außenraum-Wohlfühlkomfort ergänzt. Daraus entstanden die späteren sieben Basiskarten im parametrischen Modell. Abb. 38: Darstellung der Software-Oberfläche mit parametrischem Modell. Abb. 37: Exemplarische Datendarstellung als parametrisches Gebirge. Parametrisches Modell -- 26 of 91 -- Stadtplanungsamt | 27 Abb. 39: Erstellung des parametrischen Modells. -- 27 of 91 -- 28 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Das im Rahmen des Entsiegelungsprogramms entwi- ckelte Grasshoper-Skript und seine Bausteine werden im Folgenden bezüglich Aufbau, Handhabung und Funkti- on grundliegend erläutert. Aufbau, Einspeisung und Nutzung des Skripts 1 2 Gruppe 1 – Benutzeranleitung zu Aufbau und Bedienung des Skripts Gruppe 2 – Einbindung der grundliegenden Daten Abb. 40: Aufbau, Einspeisung und Nutzung des Skripts. -- 28 of 91 -- Stadtplanungsamt | 29 3 4 Gruppe 3 - Definition und Gewichtung der Prozessparameter Gruppe 4 - Auswertung Entsiegelungspotenziale -- 29 of 91 -- 30 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Gruppe 1: In dieser Gruppe sind die Input- und Output-Komponen- ten des Skripts übersichtlich angeordnet. Rot eingefärbte Komponenten stehen für Eingabewerte, die manuell eingegeben, verändert oder durch externe Dateien ergänzt werden können (z. B. GIS-Daten oder numerische Parameter). Grün eingefärbte Komponenten geben eine grafische Ausgabe wieder – beispielsweise Visualisierungen von Zwischenergebnissen oder der finalen Analysekarte. Diese Vorschauen können je nach Bedarf ein- oder aus- geschaltet werden. Die farbliche Kodierung unterstützt eine intuitive Orien- tierung und ermöglicht eine einfache Unterscheidung zwischen steuerbaren Eingaben und visuell interpretier- baren Ausgaben. Gruppe 2: In dieser Gruppe werden die zentralen Daten eingebunden, die die räumliche und thematische Grundlage des parametrischen Modells bilden. Diese Daten stammen aus öffentlich zugänglichen GIS-Quellen sowie aus projektbezogenen Erhebun- gen. Projektgebiet aus OpenStreetMap (Longitude, Latitude) Projektumgriff (als geometrisches Begrenzungspolygon) UTM-Zone (für die korrekte räumliche Referenzierung) Gebäudedaten (.shp) Grünflächendaten (.shp) Bestandsbäume (.shp) GIS-Daten zum Denkmalschutz (.shp) Abb. 41: Benutzeranleitung zu Aufbau und Bedienung des Skripts. Abb. 43: Einbindung der grundliegenden Daten. Abb. 42: Gebäudemodell der Innenstadt Karlsruhe. -- 30 of 91 -- Stadtplanungsamt | 31 Abb. 44: Flächen Denkmalschutz. Abb. 45: öffentliche Grünflächen. Abb. 46: Baumbestand. -- 31 of 91 -- 32 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 47: Skripts der 7 Parameter des Entsiegelungskonzeptes in Gruppe 3. Gruppe 3: In Gruppe 3 wurden sieben kompakte Skripte im Programm Grasshopper entwickelt, von denen jedes einen spezifischen Parameter des Entsiegelungskonzepts abbildet. Jeder Parameter ist als eigenständiges Skript umgesetzt. Zusammengeführt ergeben sie ein para- metrisches Modell, das verschiedene Einflussfaktoren integriert und eine datenbasierte Bewertung potenzieller Entsiegelungsmaßnahmen im Stadtraum ermöglicht. Alle Parameter basieren auf denselben grundlegenden Eingaben: der Gebietskulisse, den Platzierungsmög- lichkeiten, dem Geltungsbereich des Denkmalschutzes sowie der Abgrenzung des Untersuchungsraums. Einige Parameter erfordern darüber hinaus zusätzliche Geodaten, wie etwa Baumstandorte, Gebäudegrundris- se oder bestehende Grünflächen. Neben diesen gemeinsamen Grundlagen benötigt jeder Parameter auch spezifische Eingaben, die individuell auf seine Funktion zugeschnitten sind. Es wurde angestrebt, sämtliche Eingabedaten möglichst einheitlich im .shp- Format bereitzustellen, um eine konsistente und GIS- kompatible Weiterverarbeitung zu gewährleisten. -- 32 of 91 -- Stadtplanungsamt | 33 Gruppe 4: Durch das Zusammenführen (Mergen) der Ergebnisse aller sieben Parameter entsteht die finale Bewertung. Dabei werden die einzelnen Standorte mit ihren jeweili- gen Gewichtungen und Werten kombiniert, sodass ein Gesamtbild möglicher Entsiegelungsstandorte entsteht. Diese finale Auswertung dient als Entscheidungsgrund- lage für weiterführende planerische Maßnahmen. Die finalen Ergebnisse können sowohl farblich codiert als auch in 3D dargestellt werden. So lassen sich Unter- schiede in der Eignung der Flächen visuell nachvollzieh- bar machen. Abb. 43: Gruppe 4 zur Auswertung der Entsiegelungspotenzials und Ausgabe in Form der Potenzialkarte. Abb. 48: In Echtzeit generierte Vorschau der Potenzialkarte in der 3D-Ansicht. -- 33 of 91 -- 34 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 51: Der Universal Thermal Comfort Index (UTCI) - Komfort-Empfinden im Außenbereich unterliegt einem komplexen Zusammenspiel einzelner Parameter. Abb. 50: Vergleichende Klimasimulation - Der Universal Thermal Comfort Index (UTCI) - gibt Auskunft über das persönliche Komfortempfinden im Außenbereich. Das Stadtklima fließt in das Entsiegelungskonzept nicht klimatologisch, sondern auf der Ebene des persönlichen Wohlfühlkomforts ein. Der Außenraumkomfort bezie- hungsweise dessen mikroklimatische Bedeutung kann als standardisierter UTCI-Index (Universal Thermal Com- fort Index) unter Berücksichtigung der angrenzenden Bebauung in dem Detaillierungsgrad „Level Of Detail 2“ (LOD-2), der Oberflächenbeschaffenheit, der Schatten- sowie Evapotranspirationsleistung der Vegetation simu- liert werden. Hierbei handelt es sich um einen globalen Bewertungsindex für Außenkomfort, der für alle Klimata und Jahreszeiten gültig ist. Er weist eine Temperaturska- la aus, die Bezug auf das Hitze-/ Kältestressempfinden des Menschen nimmt. Der universelle thermische Kli- maindex (UTCI) ist ein, dem aktuellen Stand der Technik entsprechender Indikator zur Abschätzung der ther- mischen Bedingungen, denen der menschliche Körper ausgesetzt ist, wenn er sich im Freien befindet. Er ist definiert als die Lufttemperatur einer Referenz- umgebung im Freien, die im menschlichen Körper die gleichen physiologischen Reaktionen (Schweißausstoß, Zittern, Hautfeuchtigkeit, Hautdurchblutung und rekta- le, mittlere Haut- und Kopftemperaturen) hervorrufen würde wie die tatsächliche Umgebung. Seit seiner Ent- wicklung im Jahr 2009 wurde der UTCI in verschiedenen Klimaregionen, von städtischen bis hin zu globalen Maß- stäben, bewertet und als Referenzvariable in Wettervor- hersagen und Klimaprognosen eingesetzt. Für die thermische Komfortanalyse gemäß UTCI werden EPW-Wetterdaten (EnergyPlus Weather Files) verwendet. Diese standardisierten Datensätze enthalten stündlich aufgelöste Informationen zu Lufttemperatur, Luftfeuch- tigkeit, Windgeschwindigkeit und Sonneneinstrahlung – entscheidend für die Bewertung des Außenraumklimas. Die Daten stammen aus öffentlich zugänglichen Quellen wie EnergyPlus.net und Climate.OneBuilding.org. Nach dem Import in Ladybug Tools (ein Plugin des Programms Grasshopper) wurden die Werte mit der Pro- jektgeometrie verknüpft, um standortspezifische UTCI- Werte zu berechnen und thermisch belastete Bereiche im Stadtraum zu identifizieren. Die Datensätze im Einzelnen Parameter 1: Stadtklima Wetterdaten für die UTCI-Simulation Aus Stadt-spezifischer Datenverfügbarkeit sowie einem Abstimmungsprozess mit der Stadtverwaltung werden 7 Datensätze als Parameter der Entsiegelungspotenzialkar- te final festgelegt und im Folgenden einzeln vorgestellt. Abb. 49: EPW-Karte mittels Ladybug-Plugin erstellt. extremer Hitzestress sehr starker Hitzestress starker Hitzestress kein thermischer Stress leichter Kälterstress moderater Kältestress moderater Hitzestress starker Kältestress Windgeschwindigkeit direkte Sonneneinstrahlung diffuse Einstrahlung Aktivität Bekleidung Lufttemperatur Infrarot Einstrahlung Lufftfeuchtigkeit Lufttemperatur 46 38 Luftfeuchtigkeit Umweltbedingungen Wahrnehmung UTCI Klima- Comfort- Index Modell Strahlungstemperatur Luftgeschwindigkeit Kleidung Aktivität 32 26 9 0 -13 Behaglichkeits- bereich Sommer -- 34 of 91 -- Stadtplanungsamt | 35 individeulles Temperaturempfinden sitzend, durchschnittlic bekleidet, Schatten bis Halbschatten, 22° Celsius individuelles Temperaturempfinden sitzend, voll bekleidet, Sonne, 25,5° Celsius individuelles Temperaturempfinden schnell gehend, voll bekleidet, im Halbschatten, 23,5° Celsius individuelles Temperaturempfinden sitzend, durchschnittlich bekleidet, Sonnenabgewandt, 24° Celsius Abb. 52: Individuelles Temperaturempfindem am Beispiel eines Aufenthaltsbereichs in der Flaniermeile Böblingen. Abb. 53: Außenraumkomfort/mikroklimatische Bedeutung UTCI Index unter Berücksichtigung der Bebauung, der Oberflächenbeschaffenheit, der Schatten- sowie Evapotranspirationsleistung der Vegetation. -- 35 of 91 -- 36 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Parameter 2: Topografie Die topografische Lage und die natürlichen Fließrichtun- gen der öffentlichen Oberflächen dienen als Basis eines dezentralen Regenwassermanagements. Ein weiterer zentraler Analysebaustein war die Auswertung topo- grafischer Daten zur Identifikation potenzieller Sammel- punkte und möglicher Kaskadensysteme für Regenwas- ser. Hierzu wurde das digitale Geländemodell (DGM, Laserscanbefliegung vom März 2017) in das parametri- sche Modell integriert. Es ermöglichte eine detaillierte Analyse der Höhenverhältnisse, Neigungen und Senken im Stadtgebiet. Auf dieser Grundlage konnten mithilfe von Höhenras- teranalysen und Fließwegberechnungen potenzielle Tiefpunkte, natürliche Mulden sowie flächige Senken identifiziert werden, die sich als potenzielle Retentions- bereiche eignen. Durch die Nutzung des städtischen Höhenmodells und die Verknüpfung mit weiteren Geodaten konnten potenzielle Standorte für Retenti- onsmaßnahmen gezielt lokalisiert und in die planerische Gesamtstrategie eingebettet werden. Die Ergebnisse wurden mit der Starkregengefahrenkarte abgeglichen und auf Plausibilität getestet. Abb. 54: Beispiele für topografische Tiefpunkte an Staatstheater und Kronenplatz - potenzielle Orte für die Wassersammlung. Abb. 55: Starkregengefahrenkarte der Stadt Karlsruhe, 2024. -- 36 of 91 -- Stadtplanungsamt | 37 Abb. 56: natürliche Fließrichtungen der öffentlichen Oberflächen. Abb. 57: Topografische Lage als Basis eines dezentralen Regenwassermanagements. -- 37 of 91 -- 38 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Parameter 3: Flächennutzungen NUTZUNGEN 45,2% 0,50% 39,9% 1,4% 5,7% 7,0% 0,3% Nutzungsaufteilung des versiegelten öffentlichen Raums Fahrbahn (inkl. Tunnel) öffentliche Nutzung auf p Geh- und Radwege Öv-Haltestellen Parkplätze Straßenbahngleise verkehrsberuhigter Bere Abb. 58: Nutzungsaufteilung des öffentlichen Freiraums. Abb. 59: Flächennutzung öffentlicher Freiräume mit Unterscheidung zwischen Fahrbahn, Fuß- und Radwegen, ÖPNV-Haltestellen und PKW-Stellplätzen. Parkplätze 5,7 % Parkplätze Geh- und Radwege 39,9 % Geh- und Radwege öffentliche Nutzung auf privatem Grund 0,50 % öffentliche Nutzung auf privatem Grund Fahrbahn (inkl. Tunnel) 45,2 % Fahrbahn (inkl. Tunnel) Straßenbahngleise 7,0 % Straßenbahngleise verkehrsberuhigter Bereich und Verkehrsinseln 0,3 % verkehrsberuhigter Bereich und Verkehrsinseln ÖPNV-Haltestellen 1,4 % ÖPNV-Haltestellen Zunächst wurden die aktuellen Flächennutzungen des öffentlichen Freiraums ermittelt. Hierbei wird in die Kategorien Fahrbahn, Fuß- und Radwege, ÖPNV-Halte- stellen und PKW-Stellplätze auf Basis der GIS-Daten des Flächenkatasters des Tiefbauamts, Stand 19.11.2024, unterschieden. Die prozentualen Anteile je Nutzungtypologie sind teils überraschend, zeigen aber auch, wo Potenziale in relevanten Flächengrößen abgegriffen werden können: perforierte Gehwege, blau-grünes Parken, wasserspei- chernde Radwege, grünes Tram-Gleis sind - jenseits der 45,2% Fahrbahnen - große Flächenressourcen, die sich auch ohne optimierte Verkehrsplanung aus dem Status quo heraus wassersensibel umgestalten oder sanieren lassen. Ziel ist eine neue Multicodierung, das heißt, Entsie- gelung muss urbane Flächen nicht zwingend und als Ganzes aus der bestehenden Nutzung nehmen, sondern kann, fachkundige Planung vorausgesetzt, einen neuen Funktionslayer neben bestehenden Nutzungsansprü- chen darstellen. Dies kann insbesondere für Flächen wie Märkte oder Festplätze, die sich aktuell bereits in Mehrfachnutzung befinden, als Strategie angesetzt werden. Aber auch Alltagsnutzungen wie Anlieferung und Entsiegelung dürfen künftig nicht mehr als Flächen- konkurrenz gesehen werden. -- 38 of 91 -- Stadtplanungsamt | 39 Abb. 60: Beispiele urbaner Flächenkonkurrenz durch überlagernde Nutzungen. Auch wenn ein künftiger Entfall von Verkehrsspuren oder eine Optimierung von Abbiegeradien und Schlepp- kurven in vielen Fällen Potenzial zur Entsiegelung von Verkehrsflächen mit sich bringen könnte, werden ohne dezidierte Verkehrsplanung die Flächen für den moto- risierten Verkehr als nur schwer entsiegelbare Flächen eingestuft. Geh- und Radwege dagegen werden zumindest als technisch aktivierbare Wassersammel- oder Speicherflä- chen eingestuft, während PKW-Stellplätze als geeignete Flächen eingestuft werden. So steht die Parkplatznut- zung mit einer (Teil-)Entsiegelungsmaßnahme nicht per se im Widerspruch, sofern die Barrierefreiheit Beachtung findet. -- 39 of 91 -- 40 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Abb. 61: Parkplätze im öffentlichen Freiraum. Abb. 63: Fahrbahn (inkl. Tunnel). des öffentlichen Freiraums des öffentlichen Freiraums Flächenwirksamkeit Flächenwirksamkeit Aktivierbarkeit Aktivierbarkeit 6,7% Parken Fahrbahn 45,2% Abb. 62: Straßenbahngleise im öffentlichen Freiraum. des öffentlichen Freiraums Flächenwirksamkeit Aktivierbarkeit Straßenbahn 7,0% -- 40 of 91 -- Stadtplanungsamt | 41 Abb. 64: Kronenstraße - Beispiel Parkplätze im öffentlichen Freiraum als Flächenpotenzial. Abb. 65: Kaiserstraße - Beispiel Straßenbahngleise als Flächenpotenzial. Abb. 66: Amalienstraße/Karlstraße - Fahrbahnen mit innerstädtischem Optimierungspotenzial. -- 41 of 91 -- 42 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 50 - 100 Einwohner*innen < 50 Einwohner*innen 100 - 250 Einwohner*innen 300 - 500 Einwohner*innen 500 - 650 Einwohner*innen > 650 Einwohner*innen 250 - 300 Einwohner*innen Abb. 68: Freie Darstellung der Bevölkerungsdichte je Stadtblock angrenzend an die öffentlichen Freiräume als Karte und übersetzt als Bevölkerungsgebirge. Abb. 67: Einwohner*innendaten je Stadtblock , Stand 31.03.2025. Ein wichtiger Parameter für die Wirkweise der Entsie- gelungsmaßnahmen ist die Betroffenheitsanalyse. So wird die betroffene Bevölkerung über eine vereinfachte Bevölkerungsdichte je Stadtblock (Amt für Stadtent- wicklung, Stand 03.2025) ermittelt. Aus Gründen des Datenschutzes konnten Zahlen zu vulnerablen Gruppen, wie junge und ältere Menschen oder Einwohner*innen je Gebäude nicht zur Verfügung gestellt werden. Die Be- völkerungsbetroffenheit - in diesem Fall die Anzahl der Menschen, die von Entsiegelungsmaßnahmen als Hitze- minderungsstrategie profitieren würden - liefert einen sozialen Abwägungsparameter. Die Bevölkerungsdichte wird alsTeilparameter genutzt. Den zweiten Teilparame- ter bildet die Frequenz des öffentlichen Freiraums (siehe Folgepunkt). Ziel dieser Parameterkombination ist die Kompensation nicht verfügbarer „Vulnerabilitätsdaten“. Daten gestaffelt hinsichtlich Altersstruktur wären maß- gebend gewesen für die Berücksichtigung besonders vulnerabler Bevölkerungsgruppen wie Kinder und alte Menschen. Parameter 4: Bevölkerungsdichte -- 42 of 91 -- Stadtplanungsamt | 43 Ein zentraler Bestandteil der Analyse war die Integration von Frequenzzählungen zu Fuß gehender Personen und OpenStreetMap-Daten zur Simulation der Bewegungs- muster innerhalb des Stadtraums. Die Daten stammen von Zählungen der Wirtschaftsförderung Karlsruhe (Zählungen aus dem Frühjahr und Herbst 2024 an re- präsentativen Wochentagen) und öffentlich verfügbaren Frequenzen zu Fuß Gehender: urbano, AmenityScore 2024, basierend auf OpenStreetMap-Daten. Die Frequenzzählungen der Wirtschaftsförderung ent- halten Angaben zur durchschnittlichen Anzahl von zu Fuß Gehenden an ausgewählten Messpunkten. Die Zählungen erfolgten am Donnerstag 13. Juni 2024 zwischen 10 und 20 Uhr und am Samstag 15. Juni 2024 zwischen 9 und 20 Uhr. Diese Daten dienten als valide Referenzpunkte für die Kalibrierung des parametrischen Modells. Auf Basis dieser punktuellen Zählwerte wurde mithilfe eines datenbasierten Workflows ein flächendeckendes Frequenzprofil simuliert, das auch Orte ohne direkte Messdaten einschließt. OpenStreetMap-Daten bildeten dabei die Grundlage für das freiräumliche Netzwerk: Straßenkategorien, Wegverbindungen, Nutzungstypen und Points of Interest wurden extrahiert und zur Simula- tion räumlicher Bewegungsflüsse genutzt. Das Modell berücksichtigt darüber hinaus die Attraktivität von Zielpunkten (z. B. Einzelhandel, Bildungseinrichtungen, Haltestellen), die Konnektivität der Wegebeziehungen sowie raumtypologische Faktoren wie Straßenbreite, Barrierefreiheit oder Sichtachsen. So konnten potenzielle Orte mit hoher Frequenz zu Fuß Gehender identifiziert werden – entweder als bestehende Schwerpunkte oder als Orte mit bislang ungenutztem Potenzial zur Aktivierung durch gezielte Maßnahmen. Diese Kombination aus realen Zähldaten und modellba- sierter Simulation stellt eine objektive Grundlage für die Priorisierung städtebaulicher Interventionen dar – mit Fokus auf Aufenthaltsqualität, Erreichbarkeit und sozia- ler Interaktion im öffentlichen Raum. Dieser Datensatz ergänzt die demografischen Angaben zur Bevölkerungsdichte, da hier auch Besuchende, die ihren Wohnort nicht im Untersuchungsbereich haben, erfasst werden. Parameter 5: Frequenz des öffentlichen Raums Abb. 70: Frequenzzählungen von zu Fuß Gehenden (Frühjahr und Herbst 2024 an repräsentativen Wochentagen), verschnitten mit Daten von OSM (Open Street Maps). hoch frequentiert normal frequentiert Abb. 69: Übersicht Zählstellen, Wirtschaftsförderung Karlsruhe. -- 43 of 91 -- 44 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Eine Heatmap der subjektiven Raumwahrnehmungen wurde erstellt. Gesammelt werden dabei Orte, an denen die Bürger*innen und Mitarbeiter*innen der Stadtver- waltung als lokale Expert*innen subjektiv städtischen Handlungsbedarf erkennen, das heißt, sich Verbesserun- gen gegenüber dem Ist-Zustand dringlichst wünschen. Hierzu wurden Rückmeldungen und Erkenntnisse aus den Beteiligungsformaten rund um die Erstellung des ÖRMI im Juli 2021 und aus einem Verwaltungsworkshop im Zuge des Entsiegelungskonzeptes im Februar 2025 zu einer „Empfindungskarte“ zusammengetragen. In dem Workshop wurden unter anderem persönliche Ein- drücke zum Sicherheitsgefühl, der Aufenthaltsqualität, der Zugänglichkeit und Identifikation in der Innenstadt abgefragt. Teilnehmende beschrieben konkrete Orte als belastend, unsicher, anonym oder konfliktbehaf- tet, während andere Freiräume als lebendig, durch- mischungsfördernd oder besonders atmosphärisch wahrgenommen wurden. Die Meinungen wurden in 10 Stufen von positiv bis negativ eingestuft, auf einer Karte verortet und mit einem Einflussradius auf ihr Umfeld versehen. Parameter 6: Subjektive Wahrnehmung Abb. 71: Sammlung der subjektiven Raumwahrnehmungen durch Befragung und Verortung innerhalb eines Verwaltungsworkshops im Frühjahr 2025. Abb. 72: Workshop mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung - Abgreifen der Assoziationen zu den öffentlichen Freiräumen der Innenstadt. -- 44 of 91 -- Stadtplanungsamt | 45 Abb. 74: Heatmap der subjektiven Raumwahrnehmungen - Karte aus Verwaltungsworkshop und ÖRMI. Abb. 73: Einige Rückmeldungen zur subjektiven Raumwahrnehmungen aus Verwaltungsworkshop und ÖRMI-Beteiligungen. In der östlichen Kaiserstraße sollen die Baumscheiben erweitert werden. Der Marktplatz bräuchte Entsiege- lung, ein Eingriff ist hier aber unrealistisch, da er soeben saniert wurde. Die Rasengleise in der Kriegsstraße trocknen im Sommer aus, es wirkt eher beige als grün! Sehr negative Raumassoziation Leicht negative Raumassoziation Entsiegelungsmaß- nahmen am Stephansplatz sind gewünscht, eine Kompatibilität mit dem Wochenmarkt ist zu prüfen! -- 45 of 91 -- 46 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Geplante öffentliche Tiefbauvorhaben (Neubauten, Ausbauten, Sanierungen, GIS-Datei mit Umsetzungs- zeitraum) werden als Datensatz aufbereitet und einge- lesen. Hiermit soll die Basis für mögliche Synergien der Entsiegelung mit künftigen Bauvorhaben gelegt werden. Ein Fokus der Stadtentwicklung der kommenden Jahre könnte die Wiederherstellung der Oberflächen im Sinne des Entsiegelungskonzeptes sein. Insbesondere im Anschluss bzw. als ausgeschriebener Abschluss von Sanierungsmaßnahmen, wie auch z.B. der Verlegung von Leitungstrassen. Zugleich kann die erneute Umplanung von kürzlich fer- tiggestellten Oberflächen in der Priorisierung zurückge- stuft werden, sofern nicht andere, gewichtige Parameter für eine Sanierung sprechen. Parameter 7: Bauvorhaben Abb. 75: geplante, öffentliche Tiefbauvorhaben (Neubauten, Ausbauten, Sanierungen), Auszug aus dem Datensatz und der GIS-Datei mit Umsetzungszeitraum. -- 46 of 91 -- Stadtplanungsamt | 47 ca.2025 ca.2030 Abb. 76: Offensichtlich anstehende Sanierungsarbeiten beeinflussen als Parameter neben öffentlichen wie privaten Bauvorhaben die Priorisierung von möglichen Entsiegelungsmassnahmen. Abb. 77: Flickenteppich Stadtboden im Bereich der ehemaligen Elefantenhalle an der Kronenstraße. Abb. 78: Darstellung von Baumaßnahmen im öffentlichen Freiraum entsprechend ihrer geplanten Fertigstellung. -- 47 of 91 -- 48 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Das Zusammenspielen aller erhobenen Datensätze bringt zunächst eine große Datenwolke im Bereich der Karlsruher Innenstadt (LOD2-Modell der Stadtgeometrie) hervor. Im nächsten Schritt muss deren Wirkweise beziehungs- weise deren Einfluss auf das Gesamtmodell definiert werden. Anhand von festgelegten Schwellenwerten werden die Daten der Einzelparameter über ein 1|0-Sys- tem weiterverwertbar vereinfacht: beispielsweise wird die Klimasimulation auf Basis der Wetterdaten danach ausgewertet, ob eine relativ hohe oder eine niedrige Hitzebelastung vorliegt. Die Untersuchungsparameter werden anschließend verschnitten um spezifische Potenziale hervorzuheben. So werden beispielsweise besonders frequentierte Radwege, mikroklimatisch kritische Stellplätze oder to- pografisch günstige Sammelpunkte im Gehwegbereich hervorgehoben. Durch die Gewichtung der Parameter entsteht eine Potenzialkarte, die entsprechend mikro- klimatische und demografische, sowie messbare und subjektiv wahrgenommene Aspekte einbezieht. Die Potenzial- und Bedarfskarte veranschaulicht Hand- lungsschwerpunkte für das Entsiegelungskonzept und dient als Grundlage zur Verortung der Maßnahmen. Ver- netzungspotenziale werden in dieser Darstellung bereits ersichtlich: Einzelmaßnahmen, die im Kaskadensystem miteinander verbunden werden können, werden für die Erstellung des Leitbilds prioritär berücksichtigt. Bauvorhaben Subjektive Wahrnehmung Stadtklima Bevölkerungsdichte Topografie Frequenzen Flächennutzungen 2.6 Datenwolke und Gewichtung Abb. 79: Sammlung und Zusammenspielen der Datenwolke. Vorgehensweise und Entstehung Potenzial- und Bedarfskarte -- 48 of 91 -- Stadtplanungsamt | 49 lokale Wetterdaten (.epw) Stadtgeometrie: LOD2-Gebäudemodell, Oberflächen und Bäume (.shp) Baukalender (.shp) Bevölkerungsdichte (.shp) Mapping Beteiligungsfeedback (.vwx) Digitales Geländemodell (.dwg) Zählungen der Wirtschaftsförderung Karlsruhe, OpenStreetMap-Daten (.shp und .xls) Flächenkataster (.shp) Hohe Hitzebelastung UTCI über 25° Celsius 1 niedrige Hitzebelastung 0 Voraussichtliches Ende nach 2030 1 Voraussichtliches Ende vor 2026 0 Einwohner >650 1 Einwohner <50 0 Sehr negative Raumassoziation 1 positivere Raumassoziation 0 Hohes Sammlungspotenzial 1 Niedriges Sammlungspotenzial 0 Hoch frequentiert 1 Normal frequentiert 0 Gehwege, Plätze, Parken, etc. 1 Fahrbahn 0 Stadtklima Bauvorhaben Bevölkerungsdichte Wahrnehmung Topografie Frequenzen Flächennutzung 0 0 0 0 0 0 0 1 1 1 1 1 1 1 Abb. 80: Aus den 7 aufbereiteten Datensätzen wird eine Punktwolke generiert und über Schwellenwerte je Parameter in ihrer Lesbarkeit und Auswertbarkeit optimiert. -- 49 of 91 -- 50 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Gleichgewichtung aller Parameter Leitparameter Bevölkerungsdichte Leitparameter Synergie mit anstehenden Bauvorhaben Leitparameter Stadtklima Leitparameter Fußgänger*innenfrequenz Leitparameter soziale Parameter Abb. 81: Verschneidung und Gewichtung. -- 50 of 91 -- Stadtplanungsamt | 51 Hohes Entsiegelungspotenzial mittleres Entsiegelungspotenzial bereits entsiegelt / niedriges Entsiegelungspotenzial Leitparameter Topografie Leitparameter subjektive Wahrnehmung Leitparameter Klima und Topografie Verschneidung und Gewichtung Stadtklima Wahrnehmung Bevölkerungsdichte Bauvorhaben Topografie Frequenz Nutzung 1 1 1 1 1 1 1 2 2 2 2 2 2 2 Individuelle Gewichtung der Parameter: Im Grashopper-Plugin können die Parameter individuell gewichtet werden, so dass eine Reaktionsmöglichkeit auf lokale Schwerpunkte und Zielsetzungen, aber auch hinsichtlich bestimmter Förderprogramme (beispielswei- se „soziale Integration ins Quartier, etc. ) besteht. Die Verschneidung der Datensätze objektiviert die Aus- gangslage und kann in Teilen vielleicht unterbewertete Mängel sichtbar machen. Zugleich wird klar, dass eine fachkundige Auswertung im Sinne einer zielführenden Priorisierung nicht erspart bleibt. Je nach Gewichtung der Parameter zueinander (in den Beispielen sind jeweils Leitparameter mit doppeltem „Gewicht“ versehen) zeigt sich ein breites Spektrum an möglichen Fokusbereichen. Die parametrisch generierte Entsiegelungskarte kann für Problemzonen sensibilisieren und die menschliche Exper- tise und Erfahrung unterstützen, jedoch nicht ersetzen. Dennoch wird für die Stadtplanung ersichtlich, wo dringlicher Handlungsbedarf im Bezug auf eine resiliente Innenstadtentwicklung besteht und wo der wahrnehm- bare Nutzen für die Bevölkerung maximiert werden kann. -- 51 of 91 -- 52 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe M Kaiser Platz S Kriegsstraße Passagehof Festplatz Abb. 82: Potenzialkarte der Innenstadtentsiegelung. 2.7 Potenzialkarte der Innenstadtentsiegelung -- 52 of 91 -- Stadtplanungsamt | 53 Hohes Entsiegelungspotenzial mittleres Entsiegelungspotenzial bereits entsiegelt / niedriges Entsiegelungspotenzial arktplatz Berliner Platz chlossplatz Kronenplatz Maximierter Bevölkerungsnutzen - Start now! Die finale Potenzialkarte zur Innenstadtentsiegelung ist über die Gewichtung der Parameter in ihrer Zweck- dienlichkeit und Lesbarkeit optimiert. Dabei sind die Datensätze für Bevölkerungsdichte und Bauabläufe doppelt gewichtet, um eine möglichst hohe Relevanz für die Bevölkerung sicherzustellen sowie die Integrations- fähigkeit in die anstehenden Stadtsanierungsprozesse aufzuzeigen. Das Ergebnis ist eine Karte, deren dunkelrote Färbun- gen öffentliche Räume der Innenstadt aufzeigen, an de- nen Entsiegelungsmaßnahmen mit hoher Wahrschein- lichkeit größere Effekte (Wirkweise im Zusammenspiel aus Ökologie und Soziologie) erzielen werden. Grün gefärbte Abschnitte signalisieren, sofern sie nicht bereits entsiegelt sind, eine geringere Effektivität, wobei Entsiegelung prinzipiell auch hier als sinnvoll eingestuft wird. Noch nicht berücksichtigt sind hier technische sowie ökonomische Belange, da die konkreten Lei- tungslagen erst in Leistungsbaustein 4 (Pilotmodule) und 5 (Piloträume) ermittelt und mit den Potenzialen abgeglichen werden. -- 53 of 91 -- 54 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 3. Entsiegelungskonzept 3.1 Zielbild In der Bearbeitung wurde somit deutlich, dass Entsie- gelung als Klimaadaptionsmaßnahme prinzipiell in der Karlsruher Innenstadt beinahe flächendeckend sinnvoll, also mit positivem Einfluss auf den Wohlfühlkomfort und damit die Gesundheit der Bevölkerung, sowie den Wasserhaushalt und das Mikroklima ist. Dabei muss nicht immer die Vollentsiegelung im Vordergrund ste- hen, gerade in innerstädtischen Kontexten helfen hybri- de, multicodierte Ansätze oft weiter, um auch stadtbild- oder denkmalpflegerisch konforme Zukunftslösungen schon heute zu ermöglichen. Let it (d)rain - ein blau-grüner Fächer für die Innenstadt! Abb. 83: Karlsruher Stadtansicht, Kupferstich von Heinrich Schwarz 1721. Stadtarchiv Karlsruhe 8/PBS XVI. 18 Vor dem Hintergrund der Karlsruher Stadtgeschichte entsteht das Zielbild des blaugrünen Fächers als resili- ente, blaugrüne Infrastruktur zur Sicherung und Ver- besserung des Stadtklimas sowie gesteigerter Resilienz gegenüber Starkregen- und Dürreereignissen. Die Analyse zeigt, dass der charakteristische Fächer- grundriss der Stadt Karlsruhe, der bereits historisch die Vernetzung der Stadt mit dem Umland anstrebte, durch- aus auch für die Einführung zukunftsfähiger blau-grüner Stadtinfrastruktur geeignet ist. Während der Nutzungs- druck, die engen Raumverhältnisse und die Anforderun- gen des Denkmalschutzes die Möglichkeiten im Inneren des Fächers relativ stark einschränken und oft nur kleinkörnige Interventionen zulassen, steigt das Poten- zial nach außen: mehr Raum, weniger Nutzungsdruck, potenzielle topografisch begünstigte Sammelpunkte und hohe Relevanz, da die Einwohner*innendichte hier höher ist. Entsiegelungsmaßnahmen unterschiedlicher Körnungen können entlang der Strahlenstraßen optimal vernetzt werden und mit unterschiedlichen Intensitäten und Identitäten einen vielfältigen blau-grünen Fächer ausbilden. Der barocke Stadtgrundriss wird zum Träger einer zukunftsfähigen blaugrünen Infrastruktur. Dieses Ziel- bild kann der Stadtverwaltung wie - Politik künftig als Ergänzung zu vielen anderen Untersuchungen bei der Bewertung und Eisnchätzung öffentlicher wie privater baulicher Entwicklungen als Basis dienen. -- 54 of 91 -- Stadtplanungsamt | 55 Blau-grüne Strahlen Fokusraum ZIZ-Programm Versiegelte Fläche Entsiegelte Fläche Neue Entsiegelungsmaßnahmen Einzubeziehende Planungen Abb. 84: Leitbild blau-grüner Fächer. -- 55 of 91 -- 56 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 3.2 Blau-grüner Charakter der Fächerstrassen Blau-grüne Transformation Ziel ist die exemplarische und bewusst flexible Verortung von Pilotmodulen auch in komplexen Funktionsräumen, um den Charakter der Fächerstraßen als klimaresiliente Innenstadträume weiter zu entwickeln. Ein in Berlin bereits erprobtes Entsiegelungsziel von 5-10% kann bis zu 100% des Jahresniederschlags im öffentlichen Freiraum versickern oder zur Verdunstung bringen. Über eine Abfolge von Modulen, ähnlich einem Barcode „S-M-M-L-S-S-S-XL-L-M-M-...“ kann dem Straßenfreiraum dabei nicht nur sickertechnisch sondern auch optisch ein neuer Charakter verliehen werden, so dass sich neben dem Mikroklima und dem Wasserhaus- halt auch die soziale Wahrnehmung verbessern wird. Als Zielbild wird in Ergänzung zu ÖRMI der Ausbau zu blau- grünen, alltagstauglichen Wohlfühlstraßen formuliert, die so trotz Individualität in ihren Anforderungen und Funktionsweisen künftig wieder als zusammengehörige Innenstadtstraßen und damit Träger des öffentlichen Freiraums in Karlsruhe wahrgenommen und aufgesucht werden. Modellraum mit Herausforderungen Eine mögliche Verortung und Überprüfung der Wirkwei- se der Pilotmodule wird am Beispiel der Herrenstraße entwickelt, da dieser Straßenzug geeignete Vorausset- zungen für einen Modellraum mitbringt: - die Herrenstrasse ist direkter Strahl der Fächerstraßen. - aus der Analyse ergibt sich ein durchgängiges hohes Entsiegelungspotenzial. - Anbindung an bestehende Grün- und Freiraumstruktu- ren (mit Vernetzungspotenzial) vorhanden. - topografisch bietet die Herrenstraße zwei Tiefpunkte an öffentlich verfügbaren Grundstücken. - es existieren viele PKW-Stellplätze. - es sind markante öffentliche Restflächen vorhanden. - der Baukalender zeigt Baumaßnahmen im Großteil des Straßenverlaufs (mind. Oberflächenerneuerung). - aktuelle, angrenzende Planungen lassen sich thema- tisch aufgreifen. - temporäre Begrünungsmaßnahmen durch Geschäfts- treibende bereits realisiert. - für Pilotmodule repräsentativer Straßenzug mit vielfäl- tigen Nutzungen (Geschäfte, öffentliche Einrichtungen, Grünflächen). - komplexe, herausfordernde Leitungslage um best- practice-Beispiel zu werden. - leicht ablesbarer „Aufwertungseffekt“ aus Sicht der Bevölkerung. - hoher Komplexitätsgrad für Pilotplanung mit Pilotlö- sungsentwicklung. Die Herrenstraße beginnt am Schlossplatz und endet beim ehemaligen Karlstor an der Karlstraße. Sie ist geprägt von einem heterogenen Raumgefüge (Torsi- tuation, Sitz des Bundesgerichtshofs in historischem Palais-Park, geschlossener Blockrand mit Handel, Gas- tronomie und Wohnen, Kirche und Platz St. Stephan, Kreuzung Haupteinkaufsstraße). In Teilen ist sie bereits verkehrsberuhigt, im Bereich des Gerichtshofs dafür mit hohen sicherheitstechnsichen Anforderungen belegt. Die Nutzungen im öffentlichen Freiraum sind durch den Verkehrs- und Bewegungsraum (MIV, Rad, Fußgänger) geprägt. Zudem gibt es Flächen für Außengastronomie, kommerzfreien Aufenthalt im Bereich des Kirchenumfel- des, sowie Parkplätze für MIV und Fahrräder. Abb. 85: Übertragung der Entsiegelungspotenziale in Schnitt Verschneidung mit Leitungen. -- 56 of 91 -- Stadtplanungsamt | 57 Abb. 86: Übertragung der Entsiegelungspotenziale in den dreidimensionalen Stadtraum - Verschneidung mit Leitungen und unterirdischen Einbauten, funktionalen und denkmalpflegerischen Vorgaben zur Verortung von Pilotmodulen. -- 57 of 91 -- 58 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Die Abbildung zeigt die Simulationsergebnisse in Her- renstraße aufgegliedert für jeden Einzel-Parameter. Rot steht für hohes, Grün für ein niedriges Potenzial des jeweiligen Parameters. Das bedeutet im Einzelnen: Frequenzen: Rot stellt die Bereiche mit besonders hoher Frequentierung durch zu Fuß Gehende dar. Diese Dar- stellung basiert auf einer Kombination der bereitgestell- ten Bewegungsdaten sowie ergänzenden Informationen aus den Gastronomiedaten von OpenStreetMap. Durch die Berücksichtigung beider Datenquellen konnten stark frequentierte Zonen identifiziert werden. Frequenzen öffentlicher Raum Stadtklima Topografie Bevölkerungsbetroffenheit Bauvorhaben Subjektive Wahrnehmung Nutzungen Stadtklima: Rot stellt die Bereiche mit hoher Hitzebel- astung basierend auf der UTCI-Simulation (Universal Thermal Climate Index) dar. Topografie: Rot stellt die potenziellen Bereiche mit ho- hem Regenwasser-Rückhaltevermögen dar, die einfach als Retentionsflächen zur Sammlung von Regenwasser aktiviert werden können, basierend auf dem bereitge- stellten DGM-Modell und der Starkregengefahrenkarte der Stadt Karlsruhe, 2024. Bevölkerungsdichte: Rot zeigt die Bereiche mit hoher Bevölkerungsdichte (Wohnbevölkerung) in der angren- zenden Bebauung. Herrenstraße Schlossplatz Abb. 87: Ein Zoom-In am Beispiel der Herrenstraße soll zeigen, wie sich Einzelparameter zu einem Gesamtpotenzial ergänzen. -- 58 of 91 -- Stadtplanungsamt | 59 ehem. Karlstor Bauvorhaben: Rot stellt die geplante Baustellen in- nerhalb der kommenden 5 Jahre dar. Beispielsweise Fernwärme-Verteiler und Hausanschluss: Herrenstr. 42-50 bis 2027, Kaiserstraße zwischen Ritterstraße und Karlstraße bis 2028 oder Kanalbau DN 1000 bzw. DN 800 Hans-Thoma-Straße und Zirkel, zwischen Stephani- enstraße und Lammstraße bis 2028. Subjektive Wahrnehmung: Rot zeigt Bereiche, die auf Grundlage von persönlichen Passant*innenbefragungen als entwicklungsbedürftige Stadtfreiräume identifi- ziert wurden. Zum Beispiel „Verbesserung der Situ- ation für zu Fuß Gehende in südl. Herrenstraße“aus Passant*innenbefragung ÖRMI oder „Nichtnutzung der Fläche am Karlstor“ aus einer Workshopbefragung 2025. Nutzungen: Die Oberflächennutzungen sind in ihrer Gewichtung ein Sonderparameter. Da im Zuge dieses Entsiegelungskonzeptes keine Verkehrsplanung erfolgte, wurden bestehende Straßenfreiräume als unveränderbar übernommen. Dies gilt jedoch nicht für die Flächen des ruhenden Verkehrs: Parkplätze sowie Bereiche von zu Fuß Gehenden und identifizierte Restflächen werden in Rot dargestellt, also mit hohem Entsiegelungspotenzial ausgewiesen. Flächen vor dem Gerichthof werden aus Sicherheitsgründen als Fläche mit niedrigem Potenzial betrachtet. -- 59 of 91 -- 60 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Entsiegelungsmodule und Pilotplanungen ermöglichen eine schrittweise wie kontinuierliche Qualifizierung der Karlsruher Innenstadt hinsichtlich der Herausforderungen des Klimawandels im Bezug auf Entsiegelung, Wasser- haushalt und Hitzeanpassung. Ausbau grünen Ausbau zur blau- grünen Achse Entsiegelung Platz- und Hofflächen Entsiegelung im Zuge von allfälligen Straßenumbauten Aktivierung von öffentlichen Restflächen 3.3 Leitbild blau-grüner Fächer als Innenstadt-Vision Im Sinne einer bereits akuten Vorsorge-Intervention wird so über die öffentlichen Freiräume die Grundlage für eine zukunftsfähige Innenstadtentwicklung gelegt. Besonders ist dabei, dass der historische Karlsruher Stadtgrundriss eine spezifische Chance bietet, Verbesse- Abb. 88: Vogelperspektive Karlsruhe Innenstadt, eigene Bearbeitung. -- 60 of 91 -- Stadtplanungsamt | 61 Entsiegelung Platz- und Hofflächen zur blau- Achse Ausbau zur blau- grünen Achse Ausbau zur blau- grünen Achse rungen des direkten Lebensumfelds durch relativ einfa- che Entsiegelungsmaßnahmen (wie blau-grünes Parken, Wassersammlung, perforierte Oberflächen, vegetative Verdunstung) für viele Menschen ablesbar zu machen ohne prinzipiell in die städtebauliche Struktur eingreifen zu müssen. Der barocke Stadtgrundriss wird mit der schrittweisen Transformation in einen blau-grünen Fächer weiterhin als zukunftsfähiger öffentlicher Freiraum der markante Träger der Karlsruher Innenstadt bleiben, Lebensquali- tät und Tourismus sowie nachhaltig den Einkaufsstand- ort sichern. -- 61 of 91 -- 62 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Durch diesen Abgleich reduzieren sich die theoretischen Potenzialflächen im Sinne einer gezielten Maßnahmenverortung auf technsich verhältnismäßige Entsiegelungspotenziale. Hier ist zu berücksichtigen, dass sich auch die Bautechniken im Hinblick auf Normen, Materialien und Produkte sowie Zielsetzungen in einem markanten Umbruch befinden. No-Gos von gestern werden die Standards von morgen werden. Die nächste Filter-Ebene berücksichtigt die ökonomischen Voraussetzungen, wobei hier aktuelle Budgets gegen Zukunftsinvestitionen abgewogen werden müssen. Hier verfolgt das Entsiegelungskonzept der Innenstadt einen spezifischen Weg: Ziel ist die Aktivierung möglichst zahlreicher Synergien mit anderen Planungen und Umsetzungen. So kann das Leitbild des blau-grünen Fächers künftig vor allem auch im Bereich der Flächenwiederherstellung und -sanierung Anwendung finden. Sowohl bei der Oberflächenwiederherstellung im Zuge öffentlicher Baustellen (Fernwärmetrassen, Fahrbahnsanierungen, Radweg-Errichtungen, Ausbau öffentlicher Abb. 90: Blau-grünes Parken: gekoppelte Entsiegelungsmodule für eine neue Charakteristik der Karlsruher Fächerstraßen. Abb. 89: Potenzialstufen der Entsiegelung (in Anlehung an Umweltbundesamt UBA, 2021): Die Entsiegelungspotenzialflächen nehmen vom theoretischen zum politisch umsetzbaren Potenzial stufenweise ab, wobei sich die Entsiegelungspotenzialflächen insbesondere beim Übergang vom technisch zum ökonomisch verhältnismäßigen Potenzial (Finanzierungsdefizit) und beim Übergang vom ökonomisch verhältnismäßigen zum politisch umsetzbaren Potenzial (gesetzgebendes Defizit) erheblich verringern. Theoretisches Entsiegelungspotenzial Technisch verhältnismäßiges Potenzial Aktivierung möglicher Synergien! Gesellschaftliche Anforderungen und Prioritäten neue Bautechniken und Standards Ökonomisch verhältnismäßiges Potenzial Politisch umsetzbares Potenzial 4. Abgleich der Möglichkeiten 4.1 Suche nach Synergien Entsiegelung selbstverständlich und integral vorantreiben Eine Umsetzungsanalyse ermittelt als Realitäts- Check fachliche Gegebenheiten, die Entsiegelung einschränken könnten. In einem Abgleich der Potenzialflächen mit oberirdischen Rahmenbedingungen wie Bewegungstraßen, Fahrbahnen und anderen Oberflächennutzungen sowie Stadtbild- oder denkmalpflegerischen Vorgaben mit der Leitungslage und unterirdischen Einbauten werden die ermittelten Flächenressourcen für Voll- oder Teilentsiegelung auf Basis der Pilotmodule plausibilisiert. -- 62 of 91 -- Stadtplanungsamt | 63 4.2 Umgang mit Einschränkungen Abb. 91: Herausforderungen im Rahmen der Entsiegelung. Ladeinfrastruktur), als auch als Vorgabe für private Baustelleneinrichtungsflächen im öffentlichen Raum existiert mit dem Entsiegelungskonzept ein Leitfaden zur Flächenwiederherstellung. Bedeutendes Potenzial könnte so in den kommenden Jahren aktiviert werden, wobei die Notwendigkeit der Flächenwiederherstellung die zusätzlichen Sonderaufwendungen für die eigentliche Entsiegelung minimiert. Verschneidung und Gewichtung Problemstellungen werden zu Entwurfsparametern In der letzten Filterebene für die Umsetzung von Ent- siegelungsmaßnahmen wird auf das aktuell politisch umsetzbare Potenzial reduziert. Hierzu müssen die De- tailplanungen transdisziplinär und sorgfältig ausgearbei- tet sein, denn gescheiterte Maßnahmen verunmöglichen ähnliche Vorhaben oft über lange Zeiträume, so dass Nicht-Umsetzungen den Investitionsdruck in der Zukunft um ein vielfaches erhöhen und damit verteuern werden. Selbstverständlich gibt es im öffentlichen Raum eine Vielzahl von funktionalen oder emotionalen Restriktionen für neue Ansätze. Das Entsiegelungskonzept versteht sich als eine erste Ebene eines fachlich übergreifenden Konsens über verschiedenste Verwaltungsebenen hinweg. Es gilt weiterhin, das Handlungsbewusstsein stetig auszubauen und die konstruktive Auseinandersetzung zwischen bekannten Problemstellungen und neuen Herausforderungen im Sinne innovativer Lösungen in der fortführenden Planung zu kultivieren. Erfahrungswissen verliert mit steigendem Handlungsdruck zunehmend an Bedeutung, so dass es entscheidend sein wird, eine Atmosphäre der Offenheit gegenüber Neuerungen und Herausforderungen aufzubauen. Entsiegelung als gesellschaftliche Aufgabe für unsere Innenstädte muss deshalb als lernender Prozess verstanden werden, in dem Vorbehalte und Einschränkungen konstruktiv vorgebracht sowie gehört werden, um als Basis spezifischer Lösungen zu dienen. -- 63 of 91 -- 64 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 5. Entsiegelungsmaßnahmen 5.1 Größengestaffelte Toolbox Pilotmodule und Piloträume für den blau-grünen Fächer Im nächsten Vertiefungsschritt werden deshalb zwei Typologien an Testplanungen weiter verfolgt: Zum einen werden Entsiegelungsmodule unterschiedli- cher Eingriffsgröße und Wirkweise im Umgang mit er- schwerenden Parametern wie Leitungen, Denkmalschutz etc. entwickelt, mit der Stadtverwaltung abgestimmt und mit Grobkosten für serielle Erstellung und Unterhalt versehen. Ein generell anwendbares Beispiel könnte hier eine neue Parkplatztypologie für die Innenstadt sein: in Karlsruhe parkt man künftig blau-grün, also klimawirk- sam! Zum anderen werden in konkret verorteten Pilotplanun- gen der City-Transformation Vorentwürfe für Objekt- planungen partizipativ erarbeitet, die Hotspots aus der Analyse testweise zu blau-grünen Innenstadträumen weiter entwickeln. Die Wirkweise dieser Planungen wird über eine integrierte, vergleichende Klimasimulation ge- sichert. Auch hier werden nach den Abstimmungen mit Verwaltung und Händler*innenschaft Grobkosten für die Errichtung sowie den Unterhalt zusammengestellt. Das Konzept beschreibt im Bereich der Pilotmodule seri- ell einsetzbare Maßnahmen zu verschiedenen Entsiege- lungsgraden. Die Herstellung einer naturnahen Boden- funktionen (mit allen ihren stadtklimatischen Vorteilen) ist dabei die wesentliche Zielvorstellung. Die vorgeschlagenen Module staffeln sich dabei hin- sichtlich Raumbedarf und Wirkweise, gleichzeitig auch in Kostenintensität in der Umsetzung und im Unterhalt. Im Planungsablauf der Pilotmodule sind zudem spezifi- sche Projektparameter wie Unterbauungen oder Boden- verunreinigungen sowie Zusammenspiel mit Leitungst- rassen zumindest dem Prinzip nach zu klären, immer mit dem Ziel, einem naturnahen Wasserhaushalt so nah wie möglich zu kommen. Pilotmodule und -räume können als Beispielprojekte für Entsiegelung der Karlsruher Innenstadt fungieren und die Prinzipien und Vorgangsweisen für kommende Pro- jekte verankern: Durch diesen ersten Umsetzungs-Check sind die Maßnahmen in ihrer objektplanerischen Umset- zungsmöglichkeit abgesichert. Zudem werden Grobkos- ten je Eingriffsart sowie ein Leitfaden zur Umsetzung mit der Nennung der jeweiligen Herausforderungen und dem potenziellen Nutzen in Form einer Gegenüberstel- lung erarbeitet. Übergeordnet ist die Grundidee, dass die Maßnahmen nicht eine ganzheitliche Neugestaltung der öffentlichen Freiräume, sondern vielmehr ein zielgerichtetes, bedarfs- weises „Weiterbauen“ der Innenstadt im Sinne einer schrittweisen Klima-Ertüchtigung ermöglichen sollen. Größengestaffelte Pilotmodule als serielle Innenstadt-Entsiegelung Sickerfähiger Belag (nicht zwingend unbefestigt, auch Grünfugen, „Klimastein“, etc.) Wassersammlung mit Versickerung und Verdunstung Begrünte Retetionsmulde mit Versickerung, Verdunstung und Evapotranspiration Baumbestandene Retentionsmulde mit Versickerung, Verdunstung und Evapotranspiration S Versickerung Versickerung Versickerung Versickerung Verdunstung Beitrag zur Resilienz (naturnaher Wasserkreislauf, Kühlung, Speicherung, ... Raumbedarf Verschattung Co2-Bindung Verdunstung Verdunstung Evapotranspiration M L XL Module des Karlsruher Entsiegelungskonzepts Staffelung nach Eingriffsgröße und Wirkweise Abb. 92: Module des Karlsruher Entsiegelungskonzepts. -- 64 of 91 -- Stadtplanungsamt | 65 5.2 Pilotmodule S, M, L und XL - Pilotmodule für verschiedenste Eingriffsarten Ziel der Modulplanung ist es, für jede allfällige Tiefbau-Tätig- keit in der Innenstadt eine möglichst niederschwellige Entsie- gelungsmaßnahme im Zuge der Oberflächenwiederherstellung anbieten zu können. Die Kategorisierung erfolgt deshalb, abweichend vom ur- sprünglichen Konzept nicht hinsichtlich Sofortmaßnahmen, mittelfristigen Maßnahmen und langfristigen Konzepten, sondern als Größenstaffelung der Baumaßnahme. S Der niederschwelligste Entsiegelungsschritt im Hinblick auf die Reduktion vollversiegelter Oberflächen ist der Ersatz durch sickerfähige Aufbauten. Die Sickerfähigkeit betrifft also nicht nur den urbanen Stadtboden an sich, sondern den gesamten Ober- und Unterbau bis hin zum anstehenden Boden. Ungebunde- ne Bauweisen, sickerfähige Fugenausbildung und sickerfähiger Ober- und Unterbau sollen dabei als zusammenhängendes System zu- sammenwirken, um trotz Versickersickerungs- fähigkeit z.B. urbanen Verkehrslasten dauer- haft gerecht zu werden. Im Fall von Belägen mit durchgrünten Fugen ist die Barrierefreiheit sowie die dauerhafte Sickerleistungsfähigkeit beachten. Einschätzung Wirkweise: Diese Entsiegelungsmaßnahme ist sehr einfach z.B. im Zuge allfälliger Oberflächensa- nierungen umsetzbar. Bei großflächiger Anwendung ist so ein Schritt in Richtung Wasserneutralität möglich. Ein ökologischer Mehrwert im Sinne der Biodiversität ist nur in sehr geringem Umfang, bei durchgrünten Fu- gensystemen erreichbar. Das Mikroklima wird ebenso nur geringfügig positiv beeinflusst, etwa durch Durchgrünung oder aktiv was- serspeichernde Baumaterialien („Klimastein“ etc.). Diese einfache, weil niederschwellig umsetzbare Maßnahme birgt alleinstehend nur geringes Potenzial für einen sozialen Mehrwert wie etwa eine gesteigerte inner- urbane Naturerfahrung. Beim großflächigen Einsatz dieses Moduls als Ersatz urbaner Gehweg-Oberflächen ist in der Planung und Ausführung ein spezielles Augenmerk auf die Barrierefreiheit zu richten. Mikroklima Soziale Adaptionsfähigkeit Beitrag Wasserkreislauf Ökologie / Diversität 50% 1 Abb. 93: Beispiel Grüner Gully Berlin. Abb. 94: Beispiel Rasenfugen Karlsruhe. Entsiegelungsmodul S - Sickerfähigkeit. -- 65 of 91 -- 66 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe M L Als Erweiterung von Modul S kommt hier zum ersten Mal flächige Durchgrünung, gegebe- nenfalls in Muldenform zum Einsatz. Ziel ist also nicht mehr ausschließlich der naturnahe Wasserabfluss, sondern bereits der Rückhalt sowie die vegetationstechni- sche Nutzung gesammelten Regenwassers, wobei der Übergang zwischen den Modulen sicherlich fließend ist. Vegetative Verdunstung beeinflusst unsere Lebensumwelten immer positiv und lässt sich mit diesem Modul relativ Niderschwellig erstellen. Hier kann Wasser erstmals auch über die Bodensättigung hinaus im urbanen Raum Das Entsiegelungsmodul L ist intensiv be- grünt, sodass auch die vegetative Verdunstung (Evapotranspiration) einen erheblichen Beitrag zum Stadtklima leisten kann und größere Mengen Regenwasser, etwa nach Starkrege- nereignissen nicht mehr in den Kanal verloren gehen, sondern vor Ort rückgehalten und zeitversetzt in den naturnahen Kreislauf rück- gespeist werden können. rückgehalten und zeitversetzt für die Durch- grünung genutzt werden, was im Hinblick auf die steigende Zahl von Starkregenereignissen und Trockenperioden als wichtiger Baustein einer städtischen Resilienz erscheint. Einschätzung Wirkweise: Diese Entsiegelungsmaßnahme ist bei vorhan- denen geeigneten Restflächen sehr einfach umsetzbar und im Regelfall sogar günsti- ger als Modul S. Allerdings schränken sich mögliche Standorte bereits automatisch über den Platzbedarf ein, da es sich nicht um eine gewohnt begeh- und benutzbare städtische Oberfläche sondern vielmehr um einen neuen Stadtbaustein handelt. Einschätzung Wirkweise: Diese Entsiegelungsmaßnahme stellt den Übergang zu intensiveren Begrünungsmaß- nahmen dar. Sie hat einen deutlichen Platz- bedarf und bringt erhöhte Aufwendungen in Unterhalt und Pflege mit sich. Auch die Herstellung ist kostenintensiver als die Basis- maßnahmen „S“ oder „M“ und liegt etwa im Bereich hochwertiger urbaner Bodenbeläge. Zugleich erhöht sich die positive Wirkung auf Natur- und Wasserhaushalt, aber auch hinsichtlich der Wahrnehmung durch die Bevölkerung deutlich: erfahrbares Stadtgrün, eventuell bereits mit jahreszeitlichen Aspek- ten reduziert auch auf der psychichen Ebene urbanen Hitzestress und ermöglicht Aneig- nung wie Wohlbefinden, insbesondere, wenn mit der Entsiegelungsmaßnahme auch neue Aufenthaltsangebote im öffentlichen Freiraum entstehen. Abb. 95: Beispiel Sickermulde Kopenhagen. Abb. 96: Beispiel Neptunigatan, Malmö. Mikroklima Mikroklima Soziale Adaptionsfähigkeit Soziale Adaptionsfähigkeit Beitrag Wasserkreislauf Beitrag Wasserkreislauf Ökologie / Diversität Ökologie / Diversität 75% 85% 3 4 Entsiegelungsmodul M - Wassersammlung mit Versickerung und/oder Verdunstung. Entsiegelungsmodul L - begrünte Wassersammlung mit Versickerung und Verdunstung sowie Evaporation. -- 66 of 91 -- Stadtplanungsamt | 67 XL Diese Entsiegelungsmaßnahme bemüht sich lokal um eine nahezu vollständige Wasser- neutralität. Das bedeutet, dass auch große Regenmengen von diesem Modul-Baustein vor Ort aufgenommen, zwischengespeichert und pflanzenverfügbar sowie versickerbar sind, bzw. zeitversetzt über Oberflächen und Pflanzen verdunstet werden. Neben der Verdunstungskühlung ermöglicht die vegetative Verschattung einen erhöhten Cool-Down-Effekt in Kombination mit einer möglichen, positiv konnotierten Aufenthalts- qualität. Der Wurzelraum als Schwammstadt- körper ermöglicht maximierte Wasserrückhal- tung und sichert nachhaltige, unterhaltsarme Baumstandorte, die dann auch einen aktiven Beitrag zur innerurbanen CO2-Bindung leisten können. Sofern der Tausalz-Einsatz nicht reduziert werden kann, umliegende Bewegungsflächen jedoch in das Wassermanagement einbezogen werden sollen, müssen hier bekannte Schutz- maßnahmen wie jahreszeitlich adaptierbare Zuläufe oder Reinigungsstufen eingeplant und vorgeschaltet werden. Einschätzung Wirkweise: Die Wirkweise für das lokale Mikroklima ist mit diesem Modul-Baustein maximiert, Raum- und Flächenbedarf wachsen jedoch ebenso konkruent. Auch die Errichtungs- und Unter- haltskosten dieses Moduls sind vergleichsweise hoch. An den richtigen Stellen im urbanen Freiraum zum Einsatz gebracht ist jedoch der „Gewinn“ für das Stadtbild, das Wohlbefinden und die Gesundheit der Bevölkerung, wie auch für die Biodiversität optimiert. Abb. 97: Beispiel Bahnhofplatz Karlsruhe mit Schwammstadt. Abb. 99: Beispiel Place Eugène Flagey Brüssel. Abb. 98: Beispiel Rathausplatz Paris. Mikroklima Soziale Adaptionsfähigkeit Beitrag Wasserkreislauf Ökologie / Diversität 89% 5 Abb. 100: Beispiel Promenadenring St. Pölten. Entsiegelungsmodul XL - baumbestandene Retentionsmulde mit Versickerung, Verdunstung, Verschattung, Evapotranspiration, sowie CO2-Bindung. -- 67 of 91 -- 68 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 5.3 Kopplung und Vernetzung als Chance 5-10% Entsiegelung 80% Jahresnieder- schlag lokal Abb. 101: Beispiel Bahnhofplatz Karlsruhe Süd: Kopplung einzelner Baumquartiere zu einem riesigen Schwammkörper bietet sogar auf unterbauten Flächen ausreichenden Wurzelraum und liefert hervorragende Anwuchserfolge der Neupflanzungen. Abb. 102: Blau-grünes Innenstadt-Parken ergänzt als entsiegelte Fläche das urbane Funktionsgefüge zu einem nachhaltigen Wassermanagement aus Wasserrückhalt, Versickerung, Evapotranspiration und Verdunstung. Die Kopplung mehrerer Entsiegelungsmodule auch unterschiedlicher Größen optimiert deren Wirkweise und stärkt die Redundanz des Gesamtsystems sowohl gegenüber Starkregenereignissen als auch gegenüber längerer Trockenperioden. Im Optimalfall kann dabei ein kaskadenartig vernetztes Gesamtquartier mit entsie- gelten Aufenthaltsbereichen, bepflanzten Retentions- mulden und Baumstandorten im Schwammstadtprinzip entstehen. Dabei stehen naturnahe Lowtech-Lösungen im Vordergrund einer flächigen Ausdehnung entsiegel- ter Innenstadtbereiche. Diese Orte werden eine neue Ästhetik für unsere öffentlichen Freiräume hervorbrin- gen: naturnah, erlebnisreich und im besten Fall auch aneigenbar, wahrscheinlich vielerorts „wilder“ - dies sollte als Chance auch im Sinne des urbanen Unterhalts verstanden und der Öffentlichkeit offensiv kommuniziert werden. sichern mindestens 1+1>2 -- 68 of 91 -- Stadtplanungsamt | 69 6. Piloträume und Initialplanungen 6.1 Initialmaßnahmen Pilotmodule und -planungen als Initialprojekte Herrenstraße als herausfordernder Modellraum für Pilotmodule Die Pilotmodule werden im Zuge prototypisch in der Herrenstraße auf Plausibilität und Anwendbarkeit ge- prüft. Als Piloträume werden der Passagehof sowie der Kronenplatz mit Kronenstraße ausgewählt. Der Ent- siegelungsbedarf ist gemäß Potenzialkarte in den drei Vertiefungsbereichen als hoch bis sehr hoch eingestuft. Zusammen bilden sie ein Spektrum an Initialmaßnah- men, das möglichst viele Innenstadt-Themen im Zuge des Modelprojektes anspricht. Wie bereits in der Charakteristik der Fächerstraßen be- schrieben dient die Herrenstraße mit ihrer Heterogenität als herausfordernde Basis für einen ersten quantitativen wie qualitativen Test der Pilotmodule. Passagehof - Lokalen Handel und Leben in der Innenstadt stärken! Kronenplatz und Kronenstraße - gelebter Alltagsraum Der Passagehof ergänzt als öffentlicher Stadthof das Spektrum urbaner Räume um die Kategorie Hof. Bestandsbäume, hoher Nutzungsdruck, verkehrliche Anforderungen durch Ver- und Entsorgung, mehrere Gastronomieangebote und bislang fehlende kommerz- freie Aufenthaltsmöglichkeiten charakterisieren die Auf- gabenstellung jenseits der Entsiegelungsaufgabe. Ziel ist es, mit der Entwicklung des „Typ Hof“ als Modellprojekt ausstrahlen zu können auf weitere Hofsanierungen nicht nur in der Innenstadt. Die hohe Frequenz des Ortes kann hier unterstützend wirken. Die zweite Pilotplanung kompletiert das Spektrum der untersuchten öffentlichen Freiräume mit einem Stra- ßen- und einem Platzraum. Die Universität, das Jugend- zentrum sowie die hohe öffentliche Frequenz sind im Zusammenspiel mit der Unterbauung und zu sanieren- den Oberflächen sowie Brunnenanlagen geeignete wie komplexe Vorgaben für den Pilotraum. Passagehof Kronenplatz Kronenstraße Herrenstraße Abb. 103: Pilotplanungen in Karlsruhe. -- 69 of 91 -- 70 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 6.2 Pilotraum Herrenstraße Öffentlichkeit & partizipative Schwarmintelligenz Zu Beginn der Verortung möglicher Pilotmodule in der Herrenstraße steht ein „Fresh-Mob“ als partizipative Mitmachaktion. Die Zielsetzung ist dabei zweigeteilt: zum einen wird über die spielerische Verortung der Entsiegelungsmodule die Öffentlichkeit hinsichtlich der Bemühungen der Stadt informiert und einbezogen. Zum anderen unterstützt das lokale Wissen und die Be- dürfnisse der in die Gruppenaufstellung einbezogenen Passant*innen die entwerferische Schwarmintelligenz bei der experimentellen Lösung der komplexen Aufga- benstellung. Passant*innen positionieren sich in einer Gruppenauf- stellung in drei Aktionen an markanten Orten der Her- renstraße mit „let it (d)rain-Sonnen/Regenschirmen“ um künftige blau-grüne Module S, M, L und XL im Zusam- menspiel zu verorten und optisch zu erproben. XL L M S Mitmachaktion Freshmob Herrenstraße 24.07.2025 ab 13 Uhr Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Die Stadt ist heiß und du bist auf der Suche nach coolen Orten? Wie effektvoll helfen Bäume als Räume zum Abkühlen? Wer gewinnt? Versickerung oder Verschattung? Deine Meinung ist uns wichtig. Sei aktiv dabei und simuliere Deine Klimaanpassung vor Ort. 1. Aktion, 13 Uhr Treffpunkt: Herrenstraße, Ecke Karlsstraße 2. Aktion, 14 Uhr Treffpunkt: Herrenstraße, Ecke Erbprinzenstraße (Kirche St. Stephan) 3. Aktion, 15 Uhr Treffpunkt: Herrenstraße, Ecke Kaiserstraße Diese Mitmachaktion wird im Rahmen des Entsiegelungskonzeptes der Karlsruher Innenstadt durchgeführt. Kontakt Stadt Karlsruhe Stadtplanungsamt Stadtgestaltung und Stadterneuerung Kaiserallee 4, 76133 Karlsruhe Telefon: 0721 133-6101 E-Mail: stpla@karlsruhe.de Weitere Informationen unter https://www.karlsruhe.de/entsiegelung-innenstadt © Stadt Karlsruhe | Layout: Cindy Streeck | Bild: Bauchplan | Druck: Rathausdruckerei, Recyclingpapier | Stand: Juli 2025 Planung und Durchführung durch: Durchführung durch: Abb. 104: Einladung zum Fresh-Mob der Stadt Karlsruhe. Abb. 105: Bildanleitung zur Simulation der Entsiegelungsmodule S,M,L und XL. -- 70 of 91 -- Stadtplanungsamt | 71 Abb. 106: Fotos des „FreshMob“ in Karlsruhe. -- 71 of 91 -- 72 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Entsiegelungspotenziale und ihre modulare Übersetzung Für die erste Phase des Grobkonzeptes werden die Pilotmodule pragmatisch gemäß den Entsiegelungspo- tenzialen verortet. Aus der Positionierung der Modulgrö- ße XL bei rot gefärbtem, hohem Entsiegelungspotenzial entsteht der größtmögliche Entsiegelungseffekt im Modellprojekt. Abb. 107: Entsiegelungsmodule unterschiedlicher Größen. Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzens Herrenstraße Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzens Herrenstraße Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzens Herrenstraße hase 1 hase 2 hase 3 pilotmodule herrenstraße Abb. 108: Pilotmodule Herrenstraße. -- 72 of 91 -- Stadtplanungsamt | 73 straße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße straße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße straße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Erbprinzenstraße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Erbprinzenstraße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Erbprinzenstraße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Auf dieser Basis erfolgt der Abgleich mit der Leitungsla- ge (soweit verfügbar), und Vorgaben zu Denkmalschutz, (Sonder)Nutzungen, Verkehrsführung und Sicherheit sowie gegebenfalls unterbauten Flächen. Ziel ist es, die Herrenstraße in bis zu drei Projektphasen schrittweise atmosphärisch wie funktional in eine blau- grüne Fächerstraße zu transformieren. Hierzu erfolgt eine katalogähnliche Detailllierung der größengestaffel- ten Module. Eine mögliche Priorisierung ergibt sich aus den Gegebenheiten des Baukalenders. -- 73 of 91 -- 74 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Blaugrüne Aufenthalts- oder Restflächen Retentionsmulde künstliche Pfütze technische Blockrigole technische Blockrigole intensiv begrüntes Verdunstungsbeet Schwammstadtquartier mit Verdunstungsbeet Schwammstadtquartier mit Verdunstungsbeet und Aufenthalt / Spiel Schwammstadtquartier in Stadtboden integriert (überfahrbar) Verdunstungsbeet mit Aufenthalt Blaugrünes Parken Blaugrünes Rad-Abstellen, Laden, ... S M L XL Abb. 109: Detaillierung der Entsiegelungsmodule. -- 74 of 91 -- Stadtplanungsamt | 75 47 herrenstraße - ausschnitt module Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzenstraße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Herrenstraße herr Amalien Karlsstraße A' A 4,5 1,5 104 181 FOOT LOCKER SCHUHGESCHHÄFT 20 MAXIMILIAN DAUBER GOLDSCHMIED 22 TOMMY JEANS STORE 24 RIEDL-SCHATZ MODE 26 TEAM 7 MÖBELGESCHÄFT 30/32 KAMMERTHEATER ALTE BANK 23 KIESER KARLSRUHE UNICO JUWELIER 21 HERGARD MODEN 179 SNIPES SCHUHE Kaiserstraße 47 straße - ausschnitt module Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzenstraße malienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Herrenstraße herrenstraß Schlossplatz Zi Kaiserst Erbpri Amalienstraße Blumen Herrenstraße Karlsstraße Herrenstraße A' A 4,5 1,5 104 181 FOOT LOCKER SCHUHGESCHHÄFT 20 MAXIMILIAN DAUBER GOLDSCHMIED 22 TOMMY JEANS STORE 24 RIEDL-SCHATZ MODE 26 TEAM 7 MÖBELGESCHÄFT 30/32 KAMMERTHEATER ALTE BANK 23 KIESER KARLSRUHE UNICO JUWELIER 21 HERGARD MODEN 179 SNIPES SCHUHE Kaiserstraße Abb. 110: Ausschnitt Herrenstraße inkl. Module. Regelquerschnitt Bestand, A-A' S M L XL 4,5m 2,2m 2,2m 2,6m Gehweg Fahrbahn Potenzialfläche Gehweg Radstreifen Radstreifen Gehweg Fahrbahn Parken / Anlieferung Gehweg 2,2m 2,2m 7,1m Regelquerschnitt Bestand, A-A' S M L XL 4,5m 2,2m 2,2m 2,6m Gehweg Fahrbahn Potenzialfläche Gehweg Radstreifen Radstreifen Gehweg Fahrbahn Parken / Anlieferung Gehweg 2,2m 2,2m 7,1m Abb. 111: Querschnitt Straßenfreiraum Ist-Zustand. Abb. 112: Querschnitt Straßenfreiraum Klimastraße. Der ausgewählte Fokusbereich umfasst die Herrenstra- ße zwischen der Erbprinzengasse und der Kaiserstraße sowie die stark versiegelte Fläche am Karlstor. Zur Schaffung einer attraktiven Fahrradverbindung wurde auf Fahrbahnverschwenkungen verzichtet, statt- dessen reihen sich die Module entlang der östlichen Straßenseite an. Besonders im Bereich der Kaiserstraße besteht ein hoher Bedarf an Entsiegelung und Beschat- tung. Daher wurde dort mit dem Modul XL in Form einer baumbestandenen Grünfläche reagiert. Weitere Module berücksichtigen Nutzungen wie Aufenthalt, Anlieferung, Parken sowie zusätzliche Retentionsflä- chen – jeweils angepasst an die Gebäudenutzungen. Am Karlstor steht die Entsiegelung der Flächen zur Verbesserung der Aufenthaltsqualität im Vordergrund. Diese Maßnahmen können auch als temporäre Eingrif- fe verstanden werden. Fokusbereiche und systematische Anwendung der Entsiegelungsmodule -- 75 of 91 -- 76 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe A' A 4,5 1,5 104 181 FOOT LOCKER SCHUHGESCHHÄFT 20 MAXIMILIAN DAUBER GOLDSCHMIED 22 TOMMY JEANS STORE 24 RIEDL-SCHATZ MODE 26 TEAM 7 MÖBELGESCHÄFT 30/32 KAMMERTHEATER ALTE BANK 23 KIESER KARLSRUHE UNICO JUWELIER 21 HERGARD MODEN 179 SNIPES SCHUHE Kaiserstraße 47 herrenstraße - ausschnitt umsetzungskonzept Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzenstraße Amalienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Herrenstraße 47 straße - ausschnitt module Schlossplatz Zirkel Kaiserstraße Erbprinzenstraße malienstraße Blumenstraße Herrenstraße Karlsstraße Herrenstraße herrenstraß Schlossplatz Zi Kaiserst Erbpri Amalienstraße Blumen Herrenstraße Karlsstraße Herrenstraße A' A 4,5 1,5 104 181 FOOT LOCKER SCHUHGESCHHÄFT 20 MAXIMILIAN DAUBER GOLDSCHMIED 22 TOMMY JEANS STORE 24 RIEDL-SCHATZ MODE 26 TEAM 7 MÖBELGESCHÄFT 30/32 KAMMERTHEATER ALTE BANK 23 KIESER KARLSRUHE UNICO JUWELIER 21 HERGARD MODEN 179 SNIPES SCHUHE Kaiserstraße Abb. 114: Ausschnitt Herrenstraße inkl. Module. Abb. 115: Skizze - Transformation der Herrenstraße zur blau-grünen Fächerstraße. Die konkrete Anwendung der Entsiegelungsmodule wurde in Form eines Planungskonzepts umgesetzt. In der Herrenstraße entsteht eine begrünte Fahrradver- bindung, die ökologische und funktionale Qualitäten miteinander vereint. Östlich der Fahrbahn bildet sich ein Multifunktionales Band: entsiegelte Flächen werden zu attraktiven Aufenthaltsbereichen mit integrierten Sitzmodulen und vielseitigen Nutzungsmöglichkeiten umgestaltet. Barrierefreie Gehwege und begrünte Flä- chen stärken die Aufenthaltsqualität und fördern das städtische Mikroklima. Am Karlstor entstehen begrünte, teils begehbare Retentionsflächen, die nicht nur dem Wasserrückhalt dienen, sondern auch multiple Nutzungen und eine hohe Aufenthaltsqualität ermöglichen. Das geplante Generationenwäldchen bietet Raum für Begegnung und Erholung. Alle Maßnahmen sind so konzipiert, dass sie – je nach Bedarf – auch als temporäre Interven- tionen umgesetzt werden können. Fokusbereiche und Planungskonzept -- 76 of 91 -- Stadtplanungsamt | 77 Kanal Bestand Gas Bestand LWL Bestand Strom Bestand Wasser Bestand Gehweg Mobile Pflanztröge Fahrbahn Gehweg Anlieferung / Parken Regelquerschnitt Bestand, A-A' Kanal Bestand Gas Bestand LWL Bestand Strom Bestand Wasser Bestand Gehweg Mobile Pflanztröge Fahrbahn Gehweg Fahrradbügel auf durchlässigem Belag Regelquerschnitt Modul S, A-A' barrierefrei Gas Bestand Strom Bestand Wasser Bestand Kanal Bestand Gehweg Fahrbahn Gehweg Anlieferung LWL Bestand Sitzelement Retentionsmulde Notüberlauf "Berliner Gully" Regelquerschnitt Modul M, A-A' Kanal Bestand Strom Bestand Wasser Bestand Wurzel - schutz Baumstandort Retentionsmulde Notüberlauf "Berliner Gully" Gas Bestand LWL Bestand mineralische Abdichtung Skelettkörper "Schwammstadt" Einleitung Dachwässer Gehweg Fahrbahn Gehweg Anlieferung Regelquerschnitt Modul L, A-A' Kanal Bestand Strom Bestand Wasser Bestand Gehweg Fahrbahn Gehweg Anlieferung Gas Bestand LWL Bestand Sitzelement bepflanzte Retentionsmulde Notüberlauf "Berliner Gully" Regelquerschnitt Modul L, A-A' Abb. 116: Anwendung Module im Querschnitt Herrenstraße. Regelquerschnitt Bestand Regelquerschnitt mit Modul S Regelquerschnitt mit Modul M Regelquerschnitt mit Modul L Regelquerschnitt mit Modul XL Im aktuellen Bestand erfolgt die Ableitung der Nieder- schlagswässer über die geneigten Pflasterflächen zu mittig angeordneten Einlaufpunkten, von wo aus sie nahezu vollständig in das öffentliche Kanalnetz eingelei- tet werden. Durch den Einsatz eines S - Moduls (z. B. Pflasterbelag mit Rasenfugen) wird der Abflussbeiwert gegenüber dem Bestand reduziert. Dadurch kann ein Teil des Niederschlagswassers dezentral vor Ort versickern, ohne dass Anpassungen am bestehenden Leitungsnetz erforderlich sind. Zudem eröffnet das Modul S zusätzliche Nutzungsmög- lichkeiten, etwa als Abstellfläche für Fahrräder oder Fahrzeuge sowie als Aufenthaltsbereich. Durch die Integration eines M-Moduls in Form einer Rasenmulde wird die temporäre Speicherung (Retention) von Niederschlagswasser ermöglicht. Über ein Überlauf- system, etwa einen „Berliner Gully“, kann überschüssi- ges Wasser gedrosselt in das Kanalnetz abgeführt oder teilweise vor Ort versickert werden. Das Modul M kann zusätzlich gestalterisch aufgewertet und mit Sitzgelegenheiten oder Spielangeboten kombi- niert werden. Im Straßenquerschnitt wird das L-Modul als bepflanzte Retentionsmulde integriert. Diese ermöglicht sowohl den temporären Rückhalt als auch die Versickerung von Niederschlagswasser und leistet damit einen Beitrag zur dezentralen Regenwasserbewirtschaftung. Gleich- zeitig werden der natürliche Wasserkreislauf erlebbar gemacht, Aufenthaltsqualitäten verbessert und der ökologische Wert des Straßenraums gesteigert. Ein Notüberlauf gewährleistet den geregelten Abfluss überschüssiger Wassermengen in das Kanalnetz. Das XL-Modul besteht aus einer baumbestandenen Retentionsmulde. Die Retentionsmulde bewirkt eine deutliche ökologische und klimatische Aufwertung des Standorts. Gespeicherte Wassermengen können durch gezielte Versickerung und Verdunstung in den lokalen Wasserhaushalt zurückgeführt und, insbesondere in Schwammstadtquartieren, zur längerfristigen Versor- gung des Vegetationsbestands genutzt werden. Für das Modul wird die dezentrale Einleitung von Dachwässern empfohlen, um den Rückhalt und die Nutzung von Nie- derschlagswasser vor Ort zu optimieren. Als Notüberlauf können Überlaufsysteme zur gedrosselten Ableitung bei Starkregenereignissen eingesetzt werden. -- 77 of 91 -- 78 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe hnitt sparten BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ~ herrenstraße - ausschnitt sparten vorgesch - nach D - nach D BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ~ vorgeschlagender Baumstandort BSO - nach Datenlage kompatibel ✓ - nach Datenlage Sonderlösung ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ✓ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ BSO ~ Abb. 117: Ausschnitt Herrenstraße inkl. Module. Abhängig von der konkreten Modulplanung ist der Umgang mit bestehenden Leitungen im Detail zu prüfen und gegebenenfalls durch Verlegung oder Schutzmaßnahmen sicherzustellen. Die vorgeschlagenen Baumstandorte (BSO) sind im weiteren Planungsprozess im Detail zu prüfen und mit den zuständigen Fachstellen abzustimmen. Aufgrund der derzeit ungenauen Datenlage können momentan keine abschließenden Aussagen getroffen werden. Entlang der Herrenstraße ist von einem hohen Leitungsaufkommen auszugehen. Baumpflanzungen sind hier nur eingeschränkt möglich und erfordern individuelle Lösungen. In Abstimmung mit den Leitungsträgern können komplexe Schwammstadtquartiere als Sonderlösungen entwickelt werden, um trotz der beengten Verhältnisse eine nachhaltige Entwässerung und Begrünung zu ermöglichen. Im Bereich des Karlstors hingegen kann ein Regel- Schwammstadtquartier realisiert werden. Durch eine unversiegelte Oberfläche mit gemeinsamem Baumquartier und ausreichendem Abstand zu bestehenden Leitungen lassen sich hier optimale Voraussetzungen für gesunde Baumstandorte und eine funktionale Regenwasserrückhaltung schaffen. Beläge des Denkmalschutzes sind ebenfalls zu berücksichtigen. Fokusbereiche und systematische Anwendung der Entsiegelungsmodule -- 78 of 91 -- Stadtplanungsamt | 79 Abb. 118: Regel-Schwammstadtquartier mit ausreichend unversiegelter Oberfläche, ausreichendem Wurzelraum und Leitungslage außerhalb normierter Abstände. Abb. 120: Hochkomplexes Schwammstadtquartier mit versiegelter Oberfläche, beschränktem Wurzelraum und/oder Leitungslage im direkten Kronenbereich: Lösungsfindung über beidseitiges Unterschreiten der Normen (Tiefbau und Grundplanung), Neudefinition Beziehung Baum-Leitung (z.B. Boden-Rohr-Systeme, etc.). Baum und Leitungen - Schwerpunkte im Wandel Abb. 119: Herausforderndes Schwammstadtquartier mit unzureichend unversiegelter Oberfläche, beschränktem Wurzelraum und/oder Leitungslage innerhalb normierter Abstände: Lösungsfindung über Leitungsverlegung oder geeignete Wurzelschutz-Maßnahmen. In Bezug auf die Leitungslage werden bewusst drei Baumstellungen unterschiedlicher Herausforderungs- grade getestet: I. die unproblematische Baumstellung in leitungsfreien Wurzelräumen II. die herausfordernde Baumstellung in Nachbarschaft zu Leitungen (mit der Abstimmung zu Wurzelschutz- und Verlegungsmaßnahmen), sowie III. die hochkomplexe Leitungslage, die absolute Sonder- lösungen für ein notwendiges Baumquartier erfordert, um auch hier im Rahmen dieses Entsiegelungskonzeptes Lösungen anzudenken. Bei der klimatischen Entwicklung unserer Innenstädte steht außer Diskussion, dass sich die Schwerpunkte und damit die Grundeinstellungen zur Beziehung zwischen Baum und Leitungen grundliegend ändern werden. Derzeit sind bereits einige Lösungen in Versuchsreihen mehrerer Städte in Erstanwendung, die das bislang gül- tige Prinzip der Abstände konterkarieren: beispielhaft seien hier moderne Boden-Rohr-Systeme als Schwammkörper im Straßenfreiraum angeführt. -- 79 of 91 -- 80 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe 7. Errichtung und Unterhalt 7.1 Kosten in der Umsetzung Neue Lösungswege für neue Herausforderungen In keinem der Projekträume wird von einer kompletten Neugestaltung ausgegangen. Vielmehr steht gemäß den Absichten des Entsiegelungskonzeptes das „Aufbrechen“ im Sinne einer Transformation in Richtung Innenstadt-Resilienz im Vordergrund. Spezifische Gestaltungselemente werden im Zuge der Entsiegelungsmaßnahmen nur hinsichtlich der sozialen Aneigenbarkeit ergänzt. Die Kosten für die Umsetzung der Pilotmodule sind entsprechend ihrer Eingriffsgröße gestaffelt. Für die Pilotmodule, die vor allem als Mittel der sukzessiven Flächenwiederherstellung oder Oberflächensanierung gedacht sind, ist hier der Mehraufwand gegenüber einer konventionellen Flächenwiederherstellung in Asphalt aufgeführt. Zu Orientierung wird auch eine Pauschale für den vollständigen Rückbau bestehender Oberbauten angesetzt. Als Bezugsgröße wird eine Minimal- Entsiegelungsfläche von mindestens 10 m2 (referenzierend auf einen KFZ-Stellplatz) angesetzt. Generell können bei der Umsetzung kleinerer Entsiegelungsflächen die Preise stark abweichen, da innerstädtische Baustelleneinrichtungsflächen und Baustellenorganisation erheblich werden. Im Gegenzug lassen sich die Kosten bei serieller bzw. großflächiger Entsiegelung deutlich reduzieren, so dass hier finanzieller Spielraum für Ausstattungselemente oder auch die Kopplung einzelner Entsiegelungsflächen im Rahmen eines Wassermanagements zu ähnlichen Quadratmeterpreisen umsetzbar werden. Diese Richtwerte schwanken jedoch je nach Fläche der Entsiegelungsmaßnahme, wobei kleinteilige Entsiegelung von Restflächen in der Umsetzung preislich dank händischem Einbau konkurrenzfähiger ist als der Vergleich mit großflächigen, durchgängigen Straßenfreiraumprofilen. * Errichtungs- und Unterhaltskosten je m2 bezogen auf min. 10 m2 große, zusammenhängende Entsieglungsmodule. Für die zu entsiegelten Flächen wird von einem neuen Bodenaufbau von 0,60 bis 1,00 Metern, je nach Sickerfähigkeit des bestehenden Bodens ausgegangen. geamt bis zu. 215 Euro Summe Errichtung ca. 270 Euro ca. 115 Euro ca. 150 Euro ca. 235 Euro Sickerfähiger Belag S Sickermulde M begrünte Retetionsmulde L Baumbestandener Retentionsraum XLWiederherstellung Bestand Abriss und Entsorgung bestehender Stadtboden ca. 75 Euro Pflege und Aus- besserungsarbeiten ca. 1,50 bis 2,90 Euro für Straßen bzw. Plätze (Ansatz LHM München) Pflege und 1-2 Mahddurchgänge ca. 3,50 Euro Pflege und 1-2 Mahddurchgänge ca. 1,50 Euro Pflege, Schnitt und 1 Mahddurchgang ca. 4,50 Euro Pflege, Schnitt und 1 Mahddurchgang ca. 5,00 bis 6,00 Euro Abriss und Entsorgung bestehender Stadtboden ca. 75 Euro sickerfähig optimierter Oberboden ca. 70 Euro sickerfähig optimierter Oberboden ca. 70 Euro sickerfähig optimierter Oberboden ca. 70 Euro Wiederherstellung Asphalt konventionell ca. 100 Euro drainfähiger Stadtboden inkl. Oberbau ca. 165 Euro Begrünung Wiese wechselfeucht ca. 5 Euro Begrünung Strauch-/ Gräserpflanzungen ca. 40 Euro Begrünung Strauch-/ Gräserpflanzungen ca. 40 Euro Einfassungen etc. ca. 40 Euro Einfassungen etc. ca. 40 Euro Einfassungen etc. ca. 40 Euro Einfassungen etc. ca. 40 Euro Einfassungen etc. ca. 40 Euro Baumpflanzung inkl. Quartier ca. 85 Euro optional Zuschlag überfahrbares Quartier mit Stadtboden ca. 410 Euro 0 UNTERHALT ERRICHTUNG Abb. 121: Übersicht Errichtungs- und Unterhaltskosten (Grobkosten) -- 80 of 91 -- Stadtplanungsamt | 81 Die angegebenen Preise verstehen sich als grobe Richtkosten, die beispielsweise zur Budgetfestsetzungen oder Einreichung entsprechender Föderanträge dienen können. Sie sind jedoch ohne die Kenntnis der jeweils spezifischen Ausgangslage fixiert worden, so können notwendige Leitungsverlegungen, Bodenverunreinigungen, beengte Baustelleneinrichtungsflächen oder Zeitdruck etc. die Baukosten erheblich erhöhen oder eine wirtschaftliche Sanierung verunmöglichen. Wie der tabellarischen Kostenübersicht zu entnehmen ist, verhalten sich die Entsiegelungskosten im Vergleich zu den sowieso anfallenden Wiederherstellungskosten äußerst moderat. Die Pilotmodule M (Sickermulde) und L (begrünter Retentionsbereich) können durch eine vornehmlich vegetativ ausgeprägte Oberfläche (Wieder-) Herstellungskosten gegenüber konventionellen urbanen Oberflächen sogar senken. Prinzipiell verteuert sich die Herstellung und auch der Raumbedarf ober- wie unterirdisch mit der Modulgröße, wenn vergleichbare Oberflächenausprägungen betrachtet werden. Aber selbst inkl. Baumpflanzung in einem Retentionsbereich sind Entsiegelungsmaßnahmen in der Herstellung nicht oder nur unwesentlich kostenintensiver als die Errichtung konventioneller Stadtböden. Preisintensiv wird es in der Errichtung immer, wenn beispielsweise Überfahrbarkeiten in Wurzelbereichen aufrecht erhalten werden müssen, oder aufwendige Leitungsschutz- bzw. Verlegemaßnahmen erforderlich werden. Deshalb sind hier neue, ämterübergreifende Festsetzungen zu treffen, wie Vegetation und Leitungen hinsichtlich neuer Bau- und Schutzstandards künftig nebeneinander existieren, oder sich im idealen Fall sogar in einer Art Symbiose begünstigen können (Schlagwort „Boden-Rohr-Systeme“ als Schwammkörper). Lowtech-Transformation der Piloträume Für die Piloträume Passagehof und Kronenplatz/- Straße ergeben sich inkl. Ausstattungselementen Quadratmeterpreise von 280 bzw. 380 Euro. Diese relativ hohen Kosten resultieren aus den funktionalen Anforderungen (Außengastronomie-Flächen, universitärer Versammlungsort, lokale Gegebenheiten wie der weitgehenden Unterbauung des Kronenplatzes sowie einer öffentlichkeitswirksamen Ausstattung, einzubeziehender Wasserspiele aus dem Bestand oder ein Wassermanagement der Modellprojekte, das Kreisläufe für die Bevölkerung (interaktiv) erfahrbar macht. Im Vergleich zu steinernen Platzgestaltungen sind Entsiegelungsprojekte jedoch mindestens als gleichwertig meistens günstiger einzustufen. Hohe Herstellungskosten resultieren fallweise aus extremen technsichen Anforderungen etwa wegen vollflächiger Unterbauungen oder notwendiger Wasseraufbereitung. Durch die Integration von Re-Use-Materialien können Herstellungskosten weiter gesenkt, Transportwege und Bauzeiten verkürzt sowie spezifische Identitäten im Rahmen eines baulichen Klimaschutzes gefördert werden. Entsiegelung ökonomisch konkurrenzfähig, jedoch mit Mehrwert Abb. 122: Bahnhofplatz Karlsruhe Süd: kostenintensive Wasserneutralität aufgrund fast vollständiger Unterbauung. Abb. 123: Kostenextensive Entsiegelung mit Wiederherstellung naturnaher Wasserkreisläufe, Place Eugène Flagey in Brüssel. -- 81 of 91 -- 82 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe einen solchen Basiswert um 1-2 Mahddurchgänge je Saison. Topografie zum Wasserrückhalt und zunehmend intensivere Bepflanzung (mit erhöhter Evaporations- und Verschattungsleistung bis hin zur aktiven CO2-Bindung) erhöhen den Pflegebedarf schrittweise. Sinnvoll erscheint es, hier zum einen an neuen Ästhetiken zu arbeiten und Bevölkerung wie Politik die vielleicht „wildere“ und dafür belebtere Erscheinungsform von Retentionsflächen als Wert zu erklären. Dann kann eine Extensivierung der Pflege in Kombination mit entsprechend sorgfältiger Pflanzenauswahl zu einer wesentlichen Reduktion der gewöhlichen Unterhaltskosten führen. Zum Anderen ist es besonders zu Zeiten enger Haushalte und hoher Pflegeaufwendungen sicher sinnvoll über alternative Unterhaltsmodelle nachzudenken anstatt Entsiegelungsmaßnahmen mit dem Verweis auf fehlende Mittel im Unterhalt nicht umzusetzen oder zurück zu stufen (siehe Kapitel 7.3). Auch im Sinne der Bauwende und des Klimaschutzes ist es sinnvoll, Prioritäten der Stadtentwicklung neu zu denken: Von der turnusmäßigen Neugestaltung unserer öffentlichen Freiräume sollten wir zu einer Art Weiterqualifizierung übergehen, dabei Re:Use- Materialien weitestgehend integrieren und eingesparte Gelder von der Erstellung in den Unterhalt unserer Stadtfreiräume transferieren. 7.2 Kosten im Unterhalt Zukunftsinvestition jetzt! Transformation statt Neubau im Sinne der Bauwende! Die Dringlichkeit für Klimaanpassungmaßnahmen wie die Entsiegelung unserer Innenstädte ist nicht mehr strittig. Eine wichtige Fragestellung ist deshalb: Was kostet es uns als Gesellschaft in den kommenden Generationen, wenn wir jetzt nicht ins Handeln kommen? Die unterschiedlichen fachlichen Fazite sind sich auch hier einig: zeitliche Verzögerungen werden die benötigten Mittel exponentiell erhöhen, wenn auch zunächst versteckt in der Katastrophenvor- und -nachsorge, im hitzeangepassten Unterhalt bestehender Grünstrukturen bis in unser Gesundheitssystem für die Sicherstellung und Versorgung vulnerabler Gruppen. Deshalb ist nur vernünftig und notwendig, die gesellschaftliche Aufgabe der Klimawandelanpassung als Zukunftsinvestition jetzt voranzutreiben. Allerdings tun sich Entsiegelungsmaßnahmen im Gegensatz zu den zuvor betrachteten Errichtungskosten im Unterhalt im Vergleich mit koventionellen Stadtböden schwer. Das mag daran liegen, dass alle Pilotmodule in skalierten Maße von S-XL in irgendeiner Art und Weise mit dem Medium Pflanze und offenem Boden agieren. Hier handelt es sich letztlich um Lebewesen, die gegenüber „toten“ Stein- oder Asphaltflächen einen erhöhten Pflegeaufwand mit sich bringen. Für Pflege- wie Ausbesserungsarbeiten setzt die Landeshaupstadt München derzeit je nach Intensitätssufe 1,50 bis 2,90 Euro/m2 für Straßen und Plätze an. Bereits das kleinste Pilotmodul „S“ erhöht Abb. 124: Die Berliner Regenwasseragentur zapft private Dachwässer mittels Regentonnen an, die es Privatpersonen ermöglichen, Entsiegelungsmaßnahmen im öffentlichen Freiraum zu gießen und zu pflegen. -- 82 of 91 -- Stadtplanungsamt | 83 Doch mit steigenden Unterhaltskosten gerade in den Grünämtern können viele Kommunen schon die Pflegemaßnahmen im Bestand kaum noch bewältigen. Hier macht auch Karlsruhe keine Ausnahme. Gleichzeitig dürfen fehlende Mittel im Unterhalt (Planung und bauliche Umsetzung von Maßnahmen zur Klimaanpassung sind bzw. waren bislang vielfach gefördert) nicht die Begründung für das Unterlassen notwendiger Umsetzungsschritte sein. Besondere Zeiten erfordern deshalb neu gedachte Unterhaltskonzepte. Auch hier gibt es erste Erfahrungswerte und (inter-) nationale Beispiele für kreative Ansätze: Die Berliner Regenwasseragentur etabliert gerade eine Art von Baumpatenschaften „Gies den Kiez“, wobei private Haushalte die Fürsorge für öffentliches Grün übernehmen können. Öffentliche Regenwassertonnen an privaten Regenfallrohren bieten hierfür die Basis. Eine Datenbank ermöglicht die Administration und macht den (Gies-)Erfolg dieses Aufrufs sichtbar. Koordiniert wird der Prozess über eine interaktive App, die zum Mitmachen anregt und verbindliche Pflege sichert. Auch in Wien sind derartige Bottom- Up-Unterhaltssysteme längst etabliert. Über die „Grätzeloasen“ können hier schon seit über zehn Jahren mit großem Erfolg Patenschaften für innerstädtische Baumscheiben übernommen werden, die dann jeweils für eine Vegetationsperiode aus der Zuständigkeit der öffentlichen Hand entfallen. Positive Nebeneffekte neben der Kostenreduktion im Unterhalt sind beispielsweise ein vielfältig buntes Straßenbild und eine erhöhte Wertschätzung (reduzierter Vandalismus) von durch eine aktive Bewohner*innenschaft teils liebevoll gestalteter Grünflächen. Neben solchen Bottom-Up-Unterhaltsmaßnahmen sind Public-Private-Partnership-Modelle eine gerade in Bezug auf die Pilotprojekte zu prüfende Unterhaltsmethode: Raum der öffentlichen Hand, der aber maßgeblich Prägung findet über private Gastronomie- und Geschäftsflächen wie beispielsweise im Passagehof ließe sich, wie in anderen Ländern weit verbreitet, mit diesem konträren Ansatz im Unterhalt erproben: Die Händler*innenschaft betreibt die Pflege der öffentlichen Räume eigenständig und erhält dafür, stets zeitlich befristete Nutzungsrechte unter Beibehaltung des öffentlichen Charakters. Das Beispiel des Passagehofs könnte so zur gepflegten Innenstadt- Oase weiterentwickelt werden. Selbstverständlich sind auch Stiftungsmodelle in die Errichtung übertragbar, sofern sich hierfür keine neuen Förderungen finden lassen. 7.3 Alternative Unterhaltsmodelle Partizipative Oasen und PPP-Modelle Besondere Zeiten - neue Unterhaltsmodelle Abb. 125: Private Pflege öffentlicher Grünräume - in Wien ein seit vielen Jahren etabliertes Modell der Grätzeloasen. -- 83 of 91 -- 84 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Die beiden geschilderten Ansätze spannen ein mögliches Spektrum auf, das - eine passgenaue Verortung und sorgfältige Detaillierung vorausgesetzt - in der Karlsruher Innenstadt für viele Seiten potenziellen Mehrwert generierend erprobt werden könnte: In einem klassischen Private-Public-Partnership- Modell kann eine aktivierte Händler*innenschaft für den Unterhalt ihrer grünen Shopping-Freiräume aufkommen. Als prominente Beispiele könnten hier die Hudson-Yards in Manhattan als größte private Baumaßnahme mit öffentlich zugänglichem und privat unterhaltenem Grün- und Freiraum oder auch die viel zitierte New Yorker Highline dienen. In charakteristischen Wohnstraßen können Patenschaften nach dem Bottom-up-Kümmerer- Prinzip neben der Unterhaltsgewährleistung auch als atmosphärisches Resultat für ein zukunftsfähiges Stadtbild sorgen. Übertragbarkeit auf die Karlsruhe Innenstadt Abb. 126: Der Hudson-Yard Park gilt als der teuerste öffentliche Raum New Yorks. Er ist Teil der baulichen Überdecklung einer aktive Gleisharfe und als Public-Private- Partnership in Erreichtung und Unterhalt finanziert. -- 84 of 91 -- Stadtplanungsamt | 85 Sofern im Folgenden nicht anders vermerkt, liegen die Urheberrechte aller Abbildungen bei bauchplan ).( und berchtoldkrass, space&options. 8. Abbildungsverzeichnis Seite 04, Abb. 01: Foto der Ortsbegehung: Entsiegelungspotenziale ausfindig machen und im Zuge von Stadtumbau- oder Sanierungsmaßnahmen aktivieren. Seite 05, Abb. 02: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Stadtlandschaften. Seite 05, Abb. 03: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Biodiversität. Seite 05, Abb. 04: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Hochwasserschutz. Seite 05, Abb. 05: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Mikroklima. Seite 05, Abb. 06: Entsiegelungspotenziale Maßstabsebene Mensch. Seite 06, Abb. 07: Foto der Ortsbegehung: Entsiegelung der Karlsruher Innenstadt als schrittweise umzusetzende Zukunftsinvestition. Seite 08, Abb. 08: Prognosen zur bioklimatischen Belastung für die mittelfristige Zukunft 2046-55 (links) und die langfristige Zukunft 2090-99 (rechts), GEO-NET Umweltconsulting GmbH, 2013. Seite 08, Abb. 09: Städtebaulicher Rahmenplan Klimaanpassung, berchtoldkrass space&options, GEO-NET Umweltconsulting. GmbH, 2015. Seite 09, Abb. 10: Starkregengefahrenkarte ohne Maßstab, Stadt Karlsruhe, Fachpläne, 2025. Seite 09, Abb. 11: Vision für die Grünvernetzung aus dem Leitprojekt ÖRMI), Gehl, ARGUS, Weeber+Partner, 2022. Seite 10, Abb. 12: Menschliches Wohlbefinden, naturnaher Wasserkreislauf und urbane Biodiversität als Zielsetzungen einer Resilienz-Vorsorge. Seite 11, Abb. 13: Abflussverhalten bei veränderten Versiegelungsanteilen im jeweiligen Einzugsgebiet (nach DYCK & PESCHKE, 1995). Deutlich wird, dass Entsiegelung die Spitzenabflüsse reduziert und die maximalen Abflussmengen zeitlich verzögert eintreten. Seite 11, Abb. 14: Besipielhafte Darstellungen einer Teil- und Vollentsiegelung. Seite 13, Abb. 15: Entsiegelung Vorplatz Universität Delft. Seite 14, Abb. 16: Blaugrünes Parken Zürich (CH). Seite 14, Abb. 17: Sickermulden in St. Pölten (A). Seite 15, Abb. 18: Grüner Gully Berlin. Seite 15, Abb. 19: Bahnhofplatz Karlsruhe Süd. Seite 16, Abb. 20: Entsiegelung und Aufenthalt Place Eugène Flagey. Seite 16, Abb. 21: Grüner Boulevard Barcelona. Seite 17, Abb. 22: Entsiegelung als künstlerische Intervention in Lausanne. Seite 17, Abb. 23: Querschnitt B-B durch das Boden-Rohr-System mit angeschlossenem Baumstandort. BMBF, 2024. Seite 17, Abb. 24: Neue Verbündete: Leitungstrassen und Baumstandorte in Symbiose. Seite 17, Abb. 25: Boden-Rohr-System BoRSiS. Seite 18, Abb. 26: Methode und Vorgehen. Seite 20, Abb. 27: Orthophoto des Untersuchungsgebiets, eigene Darstellung nach WMS LGL-BW HIST Digitale Orthophotos in Farbe 2010-2019, Geoportal Baden-Württemberg. Seite 21, Abb. 28: Fotodokumentation der Ortsbegehung im November 2024. Seite 22, Abb. 29: Fotodokumentation der Ortsbegehung im Februar 2025. Seite 23, Abb. 30: Flächenbilanz Versiegelungsgrad Innenstadt Karlsruhe (öffentlicher Freiraum). Seite 23, Abb. 31: Versiegelung der öffentlich zugänglichen Flächen im Untersuchungsgebiet auf Grundlage der Liegenschaftskarte der Stadt Karlsruhe, Stand 03.2025 ergänzt im Bereich des KIT Campus, detailliert im Bereich des Stephanplatzes, aktualisiert um aktuelle Planungen im Bereich des Staatstheaters und des Festplatzes. -- 85 of 91 -- 86 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Seite 24, Abb. 32: Bildschirmaufnahme aus digitalem Modell (links) und Simulationsergebnis (rechts) des Außenraumkomforts UTCI, Mittelwert heißer Sommertag, Bestand. Seite 24, Abb. 33: Bildschirmaufnahme aus digitalem Modell (links) und Simulationsergebnis (rechts) des Außenraumkomforts UTCI, Mittelwert heißer Sommertag, Utopie mit gesamten Freiraum grob baumbestanden. Seite 24, Abb. 34: Bildschirmaufnahme aus digitalem Modell (links) und Simulationsergebnis (rechts) des Außenraumkomforts UTCI mit Darstellung der Temperaturunterschieden an vier ausgewählten Punkten, Mittelwert heißer Sommertag, Plausibilisierung durch Entfernung offensichtlich nicht möglicher Baumstellungen. Seite 25, Abb. 35: Beispielhafter Ist-Zustand der öffentlichen Straßenfreiräume, Luftbild 2024, ESRI, Stadt Karlsruhe. Seite 25, Abb. 36: Luftbild mit Darstellung potenzieller Flächen für Aktionspool, Luftbild 2024, ESRI, Stadt Karlsruhe. Seite 25, Abb. 37: Exemplarische Datendarstellung als parametrisches Gebirge. Seite 25, Abb. 38: Darstellung der Software-Oberfläche mit parametrischem Modell. Seite 25, Abb. 39: Erstellung des parametrischen Modells. Seite 28, Abb. 40: Aufbau, Einspeisung und Nutzung des Skripts. Seite 30, Abb. 41: Benutzeranleitung zu Aufbau und Bedienung des Skripts. Seite 30, Abb. 42: Gebäudemodell der Innenstadt Karlsruhe. Seite 30, Abb. 43: Einbindung der grundliegenden Daten. Seite 31, Abb. 44: Flächen Denkmalschutz. Seite 31, Abb. 45: öffentliche Grünflächen. Seite 31, Abb. 46: Baumbestand. Seite 32, Abb. 47: Skripts der 7 Parameter des Entsiegelungskonzeptes in Gruppe 3. Seite 33, Abb. 48: In Echtzeit generierte Vorschau der Potenzialkarte in der 3D-Ansicht. Seite 34, Abb. 49: EPW-Karte mittels Ladybug-Plugin erstellt. Seite 34, Abb. 50: Vergleichende Klimasimulation - Der Universal Thermal Comfort Index (UTCI) - gibt Auskunft über das persönliche Komfortempfinden im Außenbereich. Seite 34, Abb. 51: Der Universal Thermal Comfort Index (UTCI) - Komfort-Empfinden im Außenbereich unterliegt einem komplexen Zusammenspiel einzelner Parameter. Seite 35, Abb. 52: Individuelles Temperaturempfindem am Beispiel eines Aufenthaltsbereichs in der Flaniermeile Böblingen. Seite 35, Abb. 53: Außenraumkomfort/mikroklimatische Bedeutung UTCI Index unter Berücksichtigung der Bebauung, der Oberflächenbeschaffenheit, der Schatten- sowie Evapotranspirationsleistung der Vegetation. Seite 36, Abb. 54: Beispiele für topografische Tiefpunkte an Staatstheater und Kronenplatz - potenzielle Orte für die Wassersammlung. Seite 36, Abb. 55: Starkregengefahrenkarte der Stadt Karlsruhe, 2024. Seite 37, Abb. 56: natürliche Fließrichtungen der öffentlichen Oberflächen. Seite 37, Abb. 57: Topografische Lage als Basis eines dezentralen Regenwassermanagements. Seite 38, Abb. 58: Nutzungsaufteilung des öffentlichen Freiraums. Seite 38, Abb. 59: Flächennutzung öffentlicher Freiräume mit Unterscheidung zwischen Fahrbahn, Fuß- und Radwegen, ÖPNV-Haltestellen und PKW-Stellplätzen. Seite 39, Abb. 60: Beispiele urbaner Flächenkonkurrenz durch überlagernde Nutzungen. Seite 40, Abb. 61: Parkplätze im öffentlichen Freiraum. Seite 40, Abb. 62: Straßenbahngleise im öffentlichen Freiraum. -- 86 of 91 -- Stadtplanungsamt | 87 Seite 40, Abb. 63: Fahrbahn (inkl. Tunnel). Seite 41, Abb. 64: Kronenstraße - Beispiel Parkplätze im öffentlichen Freiraum als Flächenpotenzial. Seite 41, Abb. 65: Kaiserstraße - Beispiel Straßenbahngleise als Flächenpotenzial. Seite 41, Abb. 66: Amalienstraße/Karlstraße - Fahrbahnen mit innerstädtischem Optimierungspotenzial. Seite 42, Abb. 67: Einwohner*innendaten je Stadtblock , Stand 31.03.2025. Seite 42, Abb. 68: Freie Darstellung der Bevölkerungsdichte je Stadtblock angrenzend an die öffentlichen Freiräume als Karte und übersetzt als Bevölkerungsgebirge. Seite 43, Abb. 69: Übersicht Zählstellen, Wirtschaftsförderung Karlsruhe. Seite 43, Abb. 70: Frequenzzählungen von zu Fuß Gehenden (Frühjahr und Herbst 2024 an repräsentativen Wochentagen), verschnitten mit Daten von OSM (Open Street Maps). Seite 44, Abb. 71: Sammlung der subjektiven Raumwahrnehmungen durch Befragung und Verortung innerhalb eines Verwaltungsworkshops im Frühjahr 2025. Seite 44, Abb. 72: Workshop mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung - Abgreifen der Assoziationen zu den öffentlichen Freiräumen der Innenstadt. Seite 45, Abb. 73: Einige Rückmeldungen zur subjektiven Raumwahrnehmungen aus Verwaltungsworkshop und ÖRMI-Beteiligungen. Seite 45, Abb. 74: Heatmap der subjektiven Raumwahrnehmungen - Karte aus Verwaltungsworkshop und ÖRMI. Seite 46, Abb. 75: geplante, öffentliche Tiefbauvorhaben (Neubauten, Ausbauten, Sanierungen), Auszug aus dem Datensatz und der GIS-Datei mit Umsetzungszeitraum. Seite 47, Abb. 76: Offensichtlich anstehende Sanierungsarbeiten beeinflussen als Parameter neben öffentlichen wie privaten Bauvorhaben die Priorisierung von möglichen Entsiegelungsmassnahmen. Seite 47, Abb. 77: Flickenteppich Stadtboden im Bereich der ehemaligen Elefantenhalle an der Kronenstraße. Seite 47, Abb. 78: Darstellung von Baumaßnahmen im öffentlichen Freiraum entsprechend ihrer geplanten Fertigstellung. Seite 48, Abb. 79: Sammlung und Zusammenspielen der Datenwolke. Seite 49, Abb. 80: Aus den 7 aufbereiteten Datensätzen wird eine Punktwolke generiert und über Schwellenwerte je Parameter in ihrer Lesbarkeit und Auswertbarkeit optimiert. Seite 50, Abb. 81: Verschneidung und Gewichtung. Seite 52, Abb. 82: Potenzialkarte der Innenstadtentsiegelung. Seite 54, Abb. 83: Karlsruher Stadtansicht, Kupferstich von Heinrich Schwarz 1721. Stadtarchiv Karlsruhe 8/ PBS XVI. 18 Seite 55, Abb. 84: Leitbild blau-grüner Fächer. Seite 56, Abb. 85: Übertragung der Entsiegelungspotenziale in Schnitt Verschneidung mit Leitungen. Seite 57, Abb. 86: Übertragung der Entsiegelungspotenziale in den dreidimensionalen Stadtraum - Verschneidung mit Leitungen und unterirdischen Einbauten, funktionalen und denkmalpflegerischen Vorgaben zur Verortung von Pilotmodulen. Seite 58, Abb. 87: Ein Zoom-In am Beispiel der Herrenstraße soll zeigen, wie sich Einzelparameter zu einem Gesamtpotenzial ergänzen. Seite 60, Abb. 88: Vogelperspektive Karlsruhe Innenstadt, eigene Bearbeitung. Seite 62, Abb. 89: Potenzialstufen der Entsiegelung (in Anlehung an Umweltbundesamt UBA, 2021): Die Entsiegelungspotenzialflächen nehmen vom theoretischen zum politisch umsetzbaren Potenzial stufenweise ab, wobei sich die Entsiegelungspotenzialflächen insbesondere beim Übergang vom technisch zum ökonomisch verhältnismäßigen Potenzial (Finanzierungsdefizit) und beim Übergang vom ökonomisch verhältnismäßigen zum politisch umsetzbaren Potenzial (gesetzgebendes Defizit) erheblich verringern. Seite 62, Abb. 90: Blau-grünes Parken: gekoppelte Entsiegelungsmodule für eine neue Charakteristik der Karlsruher Fächerstraßen. -- 87 of 91 -- 88 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe Seite 63, Abb. 91: Herausforderungen im Rahmen der Entsiegelung. Seite 64, Abb. 92: Module des Karlsruher Entsiegelungskonzepts. Seite 65, Abb. 93: Beispiel Grüner Gully Berlin. Seite 65, Abb. 94: Beispiel Rasenfugen Karlsruhe. Seite 66, Abb. 95: Beispiel Sickermulde Kopenhagen. Seite 66, Abb. 96: Beispiel Neptunigatan, Malmö. Seite 67, Abb. 97: Beispiel Bahnhofplatz Karlsruhe mit Schwammstadt. Seite 67, Abb. 98: Beispiel Rathausplatz Paris. Seite 67, Abb. 99: Beispiel Place Eugène Flagey Brüssel. Seite 67, Abb. 100: Beispiel Promenadenring St. Pölten. Seite 68, Abb. 101: Beispiel Bahnhofplatz Karlsruhe Süd: Kopplung einzelner Baumquartiere zu einem riesigen Schwammkörper bietet sogar auf unterbauten Flächen ausreichenden Wurzelraum und liefert hervorragende Anwuchserfolge der Neupflanzungen. Seite 68, Abb. 102: Blau-grünes Innenstadt-Parken ergänzt als entsiegelte Fläche das urbane Funktionsgefüge zu einem nachhaltigen Wassermanagement aus Wasserrückhalt, Versickerung, Evapotranspiration und Verdunstung. Seite 69, Abb. 103: Pilotplanungen in Karlsruhe. Seite 70, Abb. 104: Einladung zum Fresh-Mob der Stadt Karlsruhe. Seite 70, Abb. 105: Bildanleitung zur Simulation der Entsiegelungsmodule S,M,L und XL. Seite 71, Abb. 106: Fotos des „FreshMob“ in Karlsruhe. Seite 72, Abb. 107: Entsiegelungsmodule unterschiedlicher Größen. Seite 72, Abb. 108: Pilotmodule Herrenstraße. Seite 74, Abb. 109: Detaillierung der Entsiegelungsmodule. Seite 75, Abb. 110: Ausschnitt Herrenstraße inkl. Module. Seite 75, Abb. 111: Querschnitt Straßenfreiraum Ist-Zustand. Seite 75, Abb. 112: Querschnitt Straßenfreiraum Klimastraße. Seite 76, Abb. 114: Ausschnitt Herrenstraße inkl. Module. Seite 76, Abb. 115: Skizze - Transformation der Herrenstraße zur blau-grünen Fächerstraße. Seite 77, Abb. 116: Anwendung Module im Querschnitt Herrenstraße. Seite 78, Abb. 117: Ausschnitt Herrenstraße inkl. Module. Seite 79, Abb. 118: Regel-Schwammstadtquartier mit ausreichend unversiegelter Oberfläche, ausreichendem Wurzelraum und Leitungslage außerhalb normierter Abstände. Seite 79, Abb. 119: Herausforderndes Schwammstadtquartier mit unzureichend unversiegelter Oberfläche, beschränktem Wurzelraum und/oder Leitungslage innerhalb normierter Abstände: Lösungsfindung über Leitungsverlegung oder geeignete Wurzelschutz-Maßnahmen. Seite 79, Abb. 120: Hochkomplexes Schwammstadtquartier mit versiegelter Oberfläche, beschränktem Wurzelraum und/oder Leitungslage im direkten Kronenbereich: Lösungsfindung über beidseitiges Unterschreiten der Normen (Tiefbau und Grundplanung), Neudefinition Beziehung Baum-Leitung (z.B. Boden-Rohr-Systeme, etc.). Seite 80, Abb. 121: Übersicht Errichtungs- und Unterhaltskosten (Grobkosten). Seite 81, Abb. 122: Bahnhofplatz Karlsruhe Süd: kostenintensive Wasserneutralität aufgrund fast vollständiger Unterbauung. Seite 81, Abb. 123: Kostenextensive Entsiegelung mit Wiederherstellung naturnaher Wasserkreisläufe, Place Eugène Flagey in Brüssel. Seite 82, Abb. 124: Die Berliner Regenwasseragentur zapft private Dachwässer mittels Regentonnen an, die es Privatpersonen ermöglichen, Entsiegelungsmaßnahmen im öffentlichen Freiraum zu gießen und zu pflegen. -- 88 of 91 -- Stadtplanungsamt | 89 Seite 83, Abb. 125: Private Pflege öffentlicher Grünräume - in Wien ein seit vielen Jahren etabliertes Modell der Grätzeloasen. Seite 84, Abb. 126: Der Hudson-Yard Park gilt als der teuerste öffentliche Raum New Yorks. Er ist Teil der baulichen Überdecklung einer aktive Gleisharfe und als Public-Private-Partnership in Erreichtung und Unterhalt finanziert. -- 89 of 91 -- 90 | Entsiegelungskonzept Innenstadt Karlsruhe -- 90 of 91 -- Blau-grüner Fächer für eine resiliente Innenstadt Let it (d)rain! Entsiegelungs- konzept Innenstadt -- 91 of 91 --
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Niederschrift 20. Plenarsitzung des Gemeinderates 27. Januar 2026, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 10 der Tagesordnung: Entsiegelungskonzept für die Innenstadt Vorlage: 2025/1100 Beschluss: 1. Der Gemeinderat beschließt nach Vorberatung im Planungsausschuss den Ergebnisbericht des Entsiegelungskonzepts Innenstadt als Leitlinie und Arbeitshilfe für die Verwaltung. 2. Der Gemeinderat nimmt die Vorentwürfe der Pilote Kronenplatz und Passagehof zur Kenntnis. Abstimmungsergebnis: Einstimmige Zustimmung (45 Ja) Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 10 zur Behandlung auf und verweist auf die er- folgten Vorberatungen im Planungsausschuss am 22. Januar 2026. Stadträtin Dr. Klingert (GRÜNE): Karlsruhe hat als Gesamtstadt einen Versiegelungsanteil von 54 Prozent und liegt damit in einer Untersuchung von 2023 über 134 Städte auf Platz 31. Nicht schlecht, aber da ist noch Luft nach oben, insbesondere wenn man bedenkt, dass wir in einer der heißesten Ecken von Deutschland leben, deshalb vielen Dank an das Stadt- planungsamt für das vorgelegte Konzept. Das Ganze geht auf einen, wie ich finde, sehr guten Antrag der GRÜNEN von 2023 zurück. Und man sieht wirklich, wie viel Arbeit und Herzblut da reingeflossen ist. Also zum einen diese Potenzialanalyse auf Kartenbasis zu ma- chen und dann darauf Modulbausteine, mit denen dann Entsiegelung verwirklicht werden kann, das macht einfach intuitiv Sinn. Aber es gibt auch ein paar kritische Punkte, und die betreffen im Wesentlichen die Zielset- zung und die Finanzierung. Wir glauben, was wirklich noch fehlt in dem Ganzen ist eine Vision und das Ziel. Wo wollen wir sein 2030, wo wollen wir sein 2035? Welche Entsiege- lung vielleicht ist überhaupt die richtige Maßzahl? Ich glaube, darüber müssen wir noch einmal sprechen. Das ist wahrscheinlich auch nicht Aufgabe des Entsiegelungskonzeptes selber gewesen, aber das müssen wir im Gremium noch einmal zusammen angehen. -- 1 of 5 -- – 2 – Ein Problem sehen wir auch bei der jetzt geplanten Umsetzung. Die Modulbauweise macht die Umsetzung eigentlich verhältnismäßig kostengünstig, weil sie letztlich standardisiert ist. Die Pilotprojekte auf dem Kronenplatz und Passagehof werden aber eher in die Millionen gehen. Angesichts unserer Haushaltslage würden wir uns schon wünschen, dass wir eher auch diese kleinteiligen Projekte umsetzen und dann vielleicht so etwas wie grüne Tritte in der Stadt schaffen. So ein bisschen ist es ja, glaube ich, in der Herrenstraße angedacht. Ich denke, da sollten wir jetzt mal Nägel mit Köpfen machen. Vielleicht müssen wir auch ein bisschen unkonventioneller werden, was die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern tatsächlich beim Einrichten solcher Entsiegelungsmaßnahmen sind. Auf abpflastern.de kann man sehr gut sehen, dass die Leute wirklich begeistert davon sind, für ihre Stadt solche Arbeiten vorzunehmen. Das gilt auch ein bisschen für die Auf- wendung in der Pflege. Wir wissen, das Gartenbauamt hat relativ wenig Ressourcen. Und es traut aber auch den Bürgerinnen und Bürgern relativ wenig Verantwortung für die Pflege zu. Ich glaube, ein Vorbildcharakter hat in dem Zusammenhang dieses Vorhaben des PikoParks in Knielingen, wo die Menschen wirklich von Anfang an, also nicht erst, wenn ein paar Pläne da sind, sondern von Anfang an eingebunden werden in die Ideenfin- dung und dann in die Pflanzung selber. Wenn man selbst was angepflanzt hat, dann pflegt man natürlich auch gerne. Aber insgesamt, wir finden das Konzept gut und stimmen na- türlich heute zu. Stadtrat Pfannkuch (CDU): Der Redebeitrag meiner Vorrednerin zeigt, dass es nicht gut war, über das integrierte Stadtentwicklungskonzept nicht zu sprechen. Denn das, was Sie jetzt hier gebracht haben, zeigt, wie wichtig dieses integrierte Stadtentwicklungskonzept ist. Es muss alles aus einem Guss kommen, und wir müssen es vor dem Hintergrund unse- rer wirtschaftlichen Möglichkeiten sehen. Und dann können wir über solche Projekte wie Entsiegelungskonzepte reden. Auch wir finden die Ansätze, die wesentlich auch von Büros generiert wurden, nicht schlecht, interessant, aber sie sind eben, mit Verlaub gesagt, im Moment wirklich wirtschaftlich sehr schwer darstellbar. Jetzt müssen wir auch über Priori- täten reden, wenn wir über 20, 30 und 40 reden. Wir müssen mal wieder Dinge planen, die wir uns leisten können. Und deshalb ist das Konzept sicherlich gut. Die Werkzeuge und Modelle sind konsequent. Das kann man durchaus als gelungen nachvollziehen und be- werten. Vielen Dank dafür auch bei allen Beteiligten. Nur ich frage mich, ob wir es uns beispielsweise künftig leisten können, solche Ideen, Kon- zepte zu vergeben. Ich behaupte, dass es auch aus unserem Amt heraus möglich sein müsste, solche Dinge zu generieren und für die Stadt ein wenig, vielleicht nicht so perfekt, aber für unsere Stadt doch gut umzusetzen. Also manchmal ist es auch ganz gut, wenn wir solche Dinge in den Blick nehmen, und manchmal ist es auch nicht so schlimm, wenn wir nicht für alles das Geld haben. Stadträtin Uysal (SPD): Die heutige Vorlage zum Entsiegelungskonzept für die Innenstadt ist ein wichtiger Schritt, für eine Stadt, die sich den Folgen des Klimawandels nicht verschließt, sondern Verantwortung übernimmt. Für uns als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokra- ten ist Entsiegelung nicht nur eine ökologische, sondern auch eine soziale Frage, wo man den öffentlichen Raum tatsächlich attraktiv nutzen kann. Das vorliegende Konzept ist eine fundierte Grundlage dafür, Entsiegelungen dort umzusetzen, wo sie den größten klimati- schen, stadtgesellschaftlichen Nutzen entfaltet. -- 2 of 5 -- – 3 – Wichtig ist uns als SPD, heute beschließen wir keine teuren Einzelmaßnahmen, sondern eine Leitlinie, die der Verwaltung Orientierung gibt. Das schafft Transparenz, Nachvollzieh- barkeit und politische Steuerbarkeit. Wir werten es auch positiv, dass wir mit den Pilotpro- jekten am Kronenplatz und im Passagehof Orte gewählt haben. die beispielhaft zeigen können, wie eine lebenswerte, klimaangepasste Innenstadt aussehen kann, ohne vor- schnelle Festlegungen. Und klar ist es auch natürlich, dass die Klimaanpassung kein Stroh- feuer sein darf. Entsiegelung braucht natürlich dauerhafte Pflege, klare Zuständigkeiten und eine solide Finanzierung. Allerdings denke ich, mit diesen Pilotprojekten werden wir uns einmal jetzt an die Sache heran machen, und danach können wir, glaube ich, die Vi- sion definieren. Dann können wir auch schauen, in welche Zielrichtung wir eigentlich steu- ern möchten. Deswegen unterstützen wir diese Vorlage, weil sie ökologische Vernunft mit sozialer Verantwortung verbindet und die Innenstadt als Ort der Begegnung für alle stärkt. Stadtrat Dr. Lenz (AfD): Städte zeichnen sich durch Wohnbebauung aus, so schlicht und so trivial. Diese bestehen aus Baustoffen, genau wie die Wege und Straßen zur Erschließung. Die Wege dienen dazu, leichter die Ziele in der Stadt zu erreichen, ohne jedes Mal Gummi- stiefel anziehen zu müssen. Dass sich feste Baumaterialien stärker erwärmen als Pflanzen und Erdreich, ist ebenso nicht neu. Grünflächen arbeiten zur Kühlung, nämlich mit Ver- dunstung von Wasser. Der feste Baustoff, der das kann, muss noch erfunden werden. Dass in der heutigen Zeit auch Verkehrsmittel benutzt werden, ist ein weiterer Allgemeinplatz. Und dazu gehört neben dem ÖPNV, dem Pkw und Lkw auch die zweirädrigen Verkehrsmit- tel. Auch die wollen, insbesondere die zweirädrigen, leicht bewegt werden. Oder sind Sie schon mal mit einem Fahrrad über den Acker gefahren? Dass sich Städte im Sommer mehr aufheizen als das Umland, ist eine Erkenntnis aus der frühen Zeit der Urbanisierung. Schon unsere Altväter haben deshalb grüne Inseln und Parks in Innenstädten vorgesehen. Wie man diese grünen Oasen anlegt und wie man diese begehbar macht, ist immer Teil einer intensiven Diskussion gewesen, und darum gestritten, was grün und was Wege oder Stra- ßen sind, wurde auch schon damals. Aber es wurde nicht als Teil einer Religion betrachtet, sondern der wirtschaftliche Aspekt war entscheidend, was man sich leisten kann. Und dazu gehört auch die Erkenntnis, dass städtische Flaniermeilen umso lieber angenommen wer- den, je besser das Verhältnis zwischen Verkehrsflächen und grünen Flächen austariert ist. Dazu muss man in der Regel etwas Geld in die Hand nehmen, was auch die Ausarbeitun- gen der beteiligten Ingenieurbüros zeigen, die man schon fast als Diplomarbeit bezeichnen kann. Für mich war das Allgemeingut. Warum diese Ausarbeitungen für die Öffentlichkeit aber erst sehr spät, ich habe sie erst gestern öffentlich gesehen, sichtbar waren, entzieht sich meiner Kenntnis. In Mandatos waren die sehr früh da. Wenn man diese Austarierung als Etappe im Kampf gegen das Auto verwendet, dann wird man keinen Ausgleich der Interessen erreichen. Und dann darf man sich nicht wundern, wenn die Innenstädte nicht das Steueraufkommen erwirtschaf- ten, was sich die grüne Seele als Umverteilungsmasse erhofft. Wir haben prinzipiell nichts gegen mehr grüne Pflanzen in der Stadt, denn das ist tendenziell auch in der Unterhaltung preiswerter als gepflasterte oder sonst wie versiegelte Flächen. Außerdem verbessert man damit das Mikroklima im umfahrenden Umfeld. Wenn das mit Maß und Ziel erfolgt und nicht gegen die Bürger, dann gehen wir gerne diesen Weg mit und freuen uns auf eine le- benswerte Stadt. Stadträtin Lorenz (FDP/FW): Jetzt ist es da, das Entsiegelungskonzept. Der große Tenor ist recht positiv, und auch wir bewerten es natürlich positiv. Und auch die beiden -- 3 of 5 -- – 4 – angegangenen Pilotprojekte sind absolut richtig und sinnvoll. Es sind Plätze, die Karlsruhe in langer Vergangenheit einmal gebaut hat und die auch tatsächlich ein bisschen in die Jahre gekommen sind. Natürlich ist eine Stadt kein Feldweg und kein Acker, aber man denkt heute über Versiegelung und Entsiegelung und auch über Biodiversität und das Klima anders als noch vor 50 Jahren. Und der badische Brudler, den möchte ich jetzt auch noch erwähnen, der wird natürlich sagen, ja klar, jetzt machen sie ein Entsiegelungskon- zept, nachdem sie vorher den ganzen Marktplatz versiegelt haben und die Kaiserstraße ab- geholzt, aber wir bewegen uns da auch schon in die richtige Richtung. Ich freue mich und möchte mich noch einmal beim Tiefbauamt bedanken, dass auch hier eine Änderung möglich war und die etwas größeren Beete um die Bäume herum kommen, wo auch das Wasser dann zum Gießen der Bäume abfließen kann. Also wir machen kleine Schritte, aber wir bewegen uns vorwärts. Das Konzept ist zunächst für die Innenstadt, und hier ist auch schon ein paar Mal aufgeworfen worden die Frage über die Finanzierung. Letztendlich wird es nicht nur in der Innenstadt, sondern gesamtstädtisch nicht gehen, wenn wir die Bürgerinnen und Bürger nicht mitnehmen. In den Niederlanden ist das Tegel- wippen ein regelrechter Volkssport. Wenn Sie dort laufen, egal in einem Dorf oder in einer Stadt, dann an fast jedem Haus sind Gehwegplatten rausgenommen, und es stehen da Stauden und sitzen Bienen dran. Manchmal stellt man auch eine Bank vorne hin. Ich ver- stehe immer nicht ganz, warum das in Deutschland so schwierig ist. Irgendwie hat man da Angst, es stolpert einer an der Gehwegkante oder an der herausgenommenen Platte. Viel- leicht müssen wir auch ein bisschen mutiger sein und unseren Bürgerinnen und Bürgern einfach auch ein bisschen mehr zutrauen. Ich habe selbst die Erfahrung gemacht, in mei- nem Quartier gibt es drei Nachbarn, die jetzt nicht Gehwegplatten herausgenommen ha- ben, aber die haben die sogenannten Eh da-Flächen angefangen zu bepflanzen. Das fing mit einem Blumenstock an, und die Beete wuchsen von Jahr zu Jahr. Tatsächlich ist es so, dass in der gleichen Straße mehrere Menschen begonnen haben, andere Beete auch zu be- pflanzen, weil sie das schön finden. Man steht dort, und man unterhält sich, man tauscht Samen aus. Und ich glaube, dass wir in Karlsruhe sehr großes Potenzial haben. Ganz wichtig bei diesem Entsiegelungskonzept, das wurde konsequent mitgedacht, wir müssen an die Menschen mit Behinderungen, mit Mobilitätseinschränkungen denken. Es nützt nichts, einen Kronenplatz komplett irgendwie mit Rasenschotter zu versehen, und mit Kinderwagen oder Rollator oder Ähnlichem kommt man da nicht mehr drüber. Dann ist es sinnvoller, große Flächen komplett zu entsiegeln und einfach eine breite Furt für ei- nen sicheren Tritt zu schaffen. Wir stimmen dem Konzept heute sehr gerne zu. Stadtrat Cramer (KAL): Meine Fraktion wird heute dieser Vorlage zustimmen, aber ich möchte noch einmal darauf hinweisen, dass es unserer Fraktion wichtig ist, dass wir nicht nur sagen, wir entsiegeln, sondern dass wir am Anfang gucken, dass wir weniger versie- geln. Also da, denke ich, müssen die Ämter, die zuständig sind, gerade im Innenbereich die berühmte Nachverdichtung, sehr genau hinschauen und vom Anfang her denken, nicht heute irgendwas zustimmen, das was versiegelt wird und dann müssen wir es irgendwann vielleicht in ein Entsiegelungskonzept reinnehmen. Das ist mir und meiner Fraktion wichtig, dass das in der Verwaltung auch ankommt und ernst genommen wird. Teilweise ist es schon, ich sage nicht, dass überhaupt nicht da in die Richtung gedacht wird. Wir haben es jetzt gerade mit dem Bau im Planungsausschluss noch einmal im Detail gehört. Aber da müssen wir vielleicht mehr drauf schauen, dass man nicht so viel bereit ist, Versiegelung -- 4 of 5 -- – 5 – zuzulassen, sondern dass man Versiegelung eher verhindert, um es dann später nicht ent- siegeln zu müssen. Stadtrat Kalmbach (FÜR): Blau-grüne Fächer, das ist von der Begrifflichkeit schon sehr gut ausgedrückt, macht so richtig Lust auf eine grüne Stadt. Gleichzeitig wird immer gesagt, wir können es umsetzen gemäß der Finanzen. Und da möchte ich auf den Kollegen Pfann- kuch zurückgreifen. Wir können das nur im Verschnitt mit anderen Planungen, mit ande- ren Fachplanungen durchführen. Deswegen ist das ISEK so unendlich wichtig, diese finan- zielle Steuerung, das ist auch, dass Finanzen sehr gezielt für Plätze, für Dinge eingesetzt werden, die nicht nur einem Zweck dienen, einer Fachplanung, sondern dass die wirklich umfassend angeschaut werden. Das ist ein bisschen meine Kritik. Wir haben zum Beispiel im Ausschuss für Umwelt und Gesundheit von dieser Planung gar nichts gehört. Also wie gesagt, das gehört auch jetzt schon verschnitten mit anderen Din- gen. (Zuruf) - Ich nicht, ich war immer da, genau. Wie dem auch sei, diese Plangebiete nicht isoliert be- trachten, sonst kriegen wir es nicht hin. Dies ist viel zu umfänglich. Wir brauchen einen Verschnitt mit anderen Fachämtern. Der Vorsitzende: Ja, vielen herzlichen Dank, dann kommen wir zur Abstimmung, und ich bitte Sie um Ihr Votum ab jetzt. – Einstimmige Zustimmung, vielen herzlichen Dank auch für die damit verbundene Beauftragung. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 20. Februar 2026 -- 5 of 5 --