Clearingstelle „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen“ (VABO) – 2. Sachstandsbericht und Weiterentwicklung
| Vorlage: | 2025/1031 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 27.10.2025 |
| Letzte Änderung: | 20.11.2025 |
| Unter Leitung von: | Büro für Integration |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Integrationsausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 26.11.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Keine Angabe
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/1031 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: BfI Clearingstelle „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen“ (VABO) – 2. Sachstandsbericht und Weiterentwicklung Beratungsfolge Termin Öffentlichkeitsstatus Zuständigkeit Integrationsausschuss 26.11.2025 ö Kenntnisnahme Kurzfassung Die Stadtverwaltung informiert über die Weiterentwicklung der Clearingstelle für Klassen im sog. „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen“ (VABO) in den beruflichen Schulen in Karlsruhe. Diese Informationsvorlage liefert einen Erfahrungsbericht über das zweite Jahr der Clearingstelle. Sie bietet einen Vergleich zwischen dem ersten und zweiten Jahr der Clearingstelle und einen Ausblick auf das kommende Jahr. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Hintergrund und Informationen zu VABO und zur Clearingstelle Am 9. Oktober 2024 wurde dem Integrationsausschuss der erste Erfahrungsbericht der Clearingstelle VABO vorgestellt. Die vorliegende Informationsvorlage knüpft an den Bericht an, gibt einen Rückblick auf das Schuljahr 2024/25 im Vergleich zum Vorjahr und bietet einen Ausblick auf die kommenden Entwicklungen. VABO steht für „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen“. VABO sind Vorbereitungsklassen an beruflichen Schulen. In VABO-Klassen erhalten Jugendliche mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen verstärkt Sprachförderung. Die VABO-Klassen in den beruflichen Schulen spielen eine zentrale Rolle für die Integration neuzugewanderter Jugendlicher zwischen 16 und 18 Jahren. Angesiedelt im Übergangssystem der beruflichen Schulen ermöglicht das VABO den Erwerb der deutschen Sprache und schafft durch die daran anschließende Möglichkeit, einen deutschen Schulabschluss zu erlangen, wichtige Übergänge in das System der beruflichen Bildung in Baden- Württemberg. Im Schuljahr 2024/25 wurden in Karlsruhe 175 Schülerinnen und Schüler in elf VABO- Klassen erreicht. Die VABO-Klassen werden nach Niveaustufen – von Alphabetisierung bis B2 des gemeinsamen europäischen Referenzrahmens (GER) - unterteilt. Die Karlsruher beruflichen Schulen verständigen sich untereinander, welche Schule welche Niveaustufe(n) anbietet. VABO-Klassen zeichnen sich durch eine große Heterogenität aus, nicht nur in sprachlicher Hinsicht. Neben Zugewanderten aus der EU und aus Drittstaaten nehmen Geflüchtete aus Kriegs- und Krisengebieten, insbesondere aus Syrien und Afghanistan sowie seit 2022 aus der Ukraine, an den VABO-Klassen teil. Auch bei den Bildungsvoraussetzungen gibt es erhebliche Unterschiede. Die Bandbreite reicht von Analphabetinnen und Analphabeten ohne oder mit nur seltenem Schulbesuch über Zweitschriftlernende bis hin zu Jugendlichen mit einer sehr guten Schulbildung, die ein Studium in Deutschland anstreben. Diese Heterogenität in den VABO-Klassen führt einerseits oftmals zu einer Überforderung der Lehrkräfte und andererseits zu einer Über- oder Unterforderung der Schülerinnen und Schüler. Dies erschwert das qualitativ hochwertige und effektive Unterrichten und führt oftmals zu Demotivation der Schülerinnen und Schüler und zu vielen Wiederholungsstunden. Ein wirksames Instrument, dieser Heterogenität zu begegnen, ist über eine sprachlichen Einstufung - eines Clearings - vor Einteilung in eine VABO-Klasse. Mit dem Fokus auf Sprachbildung können so eine homogenere Klassenzusammensetzung erreicht und die Rahmenbedingungen für gelingende Bildungsarbeit verbessert werden. Da seitens des Landes und des staatlichen Schulamtes ein derartiges Clearing zur Einteilung von Schülerinnen und Schülern in VABO bislang nicht vorgesehen ist, wurde im Schuljahr 2023/24 eine VABO-Clearingstelle in Karlsruhe eingerichtet. Beteiligt waren in diesem Prozess mehrere Institutionen sowie der „Runde Tisch VABO“. Die konkrete Umsetzung der VABO-Clearingstelle liegt bei der geschäftsführenden Schulleitung der beruflichen Schulen und der Heimstiftung (hsk), die seit Jahren erfolgreich in diesem Bereich tätig ist. Unterstützend tätig sind die afka mit der Schulsozialarbeit, das ibz unter anderem mit dem Projekt „perspektive now!, die Volkshochschule (vhs) Karlsruhe und das Büro für Integration, das die Koordination unter den Beteiligten innehat. Alle an der Clearingstelle beteiligten Akteure sind Teil des Runden Tisches VABO und berichten dort regelmäßig. Folgendes Ablaufmodel wurde für die Clearingstelle entwickelt: – 3 – Rückblick Schuljahr 2024/25 und Vergleich zum Schuljahr 2023/24 Für das Schuljahr 2024/25 wurden folgende Bedarfe in den Fokus gestellt und wie folgt umgesetzt: • Weiterer Ausbau der Vernetzung und der Kooperationsangebote mit Lehrkräften und Schulen sowie mit anderen relevanten Kooperationspartnern (Staatl. Schulamt, Privatschulen etc.). Vernetzungstreffen mit folgenden Kooperationspartnern wurden erfolgreich umgesetzt: ➢ Staatliches Schulamt ➢ Schillerschule (Alphabetisierungsklasse) ➢ VABO-Schulen in Ettlingen und das Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung Baden-Württemberg (ZSL) • Sinnvolle Klassenbildung durch noch konkretere Identifizierung von Bedarfen, z.B. zusätzlich zu Alphabetisierungsklassen die Einrichtung von „Schnelllernerklassen“ für Schülerinnen und Schüler mit gutem Bildungshintergrund. ➢ Umsetzung: Einrichtung einer VABO-Klasse mit dem Zielsprachniveau B2 an der Ludwig-Erhard-Schule. • Prüfung der Einführung des 2P-Verfahrens auch in VKL - 2P - Potenzial & Perspektive - ist ein webbasiertes Verfahren zur Erfassung und Dokumentation fachlicher und überfachlicher Kompetenzen neu zugewanderter Schülerinnen und Schüler zwischen 10 und 20 Jahren. Es wurde speziell im Hinblick auf die Anwendung mit nur geringen Deutschkenntnissen - ab ca. 3 Lernmonaten - konzipiert und kann beispielsweise in VKL-Klassen und VABO-Klassen gewinnbringend eingesetzt werden. Das Verfahren dient nicht nur zur Einschätzung der individuellen Potenziale der Schülerinnen und Schüler und zur positiven Verstärkung des eigenen Lernfortschritts, sondern belegt auch einen zertifizierten Abschluss eines Sprachniveaus. Dieses wiederum ist sehr nützlich, um zum Beispiel eine Klasse bzw. Schule zu wechseln oder bei Bewerbungen, z.B. für Praktika, den aktuellen Sprachstand zu belegen. ➢ Umsetzung: Staatliches Schulamt wird das Verfahren in VKL umsetzen. • Optimierung der internen Abläufe der Clearingstelle, z.B. Prüfung eines zentralen Einstufungstests für jene VKL Schülerinnen und Schüler, die für das nächste Schuljahr einen Schulplatz an einer beruflichen Schule benötigen ➢ Umsetzung: Es wurden drei zentrale Einstufungstesttermine für VKL-Schülerinnen und Schüler eingerichtet. Anmeldung •Über Geschäftsführende Schulleitung (GfSL) erfolgt VABO-Anmeldung •Einladung zum Gespräch und Einstufungstest durch GfSL Clearing •Persönliches Gespräch / Groberfassung Bildungsbiographie •Durchführung und Auswertung Einstufungstest •Übermittlung Stufenempfehlung an GfSL Verteilung •Zuweisung Schulplatz durch GfSL – 4 – Statistik VABO und Clearingstelle 2023/24 2024/25 Beruflichen Schulen 9 9 VABO-Klassen 12 11 VABO-Schülerinnen und Schüler 206 175 Schülerinnen und Schüler in der Alpha- Klasse 12 10 Zielsprachniveau B1 B1 und B2 Getestete Schülerinnen und Schüler 142 183 Davon VKL Schülerinnen und Schüler 25 62 Davon 93 männlich, 45 weiblich 122 männlich, 61 weiblich Herkunftsländer 20 21* Sprachen 20 20 Einsätze der externen Dolmetschenden 22 62 Schülerinnen und Schüler mit acht bis zwölf Jahren Schulbesuch in der Heimat (die übrigen besuchten weniger als acht Jahre die Schule) 80 88 * mehr als die Hälfte der Schülerinnen und Schüler kamen aus vier Ländern: 62 aus der Ukraine, 17 aus Syrien, 9 aus der Türkei und 8 aus Afghanistan. Erfolg und Mehrwert der Clearingstelle Die Einrichtung der Clearingstelle war ein gemeinsamer Kraftakt von oben genannten Institutionen und der VABO-Runde. Bereits dieser Zusammenschluss kann als Erfolg gewertet werden. Die Liste der Kooperationspartner wächst – ein Umstand, der zur Qualitätssicherung beiträgt und gleichzeitig für mehr Transparenz im Verfahren sorgt. In allen Bereichen der Umsetzung kann die Clearingstelle eine positive Bilanz ziehen. Besonders hervorzuheben sind jedoch folgende Aspekte: 1. Weiterhin führen die Einstufungstests und Gespräche, die in der Clearingstelle vor der Einteilung in die passenden Klassen stattfinden, zu homogeneren Klassen. 2. Es konnte eine spezielle Klasse für neuzugewanderte Jugendliche mit Zielsprachniveau B2 eingerichtet werden. 3. Der vom Büro für Integration ermöglichte Einsatz des städtischen Dolmetscherpools konnte die Kommunikation mit den Schülerinnen und Schülern vereinfachen. In 62 Beratungsfällen wurde dieser Dienst von der Clearingstelle in Anspruch genommen. 4. Die Erhebung des Feedbacks der VABO-Lehrkräfte hat wesentlich dazu beigetragen, die Transparenz im Zuweisungsprozess zu verbessern. Die Lehrkräfte kennen die Zuweisungskriterien und werden zeitnah über die neuen Zuweisungen informiert. Die Lehrkräfte schätzten den Mehrwert der Clearingstelle und arbeiten eng mit ihr zusammen. 5. Durch die Clearingstelle ist es gelungen, nicht nur eine bessere Vernetzung unter den VABO- Lehrkräften in Karlsruhe zu ermöglichen, sondern diese auch mit den Lehrkräften aus Ettlingen zu vernetzen. Im Schuljahr 2024/25 fanden drei Netzwerktreffen der VABO-Lehrkräfte aus Karlsruhe und Ettlingen statt. Ziel dieser Veranstaltungen war der kollegiale Austausch zu aktuellen Herausforderungen – wie die Heterogenität der Schülerschaft, Sprachförderung sowie den Einsatz digitaler Lernangebote - und das Teilen erfolgreicher Praxisansätze im – 5 – VABO-Unterricht. Für das kommende Schuljahr ist geplant, dieses Format in einen Arbeitskreis VABO unter der Leitung des Zentrums für Schulqualität und Lehrerbildung (ZSL) zu überführen. 6. Um die Zusammenarbeit mit den Vorbereitungsklassen (VKL) der weiterführenden Schulen in Karlsruhe zu verbessern und die Übergänge in die VABO-Klassen besser zu gestalten, fand ein Kennenlerngespräch mit der Lehrkraft der Alphabetisierungsklasse an der Schillerschule statt. Alle Beteiligten betonten das gemeinsame Ziel, junge Menschen auf ihrem Bildungsweg bestmöglich zu begleiten und Übergänge transparent und effektiv zu gestalten. Der Wunsch nach einem weiterführenden und kontinuierlichen Austausch in der Zukunft wurde von beiden Seiten klar formuliert. Das Pilotprojekt der Karlsruher VABO-Clearingstelle entwickelt einen Modellcharakter. Das zeigt sich an Anfragen aus anderen Kommunen an die geschäftsführende Schulleitung und andere beteiligte Stellen. Von Seiten des Kultusministeriums wird Interesse an den Erfahrungen mit der Karlsruher Clearing-Stelle signalisiert. Finanzierung und personelle Ressourcen Die Clearingsstelle wird gemeinsam von einer VABO-Lehrkraft und einer bei der hsk angestellten Schulkoordinatorin umgesetzt. Die Lehrkraft unterstützt den geschäftsführenden Schulleiter bei der Zuordnung der Schülerinnen und Schüler durch die Mitarbeit in der Clearingstelle mit einem Stundenumfang von 3,3 Stunden (entsprechend 2 Deputatsstunden). Die Schulkoordinatorin der Heimstiftung ist mit sechs Wochenstunden für die Clearingstelle beschäftigt. Der Hauptteil der Arbeitsstelle der Schulkoordination ist in der Elisabeth-Selbert-Schule verortet und wird über freiwillige Leistungen der Stadt Karlsruhe finanziert. Beide Mitarbeiterinnen der Clearingstelle engagieren sich über ihre vorhandenen personellen Ressourcen hinaus bei der Wahrnehmung ihrer Aufgaben. Sie fungieren als Ansprechpersonen sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für Lehrkräfte und Schulleitungen. Die für die Arbeit der Clearingstelle vorgesehene Zeit reicht dafür jedoch nicht aus. Insbesondere die Übernahme der Testungen für VKL-Schülerinnen und -Schüler verursacht einen erheblichen Mehraufwand. Um Erfolg und Mehrwert der Clearingstelle belastbar evaluieren zu können, sind zusätzliche personelle Ressourcen sowie ein besseres Standing der Clearingstelle erforderlich. Ausblick und weiteres Vorgehen Die Erfahrung der vergangenen zwei Jahre zeigt: Als Schnittstelle zwischen Schulen, Verwaltung und jungen Neuzugewanderten ist die Clearingstelle ein entscheidender Baustein für gelingende Integration und erfolgreiche Bildungswege der jungen Neuzugewanderten in Karlsruhe. Aus diesem Grund wird ihre Arbeit kontinuierlich weiterentwickelt, fortgeführt und um neue Schwerpunkte ergänzt. Diese sind: • Weiterführung und Intensivierung der Zusammenarbeit mit dem staatlichen Schulamt sowie den Schulen mit VKL zur besseren Gestaltung des Übergangs von VKL zu VABO • Fortführung der bedarfsorientierten Klassenbildung; aktuell wird beispielsweise keine Alphabetisierungsklasse mehr benötigt • Durch ein verbessertes Clearing soll das Zielsprachniveau der VABO-Klassen mindestens auf B1 und langfristig auf B2 angehoben werden. • Weitere Optimierung der internen Abläufe der Clearingstelle, etwa durch die Einrichtung einer speziellen E-Mail-Adresse zur besseren Erreichbarkeit, stärkere Einbindung der Lehrkräfte durch regelmäßige Feedback-Abfragen und bei der Zuweisung neuer Schülerinnen und Schüler • Eine Kooperation mit der PH Karlsruhe zur Evaluierung bzw. Begleitforschung wird angestrebt. Der Integrationsausschuss wird über die weitere Entwicklung und Ausgestaltung der Clearingstelle informiert.