Suchthilfe-Monitor 2025

Vorlage: 2025/1014
Art: Informationsvorlage
Datum: 22.10.2025
Letzte Änderung: 03.12.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Durlach

Beratungen

  • Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 10.12.2025

    TOP: 2

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/1014 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Suchthilfe-Monitor 2025 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Sozialausschuss 10.12.2025 2 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Sozialausschuss nimmt den Suchthilfe-Monitor 2025 sowie die aktualisierte Zusammenstellung der Suchthilfe Karlsruhe zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die Einrichtungen der Suchthilfe der Stadt Karlsruhe bieten mit ihren vielfältigen Angeboten in den Bereichen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung und Überlebenshilfe (niedrigschwellige Hilfen) hochqualifizierte und ausdifferenzierte Unterstützung für unterschiedliche Zielgruppen an. In der Suchthilfe werden traditionell viele Zahlen erhoben und in den Jahresberichten der Einrichtungen der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt. Im neu aufgelegten Suchthilfe-Monitor Stadt Karlsruhe werden wichtige Kennzahlen der Suchthilfe exemplarisch vorgestellt. Um Verläufe und Entwicklungen sichtbar zu machen, werden die Kennzahlen der letzten drei bis fünf Jahre abgebildet. Vorgestellt werden Zahlen der Basisangebote wie der Suchtberatung sowie einiger spezieller Angebote für Kinder und Menschen mit Essstörungen. Ein weiterer Blick wird auf die Entwicklung des seit 2019 bestehenden Drogenkonsumraums und das seit 30 Jahren bestehende niedrigschwellige Angebot, den Kontaktladen get In gerichtet. Eng mit der Suchthilfe verbunden ist die Suchtprävention. Hier werden aktuelle Maßnahmen und Angebote vorgestellt.

  • Anlage 1
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Suchthilfe-Monitor 2025 September 2025 Anlage 1 SozA 10.12.2025, TOP 2 Sozial- und Jugendbehörde | 2 Inhaltsverzeichnis Inhaltsverzeichnis ............................................................................................................................................. 2 1. Einleitung ................................................................................................................................................. 3 2. Suchtberatung in Karlsruhe .................................................................................................................... 4 2.1. Suchtberatungsstellen ....................................................................................................................... 4 2.2. Beratungsstelle BESS (DSM) ............................................................................................................... 6 2.3. Kindergruppe Regenbogen (DSM) ..................................................................................................... 6 3. Niedrigschwellige Drogenhilfe ............................................................................................................... 7 4. Suchtprävention ...................................................................................................................................... 8 4.1. Neukonzeption der Jugendschutzteams ............................................................................................ 8 4.2. Präventionsfilm ................................................................................................................................. 8 4.3. Medienkonsum ................................................................................................................................. 8 5. Substitution ............................................................................................................................................. 9 6. Fazit und Ausblick ................................................................................................................................. 10 3 | Monitor Suchthilfe und Suchtprävention 1. Einleitung Aufbauend auf die im Sozialausschuss am 16. November 2022 erstmalig vorgestellte Zusammenstellung der An- gebote der Suchthilfe in Karlsruhe sollen mit dem Suchthilfe-Monitor regelmäßig wichtige Kennzahlen, Einschät- zungen und Entwicklungen aus dem Bereich der Suchthilfe in Karlsruhe vorgestellt werden. Deutschland ist im internationalen Vergleich ein Hochkonsumland in Bezug auf Alkohol. Im Jahre 2022 starben mehr als 15.000 Personen in Deutschland an einer ausschließlich durch Alkohol bedingten Krankheit. Hochge- rechnet leiden etwa 1,6 Millionen Menschen in Deutschland unter einer Alkoholabhängigkeit. 15,3 Prozent aller Erwachsenen weisen einen riskanten Alkoholkonsum auf. Bei Jugendlichen sind die Zahlen in den letzten Jahren erfreulicherweise rückläufig. Cannabis wurde im April 2024 teillegalisiert. Erste Ergebnisse der Evaluation des Konsumcannabisgesetzes zei- gen, dass sich die Zahl der Konsumierenden und der Umfang an gesundheitlichen Problemen kaum verändert haben. Im Bereich der illegalen Substanzen ist eine große Verfügbarkeit sowie eine Zunahme von neuen Psychoaktiven Stoffen (NPS), insbesondere synthetischen Opioiden zu verzeichnen. Ebenfalls zugenommen hat seit der Coronapandemie die Zahl der Menschen mit einer Essstörung. All diese Entwicklungen sind gute Gründe, genauer zu schauen, wie die Situation in Karlsruhe aussieht. (Quellen: Europäischer Drogenbericht 2025, DHS Jahrbuch Sucht 2025 der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen e. V., Bundesinstitut für öffentliche Gesundheit) Sozial- und Jugendbehörde | 4 2. Suchtberatung in Karlsruhe 2.1. Suchtberatungsstellen Die Suchtberatungsstellen in der Stadt Karlsruhe (Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverban- des für Prävention und Rehabilitation, die Suchtberatungsstelle der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden (DSM) mit der Beratungsstelle BESS für Menschen mit Essstörungen sowie die Jugend- und Drogenberatungsstelle der Stadt Karlsruhe) sind erste niedrigschwellige Angebote für Betroffene und deren Angehörige. Die Zahl der Ratsu- chenden ist seit vielen Jahren stabil mit steigender Tendenz. Abbildung 1: Anzahl Ratsuchender in den Karlsruher Suchtberatungsstellen Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde Bei einer Suchterkrankung leiden immer auch die Angehörigen. In vielen Fällen nehmen sie den ersten Kontakt zur Beratungsstelle auf. Typische Fragestellungen sind die nach Hilfeangeboten für die Betroffenen und dem Umgang mit der eigenen psychischen Belastung aufgrund der Abhängigkeit des Angehörigen. Abbildung 2: Beratung Angehöriger in den Karlsruher Suchtberatungsstellen Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde Der häufigste Grund für das Aufsuchen einer Suchtberatungsstelle ist das Thema Alkohol. Gemessen an den bundesweiten Zahlen (Alkoholmissbrauch: 1,4 Millionen; Alkoholabhängigkeit: 1,6 Millionen) erreichen Suchtbe- ratungsstellen generell leider nur etwa 10 bis 15 Prozent der Betroffenen. An zweiter und dritter Stelle stehen die Opiate und Cannabis. Hier geht das Institutut für Therapieforschung (IFT) von deutschlandweit etwa 166.300 Opiatabhängigen und bei 1,3 Millionen Menschen von einem problematischen Cannabiskonsum aus. Die Zahlen sind in Karlsruhe in den letzten Jahren relativ stabil geblieben. Bei den Stimulanzien (Kokain, Amphe- tamin, Ecstasy) sind die Zahlen der Betroffenen, die eine Beratungsstelle aufsuchen, sehr schwankend. Bundes- weit ist hier aber ein Trend nach oben zu verzeichnen. 139 160 204 0 50 100 150 200 250 202220232024 2.212 2.279 2.591 0 500 1.000 1.500 2.000 2.500 3.000 202220232024 5 | Monitor Suchthilfe und Suchtprävention Sorge bereitet Fachleuten bundesweit, dass zunehmend Jugendliche und junge Erwachsene Benzodiazepine und Opiate missbrauchen. Dies ist auch in Karlsruhe wahrnehmbar. Diese Gruppe ist zwar sehr klein und schlägt sich nicht in der Statistik nieder, aber bei diesem Konsummuster ist das Risiko einer Überdosierung sehr hoch, diese Zielgruppe hat kaum Risikobewusstsein und die Verfügbarkeit dieser Substanzen ist sehr groß. Die bundesweit zu beobachtende Zunahme von pathologischem Spielen und der Mediengebrauchsstörung wird auch in den Karlsruher Zahlen sichtbar Tabelle 1: Die häufigsten Hauptdiagnosen in den Karlsruher Suchtberatungsstellen Hauptdiagnose 2022 2023 2024 männlich weiblich gesamt männlich weiblich gesamt männlich weiblich gesamt Alkohol 416 172 588 504 209 713 553 238 791 Opioide 244 92 336 247 91 338 242 91 333 Cannabis 282 64 346 341 70 411 289 70 359 Kokain, Amphe- tamine, Ecstasy 99 12 111 74 14 88 91 19 110 Pathologisches Spielen 46 13 59 55 15 70 61 17 78 Medienge- brauchsstörung 22 4 26 28 4 32 33 6 39 Abbildung 3: Die häufigsten Hauptdiagnosen in den Karlsruher Suchtberatungsstellen Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde 588 713 791 336 338 333 346 411 359 111 88 110 59 70 78 26 32 39 0 200 400 600 800 1000 1200 1400 1600 1800 202220232024 gesamt AlkoholOpioideCannabisKokain, Amphetamine, EcstasyPathologisches SpielenMediengebrauchsstörung Sozial- und Jugendbehörde | 6 2.2. Beratungsstelle BESS (DSM) Die Beratungsstelle BESS für Menschen mit Essstörungen verzeichnet seit vielen Jahren eine sehr hohe Inan- spruchnahme. Die Angebote der Beratungsstelle reichen von Beratungsgesprächen über Vermittlungen in andere Angebote bis hin zu einem eigenen Gruppenangebot für Betroffene. Abbildung 4: Ratsuchende bei BESS Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde 2.3. Kindergruppe Regenbogen (DSM) Gruppenangebote für Kinder von suchtkranken und psychisch kranken Eltern sind wichtige Angebote zur Unter- stützung dieser vulnerablen Gruppe. Diese Kinder haben ein vielfach erhöhtes Risiko, selbst zu erkranken. Diese präventiven Angebote sind wichtig, um die Resilienz der betroffenen Kinder zu stärken. Die Nachfrage übersteigt das Angebot deutlich. Eine Ausweitung des Angebotes ist mit den vorhandenen Ressourcen jedoch nicht mög- lich. Abbildung 5: Anzahl Gruppen und Kinder bei der Kindergruppe Regenbogen Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde 4 55 6 21 2424 28 0 5 10 15 20 25 30 2021202220232024 GruppenKinder insgesamt 113 101 154 125 0 20 40 60 80 100 120 140 160 180 2021202220232024 7 | Monitor Suchthilfe und Suchtprävention 3. Niedrigschwellige Drogenhilfe Am 6. Dezember 2019 wurde der erste Drogenkonsumraum (DKR) Baden-Württembergs in Karlsruhe in Träger- schaft der AWO Karlsruhe eröffnet. Trotz eines schwierigen Starts kurz vor der Coronapandemie wurde der Raum von den Nutzerinnen und Nutzern positiv angenommen. Die Zahl der registrierten Personen und die An- zahl der Konsumvorgänge steigen kontinuierlich an. Auch die Zahl der Drogennotfälle im Konsumraum hat zu- genommen. Sie ist aber im Vergleich zu den Konsumvorgängen relativ gering. 85 Prozent der registrierten Personen sind Männer. Das Durchschnittsalter liegt bei etwa 41 Jahren. Abbildung 6: Registrierte Personen, Konsumvorgänge und Drogennotfälle im DKR Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde Das get IN (AWO) als niedrigschwellige Anlauf- und Kontaktstelle ist seit dem 1. Februar 1994 ein fester Be- standteil des integrativen Gesamtkonzeptes der Drogenhilfe in Karlsruhe. Zu den vielfältigen Angeboten des Kontaktladens gehört auch die Möglichkeit des Spritzentauschs zur Vermeidung von Infektionen. Die Besucher- zahlen sowie die Zahlen der Spritzentausche steigen, trotz eines kleinen coronabedingten „Einbruchs“, kontinu- ierlich an. Der Spritzenautomat, der vor der Einrichtung angebracht ist, war insbesondere während der Corona-Pandemie ein sehr wichtiges Angebot des get IN. Die Anzahl der Tauscher*innen bezieht sich in der Gesamtheit auf die Anzahl der Personen, die sowohl den Automaten als auch das Tauschangebot im Cafébereich der Einrichtung genutzt haben. Abbildung 7: Besucher*innen, Tauscher*innen, getauschte Konsumutensilien get IN Quelle: Stadt Karlsruhe I Sozial- und Jugendbehörde 109 169 222 265 328 1.380 1.877 2.282 2.438 2.774 3 4 2 12 11 0 2 4 6 8 10 12 14 0 500 1000 1500 2000 2500 3000 20202021202220232024 Registrierte PersonenKonsumvorgängeDrogennotfälle 6.471 6.873 6.407 7.162 10.217 5.042 4.919 4.626 5.158 6.193 77.052 71.431 76.701 83.167 97.709 0 20.000 40.000 60.000 80.000 100.000 120.000 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 20202021202220232024 Besucher*innenTauscher*innengetauschte Konsumutensilien (Spritzen und Kanülen) Sozial- und Jugendbehörde | 8 4. Suchtprävention 4.1. Neukonzeption der Jugendschutzteams Das Projekt „Jugendschutz Karlsruhe“ wurde im Jahr 2006 ins Leben gerufen. Zu dieser Zeit gab es einen signifi- kanten Anstieg des sogenannten Binge-Drinking („Komasaufen“) unter Jugendlichen und es kam vermehrt zu Alkoholintoxikationen im Rahmen von Großveranstaltungen. Inzwischen liegen andere Voraussetzungen vor: Der Alkoholkonsum junger Menschen ist rückläufig, dafür ist eine Zunahme des Konsums von „Partydrogen“ zu be- obachten. Um die Zielgruppe riskant konsumierender Jugendlicher und junger Erwachsener zu erreichen, wurde das Konzept angepasst. Mit dem Angebot „HarmLess – Über Drogen Bescheid wissen“ wurde ein niedrigschwel- liges, aufsuchendes und an den Bedürfnissen der Konsumierenden orientiertes Projekt in der Partyszene initiiert. Für das Peer-2-Peer Angebot wurden im Jahr 2025 bereits 15 ehrenamtliche Personen aus dieser Szene geschult, die von hauptamtlichen Mitarbeitenden auf den Veranstaltungen unterstützt werden. Seitdem fanden drei Eins- ätze im Rahmen von Veranstaltungen der elektronischen Tanzmusik statt, bei denen insgesamt 1.223 Personen der Zielgruppe erreicht wurden. 4.2. Präventionsfilm Im Rahmen schulischer Workshops ist der Einsatz eines eigenen Präventionsfilms sinnvoll, weil er Schüler*innen emotional anspricht, Identifikation ermöglicht und dadurch die Risiken von Suchtverhalten greifbarer macht als reine Theorie. Zudem bietet er einen anschaulichen Diskussionsanlass, um Wissen, Haltung und Handlungsalter- nativen zu verbinden. Der aktuelle Film des Präventionsbüro SUCHT wurde 2017 erstellt. Um den veränderten Sehgewohnheiten von Kindern und Jugendlichen, die eher kurze, dynamische Inhalte gewohnt sind, Rechnung zu tragen, wurde eine neue Produktion in Auftrag gegeben, die zum Schuljahr 2026/2027 fertiggestellt sein soll. 4.3. Medienkonsum In Kooperation mit dem Kinderbüro Karlsruhe werden Mulitplikator*innen-Schulungen für Fachkräfte der Kin- der- und Jugendhilfe angeboten. Darüber hinaus finden im schulischen Kontext Elternabende zum Thema Medi- ennutzung statt. Im Rahmen der Aktionswoche „Sucht in kleinen Dosen“ werden Workshops für die Klassenstu- fen 7 bis 9 angeboten. 9 | Monitor Suchthilfe und Suchtprävention 5. Substitution Die Zahl der sich in einer Substitutionbehandlung befindenden Menschen ist in den letzten Jahren bundesweit kontinuierlich leicht angestiegen. Dies gilt auch für die Situation in Karlsuhe. Laut dem Substitutionsregister der Bundesopiumstelle befanden sich in der Stadt Karlsruhe am Stichtag 1. Oktober 2024 593 Personen in einer Substitutionsbehandlung. Zum Vergleich: am Stichtag 1. Oktober 2023 waren es 566 Personen. Im Jahresverlauf 2024 wurden 696 Menschen, im Jahresverlauf 2023 709 Menschen behandelt. Abbildung 8: Substitutionspatient*innen in Karlsruhe (Stichtag 1. Oktober) Quelle: Substitutionsregister der Bundesopiumstelle In Karlsruhe sind im Gegensatz zu vielen Stadt- und Landkreisen ausreichend Substitutionsplätze vorhanden. Auch im nördlichen Landkreis hat sich die Situation entspannt, seit es in Bruchsal wieder eine Substitutionspraxis gibt. Altersbedingt wird in Karlsruhe in den nächsten Jahren mindestens eine Praxis schließen, das heißt hier kann es zukünftig wieder zu einer Unterversorgung kommen. Das Netzwerk der substituierenden Ärztinnen und Ärzte (Qualizirkel Substitution) ist zusammen mit der kassenärztlichen Vereinigung über diese Problematik im Austausch und wird versuchen, passende Kompensationsangebote zu schaffen. 566 593 0 200 400 600 800 20232024 Sozial- und Jugendbehörde | 10 6. Fazit und Ausblick Die vorgestellten Zahlen bieten nur einen kleinen Einblick in die Angebote der Suchthilfe und können nur eine Aussage über die Menschen treffen, die das Suchthilfesystem nutzen. Gleichwohl geben die Zahlen erste Hin- weise auf mögliche zukünftige Entwicklungen. Bundesweite Trends (die Zunahme von synthetischen Opioiden, Crack und Kokain) müssen wir auch in Karlsruhe beobachten und uns auf diese mögliche Entwicklung in der Prävention und in den Angeboten vorbereiten. Be- sonderes Augemerk ist auch auf die Beobachtung sehr junger hochriskant konsumierender Menschen zu richten. Die steigenden Zahlen beim pathologischen Spielen und der Mediengebrauchsstörung zeigen den Bedarf, beson- ders in diesem Bereich die Prävention zu intensivieren. Die Entwicklung in der Substitutionsbehandlung zu begleiten und Lösungen für drohende Versorgungslücken und deren Auswirkungen zu erarbeiten, bleibt eine Aufgabe der kommenden Jahre. Die Zahlen der Angebote der niedrigschwelligen Drogenhilfe zeigen, dass diese Angebote gut angenommen werden und einen wichtigen Beitrag zur Schadensminimierung, Überlebenshilfe und der Sicherheit des öffentli- chen Raums leisten. 11 | Monitor Suchthilfe und Suchtprävention Impressum Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Suchthilfekoordination Redaktion Cordula Sailer Titelbild AdobeStock – Hubertus Kahl Layout Vorreiter Stand September 2025

  • Anlage 2
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination Suchthilfe Karlsruhe Zusammenstellung der vielfältigen Angebote für suchtkranke Menschen und deren Angehörige in der Stadt Karlsruhe September 2025 Anlage 2 SozA 10.12.2025, TOP 2 2 | Suchthilfe Karlsruhe Inhaltsverzeichnis Einleitung .......................................................................................................................................................... 3 1. Beratung und Begleitung ......................................................................................................................... 4 1.1 Niedrigschwellige Hilfen .......................................................................................................................... 4 1.1.1 A³ (DWK) ........................................................................................................................................ 4 1.1.2 get IN Kontaktladen (AWO) ............................................................................................................ 4 1.1.3 K76 Drogenkonsumraum (AWO) .................................................................................................... 4 1.2 Suchtberatung und Begleitung ............................................................................................................... 4 1.2.1 Beratungsstelle der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden (DSM) ..................................................... 5 1.2.2 Fachstelle Sucht (bwlv) .................................................................................................................... 5 1.2.3 Jugend- und Drogenberatungsstelle (Stadt Karlsruhe) ..................................................................... 5 1.2.4 KiD – Hilfe für drogenabhängige Eltern und deren Kinder (AWO) ................................................... 5 1.3 Psychosoziale Beratung begleitend zur Substitutionsbehandlung ............................................................ 6 1.4 Spezifische Hilfeangebote ....................................................................................................................... 6 1.4.1 Übergangswohneinrichtung (Stadt Karlsruhe) ................................................................................. 6 1.4.2 MPU-Vorbereitung (bwvl, DSM, Stadt Karlsruhe) ............................................................................ 6 1.4.3 BESS, Beratungs- und Informationsstelle bei Essstörungen (DSM) ................................................... 6 1.4.4 Konsumreduktionsprogramm (DSM) ............................................................................................... 6 2. Medizinische Behandlung ........................................................................................................................ 7 2.1 Substitutionsbehandlung ........................................................................................................................ 7 2.2 Stationäre und teilstationäre qualifizierte Entzugsbehandlung ................................................................ 7 3. Medizinische Rehabilitation ..................................................................................................................... 7 3.1 Ambulante Rehabilitation ....................................................................................................................... 7 3.2 Ganztägige ambulante Rehabilitation ..................................................................................................... 7 3.3 Ambulante Nachsorge/Ambulante berufsorientierte Nachsorge nach Rehabilitation ................................ 8 3.4 Neue Rehamodule .................................................................................................................................. 8 3.4.1 Ambulante Motivationsbehandlung (DSM) ..................................................................................... 8 3.4.2 Refresher ambulant ........................................................................................................................ 8 4. Eingliederungshilfe (SGB IX) – Leistungen zur sozialen Teilhabe ........................................................ 9 4.1 Wohngruppe Passagehof und Außenstellen (Heimstiftung) ..................................................................... 9 4.2 Ambulant betreutes Wohnen (bwlv) ....................................................................................................... 9 5. Beschäftigung, Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben .......................................................... 10 5.1 Projekt WegWeiser ............................................................................................................................... 10 5.2 BEAS (begleiteter Einstieg ins Arbeitsleben durch Starthilfe) .................................................................. 10 6. Justiz ........................................................................................................................................................ 11 6.1 Medizinische Versorgung in Haft .......................................................................................................... 11 6.2 Suchtberatung in Haft .......................................................................................................................... 11 7. Selbsthilfe ................................................................................................................................................ 11 8. Prävention ............................................................................................................................................... 12 8.1 Präventionsbüro SUCHT (Stadt Karlsruhe) ............................................................................................. 12 8.2 Schulungen nach dem Landesglücksspielgesetz .................................................................................... 12 8.3 Kindergruppen Regenbogen für Kinder aus suchtbelasteten Familien (DSM) ......................................... 12 8.4 Betriebliche Suchtprävention (Sucht und Arbeit) ................................................................................... 13 8.5 Prävention an Schulen zum Thema Essstörungen (DSM)........................................................................ 13 9. Netzwerke ............................................................................................................................................... 14 9.1 Netzwerk Essstörungen ......................................................................................................................... 14 9.2 Runder Tisch Suchtberatung Karlsruhe .................................................................................................. 14 9.3 Drogenhilfe Karlsruhe ........................................................................................................................... 14 9.4 Suchthilfenetzwerk ............................................................................................................................... 14 9.5 Qualitätszirkel Substitution ................................................................................................................... 14 10. Kommunale Beauftragte für Suchtprävention/Kommunale Suchtbeauftragte (BFS/KSB) (Stadt Karlsruhe) ................................................................................................................................................ 15 Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 3 Einleitung Die Einrichtungen der Suchthilfe der Stadt Karlsruhe bieten mit ihren vielfältigen Angeboten in den Bereichen Prävention, Beratung und Behandlung, Schadensminimierung und Überlebenshilfen (niedrigschwellige Hilfen) hochqualifizierte und ausdifferenzierte Unterstützung für unterschiedliche Zielgruppen an. Die Vielfalt der Angebote und der verschiedenen Gremien der Vernetzung soll mit dieser Bestandsaufnahme sichtbar gemacht werden. Suchthilfe entwickelt sich kontinuierlich, orientiert an den Bedarfen der Betroffenen weiter. Suchthilfe ist ein komplexer Prozess. Dieser funktioniert nur im Verbund. Nachhaltige Vernetzung und vertrauensvolle Kooperationen sind wesentliche Grundlagen der Arbeit. 4 | Suchthilfe Karlsruhe 1. Beratung und Begleitung Die Zielsetzung von Beratung und Begleitung in der Suchthilfe ist es, Teilhabe zu ermöglichen. Mit Hilfe fachli- cher Unterstützung durch qualifizierte Berater*innen sollen Hilfesuchende befähigt werden, ihre Probleme selbstständig zu lösen und zu bewältigen. Im Mittelpunkt der Beratung steht der Mensch mit seinen spezifischen Anliegen und Hilfebedarfen. 1.1 Niedrigschwellige Hilfen Niedrigschwellige Hilfen dienen der Sofort- und Überlebenshilfe. Sie sind suchtbegleitend und können ohne Vo- raussetzungen in Anspruch genommen werden. Gleichzeitig bieten sie einen Zugang zu weiterführenden Hilfen an. 1.1.1 A³ (DWK) Der „Alkohol Akzeptierende Aufenthaltsraum“ A³ stellt seit September 2018 mit vielseitigen Angeboten eine wichtige Alternative zum Werderplatz dar. Im A³ darf selbstmitgebrachter, niedrigprozentiger Alkohol konsu- miert werden. Alkoholfreie Getränke stehen kostenlos zur Verfügung. Es werden täglich belegte Brote und eine warme Mahlzeit pro Woche angeboten. Neben dem Aufenthalt und verschiedenen Beschäftigungsangeboten besteht die Möglichkeit zur Beratung und Unterstützung durch Sozialarbeiter*innen. Es stehen eine Waschmaschine und ein Trockner zur Verfügung. Außerdem bietet das Diakonische Werk Karlsruhe (DWK) Arbeitsgelegenheiten gemäß SGB II, sowie Aktivie- rungsmaßnahmen und Möglichkeiten, gemeinnützige Stunden abzuleisten, an. 1.1.2 get IN Kontaktladen (AWO) Das get IN ist eine Anlauf- und Kontaktstelle der Arbeiterwohlfahrt Karlsruhe gGmbH (AWO) für illegale Drogen konsumierende Menschen. Ohne vorherige Terminabsprache können alle Angebote des get IN genutzt werden. Die Angebote des get IN dienen vor allem der Schadensminimierung. Es gibt täglich warme Mahlzeiten, Wasch- und Duschmöglichkeiten, eine Kleiderkammer und das Angebot zum Spritzentausch. Ferner gibt es die Möglich- keit für Konsumierende, aber auch deren Angehörige, Beratung wahrzunehmen. Die Beratungsangebote sind folgende: Safer-Use Beratung, Einzel- und Paarberatung, Krisenintervention, psychosoziale Substitutionsbeglei- tung, Entgiftungs- und Therapievermittlung, Vermittlung in weiterführende Hilfen. 1.1.3 K76 Drogenkonsumraum (AWO) Das K76 ist eine niedrigschwellige Einrichtung, in der schwerstabhängige Menschen illegale Drogen konsumieren können. Es kann im Drogenkonsumraum in Karlsruhe intravenös, nasal, oral oder auch rektal konsumiert wer- den. Die Angebote der Einrichtung dienen vor allem der Gesundheits- und Überlebenshilfe für drogenabhängige Menschen. Ferner besteht auch die Möglichkeit, psychosoziale Beratung zum Thema Ausstieg aus der Sucht wahrzunehmen, wenn dies gewünscht wird. Neben dem Angebot, in einem sicheren, hygienischen Raum konsu- mieren zu können, finden im Konsumraum Safer-Use-Beratungen, Krisenintervention, Entgiftungs- und Thera- pievermittlung, Vermittlung in weiterführende Hilfen statt. Außerdem können kleinere Wunden (Schnittverlet- zungen, Abszesse, Abschürfungen, Venenverhärtungen) versorgt werden. 1.2 Suchtberatung und Begleitung Neben der Klärung der Hilfebedarfe, der sozialen Diagnostik und der problemzentrierten Beratung von Betroffe- nen, Angehörigen und dem Umfeld sind die Vermittlung in weiterführende Angebote und die Begleitung bei Klärungs-, Stabilisierungs- und Eingliederungsprozessen wichtige Aufgaben der Suchtberatung. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 5 1.2.1 Beratungsstelle der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden (DSM) Die psychosoziale Beratungs- und Behandlungsstelle für Suchtkranke der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden Karlsruhe ist eine von den Sozialversicherungsträgern anerkannte Einrichtung. Menschen ab 18 Jahren mit prob- lematischem Konsumverhalten (Alkohol, Medikamente, Glücksspiel, Medienkonsum) und deren Angehörige er- halten Beratung und Information über Suchterkrankungen und Behandlungsmöglichkeiten sowie Vermittlung in notwendige Maßnahmen. Neben den Beratungs- und ambulanten Behandlungsangeboten gehören auch prä- ventive Maßnahmen zu den Aufgaben der Diakonischen Suchthilfe. Für den Bereich Essverhalten wird Beratung ab dem Jugendalter angeboten. 1.2.2 Fachstelle Sucht (bwlv) Die Fachstelle Sucht des Baden-Württembergischen Landesverbandes für Prävention und Rehabilitation gGmbH (bwlv) bietet als eine von den Sozialversicherungsträgern anerkannte Einrichtung Beratung und Behandlung für missbräuchlich konsumierende und suchtkranke Menschen sowie ihren Angehörigen mit den Schwerpunkten Alkohol, Medikamente und Verhaltenssüchte an. Der Beratungs- und Behandlungsprozess umfasst dabei die Beratung als ersten Schritt, dem folgt in der Regel die Vermittlung in eine geeignete Folgemaßnahme, und diese mündet schließlich in die weiterführende Betreuung durch die Fachstelle in Form von Nachsorge- und Selbsthilfeangeboten als dritter Schritt im Rahmen der Behand- lungskette. Ergänzt wird dieser Tätigkeitsbereich durch Maßnahmen der Suchtprävention und Gesundheitsförde- rung in unterschiedlichen Angebotsformen, die sich an verschiedenste Zielgruppen richten. 1.2.3 Jugend- und Drogenberatungsstelle (Stadt Karlsruhe) Die Jugend- und Drogenberatung (JDB) ist eine Einrichtung der Stadt Karlsruhe. Das Angebot der Drogenbera- tung richtet sich an Konsumierende illegaler Drogen und von Cannabis sowie deren Bezugspersonen und bietet Beratung, Information und Vermittlung in weiterführende Hilfen. Im Rahmen der Jugendberatung können bis zum 27. Lebensjahr auch Konsumierende legaler Drogen – zum Bei- spiel Alkohol, Nikotin, Medikamente – und deren Bezugspersonen das Angebot der Beratungsstelle in Anspruch nehmen. Die Mitarbeitenden der Drogenberatung vermitteln bei Bedarf in Entgiftung und in Entwöhnungsbehandlung und übernehmen im Anschluss die ambulante Nachsorge. Opiatabhängige Menschen werden auf der Suche nach einem geeigneten Substitutionsplatz unterstützt. Ergänzend zum Beratungsangebot ist es möglich, Suchtakupunktur nach dem weltweit anerkannten NADA-Pro- tokoll der National Acupuncture Detoxification Association in Anspruch zu nehmen. Die Behandlung erfolgt durch qualifizierte Mitarbeitende und mit ärztlicher Zustimmung. In der Jugend- und Drogenberatung werden themenspezifisch Gruppenangebote durchgeführt. Die Rückfallvorbeugegruppe ist ein speziell entwickeltes Angebot, bei dem die Jugend- und Drogenberatungs- stelle der Stadt Karlsruhe und die Rehaklinik Freiolsheim des AGJ-Fachverbands für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V. eng kooperieren. 1.2.4 KiD – Hilfe für drogenabhängige Eltern und deren Kinder (AWO) KiD ist eine Beratungsstelle, die drogenabhängige schwangere Frauen sowie drogenabhängige, ehemals drogen- abhängige und substituierte Eltern und ihre Kinder berät und begleitet. KiD ist ein niedrigschwelliges, lebensweltorientiertes Hilfeangebot, das begleitend, aufsuchend und, da wo mög- lich, auch nachgehend arbeitet. Um den Zugang möglichst niedrigschwellig zu halten, ist KiD außerdem in zwei substituierenden Arztpraxen in der Vor-Ort-Arbeit tätig. Mit dem besonderen Augenmerk auf die Lebenssituation der Kinder ist es Zielsetzung von KiD, die drogenab- hängigen Eltern frühzeitig, möglichst schon in der Schwangerschaft, zur Annahme von Hilfen im finanziellen, psychosozialen, therapeutischen und sozialen Bereich zu motivieren. KiD bietet Beratung zu allen die Lebenswelt der Familien und deren Kinder betreffenden Themen. Persönliche Intensivbetreuungen, begleitende und weitergehende vermittelnde Hilfen ebenso, wie praktische Hilfen und Un- terstützung bei der Alltagsbewältigung sind Bestandteile des Beratungs- und Betreuungsangebots. 6 | Suchthilfe Karlsruhe 1.3 Psychosoziale Beratung begleitend zur Substitutionsbehandlung Um bei einer Substitutionsbehandlung opiatabhängiger Menschen auch psychosoziale Problemlagen berücksich- tigen und verbessern zu können, wird parallel eine teilhabeorientierte psychosoziale Begleitung angeboten. In der AWO-Ambulanz wird diese Aufgabe von dort angestellten Sozialarbeiterinnen übernommen. In den anderen Praxen erfolgt dieses Angebot durch Mitarbeitende der städtischen Drogenberatungsstelle und der Beratungs- stelle KID. Die Substitutionsbegleitberatung erfolgt in enger Abstimmung mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten und findet meistens aufsuchend vor Ort in den ärztlichen Praxen statt. 1.4 Spezifische Hilfeangebote 1.4.1 Übergangswohneinrichtung (Stadt Karlsruhe) Die Übergangswohneinrichtung der Drogenberatungsstelle ist eine drogenfreie Wohngruppe für suchtkranke Menschen, die eine stationäre Entwöhnungsbehandlung abgeschlossen haben oder aus anderen Gründen für eine Aufnahme geeignet sind. Die Einrichtung besteht aus einer Vier-Zimmer-Wohngruppe und einer Zwei-Zimmer-Wohnung. Sie bietet ein Umfeld, in dem die Bewohner*innen wichtige Schritte zur beruflichen und sozialen Rehabilitation planen und gehen können. Die Betreuung findet als Einzel- und/oder Gruppenberatung in den Räumen der Beratungsstelle und in der Wohngruppe statt. 1.4.2 MPU-Vorbereitung (bwvl, DSM, Stadt Karlsruhe) Menschen, die im Straßenverkehr mit Alkohol und/oder Drogen aufgefallen sind und denen der Führerschein entzogen wurde, können sich zu dieser Thematik bei allen drei Suchtberatungsstellen (bwlv, DSM, JDB) beraten lassen. Es werden außerdem spezielle Kursangebote zur MPU-Vorbereitung durchgeführt. 1.4.3 BESS, Beratungs- und Informationsstelle bei Essstörungen (DSM) Das Beratungsangebot BESS wurde im Jahr 2014 auf Initiative des gemeinsamen Suchthilfenetzwerkes von Stadt und Landkreis Karlsruhe als ein spezialisiertes Angebot für das Thema Essstörungen gegründet. Es gibt eine An- laufstelle für Bürger*innen aus der Stadt und dem südlichen Landkreis Karlsruhe in Trägerschaft der Diakoni- schen Suchthilfe Mittelbaden in Karlsruhe, sowie eine Anlaufstelle in Bruchsal in Trägerschaft des bwlv, die für Bürger*innen aus dem nördlichen Landkreis zuständig ist. BESS berät Betroffene, Angehörige und Fachkräfte und ist auch im Bereich der Prävention tätig. Zudem wird das Netzwerk Essstörungen über BESS koordiniert. Seit August 2022 existiert am Standort Karlsruhe darüber hinaus eine Essstörungs-Bewältigungsgruppe für junge Er- wachsene im Alter von 18 bis 30 Jahren, die sich aus Spendenmitteln finanziert. 1.4.4 Konsumreduktionsprogramm (DSM) Dies ist ein Angebot der Diakonischen Suchthilfe Mittelbaden im Sinne des strukturierten Programms zum „Kon- trollierten Trinken/Kontrollierten Konsum“ (das bedeutet, Suchtverhalten nach selbst gesetzten Regeln zu verrin- gern mit therapeutischer Begleitung). Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 7 2. Medizinische Behandlung Sucht ist in der internationalen statistischen Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme (ICD-10) als ein eigenständiges Krankheitsspektrum unter der Kategorie F 1 mit vielfältigen Erscheinungsformen definiert. Somit stehen den Betroffenen die anerkannten ambulanten und stationären Behandlungen zu. 2.1 Substitutionsbehandlung Die Substitutionsbehandlung für Opioid-Abhängige wird in Karlsruhe außer in kleinerem Umfang in hausärztli- chen Praxen hauptsächlich in drei großen Praxen angeboten, die insgesamt etwa 450 Patientinnen und Patienten behandeln. Neben einer internistischen Praxis sind dies eine Schwerpunkt-Praxis für Substitution sowie die Er- mächtigungs-Ambulanz der AWO. Dort wird für Schwerst-Abhängige zudem die heroingestützte Behandlung angeboten (Diamorphin-Programm). Die Patientinnen und Patienten erhalten in den großen Praxen nach dem „Karlsruher Modell“ niedrigschwellige psychosoziale Beratung vor Ort (siehe 1.3). 2.2 Stationäre und teilstationäre qualifizierte Entzugsbehandlung Im städtischen Klinikum gibt es eine Entgiftungsstation. Dort wird nach telefonischer Voranmeldung ein qualifi- zierter Entzug von allen abhängigkeitserzeugenden Substanzen durchgeführt. Teilentgiftungen bei laufender regulärer Opiatsubstitution oder Opiatsubstitution in fester Planung sind möglich; bei einer gewünschten vollständigen Opiatentgiftung ist in der Regel eine im Anschluss geplante Entwöhnungs- behandlung Voraussetzung. Zusätzlich gibt es eine Tagesklinik mit 18 Plätzen. Meist geht es hier um die Behandlung von Alkohol- oder Can- nabisabhängigkeiten, selten um Opiate. 3. Medizinische Rehabilitation 3.1 Ambulante Rehabilitation Die ambulante Suchtrehabilitation ist eine Alternative zur stationären Behandlung für Menschen, die bereits vor Antritt der Maßnahme abstinenzfähig sind, die über ein stabiles soziales Umfeld und einen Arbeitsplatz verfü- gen. Sie wird in den Beratungsstellen durchgeführt. Der ambulanten Behandlung geht eine Vorbereitungsphase voraus. Die anschließende mindestens sechsmonatige Behandlung findet in Form von Gruppen- und Einzelge- sprächen statt. Angehörige werden in die Therapie mit einbezogen. Es besteht bei Bedarf die Möglichkeit, vor Beginn der ambulanten Therapie eine achtwöchige stationäre beziehungsweise teilstationäre oder tagesklinische Behandlung im Rahmen einer Kombinationsbehandlung durchzuführen. Auch gibt es die Möglichkeit, nach einer stationären/teilstationären Entwöhnungsbehandlung eine ambulante Weiterbehandlung anzuschließen, sofern noch weiterer Behandlungsbedarf besteht. Die ambulante Rehabilitation wird an der DSM und beim bwlv durch- geführt. 3.2 Ganztägige ambulante Rehabilitation Die ganztägige ambulante medizinische Suchtrehabilitation richtet sich vor allem an Menschen, die noch über ein funktionierendes soziales Umfeld verfügen und unterstützt sie mit diesem Angebot auf ihrem Weg hin zu einer zufriedenstellenden, abstinenten Lebensgestaltung. Während der Dauer der Behandlung bleiben die Menschen in ihrem gewohnten Lebensumfeld und erproben dort, engmaschig begleitet, ihre Abstinenz. Dies geschieht auch unter Berücksichtigung ihres sozialen Umfelds, der Eingliederung ins Arbeitsleben sowie über die Teilhabe an der Gesellschaft. Das Angebot reicht von der me- dizinischen und psychotherapeutischen Behandlung über Sport- und Entspannungsangebote, Ernährungsbera- tung und Kreativtherapie bis hin zur Anleitung für sinnstiftende Freizeitgestaltungsmöglichkeiten. In der Stadt Karlsruhe existieren zwei Angebote mit jeweils 24 Plätzen. Die Tages-Reha des bwlv in der Innen- stadt richtet sich an von Alkohol und Medikamenten abhängige Menschen. Das Angebot der Tagesklinik des AGJ-Fachverbands für Prävention und Rehabilitation in der Erzdiözese Freiburg e. V. in Karlsruhe-Durlach orien- tiert sich an der Zielgruppe der von illegalen Drogen abhängigen Menschen. 8 | Suchthilfe Karlsruhe 3.3 Ambulante Nachsorge/Ambulante berufsorientierte Nachsorge nach Rehabilitation Nach Absolvierung einer stationären beziehungsweise ganztägigen ambulanten Entwöhnungsbehandlung wird von den Beratungsstellen der DSM und des bwlv ein ambulantes Nachsorgeangebot inklusive Fokus auf Beschäf- tigungsorientierung vorgehalten, das den Behandlungserfolg sichern und den Transfer neu erworbener Einstel- lungen und Verhaltensweisen in die jeweilige Lebensrealität mit fachlicher Unterstützung gewährleisten soll. Das als Gruppenangebot konzipierte Nachsorgeprogramm läuft in der Regel über sechs Monate und wird in Form wöchentlicher Gruppensitzungen angeboten. Flankierend können Einzel- und Angehörigengespräche an- geboten werden. 3.4 Neue Rehamodule Die Deutsche Rentenversicherung hat sich in dem Projekt „Runder Tisch Sucht-Reha“ gemeinsam mit der Lan- desstelle für Suchtfragen Baden-Württemberg mit der Weiterentwicklung der Rehabilitation Abhängigkeitskran- ker beschäftigt. Seit 2021 stehen zusätzlich zum Regelangebot in Karlsruhe zwei neue Angebote zur Verfügung: 3.4.1 Ambulante Motivationsbehandlung (DSM) Die ambulante Motivationsbehandlung bei Suchterkrankungen ist eine Behandlungsalternative zur stationären, ambulanten oder ganztägigen ambulanten Therapie. Sie ist ein Angebot für Menschen mit Alkohol- und/oder Medikamentenproblemen, die noch unentschlossen sind, ob und falls ja, welche Behandlungsform die passende ist. 3.4.2 Refresher ambulant Mit dem Refresher-Modul wird das Angebotsspektrum der Suchthilfe erweitert. In Abgrenzung zum Behand- lungsmodul „Krisenintervention“, handelt es sich um ein Stabilisierungsangebot mit schwerpunktmäßig psycho- therapeutischer Ausrichtung welches in den ersten 24 Monaten nach regulärer Beendigung einer Suchtrehabili- tation bei Bedarf in Anspruch genommen werden kann. Dieses Angebot schließt die Lücke zwischen den traditi- onellen Bausteinen der Suchthilfe ambulant – ganztags ambulant – stationär, indem es ein Absicherungsmodul schafft, das dem Erhalt der dauerhaften Arbeitsfähigkeit und Abstinenz dient. Es wird vom Verbund der verschie- denen Suchthilfeeinrichtungen und -träger in Stadt und Landkreis Karlsruhe umgesetzt. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 9 4. Eingliederungshilfe (SGB IX) – Leistungen zur sozialen Teilhabe Aufgabe der Eingliederungshilfe ist es, die Selbstbestimmung sowie die volle, wirksame und gleichberechtigte Teilhabe am Leben in der Gemeinschaft von Menschen mit Behinderung zu fördern, Benachteiligungen zu ver- meiden oder ihnen entgegenzuwirken. Sie soll Menschen mit Behinderung befähigen, ihre Lebensplanung und -führung möglichst selbstbestimmt und eigenverantwortlich wahrnehmen zu können. Chronische Abhängig- keitserkrankungen sind als seelische Behinderungen einzustufen. 4.1 Wohngruppe Passagehof und Außenstellen (Heimstiftung) Die Wohngruppe Passagehof ist ein Angebot der Heimstiftung Karlsruhe für ältere psychisch kranke Menschen, die sich in Substitution befinden und einen erhöhten Betreuungs- und Hilfebedarf bei der Bewältigung der all- täglichen Aufgaben und Tagesstruktur haben. Es kann ein Hilfebedarf im Alltag bestehen, es muss den Men- schen aber nach wie vor gelingen, sich weitgehend selbst zu versorgen. Unterstützt wird dies durch ein Team aus Fachkräften der Sozialarbeit und der Pflege. Die Wohngruppe Passagehof bietet die Möglichkeit, selbstständig aber nicht alleine zu leben. Sie bietet individu- elle Unterstützung und Rat, wo dies alters- und krankheitsbedingt benötigt wird. Das Wohn- und Betreuungsangebot erfolgt im Rahmen der ambulanten Eingliederungshilfe für Menschen mit psychischer Behinderung gemäß §§ 78 SGB IX ff. Die Zugangsvoraussetzungen werden durch individuelle Hilfeplanung überprüft und kontinuierlich fortgeschrie- ben. Auch in den anderen ambulant betreuten Wohngruppen der Heimstiftung Karlsruhe werden unter gewissen Vo- raussetzungen nach § 78 SGB IX und § 67 SGB XII suchtmittelabhängige Menschen betreut. 4.2 Ambulant betreutes Wohnen (bwlv) Für Menschen, die sich nach einer medizinischen Rehabilitationsmaßnahme weiterhin in prekären Lebensverhält- nissen befinden oder unter Teilhabeeinschränkungen leiden, bietet der bwlv ein weiterführendes und nachbe- treuendes Angebot in Form des ambulant betreuten Wohnens mit 33 Plätzen, aufgeteilt auf unterschiedliche Wohngemeinschaften in der Innenstadt an. Die Aufenthaltsdauer beträgt in der Regel zwischen sechs und zwölf Monate, Träger der Maßnahme ist die Eingliederungshilfe gemäß §§ 78 SGB IX ff. Die Behandlungsbedürftigkeit der Bewohner*innen wird durch eine individualisierte Planung, die sich an den mit der Stadt Karlsruhe (Leistungsträger) vereinbarten Vorgaben orientiert, überprüft und kontinuierlich fortgeschrie- ben. Das Ziel des Angebotes besteht in der Stabilisierung der Lebenssituation, der Unterstützung bei der berufli- chen und sozialen Reintegration und der Hinführung zu einer selbstverantwortlich gestalteten Lebensführung. 10 | Suchthilfe Karlsruhe 5. Beschäftigung, Qualifizierung und Teilhabe am Arbeitsleben 5.1 Projekt WegWeiser „Wegweiser in Arbeit“ ist ein Angebot für Menschen, die von Langzeitarbeitslosigkeit betroffen sind und deren Integration aufgrund von Suchtproblemen und/oder psychischen Beeinträchtigungen erschwert ist. Die Arbeits- förderung Karlsruhe gGmbH und die Diakonische Suchthilfe Mittelbaden gGmbH arbeiten in diesem Projekt eng vernetzt miteinander. Das Jobcenter Stadt Karlsruhe ist Kooperations- und Kofinanzierungspartner und Mitglied der Steuerungsgruppe des Projektes. 5.2 BEAS (begleiteter Einstieg ins Arbeitsleben durch Starthilfe) Die Diakonische Suchthilfe Mittelbaden ist ein Betreuungsstandort für die Durchführung von BEAS, einem Ange- bot der deutschen Rentenversicherung (DRV) und der Fachklinik Fischerhaus für Menschen, die leistungsfähig und erwerbsmotiviert sind und über keinen Arbeitsplatz verfügen oder deren vorhandener Arbeitsplatz unsicher geworden oder gefährdet ist. Voraussetzungen: Rentenversichert bei der DRV BW, vorhandene Arbeitsmotivation, aktive Mitarbeit und die Be- reitschaft, sich unterstützen zu lassen. BEAS wird in den Regionen Rastatt/Baden-Baden/Karlsruhe/Pforzheim/Or- tenau angeboten. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 11 6. Justiz 6.1 Medizinische Versorgung in Haft In der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe (JVA) wird bei Insassen, die sich vor der Inhaftierung in einer Substitutions- behandlung befanden, diese weitergeführt. Bei einer nachgewiesenen Opiatabhängigkeit besteht die Möglich- keit, in der JVA eine Substitutionsbehandlung zu beginnen oder eine medizinisch begleitete Entgiftung zu ma- chen. 6.2 Suchtberatung in Haft Dieses Angebot umfasst die externe Suchtberatung in der Justizvollzugsanstalt Karlsruhe. Hier haben die Inhaf- tierten an mehreren Tagen pro Woche die Möglichkeit, von Mitarbeitenden der Drogenberatungsstelle in der JVA beraten zu werden. 7. Selbsthilfe Selbsthilfegruppen sind wichtige Angebote für Betroffene und deren Angehörige. Sie sind ein unverzichtbarer Bestandteil des Hilfesystems und bieten aus der eigenen Betroffenheit heraus eine Form der Unterstützung, die weit über die Möglichkeiten der professionellen Angebote hinausgeht. In Karlsruhe gibt es eine Vielzahl von Gruppen mit unterschiedlichen Konzepten und Schwerpunkten für ver- schiedene Zielgruppen. Dieses breite Angebot hilft Betroffenen, eine für sie passende Gruppe zu finden: ▪ AA-Anonyme Alkoholiker Interessengemeinschaft e. V. ▪ Al-Anon Selbsthilfegruppe Angehörige Alkoholiker ▪ Blaues Kreuz Begegnungs-/ Selbsthilfegruppe Karlsruhe und Begegnungsgruppe Karlsruhe-Stadtmission ▪ Bee4people, lokales Bienenprojekt, Studierende und suchtkranken Menschen ▪ El-dro-ST e. V. (Elternkreis drogengefährdeter und drogenabhängiger Söhne und Töchter) ▪ Elternselbsthilfe Karlsruhe für Eltern und Angehörige von Suchtgefährdeten und Drogenkranken ▪ Familienkreis e. V., Selbsthilfegruppe für Suchtkranke, Alkohol, Medikamente ▪ Freundeskreis für Suchtkrankenhilfe Karlsruhe e. V. ▪ Guttempler Gemeinschaft „Albtal“ ▪ Kreuzbundgruppen Karlsruhe und Karlsruhe-Durlach ▪ Lotsennetzwerk Karlsruhe ▪ Narcotics Anonymus Selbsthilfe, Selbsthilfegruppen für Drogenabhängige ▪ Overeaters Anonymous, Selbsthilfegruppe für Betroffene von Essstörungen ▪ Selbsthilfegruppe „Bulimie und Magersucht“ ▪ Selbsthilfegruppen der Fachstelle Sucht Karlsruhe (bwlv) 12 | Suchthilfe Karlsruhe 8. Prävention 8.1 Präventionsbüro SUCHT (Stadt Karlsruhe) Das Präventionsbüro SUCHT bietet Informationsveranstaltungen, Suchtpräventionsworkshops und Module im Stadtgebiet Karlsruhe an. Ziel ist es, Hilfsangebote der Stadt Karlsruhe aufzuzeigen, Informationen zu Suchtmit- teln, Auswirkungen von Suchtmittelgebrauch und Missbrauch zu geben und Suchtentstehung zu verdeutlichen. Themen wie das Erstellen eines Konsumprofils, Umgang mit Gruppendruck und Schutz- beziehungsweise Risiko- faktoren kennenzulernen, sind Bestandteile der unterschiedlichen Workshops. Risikokompetenzerwerb, Drogen- mündigkeit und Selbstfürsorge sind zentrale Begrifflichkeiten aller Veranstaltungen. Nicht nur Kinder und Jugendliche sind Adressaten der Angebote, sondern auch Eltern, Sorgeberechtigte und in- teressierte Erwachsene. Informationsveranstaltungen oder auch Elternabende werden an den jeweiligen Schulen vor Ort oder auf Wunsch auch digital angeboten. Ebenso werden Veranstaltungen öffentlich ausgeschrieben, um allen Interessierten die Möglichkeit zu bieten, sich mit dem Thema „Sucht“ auseinanderzusetzen. Ziel ist es, transparent Informationen zum Thema Substanzkonsum – Gebrauch, Missbrauch, Abhängigkeit – zu vermitteln. Die Stärkung der Erziehungs- und Handlungskompetenz im Umgang mit gefährdeten Kindern- und Jugendlichen steht im Vordergrund. Dabei soll ein Überblick über die unterschiedlichen Hilfsangebote sowie Ko- operationspartner*innen gegeben werden. Es gibt verschiedene Konzepte für Fachpersonen und vor allem Lehrkräfte. Informationsveranstaltungen, Coaching und Fortbildungen an den jeweiligen Schulen und auch in Räumlichkeiten der Stadt Karlsruhe gehören zur Angebotspalette. Gesamtlehrerkonferenzen und pädagogische Tage werden begleitet und thematisch aufbe- reitet. Darüber hinaus wird eine fachliche Begleitung von Veranstaltungen, Konzeptentwicklungen und daraus entstehenden Prozessbegleitungen sowie die Unterstützung bei der Planung der Unterrichtsgestaltung zum Thema Suchtprävention angeboten. Im Rahmen des aufsuchenden Partydrogenangebots HarmLess werden gezielt riskant konsumierende Jugendli- che und junge Erwachsene im Partysetting erreicht. Beim „Das Fest“ präsentiert sich das Präventionsbüro auf der Infomeile mit interaktiven Angeboten rund um die Themen Substanzkonsum und Sucht. Das Thema Mediennutzung und Medienkompetenz wird über das Sachgebiet Jugendschutz vom Kinderbüro ver- sorgt. 8.2 Schulungen nach dem Landesglücksspielgesetz Das Landesglücksspielgesetz verpflichtet Glücksspielanbieter (Spielstätten, Lotto/Totto, Online), ihre Mitarbeiten- den schulen zu lassen, damit sie problematisches Spielverhalten möglichst früh erkennen. Die Suchtberatungsstellen halten mit diesen Schulungen Glücksspielanbieter dazu an, Verantwortung zu über- nehmen und damit den Spielerschutz zu unterstützen. 8.3 Kindergruppen Regenbogen für Kinder aus suchtbelasteten Familien (DSM) In Deutschland wächst fast jedes sechste Kind mit mindestens einem suchtkranken Elternteil auf. Das sind über vier Millionen Kinder und Jugendliche, wobei die tatsächliche Zahl aufgrund der Dunkelziffer vermutlich noch deutlich höher liegt (Quelle: 2025 Der Beauftragte der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen). Viele die- ser jungen Menschen sind direkt oder indirekt von den Folgen des schädlichen Gebrauchs oder der Abhängigkeit ihrer Eltern betroffen. Um diese Zielgruppe gezielt zu unterstützen, bietet die Diakonische Suchthilfe Mittelbaden in Karlsruhe aktuell fünf Kindergruppen für Kinder und Jugendliche aus suchtbelasteten Familien an. Dazu zäh- len altershomogene Kleingruppen für Kinder im Alter von sechs bis zwölf Jahren, eine spezielle Gruppe für Jun- gen im Alter von 11 bis 16 Jahren mit erlebnispädagogischem Schwerpunkt sowie eine Jugendgruppe für Ju- gendliche im Alter von 13 bis 18 Jahren, die in Kooperation mit der Fachstelle Sucht des bwlv Bruchsal durchge- führt wird. Ziel dieser Angebote ist es, protektive Faktoren zu verbessern, die Resilienz der Kinder zu stärken und die Familien in ihrer jeweiligen Situation zu unterstützen. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 13 8.4 Betriebliche Suchtprävention (Sucht und Arbeit) Die Beratungsstellen von bwlv und DSM bieten interessierten Firmen, Ämtern und Behörden Vorträge, Work- shops und Schulungen zu suchtspezifischen wie gesundheitsrelevanten Fragestellungen an. Dies reicht von Nichtraucherkursen über Unterstützung bei der Erstellung von Suchtvereinbarungen, der Schulung von Auszubil- denden bis hin zum Coaching von Führungskräften bei themenspezifischen Fragestellungen. Der bwlv bietet des Weiteren eine Schulungsreihe für ehrenamtliche Suchtkrankenhelfer*innen in Betrieben an, die anschließend in Form regelmäßig stattfindender Runder Tische weiter betreut und unterstützt werden. 8.5 Prävention an Schulen zum Thema Essstörungen (DSM) Die Beratungsstelle BESS führt eine Vielzahl unterschiedlicher Veranstaltungen zum Thema Essstörungen durch, die sich sowohl an Kinder und Jugendliche, als auch an Eltern, Lehrer*innen, Schulsozialarbeiter*innen und an- dere Bezugspersonen richten. Der Bedarf aus dem System Schule ist im Bereich Prävention enorm. 14 | Suchthilfe Karlsruhe 9. Netzwerke 9.1 Netzwerk Essstörungen Im Netzwerk Essstörungen haben sich verschiedene Einrichtungen und Angebote aus der Stadt und dem Land- kreis Karlsruhe zusammengeschlossen, für die das Thema Essstörungen relevant ist. Das Netzwerk wird über die Beratungs- und Informationsstelle bei Essstörungen (BESS) organisiert und koordiniert. Behandelt werden rele- vante Fragestellungen der Zusammenarbeit sowie fachliche Themen. Das Gremium stellt einen wichtigen Bau- stein im psychosozialen Versorgungskontext der Region dar, da hier zahlreiche relevante Akteure wie Kliniken, Fachstellen, die Selbsthilfe sowie einige Ärzte und Psychotherapeuten eingebunden sind. Zweimal jährlich findet ein Netzwerktreffen statt. Außerdem wurde ein Newsletter ins Leben gerufen, der viertel- jährlich erscheint und als Kommunikationsmedium zum Informationsaustausch innerhalb des Netzwerks dient. 9.2 Runder Tisch Suchtberatung Karlsruhe Die für die Stadt Karlsruhe tätigen Suchtberatungsstellen (bwlv, DSM und JDB) treffen sich zweimal jährlich zum Austausch mit dem Ziel, sich über die jeweiligen aktuellen Angebote und Entwicklungen zu informieren, Koope- rationen zu einzelnen Themen abzustimmen und die Suchtberatung in Karlsruhe gemeinsam, orientiert an den aktuellen Bedarfen, weiterzuentwickeln. Moderiert und geleitet wird das Treffen von der Suchthilfekoordinatorin der Stadt Karlsruhe. Darüber hinaus werden über den Runden Tisch Arbeitsgruppen zu spezifischen aktuellen Themen (zum Beispiel exzessive Mediennutzung) auf der Ebene der Mitarbeitenden aller drei Beratungsstellen initiiert. 9.3 Drogenhilfe Karlsruhe Die Drogenhilfe Karlsruhe setzt sich aus den verschiedenen Einrichtungen der AWO (getIN-Kontaktladen, KID- Hilfe für drogenabhängige Eltern und deren Kinder, K76-Drogenkonsumraum, AWO-Ambulanz) und der städti- schen Jugend- und Drogenberatungsstelle zusammen. All diese Einrichtungen arbeiten schwerpunktmäßig mit von illegalen Drogen abhängigen Menschen und den Problematiken, die im Umfeld dieser Substanzen bestehen. Es existieren verschiedene themenbezogene Gremien. 9.4 Suchthilfenetzwerk Das gemeinsame Suchthilfenetzwerk von Stadt und Landkreis Karlsruhe wurde im Jahr 2008 auf Empfehlung des Ministeriums für Arbeit und Soziales gegründet. Mitglieder dieses Netzwerkes sind Beratungsstellen, Selbsthilfe, Krankenkassen, Rentenversicherung, Kranken- häuser, Fachkliniken, Jobcenter, Telefonseelsorge, Fachärzte sowie die Landesapothekerkammer. Ziele dieses Gremiums sind die Vernetzung der vielfältigen Akteure, die inhaltliche Abstimmung der Angebote, die Verhinderung von Parallelstrukturen, der Austausch über aktuelle Entwicklungen und die Weiterentwicklung von Suchthilfe und Suchtprävention. 9.5 Qualitätszirkel Substitution In diesem Gremium treffen sich viermal jährlich die substituierenden Ärztinnen und Ärzte, die Sozialarbeiter*in- nen der psychosozialen Betreuung und Vertreter*innen der Apotheken aus Stadt und Landkreis Karlsruhe. Ziel ist neben dem regelmäßigen Austausch die fachliche Weiterentwicklung und die Förderung der Kooperation. Sozial- und Jugendbehörde – Suchthilfekoordination | 15 10. Kommunale Beauftragte für Suchtprävention/Kommu- nale Suchtbeauftragte (BFS/KSB) (Stadt Karlsruhe) Diese Stelle wird vom Land gefördert. Voraussetzung der Förderung ist das Bestehen eines kommunalen Sucht- hilfenetzwerkes mit der Geschäftsführung durch die Suchtbeauftragte. Die Stelle kann in Personalunion oder ge- trennt nach Prävention und Suchthilfe bestellt werden. Die Beauftragte für Suchtprävention der Stadt Karlsruhe ist für die gesamte Suchtpräventionsplanung zuständig. Hierzu gehören eine Bestandsaufnahme, die Sammlung von Informationen und die Beobachtung von Entwick- lungen und Veränderungen in der Suchtprävention. Aktive Öffentlichkeitsarbeit, Gremienarbeit, Dokumentation und die operative Tätigkeit in Kooperation mit diversen Netzwerkpartnerinnen und Netzwerkpartnern sind eben- falls ein großer Bestandteil des Arbeitsalltags. Die Suchthilfekoordinatorin/Drogenbeauftragte der Stadt Karlsruhe ist zuständig für die Planung, Initiierung und Koordinierung von Maßnahmen im Bereich der Suchthilfe. Zum Aufgabengebiet der Suchthilfekoordination ge- hören neben der Geschäftsführung des Suchthilfenetzwerkes, die Bestandsaufnahme der aktuellen Situation, die Sammlung von Informationen und die Beobachtung von Entwicklungen im Suchthilfebereich. Gemeinsam mit den Partnerinnen und Partnern aus dem Suchthilfenetzwerk werden neue Projekte auf den Weg gebracht und die Suchthilfe in der Stadt Karlsruhe bedarfsgerecht und zeitgemäß weiterentwickelt. 16 | Suchthilfe Karlsruhe Impressum Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Suchthilfekoordination Redaktion Cordula Sailer Titelbild AdobeStock – Hubertus Kahl Layout Vorreiter Stand September 2025