Badisches Staatstheater, Sanierung und Erweiterung, Sachstand und Kostenentwicklung

Vorlage: 2025/0981
Art: Informationsvorlage
Datum: 16.10.2025
Letzte Änderung: 11.12.2025
Unter Leitung von: Stabsstelle Projektcontrolling
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 25.11.2025

    TOP: 20

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage_NEU
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0981 Verantwortlich: Dez. Dienststelle: Stabsstelle Projektcontrolling Badisches Staatstheater, Sanierung und Erweiterung, Sachstand und Kostenentwicklung Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Haupt- und Finanzausschuss 11.11.2025 6 N Vorberatung Gemeinderat 25.11.2025 20 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Gemeinderat nimmt nach Vorberatung im Haupt – und Finanzausschuss den Sachstand und die Kostenentwicklung zur Kenntnis Finanzielle Auswirkungen Ja ☒ Nein ☐ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☐ Ja ☒ abgestimmt mit KMK – 2 – Erläuterungen Das Badische Staatstheater wird nach 50 Jahren Betrieb gerade umfassend saniert und erweitert. Neben einer baulich – technischen Sanierung stehen die Verbesserung des Arbeitsschutzes, des Brandschutzes und der Barrierefreiheit im Fokus. Alle ausgelagerten Bereiche mit Ausnahme des Kulissenlagers werden am Hauptstandort zusammengeführt. Die inhaltliche Entwicklung des Theaters zu einem offenen Haus für eine offene Gesellschaft bildet sich in einer räumlichen Weiterentwicklung des Bestandsgebäudes ab (Dritter Ort). Das Land Baden – Württemberg und die Stadt Karlsruhe sind je hälftig Eigentümer des Grundstücks und des Gebäudes. Die Baumaßnahmen werden durch das Land, Vermögen und Bau, Amt Karlsruhe durchgeführt. Die Finanzierung erfolgt – wie in den siebziger Jahren – durch Land und Stadt zu gleichen Teilen. Wesentliche Entscheidungen werden mit der Stadt Karlsruhe als „passivem Bauherrn“ fortlaufend abgestimmt. Die Planung basiert auf dem 2015 aus einem internationalen Architektenwettbewerb hervorgegangenen Siegerentwurf der Architekten Delugan – Meissl, Wien mit Wenzel + Wenzel Karlsruhe. Der Gemeinderat hat sich zuletzt am 22.06.2021 umfassend mit dem Gesamtprojekt befasst und der Fortführung des Projekts mit einem Kostenrahmen von 508 Mio. Euro (ohne Kosten für Interims, Freianlagen und Ausstattung) zugestimmt, verknüpft mit fünf Forderungen: o Abschluss einer Finanzierungsvereinbarung o Schrittweise Reduzierung der Betriebskosten um 5% o Fortlaufende Prüfung von Verbesserungen zur Nachhaltigkeit und Einarbeitung in die Planung o Einrichtung eines baubegleitenden Gremiums unter Einbeziehung aller Gemeinderatsfraktionen zur transparenten Verfolgung des Projekts, Optimierung des Kostencontrollings o Möglichst geringer Aufwand für Interimsunterbringungen bei Aufrechterhaltung der Funktionsfähigkeit und des künstlerischen Anspruchs des Theaters Dieser Beschluss ist in seinen Kernpunkten umgesetzt worden: Bereits zur Herbstsitzung 2021 konnten alle Fraktionen, die nicht im Verwaltungsrat vertreten sind, als Gäste an der Sitzung des Bauausschusses teilnehmen. Der regelmäßige Projektstatusbericht ist für die Fraktionen zugänglich (vertraulicher Behandlung). Verbesserungen zur Nachhaltigkeit sind fortlaufend in Prüfung. So konnten z.B. die Flächen für die Dachbegrünung von 2.800 qm auf 4.400 qm vergrößert werden. Ende 2022 wurde eine Finanzierungsvereinbarung (HA 8.11.2022/ GR 15.11.2022) mit dem Land abgeschlossen, die für die Stadt eine Finanzierung des Projekts in jährlichen Raten vorsieht. Die Umstellung auf Ratenzahlung erfolgte 2022, ab dem DHH 2026/2027 sind jährliche Raten von 20 Millionen Euro pro Jahr vorgesehen mit einer Restrate 2037. Die vereinbarte Ratenzahlung garantiert eine planbare, kontinuierliche Abfinanzierung ohne überraschende Belastungen der aktuellen Haushalte. Das Projekt wird bei laufendem Betrieb in vier Abschnitten realisiert. Modul 1 und Modul 2 müssen in Betrieb gehen, bevor mit Modul 3 begonnen werden kann. Vorwegmaßnahmen 2020 – 2022 Die Vorwegmaßnahmen umfassten die Verlegung der Zu – und Ausfahrten der Tiefgarage, den Bau des „Neuen Entrées“ als Provisorium für Gastronomie, Besuchertoiletten, Garderoben und Kasse – 3 – sowie den Abbruch der alten Kassenhalle. Sie sind zu 98 % schlussgerechnet im vorgesehenen Kostenrahmen von 23 Mio. Euro. Modul 1 2022 bis 2027 (geplant) Modul 1 umfasst den Neubau des Kleinen Hauses mit 400 Plätzen einschließlich Gastronomie und des Jungen Staatstheaters mit 150 Plätzen sowie den diesen Bühnen zugeordnete Probebühnen, Büros und Funktionsräume. Der Rohbau ist fertiggestellt. Derzeit laufen Arbeiten an der Fassade, technischer Ausbau und Innenausbau. Rd. 77% des Auftragsvolumens ist vergeben. Aufgrund des in den letzten Jahren enorm gestiegenen Baupreise, die in diesem Umfang 2021 noch nicht absehbar waren und teilweise eingetretener Risiken können die Baupreissteigerungen nicht mehr über das Risikobudget der Bauherren abgefangen werden. Wesentliche unvorhersehbare Kostenfaktoren waren dabei die Herstellung der Kampfmittelfreiheit und die Verbesserung des Baugrundes. Kampfmittelsondierungen konnten erst nach Abbruch der nicht unterkellerten Kassenhalle durchgeführt werden. Dabei wurden Hindernisse gefunden, die partiell zu aufwändigen Spezialgründungen führten. Zudem musste der Baugrund mit Flüssigboden verdichtet werden. Es zeichnen sich Mehrkosten von rd. 16 Mio. Euro ab, so dass sich das Budget von 144 Mio. Euro auf 160 Mio. Euro erhöht. Aufgrund des Umfangs der bereits beauftragten Leistungen ist die Prognose mit großer Sicherheit hinterlegt. Modul 2 2025 bis 2028 (geplant) Modul 2 umfasst den Neubau des Probenzentrums mit Proberäumen für Orchester, Chor und Ballett sowie Probebühnen einschließlich den dazugehörigen Büros und Funktionsräumen. Hier wurde im Frühjahr mit dem Bau begonnen. Die Infrastrukturmaßnahmen (Stauraumkanal Regenwasser) sind abgeschlossen, mit dem Rohbau wurde begonnen. Rd. 23 % des Auftragsvolumens ist vergeben. Durch die Aktualisierung der Baupreissteigerungen und die Überarbeitung der Risikobewertung, bei der die Erfahrungen aus Modul 1 eingeflossen sind, ergeben sich Mehrkosten von rd. 18 Mio. Euro, so dass das Budget von 77 Mio. Euro (Kostenschätzung) bei 95 Mio. Euro (Kostenberechnung) liegt. Auch diese Prognose beinhaltet eine große Kostensicherheit, da viele Gewerke wie Dach, Fassade und technischer Ausbau aus Modul 1 weitergeführt werden und damit aktuelle Marktpreise vorliegen. Die Ausbaugewerke Hochbau und Technik sollen als Vergabepaket an einen Generalunternehmer erfolgen (Erhöhung der Kosten – und Terminsicherheit) Insgesamt werden für die Module 1 und 2 zusätzlich 34 Mio. Euro benötigt, wovon 24 Mio. Euro allein aus den erheblichen Baupreissteigerungen notwendig werden. Modul 3 geplant 2028 – 2034 Modul 3 umfasst die Sanierung des Großen Hauses (1000 Plätze) sowie des übrigen Bestandsgebäudes, die Ergänzung des Foyers, den Umbau und die Erweiterung aller Werkstätten und der Verwaltung, außerdem eine Studiobühne (150 Plätze) und eine Werkstattbühne (60 Plätze). Im Gegensatz zu den beiden Vorgängermodulen überwiegt hier der Sanierungsanteil. Für Modul 3 liegt seit Sommer 2025 eine Entwurfsplanung mit Kostenberechnung vor, die erhebliche Mehrkosten gegenüber dem ursprünglichen Planwert von 264 Mio. Euro (Kostenschätzung 2020) ausweist. Aktuell ruht die Weiterplanung und es findet eine substanzielle Prüfung der funktionalen und bautechnischen Anforderungen statt. Federführend durch ein externes Büro werden in Zusammenarbeit von Theater, Land und Stadt systematisch Einsparpotenziale erarbeitet, in Steckbriefen zusammengeführt und die Auswirkungen auf Bau und Betrieb bewertet. In einer Sondersitzung des Bauausschusses Bad. Staatstheater und nachfolgender Verwaltungsratssitzung am 3. Dezember 2025 sollen die Methodik und die bis dahin erarbeiteten Ergebnisse vorgestellt werden. – 4 – Kostenübersicht Vorwegmaßnahmen und Module 1-3 Vorwegm. Modul 1 Modul 2 Modul 3 Gesamt Planwert 23 Mio. € 144 Mio. € 77 Mio. € 264 Mio. € 508 Mio. € Kostenprognose 23 Mio. € 160 Mio. € 95 Mio. € in Überarbeitung In Überarbeitung Kostenfest- stellung 23 Mio. € Mehrkosten Keine 16 Mio. € 18 Mio. € In Überarbeitung In Überarbeitung Zur Refinanzierung der Mehrkosten soll die Finanzierungsvereinbarung fortgeschrieben werden. Kosten für Freianlagen, Interims und nutzerspezifische Ausstattung Diese Kosten können weiterhin nicht benannt werden, da wesentliche Teile derzeit noch bearbeitet werden. Bei der Finanzierungsvereinbarung ist bei der Ratenbildung eine erste Tranche von 65 Mio. Euro (insgesamt für Stadt und Land) berücksichtigt worden. Für die Freianlagen wird gerade die Entwurfsplanung mit Kostenberechnung erstellt. Ein möglicher Baubeginn ist etwa ab Sommer 2030 vorgesehen. Mit der Planung für die nutzerspezifische Ausstattung (u.a. lose Möblierung, Telefonie), die durch das Theater erfolgt, wurde im Sommer 2025 begonnen. Für Interimsunterbringungen sind in den letzten Jahren Anmietungen für Büros und Kostümfundus notwendig geworden mit einem Aufwand aktuell von rd. 300.000 Euro pro Jahr. Der Umbau des Ergotti – Gebäudes für die Kostümabteilung ist abgeschlossen und beläuft sich auf 2,75 Mio. Euro. Die Finanzierung konnte hier außerhalb der Hauptmaßnahme erfolgen. Für die Auslagerung der Werkstätten während des Umbaus von Modul 3 werden gerade mögliche Optionen geprüft. Die ursprünglich geplante Unterbringung in der Nancyhalle scheiterte an den zu geringen Deckenlasten. Interim Konzerthaus Auch das Große Haus muss während der Realisierung von Modul 3 verlagert werden. Als Ersatzspielstätte ist das Konzerthaus vorgesehen. Nachdem die Vorplanung mit Kostenschätzung zunächst 39,5 Mio. Euro ergeben hatte, wurde die Planung grundsätzlich hinterfragt. Durch Anpassung der Bedarfe durch das Theater, Umsetzung der Minimalanforderungen ohne Eingriffe in das Tragwerk und eine Veränderung der Bühnentechnik weist die neue Planung nun Kosten von 23,35 Mio. Euro aus. Sie beschränkt sich auf die Nutzung des Konzerthauses (3. und 4. OG weiterhin Nutzung KMK) und partiell des Konferenzgebäudes (2.OG, Verbindung über Brücke). Die größte Einsparung ist bei der Bühnentechnik mit 9,2 Mio. Euro zu verbuchen. Sie kann auch nach Auszug des Theaters weiter genutzt werden. Trotz aller Reduzierungen gelingt es, die Funktionsfähigkeit und den künstlerischen Anspruch des Staatstheaters zu erhalten. Die Mietkonditionen während der Interimsnutzung müssen noch zwischen Vermögen und Bau, Amt Karlsruhe und Stadt/ KMK verhandelt werden. Unabhängig von den baulichen Maßnahmen für das Interim und die Vermietung, die je hälftig von Land und Stadt finanziert werden, fallen für das Konzerthaus notwendige Brandschutz – und Dachsanierungsmaßnahmen in Höhe von 11,5 Mio. Euro an, die für den Weiterbetrieb unabdingbar sind. Sie werden sinnvoll mit den Arbeiten für das Interim verknüpft, müssen aber zu 100% von der Stadt getragen werden. Ausblick: – 5 – o Sondersitzung Bauausschuss Bad. Staatstheater und Verwaltungsrat Bad. Staatstheater mit ersten Ergebnissen zu den Einsparpotenzialen bei Modul 3 o Frühjahr (voraussichtlich März) 2026: konkrete Ergebnisse für die Kosten Modul 3 und mögliche Auswirkungen auf den Terminplan

  • Protokoll GR 25.11.2025 TOP 20
    Extrahierter Text

    Niederschrift 17. Plenarsitzung des Gemeinderates 25. November 2025, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 20 der Tagesordnung Badisches Staatstheater, Sanierung und Erweiterung, Sach- stand und Kostenentwicklung Vorlage: 2025/0981 Beschluss: Kenntnisnahme Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 20 zur Behandlung auf und verweist auf die er- folgte Vorberatung im Haupt- und Kulturausschuss am 11. November 2025: Das ist eine Informationsvorlage. Stadtrat Dr. Cremer (GRÜNE): Wir begrüßen es sehr, dass mit dieser Vorlage die Kosten- steigerungen bei der Sanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters nun öffent- lich werden und dass wir hier im Gemeinderat darüber debattieren können. Transparenz ist ein sehr wesentliches Element der Demokratie, auch wenn wir solche schlechten Nachrich- ten haben. Kostensteigerungen sind natürlich für uns in der derzeitigen Haushaltssituation wahrlich nicht das, was wir brauchen können, keine gute Nachricht. Sie sind allerdings nicht das Ergebnis schlechten Arbeitens der öffentlichen Hand. Das Badische Staatstheater ist kein Beispiel für ein schlecht laufendes Bauprojekt von Land und Stadt. Das ist mir sehr wichtig, das zu betonen. Bei der Planung, die Grundlage für diesen Baubeschluss war, haben wir große Puffer für Risiken berücksichtigt. Diese haben nicht ausgereicht, weil unvorhergesehene Ereignisse eingetreten sind. Diese massiven Baupreissteigerungen wurden ausgelöst durch die Infla- tion infolge von Corona und der Energiepreiskrise. Und die waren erheblich höher als das, was wir vernünftigerweise hätten erwarten können. Wir müssen mit einem vernünftigen Ansatz planen. Wir hätten natürlich noch 100 Prozent Baupreissteigerungen einplanen können. Das hätte uns aber dann eine Summe gegeben, die aus damaliger Sicht nicht hätte realistisch erscheinen wollen. – 2 – Sollten wir jetzt einfach so weitermachen wie geplant? Ganz sicher nicht. Wir sollten den Bau zwar auf jeden Fall fortführen, aber dabei prüfen, welcher Bau aus heutiger Situation und heutiger Sicht für uns der richtige ist. Wir müssen daran arbeiten, die Mehrkosten, so gut es geht, wieder zu reduzieren. Daher begrüßen wir es, wie ich schon gesagt hatte auch vergangene Woche in der Haushaltsrede, wir GRÜNEN begrüßen es sehr, dass Stadt, Land und die Theaterleitung gemeinsam untersuchen, worauf doch verzichtet werden könnte. Auch wir Karlsruher*innen werden dann auf Elemente im Theater verzichten müssen, die eigentlich wünschenswert wären. Aber diese Maßnahmen zur Kostendämpfung werden die Steigerungen nicht kompensieren können. Wir werden nicht wieder auf den ursprüngli- chen Plan zurückkommen. Dessen müssen wir uns auch bewusst sein. Umso mehr wünschen wir den Fachleuten bei Stadt, Land und Theaterleitung viel Kreativi- tät und gutes Gelingen. Und wir sind dann gespannt, was wir als Endergebnis dieser Unter- suchung herausbekommen werden. Wir hoffen, dass wir weiterhin ein gutes Staatstheater nach Sanierung und Erweiterung bekommen. Stadtrat Dr. Müller (CDU): Wir haben hier eine Kenntnisnahme. Diese Kenntnisnahme ist für uns alle nichts Schönes, was wir hier drin lesen müssen. Es ist gut, dass es transparent wird. Es ist gut, dass die Öffentlichkeit informiert wird. Dies war schon lange auch eine For- derung von uns, dass wir dies wollten, dass wir der Stadtgesellschaft sagen, was ihr Thea- ter kosten wird. Außer den Vorwegmaßnahmen ist nichts im Kostenplan geblieben. Alle anderen Module sind teurer. Modul 1 und Modul 2 sind teurer geworden. Wenn dies alles wäre, könnte man damit noch leben, aber beim Modul 3 wird es jetzt ganz kritisch. Und das ist natürlich auch der Bereich, der am meisten mit Sanierung zu tun hat. Hier ist der wesentliche Schwerpunkt, dieses Bestandsgebäude, große Hauswerkstätten, Proberäume zu sanieren. Da lässt sich natürlich auch die Frage stellen, wäre es nicht vielleicht doch klü- ger gewesen, einen Neubau zu installieren. Dies ist mir inzwischen schon fraglich, denn am Anfang hat es immer geheißen, es kostet nichts mehr, was natürlich für Nachhaltigkeit und so alles okay ist. Es kostet nicht mehr, die Sanierung zu machen, aber wir sehen, und Herr Cremer hat es auch angesprochen, es gab unvorhergesehene Sachen, auch im Untergrund, auch Kampfmittelbeseitigung, die uns da Zusatzkosten beschert haben. Es ist sicherlich jetzt richtig und wichtig, dass der Planungsstopp für Modul 3 passiert ist, dass Land, Stadt und Theaterleitung sich sehr redlich bemühen, jetzt noch das, was irgend- wie geht, bevor man eine Ruine stehenlässt, was jetzt noch geht, zu reduzieren und was vertretbar ist, auch zu machen. Da muss man auch dem Staatstheater und der Intendanz und allen Verantwortlichen danken, dass sie hier sich konstruktiv mit einbringen, denn sie sägen ein bisschen an ihrem eigenen ganzen Image. Aber sie arbeiten konstruktiv mit, hier eine Lösung für das badische Staatstheater zu bekommen. Dafür herzlichen Dank, und wir müssen jetzt schauen, dass die Kosten so gering wie möglich bleiben, denn was anderes bleibt uns derzeit nicht übrig. Stadträtin Ernemann (SPD): Wir reden heute nicht, wir diskutieren keinen Grundsatzbe- schluss, weil beschlossen wurde am 22.06.2021 der Kostenrahmen für das Badische Staatstheater, der Grundsatzbeschluss, 508 Millionen. 508 Millionen war die Ausgangsba- sis, aber ehrlich gesagt war doch jedem schon klar, dass 580 Millionen nicht die Endsumme sein wird. Was ist passiert? Es sind bei Modul 1 Mehrkosten von 16 Millionen entstanden, bei Modul 2 Mehrkosten von 18 Millionen, insgesamt Modul 1 und 2 Mehrkosten von – 3 – 34 Millionen, davon 24 Millionen Baupreissteigerungen. Der größte Brocken und das Schwierigste aber in dem ganzen Bauvorhaben ist das Modul 3. Hier geht es im Wesentli- chen um die Sanierung des großen Hauses und der Spielstätte mit 1.000 Plätzen. Für Mo- dul 3 liegt seit Sommer diesen Jahres eine Kostenschätzung vor mit erheblichen Mehrkos- ten gegenüber dem Planwert von 264 Millionen. Aktuell ruhen die Planungen, das war eine Entscheidung des Landes, der Stadt und des Verwaltungsrats des Badischen Staatstheaters. Es ruhen die Planungen, und man wird jetzt die bautechnischen Anforderungen überprüfen nach Einsparpotenzial. Das begrüßen wir sehr, und wir werden dann auf der Sondersitzung am 3. Dezember nächste Woche dann den eigentlichen finanziellen Sachstand und das weitere Vorgehen, was das Bauprojekt des Badischen Staatstheaters anbelangt, im Verwaltungsrat diskutieren. Aus diesem Grunde kann ich zum heutigen Tag oder zum jetzigen Zeitpunkt nichts näher dazu sagen. Es ist bit- ter, dass diese Kostensteigerung eingetreten ist, aber ehrlich gesagt war es klar. Jetzt müs- sen wir sehen, wie wir weiter damit umgehen. Ein Baustopp, wie der Kollege von der CDU das eben vorgeschlagen hat, war in meiner Fraktion nie Gegenstand der Diskussion. Stadtrat Schnell (AfD): Dass eines unserer Projekte im Kostenrahmen bleibt, ist mittlerweile so selten geworden wie das Finden eines vierblättrigen Kleeblattes auf dem Marktplatz. Ich sage da nur Stadthalle, jetzt also auch beim Badischen Staatstheater. Als wir das damals im Gemeinderat beschlossen hatten, wurde uns versichert, dass mit dem großzügigen einkal- kulierten Risikoprofis diesmal ganz bestimmt der Kostenrahmen eingehalten würde. Da- nach sieht es nicht mehr aus. Die Zahlen aus der Vorlage für die Module 1 und 2 sind da- bei, ohne in Details zu gehen, nur die Spitze des Eisberges. Denn was uns wirklich Sorgen machen muss, ist das, was nicht in der Vorlage steht, nämlich die Beträge, die dort stehen müssten, wo jetzt nur schlicht „in Überarbeitung“ steht, also bei Modul 3 und damit im Größten von allen, somit auch den Gesamtkosten. Da musste, wie man uns beschied, das Modul 3 auch aus anderen Modulen Teile aufgrund des Bauaufbaus übernehmen. Dazu gibt es dann erst Näheres in der sich damit befassenden Sitzung am 3. Dezember. In Anbetracht der Tatsache, dass es mittlerweile Stimmen aus der Stadtgesellschaft gibt, die hier lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende wünschen, sollte man, je nachdem was uns Anfang Dezember präsentiert werden wird, vielleicht den einen oder an- deren Gedanken einer Exit-Strategie widmen. Ich kann dabei nur hoffen, dass es bezüglich des Moduls 3 kostenmäßig zu nicht viel mehr als einem dunkelblauen Auge kommen wird, alles andere wäre fatal. Stadträtin Lorenz (FDP/FW): Sehr Herr Oberbürgermeister, Sie haben in einer Sitzung mal gesagt, und für alle die, die schon immer wussten, dass es sowieso am Ende teurer wird, und ich muss Ihnen sagen, ich bin eine Frau, ich habe gern Recht. In diesem Fall wäre es mir allerdings lieber gewesen, ich hätte nicht Recht gehabt, ganz ehrlich. Wenn man sich einmal anguckt, in welcher Phase des Projekts wir sind, und ich muss auch Lob ausspre- chen bei allem, es wurde schon erwähnt, in Stadt und Land und auch Theaterleitung ist man fieberhaft bemüht, das einzudämmen. Teilweise wird das sicherlich auch gelingen, aber wenn man überlegt, wie lange die Bauphase noch geht, und ich gehe jetzt einmal da- von aus, dass es keinen Ausstieg geben wird aus dem Gesamtprojekt, muss ich es mit Wil- helm Busch sagen, „aber wehe, wehe, wenn ich auf das Ende sehe“. – 4 – Die ganze Sache wäre gar nicht so fatal, aber wir befinden uns nun einmal in der Lage, in der wir in Karlsruhe gerade sind, und wir Stadträte kriegen bei jeder Gelegenheit bei der Bevölkerung aufs Butterbrot geschmiert: „Ja, ins Theater, da könnt ihr Millionen reinpum- pen, und da habt ihr überhaupt keine Skrupel, und da wird bei mir gekürzt, und da muss ich mehr zahlen, und das verstehe ich nicht.“ Das ist ein Riesendilemma, und da können Sie als Oberbürgermeister oder wir als Stadträte tausendmal erklären, dass das unterschied- liche Haushalte und unterschiedliche Töpfe sind. Das versteht in der Bevölkerung niemand. Ich bin gespannt auf die findigen Ideen, die jetzt in den nächsten Sitzungen noch auftau- chen, wie wir das Fiasko eindämmen werden. Stadtrat Haug (KAL): Mit dem vorliegenden Sachstandsbericht bekommen wir und vor al- lem die Öffentlichkeit transparent die Kostenentwicklung dieser zentralen Maßnahme vor- gelegt. Vor Ort sieht man, es geht voran, da wird Großes entstehen. Die angebotenen Füh- rungen durch die Baustelle sind unbedingt zu empfehlen und veranschaulichen die kom- plexe Maßnahme. Sie schaffen Verständnis für die derzeitige Situation. Kostensteigerungen sind immer ärgerlich und in dieser Zeit mit schmerzhaften Kürzungen gerade in der Kultur im besonderen Maße. Kostensteigerungen beim Bauen im Bestand sind aber nichts Unge- wöhnliches. Viele Probleme tauchen im Bauprozess auf und können nie ganz ausgeschlos- sen werden. Umso wichtiger ist, wie wird darauf reagiert. Unser Eindruck ist, da wird gut gearbeitet. Es wird auf Unvorhergesehenes reagiert und nach konstruktiven Lösungen ge- sucht. Der andere gravierende Teil sind die enormen Preissteigerungen in der Bauwirtschaft. Diese durch Corona und auch den Folgen des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine waren weder vorhersehbar, noch liegen sie in der Verantwortung der Bauherrschaft. Vor diesem Hintergrund sind die Kostensteigerungen in Modul 1 und 2 aus unserer Sicht moderat und die Vorwegmaßnahmen, die nicht in dem Maße von der genannten Entwicklung betroffen werden, wurden in den vorgesehenen Kostenrahmen durchgeführt. Die wirkliche Heraus- forderung mit der Sanierung des großen Hauses im Modul 3 liegt noch vor uns. Die zu be- fürchteten Mehrkosten wären nicht tragbar. Deshalb sind nun alle Beteiligten auf der Su- che nach Einsparmöglichkeiten, um diese bedeutsamen Maßnahmen für die Stadt Karls- ruhe zu einem verantwortbaren Ende zu führen. Hier ist vor allem die Theaterleitung gefor- dert, und die ist schon auf dem Weg. Wir nehmen wahr, dass hier alles hinterfragt wird und konstruktiv nach Einsparmöglichkeiten gesucht wird. Bei dem Konzerthaus konnten dadurch schon 16 Millionen eingespart werden. Insofern sehen wir der Sondersitzung des Verwaltungsrates am 3. Dezember mit Spannung entgegen. Bei all dem sollten wir aber nicht aus dem Blick verlieren, um was es hier geht. Wir wollen ein hochprofessionelles Mehrspartenhaus mit Strahlkraft in der Region und keine Karlsruher Lösung wie in den 70ern mit dem Sparen am falschen Platz. Die Mitarbei- ter*innen des Theaters werden dann wieder angemessene Arbeitsbedingungen haben. Ne- ben der eigentlichen Sanierung ist das zugrunde liegende Konzept auch für die Stadtgesell- schaft von unschätzbarem Wert. Hier wird ein öffentlicher, nicht-kommerzieller Raum ent- stehen, der rund um die Uhr zugänglich ist, im Herzen unserer Stadt. Hier wird es Raum für Ideen und Projekte der Bürger*innen geben. Stadtrat Kalmbach (FÜR): Ein kleines Vorwort. Ich habe gar nichts gegen das Badische Staatstheater. Ich gehe sogar hin und wieder hin, und ich freue mich daran, an dieser Pro- fessionalität, an dieser Schönheit, gar keine Frage. Aber trotzdem, Badisches Staatstheater, – 5 – nicht um jeden Preis. Ich kann mich noch gut entsinnen, wir haben damals die Diskussion gehabt, als es um 508 Millionen ging, ich habe gesagt damals 700. Und dann bin ich nicht beschimpft worden. Es war nicht so, dass die ganzen Kollegen gesagt haben, es wird so- wieso teurer. Mir ist versichert worden, es bleibt in dem Preis drin. Da ist 25 Prozent Puffer drin, und es hat nicht gereicht. Und natürlich haben wir immer wieder gute Gründe, wa- rum das nicht reicht. Das haben wir bei jedem großen Projekt immer gehabt. Man konnte immer erklären, warum es teurer wird. Aber ich will das nicht vertiefen. Mir ist wichtig zu sagen, wir müssen trotzdem eine Grenze einsetzen, wo wir sagen, das können wir nicht. Vorhin hatten wir bei einer Laufnacht mit 21.000 Euro gesagt, das geht nicht mehr. Da müssen wir auch eine Obergrenze einziehen und sagen, irgendwo ist eine Grenze, wo es nicht mehr geht. Und deswegen nicht um jeden Preis, aber ich stehe positiv dazu, wir müssen aber jetzt alles tun, aber wirklich alles. Und bei der letzten Ausschusssit- zung war es so, dass nicht die Bereitschaft da war, auf ein gewisses Preissegment einzuge- hen und eine Grenze zu ziehen. Da war es schon eher so, gucken wir mal, wie es wird. Deswegen, meine Damen und Herren, es braucht eine wirklich maximale Anstrengung, wirklich einen Kostenrahmen zu halten. Der Vorsitzende: Vielen Dank, ich glaube annähernd 90, vielleicht sind es auch nur 80 Pro- zent der städtischen Baumaßnahmen bleiben im Budget. Und alle Maßnahmen, die relativ schnell darüber hinausgehen, sind sehr komplexe Maßnahmen, die vor allem mehrere Jahre Bauzeit haben. Ich bin völlig bei Ihnen, Herr Kalmbach, also ich war mir eigentlich re- lativ sicher, dass die 25 Prozent ausreichen. Trotzdem habe ich Ihrem Drängen, jetzt sozu- sagen mein Leben an den seidenen Faden zu hängen in der Zusage, dass das auch so klappt, damals nicht stattgegeben, weil ich genau wusste, man ist ja gebranntes Kind, dass immer dann die Dinge doch noch ein bisschen anders kommen können. Und die Frage, wäre ein Neubau am Ende günstiger, die kann man an dem Modul 1 und 2 eigentlich schon verneinen, denn es sind Neubauten, es sind zwei Module, die an den Alt- bau mehr oder minder herangeklatscht sind, und die Teuerung kam vor allem durch Altlas- ten, Kampfmittelbeseitigung. Das haben Sie bei einem Neubau genauso. Die komplizierten Dinge kommen jetzt erst, und wir sind sehr, sehr dankbar, dass die Theaterleitung bereit ist, im Grunde ihr fast komplettes Konzept für das Modul 3 über den Haufen zu schmeißen mit der Zielsetzung, möglichst wenig in das Gebäude einzugreifen. Bei der bisherigen Pla- nung ist man tief in das Gebäude eingegriffen, weil man die optimale Funktionalität errei- chen wollte. Jetzt wird es genau andersherum betrachtet. Wir wissen, jeder Eingriff in den Altbau ist immer sozusagen der Griff in die Überraschungskiste. Dann ist man manchmal überrascht, was man da alles herausgreift. Wir werden ein bisschen beneidet aus der Stutt- garter Perspektive, wie konstruktiv wir, vor allem auch wie die Theaterleitung damit um- geht. Und insofern, Herr Stadtrat Kalmbach, Sie haben viel Beifall bekommen, eine Obergrenze einzuziehen, wo wir dann nach der Hälfte von Modul 3 feststellen, wir können sie nicht einhalten, vermittelt ein positives Gefühl, aber eine unrealistische Perspektive. Deswegen müssen wir uns ganz ernsthaft mit diesen Einsparvorschlägen beschäftigen, die eine zwei- stellige Millionenhöhe haben werden. Wir haben am 3. Dezember eine Sitzung, wo es noch nicht so detailliert sein wird, wie ich mir das wünsche. Wir werden aber dann bis März/April, wenn dann die nächste Verwaltungsratssitzung ist, endgültig die Sicherheit ha- ben. Vielen Dank für die auch positiven Rückmeldungen über die Haltung, die wir bei dem – 6 – Badischen Staatstheater vorfinden. Das ist alles andere als selbstverständlich. Und ein Stück weit müssen wir die Sache jetzt zum Abschluss bringen. aber nicht auf Teufel komm raus, aber in einer vernünftigen Abwägung zwischen möglichst wenig anfassen, möglichst aber die Zielsetzungen erreichen, die unabdingbar sind, Barrierefreiheit, Brandschutz und auch Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden. Es geht am Ende auch um Arbeitsplätze für 700 Menschen, die im Moment zum Teil ziemlich unwürdig sind und eigentlich schon seit Jahren so auch nicht mehr zu akzeptieren sind. Das ist so ein Faktor, den man vielleicht auch ein bisschen in der Diskussion berücksichtigen sollte. Vielen Dank für die Diskussion. Wir werden sicherlich noch öfters damit zu tun kriegen. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 11. Dezember 2025