Weiterentwicklung Fachstelle für Demokratie und Vielfalt - Lernort Stadion

Vorlage: 2025/0841
Art: Informationsvorlage
Datum: 03.09.2025
Letzte Änderung: 13.10.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Durlach

Beratungen

  • Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 15.10.2025

    TOP: 7

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Keine Angabe

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0841 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: stja Weiterentwicklung Fachstelle für Demokratie und Vielfalt - Lernort Stadion Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Jugendhilfeausschuss 15.10.2025 7 ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Jugendhilfeausschuss nimmt die Vorlage zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☒ Nein ☐ ☐ Investition ☒ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: - 25.000 Euro Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Reduzierung Mitteleinsatz um 25.000 € Finanzierung ☒ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Ausgangslage Politische Bildung ist schon immer eine Kernaufgabe des Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe (stja). Sie ergibt sich aus der Rolle als Dachverband der Karlsruher Jugendverbände und dem gesetzlichen Auftrag nach §11 Abs. 3 Sozialgesetzbuch (SGB) VIII. Dies wird zudem in der Satzung des stja sichtbar. Auszug aus der Satzung des Stadtjugendausschuss e.V. Karlsruhe: „Junge Menschen sind aufgerufen, in verantwortungsbewusstem Handeln ihren Beitrag zur Fortentwicklung der Demokratie in unserem Lande, in Europa und weltweit in Frieden, Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und im Sinne internationaler Solidarität zu leisten. Der Stadtjugendausschuss e. V., der sich ausdrücklich zum Grundgesetz bekennt, versteht seine Arbeit als Interessenvertretung seiner Mitgliedsverbände. Es ist auch seine Pflicht, Interessen nicht organisierter junger Menschen in die politische Diskussion einzubringen und ihnen Gehör zu verschaffen... Die Mitgestaltung und Mitbestimmung hinsichtlich der Durchsetzung der Interessen von jungen Menschen fördern, sie zur Selbstbestimmung befähigen und zu gesellschaftlicher Mitverantwortung und sozialem Engagement anregen. ... 1 “ Der stja erfüllt diese Aufgabe auf unterschiedliche Art und Weise und mit unterschiedlichen Formaten. Die Angebote und Projekte zur politischen Bildung sollen erreichen, dass Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene • demokratische Werte kennenlernen und erleben, • ihre Meinung vertreten und begründen können, 1 https://stja.de/themen/unsere-satzung/ Zusammenfassung: Politische Bildung ist ein gesetzlich verankerter Auftrag der Kinder- und Jugendarbeit und damit eine Kernaufgabe des Stadtjugendausschuss e.V. (stja). Umgesetzt wird sie durch eine Bandbreite von Angeboten und Beteiligungsformaten. Fortlaufend werden bestehende Angebote geprüft und weiterentwickelt. Ziel ist es, diese Arbeit kontinuierlich anzupassen, um auch Gruppen junger Menschen zu erreichen, die durch die bisherigen Formate nicht erreicht werden konnten. Eine Chance dazu bietet das Projekt Lernort Stadion. Dabei geht es um eine Verknüpfung von Profifußball und politischer Bildung. Der KSC als örtlicher Profi-Fußballverein und Mieter/Nutzer des Wildparkstadions ist hierfür der geeignete Partner. Die notwendige Koordinationsaufgabe übernimmt die Fachstelle für Demokratie und Vielfalt. Damit wird insbesondere die Weiterentwicklung der politischen Bildungsangebote in den Blick genommen, um dabei andere und mehr Zielgruppen zu erreichen. Es werden inhaltlich und methodisch zeitgemäße und wirksame Zugänge geschaffen und Synergien genutzt. Durch den Einsatz von Fördermitteln können gleichzeitig Einsparungen in Höhe von 25.000 € erzielt werden, was im Rahmen der Haushaltskonsolidierung als Maßnahme eingebracht wird. – 3 – • gesellschaftliche Zusammenhänge besser verstehen, • sich gegen Diskriminierung und Ausgrenzung einsetzen, • Motivation zur Mitgestaltung ihres Lebensumfeldes entwickeln. Politische Bildung im Alltag der Offenen Kinder- und Jugendarbeit (OKJA): Politische Bildung ist in der täglichen Arbeit in den Kinder- und Jugendhäusern (KJH) durch Gespräche, Projekte und Auseinandersetzung mit aktuellen Themen fest verankert. Junge Menschen werden motiviert, ihre Meinung zu äußern, sich kritisch auseinanderzusetzen und Verantwortung für ihr Umfeld zu übernehmen. Das KJH bietet eine Plattform eigene Interessen zu vertreten, sich mit anderen auseinanderzusetzen und Aushandlungsprozesse zu üben. Zusätzlich können aktuelle und geschichtliche Themen aufgegriffen und bearbeitet werden. Zum Beispiel - wurde die Ermordung der europäischen Juden und Jüdinnen durch die Nationalsozialisten von Jugendlichen selbst als Thema eingebracht. Das Thema wurde gemeinsam bearbeitet, recherchiert und eine Fahrt zur Gedenkstätte Dachau geplant und durchgeführt. - Im Vorfeld der Gemeinderatswahl 2024 und der Europawahl 2024 wurde mit den jungen Menschen eine inklusive Wahlveranstaltung organisiert. Wie funktioniert das mit der Kommunalwahl, und warum ist wählen gehen wichtig? Jugendliche aus den Kinder- und Jugendhäusern haben sich mit dem Wahlsystem auseinandergesetzt. In der Veranstaltung haben sie andere Jugendliche und junge Erwachsene dazu informiert. Außerdem waren Vertretungen der Stadtpolitik eingeladen, mit denen sie wichtige konkrete Themen diskutieren konnten. Fachliche Unterstützung und Themenschwerpunkte: Die Fachstellen Jugendbeteiligung und Partnerschaft für Demokratie ergänzen und unterstützen die Arbeit in den Kinder- und Jugendhäusern. Mit Angeboten wie den Beteiligungsplattformen „Meet Mi“, Jugendforen und dem AKS (Arbeitskreis der Karlsruher Schülervertretenden) sowie durch Workshops, Kurse und Schulungen werden unterschiedliche Gruppen angesprochen. Themen wie Demokratie, Vielfalt, Teilhabe, Antidiskriminierung und Menschenrechte stehen dabei im Mittelpunkt. Die Fachstelle für Demokratie und Vielfalt initiiert und koordiniert im stja Veranstaltungen, Projekte und Bildungsangebote zu den Themen extreme Rechte, gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit und Nationalsozialismus. Sie unterstützt Menschen und Organisationen in Karlsruhe, die sich in diesem Bereich engagieren und setzt sich für demokratische Werte sowie gesellschaftliche Vielfalt ein. Durch Workshops, Schulungen und Informationsveranstaltungen sensibilisiert sie für die Bedeutung von Demokratie und fördert den Austausch zwischen gesellschaftlichen Gruppen. Ziel ist ein respektvolles Miteinander sowie die Bekämpfung von Diskriminierung und Extremismus. Kooperationen: In enger Zusammenarbeit mit Vereinen, Initiativen und Schulen/Schulsozialarbeit werden Projekte entwickelt, die politische Bildung in verschiedene Lebensbereiche der Jugendlichen tragen und unterschiedliche Perspektiven einbinden. Dabei nutzt der stja seine verschiedenen Zugänge zu jungen Menschen und seine Netzwerke in der Stadt. Beispielweise wurde in Durlach in Kooperation mit der Ortsverwaltung, den Schulen, dem Kinder- und Jugendhaus und der Fachstelle Jugendbeteiligung eine umfassende Jugendbefragung durchgeführt. Die Ergebnisse wurden in den Ortschaftsrat getragen und werden weiter bearbeitet. Auch mit dem Projekt you matter der Antidiskriminierungsstelle werden junge Menschen im Peer-to- Peer-Ansatz sensibilisiert. – 4 – Spezielle Projekte: Darüber hinaus finden besondere Aktionen statt, die gezielt politische Bildung fördern, wie z. B. die jährlich stattfindende Jugendkonferenz oder die Schüler*innentage 2 , bei denen junge Menschen mit Unterstützung eigenständig über vier Tage Veranstaltungen und Workshops organisieren. Sie bestimmen selbst die für sie relevanten aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen. Mit Unterstützung einer Fachkraft werden entsprechende Referenten und Referentinnen gesucht und angefragt. Weiterentwicklung der politischen Bildung durch das Projekt Lernort Stadion Die gesellschaftlichen und medialen Rahmenbedingungen verändern sich rasant. Gerade für junge Menschen wird es dadurch immer schwieriger, Fakten von Meinungen oder gezielten Falschinformationen zu unterscheiden. Vor dem Hintergrund gesellschaftlicher Polarisierung, wachsendem Populismus und der Verbreitung extremistischer Ideologien ist es besonders wichtig, junge Menschen für demokratische Werte, Toleranz und Menschenrechte zu gewinnen. Politische Bildung hat alle jungen Menschen anzusprechen – unabhängig von ihrem sozialen oder schulischen Hintergrund. Gerade bildungsferne Gruppen haben oft weniger Zugang zu klassischen politischen Bildungsangeboten. Daher ist die kontinuierliche Weiterentwicklung politischer Bildung – insbesondere mit Blick auf digitale Medien und schwer erreichbare Zielgruppen – eine wichtige Zukunftsaufgabe der kommunalen Jugendarbeit. Lernort Stadion 2009 hat sich der Verein Lernort Stadion e.V. gegründet. Die Idee ist, über eine Verknüpfung von Profifußball und politischer Bildung andere Gruppen und eher sozial benachteiligte junge Menschen zu erreichen. Das erweist sich bis jetzt in 29 so genannten Lernzentren als erfolgreich. Dabei werden in Kooperation eines Trägers mit dem örtlichen Profi-Fußballverein und Akteur*innen der politischen Bildung konkrete Angebote initiiert und in dem jeweiligen Fußballstadion durchgeführt. Ein Lernort Stadion in Karlsruhe wäre der zweite in Baden-Württemberg und in Kooperation mit dem Verein KSC gut umsetzbar. Das Angebot wird finanziell unterstützt von der DFL-Stiftung. Ziel ist es, „Junge Menschen für eine demokratische, offene und vielfältige Gesellschaft zu gewinnen. Wir wollen vor allem sozial benachteiligte Jugendliche mit Hilfe ihrer Faszination für den Profifußball darin unterstützen, aktiv an der Gesellschaft teilzuhaben und ein Bewusstsein für demokratische Werte zu entwickeln. Wir setzen dabei auf die Stärken und individuellen Fähigkeiten der Jugendlichen und fördern eine kritische Auseinandersetzung mit eigenen Positionen, Gesellschaft und Politik. 3 “ Die Angebote richten sich vor allem an Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, die in schwierigen sozialen Situationen leben und wenig Zugang zu politischer Bildung finden. In außerschulischen Workshops setzen sich die Teilnehmer*innen niedrigschwellig mit Themen wie Vielfalt, Demokratie und Antidiskriminierung auseinander. Die langjährige Erfahrung der anderen Standorte zeigt, dass Jugendliche durch die Faszination des Profi-Fußballes, durch Wertschätzung und Methodenvielfalt im Stadion nachhaltig erreicht werden und sich für eine offene, demokratische Gesellschaft begeistern lassen. Bei den Workshopangeboten soll eine Konzentration auf die Themenschwerpunkte Politische Bildung und Prävention erfolgen: • Demokratiebildung 2 https://stja.de/angebote/spannende-workshops-bei-den-schueler-innen-tagen/ 3 https://www.lernort-stadion.de/dachverband/ – 5 – • Antidiskriminierung • Antirassismus und Antisemitismus • Partizipation • Extremismusprävention • Medienpädagogik • Gewaltprävention mit Schwerpunkt sexualisierte Gewalt Die Teilnehmenden sollen durch die Workshops auch ermutigt und ermächtigt werden, sich für die Demokratie einzusetzen und demokratiefeindliche Bestrebungen zu erkennen. Die Workshops sollen in einem attraktiven Raum wie der VIP-Lounge im Wildparkstadion während spielfreier Tage stattfinden. Ergänzt werden sie beispielsweise durch eine Stadionführung, ein Gespräch mit einem Spieler oder auch mit einem Besuch eines Trainings der Profis. So wird die Attraktivität des Angebots zusätzlich erhöht. Der stja bietet sich als Träger eines Lernorts Stadion an. Als Träger des Karlsruher Fanprojekts besteht eine enge Verbindung zum Verein KSC. Es sind sowohl Kompetenzen für Workshop-Angebote innerhalb des stja vorhanden als auch ein großes Netzwerk von Akteure und Akteurinnen, die Workshops anbieten können. Dazu zählen die Stiftung Forum Recht, das Stadtmedienzentrum, das Präventionsbüro der Stadt, der Deutschsprachige Muslimkreis Karlsruhe e.V. und die Jüdische Kultusgemeinde, um nur einige zu nennen. Mit dem Lernort Stadion kann eine Erweiterung der Zielgruppen der Politischen Bildungsarbeit erreicht werden. Als Träger des Lernorts Stadion koordiniert der stja die Workshops, was zukünftig von der Fachstelle für Demokratie und Vielfalt übernommen wird. Inhaltlich eng verbunden mit der bisherigen Arbeit der Fachstelle werden mehr und andere Zielgruppen erreicht. Darüber hinaus ergibt sich aus dieser Weiterentwicklung ein Synergie-Effekt, der sich finanziell positiv auswirkt. Erläuterungen zu finanziellen Auswirkungen Im städtischen Haushalt sind im Zuschuss an den stja 56.300 € für Personal- und Sachmittel für die Fachstelle für Demokratie und Vielfalt enthalten. Bei Weiterentwicklung der Fachstelle zum „Lernort Stadion“ kann der Zuschuss an den stja um 25.000 € reduziert werden, da dieser Betrag dann aus Zuschüssen der DFL-Stiftung finanziert wird. Der Vorschlag wurde bereits im Rahmen der Haushaltskonsolidierung als Maßnahme eingebracht.