Gewinnung internationaler Fachkräfte und Wissenschafler*innen für Karlsruher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen
| Vorlage: | 2025/0731 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 29.07.2025 |
| Letzte Änderung: | 23.10.2025 |
| Unter Leitung von: | Wirtschaftsförderung |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 30.09.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0731 Eingang: 29.07.2025 Gewinnung internationaler Fachkräfte und Wissenschafler*innen für Karlsruher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen Anfrage: GRÜNE Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 30.09.2025 41 Ö Kenntnisnahme 1. Wie ist die aktuelle Situation zur Gewinnung internationaler Fachkräfte und Wissenschaftler*innen für die Karlsruher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen? 2. Welche Potenziale sieht die Verwaltung in einer stärkeren internationalen Positionierung Karlsruhes als „Sicherer Ort für Wissenschaft“ (siehe „Safe Place for Science“-Programm der Aix-Marseille University)? 3. Gibt es seitens der Stadt Karlsruhe bereits bestehende Strategien oder Kooperationsprogramme, um internationale Fachkräfte und Wissenschaftler*innen gezielt für Karlsruher Institutionen/Unternehmen zu gewinnen? 4. Wie kann die Stadtverwaltung dabei unterstützen, Verfahren zur Einreise, Anerkennung und Integration für Fachkräfte und Wissenschaftler*innen zu erleichtern? 5. Welche Kooperationen gibt es bereits (z.B. mit dem Welcome Center, der KTG), um gezielt beispielsweise Forschende, deren Arbeit an US-amerikanischen Universitäten gefährdet ist, anzusprechen und zu unterstützen? 6. Wie kann sich Karlsruhe als attraktive Alternative für internationale Fachkräfte und Wissenschaftler*innen positionieren, die ursprünglich einen Aufenthalt oder eine Karriere in den USA angestrebt hatten, sich jedoch aufgrund der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen umorientieren? In Zeiten globaler Herausforderungen und geopolitischer Spannungen möchten wir gezielt den wissenschaftlichen Austausch fördern und qualifizierte Fachkräfte sowie Wissenschaftler*innen für unsere Einrichtungen gewinnen. Karlsruhe gehört zu den führenden Wissenschafts- und Technologiestandorten Deutschlands. Mit exzellenten Hochschulen, renommierten Forschungseinrichtungen und einer hochdynamischen Innovationslandschaft ist die Region ein attraktiver Ort für internationale Spitzenkräfte. Ein zentrales Merkmal des deutschen Wissenschaftssystems, das wir dabei in den Mittelpunkt stellen, ist die verfassungsrechtlich garantierte Freiheit der Wissenschaft. Sie ermöglicht es Forscher*innen, unabhängig, methodenoffen und ohne politische Einflussnahme zu arbeiten – ein Prinzip, das gerade im internationalen Vergleich zunehmend an Bedeutung gewinnt. Sachverhalt / Begründung: – 2 – Gerade in den Vereinigten Staaten ist in den letzten Monaten eine massiv wachsende wissenschaftsfeindliche Haltung zu beobachten, die sich mit dem Amtsantritt von Donald Trump dramatisch verschärft hat. Diese Entwicklung verunsichert Forschende vor Ort, was zu einer Suche nach stabileren, wissenschaftsfreundlichen Rahmenbedingungen im Ausland führen kann. Unterzeichnet von: Ceren Akbaba Leonie Wolf Aljoscha Löffler Christian Klinkhardt
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Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0731 Verantwortlich: Dez. 4 Dienststelle: Wirtschaftsförderung Gewinnung internationaler Fachkräfte und Wissenschaftler*innen für Karlsruher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen Anfrage: GRÜNE Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 30.09.2025 41 Ö Kenntnisnahme 1. Wie ist die aktuelle Situation zur Gewinnung internationaler Fachkräfte und Wissenschaftler*innen für die Karlsruher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen? • Karlsruhe bietet attraktive Standortfaktoren für Forschende. Dazu zählen renommierte Institutionen, wie zum Beispiel das KIT als Exzellenzuniversität, Fraunhofer-Institute und das FZI Forschungszentrum Informatik, die große Forschungscluster in bestimmten Zweigen, wie Batterietechnologien und 3D-Materialien, entwickelt haben. Durch die gute Infrastruktur entstehen internationale Netzwerke und enge Kooperationen mit der Wirtschaft. Viele Studienprogramme und Jobausschreibungen sind auch für Fachkräfte geeignet, die der deutschen Sprache (noch) nicht mächtig sind. Des Weiteren gibt es unterstützende Stellen, an die sich Neuankömmlinge wenden und so besser in der neuen Stadt Fuß fassen können, wie das International Scholars & Welcome Office (IscO), das Welcome Center der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK) oder das städtische Büro für Integration. Karlsruher Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Unternehmen bieten außerdem Förderprogramme, Stipendien und Netzwerkformate an, um internationale Fachkräfte und Wissenschaftler*innen zu erreichen. • Als Herausforderungen sind zu nennen, dass es einen großen Wettbewerb um Spitzenforscher*innen weltweit gibt und die Gehälter in Deutschland für ausländische Fachkräfte im Vergleich zu beispielsweise denen in den USA, in Kanada und der Schweiz nicht konkurrenzfähig sind. Zudem führen häufig befristete Verträge dazu, dass sich Bewerbende für andere Optionen entscheiden. Ein weiterer einschneidender Punkt ist die bürokratische Situation: Visa-, Vertrags- und Anerkennungsverfahren dauern oft mehrere Wochen bis Monate und führen zu Unsicherheit, Ungewissheit und Planungsschwierigkeiten. In Kanada und den USA wird auch das familiäre Umfeld der Spitzenforscher*innen bei der Akquise mitbetrachtet. So gibt es in Kanada eine spezielle Spousal Open Work Permit (SOWP), also eine unkomplizierte Arbeitserlaubnis für Partner*innen. • Für Kurzzeitforscher*innen (bis zu 2 Jahre Aufenthalt in Karlsruhe) hat die Stadtverwaltung in Zusammenarbeit mit dem KIT in einem Workshop bereits eine Persona entwickelt, die die Bedarfe dieser speziellen Personengruppe abbildet und mögliche Maßnahmen abgeleitet (wie beispielsweise Erweiterung der Karlsruhe.App). Eine Persona ist eine fiktive, aber auf Forschung basierende Darstellung eines/einer typischen Vertreters/Vertreterin einer Zielgruppe, mit spezifischen Bedürfnissen, Wünschen, Zielen und Verhaltensweisen. – 2 – 2. Welche Potenziale sieht die Verwaltung in einer stärkeren internationalen Positionierung Karlsruhes als „Sicherer Ort für Wissenschaft“ (siehe „Safe Place for Science“-Programm der Aix-Marseille University)? Eine stärkere internationale Positionierung Karlsruhes als „Sicherer Ort für Wissenschaft“ könnte die Stadt attraktiver für Forschende aus Krisengebieten machen, durch neue Ansätze und Methoden das Forschungsportfolio erweitern, internationale Kooperationen mit Hochschulen und Forschungseinrichtungen aus der ganzen Welt durch den Ausbau von Netzwerken und gemeinsamen Projekten stärken sowie Rankings und Drittmittelfinanzierung für Forschungsprojekte positiv beeinflussen. Diese Resultate sind im Interesse und zum Vorteil der Karlsruher Hochschulen und Forschungseinrichtungen und eine solche Positionierung müsste daher bei ihnen angesiedelt sein. Sie beschäftigen bereits Teams, die sich mit Themen wie der Drittmitteleinwerbung oder internationalen Kooperationen auseinandersetzen. 3. Gibt es seitens der Stadt Karlsruhe bereits bestehende Strategien oder Kooperationsprogramme, um internationale Fachkräfte und Wissenschaftler*innen gezielt für Karlsruher Institutionen/Unternehmen zu gewinnen? • Internationalisierungsstrategie Internationales Karlsruhe 2030 – innovativer.nachhaltiger.weltoffener mit folgenden Zielen: o Ziel 1: Internationale Stadtgesellschaft und Willkommenskultur o Ziel 2: Zusammenarbeit in Europa und Europakompetenz o Ziel 3: Globale Verantwortung, Nachhaltigkeit und außereuropäische Kooperationen o Ziel 4: Innovations- und Wirtschaftsstandort in Europa und weltweit o Ziel 5: Internationale Positionierung der Stadt Karlsruhe • Welcome Center der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK) Daneben gibt es Projekte ohne direkte Beteiligung der Stadt: • Projekt „Hand in Hand for International Talents“ (IHK) • EUCOR als trinationaler Hochschulverbund hilft dabei, Wissenschaftler*innen und Fachkräfte zu gewinnen, indem es durch grenzüberschreitende Zusammenarbeit attraktive Forschungs- und Karrierechancen schafft, die Region international sichtbar macht und enge Verbindungen zur Wirtschaft fördert. • Veranstaltungen des International Scholars & Welcome Office (KIT) 4. Wie kann die Stadtverwaltung dabei unterstützen, Verfahren zur Einreise, Anerkennung und Integration für Fachkräfte und Wissenschaftler*innen zu erleichtern? • Digitale mehrsprachige Antragssysteme (zum Beispiel einheitliches Online-Portal für Visa, Aufenthalt, Anmeldung, Meldepflichten und Arbeitserlaubnis). • Einrichtung einer „Fast-Track“-Abteilung mit priorisierter Bearbeitung für Wissenschafts- und Fachkräftefälle • Kostenlose Einführungskurse zu deutschem Recht, Arbeitskultur und Alltagsleben für die interkulturelle Orientierung zur Anfangszeit – 3 – • Bereitstellung von Wohnraum und Kinderbetreuung Diese Punkte stellen wünschenswerte Maßnahmen dar, sind aber mit hohem Aufwand verbunden. Aktuell stehen im städtischen Haushalt hierfür keine Ressourcen zur Verfügung. Es sei angemerkt, dass seit Frühjahr 2025 mehrsprachige Onlineanträge auf der städtischen Homepage vorhanden sind, soweit Anträge vor Ort gestellt werden können; grundsätzlich sind jedoch Visaanträge bei den Auslandsvertretungen vor Einreise zu stellen, deren Verfahrensweise nicht vom Ordnungsamt beeinflusst werden kann. Zudem ist die anzuwendende Verwaltungssprache gesetzlich auf „Deutsch“ festgelegt. Bezüglich der Einrichtung einer „Fast-Track“-Abteilung stellt sich die Situation so dar, dass einerseits keine Personalressourcen – die perspektivisch aus Spargründen schrumpfen werden – für eine Priorisierung bestehen, andererseits lässt die pauschale Priorisierung der genannten Anträge vor allen weiteren Aufenthaltstiteln rechtlich nicht begründen beziehungsweise widerspricht dem Gleichbehandlungsgrundsatz, an den die Verwaltung gebunden ist. Bereits unterstützend wirken: • Welcome Center der TechnologieRegion Karlsruhe (TRK) • Meet Locals Add-In in der Karlsruhe.App 5. Welche Kooperationen gibt es bereits (zum Beispiel mit dem Welcome Center, der KTG), um gezielt beispielsweise Forschende, deren Arbeit an US-amerikanischen Universitäten gefährdet ist, anzusprechen und zu unterstützen? Weder mit der KTG noch mit dem Welcome Center gibt es bestehenden Kooperationen in diesem Zusammenhang. Das Welcome Center gibt an, bislang keine konkreten Aktivitäten gestartet zu haben, die gezielt Forschende aus den USA oder anderen Ländern adressieren. Wegen der Relevanz beobachten sie die Entwicklungen jedoch aufmerksam. Es gibt bestehende und angestrebte Programme auf nationaler und internationaler Ebene: • Philipp Schwartz-Initiative (Humboldt-Stiftung) • Scholars At Risk Network • Choose Europe for Science (EU) • 100 kluge Köpfe für Deutschland / Meitner-Einstein-Programm (vorgeschlagen) Seit 2018 besteht außerdem eine Landespartnerschaft zwischen Baden-Württemberg und Kalifornien, bei der Schwerpunkte auf die Zusammenarbeit in den Bereichen Klimaschutz, Energie und Umwelt, Transformation im Verkehr, kommunale Infrastruktur, Wirtschaft, IT, Wissenschaft und Kultur gelegt werden. Diese Landespartnerschaft könnte in Kooperation mit dem KIT und den Hochschulen ggfs. über das Wissenschaftsministerium auch für Karlsruhe als Anker genutzt werden, um Forscher*innen aus Kalifornien zu gewinnen. 6. Wie kann sich Karlsruhe als attraktive Alternative für internationale Fachkräfte und Wissenschaftler*innen positionieren, die ursprünglich einen Aufenthalt oder eine Karriere in den USA angestrebt hatten, sich jedoch aufgrund der aktuellen politischen oder gesellschaftlichen Entwicklungen umorientieren? Eine Positionierung Karlsruhes als attraktive Alternative für internationale Fachkräfte und Wissenschaftler*innen könnte gelingen, indem es sich als Stadt zeigt, die es den Forschenden und Fachkräften ermöglicht, in Frieden, gestärkt durch Wissenschaftsfreiheit ihrer Arbeit nachzugehen und die exzellente Infrastruktur weiter ausgebaut wird. Mittelkürzungen, Projektstreichungen und weitere – 4 – Unsicherheiten sorgen derzeit in den USA dafür, dass sich Wissenschaftler*innen aktiv nach Alternativen umsehen. Daher könnte diese Chance durch gezieltes Marketing ergriffen werden. Für die Entwicklung dieser Aufgabenbereiche liegt die Verantwortung bei den Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Zudem wäre eine schnelle sowie digitale Verfahrensbearbeitung wünschenswert. Ebenso müsste idealerweise auf die Rahmenbedingungen des Lebens außerhalb der Institutionen ein besonderes Augenmerk gelegt werden. Dazu gehören Betreuungsplätze für Kinder, Partner-Karriereberatung sowie verfügbarer Wohnraum, da Familien diese wichtigen Einschnitte häufig zusammen entscheiden und sich alle in der neuen Umgebung wohlfühlen müssen. Durch die Schaffung vielversprechender Chancen könnte die Bindung an den Standort erhöht werden. Zum Beispiel könnten Anwendungsnähe und Praxis attraktiv sein, etwa in Form von Programmen, die es ermöglichen, anteilig in der Forschung und in einem Unternehmen oder Startup-Projekt zu arbeiten. Ein zusätzlicher Anreiz wäre die Möglichkeit, Neuankömmlinge sofort einsatzfähig zu machen. Daher sind beschleunigte Verfahren, digitale Services, Mitfinanzierung des Deutschlandtickets, direkte Zugänge und eine moderne technische Ausstattung von hohem Wert. Allerdings stellt sich erstens die Frage, ob von diesen Angeboten lediglich Fachkräfte und Wissenschaftler*innen aus den USA oder ob nicht auch entsprechende Personen aus anderen Nationen profitieren sollten. Zweitens stellen die aufgelisteten Maßnahmen einen Idealzustand dar. Der Umfang geht über die Zuständigkeit der Stadtverwaltung und über das durch die Stadt Karlsruhe Leistbare hinaus. Die Themenfelder sind nicht Teil der Aufgaben des Amtes für Wirtschaftsförderung. Sie wären zudem mit erheblichem Kosten- und Personalaufwand in der Stadtverwaltung verbunden, der nicht umzusetzen ist.
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Niederschrift 14. Plenarsitzung des Gemeinderates 30. September 2025, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 41 der Tagesordnung: Gewinnung internationaler Fachkräfte und Wissenschaft- ler*innen für Karlsruher Wissenschafts- und Forschungseinrichtungen Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2025/0731 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 41 zur Behandlung auf und teilt mit, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 2. Oktober 2025