Bericht der Stadtteilkoordination
| Vorlage: | 2025/0697 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 21.07.2025 |
| Letzte Änderung: | 10.09.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Beiertheim-Bulach, Daxlanden, Grünwinkel, Innenstadt-Ost, Mühlburg, Nordweststadt, Oberreut, Rintheim, Waldstadt, Weiherfeld-Dammerstock |
Beratungen
- Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 24.09.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0697 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Bericht der Stadtteilkoordination Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Sozialausschuss 24.09.2025 3 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Sozialausschuss nimmt den Bericht der Stadtteilkoordination zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Soziale Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Der vorliegende Bericht der Stadtteilkoordination (Anlage 1) gibt praxisnahe Einblicke in die Arbeit der Stadtteilkoordination und in die Soziale Quartiersentwicklung (SQE). Schwerpunkte und Entwicklungen in Stadtteilen und in Bezug auf verschiedene Zielgruppen werden exemplarisch dargestellt. Die in Anlage 2 beigefügte Tabelle gibt einen Überblick über die Beschlusslage im Rahmen der Sozialen Quartiersentwicklung (SQE) und die genutzten Landes-Förderprogramme bis heute.
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Anlage 2 SozA 24.09.2025, TOP 3 Soziale Quartiersentwicklung: Überblick über die Beschlusslage und die genutzten Landes-Förderprogramme Beschluss Landes-Förderprogramme 2017 GR 2017/0473 Pilotprojekt Karlsruhe: Mehrgenerationenquartier Mühlburg 2018 GR 2018/0399 Quartiersentwicklung Karlsruhe bis Ende 2020 Landeswettbewerb „Quartier 2020“: Preisgeld Mehrgenerationenquartier Mühlburg 2019 2019/2020 Sonderprogramm Quartier: Entwicklung Stadtteilnetzwerk Daxlanden 2020 GR 2020/0172 Konzept Soziale Quartiersentwicklung in Karlsruhe GR 2020/0176 Fördermittel für soziale Maßnahmen in städtebaulichen Erneuerungsgebieten 2021 SozA 2021/0688 Soziale Quartiersentwicklung – weiteres Vorgehen GR 2021/0161 Fördermittel für soziale Maßnahmen in städtebaulichen Erneuerungsgebieten 2021 – 2023 Förderprogramm Quartiersimpulse: Gut leben und älter werden in Beiertheim und Bulach mit wissenschaftlicher Begleitung 2022 2023 GR 2023/0439 Soziale Quartiersentwicklung: Förderung der Quartiersarbeit (Fördermodul C) GR 2023/0568 Weiterentwicklung der bestehenden Förderung der Bürgerzentren zur Förderrichtlinie Stadtteilhäuser 2025 SozA 2025/0697 Bericht der Stadtteilkoordination
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Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde – Aufwachsen und Älterwerden Bericht der Stadtteilkoordination Soziale Quartiersentwicklung in Karlsruhe Anlage 1 SozA 24.09.2025, TOP 3 2 | Bericht der Stadtteilkoordination – Soziale Quartiersentwicklung in Karlsruhe Inhaltsverzeichnis Bericht der Stadtteilkoordination ................................................................................................................... 3 Pilotphase in Mühlburg und Daxlanden 2018 bis 2020 ................................................................................... 3 Rolle und Aufgaben der Stadtteilkoordination ............................................................................................ 3 Verstetigung der Stadtteilkoordination von 2020 bis heute ............................................................................. 4 Stadtteilnetzwerke...................................................................................................................................... 4 Gut leben und älter werden – nicht nur in Beiertheim und Bulach .............................................................. 5 Kinder und Jugendliche im Fokus der Stadtteilnetzwerke............................................................................ 6 Übergreifende Arbeitsweisen und Vernetzung ............................................................................................ 6 Stadtteilkoordination trifft Stadtentwicklung .............................................................................................. 7 Fördermodul C ........................................................................................................................................... 8 Fazit und Ausblick ............................................................................................................................................ 8 Impressum © Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde – Aufwachsen und Älterwerden Layout: Vorreiter Titelbild: Pruß, Illustrationen: Personen: AdobeStock – leremy, Handschlag: David Khai Druck: Rathausdruckerei, Recyclingpapier Stand: Juli 2025 Stadtteilkoordination und Seniorenbüro – Sozial- und Jugendbehörde | 3 Bericht der Stadtteilkoordination Pilotphase in Mühlburg und Daxlanden 2018 bis 2020 Die Soziale Quartiersentwicklung (SQE) hat 2018 in Karlsruhe-Mühlburg begonnen. Beim Quartierswettbewerb des Sozialministeriums wurde der Karlsruher Ansatz mit einem Preisgeld honoriert. Um dauerhaft eine Brücke zwischen Stadtteilen und Stadtverwaltung mit ihren unterschiedlichen Bereichen zu schaffen und um Stadtteil- netzwerke verlässlich zu unterstützen, wurde in Mühlburg mit der Stadtteilkoordination eine neue Arbeitsweise erprobt. Die erste Mitarbeiterin der Sozial- und Jugendbehörde in dieser Funktion nahm im „Mehrgenerationen- quartier in Mühlburg“ ihre Arbeit auf. Bereits im folgenden Jahr konnten im Sonderprogramm Quartier für die Entwicklung des Stadtteilnetzwerks Daxlanden weitere Landesfördermittel eingeworben werden. Denn mit der Landesstrategie Quartier 2030 werden in Baden-Württemberg seit einigen Jahren Weichen gestellt, um „Sozial- raumorientierung“ und „sorgende Gemeinschaften in den Quartieren“ als wegweisende Arbeitsweisen und Ant- wort auf den demografischen Wandel in Städten zu verankern. Der Gemeinderat beauftragte die Verwaltung, die Potentiale von „Sozialer Quartiersentwicklung“ auszuloten und ein entsprechendes gesamtstädtisches Kon- zept zu erarbeiten, damit nicht nur einzelne Quartiere oder Zielgruppen von der SQE profitieren. Rolle und Aufgaben der Stadtteilkoordination Vernetzen, Brücken bauen, Wege ebnen und Türen öffnen sind die Schlagworte, die die Rolle und die Aufgaben der Stadtteilkoordination treffend beschreiben. Die Stadtteilkoordination richtet sich mit ihrer Arbeit nicht direkt an Bürger*innen, sondern bezieht sich auf Einrichtungen, Vereine und Initiativen im Stadtteil, die mit den Men- schen in direktem Kontakt sind, vor Ort beraten und Angebote gestalten. Von Anfang an ist ein wesentlicher Schwerpunkt der Arbeit der Stadtteilkoordination, diese unterschiedlichen, haupt- und ehrenamtlichen Akteurin- nen und Akteure zusammenzubringen, den Austausch und ihre Zusammenarbeit zu fördern und als Verantwor- tungsgemeinschaft (soziale) Quartiersentwicklung zu betreiben. Die Stadtteilkoordination steht also mit vielen Akteurinnen und Akteuren in engem Kontakt. Sie kommen aus Bürgervereinen, Familienzentren, Stadtteilhäu- sern, Kultur- und Sportvereinen, Jugendhäusern, Kirchengemeinden und von den Wohlfahrtsverbänden. Sie kommen aus verschiedenen Einrichtungen für Kinder- und Jugendliche, für Seniorinnen und Senioren, für Men- schen mit Behinderung, für Wohnungslose und Menschen in Armutslagen. Kontakte zu Institutionen wie Stadt- teilbibliothek und Schulen sowie Wohnungsbaugesellschaften sind ebenso selbstverständlich. Schon beim ersten Netzwerktreffen mit über 50 Interessierten in Mühlburg 2018 zeigte sich, dass die Idee des Stadtteilnetzwerks greift. Für die Ehrenamtlichen in den Vereinen und Initiativen ist es schwierig, zu überblicken, welche Angebote und Strukturen es gibt und wer welche Aufgabe hat. Auch hauptamtliche Einrichtungen profi- tieren von dem Mehr an Informationen. So hörte man bei dem Treffen immer wieder Aussagen wie: „Das habe ich nicht gewusst ... wie gut, dass wir uns kennen(lernen) ... da können wir vielleicht was gemeinsam machen.“ Zusätzlich unterstützen regelmäßige Newsletter zwischen den persönlichen Netzwerktreffen den Informations- fluss. Die Stadtteilkoordination ist Maklerin von Informationen und stellt Kontakte her. Die Stadtteilnetzwerke in Mühlburg und Daxlanden haben sich im Verlauf weiter etabliert, und die Stadtteilkoordination wurde immer stärker als Ansprechpartnerin und in ihrer Brückenfunktion genutzt. Während in Mühlburg der Informationsaus- tausch im Vordergrund stand und Kooperationsprojekte umgesetzt wurden, waren in Daxlanden die Zusammen- arbeit mit der Quartiersarbeit der Caritas und die bauliche Entwicklung rund um das August-Klingler-Areal wich- tige Themen. Um den Bürgerinnen und Bürgern unserer Stadt ein „Mehr an Teilhabe “ zu ermöglichen, hat die Stadtteilkoor- dination als städtische Stelle auch dafür Sorge zu tragen, dass Angebote, soziale Leistungen und Hilfen der Stadt, die nicht im Stadtteil verortet sind, ebenfalls mitgedacht und Informationen zur Verfügung gestellt wer- den. So wurden zum Beispiel im Stadtteilnetzwerk die Leistungen „Bildung und Teilhabe“ des Jobcenters vorge- stellt, durch die für Familien mit geringeren finanziellen Mitteln Kosten für Nachhilfestunden übernommen wer- den oder Mitgliedsbeiträge des Sportvereins bezuschusst werden können. Denn die haupt- und ehrenamtlich Tätigen im Stadtteilnetzwerk sind wichtige Multiplikatorinnen und Multiplikatoren, die Informationen an die Bürger*in- nen weitergeben und sie motivieren, sich Rat oder Hilfe zu holen, wenn diese benötigt werden. Die Stadtteilko- ordination macht städtische Dienste in anderem Rahmen bekannt, zum Beispiel durch ein Quiz bei Stadtteilfes- ten oder im offenen Nachbarschaftstreff im Bürgerzentrum Mühlburg. Durch ihr Überblickswissen kann sie ge- zielt darauf hinweisen, wo bestimmte Angebote noch bekannter gemacht werden sollten, beispielsweise durch das Auslegen von Flyern. 4 | Bericht der Stadtteilkoordination – Soziale Quartiersentwicklung in Karlsruhe Bereits die Pilotprojekte bestätigten: Die Arbeit der Stadtteilkoordination und die Stadtteilnetzwerke bewirken, dass sich die Einrichtungen und Initiativen mit ihrer jeweiligen Aufgabe und Angeboten kennen und Informatio- nen weitergeben. Es wird erreicht, dass eine Kultur des Miteinanders gepflegt und Ressourcen geteilt werden. In den Netzwerken entstehen Ideen, die gemeinsam umgesetzt werden. Für Bürger*innen entsteht durch all das ein Mehr an Teilhabe. Die Qualität der Arbeit entsteht dadurch, dass Stadtteilkoordination kontinuierlich als An- sprechpartnerin zur Verfügung steht, sich Vertrauen entwickelt und sie am Ball bleibt. Im Folgenden werden die Schlagworte „Vernetzen, Brücken bauen, Wege ebnen und Türen öffnen“ aufgegrif- fen und mit einigen konkreten Beispielen verknüpft, die exemplarisch für die erfolgreiche Arbeit der Stadtteilko- ordination sind: ▪ Vernetzen: In beiden Stadtteilen kommen Stadtteilnetzwerke regelmäßig zusammen und bearbeiten „ihre“ Themen und erreichen unterschiedliche Zielgruppen. Eine Einrichtung für Menschen mit Beein- trächtigung aus Mühlburg wurde mit der Volkshochschule zum Thema digitale Inklusion vernetzt. In Ko- operation von Drais-Gemeinschaftschule, Stadtteilkoordination und Familien-Forschung Baden-Würt- temberg fand ein Generationenworkshop statt. ▪ Brücken bauen: Die Stadtteilkoordination nutzt die Erkenntnis, dass man Zielgruppen am besten dort erreicht, wo sie sich aufhalten. Beispielsweise wurde bei zwei Veranstaltungen im Internationalen Be- gegnungszentrum (IBZ) den Teilnehmenden vorgeschlagen, Beratungsangebote wie den Pflegestütz- punkt in Moscheen bekannt zu machen, und der Pflegestützpunkt wurde eingeladen, sich vorzustellen – mit Übersetzung der Informationen in fünf Sprachen. ▪ Wege ebnen: Weil Mühlburg ein städtebauliches Sanierungsgebiet war, konnten nichtinvestive Städte- baufördermittel (NIS 2019) eingeworben werden. Ein Verfügungsfonds für Mühlburg wurde von der Stadtteilkoordination verwaltet und ermöglichte Angebote, die den sozialen Zusammenhalt stärken. ▪ Türen öffnen: Aus Stadtteilspaziergängen mit Mühlburgerinnen und Mühlburgern ist ein ehrenamtlicher Nachbarschaftstreff hervorgegangen, der bis heute im Stadtteilhaus stattfindet. Verstetigung der Stadtteilkoordination von 2020 bis heute Mit dem Gemeinderatsbeschluss Vorlage-Nr. 2020/0172 wurde die Pilotphase 2020 erfolgreich abgeschlossen. Der Gemeinderat stimmte dem Konzept und der Umsetzung der Sozialen Quartiersentwicklung in Karlsruhe zu. Verbunden damit wurden die Stellenanteile der Stadtteilkoordination ab 2021 von 75 auf 200 Prozent Vollzeit- äquivalent (VZÄ) und ab Mitte Juli 2025 auf 300 Prozent VZÄ stufenweise ausgeweitet. Beruhend auf diesem Beschluss wurde die Arbeit in Mühlburg und Daxlanden fortgesetzt. Als neue Stadtteile kamen Beiertheim-Bu- lach, Oberreut, die Innenstadt Ost und die Waldstadt dazu. Seit 2024 wird in Rintheim der Aufbau eines Stadt- teilnetzwerks begleitet und Ende 2025 werden weitere Stadtteile hinzukommen. Auch in der Corona-Zeit ist der Faden zwischen der Stadtteilkoordination und dem Stadtteil nicht gerissen. Viel- mehr zeigte sich, wie wichtig Vernetzung und das Teilen von Erfahrungen und Ideen in dieser Zeit für alle waren. Wie an vielen Stellen kamen Videokonferenzen zum Einsatz. Es war berührend zu sehen, wie sich in Beiertheim- Bulach einige Ehrenamtliche im hohen Alter der Technik angenähert haben und voll dabei waren. Darüber hin- aus haben sich die direkten Kontakte der Stadtteilkoordination als wertvolle Informationsquelle erwiesen, von der auch der Krisenstab Gebrauch machte. Stadtteilnetzwerke In der Öffentlichkeit am sichtbarsten ist die Stadtteilkoordination in den Stadtteilnetzwerken. Es ist erklärtes Ziel und gelebte Praxis, in den Stadtteilen an Bestehendes anzuknüpfen, Synergien zu erzeugen und Doppelstruktu- ren zu vermeiden oder sogar abzubauen. Deshalb ist die Arbeitsweise der Stadtteilkoordination flexibel und be- darfsorientiert. Sie initiiert – wie in Mühlburg – eigene Netzwerke. Sie sucht Kooperationen und arbeitet, wie in Daxlanden, eng mit der Quartiersarbeit der Caritas zusammen. Dort wird gemeinsam zu Netzwerktreffen einge- laden. Die Stadtteilkoordination unterstützt die Neu- oder Selbstorganisation von Stadtteilnetzwerken. Beispiele dafür sind „Gutes Miteinander in Rintheim“ und Beiertheim-Bulach, wo sich Bürger*innen vernetzt und mit Bündnispartnerinnen und -partnern zusammengeschlossen haben. In der Nordweststadt haben sich – inspiriert von den Stadtteilnetzwerken – ein „Netzwerk Ältere Generationen“ sowie ein „Netzwerk für Kinder und Stadtteilkoordination und Seniorenbüro – Sozial- und Jugendbehörde | 5 Jugend“ gebildet. Hier hat die Quartiersarbeit des Diakonischen Werks den Stein ins Rollen gebracht und kann durch die neuen Stellenanteile künftig durch die Stadtteilkoordination mehr Unterstützung erfahren. In anderen Stadtteilen sind bereits seit längerem (Stadtteil- )Netzwerkstrukturen vorhanden. Gute Beispiele dafür sind das Sozialforum in der Waldstadt unter der Federführung des Bürgervereins und die Interessensgemeinschaft in Oberreut (IGO). Als Stadtteilkoordination hier anzuknüpfen, bedeutet, die bestehende Selbstorganisation zu res- pektieren und sich konstruktiv in die Netzwerkarbeit einzubringen. Die Bedarfe und Belange der verschiedenen Zielgruppen kommen in den Netzwerktreffen zur Sprache und füh- ren zu Verknüpfungen und Innovation. Ein gutes Beispiel ist das Marktfrühstück, das vom Kinder- und Familien- zentrum initiiert wurde und von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern aus der Gemeinde St. Peter und Paul unterstützt wird. Hier können sich vor allem Seniorinnen und Senioren und Familien treffen und kostenfreie Teil- habe genießen. Das Marktfrühstück wird erweitert durch ein inklusives Angebot der Johannesdiakonie, die im Stadtteil ein Wohnangebot für Menschen mit Behinderung betreibt. Die Vernetzung und daraus entstandene Kooperation ermöglichen, dass ein inklusives Angebot beim Marktfrühstück stattfindet. Dies trägt zu mehr Sicht- barkeit und Akzeptanz der Einrichtung und ihrer Bewohner*innen bei. Einrichtungen und Institutionen, die selbst wenig Kapazität haben, um eigene Angebote zu realisieren, können von der Vernetzung und Kooperation im Stadtteil profitieren. Um Ideen und Projekte im eigenen Stadtteil selbst fördern zu können, haben sich die Kindertagespflegeeinrichtung Mühlburg-Kidz, die Turnerschaft Mühlburg und das katholische Kinder- und Fami- lienzentrum zusammengeschlossen. Ihr Projekt „Second Life“ sammelt durch Kuchenverkauf und Flohmärkte Gelder, die im Stadtteil zur Verfügung gestellt werden und deren Ausschüttung von der Stadtteilkoordination begleitet wird. Gut leben und älter werden – nicht nur in Beiertheim und Bulach Auf welche Potentiale die Stadtteilkoordination in den Stadtteilen treffen kann, verdeutlicht an dieser Stelle ein Blick auf die Entwicklung in Beiertheim-Bulach. Dort hat sich 2018 unter dem Titel „Gut leben und älter wer- den“ ein Bündnis firmiert. Bereits 2019 wurden im Stadtteil folgende Visionen entwickelt: „Wir leben in unter- stützender, aufmerksamer Nachbarschaft, haben Begegnungsräume und eine lebendige Begegnungsstätte für Jung und Alt. Wir werden im vertrauten Umfeld alt; haben ein Netz aus ambulanter und stationärer Versorgung, nachbarschaftlicher Unterstützung und alternativen Wohnmöglichkeiten für alte Menschen – ein Mehrgeneratio- nenprojekt. Wir entwickeln und gestalten das Miteinander gemeinsam: Zukunft braucht alle “. Bereits in dieser Phase gab es erste Kontakte, aber nur begrenzte Ressourcen der Stadtteilkoordination, um sich einzubringen. Mit der Ausweitung der Personalressourcen wurde es ab 2020 möglich, intensiver einzusteigen. Ein erstes großes Netzwerktreffen fand statt. Im nächsten Schritt konnten dann mit dem Förderprogramm Quartiersimpulse des Sozialministeriums des Landes Fördermittel akquiriert werden. Besonderheit dabei war, dass die Entwicklung im Stadtteil von der katholischen Hochschule in Freiburg durch die Professorin Cornelia Kricheldorff von 2021 bis 2023 als Prozessbegleitung unterstützt wurde. Wichtig für die Arbeit der Stadtteilkoordination und prägend für den Gesamtprozess war von Anfang an, die „Kommunikation auf Augenhöhe“ zwischen ehrenamtlich und hauptamtlich Engagierten, zwischen Bürgerschaft, Trägern und Stadt zu stärken, damit ein Ineinandergreifen von nachbarschaftlichen Netzwerken, organisiertem Ehrenamt und professionellen Dienstleistungen als sorgende Gemeinschaft gelingt. Der konzeptionelle Hintergrund einer sozialräumlichen Versorgungskette wurde gemein- sam im Stadtteil erarbeitet und ist heute auch für den Arbeitsausschuss Ältere Generation – also stadtweit – ein relevantes Konzept. Zum Abschluss der Förderung der Quartiersimpulse wurde „Gut leben und älter werden“ im Rahmen einer stadtweiten Veranstaltung als gute Praxis bekannt gemacht. Um das Leben im Alter im Stadtteil zu erleichtern, wurde in der Projektlaufzeit ein Runder Tisch Nachbarschafts- hilfe ins Leben gerufen. Es wurden neue Engagierte gewonnen, eine Schulung durchgeführt und eine verbindli- che Kooperation mit der Caritas in der Nachbarschaftshilfe eingegangen. Die Kooperation mit AWO und Caritas als potentielle Träger von weiteren (Pflege)Einrichtungen und Dienstleistungen wurde in der AG Bauen gefestigt. Rollatoren-Spaziergänge sowie Veranstaltungen zur Beratung und Information wurden durchgeführt und wer- den bis heute weiterverfolgt. Die ehrenamtliche Kochgruppe realisiert dauerhaft einen Mittagstisch, das ehren- amtliche Café Bändel ist wichtiger und frequentierter Treffpunkt und mit Veranstaltungen Drehscheibe im Quar- tier. Ein wichtiges Ziel konnte jedoch bisher (noch) nicht erreicht werden: Die (wirtschaftliche) Realisierung von seniorengerechten Wohnungen und einer trägergestützten Pflegewohngemeinschaft im Stadtteil und auf dem Gelände in der Litzenhardtstraße in Bulach. Bis heute begleitet die Stadtteilkoordination Beiertheim-Bulach. Die Stadtteilkoordination trifft – dort, aber auch in den anderen Stadtteilen – auf enormes Engagement und einen großen sozialen Gestaltungswillen von Enga- gierten. Sie ist aber auch damit konfrontiert, dass Ziele nicht oder nicht schnell erreicht werden oder von Fakto- ren abhängen, die nicht direkt im Stadtteil (oder von der Stadtteilkoordination) beeinflusst werden können. In 6 | Bericht der Stadtteilkoordination – Soziale Quartiersentwicklung in Karlsruhe der Arbeit der Stadtteilkoordination muss also nicht nur mit erzielten Erfolgen, sondern auch mit Frustration um- gegangen werden. Die Stadtteilkoordination sieht ihre Rolle auch dann, wenn es schwierig wird darin, vermit- telnd zu wirken und für verschiedene Rollen, Perspektiven und Hintergründe zu sensibilisieren. Damit kann die Stadtteilkoordination unterstützen, dass unterschiedliche Partner im Gespräch bleiben und (mehr) Verständnis für die jeweilige Position aufbringen. Darüber hinaus sondiert sie gemeinsam mit den lokalen Partnerinnen und Partnern, wo und wie Informationen oder Bedarfe auf anderen Ebenen bekannt gemacht werden können, weil dort Zuständigkeiten und Handlungsmöglichkeiten liegen. Häufig ist auszuloten, welche Handlungsräume „den- noch“ im Stadtteil selbst liegen oder geschaffen werden können. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels liegt eine zentrale Aufgabe der Stadtteilkoordination darin, ehrenamtliche und hauptamtliche Partnerinnen und Partner zu unterstützen und zu vernetzen, um wohnortnah und konkret Begegnung, Unterstützung auch bei Hilfe- und Pflegebedarf, Gesundheitsprävention, Teilhabe und Engagement zu ermöglichen. Die Zusammenarbeit mit der Quartiersarbeit der Träger in acht Stadtteilen, die ei- nen Schwerpunkt in der Seniorenarbeit haben, ist dabei ein wichtiger Aspekt. „Altenarbeit“ wird in Karlsruhe jedoch in vielfältiger Weise sowohl von verschiedenen Vereinen oder Initiativen als auch von hauptamtlichen Trä- gern umgesetzt. Die Stadtteilkoordination unterstützt hier gezielt ihr Zusammenwirken, denn in der Logik der sozialräumlichen Versorgungskette sind alle für ein gutes Leben und Älter werden wichtig. Kinder und Jugendliche im Fokus der Stadtteilnetzwerke Für Kinder, Jugendliche und ihre Familien sind die Bausteine der Quartiersentwicklung die Startpunkt- Elterncafés der Frühen Hilfen, die Kinder- und Familienzentren sowie die Kinder- und Jugendhäuser. Sie alle erweisen sich als wichtige Partner*innen für die Stadtteilkoordination. Sie treten (in Stadtteilnetzwerken) für „ihre“ Zielgruppen ein und arbeiten an vielen Stellen eng mit der Stadtteilkoordination zusammen. Ein gutes Beispiel hierfür findet sich in Oberreut. Moderiert und begleitet von der Stadtteilkoordination tauschten Kinder- und Familienzentren, Kinderbüro und Kitabedarfsplanung Möglichkeiten aus, um einigen unbetreuten Vorschulkindern kurzfristig Zu- gänge zur frühkindlichen Bildung zu ermöglichen. Mit der Einrichtung des „Oberreuter Treffpünktchen“ wurde ein zielgerichtetes Angebot geschaffen, das bis heute aufrechterhalten bleibt. Das Finden von „kleinen“ Lösun- gen und die Gestaltung von Übergängen sind wichtig, wenn „große“ Lösungen (wie die Schaffung von neuen Kita-Plätzen) nicht kurzfristig zur Verfügung stehen oder realisiert werden können. Es zeigt sich darüber hinaus, dass die Kooperationskultur, der regelmäßige Kontakt und der Informations- austauch dazu führen, dass vorhandene Einrichtungen auch für Bedarfe und Anliegen anderer Zielgruppen ein offenes Ohr haben. Beispielsweise dann, wenn das Kinder- und Familienzentrum auf den Pflegestützpunkt der Stadt verweisen kann, wenn ältere Angehörige plötzlich Pflege benötigen. Die Stadtteilkoordination und die gewachsenen Netzwerkstrukturen erweisen sich außerdem als wertvolle Schnittstellen für das Kinderbüro. So konnten die Präventionsnetzwerke gegen Kinderarmut in der Innenstadt- Ost, Daxlanden, Oberreut, Mühlburg und der Waldstadt schneller implementiert werden und Wirkung entfalten. Zugänge in die Stadteile und zu Akteurinnen und Akteuren zu finden, gelingt schneller und leichter. Gemeinsam kommt man vor Ort schneller ins Tun. Die Zusammenarbeit von Kinderbüro und Stadteilkoordination erweist sich auch für „Karlsruhe spielt“ als gewinnbringend. Sie wirkt wie ein „Beschleuniger“. Es zeigt sich, dass sich enga- gierte Partner*innen mit guten Ideen für generationenverbindende Aktivitäten häufiger und leichter in Stadttei- len mit Stadtteilkoordination und Stadtteilnetzwerken finden. Übergreifende Arbeitsweisen und Vernetzung Flankierend zu der Arbeit in den Stadtteilen sind stadtteilübergreifende Arbeitsweisen und Vernetzung von gro- ßer Bedeutung. Die Arbeit der Stadtteilkoordination und ihr Einsatz für verschiedene Zielgruppen wird dadurch gestärkt, dass das Team der Stadtteilkoordination in der Stadtverwaltung Teil der Abteilung Aufwachsen und Älterwerden ist, zu dem Kinderbüro und Seniorenbüro gehören. Gemeinsam mit dem Kinderbüro und dem Seni- orenbüro greift die Stadtteilkoordination Themen des Aufwachsens und Älterwerdens in den Stadtteilen auf. Das Kinderbüro setzt sich gemeinsam mit der Stadtteilkoordination für Chancengerechtigkeit und ein gesundes und gutes Aufwachsen in Karlsruhe ein, so wie sich das Seniorenbüro gemeinsam mit der Stadtteilkoordination für gesundes und gutes Älterwerden einsetzt. Verknüpfungen mit der Arbeit des Seniorenbüros, bei dem insbeson- dere die Verantwortung für das Netzwerk Demenz, die Förderung von Hilfen im Vor- und Umfeld von Pflege und die Förderung von Angeboten der Altenhilfe liegen, werden über die Soziale Quartiersentwicklung in die Stadt- teile gebracht. Eine wichtige Funktion hat dabei der Arbeitskreis Quartier in Federführung der Stadtteilkoordina- tion. In diesem Arbeitskreis kommen die acht Quartiersprojekte in Trägerschaft von AWO, BLV, Caritas und Dia- konischem Werk regelmäßig zusammen. Eine von der Stadteilkoordination durchgeführte Umfrage bei den Stadtteilkoordination und Seniorenbüro – Sozial- und Jugendbehörde | 7 Mitarbeitenden in den Quartiersprojekten bestätigte, dass der fachliche Austausch gewünscht und geschätzt wird. Die Treffen bieten also nicht nur Raum für Erfahrungsaustausch, sondern dienen - unterstützt und geför- dert von der Stadtteilkoordination - der Weiterentwicklung der Arbeit und der Angebote unter dem gemeinsa- men Dach der Sozialen Quartiersentwicklung. Für die Arbeit in den Stadtteilen ist die gute Zusammenarbeit und Vernetzung auch mit anderen Abteilungen und Ämtern innerhalb der Verwaltung wichtig, damit Themen aus der Verwaltung in die Breite getragen werden und andersherum in der Verwaltung ankommen. An der Schnittstelle zu Ehrenamtlichen gelingt es der Stadtteil- koordination immer wieder, wichtige „Übersetzungsarbeit“ zu leisten. Das kann bedeuten, dass Sachverhalte geklärt und erklärt werden, indem zum Beispiel eine Kollegin aus dem Stadtplanungsamt zum Netzwerktreffen eingeladen wird, Planungen im Stadtteil vorstellt und Fragen beantwortet. Ein anderes Beispiel ist die Kontakt- vermittlung zum Ordnungsamt, wenn in einem Stadtteil ein „Bänkletag“ oder Nachbarschaftsfest stattfinden soll. Es finden regelmäßige Kooperationstreffen mit dem Amt für Stadtentwicklung (AfSta) satt, in dessen Ver- antwortungsbereich die Förderung der Stadtteilhäuser, die Förderung von Bürgerschaftlichem Engagement, aber auch Bürgerbeteiligung und Stadtentwicklung fallen. Hinzu kommt anlassbezogene Vernetzung beispielsweise mit dem Umweltamt zur Umsetzung des Hitzeschutzes und dem Kulturamt zur Umsetzung der „Bunten Stadt“. Stadtteilkoordination trifft Stadtentwicklung Die auf Dauer angelegten Stadtteilnetzwerke und die kontinuierliche Arbeit der Stadtteilkoordination sind in zeit- lich begrenzten Prozessen der Stadtentwicklung und Städtebauförderung Türöffner. Sie erleichtern Zugänge zu den Akteurinnen und Akteuren im Stadtteil und bieten Möglichkeiten, bestehende Netzwerkstrukturen für den Zeitraum der Maßnahmen zu nutzen. Sie unterstützen den Zusammenschluss verschiedener Prozesse und Aktivi- täten anderer Ämter sowie die Nutzung von Fördermöglichkeiten. Die Stadtteilkoordination unterstützt die Ak- teurinnen und Akteure in den Stadtteilen dabei, die entstandenen Ideen nach Beendigung der Projektlaufzeit weiterzuführen. Sie ist Ansprechpartner*in für Arbeitsgruppen und trägt dazu bei, dass angestoßene Entwick- lungen nachhaltig abgesichert werden. Beispielsweise hat die Stadtteilkoordination in Daxlanden den Kontakt zwischen einer AG und der Volkswohnung vermittelt, und es wurde gemeinsam überlegt, wie die Integration der Neubürger*innen im August-Klingler-Areal gelingen kann. Sie unterstützt darüber hinaus die Integration von AG ́s in die Stadtteilnetzwerke. In Mühlburg und der Innenstadt-Ost wurden außerdem Mittel der Nichtinvestiven Städtebauförderung (NIS-Mittel) von der Stadtteilkoordination verwaltet und für Projekte, die den sozialen Zu- sammenhalt stärken, zum Einsatz gebracht. Ein gutes Beispiel, in dem die oft im Hintergrund ablaufende, integrierende und auf Nachhaltigkeit ausgerichtet Arbeitsweise der Stadtteilkoordination sichtbar wird, findet sich in Daxlanden. Die Arbeitsgemeinschaft (AG) „Spiel, Sport, Bewegung und Mobilität“ hat sich bereits in der Pilotphase der Sozialen Quartiersentwicklung aus dem Stadtteilnetzwerk heraus gegründet. Sie arbeitet seitdem kontinuierlich weiter. Eine Besonderheit ist, dass ein Forschungsprojekt der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe (PHKA) und des KIT „Kooperative Sport- und Bewegungslandschaften – Quartiers- und Sportentwicklung am Beispiel von Karlsruhe-Daxlanden“ untersucht hat. An der Umsetzung von ausgewählten Handlungsempfehlungen aus dem Forschungsprojekt arbeitet die AG weiter. Daraus entstanden sind ▪ ein neu gestalteter Spielplatz, ▪ im Außenbereich des Kinder- und Jugendhaus West ein alternativer Aufenthaltsort, ausgestattet mit Sitz- bänken, die auch Seniorinnen und Senioren zum Verweilen einladen sollen, ▪ die Einrichtung einer Sportbox, sowie kostenlose Sportangebote für Seniorinnen und Senioren, wie das „Dorfradeln“. Die Stadtteilkoordination hat die AG unter anderem durch den Kontakt zum Gartenbauamt und zur Volkswoh- nung unterstützt. Für die Gestaltung des alternativen Aufenthaltsortes hat die AG durch Unterstützung der Stadtteilkoordination Landesfördermittel der Allianz für Beteiligung einwerben können. Auch im angrenzenden Stadtteil Grünwinkel zeigen die Netzwerkarbeit und die Unterstützung der Akteurinnen und Akteure durch die Stadtteilkoordination positive Effekte. Dort wurde in Zusammenarbeit mit dem Schul- und Sportamt und dem Amt für Umwelt- und Arbeitsschutz ein Angebot der bewegten Apotheke für Seniorinnen und Senioren etab- liert, weil sich die Akteurinnen und Akteure in Daxlanden sicher waren: „Bei uns gibt es vielfältige Angebote und es wäre sinnvoll, über die Stadtteilgrenze hinaus zu blicken.“ 8 | Bericht der Stadtteilkoordination – Soziale Quartiersentwicklung in Karlsruhe Die Stadtteilkoordination wird häufig zur Vermittlungsstelle, wenn es darum geht, geeignete Räume und Plätze für Aktivitäten zu finden. So unterstützte die Stadtteilkoordination den „Mobilen Kunstkiosk“ in Mühlburg, ei- nen geeigneten Platz mit der passenden Infrastruktur zu finden, damit Studierende der PHKA einen bunten Er- lebnisraum aus Mitmachstationen, Musik, Plausch und Pflanzentausch realisieren konnten. Darüber hinaus wurde durch die Vermittlung der Stadtteilkoordination eine Jugendhilfeeinrichtung aus Mühlburg mit der Wirt- schaftsförderung zusammengebracht. Infolgedessen wurden Räume in der Innenstadt einer neuen sozialen Nut- zung zugeführt. Fördermodul C Das von der Stadtteilkoordination verwaltete „Fördermodul C“ umfasst verschiedene Bereiche. Dazu gehören das vielseitig anwendbare Stadtteilbudget sowie zweckgebundene Mittel der Altenhilfe. Mit dieser Fördermög- lichkeit im Rahmen der SQE werden seit 2024 viele gute Angebote in den Stadtteilen unterstützt und neu ange- stoßen – auch in Stadtteilen, in denen die Stadtteilkoordination noch nicht aktiv ist. Einige Rückmeldungen las- sen darauf schließen, dass die lokalen und eng am Bedarf orientierten Angebote als etwas Besonderes wahrge- nommen und besonders geschätzt werden. Sie sind vielfältig, fördern Neues und unterstützen Bewährtes. Sie reichen von Mama-fit-Kursen, über Malkurse für Seniorinnen und Senioren, Quartiers-Picknick, queeren Tanztees bis hin zu Beratungsangeboten. Die Rolle der Stadtteilkoordination ist dabei, Antragstellende zu unterstützen, manchmal bereits in der Ideenfindung. Wichtig ist das insbesondere deshalb, weil ehrenamtliche Initiativen nie- derschwellig Zugang zu den Fördermöglichkeiten finden sollen. Über das Fördermodul C entstehen Kontakte der Stadtteilkoordination zu den kleineren und größeren Initiativen und den Trägern in den Stadtteilen – auch dort, wo die Stadtteilkoordination keine Stadtteilnetzwerke begleitet. SQE wirkt wie ein verbindendes Netz, dass sich über die Stadt spannt. Das Wissen der Stadtteilkoordination über das vielfältige Engagement in den Stadtteilen ist ein Teil davon. Ein weiterer Aspekt ist, dass Soziale Quartiersent- wicklung Schneeballeffekte erzeugt und nutzt, und dazu beiträgt, dass so auf lange Sicht strukturelle Verbesse- rungen entstehen. So macht ein regelmäßiger Newsletter mit der Rubrik „Erfolgsprojekte aus dem Fördermodul C“ gute Praxisbeispiele in anderen Stadtteilen und bei anderen Akteurinnen und Akteuren bekannt. Aufgabe der Stadtteilkoordination ist es auch, weitere „Türen zu öffnen“, in dem für die Arbeit im Stadtteil nicht nur städti- sche Gelder genutzt werden können, sondern auch darüberhinausgehende Fördermöglichkeiten erschlossen werden. So suchten Engagierte aus Weiherfeld-Dammerstock, die sich für das Stadtkloster und das grüne Zim- mer (als Quartierstreff) einsetzen, das beratende Gespräch. Um eine externe Moderation und Prozessbegleitung zu verwirklichen, wurden in Zusammenarbeit mit dem Amt für Stadtentwicklung Fördermittel der Allianz für Be- teiligung vermittelt. (Die Allianz für Beteiligung verwaltet Fördermittel des Landes und bietet Bildungsangebote.) Fazit und Ausblick Die Unterstützungsleistung der Stadtteilkoordination für die Träger, Institutionen, Vereine und Initiativen in Haupt- und Ehrenamt und für die Verwaltung selbst ist vielseitig und umfasst mehr als die Arbeit in den Stadt- teilnetzwerken. Mit der Stadtteilkoordination schafft die Stadt Karlsruhe unterstützende Strukturen und arbeitet konkret und nahbar mit den Verantwortungsträgern auf der lokalen Ebene – mit den Trägern, Institutionen, Ver- einen und Initiativen in Haupt- und Ehrenamt zusammen. In der Arbeit der Stadtteilkoordination hat sich ein be- darfsorientiertes und flexibles Vorgehen bewährt und soll auch künftig beibehalten werden. Ehrenamtliche Akteurinnen und Akteure und Initiativen nehmen in der SQE eine ebenso wichtige Rolle ein, wie hauptamtliche Partner*innen. In den Stadtteilen und in den Netzwerken zeigt sich, dass sie in unterschiedlicher Form und Intensität Unterstützung wünschen oder benötigen. Ausgestattet mit der guten übergreifenden Ver- netzung als „Proviant in ihrem Gepäck“ bewegt sich die Stadtteilkoordination in unterschiedlicher Intensität in den Stadtteilen und arbeitet bedarfsorientiert und prozessbezogen. In den nächsten zwei Jahren werden mit den aktuell vorhandenen Stellenressourcen die Netzwerkbildung und die Selbstorganisation in weiteren Stadtteilen unterstützt. Es wird forciert, räumliche Zusammenhänge und Sy- nergien noch stärker zu nutzen, denn Quartiere und das Engagement von Akteurinnen und Akteuren enden nicht immer an Stadtteilgrenzen und lassen sich in einigen Stadtteilen sinnvoll verbinden. Die Ausweitung bleibt jedoch ein Prozess, der Zeit benötigt. Zentral dabei ist: Die Stadtteilkoordination schaut auf Vorhandenes und knüpft an bestehende Strukturen und laufende Prozesse an. Sie achtet, dass die Bedarfe und die „Beschaffen- heit“ der Stadtteile und Ortschaften unterschiedlich sind. Das erfordert ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und eine Balance zwischen Struktur und Flexibilität.