Präventive Aktivitäten bei psychischen Erkrankungen im Jugendalter
| Vorlage: | 2025/0504 |
|---|---|
| Art: | Anfrage |
| Datum: | 23.05.2025 |
| Letzte Änderung: | 27.06.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 24.06.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0504 Eingang: 23.05.2025 Präventive Aktivitäten bei psychischen Erkrankungen im Jugendalter Anfrage: GRÜNE Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.06.2025 27 Ö Kenntnisnahme 1. Welche Bedeutung misst die Verwaltung präventiven Aktivitäten zur Vorbeugung von psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bei? 2. Welcher Bedarf wird hierfür in Karlsruhe gesehen? 3. Wie ist der Unterschied von präventiven Ansätzen zum Angebot von “Hide out” für berufliche Schulen? 4. Welche präventiven Angebote für Aktionen an Schulen schätzt die Verwaltung als sinnvoll ein? 5. Welche Schritte könnte die Verwaltung gehen, um präventive Angebote für Kinder und Jugendliche aufzubauen? 6. Welche Ressourcen sind für die Eröffnung eines Standorts der präventiven Angebote in diesem Bereich notwendig? Es ist bekannt, dass die Versorgung psychischer Erkrankungen von Kindern und Jugendlichen - insbesondere seit der Corona-Pandemie - bei weitem nicht ausreichend ist. Die Kinder und Jugendlichen müssen deutlich zu lange warten, bis sie einen Therapieplatz erhalten. Es besteht die Gefahr, dass sich Störungen, wie z.B. Ängste, in dieser Wartezeit verfestigen. Leider ist die Anzahl an Therapeut*innen begrenzt. Umso größer ist damit die Bedeutung präventiver Maßnahmen, mit dem Ziel, junge Menschen zu ermutigen, zu ihren Problemen zu stehen und sich an eine Vertrauensperson, wie Schulsozialarbeiter*innen (oder an die schulpsychologische Beratungsstelle) zu wenden. Im Rahmen der Fachtage „Welttag zur seelischen Gesundheit“ der Stadt Karlsruhe und des Landkreises im Herbst 2024 stellte sich der Verein „Irrsinnig Menschlich“ überzeugend und praxisbezogen im Sandkorn-Theater vor. Die Frage stellt sich, ob die Verwaltung diesen oder andere präventive Ansätze für Karlsruher Schulen aufgreift. Der Verein "Irrsinnig Menschlich" aus Leipzig hat zum Ziel, psychische Krisen zur Sprache zu bringen und Menschen zu helfen, ihre Not früher zu erkennen, sich nicht zu verstecken und Unterstützung anzunehmen. Der Verein ist auf präventive Arbeit und den Schutz von Kindern und Jugendlichen spezialisiert. Die überzeugende Aktion „Verrückt na und?“ wurde vorgestellt und mit Beispielen und Evaluationsdaten untermauert. Die Aktion findet in den Schulen statt und bezieht die Kinder/Jugendlichen intensiv mit ein. Auf ihrer Homepage heißt es: „Psychische Erkrankungen beginnen oft schon im Jugendalter. Doch häufig vergehen mehrere Jahre, bis Betroffene Hilfe suchen. Die größte Hürde für sie ist die Angst, stigmatisiert zu werden. Mit unserer niedrigschwelligen primärpräventiven Arbeit in Schule, Studium und Arbeit verkürzen wir von Irrsinnig Menschlich e.V. diese Zeitspanne. Gemeinsam mit unseren Sachverhalt / Begründung: – 2 – krisenerfahrenen Expert*innen helfen wir jungen Menschen, ihre Not früher zu erkennen, sich nicht zu verstecken und Unterstützung anzunehmen. Wir öffnen Herzen. Wir geben Hoffnung. Wir machen psychische Krisen besprechbar.“ Getragen und organisiert werden die Aktionen von örtlichen Standorten. In Baden-Württemberg gibt es bereits folgende Standorte: Landkreis Böblingen/Sindelfingen, Esslingen am Neckar, Freiburg, Landkreis Göppingen, Landkreis Ludwigsburg/Ludwigsburg, Offenburg, Landkreis Reutlingen/Reutlingen, Stuttgart, Zollernalbkreis/Alb (vgl. https://www.irrsinnig- menschlich.de/regionalgruppe-gruenden/). Unterzeichnet von: Verena Anlauf Dr. Iris Sardarabady Benjamin Bauer Jorinda Fahringer
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Extrahierter Text
Stellungnahme zur Anfrage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0504 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Präventive Aktivitäten bei psychischen Erkrankungen im Jugendalter Anfrage: GRÜNE Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Gemeinderat 24.06.2025 27 Ö Kenntnisnahme 1. Welche Bedeutung misst die Verwaltung präventiven Aktivitäten zur Vorbeugung von psychi- schen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen bei? Die Prävention von psychischen Erkrankungen und das frühzeitige Erreichen vulnerabler Zielgruppen wie Kinder und Jugendliche sind wichtige Ziele der Verwaltung. Die psychologischen Beratungsstellen für Eltern, Kinder und Jugendliche sind wichtige niedrigschwellige Angebote, die zeitnah und unbürokratisch fachkompetente Unterstützung bieten. So können langjährige, kostenintensive Erkrankungen verhindert und Kinder und Jugendliche gefördert und in ihrer Resilienz gestärkt werden. Der Bedarf ist gleichbleibend hoch, und die Komplexität der Problemlagen ist in den letzten Jahren deutlich angestiegen. Über die letzten 25 Jahre hinweg wurde die Schulsozialarbeit in Karlsruhe, getragen durch den Gemeinderat, flächendeckend ausgebaut – sowohl an allgemeinbildenden als auch an beruflichen Schulen. Im Zuge des Kinder- und Jugendstärkungsgesetz (KJSG) wurde im Jahr 2021 der § 13a Schulsozialarbeit in das SGB VIII aufgenommen und ist somit in Verbindung mit § 79 SGB VIII eine ge- setzliche Leistung. Während der vergangenen 25 Jahre hat sich die Schulsozialarbeit zu einer tragen- den Säule der Prävention und zu einem verlässlichen Beratungsangebot an den Schulen entwickelt. Wirkungsstudien zur Schulsozialarbeit haben gezeigt, dass sie als fest verankertes System mit entsprechender personeller und finanzieller Ausstattung eine hohe Wirksamkeit als Teil der Jugendhilfe entfaltet. Durch den niedrigschwelligen Zugang zu Beratung direkt in Schulen kommt die öffentliche Jugendhilfe deutlich früher mit Familien in Kontakt als es durch andere Beratungsstellen möglich wäre. Die Hemmungen Beratung in Anspruch zu nehmen sinken, weil die Fachkräfte der Schulsozialarbeit im System Schule als bekannte Bezugspersonen zur Verfügung stehen. Die gezielte Beratung durch sozialpädagogische Fachkräfte in Schulen sowie die Weitervermittlung zu passenden Angeboten vermeiden kostenintensivere Hilfen, da frühzeitig auf Problemlagen reagiert werden kann. Schulsozialarbeit bildet eine Brücke von den Schulen nach außen - zu Beratungsstellen in Karlsruhe, dem Allgemeinen Sozialen Dienst, zu Angeboten zum Übergang von der Schule in den Beruf sowie zu Freizeitangeboten und Anlaufstellen für junge Menschen, wie z.B. dem Stadtjugendausschuss e.V. Durch das Agieren in multiprofessionellen Netzwerken innerhalb und außerhalb der Schule verknüpft die Schulsozialarbeit die in Karlsruhe vorhandenen Angebote für Schüler*innen und ihre Familien gewinnbringend miteinander. Schulsozialarbeit hat im letzten Schuljahr an den allgemeinbildenden Schulen in nahezu allen Schulklassen mindestens ein Präventionsprojekt und ca. 8.600 Beratungen durgeführt. Bei 284 dieser Beratungen handelte es sich um Kinderschutzfälle. Lediglich 46 dieser Fälle mussten an den Allgemeinen Sozialen Dienst zur Weiterbearbeitung gegeben werden, in allen anderen Fällen konnte der Schutz der Kinder direkt gesichert werden. Auch daran zeigt sich die Wirksamkeit der Schulsozialarbeit - sowohl als Schutzsystem als auch als Entlastung für andere Beratungsstellen und rechtsanspruchsgebundene, einzelfallbezogene Leistungen. Durch frühzeitige und bedarfsgerechte – 2 – Beratung können weitere Leistungen oder intensivere Hilfen vermieden werden. Um flexibel und zielgerichtet auf veränderte Bedarfe reagieren zu können, arbeitet die Schulsozialarbeit derzeit an einem Instrument zur systematischen Bedarfsermittlung. Dabei konzentriert sie sich auf drei zentrale Themenfelder, in denen sich die Herausforderungen der letzten Jahre besonders verdichtet haben: Kinderschutz und psychische Gesundheit, Gewaltprävention und -intervention sowie Antidiskriminierung und Teilhabe. Diese inhaltlichen Schwerpunkte bilden den Rahmen für den strategischen Ressourceneinsatz und gewährleisten, dass die Schulsozialarbeit passgenaue und wirksame Unterstützung leisten kann. 2. Welcher Bedarf wird hierfür in Karlsruhe gesehen? Die Stadt Karlsruhe misst präventiven Maßnahmen im Bereich der psychischen Gesundheit von Kindern und Jugendlichen eine hohe Bedeutung bei. Ziel ist es, frühzeitig Anzeichen psychischer Belastung zu erkennen, Hilfsangebote zugänglich zu machen und Stigmatisierung entgegenzuwirken. Der Bedarf an niedrigschwelligen präventiven Angeboten im Bereich der seelischen Gesundheit ist – nicht zuletzt aufgrund der Auswirkungen der Corona-Pandemie – weiterhin hoch. Gleichzeitig besteht in Karlsruhe eine funktionierende und gut vernetzte Struktur im Bereich der Prävention. Die Schulsozialarbeit, in enger Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt, leistet hierbei einen zentralen Beitrag. 3. Wie ist der Unterschied von präventiven Ansätzen zum Angebot von “Hide out” für berufliche Schulen? Das Angebot „Hide out“ richtet sich an Schüler*innen beruflicher Schulen, die sich in akuten psychischen Belastungssituationen befinden. Es stellt kurzfristige Rückzugs- und Unterstützungsräume zur Verfügung. Primärpräventive Programme wie „Verrückt? Na und!“ setzen hingegen deutlich früher an, sensibilisieren für psychische Gesundheit, fördern Offenheit und reduzieren Vorurteile gegenüber psychischen Erkrankungen. Ziel ist es, psychische Krisen frühzeitig zu erkennen und langfristig eine resiliente Haltung zu fördern. 4. Welche präventiven Angebote für Aktionen an Schulen schätzt die Verwaltung als sinnvoll ein? Die Schulsozialarbeit spielt in diesem Zusammenhang eine tragende Rolle. Sie ist an nahezu allen Schularten präsent, arbeitet eng mit dem Gesundheitsamt zusammen und begleitet Schüler*innen präventiv – insbesondere auch während Wartezeiten auf therapeutische Angebote. Die Schulsozialar- beit engagiert sich aktuell bei der Gründung einer Regionalgruppe „Irrsinnig Menschlich e.V.“ und ist aktiv auf der Suche nach einem geeigneten Träger*in. Die Verwaltung sieht das Modell als eine sinn- volle Ergänzung zu den bestehenden präventiven Strukturen. Gleichzeitig ist es wichtig, zwischen prä- ventiven Maßnahmen und der Behandlung psychischer Erkrankungen zu differenzieren. Die Schulsozi- alarbeit kann junge Menschen, die bereits in das Hilfesystem eingebunden sind, in dieser herausfor- dernden Zeit unterstützen und sie während der Wartezeit auf einen Therapieplatz begleiten. Dennoch kann sie eine fachliche therapeutische Behandlung nicht ersetzen. Hier sind weiterhin insbesondere die Strukturen des Gesundheitssystems gefragt, um eine verlässliche und bedarfsgerechte Versorgung si- cherzustellen. Die Schulsozialarbeit versteht sich dabei als ergänzende, verbindende Instanz und wert- volle Unterstützung im Übergang. 5. Welche Schritte könnte die Verwaltung gehen, um präventive Angebote für Kinder und Ju- gendliche aufzubauen? siehe Frage 4 – 3 – 6. Welche Ressourcen sind für die Eröffnung eines Standorts der präventiven Angebote in diesem Bereich notwendig? Aufgrund der aktuellen Haushaltslage können keine zusätzlichen städtischen Mittel für neue Projekte bereitgestellt werden. Die Konzentration liegt daher auf der Sicherung und Weiterführung bestehen- der Angebote.
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Niederschrift 11. Plenarsitzung des Gemeinderates 24. Juni 2025, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 27 der Tagesordnung: Präventive Aktivitäten bei psychischen Erkrankungen im Ju- gendalter Anfrage: GRÜNE Vorlage: 2025/0504 Beschluss: Kenntnisnahme von der Stellungnahme der Verwaltung Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende ruft Tagesordnungspunkt 27 zur Behandlung auf und teilt mit, die Stel- lungnahme der Verwaltung liege vor, der Gemeinderat habe Kenntnis genommen (keine Wortmeldungen). Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 27. Juni 2025