Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe, Bericht 2023 - 2024

Vorlage: 2025/0463
Art: Informationsvorlage
Datum: 14.05.2025
Letzte Änderung: 02.07.2025
Unter Leitung von: Sozial- und Jugendbehörde
Erwähnte Stadtteile: Keine Angaben

Beratungen

  • Sozialausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 09.07.2025

    TOP: 4

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0463 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: SJB Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe, Bericht 2023 - 2024 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Sozialausschuss 09.07.2025 4 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Sozialausschuss nimmt den vorgelegten Bericht der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe ist seit ihrer Gründung im Jahr 2000 eine Anlaufstelle für Menschen mit Psychiatrieerfahrungen und deren Angehörige/Zugehörige. Sie ist auch langjährige Kooperationspartnerin in Netzwerken der lokalen Gemeindepsychiatrie. Der Bericht der IBB für den Zeitraum 2023 bis 2024 ist der Anlage zu entnehmen. Im Berichtszeitraum konnte die IBB ihre Arbeit in trialogischer Zusammenarbeit („trialogisches Prinzip des Miteinanders“ – damit ist die Kommunikation auf Augenhöhe zwischen Betroffenen, Angehörigen/Zugehörigen und Professionellen gemeint) 1 fortsetzen. Arbeitsinhalte der IBB im Berichtszeitraum 2023-2024 waren unter anderem: ▪ Regelmäßige Sprechstunden durch jeweils zwei Mitglieder (Vier-Augen-Prinzip) ▪ Information, Beratung und Bearbeitung einer Vielzahl an Anliegen für Betroffene, Angehörige/Zugehörige und Institutionen ▪ Vielseitige Verfügbarkeit für Ratsuchende (telefonisch, elektronisches und klassisches Postfach, Kontaktformular auf der eigenen Webseite) ▪ Regelmäßige Plenumssitzungen im Rathaus an der Alb in Kooperation mit der Sozial- und Jugendbehörde ▪ Mitwirkung im Gemeindepsychiatrieverbund der Stadt Karlsruhe (GPV) und dessen Subgruppen (GPV Forum 2024, AG Informationen und Wege, AG Entlassmanagement, AG Psychiatrieplanung) ▪ Engagement in der Regionalgruppe Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e. V. (DGSP) ▪ Beteiligung an den jährlichen Gedenkfeiern für die Karlsruher Euthanasie-Opfer (Titel: Gegen die Macht des Vergessens) ▪ Überregionaler Austausch (mit Landkreis Karlsruhe und dem AK Psychiatrie im südlichen Landkreis) ▪ Regelmäßiger Austausch mit der Karlsruher Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ▪ Beratung zum Thema EX-IN-Ausbildung 1 Zit. nach Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie: Bericht 2023 – 2024, S. 10. – 3 – Abbildung 1: Gesamtzahl der Anfragen in der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle (IBB) im Jahresvergleich (2017 bis 2024) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde / Sozialplanung / eigene Darstellung Die Abbildung 1 zeigt die Gesamtzahl der Anfragen in der IBB. Über die Jahre hinweg ist ein deutlicher Aufwärtstrend zu erkennen. Demzufolge hat sich die Zahl der Anfragen seit 2017 bis 2024 nahezu verdreifacht. Eine Abweichung zeigt sich im Rückgang der Anfragen zwischen 2018 und 2019. In diesem Zeitraum nahmen die Anfragen von 44 im Jahr 2018 auf 34 im Jahr 2019 um 22,7 Prozent ab. Ab 2019 steigt die Zahl der Anfragen jedoch kontinuierlich an. Der abgezeichnete Wachstumstrend kann in Relation mit der allgemeinen Zunahme der psychischen Krankheiten in Deutschland so wie in der Stadt Karlsruhe gesehen werden - unter anderem auch bedingt durch die COVID-19 - Pandemie. Mit dem Höchststand von 73 Anfragen im Jahr 2024 wird deutlich, dass immer mehr Menschen nach Unterstützung bei der IBB suchen. Das zeigt zudem, dass die IBB eine etablierte Anlaufstelle für diese Menschen ist und die psychische Gesundheit immer wichtiger wird. Abbildung 2: Anfragen* nach Personengruppen im Jahresvergleich (2017 bis 2024) Quelle: Sozial- und Jugendbehörde / Sozialplanung / eigene Darstellung *Aufgrund von Rundungen kommt es zu minimalen Abweichungen bei der Ermittlung der Gesamtzahl. 26 44 34 46 57 66 69 73 0 10 20 30 40 50 60 70 80 20172018201920202021202220232024 Ge s a m t z a h lAn f r a g e n I B B( 2 0 1 7 -2 0 2 4 ) 12 26 19 22 33 34 35 33 8 8 12 13 18 19 18 25 6 8 3 11 6 1213 15 20172018201920202021202220232024 Anfragen nach Personengruppen von 2017 bis 2024 PsychiatrieerfahreneAngehörige/ZugehörigeFreunde/Mitbewohnende/ Sonstige Institutionen – 4 – In der Abbildung 2 sind die Anfragen in der IBB nach dem Personenkreis differenziert dargestellt. Die größte Gruppe der Anfragenden bilden seit 2017 Menschen mit Einschränkungen der psychischen Gesundheit (bzw. Psychiatrieerfahrene). Die zweitgrößte Gruppe der Anfragenden (Angehörige/Zugehörige) zeichnet sich durch einen stetigen Anstieg aus. Diese Entwicklung macht deutlich, dass psychische Erkrankungen für die Menschen selbst aber auch für ihre Angehörigen/Zugehörigen eine hohe Belastung darstellen. Die IBB trägt im Rahmen von Fachtagen wie zum Beispiel am 3. Mai 2024 „ANGEHÖRIGE – die größte Rehaeinrichtung in Karlsruhe? Unbezahlt, unfreiwillig, unsichtbar“ zur gesellschaftlichen Sensibilisierung sowie zur Stärkung der Netzwerkarbeit bei. Aus Sicht der Stadtverwaltung Karlsruhe ist die Arbeit der IBB eine gelungene Form der Interessenvertretung für Menschen mit psychiatrischen Bedarfen und damit ein wichtiges Beispiel für Partizipation in der Stadt Karlsruhe.

  • Anlage
    Extrahierter Text

    Stadt Karlsruhe Sozial- und Jugendbehörde Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie für Menschen mit psychischer Erkrankung, Angehörige und Nahestehende. Bericht 2023 – 2024 Anlage SozA 09.07.2025, TOP 4 2 | Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie, Bericht 2023 – 2024 Impressum Herausgegeben von Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) Karlsruhe Karlstraße 56, 76133 Karlsruhe Telefon: 0721 981-7333 E-Mail: info@ibb-psychiatrie-ka.de In Zusammenarbeit mit Stadt Karlsruhe – Sozial- und Jugendbehörde Sozialplanung Ernst-Frey-Straße 10, 76135 Karlsruhe Telefon: 0721 133-5574 E-Mail: mariana.schlindwein@sjb.karlsruhe.de Die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie Karlsruhe wird unterstützt durch das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration aus Landesmitteln, die der Landtag von Baden-Württemberg beschlossen hat. Layout Sozial- und Jugendbehörde Felix Vorreiter Stand Mai 2025 Sozial- und Jugendbehörde | 3 Inhaltsverzeichnis Impressum .................................................................................................................................................................. 2 1. Sitz der Geschäftsstelle der IBB ........................................................................................................................ 4 2. Implementierung/Konstituierung ...................................................................................................................... 4 3. Sachstand zur Arbeitsweise .............................................................................................................................. 5 4. Sachstand zur Kooperation mit GPV sowie anderen Institutionen .................................................................... 5 5. Inanspruchnahme der IBB mit statistischen Daten ............................................................................................ 6 6. Auf welche Einrichtungen bezogen sich die Beschwerden ................................................................................ 7 7. Um welche Themen ging es in den Anfragen? .................................................................................................. 8 7.1 Die Anfragen betroffener Personen ..................................................................................................... 8 7.2 Anliegen von Angehörigen und nahestehenden Personen ................................................................... 8 7.3 Beschwerden gegenüber Kliniken ........................................................................................................ 9 7.4 Beschwerden bezogen auf andere Institutionen ................................................................................... 9 8. Zeitlicher Bedarf pro Anliegen .......................................................................................................................... 9 8.1 Anfragebezogener Zeitbedarf .............................................................................................................. 9 8.2 Anfragenunabhängiger Zeitaufwand ................................................................................................... 9 9. Fachtage dienen der Vernetzung und Impulsgebung im sozial-psychiatrischen Kontext ................................ 10 10. Einschätzung – Schwerpunkte ......................................................................................................................... 10 11. Ausblick ........................................................................................................................................................... 11 4 | Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie, Bericht 2023 – 2024 1. Sitz der Geschäftsstelle der IBB Seit Gründung als „Beschwerdestelle Psychiatrie“ im Jahr 2000 ist die Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie (IBB) dreimal umgezogen. Seit Januar 2023 befindet sie sich in der Karlstraße 56, in den Räumen des Diakonischen Werkes, Fachbereich Generationen und Gesundheit, zentral gelegen und gut erreichbar. 2. Implementierung/Konstituierung Die IBB ist organisatorisch der Sozial- und Jugendbehörde Karlsruhe angegliedert. Nach der Pensionierung der langjährigen Psychiatriekoordinatorin im Mai 2022 wurden deren Aufgaben auf mehrere Mitarbeitende der Abteilung Sozialplanung verteilt. Inzwischen erscheint die Funktion der Psychiatriekoordination nicht mehr im Organigramm der Sozial- und Jugendbehörde. Der IBB stand immerhin eine konstante Ansprechperson zur Verfügung, die allerdings inzwischen ausgeschieden ist. Eine neue Kontaktperson wurde benannt, mit der sich ebenfalls eine vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickelt hat. Über die Arbeit der IBB wird regelmäßig im GPV (Gemeindepsychiatrischer Verbund) und alle zwei Jahre im Sozialausschuss berichtet. Der Gemeinderat beruft anschließend per Offenlage die Mitwirkenden in ihr Amt. Die bestehende Geschäftsordnung wurde aktualisiert und trat mit Wirkung vom 8. März 2017 in Kraft. Seit Inkrafttreten des Psychisch-Kranken-Hilfe-Gesetzes (PsychKHG) am 1. Januar 2015 wird die Arbeit der Informations-, Beratungs- und Beschwerdestellen Psychiatrie in den Stadt- und Landkreisen vom Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration Baden-Württemberg jährlich in Höhe von maximal 14.500 Euro unterstützt. Ein Jahresbericht ist verpflichtend. In der aktualisierten Verwaltungsvorschrift vom 1. Januar 2023 wurde die bestehende Struktur bis zum 31. Dezember 2028 verlängert. Im Jahr 2024 engagierten sich in der IBB: ▪ Zwei Betroffene, beide Personen mit EX-IN Qualifizierung als Genesungsbegleitung ▪ eine Angehörige ▪ drei Fachkräfte aus dem sozial-psychiatrischen Bereich (davon ein EX-IN Trainer) ▪ zwei engagierte Bürgerinnen und Bürger ▪ ein beratendes Mitglied aus der Klinik für Psychiatrie Karlsruhe (leitende Psychologin) Eine EX-In Genesungsbegleiterin beendete Ende 2024 ihre langjährige Mitarbeit bei der IBB. Einen neuen Kollegen zur Verstärkung der Angehörigenperspektive konnten wir gewinnen. Sozial- und Jugendbehörde | 5 3. Sachstand zur Arbeitsweise An jedem 1. und 3. Mittwoch des Monats bieten wir von 16 bis 18 Uhr Sprechstunden an, bei denen jeweils zwei IBB-Teammitglieder persönlich anwesend sind. Dieses Angebot besteht durchgehend, auch während der Ferienzeiten. Wir legen Wert darauf, dass bei wiederholten Kontakten die ursprüngliche Ansprechperson das Anliegen weiter betreut. Unsere Erreichbarkeit ist vielfältig sichergestellt: telefonisch mit regelmäßig abgehörtem Anrufbeantworter, per E-Mail, postalisch sowie über das Kontaktformular auf unserer Webseite. Die Plenumssitzungen finden üblicherweise im Rathaus an der Alb statt, in Kooperation mit der für uns zuständigen Sozialplanerin. Auf Wunsch der Ratsuchenden verfassen wir nach Vorlage einer Schweigepflichtentbindung schriftliche Beschwerden. Häufig bringt jedoch bereits das Beratungsgespräch Entlastung und eröffnet neue Blickwinkel. Es werden deutlich mehr Beschwerden mündlich vorgetragen als letztendlich schriftlich dokumentiert und eingereicht. Die Zahl der telefonisch oder per E-Mail bearbeiteten Anliegen hat zugenommen, besonders bei Informationsanfragen oder der Suche nach zuständigen Stellen. Dennoch nutzen Ratsuchende weiterhin unsere Sprechstunden. Aus unserer Erfahrung bietet das persönliche Gespräch mit Beraterinnen und Beratern, die verschiedene Perspektiven einbringen können, den größten Mehrwert. 4. Sachstand zur Kooperation mit GPV sowie anderen Institutionen Seit Gründung der IBB im Jahr 2000 ist diese als ordentliches Mitglied im GPV vertreten. IBB-Mitwirkende waren maßgeblich an der Erarbeitung eines Konzeptes zur Förderung von EX-IN Ausbildungen für die Stadt Karlsruhe beteiligt. Fünf Personen erhielten von der Sozial- und Jugendbehörde eine Zusage für die Finanzierung der Qualifizierung. IBB-Mitarbeiter*innen haben an der inhaltlichen Vorbereitung und Gestaltung zum Thema „Übergänge und Schnittstellen“ des GPV Forums am 13. März 2024 mitgewirkt. Das Forum ist ein sehr nachgefragtes Format, weil es alle in der sozial-psychiatrischen Versorgung anspricht, somit interdisziplinär und trialogisch gestaltet ist. Aus den Diskussionen ergaben sich zwei Schwerpunkte, die in Arbeitsgruppen weiterbearbeitet werden, an denen sich die IBB aktiv beteiligt: AG Informationswege und AG Entlass Management. Einige Mitwirkende der IBB engagieren sich in der Regionalgruppe Karlsruhe der Deutschen Gesellschaft für Soziale Psychiatrie e.V. (DGSP). Unter dem Titel „Gegen die Macht des Vergessens“ werden jährlich Gedenkfeiern für die Karlsruher Euthanasie-Opfer gestaltet. Regelmäßig findet ein Austausch mit der IBB im Landkreis und dem AK Psychiatrie südlicher Landkreis statt. Mit der Karlsruher Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie ist die IBB im Austausch. Auf Einladung des neuen Chefarztes Prof. Dr. Heiko Graf fand im Herbst 2024 ein Kennenlerngespräch statt. 6 | Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie, Bericht 2023 – 2024 5. Inanspruchnahme der IBB mit statistischen Daten Abbildung 1: Anzahl der Anfragen Anzahl der Anfragen 2023 2024 Information 19 17 Beratung 38 42 Beschwerden 12 14 Gesamt 69 73 Abbildung 2: Personengruppen Personengruppen 2023 2024 Psychiatrie-Erfahrene/Betroffene 35 33 Angehörige 18 25 Umfeld-Personen, Nahestehende 5 5 Andere Institutionen, Sonstige 8 10 anonym 3 - Davon Kontakt im Vorjahr 5 5 Abbildung 3: Alter der anfragenden Personen Alter der anfragenden Personen 2023 2024 18 bis 40 9 19 41 bis 60 15 15 über 60 7 11 unbekannt 38 28 Abbildung 4: Geschlecht Geschlecht 2023 2024 weiblich 45 45 männlich 24 28 unbekannt - - Sozial- und Jugendbehörde | 7 6. Auf welche Einrichtungen bezogen sich die Beschwerden 8 | Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie, Bericht 2023 – 2024 7. Um welche Themen ging es in den Anfragen? Die Informationsanfragen an die IBB umfassten ein breites Spektrum an Themen im Bereich der psychosozialen Versorgung. Diese beinhalteten: ▪ Anfragen zur Lokalisierung professioneller Versorgungsstrukturen, insbesondere psychotherapeutischer und psychiatrischer Fachkräfte sowie spezialisierter Beratungseinrichtungen. ▪ Interesse an der EX-IN-Ausbildung, Methodik und Aufgaben in der psychiatrischen Versorgungslandschaft. ▪ Nachfragen zu lokalen psychosozialen Rehabilitationsangeboten, exemplarisch zum Club Pinguin als Initiative des Sozialpsychiatrischen Dienstes. ▪ Anfragen zur rechtlichen Selbstbestimmung im Kontext psychischer Erkrankungen, speziell zu psychiatrischen Patientenverfügungen. ▪ Beratungsbedarf hinsichtlich regionaler Versorgungsstrukturen bei Wohnortwechsel psychisch erkrankter Angehöriger. ▪ Metainformationen zur institutionellen Arbeitsweise, verbunden mit Interesse an Partizipation und Praxisausbildung. ▪ Unterstützungsbedarf für themenspezifische Fortbildungsveranstaltungen, insbesondere zu affektiven Störungen im Alter. 7.1 Die Anfragen betroffener Personen ▪ Hilfe bei der Suche nach geeigneten Psychotherapeutinnen und -therapeuten. ▪ Unterstützung bei psychischen Problemen wie Depression, Antriebslosigkeit, Ängsten und ADHS. ▪ Unzufriedenheit mit ärztlichen Entscheidungen (verweigerte Atteste, Ablehnung von Reha-Plänen). ▪ Studierende mit Schlafproblemen, Antriebsmangel und Zukunftsängsten. ▪ Unterstützung beim Verfassen von Schreiben (zum Beispiel wegen ausstehender Zahlungen von Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern). ▪ Begleitung bei Arztbesuchen. ▪ Hilfe bei Rentenanträgen. ▪ Suche nach bezahlbarem Wohnraum. ▪ Mehrfachproblematik bei Rückkehrern nach Karlsruhe (Wohnungssuche, Arbeitssuche, psychologische Betreuung). ▪ Beschwerden über Therapeutinnen und Therapeuten. ▪ Probleme mit der Rentenversicherung wegen Rentenkürzungen. ▪ Suche nach Behandlungsmöglichkeiten bei Doppelbelastung durch Krebs und Depression. ▪ Finanzielle Notlagen durch Kontopfändung. ▪ Schwere Depression nach Verlusterlebnissen (zum Beispiel Suizid des Bruders, Tod des Hundes) mit Bedarf an psychiatrischer und psychotherapeutischer Hilfe. ▪ Wunsch nach stationärer Behandlung bei komplexen Problemen (Ängste, Opiatabhängigkeit, Borderline). ▪ Anpassungsschwierigkeiten nach Umzug bei bestehender Depression und ▪ Unzufriedenheit mit Pflegediensten. 7.2 Anliegen von Angehörigen und nahestehenden Personen ▪ Wie kann die Versorgung und Unterstützung von psychisch kranken oder suchtkranken Familienmitgliedern nach einem Klinikaufenthalt sichergestellt werden? ▪ Kritik am Verhalten des Pflegepersonals in Kliniken. ▪ Schwierigkeiten älterer oder selbst erkrankter Angehöriger, mit psychisch erkrankten Familienmitgliedern umzugehen, insbesondere wenn diese die Erkrankung nicht einsehen. ▪ Herausforderungen, wenn psychisch kranke Angehörige die Behandlung verweigern. ▪ Sorge und Unterstützung von Nahestehenden bei der Organisation von Terminen und dem Aufenthaltsort Betroffener. ▪ Besorgnis von Eltern über den Verbleib und Zustand drogenabhängiger Kinder. ▪ Komplexe Familiensituationen mit mehreren Angehörigen mit unterschiedlichen Beeinträchtigungen. ▪ Belastungen für Angehörige, wenn ein psychisch krankes Familienmitglied inhaftiert ist. ▪ Wunsch nach Austausch und Unterstützung für Angehörige. Sozial- und Jugendbehörde | 9 ▪ Fehlende Informationen und Kontaktmöglichkeiten zu Angehörigen in Kliniken. ▪ Herausforderungen, wenn Angehörige die Erkrankung nicht einsehen. ▪ Konflikte in Familien über die richtige Versorgung psychisch kranker Angehöriger. ▪ Überforderung, Ängste und fehlende Perspektiven bei Partnern und Eltern. 7.3 Beschwerden gegenüber Kliniken ▪ Kritik an den Zuständen in psychiatrischen Einrichtungen. ▪ Bedenken, dass Patientinnen oder Patienten nach dem Klinikaufenthalt in eine prekäre Situation entlassen werden. ▪ Wunsch nach Verlegung in eine andere Klinik aufgrund schlechter Erfahrungen. ▪ Vorwürfe, dass Patientinnen oder Patienten notwendige Medikamente vorenthalten werden. ▪ Kritik an der vorzeitigen Entlassung von Patienten trotz fortbestehender Selbstgefährdung. ▪ Unzufriedenheit mit der Behandlung und Medikation. ▪ Umfangreiche Beschwerden über das Verhalten des Personals in einer Tagesklinik. ▪ Überforderung und Verunsicherung von Angehörigen nach plötzlicher Diagnosestellung. ▪ Unzufriedenheit mit der stationsäquivalenten psychiatrischen Behandlung. ▪ Kritik an der unangemessenen Behandlung der Krankheitssituation auf der Station. 7.4 Beschwerden bezogen auf andere Institutionen ▪ Fehlende Reaktion des Betreuungsgerichts auf Anträge der Eltern. ▪ Konflikte zwischen Mitbewohnerinnen und Mitbewohnern in betreuten Wohnformen und Unverständnis des Trägers. ▪ Unzureichende Versorgung und Fehler bei der Medikamenteneinteilung durch ambulante Pflegedienste. ▪ Probleme durch den Drogenkonsum des Vermieters. ▪ Erreichbarkeit und Verfügbarkeit gesetzlicher Betreuer*innen. ▪ Beendigung oder Rücknahme von Unterstützungsleistungen durch Eingliederungshilfe. ▪ Fehlende Unterstützung und Fürsorge durch Vermieter*in gegenüber psychisch kranken Mieterinnen und Mietern. ▪ Abbruch ambulanter Wohnbetreuungsangebote. ▪ Fehlende Bereitschaft von Fachärztinnen oder -ärzten, eine zweite Meinung einzuholen. ▪ Unerlaubte Weitergabe vertraulicher Daten und Diagnosen. 8. Zeitlicher Bedarf pro Anliegen 8.1 Anfragebezogener Zeitbedarf Im Berichtszeitraum ergibt sich pro Anliegen ein Durchschnittswert von vier Stunden und 30 Minuten. Einige Ratsuchende benötigten eine höhere zeitliche Beanspruchung der IBB, andere Anfragen ließen sich in kürzerer Zeit und per Telefon und E-Mail bearbeiten. Insofern ist der Durchschnittswert nur ein statistisches Hilfsmittel. 8.2 Anfragenunabhängiger Zeitaufwand Gremienarbeit, Onlinetagungen, Fortbildungen, Öffentlichkeitsarbeit, Jahresbericht, Mitarbeit in der DGSP-Regionalgruppe, Ausrichtung der Fachtage sind zeitlich nicht miteingerechnet. 10 | Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie, Bericht 2023 – 2024 9. Fachtage dienen der Vernetzung und Impulsgebung im sozial-psychiatrischen Kontext Als IBB sind wir Teil des gemeindepsychiatrischen Verbunds (GPV) in Karlsruhe und erfahren über unsere Beratungen vieles an Sorgen und Nöten sowie über Schnittstellen zwischen Institutionen und Ratsuchenden. Wir möchten über die Beratungen hinaus mit unseren Fachtagen das trialogische Prinzip des Miteinanders von Betroffenen, Angehörigen und sozial-psychiatrischen Fachkräften stärken und Impulse für Weiterentwicklung ermöglichen. Inzwischen haben wir drei Fachtage durchgeführt mit folgenden Schwerpunktthemen: ▪ 6. Mai 2022 „Eine psychiatrieverändernde Bewegung – EX-In Genesungsbegleiter*innen setzen Impulse“ ▪ 7. Mai 2023 „Recovery – hoffnungsvoll weiterdenken, Zuversichtliche Ansätze für Karlsruhe“ ▪ 3. Mai 2024 „Unbezahlt, unfreiwillig, unsichtbar“ Angehörige – die größte Rehaeinrichtung in Karlsruhe? Diese Veranstaltung wurde zusammen mit dem Landesverband Baden-Württemberg der Angehörigen psychisch erkrankter Menschen e. V. durchgeführt. 10. Einschätzung – Schwerpunkte Die Schwerpunkte der Anliegen lagen wie im Vorjahr im Bereich der therapeutischen Maßnahmen innerhalb der Kliniken, als auch bei niedergelassenen Therapeutinnen und Therapeuten sowie der Suche nach einem Therapieplatz. Zwangsmaßnahmen wurden weniger benannt. Depressionen waren häufige Themen in der Beratung. Mehr jüngere Menschen, insbesondere Studierende suchten die IBB auf. Betroffene und Angehörige klagen über unzureichende medizinische Behandlung und fehlendes Entlass-Management. Angehörige bemängeln zudem die fehlende Beratung beziehungsweise Information über die Erkrankung und Perspektive der Erkrankten. Häufig schildern Angehörige die Überforderung des Fachpersonals insbesondere bei komplexen Krankheitsfällen. Aus Sicht der IBB besteht dringender Handlungsbedarf in folgenden Bereichen: a) Erweiterung des Angebotes an Therapeutinnen und Therapeuten: ▪ Lange Wartezeiten und frustrierende Suche nach Therapieplätzen gefährden den Gesundungsprozess. b) Sicherstellung der Anschlussbehandlung nach Klinikentlassung: ▪ Optimierung der Vernetzung im psychiatrischen Versorgungssystem. ▪ Einbeziehung von Angehörigen und dem sozialen Umfeld. ▪ Kontinuität in der Medikamentenversorgung über Wochenenden hinaus. ▪ Koordinierung von Unterstützung und Begleitung, zum Beispiel durch EX-In Genesungsbegleiter*innen. c) Verbesserung der Beratung und Begleitung von Angehörigen: ▪ Angehörigengruppen (Angebot derzeit durch DGSP und Brücke). ▪ Sprechstunden (in der Klinik für Psychiatrie gibt es wieder eine regelmäßige Sprechstunde für Angehörige). ▪ Bildung (Psychoedukation zum Beispiel Onlinekurse). ▪ Qualifizierung (von Angehörigen für die Beratung und Begleitung von Angehörigen, ähnlich wie bei der EX-In Weiterbildung wäre wünschenswert). Einen Einblick in die reale Situation von Angehörigen ermöglicht der Beitrag „Willkommen in unserer Welt“ zu finden unter: www.angehoerige-im-mittelpunkt.de Sozial- und Jugendbehörde | 11 11. Ausblick Auf Antrag der GRÜNEN Fraktion beschäftigt sich der GPV mit dem Thema Psychiatrieplanung in Karlsruhe und hat dazu eine Arbeitsgruppe „AG Psychiatrieplanung“ gebildet, in der die IBB mitwirkt. Renate Engler und Anja Kayser für das IBB-Team Karlsruhe 12 | Informations-, Beratungs- und Beschwerdestelle Psychiatrie, Bericht 2023 – 2024