Zentrum für digitale Spiel- und Freizeitgestaltung und Lebenswelten
| Vorlage: | 2025/0439 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 07.05.2025 |
| Letzte Änderung: | 16.06.2025 |
| Unter Leitung von: | Sozial- und Jugendbehörde |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Oststadt |
Beratungen
- Jugendhilfeausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 25.06.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0439 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: stja Zentrum für digitale Spiel- und Freizeitgestaltung und Lebenswelten Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Jugendhilfeausschuss 25.06.2025 4 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Jugendhilfeausschuss nimmt von der Vorlage Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen 1. Ausgangslage Mit der Erweiterung und der rasanten Entwicklung neuer Medienangebote und den digitalen Lebens- welten ergeben sich für die Kinder- und Jugendarbeit andere und neue Herausforderungen. Die Mitarbeitenden in den Einrichtungen der Offenen Kinder- und Jugendarbeit des Stadtjugendaus- schusses e.V. Karlsruhe (stja) sind nah an den Themen und der Lebenswelt von jungen Menschen. Sie nehmen wahr, welche digitalen Plattformen, Angebote und Funktionen genutzt werden. Die Jugend- arbeit reagiert und agiert auf der Grundlage ihrer Arbeitsprinzipien Offenheit, Freiwilligkeit, Partizipa- tion und Lebensweltorientierung 1 . Einerseits geht es darum, den von jungen Menschen gewünschten Themen Raum zu geben: Raum zum Gestalten, Auszuprobieren und Lernen. Andererseits werden die Themen aufgegriffen und pädagogisch begleitet. So ist 2016 in dem Kinder- und Jugendhaus Oststadt (KJH) die so genannte ComputerSpielSchule (coss) entstanden. Der Name ist festgelegt über die damalige Projektförderung der ersten drei Jahre. Die coss ist eine Einrichtung mit medienpädagogischem Schwerpunkt. Als themen- und zielgruppen- orientierte Einrichtung hat sie ein besonderes Konzept und richtet ihr Angebot an junge Menschen aus dem gesamten Stadtgebiet. Wie im Kinder- und Jugendhaus gibt es einen Offenen Bereich. Das bedeutet, dass zu bestimmten Zei- ten Räume, in diesem Fall mit besonderer Ausstattung zum Computerspielen, ohne Anmeldung zur Verfügung stehen. Die jungen Menschen entscheiden, wann sie kommen, wie lange sie bleiben und was sie in der Zeit machen. Eine Gruppe von Jugendlichen und jungen erwachsenen Gamern, die regelmäßig die Einrichtung be- suchen, wurde in dem Projekt und zu der Gruppe Spielgesteuert zusammengefasst. Diese Gruppe steht stellvertretend für die Interessen von Videogamern ein und will aktiv deren Image verbessern. Sie haben sich intensiv mit dem Thema Computerspiele auseinandergesetzt und vielfältige und innovative Aktionen durchgeführt: Familienworkshops, Fachkräftefortbildungen, Podcasts, Lets plays, Senioren an die Konsole, Elterntalk, Mitwirkung an Stadtteilfesten, Nationale Vernetzung und die Beteiligung bei der Entwicklung einer bundesweiten Kampagne zum Jugendschutz. Workshops und Schulungen Durch gemeinsame Workshops und Schulungen, die von den jungen Menschen mit pädagogischer Begleitung durchgeführt werden, werden Erwachsene in die Lage versetzt, die mediale Lebenswelt von Kindern und Jugendlichen zu verstehen und sie zu einem angemessenen Umgang mit Bildschirm- spielen anzuleiten. Die jungen Menschen sind Experten auf ihrem Gebiet und werden als Mentoren eingesetzt. Im Auseinandersetzungsprozess über virtuelle Spielwelten begegnen sich Pädagogen, an- dere Erwachsene wie auch jugendliche Spieler auf Augenhöhe und machen somit gegenseitiges Ler- nen möglich. Neben der Stärkung medienpädagogischer Kompetenzen bei Erwachsenen ist die Stärkung der Mitver- antwortung der Peergroup ein erfolgversprechender Weg, um ältere Kinder und Jugendliche dazu an- zuregen, ihr eigenes Medienhandeln zu reflektieren und selbstbestimmt mit Medien umzugehen. Netzwerkarbeit und Kooperationen Vor dem Start der coss, war der Leiter des Kinder- und Jugendhauses Oststadt Mitbegründer des Me- dienNetzWerkes Karlsruhe mit den beteiligten Institutionen: ZKM, Stadtmedienzentrum, Landesmedi- enzentrum, Stadtbibliothek/Kinder- und Jugendbibliothek, Pädagogische Hochschule Karlsruhe, jubez und Jugendschutz/ Kinderbüro der Stadt Karlsruhe. Die coss mit ihrem Angebot wurde an das bereits bestehende Netzwerk angedockt und zusätzlich gemeinsame Veranstaltungen wie ein Medienfachtag durchgeführt. 1 Broschüre Offene Kinder- und Jugendarbeit in Karlsruhe – 3 – Der Leiter der coss ist unter anderem vom Verband AJS (Aktion Jugendschutz BW) als Jugendschutz- sachverständiger benannt und für die Feststellung der USK (Unterhaltungssoftware-Selbstkontrolle) tätig. 2. Aktuell In den vergangenen Jahren hat sich gezeigt, dass die coss großen Zulauf hat, und damit zunehmend das KJH-Oststadt dominiert. Die Besucher, tatsächlich vorrangig männlich, würden nicht in ein KJH ge- hen, sondern suchen explizit das Angebot, Computerspiele zu spielen. Sie sind eher introvertiert und zurückhaltend, und deshalb kommt ihnen das Digitale entgegen. I.d.R haben sie keinen Raum im Pri- vaten und so ergibt sich die Chance, in der coss mit anderen real in Kontakt zu kommen. Das ermög- licht im Rahmen der Jugendarbeit – wie in anderen Jugendhäusern auch – die jungen Menschen zu begleiten und sie bei Bedarf bei allen für sie relevanten Themen (Schule, Freundschaft, Berufsorientie- rung) zu unterstützen. Es ist deshalb kein medienpädagogisches Angebot im engeren Sinne, sondern Offene Jugendarbeit mit medienpädagogischem Schwerpunkt. Aus fachlicher Sicht war schon länger eine räumliche Trennung des KJH und der coss geplant, um den unterschiedlichen Zielgruppen gerecht werden zu können. Zum 1. Dezember 2024 konnte die coss nach Durlach in das alte Torwärterhäusle umziehen. Geführt wird die Einrichtung von einer sozialpä- dagogischen Fachkraft. Im Wesentlichen werden die Inhalte wie bisher weitergeführt. Es gibt zwei Mal wöchentlich einen Offenen Bereich für jeweils 4 Stunden. Die Gruppe Spielgesteuert agiert inzwischen in eigenständiger Selbstverwaltung. Spielgesteuert sieht das Computerspiel als spielpädagogische Methode zur Entwicklung von sozialen, kommunikativen und kognitiven Fähigkeiten und vermittelt dahingehend direkte und indirekte Kennt- nisse an Spieler*innen. Sie bekommen Raum im materiellen als auch im ideellen Sinne, um sich mit Computer- und Konsolenspielen kritisch und kreativ auseinanderzusetzen. Gemeinschaftlich mit den jungen Menschen wurden die Räume gestaltet und eingerichtet. Aktionen wie Lan-Parties, Besuch der Gamescom, Gamescamps mit Übernachtung und Barcamps teil- weise bundesweit zum Austausch sind feste Bestandteile. Die Workshops, Schulungen und Aktionen mit den jungen Mentoren zur Stärkung der Medienkompe- tenz wie die Teilnahme an der jubez-Mediale 2 finden weiterhin statt. Geplant ist ein zusätzliches Angebot mehr für Mädchen, das räumlich vorher nicht möglich war. Eine Unterstützung der Fachkraft beispielsweise durch eine Übungsleiterin ist allerdings Voraussetzung. Kompetenz, Netzwerk und Kooperation Der Leiter der coss ist vielfältig vernetzt und in Kooperationen aktiv. Seit Corona koordiniert er die AG digitale Jugendarbeit. Diese stja-interne AG reagiert bedarfsbezogen auf Anforderungen aus der Offenen Kinder- und Jugendarbeit. Medienpädagogisches Wissen wird für den stja aufbereitet und zur Verfügung gestellt, wie beispielsweise ein how-to-social-media-Guide. 2023 wurde ein interner Medien-Fachtag, Schwerpunkt Social Media, mitorganisiert und durchge- führt. Seit 2024 erstellt die AG zu aktuellen Themen einen Social Media-Newsletter. Diese Filmchen greifen ein Thema auf und dienen als konkrete Unterstützung der Fachkräfte in der Jugendarbeit. Weiterhin bringt der Leiter sein Wissen zunehmend in anderen Kontexten mit ein: 2 https://stja.de/angebote/jubezmediale-2024-in-virtuelle-und-reale-kunst-und-medienwelten-einzutauchen/ – 4 – ▪ 2023 Teilnahme als Referent am Karlsruher Präventionstag ▪ Mitautor in Fachzeitschriften ▪ Beitrag zu digitalen Lebenswelten junger Menschen im Seminar an der Pädagogischen Hochschule Karlsruhe zu Offener Kinder- und Jugendarbeit ▪ Teilnahme AG-Mediensucht 2x jährlich von Stadt- und Landkreis Karlsruhe 3. Ausblick Die Einrichtung der coss ist eine Offene Einrichtung mit medienpädagogischem Schwerpunkt für eine spezielle Zielgruppe. Insgesamt sind jedoch nicht nur Einrichtungen der Jugendarbeit gefragt, die aktu- ellen Lebenswelten der jungen Menschen in einer digitalisierten Welt zu unterstützen. In der JIM-Studie (Jugend, Information, Medien), die seit langem regelmäßig 12-19-jährige zu ihrem Medienverhalten befragt, wird die Smartphone-Nutzung mit Internet, Kommunikation und Musikhören als häufigste mediale Freizeitgestaltung benannt. Die digitalen Möglichkeiten werden von den jungen Menschen jedoch auch intensiv für die Suche nach Informationen bezogen auf Schule, Beruf und politisch-gesellschaftliche Themen genutzt 3 . KI ge- winnt dabei zunehmend an Bedeutung. Jugendliche brauchen Unterstützung für einen sicheren und reflektierten Umgang mit Medien als eine Grundlage für gesellschaftliche Teilhabe. Hierbei geht es um Medienkompetenz, das „selbstständige und eigenständige Aneignen von und sou- veränes Handeln mit Medien“ 4 ) Kompetenzen im Sinne von: ▪ Funktionswissen, mit digitalen Medien umgehen können, ▪ Kenntnis von Medienproduktionen, über Struktur und Funktionen der Medienwelt, ▪ mit Medien genussvoll umgehen können, ▪ mitgestaltend an der Gesellschaft teilhaben, ▪ mediale Kommunikation, selbstbestimmt und eigentätig Medien nutzen. Auch der 17. Kinder- und Jugendbericht 5 betont das Recht junger Menschen auf unbeschwerte und sichere Teilhabe in einer digitalen Welt. Einerseits müssen sie geschützt und andererseits befähigt wer- den, mit digitalen Medien verantwortungsvoll umzugehen. Der stja mit dem Auftrag der Kinder- und Jugendarbeit und als Dachverband der Jugendverbände ist ein Akteur mit besonderem Zugang zu jungen Menschen. In dieser Verantwortung wird sich die Fach- bereichsleitung des stja um eine Aktivierung des MedienNetzWerks Karlsruhe kümmern: Akteurinnen und Akteure zusammenbringen, vorhandenes Wissen teilen und nutzbar machen, ge- meinschaftlich Notwendigkeiten identifizieren, Strategien entwickeln und Ziele definieren, könnten vom Netzwerk vertieft werden. Dies soll dazu beitragen, dass die Akteurinnen und Akteure in ihren direkten Bezügen zu jungen Menschen Medienkompetenz ermöglichen, vermitteln und stärken. 3 Schell-Studie, S. 22-23, https://www.shell.de/ueber-uns/initiativen/shell-jugendstudie-2024.html 4 https://digid.jff.de/digid_paper/medienkompetenz/ 5 https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/service/publikationen/17-kinder-und-jugendbericht-244628