Sophienstraße für den Radverkehr optimieren, Evaluations-Ergebnisse und Empfehlungen aus dem Verkehrsversuch
| Vorlage: | 2025/0311 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 01.04.2025 |
| Letzte Änderung: | 26.06.2025 |
| Unter Leitung von: | Stadtplanungsamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Weststadt |
Beratungen
- Planungsausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 03.07.2025
Rolle: Entscheidung
Ergebnis: mehrheitlich beschlossen
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
KOEHLER & LEUTWEIN I n g e n i e u r b ü r o f ü r V e r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Lage der Zählstellen Am bzw.2024 05.06. 26.06. STADT KARLSRUHE VERKEHRSUNTERSUCHUNG VERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf LEGENDE KNOTENPUNKTSZÄHLSTELLE 0000 VON 6 BIS 20 UHR QUERSCHNITTSZÄHLSTELLE 0000 VON 6 BIS 20 UHR K1 K2 Q1 Q2 Q3 Q4 Q5 Q6 Q7 KOEHLER LEUTWEIN & I n g e n i e u r b ü r o f ü r Ve r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Werktäglicher Gesamtverkehr [Kfz/24h] Am bzw. 2024 05.06. 26.06. STADT KARLSRUHEVERKEHRSUNTERSUCHUNGVERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf 1200 1450 730 1400 1160 10 80 1050 1220 600 97 0 570 9 40 1310 540 1620 3 0 1930 1890 1120 13 90 480 3 00 1 7 0 140 200 140 40 74 0 8 80 KOEHLER LEUTWEIN & I n g e n i e u r b ü r o f ü r Ve r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Werktäglicher Gesamtverkehr [Kfz/24h] Phase 1 STADT KARLSRUHEVERKEHRSUNTERSUCHUNGVERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf Am 17.07.2024 720 630 820 340 700 9 0 720 730 820 65 0 800 8 00 69 0 320 1 90 560 2200 2640 8 70 490 6 30 120 270 210 220 84 0 KOEHLER LEUTWEIN & I n g e n i e u r b ü r o f ü r Ve r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Werktäglicher Gesamtverkehr [Kfz/24h] Belastungsvergleich Juni 2024 / Phase 1 STADT KARLSRUHEVERKEHRSUNTERSUCHUNGVERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf -480 -8 2 0 +90 -1390 -460 -99 0 -330 -490 -320 -620 +530 +270 +750 -3 50 +10 +330 -2 0 +70 + 70 + 180 +100 +23 0 -140 +220 -220 -14 30 -106 0 KOEHLER LEUTWEIN& I n g e n i e u r b ü r o f ü r Ve r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Werktäglicher Radverkehr [Rad/24h] Ambzw.2024 05.06.26.06. STADT KARLSRUHE VERKEHRSUNTERSUCHUNG VERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf 2720 3030 8 3 0 3500 35 30 29 0 590 3160 5 4 0 3050 6 4 0 7 60 3570 6 1 0 3710 2 0 0 1090 930 1990 21 60 410 370 120 4 0 130 40 118 0 1 99 0 1 1 7 0 KOEHLER LEUTWEIN& I n g e n i e u r b ü r o f ü r Ve r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Werktäglicher Radverkehr [Rad/24h] STADT KARLSRUHE VERKEHRSUNTERSUCHUNG VERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf 3120 3380 8 3 0 3720 37 60 32 0 610 3480 6 3 0 3550 8 5 0 8 40 3930 7 0 0 4120 2 6 0 1300 1020 2520 490 430 140 420 290 110 1 3 7 0 Phase 1 Am 17.07.2024 KOEHLER LEUTWEIN & I n g e n i e u r b ü r o f ü r Ve r k e h r s w e s e n VERKEHRSANALYSE Werktäglicher Radverkehr [Rad/24h] STADT KARLSRUHEVERKEHRSUNTERSUCHUNGVERKEHRSVERSUCH SOPHIENSTRASSE Kartendarstellung und Präsentationsgraphiken: © Bundesamt für Kartographie und Geodäsie (2023), Datenquellen: https://sgx.geodatenzentrum.de/web_public/Datenquellen_TopPlus_Open_11.06.2024.pdf +400 +350 +220 +23 0 + 30 +20 +320 +90 +500 +210 + 80 +360 + 9 0 + 410 +6 0 +210 +90 + 53 0 +80 + 60 + 2 0 +380 +7 0 +20 0 Vergleich Juni 2024 / Phase 1 +160
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Extrahierter Text
Anlage H (Historie) Zusammenfassung der Evaluation Funktion der Sophienstraße für Kfz- und Radverkehr im Netzzusammenhang Im Verkehrsentwicklungsplan (VEP) ist die Sophienstraße kein Bestandteil des Grundnetzes für den fließenden Kfz-Verkehr. Sie liegt in einem Wohngebiet. Sie ist dem Erschließungsverkehr vorbehalten, vor allem den Anwohnenden. Sie hat nicht die Funktion, Durchgangsverkehr aufzunehmen. Dieser findet laut VEP nicht in Wohngebieten statt, sondern soll auf dem Hauptverkehrsstra ßennetz abgewickelt werden. Die Sophienstraße ist Teil der Radverkehrshauptroute von Da xlanden über den Entenfang in die Innenstadt. Sie ist als „Fahrradstraße, Kfz frei“ ausg eschildert. Zukünftig stellt sie für einen Teil des Radverkehrs von Rastatt (Radschnellverbindung 13, Karlsruhe – Rastatt) die Fortsetzung Richtung Innenstadt dar. Analyse der Verkehrssituation Die Ve rwaltung hat ermittelt, wie hoch in den einzelnen Abschnitten der Sophienstraße der Anteil des Durchgangsverkehrs ist. Dies sollte ermöglichen, dass Maßnahmen im Reallabor erprobt werden, die zum angestrebten Ziel passen. Als Durchgangsverkehr wurden die Fahrten definiert, die nicht auf direktem Weg auf das übergeordnete Straßennetz führten, sondern länger als notwe ndig die Sophienstraße befuhren. Bei der Erhebung des Durchgangsverkehrs stellte sich heraus, dass der Abschnitt der Sophienstraße zwischen Scheffel- und Reinhold-Frank- Straße in absoluten Fahrten am stärksten vom Durchgangsverkehr belastet ist. Die Kreuzung Sophien-/Lessingstraße war vor Beginn des Verkehrsversuchs von zahlreichen Unfällen betroffen, knapp unterhalb der Schwelle zur Unfallhäufungsstelle. Beteiligungsprozess An zwei Ortsterminen am 5. und 6. Juni 2024 nahmen die Antragstellenden zusammen mit Verwaltung und Betroffenen die verkehrliche Situation in der morgendlichen Spitzenstunde ab 7:15 Uhr in Augenschein. Mögliche Maßnahmen wurden in einem moderierte n Workshop am 12. Juni 2024 den Betroffenen (siehe Teilnehmendenliste, Anlage 2) vorgestellt. Einvernehmlich wurde beschlossen, sich auf die Situation der Sophienstraße westlich der Reinhold-Frank-Straße zu konzentrieren. Gemeinsam mit ihnen wurde dann die finale Ausgestaltung des Verkehrsversuchs (Reallabor) erarbeitet: -Diagonalsperre/Modaler Filter (Poller) an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße -Umdrehung der Einbahnstraße in der Lessingstraße nördlich der Sophienstraße (diese Maßnahme bleibt aus Gründen der Verkehrssicherheit dauerhaft erhalten und bedarf keiner Zustimmung durch den Planungsausschuss) -Modaler Filter (Poller) auf der Südfahrbahn der Sophienstraße östlich der Einmündung der Gutenbergstraße vor dem Lessing-Gymnasium -Schaffung von Aufenthaltsqualität durch Bereitstellen von Sitzmöbeln in fünf Parkierungsflächen in der Mittelinsel der Sophienstraße vor dem Lessing-Gymnasium -Modaler Filter (Poller) auf der Nordfahrbahn der Sophienstraße westlich der Einmündung der Nelkenstraße (diese Maßnahme konnte aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Straßenverkehrsrechtes nicht erprobt werden) Der Verkehrsversuch (Re allabor) fand vom 1. Juli 2024 bis 7. Oktober 2024 statt. Verkehrliche Auswirkungen des Verkehrsversuchs Um die verkehrlichen Auswirkungen zu erfassen, wurden vor und während des Verkehrsversuchs Verkehrszählungen durchgeführt (Anlage 3). Es wurde angenommen, dass eine Sperrung in der Sophienstraße zu Verkehrsverlagerungen in die parallelen Straßen führt. Durch die Lage der Poller am Lessing-Gymnasium wurde zusätzlich mit Verkehrsverlagerungen rund um den Gutenbergplatz gerechnet. Daher wurden die Zählstellen in der pa rallelen Erschließungsfahrbahn der Kaise rallee, der Goethestraße, der nördlichen und südlichen Fahrbahn der Sophienstraße, der Weinbrennerstraße, der Nelken- und Gutenbergstraße eingerichtet. In der parallelen Draisstraße wurde wegen einer Fernwärmebaustelle in der Uhlandstraße nicht gezählt. Die Sperrung der Sophienstraße vor dem Lessing-Gymnasium in Fahrtrichtung Osten (-1390 Kfz- Fahrte n/14 h) führte zu teilweise deutlichen Verlagerungen in die Parallelstraßen Weinbrenner- (+750 Kfz-Fahrten/14 h) und Goethestraße (+330 Kfz-Fahrten/14 h) und in die parallele Erschließungsfahrbahn der Kaiserallee (+100 Kfz-Fahrten/14 h). Gleichzeitig führte sie zu Me hrverkehr in der Gutenbergstraße (340 Kfz/14 h statt 180 Kfz/14 h im Querschnitt) und der Nelkenstraße (480 Kfz/14 h statt 340 Kfz/14 h im Querschnitt). Die Umdrehung der Einbahnstraße in der Lessingstraße nördlich der Sophienstraße führte zu einer deutlichen Entlastung von Durchgangsverkehr: statt 1110 Kfz-Fahrten pro 14 h vor Beginn des Verkehrsversuchs im Querschnitt wurden nur noch 590 Kfz-Fahrten gezählt (einschließlich Falschfahrten gegen die Einbahnstraßenrichtung). Die Umdrehung der Einbahnstraße führte auch zu Verkehrsentlastungen in der Lessingstraße südlich der Sophienstraße: statt 1.590 Kfz/14 h im Querschnitt vor Beginn de s Verkehrsversuchs wurde n nur noch 1.040 Kfz/14 h gezählt. Die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße hat östlich der Kreuzung zu einer Reduzierung des Kfz-Verkehrs von 2.780 Kfz/14 h auf 890 Kfz/14 h im Querschnitt geführt. Direkt westlich der Kreuzung reduzierte sich der Kfz-Verkehr von 2.710 Kfz/14 h auf 1.030 Kfz/14 h im Querschnitt. Die Ma ßnahme wirkte sich auch direkt westlich der Kreuzung Sophien- /Scheffelstraße aus: dort sank die Kfz-Belastung von 2.420 Kfz/14 h auf 1.450 Kfz/14 h im Querschnitt (wobei die Verkehrsreduktion auf der Südfahrbahn hier auch z. T. der Sperrung am Lessing-Gymnasium geschuldet war). Die Diagonalsperre wirkte sich auch bis zum Gutenbergplatz aus: dort sank die Kfz-Be lastung in Fahrtrichtung Westen von 1.120 Kfz/14 h auf 870 Kfz/14 h. In der Scheffelstraße nördlich der Sophienstraße führte die Kombination aus den beiden Sperrungen zu einer Zunahme des Kfz-Verkehrs von 1.510 Kfz/14 h auf 1.600 Kfz/14 h im Querschnitt (wobei der Verkehr in Richtung Süden zunahm und in Richtung Norden abnahm). Es stellte sich eine symmetrische Verkehrsbelastung ein (800 Kfz/14 h pro Richtung). In der südlichen Scheffelstraße nahm der Kfz-Verkehr in beiden Fahrtrichtungen zu. Die Querschnittsbelastung stieg von 1.330 Kfz/14 h auf 1.640 Kfz/14 h, auch hier stellte sich eine symmetrische Verkehrsbelastung ein (820 Kfz/14 h pro Richtung). Der Radverkehr ist in der Sophienstraße die dominierende Verkehrsart. Sein Anteil am Gesamtverkehr betrug vor dem Verkehrsversuch am Gutenbergplatz 62 % (4150 Rad/14 h bei 2510 Kfz/14 h) und an der Einmündung in die Reinhold-Frank-Straße 72 % (7240 Rad/14 h bei 2.780 Kfz/14 h). Absolut hat der Radverkehr während des Verkehrsversuchs fläche ndeckend an allen Zählstellen zugenommen, nicht nur in der Sophienstraße. Das lässt vermuten, dass es sich um eine saisonale Zunahme zwischen Juni (Vorherzählung) und Juli (Zählung während des Verkehrsversuchs) hande lt. Fazit der verkehrlichen Auswirkungen Die Sperrung in der Sophienstraße am Lessing-Gymnasium (östlich der Einmündung Gutenbergstraße) führt zu einer deutlichen Verkehrszunahme (+40 %) in der Weinbrennerstraße in östlicher Fahrtrichtung. Diese Fahrten werden vermutlich zu einem großen Teil über die Gabelsberger- und Körnerstraße auf die Sophienstraße zurückgeführt und führen in diesen beiden Straßen zu Verkehrszunahmen. In de r Goethestraße auf Höhe des Gutenbergplatzes führte die Sperrung zu mehr als einer Verdopplung des Kfz-Verkehrs. In der Gutenbergstraße verdoppelt sich der Kfz-Verke hr, in der Nelkenstraße wächst er um etwa 40 %. Diese drei Straßenabschnitte sind Bestandteil eines verkehrsberuhigten Bereiches. Im entsprechenden Abschnitt der Goethestraße wird der Grenzwert von 1.000 Kfz-Fahrten pro Tag überschritten und bedürfte bei einer dauerhaften Einrichtung einer ausführlichen verke hrsrechtlichen Begründung. Fazit: In Kombination mit den Abrollgeräuschen des Kfz-Verkehrs auf dem Kopfsteinpflaster e rscheinen diese Auswirkungen der Sperrung am Lessing-Gymnasium nicht verhältnismäßig für das angestrebte Ziel. Die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße in Kombination mit der Umdrehung der Einbahnstraßenrichtung im nördlichen Teil der Lessingstraße führt zu einer deutliche n Reduktion des Kfz-Verkehrs in der Sophien- und auch der Lessingstraße. Die Zä hlungen in der Lessingstraße nördlich der Sophienstraße bestätigen die Vermutung, dass dieser Teil der Lessingstraße Schleichverkehr aufnimmt, der die Lichtsignalanlage am Mühlburger Tor vermeiden will. Die Zählungen in der Lessingstraße südlich der Sophienstraße in Kombination mit der Zählung nördlich der Lessingstraße bestätigen die Vermutung, dass die Lessingstraße Schleichverkehr von der Reinhold-Frank-Straße aufnimmt. Die Diagonalsperre führt in der Sophienstraße östlich der Lessingstraße zu einer sehr deutlichen Reduktion des Kfz-Verkehrs um 68 %, direkt westlich sehr deutlich um 62 %. Westlich der Scheffelstraße beträgt die Reduktion noch etwa 40 %. Die Sperre wirkt sich am Gutenbergplatz in westlicher Fahrtrichtung noch deutlich mit etwa 30 % Reduktion im Kfz-Verkehr aus (absolut sind das 350 Kfz-Fahrten). Die sen deutlichen Entlastungen in der Sophienstraße stehen vertretbare Verlagerungen von 270 Kfz-Fahrten über die Kriegs- und Weinbrennerstraße in westlicher Fahrtrichtung gegenüber. Der Entlastung von 1.140 bis 1.680 Kfz-Fahrte n in der Sophienstraße zwischen Scheffel- und Lessingstraße steht eine Mehrbelastung der Scheffelstraße südlich der Sophienstraße von 310 Kfz-Fahrten gegenüber, nördlich der Sophienstraße eine Mehrbelastung von 90 Kfz-Fahrten. Die Verlagerungen in die Scheffelstraße erscheinen moderat. F azit: Angesichts des deutlichen Rückgangs des Kfz-Verkehrs in der Sophienstraße durch die Diagonalsperre an der Le ssingstraße erscheint die Maßnahme hinsichtlich des angestrebten Ziels wirkungsvoll und verhältnismäßig. Die Umdrehung der Einbahnstraße in der Lessingstraße nördlich der Sophienstraße bleibt aus Gründen der Verkehrssicherheit auf jeden Fall erhalten und bedarf k einer Zustimmung durch den Planungsausschuss. Ergebnisse der Befragungen der Anwohnenden, der Betriebe, am Lessing-Gymnasium und auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz Das Amt für Stadtentwicklung hat umfassende Erhebungen unter den Anwohnenden, Gewerbetreibenden, am Lessing-Gymna sium und unter den Marktbeschickenden und - besuchenden vorgenommen (Anlage 3). In einem Phasenplan (Abb. 1.1) sind die Zeitpunkte der Befragungen und des Verkehrsversuchs dargestellt, in Abb. 1.2 das Untersuchungsgebiet. In Tabelle 1.1 sind die Rücklaufquoten der einzelnen Personengruppen dargestellt. Befragt wurden die Anwohnenden, Gewerbetreibenden und Schüler- und Lehrerschaft des Lessing-Gymnasiums zu folgenden Punkten: Informiertheit über den Verkehrsversuc h Verhaltensän derungen im Zuge des Ve rkehrsversuchs Veränd erungen verschiedener Aufkommen während des Verkehrsversuc hs Veränd erungen für die Verkehrssicherheit verschiedener Person engruppen Veränd erungen von Erreichbarkeiten verschiedener Einrichtungen Veränderungen der Lebens qualität Nutzung und Bewertung des Vorplatzes beim Lessing-Gymnasiu m Frag en zum Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz Fragen zum Gewerbe un d zur Kundschaft Gesamtbewertung des V erkehrsversuc hs Gewünschte zukünftige Verkehrsreg e lung Bei einigen Punkten, wie insbesondere in Bezug auf die Erreichbarkeit der eigenen Wohnung, unterscheiden sich die Antworten in Abhängigkeit von der Kfz-Verfügbarkeit und Lage des Haushaltes (Straße) deutlich (Abb. 2.4). Bei allen Personengruppen (Anwohnende, Gewerbetreibende, Schülerschaft) überwog mehr oder weniger deutlich die Wahrnehmung positiver Veränderungen für den Radverkehr, den Fußverkehr, die Verkehrssicherheit für Kinder und das subjektive Sicherheitsgefühl (Abb. 2.5, Abb. 3.3, Abb. 4.1). Von den Anwohnenden wurde überwiegend eine Verbesserung der Aufenthaltsqualität für Kinder (Abb. 2.7) und der Lebensqualität vor Ort wahrgenommen (Abb. 2.8). Die empfundenen Veränderungen für die persönliche Wohn- und Aufenthaltsqualität (Abb. 2.9 und Abb. 2.10) werden örtlich sehr unterschiedlich wahrgenommen. Eine zentrale Fragestellung in allen Umfragen war die Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs insgesamt. In Abbildung 1.3 sind die jeweiligen Ergebnisse der befragten Personengruppen zusammengetragen. Die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße werden vor allen Dingen von den Schülerinnen und Schülern des Lessing- Gymnasiums sowie von der Anwohnerschaft positiv bewertet: Zusammengenommen bewerten 45,9 % der Anwohnenden und 77,5 % der Schülerschaft den Verkehrsversuch als sehr oder eher positiv. Als neutral bezeichnen sich bei dieser Fragestellung lediglich jeder beziehungsweise jede neunte Anwohnende (11,3 %). Rund die Hälfte der Anwohnerschaft fällt ein klares Urteil: Etwas mehr als ein Viertel der Befragten bewertet den Verkehrsversuch insgesamt als sehr positiv (28,2 %), während 22,1 % ein sehr negatives Urteil fällen. Die durchschnittliche Bewertung des Verkehrsversuchs als Ganzes fällt bei den Anwohnenden „neutral“, bei den Betrieben „eher negativ“ und bei der Schülerschaft des Lessing-Gymnasiu ms „eher positiv“ aus. Die Bewertung des Verkehrsversuchs fällt unter den Betrieben negativer aus als unter den Anwohnenden. Allerdings werden die negativen Auswirkungen auf das eigene Gewerbe nicht so negativ bewertet wie für die Gewerbetreibenden insgesamt. Die Wahrnehmung und Nutzung des Platzes vor dem Lessing-Gymnasium (5 Parkierungs- buchten wurden mit Sitzmöbeln „ENZIS“ ausgestattet) fällt bei Anwohnenden und Schülerschaft sehr unterschiedlich aus. Während 29,9 % (Abb. 4.4) der Schülerschaft die Sitzmöbel nach eigener Aussage mehrmals nutzten, waren es nur 7,4 % der Anwohnenden (Abb. 2.19). Während lediglich 9,3 % der Schülerschaft keine Nutzung der Sitzmöbel wahrnahmen, waren es unter den Anwohnenden 39,7 %. 87,0 % der Schülerschaft bewerteten die Idee, den Platz vor dem Lessing-Gymnasium generell zu gestalten, positiv (Abb. 4.5). Der während des Verkehrsversuchs umgesetzten Ausgestaltung standen 72,7 % positiv gegenüber (Abb. 4.6). Unter den Anwohnenden sprachen sich 30,3 % dafür aus, den ursprünglichen Zustand wiederherzustellen (Abb. 2.20), während sich 40,5 % eine schönere Gestaltung wünschten. Die Marktbeschicker stehen dem Verkehrsversuch überwiegend negativ gegenüber. Ihre subjektiv negativen Wahrnehmungen decken sich allerdings nicht mit den Ergebnissen der Befragung der Marktbesucherinnen und -besucher. Diese attestieren dem Verkehrsversuch, dass die Erreichbarkeit des Marktes für sie mit ihren Fahrzeugen gleichgeblieben sei. Der Verkehrsversuch hatte keine signifikanten Auswirkungen auf das Verhalten (Aufenthaltsdauer, Höhe der Ausgaben und Kombination mit einem Gastronomiebesuch, Abb. 5.3) der Besucherinnen und Besucher des Wochenmarktes. Die Besucherfrequenz ist während des Verkehrsversuchs sogar leicht gestiegen. Um zum Markt auf dem Gutenbergplatz zu gelangen, nutzen die Besucherinnen und Besucher vor und während des Verkehrsversuchs vorwiegend das Fahrrad/Pedelec (37,8 %) oder kommen zu Fuß (36,9 %), der ÖV hat geringe Bedeutung (7,7%). Der Kfz-Anteil der Marktbesuchenden betrug im Schnitt 17,3%. Aus den Erhebungen auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz lassen sich insgesamt keine negativen Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf den Wochenmarkt ableiten. Gewünschte perspektivische Entwicklung gemäß den durchgeführten Befragungen Alle Befragtengruppen wurden gebeten, sich zu einer präferierten Verkehrsführung für die Zukunft zu äußern. Dabei konnte zwischen vorformulierten und selbst zu beschreibenden Varianten der Verkehrsführung gewählt werden. Zusammenfassend lassen sich drei Szenarien (Abb 1.4) bilden: Szenario 1: Umsetzung einer Verkehrsführung wie im Verkehrsversuch (oder darüber hinaus) Szenario 1 umfasst die Wünsche nach einer Verkehrsführung, die genauso gestaltet ist wie während des Verkehrsversuchs oder sogar über den Verkehrsversuch hinausgehende, zusätzliche Veränderungen. Eine solche Verkehrsführung wird sowohl von den Anwohnenden (40,5 %) als auch von den Schülerinnen und Schülern des Lessing-Gymnasium (47,9 %) am häufigsten gewählt. Szenario 2: Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch Szenario 2 beinhaltet den Wunsch nach einer Verkehrsführung, die genau so gestaltet ist wie vor dem Verkehrsversuch. Diese Variante bevorzugen die Hälfte der Betriebe (49,4 %), ein Drittel der Anwohnenden (30,5 %) und ein Fünftel der Schülerschaft (20,2 %). Szenario 3: Umsetzung einzelner Elemente des Verkehrsversuchs In Szenario 3 wird die dauerhafte Einrichtung nur einer der beiden Komponenten des Verkehrsversuchs (nur Diagonalsperre beziehungsweise nur Vorplatz vor dem Lessing- Gymnasium) oder der Verzicht auf Sperrungen, aber eine geänderte Verkehrsführung gewünscht. Für eine solche Variante der zukünftigen Verkehrsführung sprechen sich ein Drittel der Schülerinnen und Schüler (31,1 %), ein Viertel der Gewerbetreibenden (24,4 %) sowie ein Fünftel der Anwohnerschaft (19,5 %) aus. Fazit aus der Überlagerung der Befragungsergebnisse mit den verkehrlichen Aspekten Die Bewertung des Verkehrsversuchs fällt in der Anwohnerschaft insgesamt leicht positiv aus. Der Wohnort innerhalb des Untersuchungsgebiets spielt bei dieser Bewertung neben der Verfügbarkeit eines Pkw im Haushalt eine Rolle. Man kann an der negativen Bewertung in der Gabelsberger-, Drais- und Nelkenstraße erkennen, dass die negativen Auswirkungen, beispielsweise Auswirkungen auf die Parkplatzsuche (Abb. 2.13) und Aufenthaltsqualität (Abb. 2.10) im Zusammenhang mit der Sperrung der Sophienstraße am Lessing-Gymnasium zu sehen sind. Dies deckt sich mit den empfundenen und messbaren Kfz-Verlagerungen und Mehrbelastungen um diesen Bereich. Die positiven Auswirkungen auf Wohn- und Aufenthaltsqualität in der Sophien- und Lessingstraße (Abb. 2.9 und Abb. 2.10) lassen sich räumlich eher auf die Diagonalsperre an der Lessingstraße zurückführen. Trotz leichter Zunahmen im Kfz-Verkehr in der Scheffelstraße wird dort der Effekt des Verkehrsversuchs leicht positiv bewertet (Abb. 2.18). Aus diesen Ergebnissen schließt die Verwaltung, dass durch den Verzicht auf die Sperrung am Lessing-Gymnasium der Anteil derer, die für „Szenario 2: Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch“ gestimmt haben sinken würde, während die Zustimmungswerte für die Szenarien 1 und 3, also dauerhafte Umsetzung von zumindest Teilen des Verkehrsversuchs gleichzeitig steigen würden. Das Ausmaß der Nutzung des Platzes vor dem Lessing-Gymnasium während des Verkehrsversuchs rechtfertigt nicht, fünf Parkbuchten umzuwidmen. Angesichts der gleichzeitig negativen Bewertung der Veränderungen bei der Parkplatzsuche (Abb. 2.13) scheint die Umgestaltung von nur einer Parkbucht angebracht. Empfehlung der Verwaltung Aus den Ergebnissen des Verkehrsversuchs ergeben sich folgende Empfehlungen: -Die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße hat sich bewährt und wird zur dauerhaften Umsetzung empfohlen. -Die Poller am Lessing-Gymnasium östlich der Gutenbergstraße am Lessing-Gymnasium haben zu nachteiligen Verkehrsverlagerungen geführt. Daher wird diese Maßnahme nicht zur daue rhaften Umsetzung empfohlen. Etwa ein Jahr nach Einrichtung des Modalen Filters an der Lessingstraße wird erneut der Durchgangsverkehr am Lessing- Gymnasium erhoben. Die Ergebnisse werden dem Planungsausschuss mitgeteilt. -Die geschaffene Aufenthaltsqualität auf fünf Parkierungsflächen wurde nicht wie erhofft genutzt. Die Nachfrage rechtfertigt zunächst lediglich die Umwandlung einer P arkierungsfläche. Sobald die Mittel für eine qualitätsvolle Möblierung und deren Unterhalt bereitstehen, wird diese Maßnahme im Dialog mit dem Lessing-Gymnasium umgesetzt. Bauliche Maßnahmen Für die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße sind zunächst nur Markierungsarbeiten und das Setzen von Pollern erforderlich. Diese Maßnahmen sollen zu Beginn der Sommerferien 2025 erfolgen. Während des Verkehrsversuchs gewonnene Erkenntnisse zur Optimierung der Markierung und der Lage der Poller sollen, soweit möglich, einfließen. Die Maßnahmen wurden mit der Branddirektion abgestimmt. Es werden herausnehmbare Poller verwendet. Gegebenenfalls wünschenswerte bauliche Anpassungen an den Bordsteinradien sollen zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen und die Umsetzung des Modalen Filters im Sommer 2025 nicht verzögern.
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Anlage 2 Sophienstraße Verkehrsversuch, Workshop am 12. Juni 2024 Liste der Eingeladenen (Teilnehmende in Fett): Fraktionen im Gemeinderat (GRÜNE, FW-FÜR, KAL, SPD) Bürgerverein der Weststadt Interessengemeinschaft am Gutenbergplatz Marktsprecher Fridays for future SMV Lessinggymnasium ADFC Dezernat 6 Ordnungsamt Tiefbauamt Marktamt Amt für Stadtentwicklung Stadtplanungsamt Presse- und Informationsamt Cityinitiative Karlsruhe Arbeitskreis Karlsruher Schülersprecher SMV Fichte Gymnasium Jugendhaus Westside ADAC VCD
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Beschlussvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0311 Verantwortlich: Dez. 6 Dienststelle: Stadtplanungsamt Sophienstraße für den Radverkehr optimieren Evaluations-Ergebnisse und Empfehlungen aus dem Verkehrsversuch Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Planungsausschuss 03.07.2025 2 Ö Entscheidung Am 25. Mai 2023 wurde der interfraktionelle Gemeinderats-Antrag „Sophienstraße für den Radver- kehr optimieren“ gestellt. Diesem Antrag wurde vom Gemeinderat (GR) am 24. Oktober 2023 zuge- stimmt. Damit wurde die Verwaltung beauftragt, einen Verkehrsversuch in der Sophienstraße im Som- mer 2024 durchzuführen und die finale Ausgestaltung zu erproben. Aus den Evaluations-Ergebnissen zum Verkehrsversuch ergeben sich folgende Empfehlungen: - Die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße hat sich bewährt und wird zur dauerhaften Umsetzung empfohlen. - Die Poller am Lessing-Gymnasium östlich der Gutenbergstraße haben zu nachteiligen Verkehrs- verlagerungen geführt. Daher wird diese Maßnahme nicht zur dauerhaften Umsetzung emp- fohlen. Etwa ein Jahr nach Einrichtung des modalen Filters an der Lessingstraße wird erneut der Durchgangsverkehr am Lessing-Gymnasium erhoben. Die Ergebnisse werden dem Pla- nungsausschuss mitgeteilt. - Die geschaffene Aufenthaltsqualität auf fünf Parkierungsflächen wurde nicht wie von den An- tragsstellenden erhofft genutzt. Die Nachfrage rechtfertigt zunächst lediglich die Umwandlung einer Parkierungsfläche. Sobald die Mittel für eine qualitätsvolle Möblierung und deren Unter- halt bereitstehen, wird diese Maßnahme im Dialog mit dem Lessing-Gymnasium umgesetzt. Der Planungsausschuss stimmt den Empfehlungen der Verwaltung zu. Finanzielle Auswirkungen Ja ☒ Nein ☐ ☒ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: ca. 5.000 Euro Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☒ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☐ Ja ☒ positiv ☒ negativ ☐ geringfügig ☒ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Mobilität Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Die ausführliche Zusammenfassung der Evaluation liegt als Anlage H (Historie) bei Herleitung Am 25. Mai 2023 wurde der interfraktionelle GR-Antrag „Sophienstraße für den Radverkehr optimie- ren“ gestellt. Diesem Antrag wurde vom GR am 24. Oktober 2023 zugestimmt. Damit wurde die Ver- waltung beauftragt, einen Verkehrsversuch in der Sophienstraße im Sommer 2024 durchzuführen und die finale Ausgestaltung zu erproben. Ziel des Antrages war es, die Sophienstraße von Kfz-Durchgangsverkehr zu befreien. Dies sollte durch die Einrichtung einer „Fußgängerzone, Rad frei“ bzw. einer Fahrradstraße ohne den Zusatz „Kfz frei“ am Gutenbergplatz erreicht werden. An zwei Ortsterminen am 5. und 6. Juni 2024 nahmen die An- tragstellenden zusammen mit Verwaltung und Betroffenen die verkehrliche Situation in der morgendli- chen Spitzenstunde ab 7:15 Uhr in Augenschein. Mögliche Maßnahmen wurden in einem moderierten Workshop am 12. Juni 2024 den Betroffenen (siehe Teilnehmendenliste, Anlage 2) vorgestellt. Einvernehmlich wurde beschlossen, sich auf die Situa- tion der Sophienstraße westlich der Reinhold-Frank-Straße zu konzentrieren. Gemeinsam mit ihnen wurde dann die finale Ausgestaltung des Verkehrsversuchs (Reallabor) erarbeitet: - Diagonalsperre/Modaler Filter (Poller) an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße - Umdrehung der Einbahnstraße in der Lessingstraße nördlich der Sophienstraße (diese Maß- nahme bleibt aus Gründen der Verkehrssicherheit dauerhaft erhalten und bedarf keiner Zu- stimmung durch den Planungsausschuss) - Modaler Filter (Poller) auf der Südfahrbahn der Sophienstraße östlich der Einmündung der Gu- tenbergstraße vor dem Lessing-Gymnasium - Schaffung von Aufenthaltsqualität durch Bereitstellen von Sitzmöbeln in fünf Parkierungsflä- chen in der Mittelinsel der Sophienstraße vor dem Lessing-Gymnasium - Modaler Filter (Poller) auf der Nordfahrbahn der Sophienstraße westlich der Einmündung der Nelkenstraße (diese Maßnahme konnte aus Gründen der Verkehrssicherheit und des Straßen- verkehrsrechtes nicht erprobt werden) Der Verkehrsversuch (Reallabor) fand vom 1. Juli 2024 bis 7. Oktober 2024 statt. Verkehrliche Auswirkungen des Verkehrsversuchs Um die verkehrlichen Auswirkungen zu erfassen, wurden vor und während des Verkehrsversuchs Ver- kehrszählungen durchgeführt (Anlage 3). Fazit der verkehrlichen Auswirkungen Die Sperrung in der Sophienstraße am Lessing-Gymnasium (östlich der Einmündung Gutenbergstraße) führt zu einer deutlichen Verkehrszunahme (+40 %) in der Weinbrennerstraße in östlicher Fahrtrich- tung. In der Gutenbergstraße verdoppelt sich der Kfz-Verkehr, in der Nelkenstraße wächst er um etwa 40 %. Diese drei Straßenabschnitte sind Bestandteil eines verkehrsberuhigten Bereiches, eine deutliche Zunahme des Kfz-Verkehrs könnte auch dazu führen, dass die verkehrsberuhigten Bereiche nicht mehr den bundeseinheitlichen Vorgaben der Straßenverkehrsordnung entsprechen, da diese nur von sehr geringem Kfz-Verkehr frequentiert werden dürfen. Fazit: In Kombination mit den Abrollgeräuschen des Kfz-Verkehrs auf dem Kopfsteinpflaster erschei- nen diese Auswirkungen der Sperrung am Lessing-Gymnasium nicht verhältnismäßig für das ange- strebte Ziel. – 3 – Die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße in Kombination mit der Umdrehung der Einbahnstraßenrichtung im nördlichen Teil der Lessingstraße führt zu einer deutlichen Reduktion des Kfz-Verkehrs in der Sophien- und auch der Lessingstraße. Die Zählungen in der Lessingstraße nördlich der Sophienstraße bestätigen die Vermutung, dass dieser Teil der Lessingstraße Schleichverkehr auf- nimmt, der die Lichtsignalanlage am Mühlburger Tor vermeiden will. Die Zählungen in der Lessingstraße südlich der Sophienstraße in Kombination mit der Zählung nördlich der Lessingstraße bestätigen die Vermutung, dass die Lessingstraße Schleichverkehr von der Reinhold- Frank-Straße aufnimmt. Fazit: Angesichts des deutlichen Rückgangs des Kfz-Verkehrs in der Sophienstraße durch die Diagonal- sperre an der Lessingstraße erscheint die Maßnahme hinsichtlich des angestrebten Ziels wirkungsvoll und verhältnismäßig. Die Umdrehung der Einbahnstraße in der Lessingstraße nördlich der Sophienst- raße bleibt aus Gründen der Verkehrssicherheit auf jeden Fall erhalten und bedarf keiner Zustimmung durch den Planungsausschuss. Ergebnisse der Befragungen der Anwohnenden, der Betriebe, am Lessing-Gymnasium und auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz Das Amt für Stadtentwicklung hat umfassende Erhebungen unter den Anwohnenden, Gewerbetrei- benden, am Lessing-Gymnasium und unter den Marktbeschickenden und -besuchenden vorgenom- men (Anlage 4). Gewünschte perspektivische Entwicklung gemäß den durchgeführten Befragungen Alle Befragtengruppen wurden gebeten, sich zu einer präferierten Verkehrsführung für die Zukunft zu äußern. Dabei konnte zwischen vorformulierten und selbst zu beschreibenden Varianten der Verkehrs- führung gewählt werden. Zusammenfassend lassen sich drei Szenarien (Abb. 1.4) bilden: Szenario 1: Umsetzung einer Verkehrsführung wie im Verkehrsversuch (oder darüber hinaus) Szenario 1 umfasst die Wünsche nach einer Verkehrsführung, die genauso gestaltet ist wie während des Verkehrsversuchs oder sogar über den Verkehrsversuch hinausgehende, zusätzliche Veränderun- gen. Eine solche Verkehrsführung wird sowohl von den Anwohnenden (40,5 %) als auch von den Schülerinnen und Schülern des Lessing-Gymnasium (47,9 %) am häufigsten gewählt. Szenario 2: Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch Szenario 2 beinhaltet den Wunsch nach einer Verkehrsführung, die genau so gestaltet ist wie vor dem Verkehrsversuch. Diese Variante bevorzugen die Hälfte der Betriebe (49,4 %), ein Drittel der Anwoh- nenden (30,5 %) und ein Fünftel der Schülerschaft (20,2 %). Szenario 3: Umsetzung einzelner Elemente des Verkehrsversuchs In Szenario 3 wird die dauerhafte Einrichtung nur einer der beiden Komponenten des Verkehrsver- suchs (nur Diagonalsperre beziehungsweise nur Vorplatz vor dem Lessing-Gymnasium) oder der Ver- zicht auf Sperrungen, aber eine geänderte Verkehrsführung gewünscht. Für eine solche Variante der zukünftigen Verkehrsführung sprechen sich ein Drittel der Schülerinnen und Schüler (31,1 %), ein Viertel der Gewerbetreibenden (24,4 %) sowie ein Fünftel der Anwohnerschaft (19,5 %) aus. Fazit aus der Überlagerung der Befragungsergebnisse mit den verkehrlichen Aspekten Die Bewertung des Verkehrsversuchs fällt in der Anwohnerschaft insgesamt leicht positiv aus. Der Wohnort innerhalb des Untersuchungsgebiets spielt bei dieser Bewertung neben der Verfügbarkeit ei- nes Pkw im Haushalt eine Rolle. Man kann an der negativen Bewertung in der Gabelsberger-, Drais- und Nelkenstraße erkennen, dass die negativen Auswirkungen, beispielsweise Auswirkungen auf die Parkplatzsuche (Abb. 2.13) und Aufenthaltsqualität (Abb. 2.10) im Zusammenhang mit der Sperrung der Sophienstraße am Lessing-Gymnasium zu sehen sind. Dies deckt sich mit den empfundenen und – 4 – messbaren Kfz-Verlagerungen und Mehrbelastungen um diesen Bereich. Die positiven Auswirkungen auf Wohn- und Aufenthaltsqualität in der Sophien- und Lessingstraße (Abb. 2.9 und Abb. 2.10) lassen sich räumlich eher auf die Diagonalsperre an der Lessingstraße zurückführen. Trotz leichter Zunahmen im Kfz-Verkehr in der Scheffelstraße wird dort der Effekt des Verkehrsversuchs leicht positiv bewertet (Abb. 2.18). Aus diesen Ergebnissen schließt die Verwaltung, dass durch den Verzicht auf die Sperrung am Lessing- Gymnasium der Anteil derer, die für „Szenario 2: Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Ver- kehrsversuch“ gestimmt haben sinken würde, während die Zustimmungswerte für die Szenarien 1 und 3, also dauerhafte Umsetzung von zumindest Teilen des Verkehrsversuchs gleichzeitig steigen würden. Das Ausmaß der Nutzung des Platzes vor dem Lessing-Gymnasium während des Verkehrsver- suchs rechtfertigt nicht, fünf Parkbuchten umzuwidmen. Angesichts der gleichzeitig negativen Bewer- tung der Veränderungen bei der Parkplatzsuche (Abb. 2.13) scheint die Umgestaltung von nur einer Parkbucht angebracht. Empfehlung der Verwaltung Aus den Ergebnissen des Verkehrsversuchs ergeben sich folgende Empfehlungen: - Die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße hat sich bewährt und wird zur dauerhaften Umsetzung empfohlen. - Die Poller am Lessing-Gymnasium östlich der Gutenbergstraße am Lessing-Gymnasium haben zu nachteiligen Verkehrsverlagerungen geführt. Daher wird diese Maßnahme nicht zur dauer- haften Umsetzung empfohlen. Etwa ein Jahr nach Einrichtung des Modalen Filters an der Les- singstraße wird erneut der Durchgangsverkehr am Lessing-Gymnasium erhoben. Die Ergeb- nisse werden dem Planungsausschuss mitgeteilt. - Die geschaffene Aufenthaltsqualität auf fünf Parkierungsflächen wurde nicht wie erhofft ge- nutzt. Die Nachfrage rechtfertigt zunächst lediglich die Umwandlung einer Parkierungsfläche. Sobald die Mittel für eine qualitätsvolle Möblierung und deren Unterhalt bereitstehen, wird diese Maßnahme im Dialog mit dem Lessing-Gymnasium umgesetzt. Bauliche Maßnahmen Für die Diagonalsperre an der Kreuzung Sophien-/Lessingstraße sind zunächst nur Markierungsarbei- ten und das Setzen von Pollern erforderlich. Diese Maßnahmen sollen zu Beginn der Sommerferien 2025 erfolgen. Während des Verkehrsversuchs gewonnene Erkenntnisse zur Optimierung der Markie- rung und der Lage der Poller sollen, soweit möglich, einfließen. Die Maßnahmen wurden mit der Branddirektion abgestimmt. Es werden herausnehmbare Poller verwendet. Gegebenenfalls wün- schenswerte bauliche Anpassungen an den Bordsteinradien sollen zu einem späteren Zeitpunkt erfol- gen und die Umsetzung des Modalen Filters im Sommer 2025 nicht verzögern. Erläuterungen zu finanziellen Auswirkungen Die Mittel in Höhe von 5.000 Euro stehen im Jahr 2025 im FinanzHH bei 7.661005.700.001 „Rad- wege sonstige Maßnahmen“ zur Verfügung. Beschluss: Der Planungsausschuss stimmt den Empfehlungen der Verwaltung zu.
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Extrahierter Text
Amt für Stadtentwicklung | 1 Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Stadtentwicklung aktuell Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 – Umfragen – Heft Nr. 17 2 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Impressum Stadt Karlsruhe Amt für Stadtentwicklung Zähringerstraße 61 76133 Karlsruhe Leiter: Christoph Riedel Bereich: Stadt- und Regionalentwicklung Dr. Andrea Hammer Bearbeitung: Benedikt Dierßen Dr. Andrea Hammer Carolina Romero Antonio Viktor Waldschmidt Layout: Benedikt Dierßen Stefanie Groß Titelfoto: © Stadt Karlsruhe, Benedikt Dierßen Kontaktdaten: Telefon: 0721 133-1201 Fax: 0721 133-1209 E- Mail: stadtentwicklung@afsta.karlsruhe.de Internet: www.karlsruhe.de/stadtentwicklung Stand: März 2025 | Nr. 25-0240 Gedruckt in der Rathausdruckerei auf 100 Prozent Recyclingpapier. © Stadt Karlsruhe Alle Rechte vorbehalten. Ohne ausdrückliche Genehmigung des Herausgebers ist es nicht gestattet, diese Veröffentlichung oder Teile daraus zu vervielfältigen oder in elektronischen Systemen anzubieten. Amt für Stadtentwicklung | 3 Inhalt 1. Methodik und Zusammenfassung ...................................................................................................................... 5 1.1 Methodik und Hintergrund ........................................................................................................................................................... 5 1.2 Zusammenfassung ......................................................................................................................................................................... 8 2. Verkehrsversuch aus Sicht der Anwohnerinnen und Anwohner ....................................................................... 14 2.1 Methodik und Soziodemografie .................................................................................................................................................14 2.2 Einschätzung der Informationslage ............................................................................................................................................17 2.3 Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen ..............................................................................................................................18 2.4 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für verschiedene Personengruppen ...............................................................................20 2.5 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Lebensqualität vor Ort .......................................................................................23 Persönliche Wohnqualität ...........................................................................................................................................................24 Aufenthaltsqualität .....................................................................................................................................................................25 2.6 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf das eigene Verhalten ...............................................................................................26 2.7 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt .............................................................................................................................30 Platz vor dem Lessing-Gymnasium .............................................................................................................................................34 2.8 Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße ...................................................................................................................37 3. Verkehrsversuch aus Sicht der Betriebe .......................................................................................................... 39 3.1 Methodik .....................................................................................................................................................................................39 3.2 Einschätzung der Informationslage ............................................................................................................................................41 3.3 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für verschiedene Personengruppen ...............................................................................42 3.4 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für die Betriebe vor Ort .................................................................................................45 Veränderungen für die Betriebe .................................................................................................................................................45 Veränderungen für Kundinnen und Kunden ...............................................................................................................................47 Veränderungen für Lieferbetriebe ..............................................................................................................................................50 3.5 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Lebensqualität vor Ort .......................................................................................51 3.6 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt .............................................................................................................................52 3.7 Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße ...................................................................................................................54 4 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 4. Verkehrsversuch aus Sicht des Lessing-Gymnasiums ....................................................................................... 56 4.1 Methodik .....................................................................................................................................................................................56 4.2 Verkehrsversuch aus Sicht der Schülerinnen und Schüler .........................................................................................................56 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für verschiedene Personengruppen ...............................................................................58 Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen ..............................................................................................................................60 Platz vor dem Lessinggymnasium ...............................................................................................................................................62 Positive Rückmeldungen zum Vorplatz ................................................................................................................................................. 64 Verbesserungsideen für den Vorplatz ................................................................................................................................................... 64 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt .............................................................................................................................65 Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße ...................................................................................................................66 4.3 Verkehrsversuch aus Sicht der Lehrerschaft ..............................................................................................................................67 Rahmendaten ...............................................................................................................................................................................67 Auswirkungen des Verkehrsversuchs .........................................................................................................................................67 Platz vor dem Lessing-Gymnasium .............................................................................................................................................67 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt und perspektivische Entwicklung der Verkehrsführung ...................................68 5. Verkehrsversuch aus Sicht der Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker .................................................. 69 5.1 Methodik .....................................................................................................................................................................................69 5.2 Frequenzzählungen......................................................................................................................................................................69 5.3 Besucherstrukturen und Verkehrsmittelwahl .............................................................................................................................71 5.4 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Besucherinnen und Besucher des Marktes ......................................................73 5.5 Stimmungsbild unter den Marktbeschickerinnen und Marktbeschickern ................................................................................78 6. Anhang ............................................................................................................................................................ 79 Amt für Stadtentwicklung | 5 1. Methodik und Zusammenfassung 1.1 Methodik und Hintergrund Mit Beschluss des Karlsruher Gemeinderates vom 24. Oktober 2023 wurde die Verwaltung damit beauftragt, im Sommer 2024 einen Verkehrsversuch durchzuführen, der zeitweise den durchgehenden Autoverkehr in der Sophienstraße verhindern und auf dem Mittelstreifen zwischen Gutenbergplatz und Lessing-Gymnasium eine Aufenthaltsfläche ohne Verzehrzwang beinhalten sollte. Flankierend zu diesen verkehrsberuhigenden Maßnahmen wurden Umfrageprojekte unter verschiedenen betroffenen Personengruppen realisiert, die der umfassenden Evaluation des Verkehrsversuchs dienen. Zur Vorbereitung des Verkehrsversuchs wurde am 12. Juni 2024 ein Workshop durchgeführt, zu dem die Fraktionen des Gemeinderates, der Bürgerverein Weststadt, die Interessengemeinschaft Gutenbergplatz, Vertreterinnen und Vertreter der Markt-Beschicker, die City-Initiative Karlsruhe, Verkehrsverbände, Fridays for future, Jugendvertretungen sowie verschiedene Dienststellen der Stadtverwaltung eingeladen waren. Dort wurden auch die beiden schließlich umgesetzten Komponenten des Verkehrsversuchs thematisiert: 1. Installation eines Modalfilters als „Diagonalsperre“ an der Kreuzung von Sophien- und Lessingstraße (siehe Foto unten). 2. Sperrung der Südfahrbahn der Sophienstraße vor dem Lessing-Gymnasium zwischen Gutenbergstraße und Gabelsberger Straße für den Kfz-Verkehr (siehe Foto auf Seite 61). Ende Juni 2024 wurde mittels Postwurfsendungen im Bereich um die zentrale Sophienstraße über das geplante Vorgehen informiert 1 . Am 1. Juli 2024 wurden die beiden Sperrungen für den Kfz-Verkehr schließlich in Betrieb genommen. 1 Das Informationsschreiben sowie die Einladungsschreiben und Fragebögen sind in den Anhängen dieser Broschüre ab Seite 79 enthalten. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin 6 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Bereits kurz vor Beginn des Verkehrsversuchs begannen am 29. Juni 2024 die Umfragen und Frequenzzählungen unter den Besucherinnen und Besuchern des Marktes auf dem Gutenbergplatz, die an sechs Samstagen vor, während und nach dem Verkehrsversuch bis zum 19. Oktober 2024 durchgeführt wurden und dabei gezielt Markttage während der Sommerferien aussparten. Zusätzlich wurden im Nachgang zum Verkehrsversuch in der Sophienstraße mehrere Umfragen durchgeführt, um die Effekte der umgesetzten Maßnahmen zu evaluieren und die Vor- und Nachteile zu identifizieren, die von verschiedenen Personengruppen gesehen werden 2 . Die im vorliegenden Bericht enthaltenen Ergebnisse basieren auf den Angaben von 2.878 Anwohnerinnen und Anwohnern, 167 Gewerbetreibenden und 120 Schülerinnen und Schülern sowie 24 Lehrkräften des Lessing-Gymnasiums. Außerdem wurden mit Bezug auf den Markt am Gutenbergplatz 993 Besucherinnen und Besucher sowie acht Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker befragt (Tabelle 1.1). 2 Auch der ADFC führte eine selbst organisierte Umfrage unter Radfahrenden in der Sophienstraße durch, bei deren Durchführung und Auswertung die Stadtverwaltung jedoch nicht eingebunden war. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 1234567891011 12 2024 Verkehrsversuchsphase Umfragen am Lessing-Gymnasium Umfrage in der Schülerschaft Umfrage in der Lehrerschaft Umfrage unter Gewerbetreibenden Umfrage unter Anwohnenden Erhebungen mit Marktbezug Umfrage und Zählung unter Marktbesuchenden Umfrage unter Marktbeschickern Abbildung 1.1 Phasenplan aller Umfragen zum Verkehrsversuch Sophienstraße Monate Rücklaufquoten in ProzentBefragte mit Antwort Anwohnerinnen und Anwohner40,72.878 Gewerbetreibende35,2167 Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums16,0120 Lehrerinnen und Lehrer des Lessing-Gymnasiums32,024 B esucherinnen und Besucher des Marktes- - -993 Marktbeschicker14,08 Zielgruppe Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 1.1 Übersicht über die Umfrageprojekte zur Evaluation des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße Amt für Stadtentwicklung | 7 Die Anwohnerinnen und Anwohner und Betriebe erhielten per Post Einladungsschreiben zur Umfrage, in denen ein individueller Zugangscode enthalten war, um mehrmalige Teilnahmen auszuschließen. Dabei handelte es sich um eine Vollerhebung unter der Wohnbevölkerung im Bereich zwischen den Straßen Kaiserallee im Norden, Reinhold-Frank- Straße im Osten, Kriegsstraße/Weinbrennerstraße im Süden sowie Yorckstraße im Westen. Das Einzugsgebiet für die Umfrage unter Gewerbetreibenden umfasst zusätzlich die angrenzenden Straßenbereiche (siehe Abbildung 1.2). 8 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 1.2 Zusammenfassung Eine zentrale Fragestellung in allen Umfragen war die Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs insgesamt. In Abbildung 1.3 sind die jeweiligen Ergebnisse der befragten Personengruppen zusammengetragen. Die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße werden vor allen Dingen von den Schülerinnen und Schülern des Lessing- Gymnasiums sowie von der Anwohnerschaft positiv bewertet: Zusammengenommen bewerten 45,9 % der Anwohnenden und 77,5 % der Schülerschaft den Verkehrsversuch als sehr oder eher positiv. Als neutral bezeichnen sich bei dieser Fragestellung lediglich jeder beziehungsweise jede neunte Anwohnende (11,3 %). Rund die Hälfte der Anwohnerschaft fällt ein klares Urteil: Etwas mehr als ein Viertel der Befragten bewertet den Verkehrsversuch insgesamt als sehr positiv (28,2 %), während 22,1 % ein sehr negatives Urteil fällen. Die durchschnittliche Bewertung des Verkehrsversuchs als Ganzes fällt bei den Anwohnenden „neutral“, bei den Betrieben „eher negativ“ und bei der Schülerschaft des Lessing-Gymnasiums „eher positiv“ aus. © Stadt Karlsruhe, Liegenschaftsamt 28,2 17,7 11,3 20,6 22,1 13,8 10,2 11,4 25,7 38,9 44,2 33,3 10,8 11,7 0 10 20 30 40 50 sehr positiveher positivneutraleher negativsehr negativ Anwohner*innenBetriebeSchülerschaft des Lessing-Gymnasiums % „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchsin der Sophienstraßeinsgesamt?“ 1 1Antwortskala bei Schülerinnen und Schülern lautete „sehr gut“, „gut“, „ weniger gut“ und „schlecht“. Basis2.878 | 167 | 120 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 1.3 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs Sophienstraße nach Befragtengruppen Amt für Stadtentwicklung | 9 Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße Alle Befragtengruppen wurden gebeten, sich zu einer präferierten Verkehrsführung für die Zukunft zu äußern. Dabei konnte zwischen vorformulierten und selbst zu beschreibenden Varianten der Verkehrsführung gewählt werden. Zusammenfassend lassen sich drei Szenarien bilden: Szenario 1 | Umsetzung einer Verkehrsführung wie im Verkehrsversuch (oder darüber hinaus) Szenario 1 umfasst die Wünsche nach einer Verkehrsführung, die genauso gestaltet ist wie während des Verkehrsversuchs oder sogar über den Verkehrsversuch hinausgehende, zusätzliche Veränderungen. Eine solche Verkehrsführung wird sowohl von den Anwohnerinnen und Anwohnern (40,5 %) als auch von den Schülerinnen und Schülern des Lessing-Gymnasium (47,9 %) am häufigsten gewählt (Abbildung 1.4). Szenario 2 | Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch Szenario 2 beinhaltet den Wunsch nach einer Verkehrsführung, die genau so gestaltet ist wie vor dem Verkehrsversuch. Diese Variante bevorzugen die Hälfte der Betriebe (49,4 %), ein Drittel der Anwohnerinnen und Anwohner (30,5 %) und ein Fünftel der Schülerschaft (20,2 %). Szenario 3 | Umsetzung einzelner Elemente des Verkehrsversuchs In Szenario 3 wird die dauerhafte Einrichtung nur einer der beiden Komponenten des Verkehrsversuchs (nur Diagonalsperre beziehungsweise nur Vorplatz vor dem Lessing-Gymnasium) oder der Verzicht auf Sperrungen, aber eine geänderte Verkehrsführung gewünscht. Für eine solche Variante der zukünftigen Verkehrsführung sprechen sich ein Drittel der Schülerinnen und Schüler (31,1 %), ein Viertel der Gewerbetreibenden (24,4 %) sowie ein Fünftel der Anwohnerschaft (19,5 %) aus. 40,5 30,5 19,5 9,6 17,9 49,4 24,4 8,3 47,9 20,2 31,1 0,8 0 10 20 30 40 50 60 Szenario 1 (Verkehrsversuch oder mehr) Szenario 2 (wie vor dem Verkehrsversuch) Szenario 3 (Teile des Verkehrsversuchs) Sonstige Ideen Anwohner*innenBetriebeSchülerschaft des Lessing-Gymnasiums Abbildung 1.4 Gewünschte zukünftige Regelung der Verkehrsführung nach Befragtengruppen Basis2.830 | 156 | 119 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie sollte die Verkehrsführung Ihrer Meinung nach in Zukunft geregelt werden?“ % 10 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Steckbriefe der Anwohnerinnen und Anwohner, Gewerbetreibenden sowie Schülerinnen und Schüler des Lessing-Gymnasiums In den folgenden Kapiteln werden detailliert die Umfrage- ergebnisse der verschiedenen vom Verkehrsversuch in der Sophienstraße betroffenen Personengruppen beschrieben. Zusammenfassend enthalten die Abbildungen 1.5 bis 1.7 die zentralen Ergebnisse aus den jeweiligen Gruppen: Steckbrief Anwohnerinnen und Anwohner Die Anwohnenden befürworten zu insgesamt 60 Prozent eine zukünftige Verkehrsregelung, die zumindest einzelne Komponenten aus dem Verkehrsversuch oder eine veränderte Verkehrsführung dauerhaft beinhaltet. Der Rücklauf von 40,7 % zeigt das große Interesse, das der Sophienstraße in der Anwohnerschaft beigemessen wird. Verbesserungen durch den Verkehrsversuch werden vor allem für den Radverkehr und für Kinder gesehen (Abbildung 1.5). Steckbrief Gewerbetreibende Weniger als die Hälfte der Betriebe (42,3 %) wünschen sich eine dauerhafte Veränderung der Verkehrsführung in der Sophienstraße, die mindestens Teile des Verkehrsversuchs oder eine veränderte Verkehrsführung beinhaltet. Unter den Betrieben haben sich über ein Drittel an der Umfrage zur Evaluation im Nachgang zum Verkehrsversuch beteiligt. Die Beurteilung des Verkehrsversuchs als Ganzes fällt dabei deutlich negativer aus als in der Anwohnerschaft. Verbesserungen der Verkehrssituation werden aber auch hier besonders für Radfahrende und Kinder gesehen (Abbildung 1.6). Steckbrief Schülerinnen und Schüler Den größten Zuspruch erhält der Verkehrsversuch in der Sophienstraße von den Schülerinnen und Schülern des Lessing-Gymnasiums. Der Verkehrsversuch als Ganzes wird von über 77 Prozent als sehr gut oder gut bewertet. Eine dauerhafte Umsetzung von zumindest einzelnen Elementen wünschen sich mehr als zwei Drittel der Schülerschaft (71,4 %). Leider ist der Rücklauf unter den Schülerinnen und Schülern mit 16 Prozent recht gering, wobei die Beteiligung in den ältesten beiden Jahrgängen rund ein Viertel erreicht. Deutliche Mehrheiten der Schülerinnen und Schüler sehen durch den Verkehrsversuch Verbesserungen der Verkehrssituation für Radfahrende, Kinder und Fußverkehr. Auch das persönliche Sicherheitsgefühl sehen 57,8 % der Schülerschaft durch den Verkehrsversuch als verbessert an (Abbildung 1.7). Amt für Stadtentwicklung | 11 Abbildung 1.5 Überblick über zentrale Ergebnisse der Umfrage unter Anwohnerinnen und Anwohnern Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 12 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Abbildung 1.6 Überblick über zentrale Ergebnisse der Umfrage unter den Betrieben Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Amt für Stadtentwicklung | 13 Abbildung 1.7 Überblick über zentrale Ergebnisse der Umfrage unter Schülerinnen und Schülern Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 14 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 2. Verkehrsversuch aus Sicht der Anwohnerinnen und Anwohner 2.1 Methodik und Soziodemografie Im Nachgang zum Verkehrsversuch in der Sophienstraße wurden 7.076 Anwohnerinnen und Anwohner im Alter von 16 Jahren und älter um ihre Einschätzungen gebeten und zu einer Umfrage eingeladen 1 . Dabei handelte es sich um eine Vollerhebung unter der Wohnbevölkerung im Bereich zwischen den Straßen Kaiserallee im Norden, Reinhold-Frank- Straße im Osten, Kriegsstraße/Weinbrennerstraße im Süden sowie Yorckstraße im Westen (siehe Abbildung 2.1). Zwischen 14. Oktober und 17. November 2024 beantworteten insgesamt 2.878 Anwohnerinnen und Anwohner den umfassenden Fragebogen zu den Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 40,7 %. Die Teilnahme an der Umfrage war im Internet und auf Nachfrage in Form eines Papierfragebogens möglich. Unter den Befragten sind etwas mehr Männer (52,3 %) als Frauen (47,7 %), was dem Verhältnis der dort wohnhaften Bevölkerung sehr nahe kommt. Die soziodemografischen Merkmale der Anwohnerinnen und Anwohner, welche sich an der Umfrage beteiligt haben, können aus Tabelle 2.1 entnommen werden. Der Abgleich dieser Kennzahlen mit verfügbaren Daten der amtlichen Statistik zeigt, dass trotz leicht erhöhter Antwortanteile in den mittleren Altersgruppen die Grundgesamtheit der Karlsruher Bevölkerung im Befragungsgebiet repräsentativ abgedeckt wird. Bei der Analyse der Umfrageergebnisse wird an mehreren Stellen die Verfügbarkeit eines Pkw im Haushalt herangezogen. Um besser einschätzen zu können, ob unterschiedliche Antworten eher in Alterseffekten oder in der Verfügbarkeit eines Pkw im Haushalt im begründet liegen, ist Tabelle 2.2 hilfreich. Die Existenz eines eigenen Pkw im Haushalt steigt im Altersverlauf zunächst an (von 59,9 % im Alter von 16 bis unter 25 Jahren auf 74,5 % im Alter von 45 bis unter 65 Jahren) und geht ab dem Erreichen der Regelaltersgrenze wieder etwas zurück (71,6 % im Alter von 65 Jahren und älter). Die höchsten Anteile von autolosen Befragten sind in der jüngsten und ältesten Altersgruppe vorhanden. Da bei der Frage Mehrfachantworten möglich waren, sei darauf hingewiesen, dass die Existenz eines eigenen Pkw im Haushalt dominant behandelt wurde und eine eventuelle, zusätzliche Mitgliedschaft bei einem Car- Sharing-Anbieter übertrumpft. 1 Einladungsschreiben und Fragebogen in Papierform sind in den Anhängen dieser Broschüre ab Seite 81 enthalten. Amt für Stadtentwicklung | 15 © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin 16 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Alle Befragten 16 bis unter 25 Jahre 25 bis unter 35 Jahre 35 bis unter 45 Jahre 45 bis unter 65 Jahre 65 Jahre oder älter Eigener Pkw68,859,961,373,574,571,6 Car-Sharing-Mitgliedschaft15,114,721,614,712,86,7 K ein Pkw im Haushalt verfügbar16,125,417,111,812,621,6 „Steht Ihrem Haushalt ein Pkw zur Verfügung?“ 1 Anteile in Spaltenprozent 1 Mehrfachantworten waren möglich. Das Merkmal "Eigener Pkw" geht dominant in die Auswertung ein. Basis2.836 Anwohnende mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 2.2 Verfügbarkeit eines Pkw im Haushalt nach Alter insg. 2.878 Geschlecht Weiblich47,748,11.348 Männlich52,351,91.479 Alter 16 bis unter 25 Jahre9,813,7281 25 b is unter 35 Jahre28,026,7800 35 bis unter 45 Jahre19,417,4554 45 bis unter 65 Jahre30,527,2870 65 Jahre oder älter12,314,9352 Kinder im Haushalt Kinder unter 18 Jahre im Haushalt25,5---724 Keine Kinder im Haushalt74,5---2.115 Pkw im Haushalt 1 Eigener Pkw68,8---1.956 Car-Sharing-Mitgliedschaft15,1---429 Kein Pkw im Haushalt verfügbar16,2---460 Bestehen einer körperlichen Einschränkung M obilitätseinschränkung vorhanden7,8---223 Keine Mobilitätseinschränkung92,2---2.620 Entfernung zum Verkehrsversuch Sophienstraße direkte Anwohnerschaft27,9---802 Quer- beziehungsweise Nebenstraße65,9---1.895 weitere Nachbarschaft6,2---177 Soziodemografie der Anwohnerinnen und Anwohner Befragte mit Antwort Anteile an Umfrage Amtliche Statistik (September 2024) 1Mehrfachantworten waren möglich. Das Merkmal "Eigener Pkw" geht dominant in die Auswertung ein. Basis2.878 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 2.1 Soziodemografie der Anwohnerinnen und Anwohner im Untersuchungsgebiet Amt für Stadtentwicklung | 17 2.2 Einschätzung der Informationslage Im Vorfeld zum Verkehrsversuch wurden Ende Juni 2024 Informationsschreiben über die geplanten Maßnahmen in der Sophienstraße in alle zugänglichen Briefkästen im Untersuchungsgebiet verteilt. Bei nicht zugänglichen Briefkästen wurden die Informationen an der Haustür befestigt. Zusätzlich wurden Flyer unter die Scheibenwischer der parkenden Autos im Gebiet geklemmt, sowie vor und während des Verkehrsversuchs mit Pressemitteilungen über den Gesamtprozess informiert. In der Einleitung des Fragebogens wurden schließlich nochmals beide Komponenten des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße textlich beschrieben und mit Fotos der verkehrsberuhigenden Maßnahmen visualisiert. Im Nachgang zum Verkehrsversuch geben gut zwei Drittel (68,6 %) der Anwohnerinnen und Anwohner an, mit den zur Verfügung gestellten Informationen über den Verkehrsversuch sehr zufrieden (25,5 %) oder eher zufrieden (43,1 %) zu sein (siehe Abbildung 2.2). Zusammengenommen etwas weniger als ein Drittel der Anwohnerschaft bezeichnete sich aber auch als eher unzufrieden (23,4 %) oder sehr unzufrieden (8,0 %) mit den zur Verfügung gestellten Informationen. Beim Blick auf die unterschiedlichen Befragtengruppen fällt vor allem auf, dass Anwohnerinnen und Anwohner mit einer Mobilitätseinschränkung vergleichsweise unzufrieden mit dem zur Verfügung gestellten Informationsmaterial sind: Nur 8,2 % dieser Gruppe bezeichnen sich als sehr zufrieden, gut jeder beziehungsweise jede Fünfte (21,0 %) als sehr unzufrieden. Bei den, an mehreren Stellen im Fragebogen angebotenen, Möglichkeiten zur Formulierung von Antworten als Freitext, wird auf fehlende Skizzierungen der Pläne und teils schwierige Verständlichkeit der beschriebenen Maßnahmen in Textform hingewiesen. 25,5 43,1 23,4 8,0 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 sehr zufriedeneher zufriedeneher unzufriedensehr unzufrieden % „Wie zufrieden sind Sie mit den zur Verfügung gestellten Informationen über den Verkehrsversuch?“ Basis2.813Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.2 Zufriedenheit mit dem verfügbaren Informationsmaterial zum Verkehrsversuch –Anwohnerinnen und Anwohner – 18 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 4,1 4,7 5,4 4,2 4,6 6,6 6,7 5,5 41,4 38,7 46,8 55,4 50,3 43,5 29,3 6,1 7,4 8,9 9,6 16,4 20,3 17,0 9,6 10,6 13,2 15,6 20,0 25,1 30,9 35,9 34,9 24,3 7,3 17,5 0102030405060708090100 Gutenbergschule Lessing-Gymnasium Arztpraxen Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz Geschäfte und Dienstleistungen Eigene Wohnung Eigene Kfz-Abstellmöglichkeiten deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtertweiß nicht % „Wie beurteilenSie die Erreichbarkeit folgender Einrichtungen während des Verkehrsversuchs im Vergleichzu vorher?“ Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis2.839 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Abbildung 2.3 Veränderung der Erreichbarkeit von Einrichtungen im Zuge des Verkehrsversuchs –Anwohnerinnen und Anwohner – 2.3 Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen Die Ergebnisse der Umfrage unter Anwohnerinnen und Anwohnern zeigen, dass der Verkehrsversuch Auswirkungen beim Erreichen verschiedener Ziele im Alltag hatte. Die Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen im Untersuchungsgebiet sind während des Verkehrsversuchs aus Sicht der Anwohnerschaft zum Großteil gleich geblieben oder haben sich verschlechtert (Abbildung 2.3). Besonders die Erreichbarkeit der eigenen Kfz-Abstellmöglichkeiten, aber auch die Erreichbarkeit der eigenen Wohnung wird von rund der Hälfte der Befragten als etwas oder deutlich verschlechtert beurteilt. Auch die Erreichbarkeit von Geschäften und Dienstleistungen wird deutlich häufiger verschlechtert (zusammengenommen 36,4 %) als verbessert (10,9 %) bewertet. Die Erreichbarkeit von Arztpraxen sowie der Schulen im Untersuchungsgebiet hat sich aus Sicht der Anwohnerschaft etwas verschlechtert, wobei für diese Einrichtungen relativ häufig auf eine Bewertung verzichtet und mit „weiß nicht“ geantwortet wird. Amt für Stadtentwicklung | 19 Einschränkungen in der Erreichbarkeit der eigenen Wohnung werden vor allem von Befragten mit verfügbarem Pkw im Haushalt gesehen (siehe Abbildung 2.4). Zusammen- genommen 58,6 % der Anwohnerschaft mit eigenem Pkw im Haushalt gehen von einer verschlechterten Erreichbarkeit aus (etwas verschlechtert: 25,2 %, deutlich verschlechtert: 33,4 %). Anwohnerinnen und Anwohner ohne eigenen Pkw und ohne Mitgliedschaft bei einem Car-Sharing-Anbieter waren zum Großteil nicht betroffen (61,1 %) oder beurteilen die Erreichbarkeit der eigenen Wohnung im Zuge des Verkehrsversuchs im Vergleich zur Zeit etwas häufiger verbessert als verschlechtert. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin „Wie beurteilen Sie die Erreichbarkeit folgender Einrichtungen während des Verkehrsversuchs im Vergleich zu vorher?“ 8,6 10,0 2,5 4,6 12,8 11,2 2,6 5,5 61,1 61,1 35,7 43,5 8,6 10,7 25,2 20,3 5,8 6,9 33,4 25,0 0102030405060708090100 Kein Pkw im Haushalt vefügbar Car-Sharing-Mitgliedschaft Eigener Pkw Alle Befragten deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtertweiß nicht/nicht relevant % Abbildung 2.4 Veränderung der Erreichbarkeit der eigenen Wohnung nach Verfügbarkeit eines Pkw 1 –Anwohnerinnen und Anwohner – 1 Mehrfachantworten waren möglich. Das Merkmal "Eigener Pkw" geht dominant in die Auswertung ein. Basis2.813 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 20 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 2.4 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für verschiedene Personengruppen Die Anwohnerschaft wurde sowohl zum beobachteten Verkehrsaufkommen sowie zur Verkehrssituation beziehungsweise -sicherheit für verschiedene Personengruppen während der Versuchsphase gefragt. Insgesamt verbinden die Anwohnerinnen und Anwohner mit dem Verkehrsversuch für fast alle Personengruppen eher Verbesserungen als Verschlechterungen (Abbildung 2.5). Besonders positiv wird die Veränderung der Verkehrssituation für Radfahrerinnen und Radfahrer in der Sophienstraße bewertet: Eine deutliche Verbesserung sehen 41,1 % der Anwohnerinnen und Anwohnern, weitere 25,2 % sehen die Situation für Radfahrende etwas verbessert. Je jünger die Befragten, desto häufiger werden Verbesserungen der Verkehrssituation für Radfahrende attestiert (16 bis unter 25 Jahre: 52,6 %; 65 Jahre oder älter: 26,5 %). Die verbesserte Verkehrssituation für Radfahrerinnen und Radfahrer geht mit einem empfundenen stärkeren Rad- Verkehrsaufkommen in der Sophienstraße einher (siehe Abbildung 2.6). Zusammengenommen beobachtete beinahe die Hälfte der Anwohnerinnen und Anwohner eine Zunahme des Rad-Verkehrs während des Verkehrsversuchs (etwas stärker: 31,9 %; deutlich stärker: 16,2 %). Gegen Ende des Fragebogens war die Möglichkeit gegeben, in freier Form über besondere Vorkommnisse während der Versuchsphase zu berichten oder generell einen Kommentar zum Verkehrsversuch abzugeben (siehe Abbildung 2.6). Diese offene Frage nutzten manche, um Fahrrad-bezogene Themen anzusprechen. Hier wird auf nun ermöglichtes sichereres Radfahren, weniger Bedrängung von Radfahrenden durch motorisierte Verkehrsteilnehmende, vereinzelt aber auch auf Gefahren durch die schmalen Durchfahrtsmöglichkeiten beim Modalfilter an der Diagonalsperre bei der Lessingstraße hingewiesen. Auch für Fußgängerinnen und Fußgänger wurden von Seite der Anwohnerinnen und Anwohner überwiegend positive Effekte durch den Verkehrsversuch wahrgenommen: Eine deutliche Verbesserung sehen 21,1 % der Befragten, 25,4 % sehen die Verkehrssituation etwas verbessert. Von einer verschlechterten Situation für Fußgängerinnen und Fußgänger gehen zusammengenommen 13,0 % der Befragten aus (etwas verschlechtert: 6,6 %; deutlich verschlechtert: 6,4 %). Im Zusammenhang mit dem Rad-Verkehr wird allerdings auch ein häufig geschildertes Ärgernis benannt: Zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner berichten von rücksichtslosen Radfahrenden, die durch die Maßnahmen des Verkehrsversuchs noch bessere Voraussetzungen für zu schnelles Fahren in der Sophienstraße erhielten. Vor allem die zu Fuß in der Sophienstraße gehenden Anwohnerinnen und Anwohner berichten von Problemen beim Überqueren von Straßen (auch an Übergängen) und Störungen durch auf dem Gehweg fahrende Fahrradfahrerinnen und -fahrer. Doch auch mit dem Pkw Fahrende und Befragte, die selbst mit dem Fahrrad unterwegs sind, berichten von Gefahrensituationen, die auf (andere) Radfahrende zurückzuführen sind. 24,3 22,8 27,5 21,1 41,1 17,2 23,3 24,5 25,4 25,2 35,7 35,1 33,5 15,3 40,4 26,8 12,1 8,5 7,2 33,0 6,6 4,5 10,7 10,4 7,4 48,3 6,4 0102030405060708090100 Ihr persönliches Sicherheitsgefühl im Verkehr Verkehrssicherheit für ältere/ mobilitätseingeschränkte Menschen Verkehrssicherheit für Kinder Verkehrssituation für Autofahrer*innen Verkehrssituation für Fußgänger*innen Verkehrssituation für Radfahrer*innen deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert % „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die Verkehrssituationenfür folgende Personengruppen in der Sophienstraße während des Verkehrsversuchs im Vergleichzur Zeit davor geändert?“ Abbildung 2.5 Veränderung der Verkehrssituation während des Verkehrsversuchs –Anwohnerinnen und Anwohner – Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis2.822 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Amt für Stadtentwicklung | 21 Autofahrerinnen und Autofahrer waren aus Sicht der Anwohnerinnen und Anwohner dagegen insgesamt negativ vom Verkehrsversuch beeinflusst. Mehr als 8 von 10 Befragten (81,3 %) gehen im Zuge des Verkehrsversuchs von verschlechterten Bedingungen für Autofahrerinnen und Autofahrer aus: fast die Hälfte der Anwohnerschaft (48,3 %) geben an, dass sich die Verkehrssituation für Autofahrende deutlich verschlechtert hat. Diese Einschätzung wird unabhängig von der Existenz eines eigenen Pkw geteilt: auch Befragte ohne Pkw-Verfügbarkeit im Haushalt schätzen die Veränderung für Autofahrerinnen und Autofahrer zu 45,3 % als etwas verschlechtert und zu 28,7 % als deutlich verschlechtert ein. Besonders negativ sehen mobilitätseingeschränkte Personen die Veränderungen für Pkw-Nutzende (etwas verschlechtert: 14,9 %; deutlich verschlechtert: 76,3 %). Die verschlechterte Verkehrssituation für Autofahrerinnen und Autofahrer geht mit einem rückläufigen wahrgenommenen Kfz-Verkehrsaufkommen innerhalb der Sophienstraße einher. Mehr als zwei Drittel der Befragten berichten von deutlich weniger (36,1 %) oder etwas weniger (32,1 %) Pkw-Verkehr in der Sophienstraße. Für das, über die Sophienstraße hinausgehende, gesamte Befragungsgebiet wird allerdings zu ähnlichen Anteilen von einer Zunahme (deutlich: 17,4 %; etwas 15,9 %) und einer Abnahme (deutlich: 17,8 %; etwas 20,4 %) des Kfz- Verkehrsaufkommens berichtet. Umfangreiche Auswirkungen hatte der Verkehrsversuch aus Sicht der Befragten auf den ruhenden Verkehr. Etwas über die Hälfte der Anwohnerinnen und Anwohner hat während der Versuchsphase eine Zunahme des Parkplatzsuchverkehrs wahrgenommen: ein gutes Drittel (35,4 %) berichten von einem deutlich stärkeren, 20,6 % von einem etwas stärkeren Aufkommen. Neben den temporär weggefallenen Parkplätzen vor dem Lessing-Gymnasium wird von den Befragten häufig auf den generell knappen Parkraum hingewiesen. Vereinzelt werden Ideen für eine Tiefgarage unter dem Gutenbergplatz und die mögliche Einrichtung von Anwohnerparkbereichen geäußert. Auch von vermehrt notwendigen Umwegen, gestiegenem Verkehrsaufkommen sowie teilweise chaotischen Verhältnissen wird berichtet. Einige Befragte verweisen auf Probleme durch Falschfahrer im geänderten Einbahnstraßenbereich sowie teilweise riskante Wendemanöver. 7,5 12,6 16,6 17,8 36,1 7,5 10,4 17,5 19,9 20,4 32,1 50,0 72,9 25,7 51,5 40,3 28,5 22,7 31,9 7,6 20,6 9,2 9,9 15,9 5,3 16,2 7,6 35,8 9,2 13,3 17,4 0102030405060708090100 Rad-Verkehrsaufkommen in der Sophienstraße Freizeitlärm im direkten Wohnumfeld Kfz-Parkplatzsuchverkehr Abgase/schlechte Luftqualität im direkten Wohnumfeld Verkehrslärm im direkten Wohnumfeld Kfz-Verkehrsaufkommen im direkten Wohnumfeld Kfz-Verkehrsaufkommen in der Sophienstraße deutlich wenigeretwas wenigergleich gebliebenetwas stärkerdeutlich stärker % Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis2.771 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.6 Veränderungen verschiedener Aufkommen im Zuge des Verkehrsversuchs –Anwohnerinnen und Anwohner – „Wie haben sich folgende Aufkommen aus Ihrer Sicht während des Verkehrsversuchs im Vergleichzur Zeit davor geändert?“ 22 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Neben den nach Verkehrsmittel definierten Personengruppen wurde auch nach den Veränderungen der Verkehrssicherheit von Kindern und älteren/mobilitätseingeschränkten Menschen gefragt. Für beide Gruppen überwiegen aus Sicht der Anwohnerinnen und Anwohner die Verbesserungen im Zuge des Verkehrsversuchs. Mehr als die Hälfte der Anwohner- schaft geht von Verbesserungen für die Verkehrssicherheit von Kindern während des Verkehrsversuchs aus (deutlich verbessert: 27,5 %, etwas verbessert: 24,5 %). Befragte mit Kindern im Haushalt sehen etwas positivere Auswirkungen für die Verkehrssicherheit für Kinder als der Durchschnitt der Anwohnerschaft. Dagegen werden die Veränderungen für ältere/mobilitätseingeschränkte Menschen von Befragten, die angeben, selbst eine Mobilitätseinschränkung zu haben, kritischer als vom Durchschnitt der Anwohnerschaft bewertet. Insgesamt geht auch für ältere/ mobilitätseingeschränkte Menschen fast die Hälfte der Anwohnerschaft von Verbesserungen der Verkehrssicherheit aus (deutlich: 22,8 %; etwas: 23,3 %). Befragte mit Mobilitätseinschränkung empfinden aber nur zu einem Fünftel (20,3 %) Verbesserungen der Verkehrssicherheit dieser Personengruppe (deutlich: 8,2 %; etwas: 12,1 %); 43,5 % sehen Verschlechterungen im Zuge des Verkehrsversuchs (deutlich: 30,9 %; etwas: 12,6 %). Anwohnerinnen und Anwohner aus Haushalten, in denen Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren wohnhaft sind, wurden zusätzlich dazu befragt, inwiefern sich die Aufenthaltsqualität am Gutenbergplatz und in der Sophienstraße für die jeweilige Altersgruppe geändert hat. Die Möglichkeiten zu spielen, Freunde zu treffen oder zu chillen, haben sich aus Sicht der Anwohnenden mit minderjährigen Personen im Haushalt deutlich verbessert (Abbildung 2.7). Dabei gingen vor allem für ältere Kinder und Jugendliche positive Effekte auf die Aufenthaltsmöglichkeiten einher: für 12- bis unter 18-Jährige sehen 37,9 % eine Verbesserung; eine Verschlechterung empfinden für diese Altersgruppe nur 6,5 % der Befragten mit minderjährigen Personen im Haushalt. 37,9 35,9 30,7 55,6 54,4 60,0 6,5 9,7 9,2 0102030405060708090100 12 bis unter 18 Jahre 6 bis unter 12 Jahre unter 6 Jahre verbessertgleich geblieben verschlechtert % „Wie haben sich die Aufenthaltsmöglichkeiten (zum Beispiel Spielen/Freunde treffen/Chillen) für die jeweilige Altersgruppe am Gutenbergplatz undin der Sophienstraße mit dem Projekt verändert?“ Abbildung 2.7 Veränderung der Aufenthaltsmöglichkeiten für Kinder und Jugendliche TG | Anwohnende TGNur Befragte mit Personen unter 18 Jahren im Hauhsalt Basis724 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Amt für Stadtentwicklung | 23 2.5 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Lebensqualität vor Ort Insgesamt kann von einer erhöhten Lebensqualität im Zuge des Verkehrsversuchs aus Sicht der Anwohnerinnen und Anwohner berichtet werden. Neben den beschriebenen Einflüssen des Verkehrsversuchs auf die Verkehrsaufkommen, Erreichbarkeiten und unterschiedlichen Personengruppen, wurden übergreifend die Auswirkungen der verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf verschiedene Aspekte der Lebensqualität vor Ort erfragt. Vor allem die Atmosphäre in der Sophienstraße wird zu großen Anteilen als deutlich verbessert (26,0 %) oder etwas verbessert (21,4 %) eingeschätzt (Abbildung 2.8). Etwa halb so viele Anwohnerinnen und Anwohner (zusammengenommen 23,0 %) berichten von einer verschlechterten Atmosphäre in der Sophienstraße (etwas: 11,9 %, deutlich: 12,1 %). In ähnlicher Relation werden auch die anderen Aspekte der Lebensqualität eher verbessert als verschlechtert wahrgenommen. Jeweils rund doppelt so viele Anwohnerinnen und Anwohner sehen die Aufenthaltsqualität, das Miteinander im öffentlichen Raum sowie das nachbarschaftliche Leben und soziales Miteinander positiv statt negativ beeinflusst. Lediglich bezüglich der persönlichen Wohnqualität ist die Stimmungslage im Untersuchungsgebiet kritischer: Verbesserungen sehen etwas über ein Drittel (34,9 %), Verschlechterungen zusammengenommen etwas weniger als ein Drittel (30,7 %) der Wohnbevölkerung vor Ort. Auch bei den verschiedenen Aspekten der Lebensqualität zeigt sich unter Befragten ohne Pkw-Zugang im Haushalt eine überdurchschnittlich positive Stimmung. 12,8 17,5 18,1 21,6 26,0 16,9 17,4 22,9 20,4 21,4 55,2 34,7 36,4 40,8 28,5 7,6 15,6 10,8 7,6 11,9 7,6 14,8 11,8 9,5 12,1 0102030405060708090100 Nachbarschaftliches Leben und soziales Miteinander Persönliche Wohnqualität Das Miteinander im öffentlichen Raum Aufenthaltsqualität Atmosphäre in der Sophienstraße deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert % „Wie schätzen Sie die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße auf folgende Aspekte der Lebensqualität vor Ort ein?“ Basis2.792 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.8 Wahrgenommene Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Lebensqualität vor Ort –Anwohnerinnen und Anwohner – 24 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Persönliche Wohnqualität Bei der so unterschiedlich bewerteten Veränderung der persönlichen Wohnqualität lohnt der Blick in die kleinräumigen Ergebnisse. Abbildung 2.9 zeigt kartografisch, wie die Veränderung der Wohnqualität in den einzelnen Straßenabschnitten des Untersuchungsgebietes bewertet wird. Um alle Antwortmöglichkeiten in dieser Darstellung einfließen zu lassen, wurde je Straßenzug ein Wert berechnet, bei dem die Angaben zur Verschlechterung von den Verbesserungen abgezogen wurden (wobei „etwas verbessert“ und „etwas verschlechtert“ jeweils nur hälftig gewichtet wurden). Es zeigt sich, dass die Lage des Wohnortes, im Verhältnis zur Verortung der beiden Komponenten des Verkehrsversuchs, wichtig ist. In allen Bereichen der Sophienstraße überwiegt eine positive Wahrnehmung. Besonders positiv bewerten die Anwohnerinnen und Anwohner der nördlichen Lessingstraße und der östlichen Sophienstraße die Veränderung ihrer Wohnqualität. Gerade in diesen Straßenzügen wurde der Umgehungsverkehr der Ampel am Mühlburger Tor verhindert. Negativer fällt die Bewertung dagegen in der parallel liegenden Hans-Sachs-Straße und der Scheffelstraße aus, wo die Anwohnerschaft im Durchschnitt eher von einer Verschlechterung der eigenen Wohnqualität ausgeht. In besonderem Maße sind die Anliegenden der Gabelsbergerstraße von einer empfundenen Verschlechterung der persönlichen Wohnqualität betroffen: Hier sehen nur 18,3 % eine Verbesserung (deutlich: 9,5 %, etwas: 9,8 %) und fast die Hälfte gehen von einer Verschlechterung aus (deutlich: 25,6 %, etwas: 19,5 %). Im Durchschnitt hat sich die persönliche Wohnqualität vor Ort im Zuge des Verkehrsversuchs leicht verbessert. Amt für Stadtentwicklung | 25 Aufenthaltsqualität Auch bei der Veränderung der Aufenthaltsqualität spielt die Lage des Wohnortes innerhalb des Untersuchungsgebiets eine Rolle. Es zeigt sich auf den ersten Blick, dass die Veränderung der Aufenthaltsqualität im Zuge des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße positiver beurteilt wird, als die Veränderung der persönlichen Wohnqualität. Dabei empfinden die Anwohnerinnen und Anwohner i m nördlichen Bereich um die Goethestraße sowie der nördlichen Lessingstraße und östlichen Sophienstraße die Aufenthaltsqualität besonders positiv beeinflusst (Abbildung 2.10). Lediglich in der Gabelsbergerstraße überwiegen auch bezüglich Aufenthaltsqualität die kritischen Stimmen. 26 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 2.6 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf das eigene Verhalten Die Anwohnerinnen und Anwohner wurde gebeten einzuschätzen, ob sich die Häufigkeit verschiedener Aktivitäten während des Verkehrsversuchs, im Vergleich zur Zeit davor, geändert hat. Gut vier von fünf Anwohnerinnen und Anwohnern (80,6 %) haben im Zeitraum des Verkehrsversuchs ihr Verhalten, im Hinblick auf mindestens eine der dort wahrgenommenen Aktivitäten, verändert (siehe Abbildung 2.11). Dabei zeigt sich, dass Befragte ohne Pkw-Verfügbarkeit im Haushalt nur zu knapp zwei Drittel (63,5 %) die Häufigkeit verschiedener Aktivitäten – wie Aufenthalt im Öffentlichen Raum, Zufußgehen oder Radfahren – im Zuge des Verkehrsversuchs angepasst haben. Verhaltensänderungen sind unter nah am Verkehrsversuch wohnenden Befragten etwas häufiger zu beobachten als in weiterer Nachbarschaft. Unter den Anwohnerinnen und Anwohnern mit Mobilitätseinschränkung sind während der Versuchsphase neun von zehn Befragten (90,0 %) mindestens eine der abgefragten Aktivitäten häufiger oder seltener nachgegangen. Beim Blick auf die einzelnen Aktivitäten zeigt sich, dass die größten Verhaltensänderungen bei Tätigkeiten im Zusammenhang mit dem Pkw zu verzeichnen sind. Wie in Abbildung 2.12 zu sehen, haben über ein Drittel der Anwohnerinnen und Anwohner (38,8 %) während der Versuchsphase häufiger nach Parkmöglichkeiten für den Pkw gesucht. Gleichzeitig geben fast ein Drittel der Befragten (32,7 %) an, während des Verkehrsversuchs seltener mit dem Auto durch die Sophienstraße gefahren zu sein. Das Fahrrad kam in der Sophienstraße während des Verkehrsversuchs bei gut einem Viertel der Anwohnerschaft vermehrt zum Einsatz. 13,5 14,9 20,6 22,5 26,7 38,8 53,8 71,8 73,9 65,7 67,4 53,9 32,7 13 5,5 11,8 5,9 7,3 0102030405060708090100 Autofahren in der Sophienstraße Besuch des Wochenmarktes auf dem Gutenbergplatz Zufußgehen in der Sophienstraße Aufenthalt im Öffentlichen Raum um die Sophienstraße Radfahren in der Sophienstraße Suche nach Parkmöglichkeiten für den Pkw häufigerkeine Veränderungenseltener % „Wie hat sich die Häufigkeit Ihrer folgenden Aktivitäten während des Verkehrsversuchs (1. Juli bis 7. Oktober) im Vergleich zur Zeit davor geändert?“ Abbildung 2.12 Änderung der Aktivitäten während des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße –Anwohnerinnen und Anwohner – Basis2.870 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 63,5 79,7 84,9 80,6 36,5 20,3 15,1 19,4 0102030405060708090100 Kein Pkw im Haushalt vefügbar Car-Sharing-Mitgliedschaft Eigener Pkw Alle Befragten Verhaltensänderungkeine Verhaltensänderung % „Wie hat sich die Häufigkeit Ihrer folgenden Aktivitäten während des Verkehrsversuchs (1. Juli bis 7. Oktober) im Vergleich zur Zeit davor geändert?“ | Mindestens eine der Aktivitäten „häufiger“oder „seltener“ 1Mehrfachantworten waren möglich. Das Merkmal „Eigener Pkw“geht dominant in die Auswertung ein. Basis2.384 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.11 Verhaltensänderungen im Zuge des Verkehrsversuchs nach Verfügbarkeit eines Pkw 1 –Anwohnerinnen und Anwohner – Amt für Stadtentwicklung | 27 Die Verhaltensänderungen im Zusammenhang mit dem Verkehrsversuch in der Sophienstraße stehen in Zusammenhang mit dem Alter der Befragten. So geben über ein Drittel der jüngeren (38,4 % der 18- bis unter 25- Jährigen und 34,4 % der 25- bis unter 35-Jährigen) an, während des Verkehrsversuchs häufiger in der Sophienstraße Rad gefahren zu sein (Tabelle 2.3). Befragte im Alter von 45 bis unter 65 Jahren steigerten ihre Radfahraktivitäten nur zu 21,1 %, Befragte ab 65 Jahren nur zu 14,5 %. Ähnliche, wenngleich etwas geringere Altersunterschiede zeigen sich auch beim Aufenthalt im öffentlichen Raum um die Sophienstraße. Umgekehrt geben die älteren Anwohnerinnen und Anwohner überdurchschnittlich häufig an, aufgrund der beiden Komponenten des Verkehrsversuchs häufiger in der Sophienstraße mit dem Auto gefahren beziehungsweise auf der Suche nach Parkmöglichkeiten für den Pkw gewesen zu sein. Dabei muss bedacht werden, dass die ältere Bevölkerung häufiger über einen eigenen Pkw verfügt (siehe Tabelle 2.2, Seite 16). Neben dem Alter spielt auch der Wohnort innerhalb des Befragungsgebiets eine Rolle für Verhaltensänderungen im Zuge des Verkehrsversuchs. Abbildung 2.13 zeigt kartografisch, zu welchen Anteilen die Anwohnerinnen und Anwohner häufiger auf der Suche nach Parkmöglichkeiten waren. Vor allem für die Anwohnerinnen und Anwohner der Gabelsbergerstraße (häufiger: 69,1 %) sowie der direkt am Gutenbergplatz liegenden Gutenbergstraße (66,7 %) nahm die Parkplatzsuche für den Pkw mehr Zeit in Anspruch. Auch in der südlichen Körnerstraße (60,7 %) und der Nelkenstraße (55,2 %) musste sich über die Hälfte der Anwohnerschaft häufiger mit der Stellplatzsuche beschäftigen. Die im östlichen Untersuchungsgebiet wohnenden Befragten waren durch die Maßnahmen verhältnismäßig seltener beeinflusst. Auch die Häufigkeit des Aufenthalts im öffentlichen Raum um die Sophienstraße hat sich während der Zeit des Verkehrsversuchs räumlich differenziert entwickelt. Gerade im östlichen Teilbereich der Sophienstraße (häufiger: 41,7 %) sowie in der direkt am Gutenbergplatz liegenden Gutenbergstraße (40,0 %) ging mit der Diagonalsperre und dem Vorplatz vor dem Lessing-Gymnasium eine intensivere Nutzung des öffentlichen Raums einher (Abbildung 2.14). Im westlichen Teil der Sophienstraße (31,3 %) und der nördlichen Schillerstraße (31,9 %) nutzte knapp ein Drittel der Anwohnerschaft den Raum um die zentrale Achse der Weststadt häufiger. Die räumlichen Unterschiede in der veränderten Häufigkeit des Aufenthalts im öffentlichen Raum folgen auch bei der Häufigkeit des Radfahrens und Zufußgehens in der Sophienstraße ähnlichen Mustern. Beim Autofahren in der Sophienstraße zeigen sich insgesamt die geringsten Unterschiede nach Wohnort innerhalb des Untersuchungsgebiets. Alle Befragten 16 bis unter 25 Jahre 25 bis unter 35 Jahre 35 bis unter 45 Jahre 45 bis unter 65 Jahre 65 Jahre oder älter Suche nach Parkmöglichkeiten für den Pkw häufiger38,831,232,138,745,743,8 seltener7,39,78,86,75,77,1 Rad fahren in der Sophienstraße häufiger26,738,434,426,121,114,5 seltener5,96,14,93,86,89,7 Aufenthalt im Öffentlichen Raum um die Sophienstraße häufiger22,530,027,224,418,413,0 seltener11,811,18,911,013,217,5 Zufußgehen in der Sophienstraße häufiger20,627,226,319,715,715,0 seltener5,55,14,24,26,78,4 Besuch des Wochenmarktes auf dem Gutenbergplatz häufiger14,920,119,113,511,511,4 seltener13,39,710,313,115,218,9 Autofahren in der Sophienstraße häufiger13,58,910,111,915,224,1 seltener32,733,933,539,329,227,9 „Wie hat sich die Häufigkeit Ihrer folgenden Aktivitäten während des Verkehrsversuchs (1. Juli bis 7. Oktober) im Vergleich zur Zeit davor geändert?“ Anteile in Spaltenprozent 1 Werte für "keine Veränderungen" ausgeblendet Basis2.878 Anwohnende mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 2.3 Änderung der Aktivitäten während des Verkehrsversuchs nach Alter 1 –Anwohnerinnen und Anwohner – 28 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 29 30 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 2.7 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt Die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße werden in der Anwohnerschaft sehr unterschiedlich beurteilt: Zusammengenommen 45,9 % bewerten den Verkehrs- versuch als sehr oder eher positiv, aber beinahe ebenso viele eher oder sehr negativ (42,7 %; Abbildung 2.15). Als neutral bezeichnen sich bei dieser Fragestellung lediglich jede neunte Anwohnerin/jeder neunte Anwohner (11,3 %). Rund die Hälfte der Anwohnerschaft fällt ein klares Urteil: Etwas mehr als ein Viertel der Befragten bewertet den Verkehrsversuch insgesamt als sehr positiv (28,2 %), während 22,1 % ein sehr negatives Urteil fällen. Auffallend ist dabei, dass die versuchsweise eingerichteten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung vor allem bei Befragten ohne eigenen Pkw im Haushalt positive Resonanz erfahren (siehe Abbildung 2.16). Zusammengenommen fast zwei Drittel der Anwohnerinnen und Anwohner, die keinen Pkw im Haushalt verfügbar haben, stehen dem Verkehrsversuch insgesamt sehr positiv (38,3 %) oder eher positiv (26,7 %) gegenüber. Unter den Befragten ohne eigenen Pkw, die aber Mitglied bei einem Car-Sharing-Anbieter sind, fällt das Gesamturteil noch positiver aus: 55,5 % bewerten den Verkehrsversuch als sehr positiv und 22,4 % eher positiv. Die durchschnittliche Bewertung der Anwohnerinnen und Anwohner fällt mit eigenem Pkw „eher negativ“, unter Car- Sharing-Mitgliedern „sehr positiv“ und unter Anwohnerinnen und Anwohnern ohne verfügbaren Pkw im Haushalt „eher positiv“ aus. 28,2 17,7 11,3 20,6 22,1 0 10 20 30 sehr positiveher positiv neutraleher negativsehr negativ % „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchsin der Sophienstraßeinsgesamt?“ Basis2.878 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.15 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs Sophienstraße –Anwohnerinnen und Anwohner – 38,3 55,5 20,2 28,4 26,7 22,4 14,8 17,9 16,1 7,0 11,0 11,2 12,8 10,3 24,6 20,5 6,1 4,9 29,4 22,0 0102030405060708090100 Kein Pkw im Haushalt vefügbar Car-Sharing-Mitgliedschaft Eigener Pkw Alle Befragten sehr positiveher positivneutraleher negativsehr negativ % „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße insgesamt?“ 1Mehrfachantworten waren möglich. Das Merkmal "Eigener Pkw" geht dominant in die Auswertung ein. Basis2.878 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.16 Bewertung des Verkehrsversuchs nach Verfügbarkeit eines Pkw 1 –Anwohnerinnen und Anwohner – Amt für Stadtentwicklung | 31 28,2 34,2 36,1 28,0 24,5 16,2 17,7 22,1 18,9 21,1 15,1 13,6 11,3 12,1 11,0 11,0 10,9 11,9 20,6 15,3 16,5 19,3 23,4 28,7 22,1 16,4 17,5 20,6 26,1 29,5 Gesamt16 bis unter 25 Jahre 25 bis unter 35 Jahre 35 bis unter 45 Jahre 45 bis unter 65 Jahre 65 oder älter sehr negativ eher negativ neutral eher positiv sehr positiv „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchsin der Sophienstraßeinsgesamt?“ Basis2.878 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 2.17 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs Sophienstraße nach Altersgruppen –Anwohnerinnen und Anwohner – Außerdem zeigt sich, dass der Verkehrsversuch von der älteren Anwohnerschaft tendenziell kritischer betrachtet wird (siehe Abbildung 2.17). Bei den Anwohnerinnen und Anwohnern unter 35 Jahren sind es mehr als die Hälfte, die eine sehr positive (34,2 % der 16- bis unter 25-Jährigen und 36,1 % der 25- bis unter 35-Jährigen) oder eher positive (22,1 % der 16- bis unter 25-Jährigen und 18,9 % der 25- bis unter 35-Jährigen) Bewertung. Befragte ab 65 Jahren fällen zu mehr als der Hälfte ein eher negatives (28,7 %) oder sehr negatives (29,5 %) Urteil, wobei hier auch die höhere Verfügbarkeit eines eigenen Pkw im Haushalt eine Rolle spielen dürfte (siehe Tabelle 2.2, Seite 16). Die durchschnittliche Bewertung des Verkehrsversuchs als Ganzes liegt unter den Anwohnerinnen und Anwohnern bei „neutral“. In den beiden Altersgruppen unter 35 Jahren ist die Bewertung im Schnitt „eher positiv“, zwischen 35 bis unter 65 Jahren „neutral“ und ab 65 Jahren „eher negativ“. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin 32 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Tabelle 2.4 enthält gebündelt die unterschiedlichen Bewertungen des Verkehrsversuchs nach soziodemografischen Merkmalen. Neben den beschriebenen Unterschieden nach Alter der Befragten und Pkw- Verfügbarkeit im Haushalt spielen auch körperliche Einschränkungen eine wichtige Rolle. Befragte mit Mobilitätseinschränkung urteilen besonders kritisch: Gut die Hälfte (52,5 %) dieser häufig auf ein Auto angewiesenen Befragtengruppe sehen den Effekt des Verkehrsversuchs sehr negativ; weitere 25,1 % eher negativ. sehr positiveher positivneutraleher negativsehr negativ Anwohnende insgesamt 202428,217,711,320,622,1neutral Geschlecht Weiblich24,817,412,321,424,1ne utral Männlich31,418,110,519,820,2neutral Alter 16 bis unter 25 Jahre34,222,112,115,316,4eher positiv 25 bis unter 35 Jahre36,118,911,016,517,5eher positiv 35 bis unter 45 Jahre28,021,111,019,320,6neutral 45 bis unter 65 Jahre24,515,110,923,426,1neutral 65 Jahre und älter16,213,611,928,729,5eher negativ Kinder im Haushalt Kinder unter 18 Jahre im Haushalt31,915,510,419,322,9neutral Keine Kinder im Haushalt27,118,711,521,021,7neutral Pkw im Haushalt Eigener Pkw20,214,811,024,629,4eher negativ Car-Sharing-Mitgliedschaft55,522,47,010,34,9sehr positiv Kein Pkw im Haushalt verfügbar38,326,716,112,86,1eher positiv Bestehen einer körperlichen Einschränkung Mobilitätseinschränkung vorhanden8,17,27,225,152,5sehr negativ Keine Mobilitätseinschränkung30,118,711,620,219,4neutral Entfernung zum Verkehrsversuch direkte Anwohnerschaft28,714,37,119,830,0neutral Quer- beziehungsweise Nebenstraße28,818,712,421,118,9neutral weitere Nachbarschaft20,922,018,619,219,2neutral „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrs- versuchs in der Sophienstraße insgesamt?“ Durchschnittliche Antwort Angaben in Zeilenprozent Basis2.878 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 2.4 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße –Anwohnerinnen und Anwohner – Amt für Stadtentwicklung | 33 Schließlich ist in Abbildung 2.18 kartografisch abgetragen, wie die umfassende Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs in den verschiedenen Straßenzügen des Befragungsgebiets ausfällt. Dabei urteilen vor allem die Anwohnerinnen und Anwohner der nördlichen Lessingstraße und der östlichen Sophienstraße positiv. Auch die Anwohnerschaft der Goethestraße sowie der nördlichen Schillerstraße zieht ein überdurchschnittlich positives Fazit zum Effekt des Verkehrsversuchs als Ganzes. Besonders negativ fällt das Urteil dagegen in der Gabelsbergerstraße aus. 34 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Platz vor dem Lessing-Gymnasium Eine der beiden zeitweise eingerichteten Maßnahmen des Verkehrsversuchs betraf den Bereich zwischen dem Gutenbergplatz und dem Lessing-Gymnasium. Die Sperrung der Südfahrbahn vor dem Lessing-Gymnasium wurde im Verlauf des Verkehrsversuchs nicht wie ursprünglich geplant auf die Nordfahrbahn erweitert. Dennoch konnte durch die Umwidmung der Parkplätze zur Aufenthaltszone mit Sitzmöbeln auf dem Mittelstreifen ein Vorplatz vor dem Gymnasium geschaffen werden, der nicht für den Kfz-Verkehr passierbar war. Zu diesem Platz wurden im Rahmen der Umfrage Vertiefungsfragen gestellt. Knapp zwei Drittel der Anwohnerinnen und Anwohner (65,5 %) geben an, den neu entstandenen Platz bemerkt zu haben. Diese Teilgruppe wurde anschließend nach der Nutzungshäufigkeit, dem Gefallen und nach Verbesserungsvorschlägen für eine mögliche Gestaltung des Vorplatzes gefragt. Zusammengenommen haben 14,5 % den Vorplatz mehrmals (7,4 %) oder einmal (7,1 %) genutzt. Die meisten Anwohnerinnen und Anwohner (denen der Platz aufgefallen ist) haben den Platz selbst nicht genutzt, aber gesehen wie sich andere Personen dort aufgehalten haben (45,8 %). Fast vier von zehn Befragten geben an, dass der Platz von niemandem genutzt wurde. Abbildung 2.19 Bekanntheit und Nutzung des Vorplatzes vor dem Lessing-Gymnasium –Anwohnerinnen und Anwohner – % Basen2.878 beziehungsweise 1.865 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 7,4 7,1 45,8 39,7 Ja, ich habe den Vorplatz mehrmals genutzt. Ja, ich habe den Vorplatz einmal genutzt. Nein, aber ich habe gesehen wie sich andere Personen dort aufgehalten haben. Nein, der Platz wurde von niemandem genutzt. % davon Nein 34,5 Ja 65,5 „Haben Sie den neuentstandenen Vorplatz mit Sitzgelegenheiten vor dem Lessing-Gymnasium bemerkt?" „Haben Sie den neu entstandenen Vorplatz mit Sitzgelegenheiten vor dem Lessing-Gymnasium genutzt?“ Amt für Stadtentwicklung | 35 Die Bewertung des Platzes fällt insgesamt eher negativ aus. Die Gestaltung des – mit aus dem Wiener Museumsquartier stammenden Sitzmöbel Enzi ausgestatteten – Platzes, bewerten ein Zehntel mit „sehr gut“ (10,6 %) und rund ein Drittel mit „gut“ (30,4 %). Die meisten Anwohnerinnen und Anwohner, die den Platz wahrgenommen haben, urteilen kritischer mit „weniger gut“ (22,4 %) oder „gar nicht gut“ (36,6 %). © Stadt Karlsruhe, Viktor Waldschmidt 36 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Alle Befragten, die den neuen Vorplatz bemerkt haben, wurden in offener Form nach Verbesserungsvorschlägen gefragt. Dabei werden am häufigsten mehr oder schönere Sitzgelegenheiten gewünscht (40,5 %; Abbildung 2.20). Etwas weniger als ein Drittel (30,3 %) sprechen sich für den ursprünglichen Zustand beziehungsweise für einen Erhalt der Parkplätze aus. Weitere Verbesserungsvorschläge lassen sich in den Kategorien mehr Grün und Bepflanzung (21,6 %) sowie ergänzende Einrichtungselemente wie Tische, Schirme, Mülleimer, Trinkwasserspender, Spielelemente oder Fahrradabstellanlagen (16,0 %) zusammenfassen. 40,5 21,6 16,0 6,9 3,8 3,7 3,5 2,4 2,3 2,3 1,9 1,1 0,7 4,1 30,3 Mehr/schönere Sitzgelegenheiten Mehr Grün Ergänzende Einrichtungselemente (Tische, Schirme, Mülleimer, Trinkwasser, Spielelemente, Fahrradständer) Weniger Autos/Geschwindigkeitsbegrenzung Neu/attraktiver gestalten Vollsperrung/integrieren mit dem Gutenbergplatz Sitzglegenheiten wieder weg Ausweitung des Marktes (Cafe/Getränke, und weiteres) Parkplätze weg/weniger Parkplätze Glascontainer umstellen/öfter leeren Partizipative Gestaltung Pflaster/Pflastersteine Events/Veranstaltungen Sonstiges Ursprünglichen Zustand/Parkplätze behalten Abbildung 2.20 Verbesserungsvorschläge zur möglichen Gestaltung des Vorplatzes vor dem Lessing-Gymnasium MFN, TG MFNMehrfachnennungen möglich, daher Summen ungleich 100 %. TGTeilgruppe: Nur Befragte, die den Platz vor dem Lessing-Gymnasium bemerkt haben. Basis982 Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. % „Haben Sie Verbesserungsvorschläge für eine mögliche Gestaltung des Vorplatzes vor dem Lessing-Gymnasium?” 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 50 Amt für Stadtentwicklung | 37 2.8 Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße Schließlich wurden die Anwohnerinnen und Anwohner um den zentralen Bereich der Sophienstraße gebeten, sich zu einer präferierten Verkehrsführung für die Zukunft zu äußern. Dabei konnte zwischen vorformulierten und selbst zu beschreibenden Varianten der Verkehrsführung gewählt werden. Zusammenfassend lassen sich drei Szenarien bilden: Szenario 1 | Umsetzung einer Verkehrsführung wie im Verkehrsversuch (oder darüber hinaus) Szenario 1 bündelt die Wünsche nach einer Verkehrsführung, die genauso gestaltet ist wie während des Verkehrsversuchs (28,2 %) oder sogar über den Verkehrsversuch hinausgehende, zusätzliche Veränderungen beinhaltet (12,3 %). Als zusätzliche Maßnahmen werden vor allem weitere Sperrungen, generell weniger Autos und eine begleitende Steigerung der Aufenthaltsqualität vor Ort genannt. Bezüglich ruhendem Verkehr werden die Reduzierung von Parkplätzen, aber auch Beibehaltung und Ausbau des Parkraumangebots sowie die Einrichtung von Anwohnerparkflächen vorgeschlagen. In Summe wünschen sich eine solche Verkehrsführung 40,5 % der Befragten (Abbildung 2.21). Szenario 2 | Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch Szenario 2 beinhaltet den Wunsch nach einer Verkehrsführung, die genau so gestaltet ist wie vor dem Verkehrsversuch. Diese Variante bevorzugen knapp ein Drittel (30,5 %) der Anwohnerinnen und Anwohner. Szenario 3 | Umsetzung einzelner Elemente des Verkehrsversuchs Szenario 3 umfasst die Forderungen nach nur teilweiser Übernahme der Komponenten des Verkehrsversuchs (nur Diagonalsperre: 5,7 %; nur Vorplatz vor dem Lessing- Gymnasium: 4,6 %) oder der Verzicht auf Sperrungen, aber geänderter Verkehrsführung (9,2 %). Eine solche Variante der zukünftigen Verkehrsführung präferieren zusammen 19,5 % der Anwohnerinnen und Anwohner. 40,5 30,5 19,5 9,6 0 10 20 30 40 50 Szenario 1 (Verkehrsversuch oder mehr) Szenario 2 (wie vor dem Verkehrsversuch) Szenario 3 (Teile des Verkehrsversuchs) Sonstige Ideen Abbildung 2.21 Gewünschte zukünftige Regelung der Verkehrsführung –Anwohnerinnen und Anwohner – Basis2.830Anwohnerinnen und Anwohner mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie sollte die Verkehrsführung Ihrer Meinung nach in Zukunft geregelt werden?“ % 38 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Sonstige Ideen zur Regelung der Verkehrsführung Die Befragten hatten schließlich die Möglichkeit, komplett frei zu formulieren, wie die Verkehrsführung in der Sophienstraße in der Zukunft geregelt werden sollte. Von dieser Möglichkeit machte fast ein Zehntel der Anwohnenden Gebrauch (9,6 %). Unter diesen sonstigen Nennungen finden sich meist einzelne Elemente oder Maßnahmen zur Verkehrsregelung beziehungsweise -beruhigung. Hier wird zum Beispiel die mittlerweile bereits umgesetzte dauerhafte Fortführung der geänderten Einbahnstraßenrichtung der nördlichen Lessingstraße vorgeschlagen. Häufig wird eine Beibehaltung der Vorfahrtsstraßen-Situation in der Sophienstraße als ausreichend erachtet oder die dauerhafte Einrichtung der roten Boden-Markierungen in Kreuzungsbereichen gewünscht. Außerdem werden verkehrliche Änderungen in anderen nahe gelegenen, nicht direkt vom Verkehrsversuch betroffenen Straßen angeregt. Einige Befragte äußern sich zu den Elementen des Verkehrsversuchs kritisch und legen vor allem auf die Beibehaltung von ausreichend Parkraum wert. Teilweise wird angeregt, mögliche Änderungen nicht auf die Verkehrsführung, sondern auf das Parkraumkonzept zu fokussieren und beispielsweise Anwohnerparkbereiche auszuweisen. Um die bereits erwähnten rücksichtslosen Radfahrenden oder auch falsch fahrende Pkw zu maßregeln, werden mehr Kontrollen (von allen Verkehrsteilnehmenden) gewünscht. Vereinzelt werden temporäre Sperrungen, zum Beispiel nur zu Marktzeiten, während der Sommermonate oder auch nur zu Schulzeiten vorgeschlagen. Amt für Stadtentwicklung | 39 3. Verkehrsversuch aus Sicht der Betriebe 3.1 Methodik Zeitgleich zur Umfrage unter den Anwohnerinnen und Anwohner im Gebiet um die Sophienstraße wurden im Nachgang zum Verkehrsversuch 474 Betriebe um ihre Einschätzungen gebeten und zu einer Umfrage eingeladen 1 . Der Fragebogen beinhaltete Fragen zum öffentlichen Raum, die so auch an die Anwohnenden gerichtet wurden. Zusätzlich wurden spezifische Fragen mit Fokus auf das Gewerbe gestellt. Das Untersuchungsgebiet war dabei etwas großräumiger geschnitten als bei der Umfrage unter Anwohnerinnen und Anwohnern und umfasste zusätzlich noch die umlaufenden Straßen Kaiserallee im Norden, Reinhold-Frank-Straße im Osten, Kriegsstraße/ Weinbrennerstraße im Süden sowie Yorckstraße im Westen (Abbildung 3.1). Vom 14. Oktober bis zum 17. November 2024 beantworteten insgesamt 167 Gewerbetreibende den Fragebogen zu den Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße. Dies entspricht einer Rücklaufquote von 35,2 %. Die Teilnahme an der Umfrage war im Internet und auf Nachfrage in Form eines Papierfragebogens möglich. Gut die Hälfte der befragten Betriebe ordnen sich selbst der Dienstleistungsbranche oder dem Handwerk zu (53,4 %). Daneben sind Einzelhandel/Gastronomie sowie die Gesundheitsbranche zu jeweils 20,9 % vertreten. Die überwiegende Mehrheit der Betriebe hatte während der Zeit des Verkehrsversuchs Kundenbetrieb (89,2 %), während Anlieferverkehr nur bei 58,7 % anfiel. Insgesamt handelt es sich bei den befragten Betrieben im Untersuchungsgebiet vorwiegend um kleine Organisationseinheiten, die einen bis drei Mitarbeitende (51,3 %) oder vier bis sechs Mitarbeitende umfassen (20,3 %). Die spezifischen Merkmale der Betriebe, welche sich an der Umfrage beteiligt haben, können aus Tabelle 3.1 entnommen werden. 1 Einladungsschreiben und Fragebogen in Papierform sind in den Anhängen dieser Broschüre ab Seite 83 enthalten 40 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen insg. 167 Branche Einzelhandel/Gastronomie20,934 Dienstleistungen/Handwerk53,487 Gesundheitsbranche20,934 Sonstiges4,98 B etriebsgröße 1 bis 3 Mitarbeitende51,381 4 bis 6 Mitarbeitende20,232 7 bis 9 Mitarbeitende12,720 10 oder mehr Mitarbeitende15,825 Kundenverkehr während Verkehrsversuch Kundenbetrieb89,2149 Kein Kundenbetrieb10,818 Anlieferverkehr während Verkehrsversuch Anlieferverkehr58,798 Kein Anlieferverkehr41,369 Standort des Betriebs direkt in der Sophienstraße/am Gutenbergplatz29,950 Quer- beziehungsweise Nebenstraße/weitere Nachbarschaft70,1117 Merkmale der Betriebe Befragte mit Antwort Anteile an Umfrage Basis167 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 3.1 Rahmendaten der befragten Betriebe im Untersuchungsgebiet Amt für Stadtentwicklung | 41 3.2 Einschätzung der Informationslage Neben den Anwohnerinnen und Anwohnern wurden auch die im Untersuchungsgebiet angesiedelten Betriebe im Vorfeld zum Verkehrsversuch Ende Juni 2024 mit Informationsschreiben über die geplanten Maßnahmen in der Sophienstraße versorgt. Die zur Umfrage eingeladenen Betriebe aus den angrenzenden Straßen erhielten diese Postwurfsendungen nicht und waren damit auf die begleitenden Pressemitteilungen vor und während des Verkehrsversuchs oder auf andere Kanäle angewiesen, um über den Gesamtprozess informiert gewesen zu sein. Beide Komponenten des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße wurden als Einleitung des Fragebogens textlich beschrieben und mit Fotos der verkehrsberuhigenden Maßnahmen visualisiert. Im Nachgang zum Verkehrsversuch geben knapp die Hälfte (48,2 %) der Betriebe an, mit den zur Verfügung gestellten Informationen über den Verkehrsversuch sehr zufrieden (14,4 %) oder eher zufrieden (33,8 %) zu sein (siehe Abbildung 3.2). Zusammengenommen etwas mehr als die Hälfte der Befragten bezeichnet sich aber als eher unzufrieden (37,5 %) oder sehr unzufrieden (14,4 %) mit den zur Verfügung gestellten Informationen. Die Zufriedenheit mit dem Informationsmaterial liegt bei den Betrieben also deutlich unter der Zufriedenheit der Anwohnerschaft vor Ort. Allerdings ist die Zufriedenheit der Gewerbetreibenden mit dem Informationsmaterial in den angrenzenden Straßen ohne Postwurfsendungen deutlich niedriger ausgeprägt als im zentralen Untersuchungsgebiet, in dem auch die Anwohnenden befragt wurden. In Freitexten wurde auf schwierige Verständlichkeit der beschriebenen Maßnahmen, zu späte Zeitpunkte der Information und teils auf generell fehlende Informationen hingewiesen. 14,4 33,8 37,5 14,4 0 5 10 15 20 25 30 35 40 sehr zufriedeneher zufriedeneher unzufriedensehr unzufrieden % „Wie zufrieden sind Sie mit den zur Verfügung gestellten Informationen über den Verkehrsversuch?“ Basis160Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 3.2 Zufriedenheit mit dem verfügbaren Informationsmaterial zum Verkehrsversuch Sophienstraße –Betriebe – 42 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 3.3 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für verschiedene Personengruppen Die Betriebe wurden sowohl zum beobachteten Verkehrsaufkommen als auch zur Verkehrssituation beziehungsweise Verkehrssicherheit für verschiedene Personengruppen während der Versuchsphase gefragt. Die jeweiligen Ergebnisse sind in den Abbildungen 3.3 und 3.4 enthalten. Besonders positiv wird die Veränderung der Verkehrssituation für Radfahrerinnen und Radfahrer in der Sophienstraße bewertet: jeweils 27,3 % der Betriebe sehen die Situation während des Verkehrsversuchs deutlich verbessert oder etwas verbessert. Die verbesserte Verkehrssituation für Radfahrende geht mit einem empfundenen stärkeren Rad- Verkehrsaufkommen in der Sophienstraße einher: Rund 40 Prozent der Betriebe sehen eine Zunahme des Rad-Verkehrs während des Verkehrsversuchs (etwas stärker: 20,3 %; deutlich stärker: 18,9 %). Wie auch die Anwohnenden berichten die Gewerbetreibenden bei der Möglichkeit, in freier Form Kommentare zum Verkehrsversuch abzugeben, von rücksichtslosen Radfahrende in der Sophienstraße. Seltener werden entstandene Verbesserungen für Radfahrerinnen und Radfahrer erwähnt. 16,5 18,6 16,8 27,3 14,4 18,6 16,1 27,3 36,7 40,0 6,4 46,5 40,0 12,2 12,9 22,9 9,0 20,1 10,0 68,8 11,6 0102030405060708090100 Verkehrssicherheit für ältere/ mobilitätseingeschränkte Menschen Verkehrssicherheit für Kinder Verkehrssituation für Autofahrer*innen Verkehrssituation für Fußgänger*innen Verkehrssituation für Radfahrer*innen deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert % „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte in Bezug auf die Sophienstraße während desVerkehrsversuchs verändert?“ Abbildung 3.3 Veränderung der Verkehrssituation während des Verkehrsversuchs –Betriebe – Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis157 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Amt für Stadtentwicklung | 43 Auch für Fußgängerinnen und Fußgänger werden von den Betrieben überwiegend positive Effekte durch den Verkehrsversuch wahrgenommen: Zusammengenommen sehen mit 32,9 % rund ein Drittel der Befragten eine Verbesserung (deutlich verbessert: 16,8 %; etwas verbessert: 16,1 %) und rund ein Fünftel (20,6 %) eine Verschlechterung der Situation für Fußgängerinnen und Fußgänger (etwas verschlechtert: 9,0 %; deutlich verschlechtert: 11,6 %). Autofahrerinnen und Autofahrer waren aus Sicht der Betriebe dagegen sehr negativ vom Verkehrsversuch beeinflusst. Mehr als 9 von 10 Befragten (91,1 %) gehen im Zuge des Verkehrsversuchs von verschlechterten Bedingungen für Autofahrerinnen und Autofahrer aus: gut zwei Drittel (68,8 %) geben an, dass sich die Verkehrssituation für Autofahrende deutlich verschlechtert habe. Diese Einschätzung wird unabhängig von der Ansteuerung des Gewerbes durch Anlieferverkehr geteilt. Befragte von Standorten mit Kundinnen- und Kundenverkehr sehen die Situation für Autofahrende allerdings noch etwas kritischer als ohne Publikumsverkehr. Die verschlechterte Verkehrssituation für Autofahrerinnen und Autofahrer geht mit einem rückläufigen wahr- genommenen Kfz-Verkehrsaufkommen innerhalb der Sophienstraße einher. Fast zwei Drittel der Befragten berichten von deutlich weniger (32,4 %) oder etwas weniger (28,7 %) Pkw-Verkehr in der Sophienstraße. Für das Verkehrsaufkommen im Bereich des eigenen Gewerbes wird allerdings ein in Summe kaum verändertes Verkehrsverhalten beobachtet: Für dieses, über die Sophienstraße hinausgehende, gesamte Untersuchungsgebiet wird zu ähnlichen Anteilen von einer Zunahme (deutlich stärker: 13,5 %; etwas stärker: 19,4 %) und einer Abnahme (deutlich weniger: 15,5 %; etwas weniger: 16,1 %) des Kfz- Verkehrsaufkommens berichtet. Umfangreiche Auswirkungen hatte der Verkehrsversuch aus Sicht der Befragten auf den ruhenden Verkehr. Gut zwei Drittel der Betriebe haben während der Versuchsphase eine Zunahme des Parkplatzsuchverkehrs wahrgenommen: Gut die Hälfte (51,0 %) berichtet von einem deutlich stärkeren, 16,3 % von einem etwas stärkeren Aufkommen. Im Freitext wird von vermehrt notwendigen Umwegen, gestiegenem Verkehrsaufkommen sowie teilweise chaotischen Verkehrsverhältnissen berichtet. Außerdem wird auf den generell knappen Parkraum hingewiesen. 15,5 32,4 10,5 16,1 28,7 60,8 18,3 35,5 28,7 20,3 16,3 19,4 7,4 18,9 51,0 13,5 0102030405060708090100 Rad-Verkehrsaufkommen in der Sophienstraße Kfz-Parkplatzsuchverkehr Kfz-Verkehrsaufkommen im Bereich Ihres Gewerbes Kfz-Verkehrsaufkommen in der Sophienstraße deutlich wenigeretwas wenigergleich gebliebenetwas stärkerdeutlich stärker % „Wie haben sich folgende Aufkommen aus Ihrer Sicht während des Verkehrsversuchs im Vergleichzur Zeit davor geändert?“ Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis155 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 3.4 Veränderungen verschiedener Aufkommen im Zuge des Verkehrsversuchs –Betriebe – 44 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Neben den nach Verkehrsmittel definierten Personengruppen wurde auch nach den Veränderungen für die Verkehrssicherheit von Kindern und älteren/ mobilitätseingeschränkten Menschen gefragt. Für Kinder überwiegen aus Sicht der Betriebe die Verbesserungen im Zuge des Verkehrsversuchs. Etwa vier von zehn Befragten (37,2 %) gehen von Verbesserungen für die Verkehrssicherheit von Kindern während des Verkehrsversuchs aus (jeweils 18,6 % deutlich und etwas verbessert). Unter den Betrieben, die sich der Gesundheitsbranche zuordnen (vor allem Praxisbetrieb), sehen mit 46,4 % fast die Hälfte Verbesserungen bezüglich der Verkehrssicherheit für Kinder (deutlich verbessert: 21,4 %; etwas verbessert: 25,0 %). Die Veränderungen für ältere/ mobilitätseingeschränkte Menschen werden dagegen etwas häufiger verschlechtert (zusammengenommen 32,3 %) als verbessert (30,9 %) wahrgenommen. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin Amt für Stadtentwicklung | 45 3.4 Konsequenzen des Verkehrsversuchs für die Betriebe vor Ort Veränderungen für die Betriebe Um detailliert in Erfahrung zu bringen, welche Auswirkungen der Verkehrsversuch in der Sophienstraße für die umliegenden Betriebe hatte, wurde vertiefend nach Veränderungen unterschiedlicher Aspekte in Bezug auf das eigene Gewerbe gefragt. Dabei wurden Auswirkungen auf mögliche Lieferbetriebe und auf die Kundschaft untersucht. Einige der abgefragten Aspekte adressieren explizit das eigene Gewerbe. Die Qualität der Geschäftslage allgemein wird von rund 60 Prozent der Betriebe als verschlechtert wahrgenommen (deutlich verschlechtert: 27,5 %; etwas verschlechtert: 32,9 %; Abbildung 3.5). Auch die Gesamtsituation für das eigene Gewerbe sowie die Qualität der Geschäftslage für das eigene Gewerbe werden überwiegend als verschlechtert beschrieben. Die Qualität der Geschäftslage allgemein wird dabei häufiger als verbessert oder verschlechtert empfunden als die Qualität der Geschäftslage für das eigene Gewerbe. Lediglich in Bezug auf den Umsatz des Gewerbes überwiegt mit 57,4 % der Anteil derjenigen, die von einer gleichbleibenden Entwicklung ausgehen. Möglicherweise übliche saisonale Effekte auf den Umsatz sollten bei der Beantwortung ausgeblendet werden. Differenziert nach Standort der Betriebe fällt auf, dass die mit dem Verkehrsversuch einhergehenden Veränderungen in den umliegenden Straßen positiver bewertet werden, als direkt in der Sophienstraße oder am Gutenbergplatz. Das unterschiedliche Antwortverhalten nach Standort des Betriebs ist in Tabelle 3.2 enthalten. 3,5 2,1 6,0 2,5 4,2 3,5 5,4 57,4 39,9 40,4 28,2 21,3 31,5 29,8 32,9 17,2 21,0 24,1 27,5 0 20 406080100 Umsatz Ihres Gewerbes Qualität der Geschäftslage für Ihr eigenes Gewerbe Gesamtsituation für Ihr Gewerbe Qualität der Geschäftslage allgemein deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert Abbildung 3.5 Veränderungen für die Betriebe durch den Verkehrsversuch Keine Wertbeschriftungen unter 2 %. Basis143 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte in Bezug auf Ihr Gewerbe während des Verkehrsversuchs in der Sophienstraßeverändert?“ % 46 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen © Stadt Karlsruhe, Benedikt Dierßen direkt in der Sophienstraße/ am Gutenbergplatz Quer- beziehungsweise Nebenstraße/ weitere Nachbarschaft Qualität der Geschäftslage allgemein deutlich verbessert6,08,54,9 etwas verbessert5,44,35,9 etwas verschlechtert32,925,536,3 de ut lich verschlechtert27,540,421,6 Gesamtsituation für das Gewerbe deutlich verbessert2,14,31,1 etwas verbessert3,54,33,2 etwas verschlechtert29,832,628,4 deutlich verschlechtert24,134,818,9 Qualität der Geschäftslage für das eigene Gewerbe deutlich verbessert3,54,33,1 etwas verbessert4,24,34,2 etwas verschlechtert31,531,931,3 deutlich verschlechtert21,034,014,6 Umsatz des Gewerbes deutlich verbessert1,65,00,0 etwas verbessert2,50,03,7 etwas verschlechtert21,327,518,3 deutlich verschlechtert17,225,013,4 „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte mit Bezug auf Ihr Gewerbe während des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße geändert?“ Alle Befragten Standort des Betriebs Anteile in Spaltenprozent 1 Werte für "gleich geblieben" ausgeblendet Basis143 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 3.2 Veränderungen für Betriebe während des Verkehrsversuchs nach Standort 1 Amt für Stadtentwicklung | 47 Veränderungen für Kundinnen und Kunden Wie in Tabelle 3.1 aufgeführt, hatten rund 90 Prozent der Betriebe während des Verkehrsversuchs Besuche von Kundinnen und Kunden. Von diesen geben ein Fünftel (20,1 %) an, dass sich die Verkehrsmittelwahl ihrer Kundschaft im Zuge des Verkehrsversuchs geändert hat (Abbildung 3.6). Mit 60,4 % berichtet der Großteil der Betriebe von keinem geänderten Mobilitätsverhalten der Kundinnen und Kunden. Keine Einschätzungen können zu diesem Thema schließlich 19,5 % geben. Bei der Substitution des sonst genutzten Verkehrsmittels lassen sich keine Muster erkennen. Wenn ein Wechsel des Verkehrsmittels stattgefunden hat, griff die Kundschaft nach Auskunft der Gewerbetreibenden zu etwa gleichen Teilen auf das Auto, Zufußgehen, Fahrrad oder den ÖPNV zurück. 20,1 60,4 19,5 Ja Nein Weiß nicht Abbildung3.6 Änderung der Verkehrsmittelwahl der Kundschaft durch den Verkehrsversuch TG –Betriebe – TGTeilgruppe: Nur Gewerbetreibende, deren Betriebe während des Verkehrsversuchs Kundenverkehr hatten. Basis149 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Hat sich aus Ihrer Sicht während des Verkehrsversuchs dieVerkehrsmittelwahlIhrer Kundschaft geändert?“ % 48 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Wieder alle Betriebe wurden danach gefragt, wie sich verschiedene Aspekte mit Bezug zum eigenen Gewerbe während der Zeit des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße geändert haben. Die Befragten wurden explizit darum gebeten, mögliche saisonale Effekte auf Umsatz und Kundenfrequentierung, die zum Beispiel durch die Sommerferien aufgetreten sein könnten, nicht mit einzubeziehen. Sämtliche Aspekte mit Kundenbezug haben sich dabei vor allem verschlechtert oder sind gleich geblieben (Abbildung 3.7). Während die Kundenfrequentierung und die Gewinnung neuer Kundschaft überwiegend konstant beschrieben werden, haben sich die Erreichbarkeit des Gewerbes für die Kundschaft und die Kundenzufriedenheit vor allem verschlechtert. Besonders negativ werden die Veränderungen für die Kundschaft von Betrieben bewertet, die direkt in der Sophienstraße oder am Gutenbergplatz tätig sind. Vor allem bei der Gewinnung neuer Kundschaft und der Erreichbarkeit des Gewerbes für die Kundschaft klagen die direkt in der Sophienstraße und am Gutenbergplatz ansässigen Betriebe über überdurchschnittlich negative Entwicklungen: die Hälfte dieser Anrainer geht diesbezüglich von einer deutlichen Verschlechterung im Zuge des Verkehrsversuchs aus (Tabelle 3.3). Standortunabhängig berichten vor allem die Befragten aus der Einzelhandelsbranche und der Gastronomie von negativen Veränderungen für die Kundschaft beziehungsweise für das eigene Gewerbe. Betriebe mit Kundenverkehr wurden nach den häufigsten Kommentaren gefragt, die ihnen gegenüber zum Thema Verkehrsversuch geäußert wurden. Entsprechend der empfundenen Veränderungen für Kundinnen und Kunden fallen auch die Kommentare der Kundschaft überwiegend negativ aus: Von den in Summe fast 300 angeführten Kommentaren sind rund 90 Prozent negativ konnotiert. Am häufigsten wird auf die schwierige Erreichbarkeit, die Parkplatzsituation, unübersichtliche Verkehrslage und längere Fahrtzeiten abgezielt. Auch ausfallende Kommentare und Fragen nach dem Sinn des Verkehrsversuchs gaben die Gewerbetreibenden wieder. Positives Feedback ist meist allgemein gehalten oder als gute, angenehmere oder ruhigere Atmosphäre formuliert. 3,3 3,4 2,4 2,2 0,7 4,8 0,8 2,9 30,9 31,7 50,8 50,4 25,7 24,1 11,9 20,4 39,5 35,9 34,1 24,1 020 406080 100 Erreichbarkeit des Gewerbes für die Kundschaft Zufriedenheit der Kundschaft Gewinnung neuer Kundschaft Entwicklung der Kundenfrequentierung Ihres Gewerbes deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert Abbildung 3.7 Veränderungen für Kundinnen und Kunden durch den Verkehrsversuch –Betriebe – Keine Wertbeschriftungen unter 2 %. Basis152 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte in Bezug auf IhrGewerbe während des Verkehrsversuchsin der Sophienstraße verändert?“ % Amt für Stadtentwicklung | 49 © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin direkt in der Sophienstraße/ am Gutenbergplatz Quer- beziehungsweise Nebenstraße/ weitere Nachbarschaft Entwicklung der Kundenfrequentierung des Gewerbes deutlich verbessert2,22,22,2 etwas verbessert2,92,23,3 etwas verschlechtert20,431,115,2 deutlich verschlechtert24,131,120,7 Gewinnung neuer Kundschaft deutlich verbessert2,44,81,2 etwas verbessert0,80,01,2 etwas verschlechtert11,911,911,9 deutlich verschlechtert34,150,026,2 Zufriedenheit der Kundschaft deutlich verbessert3,46,42,0 etwas verbessert4,84,35,1 etwas verschlechtert24,125,523,5 deutlich verschlechtert35,942,632,7 Erreichbarkeit des Gewerbes für die Kundschaft deutlich verbessert3,36,31,9 etwas verbessert0,70,01,0 etwas verschlechtert25,720,827,9 deutlich verschlechtert39,550,034,6 „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte mit Bezug auf Ihr Gewerbe während des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße geändert?“ Alle Befragten Standort des Betriebs Anteile in Spaltenprozent 1 Werte für "gleich geblieben" ausgeblendet Basis152 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 3.3 Veränderungen für die Kundschaft während des Verkehrsversuchs nach Standort 1 50 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Veränderungen für Lieferbetriebe Neben den Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf kundenbezogene Aspekte wurden auch Veränderungen im Kontext möglicher Anlieferverkehre untersucht. Rund 60 Prozent der Betriebe wurden im Zeitraum des Verkehrsversuchs von Anlieferern angesteuert. Von diesen Betrieben mit Anlieferungen geben etwas weniger als die Hälfte (46,4 %) an, dass sich für die ansteuernden Lieferbetriebe im Zuge des Verkehrsversuchs Veränderungen ergeben haben (Abbildung 3.8). Die Erreichbarkeit des eigenen Gewerbes für Lieferbetriebe wird von rund zwei Dritteln der Betriebe als verschlechtert wahrgenommen (deutlich verschlechtert: 36,4 %; etwas verschlechtert: 27,3 %; Tabelle 3.4). Hier werden für die Anlieferbetriebe vor allem Erschwernisse bei der Anfahrt beschrieben, die durch notwendige Umwege sowie Parkplatzprobleme und insgesamt erhöhten Zeitaufwand entstanden sind. Die Betriebe wurden gebeten, Einblicke in das Stimmungsbild der Lieferantinnen und Lieferanten zu geben und die häufigsten Kommentare zum Verkehrsversuch mitzuteilen. Diese decken sich mit den beschriebenen Veränderungen für die Anlieferbetriebe. Komplizierte Anfahrten, generell die schwierige Erreichbarkeit, längere Fahrtzeiten sowie notwendige Umwege wurden beklagt und teilweise durch ausfallende Kommentare ergänzt. 46,4 25,8 27,8 Ja Nein Weiß nicht Abbildung3.8 Veränderungen für Lieferbetriebe durch den Verkehrsversuch TG –Betriebe – TGTeilgruppe: Nur Gewerbetreibende, deren Betriebe während des Verkehrsversuchs Anlieferverkehr hatten. Basis97 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Haben sich aus Ihrer Sicht während des Verkehrsversuchs Veränderungen für Ihre Lieferbetriebeergeben?“ % direkt in der Sophienstraße/ am Gutenbergplatz Quer- beziehungsweise Nebenstraße/ weitere Nachbarschaft Erreichbarkeit des Gewerbes für Lieferbetriebe 1,52,11,2 0,00,00,0 27,327,727,1 36,444,731,8 deutlich verbessert etwas verbessert etwas verschlechtert deutlich verschlechtert „Wie haben sich aus Ihrer Sicht die folgenden Aspekte mit Bezug auf Ihr Gewerbe während des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße geändert?“ Alle Befragten Standort des Betriebs Anteile in Spaltenprozent 1 Werte für "gleich geblieben" ausgeblendet Basis143 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 3.4 Veränderungen der Erreichbarkeit für Lieferbetriebe während des Verkehrsversuchs nach Standort 1 Amt für Stadtentwicklung | 51 3.5 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Lebensqualität vor Ort Die von den Anwohnerinnen und Anwohnern insgesamt als verbessert wahrgenommenen Aspekte der Lebensqualität vor Ort werden von den Betrieben etwas häufiger verschlechtert als verbessert empfunden. Kritisch werden vor allem die Auswirkungen auf die Atmosphäre in der Sophienstraße gesehen: zusammengenommen 44,3 % der Gewerbe- treibenden empfinden eine Verschlechterung (deutlich verschlechtert: 23,5 %; etwas verschlechtert: 20,8 %). Knapp ein Drittel berichten aber auch davon, dass sich die Atmosphäre deutlich verbessert (20,1 %) oder etwas verbessert (10,7 %) habe. Von einer unveränderten Atmosphäre im Zuge des Verkehrsversuchs berichten lediglich 24,8 %. Bezüglich der Aufenthaltsqualität zeigt sich ein ausgewogeneres Stimmungsbild: 43 Prozent gehen von einer gleichbleibenden Aufenthaltsqualität aus, 26,5 % von einer Verbesserung und 30,4 % von einer Verschlechterung. Unterschiede im Antwortverhalten nach Standort des eigenen Betriebs sind nur marginal. Jedoch zeigt sich, dass vor allem der Einzelhandel und der Gastronomie zuzurechnende Betriebe negative Konsequenzen für die Aspekte der Lebensqualität vor Ort sehen. 16,6 20,1 9,9 10,7 43,0 24,8 13,2 20,8 17,2 23,5 0102030405060708090100 Aufenthaltsqualität Atmosphäre in der Sophienstraße deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert % „Wie schätzen Sie die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße auf folgende Aspekte der Lebensqualität vor Ort ein?“ Basis151 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 3.9 Wahrgenommene Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Lebensqualität vor Ort –Betriebe – © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin 52 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 3.6 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt Die summarischen Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße werden von den Betrieben überwiegend negativ beurteilt: Zusammengenommen fast zwei Drittel (64,6 %) beurteilen den Verkehrsversuch als sehr oder eher negativ (Abbildung 3.10). Rund ein Viertel der Befragten bewerten den Verkehrsversuch insgesamt als sehr positiv (13,8 %) oder eher positiv (10,2 %). Die Bewertung des Verkehrsversuchs als Ganzes fällt unterschiedlich nach der jeweiligen Branchenzugehörigkeit aus, wie Abbildung 3.11 zeigt. Besonders negativ urteilen die im Einzelhandel oder der Gastronomie tätigen Betriebe (sehr negativ: 55,9 %). Vergleichsweise positiv äußern sich dagegen die Befragten aus der Gesundheitsbranche zu den versuchsweise eingerichteten Maßnahmen zur Verkehrsberuhigung: Hier fällen zusammengenommen rund ein Drittel ein sehr positives (20,6 %) oder eher positives (11,8 %) Urteil. 13,8 10,2 11,4 25,7 38,9 0 10 20 30 40 50 sehr positiveher positivneutraleher negativsehr negativ % „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchsin der Sophienstraßeinsgesamt?“ Basis167 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 3.10 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs Sophienstraße –Betriebe – 12,6 20,6 11,8 13,8 11,5 11,8 5,9 10,2 10,3 14,7 11,8 11,4 32,2 26,5 14,7 25,7 33,3 26,5 55,9 38,9 020406080100 Dienstleistungen/Handwerk Gesundheitsbranche Einzelhandel/Gastronomie Gesamt sehr positiveher positivneutraleher negativsehr negativ Abbildung 3.11 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs nach Branchenzugehörigkeit –Betriebe – Basis167 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße insgesamt?“ % Amt für Stadtentwicklung | 53 Tabelle 3.5 enthält gebündelt die unterschiedlichen Bewertungen des Verkehrsversuchs nach verschiedenen Merkmalen der befragten Betriebe. Neben den beschriebenen Unterschieden nach Branche spielen auch die Ansteuerung durch Anlieferverkehr sowie die Entfernung zum Verkehrsversuch eine Rolle. Rund ein Drittel der Betriebe ohne Anlieferverkehr sehen den Verkehrsversuch insgesamt positiv (sehr positiv: 17,4 %; eher positiv: 11,6 %). Besonders kritisch urteilen Betriebe, deren Gewerbe in unmittelbarer Nähe zu den baulichen Komponenten des Verkehrsversuchs direkt in der Sophienstraße oder am Gutenbergplatz ansässig ist (sehr negativ: 52,0 %). Allerdings ist auch der Anteil sehr positiver Bewertungen unter den direkten Anrainer- Betrieben (18,0 %) höher als in den Quer- und Nebenstraßen (12,0 %). sehr positiveher positivneutraleher negativsehr negativ Betriebe insgesamt 202413,810,211,425,738,9eher negativ Branche Einzelhandel/Gastronomie11,85,911,814,755,9sehr negativ Dienstleistungen/Handwerk12,611,510,332,233,3eher negativ Gesundheitsbranche20,611,814,726,526,5eher negativ Sonstiges Mitarbeitende 1 bis 3 Mitarbeitende21,013,611,121,033,3eher negativ 4 bis 6 Mitarbeitende6,36,318,821,946,9eher negativ 7 bis 9 Mitarbeitende5,05,05,040,045,0eher negativ 10 oder mehr Mitarbeitende8,012,08,040,032,0eher negativ Kundenverkehr während Verkehrsversuch Kundenbetrieb12,88,712,126,839,6eher negativ Kein Kundenbetrieb Anlieferverkehr während Verkehrsversuch Anlieferverkehr11,29,29,224,545,9eher negativ Kein Anlieferverkehr17,411,614,527,529,0eher negativ Standort des Gewerbes direkt in der Sophienstraße/am Gutenbergplatz18,04,08,018,052,0sehr negativ Quer- beziehungsweise Nebenstraße/weitere Nachbarschaft12,012,812,829,133,3eher negativ Durch- schnittliche Antwort „Wie bewerten Sie den Effekt des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße insgesamt?“ Angaben in Zeilenprozent --- Datenbasis zu gering --- --- Datenbasis zu gering --- Basis167 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 3.5 Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße –Betriebe – 54 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 3.7 Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße Schließlich wurden die Betriebe gebeten, sich zu einer präferierten Verkehrsführung für die Zukunft zu äußern. Analog zur Umfrage unter den Anwohnerinnen und Anwohnern konnte zwischen vorformulierten und selbst zu beschreibenden Varianten der Verkehrsführung gewählt werden. Zusammenfassend lassen sich drei Szenarien bilden: Szenario 1 | Umsetzung einer Verkehrsführung wie im Verkehrsversuch (oder darüber hinaus) Szenario 1 umfasst die Wünsche nach einer Verkehrsführung, die genauso gestaltet ist wie während des Verkehrsversuchs (14,1 %) oder sogar über den Verkehrsversuch hinausgehende, zusätzliche Veränderungen (3,8 %) beinhaltet. In Summe wünschen sich eine solche Verkehrsführung 17,9 % der Befragten (Abbildung 3.12). Szenario 2 | Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch Szenario 2 beschreibt eine Verkehrsführung, die genau so gestaltet ist wie vor dem Verkehrsversuch. Diese Variante bevorzugt knapp die Hälfte (49,4 %) der Betriebe im Untersuchungsgebiet. Szenario 3 | Umsetzung einzelner Elemente des Verkehrsversuchs In Szenario 3 wird nur eine der beiden versuchsweise installierten Komponenten des Verkehrsversuchs (nur Diagonalsperre: 7,1 %; nur Vorplatz vor dem Lessing- Gymnasium: 5,1 %) oder der Verzicht auf Sperrungen, aber eine geänderte Verkehrsführung (12,2 %) gewünscht. Für eine solche Variante der zukünftigen Verkehrsführung sprechen sich in Summe 24,4 % der Betriebe aus. 17,9 49,4 24,4 8,3 0 10 20 30 40 50 60 Szenario 1 (Verkehrsversuch oder mehr) Szenario 2 (wie vor dem Verkehrsversuch) Szenario 3 (Teile des Verkehrsversuchs) Sonstige Ideen Abbildung 3.12 Gewünschte zukünftige Regelung der Verkehrsführung –Betriebe – Basis156Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie sollte die Verkehrsführung Ihrer Meinung nach in Zukunft geregelt werden?“ % Amt für Stadtentwicklung | 55 Die Befürworter einer beibehaltenden Verkehrsregelung wie vor dem Verkehrsversuch machen über alle Branchen den jeweils größten Anteil aus (Abbildung 3.13). Allerdings zeigt sich, dass vor allem der Einzelhandel und die gastronomischen Betriebe den alten Zustand wieder als Dauerzustand sehen möchten (58,1 %). Befragte aus der Dienstleistungsbranche und dem Handwerk präferieren diese Version der Verkehrsführung vergleichsweise selten (41,0 %) und sprechen sich zu knapp einem Drittel für eine dauerhafte Umsetzung einer der beiden verkehrsberuhigenden Maßnahmen aus. 15,7 22,6 19,4 17,9 41,0 51,6 58,1 49,4 32,5 22,6 12,9 24,4 10,8 3,2 9,7 8,3 020406080100 Dienstleistungen/Handwerk Gesundheitsbranche Einzelhandel/Gastronomie Gesamt Szenario 1 (Verkehrsversuch oder mehr) Szenario 2 (wie vor dem Verkehrsversuch) Szenario 3 (Teile des Verkehrsversuchs) Sonstiges Abbildung 3.13 Gewünschte zukünftige Regelung der Verkehrsführung nach Branchenzugehörigkeit –Betriebe – Basis152 Betriebe mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie sollte die Verkehrsführung Ihrer Meinung nach in Zukunft geregelt werden?" % 56 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 4. Verkehrsversuch aus Sicht des Lessing-Gymnasiums 4.1 Methodik Eine der beiden Komponenten des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße war in unmittelbarer Nähe zum Lessing- Gymnasium verortet. Den älteren Schulklassen war es erlaubt, während der Pausenzeiten den neu entstandenen Pkw-freien und möblierten Bereich zwischen Schule und Gutenbergplatz zu nutzen. Um die Einstellungen, Zufriedenheiten und Ideen am Lessing- Gymnasium bezüglich der Gestaltung des öffentlichen Raums sowie zur Verkehrsführung in der Sophienstraße einzuholen, wurden für Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrerschaft gesonderte Online-Umfragen durchgeführt. Dafür wurden Einladungsschreiben formuliert, die über das Rektorat an die jeweiligen Zielgruppen gerichtet wurden. Die Schülerinnen und Schüler hatten die Möglichkeit, an der Umfrage während des Gemeinschaftskundeunterrichts teilzunehmen. Von den 75 eingeladenen Lehrerinnen und Lehrer beteiligten sich 24, was eine Rücklaufquote von 32 Prozent entspricht (siehe Seite 6, Tabelle 1.1). Von den 750 Schülerinnen und Schülern des Lessing-Gymnasiums nahmen 120 an der Umfrage teil, was eine Rücklaufquote von 16 Prozent bedeutet. Von den ältesten beiden Jahrgängen der Oberstufe haben sich allerdings über ein Viertel an der Umfrage beteiligt. 4.2 Verkehrsversuch aus Sicht der Schülerinnen und Schüler Unter den Befragten sind mehr Schülerinnen (60,5 %) als Schüler (39,5 %). Der Anteil der unter 16-Jährigen macht rund 60 Prozent aus, während rund 40 Prozent zum Zeitpunkt der Umfrage 16 Jahre oder älter waren und den Vorplatz vor dem Lessing-Gymnasium auch während der Pausenzeiten nutzen durften. Jeweils rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler wohnen in der Weststadt oder in einem anderen Stadtteil von Karlsruhe. Dabei ist das Fahrrad mit einem Anteil von 44,1 % das am häufigsten gewählte Verkehrsmittel auf dem Weg zur Schule. Die Rahmendaten der Schülerinnen und Schüler, welche sich an der Umfrage beteiligt haben, können aus Tabelle 4.1 entnommen werden. Abgesehen von der überdurchschnittlichen Teilnahme älterer Jahrgangsstufen kann keine Aussage zur Repräsentativität für die Gruppe der Schülerschaft getroffen werden. Die eigene Informiertheit über den Verkehrsversuch in der Sophienstraße während der Versuchsphase wird von etwa der Hälfte der Schülerschaft als sehr gut (14,2 %) oder gut (34,2 %) bezeichnet. Die anderen schätzen ihre Informiertheit weniger gut (29,2 %) ein oder geben an, gar nicht (22,5 %) informiert gewesen zu sein. insg. 120 Alter bis unter 16 Jahre61,973 16 Jahre oder älter38,145 Geschlecht weiblich60,569 männlich39,545 Woh nort in unmittelbarer Nähe zur Schule30,036 Weststadt, aber etwas entfernt15,018 in einem anderen Stadtteil von Karlsruhe50,861 außerhalb von Karlsruhe4,25 Verkehrsmittel für Schulbesuch zu Fuß26,331 Fahrrad44,152 Bus/Bahn25,430 mit dem Auto gebracht4,25 Merkmale der Schülerinnen und Schüler Befragte mit Antwort Anteile an Umfrage Basis120 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 4.1 Rahmendaten der befragten Schülerinnen und Schüler am Lessing-Gymnasium Amt für Stadtentwicklung | 57 Bei genauerer Betrachtung der Verkehrsmittelwahl zeigen sich leichte Unterschiede nach dem Alter der Befragten (Tabelle 4.2): Während die jüngeren häufiger zu Fuß (30,1 %) oder mit Bus und Bahn (27,4 %) kommen, nutzen die Schülerinnen und Schüler ab 16 Jahren zu gut der Hälfte (51,2 %) das Fahrrad für den Schulweg. Noch entscheidender ist allerdings die Entfernung des Wohnorts zur Schule: in der Weststadt wohnende kommen zu 55 Prozent zu Fuß, weiter entfernt wohnende Schülerinnen und Schüler nutzen vor allem das Rad (50,0 %) oder Bus und Bahn (45,3 %), um zur Schule zu kommen 1 . 1 Die nächstgelegenen Haltestellen des Karlsruher Verkehrsverbundes sind in der Yorck- und Sophienstraße (Stadt- und Straßenbahn) sowie in der Hübschstraße (Bus). zu Fußmit dem Radmit Bus/Bahn mit dem Auto gebracht 1 Befragte insgesamt26,344,125,44,2 Alter bis unter 16 Jahre30,139,727,4- - - 16 Jahre oder älter20,951,220,9- - - Woh nort in der Weststadt55,637,01,9- - - außerhalb der Westsatdt1,650,045,3- - - Verkehrsmittelwahl Anteile in Zeilenprozent 1Datenbasis zu gering. Keine Auswertung nach Untergruppen. Basis120 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 4.2 Verkehrsmittelwahl nach Alter und Wohnort der Schülerinnen und Schüler 58 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Konsequenzen des Verkehrsversuchs für verschiedene Personengruppen Die Schülerinnen und Schüler sehen für nahezu alle Nutzergruppen in der Sophienstraße Verbesserungen im Zuge des Verkehrsversuchs. Vor allem die Verkehrssituation für Radfahrende und die Verkehrssicherheit für Kinder wird jeweils von rund 80 Prozent als deutlich oder etwas verbessert eingeschätzt (Abbildung 4.1). Auch das persönliche Sicherheitsgefühl im Verkehr wird von der Mehrheit der Schülerinnen und Schüler als deutlich verbessert (30,2 %) oder etwas verbessert (27,6 %) bezeichnet. Dagegen werden auch vonseiten der Schülerschaft des Lessing-Gymnasiums für Autofahrende während des Verkehrsversuchs ganz überwiegend Nachteile in der Sophienstraße wahrgenommen: mehr als acht von zehn Schülerinnen und Schülern sehen eine deutlich verschlechterte (44,8 %) oder etwas verschlechterte (38,1 %) Situation für Pkw-Nutzende. 30,2 49,6 34,2 55,4 27,6 30,4 33,3 25,9 34,5 16,5 14,3 28,2 16,1 38,1 4,3 44,8 0102030405060 70 8090100 Ihr persönliches Sicherheitsgefühl im Verkehr Verkehrssicherheit für Kinder Verkehrssituation für Autofahrer*innen Verkehrssituation für Fußgänger*innen Verkehrssituation für Radfahrer*innen deutlich verbessert etwas verbessert gleich geblieben etwas verschlechtert deutlich verschlechtert % „Wie hat sich aus Deiner Sicht die Verkehrssituationenfür folgende Personengruppen in der Sophienstraße während des Verkehrsversuchs im Vergleichzur Zeit davor geändert?“ Abbildung 4.1 Veränderung der Verkehrssituation während des Verkehrsversuchs –Schülerinnen und Schüler – Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis120 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Amt für Stadtentwicklung | 59 Entsprechend der veränderten Verkehrssituation für Radfahrende und Autofahrende in der Sophienstraße werden auch Veränderungen im Aufkommen dieser beiden Verkehrsmittel eingeschätzt (Abbildung 4.2). Fast die Hälfte der Schülerinnen und Schüler (47,3 %) hatten das Gefühl, dass während des Verkehrsversuchs deutlich weniger Autos in der Sophienstraße unterwegs waren. Gut jeder beziehungsweise jede Zweite nahm außerdem deutlich mehr (17,0 %) oder etwas mehr (35,7 %) Fahrräder in der Sophienstraße wahr. © Stadt Karlsruhe, Benedikt Dierßen 47,335,5 45,5 10,0 35,7 4,5 17,0 0102030405060708090100 Fahrräder Autos deutlich wenigeretwas wenigergleich gebliebenetwas mehrdeutlich mehr % Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis112 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 4.2 Veränderungen verschiedener Aufkommen im Zuge des Verkehrsversuchs –Schülerinnen und Schüler – „Hast Du das Gefühl, dass während des Verkehrsversuchs mehr oder weniger Verkehr in der Sophienstraße unterwegs war?“ 60 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen Die Erreichbarkeit verschiedener Einrichtungen wird von der Schülerschaft im Zuge des Verkehrsversuchs überwiegend als gleichbleibend beschrieben (Abbildung 4.3). Etwas über die Hälfte sehen die Erreichbarkeit der eigenen Schule durch den Verkehrsversuch nicht beeinflusst (53,4 %). Zusammengenommen ein Drittel der Schülerinnen und Schüler sehen eine verbesserte Erreichbarkeit (deutlich: 14,7 %; etwas: 19,0 %), und 13 Prozent geben an, während des Verkehrsversuchs schlechter zum Lessing-Gymnasium gekommen zu sein (etwas verschlechtert: 7,8 %; deutlich verschlechtert: 5,2 %). Die Erreichbarkeit von Geschäften und Dienstleistungen wurde von fast zwei Dritteln (64,2 %) als „gleich geblieben“ beurteilt. Anschließend wurden die Schülerinnen und Schüler explizit gefragt, ob sich der Schulweg durch den Verkehrsversuch verbessert oder verschlechtert habe oder ob er gleich geblieben sei. Hier gehen rund ein Drittel (31,7 %) von Verbesserungen und 10 Prozent von Verschlechterungen aus (Tabelle 4.3). Unter den mit dem Fahrrad zur Schule fahrenden Schülerinnen und Schülern sind es überdurchschnittliche 46,2 %, die von einem durch den Verkehrsversuch besser gewordenen Schulweg berichten. 9,2 14,7 12,8 19,0 64,2 53,47,8 11,0 5,2 0102030405060708090100 Geschäfte und Dienstleistungen Lessing-Gymnasium deutlich verbessertetwas verbessertgleich gebliebenetwas verschlechtertdeutlich verschlechtert % „Hat sich für Dichdie Erreichbarkeit folgender Einrichtungen während des Verkehrsversuchs im Vergleichzu vorher geändert?“ Keine Wertbeschriftungen unter 4 %. Basis120 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 4.3 Veränderung der Erreichbarkeit von Einrichtungen im Zuge des Verkehrsversuchs –Schülerinnen und Schüler – Amt für Stadtentwicklung | 61 verbessertgleich gebliebenverschlechtert insg. 120 Befragte insgesamt31,758,310,0120 Alter bis unter 16 Jahre30,163,06,873 16 Jahre oder älter35,648,915,645 Geschlecht weiblich36,255,18,769 männlich26,760,013,345 Wohnort in der Weststadt33,361,15,654 außerhalb der Westsatdt30,356,113,666 Verkehrsmittel für Schulbesuch zu Fuß25,874,2- - -31 Fahrrad46,242,311,552 Bus/Bahn20,076,73,330 mit dem Auto gebracht5 --- Datenbasis zu gering --- Der Schulweg hat sich... Befragte mit Antwort Anteile in Zeilenprozent Basis120 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 4.3 Einfluss des Verkehrsversuchs auf den Schulweg zum Lessing-Gymnasium © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin 62 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Platz vor dem Lessinggymnasium Bei der Umfrage unter Schülerinnen und Schülern lag ein Schwerpunkt auf dem neu entstandenen Vorplatz zwischen Lessing-Gymnasium und Gutenbergplatz. Mit 90 Prozent geben fast alle an, den neu entstandenen Platz bemerkt zu haben (Abbildung 4.4). Diese Teilgruppe wurde anschließend nach der Nutzungshäufigkeit, zur generellen Idee einer Gestaltung des Bereichs vor der Schule sowie nach einer Bewertung des tatsächlich eingerichteten Vorplatzes gefragt. Außerdem war die Möglichkeit gegeben, Verbesserungsvorschläge für eine mögliche Gestaltung des Vorplatzes zu formulieren. Zusammengenommen hat knapp die Hälfte der Schülerschaft den Vorplatz mehrmals (29,9 %) oder einmal (17,8 %) genutzt. Etwas über vier von zehn Befragten geben an, den Platz selbst nicht genutzt, aber gesehen zu haben, wie sich andere Personen dort aufgehalten haben (43,0 %). Nur 9,3 % der Schülerinnen und Schüler des Lessing- Gymnasium teilen mit, dass der Platz von niemandem genutzt wurde. Die Nutzungshäufigkeit des Vorplatzes unterscheidet sich nur marginal nach dem Alter der Befragten. Die jüngeren Jahrgänge haben den Vorplatz nach eigener Angabe genauso genutzt, wie die älteren Schülerinnen und Schüler, die auch die Pausenzeiten dort verbringen durften. Losgelöst von der erlebten Situation während des Verkehrsversuchs wurden die Schülerinnen und Schüler danach gefragt, wie sie generell die Idee finden, den Bereich vor der Schule ohne Autos und zum Aufenthalt und Pause machen zu gestalten. Hier ist eine eindeutig begrüßende Haltung erkennbar, wie Abbildung 4.5 zeigt: zusammengenommen 86 Prozent finden diese Idee sehr gut (61,7 %) oder gut (24,3 %). Etwas kritischer, aber dennoch sehr positiv, fällt die Bewertung des tatsächlich eingerichteten Vorplatzes während der Phase des Verkehrsversuchs aus, den fast drei Viertel mit sehr gut (32,1 %) oder gut (40,6 %) bewerten (Abbildung 4.6). Damit fällen die Schülerinnen und Schüler ein deutlich wohlwollenderes Urteil über den versuchsweise eingerichteten Vorplatz als die befragte Anwohnerschaft (siehe Kapitel 2, Seite 34). Abbildung 4.4 Bekanntheit und Nutzung des Vorplatzes vor dem Lessing -Gymnasium –Schülerinnen und Schüler – % Basen120 beziehungsweise 107 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 29,9 17,8 43,0 9,3 Ja, ich habe den Vorplatz mehrmals genutzt. Ja, ich habe den Vorplatz einmal genutzt. Nein, aber ich habe gesehen wie sich andere Personen dort aufgehalten haben. Nein, der Platz wurde von niemandem genutzt. % davon Nein 10,0 Ja 90,0 „Hast Du den neuentstandenen Vorplatz mit Sitzgelegenheiten vor dem Lessing-Gymnasium bemerkt?" „Hast Du den neu entstandenen Vorplatz mit Sitzgelegenheiten vor dem Lessing-Gymnasium genutzt?“ Amt für Stadtentwicklung | 63 61,7 24,3 5,6 8,4 sehr gut gut weniger gut gar nicht gut Abbildung4.5 Bewertung der Idee einer generellen Gestaltung des Vorplatzes vor dem Lessing-Gymnasium TG TGTeilgruppe: Nur Befragte, die den Platz vor dem Lessing-Gymnasium bemerkt haben. Basis107 Schülerinnen uns Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie findest Du generell die Idee den Bereich vor der Schule ohne Autos und zum Aufenthalt und Pause machen zu gestalten?“ % 32,1 40,6 18,9 8,5 sehr gut gut weniger gut gar nicht gut Abbildung4.6 Bewertung des Vorplatzes vor dem Lessing-Gymnasium während des Verkehrsversuchs –Schülerinnen und Schüler TG – TGTeilgruppe: Nur Befragte, die den Platz vor dem Lessing-Gymnasium bemerkt haben. Basis106 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie gefiel Dirder eingerichtete Vorplatz mit Sitzgelegenheiten vor dem Lessing-Gymnasium während des Verkehrsversuchs?“ % 64 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Positive Rückmeldungen zum Vorplatz Auf die Frage, was am Vorplatz besonders gut gefallen hat, gab rund die Hälfte der Schülerinnen und Schüler eine Antwort. Diese fanden die neuen Sitzgelegenheiten vor der Schule sehr positiv. Die Möglichkeit, sich während der Mittagspause oder nach der Schule auszuruhen und zu entspannen, wurde begrüßt. Die Umgebung wurde als ruhiger und angenehmer empfunden, da es weniger Autos gab und die Straße sicherer zu überqueren war. Einige hoben hervor, dass es eine gute Alternative zum Schulhof war und somit mehr Platz für Schülerinnen und Schüler bot. Zusätzlich wurde erwähnt, dass im Bereich ein geringeres Verkehrsaufkommen anfiel. Es gab auch die Meinung, dass es für Anwohnende und Autofahrende zwar etwas umständlicher war, jedoch für die Schülerinnen und Schüler insgesamt eine Verbesserung darstellte. Insgesamt wurde die Idee, mehr Sitzgelegenheiten bereitzustellen, sehr begrüßt, und viele Schülerinnen und Schüler wünschen sich, dass diese Möglichkeit weiterhin bestünde. Verbesserungsideen für den Vorplatz Ebenso etwas über die Hälfte der befragten Schülerinnen und Schüler antworteten auf die Frage, was am Vorplatz gestört hat oder verbessert werden sollte. Es gab vor allem Kritik am Komfort und dem Design der Sitzgelegenheiten, die auf den Parkplätzen aufgestellt waren. Die Verbesserungsvorschläge beinhalten eine ästhetische Aufwertung, mehr Grünflächen, mehr Sitzmöglichkeiten und eine bessere Pflege der bestehenden Elemente. Die gelben Sitzgelegenheiten wurden teilweise als ungemütlich, eher unästhetisch oder unpraktisch beschrieben, da sie leicht dreckig und nass wurden (etwa durch Regen oder Laub). Einige Kinder und Jugendliche wünschten sich schönere und bequemere Sitzmöglichkeiten, wie zum Beispiel Holzbänke, bunte Betonbänke mit Auflagen oder Hochbeete aus Holz. Es gab auch die Idee, die Sitzgelegenheit zu optimieren, indem mehr Bänke oder alternative Sitzmöglichkeiten (wie beispielsweise Spielelemente für Kinder) hinzugefügt werden. Teils wurden die Absperrungen für Autos als problematisch wahrgenommen, da es Umwege für Autofahrende erforderlich machte und auch die Parkplatzsituation verschärfte. Auch der Wunsch nach zusätzlichen Sitzgelegenheiten um den Brunnen auf dem Gutenbergplatz oder in anderen schulnahen Bereichen wurde geäußert und betont, dass es wichtig wäre, die Sitzmöglichkeiten an die Bedürfnisse der Schülerinnen und Schüler anzupassen. Einige Ideen beinhalteten außerdem mehr Grünflächen, wie Pflanzen, Bäume in großen Kübeln oder Hochbeete, um das Umfeld der Sitzgelegenheiten angenehmer zu gestalten. Es wurde auch vorgeschlagen die Fläche insgesamt bunter und ansprechender zu gestalten, um die Atmosphäre zu verbessern. © Stadt Karlsruhe, Benedikt Dierßen Amt für Stadtentwicklung | 65 Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt Die Auswirkungen des Verkehrsversuchs in der Sophienstraße wurden in der Schülerschaft insgesamt als sehr positiv empfunden: Zusammengenommen 77,5 % bewerten den Verkehrsversuch als sehr gut oder eher gut (Abbildung 4.7). Jeweils etwa ein Neuntel der Schülerinnen und Schüler beschreiben den Verkehrsversuch als Ganzes als weniger gut oder sogar schlecht. Auch bei dieser allumfassenden Fragestellung sind es vor allem die mit dem Fahrrad zur Schule fahrenden Schülerinnen und Schüler, die eine überdurchschnittlich positive Bewertung abgeben (Tabelle 4.4). 44,2 33,3 10,8 11,7 0 10 20 30 40 50 sehr gutgutweniger gutschlecht % „Wie fandest Du den Verkehrsversuchsin der Sophienstraßeinsgesamt?“ Basis120 Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 4.7 Bewertung des Verkehrsversuchs Sophienstraße –Schülerinnen und Schüler – 66 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Perspektivische Entwicklung in der Sophienstraße Schließlich wurden auch die Schülerinnen und Schüler gebeten, sich zu einer präferierten Verkehrsführung für die Zukunft zu äußern. Als Antwortmöglichkeiten waren die gleichen vorformulierten und selbst zu beschreibenden Varianten der Verkehrsführung gegeben wie für Anwohnende und Betriebe. Diese lassen sich zusammenfassend in drei Szenarien beschreiben: Szenario 1 | Umsetzung einer Verkehrsführung wie im Verkehrsversuch (oder darüber hinaus) Szenario 1 beinhaltet die Wünsche nach einer Verkehrsführung, die genauso gestaltet ist wie während des Verkehrsversuchs (38,7 %) oder sogar über den Verkehrsversuch hinausgehende, zusätzliche Veränderungen (9,2 %) beinhaltet. In Summe wünschen sich eine solche Verkehrsführung 48,7 % der Schülerinnen und Schüler (Abbildung 4.8). Szenario 2 | Beibehaltung der Verkehrsführung wie vor dem Verkehrsversuch Szenario 2 beschreibt eine Verkehrsführung, die genau so gestaltet ist wie vor dem Verkehrsversuch. Diese Variante bevorzugt ein Fünftel (20,2 %) der Schülerinnen und Schüler. Szenario 3 | Umsetzung einzelner Elemente des Verkehrsversuchs In Szenario 3 wird nur eine der beiden versuchsweise installierten Komponenten des Verkehrsversuchs (nur Diagonalsperre: 6,7 %; nur Vorplatz vor dem Lessing- Gymnasium: 16,8 %) oder der Verzicht auf Sperrungen, aber eine geänderte Verkehrsführung (7,6 %) gewünscht. Der Wunsch nach einer dauerhaften Einrichtung eines Vorplatzes zwischen Gutenbergplatz und Lessing-Gymnasium ist hier häufiger anzutreffen als unter Anwohnenden und Betrieben. Für eine solche Variante der zukünftigen Verkehrsführung sprechen sich zusammen etwa ein Drittel (31,1 %) der Schülerschaft aus. 48,7 20,2 31,1 0 10 20 30 40 50 60 Szenario 1 (Verkehrsversuch oder mehr) Szenario 2 (wie vor dem Verkehrsversuch) Szenario 3 (Teile des Verkehrsversuchs) Abbildung 4.8 Gewünschte zukünftige Regelung der Verkehrsführung –Schülerinnen und Schüler – Basis120Schülerinnen und Schüler mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie sollte die Verkehrsführung Deiner Meinung nach in Zukunft geregelt werden?“ % Amt für Stadtentwicklung | 67 4.3 Verkehrsversuch aus Sicht der Lehrerschaft Auch die Lehrerinnen und Lehrer des Lessing-Gymnasiums waren im Nachgang zum Verkehrsversuch aufgerufen, an einer evaluierenden Umfrage teilzunehmen. Rund ein Drittel der Lehrerschaft (32,0 %) folgte diesem Aufruf, wobei dies in Summe nur 24 auswertbaren Fragebögen entspricht. Aufgrund dieser zahlenmäßig geringen Rückmeldungen wird im Folgenden nur eine umschreibende textliche Auswertung der wesentlichen Erkenntnisse ohne Abbildungen oder Tabellen gegeben. Rahmendaten Das Kollegium nimmt im Schnitt eine weitere Anfahrt zur Schule in Kauf als die Schülerinnen und Schüler: Nur vier Lehrerinnen und Lehrer sind in der Weststadt wohnhaft, während mit zwölf Befragten die Hälfte in einem anderen Stadtteil Karlsruhes wohnt. Ein Drittel kommt von außerhalb Karlsruhes. Altersmäßig ist das an der Umfrage teilnehmende Kollegium etwa zur Hälfte unter 45 Jahre alt und etwas häufiger im Alter von 45 bis unter 65 Jahren. Lehrerinnen sind dabei mit einem Anteil von rund zwei Dritteln etwas stärker vertreten als Lehrer. Das Fahrrad wird von elf Personen normalerweise auf dem Weg zur Schule genutzt und ist damit das am häufigsten gewählte Verkehrsmittel, gefolgt vom Pkw, den zehn Lehrerinnen und Lehrer für den Weg zur Schule nutzen. Die eigene Informiertheit während der Phase des Verkehrsversuchs wird sehr ähnlich eingeschätzt wie die eigene Informiertheit unter den Schülerinnen und Schüler: die eine Hälfte fühlte sich sehr gut oder gut, die andere Hälfte weniger gut oder gar nicht informiert. Auswirkungen des Verkehrsversuchs Aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer haben sich im Zuge des Verkehrsversuchs besonders positive Veränderungen für die Verkehrssituation von Radfahrenden und Fußgängerinnen und Fußgängern ergeben. Die Verkehrssicherheit von Kindern in der Sophienstraße wird ebenso überwiegend als verbessert bewertet. Das persönliche Sicherheitsgefühl sowie die Situation für ältere, mobilitätseingeschränkte Personen werden von jeweils etwas weniger als der Hälfte der Befragten als positiv durch den Verkehrsversuch beeinflusst eingeschätzt. Negativ wurden durch den Verkehrsversuch aus Sicht der Lehrerinnen und Lehrer ausschließlich Aspekte beeinflusst, die mit dem Pkw in Verbindung stehen: Fast alle gehen von einer etwas verschlechterten oder deutlich verschlechterten Situation für Autofahrende aus. Gleichzeitig gehen fast zwei Drittel der Lehrerinnen und Lehrer im Zuge des Verkehrsversuchs von einem rückläufigen Kfz- Verkehrsaufkommen im direkten Schulumfeld aus. Auch der Verkehrslärm im Bereich der Schule sowie Abgase und schlechte Luftqualität im direkten Schulumfeld werden von mindestens der Hälfte des Kollegiums als verringert eingeschätzt. Gut die Hälfte gehen aber auch von einem zunehmenden Kfz-Parkplatzsuchverkehr während des Verkehrsversuchs aus. Die eigenen Kfz-Abstellmöglichkeiten werden von beinahe 80 Prozent als etwas verschlechtert oder deutlich verschlechtert beschrieben. Schließlich wird die Erreichbarkeit des Lessing-Gymnasiums häufiger verschlechtert als verbessert empfunden. Autounabhängige Faktoren werden überwiegend als gleich geblieben eingestuft: Von einem unveränderten Freizeitlärm und von unverändertem Rad-Verkehrsaufkommen gehen in der Sophienstraße gut 80 Prozent aus. Für die Aufenthaltsqualität in der Sophienstraße brachte der Verkehrsversuch aus Sicht der Lehrerschaft insgesamt positive Veränderungen mit sich. Keine eindeutigen Auswirkungen hatten die verkehrsberuhigenden Maßnahmen auf das Miteinander im öffentlichem Raum und das Nachbarschaftliche Leben und das Soziale Miteinander, das von den Lehrerinnen und Lehrern vor allem als gleich geblieben, oder aber zu gleichen Anteilen als verbessert oder verschlechtert eingeschätzt wird. Platz vor dem Lessing-Gymnasium Fast alle Lehrerinnen und Lehrer haben den Platz vor dem Lessing-Gymnasium wahrgenommen, aber nur drei haben den Platz auch selbst genutzt. Die meisten Lehrenden geben an, dass sie gesehen haben, wie andere die Sitzgelegenheiten in Anspruch genommen haben. Generell finden rund zwei Drittel die Idee, den Bereich vor der Schule ohne Autos und zum Aufenthalt und Pause machen zu gestalten, sehr gut oder gut. 68 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Die Bewertung des zeitweise eingerichteten Vorplatzes fällt gemischt aus: Etwas weniger als die Hälfte der Lehrerschaft fand den Vorplatz sehr gut oder gut, ebenso viele bewerten jedoch den neu entstandenen Vorplatz als gar nicht gut. Als negative Begleiterscheinungen werden vor allem Verschmutzungen angeführt. Die Lehrerinnen und Lehrer fordern eine durchdachte, gut integrierte Lösung, die den Platz funktional und ästhetisch verbessert und gleichzeitig den Bedürfnissen von Fußgängerinnen und Fußgängern, Radfahrenden sowie Anwohnerinnen und Anwohnern gerecht wird. Verbesserungsmöglichkeiten für den Platz beziehen sich vor allem auf die Sitzgelegenheiten, die wenig einladend wirkten. Es wird vorgeschlagen, optisch ansprechendere Bänke aus Holz zu installieren, die auch den verschiedenen Altersgruppen zugänglich sind. In Bezug auf die Verkehrsführung wird angeregt beide Fahrtrichtungen zu sperren, um Schülerinnen und Schülern die sichere Überquerung der Straße bis zum Gutenbergplatz zu ermöglichen. Ebenso gibt es den Wunsch nach mehr Pflanzen und einer schöneren Möblierung, die besser zum Platz passt. Ein Sitzbereich mit Überdachung und ähnliche Bänke wie in der Röntgenstraße wäre denkbar. Zudem ist eine Beschilderung für Radfahrer sinnvoll, die auf die Nähe von Schulen hinweist und gegenseitige Rücksichtnahme fordert. Vereinzelt wird darauf hingewiesen, dass der Gutenbergplatz insgesamt nicht genug als Aufenthaltsbereich genutzt werde und eine Umgestaltung wünschenswert sei. Ein Gesamtkonzept für das Viertel sowie die Gestaltung der Ecken des Platzes, die allen Altersgruppen das Sitzen und Kommunizieren ermöglichen, wird vorgeschlagen. Bewertung des Verkehrsversuchs insgesamt und perspektivische Entwicklung der Verkehrsführung Die Bewertung des Effekts des Verkehrsversuchs insgesamt fällt aus Sicht der Lehrinnen und Lehrer zwiegespalten aus. Jeweils zehn Lehrkräfte urteilen sehr positiv oder eher positiv beziehungsweise sehr negativ oder eher negativ, während sich nur vier neutrale Stimmen melden. Als perspektivische Entwicklungen sprechen sich neun Lehrerinnen und Lehrer für Szenario 1 aus, die eine Regelung wie im Verkehrsversuch oder darüber hinausgehende Maßnahmen umfasst. Sechs Personen sind für eine Beibehaltung des Status Quo und sieben Personen wünschen sich nur eine teilweise Umsetzung der Maßnahmen aus dem Verkehrsversuch. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin Amt für Stadtentwicklung | 69 5. Verkehrsversuch aus Sicht der Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker 5.1 Methodik In der Karlsruher Weststadt findet seit mehr als 100 Jahren ein Wochenmarkt auf dem Gutenbergplatz statt, der mit über 60 Händlerinnen und Händlern ein breites Publikum mit Waren versorgt. Um mögliche Effekte des Verkehrsversuchs in der angrenzenden Sophienstraße auf das Marktgeschehen zu untersuchen, wurden vor, während und nach dem Verkehrsversuch Befragungen der Besucherinnen und Besucher sowie Frequenzzählungen an drei Punkten auf dem Gutenbergplatz durchgeführt. Während der Sommerferien wurde bewusst auf Befragungen und Frequenzzählungen verzichtet. Zur Umsetzung der Befragung und Frequenzzählungen wurde die Cobus Marktforschung GmbH beauftragt. Zusätzlich wurden vom Marktamt nach Beendigung des Verkehrsversuchs Fragebögen an die Beschicker des Marktes gesendet. 5.2 Frequenzzählungen Insgesamt wurden an jeweils einem Samstag vor und nach dem Verkehrsversuch (in den Grafiken in Grüntönen dargestellt) sowie an vier Samstagen während des Verkehrsversuchs (in den Grafiken in Rottönen dargestellt) stündliche Zählungen zwischen 8:30 Uhr und 13 Uhr durchgeführt. Auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz zeigt sich vor allem in den Mittagsstunden zwischen 10:30 Uhr und 12 Uhr reger Betrieb, dessen Spitzen meist um 11 Uhr oder 11:30 Uhr erreicht werden (Abbildung 5.1). An keinem der Erhebungstage hat es geregnet. Regen spielte also keinen Einfluss auf das Mobilitätsverhalten. Im Tagesschnitt kommen dabei rund 5.000 Besucherinnen und Besucher auf den Wochenmarkt, wobei an den Samstagen während des Verkehrsversuchs mit 5.067 Personen etwas mehr Publikum angetroffen wird, als ohne Verkehrsversuch (4.892 Personen). Dabei lässt sich während der Phase des Verkehrsversuchs eine leichte Verlagerung der Besucherströme in den nördlichen Teil des Marktes um den Krautkopfbrunnen herum beobachten. Die durchschnittlichen Werte sind für die drei Zählstellen auf dem Markt in Abbildung 5.2 enthalten. 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 8:3099:301010:301111:301212:3013 Anzahl Ergebnissse der Frequenzzählungen an sechsMarkttagen zwischen dem 29. Juni 2024 und 19. Oktober 2024 Abbildung 5.1 Besucherzahlen auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz im Tagesverlauf Basis30.500 Besucherinnen und Besucher des Marktes auf dem Gutenbergplatz. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. ohne Verkehrsversuch während des Verkehrsversuchs Sa, 29. Juni 2024 Sa, 19. Oktober 2024 Sa, 13. Juli 2024 Sa, 14. September 2024 Sa, 20. Juli 2024 Sa, 21. September 2024 Uhrzeit 70 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Abbildung 5.2 Tagesdurchschnitte der Zählungen auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz ohne und mit Verkehrsversuch Basis30.500 Besucherinnen und Besucher des Marktes auf dem Gutenbergplatz. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. © Stadt Karlsruhe, Monika Müller-Gmelin Amt für Stadtentwicklung | 71 5.3 Besucherstrukturen und Verkehrsmittelwahl Die soziodemografischen Merkmale der Besucherinnen und Besucher, welche sich an der Umfrage beteiligt haben, können aus Tabelle 5.1 entnommen werden. Unter den auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz Angetroffenen sind etwas mehr Frauen (56,7 %) als Männer (43,3 %) vertreten. Die gesammelten Angaben der Befragten belegen, dass das Marktgeschehen Menschen aller Altersgruppen anzieht. Der Vergleich mit den soziodemografischen Eigenschaften der umliegenden Wohnbevölkerung (Seite 16, Tabelle 2.1) zeigt, dass Besucherinnen und Besucher im Alter von 45 bis unter 65 Jahren (38,6 %) überdurchschnittlich häufig auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz vertreten sind. Ein Zehntel des Publikums tritt den Weg von außerhalb Karlsruhes zum Markt auf den Gutenbergplatz an, während fast zwei Drittel aus der Weststadt oder einem direkt angrenzenden Stadtteil (62,6 %) und gut ein Viertel (27,4 %) von einem anderen Stadtviertel Karlsruhes aus anreisen. alle Befragten ohne Verkehrsversuch während des Verkehrsversuchs Befragte mit Antwort insg. 993 Geschlecht Weiblich56,752,658,8563 Männlich43,347,441,2430 Alter 16 bis unter 25 Jahre4,13,74,340 25 b is unter 35 Jahre23,726,522,2233 35 bis unter 45 Jahre19,519,219,6192 45 bis unter 65 Jahre38,638,138,8380 65 Jahre oder älter14,212,515,1140 Wohnort Weststadt/angrenzender Stadtteil62,664,461,8622 in einem anderen Stadtteil von Karlsruhe27,428,726,7272 außerhalb Karlsruhes10,06,911,599 Merkmale der Besucherinnen und Besucher Anteile in Spaltenprozent Basis993 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 5.1 Besucherstrukturen beim Markt auf dem Gutenbergplatz 72 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Um zum Markt auf dem Gutenbergplatz zu gelangen nutzen die Besucherinnen und Besucher vorwiegend das Fahrrad / Pedelec (37,8 %) oder kommen zu Fuß (36,9 %). Etwa jede beziehungswiese jeder sechste (17,3 %) nutzt den Pkw als Verkehrsmittel zur Anreise. Die genutzten Verkehrsmittelwahl unterscheiden sich nach Alter und Wohnort der Befragten (Tabelle 5.2). So liegt etwa der Fahrradanteil über alle Altergruppen bei mindestens einem Drittel und geht erst ab 65 Jahren auf unter 36 Prozent zurück. Zu Fuß kommen in besonderem Ausmaß die Besucherinnen und Besucher im Alter von 25 bis unter 35 Jahren (47,2 %) auf den Markt. Einen Pkw nutzen grob ein Zehntel der Befragten unter 35 Jahren und ein Fünftel der Befragten ab 35 Jahren. Schließlich macht der Bahnanteil nur unter den jüngsten und ältesten Befragten einen Anteil von mehr als 10 Prozent aus. Je größer die Distanz des Wohnorts zum Gutenbergplatz, desto häufiger kommt der Pkw bei der Anreise zum Einsatz: Während die Befragten aus der Weststadt oder dem direkt angrenzenden Gebiet nur zu fünf Prozent den Pkw nutzen, sind es unter den von außerhalb nach Karlsruhe kommenden Marktbesuchenden rund 70 Prozent. Das Fahrrad / Pedelec ist dagegen vor allem für die Befragten aus einem weiter entfernten Stadtteil von Karlsruhe das Verkehrsmittel der Wahl (48,5 %). Fahrrad / PedelecPkw Zu FußBahn Befragte insgesamt37,817,336,97,7 Altersgruppe 16 bis unter 25 Jahre40,07,540,012,5 25 bis unter 35 Jahre38,28,647,26,0 35 bis unter 45 Jahre36,519,837,06,8 45 bis unter 65 Jahre40,521,830,36,3 65 Jahre oder älter32,918,635,013,6 Wohnort Weststadt / angrenzender Stadtteil37,55,054,33,2 in einem anderen Stadtteil von Karlsruhe48,526,17,716,5 außerhalb Karlsruhes10,170,77,111,1 Anteile in Zeilenprozent Basis993 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Tabelle 5.2 Verkehrsmittelwahl der Marktbesuchenden nach Alter und Wohnort der Befragten Amt für Stadtentwicklung | 73 5.4 Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf die Besucherinnen und Besucher des Marktes Die Besucherinnen und Besucher des Marktes wurden nach ihren Einkaufs- und Besuchsgewohnheiten gefragt. Dabei zeigen sich Unterschiede zwischen den Markttagen während des Verkehrsversuchs und vor beziehungsweise nach dem Verkehrsversuch. So beträgt die durchschnittliche Aufenthaltsdauer bei einem Marktbesuch auf dem Gutenbergplatz rund eine dreiviertel Stunde und fällt während des Verkehrsversuchs (48 Minuten) sieben Minuten länger aus als zur Zeit vor und nach dem Verkehrsversuch (Abbildung 5.3). Im Durchschnitt geben die Besucherinnen und Besucher während eines Marktbesuchs alles in allem etwa 43 Euro aus, wobei die Ausgaben während des Verkehrsversuchs geringfügig niedriger ausfallen. Ebenso ist der Anteil der Besucherinnen und Besucher, die angeben, den Marktbesuch noch mit dem Besuch der umliegenden Geschäfte oder Gastronomie zu verknüpfen, in der Zeit ohne Verkehrsversuch (45,9 %) höher als während des Verkehrsversuchs (40,9 %). Abbildung 5.3 Besuchsverhalten des Marktpublikums auf dem Gutenbergplatz ohne und mit Verkehrsversuch | Teil 1 Basis993 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Wie lange werden Sie sich heute insgesamt etwa auf dem Markt aufhalten?“ „Was schätzen Sie: Wie hoch werden Ihre Ausgaben auf dem Markt heute alles in allem etwa sein?“ „Verbinden Sie den Besuch des Marktes auch mit dem Besuch der umliegenden Geschäfte oder Gastronomie?“ „Mit wem sind Sie heute hier?“ 74 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Mehr oder weniger starke Unterschiede zeigen sich auch bei der Wahl des Verkehrsmittels (Abbildung 5.4). So kommen während des Verkehrsversuchs mit 19,3 % mehr Personen mit dem Pkw zum Markt auf den Gutenbergplatz als in der Zeit vor und nach dem Verkehrsversuch (13,3 %). Entsprechend fällt der Anteil zu Fuß auf den Gutenbergplatz kommender Befragter im Zeitraum während des Verkehrsversuchs mit 35,2 % geringer als ohne Verkehrsversuch (40,2 %). Da allerdings der Anteil auswärtiger Besuchender während der Verkehrsversuchs-Phase deutlich erhöht war und diese hauptsächlich mit dem Pkw anreisen, lassen sich keine Änderungen in der Wahl des Verkehrsmittels aufgrund des Verkehrsversuchs feststellen. Abbildung 5.4 Besuchsverhalten des Marktpublikums auf dem Gutenbergplatz ohne und mit Verkehrsversuch | Teil 2 Basis993 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. „Mit welchem Verkehrsmittel sind Sie heute hier?" Amt für Stadtentwicklung | 75 Parkplatzsuche der Besucherinnen und Besucher des Marktes Befragte, die mit Pkw zum Markt auf dem Gutenbergplatz gekommen sind wurden gefragt, wie schwierig es war einen Parkplatz beziehungsweise Halteplatz zu finden. Außerdem wurden Sie gebeten, auf einer Karte den Ort zu markieren an dem sie geparkt haben. Diese markierten Orte sind in zwei Karten für die Zeit ohne Verkehrsversuch (Abbildung 5.5) und während des Verkehrsversuchs (Abbildung 5.6) als Heatmap dargestellt. Dabei zeigt sich, dass die Autofahrenden im Zeitraum mit fest installierten Sperrungen auf der Sophienstraße ins weitere Umfeld ausweichen, um einen Platz für ihr Fahrzeug während des Marktbesuchs zu finden. Die in Erfahrung gebrachte Schwierigkeit der Parkplatzsuche weist keinen klaren Zusammenhang mit dem Verkehrsversuch auf (Abbildung 5.7). Zwar ist der Anteil derjenigen, die eine sehr schwere Parkplatzsuche schildern, während des Verkehrsversuch (16,8 %) höher als ohne Verkehrsversuch (11,6 %). Allerdings liegt die durchschnittliche Angabe der Befragten während des Verkehrsversuchs bei „eher leicht“ und ohne Verkehrsversuch bei „eher schwer“. Abbildung 5.5 Standorte der abgestellten Pkw von Martbesuchenden ohne Verkehrsversuch Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. 76 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Abbildung 5.6 Standorte der abgestellten Pkw von Martbesuchenden während des Verkehrsversuch Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Amt für Stadtentwicklung | 77 © Stadt Karlsruhe, Benedikt Dierßen 30,2 16,3 41,9 11,6 32,1 27,4 25,0 15,5 32,8 31,2 19,2 16,8 0 5 10 15 20 25 30 35 40 45 sehr leichteher leichteher schwersehr schwer ohne Verkehrsversuchgesamtwährend des Verkehrsversuchs % TGTeilgruppe: Nur Befragte, die mit dem Pkw angereist sind. Basis109 Befragte mit Antwort. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Stadtentwicklung aktuell –Verkehrsversuch Sophienstraße | Umfragen. Abbildung 5.7 Schwierigkeit der Parkplatzsuche mit und ohne Verkehrsversuch | Marktbesuchende TG „Wie leicht ist es gefallen, den Parkplatz beziehungsweise Halteplatz zu finden?“ 78 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen 5.5 Stimmungsbild unter den Marktbeschickerinnen und Marktbeschickern Auch die Betreiberinnen und Betreiber der Stände des Marktes auf dem Gutenbergplatz wurden im Nachgang zum Verkehrsversuch zu einer Umfrage eingeladen. Leider gingen lediglich neun auswertbare Fragebögen ein. Aufgrund dieser zahlenmäßig geringen Rückmeldungen (bei einer Rücklaufquote von 14 Prozent) wird im Folgenden nur eine knappe textliche Auswertung der wesentlichen Erkenntnisse ohne Abbildungen, Tabellen oder Prozentangaben gegeben. Die befragten Beschicker sind alle am Donnerstag auf dem Markt auf dem Gutenbergplatz vertreten. Donnerstags und samstags sind jeweils sechs der neun Marktstände auf dem Platz vertreten. Insgesamt geben die Beschicker im Durchschnitt an, zur Zeit des Verkehrsversuchs „weniger gut“ über den Verkehrsversuch in der Sophienstraße informiert gewesen zu sein. In Form von drei Freitextfeldern konnten die Standbetreiberinnen und -betreiber Auskunft über die am häufigsten gehörten Kommentare der Kundschaft zum Verkehrsversuch geben. Diese Kommentare der Kundschaft fielen nach Auskunft der Marktbeschicker fast ausschließlich negativ aus. Die Auswirkungen des Verkehrsversuchs auf verschiedene Aspekte in Bezug auf das eigene Gewerbe werden im Durchschnitt sämtlich als „etwas verschlechtert“ eingestuft. Diese Aspekte umfassen im Einzelnen (in der Reihenfolge von negativer nach positiver bewertet) die Gewinnung neuer Kundschaft, Erreichbarkeit des Gewerbes für die Kundschaft, Gesamtsituation für das Gewerbe, Zufriedenheit der Kundschaft, Entwicklung der Kundenfrequentierung, Qualität der Geschäftslage für das eigene Gewerbe, Umsatz und schließlich überwiegend als „gleich geblieben“ bewertet die Erreichbarkeit des Marktstandes mit dem eigenen Gefährt. Abschließend sprechen sich sechs der neun Befragten bezüglich der gewünschten zukünftigen Verkehrsführung für eine Beibehaltung der Situation wie vor dem Verkehrsversuch aus. © Stadt Karlsruhe, Benedikt Dierßen Amt für Stadtentwicklung | 79 6. Anhang Postwurfsendung Infoschreiben zur Verkehrsführung 80 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 81 Einladung Anwohnerinnen und Anwohner 82 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Erinnerung Anwohnerinnen und Anwohner Amt für Stadtentwicklung | 83 Einladung: Betriebe 84 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Erinnerung: Betriebe Amt für Stadtentwicklung | 85 Einladung: Lessing-Gymnasium | Schülerinnen und Schüler 86 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Einladung: Lessing-Gymnasium | Lehrerinnen und Lehrer Amt für Stadtentwicklung | 87 Hinweise zum Datenschutz 88 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Fragebogen Anwohnerinnen und Anwohner Amt für Stadtentwicklung | 89 90 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 91 92 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 93 94 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Fragebogen Gewerbetreibende Amt für Stadtentwicklung | 95 96 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 97 98 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 99 Fragebogen Lessinggymnasium | Schülerinnen und Schüler 100 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 101 102 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 103 Fragebogen Lessinggymnasium | Lehrerinnen und Lehrer 104 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 105 106 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 107 108 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Fragebogen Marktbeschickerinnen und Marktbeschicker Amt für Stadtentwicklung | 109 110 | Verkehrsversuch Sophienstraße 2024 | Umfragen Amt für Stadtentwicklung | 111