Weiterentwicklung ehrenamtlicher Dolmetscherpool, Internationaler Bund e.V.: Erhöhung Pauschale Dolmetschereinsätze
| Vorlage: | 2025/0113 |
|---|---|
| Art: | Beschlussvorlage |
| Datum: | 06.02.2025 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Büro für Integration |
| Erwähnte Stadtteile: | Keine Angaben |
Beratungen
- Integrationsausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 26.02.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Keine Angabe
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2025/0113 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: BfI Weiterentwicklung ehrenamtlicher Dolmetscherpool, Internationaler Bund e.V.: Erhöhung Pauschale Dolmetschereinsätze Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Integrationsausschuss 26.02.2025 4 Ö Kenntnisnahme Der Integrationsausschuss nimmt zur Kenntnis, dass ab 2025 die Einsatzpauschale für ehrenamtlich Dolmetschende von 15 Euro auf 20 Euro pro Einsatz erhöht wird. Die Erhöhung erfolgt im Rahmen der Weiterentwicklung des Dolmetscherpools aufgrund eines Antrags von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Jahr 2021. Der Internationale Bund e.V hat ausreichende Mittel zur Verfügung. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Soziale Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Seit März 2015 besteht auf Initiative des Büros für Integration der Dolmetscherpool in Karlsruhe. Er wird finanziell von der Stadt Karlsruhe getragen. Zuständig für dessen Koordination ist eine zentrale Stelle beim Jugendmigrationsdienst des Internationalen Bundes Karlsruhe (IB). Diese koordiniert u.a. Aufträge und Termine, akquiriert neue Dolmetschende, fungiert als Ansprechpartner für Dolmetschende und Kooperationspartner, organisiert Schulungen. Ehrenamtlich tätige Dolmetschende erhalten für ihre Tätigkeit eine Aufwandsentschädigung in Höhe von 15 Euro pro Einsatz. Diese soll ab 2025, erstmals nach 10 Jahren, aufgrund der gesteigerten Anforderungen an die Dolmetschenden sowie hinzukommender Einsatzbereiche im Rahmen der Weiterentwicklung, auf 20 Euro pro Einsatz erhöht werden. Ein Einsatz dauert maximal eine Stunde. Ein entsprechender Antrag von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Jahr 2021 zur Weiterentwicklung des Dolmetscherpools konnte angesichts der außergewöhnlichen Herausforderungen innerhalb der Stadtverwaltung im Zusammenhang mit der Aufnahme geflüchteter Menschen aus der Ukraine erst zum jetzigen Zeitpunkt umgesetzt werden. Entwicklung von 2015 bis 2024 Laut einer Umfrage des Ministeriums für Soziales, Gesundheit und Integration in Baden-Württemberg (Stand Oktober 2024) ist der Karlsruher Dolmetscherpool landesweit führend bei der Anzahl der Einsätze. Während die meisten der 23 Dolmetscherpools im Land jährlich 300 bis 450 Einsätze verzeichnen, ist Karlsruhe mit über 2.700 Einsätze pro Jahr Spitzenreiter. Die Mehrheit der Pools verfügt über 51 bis 100 Dolmetschende. Mit aktuell 62 ehrenamtlichen Dolmetschenden liegt der Karlsruher Pool im Mittelfeld bei der Anzahl der Dolmetschenden, weist jedoch die mit Abstand höchste Einsatzquote auf. Dies verdeutlicht das außergewöhnliche Engagement und die hohe Belastung der ehrenamtlich Tätigen in Karlsruhe, was eine angemessene Anpassung der Einsatzpauschale auf 20 Euro besonders notwendig macht. Die Erhöhung der Einsatzpauschale ist auch vor dem Hintergrund der anhaltenden Geldentwertung in den vergangenen Jahren zwingend erforderlich, um unter anderem die gestiegenen Ausgaben für Fahrt- und Materialkosten auszugleichen. Quelle: IB Situation durch die Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine Mit Beginn des Angriffskrieges auf die Ukraine und der Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine ist der Bedarf an Russisch-Ukrainisch-Dolmetschenden innerhalb des Dolmetscherpools stark – 3 – gestiegen. So hat sich im Jahr 2022 die Anzahl der Dolmetscher-Einsätze mehr als verdoppelt und stieg kontinuierlich weiter. Um dem wachsenden Anfragen an Dolmetschenden insbesondere im Ordnungsamt (Bürgerbüros) sowie der Ausländerbehörde der Stadt Karlsruhe gerecht zu werden, wurde der Pool in 2022 um 20.087 Euro auf 72.837 Euro und in 2023 um 69.900 Euro auf 122.650 Euro aus Mitteln des Büros für Integration aufgestockt. Im Rahmen der Haushaltsberatungen wurde für 2024 eine Zuschusshöhe von 127.000 Euro und für 2025 von 130.400 Euro festgelegt. Gleichzeitig konnten 16 Dolmetschende für die Sprachen Ukrainisch und Russisch hinzugewonnen und für Einsätze geschult werden. Der kontinuierliche Einsatz der Dolmetschenden in beiden Behörden erfordert umfassende Planung, Organisation sowie fortlaufende Gewinnung neuer Dolmetschender. Die Einsätze sowie die Einsatzplanung durch die Koordinierungsstelle erfordern einen hohen Arbeits- und Zeitaufwand und sind langfristig mit der aktuellen Anzahl an Dolmetschenden sowie einer einzelnen Koordinierungsstelle nicht nachhaltig umsetzbar. Der Internationale Bund hat in den vergangenen Jahren unter Krisenbedingungen maßgeblich zur Unterstützung der Stadtgesellschaft beigetragen. Im Laufe des Jahres 2024 wurden die Einsätze in beiden Behörden aufgrund des rückläufigen Bedarfs entsprechend reduziert. Die dadurch freiwerdenden finanziellen Mittel sollen zur längst überfälligen Anhebung der Einsatzpauschale verwendet werden, um auch weiterhin ehrenamtliche Dolmetscherdienste in der Stadt Karlsruhe anbieten zu können und die steigende Nachfrage in anderen Bereichen effektiv decken zu können. Übersicht Einsätze Dolmetschende in Ausländerbehörde und Bürgerbüro im Rahmen der Ukraine Hilfe 2022 bis 31.10.2024 Behörde Anzahl der Einsätze 2022 Anzahl der Einsätze 2023 Anzahl der Einsätze 2024 (erfasst bis 31.10.2024) Ausländerbehörde 660 1329 826 Bürgerbüro 336 366 192 1 Einsatz = 1 Stunde Quelle: IB Wurde der Dolmetscherpool bis 2021 hauptsächlich von Schulen und Beratungsstellen genutzt, bilden seit 2022 Behörden die größte Nutzergruppe. Gleichzeitig ist die Nachfrage nach ukrainisch- und russisch-sprechenden Dolmetschenden von anderen Institutionen wie Schulen und Beratungsstellen ebenfalls sehr hoch. Im Jahr 2023 waren 62 Dolmetschende, davon 16 Dolmetschende für die Sprachen Ukrainisch und Russisch, in insgesamt 3.124 Einsätzen tätig. Insgesamt wurden 31 Sprachen und Sprachvarietäten angeboten. Quelle: IB – 4 – Geplante Weiterentwicklung 2025/2026 Dolmetschende im Gesundheitsbereich Im medizinischen Bereich besteht ein wachsender Bedarf an Sprachmittlung, den der Dolmetscherpool bisher mangels geeigneter Qualifikationen nicht decken konnte. Sprachmittler im Gesundheitskontext müssen spezifische Kompetenzanforderungen erfüllen. Der Einsatz setzt eine Basisqualifizierung voraus, ergänzt durch eine spezialisierte Zusatzqualifizierung für die Kommunikation mit medizinischem Fachpersonal und die besonderen Anforderungen des Settings. Erst nach einer zweiten Abfrage haben sich 15 freiwillige Dolmetschende innerhalb des Karlsruher Dolmetscherpools bereit erklärt, hierzu im Februar 2025 eine 2-tägige Schulung absolvieren. Da der Einsatz von ehrenamtlichen Dolmetschenden im Gesundheitsbereich begrenzt und umstritten ist, wird dieser Bereich im ersten Jahr eng begleitet und evaluiert werden. Dolmetschende bei Behörden Seit 2022 ist der Einsatz von Dolmetschenden bei Behördengängen deutlich gestiegen. Bisher sind diese Einsätze im Rahmen der Ukraine-Hilfe sehr umfangreich und aufwendig. Um Neuzugewanderte, Geflüchtete und ausländische Fachkräfte gezielter zu unterstützen, sollen in Kooperation mit Behörden Weiterbildungskonzepte entwickelt werden, die spezifisches Behördenwissen vermitteln. Dies fördert das Verständnis für behördliche Abläufe, entlastet städtische Einrichtungen und befähigt Neuzugewanderte, eigenständig mit Behörden zu agieren, indem sprachliche, kulturelle und bürokratische Barrieren abgebaut werden. Dolmetschende Begleitung Kitas Die Dolmetschereinsätze an Schulen und Kitas spielen eine bedeutende Rolle bei der Unterstützung von Familien und Kindern, die eine andere Sprache sprechen. Diese ehrenamtlichen Dienstleistungen helfen, Kommunikationsbarrieren zu überwinden und sicherzustellen, dass alle Eltern, unabhängig von ihrer Sprachkompetenz, aktiv am Bildungsprozess ihrer Kinder teilnehmen können. Ehrenamtliche Dolmetschende tragen dazu bei, dass Eltern Zugang zu relevanten Informationen haben, die notwendig sind, um ihre Kinder bestmöglich zu unterstützen und ihre Bildungschancen zu verbessern. Aufgrund der bislang geringen Nutzung durch Kindertagesstätten soll das Angebot besonders am Übergang zur Schule bei entsprechendem Bedarf ausgebaut werden. Sprachliche Verständigung ist ein bedeutender Faktor für das Gelingen von Teilhabe in einer Einwanderungsgesellschaft. Der Karlsruher Dolmetscherpool leistet daher seit Jahren einen wichtigen strukturellen Beitrag zur Integration und hat sich zu einer zentralen Anlaufstelle für Sprachmittlung in der Stadt entwickelt. Dabei gewährleistet der Träger IB die Einhaltung von Qualitätsstandards durch Schulungen und Supervision einerseits, die Bezahlung einer Aufwandsentschädigung, Koordination und Prüfung von Dolmetschereinsätzen andererseits. Von 2022 bis 2024 wurden die Einsätze aufgrund der Aufnahme von Geflüchteten aus der Ukraine erheblich ausgeweitet. Insbesondere im Ordnungsamt (Bürgerbüro) und in der Ausländerbehörde leisteten sie einen entscheidenden Beitrag, um Geflüchteten einen schnellen Zugang zu Beratungs- und Sozialleistungen zu ermöglichen. Der Karlsruher Dolmetscherpool ist landesweit führend bei der Anzahl der Einsätze, während er bei der Anzahl der Dolmetschenden im Mittelfeld liegt. Dies verdeutlicht den außergewöhnlichen Einsatz und die hohe Belastung der ehrenamtlich Tätigen in Karlsruhe, was eine angemessene Anpassung der Einsatzpauschale besonders notwendig macht. Die Einsätze sind zunehmend arbeits- und zeit- intensiver geworden, weshalb es einer Anpassung der Pauschale nach 10 Jahren dringend bedarf. Die Pauschale soll von 15 Euro auf 20 Euro pro Einsatz erhöht werden. Diese Anhebung bleibt im Rahmen der bestehenden Zuschusshöhe und orientiert sich an den Vergütungsmodellen anderer Kommunen. 20 Euro pro Einsatz entspricht unter anderem der Pauschale des Landkreises Karlsruhe. Die Anpassung der Pauschale für ehrenamtliche Dolmetschereinsätze ist aus mehreren Gründen notwendig und gerechtfertigt: – 5 – 1. Anerkennung der Qualifikation und des Aufwands: Dolmetschen erfordert ein hohes Maß an sprachlicher Kompetenz, kulturellem Verständnis und mentaler Konzentration. Die aktuelle Pauschale spiegelt den Aufwand, der mit diesen Einsätzen verbunden ist, nicht mehr angemessen wider. Eine Anpassung drückt zudem die Wertschätzung für diese anspruchsvolle Arbeit aus. 2. Wettbewerbsfähigkeit im Ehrenamtssektor: Nach Rücksprache mit dem Büro für Mitwirkung und Engagement der Stadt Karlsruhe sind Kommunen zunehmend auf die Tätigkeiten ehrenamtlicher Personen angewiesen. Hierdurch erhöhen sich die Anforderungen an und der Aufwand für ein Ehrenamt. In Kombination mit steigenden Lebenshaltungskosten ist die Anpassung der Entschädigung ein wichtiger Bestandteil struktureller Wertschätzung, um das Engagement auch langfristig zu sichern. 3. Stärkung des sozialen Zusammenhalts: Dolmetschende leisten einen unverzichtbaren Beitrag zur Integration und zum Abbau von Sprachbarrieren. Eine angemessene Einsatzpauschale kann die Bereitschaft fördern, sich in diesem Bereich neu beziehungsweise dauerhaft zu engagieren, und damit die interkulturelle Kommunikation sowie den gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken. Die Erhöhung der Dolmetscherpauschale stellt die Weiterentwicklung sicher. Durch die Erhöhung der Pauschale wird ein wichtiger Schritt unternommen, um die ehrenamtliche Arbeit in diesem sensiblen sowie komplexen Bereich zu würdigen und langfristig zu sichern. Die dargestellte Weiterentwicklung des Dolmetscherpools, entsprechend eines Antrags von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN aus dem Jahr 2021, ist nur durch den Erhalt und kontinuierlichen Gewinn neuer ehrenamtlicher Dolmetschender möglich. Hierzu trägt eine Erhöhung der Einsatzpauschale bei. Künftig wird eine potenzielle Anpassung im Zweijahresrhythmus überprüft. Erläuterungen zu finanziellen Auswirkungen Die Erhöhung der Einsatzpauschale erfolgt im Rahmen der bestehenden Zuschusshöhe.