Stadtwald: Rückblick 2023, Situation 2024 und Planung 2025
| Vorlage: | 2024/1221 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 29.10.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Forstamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Oberreut |
Beratungen
- Ausschuss für öffentliche Einrichtungen (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 28.01.2025
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/1221 Verantwortlich: Dez. 5 Dienststelle: Forstamt Stadtwald: Rückblick 2023, Situation 2024 und Planung 2025 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 28.01.2025 1 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Die Bedeutung des Stadtwaldes für Artenschutz, Biodiversität, Wasserhaushalt und Stadtklima nimmt kontinuierlich zu. Mit der Anpassung der Waldbestände an die klimatischen Veränderungen durch Einbringung klimastabiler Mischbaumarten wird eine Annäherung an naturnahe Waldgesellschaften ermöglicht. Ziel ist, einen langfristig resilienten und klimastabilen Stadtwald zu entwickeln. Je nach Witterung und Entwicklung der Bestände muss das Forstamt flexibel reagieren und geplante Maßnahmen zugunsten des Schadensmanagements und notwendiger Verkehrssicherungsaufgaben zurückstellen. Der damit verbundene Zeitaufwand ist um ein Vielfaches höher, als bei planmäßigen, räumlich zentrierten Holzerntemaßnahmen. Zusätzliche Investitionen sind darüber hinaus für die Anpassung und Instandsetzung der Infrastruktur und Erholungseinrichtungen im Wald sowie der systematischen Anpassung des Stadtwaldes hin zu einem klimastabilen Zukunftswald notwendig. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☐ Ja ☒ Korridorthema: Grüne Stadt Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Folgen der klimatischen Veränderung für den Wald Die natürlichen Waldgesellschaften kommen mit der sich rasant verändernden Umwelt immer schlechter zurecht. Der Klimawandel überfordert die Bäume, weil sich Temperatur und Wasserverfügbarkeit sehr schnell verändern und Bäume sich aufgrund ihrer langen Lebenszeit nicht dem Tempo der klimatischen Veränderungen anpassen können. Im Mittelmeerraum gibt es Analogregionen, wie z.B. Gegenden in Südeuropa, in denen heute schon Klimabedingungen herrschen, die bei uns noch kommen werden. Die Baumarten, die in Analogregionen vital sind, geben Hinweise auf die zukünftige Waldentwicklung bei uns. Wenn unsere Wälder aus Fichte, Kiefer, Buche und vielen weiteren Baumarten unter den veränderten klimatischen Bedingungen nicht mehr erhalten werden können, kann die Pflanzung neuer Baumarten sinnvoll sein, um langfristig stabile, naturnahe Waldökosysteme auszubilden. Wegen der Langfristigkeit der Wirkung ist es wichtig, bereits heute zu handeln, damit der Wald auch in Zukunft die vielfältigen gesellschaftlichen Ansprüche an ihn, wie Erhalt der Biodiversität, Wasserrückhalt, Kühlung an Hitzetagen, Sicherung einer guten Trinkwasserqualität und nicht zuletzt besonders bei uns im urbanen Raum, die Erholungsnutzung, erfüllen kann. Die Vielzahl an Ökosystemdienstleistungen kann nur durch vitale, intakte und langfristig klimastabile Wälder erfüllt werden. Natur-, Biotop- und Artenschutz im Stadtwald Bereits seit langer Zeit werden in Karlsruhe Waldschutz und naturnahe, nachhaltige Waldentwicklung kombiniert. Dies erfolgt durch die Mehrung von arten- und strukturreichen Mischwäldern, die heute schon den überwiegenden Teil des Stadtwaldes ausmachen. Außerdem wird bei der Waldentwicklung auf standort- und klimaangepasste Baumarten und dort, wo es möglich ist, auch auf eine natürliche Verjüngung der Bestände gesetzt. Bäume werden einzeln und bodenschonend entnommen (Dauerwaldbewirtschaftung). Zudem verbleiben besondere, alte Bäume und Totholz im Bestand, denn alt- und totholzreiche Bestände sind Herbergen der Biodiversität: Von den mehr als 10.000 im Wald vermuteten Tier-, Pflanzen- und Pilzarten ist rund ein Drittel auf Alt- und Totholz angewiesen – als Nahrungsquelle, Wohn- und Brutstätte. Gezielt entwickelte Waldränder und die Pflege der Säume entlang von Wegen sowie die Umsetzung gemeinsam entwickelter Konzepte mit anderen Ämtern und Verbänden zum Erhalt zum Beispiel des Heldbocks in absterbenden Eichen sowie die langfristige Sicherstellung geeigneter zukünftiger Habitatbäume sind weitere Beispiele der vielfältigen Aufgabengebiete und des Engagements des Forstamtes beim Erhalt und der gezielten Weiterentwicklung der Biodiversität in Karlsruhes Stadtwäldern. Holznutzung An die Stelle planbarer, bestandsweiser Holzerntemaßnahmen sind weiterhin überwiegend Gefahrbaumfällungen von Einzelbäumen gerückt. Bäume, die insbesondere entlang von Infrastruktureinrichtungen (Straßen, Bebauung, Eisenbahnlinien etc.) auf Grund ihres Zustandes und der gesetzlichen Verpflichtung entnommen werden müssen. In der Holzerntesaison 2023 lag der Anteil dieser zufälligen, unplanmäßigen Nutzungen, bei rund 60 Prozent der gesamten geernteten Holzmenge. Im Karlsruher Stadtwald wurden im Jahr 2023 rund 10.750 Festmeter Holz geerntet. Im Stadtwald beläuft sich die Erntemenge im Jahr 2023 auf 5,4 Kubikmeter pro Hektar, während im Durchschnitt 7,6 Kubikmeter Holz pro Hektar und Jahr nachwachsen. Holznutzungen im Stadtwald dienen vor allem der möglichst natürlichen Waldverjüngung (Dauerwald) und im Rahmen von Durchforstungen der Waldpflege, durch die die Kronen der Bäume so entwickelt werden, dass die Einzelbäume durch gut ausgeformte Kronen besonders klimastabil sind. Diese Pflegemaßnahmen sind auch entscheidend für den Erhalt wuchsunterlegener Misch-Baumarten und zur Förderung von Resilienz und Stabilität der jeweiligen Waldbestände. – 3 – Verkehrssicherung als zentrale Daueraufgabe Sprunghaft angestiegen ist die Zahl der kranken Bäume seit dem Extremwetterjahr 2018. Der statistisch betrachtet "normale" Sommer 2021 und das bisher durch im Durchschnitt normale Niederschläge geprägte Jahr 2024 hat kaum Entlastung gebracht. Die Folgen der extremen Wetterlage der vergangenen Jahre sorgte dafür, dass sich der Waldzustand in vielen Teilen massiv verschlechterte. Bedingt durch diese Vorschäden aus den Vorjahren bilden die Verkehrssicherungskontrollen und die Beseitigung von Gefährdungssituationen weiter einen großen Schwerpunkt bei den Betriebsarbeiten. Zusätzlich zu gezielten Holzerntemaßnahmen entlang von Straßen mit dem Ziel der Waldrandentwicklung und Verkehrssicherung wurden 778 weitere Verkehrssicherungsmaßnahmen im Jahr 2023 durchgeführt. Bei den Verkehrssicherungsarbeiten wird baumerhaltend vorgegangen. Kronenrückschnitte oder das Belassen von Stammteilen als „Ökotorso“ haben Vorrang vor einer Fällung des Baumes. Das bedeutet in der Regel einen deutlich höheren Aufwand, trägt jedoch dem Vorrang ökologischer Ziele im Stadtwald Rechnung. Sind Fragen des besonderen Artenschutzes von Belang, erfolgt eine Abstimmung mit dem Umwelt- und Arbeitsschutz und den Naturschutzbehörden. Weiterhin bleiben abseits der Wege, innerhalb des Waldes, die geschädigten und abgestorbenen Bäume stehen, weil Totholz eine sehr hohe Bedeutung für die Biodiversität besitzt. Das Betreten der Waldinnenflächen durch Erholungssuchende ist als Folge dieser waldtypischen Gefahren, wie zum Beispiel herabstürzende Äste oder umfallende Bäume deutlich risikoreicher geworden. Insbesondere durch Wind und Starkregenereignisse können sich diese Gefahren weiter verstärken. Schilder an Waldeingängen weisen seit 2023 auf diese neuen Gefahren hin. Waldpädagogik und bürgerliches Engagement Die Waldpädagogik Karlsruhe wird mit den Projektpartnern Landesbetrieb Forst-BW, Landkreis Karlsruhe und Schutzgemeinschaft Deutscher Wald e. V. (SDW) durchgeführt. Das Wissen über die Zusammenhänge des Ökosystems Wald gaben die Waldpädagog*innen im Jahr 2023 bei ca. 900 Veranstaltungen an Schülerinnen und Schüler, Kindergärten, Familien und Bürger*innen weiter. Das Jahresmotto der Waldpädagogik für 2025 lautet „Wald und Wasser“. Darüber hinaus haben sich im Jahr 2023 bei 11 Veranstaltungen rund 560 Bürger*innen im Stadtwald engagiert und diesen zukunftsfit mitgestaltet, beispielsweise bei Baumpflanzaktionen. Personal und Personalentwicklung Im Jahr 2023 wurden eine neue Fachkraft für Verkehrssicherungsmaßnahmen, eine Wildtierbeauftragte und eine neue Verwaltungskraft eingestellt. Ende 2023 teilten sich die Mitarbeitenden im Team des Forstamtes insgesamt 29,87 Vollzeitstellen (ohne Auszubildende und Freiwilligendienstleistende). Der Anteil der Beamt*innen lag 2023 bei 4,75 und der Anteil der Beschäftigten nach TVöD bei 25,12 Vollzeitstellen. Im Jahr 2024 kam die neu geschaffene Stelle der Klimaanpassungs- und Risikomanager*in Wald hinzu. Zum aktuellen Zeitpunkt (Dezember 2024) läuft die Ausschreibung zur Besetzung der Stelle. Ausblick Das Forstamt der Stadt Karlsruhe muss weiter in der Lage sein, seine Aufgaben vollumfänglich wahrzunehmen. Dies gilt bei der aktuellen Waldschadenssituation besonders für die gesetzliche Verkehrssicherungspflicht. Zusätzliche Investitionen werden auch in den nächsten Jahren dringend für die Anpassung und Instandsetzung der Infrastruktur und Erholungseinrichtungen sowie der systematischen Anpassung des Stadtwaldes hin zu einem klimastabilen Zukunftswald benötigt. Darüber hinaus muss die Ausstattung, begonnen bei der Sicherheitsausrüstung der Forstwirte bis hin zur Maschinenausstattung, durch Forstspezialfahrzeuge ergänzt werden. Die Umsetzung der Investitionen sowie die Anschaffung der Ausrüstung hängen dabei in Umfang und Zeitraum von den zur Verfügung stehenden finanziellen Mitteln der kommenden Doppelhaushaltsplanungen ab. Die Anforderungen an den Forstbetrieb durch die klimatischen Veränderungen (z.B. Verkehrssicherung, klimastabile Waldentwicklung, Aufrechterhaltung der Erholungsfürsorge) sind erheblich. Nur durch eigenes, gut ausgebildetes – 4 – Fachpersonal sowie durch eine passende Personal-, Maschinen- und Gebäudeausstattung sind diese Herausforderungen zu stemmen.
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Bericht Forstamt Rückblick Entwicklung Holznutzung und davon zufällige Nutzungen 24.01.2025© Stadt Karlsruhe | Forstamt3 0 2.000 4.000 6.000 8.000 10.000 12.000 14.000 16.000 2008200920102011201220132014201520162017201820192020202120222023 Festmeter 21 16 15 5 4 3 3 2 Erholung Verkehrssicherung Kulturen Maschinen Holzernte Wege Aus-und Fortbildung Waldschutz Verschiedenes Bestandespflege Amtshilfe Öffentlichkeitsarbeit Nebennutzungen Jagd 24 2 2 2 1 24.01.2025© Stadt Karlsruhe | Forstamt4 Arbeitsschwerpunkte Forstwirte 24.01.2025© Stadt Karlsruhe | Forstamt5 Erhöhung der Baumartenvielfalt – Ergänzung der Naturverjüngung 8 5 5 5 4 4 4 Traubeneiche Stieleiche Roteiche Mehlbeere Elsbeere Speierling Winterlinde Flatterulme Schwarznuss Feldahorn Edelkastanie Wildbirne Wildapfel Vogelkirsche Lärche Rosskastanie 43 3 2 12 Forstamt Karlsruhe In Karlsruhe verwurzelt Naturnahe, nachhaltige Waldentwicklung 24.01.2025© Stadt Karlsruhe | Forstamt6
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Niederschrift Sitzung Ausschuss für öffentliche Einrichtungen 28.01.2025, 16:30 Uhr Öffentliche Sitzung Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzende: Bürgermeisterin Bettina Lisbach Punkt 1 der Tagesordnung: Stadtwald: Rückblick 2023, Situation 2024 und Planung 2025 Vorlage: 2024/1221 Informationsvorlage Die Vorsitzende ruft TOP 1 auf und erteilt Dr. Stefan Wilhelm als Leiter des Forstamtes das Wort. Dr. Stefan Wilhelm erläutert zu Beginn seiner Ausführungen das planmäßige Berichtswesen des Forstamtes im Ausschuss für öffentliche Einrichtungen, das sich aus dem gemeinsamen Waldbegang im Frühherbst und dem Bericht im Ausschuss in der zweiten Sitzung des je- weiligen Kalenderjahres zusammensetzt. Anschließend gibt er einen Rückblick auf das vergleichsweise feuchte und dennoch sehr warme Jahr 2024 und erläutert die Auswirkungen auf den Wald und die Kulturen. Außer- dem berichtet er, dass die Amphibienpopulation wieder zugenommen hat. Es folgt eine Er- klärung der geernteten Holzerntemengen und der klimawandelbedingten, ungeplanten umfangreichen zufälligen Nutzungen. Diese wirken sich unmittelbar auf den Tätigkeitsbe- reich der Forstwirte aus. Detailliert gibt Dr. Stefan Wilhelm einen Einblick in die Arbeitszeiterfassung der Forstwirte und deren Tätigkeitsschwerpunkte. Er erklärt die starke Verschiebung der Aktivitäten in den Bereich der Verkehrssicherung, der mittlerweile 24 % der gesamten Tätigkeiten aus- macht. Hierdurch fehlen Kapazitäten für die Waldpflege und die Anpassung des Waldes an die sich rasant verändernden klimatischen Rahmenbedingungen. Eine dauerhafte Fortset- zung dieses Trends könnte gravierende Auswirkungen auf die Stabilität und Biodiversität der Waldbestände haben. Herr Dr. Stefan Wilhelm beendet seine Präsentation mit einem Einblick in die in der aktuel- len Pflanzsaison geplanten Pflanzungen und einem Ausblick auf die geplanten Tätigkeits- schwerpunkte im Jahr 2025. – 2 – Die Vorsitzende gibt den Stadträtinnen und Stadträten die Gelegenheit, Fragen zu stellen und lässt zunächst diese sammeln. Stadträtin Adina Geißinger (Volt) spricht ihren Dank für den Vortrag und die geleistete Ar- beit im Forstamt aus. Sie erkundigt sich nach den Nettobaumverlusten im Stadtwald und möchte wissen, inwiefern bei der Auswahl der Baumarten auf mögliche Allergieprobleme geachtet wird. Stadträtin Dr. Rahsan Dogan (CDU) dankt dem Team des Forstamtes für die geleistete Ar- beit. Sie erinnert an die dramatische Situation des Stadtwaldes in Oberreut, erkundigt sich nach dem Zustand dieses Waldgebietes und möchte wissen, ob dessen Entwicklung aktuell in die richtige Richtung führt. In die Arbeit des Forstamtes setzt sie vollstes Vertrauen. Stadträtin Dr. Sonja Klingert (GRÜNE) dankt dem Team des Forstamtes und betont, dass der Begriff der Nachhaltigkeit aus dem Bereich der Forstwirtschaft stammt. Sie begrüßt, dass weniger Holz entnommen wird als nachwächst. 60 Prozent des eingeschlagenen Hol- zes stammen aus dem Bereich Verkehrssicherung; die Stadträtin möchte wissen, wie es zu den restlichen 40 Prozent kommt und worauf sich die Verkehrssicherungspflicht genau be- zieht. Hinsichtlich der an den Waldeingängen aufgestellten Gefahrenschilder möchte sie wissen, welche Bedeutung diese für Waldspaziergänger*innen und besonders für Kinder haben. Zusätzlich stellt sie die Frage, ob das Forstamt in der Lage ist, den Aufgaben mit dem vor- handenen Personal nachzukommen und welche der drei Waldfunktionen Erholungs-, Schutz- und Nutzfunktion durch den Klimawandel am ehesten gefährdet sind. Stadtrat Thomas H. Hock (FDP/FW) drückt ebenfalls seinen Dank für die geleistete Arbeit aus, verdeutlicht, dass die Verkehrssicherung zum Arbeitsschwerpunkt geworden ist und erkennt eine deutliche Verschiebung bei den Aufgaben, die auch vom Gemeinderat gese- hen werden muss. Er stellt die Frage, ob die Aufgaben mit dem vorhandenen Personal wahrgenommen werden können und wie dies Berücksichtigung in den anstehenden Haus- haltsplanungen finden kann. Dr. Stefan Wilhelm nimmt zu den gestellten Fragen und Anmerkungen wie folgt Stellung: Die Frage, wieviel Holz im Stadtwald entnommen werden darf, ist in einer zehnjährigen Planung, der Forsteinrichtung, festgehalten, die durch einen Gemeinderatsbeschluss ange- nommen wurde. Der Stichtag der nächsten Forsteinrichtung ist der 01.01.2028; nach fünf Jahren findet jeweils eine Zwischenrevision statt. Die Holzernte wurde seit 2019 deutlich reduziert und liegt unter dem Zuwachs. Es bleibt das erklärte Ziel, den Wald zu erhalten und klimastabil weiter zu entwickeln. Hinsichtlich der Waldfunktionen führt Dr. Stefan Wilhelm aus, dass auch weiterhin Ökolo- gie und Erholung an erster Stelle stehen werden, wie dies auch ein Urteil des Bundesverfas- sungsgerichts von 1990 für den öffentlichen Wald festlegt. Dennoch ist die Holzernte für die Pflege der Bestände sehr wichtig, da durch Eingriffe in das Konkurrenzgefüge die Baumartenverhältnisse gesteuert werden. Der Anteil der planmäßigen Nutzungen wird stets an die nicht steuerbare Höhe der zufälligen Nutzungen angepasst. Bei der Auswahl geeigneter Baumarten wird auf Klimastabilität und auf Eignung unter sich verändernden Bedingungen Wert gelegt. – 3 – Herr Dr. Stefan Wilhelm führt aus, dass auch im Oberreuter Wald der Klimawandel nicht aufzuhalten ist. Entstandene Lücken werden mit kleinen Trupps mit wenigen klimastabilen Baumarten angereichert. Dieses kleinflächige Vorgehen ermöglicht es, die Waldentwick- lung zu steuern und die Ressourcen gezielt einzusetzen. Anhand des aktuell laufenden Wiederbesetzungsprozesses für drei freie Stellen für Forst- wirt*innen erläutert Herr Dr. Stefan Wilhelm die Herausforderungen bei der Personalge- winnung und beim Personaleinsatz vor dem Hintergrund der bereits vorhandenen Ressour- ceneinsatz im Forstamt. Aktuell sind nur wenige geeignete Bewerbungen eingegangen und der Stellenmarkt scheint weitgehend leer zu sein. Die Personalgewinnung ist für das Forst- amt sehr wichtig. Bei der Besetzung der Stellen wird neben der fachlichen Qualifikation auch die soziale Komponente sowie die Teamfähigkeit berücksichtigt. Es bleibt das erklärte Ziel, einen hohen Anteil der Kernaufgaben mit eigenem Personal durchzuführen. Dazu wird jedoch eine zeitgemäße Ausstattung mit Ressourcen und Maschinen benötigt. Der Bereich Verkehrssicherung wurde im Forstamt seit dem Todesfall durch einen Baum- sturz im Jahr 2023 auf ein sehr professionelles Niveau bei einer gleichzeitigen hohen Effizi- enz gehoben. Zudem wurde im Auftrag des Oberbürgermeisters, ein gemeinsames Projekt aller Ämter mit Verantwortung für Bäume gestartet, in dessen Rahmen detailliert der zu- sätzliche Bedarf an Ressourcen ermittelt wird. Die Vorsitzende dankt Herr Dr. Wilhelm für die Ausführungen und betont ebenfalls die Be- deutung der ämterübergreifenden Arbeitsgruppe zum Thema Verkehrssicherung. Mittel- fristig werden hier auch weitere Diskussionen über die Ressourcenausstattung geführt wer- den. Aufgrund weiterer Wortmeldungen wird eine zweite Fragerunde durchgeführt. Stadtrat Andreas Kehrle (CDU) erkundigt sich, ob im Bereich der Verkehrssicherungspflicht gesetzliche Vorschriften geändert wurden oder wodurch sich der deutlich höhere Aufwand begründet. Stadträtin Dr. Sonja Klingert (GRÜNE) möchte wissen, was es mit dem Betretungsverbot für Waldinnenflächen speziell für Kindergärten auf sich hat. Stadtrat Ivo Dujmović (GRÜNE) erinnert an die Frage nach der Berücksichtigung von Aller- genen bei der Baumartenwahl. Zudem möchte er wissen, ob im Stadtwald Zonen ausgewiesen wurden, um zu prüfen was passiert, wenn der Wald sich selbst überlassen wird. Herr Dr. Stefan Wilhelm betont, dass die gesetzlichen Rahmenbedingungen für die Ver- kehrssicherungspflicht unverändert sind. Diese Pflicht besteht hauptsächlich an Bebauung, Straßen und Verkehrslinien. Die notwendige Abstimmung mit Betreibenden, z. B. von Hochspannungs- und Bahnlinien sowie dem Regierungspräsidium (höhere Naturschutzbe- hörde) sind zudem deutlich komplexer geworden. Extreme Trocken- und/ oder Hitzejahre, die früher als Einzelereignisse selten auftraten, sind nun regelmäßig zu beobachten. Als Folge sind die Bäume deutlich geschwächt und sterben vermehrt ab. – 4 – Hinsichtlich der Waldeingangsschilder führt Herr Dr. Stefan Wilhelm aus, dass die Bürgerin- nen und Bürger heute deutlich schlechter über die Medien zu erreichen sind als früher und viele die Gefahren des Waldes nicht mehr richtig einschätzen können. Nach wie vor exis- tiert ein freies Betretungsrecht des Waldes gemäß Landeswaldgesetz und die Waldbesu- chenden sind im Stadtwald willkommen. Das Risiko hat jedoch durch die klimatischen Ver- änderungen deutlich zugenommen und darauf sollen die Schilder die Waldbesuchenden hinweisen. Besonders bei Wind- und Starkregenereignissen steigt das Risiko durch herab- fallende Äste, Kronenteilen oder umstürzenden Bäumen stark an. Zum speziellen Fall der Kindergärten erläutert Herr Dr. Stefan Wilhelm, dass alle Kindergär- ten angeschrieben wurden, da sich Gruppen zum Teil ohne deren Wissen in gefährlichen Bestandsbereichen aufgehalten haben, in denen viele Totäste in den Baumkronen vorhan- den sind. Da sich bei der Beratung vor Ort nicht alle Kindergärten einsichtig zeigten, wurde ein Nutzungsverbot lediglich für dauerhaft genutzte, feste Waldorte ausgesprochen, die nicht auf offensichtliche Gefahren für die Kinder kontrolliert werden. Das Forstamt bietet weiterhin Individuallösungen an, wie sie bereits mit einigen Kindergärten vereinbart wer- den konnten. Die komplexe Frage der Wahl klimageeigneter Baumarten wird vom Forstamt nicht nur an- hand der eigentlichen Baumarteneignung für den jeweiligen Standort, sondern auch durch Vielfalt, Mischung und Struktur gelöst. Laut Dr. Stefan Wilhelm sind gemäß den Baumar- teneignungskarten der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt Baden-Württemberg immer mehr der heutigen Hauptbaumarten zunehmend ungeeignet für die Ober- rheinebene. Das erklärte Ziel bleibt dabei die Klimastabilität der Wälder und die möglichst lange Aufrechterhaltung einer stabilen Waldstruktur. Die Frage nach den Allergenen spielt hierbei bei der vergleichsweisen geringen Anzahl geeigneter Baumarten eine untergeord- nete Rolle. Waldbereiche, die sich selbst überlassen werden, um beispielsweise den Totholzanteil zu erhöhen, finden sich auch im Stadtwald. So gibt es mit dem Bannwald, den Waldrefugien, den Habitatbaumgruppen, den Habitatbäumen sowie dem Schonwald einige Flächen, die aus der regulären forstlichen Nutzung genommen wurden. Herr Dr. Stefan Wilhelm erläu- tert zudem die neu für den Stadtwald Karlsruhe entwickelte Kategorie der Übergangswäl- der. In diesen Waldbereichen finden sich viele alte, absterbende Bäume, die temporär sich selbst überlassen werden, um natürliche Alterungs- und Zersetzungsprozesse zu unterstüt- zen. Aufgrund der ökologischen Wertigkeit und aus Gründen der Arbeitssicherheit finden in diesen Bereichen bis auf Weiteres keine Eingriffe statt. Sobald die alten Bäume zusam- menbrechen, werden die natürlich entstandenen Lücken mit klimastabilen Baumarten be- pflanzt, sofern sich dort keine geeignete natürliche Verjüngung einstellt. Die Vorsitzende dankt dem Team aus dem Forstamt ebenfalls für die geleistete Arbeit. Sie betont die Bedeutung der Verkehrssicherung und sichert zu, in diesem Bereich auch mittel- fristig über die Personalausstattung zu sprechen. Zudem appelliert sie, die Hinweisschilder und die Warnungen ernst zu nehmen, da die Ge- fahren deutlich zugenommen haben. gez. Bettina Lisbach gez. Dr. Stefan Wilhelm, Forstamt Bürgermeisterin und Andreas Ott, Protokollführer – 5 –