dwif Bericht Hotelmarktanalyse Karlsruhe

Vorlage: 2024/1207
Art: Informationsvorlage
Datum: 24.10.2024
Letzte Änderung: 03.03.2025
Unter Leitung von: Amt für Stadtentwicklung
Erwähnte Stadtteile: Daxlanden, Durlach, Grötzingen, Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Knielingen, Mühlburg, Neureut, Oststadt, Palmbach, Rüppurr, Südstadt, Südweststadt, Weststadt

Beratungen

  • Gemeinderat (öffentlich/nicht öffentlich)

    Datum: 17.12.2024

    TOP: 18

    Rolle: Kenntnisnahme

    Ergebnis: Kenntnisnahme

Zusätzliche Dateien

  • Informationsvorlage
    Extrahierter Text

    Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/1207 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: AfSta Hotelgutachten 2024 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Ausschuss für Wirtschaft und Wissenschaft 29.11.2024 6 N Kenntnisnahme Gemeinderat 17.12.2024 18 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Im Auftrag der Stadt Karlsruhe hat die dwif-Consulting GmbH ein Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe erstellt. Die 2016 identifizierten Bedarfe konnten zwischenzeitlich abgedeckt werden. Auf Basis der faktischen Analyse, das heißt der quantitativen Betrachtung von Angebot und Nachfrage, sieht die dwif-Consulting GmbH aktuell sowie kurz- bis mittelfristig keinen Bedarf an weiteren Übernachtungskapazitäten im Hotelsegment am Standort Karlsruhe. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen 1. Anlass Bereits 2016 wurde durch die ghh consult GmbH ein Hotel-Gutachten für den Standort Karlsruhe erstellt, welches Bedarfe identifiziert hat. Seither fanden unterschiedliche Entwicklungen statt (Corona- Pandemie, Zu- und Abgänge auf dem Hotelmarkt etc.), die Einfluss auf den Hotelmarkt genommen haben. Damit stand die Frage im Raum, ob die im Jahr 2016 festgestellten faktischen beziehungsweise quantitativen und strukturellen Bedarfe in Karlsruhe nach wie vor Bestand haben. Aus diesem Grund hat die Stadt Karlsruhe die dwif-Consulting GmbH beauftragt, ein Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe zu erstellen. Ziel ist die Aufbereitung des aktuellen Ist-Zustands und daraus die Ableitungen von Handlungsempfehlungen bis 2035. 2. Rahmenbedingungen Die dwif-Consulting GmbH bescheinigt der Stadt Karlsruhe insgesamt sehr gute Rahmenbedingungen als Hotelstandort. Die Nachfrage nach Übernachtungsmöglichkeiten ist in Karlsruhe zu überdurchschnittlichem Maße vom Segment der Geschäftsreisenden geprägt. Ihr Anteil an allen Gästen liegt im Durchschnitt bei 75 % bis 80 %. Gerade für dieses Segment sind Angebote zur Kurzzeitvermietung keine nennenswerte Konkurrenz. Das nun vorliegende Gutachten geht erst in 2025 von einer vollständigen Erholung des Geschäftsreisesegments aus, da sich dieses nach den Nachfrageeinbrüchen durch die Corona-Krise nicht so dynamisch erholt, wie die touristisch motivierte Übernachtungsnachfrage. Dennoch bewegten sich sowohl Übernachtungen als auch Ankünfte in Karlsruhe im ersten Halbjahr 2024 deutlich über den vorpandemischen ersten Halbjahren 2018 und 2019. So konnten in den Monaten Januar bis Juni 2024 nach vorläufigen Daten des Statistischen Landesamtes Baden- Württemberg 347.008 Ankünfte (+22% gegenüber 2023) und 608.170 Übernachtungen (+18% gegenüber 2023) verbucht werden. 3. Analyse Das vorliegende Gutachten untersucht den Hotelstandort Karlsruhe auf zwei Ebenen: 1.) faktische sowie 2.) strukturelle Bedarfe. Während sich faktische Angebotsengpässe auf Basis der Zahlen, Daten und Fakten zur Angebots- und Nachfrageentwicklung ableiten lassen, entstehen strukturelle Angebotsengpässe, wenn bestimmte Zielgruppen aufgrund von fehlenden Hotelkonzepten nicht angesprochen werden oder die bestehenden Angebotsstrukturen nicht den Erwartungen der Gäste entsprechen. 1.) Auf Basis der faktischen Analyse und der berechneten Prognose der Nachfrageentwicklung bis ins Jahr 2035 stellt die dwif-Consulting GmbH aktuell sowie mittelfristig keinen weiteren Bedarf an Übernachtungskapazitäten am Standort Karlsruhe fest. Im realistischen Szenario der Prognose ergibt sich für das Jahr 2035 ein Volumen von 1.482.089 Übernachtungen bei 818.833 Gästeankünften. 2.) Die strukturelle Hotelmarktanalyse verdeutlicht, dass unter Berücksichtigung der dynamischen Entwicklung in den Jahren 2023 und 2024 ein Großteil der im Jahr 2016 konstatierten Defizite behoben wurden. Insbesondere die Markendurchdringung und die durchschnittliche Betriebsgröße sind erkennbar angestiegen. Gleichzeitig zeigen die Begehungen der Bestandsbetriebe sowie die Auswertung von Online-Gäste-Bewertungen, dass die Gesamtqualität des Hotelmarkts in Karlsruhe seit der letzten Beurteilung im Jahr 2016 gestiegen ist, wobei punktuell weiterhin die Notwendigkeit besteht, Investitionen und Modernisierungen im Bestand durchzuführen. Eine Fortschreibung des im Juni 2021 veröffentlichten Gutachtens zur Kurzzeitvermietung war im Rahmen dieses Hotelgutachtens nicht vorgesehen. Im Vergleich der erfassten Einheiten ist von 2020 bis 2023 tendenziell eine Zunahme zu erkennen. Dies stellt jedoch keine substantielle Konkurrenzsituation dar, da professionelle Hotelbetriebe vordergründig mit anderen Hotels im Wettbewerb stehen, welche ähnliche Strukturen und eine ähnliche Leistungsfähigkeit aufweisen. – 3 – 4. Fazit Trotz der Feststellung in der faktischen Analyse, dass quantitativ betrachtet kurz- bis mittelfristig kein weiterer Bedarf an Übernachtungskapazitäten gegeben ist, attestiert das nun vorliegende Gutachten der Hotellandschaft in Karlsruhe einen theoretischen strukturellen Bedarf für ein günstiges Hotelangebot (Hostel, Jugendherberge) sowie für Hotels mit Wellness-/Day-Spa-Angeboten. Das Gutachterbüro empfiehlt eine Schließung der strukturellen Angebotslücken durch eine Ausdifferenzierung der Bestandshotellerie, ohne dabei die Übernachtungskapazitäten weiter zu erhöhen. Aufgrund des tendenziell homogenen Angebots in Karlsruhe können sich bestehende Betriebe durch Profilschärfungen vom Wettbewerb und damit etwas vom Preisdruck abheben.

  • Anlage dwif Bericht Hotelmarktanalyse Karlsruhe
    Extrahierter Text

    Bericht GUTACHTEN ZUR ANALYSE DES HOTELSTANDORTS KARLSRUHE Bild: Paul Gärtner @visitkarlsruhe dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 2 GUTACHTEN ZUR ANALYSE DES HOTEL- STANDORTS KARLSRUHE Ihre Ansprechpartner*innen HEIKO RAINER DAJANA ROSENKRANZ Geschäftsführer und Leiter Infrastrukturentwicklung und Betriebsberatung h.rainer@dwif.de Tel. +49(0)89/ 2370 289-22 Senior Consultant Infrastrukturentwicklung und Betriebsberatung d.rosenkranz@dwif.de Tel. +49(0)30 / 757 949-32 dwif-Consulting GmbH Marienstr. 19/20, 10117 Berlin Sonnenstr. 27, 80331 München www.dwif.de dwif-Consulting GmbH München/Berlin, den 11. September 2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 3 INHALT I. EXECUTIVE SUMMARY ............................................................................................................... - 5 - II. AUSGANGSSITUATION & AUFGABENSTELLUNG ........................................................ - 11 - III. TRENDS & ENTWICKLUNGEN AUF DEM DEUTSCHEN HOTELMARKT ......... - 14 - 1. Allgemeine Trends und Entwicklungen .......................................................................... - 14 - 1.1 Globalisierung................................................................................................................. - 15 - 1.2 Demographischer Wandel ........................................................................................ - 15 - 1.3 Individualisierung und Erlebnisorientierung .................................................... - 17 - 1.4 Nachhaltigkeit................................................................................................................. - 17 - 1.5 Digitalisierung ................................................................................................................ - 18 - 1.6 Arbeitskräftemangel und Qualitätssicherung ................................................. - 20 - 2. Marktentwicklung auf Basis eines langjährigen Angebots- und Nachfragemonitorings in Deutschland ........................................................................... - 21 - 3. Relevante Hotelkonzepte ..................................................................................................... - 23 - 3.1 Budgethotels ................................................................................................................... - 23 - 3.2 Long-Stay/Boardinghäuser ...................................................................................... - 24 - 3.3 Themenspezifische Hotels/Hotels mit Positionierung ................................ - 26 - 3.4 Wellnesshotels ............................................................................................................... - 27 - 3.5 Geschäftsreise- und Tagungshotels ..................................................................... - 28 - 3.6 Luxushotels ...................................................................................................................... - 30 - 4. Fazit Trends und Entwicklungen ....................................................................................... - 31 - IV. ALLGEMEINE STANDORTINFORMATIONEN FÜR DEN HOTELSTANDORT KARLSRUHE ................................................................................................................................... - 34 - 1. Informationen zum Makrostandort Karlsruhe ............................................................ - 34 - 2. Wirtschafts- und Tourismusstandort Karlsruhe ........................................................ - 35 - 2.1 Wirtschaftsstandort Karlsruhe .............................................................................. - 35 - 2.2 Bildung und Forschung ............................................................................................... - 37 - 2.3 Messe- und MICE-Standort Karlsruhe ............................................................... - 38 - 2.4 Tourismusstandort Karlsruhe ................................................................................. - 39 - 2.5 Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Gastgewerbe ............................. - 43 - 3. Das Geschäftsreisesegment als primärer Nachfragegenerator ......................... - 44 - 4. Fazit Standortbewertung ...................................................................................................... - 45 - V. HOTELMARKTANALYSE .......................................................................................................... - 46 - 1. Faktische Hotelmarktanalyse ............................................................................................. - 47 - 1.1 Angebot und Nachfrage auf dem gewerblichen Beherbergungsmarkt - 49 - 1.2 Angebot und Nachfrage in den Nachbargemeinden von Karlsruhe ...... - 59 - 1.3 Angebot und Nachfrage in der Hotellerie ......................................................... - 63 - 1.4 Markteintritte und Marktaustritte ....................................................................... - 70 - dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 4 1.5 Fazit faktische Hotelmarktanalyse ....................................................................... - 72 - 1.6 EXKURS: Kurzzeitvermietung ................................................................................ - 74 - 2. Strukturelle Hotelmarktanalyse ........................................................................................ - 77 - 2.1 Kapazitäten und Preis ................................................................................................. - 77 - 2.2 Qualität .............................................................................................................................. - 80 - 2.2.1 Klassifizierungs- und Zertifizierungssysteme ................................ - 81 - 2.2.2 Online-Bewertungen ................................................................................. - 83 - 2.2.3 Erkenntnisse aus den Hotelbegehungen ......................................... - 86 - 2.3 Positionierung ................................................................................................................ - 87 - 2.4 Markt- und Bedarfseinschätzung auf Basis der Fachgespräche ............. - 90 - 2.4.1 Allgemeine Entwicklung der Hotelnachfrage ................................. - 91 - 2.4.2 Bewertung des bestehenden Hotelangebotes .............................. - 91 - 2.4.3 Perspektivische Entwicklung der Nachfrage.................................. - 92 - 2.4.4 Einschätzung zum (zukünftigen) Hotelbedarf ............................... - 93 - 2.5 Fazit: Strukturelle Analyse ........................................................................................ - 93 - VI. PROGNOSE UND EMPFEHLUNGEN ZUM HOTELBEDARF KARLSRUHE ...... - 96 - 1. Faktischer Bedarf zum Jahresende 2024 ..................................................................... - 96 - 2. Struktureller Bedarf zum Jahresende 2024 ................................................................ - 99 - 3. Prognose der Angebots- und Nachfrageentwicklung im gewerblichen Beherbergungssektor in Karlsruhe ............................................................................... - 102 - 3.1 Realistisches Szenario .............................................................................................. - 102 - 3.2 Optimistisches Szenario ......................................................................................... - 103 - 3.3 Pessimistisches Szenario ........................................................................................ - 104 - 4. Was kann die Bestandshotellerie tun? ......................................................................... - 109 - 5. Fazit Prognose und Empfehlungen zum Hotelbedarf ........................................... - 111 - ANHANG ..................................................................................................................................................... - 112 - dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 5 I. EXECUTIVE SUMMARY Ausgangspunkt und Zielsetzung Im Jahr 2016 wurde bereits ein Hotelgutachten für den Standort Karlsruhe durch die ghh consult GmbH erstellt. Die Corona-Krise, die Jahre mit hohen Inflationsraten sowie mehrere Marktaus- und Markteintritte haben die Rahmenbedingungen für den Beherbergungsmarkt verändert. Aus diesem Grund wird nun ein neues Gutachten aufgesetzt, mit dem Ziel, den aktuellen IST-Stand auf- zubereiten und daraus Handlungsempfehlungen bis 2035 abzuleiten (vgl. Kap. II). Trends- und Entwicklungen Das Trendkapitel veranschaulicht, dass viele der bundesweiten Entwicklungen auch in Karlsruhe feststellbar sind. Die Marktdurchdringung der markengebundenen Betriebe steigt, die durch- schnittliche Betriebsgröße nimmt zu und Hotels garnis 1 sind auf Wachstumskurs. Zusätzlich lassen sich folgende Anforderungen an den Hotelmarkt auf Basis der Megatrends ableiten: Die Qualitäts- erwartungen der Gäste steigen, das Thema Positionierung und Alleinstellungsmerkmal sind zuneh- mend wichtige Erfolgsfaktoren, Betriebe müssen mehr auf Nachhaltigkeit setzen und der Wettbe- werb um Arbeitskräfte nimmt zu (vgl. Kap. III). Rahmenbedingungen und Standort Karlsruhe Die allgemeinen Rahmenbedingungen für den Hotelstandort Karlsruhe sind sehr gut. Die Ver- kehrsanbindung ist positiv und die Bedeutung als Wirtschafts-, Wissenschafts-, Messe- und Kon- gressstandortes weiterhin sehr hoch. Dementsprechend ist die Hotelnachfrage stark geprägt vom Geschäftsreisetourismus. Während der Corona-Krise waren Städte wie Karlsruhe mit hohem Ge- schäftsreiseanteil am stärksten von Nachfragerückgängen betroffen. Im Jahr 2023 lag das Ge- schäftsreiseniveau noch unter den Vor-Krisen-Werten. Erste Prognosen gehen erst im Jahr 2025 von einer vollständigen Erholung im Geschäftsreisesegment aus. Für den robusten Wirtschaftsstandort sprechen die nach der Krise wieder guten Werte auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten im Gastgewerbe ist seit dem letzten Hotelgutachten aus dem Jahr 2016 um 11,2% bei gleichzeitig allgemein geringer Arbeitslo- senquote angestiegen. Im Hotelgewerbe kam es während der Krise zu Abwanderungen der Mitar- beiter*innen in andere Branchen. Zuletzt hat sich die Branche etwas erholt und das Beschäfti- gungsniveau 2023 liegt weitgehend wieder auf dem 2019er Niveau (vgl. Kap. IV). __________________________________________________________________________________________________ 1 Hotels ohne Gastronomie (max. mit Frühstück). dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 6 Faktische und strukturelle Hotelmarktanalyse Der mögliche Hotelbedarf wird auf Basis faktischer und struktureller Analysen ermittelt. Faktische Angebotsengpässe lassen sich auf Basis der Zahlen, Daten und Fakten zur Angebots- und Nachfra- geentwicklung ableiten. Strukturelle Angebotsengpässe entstehen, wenn bestimmte Zielgruppen aufgrund von fehlenden Hotelkonzepten nicht angesprochen werden oder die bestehenden Ange- botsstrukturen nicht den Erwartungen der Gäste entsprechen. Neben der Aufbereitung der Daten einer Online-Recherche erfolgte parallel ein breit angelegter Beteiligungsprozess. Insgesamt fan- den 19 Fachgespräche mit unterschiedlichen Stakeholdern (Unternehmen, Institutionen/ Organi- sationen, Hotelbetreiber*innen), weitere Primärerhebungen bei den Hotelbetrieben sowie 50 Vor- Ort-Hotelbegehungen statt (vgl. Kap. V.2.4). Die faktische Analyse des Hotelgutachtens 2016 (ghh consult GmbH) zeigte ein positiv dynami- sches Umfeld. Im Vergleich zum damaligen betrachteten Zeitraum zwischen 2000 und 2015 stieg die Nachfrage (+98%) deutlich stärker als das Angebot (+45%) und die Bettenauslastung lag mit 47,5% über dem Landes- und Bundesdurchschnitt. Die Nachfrage, gemessen an Übernachtungs- zahlen, wuchs seit 2015 bis 2023 (+4,6%) deutlich geringer als vor 2015. Aufgrund der Corona- Einschränkungen in den Jahren 2020 bis 2022 hat sich zwischenzeitlich die Nachfrage stark redu- ziert. Durch den hohen Geschäftsreiseanteil war der Markt in Karlsruhe während der Corona-Pan- demie deutlich stärker als die Vergleichsstädte betroffen und die Nachfragekurve stieg langsamer wieder an. Im Jahr 2023 lag der Nachfragewert mit 1,15 Mio. Übernachtungen fast auf dem Niveau des letzten Normaljahres vor Corona. Seit 2015 gab es gleichzeitig Marktaustritte und zahlreiche neue Markteintritte. Insgesamt stieg das Angebot der Schlafgelegenheiten in Karlsruhe von 2015 bis 2023 um 23,1%. Während in den Vergleichsstädten – allen voran Mannheim (+53,8%) – seit 2015 über die Jahre verteilt zahlreiche neue Kapazitäten auf den Markt kamen, fand diese Entwicklung in Karlsruhe erst verstärkt ab dem Jahr 2023 statt. Das Wachstum bis 2022 betrug lediglich 2%. Bedingt durch die krisenabhängigen Nachfragerückgänge kombiniert mit den konzentrierten Hotelneueröffnungen sank die Bettenaus- lastung im gewerblichen Beherbergungsmarkt 2023 rund 7 Prozentpunkte unter das Niveau aus 2015 und rund 9 Prozentpunkte unter den Vor-Corona-Wert aus 2019. Der Hotelstandort Karls- ruhe verzeichnete somit im Vergleich zu anderen Städten einen überdurchschnittlich starken Rück- gang der Bettenauslastung 2 . Aus Bedarfssicht bleibt abzuwarten, wie der Markt die neuen Hotelka- pazitäten aufnimmt und ob sich die Auslastungswerte schrittweise wieder nach oben bewegen. Zu- sammenfassend lässt sich auf Basis der faktischen Analyse kein Bedarf für weitere Hotelansiedlun- gen ableiten (vgl. Kap. V.1.ff) __________________________________________________________________________________________________ 2 Welche Bettenauslastung aus betriebswirtschaftlicher Sicht notwendig und positiv ist, hängt von mehreren und betriebsspezifischen Faktoren ab. Unter anderem spielt dabei der Zimmerpreis, die Lage, die Kostenstrukturen und der Dienstleistungsgrad eines jeweili- gen Betriebes eine wichtige Rolle. Die Bewertung der durchschnittlichen Auslastung für den gesamten Markt basiert im Folgenden auf der gutachterlichen Beurteilung auf Basis jahrelanger Erfahrung. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 7 Die strukturelle Hotelmarktanalyse verdeutlicht, dass sich unter Berücksichtigung der neuen Hotelangebote bis zum Jahresende 2024 der Karlsruher Hotelmarkt positiv entwickelt hat. Unter anderem wurden mehrere der 2016 angesprochenen Defizite (u. a. Markendurchdringung, durch- schnittliche Betriebsgröße, Anteil Budgetbetriebe) behoben. Die Markendurchdringung, der Marktanteil größerer Betriebe und die durchschnittliche Betriebsgröße sind erkennbar angestie- gen. Die Markteintritte fanden vermehrt in der Innenstadt und die -austritte tendenziell am Stadt- rand/außerhalb der Stadt statt, weshalb der 2016 beschriebene qualitative Gap in der Innenstadt geschlossen wurde. Das analysierte Preisniveau ist tendenziell stabil, liegt aber jetzt leicht unter den Werten der Vergleichsstädte und der Landesebene. Die Herausforderungen bezogen auf die Preispolitik steigen, denn die Betriebe müssen aufgrund des höheren Wettbewerbs die Preise stär- ker den Nachfrageschwankungen anpassen (vgl. Kap. V.2.1). Die Online-Gäste-Bewertungen des Karlsruher Hotelmarktes fallen insgesamt gut aus. Die in den letzten Jahren getätigten Investitionen der Bestandshotellerie kombiniert mit zahlreichen neuen Hotelansiedlungen lassen die Gesamtqualität des Hotelmarktes steigen. Positiv hervorzuheben ist, dass die „Soft-Faktoren“ wie Freundlichkeit, Sauberkeit und Dienstleistungsbereitschaft sehr gut beurteilt werden. Etwas geringer bewertet ist tendenziell die Ausstattung. Punktuell besteht hier weiterhin die Notwendigkeit, Investitionen und Modernisierungen durchzuführen. (vgl. Kap. V.2.2). Die Analyse der Positionierung und Ausrichtung der Betriebe ist zum Teil herausfordernd. Unter anderem sind Hotelbetriebe wie Motel One und Premier Inn nicht DEHOGA-Sterne klassifiziert, und je nach Betrachtungsweise sowohl dem 2- als auch 3-Sterne-Segment zuzuordnen. 3 Insgesamt ist für die Hotelmarktstudie entscheidend, dass in allen Sternekategorien zwischen 2- bis 4-Sterne ein Angebotswachstum seit 2016 stattfand. Ein Großteil der Karlsruher Hotellerie weist gegen- über den Wettbewerbern keine klar feststellbaren Alleinstellungsmerkmale auf. Das liegt vor allem am hohen Anteil der Businessreisenden, weshalb viele Betriebe als klassische Businesshotels etab- liert sind. Aus struktureller Sicht besteht generell eine Lücke, fernab von klassischen Businessho- tels. In Karlsruhe bieten sich tendenziell Themenhotels, Hotels mit Day-Spa- und Wellnessangeboten sowie Low-Budget-Konzepte (z. B. Hostel, Jugendherberge) an. Zusätzlich besteht ein struktureller Bedarf an Tagungsangeboten mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Hieraus ergibt sich vor allem für die Bestandshotellerie eine Chance, durch gezielte und stufenweise Investitionen diese Lücken zu schließen und sich von den Wettbewerbern abzuheben. Zusammenfassend besteht auch auf Ba- sis der strukturellen Analyse kein zusätzlicher Bedarf für neue Beherbergungskapazitäten. Die im Rahmen der strukturellen Analyse identifizierten einzelnen Lücken sollten durch den Markt bzw. die Modifikation bestehender Angebote der Bestandsbetriebe sowie deren Positionierung gedeckt werden (vgl. Kap. V.2.3). __________________________________________________________________________________________________ 3 Zu Beginn des Markteintrittes war Motel One DEHOGA Sterne klassifiziert, als 2-Sterne-Superior Hotel. Viele Jahre war Motel One bei booking.com als 2-Sterne Betrieb gelistet, seit kurzem als 3-Sterne-Betrieb. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 8 Prognose und Empfehlungen zum Hotelmarkt Aus der faktischen Analyse sind folgende Aspekte besonders hervorzuheben (vgl. Kap. VI.1): • In Karlsruhe besteht aufgrund des komprimierten Angebotswachstums von mehr als 2.000 Betten innerhalb von zwei Jahren eine Sondersituation (vgl. Abb. 1). Die Betten- auslastung lag im Jahr 2023 (40,6%) deutlich unter den Vergleichswerten aus 2015 (47,4%) und 2019 (49,5%). Im ersten Halbjahr 2024 sank die Bettenauslastung auf 36,7% aber der aktuelle Year to date Wert (Januar bis September 2024) stieg zuletzt auf 38,7% an. • Auf Basis der Hotelbegehungen sehen die Gutachter*innen keine Anhaltspunkte für größere Marktaustritte in den nächsten Jahren. • Inklusive der anstehenden Markteintritte im Jahr 2024 sind im Hinblick auf die Ver- träglichkeitsbetrachtung (Bettendichte, Übernachtungsintensität) keine auffälligen Ab- weichungen bezogen auf die Vergleichsstädte erkennbar. • Aus Sicht des dwif gibt es kaum Anhaltspunkte für kurzfristig zu erwartende Nachfra- gesteigerungen. Neben einem gewissen Eigenakquisevolumen durch die neuen Be- triebe werden erst durch die Wiedereröffnung der Stadthalle Karlsruhe im Jahr 2026 spürbare Steigerungen erwartet. Abb. 1: Übersicht zum Angebotswachstum im Beherbergungsgewerbe in Karlsruhe Quelle: dwif 2024, Stadt Karlsruhe, Hotelbegehungen vor Ort zwischen August und Oktober 2023; BA = Bettenauslastung dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 9 Entsprechend der Ergebnisse der strukturellen Analyse bewertet das dwif den Hotelbedarf wie folgt (vgl. Kap. VI.2): • Die faktische Analyse zeigt ein hohes und komprimiertes Angebotswachstum. Aus Sicht der Quantität (Kapazitäten), der durchschnittlichen Betriebsgröße und der Ver- teilung der Kapazitäten auf private und markengebundene Hotels besteht kein Bedarf. • Durch die Neuansiedlungen besteht aktuell ein guter Mix aus Hotels in den unter- schiedlichen Preisklassen. Aus Sicht der Positionierung fällt das Angebot in Karlsruhe tendenziell homogen aus. Es bestehen leichte, theoretische strukturelle Lücken für ein Hostel/eine Jugendherberge, für Wellness- und Day-Spa-Angebote sowie für Tagungs- flächen im günstigen Bereich mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Aufgrund des kom- primierten Angebotszuwachses in den Jahren 2023 und 2024 (faktische Bedarfsana- lyse) empfehlen die Gutachter*innen eine Umsetzung durch den Markt bzw. die Be- standshotellerie und nicht durch die Etablierung neuer Hotelbetriebe. Tab. 1: Übersicht zur Bedarfsbewertung auf Basis der strukturellen Analyse Bewertung in Hinblick auf... Einschätzung dwif zum potenziellen Hotelbedarf Kapazitäten kein Bedarf Preis „theoretischer Bedarf“ im Low-Budget-Bereich, aber aufgrund des komprimierten Kapazitätszuwachses in 2023 bis 2024 kurz- bis mittelfristig nicht umsetzen Qualität (Sterne-Klassifizie- rung / Qualität – Online-Gäs- tebewertungen & Standort- begehungen) Sterne: kein Bedarf Bewertungen & Standortbegehungen: kein Bedarf neuer Kapazi- täten, punktueller Bedarf für Instandhaltung/Modernisierung bei bestehenden Betrieben Positionierung „theoretischer“ Bedarf für folgende Hotelkonzepte bzw. Ange- bote: Hostel, Wellness- und Day-Spa-Angebote, Tagungsflächen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, in der Praxis aber nur Um- setzung durch Bestandshotellerie empfohlen und kurz- bis mit- telfristig keine neuen Hotelbetriebe bzw. Kapazitäten umsetzen Quelle: dwif 2024 Auf Basis der Gesamtanalysen sowie unter Berücksichtigung zukünftiger, nachfragewirksamer Ver- änderungen erfolgte eine Szenario-Prognose-Rechnung der Angebots-, Nachfrage- und Auslas- tungsentwicklung in Karlsruhe. Zusammenfassend steigt in allen drei Varianten die Nachfrage über die Jahre hinweg bei weitgehend stabilem Angebot an. Im realistischen Szenario führen die hohen Kapazitätszuwächse in den ersten Jahren zu einer insgesamt geringeren Bettenauslastung. Im wei- teren Verlauf steigt die Bettenauslastung dann konstant an und liegt im Jahr 2035 bei 42,3%. Ein Blick auf die beiden weiteren Szenarien verdeutlich die Bandbreite der zu erwartenden Auslas- tungsentwicklung. Im Jahr 2024 liegt die Bettenauslastung zwischen 35,6% (pessimistisches dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 10 Szenario) und 37,2% (optimistisches Szenario). Der aktuelle IST-Wert für Januar bis September (Year-to-Date) liegt bei 38,7 % und übertrifft damit den prognostizierten Wert aus dem optimisti- schen Szenario. Im pessimistischen Szenario bleibt das Auslastungsniveau bis zum Jahr 2035 unter 40%. Im opti- mistischen Szenario wird ein Wert von 45,9% erreicht. Dieser Wert liegt dann immer noch unter dem Höchstwert (49,5%) aus dem Jahr 2019. Aus gutachterlicher Sicht bestätigen diese Werte, dass aktuell kein Bedarf für neue und zusätzliche Angebotskapazitäten besteht (vgl. Kap. VI.3). Was kann die Bestandshotellerie tun? Für die Bestandshotellerie gilt, dass die Wettbewerbsintensität durch die Angebotssteigerung zu- nimmt. Aufgrund des tendenziell homogenen Angebotes in Karlsruhe können sich die bestehenden Betriebe durch Profilschärfungen vom Wettbewerb und damit auch etwas vom Preisdruck abhe- ben. Durch diesen steigt die Notwendigkeit für eine aktive und variable Preisgestaltung. Die Be- standsbetriebe könnten tendenziell die Preise an nachfragestarken Tagen unter der Woche anhe- ben und an den schwächeren Wochenendtagen senken. Insofern bieten sich stufenweise Investitio- nen, welche auf Basis einer grundsätzlichen strategischen Positionierung der Betriebe einzahlen, an. Neben der Steigerung der Betriebsgröße und der Aufenthaltsdauer der Gäste sollte zudem an der digitalen Sicht- und Buchbarkeit noch gearbeitet werden (vgl. Kap. VI.4). Gesamtfazit Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Hotelangebot in den letzten und im aktuellen Jahr überproportional und komprimiert ansteigt und die Bettenauslastung zuletzt im Jahr 2023 deutlich unter dem Niveau von 2015 und 2019 lag. Bis auf die Wiedereröffnung der Stadthalle Karlsruhe im Jahr 2026 sind keine größeren und nachhaltigen Veränderungen, welche signifikante Nachfrage- steigerungen mit sich bringen, bekannt. Auf Basis der faktischen Hotelmarktanalyse besteht aus Sicht der Gutachter*innen kurz- bis mittelfristig kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen in Karlsruhe. Aus struktureller Sicht konnte ein Großteil der 2016 identifizierten Bedarfe abgedeckt werden. Es bestehen grundsätzlich „theoretische“ Angebotslücken. Aus gutachterlicher Sicht wird aufgrund der Ergebnisse der faktischen Analyse jedoch von einer praktischen Umsetzung der Ab- deckung dieser Lücken durch „neue“ Hotelbetriebe abgeraten. Vielmehr bietet sich eine Umset- zung der identifizierten strukturellen Bedarfe aus dem Markt heraus bzw. der Bestandshotellerie an. Das Ergebnis der Prognoserechnung verdeutlicht zudem, dass gleichermaßen sowohl beim pessi- mistischen als auch beim realistischen Szenario während des gesamten Betrachtungszeitraums kein Bedarf für zusätzliche Bettenkapazitäten besteht. Selbst bei der optimistischen Variante emp- fehlen die Gutachter*innen, erst langfristig zu prüfen, ob weitere Hotelansiedlungen möglich sind. Die Prognoseberechnung unterstreicht das Ergebnis aus der faktischen Analyse. Auf Basis aller drei Szenarios wird bis 2035 kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen gesehen (vgl. Kap. VI.5). dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 11 II. AUSGANGSSITUATION & AUFGABENSTELLUNG Im Jahr 2016 wurde bereits ein Hotelgutachten für den Standort Karlsruhe durch die ghh consult GmbH durchgeführt. In der Zwischenzeit fanden unterschiedliche Entwicklungen mit Einfluss auf den Hotelmarkt statt. Die Corona-Krise wirkte sich sowohl auf die Angebots- als auch auf die Nach- frageseite aus. Neben den krisenbedingten Veränderungen etablieren sich insbesondere in den Jahren 2023/2024 zahlreiche neue Kapazitäten auf dem Karlsruher Hotelmarkt. Aus diesem Grund hat die Stadt Karlsruhe die dwif-Consulting GmbH mit der Erstellung eines aktu- ellen Gutachtens zur Analyse des Hotelstandorts beauftragt, mit – vor dem Hintergrund der verän- derten, neuen Rahmenbedingungen – folgenden Zielen: • eine fundierte quantitative (faktische Betrachtung) und qualitative (strukturelle Be- trachtung) Marktanalyse des Hotelstandorts Karlsruhe auszuarbeiten, • eine Bewertung und Einschätzung zur zukünftigen Entwicklung durchzuführen und • Handlungsempfehlungen für den Hotelstandort Karlsruhe abzuleiten. Methodik und Vorgehensweise Der Erarbeitungsprozess für das Hotelgutachten begann mit dem Auftaktgespräch am 11. Juli 2023 mit Vertreter*innen der Stadtverwaltung. Danach folgte die Betrachtung der allgemeinen Rahmenbedingungen. Im Fokus stand dabei: • auf der einen Seite eine Betrachtung der allgemeinen Trends und Entwicklungen auf dem Hotelmarkt und ein Blick auf die aktuell wichtigen Hotelkonzepte (Kap. III). Dies ermöglicht eine Betrachtung der Hotelentwicklung auf übergeordneter Ebene und gleichzeitig eine bessere Einordnung der an späterer Stelle beschriebenen aktuellen und potenziellen zukünftigen Entwicklungen in Karlsruhe. • auf der anderen Seite die konkrete Analyse des Standortes Karlsruhe (vgl. Kap. IV). Da- bei erfolgt eine allgemeine Bewertung der Lage, der Anbindung und wichtiger Nachfra- gegeneratoren. Darüber hinaus werden die Eckpunkte der übergeordneten Touris- musstrategien sowie die Entwicklung der Geschäftsreisenden als Basis für die späteren Einschätzungen zum Hotelmarkt dargestellt. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 12 Im Hauptteil der Studie erfolgt die eigentliche Hotelmarktanalyse (Kap. V). Durch Desk-Research kombiniert mit Primärerhebungen und Hotelbegehungen vor Ort konnte ein umfangreicher Blick auf das Hotelsegment in Karlsruhe erfolgen. Folgende Analysen fanden konkret statt: • Die Markt- und Wettbewerbsanalyse untergliedert sich in eine faktische und struktu- relle Analyse. Ziel ist es, gleichermaßen einen möglichen Bedarf auf Basis der Ange- bots- und Nachfrageentwicklung oder auch auf Basis möglicher Angebotslücken zu identifizieren. Methodisch wurden die Sekundärdaten der Statistischen Landesämter herangezogen. Dazu erfolgten ausführliche Online-Recherchen sowie Data-Scraping zur Ermittlung der spezifischen Hoteldaten. Beide Analysen erfolgen für das gesamte Beherbergungsgewerbe und die Hotellerie. Über diese Segmente hinaus wurde zudem eine kurze Einordnung zum Thema Kurzzeitvermietung in Karlsruhe vorgenommen. • Darüber hinaus wurden die Meinungen und Erwartungen wichtiger Leistungsträ- ger*innen und Verbände erfasst. Insgesamt führten wir 19 Fachgespräche mit Vertre- ter*innen der städtischen Tourismus- und Veranstaltungsorganisationen, der lokalen Wirtschaft und der Hotellerie. Der Beteiligungsprozess sah zudem 50 Hotelbegehun- gen und weitere Betriebsbefragungen vor. Hierdurch konnten wir uns einen guten Ge- samtüberblick zur Hotellandschaft Karlsruhe verschaffen. Bei allen Analyseschritten erfolgte ein kurzer Abgleich zu den Ergebnissen aus dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH). Abb. 2: Vorgehensweise für das Hotelgutachten Karlsruhe Quelle: dwif 2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 13 Alle Analysen und Ergebnisse flossen in die abschließenden Empfehlungen mit ein (Kap. VI). Hierzu wurde eine Szenario-Prognose-Rechnung für die zukünftige Nachfrage- und Auslastungsentwick- lung bis zum Jahr 2035 erstellt. Darauf aufbauend erfolgte eine gutachterliche Einschätzung für den kurz-, mittel- und langfristigen Hotelbedarf und es wurden Empfehlungen für die Bestandsho- tellerie ausgesprochen. Mit der Berichtlegung und Ergebnisaufbereitung in PowerPoint wurde das Projekt abgeschlossen. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 14 III. TRENDS & ENTWICKLUNGEN AUF DEM DEUTSCHEN HOTELMARKT Das Kapitel Trends und Entwicklungen liefert einen ersten globalen Überblick zu den Veränderun- gen auf dem deutschen Hotelmarkt und dient zum allgemeinen Verständnis und als Basis für die an späterer Stelle folgenden Analysen und Empfehlungen. Nachfrageseitig werden die Megatrends und angebotsseitig die aktuell am Markt wichtigen Hotelkonzepte betrachtet. 1. Allgemeine Trends und Entwicklungen Das Teilkapitel „Trends und Herausforderungen“ liefert einen komprimierten Überblick zu den ak- tuellen Entwicklungen. Es dient einerseits zur allgemeinen Orientierung und andererseits wird auf die Ergebnisse dieses Teilkapitels im Falle eines weiteren Hotelbedarfes in Karlsruhe an späterer Stelle bei den Empfehlungen zurückgegriffen. Ausgehend von den Megatrends des Zukunftsinstituts 4 und der Marktentwicklungen haben wir die folgenden sechs Trends und Entwicklungen herausgegriffen. Diese wirken sich spürbar auf das Gastgewerbe aus und werden daher an dieser Stelle kurz erläutert: • Globalisierung • Demographischer Wandel • Individualisierung und Erlebnisorientierung • Nachhaltigkeit • Digitalisierung • Arbeitskräftemangel und Qualitätssicherung __________________________________________________________________________________________________ 4 www.zukunftsinstitut.de (30.09.2023) Zukunftsreport 2024 Abb. 3: Übersicht zu Trends und Entwicklungen mit Einfluss auf den Hotelmarkt Quelle: dwif 2024, Bilder: freepik und pixabay dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 15 1.1 Globalisierung Einer der zwölf definierten Megatrends des Zukunftsinstitutes ist die Globalisierung. Konkret wird darunter die zunehmende Verflechtung in zahlreichen Bereichen wie Wirtschaft, Politik, Kultur, Umwelt etc. verstanden. Der Begriff entstand in den 1980er Jahren, wobei die letzten Jahrzehnte gezeigt haben, wie die Verflechtungen den menschlichen Fortschritt mit zunehmendem Tempo vo- rangetrieben haben und dies auch zukünftig tun werden. Aus touristischer Sicht öffneten sich durch die fortschreitende Liberalisierung des internationalen Handels, die steigende Mobilität der Menschen sowie den Abbau bürokratischer Reisehindernisse neue Märkte für die deutsche Hotellerie. 2022 lag der Anteil ausländischer Gäste am gesamten Gästeaufkommen in Deutschland bereits bei über 15% – Tendenz steigend 5 . Damit einhergehend führt das insgesamt steigende Reiseaufkommen auch zu einer deutlichen Zunahme der Kapazitä- ten. Daraus folgt, dass sich Hotelbetriebe – sofern sie dies noch nicht tun – zunehmend mit internationa- len Vertriebswegen, interkulturellem Wissen sowie Sprachkompetenzen rüsten müssen, damit die Ansprüche internationaler Klientel erfüllt werden. Durch die Internationalisierung werden mehrere Entwicklungen forciert. • Die Digitalisierung auf Betriebsebene (aktuelle Webseite, Online-Buchbarkeit etc.) wird zum Aushängeschild der Hotelbetriebe und führt zu einer höheren Transparenz des weltweiten Angebots. Daraus eröffnet sich zum einen die Chance, mehr potenzielle Gäste anzusprechen. Zum anderen steigt jedoch auch die Wettbewerbsintensität durch ein breites weltweites Angebot. • Die markengebundene Hotellerie setzt auf „Markenbildung“ und ist meist weltweit oder zumindest in vielen Ländern vertreten. Bekannte Marken und Produkte schaffen Vertrauen und sprechen damit ausländische Gäste mehr an als kleinere, inhaber*innen- geführte Betriebe. Die Marktdurchdringung der markengebundenen Hotellerie erhält durch die Globalisierung zusätzlichen Nährboden und wird in den kommenden Jahren noch deutlich zunehmen. • Für alle Trends gilt: Es gibt auch einen Gegentrend. Neben bekannten Hotelmarken dürften „authentische“, zur Region passende Hotelkonzepte bei ausländischen Gästen punkten. Diese Nische können insbesondere privat geführte und mittelgroße Betriebe besetzen. 1.2 Demographischer Wandel Der demographische Wandel beschreibt bereits seit einigen Jahrzehnten tiefgreifende Verände- rungen in der Bevölkerungsstruktur und zieht als Konsequenz auch Veränderungen in der Gesell- schaft an. In Deutschland, ähnlich wie in allen westlich geprägten Nationen, führt eine sinkende __________________________________________________________________________________________________ 5 www.destatis.de (https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2023/02/PD23_055_45412.html) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 16 Geburtenrate bei steigender Lebenserwartung zu einer stetigen Alterung der Gesellschaft. Der An- teil der älteren Bevölkerung im Vergleich zur jungen Bevölkerung wird immer größer – eine soge- nannte Silver Society 6 entsteht. Die strukturelle Bevölkerungsveränderung zieht Konsequenzen für den Tourismus nach sich. Da- bei ist zum einen die Angebotsseite zu betrachten. Der Fachkräftemangel wird durch diese Ent- wicklung weiter befeuert. Während qualifizierte Mitarbeitende den Arbeitsmarkt verlassen, fehlt es an jungen, motivierten Mitarbeitenden, die diese Lücke füllen oder gar zusätzlich angeworben werden können, um der steigenden Nachfrage gerecht zu werden (s. auch Kap. III.1.6). Auf der an- deren Seite stehen die Auswirkungen auf der Nachfrageseite. Zunächst ist festzuhalten, dass die Gesamtnachfrage voraussichtlich stabil bleibt, da ältere Generationen zunehmend körperlich fitter 7 und vor allem überdurchschnittlich reisefreudig sind. Allerdings hat diese wachsende Bevölke- rungsgruppe andere Anforderungen an das Buchungs- und Reiseverhalten. In Zukunft müssen Ho- tels daher insbesondere auf folgende Aspekte achten: • Qualität: Ältere Reisende stellen in ihrem Urlaub hohe Ansprüche an Service und Qua- lität. Zudem haben sie ein stärkeres Komfort- und Sicherheitsbedürfnis, sei es bei der An- und Abreise (z. B. Gepäcktransport, Orientierung), beim Aufenthalt oder bei Unter- nehmungen vor Ort (Mobilität). • Barrierefreiheit: Mit höherem Durchschnittsalter der Gäste steigt die Notwendigkeit, ein barrierefreies Angebot zu schaffen. Hotelbetriebe sollten deshalb ihre bauliche Ge- staltung und Ausstattung auf Zugänglichkeit für alle prüfen und relevante Zertifizie- rungsvoraussetzungen im Sinne der Barrierefreiheit erfüllen. • Kultur und Gesundheit: Ältere Gäste suchen überdurchschnittlich häufig Städte, Orte und Hotels mit kulturellem Angebot auf. Zudem dürfte altersbedingt die Nachfrage nach Gesundheits- und Wellnessangeboten mit Fokus auf Prävention und bewusste Erholung im Urlaub steigen. • Prestigebewusstsein: Gäste aus älteren Generationen konsumieren oftmals, um ein be- stimmtes Lebensgefühl oder Prestige auszudrücken. Da empirische Studien beweisen, dass Personen über 50 Jahren die höchsten Konsumausgaben tätigen, bieten sich hier Potenziale. • Zielgruppenausrichtung und darauf abgestimmter Vertrieb: Oft wollen ältere Gäste gar nicht als solche umworben werden – dennoch empfiehlt es sich, ihren spezifischen Bedürfnissen in den Produkt- und Serviceangeboten Rechnung zu tragen. Offizielle Qualitätszertifizierungen und ein klares (Angebots-)Profil kommen sowohl dem gestei- gerten Informations- sowie dem Qualitätsbedürfnis älterer Reisender entgegen. __________________________________________________________________________________________________ 6 www.zukunftsinstitut.de (30.09.2023) 7 www.zukunftsinstitut.de (30.09.2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 17 1.3 Individualisierung und Erlebnisorientierung Eine zunehmende Individualisierung der Gesellschaft führt zu Veränderungen gesellschaftlicher Werte, Motive, Bedürfnisse und dadurch zu einem veränderten Reise- und Buchungsverhalten. Während die Gäste von gestern ihre Unterkünfte und Gastronomiebetriebe nach dem Motto „Ich möchte dazugehören“ sowie Preis und Qualität aussuchten, handeln Gäste von heute nach dem Motto „Ich möchte einzigartig sein“ und legen Wert auf einen Zusatznutzen. In einer Zeit, in der sich unterschiedliche Produkt- und Dienstleistungsangebote qualitativ immer geringfügiger unterschei- den, suchen Verbraucher*innen zunehmend nach anderen Auswahlfaktoren. Sogenannte „weiche Faktoren“, wie Design und Sinngehalt, sowie die kreative Verbindung von Produkten und Dienstleis- tungen, werden immer wichtiger. Dabei geht es weniger um die Befriedigung von Bedürfnissen, son- dern vielmehr um die Schaffung von Erlebnissen. 8 Urlauber*innen und in etwas abgeschwächter Form Geschäftsreisende suchen einmalige und aufregende Gesamtprodukte entlang der touristi- schen Wertschöpfungskette. Dieses sich ändernde Nachfrageverhalten und der steigende Wettbewerbsdruck erfordern eine klare Positionierung gemeinsam mit einer direkten Zielgruppenansprache der Beherbergungsbe- triebe. Die Abgrenzung gegenüber dem Markt kann so vielfältig ausfallen, wie es die Beherbergungs- landschaft selbst ist. Die am stärksten wachsenden Segmente in der deutschen Hotellerie setzen vor allem auf • den Preis (Luxus- versus Budgethotellerie), • den Stil (Design- und Boutique-Hotels), • auf das Thema Nachhaltigkeit (Green Hotels, Eco-Hotels), • oder eine Differenzierung nach Alter beziehungsweise Lebensphasen (Kinder-, Fami- lien- oder Senior*innen-Hotels). 1.4 Nachhaltigkeit Nachhaltigkeit und damit einhergehend Umweltschutz und Klimawandel sind keine Nischenthe- men mehr. Die Zukunft des Tourismus hängt u. a. von einer intakten Umwelt ab, die Tourist*innen in ihrem Urlaub erleben möchten und zu der jeder einzelne Betrieb seinen Beitrag leisten kann und muss. Dabei geht es nicht nur um ökologische Aspekte, sondern auch um die Wirtschaftlichkeit der Betriebe (Ökonomie) und den Faktor Mensch (Soziales). Denn einerseits ist für potenzielle Mitar- beitende ein sinnstiftender Job immer wichtiger: 91% der jungen Menschen wünschen sich die Möglichkeit, etwas zu tun, das sie sinnvoll finden. 9 Andererseits sind Nachfrager*innen bereit, hö- here Preise zu zahlen, wenn die Mitarbeitenden in gleichem Umfang höhere Löhne erhalten. 10 Im Hinblick auf Nachhaltigkeit auf Reisen zu verzichten bzw. weniger zu reisen, ist nicht im Sinne der meisten Konsument*innen. __________________________________________________________________________________________________ 8 IHA Hotelmarkt Deutschland 2019. 9 Deutsche Shell Holding GmbH (2019): Jugendstudie 2019 10 Das ergab eine repräsentative Bevölkerungsbefragung in Deutschland, durchgeführt vom dwif 2022. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 18 Für Hotels gibt es eine Vielzahl an internen und externen, kleineren und größeren Maßnahmen, um sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch und sozial nachhaltiger aufzustellen. Die nach- folgende Tabelle gibt einen Überblick über mögliche Maßnahmenfelder, die Betrieben zu mehr Nachhaltigkeit verhelfen können. Zahlreiche Leitfäden 11 unterstützen mit konkreten Maßnahmen. Tab. 2: Beispielhafte Aspekte aus den drei Bereichen der Nachhaltigkeit Ökonomisch Ökologisch Sozial Marktfähige Preise Mobilität, An- und Abreise Faire Löhne Investitionsplanung Baustoffe, Möbel, Materialien Arbeitszeiten Langfristig gewinnbringend Wassereinsparung (Weiter-)Bildung Kennzahlen & Nachhaltig- keitsbericht Energieeinsparung & -erzeu- gung Regelmäßige Schulungen zu Nachhaltigkeit Vernetzung mit regionalen Produzent*innen Abfall (Reduktion, Recycling, Trennung) Gesundheit der Mitarbeiten- den Beauftragung regionaler Zu- lieferungsbetriebe (z. B. Hand- werk, Lebensmittel, Wäsche) Speisenangebot, regionale & saisonale Produkte Einbezug der Mitarbeitenden in Entscheidungen, Dienst- plangestaltung etc. Technologieintegration und hierdurch Prozessoptimierung Putzmittel Gästekommunikation Quelle: dwif 2024 Um ihr Engagement für mehr Nachhaltigkeit zu belegen und transparent an die Gäste zu kommuni- zieren, können Beherbergungsbetriebe sich auszeichnen lassen. Zu den bekannten und vertrauens- würdigen Siegeln und Zertifizierungen zählen beispielsweise Green Globe, TourCert, Green Sign, Viabono, Travelife und EU Ecolabel. Die Zahl der Gäste, die Angebote mit einem solchen Siegel bei Urlaubsreisen buchen, stieg zwischen 2014 und 2022 von 8% auf 22%. 12 1.5 Digitalisierung Neben dem Thema Nachhaltigkeit ist aktuell einer der größten Transformationstreiber die Digitali- sierung. Das Gastgewerbe ist grundsätzlich ein Dienstleistungsgewerbe, weshalb dieses Segment weiterhin personalintensiv bleiben wird. Dennoch bietet die Digitalisierung Chancen für Effizienz- steigerungen, bessere Gästeinteraktion und Anpassungen an sich verändernde Verbraucher*inne- nerwartungen. Gleichzeitig erfordert sie jedoch auch Anpassungen in den betrieblichen Abläufen und Investitionen in neue Technologien. __________________________________________________________________________________________________ 11 z. B. unter www.tmv.de/de/nachhaltigkeit/wissensbasis-nachhaltigkeit/leitfaeden/ oder sachsen.tourismusnetz- werk.info/2021/01/21/nachhaltigkeit-leitfaden-fuer-tourismusbetriebe/ oder www.ltv-sachsen.de/wp-content/uplo- ads/2023/03/Checkliste-Nachhaltige-Betriebsfuehrung.pdf 12 www.bmuv.de dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 19 Während in den vergangenen Jahren in der Hotellerie insbesondere das digitale Marketing und punktuelle Lösungen zur Prozessoptimierung im Fokus standen, rückt zunehmend das Thema Konnektivität in den Vordergrund. Gemeint ist eine deutlich stärkere Vernetzung in vielen Lebens- bereichen. Das Zukunftsinstitut fasst diesen Trend wie folgt zusammen: 13 • Die Digitale Vernetzung ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und prägt den Alltag oft schon unbewusst. • Das Internet ist durch die Verbreitung der Smartphones jederzeit und überall zugäng- lich und gewährleistet Konnektivität. • Daten und Informationen werden durch die neue Offenheit und die Forderungen nach Transparenz für jedermann verfügbar und können so schneller aufbereitet und weiter- verwendet werden. Für die Hotellerie führt diese Entwicklung, wie auch in anderen Branchen, dazu, dass ein höheres Maß an Datenverfügbarkeit gewährleistet werden muss. Denn die Voraussetzung für Konnektivi- tät im touristischen Bereich ist die Informationsverfügbarkeit für die Gäste. Beispielsweise können Sprachassistenten wie Alexa oder Hey Google nur Informationen ausspielen, welche von den Be- trieben in entsprechend standardisierter Art aufbereitet werden. Neben der stärkeren Vernetzung und höheren Datenverfügbarkeit gibt es zahlreiche weitere kon- krete Anknüpfungspunkte für Hotels im Rahmen der digitalen Transformation. Diese lassen sich wie folgt zusammenfassen: • Gästen und Mitarbeitenden (oder Lieferant*innen) Zeit sparen (z. B. kein Check-In, weil Zutrittsdaten bei Buchung versendet werden). • Bessere Serviceleistungen für Gäste und Mitarbeitende anbieten (z. B. App für die Per- sonalplanung, Bestellung im Restaurant per Handy, Tablet auf Zimmer etc.) • Den Verkauf und die Buchungsprozesse automatisieren, damit die frei werdende Zeit für Personalreduktion oder verbesserte Dienstleistungen genutzt werden kann. Die digitale Transformation führt auch zu einem veränderten Nachfrageverhalten der Gäste. Schnelles, verfügbares W-LAN muss in Hotels mittlerweile Standard sein. Dazu wünschen sich ins- besondere Businessgäste vor allem reibungslose Buchungs- und Bezahlprozesse und eine mög- lichst effiziente Abwicklung entlang der Customer Journey. Kongress- und Tagungsgäste benötigen ebenfalls modernste Technik und vernetzte Räume inkl. Möglichkeiten für hybride Veranstaltun- gen. Abschließend sind noch zwei wichtige Aspekte erwähnenswert. Gerade das wachsende Budget- Design-Segment kann stärker auf automatisierte Prozesse setzen, während von gehobenen Hotels ein hoher Dienstleistungsgrad und damit mehr persönliche Interaktion erwartet wird. Darüber __________________________________________________________________________________________________ 13 Zukunftsinstitut – Homepage (16.01.2024) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 20 hinaus wächst das Segment der digitalen Nomaden. Das sind in der Regel Personen, welche ortsun- abhängig arbeiten. Businesshotels können durch entsprechende Co-Working-Spaces (eigene oder in Kooperation) diese Zielgruppe ansprechen. 1.6 Arbeitskräftemangel und Qualitätssicherung 14 Die Qualitätssicherung auf hohem Niveau ist eine der größten Herausforderungen für Hotelbe- triebe. Das Hauptaugenmerk bei Investitionen genauso wie die Anforderungen vieler Qualitätsla- bels lagen bisher eher auf der Infrastruktur, dabei muss zunehmend die Personalpolitik in den Fo- kus gerückt werden. Die Nachfrage nach touristischen Dienstleistungen besteht weiterhin und des- halb besteht die Notwendigkeit, Mitarbeitende zu rekrutieren. Da die Zahl der verfügbaren Ar- beitskräfte jedoch immer weiter sinkt, müssen neue Lösungen gefunden werden. Dabei gibt es grundsätzlich zwei Wege: (1) Employer Branding und wertorientierte Unternehmenskultur (2) Prozessoptimierung durch Technologieintegration und hierdurch Reduzierung des Personal- bedarfs Wichtig ist bei beiden Wegen, dass sich die Hotelbetriebe stärker von alten Denkmustern lösen und neue Maßnahmen aktiv und ehrlich an die Gäste kommunizieren. In den letzten zehn Jahren lag der Schwerpunkt vor allem auf Akquise und Imagethemen. Die Lösung der Arbeitskräfteproble- matik sah man in erster Linie darin, alle zur Verfügung stehenden Arbeitsmarktpotenziale auszu- schöpfen, um neue Mitarbeitende für die Hotelbetriebe zu gewinnen. Mitarbeitersuche bleibt wich- tig, aber ein Teil der Ressourcen sollte verstärkt in Maßnahmen zur Personalbindung und technolo- giebetriebenen Prozessoptimierung eingesetzt werden. Employer Branding und wertorientierte Unternehmenskultur Auf dem deutschen Arbeitsmarkt sind qualifizierte Arbeitssuchende in der Position, souverän ent- scheiden zu können, wo und unter welchen Bedingungen sie gern arbeiten möchten; ihre Wechsel- bereitschaft ist hoch. Daher gewinnt die Bindung der bestehenden Mitarbeitenden immer mehr an Bedeutung. Den Gästen sind persönlicher Service und qualifizierte, motivierte Mitarbeitende in Hotelbetrieben wichtiger als harte Faktoren wie Lage und durchgängige Öffnungszeiten. 15 Da vieles von den Mitarbeitenden abhängt, ist es wichtig, ihnen dieselbe Aufmerksamkeit zukom- men zu lassen wie den Gästen. Dazu gehören beispielsweise alle Maßnahmen rund um das Thema New Work, sowie neue Arbeitszeitmodelle, attraktive Personalunterkünfte oder die kontinuierliche Weiterentwicklung von Mitarbeitenden. __________________________________________________________________________________________________ 14 Detaillierte Analysen und Lösungsvorschläge zu diesem Thema lesen Sie im Sparkassen-Tourismusbarometer Ostdeutschland 2022, erhältlich unter: https://osv-online.de/tourismusbarometer/ 15 dwif (2022): Repräsentative Online-Panel-Umfrage im Rahmen des Sparkassen-Tourismusbarometers Ostdeutschland dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 21 Technologieintegration zur Prozessoptimierung und Reduzierung des Personal- bedarfs Das Hotelgewerbe ist eine Dienstleistungsbranche. Mitarbeitende sind insofern im Beherber- gungsgewerbe nicht vollständig ersetzbar. Aufgrund der steigenden Kosten und einem wachsen- den Arbeitskräftemangel werden zunehmend technologische Lösungen herangezogen. Diese sollen gleichermaßen zu Kostensenkungen und einem geringeren Personalbedarf beisteuern. Angewen- det werden Lösungen, die entweder bestehende Mitarbeitende entlasten und/oder zum Teil voll- ständig durch technische Lösungen ersetzt werden können. Die Herausforderung besteht dabei, ein gutes Maß an Effizienzsteigerung bei gleichzeitiger Akzep- tanz durch die Gäste zu erreichen. Beispiele für technologische Lösungen sind u. a.: digitaler Bu- chungs- und Bezahlprozess inkl. Self-Check-In, Tablets mit Informationen auf den Hotelzimmern (entlastet die Rezeptionsmitarbeiter*innen), Service-Roboter nicht als Ersatz, sondern als Unter- stützung für Service-Mitarbeiter*innen, digitaler Bestell- und Bezahlservice im Restaurantbereich oder Einkaufsprogramme im Back-Office-Bereich. 2. Marktentwicklung auf Basis eines langjährigen Angebots- und Nach- fragemonitorings in Deutschland Neben den allgemeinen Trends (vgl. Kap. III.1) lassen sich auf Basis des fortlaufenden Monitorings der Angebots- und Nachfragezahlen der Statistischen Landesämter sowie der durch das dwif durchgeführten Sparkassen-Tourismusbarometer folgende weitere beobachtete Marktentwicklun- gen ableiten. Angebotsseite Auf der Angebotsseite zeigen sich folgende Hotelmarktentwicklungen in den letzten Jahren: 16 • Leistungsfähigkeit der Betriebe nimmt zu: Damit sind sowohl die Kapazitäten der Be- triebe als auch die vorgehaltene Infrastruktur und weitere Zusatzangebote gemeint. Gleichzeitig bedeutet das, dass kleinere Betriebe, besonders im Segment der Gasthöfe und Pensionen, vermehrt aus dem Markt austreten. • Marktdurchdringung der markengebundenen Betriebe steigt weiter: Die Zahl marken- gebundener Hotelbetriebe in Deutschland steigt. Sie haben derzeit einen Marktanteil von knapp 13%, gemessen an ihrem Zimmeranteil liegt dieser sogar bei über 54%. 17 • Beherbergungsmarkt ist – trotz der markengebundenen Hotellerie – kleinbetrieblich geprägt: Knapp vier von zehn Betrieben erwirtschaften einen Jahresumsatz von weni- ger als 100.000 Euro, sieben von zehn Betrieben bleiben unter 250.000 Euro. Nur etwa einer von zehn Betrieben kommt auf einen Umsatz von über 1 Mio. Euro. 18 __________________________________________________________________________________________________ 16 Sparkassen Tourismusbarometer Deutschland, dwif (fortlaufend) Monitoring der Angebots- und Nachfragekennzahlen der statisti- schen Landesämter. 17 Hotelverband Deutschland IHA (2023): Hotelmarkt Deutschland 2023 18 Hotelverband Deutschland IHA (2023): Hotelmarkt Deutschland 2023 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 22 • Hotels garnis auf Wachstumskurs: Seit über einem Jahrzehnt geprägt durch eine Neu- interpretation starker markengebundener Betriebe, Designorientierung, effiziente Strukturen und maßgeschneiderte Services, steigt die Zahl der Hotels garnis. Der Ar- beitskräftemangel und die damit einhergehende Notwendigkeit, Restaurants zu schlie- ßen, könnte diesen Trend langfristig verstärken. • Arbeitskräftemangel beschleunigt die Notwendigkeit zur Digitalisierung: Die Hotel- branche bleibt weiterhin ein Dienstleistungsbereich. Dort, wo möglich, greifen die Be- triebe zunehmend auf digitale Lösungen zur Reduktion des Personalbedarfs zurück. Im Fokus stehen Prozessoptimierungen im Hintergrund sowie technische Lösungen mit Nutzen für den Gast (z. B. digitale Bestellungen in den Restaurantbereichen, Tablets auf den Hotelzimmern, digitaler Check-In etc.). • Zertifizierungsmüdigkeit im Gastgewerbe: Die Zahl der DEHOGA-klassifizierten Be- triebe ist zwischen 2018 und 2023 um knapp 17% gesunken. Deutschlandweit ist ein gutes Drittel aller Hotelbetriebe zertifiziert. Auch im Bereich der Ferienwohnungen und -häuser sind die klassifizierten Objekte in demselben Zeitraum um über 37% ge- sunken. Bei beiden Siegeln machen 4- und 5-Sterne-Häuser den Großteil der zertifi- zierten Betriebe aus. • Investitionen notwendig: Die Investitionszyklen im Hotellerie-Wettbewerb werden kürzer und Investitionen in die Infrastruktur zwingende Voraussetzung, um Marktan- teile zu halten oder zu gewinnen. Nachfrageseite Durch die Pandemie war die Nachfrage in den Jahren 2020 bis 2022 zum Teil erheblich beeinflusst. Folgende zentrale Trends lassen sich durch die langfristige Marktbeobachtung des dwif ableiten: • Deutschland bleibt das Lieblings-Reiseziel der Deutschen: Mehr als jede vierte längere Urlaubsreise der Deutschen fand im Heimatland statt, bei Kurzurlauben waren es 2022 sogar 80%. 19 Dennoch kommt nach der Corona-Pandemie das klassische Reise- muster mit einer steigenden Nachfrage nach ausländischen Reisezielen zurück. Insge- samt hat sich die urlaubstouristische Nachfrage seit der Krisenzeit gut erholt und die meisten Märkte liegen wieder auf und zum Teil über dem Vor-Corona-Niveau. • Das Geschäftsreisesegment erholt sich: Im Jahr 2022 fand im Vergleich zu den beiden Vorjahren eine deutliche Erholung statt. Der Trend geht zu selteneren, dafür aber län- geren Geschäftsreisen. D.h. der Anteil der Tagesgeschäftsreisen (ohne Übernachtung) nimmt ab und jene mit längerem Aufenthalt und Übernachtungen nehmen zu. 20 Insge- samt lag der Anteil der Geschäftsreisenden von Unternehmen in Deutschland je nach Betriebsgröße zwischen 22% bis 27% und damit noch unter dem Niveau von 2019 (28% bis 37%). 21 Für 2024 wird eine weitere Erholung in Deutschland erwartet. __________________________________________________________________________________________________ 19 F.U.R. (2023): Erste Ergebnisse der Reiseanalyse 2023 20 VDR Geschäftsreiseanalyse 2023. 21 Statista 2024; veröffentlich von L. Graefe, 03.01.2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 23 International betrachtet erholen sich die Geschäftsreisen schneller als erwartet. Die Global Business Travel Association geht davon aus, dass bereits 2024 das Reiseauf- kommen aus 2019 wieder erreicht wird 22 (vgl. auch Kap. IV.3: Nachfrageentwicklung Business- und MICE-Segment). • Steigende Inflation beeinflusst Reiseverhalten: Ab Juli 2021 stieg die Inflation in Deutschland auf Rekordniveau an. Auch wenn sie von 7,9% im Jahr 2022 auf 3,7% (De- zember 2023) 23 gesunken ist, zeigen sich die Auswirkungen der Teuerungsrate weiter- hin im Reiseverhalten. Das Spüren Gäste im Geldbeutel und machen Abstriche beim Reisen: Kürzere Aufenthalte, niedrigere Zimmerkategorien und reduzierte Extraausga- ben (z. B: Einzelhandel statt Hotelbar) sind nur einige beispielhafte Reaktionen. • Im Nachfrageverhalten der Gäste zeigt sich, dass die Qualitätserwartungen hoch blei- ben. Je höher der Wettbewerb, desto entscheidender ist die Qualität. Das Preis-Leis- tungs-Verhältnis muss vor allem fair und nachvollziehbar sein, damit Gäste wiederkom- men und/oder den Betrieb weiterempfehlen. • Die Forderung nach Flexibilität nimmt zu. Sowohl Stornierungsrichtlinien als auch Zah- lungsbedingungen müssen aus Sicht der Gäste flexibler werden; Betriebe, die dem nicht nachkommen, werden im Buchungsprozess aussortiert. 3. Relevante Hotelkonzepte Dieses Teilkapitel soll vor allem die Bandbreite der unterschiedlichen Hotelsegmente in urbanen Räumen aufzeigen und dient als Grundlage/Basis für die spätere Prognose und Bewertung des Ho- telmarktes. 3.1 Budgethotels Der Markt der Budgethotels stellt ein vergleichsweise junges Segment dar, verzeichnet dennoch ein besonders starkes Wachstum in Deutschland. Eine allgemein anerkannte Definition gibt es nicht, denn eine Abgrenzung allein über den Preis greift zu kurz. Budgetbetriebe vereinen mittler- weile ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und sprechen ihre Zielgruppe mit konkreten Produktei- genschaften an. Diese sind in der Regel sehr fokussiert und zusätzliche Dienstleistungen sind vor dem Preisaspekt stark begrenzt. Innerhalb des Budget-Markts sind „Kategorien“ erkennbar: moderne Budgethotels (z. B. Motel One, Premier Inn), Budget-Design Hotels (z. B. Prizeotel, Superbude), Ultra Budget Hotels (z. B. easy Hotels) und Hostellerie als Verschmelzung von Hotel und Hostel (z. B. Meininger, A&O). Ne- ben der Vielfalt innerhalb des Budget-Markts wird durch diese Unterteilung deutlich, dass durch die Budgethotels die klassischen Segmentgrenzen weiter verschwimmen und es Überschneidungs- mengen zu anderen Hotelkonzepten gibt. __________________________________________________________________________________________________ 22 GBTA Business Travel Index 2023. 23 www.destatis.de dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 24 3.2 Long-Stay/Boardinghäuser Diese Sonder-Beherbergungsform wird bei der amtlichen Statistik unter Hotellerie 24 erfasst und bezieht sich auf „Wohnen auf Zeit“. Dabei handelt es sich in der Regel um einen Zeitrahmen von bis zu sechs Monaten; Kurzaufenthalte sind jedoch nicht explizit ausgeschlossen. Dahinter stehen zahl- reiche Begriffe, die Betriebe mit einer derartigen Ausrichtung bezeichnen; unter anderem Apartho- tel, Apartmenthaus, Boardinghaus, Living Hotel, Serviced Apartments und einige mehr. Konkret bieten sie Apartments sowie in unterschiedlichem Umfang hotelähnliche Leistungen an (v. a. __________________________________________________________________________________________________ 24 Hotellerie = Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen. Boardinghäuser werden je nach Gastronomieangebot unter den Be- triebstypen Hotels oder Hotels garnis erfasst. BUDGETHOTELS Makrolage Großstädte, Mittelstädte, Universitätsstädte Mikrolage Innenstädtische Lage, Nähe zu Bahnhöfen Standard 1-3 Sterne Zielgruppe Preisbewusste Reisende, auch Geschäftsreisende Betriebsgröße 100 bis 180 Einheiten Typische Zimmergröße 13-18 m² Typische Infrastruktur Sehr begrenzt, Bar/Frühstücksbereich, teils auch Mehrbettzimmer Typische Marken Motel One, Premier Inn, Ibis, B&B, Meininger etc. Abb. 4: Beispiele für Budgethotels Motel One Saarbrücken (oben) & B&B Hotel Karlsruhe (unten) Quellen: www.motel-one.com, www.hotel-bb.com dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 25 Wäschewechsel, Zimmerreinigung, Rezeption, Büro- und Konferenzräume, Sportangebote) und bil- den somit eine Kombination aus Wohnung und Hotel 25 . Es gibt dabei keinen festgelegten Standard und so unterscheiden sich die Ausstattung und der Service-Grad von Betrieb zu Betrieb. Das Seg- ment der Boardinghäuser wird häufig in urbanen Räumen umgesetzt und ist ein Wachstumsseg- ment. __________________________________________________________________________________________________ 25 IHA Hotelmarkt Deutschland 2023. LONGSTAY/BOARDINGHÄUSER Makrolage Großstädte/A-Lagen, Universitätsstädte Mikrolage Nähe zu Unternehmen und/oder Bahnhöfen Standard - Zielgruppe Geschäftsreisende (für längere Aufenthalte), Berufspendler*innen, Monteur*innen, internationale Fachkräfte, Studierende, neu Zuge- zogene noch ohne eigene Wohnung Betriebsgröße 15-100 Einheiten (vereinzelt auch mehr) Typische Zimmergröße 17-45 m² Typische Infrastruktur Wohneinheiten mit eigener Küche, Parkfläche Typische Marken Living Hotels by Derag, Adina Apartment Hotels, The Flag, Novum Hospitality, Aparthotels Adagio & Adagio Access Abb. 5: Beispiele für Serviced Apartments/Boardinghäuser Living Hotel am Olympiapark in München (oben) & Aparthotel Adagio Access Kiel (unten) Quellen: www.living-hotels.com, www.adagio-city.com dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 26 3.3 Themenspezifische Hotels/Hotels mit Positionierung Neben Budget-Hotelbetrieben entstehen in Deutschland immer mehr Hotelkonzepte, die sich durch eine hohe Zielgruppenfokussierung und eine innovative Angebotsentwicklung auf ein be- stimmtes Thema festlegen und somit den Trends Individualisierung und Erlebnisorientierung fol- gen. Der Vielfalt an möglichen Themen sind dabei keine Grenzen gesetzt. So kann man z. B. in Berlin in einem ehemaligen, denkmalgeschützten Gericht mit Frauengefängnis 26 übernachten oder begibt sich im Krimihotel in der Vulkaneifel auf Spurensuche 27 . Auch Designelemente können kleine Bou- tique-Hotels aus der Masse hervorheben oder eine Kombination aus mehreren Aspekten wie z.B. ein Weinhotel, das gleichzeitig ein Designhotel ist, kann zur gewünschten Positionierung führen. Verstärkt wird die Nachfrage nach derartigen Hotelkonzepten neben den allgemeinen Trends durch die Transparenz im Internet und die Vielzahl an Vertriebswegen, die die Möglichkeit, nach individuellen/speziellen Hotelbetrieben zu suchen, vereinfacht. Häufig werden Themenhotels von privaten Hotelbetreiber*innen umgesetzt. Es bietet eine Chance, sich vom Wettbewerb abzuhe- ben, ist aber kein spezielles Wachstumssegment. __________________________________________________________________________________________________ 26 www.wilmina.com (29.09.2023) 27 www.krimihotel.de (29.09.2023) THEMENSPEZIFISCHE HOTELS/ HOTELS MIT POSITIONIERUNG Makrolage Individuell Mikrolage Individuell Standard Individuell Zielgruppe Themenspezifisch Betriebsgröße 30-150 Einheiten Typische Zimmergröße Individuell Typische Infrastruktur Restaurant, Bar, zusätzliche Infrastruktur sehr individuell/ themen- & zielgruppenspezifisch Typische Marken 25hours, Lindner Hotels, Henri Hotels dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 27 3.4 Wellnesshotels Wellnesshotels sprechen das zunehmende Gesundheitsbewusstsein der deutschen Bevölkerung an. Die Hotelkonzepte zeichnen sich durch Angebote im Bereich Wellness, Erholung, Aktivität und gesunde Ernährung aus. Sie sollen dabei das körperliche, geistige und seelische Wohl ansprechen. Während jüngere Generationen neben den klassischen Angeboten vermehrt Erlebnisse wie Retre- ats, Coachings oder Workshops zu Trendthemen erwarten, spielen bei älteren Generationen ver- mehrt (medizinische) Gesundheitsangebote eine Rolle. 28 Tendenziell kommt dieses Segment häufiger in ländlichen und stärker urlaubstouristisch geprägten Räumen vor. In Städten setzen Betriebe auf qualitativ hochwertige Spa-Anlagen, die zum Teil auch als Day-Spa für externe Gäste zugänglich sind. Häufig positionieren sich die Stadthotels auch durch ein weiteres Thema (z. B. Tagung, Design). Die städtisch geprägten Hotels mit Spa-Anlagen bieten eine Möglichkeit zur Differenzierung, befinden sich aber auf einem stabilen Niveau und stellen kein explizites Wachstumssegment dar. __________________________________________________________________________________________________ 28 IHA Hotelmarkt Deutschland 2023. Abb. 6: Beispiele für themenspezifische Hotels in Städten 25hours Hotel Bikini Berlin (oben) & Henri Hotel Düsseldorf (unten) Quellen: www.25hours-hotels.com, www.henri-hotels.com dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 28 3.5 Geschäftsreise- und Tagungshotels Deutschland zählt in Europa seit langem zu den wichtigsten Märkten für Geschäftsreisende 29 . Be- sonders in Städten sind deshalb Geschäftsreise- und Tagungshotels von besonderer Bedeutung und stellen zumeist den größten Anteil der Hotelbetriebe dar. Sie generieren ihre Nachfrage in ers- ter Linie durch Unternehmen, infrastrukturelle Angebote wie Messe- und Kongresszentren und/oder wissenschaftliche Einrichtungen sowie durch weitere Veranstaltungen/Events. Ausstat- tungsmerkmale wie die technische Ausstattung und Internet ebenso wie die Lage nehmen bei die- ser Zielgruppe einen höheren Stellenwert ein. __________________________________________________________________________________________________ 29 IHA Hotelmarkt Deutschland 2023 WELLNESSHOTELS Makrolage Großstädte, Mittelstädte, ländliche Regionen Mikrolage Innerstädtische Lage Standard 4-5 Sterne Zielgruppe Städtebesucher*innen, gesundheitsbewusste Reisende Betriebsgröße 70 bis 150 Einheiten Typische Zimmergröße 25-45 m² Typische Infrastruktur Restaurant, Bar, Spa-Anlage (Pool, Whirlpool/Solebecken, Anwen- dungsbereich, Fitnessbereich), ggf. Tagungsräume Typische Marken Falkensteiner, Lindner Hotel Group, Familux Abb. 7: Beispiele für Wellnesshotels in Städten Hotel Birke in Kiel (oben) & Andaz München Schwabinger Tor (unten) Quellen: www.hotel-birke.de, www.hyatt.com dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 29 Während es Geschäftsreise- und Tagungshotels in unterschiedlichen Segmenten gibt, zeigt sich, dass Budgetanbietende zunehmend auch Geschäftsreisende mit ihrem Angebot ansprechen (z. B. Motel One, Premier Inn, B&B). Des Weiteren sind markengebundene Hotels auf dem Vormarsch. Marken schaffen Vertrauen, deshalb setzen Buchungsstellen und Gäste auf bekannte Hotelpro- dukte. Durch die stärkere Markendurchdringung in urbanen Räumen stellen Geschäftsreise- und Tagungshotels weiterhin ein leicht wachsendes Segment dar. Speziell für Geschäftsreise- und Tagungshotels bieten sich neue Chancen aufgrund der Verände- rungen auf dem Arbeitsmarkt. Die Digitalisierung und die zunehmenden Möglichkeiten einer orts- unabhängigen Arbeit ermöglichen die Verbindung von Arbeiten und Urlaubserlebnissen jenseits des eigenen Arbeits-/Wohnortes. Genau das ist die Definition von Workation. Beschleunigt durch die Corona-Pandemie, steigt der Anteil dieser Zielgruppe. Umfragen zeigen, dass etwa jede*r sechste Berufstätige sich vorstellen kann, eine Workation durchzuführen. 30 Daraus folgt, dass für Hotelbetriebe die Chance besteht, zusätzliche Nachfrage, auch in der Neben- saison, zu schaffen. Hierzu müssen entweder entsprechende Zimmertypen und/oder (Co-)Work- ing-Spaces vorgehalten werden. __________________________________________________________________________________________________ 30 CoworkationALPS e. V. (2022): CoworkationALPS – Grundlagenstudie Coworkation – Module 1+2 GESCHÄFTSREISE- UND TAGUNGSHOTELS Makrolage Großstädte, Mittelstädte, ländlicher Raum (Tagen im Grünen) Mikrolage Nähe zu Unternehmen und Infrastruktureinheiten (Messe, Kon- gress, Flughafen, Bahnhof etc.) Standard 3-5 Sterne Zielgruppe Geschäftsreisende, Veranstaltungsbesucher*innen Betriebsgröße 120 bis 180 Einheiten Typische Zimmergröße 12 - 24 m² Typische Infrastruktur Restaurant, Bar, Tagungsräume (inkl. Tagungsmanagement), Fit- nessbereich, Parkbereich Typische Marken Novotel (by Accor), Dorint, Maritim, NH, Crowne Plaza dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 30 3.6 Luxushotels Luxushotels sind im 5-Sterne-Bereich angesiedelt und definieren sich über qualitativ besonders hochwertige Ausstattungsmerkmale (Weinkeller, Größe des Wellnessbereiches, Qualität der Kü- che etc.) kombiniert mit einem luxuriösen Ambiente und einer herausragenden Dienstleistungs- kompetenz. Dementsprechend benötigen diese Betriebe ausreichend und qualifiziertes Personal. Zusätzlich sind eine großzügige Platzgestaltung und Ruhe wichtige Erfolgsfaktoren dieser Katego- rie. Auch in Zukunft kann davon ausgegangen werden, dass ein hohes Servicelevel beibehalten wird, um den hochwertigen Qualitätsstandard, der dieses Hotelkonzept ausmacht, zu erhalten und sich damit von anderen Konzepten abzugrenzen. Anhand der Zahlen der Hotelbauprojekte und der projektierten Zimmer zeigt sich eine konstante Marktentwicklung. Auch die Investitionssummen waren in den letzten 10 Jahren weitestgehend konstant. Abb. 8: Beispiele für Geschäftsreise- und Tagungshotels in Städten Novotel Karlsruhe City (oben) & Hotel der Blaue Reiter in Karlsruhe (unten) Quellen: www.all.accor.com, www.hotelderblauereiter.de dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 31 4. Fazit Trends und Entwicklungen Das Trendkapitel liefert wichtige Informationen auf Basis einer globalen Betrachtung der Me- gatrends sowie konkrete Hinweise, welche durch die langjährige Marktbeobachtung durch das dwif abgeleitet werden. Auf Basis der Trendanalyse lassen sich folgende konkrete Aspekte für den Ho- telmarkt in Karlsruhe ableiten: • Durch die Globalisierung wird der Wettbewerb noch intensiver. Das betrifft in Karls- ruhe insbesondere das durch die internationale Nachfrage geprägte Messe- und Kon- gresssegment. LUXUSHOTELS Makrolage Metropolen, Großstädte, ländliche Regionen (eigene Destination) Mikrolage Exquisite Umgebung, attraktive innerstädtische Lage Standard 5 Sterne (superior) Zielgruppe Zahlungskräftiges Publikum Betriebsgröße 120 bis 180 Einheiten Typische Zimmergröße 35 - 45 m² Typische Infrastruktur Mehrere Restaurants, Bar, Tagungs- und Banketträume, großer Spa- Bereich, sehr großzügige öffentliche Flächen Typische Marken Four Seasons, Ritz Carlton, Rocco Forte, Althoff, Mandarin Oriental, Kempinski, Raffles Abb. 9: Beispiele für Luxushotels The Ritz Carlton in Berlin (oben) & Hotel Vier Jahreszeiten Kempinski in München (unten) Quellen: www.ritzcarlton.com, www.kempinski.com dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 32 • Der demographische Wandel bedingt einen wachsenden Qualitätsanspruch der Gäste und aus betrieblicher Sicht verschärft sich der Arbeitskräftemangel. Beides trifft auch auf den Karlsruher Hotelmarkt zu. • Die Individualisierung führt zu einer stärkeren Erlebnisorientierung. Das betrifft das Urlaubssegment stärker, aber auch die in Karlsruhe stärker vertretenen Geschäftsrei- senden erwarten zunehmend einen klaren Zielgruppenfokus und Alleinstellungsmerk- male. • Die zwei großen aktuellen Transformationstreiber lauten: Nachhaltigkeit und Digitali- sierung. Speziell im für Karlsruhe wichtigen Geschäftsreise- und MICE-Segment kön- nen nachhaltige Betriebe punkten. Digitale Lösungen können gleichermaßen bei Koste- neinsparungen durch Prozessoptimierungen, der Senkung des Personalbedarfs und neuen innovativen Angeboten helfen. Gerade die Zielgruppe der Geschäftsreisenden ist offen für unkomplizierte digitale Lösungen entlang der Customer Journey. • Der Arbeitskräftemangel ist auch eine Frage der Qualitätssicherung. Die Karlsruher Hotelbetriebe können auf Konzepte mit wenig Personalbedarf setzen oder den Fokus stärker auf Mitarbeiterbindung richten. Darüber hinaus können digitale Lösungen zur Senkung des Personalbedarfs beitragen. Bezogen auf den Gesamtmarkt, ist ein guter Angebotsmix (Betriebe mit hohem Servicegrad und Konzepte mit geringerem Perso- nalbedarf) wichtig. Auf Basis der Marktbeobachtungen zeigt sich, dass sich in urbanen Räumen wie in Karlsruhe die aufgeführten Trends schneller widerspiegeln. Eine höhere Marktdurchdringung markengebunde- ner Hotelbetriebe mit steigender durchschnittlicher Betriebsgröße entspricht dem bundesweiten Trend. Die Binnennachfrage ist hoch und war in gewissen Teilen der Stabilitätsfaktor während und nach der Corona-Krise. Auch bei den Geschäftsreisenden zeigt sich, dass sich die innerdeutsche Nach- frage schneller erholt als ursprünglich von den Expert*innen angenommen. Insgesamt lag das Ge- schäftsreiseniveau zuletzt noch nicht auf dem Vor-Corona-Niveau aus 2019. Festzuhalten bleibt: Es gibt weniger, aber dafür längere Geschäftsreisen mit durchschnittlich gestiegenen Ausgaben. Daraus folgt für Karlsruhe, dass die durchschnittliche Aufenthaltsdauer steigen dürfte. Die interna- tionale Reisetätigkeit der Businessgäste ist durch Restriktionen der Unternehmen (Grund: Kosten und Nachhaltigkeitsgedanke) sowie einen längeren Vorlauf für große internationale Messen und Kongresse noch gehemmt. Dennoch wird auch hier von einer weiteren Erholung im Jahr 2024 aus- gegangen. Für die Bestands- und/oder zukünftigen neuen Hotelbetriebe gilt, dass die Investitionszyklen noch kürzer werden und deshalb fortlaufend Instandhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen not- wendig sind. Dazu beschleunigt der Arbeitskräftemangel die Notwendigkeit zur Integration techni- scher Lösungen (und damit Senkung des Personalbedarfs). dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 33 Die dargestellten Hotelkonzepte veranschaulichen die Bandbreite der häufig in urbanen Räumen vorkommenden Hotelvarianten. Auf Basis der Angebotskennzahlen und geplanten Hotelprojekte zeigt sich vor allem, dass Budgetbetriebe (meist Hotels garnis) als größtes Wachstumssegment an- zusehen sind. Auch Boardinghäuser/Long-Stay-Angebote sowie klassische Geschäftsreise- und Ta- gungshotels sind weiterhin in urbanen Räumen beliebt. Wellnessbetriebe bzw. Hotels mit Day-Spa Angeboten sowie Themenhotels bieten die Chance für eine Abgrenzung gegenüber den Mitbewer- bern und befinden sich im leichten Wachstum. Luxushotels benötigen auch entsprechende Komple- mentärangebote und werden nur punktuell umgesetzt. Abb. 10: Einschätzung zur Marktentwicklung der Hotelsegmente in urbanen Räumen Quellen: dwif 2023/24 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 34 IV. ALLGEMEINE STANDORTINFORMATIONEN FÜR DEN HOTELSTANDORT KARLSRUHE Das Kapitel Standortinformationen dient neben den Trends- und Entwicklungen zur allgemeinen Einordnung der Rahmenbedingungen für das Hotelgewerbe. Darunter fällt die Lage und Erreich- barkeit sowie eine Übersicht zu den wesentlichen Nachfragefaktoren für das Hotelgewerbe. 1. Informationen zum Makrostandort Karlsruhe Größe, Lage und allgemeine Einordnung der Stadt 31 Mit rund 304.483 Einwohner*innen 32 ist Karlsruhe gemessen an der Bevölkerungszahl die dritt- größte Stadt des Landes Baden-Württemberg. Die Stadt verfügt über eine Fläche von rund 173 Quadratkilometern. 33 Im Landkreis Karlsruhe befinden sich 32 Städte und Gemeinden. Karlsruhe liegt rechtsseitig des Rheins, eingebettet zwischen den beiden Städten Stuttgart und Mannheim und der Grenze zu Frankreich. Naturräumlich befindet sich Karlsruhe in der ober-rheinischen Tief- ebene am Rand des Schwarzwalds. Anbindung und Erreichbarkeit Karlsruhe ist hinsichtlich der Verkehrsinfrastruktur gut angebunden. Die Stadt ist über drei Auto- bahnen (A5, A8, A65) und mehrere Bundesstraßen sehr gut an das überregionale Verkehrsnetz __________________________________________________________________________________________________ 31 www.karlsruhe.de; Zugriff Oktober 2023 32 Stadt Karlsruhe - Statistik aktuell Bevölkerung – Die Karlsruher Bevölkerung im I. Quartal 2024 33 Stadt Karlsruhe – Statistisches Jahrbuch 2023 - Abb. 11: Anbindung und Erreichbarkeit des Makrostandortes Quelle: dwif 2024, Google Maps (23.10.2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 35 angeschlossen. Die Städte Heidelberg und Mannheim sind per PKW in unter 60 Minuten zu errei- chen. Die Landeshauptstadt Stuttgart ist in ca. 80 Minuten und die Stadt Frankfurt am Main in 105 Minuten erreichbar. Es gibt zwei Fernverkehrsbahnhöfe (Karlsruhe Hauptbahnhof und Karlsruhe-Durlach). Den in der Südweststadt gelegenen Hauptbahnhof nutzen täglich insgesamt ca. 60.000 Reisende 34 . Der Karls- ruher Hauptbahnhof ist Haltepunkt im europäischen Hochgeschwindigkeitsnetz. Mit der Bahn kann man Mannheim in 24 Minuten, Heidelberg und Stuttgart in rund 40 Minuten sowie Frankfurt am Main in gut einer Stunde erreichen. Zusätzlich verfügt die Stadt Karlsruhe über einen zentralen Omnibusbahnhof, welcher sich auf der Südseite des Hauptbahnhofs befindet. Der internationale Flughafen Karlsruhe / Baden-Baden liegt ca. eine halbe PKW-Stunde südwest- lich und transportierte im Jahr 2023 rund 1,7 Mio. Passagiere 35 . Der internationale Flughafen Stutt- gart ist ebenfalls in unter einer Stunde erreichbar und verzeichnet eine Passagierzahl von 7 Mio. pro Jahr (2022) 36 . Auch der Flughafen Straßburg (2022: rd. 930.000 Passagiere) ist von Karlsruhe in ca. 1 Stunde 10 Minuten erreichbar. Frankfurt am Main (2022: 48.918.482 Passagiere) 37 ist ca. 1 Stunde und 40 Minuten vom Stadtzentrum Karlsruhe entfernt. 2. Wirtschafts- und Tourismusstandort Karlsruhe 2.1 Wirtschaftsstandort Karlsruhe Karlsruhe ist ein starker Wirtschaftsstandort mit einer geringen Arbeitslosenquote (4,9%) und knapp 190.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigten über alle Branchen hinweg. 38 Seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) entwickelte sich der Arbeitsmarkt positiv und das sozial- versicherungspflichtige Beschäftigungsvolumen stieg um 8,8%. 39 Dabei ist Karlsruhe stark durch den Dienstleistungssektor geprägt. Die meisten Beschäftigten sind in den Bereichen „Handel, In- standhaltung, Reparatur von Kfz“, „Immobilien, freiberufliche wissenschaftliche und technische Dienstleistungen“ sowie „Information und Kommunikation“ beschäftigt. Ebenfalls stark sind die Be- reiche Gesundheitswesen und öffentliche Verwaltung. 40 Der Arbeitsmarkt und die Wirtschaftsstruktur sind zwei der Top-Bereiche beim deutschlandweiten Niveauranking der WirtschaftsWoche. Insgesamt liegt Karlsruhe in den Jahren 2022 und 2023 auf Platz 16 von 71 Städten. In folgenden konkreten Bereichen liegt Karlsruhe auf einem tendenziell besseren Niveau: 41 • Hoher Anteil an Beschäftigten in wissensintensiven Dienstleistungen __________________________________________________________________________________________________ 34 www.karlsruhe-insider.de; (26.Oktober 2023) 35 www.baden-airpark.de; Statistik zum Passagieraufkommen von 1997 bis 2024 (18.04.2024) 36 www.flughafen-stuttgart.de; (26. Oktober 2023) 37 www.fraport.com (26. Oktober 2023) 38 Bundesagentur für Arbeit: Regionalreport über Beschäftigte, Stadt Karlsruhe (20.09.2023) 39 Bundesagentur für Arbeit: Zahlen, Daten, Fakten: Strukturdaten und -indikatoren (08.12.2023) 40 Bundesagentur für Arbeit: Regionalreport über Beschäftigte, Stadt Karlsruhe (20.09.2023) 41 WirtschaftsWoche: Städteranking aus dem Jahr 2022 und 2023. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 36 • Hohe Gründerraten bei gleichzeitig geringen Insolvenzquoten • Am Arbeitsmarkt gibt es eine geringe Jugendarbeitslosigkeit sowie eine hohe Ingeni- eursdichte • Es gibt eine hohe Anzahl an Absolventen in den MINT-Fächern • Platz 1 beim Thema fahrradfreundliche Stadt Karlsruhe und die TechnologieRegion Karlsruhe Die TechnologieRegion Karlsruhe GmbH ist ein Zusammenschluss von Städten, Landkreisen, einem Regionalverband sowie mehreren Unternehmen und Wissenschaftseinrichtungen im Großraum Karlsruhe. Die Initiative zur Gründung kam bereits 1987. Die Gesellschaft arbeitet an der Unter- stützung zur regionalen Zusammenarbeit und fördert die Weiterentwicklung der Region. Durch die strategische Vernetzung werden gemeinsame Projekte initiiert. Die Region Karlsruhe zählt mit ei- ner Fläche von 5.900 Quadratmetern und rund 1,63 Mio. Einwohner*innen zu den wirtschafts- und innovationsstarken Regionen in Europa.“ 42 Das bestätigt auch eine neue EU-Studie zu Europas Spit- zenzentren im Informations- und Kommunikationstechnologie-Bereich (IKT), in welcher Karlsruhe auf Platz 4 landet. 43 Wichtige Betriebe in Karlsruhe Für Karlsruhe spielen vor allem Geschäftsreisende für die Übernachtungsnachfrage der Hotelbe- triebe eine sehr wichtige Rolle. Neben den Forschungs- und Bildungseinrichtungen sind in Karls- ruhe fast 15.000 Betriebe angesiedelt. 44 Laut Ranking des Deutschen Wirtschaftsportals DDW be- finden sich sieben Weltmarktführer und 37 der 10.000 wichtigsten Mittelständler Deutschlands in Karlsruhe. Damit liegt Karlsruhe bundesweit auf Rang 15 des Standortrankings. 45 Die nachfolgende Tabelle veranschaulicht die größten Betriebe der Stadt. Tab. 3: Liste der größten Arbeitgeber in Karlsruhe 46 Arbeitgeber Beschäftig- tenzahl Wirtschaftszweig Stadtteil Atruvia AG 2.500 Information und Kommunikation Durlach Big. Bechtold-Gruppe 1.800 Erbringung von freiberuflichen wissenschaftlichen & technischen Dienstleistungen Südweststadt __________________________________________________________________________________________________ 42 https://trk.de/wirtschaftsstandort/ (9. Januar 2024) 43 Europäische Kommission: Pressemitteilung Neue Kommissionsstudie beleuchtet Europas Spitzenzentren im IKT-Bereich; Link: https://ec.europa.eu/commission/presscorner/detail/de/IP_14_435 (14.04.2024) 44 Statista Research Department, (9. Januar.2024) 45 https://die-deutsche-wirtschaft.de/standort/karlsruhe/ (9, Januar 2024) 46 www.indeed.com dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 37 Arbeitgeber Beschäftig- tenzahl Wirtschaftszweig Stadtteil Cronimet Holding GmbH 1.600 Handel, Instandhaltung und Repa- ratur von Kraftfahrzeugen Mühlburg dm-Drogerie Markt GmbH + Co. KG 3.000 Handel, Instandhaltung und Repa- ratur von Kraftfahrzeugen Durlach Dr. Willmar Schwabe GmbH & Co. KG 1.200 Verarbeitendes Gewerbe Durlach EnBW Energie Baden- Württemberg AG 5.400 Energieversorgung Oststadt Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 9.900 Erbringung von freiberuflichen wissenschaftlichen & technischen Dienstleistungen Innenstadt-Ost Michelin Reifenwerke* 800 Verarbeitendes Gewerbe Südweststadt Siemens AG 6.000 47 Verarbeitendes Gewerbe Knielingen Stadt Karlsruhe 6.100 Diverse Wirtschaftszweige alle Stadtteile United Internet AG 3.000 Information und Kommunikation Südweststadt *Schließung angekündigt Quelle: www.kit.edu, www. indeed.com, KA-News (22.11.2023), DDW – Standortprofil Karlsruhe 2.2 Bildung und Forschung Der Standort Karlsruhe zeichnet sich auch durch eine gute Bildungs- und Forschungslandschaft aus. Mit sieben öffentlichen und zwei privaten Hochschulen in Karlsruhe sowie zahlreichen ange- siedelten Forschungseinrichtungen weist Karlsruhe eine gute Forschungsdichte auf. Das Karlsru- her Institut für Technologie (KIT) ist eine der weltweit größten Forschungseinrichtungen mit inter- national herausragendem Potenzial in den Natur- und Ingenieurswissenschaften. Dazu kommen neben dem FZI – Forschungszentrum für Informatik unter anderem drei Fraunhofer-Institute, die Hochschule Karlsruhe und die Duale Hochschule Baden-Württemberg. 48 Insgesamt vereinen die Hochschulen rund 42.000 Studierende. 49 Allein beim KIT waren 2023 mehr als 9.900 Personen be- schäftigt 50 und 21.000 Studierende inskribiert. 51 Weitere Hochschulen in Karlsruhe sind: 52 • Hochschule Karlsruhe – Technik und Wirtschaft mit ca. 7.000 Studierenden. • Pädagogische Hochschule Karlsruhe mit rund 3.600 Studierenden. __________________________________________________________________________________________________ 47 Stadtwiki Karlsruhe (18.04.2024) 48 https://trk.de/wirtschaftsstandort/forschung/ (9. Januar 2024) 49 Stadt Karlsruhe, Amt für Stadtentwicklung: Statistik aktuell – Studierende in Karlsruhe (2016/2017) 50 https://www.kit.edu/kit/daten.php (9. Januar 2024) 51 Karlsruher Institut für Technologie (KIT) Studierendenstatistik SS 2023 52 Statistisches Landesamt Baden-Württemberg: Studierende an Hochschulen in Baden-Württemberg nach Hochschulart, Studienbe- reich, Geschlecht und Staatsangehörigkeit. (November 2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 38 • Duale Hochschule Baden-Württemberg Karlsruhe mit 3.100 Studierenden. • Kunst- und Musikhochschulen (Bildende Künste, Gestaltung, Musik) mit insgesamt rund 1.200 Studierenden. • FOM Hochschule Hochschulzentrum Karlsruhe mit ca. 500 Studierenden. • Karlshochschule International University mit etwas unter 300 Studierenden. Nicht unerwähnt sollte die herausragende Position Karlsruhes als Bildungs- und Forschungsstand- ort bleiben. Die Stadt gehört EU-weit zu den Spitzenzentren im Bereich Informations- und Kommu- nikationstechnik. Mit rund 4.400 IT-Unternehmen und rund 30.000 Arbeitsplätzen gehört Karls- ruhe zu den wichtigsten IT-Standorten Europas. 53 2.3 Messe- und MICE-Standort Karlsruhe Ganz allgemein ist Deutschland für internationale Messen und Kongresse ein sehr attraktiver Standort. Im Jahr 2019 fanden laut Meeting- und Kongressbarometer rund 2,89 Mio. MICE-Veran- staltungen 54 in Deutschland mit 423 Mio. Teilnehmenden statt. 55 Bedingt durch die Corona-Krise und den damit verbundenen Einschränkungen lag die Zahl der Veranstaltungen 2022 bei 1,72 Mio. mit 184 Mio. Teilnehmenden. Insgesamt lag das Volumen der Veranstaltungen lediglich bei 45% des Vor-Corona-Niveaus. Für 2023 liegen noch keine aktuellen Daten vor, da das Meeting- und Eventbarometer zeitversetzt publiziert wird. Es ist jedoch von einer deutlichen Erholung auf dem Markt auszugehen. Es gibt mehrere größere und wiederkehrende Messen, unter anderem: • art – Internationale Kunstmesse in Karlsruhe • offerta – Karlsruher Erlebnis- und Einkaufsmesse • TIERisch gut – Messe für Hund, Katze & Co • NEW HOUSING – Das Tiny House Festival • LEARNTEC – Bildungsmesse Karlsruhe • Nufam – Nutzfahrzeugmesse in Karlsruhe • IT-Trans – Intelligent Urban Transport System Das Messe- und MICE-Geschäft spielt auch für den Hotelmarkt in Karlsruhe eine wichtige Rolle. Die Messe Karlsruhe richtet nationale und internationale Fach- und Publikumsmessen sowie große Veranstaltungen aus. Jährlich finden über 300 Veranstaltungen an den zwei Standorten der Messe Karlsruhe statt (Innenstadt und Messegelände), welche insgesamt über 800.000 Besucher*innen anziehen. 56 Mit vier attraktiven Locations, einer Gesamtkapazität von 13.000 Sitzplätzen und 20.000 m² Ausstellungsfläche ist das Kongresszentrum Karlsruhe eines der größten Veranstal- tungszentren in Deutschland. 57 Die letzten Primärerhebungen für das Volumen im MICE-Segment __________________________________________________________________________________________________ 53 https://www.cyberforum.de/presse-mediacenter/zahlen-daten-fakten (9. Januar 2024) 54 MICE = Meetings, Incentives, Congresses, Events 55 EITW – Meeting und Eventbarometer Baden-Württemberg 2019. 56 www.messe-karlsruhe.de (9. Januar 2024) 57 https://www.conventionbureau-karlsruhe.de/venues/kongresszentrum-karlsruhe/ (9. Januar 2024) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 39 stammen aus dem Jahr 2015. Damals wurden insgesamt 23.400 Veranstaltungen (Meetings, Incen- tives, Congresses, Events) mit rund 3,4 Mio. Teilnehmenden erfasst. 58 Erwähnenswert bleibt, dass die Stadthalle (Kongresszentrum) aktuell renoviert wird und voraussichtlich ab 2026 wieder für Buchungen zur Verfügung steht. Aktuelle Zahlen aus einer für das Bundesland Baden-Württemberg stammenden Erhebung ver- deutlichen, dass stadtweit der Anteil an internationalen Veranstaltungen mit 10,5% höher als in der Region Stuttgart liegt. Dies wird zum einen auf die Lage im Grenzgebiet zurückgeführt. Zum ande- ren werden auch die internationale Ausrichtung des KIT, das ZKM sowie die Stadt Baden-Baden als weitere Faktoren gesehen. 59 Karlsruhe ist insgesamt ein attraktiver und guter Messe- und Kongressstandort. Daraus resultiert eine signifikante Nachfrage für das Hotelgewerbe. 2.4 Tourismusstandort Karlsruhe Der Tourismus ist eine Querschnittsbranche und setzt sich aus diversen unterschiedlichen Ange- boten zusammen. Die Anbieter und Leistungsträger kommen unter anderem aus den Bereichen Verkehr/Mobilität, Messen/Kongresse/MICE, Freizeit- und Kulturangebot, Verleihdienste u.v.m. Ein wichtiger Baustein im touristischen Angebot sind Hotelbetriebe. Insgesamt wird zwischen Busi- nessgästen und freizeittouristisch motivierter Nachfrage unterschieden. Die Businessgäste setzten sich aus Geschäftsreisenden, Messe-, Kongress- und Tagungsgästen zusammen. Alle privat moti- vierten Reisen fallen in den freizeittouristischen Bereich. Tourismus ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Karlsruhe 60 Eine von uns durchgeführte Untersuchung des Wirtschaftsfaktors Tourismus veranschaulicht ei- nerseits die jeweilige Relevanz der unterschiedlichen Nachfragegruppen und andererseits geht klar hervor, dass der Tourismus einen wichtigen Wirtschaftsfaktor für Karlsruhe darstellt. Folgende we- sentliche Resultate lassen sich zusammenfassend aus der Analyse entnehmen (vgl. Abb. 12): • Der touristische Gesamtumsatz beläuft sich in der Stadt Karlsruhe im Jahr 2023 auf 1.008,7 Mio. Euro. Damit lag der Wert über dem Vor-Krisenniveau (911,7 Mio. Euro/ 2019). • Der Hauptumsatzbringer sind Tagesreisen (72,0% am Gesamtumsatz). Der Umsatzan- teil der Übernachtungsgäste in gewerblichen Betrieben liegt bei 20,9%. • Die durchschnittlichen Ausgaben pro Tag und Übernachtungsgast liegen bei etwas über 188 Euro. Damit tragen die Übernachtungsgäste pro Gast am stärksten zur Wert- schöpfung bei. __________________________________________________________________________________________________ 58 EITW 2015 59 Baden-Württembergischer Industrie- und Handelskammertag e.V. (2019): Meeting- und EventBarometer 2019, MICE-Tourismus in Baden-Württemberg 60 dwif-Consulting GmbH: Wirtschaftsfaktor Tourismus Karlsruhe (2019 & 2022) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 40 Touristischer Rahmen für Karlsruhe Für die Einordnung und Bewertung möglicher struktureller Hotelmarktlücken ist ein Blick auf die übergeordneten Tourismusstrategien/-konzepte zielführend. Daraus lassen sich Anhaltspunkte für die touristische Vermarktung der Region und Stadt heranziehen. Diese Eckpunkte können unter anderem für die zukünftige Weiterentwicklung der bestehenden Betriebe oder auch für die poten- zielle Ansiedlung neuer Betriebe wichtig sein. In der Regel sollten die Hotelbetriebe die gleichen Zielgruppen ansprechen. Die obere Ebene stellt die Landestourismuskonzeption Baden-Württemberg dar. Für die Hotel- marktanalyse Karlsruhe sind folgende wesentliche Eckpunkte wichtig: 61 • Das Tourismuswachstum soll nachhaltig erfolgen. Daraus folgt, dass ein verträgliches Wachstum sowie nachhaltige Hotelkonzepte Priorität haben. • Die touristische Infrastruktur und Betriebe sollen gestärkt werden und die Umsetzung touristischer Projekte soll aktiv und messbar erfolgen. Insofern ist eine gezielte Hotel- marktanalyse zur (Weiter-)Entwicklung des Hotelstandortes in Karlsruhe folgerichtig. • Die Gästeansprache soll stärker konzentriert und fokussiert werden. Für Hotelbe- triebe bedeutet das, dass eine klare Positionierung ein wichtiges Kriterium für die Zu- kunft ist. __________________________________________________________________________________________________ 61 Tourismuskonzeption Baden-Württemberg 2021 Abb. 12: Touristische Umsätze nach Marktsegmenten 2023 Quelle: dwif-Wirtschaftsfaktor Tourismus Karlsruhe 2023 (2024) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 41 • Ganz explizit wird die Stärkung des Gastgewerbes als eines der acht Handlungsfelder erwähnt. Unter anderem soll sich das Aus- und Weiterbildungsangebot für Mitarbei- tende im Gastgewerbe verbessern. Für die Stadt Karlsruhe liegt auch auf lokaler Ebene eine Tourismusstrategie vor. Die Karlsruhe Tourismus GmbH stellt für den Tourismus in Karlsruhe die nachhaltige Entwicklung der Destina- tion in den Mittelpunkt. Folgende Kernaussagen sind aus dem Tourismuskonzept wichtig: • Gerade im Zeitalter der Globalisierung, in der man – theoretisch – überall hin verreisen kann, kann sich eine Destination über die qualitativen Aspekte eines Aufenthalts defi- nieren. „Karlsruhe bleibt besser“: Um dies zielgerichtet zu gestalten, hat sich Karlsruhe auf dem Weg gemacht, die nachhaltigste Städtereisedestination Deutschlands zu wer- den. • Aus diesem Grund muss der Tourismus in Karlsruhe als wichtiger Wirtschaftsfaktor, als Beschäftigungsmotor und als Mitgestalter für Lebensqualität in Karlsruhe von Poli- tik und Gesellschaft wahrgenommen werden • Durch Kooperationen mit der Region, beispielsweise dem Naturpark Schwarzwald Mitte/Nord, werden gemeinsam Naturerlebnisse in der Region wie Radfahren und Wandern beworben, mit Karlsruhe als Ausgangs- und Übernachtungspunkt. Darüber hinaus sollen Kooperation mit Bloggern zum Thema Genuss, Lifestyle und Städtereisen eine gezieltere Ansprache von jüngeren Besucher*innen und Familien ermöglichen. Für die Hotelmarktanalyse geht eindeutig hervor, dass das Hotelgewerbe in Baden-Württemberg und Karlsruhe ein wichtiger touristischer Baustein für Geschäfts- als auch Urlaubsreisende ist. Die Themen verträgliches Wachstum, Qualität, Positionierung und Nachhaltigkeit werden noch wichti- ger. Auf Ortsebene können bestehende oder neue Betriebe zu einer besseren Sichtbarkeit und qualitativ besserem Content beitragen und sollten (noch) stärker auf digitale Lösungen setzen. Die Zusammenarbeit und das Netzwerk werden zudem entscheidend. Freizeit- und Kultureinrichtungen und Events 62 Bei den Geschäftsreisenden sind beispielsweise die MICE-Angebote sowie die vorhandenen Unter- nehmen für die Nachfrage relevant. Für dieses Segment sind punktuell (z. B. Incentive-Programm bei Kongressgästen) und für die Urlauber und privaten Tagesausflugsgäste zu einem hohen Anteil die Freizeit- und Kulturangebote sowie Events als Nachfragegenerator wichtig. Seit Oktober 2019 ist Karlsruhe als einzige deutsche Stadt UNESCO City of Media Arts. Demzufolge kommt der Krea- tiv- und Kulturbranche bei einer nachhaltigen Stadtentwicklung eine besondere Rolle zu, was ebenso aus dem Kulturkonzept Karlsruhe 2025 hervorgeht. __________________________________________________________________________________________________ 62 Aufgrund erheblicher Corona-Effekte auf sämtliche Bereiche des öffentlichen Lebens seit Anfang 2020 wird auf Daten aus dem Jahr 2019 zurückgegriffen. Stadt Karlsruhe | Amt für Stadtentwicklung | Recherche für Hotelgutachten 2023 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 42 Nachfolgende Tabelle gibt einen schnellen Überblick zu den wesentlichen Angeboten und deren Besuchszahlen. Festzuhalten bleiben folgende Schlussfolgerungen: • Das Angebotsspektrum ist breit und gut. • Viele Einrichtungen ziehen vor allem Tagesreisende an. • Es gibt mit dem ZKM lediglich ein freizeittouristisches Angebot mit überregionaler, ho- her Strahlkraft, welches auf Übernachtungen einzahlt (z. B. Musicals in Hamburg, bun- desweit bekanntes Museum oder Science-Center wie z. B. das Klimahaus in Bremer- haven). Tab. 4: Top-Attraktionen in Karlsruhe nach Besuchszahlen (alphabetische Reihenfolge) Veranstaltung / Einrichtung Besucher*innen Format Stadtteil Badisches Landesmuseum (im Schloss) 157.321 Museum Innenstadt-West Badisches Staatstheater 326.073 Theater Südstadt BBBank Wildpark 235.182 Fußball Innenstadt-Ost Das Fest 300.000 Festival Südweststadt Europabad 479.350 Schwimmbad Südweststadt Karlsruher Messe- und Kon- gress-Gesellschaft 466.583 Messe Südweststadt Schlosslichtspiele 316.000 Event Innenstadt-West Staatliches Museum für Natur- kunde 216.515 Museum Innenstadt-West Tollhaus 141.748 Kulturverein Oststadt Zentrum für Kunst und Medien- technologie (ZKM) 258.690 Ausstellung Südweststadt Zoologischer Stadtgarten 1.031.237 Zoo / Park Südweststadt Quelle: Stadt Karlsruhe, dwif 2024 – Online-Recherche Ein Großteil der Besucher*innen setzt sich durch Einheimische und Tagesreisende aus der Region zusammen. Punktuell tragen die aufgelisteten touristischen Angebote aber auch zur Steigerung der Übernachtungsnachfrage bei. Zum einen werden Anreize zur Verlängerung der Geschäftsreisen geschaffen und zum anderen bieten die Angebote selbst – zumindest für ausgewählte Gäste – ei- nen Buchungsanlass. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 43 2.5 Entwicklung der Beschäftigtenzahlen im Gastgewerbe Für die Hotelmarktanalyse kann die Entwicklung der Beschäftigtenzahlen als erster allgemeiner Indikator zur Entwicklung herangezogen werden. Bezogen auf das Hotelgewerbe gilt ähnlich wie für andere Branchen, dass der Arbeitskräftemangel eine große Herausforderung darstellt. Wäh- rend der Corona-Krise sind viele Mitarbeitende aus dem Gastgewerbe in andere Branchen abge- wandert. Der geringste Beschäftigungsgrad wurde Mitte des Jahres 2021 erreicht, als nach dem Ende des monatelangen Lockdowns das Hotel- und Gaststättengewerbe wieder öffnen durfte, dies aber aufgrund des Personalmangels mancherorts nicht konnte (vgl. Abb. 13). So waren im deutschen Gastgewerbe im Juni 2021 rund 12% (absolut rund 128.000) sozialversi- cherungspflichtig Beschäftigte weniger gemeldet als im Juni 2019 – obwohl es über alle Branchen hinweg sogar einen Zuwachs von 1,2% gab. In Karlsruhe war der Mangel an Arbeitskräften eben- falls spürbar: Hier waren es im Juni 2021 rund 16% sozialversicherungspflichtig Beschäftigte weni- ger als noch im Juni 2019. Noch größere Verluste (-20%) gab es bei den geringfügig entlohnten Be- schäftigten. 63 2022 entspannte sich die Situation ein wenig und 2023 stieg das Beschäftigungsniveau auf das Vor-Krisen-Niveau an. So meldete die Bundesagentur für Arbeit im Juni 2023 4.854 sozialversiche- rungspflichtige Beschäftigte und 5.317 geringfügig entlohnte Beschäftigte im Gastgewerbe. Damit wurde das Niveau aus 2019 bei den sozialversicherungspflichtigen Beschäftigten noch um 123 Stellen unterschritten und das der geringfügig Beschäftigten um 138 Stellen überschritten. __________________________________________________________________________________________________ 63 Bundesagentur für Arbeit: Sozialversicherungspflichtig Beschäftigte und geringfügig entlohnte Beschäftigte am Arbeitsort, Stichtag: jeweils zum 30.06. des Jahres Abb. 13: Arbeitsmarktkennzahlen im Hotel- und Gaststättengewerbe in Karlsruhe Quelle: dwif 2024; Daten Bundesagentur für Arbeit dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 44 3. Das Geschäftsreisesegment als primärer Nachfragegenerator Die bisherigen Analysen und die Ergebnisse der Primärerhebungen verdeutlichen, dass die Hotel- nachfrage vorwiegend aus den Bereichen der Geschäfts-, Messe-, Kongress- und Tagungsgäste kommt. Laut einer Sonderauswertung der Reiseanalyse Business (RAB) 64 liegt in Baden-Württem- berg Karlsruhe hinter Stuttgart und Freiburg auf Platz drei als Ziel für Übernachtungsgeschäftsrei- sen. Die Hotelbetreiber*innen in Karlsruhe geben einen Anteil von durchschnittlich 75% bis 80% der Geschäftsreisenden am gesamten Gästeanteil an. Damit liegt Karlsruhe deutlich über dem Wert von Berlin. 65 Die Auslastung der Hotelbetriebe hängt somit eng mit der konjunkturellen, wirtschaftlichen Ent- wicklung in der Stadt und der Entwicklung im Geschäftsreisesegment zusammen. Im Grunde kann man sagen, wenn es der Wirtschaft gut geht, geht es der Hotellandschaft auch gut. Während der Corona-Krise ist die Nachfrage stark eingebrochen und nach der Krisenzeit hat sich das freizeittou- ristische Segment deutlich schneller erholt als das der Geschäftsreisenden. Wie entwickelt sich nun der Geschäftsreisetourismus nach Corona? Mit dem Ende der Reiseeinschränkungen durch die Corona-Pandemie haben sich Geschäftsreisen von ihrem drastischen Einbruch erholt. Laut der Reiseanalyse Business haben 2022 in Deutschland dennoch 56% weniger Übernachtungsgeschäftsreisen stattgefunden als noch 2019, die Ausgaben liegen noch 48% unter dem Vor-Krisen-Niveau. Auch wenn das eine deutliche Steigerung gegen- über dem Vorjahr darstellt, dauert es noch, bis der Corona-bedingte Einbruch ausgeglichen wer- den kann. Städtetouristische Destinationen wie Karlsruhe, die stark vom Business- und MICE-Segment ab- hängig sind, erholen sich daher langsamer. Im letzten Jahr standen die gestiegenen Kosten zusätz- lich einer schnelleren Erholung in diesem Segment entgegen. Auch die höhere Bedeutung von Nachhaltigkeit und Digitalisierung führt dazu, dass persönliche Meetings durch Videokonferenzen substituiert werden. Der VDR erwartet ein dauerhaft niedrigeres Aufkommen klassischer Ge- schäftsreisen als noch 2019. Insgesamt finden weniger, aber dafür längere Geschäftsreisen statt 66 Eine Studie im Auftrag des German Convention Bureaus (GCB) zeigt, dass die Planungszyklen im- mer kürzer werden und dementsprechend eine erhöhte Flexibilität aller erforderlich ist. 67 Auch ein grundsätzlicher Strukturwandel zeigt sich: Der Trend zu hybriden und räumlich verteilten Veran- staltungen wächst weiter, Grenzen verschiedener Formen von Meetings und Events verschwim- men zunehmend, persönliche Events kehren zurück, werden aber häufig virtuell erweitert und kön- nen so eine größere Zielgruppe erreichen. Diese Ergebnisse werden von dem aktuellen Meeting- & EventBarometer Deutschland untermauert. 2023/24 konnte bereits ein Volumen von 2,15 Mio. __________________________________________________________________________________________________ 64 FUR (2022): Sonderanalysen aus der RA Business 2022 für Baden-Württemberg 65 TouristiCon & dwif 2019: Wirtschaftsfaktor Tourismus Berlin. 66 Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) (2023): VDR-Geschäftsreiseanalyse 2023 67 Hotelverband Deutschland IHA (2023): Hotelmarkt Deutschland 2023 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 45 Veranstaltungen erzielt werden. Das entspricht rund 74% der Vor-Krisen-Nachfrage. 68 Eine FUR- Sonderanalyse für Geschäftsreisende in Baden-Württemberg aus dem Jahr 2022 kommt zu ähnli- chen Ergebnissen. Demnach fanden in Baden-Württemberg nur halb so viele Inlandsgeschäftsrei- sen wie 2019 statt. 69 Zum aktuellen Zeitpunkt liegt keine Studie mit einer klaren Prognose für die kommenden Jahre vor. Im Mai 2023 veröffentlichten die Deutsche Zentrale für Tourismus und das German Conven- tion Bureau gemeinsam sechs Thesen und zur Entwicklung steht folgende Einschätzung in dem Pa- pier: „Der internationale Geschäftsreisemarkt erholt sich nach drei Krisenjahren dynamisch. Deutschlands Incoming-Tourismus nimmt an der bisherigen Recovery überproportional teil und könnte in Zukunft seine Top-Position sogar noch ausbauen.“ 70 Alles in allem lässt sich für den (Hotel-)Standort Karlsruhe folgendes ableiten: • Es besteht eine überdurchschnittlich hohe Abhängigkeit vom Geschäftsreisemarkt. In- sofern sind auch Bemühungen zur Stärkung des freizeittouristischen Marktes zu be- grüßen, da hierdurch eine gewisse Risikodiversifikation erfolgt. • Während der Corona-Zeit waren Standorte wie Karlsruhe mit hohem Geschäftsreise- anteil überdurchschnittlich stark betroffen. • Die Erholungsphase dauert aus diesem Grund in Karlsruhe länger an. Sowohl 2022 als auch 2023 konnte das Vor-Krisen-Niveau noch nicht erreicht werden. Der internationale Geschäftsreiseverband GBTA geht davon aus, dass das europäische Geschäfts- reisevolumen erst am Ende des Jahres 2025 wieder auf bzw. leicht über dem Jahr 2019 sein wird. 71 Insofern kommen hier verhaltene, aber positive Signale, dass sich auch in Deutschland und Karls- ruhe bis dahin die Nachfrage positiv entwickelt. Zusätzlich dürfte die dann zum Jahr 2026 wieder eröffnete Stadthalle zusätzliche Impulse für den Geschäftsreisemarkt geben. 4. Fazit Standortbewertung Die Rahmenbedingungen für den Hotelstandort Karlsruhe sind sehr gut. Der Standort ist gut er- reichbar und die Anbindung sowohl per PKW als auch per Bahn und Flughafen sind positiv zu be- werten. Karlsruhe zeichnet sich vor allem als sehr guter Wirtschaftsstandort mit hoher Bedeutung als Forschungs- und Wissenschaftsstandort aus. Aufgrund zahlreicher Unternehmen, der Techno- logieRegion Karlsruhe und einem attraktiven Messe- und Kongressangebot ist die Hotelnachfrage stark geprägt vom Geschäftsreisetourismus. Neben dem starken Geschäftsreisesegment trägt ein hohes freizeittouristisch motiviertes Nachfragevolumen aus dem Tagesreisesegment zur touristi- schen Wertschöpfung bei. Insgesamt ist der Tourismus mit einem Umsatzvolumen von 1.008,7 Mio. Euro und einem Einkommensvolumen von 410 Mio. Euro ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für __________________________________________________________________________________________________ 68 Europäisches Institut für TagungsWirtschaft GmbH (2023): Meeting- & EventBarometer Deutschland 2023/2024 69 FUR (2022): Sonderanalysen aus der RA Business 2022 für Baden-Württemberg 70 DZT & GCB: 6 Thesen zu den Trends im Geschäftsreisemarkt der Zukunft (2023) 71 https://www.gbta.org/european-business-travel-spending-is-forecast-to-reach-450-billion-usd-by-2027/ (9. Januar 2024) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 46 die Stadt. Direkt und indirekt sind mehr als 13.100 Personen im Tourismus in Karlsruhe beschäf- tigt. Die übergeordneten Tourismuskonzepte auf Landes- und Stadtebene verdeutlichen die allgemein hohe Relevanz von Hotelbetrieben für das gesamttouristische Angebot. Sowohl für bestehende als auch für potenziell neue Hotelbetriebe gilt: Der Qualitätsanspruch steigt und Nachhaltigkeit sowie Digitalisierung müssen bei Konzepten und Prozessen mitgedacht werden. Darüber hinaus werden das Netzwerk und Kooperationen in der Region deutlich wichtiger. Für den guten und robusten Wirtschaftsstandort sprechen die nach der Krise wieder guten Werte auf dem Arbeitsmarkt. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigen ist seit dem letzten Hotelgutachten aus dem Jahr 2016 um 8,9% bei gleichzeitig geringer Arbeitslosenquote angestie- gen. Im Hotelgewerbe kam es während der Krise zu Abwanderungen der Mitarbeitenden in andere Branchen. Zuletzt hat sich die Branche etwas erholt und das Beschäftigungsniveau 2023 liegt weit- gehend wieder auf dem 2019er Niveau. Die Analysen und Ergebnisse zeigen, dass der Hotelstandort Karlsruhe zu 75% bis 80% aus dem Geschäftsreise-, Messe-, Kongress- und Tagungssegment stammt. Während der Corona-Krise wa- ren Städte wie Karlsruhe mit hohem Geschäftsreiseanteil am stärksten betroffen. Auch die Erho- lungsphase dauert länger als an Standorten mit einem differenzierten Gästemix an. Im Jahr 2022 lag das Geschäftsreiseniveau noch deutlich unter den Vor-Krisen-Werten. Erste Prognosen gehen erst im Jahr 2025 von einer vollständigen Erholung im Geschäftsreisesegment aus. In Karlsruhe dürfte durch die Wiedereröffnung der Stadthalle im Jahr 2026 ein weiterer Nachfrageanstieg er- folgen. V. HOTELMARKTANALYSE Ein möglicher Hotelbedarf wird auf Basis von zwei Analysen ermittelt. Faktische Angebotseng- pässe lassen sich auf Basis von Zahlen, Daten und Fakten ableiten. Neben der letztjährigen Ent- wicklung quantifizierbarer Werte ist in der Hotelbranche aber auch ein Blick auf strukturelle Eng- pässe zu werfen. Das bedeutet, dass möglicherweise bestimmte Zielgruppen aufgrund fehlender Hotels gar nicht erst angesprochen werden und deshalb diese Nachfrage fehlt. Bei diesem zentralen Teil der Studie geht es also darum, zu prüfen, ob • quantitative Angebotsengpässe (vorhandene Nachfrage trifft auf fehlende oder zu ge- ringe Kapazitäten), • strukturelle Angebotsengpässe (Angebotsstrukturen entsprechen nicht den Gästeer- wartungen) oder • Angebotslücken (bestimmte Zielgruppen werden bislang nicht angesprochen) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 47 vorhanden sind, die eine Ausweitung oder strukturelle Veränderung der vorhandenen Hotelkapazi- täten als absatzwirtschaftlich sinnvoll erscheinen lassen. Faktische Angebotsengpässe Die faktischen Angebotsengpässe werden auf Basis der Marktanalyse durchgeführt. Dabei greifen wir auf folgende Informationen/Daten zurück: • Angebot: Anzahl der Betriebe inkl. Marktein- und -austritte, Betten und Betriebsgröße nach Betriebstyp • Nachfrage: Ankünfte, Übernachtungen, Bettenauslastung, Aufenthaltsdauer nach Be- triebstyp, Saisonalität und Incoming-Nachfrage 72 Darüber hinaus wird die Marktverträglichkeit (anhand von Bettendichte und Tourismusintensität) herangezogen, um neben der reinen Abwägung von Nachfrage und Angebot auch die Tourismus- auswirkungen (aus dem Freizeit- und Geschäftsreisetourismus) miteinzubeziehen. Strukturelle Angebotsengpässe Zur Ermittlung möglicher struktureller Angebotslücken erfolgt eine Analyse des Bestandsmarktes. Durch Online-Recherchen und Data-Scraping werden entsprechende Informationen und Daten ermittelt. Folgende zentrale Kriterien stehen im Fokus: • Kapazitäten • Preise • Qualität • Positionierung 1. Faktische Hotelmarktanalyse Im Rahmen der faktischen Analyse greifen wir auf die Daten des Statistischen Landesamtes zurück und stellen die Entwicklung des Beherbergungsmarktes zwischen 2015 und 2023 dar. 73 Die Ange- bots- und Nachfragewerte werden nachfolgend für die Stadt Karlsruhe analysiert und auf Land- kreis- und Bundeslandebene eingeordnet. Zusätzlich ziehen wir Vergleichsstädte (Mannheim, Aachen, Darmstadt, Wiesbaden) heran und werfen einen Blick auf die angrenzenden Gemeinden Karlsruhes. Hinweis zu den Begrifflichkeiten und den Kennzahlen: • Unter „gewerbliches Beherbergungsgewerbe“, im Folgenden „Beherbergungsge- werbe“ genannt, fallen alle meldepflichtigen Beherbergungsbetriebe ab 10 Schlafgele- genheiten. Dem „grauen Beherbergungsmarkt“ wird mit dem Exkurs zur Kurzzeitver- mietung Rechnung getragen. __________________________________________________________________________________________________ 72 Nachfrage von ausländischen Tourist*innen 73 Kennzahlen zu Langfristentwicklungen ab 2012 sowie die Coronajahre 2021 und 2022 sind im Anhang zu finden. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 48 • Unter „Betriebstyp“ versteht man die Art des Betriebes, z. B. Hotel oder Jugendher- berge. • In der Kategorie „Hotellerie“ sind die Betriebstypen Hotel, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen vereint. Aus Gründen der statistischen Geheimhaltungspflicht sind nicht im- mer überall Hotellerie-Werte insgesamt ausgewiesen. Für den Vergleich mit den ande- ren Städten liegt der Fokus daher auf dem Betriebstyp Hotel. Aus statistischer Sicht können somit Gesamtsegmente oder aber auch Betriebstypen betrachtet werden. Nachfolgend gehen wir bei der Analyse für den Standort Karlsruhe wie folgt vor: • In einem ersten Schritt betrachten wir nun die Angebots- und Nachfragesituation ins- gesamt (alle gewerblichen Beherbergungsbetriebe), um die allgemeinen Entwicklungen auf dem Beherbergungsmarkt darzustellen. • Danach folgt eine vertiefende Betrachtung auf die für dieses Gutachten im Fokus ste- hende Hotellerie. Punktuell wird zudem der Betriebstyp Hotel für eine detaillierte Be- trachtung herangezogen. Hinweis: Nachfolgende Analysen zur Angebots- und Nachfragesituation werden wie folgt aufberei- tet: • Der jeweilige IST-Stand wird aufgrund der Sondersituation durch die Corona-Krise für 2019 (Vorkrisenjahr) und das Jahr der letzten Datenlieferung (2023) aufbereitet. Abb. 14: Begriffserläuterungen zur amtliche Beherbergungsstatistik Quelle: dwif 2024, Statistisches Bundesamt (Destatis) 2023 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 49 • Danach erfolgt ein Zeitreihenvergleich für den gesamten Beobachtungszeitraum von 2015 bis 2023. 1.1 Angebot und Nachfrage auf dem gewerblichen Beherbergungsmarkt Angebot gewerblicher Beherbergungsmarkt 2019 & 2023 Das Statistische Landesamt wies 2019 und damit im letzten Jahr vor Ausbruch der Corona-Pande- mie für die Stadt Karlsruhe 59 gewerbliche Beherbergungsbetriebe aus, die in Summe 6.404 Schlafgelegenheiten 74 anboten. 75 Die durchschnittliche Betriebsgröße lag bei 109 Schlafgelegenhei- ten pro Betrieb. Gegenüber den Vergleichsstädten befand sich Karlsruhe bezogen auf die absolu- ten Zahlen der Schlafgelegenheiten im letzten „Normaljahr“ im soliden Mittelfeld, hinter Mannheim (9.153) und Wiesbaden (7.673). Aachen (5.579) und Darmstadt (4.765) hielten weniger Angebots- kapazitäten vor. Im Jahr 2023 lag die Anzahl der Betriebe in Karlsruhe mit 65 gewerblichen Beherbergungsbetrie- ben über dem Vor-Krisen-Niveau. Das Angebot an Schlafgelegenheiten fiel mit 8.203 ebenso höher aus. Ursächlich hierfür ist neben der höheren Anzahl an Beherbergungsbetrieben eine steigende durchschnittliche Betriebsgröße, welche 2023 bei 126 Betten je Betrieb lag. Das Gesamtangebot in Karlsruhe näherte sich somit an die Vergleichsstädte Mannheim und Wiesbaden an, liegt jedoch weiterhin hinter den beiden Städten sowie vor Aachen und Darmstadt (siehe Tab 5). Zum Ver- gleich: Neubauprojekte oder Projekte von markengebundenen Hotels werden an B-Standorten meist ab einer Größenordnung ab 100-150 Zimmern geplant. Tab. 5: Angebotskennzahlen gewerblicher Beherbergungsmarkt insgesamt 2023 Betriebe Schlafgelegenheiten Durchschnittliche Betriebsgröße 2023 2019 2023 2019 2023 2019 Karlsruhe 65 59 8.203 6.404 126 109 LK Karlsruhe 117 122 8.058 7.839 69 64 Baden-Würt- temberg 6.189 6.603 439.783 423.909 69 64 Deutschland 48.213 51.229 3.896.650 3.827.563 79 75 Mannheim 69 66 10.700 9.153 155 139 Aachen 57 66 5.560 5.579 91 85 Darmstadt 40 43 5.436 4.765 136 111 __________________________________________________________________________________________________ 74 Schlafgelegenheiten beziehen sich auf die angebotenen Betten, die Gästen zum Übernachten zur Verfügung stehen. 75 Für die Angebotskennzahlen (Anzahl der Betriebe, Anzahl Schlafgelegenheiten und durchschnittliche Betriebsgröße) werden wie in Deutschland branchenweit üblich, die statistischen Werte des Monats Juli verwendet. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 50 Betriebe Schlafgelegenheiten Durchschnittliche Betriebsgröße 2023 2019 2023 2019 2023 2019 Wiesbaden 76 82 8.532 7.673 112 94 Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landesämter, Stadt Karlsruhe Angebotsentwicklung gewerblicher Beherbergungsmarkt 2015-2023 Die Zahl der Betriebe ist seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) im Vergleich (2023 ggü. 2015) um 3 Betriebe gesunken. Wichtig zu beachten ist, dass tendenziell kleinere Betriebe aus dem Markt austraten und größere hinzukamen, weshalb das Gesamtangebot an Schlafgelegenhei- ten deutlich stieg. Von 2015 bis 2023 stieg das Gesamtangebot aufgrund der Marktein- und -austritte um gut 20% an. Alle Vergleichsstädte verzeichneten ebenfalls ein Angebotswachstum in diesem Zeitraum, wo- bei lediglich Mannheim eine höhere Wachstumsrate als Karlsruhe aufweist. Im Detail sah die Ent- wicklung in den Städten wie folgt aus (vgl. Abb. 15, Abb. 16 & Tab. 6): • In Mannheim stieg das Angebot um 54%. • In Darmstadt und Wiesbaden lag das Wachstum zwischen 10% und 17%. • Nur in Aachen stieg das Angebot um lediglich 5%. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 51 Abb. 15: Entwicklung des Angebotes (Schlafgelegenheiten) 2015-2023 Index: 2015 = 100 Entwicklung in Karlsruhe und den Regionen Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesämter Abb. 16: Entwicklung des Angebotes (Schlafgelegenheiten) 2015-2023 Index: 2015 = 100 Entwicklung in Karlsruhe und den Vergleichsstädten Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 52 Tab. 6: Entwicklung der Schlafgelegenheiten (gewerblicher Beherbergungsmarkt) 2023 2023 ggü. 2015 (in %) 2023 ggü. 2019 (in %) 2019 ggü. 2015 (in %) Karlsruhe 8.203 +23,1 +28,1 -3,9 LK Karlsruhe 8.058 +5,8 +2,8 +3,0 Baden- Württemberg 439.783 +11,5 +3,7 +7,5 Deutschland 3.896.650 +9,0 +1,8 +7,0 Mannheim 10.700 +53,8 +16,9 +31,6 Aachen 5.560 +5,1 -0,3 +5,5 Darmstadt 5.436 +16,8 +14,3 +3,4 Wiesbaden 8.532 +9,6 +5,6 +5,4 Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter Verteilung der Betriebe im Stadtgebiet Bei der Verteilung der Betriebe im Karlsruher Stadtgebiet ist eine deutliche Konzentration auf das Stadtzentrum festzustellen. Die Karte (vgl. Abb. 17) zeigt, dass sich ein großer Teil der Betriebe auf die Stadtteile Innenstadt-Ost, Innenstadt-West, Südstadt, Südweststadt, Oststadt und Weststadt aufteilt. In den Randbezirken hingegen sind die Hotels weniger vertreten, mit größerer Entfernung zueinander. Zudem gibt es einzelne Stadtteile, die über keine Hotels verfügen, wie unter anderem Grötzingen oder Daxlanden. Auffällig bei der Entwicklung in den letzten Jahren ist, dass tendenziell Marktaustritte an den Rän- dern der Stadt und die Markteintritte vermehrt im Stadtzentrum stattfanden. Unter anderem liegt das daran, dass die neuen Hotelansiedlungen stärker markengebunden sind und diese innerstädti- sche Standorte bevorzugen. An den Rändern schlossen hingegen tendenziell kleinere private Be- triebe, bei welchen die Nachfolgeregelung nicht möglich war. Bezogen auf die Betriebsgröße befin- den sich die größeren Betriebe tendenziell näher am Stadtzentrum, während die kleinen Betriebe über das gesamte Stadtgebiet verteilt sind. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 53 Abb. 17: Verteilung der Betriebe im Stadtgebiet Karlsruhe einschl. Marktein- und –austritte Quelle: dwif 2024; Kartengrundlage GfK Stand: Dezember 2023 (Ausgenommen: zurückgestellte Projekte sowie Projekte ohne Baustart) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 54 Nachfrage auf dem gewerblichen Beherbergungsmarkt 2019 & 2023 Im Jahr 2019 lag die Zahl der gewerblichen Übernachtungsgäste in Karlsruhe bei rund 655.000. Sie buchten 1,15 Mio. Übernachtungen und blieben damit durchschnittlich 1,8 Tage in der Stadt. Betriebstypenübergreifend lag 2019 die durchschnittliche Bettenauslastung bei sehr guten 49,5% - und damit auf dem Niveau von Karlsruhe und höher als in allen anderen Vergleichsregionen. Während der Krisenjahre ist die Nachfrage eingebrochen und lag im Jahr 2023 mit knapp 646.000 Ankünften und 1,15 Mio. Übernachtungen weiterhin leicht unterhalb des Vor-Krisen-Niveaus. Die Auslastung liegt mit 40,6% deutlich unter dem Wert aus 2019. Entsprechend der Ausführungen im Kapitel Standortbewertung (vgl. Kap. IV.3) waren Städteregio- nen wie Karlsruhe mit hohem Anteil Geschäfts- und MICE-Gäste stärker von der Krise betroffen und benötigten einen längeren Zeitraum für die Nachfrageerholung. Im Jahr 2023 lag das Nachfra- gevolumen bezogen auf die Übernachtungen nur ganz leicht unter dem Vorkrisenniveau. Tab. 7: Nachfragekennzahlen gewerblicher Beherbergungsmarkt Region Ankünfte Übernachtungen Bettenauslas- tung (in %) Jahr 2023 2019 2023 2019 2023 2019 Karlsruhe 645.635 655.007 1.147.239 1.149.181 40,6 49,5 LK Karlsruhe 395.228 394.440 1.024.752 1.033.823 36,5 38,5 Baden- Württemberg 22,94 Mio. 23, 27 Mio. 57,52 Mio. 57,19 Mio. 39,2 40,4 Deutschland 183,27 Mio. 190,94 Mio. 487,11 Mio. 495,62 Mio. 37,8 39,2 Mannheim 837.432 747.905 1.808.677 1.619.687 48 49,8 Aachen 522.596 549.313 1.012.170 1.043.978 50,1 50,4 Darmstadt 369.906 353.655 735.180 670.605 37,1 38,6 Wiesbaden 585.781 591.775 1.337.702 1.278.891 43 45,7 Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landesämter Nachfrageentwicklung gewerblicher Beherbergungsmarkt 2015 bis 2023 Im gesamten Betrachtungszeitraum 2015 bis 2023 entwickelte sich die Nachfragekurve in Karls- ruhe dynamischer als das Angebot, was sich in sehr guten Bettenauslastungszahlen für das Jahr 2019 widerspiegelte. Über den gesamten Beobachtungszeitraum vor der Krise stieg die Nachfrage um knapp 5%. Die Bettenauslastung legte um 2,1% zu. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 55 Nach der Krise fand eine erste Erholung statt, jedoch lag Karlsruhe durch ein Minus von etwas we- niger als neun Prozentpunkten bei der Auslastung nur mehr im unteren Mittelfeld der Vergleichs- regionen. Lediglich Darmstadt weist eine geringere Auslastung aus. Abb. 18: Entwicklung der Nachfrage (Übernachtungen) 2015-2023 Index: 2015 = 100 Entwicklung in Karlsruhe und den Regionen Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 56 Tab. 8: Entwicklung der Übernachtungen (gewerblicher Beherbergungsmarkt) 2023 2023 ggü. 2015 (in %) 2023 ggü. 2019 (in %) 2019 ggü. 2015 (in %) Karlsruhe 1.147.239 +4,6 -0,2 +4,8 LK Karlsruhe 1.024.752 +6,5 -0,9 +7,5 Baden- Württemberg 57,52 Mio. +13,3 +0,6 +12,7 Deutschland 487,11 Mio. +11,7 -1,7 +13,6 Mannheim 1.808.677 +45,7 +11,7 +30,5 Aachen 1.012.170 +4,0 -3,0 +7,3 Darmstadt 735.180 +9,6 +9,6 0 Wiesbaden 1.337.702 +11,5 +4,6 +6,6 Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter Abb. 19: Entwicklung der Nachfrage (Übernachtungen) 2015-2023 Index: 2015 = 100 Entwicklung in Karlsruhe und den Vergleichsstädten Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 57 Tab. 9: Entwicklung der Auslastung (gewerblicher Beherbergungsmarkt) 2023 (in %) 2023 ggü. 2015 (in %-Punkte) 2023 ggü. 2019 (in %-Punkte) 2019 ggü. 2015 (in %-Punkte) Karlsruhe 40,6 -6,8 -8,9 +2,1 LK Karlsruhe 36,5 -0,4 -2,0 +1,6 Baden- Württemberg 39,2 +0,6 -1,2 +1,8 Deutschland 37,8 +0,8 -1,4 +2,2 Mannheim 48 -1,2 -1,8 +0,6 Aachen 50,1 +1 -0,3 +1,3 Darmstadt 37,1 -2,8 -1,5 -1,3 Wiesbaden 43 -2,1 -2,7 +0,6 Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter Saisonalität der Nachfrage Aus der Betrachtung der Auslastungswerte nach Monaten (vgl. Abb.20) geht hervor, dass in Karls- ruhe die Saisonalität eine eher untergeordnete Rolle spielt. Im Jahresverlauf kommt es zu einer weitgehend konstanten Bettenauslastung. Mehr Einfluss hat die unterschiedliche Bettenauslas- tung unter der Woche, die somit wichtiger ist. Aufgrund des hohen Geschäftsreiseanteils wird an den Tagen Dienstag und Mittwoch eine sehr hohe Bettenauslastung und an den Wochenenden ten- denziell eine geringe Bettenauslastung verzeichnet. Abb. 20: Saisonalität der Nachfrage in Karlsruhe Übernachtungen in % Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 58 Nachfrage aus dem Ausland Karlsruhe ist ein wichtiger Messe-, Kongress- und Forschungsstandort. Darüber hinaus sind in Karlsruhe zahlreiche Unternehmen mit internationalem Bezug ansässig. Aus diesem Grund ist ein Blick auf die Entwicklung der Auslandsnachfrage wichtig. Folgende zwei Sachverhalte lassen sich auf Basis der Zahlen ableiten (vgl. Tab. 10): • Vor den Krisenjahren bewegte sich der Anteil ausländischer Gäste in Karlsruhe zwi- schen 23,3 und 24,6%. Im Jahr 2023 lag dieser bei 21%. • Darmstadt und Wiesbaden verzeichnen die höchsten Rückgänge bei den internationa- len Gästen, gefolgt von Karlsruhe und Mannheim. • Ursächlich hierfür dürften die Auswirkungen auf die internationale Messe-, Kongress- und Tagungsnachfrage sein. Dieser Markt erholt sich erst langsam. Zudem gab es ge- rade für internationale Reisen höhere Restriktionen als vor der Corona-Pandemie. Tab. 10: Anteil ausländischer Übernachtungen 2023 (in %) 2019 (in %) 2015 (in %) Anteil 2023 ggü. 2015 (in %-Punkte) Anteil 2023 ggü. 2019 (in %-Punkte) Anteil 2019 ggü. 2015 (in %-Punkte) Karlsruhe 21,0 23,3 24,6 -3,6 -2,3 -1,3 LK Karls- ruhe 14,7 12,9 12,9 +1,8 +1,8 0 Baden- Württem- berg 20,3 21,4 21,9 -1,6 -1,1 -0,5 Deutsch- land 16,6 18,1 18,3 -1,7 -1,5 -0,2 Mannheim 20,0 21,6 23,1 -3,1 -1,6 -1,5 Aachen 30,8 30,7 30,8 0 +0,1 -0,1 Darmstadt 24,2 29,6 30,3 -6,1 -5,4 -0,7 Wiesba- den 21,6 20,5 27,7 -6,1 +1,1 -7,2 Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 59 1.2 Angebot und Nachfrage in den Nachbargemeinden von Karlsruhe Als nächstes werfen wir einen Blick auf die Städte und Gemeinden im Umkreis von Karlsruhe und schauen uns die Entwicklung auf den jeweiligen Beherbergungsmärkten an. Ziel ist es, die Beher- bergungsmarktentwicklung ganzheitlich für die Region im Blick zu haben. Betrachtet werden dabei die nachfolgenden elf Gemeinden: • Bad Herrenalb (34 Minuten ent- fernt) • Bruchsal (26 Minuten entfernt) • Ettlingen (16 Minuten entfernt) • Freiburg (86 Minuten entfernt) • Heidelberg (44 Minuten ent- fernt) • Karlsbad (20 Minuten entfernt) • Mannheim (60 Minuten entfernt) • Pfinztal (16 Minuten entfernt) • Pforzheim (31 Minuten entfernt) • Rastatt (27 Minuten entfernt) • Rheinstetten (18 Minuten ent- fernt) • Waldbronn (18 Minuten ent- fernt) Hinweis: Für diesen Analyse-Baustein wurden dieselben Gemeinden wie in dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) herangezogen. Zusätzlich zu diesen haben wir Rheinstetten aufgrund der Messe mit integriert. Angebot in den Nachbargemeinden und nahegelegenen Oberzentren Angebotsseitig halten die Städte Freiburg, Heidelberg und Mannheim 2023 die meisten Schlafgele- genheiten vor. An vierter Stelle folgt Karlsruhe. Die Schlafgelegenheiten aller weiteren und kleine- ren Städte und Gemeinden liegen im unteren vierstelligen bzw. im dreistelligen Bereich. Im Zeit- raum zwischen 2015 und 2023 verzeichnen elf der dreizehn Städte und Gemeinden einen Ange- botszuwachs. Lediglich in den Gemeinden Bruchsal (-13,7%) und Karlsbad (-10,9%) sank die Anzahl an Schlafgelegenheiten. Die mit Abstand höchste Zuwachsrate hat mit 319% Rheinstetten. Dies ist auf die Neuansiedlung eines großen Hotels in unmittelbarer Nähe zur Messe Karlsruhe 2023 und die davor sehr geringe Anzahl an Schlafgelegenheiten vor Ort zurückzuführen. Es stellt somit einen Sonderfall im Ver- gleich zu den anderen Gemeinden und Städten dar. Waldbronn (79,3%). Mannheim (53,8%) und Freiburg (45,5%) folgen mit deutlichem Abstand. Karlsruhe liegt einer Wachstumsrate von 23,1% im hinteren Mittelfeld dieser Auswahl an Städten und Gemeinden. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 60 Tab. 11: Angebotskennzahlen im Überblick Betriebe Schlafgelegenheiten 2023 2019 2023 2019 Veränderung 2023 ggü. 2019 (in %) Veränderung 2023 ggü. 2015 (in %) Karlsruhe 65 59 8.203 6.404 +28,1 +23,1 Bad Herrenalb 25 26 2.033 1.841 +10,4 +15,8 Bruchsal 12 14 1028 1.159 -11,3 -13,7 Ettlingen 7 8 1.099 1.135 -3,2 +16,7 Freiburg 87 86 12.401 10.142 +22,3 +45,5 Heidelberg 88 91 9.032 8.705 +3,8 +26,0 Karlsbad 5 6 434 480 -9,6 -10,9 Mannheim 69 66 10.700 9.153 +16,9 +53,8 Pfinztal 4 3 144 105 +37,1 +37,1 Pforzheim 22 22 1.900 1.749 +8,6 +13,2 Rastatt 25 24 1.456 1.383 +5,3 +27,9 Rhein- stetten 4 3 319 60 +431,7 +319,7 Waldbronn 8 8 606 412 +47,1 +79,3 Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Nachfrage in den Nachbargemeinden Nachfrageseitig verzeichneten ebenfalls Freiburg, Heidelberg und Mannheim 2023 die meisten Übernachtungen. Während Freiburg über 2,1 Mio. Übernachtungen erzielte, folgten Mannheim mit gut 1,8 Mio. und Heidelberg mit knapp 1,6 Mio. Übernachtungen. Von den anderen Gemeinden und Städten überschreitet nur Karlsruhe noch die Eine-Millionen-Grenze, alle anderen Gemeinden sind weit davon entfernt. Sie erreichen Werte zwischen 299.149 (Bad Herrenalb) und 16.986 (Pfinztal). Was die Nachfrageentwicklung zwischen 2015 und 2023 angeht, verzeichneten zwölf der dreizehn betrachteten Städte und Gemeinden Steigerungen bei den Übernachtungszahlen. Sie lagen zwi- schen 2,4% und 309,6% und weisen damit eine sehr hohe Spannbreite auf. Waldbronn und dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 61 Rheinstetten wiesen mit jeweils rund 300% die mit Abstand höchsten prozentualen Wachstumsra- ten auf. Während Städte wie Mannheim (45,7%), Pfinztal (40,6%) oder Bad Herrenalb (36,1%) im Mittelfeld liegen, fiel die Wachstumsrate in Karlsruhe im selben Zeitraum (4,6%) deutlich verhal- tender aus. Lediglich Pforzheim (2,4%) weist eine kleinere, noch positive Rate auf. Tab. 12: Nachfragekennzahlen im Überblick Ankünfte Übernachtungen 2023 2019 2023 2019 Veränderung 2023 ggü. 2019 (in %) Veränderung 2023 ggü. 2015 (in %) Karlsruhe 645.635 655.007 1.147.239 1.149.181 -0,2 +4,6 Bad Her- renalb 77.877 75.097 299.149 217.700 +37,4 +36,1 Bruchsal 50.048 55.226 132.063 143.022 -7,7 +6,5 Ettlingen 105.116 95.045 173.975 175.197 -0,7 +30,1 Freiburg 998.572 926.312 2.122.843 1.822.338 +16,5 +46,6 Heidelberg 795.465 842.270 1.596.894 1.652.607 -3,4 +15,0 Karlsbad 16.488 19.233 60.030 63.171 -5,0 -4,2 Mannheim 837.432 747.905 1.808.677 1.619.687 +11,7 +45,7 Pfinztal 9.608 . 16.986 13.286 +27,8 +40,6 Pforzheim 126.651 114.062 245.586 229.149 +7,2 +2,4 Rastatt 89.161 92.216 182.079 178.009 +2,3 +41,5 Rheinstet- ten . 1.699 26.250 4.001 +556,1 +309,6 Waldbronn 18.987 15.815 86.647 28.517 +203,8 +294,9 Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Die Fachgespräche verdeutlichten, dass die Messe ein relevanter, nachfrageseitiger Faktor ist. Da die Messe nicht direkt in der Stadt Karlsruhe, sondern in der angrenzenden Gemeinde Rheinstet- ten im Landkreis Karlsruhe liegt, sind Spillover-Effekte auf den Landkreis klar zu erkennen. Beson- ders, da einige Betriebe – beispielsweise in der Gemeinde Ettlingen – teils näher an der Messe lie- gen als Betriebe im Zentrum Karlsruhes, Durlach oder in nördlichen Stadtteilen. Die Gespräche un- termauerten dies und haben gezeigt, dass diese Betriebe in gleichem Maße von der Messe profitie- ren wie die Betriebe im Stadtgebiet. Insgesamt können über das Zusammenspiel von Stadt und um- liegende Gemeinden Nachfragehöhepunkte zum Beispiel zu Veranstaltungen und Messen besser dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 62 ausgeglichen werden. Gleichzeitig ist aber nur bedingt eine Konkurrenzsituation gegeben, da abge- sehen von Spitzenzeiten, in denen die Nähe eines Betriebes zur Messe relevant ist, das touristische Angebot in der Stadt Karlsruhe vielfältiger ist und somit die Betriebe in der Stadt einen Wettbe- werbsvorteil haben. Für die Bedarfsbestimmung werden beide Aspekte berücksichtigt. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 63 1.3 Angebot und Nachfrage in der Hotellerie 76 Bis zu dieser Stelle wurde die Gesamtentwicklung des gewerblichen Beherbergungsmarktes be- leuchtet, um einen guten Überblick über alle Entwicklungen in Karlsruhe zu erhalten. Der Hauptfo- kus der Studie liegt auf der Bewertung des Hotelmarktes, weshalb ab hier eine vertiefende Be- trachtung des Segments „Hotellerie“ (=Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe, Pensionen) erfolgt. Hinweis: Für zwei Vergleichsstädte sind die Werte für die Hotellerie aus Geheimhaltungsgründen des Statistischen Landesamtes nicht ausgewiesen. Damit diese jedoch in die Vergleichsanalyse mit einfließen können, erfolgt bei diesen eine Betrachtung des Betriebstyps „Hotel“. Angebot Hotellerie 2019 & 2023 Im letzten „Normaljahr“ vor der Corona-Pandemie stellte sich die Angebotssituation auf dem Karls- ruher Hotellerie-Markt wie folgt dar: Von 56 gewerblichen Beherbergungsbetrieben waren laut Statistischem Landesamt 52 der Hotellerie zuzuordnen. Diese verteilten sich auf 20 Hotels, 25 Ho- tels garnis, 6 Gasthöfe und eine Pension. Die durchschnittliche Betriebsgröße lag 2019 bei 112 Schlafgelegenheiten je Betrieb (entspricht ca. 55 Zimmereinheiten), hierbei lagen die Vollhotels mit durchschnittlich 159 Schlafgelegenheiten pro Betrieb vorn. Im Jahr 2023 stieg die Anzahl der Betriebe zuletzt auf 55. Es gab ein Hotel, ein Hotel garni und zwei Pensionen mehr, jedoch auch einen Gasthof weniger als 2019. Die hohe Anzahl an Schlafgelegen- heiten der hinzugekommenen Betriebe wirkt sich auf die durchschnittliche Betriebsgröße aus. Sie stieg auf 126 Betten (ca. 63 Zimmereinheiten) an. Festzuhalten bleibt, dass Karlsruhe – im Ver- gleich zum Landkreis und zum Bundesland und gemessen an allen Beherbergungskapazitäten – ei- nen hohen Hotellerie-Anteil aufweist. 77 __________________________________________________________________________________________________ 76 Hotellerie = Nur die Betriebstypen Hotel, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen. 77 Anteil gemessen an der Anzahl Schlafgelegenheiten. Abb. 21: Verteilung der Angebotskapazitäten nach Betriebstypen 2023 Betriebsgröße = ⌀ Anzahl an Betten pro Betrieb Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 64 Insgesamt lag das Hotellerie-Angebot im Jahr 2023 in Karlsruhe bei 6.911 Schlafgelegenheiten. Der Städtevergleich zeigt, dass Mannheim (8.909 Schlafgelegenheiten) im Jahr 2023 über deutlich höhere Hotellerie-Kapazitäten verfügte als Karlsruhe. Auch beim Betriebstyp Hotel weist lediglich Mannheim höhere Kapazitäten als Karlsruhe aus. Ein Blick auf die Betriebsgröße des Betriebstyps Hotels 78 verdeutlicht, dass Karlsruhe mit 168 Betten pro Hotel klar hinter Mannheim (210), Darm- stadt (242) und auch hinter Wiesbaden (178) lag. Nur in Aachen hielten die Hotels durchschnittlich weniger Betten je Vollhotel vor (durchschnittlich 128 Betten pro Hotel). Tab. 13: Angebotskennzahlen „Hotellerie“ und Betriebstyp Hotel 2023 Anzahl Betriebe Schlafgelegenheiten Betriebsgröße Hotellerie nur Hotels Hotellerie nur Hotels Hotellerie nur Hotels Karlsruhe 55 21 6.911 3.530 126 168 LK Karlsruhe 88 40 4.857 2.760 55 69 Baden- Württemberg 4.118 1.652 245.474 140.199 57 84 Deutschland 28.858 12.196 1.923.983 1.212.860 60 92 Mannheim 61 26 8.909 5.457 146 210 Aachen 43 20 4.698 2.560 109 128 Darmstadt 30 14 . 3.391 . 242 Wiesbaden 57 18 . 3.207 . 178 Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landesämter Punkt: Auf Grund der statistischen Geheimhaltungspflicht ist kein Wert verfügbar. Angebotsentwicklung Hotellerie 2015-2023 Während die Zahl der Hotellerie-Betriebe zwischen 2015 und 2019 in Karlsruhe zurückging (-8 Betriebe), ist die Bettenanzahl im selben Zeitraum leicht gestiegen (+22 Betten). Innerhalb der Hotellerie haben die Vollhotels 79 noch stärker an Angebotskapazitäten verloren (-12,3%) als die Hotellerie. Seit 2019 kam es jedoch zu großen Veränderungen auf der Angebotsseite. Das Angebot der Hotellerie hat dabei um 18,5% zugenommen. Das lässt sich vornehmlich auf Hotels und Hotel garnis zurückführen, welche zusammen einen Zuwachs von gut 1.000 Betten verzeichneten. __________________________________________________________________________________________________ 78 Hotellerie-Wert aufgrund der Statistischen Geheimhaltungspflicht für Darmstadt und Wiesbaden nicht ausgewiesen, daher Ver- gleich Betriebstyp Hotel 79 Vollhotel = Hotel mit Gastronomie dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 65 Nachfolgende Tabelle veranschaulicht zudem die jeweilige Entwicklung bei den Vergleichsstädten. Insbesondere Mannheim hebt sich durch ein überdurchschnittlich hohes Angebotswachstum im Hotellerie-Segment hervor. Tab. 14: Entwicklung der Anzahl an Schlafgelegenheiten in der Hotellerie 2023 2023 ggü. 2015 (in %) 2023 ggü. 2019 (in %) 2019 ggü. 2015 (in %) Karlsruhe 6.911 +19,0 +18,5 +0,4 LK Karlsruhe 4.857 +15,3 +9,6 +5,1 Baden- Württemberg 245.474 +11,5 +3,6 +7,7 Deutschland 1.923.983 +8,4 +2,1 +6,1 Mannheim 8.909 +51,6 +13,1 +34,1 Aachen 4.698 +6,6 +1,7 +4,6 Darmstadt . . . . Wiesbaden . . . . Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter; Punkt: Auf Grund der statistischen Geheimhaltungspflicht ist kein Wert verfügbar. Abb. 22: Entwicklung des Angebots (Schlafgelegenheiten) in der Hotellerie 2015-2023 Index: 2015 = 100 Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landeämter; Hinweis: Auf Grund der statistischen Geheimhaltungspflicht ist kein Wert für Darmstadt und Wiesbaden verfügbar. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 66 Nachfrage in der Hotellerie 2019 & 2023 Im letzten Normaljahr 2019 belief sich die Hotellerie-Nachfrage in Karlsruhe auf 1,07 Mio. Über- nachtungen. Damit waren 93% der gewerblichen Übernachtungen in Karlsruhe auf die Hotellerie zurückzuführen. Innerhalb der Hotellerie generiert das Segment der Hotels 567.540 und die Ho- tels garnis 465.182 Übernachtungen. Die Bettenauslastung lag 2019 bei einem im Vergleich zu den anderen Regionen und Städten hohen Wert von 50,4%. Während der Krisenjahre brach die Nachfrage aufgrund der Reisebeschränkungen ein und stieg zuletzt wieder an. Mit 999.900 Übernachtungen in der Hotellerie lag der Wert im Jahr 2023 den- noch weiterhin unter dem Vor-Krisen-Niveau. Unter anderem trug das auch zu einer weiterhin deutlich unter dem Vor-Krisen-Niveau liegenden Bettenauslastung von 41,9% bei. Insgesamt ent- fallen 87% der gewerblichen Übernachtungen auf das Hotellerie-Segment. 999.900 Übernachtungen entsprechen bei einer durchschnittlichen Aufenthaltsdauer von 1,7 Ta- gen 577.422 Gästeankünften. Die kurze Aufenthaltsdauer in Karlsruhe ist unter anderem auf den hohen Anteil Geschäftsreisender in Karlsruhe zurückzuführen. Mehr Besuchsanreize in der Stadt und den Betrieben bieten grundsätzlich Potenziale, die Aufenthaltsdauer durch Nachfrageerschlie- ßung von Individualreisenden zu steigern. In den Fachgesprächen wurden hierzu besonders die Themen Lage (Durchreisende), UNESCO City of Media Arts, Stadt des Rechtes und Fächerstadt als stärker touristisch ausspielbar genannt. 80 __________________________________________________________________________________________________ 80 dwif 2023: Expert*innengespräche mit Akteur*innen aus der Stadt Karlsruhe. Abb. 23: Nachfrage Hotellerie 2023 Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 67 Tab. 15: Nachfragekennzahlen Hotellerie für 2023 und 2019 Ankünfte Übernachtungen Aufenthalts- dauer Bettenauslas- tung 2023 2019 2023 2019 2023 2019 2023 201 9 Karlsruhe 577.422 618.300 999.900 1.065.700 1,7 1,7 41,9 50,4 LK Karlsruhe 329.135 323.347 605.877 599.369 1,8 1,9 35,1 37,7 Baden- Württem- berg 18,24 Mio. 18,68 Mio. 36,34 Mio. 36,74 Mio. 2,0 2,1 42,0 44,0 Deutsch- land 141,23 Mio. 149,82 Mio. 294,00 Mio. 306,85 Mio. 2,2 2,2 42,9 45,7 Mannheim 798.995 710.842 1.486.772 1.339.491 1,9 1,9 47,4 47,8 Aachen 466.242 . 777.251 . 1,7 . . . Darmstadt . . . . . . . . Wiesba- den . . . . . . . . Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landesämter, Punkt: Auf Grund der statistischen Geheimhaltungspflicht ist kein Wert verfügbar. Nachfrageentwicklung in der Hotellerie 2015-2023 Neben den jeweiligen Werten für das letzte Normaljahr vor der Krise (2019) und dem Ist-Stand (2023) liefert der erweiterte Beobachtungszeitraum wichtige Hinweise zur Gesamtentwicklung der Hotellerie seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH). Insgesamt sank die Hotellerie-Nachfrage auf Basis der Übernachtungszahlen in Karlsruhe zwi- schen 2015 und 2023 um gut 1%. Im Zeitraum vor der Corona-Pandemie von 2015 bis 2019 konnte jedoch noch ein Wachstum von knapp 7% verzeichnet werden. Somit wird ein starker Ein- bruch durch die Krise deutlich. Karlsruhe war deutlich stärker als Mannheim betroffen. Dort stieg die Nachfrage bis 2019 um mehr als 30% an und bereits 2023 konnten die Vor-Krisen-Werte über- troffen werden. Karlsruhe ist dies noch nicht gelungen. In welchem Umfang sich die Bundesgarten- schau in Mannheim 2023 mit über 2,2 Millionen Besucher*innen 81 auf die Übernachtungszahlen und damit auf die Erholung nach Corona ausgewirkt hat, kann nicht bestimmt werden. Es ist aller- dings durch die Strahlkraft der Veranstaltung von einem positiven Effekt auszugehen. Im gesamten Beobachtungszeitraum hat sich die Bettenauslastung in Karlsruhe um 7,2 Prozentpunkte und da- mit deutlich stärker als in den Vergleichsregionen verschlechtert. In Mannheim blieb diese auf glei- chem Niveau und bundesweit sank die Bettenauslastung nur um 0,1 Prozentpunkt. __________________________________________________________________________________________________ 81 www.buga23.de dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 68 Tab. 16: Nachfrageentwicklung in der Hotellerie Übernachtungen Bettenauslastung 2023 2023 ggü. 2015 (in %) 2023 ggü. 2019 (in %) 2019 ggü. 2015 (in %) 2023 (in %) 2023 ggü. 2015 (in %- Punkte) 2023 ggü. 2019 (in %- Punkte) 2019 ggü. 2015 (in %- Punkte) Karlsruhe 999.900 -1,4 -6,2 +6,8 41,9 -7,2 -8,5 +1,3 LK Karls- ruhe 605.877 +13,1 +1,1 +11,8 35,1 +0,1 -2,6 +2,7 Baden- Württem- berg 36,34 Mio. +9,1 -1,1 +10,3 38,5 -1,0 -2,0 +1,0 Deutsch- land 294,00 Mio. +8,2 -4,5 +12,8 42,9 -0,1 -2,8 +2,7 Mannheim 1.486.772 +46,2 +11,0 +33,8 47,4 0 -0,4 +0,4 Aachen 777.251 . . . . . . . Darmstadt . . . . . . . . Wiesba- den . . . . . . . . Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesämter; Punkt: Auf Grund der statistischen Geheimhaltungspflicht ist kein Wert verfügbar. Abb. 24: Entwicklung der Nachfrage (Übernachtungen) in der Hotellerie 2015-2023 Index: 2015 = 100 Quelle: dwif 2024; Daten Statistische Landeämter; Hinweis: Auf Grund der statistischen Geheimhaltungspflicht ist kein Wert für Aachen, Darmstadt und Wiesbaden verfügbar. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 69 Gesamtübersicht Angebots- und Nachfrageentwicklung in der Hotellerie in Karls- ruhe Seit dem letzten Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) lässt sich die gesamte Angebots- und Nachfrageentwicklung in Karlsruhe als verhalten und geprägt durch die Krise beschreiben (vgl. Abb. 25). Vor der Krise ist die Übernachtungszahl trotz eines weitgehend konstanten Angebots ge- stiegen. Während der Krisenjahre brach die Nachfrage deutlich ein und aufgrund der hohen Abhän- gigkeit von Geschäftsreisenden verlief die Erholungsphase langsam. Die Entwicklung von 2022 auf 2023 zeigt auch, dass mit dem steigenden Angebot auch die Nachfrage anstieg. Abb. 25: Angebots- und Nachfrageentwicklung - Hotellerie und Hotels in Karlsruhe Index: 2015 = 100 Quelle: dwif 2023; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 70 1.4 Markteintritte und Marktaustritte Neben den Werten zur Angebots- und Nachfrageentwicklung sind vor allem die seit 2016 stattge- fundenen Markteintritte und Marktaustritte wichtig zur Beurteilung des faktischen Hotelbedarfs. Bereits die vorangegangene Betrachtung der Anzahl der Betriebe zeigte, dass zumindest ein wenig Bewegung auf dem Hotellerie-Markt war. Zum Teil gingen kleinere Betriebe vom Markt und es ka- men größere hinzu. Das verdeutlicht die durchschnittlich gestiegene Betriebsgröße bei insgesamt weniger Betrieben auf dem Markt. Marktaustritte zwischen 2016 und 2023 Den im nächsten Teilkapitel beschriebenen Markteintritten stehen insgesamt 10 Marktaustritte mit kumuliert rund 220 Zimmer- bzw. rund 440 Betteneinheiten gegenüber. Dabei handelt es sich um Hotelbetriebe, deren Kapazitäten zum Zeitpunkt der Gutachtenerstellung vollständig vom Markt gegangen sind und kein Betreiberwechsel oder eine andere Form der Weiterführung ge- wählt/ gefunden wurden bzw. bekannt ist. Die Primärerhebungen und Gespräche mit Vertreter*innen vor Ort zeigten, dass in den nächsten Jahren bei einem überwiegenden Teil der Bestandsbetriebe keine Nachfolgeproblematik besteht. Lediglich ein Hotel soll in zwei Jahren schließen, ansonsten liegen zum aktuellen Zeitpunkt keine Informationen hinsichtlich möglicher Schließungen bzw. Marktaustritte vor. Tab. 17: Marktaustritte zwischen 2016 und 2023 Hotel Zimmer Lage A&O Hotel Karlsruhe 109 Südweststadt Gasthof Schwanen 16 Grötzingen Gasthof Zum Ochsen 6 Durlach Hotel Albhof k.A. Rüppurr Hotel Betzler 28 Innenstadt-West Hotel Große Linde 16 Durlach LEVAL GmbH Kofflers Heuriger 17 Rüppurr Pension am Zoo/ Zebra 6 Südstadt Pension Hering-Lippmann 5 Weststadt Pension Meier 17 Durlach Quelle: Recherche dwif 2023 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 71 Markteintritte zwischen 2016 und 2023 & geplante Projekte Seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) haben sich zwischen 2016 und 2023 insge- samt 6 Beherbergungsbetriebe mit rund 683 Zimmer- bzw. 1.366 Betteneinheiten in Karlsruhe an- gesiedelt. Nach Abzug der Marktaustritte resultiert daraus ein Angebotswachstum von rund 463 Zimmer- bzw. 926 Betteneinheiten. Zusätzlich gibt es eine Reihe weiterer Projekte, die zwischen 2023 und 2024 vor der Eröffnung/Umsetzung stehen. Insgesamt kommen nochmals rund 1.034 Zimmer- bzw. 2.068 Betteneinheiten auf den Markt (vgl. Tab. 18und Tab. 19). Tab. 18: Seit 2016 realisierte Projekte Hotel Kategorie Zimmer Lage Eröffnung Area 24|7 Europaplatz (The Space Hotels GmbH) 1-Sterne 42 Innenstadt- West 2019 Hotel Royal 2-Sterne 43 Innenstadt- West 2020 Hotel Winterrot 4-Sterne (DEHOGA) 46 Palmbach 2021 Intercity Hotel 4- Sterne 194 Südweststadt 2023 Moxy 3- Sterne 150 Neureut 2023 Premier Inn Karlsruhe City 2- bis 3-Sterne 208 Südstadt 2023 Quelle: Recherche dwif 2023/2024 Diese Ansiedlungen stehen 2024 noch in der Fertigstellung. Diese Angebotsveränderungen werden im Prognosekapitel berücksichtigt (vgl. Kap. VI). Tab. 19: Ausstehende Eröffnungen/ Realisierungen Hotel Kategorie/ Beschreibung Zimmer Lage Eröffnung AC by Marriott 4-Sterne 80 Durlach Projekt vorerst zurückgestellt b5 Apartment Hotel k. A. 69 Südweststadt 2024 Cinema City Hotel (Nachfolge des City Hotels) k. A. 30 Innenstadt-West 2024 Groners k. A. 106 Südweststadt 2024 Motel One 2- bis 3-Sterne 323 Südweststadt 2024 82 Stayery (Boardinghouse) 3-Sterne 137 Südweststadt noch kein Baustart the niu Hotel Novum 3-Sterne 289 Oststadt 2024 Quelle: Recherche dwif 2023/2024 __________________________________________________________________________________________________ 82 Eröffnung geplant für Herbst 2023, laut Homepage von Motel-One auf 2024 verlegt. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 72 Insgesamt zeigt sich, dass der Zeitreihenvergleich der Angebots- und Nachfragewerte von 2015 bis 2023 erst einen Teil der neuen geplanten Kapazitäten beinhaltet. Im Laufe des Jahres 2024 wird ein noch größerer Teil der neuen Kapazitäten auf den Karlsruher Hotelmarkt kommen. Daraus lassen sich zwei wichtige Schlussfolgerungen ableiten. • 1. Aktuell können die Auswirkungen der neuen Kapazitäten nur begrenzt eingeschätzt werden, da ein großer Teil der neuen Kapazitäten erst im Jahr 2024 auf den Markt kommt. • 2. Das komprimierte Angebotswachstum innerhalb von zwei Jahren stellt eine Sonder- situation dar. In der Regel etablieren sich in urbanen Räumen die neuen Hotelangebote auf mehrere Jahre verteilt. Ursächlich hierfür sind die für die Planung, Umsetzung und Eröffnung komplexen Corona-Jahre. Während dieser Zeit haben sich die Projekte auf- gestaut und nun kommt es zu mehreren, eng aufeinander folgenden Hoteleröffnungen. Wichtig für die spätere Bedarfseinschätzung ist zudem, dass sich die neuen Beherbergungskapazi- täten auf unterschiedliche Sterne/Qualitätsniveaus verteilen. Damit findet ein Wachstum in allen Segmenten (außer 1-Sterne- sowie 5-Sterne) statt. Ausgehend vom Jahr 2015 steigt das Gesamt- angebot bis Ende 2024 von 6.662 auf 9.820 Schlafgelegenheiten (+47%). Ausgehend vom Jahr 2022 legt das Angebot in den Jahren 2023 und 2024 um 45% zu und steigt von 6.795 auf besagte 9.820 Schlafgelegenheiten. 1.5 Fazit faktische Hotelmarktanalyse Die Gespräche und Primärerhebungen (Juli 2023) verdeutlichen, dass die Bestandshotellerie bis- her die neuen zwischen 2015 und 2023 auf den Markt gekommenen Hotelbetriebe nur punktuell und in Teilen spürt. Das liegt daran, dass neben den Markteintritten in den letzten Jahren auch Marktaustritte stattfanden. Insofern bestätigen die Zeitreihenvergleiche von 2015 bis 2019 bzw. bis 2022 diesen Sachverhalt. Von 2015 bis 2022 stieg das Angebot auf dem gesamten gewerbli- chen Beherbergungsmarkt lediglich um 2% und erst von 2022 auf 2023 stieg dieses um weitere 21%. Innerhalb des Hotellerie-Segments sank das Angebot bis 2022 sogar um 1,2%. Erst von 2022 auf 2023 stieg das Hotellerie-Angebot um rund 20%. Seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) fand somit bis 2022 noch keine größere Angebotsveränderung statt. Erst ab 2023 stieg das Gesamtangebot deutlich an. Vor der Corona-Krise wuchs die Nachfrage zwischen 2015 und 2019 im gewerblichen Beherber- gungssegment um 5%. Über den gesamten Beobachtungszeitraum zwischen 2015 und 2023 stieg diese auch nur um 5%, in der Hotellerie lag der Wert sogar noch um 1% unter dem Ausgangsniveau aus dem Jahr 2015. Aufgrund des hohen Geschäftsreiseaufkommens in Karlsruhe traf die Corona- Pandemie den Standort stärker als die Vergleichsstädte. Zuletzt lag die Zahl der Übernachtungen (2023) bei 1,1 Mio. und damit auf dem Niveau von 2019. Zum Vergleich: In Mannheim stieg die dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 73 Nachfrage zwischen 2015 und 2023 sowohl im gesamten Beherbergungsgewerbe als auch in der Hotellerie um jeweils 46%. Im gleichen Zeitraum legte dort aber auch das Angebot um 56% zu. Das insgesamt gestiegene Angebot bei gleichbleibender Nachfrage führte zu einem Rückgang der Bettenauslastung. Diese lag 2023 im gesamten Beherbergungsgewerbe rund 7% unter dem Wert aus 2015 und 9% unter dem Vor-Krisen-Niveau aus 2019. Auch beim Betriebstyp Hotels sank die Auslastung um 6 Prozentpunkte. Der Hotelstandort Karlsruhe verzeichnete somit im Vergleich zu den anderen Städten einen überdurchschnittlichen Rückgang der Bettenauslastung. Während in den Vergleichsstädten – allen voran Mannheim – in den letzten Jahren zahlreiche neue Kapazitäten auf den Markt kamen, findet diese Entwicklung in Karlsruhe erst in den Jahren 2023 und 2024 statt. Die Auswertung der Markteintritte und Marktaustritte zeigt, dass zusätzlich zu den neuen Kapazitäten aus dem 1. Halbjahr 2023 bis Ende 2024 rund 1.034 bzw. 2.068 Schlafgelegen- heiten neu auf den Markt kommen. Aus den Gesprächen vor Ort ist nur eine Hotelschließung mit 63 Schlafgelegenheiten bekannt, die noch zum Abzug kommt. Insgesamt haben sich die Rahmenbedingungen seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) deutlich verändert. Bedingt durch die Corona-Zeit und die vergleichsweise hohe Abhängigkeit vom Business- und MICE-Segment, liegen die Nachfragewerte auf und die Auslastungswerte weiterhin deutlich unterhalb des 2019er Niveaus. Durch das komprimierte, hohe Angebotswachstum im Jahr 2023 kamen zusätzlich zahlreiche neue Kapazitäten auf den Markt. Hier bleibt abzuwarten, wie der Markt die neuen Hotelkapazitäten aufnimmt und welche Auslastungswerte nachhaltig erzielt wer- den. Alles in allem lässt sich auf Basis der faktischen Analyse kurz- bis mittelfristig kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen ableiten. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 74 1.6 EXKURS: Kurzzeitvermietung Eine Quantifizierung der Kapazitäten des Gesamtmarktes mit allen Formen von touristischer Be- herbergung (z. B. Privatvermietung /alle nicht gewerblichen Anbieter*innen mit weniger als 10 Betten, Gästezimmer usw.) ist aufgrund fehlender Datenverfügbarkeit bzw. einer lückenhaften Datenlage nicht flächendeckend möglich. Aussagen können daher nur näherungsweise oder mit aufwendigen Primärerhebungen getroffen werden. Im Gutachten zur Kurzzeitvermietung von Wohnraum in Karlsruhe (Veröffentlichung: Juni 2021) wurde die Thematik umfassend im Detail beleuchtet und zwei Sachverhalte genauer hinterfragt. Und zwar, ob • touristische Vermietungen einen Einfluss auf die Wohnraumverknappung in Karls- ruhe haben könnten und auch • inwieweit daraus eine Konkurrenzsituation im Hinblick auf den Hotelmarkt in Karls- ruhe entstehen könnte. Die wichtigsten Erkenntnisse sind nachfolgend zusammengefasst: Im letzten Gutachten wurden für das Jahr 2019 insgesamt 294 Angebote an Privatunterkünften erfasst. Davon entfallen 90 Angebote auf das Segment „Wohnen auf Zeit“ und 204 auf den Markt der „Kurzzeitvermietung“. Zum Thema „Wohnen auf Zeit“ heißt es im Gutachten, der Markt stelle „insbesondere bei tempo- rär in Karlsruhe Arbeitenden eine Konkurrenz für lokale Beherbergungsbetriebe dar, bietet je- doch ein günstiges Preisniveau bei einem hohen Komfort. Der Wohnraum steht nicht für das Dauerwohnen zur Verfügung. Aus gutachterlicher Perspektive gibt es jedoch einen Grundbedarf an diesen temporären Wohnformen. Für viele Nutzer dieses Segmentes stellt die klassische Ho- tellerie keine ernsthafte Alternative dar.“ Weiter geht aus der Beleuchtung der Stadtgebiets- ebene folgendes hervor: „eine stärkere Konzentration des Angebotes in einzelnen Stadtteilen, die einen unmittelbaren städtischen Handlungsbedarf nach sich zieht, kann nicht festgestellt werden.“ 83 Von den 204 Einheiten, die im Bereich „Kurzzeitvermietung“ identifiziert wurden, sind 141 (69%) ganze Wohnungen. Vor allem das Thema Kurzzeitvermietung und hier insbesondere die 141 An- gebote könnten eine mögliche Zweckentfremdung aufweisen und damit eine Belastung des knappen Wohnraums bedeuten. Der Anteil ganzer Unterkünfte am Wohnungsbestand in Wohn- und Nichtwohngebäuden liegt damit „bei 0,09% (141 ganze Unterkünfte und 157 938 Wohnun- gen) und damit etwas höher als im Segment „Wohnen auf Zeit“ (0,05%).“ 84 Bei der Betrachtung der Angebote nach Stadtgebieten fällt zudem analog zu den Angeboten für das „Wohnen auf Zeit“ auf, dass sich die meisten Angebote in der Innenstadt und dem Innen- stadtrand Karlsruhes befinden. Im Ergebnis stellen die Gutachter*innen jedoch auch bei diesem Segment fest, „dass sich der Anteil am Wohnungsbestand, der für das Dauerwohnen vorgesehen ist, auf einem sehr moderaten Niveau bewegt. Eine starke Konzentration auf einzelne Stadtteile ist nicht festzustellen.“ 85 __________________________________________________________________________________________________ 83 ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung: Gutachten zur Kurzzeitvermietung von Wohnraum in Karlsruhe, Hamburg. 2021. 84 eben da, Seite 21 85 eben da, Seite 21 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 75 Eine Fortschreibung des Gutachtens zur Kurzzeitvermietung ist im Rahmen der Hotelmarktstu- die nicht vorgesehen. Um dennoch eine Tendenzaussage über die Angebotsentwicklung treffen zu können, gibt die nachfolgende Tabelle einen Überblick über die Entwicklung von Kurzzeitver- mietungen. Dabei muss zwingend berücksichtigt werden, dass die Werte von 2019 mit den Da- ten zwischen 2020 bis 2023 nur sehr eingeschränkt vergleichbar sind. So sind in den Daten ab 2020 auch gewerbliche Anbieter*innen (z. B. Boutique Hotels, ApartHotels o.Ä.) auf airbnb inklu- diert, bei denen es sich nicht um zweckentfremdeten Wohnraum handelt. Unterstellt man den- noch eine Vergleichbarkeit, ist festzustellen, dass seit 2019 das Angebot tendenziell zugenom- men hat. Betrachtet man die Zahlen ab 2020, zeigt sich eine moderate Angebotserweiterung. So konnte auch ein Einbruch während der Corona-Pandemie 2023 wieder ausgeglichen werden. Tab. 20: Erfasste Angebote Kurzzeitvermietung und Wohnen auf Zeit und Aktive airbnb-Einheiten Aktive airbnb-Einheiten 2020 2021 2022 2023 338 272 306 379 Quelle: dwif 2023 und airbnb Neben der quantitativen und qualitativen Analyse des Marktes für Kurzzeitvermietung von Wohnraum in Karlsruhe wurden im Gutachten von 2021 auch mögliche Effekte eines Erlasses einer Zweckentfremdungssatzung für Wohnraum geprüft. Die Auswirkungen eines Erlasses be- treffen nur neu hinzukommende Wohnungen. Laut Prognose 86 im Gutachten würden dann „zwi- schen 2,5 und 4,9 Wohnungen pro Jahr durch die Zweckentfremdungssatzung davor geschützt, an mehr als 70 Tagen pro Jahr vermietet zu werden. Das entspricht etwa 0,4% bis 0,8% der durchschnittlichen jährlichen Neubautätigkeit in Karlsruhe.“ 87 Die Gesetzgebung selbst und da- mit die Möglichkeiten der Politik, hier aktiv einzuwirken, haben sich seit dem letzten Gutachten nicht verändert. Auf EU-Ebene ist mit der Verordnung (EU) 2024/1028 „über die Erhebung und den Austausch von Daten im Zusammenhang mit Dienstleistungen im Bereich der kurzfristigen Vermietung von Unterkünften“ die Überprüfung der Angebote in den Fokus gerückt. Die im Mai 2024 in Kraft getretene Verordnung soll eine datenschutzkonforme digitale Infrastruktur schaf- fen, über die Daten zu Kurzzeitvermietungen gesammelt und ausgetauscht sowie die Rechtmä- ßigkeit von Vermietungsangeboten überprüft werden können. 88 Was die Konkurrenzsituation zum gewerblichen Hotelmarkt angeht, gibt es aus Sicht des dwif keine Bedenken. Professionell geführte Hotelbetriebe stehen vordergründig im Wettbewerb mit anderen Hotels aus ihrer Umgebung sowie Betriebstypen, die ähnlich leistungsfähige bzw. hotel- ähnliche Betriebsstrukturen aufweisen. Geschäftsreisende schätzen beispielsweise diese Art des Angebotes, sodass airbnb-Angebote meist keine nennenswerte Alternative darstellen. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 76 Zusammenfassend zeigen die vorliegenden Auswertungen, dass die Zahl der aktiven Airbnb-Ein- heiten seit 2021 zugenommen hat; das Segment der Kurzzeitvermietung hat damit weiter an Re- levanz gewonnen. Gleichzeitig zeigt das Gutachten zur Kurzzeitvermietung aus dem Jahr 2021, dass nur ein sehr geringer Anteil des Angebots in diesem Segment im Rahmen der kommunalen Handlungshoheit – d.h. durch Erlass einer Zweckentfremdungsverbotssatzung – dem Markt ent- zogen werden könnte. Diese Aussage hat noch immer Bestand. Zusätzlich haben die Erhebungen und Analysen des dwif gezeigt, dass die Hotelnachfrage in Karlsruhe in weiten Teilen durch Ge- schäftsreisen und das MICE-Segment geprägt sind. Hier stellen die Angebote auf Airbnb keine nennenswerte Alternative dar. Vor diesem Hintergrund dürften Angebote zur Kurzzeitvermie- tung nur begrenzt in Konkurrenz zum Hotelangebot stehen. Eine Neubewertung der aktuellen Situation im Hinblick auf das Thema Kurzzeitvermietung wäre sinnvoll, sobald sich der gesetzli- che Rahmen insbesondere im Hinblick auf die kommunale Handhabe substanziell geändert hat. __________________________________________________________________________________________________ 86 Inwieweit die prognostizierte Entwicklung der Zahl ganzer kurzzeitig vermieteter Wohnungen zugetroffen hat, ist auf Grund der unterschiedlichen Datenbasis nicht final bestimmbar. 87 ALP Institut für Wohnen und Stadtentwicklung: Gutachten zur Kurzzeitvermietung von Wohnraum in Karlsruhe, Hamburg. 2021, S. 48 88 www.bmwk.de dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 77 2. Strukturelle Hotelmarktanalyse Neben der faktischen Analyse wird die Hotellerie in Karlsruhe nachfolgend strukturell beleuchtet. Hierzu erfolgt eine Wettbewerbsanalyse auf städtischer Ebene. Dieser Arbeitsschritt dient als Ba- sis für Bewertungen in Hinblick auf Kapazitäten, Preis, Positionierung und Qualität. Dabei prüfen wir, ob die vorhandenen Beherbergungskapazitäten für heutige und künftige Zielgruppen bedarfs- gerecht sind. Daraus lassen sich neben der faktischen Analyse mögliche Empfehlungen zur bedarfs- gerechten, zukünftigen Entwicklung des Marktes ableiten. Die nachfolgende strukturelle Analyse bezieht sich auf den Hotellerie-Markt 89 . Alle gewerblichen Betriebe in Karlsruhe, die dieser Kategorie zugeordnet werden können, wurden (soweit Informati- onen vorhanden waren) hierbei analysiert. Außerdem wurden die gesichert stattfindenden Neuer- öffnungen in diesem und im nächsten Jahr (2023/2024) mit einbezogen, damit die Veränderungen auf dem Markt gleich mitberücksichtigt werden können. Insgesamt wurden 61 Betriebe, und damit zwei mehr als in der amtlichen Statistik ausgewiesen, in die strukturelle Analyse inkludiert. 90 2.1 Kapazitäten und Preis Kapazität Rund 54% der recherchierten Hotellerie-Betriebe halten Kapazitäten bis zu 60 Zimmereinheiten vor. Diese verfügen durchschnittlich über 33 Zimmer (ca. 53 Betten) 91 . Die 46% der Betriebe, die mehr als 60 Zimmer besitzen, verfügen durchschnittlich über 137 Zimmereinheiten 92 . Über alle Größenklassen betrachtet liegt der Wert bei 81 Zimmern pro Betrieb. Karlsruhe liegt damit im __________________________________________________________________________________________________ 89 Hotellerie = Hotels, Hotels garnis, Gasthöfe und Pensionen 90 dwif 2023, Data-Scraping und Online-Recherche. Neben den bereits genannten Gründen resultiert die Abweichung daraus, dass es seitens der Statistik keine Namensliste gemeldeter Betriebe gibt und die vom dwif online recherchierten Betriebe nicht mit denen des statistischen Landesamtes abgeglichen werden können. 91 Die Bettenanzahl wurde ebenso wie die Zimmeranzahl pro Betrieb recherchiert und nicht pauschal hochgerechnet. 92 11 Betriebe davon haben zwischen 61 und 100 Zimmern, 17 Betriebe haben mehr als 100 Zimmer. Abb. 26: Übersicht zur strukturellen Angebotsanalyse Quelle: dwif 2023/24 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 78 guten Durchschnitt von ähnlichen Standorten. Großstädte wie Berlin und Hamburg liegen bei- spielsweise um die 100 Zimmereinheiten pro Betrieb und damit über Karlsruhe. 93 Die größten Betriebe in Karlsruhe mit mehr als 200 Zimmern sind das Novotel Karlsruhe City (246 Zimmer), das ACHAT Hotel Karlsruhe City (215 Zimmer) und das Premier Inn Karlsruhe City Am Wasserturm (208 Zimmer) sowie die im Jahr 2024 geplanten Eröffnungen the niu Hotel Novum (289 Zimmer) und das Motel One (323 Zimmer). Im Hotelgutachten 2016 gab es einen hohen An- teil (80%) an Hotels mit <80 Zimmereinheiten. Dieser Wert liegt aktuell bei rund 62%, was zeigt, dass die Betriebe größer werden. Tab. 21: Marktanteil entsprechend den Größenklassen Betriebe Zimmer Durchschnitts- größe (Zimmer) Anteil der Betriebe an Gesamt bis 30 Zimmer 13 271 21 21% 31-60 Zimmer 20 814 41 33% 61-100 Zimmer 11 889 81 18% 101-200 Zimmer 12 1659 138 20% Mehr als 200 Zimmer 5 1.281 256 8% Quelle: dwif 2023; Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe inkl. geplanter Neueröffnungen bis Ende 2024 Preis 94 Der durchschnittliche Preis für ein Doppelzimmer (DZ) inklusive Frühstück in Karlsruhe beträgt laut unserer Stichprobenerhebung rund 111 Euro, im Einzelzimmer (EZ) zahlen Gäste knapp 96 Euro. Die Preisspanne der Betriebe liegt zwischen 60 Euro und 225 Euro (DZ) bzw. 38 Euro und 219 Euro (EZ) und fällt breit aus. Erwartungsgemäß sind die 4-Sterne-Betriebe hochpreisiger, nicht klassifizierte Betriebe rangieren auf einem Preisniveau zwischen den 1- und 2-Sterne-Häusern. In Abhängigkeit der angebotenen Kapazitäten zeigen sich nur geringe Preisunterschiede (+/-10 Euro vom Durchschnittspreis), was – bezogen auf den Preis – auf einen ausgeglichenen Markt hin- deutet. Unter anderem dürfte dazu der hohe Anteil an Geschäftsreisenden beitragen, da für diese Zielgruppe unter anderem der Standort deutlich vor der Betriebsgröße als Buchungskriterium __________________________________________________________________________________________________ 93 Statistische Landesämter 94 Eigene Recherche auf Online-Buchungsportalen wie Booking.com und den betriebseigenen Webseiten, Stichtage 09. und 12. Sep- tember 2023 und 09. und 13. Januar 2024 (Zeitpunkt der Recherche: 10.07.2023). Keines der 2023 und 2024 eröffneten Hotels ist in dieser Preiserecherche enthalten, da keine Preise online verfügbar waren. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 79 liegt. Kleine Betriebe mit maximal 30 Zimmern sind im Durchschnitt 10-20 Euro günstiger pro Nacht als der Durchschnittsbetrieb. Tab. 22: Durchschnittspreise entsprechend den Größenklassen Betriebe Preis EZ Preis DZ bis 30 Zimmer 13 77,44€ 98,67€ 31-60 Zimmer 20 103,63€ 118,94€ 61-100 Zimmer 11 92,66€ 109,13€ 101-200 Zimmer 12 103,91€ 112,25€ Mehr als 200 Zimmer 5 96,30€ 106,05€ Quelle: dwif 2023/24; Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe, booking.com Unsere Analyse zeigt, dass der durchschnittliche Zimmerpreis bundesweit bei 138 Euro 95 , in Baden- Württemberg bei etwa 124 Euro liegt. Damit befindet sich der Durchschnittspreis in Karlsruhe (111 Euro) auf einem leicht unterdurchschnittlichen Niveau. Die Vergleichsstädte Mannheim und Wiesbaden liegen mit 113 Euro weiterhin leicht über Karlsruhe. Tab. 23: Preisvergleich Karlsruhe und Vergleichsregionen Standort Durchschnittspreis Standort Durchschnittspreis Deutschland 138€ Wiesbaden 113€ Baden-Württemberg 124€ Aachen k. A. Karlsruhe 111€ Darmstadt k. A. Mannheim 113€ Quelle: dwif 2023/24; Daten: eigene Recherchen, Hotelverband Deutschland IHA (2023): Hotelmarkt Deutschland 2023 Die Hotelbetreiber*innen signalisieren in den Fachgesprächen, dass das Thema variable Preisge- staltung deutlich zunimmt. Während früher tendenziell konstante Preise für die Wochentage und leicht geringere Preise für das Wochenende festgesetzt wurden, erfolgt nun eine deutliche Sprei- zung des Preisniveaus. Da durch den höheren Wettbewerbsdruck die Preise an den nachfrage- schwachen Wochenenden stärker sinken, muss der Preis an den starken Tagen (meist Dienstag und Mittwoch) angehoben werden. Das führt unter anderem zu einem höheren Druck, in Qualität zu investieren, da bei deutlich höheren punktuellen Preisen das Preis-Leistungs-Verhältnis anders wahrgenommen wird. __________________________________________________________________________________________________ 95 Vergleichspreise basieren auf Nettozimmerpreisen laut IHA-Hotelmarktbericht 2023 und durchschnittlichen Frühstückspreisen von rund 13 € pro Person (HRS-Frühstücksanalyse). dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 80 Insgesamt ist das Preisniveau im Vergleich zum Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) relativ zu den anderen Städten und zur überregionalen Betrachtung etwas gesunken. Das Thema variable Preispolitik (Dynamic Pricing) wird tendenziell zunehmen und bietet sowohl Chancen als auch Risi- ken. 2.2 Qualität 96 Ein weiterer Indikator zur Beurteilung des Beherbergungsmarktes ist die Einschätzung der Quali- tät des bestehenden Hotelmarktes. Je geringer die Qualität ausfällt, desto eher können neue Hotel- konzepte den Standort positiv beleben. Die Erwartungshaltung der Gäste beeinflusst die Qualitätswahrnehmung: Bei der Bewertung der Qualität greifen wir auf die spezifisch für diese Studie recherchierte Verteilung der Sternekatego- rien und Online-Bewertungen sowie die gutachterliche Einschätzung im Rahmen der Hotelbege- hungen zurück: • Klassifizierungs- und Zertifizierungssystemen liegen einheitliche Kriterien zugrunde. Für den Gast bedeuten sie in erster Linie objektive Transparenz und unterstützen bei der Vorauswahl, weil sie die Zahl der möglichen Beherbergungsbetriebe auf eine über- schaubare Anzahl reduzieren. Auf betrieblicher Ebene sorgen sie für bestimmte Quali- tätsstandards und legen quasi das Fundament für die Erfüllung von Gästeerwartungen, was wiederum die Voraussetzung für ein positives Gästefeedback ist. • Online-Bewertungen eignen sich aufgrund der Masse als objektive Entscheidungsleitli- nie. Alle großen Bewertungsportale versuchen daher, Nutzermeinungen mithilfe spezi- fischer Benotungssysteme zusammenzufassen. Für den Betrieb ist das insofern rele- vant, als Unterkünfte mit besonders vielen und besonders guten Bewertungen bei ei- ner Suchanfrage zuvorderst aufgelistet werden. Internetbewertungen haben eine hohe Multiplikationswirkung. • Eine gutachterliche Einschätzung erfolgt in Form von rund 50 Hotelbegehungen vor Ort und gewährleistet dabei eine neutrale Einschätzung der örtlichen Gegebenheiten. Dabei wurden die Hotelbetriebe durch Mitarbeiter*innen des dwif besichtigt. 97 In der Regel erfolgte eine kurze Begehung der öffentlichen Bereiche wie Rezeption und Früh- stücksraum, der Zusatzangebote (z. B. Tagung, Fitnessraum etc.) sowie der Zimmer. __________________________________________________________________________________________________ 96 Ohne die geplanten Neueröffnungen 2023/24, da die Qualität von nicht eröffneten Betrieben nicht bewertet werden kann. 97 Es konnten somit nur sechs Betriebe nicht besichtigt werden. Die Gründe hierfür waren unterschiedlicher Natur (z. B. Geschäftsfüh- rer nicht anwesend, nur Online-Check-In bzw. Rezeption nicht besetzt, fehlendes Personal zum Begehungszeitpunkt etc.). dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 81 2.2.1 Klassifizierungs- und Zertifizierungssysteme DEHOGA-Sterne Die bekannten Hotelsterne des DEHOGA geben vor allem Auskunft über den Ausstattungsgrad von Beherbergungsbetrieben. Sie verlieren jedoch immer mehr an Bedeutung, da die Kriterien häu- fig als nicht mehr zeitgemäß wahrgenommen werden und die Zertifizierung mit Kosten verbunden ist, die Betriebe nicht mehr bereit sind, zu zahlen. Dadurch sind oft deutlich weniger als die Hälfte der Hotellerie-Betriebe einer Destination damit klassifiziert. In Karlsruhe sind aktuell 21 Betriebe klassifiziert und damit etwa 34% der Betriebe des Hotelsegments 98 . Damit liegt Karlsruhe auf ei- nem normalen Niveau. Zieht man die Bettenanzahl als Basis heran, dann liegt der Anteil der Zertifi- zierung knapp unter 50%. Abgesehen von den nicht klassifizierten Betrieben vereint das 4-Sterne- Segment mit 22% die meisten Kapazitäten. Danach folgen die 3-Sterne-Hotelbetriebe. Im Luxus- Segment gibt es in Karlsruhe keine DEHOGA-klassifizierten Betriebe und im günstigen Bereich nur 6%. Sterne-Kategorie auf Basis von Buchungsportalen und eigener Zuordnung Neben den DEHOGA-Sternen gibt es keine einheitliche und normierte Lösung zur Darstellung des Gesamthotelmarktes. Aus diesem Grund wurde die von der Stadt zugelieferte Liste der Hotels, wel- che eine Selbsteinschätzung zur Klassifizierung enthält, um Informationen aus den Online-Bu- chungsportalen ergänzt bzw. abgeglichen. 99 Diese ordnen die Betriebe auf Basis unterschiedlicher Kriterien auch einem Punktesystem zu. Diese Gesamtübersicht liefert somit einen valideren und breiteren Blick auf die Hotelmarktstruk- tur als die Verteilung der DEHOGA-Klassifizierung. Bei der Zuordnung der Sterne-Kategorien gibt es zwei Besonderheiten. Die beiden neuen Hotelansiedlungen Motel One und Premier Inn können gleichermaßen dem 2- als auch 3-Sterne-Segment zugeordnet werden. In den Anfängen und bis __________________________________________________________________________________________________ 98 Nicht Hotellerie, da nur Hotels und Hotels garnis klassifiziert werden (= Hotelsegment). 99 Herangezogen wurden die Buchungsportale booking.com und hrs.de Abb. 27: Kapazitäten entsprechend Sterne-Klassifizierung (ohne Neueröffnungen) Quelle: dwif 2023/24, Daten eigene Recherche auf den Websites der Betriebe (Stichtag Zimmerkapazitäten 10.07.2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 82 zum Jahr 2012 waren die Motel One Hotelbetriebe 2-Sterne-Superior DEHOGA klassifiziert. Da- nach trennte sich Motel One von der offiziellen Sterne-Klassifizierung unter dem Motto „Qualität kennt keine Sterne“. 100 Bis vor kurzem wurden die Motel One Betriebe auf booking.com noch als 2- Sterne-Betriebe gelistet. Mittlerweile sind diese Betriebe nun als 3-Sterne-Betriebe ausgewiesen. Aus unserer gutachterlichen Sicht rechnen wir beide Betriebstypen tendenziell mehr dem 2- Sterne-Superior-Segment zu. Um beiden Sichtweisen gerecht zu werden und da es sich um sehr ka- pazitätsstarke Hotels handelt, werden in nachfolgender Abbildung beide Szenarien wie folgt darge- stellt: • In schwarzer Schriftfarbe sind beide Hotels dem 3-Sterne-Segment zugeordnet. • In oranger Schriftfarbe kann die Verteilung der Kapazitäten bei einer Zuordnung bei- der Betriebe im 2-Sterne-Bereich entnommen werden. Eine weitere neue Hotelansiedlung sieht bis Ende 2024 im 3-Sterne-Segment noch das Hotel the niu und Moxy vor, dieses ist ebenfalls bei der Betrachtung mit enthalten. Die aktuelle Hotelmarkt- struktur inklusive der Neueröffnungen bis Ende 2024 sieht wie folgt aus: (1) Es gibt keine Kapazitäten im 5-Sterne und nur sehr geringe im 1-Sterne-Segment. Rund 27% der Kapazitäten entfallen auf das 4-Sterne-Segment. __________________________________________________________________________________________________ 100 https://www.ahgz.de/hotellerie/news/motel-one-verzichtet-auf-sterne-214490#:~:text=Die%202%2DSterne%2Dsupe- rior%2C,bewertet%20werden%E2%80%9C%2C%20sagt%20M%C3%BCller. Abb. 28: Veränderung der Marktanteile auf dem Karlsruher Hotelmarkt Sternekategorie gemäß Selbstauskunft, inkl. Neueröffnungen 2024 Quelle: dwif 2024, Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe (Stichtag: 10.07.2023), Zulieferung Auftraggeberin und Hotelgutachten ghh 2016 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 83 (2) Motel One und Premier Inn als 2-Sterne-Betriebe: Dann hat dieses Segment einen Anteil von 23% am gesamten Karlsruher Hotelmarkt und das 3-Sterne-Segment liegt bei 40%. (3) Motel One und Premier Inn als 3-Sterne-Betriebe: Dann fällt der Anteil im 3-Sterne- mit 51% deutlich höher und im 2-Sterne-Segment mit 12% viel geringer aus. Mit der Annahme, dass sich die beiden genannten Hotels im oberen 2-Sterne-Segment einreihen, zeigt sich, dass inklusive der Hotelneuansiedlungen in allen Segmenten seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) ein Wachstum stattfand. Überdurchschnittlich stark war das im 2- bis 3- Sterne-Segment der Fall, weshalb dieses Segment aktuell gut abgedeckt ist. Aus struktureller Sicht besteht, bezogen auf die Verteilung der Klassifizierungen, grundsätzlich eine Lücke an den beiden Rändern (Low-Budget und Luxus) sowie im 4-Sterne-Segment. 2.2.2 Online-Bewertungen 101 Im Gegensatz zu Klassifizierungen und Labels spiegeln Online-Bewertungen die subjektive Mei- nung ehemaliger Gäste wider, die vielen zukünftigen Gästen als wichtiges Entscheidungskriterium dienen. Im Rahmen der strukturellen Analyse erfolgte eine Online-Recherche bezogen auf die ver- fügbaren Bewertungen der häufig genutzten Plattformen „Google“ und „Booking.com“. Hierzu wur- den durch Data-Scraping und Online-Recherchen die Bewertungen aus den Plattformen herausge- zogen und analysiert. Die Detail-Ergebnisse können der Tab. 35 im Anhang entnommen werden. Bewertungen auf Google 94 Bei Google können Betriebe einen bis fünf Sterne erhalten. Die Karlsruher Betriebe kommen im Durchschnitt auf 4,1 Sterne. Die Bandbreite reicht von 3,0 (28 Bewertungen) bis 4,8 (119 Bewer- tungen). Unter den sechs top-bewerteten Betrieben sind ein Gasthof, zwei Pensionen sowie zwei 4- Sterne-Hotels. Im Schnitt werden die 4-Sterne-Hotels mit 4,4 Sternen (4,0-4,7) überdurchschnittlich, die 3- Sterne-Hotels mit 4,1 Sternen (3,6-4,3) durchschnittlich und die Betriebe aus dem 2- und 1-Sterne- Segment mit 4,0 und 3,7 Google-Sternen etwas unterdurchschnittlich gut bewertet. Kleinere Be- triebe mit bis zu 30 Zimmern werden durchschnittlich mit 4,2 Sternen ebenfalls gut bewertet. Die Unterschiede zwischen den Größenklassen fallen jedoch gering aus (4,0-4,2 Sterne). Die guten Bewertungen verteilen sich somit gleichermaßen auf kleine und große sowie markenge- bundene und private Betriebe, weshalb hieraus für diese Differenzierung keine speziellen struktu- rellen Lücken ableitbar sind. In den tendenziell schlechter bewerteten 1-2-Sterne-Segmenten kom- men bereits durch die Neuansiedlungen neue attraktive Kapazitäten auf den Markt. __________________________________________________________________________________________________ 101 Stichtag 09. September 2023, Zeitpunkt der Recherche: 10.07.2023, keines der 2023 und 2024 eröffneten Hotels ist in dieser Re- cherche enthalten dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 84 Bewertungen auf Booking.com 94 Zusätzlich zu den Google-Bewertungen haben wir die Bewertungen auf Booking.com analysiert. 102 Die Skala reicht jeweils von 1 bis 10 Punkten. Die Gesamtbewertungen für die Betriebe in Karls- ruhe reichen von 6,8 bis 8,7 Punkten und liegen im Mittel bei guten 7,8 Punkten 103 . Vier der Top-6- Betriebe sind zertifizierte 4-Sterne-Hotels. In diesem Segment liegt die durchschnittliche Bewer- tung bei sehr guten 8,3 Punkten (7,7-8,7 Punkte) und somit deutlich über dem Karlsruher Markt- mittel. Je weniger Sterne, desto schlechter fallen die Bewertungen im Durchschnitt aus: 3-Sterne- Häuser kommen auf 7,7 Punkte (7,4-8,1 Punkte) und der 2- und 1-Sterne-Betrieb auf 7,5 und 7,2 Punkte. Differenziert nach Betriebsgrößen schneiden die größten Betriebe mit mehr als 200 Zimmern bes- ser ab als andere. Sie kommen auf 8,4 Punkte im Mittel und können ihre Professionalität für eine höhere Qualität bzw. zielgerichtetere Erfüllung der Gästeerwartungen nutzen. Bei den anderen Größenklassen zeigen sich kaum Unterschiede; sie liegen im Durchschnitt bei guten 7,7-7,9 Punk- ten. Anhand der Bewertungen der einzelnen Bereiche zeigen sich die Stärken und Herausforderun- gen am Karlsruher Hotelmarkt. Mit 8,7 Punkten schneidet das Personal am besten ab. Das deutet darauf hin, dass Karlsruhe trotz Arbeits- und Fachkräftemangel die Gästeerwartungen erfüllen kann. Auch Lage, Sauberkeit und WLAN erreichen mit 8,3 bis 8,5 Punkten sehr gute Werte. Ledig- lich die Ausstattung wird mit 7,9 Punkten weniger gut bewertet. Daraus lassen sich zwei wichtige Sachverhalte ableiten: • Freundlichkeit, Dienstleistungsbereitschaft und Sauberkeit sind nicht direkt von einer guten finanziellen Basis abhängig. Insofern zeigen die Ergebnisse, dass sich die __________________________________________________________________________________________________ 102 Eine Übersicht mit Gesamt- und Kategoriebewertungen aller Betriebe findet sich im Anhang. 103 Sieben Betriebe sind nicht bei booking.com gelistet, u.a. jeweils zwei Pensionen und Gasthöfe. Abb. 29: Bewertungen auf Google Quelle: dwif 2023/24; Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe, google.de (Stand: Juli 2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 85 Hotelbetreiber*innen sehr viel Mühe geben und bei diesen „Soft-Faktoren“ gute Werte erreichen. • Die Infrastruktur und Ausstattung sind gerade bei historisch gewachsenen Betrieben schwerer veränderbar, da die bestehende Bausubstanz nicht einfach verändert werden kann und auch rechtliche Aspekte wie beispielsweise Brandschutz mitgedacht werden müssen. Der Wert von 7,9 Punkten ist gut, aber immer noch ausbaufähig. Darin spie- geln sich die punktuell noch notwendigen Instandhaltungs- und Modernisierungsmaß- nahmen wider. Die Hotelbegehungen haben aber auch gezeigt, dass viele Betriebe in den letzten zwei bis drei Jahren größere Investitionen aufgrund der zu erwartenden neuen Konkurrenz und der zur Verfügung stehenden Zeit während der Corona-Krise getätigt haben. Die Bewertungen hierfür schlagen sich erst in den nächsten 2 Jahren nieder. Eine genaue Gegenüberstellung der aktuellen mit den früheren Ergebnissen ist nicht möglich. In dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) wurde die Plattform Tripadvisor und keine Detail- ergebnisse ausgewertet. Damals lag die Mehrheit der Betriebe im Mittelfeld (33% wurden mit gut, ein Fünftel der Betriebe mit sehr gut oder ausgezeichnet bewertet). Alles in allem fallen die aktuellen Bewertungen für den Hotelmarkt Karlsruhe gut aus. Die Be- standshotellerie hat in den letzten Jahren zum Teil größere Investitionen (z. B. neue Hotelzimmer, Teppiche in den Fluren, neue Eingangsbereiche, Umsetzung von Themen in den Betrieben etc.) Abb. 30: Bewertungen auf Booking.com Quelle: dwif 2023/24; Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe, booking.com (Stand: Juli 2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 86 durchgeführt. 104 Damit wurde der im Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) bemängelte teil- weise Investitionsstau weiter behoben. Auf Basis der Hotelbewertungen zum Stichtag 10.Juli 2023 (als noch keines der neuen Hotels eröffnet hatte) leitet sich tendenziell ein Bedarf an attraktiveren Betrieben im 1- bis 2-Sterne-Segment ab. Durch die bereits geplanten Hotelneuansiedlungen wird dieser strukturelle Bedarf bereits weitgehend gedeckt. 2.2.3 Erkenntnisse aus den Hotelbegehungen Zur Gewährleistung eines umfassenden Blicks auf den Hotelmarkt in Karlsruhe erfolgten im Zeit- raum zwischen August und Oktober 2023 rund 50 Hotelbegehungen vor Ort. Dabei wurden die Hotelbetriebe durch Mitarbeiter*innen des dwif vor Ort besichtigt. 105 In der Regel erfolgte eine kurze Begehung der öffentlichen Bereiche wie Rezeption und Frühstücksraum, der Zusatzange- bote (z. B. Tagung, Fitnessraum etc.) sowie der Zimmer. In 13 Hotelbetrieben konnte die Besichti- gung mit einer Übernachtung kombiniert werden. Zusätzlich wurden 9 ausführliche Gespräche mit Hotelbetreiber*innen geführt und weitere 9 Betriebe beantworteten Fragen zum Hotelmarkt per schriftlichem Fragebogen. Grundsätzlich positiv hervorzuheben bleibt die hohe Teilnahmebereitschaft im Rahmen der Hotel- begehungen. Ein Großteil der inhabergeführten Hotelbetriebe hat gerade in den Corona-Jahren und auch aktuell Investitionen getätigt. Die Bandbreite reicht vom kompletten Umbau der Hotel- zimmer (z. B. Novotel) bis hin zu Investitionen in Richtung Themenhotel (z. B. Hotel Ambassador). Viele Betriebe haben auch die Flure/Gänge modernisiert und zum Teil die Eingangsbereiche umge- staltet. Das sind wichtige Investitionen, die direkt vom Gast wahrgenommen werden und sich posi- tiv auf die Qualität auswirken. Sowohl bei den Begehungen als auch im Rahmen der 13 Übernach- tungen überzeugten die Betriebe durch eine hohe Dienstleistungsbereitschaft und Freundlichkeit. Damit können die weitgehend guten Ergebnisse der Online-Bewertungen auch von unserer Seite bestätigt werden (vgl. Kap. V. 2.2). Es gibt aber auch ausgewählte Herausforderungen für die Bestandshotellerie. Insbesondere bei historisch gewachsenen privaten Betrieben ist häufig kein klares Konzept und somit auch keine Po- sitionierung/Ausrichtung erkennbar (vgl. Kap. V.2.3). Genau das wird aber zunehmend gefordert bzw. bietet auch eine Chance für die Betriebe, der Preisspirale in nachfrageschwachen Zeiten zu entgehen. Dem können die Betriebe mit einem strategischen Stufeninvestitionsplan entgegenwir- ken, indem sie durch aufeinander aufbauende Investitionen tätigen (die dann für kleine Betriebe möglich sind) und dabei ein Gesamtziel/Gesamtkonzept ansteuern. __________________________________________________________________________________________________ 104 dwif 2023: Gutachterliche Einschätzung auf Basis der Hotelbegehungen. 105 Es konnten somit nur sechs Betriebe nicht besichtigt werden. Die Gründe hierfür waren unterschiedlicher Natur (z. B. Geschäftsfüh- rer nicht anwesend, nur Online-Check-In bzw. Rezeption nicht besetzt, fehlendes Personal zum Begehungszeitpunkt etc.) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 87 2.3 Positionierung 106 Entsprechend den Ausführungen zu den Trends und Entwicklungen auf dem deutschen Hotelmarkt (vgl. Kap. III) geht die Tendenz hin zu einer klaren Positionierung und einer eindeutigen Zielgrup- penansprache. Zur Bewertung der aktuellen IST-Situation in Karlsruhe haben wir die Online-Auf- tritte der Betriebe sowohl auf der betriebseigenen Website als auch anhand von Buchungs- und Bewertungsplattformen gesichtet und den Betrieben – sofern vorhanden – eine Positionierung zu- geordnet. Mit eingeflossen sind auch die Einschätzungen aus den Betriebsbegehungen und Er- kenntnisse aus den Fachgesprächen. Eine detailliertere Betrachtung des Angebots liefern folgende Ergebnisse in Bezug auf die Ausrich- tung nach aktuell wichtigen und wachsenden Hotelkonzepten (vgl. Kap. III.3). Themenspezifische Hotels/Hotels mit Positionierung: Rund 8 von 10 Betrieben in Karlsruhe haben keine spezielle oder besonders auffällige Abgrenzung gegenüber den Wettbewerber*innen. Der im einführenden Kapitel dargestellte Trend lässt sich in Karlsruhe somit nicht erkennen. Unter ande- rem verstärkt sich durch eine homogene Hotellandschaft der Preiskampf in nachfrageschwachen Zeiten. Das ist nicht verwunderlich, da der Anteil der Geschäftsreisenden mit 75-80% hoch und da- mit der Gästemix ebenfalls relativ homogen ausfällt. Aus diesem Grund können die meisten Be- triebe in Karlsruhe als Business- und Geschäftsreisehotels eingeordnet werden. __________________________________________________________________________________________________ 106 Unter Positionierung versteht man die gezielte Schaffung und Herausstellung von Stärken und Qualitäten, durch die sich ein Beher- bergungsbetriebe aus Sicht seiner Zielgruppe von anderen Unterkünften unterscheidet. Abb. 31: Einschätzung auf Basis der Hotelbegehungen Quelle: dwif 2023/24, Hotelbegehungen vor Ort zwischen August und Oktober 2023 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 88 Markengebunden: Mit 18 Betrieben fallen aktuell (inkl. der geplanten Neueröffnungen 2023/24) 54% der Zimmerkapazitäten in diese Kategorie. Einige von ihnen weisen eine klare Positionierung, v. a. im Tagungsbereich (4 Betriebe) oder im Budget-Design-Segment (2 Betriebe), auf. Mehrere bekannte Marken aus dem Economy- und Midscale-Segment sind bereits in Karlsruhe vertreten und werden durch die Neueröffnungen, die überwiegend Markenhotels sind, verstärkt. Im Hotel- gutachten 2016 (ghh consult GmbH) lag der Marktanteil noch bei 44%. Durch die markengebunde- nen Hotelneuansiedlungen fällt die Markenabdeckung in Karlsruhe insgesamt gut aus. Abb. 32: Positionierung der Betriebe Quelle: dwif 2023/24; Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe, booking.com (Stand: Juli 2023) Abb. 33: Verteilung markengebundener Betriebe und privat geführter Betriebe Quelle: dwif 2023/24; Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe, booking.com (Stand: Juli 2023) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 89 Geschäftsreise- und Tagungshotels: Neben den vier angesprochenen markengebundenen Hotels gibt es drei weitere, privat geführte Tagungshotels. Sie bieten eine Vielzahl an Tagungsräumen so- wie ein entsprechendes Komplementärangebot an (z. B. Tagungspauschalen, Rahmenprogramm). Das Hotel Der Blaue Reiter wird seit Jahren ausgezeichnet und das GenoHotel Karlsruhe zählt zu den Top 250 Tagungshotels in Deutschland. Die Tagungshotels sind bis auf 2 Ausnahmen im 4- Sterne-Segment angesiedelt. Ihr Marktanteil liegt bei 22%. Insgesamt besteht ein guter Mix an gro- ßen wie kleinen Tagungshotels. Aus den Fachgesprächen geht hervor, dass das Preisniveau im Ta- gungsbereich zum Teil hoch ausfällt. Insgesamt ist aber keine signifikante strukturelle Lücke er- kennbar. Budget(-Design-)hotels: Mit dem Hotel Royal positioniert sich ein Bestandsbetrieb (bzw. Neueröff- nung seit dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH)) im an Bedeutung wachsenden Budget- Design-Segment. Zwar gibt es etwa zehn weitere Betriebe, die Doppelzimmer für unter 80 Euro pro Nacht verkaufen, diese zählen jedoch aufgrund ihrer Einrichtung und Ausstattung zum Budget-, nicht zum Design-Segment. In dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) wurde in diesem Segment ein Bedarf identifiziert. Durch die Neueröffnungen der beiden kapazitätsstarken Betriebe (Motel One und Premier Inn) wird das Budget-Design und durch die beiden weiteren Hotels (Moxy, The niu) das Design-Segment nun gut abgedeckt. Der Marktanteil in diesem Segment geht in Rich- tung 20%, weshalb der Bedarf weitgehend abgedeckt ist. Wenn überhaupt dann besteht eine grundsätzliche Lücke im Low-Budget (1-Sterne-Bereich), hier sind noch wenige Kapazitäten auf dem Markt. Wellnesshotels: Klar positionierte Wellnessbetriebe gibt es in Karlsruhe nicht. Zwar haben meh- rere Hotels eine Sauna oder einen kleinen Fitness-/Wellnessbereich. Kein Betrieb verfügt jedoch über großflächige Wellnessangebote, Anwendungsräume, Kurse o. Ä. Auch wenn dieses Konzept aufgrund der Flächenverfügbarkeit häufiger in ländlicheren Regionen umgesetzt wird, gibt es auch zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Wellnesshotels in Städten (z. B. Parkhotel Quellenhof in Aachen, Hotel Nassauer Hof in Wiesbaden). Gerade um nachfrageschwächere Saisonzeiten auszu- gleichen oder um Geschäftsreisende zu einem anschließenden Wochenend-Kurzurlaub zu motivie- ren (Bleisure), eignen sich Zusatzangebote im Wellnessbereich. Aus struktureller Sicht ist allgemein eine Lücke in diesem Bereich vorhanden. Tendenziell werden solche Betriebe im 4-Sterne-Segment angesiedelt. Luxushotels: Luxus-Marken sind in Karlsruhe nicht angesiedelt. Tendenziell kann das Hotel Der Blaue Reiter noch im oberen, gehobenen Segment angesiedelt werden. Luxushotels benötigen in der Regel ein entsprechendes Komplementärangebot. Das können Luxus-Einkaufsstraßen, sehr at- traktive Lagen neben bekannten Kultureinrichtungen oder neben Kliniken etc. sein. Aus gutachter- licher Sicht kann die Nachfrage im gehobenen Segment in Karlsruhe durch das Hotel Der Blaue Rei- ter sowie den weiteren 4-Sterne-Hotels ausreichend abgedeckt werden. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 90 Zusätzlich zu den wichtigen Hotelkonzepten findet an dieser Stelle auch eine Einordnung in einen der wichtigsten Megatrends statt: Nachhaltigkeit. Nachhaltigkeit ist eine der wichtigsten Grundla- gen der Zukunftsfähigkeit von Betrieben und gemeinsam mit Digitalisierung der größte Transfor- mationstreiber. Im Gegensatz zu den anderen Trends und Entwicklungen, lässt sich Nachhaltigkeit anhand von Klassifizierungen gut bewerten. Zwei Betriebe in Karlsruhe tragen das Green Sign-Label für nachhaltige Hotelbetriebe, beide sind 4-Sterne-Häuser. Auch booking.com klassifiziert die gelisteten Betriebe im Programm „Nachhalti- ger Reisen“ je nach Intensität der Nachhaltigkeits-Bemühungen von Level 1 bis 3+ 107 . Die beiden GreenSign-Labelträger sind die einzigen mit Level 3+. 15 Betriebe erreichen aktuell Level 1 und acht Betriebe Level 2. Gut die Hälfte der Zimmer befindet sich damit in Betrieben, die sich um mehr Nachhaltigkeit bemühen, wobei nur die beiden GreenSign/Level 3+-Betriebe als tatsächlich nach- haltig angesehen werden können. Sie haben – gemessen an der Zimmerkapazität – einen Marktan- teil von knapp 5%. Dieser Wert ist auf jeden Fall noch ausbaubar, weshalb sowohl bei der Bestands- hotellerie als auch bei möglichen Hotelneuansiedlungen verstärkt das Thema Nachhaltigkeit in den Fokus rücken sollte. 2.4 Markt- und Bedarfseinschätzung auf Basis der Fachgespräche Neben der faktischen und strukturellen Analyse wurden qualitative Informationen zur Bewertung des Hotelstandortes Karlsruhe und der Frage nach einem möglichen Bedarf in Form von Fachge- sprächen erhoben. Die Informationen aus den Gesprächen runden die Analysen ab und liefern wichtige Hintergrundinformationen und Einschätzungen für die Bedarfseinschätzung und Progno- serechnung (vgl. Kap. VI). Ergebnisse aus den Fachgesprächen Im Zeitraum von August bis Oktober 2023 wurden insgesamt 19 Gespräche mit Akteur*innen aus Karlsruhe geführt. Dabei wurden Ansprechpartner*innen aus unterschiedlichen Bereichen ge- wählt, um ein ganzheitliches Bild von den relevanten Stakeholdergruppen abzubilden. Die konkre- ten Gesprächspartner*innen können der Liste in Anhang 7 entnommen werden. Im Folgenden werden die Kernaussagen aus den Gesprächen nach Themenblöcken gegliedert und den folgenden Stakeholdergruppen zugeordnet: • touristische Institutionen • Hotellerie • Betriebe __________________________________________________________________________________________________ 107 partner.booking.com/de/leitfaden/zertifizierung: Level 1: „die Unterkunft hat einige wirkungsvolle Nachhaltigkeitsmaßnahmen ergriffen“ Level 2: „die Unterkunft hat beträchtlich investiert und erhebliche Anstrengungen unternommen, um wirkungsvolle Nachhaltigkeits- maßnahmen umzusetzen“ Level 3: „die Unterkunft hat große Investitionen und Anstrengungen unternommen, um wirkungsvolle Nachhaltigkeitsmaßnahmen umzusetzen“ dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 91 2.4.1 Allgemeine Entwicklung der Hotelnachfrage Die touristischen Institutionen bewerten die touristische Entwicklung aktuell positiv, denn man be- findet sich wieder „auf einem guten Weg“, auch wenn Corona die Branche stark getroffen und Karlsruhe sich noch nicht vollständig erholt hat. Die Neuansiedlungen unterstützen diese Entwick- lung, ebenso wie die Messe und die zurückkommenden Veranstaltungen. Das gesamttouristische Produktportfolio wird als gut angesehen und zum Beispiel der Stadtgeburtstag 2015 als Erfolg mit langanhaltenden positiven Auswirkungen für den Tourismus genannt. Die Einschätzung der Hoteliers ist tendenziell kritischer geprägt. Zum einen traf die Corona-Pan- demie die Beherbergungsbranche besonders hart und die Auswirkungen sind noch heute zu spü- ren. Zum anderen herrscht etwas Unzufriedenheit gegenüber dem Hotelgutachten aus dem Jahr 2016 (ghh consult GmbH). Die damalige Prognose wird aus Sicht der Hotelbetreiber*innen als ten- denziell zu optimistisch bewertet. Als Folge wird die Ansiedlung der neuen Hotels als zu viel und zu gebündelt kritisiert. Die Entwicklungen in der Geschäftswelt hin zu digitalen Treffen, mehr Home- Office und insgesamt weniger Geschäftsreisen bereiten den Hotels Sorgen. Positiv wird hingegen der Ausbau des Leisure-Bereiches gesehen, auch wenn hier noch (Weiter-)Entwicklungspotenzial gesehen wird. Aus Sicht der Betriebe können hierzu nur punktuelle Aussagen mit eingeschränkter Aussagekraft getroffen werden. Das liegt daran, dass nur eine Handvoll Betriebe auf unsere mehrfache Kontakt- aufnahme reagiert hat. Aus den geführten Gesprächen lässt sich auf der einen Seite weiterhin ein gewisser Grundbedarf an weiteren Betrieben ableiten, wobei für die Unternehmen die „spürba- ren“ Angebotsentwicklungen erst ab jetzt bis Ende 2024 stattfinden. Die grundsätzlich geringe Be- reitschaft zur Beteiligung bei den Erhebungen signalisiert auf der anderen Seite, dass für eine Viel- zahl an Unternehmen keine größeren Engpässe mehr zu bestehen scheinen. 2.4.2 Bewertung des bestehenden Hotelangebotes Aus Sicht der touristischen Institutionen ist das Hotelangebot in Karlsruhe aktuell auf einem guten Stand und weist in allen Segmenten (abgesehen von Luxus) ein entsprechendes Angebot auf. Ein großer Beitrag hierzu wird den neuen, markengebundenen Betrieben zugeschrieben, die mit mo- dernen, zeitgemäßen Konzepten den Wettbewerb beleben und in der Bestandshotellerie zu Inves- titionen führten. Nichtsdestotrotz sehen die Institutionen in der Digitalisierung und dem Aufgrei- fen von Trends noch Ausbaupotenzial in der Bestandshotellerie sowie vereinzelt auch Investitions- stau. Aktuell wird die Wettbewerbsfähigkeit als sehr gut angesehen. Mit Blick in die Zukunft wird vor allem der Wiedereröffnung der renovierten Stadthalle eine hohe Bedeutung als Pull Faktor zu- gesprochen. Die Hotelbetreiber*innen selbst bewerten das Gesamthotelangebot in Karlsruhe als sehr gut und vielfältig. Vor allem in den letzten Jahren wurde viel investiert, sodass aus ihrer Sicht lediglich in ei- nem kleinen Anteil der Betriebe noch Investitionsstau vorherrscht. Diese Entwicklung wird unter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 92 anderem dem neuen Wettbewerbsdruck durch den Markteintritt der markengebundenen Betriebe zugesprochen. Das Preisniveau wird auch mit Blick auf steigende Kosten (Energie, Personal, etc.) als tendenziell zu niedrig angesehen. Die Sorge vor einem „Preiskampf“ durch die neuen Kapazitä- ten beziehungsweise „Überkapazitäten“ ist bei einigen Hoteliers sehr präsent. Die große Mehrheit hat zudem bereits Schwierigkeiten, Fach- und Arbeitskräfte zu rekrutieren und musste teilweise das Angebot entsprechend reduzieren (kürzere Öffnungszeiten der Rezeption und des Restau- rants, Einschränkungen im Tagungs- und Bankettbereich, etc.). Die Einschätzungen der an den Gesprächen teilnehmenden Betriebe bezüglich des Angebotes fal- len befriedigend aus. Die Qualität und der Standard sind moderat, es fehlt an manchen Stellen an echter Attraktivität und Anziehung. Die Bemühungen der Hotelbetreiber*innen sind für die Unter- nehmen sichtbar, jedoch werden diese mehr als Instandhaltung und weniger als Attraktivitätsstei- gerung bewertet. Die Preise bewerten sie als gut und teilweise als etwas günstiger als in anderen Städten. Positiv wird die aktuelle Neuansiedlung einiger markengebundener Betriebe gesehen. 2.4.3 Perspektivische Entwicklung der Nachfrage Auch mit Blick auf die Nachfrage fallen die Einschätzungen der touristischen Institutionen positiv aus. Im Zuge von Corona werden zum einen der bevorzugte Urlaub in Deutschland, aber auch das mittlerweile wieder anziehende Messe- und Veranstaltungsgeschäft als Faktoren genannt. Für die Zukunft wird von einer Steigerung der Nachfrage ausgegangen, wobei schon jetzt eine stärkere Fo- kussierung auf den Leisure-Bereich und dessen Vermarktung angestrebt wird. Neben diesem Po- tenzial für Nachfragezuwächse bleiben geschäftlich Reisende aber eine wichtige Zielgruppe. In der Vergangenheit gab es vereinzelt Angebotsengpässe, in denen die Nachfrage nicht gedeckt werden konnte. Hauptgrund waren besondere Veranstaltungen oder einzelne Messen. Die Hoteliers spüren bereits, dass sich die Nachfrage nach der Corona-Krisenzeit wieder erholt, auch wenn das Vor-Krisen-Niveau zum Zeitpunkt der Gespräche noch nicht wieder erreicht wurde. Zum Großteil prognostizieren die Gesprächspartner*innen eine stagnierende Nachfrage ohne große Sprünge. Positiv wird die stärkere Fokussierung auf den Leisure-Bereich bewertet, die jetzt nach der Corona-Pandemie bereits leicht zu spüren ist. Nichtsdestotrotz wurde an vielen Stellen angemerkt, dass die Potenziale (Lage, Rhein, UNESCO City of Media Arts, Stadt des Rechtes) zur Nachfragesteigerung von Seiten der Tourismusverantwortlichen noch weiter ausgeschöpft werden können. In der Vergangenheit und somit vor den neuen Markteintritten kam es laut den Hoteliers nur sehr vereinzelt zu Auslastungsspitzen, die aber durch das Umland gut gestemmt werden konn- ten. Aus Sicht der Betriebe wird sich die Nachfrage wieder normalisieren beziehungsweise geringfügig unter dem Vor-Corona-Niveau ansiedeln, da der physische Austausch trotz Home-Office, Remote Work und Hybride Veranstaltungen nur in geringem Maße an Bedeutung verloren hat. Zu Messe- zeiten gab es in der Vergangenheit immer wieder Engpässe und auch die Buchung für größere Gruppen erforderte eine lange Vorlaufzeit sowie häufig eine kleinteilige Aufteilung innerhalb der Stadt. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 93 2.4.4 Einschätzung zum (zukünftigen) Hotelbedarf Auf Seiten der touristischen Institutionen gehen die Meinungen bezüglich struktureller Marktlü- cken auseinander. Während einige die Meinung vertreten, dass ein Angebot im Luxussegment be- nötigt wird, sehen andere hierfür keine ausreichende Nachfrage. Ähnlich wird die Notwendigkeit von Spa- und Wellnesshotels beziehungsweise eines entsprechenden Angebotes in den Hotels ge- sehen. Nur von einem Teil der Gesprächspartner*innen angesprochen wurden fehlende Angebote im Hostel-Bereich. Als Hochschulstandort mit vielen Studenten wird die Vermutung aufgeführt, dass in diesem Bereich eine aktuell nicht befriedigte Nachfrage herrscht. Bezüglicher der Gesamt- kapazitäten wird unter Berücksichtigung der neuen Hotels vorerst kein Bedarf gesehen. Die Einschätzungen der Hotelbetreiber*innen zu potenziellen Kapazitätsbedarfen sind kongruent. Es werden keine zusätzlichen Kapazitäten benötigt. Mit Blick auf strukturelle Marktlücken sehen einzelne Stimmen Potenzial für ein Hostel sowie ein Spa- und Wellnesshotel. Als Hotel mit Vorrei- terstellung wurde auch ein stark digitalisiertes Hotel ohne Personal genannt. Aus Sicht der Betriebe fehlen punktuell Tagungsmöglichkeiten, gerne auch mit der Möglichkeit, kleinere Räume für Breakout-Sessions hinzuzubuchen. Dabei sind ihnen vor allem ein angemesse- nes Preis-Leistungs-Verhältnis sowie gut ausgestattete Räumlichkeiten unterschiedlicher Größe wichtig. Vereinzelt wurde der Wunsch explizit nach Tagungsmöglichkeiten im Grünen geäußert. Zudem sieht ein Teil der Unternehmen den Bedarf für mehr Spa- und Wellnessangebote in den Ho- tels (Fitnessbereich, Sauna, etc.). 2.5 Fazit: Strukturelle Analyse Das Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) stellte fest, dass die Markenhotellerie in Karlsruhe unterrepräsentiert und der Anteil kleiner Betriebe tendenziell zu hoch ausfiel. Das Hotelangebot wurde als teilweise veraltet und qualitativ unzureichend beschrieben, besonders in der Innenstadt. Insgesamt wurde damals aus struktureller Sicht ein Bedarf in allen Segmenten zwischen dem 2- bis 4-Sterne-Niveau artikuliert, wobei mehr Potenzial im 3- bis 4-Sterne-Segment gesehen wurde. Unter Berücksichtigung der neuen Hotelangebote zwischen 2016 und 2023 sowie den perspekti- visch kommenden im Jahr 2024 hat sich der Karlsruher Hotelmarkt positiv entwickelt. Unter ande- rem, da mehrere der 2016 angesprochenen Defizite (u. a. Markendurchdringung, durchschnittliche Betriebsgröße, Anteil Budgetbetriebe) behoben wurden. Die Markendurchdringung, der Marktan- teil größerer Betriebe und die durchschnittliche Betriebsgröße sind erkennbar angestiegen und be- finden sich auf einem guten Niveau. Die Markteintritte fanden vermehrt in der Innenstadt, die Markenaustritte tendenziell am Stadtrand/außerhalb der Stadt statt, weshalb das 2016 beschrie- bene qualitative Gap in der Innenstadt geschlossen wurde. Zudem führten die Angebotszuwächse im Jahr 2023 gleichzeitig auch zu Nachfragezuwächsen. Das aktuelle Preisniveau ist tendenziell stabil, liegt aber jetzt leicht unter den Werten der Ver- gleichsstädte und der Landesebene. Die Gespräche mit den Hotelbetreiber*innen bestätigen, dass dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 94 die Herausforderungen bezogen auf die Preispolitik angestiegen sind. 108 Durch die neuen Betriebe müssen die Preise an den nachfrageschwachen Wochenenden weiter gesenkt und als Ausgleich da- für an den starken Tagen (Dienstag/Mittwoch) angehoben werden. Offen bleibt noch die Frage, wie sich die Preise in den nächsten zwei Jahren aufgrund der hohen Angebotszuwächse entwickeln werden. Bezogen auf die Preisanalysen besteht tendenziell ein leichter Bedarf im günstigen Low- Budget-Segment (1-Sterne bis unteres 2-Sterne-Segment). Die Analyse der Klassifizierung und Ausrichtung der Hotelbetriebe ist zum Teil schwierig, da ge- rade neue Hotelbetriebe wie das Motel One und Premier Inn nicht DEHOGA-Sterne klassifiziert sind. Diese Hotelbetriebe können gleichermaßen als 2-Sterne-Superior als auch als 3-Sterne-Be- triebe eingeordnet werden. Das Luxussegment ist in Karlsruhe nicht vertreten, wird aber durch die gehobenen 4-Sterne-Betriebe ausreichend abgedeckt. Wichtig für die Hotelmarktstudie ist aber auch, dass in allen Sternekategorien zwischen 2- bis 4-Sterne ein Angebotswachstum seit dem Ho- telgutachten 2016 (ghh consult GmbH) stattfand, wobei der prognostizierte Bedarf aus 2016 über- troffen wurden. Insofern deuten hier die Signale kurz- bis mittelfristig auf keinen großen Bedarf, allenfalls im günstigen Segment und da nur mit einem leistungsfähigen Betrieb mit Kapazitäten ab rund 100 Zimmereinheiten. Die Online-Bewertungen des Karlsruher Hotelmarktes fallen alles in allem gut aus. Die in den letz- ten Jahren getätigten Investitionen der Bestandshotellerie kombiniert mit den zahlreichen neuen Hotelbetrieben lassen die Gesamtqualität des Hotelmarktes steigen. Positiv hervorzuheben ist, dass die „Soft-Faktoren“ wie Freundlichkeit, Sauberkeit und Dienstleistungsbereitschaft sehr gut bewertet werden. Dies sind alles Faktoren, die weniger von der finanziellen Basis, sondern mehr von der Motivation abhängen. Etwas geringer bewertet ist weiterhin die Ausstattung. Zum Teil be- steht hier weiterhin die Notwendigkeit, punktuell Investitionen und Modernisierungen durchzufüh- ren. Die Hotelbegehungen zeigen, dass sehr viel Bewegung in den Hotelmarkt Karlsruhe gekommen ist. Zahlreiche Bestandsbetriebe haben Investitionen getätigt und tragen somit zu einer insgesamt ge- stiegenen Qualität des Hotelstandortes Karlsruhe bei. Punktuell besteht bei den historisch ge- wachsenen Betrieben weiterhin Investitionsbedarf. Dies trifft aber in der Regel bundesweit auf kleine und mittelgroße privat geführte Betriebe zu und stellt keine nur Karlsruhe spezifische Be- sonderheit dar. Bis auf einen Betrieb gibt es keine artikulierten Nachfolgeprobleme. Kurz- bis mit- telfristig sind aus unserer Sicht keine größeren Marktaustritte zu erwarten. Rund 80% der Karlsruher Hotellerie weisen keine eindeutige Positionierung oder klar feststellbare Alleinstellungsmerkmale auf. Das liegt vor allem am hohen Anteil der Businessreisenden, weshalb viele Betriebe als klassische Businesshotels etabliert sind. Aus struktureller Sicht besteht somit ge- nerell eine Lücke, fernab von klassischen Businesshotels. In Karlsruhe bieten sich tendenziell The- menhotels oder Hotels mit Day-Spa- und Wellnessangeboten an. __________________________________________________________________________________________________ 108 dwif 2023: Expert*innengespräche mit Akteur*innen aus Karlsruhe dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 95 Auf Basis der geführten Expert*innengespräche zeigt sich ein übergreifend solides bis positives Bild der (touristischen) Entwicklung nach der Corona-Phase. Die Markteintritte der markengebun- denen Betriebe bringen viel Dynamik auf den Markt, die teils positiv und teils mit Sorge beobachtet werden. Nachfrageseitig stechen die Stärkung des Leisure-Bereiches sowie die Erholung des MICE-Segmentes, auch mit der geplanten Wiedereröffnung der Stadthalle, hervor und werden aus- schlaggebend für die zukünftige Entwicklung sein. Mehrheitlich wird sich gegen den Bedarf an zu- sätzlichen Kapazitäten ausgesprochen; voranging wegen der Eröffnung zahlreicher Neuansiedlun- gen 2023 und 2024. Strukturell zeigt sich kein klares Bild. Die touristischen Institutionen und die Hoteliers sehen zwar vereinzelt Potenziale (Hostel, Hotel mit Wellness/DaySpa-Bereich, digitali- siertes Hotel), jedoch ist für keine Hotelform ein dringend notwendiger Bedarf auszumachen. Le- diglich die teilgenommenen Betriebe aus der Wirtschaft wünschen sich mehr Tagungsmöglichkei- ten mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis auf dem Hotelmarkt. Zusammenfassend bestehen aus struktureller Sicht zwar grundsätzlich im Low-Budget-Bereich so- wie bezogen auf die Positionierung mit Konzepten wie Themen- und Day-Spa Hotels Lücken. Auf Basis der Fachgespräche wurde zudem ein möglicher Bedarf im Tagungssegment mit gutem Preis- Leistungs-Verhältnis zum Ausdruck gebracht. Dieser grundsätzliche strukturelle Bedarf steht aber im Gegensatz zu den im faktischen Kapitel dargestellten hohen aktuellen Kapazitätszuwachsraten. Kurz- bis mittelfristig besteht somit primär kein Bedarf zur quantitativen Ausweitung von Kapazitä- ten in diesen Segmenten. Vielmehr sollte der strukturelle Bedarf durch Modifikationen bestehen- der Angebote gedeckt werden. Hierdurch kann der strukturelle Bedarf bezogen auf die Positionie- rung der Bestandshotellerie etwas gedeckt werden. Bestehen bleibt somit ein leichter Bedarf im Low-Budget-Segment. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 96 VI. PROGNOSE UND EMPFEHLUNGEN ZUM HOTELBEDARF KARLSRUHE In der Regel werden im Rahmen von Hotelmarktanalysen auf Basis von vergangenheitsbezogenen Entwicklungen und den Trends und Entwicklungen (vgl. Kap. III) Rückschlüsse auf die zukünftige Entwicklung geschlossen und auf dieser Basis Prognoserechnungen erstellt. In Karlsruhe besteht jedoch aufgrund des in den Jahren 2023 und 2024 überproportionalen Angebotswachstums kom- biniert mit den weiterhin spürbaren Auswirkungen der Corona-Krisenzeit eine Sondersituation (vgl. Kap. V.1.1). 1. Faktischer Bedarf zum Jahresende 2024 Zur Verdeutlichung dieser Sondersituation erfolgt hier nochmals eine komprimierte und übersicht- liche Darstellung der Angebots-/Nachfrageentwicklung in Karlsruhe (vgl. Kap. V.1.). Alles in allem war das Jahr 2023 mit höherem Angebot bei nur leichter Nachfragesteigerung und einer deutlich geringeren Bettenauslastung immer noch herausfordernd für den Beherbergungsmarkt in Karls- ruhe. Abb. 34: Angebots- und Nachfrageentwicklung gewerblicher Beherbergungsmarkt in Karlsruhe von 2015, 2019 und 2023 2015 2019 2023 Entwicklung Anzahl Betriebe 62 59 66 mehr Betriebe Schlafgelegenheiten 6.662 6.404 8.365 deutlich mehr Ange- bot Übernachtungen 1,10 Mio. 1,15 Mio. 1,15 Mio. stagnierende bis leicht höhere Nach- frage Bettenauslastung 47,4% 49,5% 40,6% deutlich geringere Auslastung Quelle: Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Stadt Karlsruhe, Nach den schwierigen Jahren in der Corona-Krisenzeit kam und kommt es in den Jahren 2023 so- wie 2024 zu überdurchschnittlich hohen Angebotszuwächsen; diese können wie folgt beziffert werden (vgl. Abb. 35): • Bereits im ersten Halbjahr 2023 stieg das Angebot im Vergleich zu 2015 von 6.662 auf 7.815 Schlafgelegenheiten (+17%). Bis zum Jahresende 2023 stiegen die Kapazitäten auf 8.365 Schlafgelegenheiten an. Ausgehend vom Vor-Krisenjahr 2019 betrug die Wachstumsrate rund 31%. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 97 • Zusätzlich kommen im Jahr 2024 voraussichtlich weitere 1.617 Betten (ca. 808 Zim- mereinheiten bei 100% Doppelzimmern) auf den Karlsruher Hotelmarkt. 109 • Auf Basis der Hotelbegehungen sehen die Gutachter*innen keine Anhaltspunkte für größere Marktaustritte in den nächsten vier bis fünf Jahren. Zahlreiche Hotelbetriebe haben in den letzten Jahren Investitionen getätigt und wurden wettbewerbsfähiger. Darüber hinaus wurden keine Probleme bei den Nachfolgeregelungen seitens der Ho- telbetreiber*innen festgestellt. Lediglich ein Hotelbetrieb mit 63 Betten wird voraus- sichtlich im Jahr 2024 aus dem Markt ausscheiden. • Aus Sicht des dwif gibt es keine Anhaltspunkte für kurzfristig zu erwartende größere Nachfragesteigerungen. Diese werden erst mit der Wiedereröffnung der Stadthalle Karlsruhe 2026 erwartet. Darüber hinaus dürften die neuen markengebundenen Ho- telbetriebe zumindest anteilig neue Nachfrage für Karlsruhe generieren. Den Gästen werden zum Jahresende 2024 insgesamt 9.919 Betten zur Verfügung stehen. Insge- samt steigt das Angebot von 2015 bis Ende 2024 um 48,9%. Die Hotelnachfrage in Karlsruhe ist geprägt von einem hohen Anteil an Messe-, Tagungs- und Geschäftsreisenden und dieses Segment erholt sich nach der Corona-Zeit langsamer als der Urlaubsreiseverkehr. Das führte auch dazu, dass die Bettenauslastung kurz nach der Krise bis Ende 2023 auf etwas über 40% und damit deut- lich unter den Ausgangswert von 47,4% (2015) sank. Positiv zu erwähnen bleibt, dass die Betten- auslastung zuletzt trotz erster Angebotszuwächse stabil blieb. Welche Bettenauslastung aus be- triebswirtschaftlicher Sicht notwendig und positiv ist, hängt von mehreren und betriebsspezifi- schen Faktoren ab. Unter anderem spielt dabei der Zimmerpreis und die Kostenstrukturen des __________________________________________________________________________________________________ 109 Im Vergleich zu den im Jahr 2023 bestehenden Angebotskapazitäten im Juni 2023. Abb. 35: Übersicht zum Angebotswachstum im Beherbergungsgewerbe in Karlsruhe Quelle: dwif 2024, Stadt Karlsruhe, Hotelbegehungen vor Ort zwischen August und Oktober 2023; BA = Bettenauslastung dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 98 jeweiligen Betriebes eine wichtige Rolle. In diesem Zusammenhang sind zwei Aspekte wichtig: Die Bettenauslastung stellt nicht die Zimmerauslastung dar. Erste wird von den statistischen Ämtern erfasst und zweite in der Regel von den Betrieben selbst als ein Indikator für den Erfolg herangezo- gen. In der Regel liegt die Zimmerauslastung rund 12 bis 18 Prozentpunkte über der Bettenauslas- tung. 110 Umgelegt auf Karlsruhe resultiert daraus für das Jahr 2023 ein rechnerischer Wert für die Zimmerauslastung von rund 52% bis 58%. Verträglichkeit Neben der Angebots- und Nachfrageentwicklung ist zudem ein Blick auf die allgemeine Marktver- träglichkeit bezogen auf die geplanten und möglichen zukünftigen Hotelprojekte wichtig. Um Aus- sagen darüber treffen zu können, wie viel Übernachtungstourismus – und im Zusammenhang da- mit, wie viele (neue) Hotelbetriebe – eine Stadt verträgt, analysiert das dwif die Kennzahlen „Bet- tendichte“ und „Tourismusintensität“30F 111 . Sie gelten, bezogen auf das Beherbergungssegment, als Indikatoren für die touristische Belastung eines Gebiets und geben Auskunft über das Verhältnis von Angebot (in Schlafgelegenheiten) bzw. Nachfrage (in Übernachtungen) zur Anzahl der Einwohner*innen. Sie ermöglichen eine allgemeine Einordnung zu möglichen Überlastungserscheinungen. Wie viel Tourismus ein Ort verträgt, ist alles in allem höchst individuell und hängt von diversen Rahmenbedingungen ab. Insbesondere Faktoren wie Saisonalität, Anzahl der Tagesgäste, Anzahl der Besuchsmagneten, Systeme zur Besucher*in- nenlenkung oder die Fläche des Ortes determinieren, wo und wie oft sich der Tourismus kon- zentriert und Überlasterscheinungen auftreten. Dementsprechend können Bettendichte und Tou- rismusintensität lediglich eine Tendenz ausweisen. Die Bettendichte lag in Karlsruhe 2023 bei 27,3 Schlafgelegenheiten je 1.000 Einwohner*innen. Gegenüber den Vergleichsstädten war das neben Aachen der geringste Wert. Inklusive der anste- henden Markteintritte im Jahr 2024 steigt der Wert auf 32,6 an. Damit liegt Karlsruhe dann gleich- auf mit Mannheim und Darmstadt und deutlich über Aachen und Wiesbaden. Objektiv betrachtet ist die Stadt Karlsruhe nicht wesentlich stärker „belastet“ als die Vergleichsstädte. Die Übernach- tungsintensität erreichte 2023 einen Wert von 3,8 Übernachtungen je Einwohner*innen. Bis Ende 2024 geht das dwif von einer Übernachtungsintensität von 4,4 in Karlsruhe aus. 112 Damit liegt Karlsruhe dann vor Aachen, auf einem ähnlichen Niveau wie Wiesbaden und Darmstadt und noch deutlich unter Mannheim. Alles in allem sind auch hier im Hinblick auf die Verträglichkeit keine auf- fälligen Abweichungen oder Tendenzen bezogen auf die Vergleichsstädte erkennbar. __________________________________________________________________________________________________ 110 dwif – Hotelbetriebsvergleich Deutschland (2019) 111 Berechnung Bettendichte=Schlafgelegenheiten/Einwohner*innen*1.000, Tourismusintensität=Übernachtungen/Einwohner*in- nen*1.000 112 Siehe dazu Prognoserechnung „realistisches Szenario“. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 99 Tab. 24: Bettendichte und Übernachtungsintensität in Karlsruhe und den Vergleichsstädten Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Bundesamt, Statistische Landesämter, Statistik Karlsruhe – Amt für Stadtentwicklung Statistik aktuell Bevölkerung IV. Quartal 2023 2. Struktureller Bedarf zum Jahresende 2024 Neben der reinen Betrachtung der Angebots- und Nachfrageentwicklung erfolgte die Analyse mög- licher struktureller Angebotslücken. Insgesamt fällt die Hotellandschaft in Karlsruhe bezogen auf das Thema „Positionierung“ relativ homogen aus. Bedingt durch den hohen Anteil an Geschäftsrei- senden sind viele Hotelbetriebe als Businesshotels konzipiert. Das ist grundsätzlich folgerichtig, da aber weitgehend ähnliche Betriebe in nachfrageschwachen Zeiten stärker über den Preis konkur- rieren, bietet eine gewisse Ausrichtung der Hotels Potenzial, sich dem Preiswettbewerb ein Stück weit zu entziehen. Hier besteht primer die Chance und Handlungsbedarf bei der Bestandshotelle- rie, welche im Rahmen zukünftiger Investitionen Pläne für einen stärkeren Fokus auf Alleinstel- lungsmerkmale machen konnte. Zur Beantwortung der Frage nach möglichen strukturellen Lücken bietet sich in einem ersten Schritt der Abgleich der Bedarfsschätzung aus dem Jahr 2016 mit den aktuell vorliegenden Infor- mationen an. Hierzu wurden zur vollumfänglichen und realistischen Einschätzung, die bis Ende 2024 geplanten Hotelneueröffnungen berücksichtigt. Die Tabelle 25 enthält die entsprechenden Informationen und Gegenüberstellungen, die sich wie folgt zusammenfassen lassen: • Das Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) identifizierte unter anderem einen ho- hen Anteil an klein strukturierten Betrieben. Seither ist der Anteil kleinerer Betriebe deutlich zurück gegangen bzw. der Bedarf an größeren Betrieben wurde gedeckt. • Im 2- bis 4-Sterne-Segment wurde der damals prognostizierte Bedarf für 2030 bereits jetzt erreicht bzw. zum Teil deutlich überschritten. • Im 5-Sterne-Segment kam es zu keinen Veränderungen, aber hier besteht aufgrund der aktuellen Zielgruppen und touristischen Angebote keine ausreichend hohe Nachfrage Betten je 1.000 Einwohner*innen (Angebotskapazitäten 2023) Übernachtungen je Einwohner*in (Übernachtungszahlen 2023) Karlsruhe 27,8 (einschl. erwartete Markteintritte bis Ende 2024: 33,0 3,8 Mannheim 32,7 5,5 Aachen 21,2 3,9 Darmstadt 32,7 4,4 Wiesbaden 28,6 4,5 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 100 für eine entsprechend hohe Auslastung im Jahresverlauf. Das dwif sieht keinen Bedarf in diesem Segment. • Das starke Angebotswachstum bei tendenziell geringeren Nachfragesteigerungen führt zu mehr Preisschwankungen auf dem Karlsruher Hotelmarkt und zu einem etwas schwächeren, aber guten Preisniveau. Dieses wird aufgrund der neuen Kapazitäten im Jahr 2024 tendenziell eher sinken als steigen. Tab. 25: Übersicht zur Bedarfsprognose aus 2016 vs. der Entwicklung von 2016 bis Ende 2024 Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) Entwicklung von 2015 bis Ende 2024 Anteil tendenziell kleinerer Betriebe 80% der Betriebe mit <80 Zimmer 60% der Betriebe mit <80 Zimmer Bedarf im 2-Sterne-Segment +260 Zimmer bis 2030 +531 Zimmer (Annahme: Motel One und Premier Inn in diesem Segment) Bedarf im 3-Sterne Segment + 440 Zimmer bis 2030 +545 Zimmer (u. a. Moxy, the niu und Groners in diesem Segment) Bedarf im 4-Sterne-Segment + 200 Zimmer bis 2030 +240 Zimmer (Winterrot, InterCity in diesem Segment) Bedarf im 5-Sterne-Segment kein Bedarf Keine neuen Kapazitäten aber weiterhin kein Bedarf. Preisniveau „Auf Augenhöhe mit starken Hotelmärkten.“ Auf gutem aber leicht unter- durchschnittlichen Niveau. Quelle: ghh consult 2016, dwif 2024 Alles in allem ist der in dem Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) identifizierte Bedarf in allen Segmenten insbesondere durch die Entwicklungen in 2023 und 2024 abgedeckt. Bezugnehmend auf die einzelnen Bausteine der strukturellen Analyse bewertet das dwif den Bedarf wie folgt: • Die faktische Analyse zeigt ein hohes und komprimiertes Angebotswachstum. Aus Sicht der Quantität (Kapazitäten), der durchschnittlichen Betriebsgröße und der Ver- teilung der Kapazitäten auf private und markengebundene Hotels besteht kein Bedarf. • Durch die Neuansiedlungen besteht aktuell ein guter Mix aus Hotels in den unter- schiedlichen Preisklassen. Theoretisch besteht eine Marktlücke im günstigen Low- Budget-Bereich da aktuell kein Hostel und keine Jugendherberge in Karlsruhe etab- liert ist. Warum theoretisch: Aufgrund der komprimierten Kapazitäten-Erweiterungen in den Jahren 2023 und 2024 wird grundsätzlich von einer weiteren Hotelansiedlung abgeraten. Erst bei einer mittel- bis langfristig positiven Marktentwicklung sollte über eine Deckung des strukturellen Bedarfs nachgedacht werden. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 101 • Wie bereits angesprochen, fand ein Wachstum in allen relevanten Sterne-Kategorien statt und der im Hotelgutachten 2016 (ghh consult GmbH) identifizierte Bedarf ist ab- gedeckt bzw. übererfüllt. Die Gästebewertungen und die Einschätzungen des dwif nach den Hotelbegehungen lassen keine Rückschlüsse auf größere Marktaustritte er- kennen. Hieraus lässt sich ebenfalls kein Bedarf an neuen und zusätzlichen Kapazitäten ableiten. Punktuell besteht bei einzelnen Bestandsbetrieben Instandhaltungs- und Mo- dernisierungsbedarf. • Aus Sicht der Positionierung fällt das Angebot in Karlsruhe tendenziell homogen aus. Es bestehen leichte, theoretische strukturelle Lücken für ein Hostel/eine Jugendher- berge, für Wellness- und Day-Spa-Angebote sowie für Tagungsflächen im günstigen Bereich mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis. Aufgrund des komprimierten Angebots- zuwachses in den Jahren 2023 und 2024 (faktische Bedarfsanalyse) empfehlen die Gutachter*innen eine Umsetzung durch die Bestandshotellerie und nicht durch die Etablierung neuer Hotelbetriebe. Tab. 26: Übersicht zur Bedarfsbewertung auf Basis der strukturellen Analyse Bewertung in Hinblick auf... Einschätzung dwif zum potenziellen Hotelbe- darf Kapazitäten kein Bedarf Preis „theoretischer Bedarf“ im Low-Budget-Be- reich, aber aufgrund des komprimierten Kapa- zitätszuwachses in 2023 bis 2024 kurz- bis mittelfristig nicht umsetzen Qualität (Sterne-Klassifizierung / Qualität – Online-Gästebewertungen & Standortbege- hungen) Sterne: kein Bedarf Bewertungen & Standortbegehungen: kein Be- darf neuer Kapazitäten, punktueller Bedarf für Instandhaltung/Modernisierung bei bestehen- den Betrieben Positionierung „theoretischer“ Bedarf für folgende Hotelkon- zepte bzw. Angebote: Hostel, Wellness- und Day-Spa-Angebote, Tagungsflächen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis, in der Praxis aber nur Umsetzung durch den Markt bzw. der Be- standshotellerie empfohlen und kurz- bis mit- telfristig keine neuen Hotelbetriebe bzw. Ka- pazitäten umsetzen Quelle: dwif 2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 102 3. Prognose der Angebots- und Nachfrageentwicklung im gewerblichen Beherbergungssektor in Karlsruhe Aus faktischer Sicht gibt es keine Hinweise zur weiteren Ansiedlung neuer Hotelbetriebe. Aus den Gesprächen mit den Betrieben zeichnen sich, abgesehen von einem Betrieb mit niedrigen Kapazitä- ten, keine Hotelschließungen ab. Die strukturelle Betrachtung liefert Hinweise auf einen theoreti- schen Bedarf, der aus dwif-Sicht in der Praxis nicht umgesetzt werden sollte. Wie bereits angespro- chen kommt es in Karlsruhe innerhalb sehr kurzer Zeit zu überdurchschnittlich hohen Kapazitäts- zuwächsen. Damit und aufgrund der Corona-bedingten Sondersituation in den letzten Jahren ge- hen gewisse Unwägbarkeiten einher. Aus diesem Grund führt das dwif folgende Szenario-Berech- nungen zur Darstellung möglicher Bandbreiten durch (vgl. Tab. 27-29): • Realistisches Szenario • Optimistisches Szenario • Pessimistisches Szenario Für alle drei Varianten werden die relevanten Angebots- und Nachfragekennzahlen ausgehend von 2010 bis 2023 für das gesamte gewerbliche Beherbergungsgewerbe dargestellt. Dabei handelt es sich um IST-Zahlen, welche dann ab dem Jahr 2024 bis zum Jahr 2035 auf Basis von Prämissen fortgeschrieben und prognostiziert werden. Für die Prognoserechnung werden vor allem die Vari- ablen zu den Ankünften/Übernachtungen und zum Bettenangebot verändert. Die Entwicklung die- ser beiden Werte spiegelt sich in der Bettenauslastung wider. Aus diesem Grund erfolgt die dwif- Bewertung bezogen auf die Auslastungsentwicklung. 3.1 Realistisches Szenario Dem realistischen Szenario liegen folgende Prämissen zu Grunde: • Die neuen Hotelbetriebe generieren zumindest anteilig eine eigene Nachfrage. Hierzu wurde unter anderem das Angebots- und Nachfragewachstum des Hotelmarktes in Mannheim als Anhaltspunkt betrachtet. Das dwif geht davon aus, dass die neuen Ho- tels die Hälfte der bestehenden Bettenauslastung aus dem Jahr 2023 selbst generie- ren. 113 Das Angebot wächst entsprechend der vorliegenden Informationen für die Markteintritte bis zum Ende des Jahres 2024 auf 9.919 Betten. • Ein Jahr später gibt es noch leicht höhere Nachfrageffekte, da sich die neuen Hotelbe- triebe etabliert und die Vertriebssysteme optimiert haben. • Im Jahr 2026 erfolgt die Wiedereröffnung der Stadthalle Karlsruhe und damit wird das Kongress-, Tagungs- und Veranstaltungssegment deutlich gestärkt. Die Karlsruher Messe- und Kongress GmbH hat entsprechende Daten zu Veranstaltungstagen, Teil- nehmer*innenzahlen und Art der Veranstaltung (z. B. regional, national, international) __________________________________________________________________________________________________ 113 Bettenauslastung in 2023 in Karlsruhe = 40,6%. Annahme: 20,3% der durchschnittlichen Auslastung der neuen Hotelkapazitäten wird selbst generiert. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 103 zugeliefert. Auf Basis der IST-Zahlen aus den Jahren 2015 und 2016 erfolgte eine Be- rechnung der zu erwartenden Ankünfte und Übernachtungen. Die Gesamteffekte wur- den auf die Jahre 2026 und 2027 aufgeteilt. Insgesamt steigt damit die Übernach- tungsnachfrage um 5,1% (2026) bzw. 1,5% (2027) zum jeweiligen Vorjahr. • Für die Folgejahre bis 2035 erfolgte im realistischen Szenario eine konservative und vorsichtige Einschätzung bezogen auf die Ankünfte. In den Jahren 2016 bis 2019 (vor der Krise) lag das durchschnittliche Wachstum bei 1,4% und es gab zwei Jahre mit ei- nem Rückgang (im Durchschnitt -1,1%). Für die Prognoserechnung wurden bis 2035 abwechselnd Jahre mit leichtem Wachstum (1,2%), mit etwas höherem Wachstum (1,8%) und auch zwei Jahre mit einem Rückgang (-1,1%) angenommen. • Auf der Angebotsseite gibt es aktuell keine Hinweise für weitere nach 2024 folgende Hotelansiedlungen. Entsprechend der Ergebnisse dieser Studie besteht auch kein fakti- scher Bedarf, weshalb die Angebotsseite weitgehend konstant gehalten wurde. An zwei Jahren wurden leichte Steigerungen zwischen 0,5% und 1,0% aufgrund von mögli- chen Kapazitätserweiterungen der Bestandsbetriebe als Prämisse festgelegt. 3.2 Optimistisches Szenario Für das optimistische Szenario gelten die bereits beschriebenen Grundannahmen aus dem realisti- schen Szenario. Folgende Veränderungen bei den Prämissen wurden festgelegt: • Die neuen Hotelbetriebe bringen im Jahr 2024 eine eigene Auslastung in Höhe von 25,0% statt 20,3%. • Die Nachfrageeffekte im Folgejahr 2025 steigen um einen Prozentpunkt mehr als im realistischen Szenario. • Die Wiedereröffnung der Stadthalle Karlsruhe im Jahr 2026 führt zu einem höheren Übernachtungsnachfragevolumen. Es werden pro Jahr rund 11.000 Ankünfte mehr als im realistischen Szenario generiert. • Im Folgejahr 2027 gibt es leicht höhere weitere Effekte durch die Stadthallte Karls- ruhe. Statt 1,5% mehr Ankünfte wird eine Steigerung von 1,8% angenommen. • Für die weiteren Jahre wird jeweils abwechselnd ein Wachstum von 1,5% und 2,0% an- genommen. Es gibt zwei Jahre mit konstanten Zahlen statt den im realistischen Szena- rio angenommenen zwei rückläufigen Jahren. • Die Angebotsseite wird ab dem Jahr 2025 ebenfalls konstant gehalten. Lediglich in zwei Jahren werden leichte Kapazitätszuwächse aus der Bestandshotellerie als Prä- misse festgelegt. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 104 3.3 Pessimistisches Szenario Für das pessimistische Szenario gelten die bereits beschriebenen Grundannahmen aus dem realis- tischen Szenario. Folgende Veränderungen bei den Prämissen wurden festgelegt: • Die neuen Hotelbetriebe bringen im Jahr 2024 eine eigene Auslastung in Höhe von 15,0% statt 20,3% (realistisches Szenario). • Die Nachfrageeffekte im Folgejahr 2025 steigen um 0,5 Prozentpunkt weniger als im realistischen Szenario. • Die Wiedereröffnung der Stadthallte Karlsruhe im Jahr 2026 führt zu einem geringe- ren Übernachtungsnachfragevolumen. Es werden rund 9.000 Ankünfte weniger pro Jahr als im realistischen Szenario generiert. • Im Folgejahr 2027 gibt es leicht geringere weitere Effekte durch die Stadthallte Karls- ruhe. Statt 1,5% mehr Ankünfte wird lediglich eine Steigerung von 1,2% angenommen. • Für die weiteren Jahre wird jeweils abwechselnd ein Wachstum von 1,0% und 1,5% an- genommen. Es gibt zwei Jahre mit rückläufigen Zahlen (jeweils -1,5%). • Die Angebotsseite wird ab dem Jahr 2025 ebenfalls konstant gehalten. Lediglich in zwei Jahren werden leichte Kapazitätszuwächse (mit 1,0% und 0,5% etwas Höhere als im realistischen Szenario) aus der Bestandshotellerie als Prämisse festgelegt. In der Re- gel finden bei schlechter Entwicklung keine größeren Kapazitätszuwächse bei den Be- standsbetrieben statt. Zur Darstellung der pessimistischen Varianten setzt das dwif dennoch bewusst auch hier einen höheren Wert an, damit die Bandbreite der potenzi- ell möglichen Rückgänge der Bettenausauslastung bei gleichzeitigen negativen Ent- wicklungen erfasst werden können. Zusammenfassend steigt in allen drei Varianten die Nachfrage über die Jahre hinweg bei weitge- hend stabilem Angebot an. Im realistischen Szenario führen die hohen Kapazitätszuwächse in den ersten Jahren zu einer insgesamt geringeren Bettenauslastung. Die Bettenauslastung spiegelt die Gesamtentwicklung von Angebot und Nachfrage wider. Aus diesem Grund wird diese Kennzahl für die Bewertung der zukünftigen Entwicklung herangezogen. Diese bewegt sich erst im Jahr der Wiedereröffnung der Stadthallte Karlsruhe wieder über die 40%-Marke. Dieser Wert liegt dann immer noch deutlich unter dem Höchstwert (49,5%) aus dem Jahr 2019. Im weiteren Verlauf steigt die Bettenauslastung dann konstant an und liegt im Jahr 2035 bei 42,3%. Ein Blick auf die beiden weiteren Szenarien verdeutlich die Bandbreite der zu erwartenden Auslas- tungsentwicklung. Im Jahr 2024 liegt die Bettenauslastung zwischen 35,6% (pessimistisches Sze- nario) und 37,2% (optimistisches Szenario). Im pessimistischen Szenario bleibt das Auslastungsni- veau bis zum Jahr 2035 unter einem Niveau von unter 40%-Niveau. Im optimistischen Szenario wird ein guter Wert von 45,9% erreicht. In der Regel liegt die durchschnittliche Zimmerauslastung rund 12 bis 18 Prozentpunkte über der Bettenauslastung. Im pessimistischen Szenario liegt diese dann im Durchschnitt bei rund 51% bis 57%. Aus gutachterlicher Sicht folgt daraus: dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 105 • In keinem der Szenarien ergibt sich anhand der prognostizierten Auslastungen ein Hin- weis auf weitere faktische Bedarfe im Prognosezeitraum bis 2035. • Die Prognosen zeigen, dass die wirtschaftliche Situation der Bestandsbetriebe – ge- messen an der Auslastung – in den nächsten 3-4 Jahren im Durchschnitt etwas ange- spannt sein und sich danach erholen wird. Abb. 36: Entwicklung Bettenangebot, Übernachtungen und Bettenauslastung nach Szenarien (Index: 2010, in %) Quelle: dwif 2024 . Folie 39 20 70 120 170 220 pessimistisches Szenario 20 70 120 170 220 realistisches Szenario Angebot (Betten)Nachfrage (Übernachtungen)Bettenauslastung 20 70 120 170 220 optimistisches Szenario dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 106 Tab. 27: Prognose Angebot und Nachfrage 2024 bis 2035 (realistisches Szenario) Jahr Ankünfte Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr Aufenthalts- dauer Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr Übernachtun- gen Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr Bettenauslas- tung in % Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr in ppt. Betten Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr 2010 517.377 12,9% 1,8 0,0% 943.415 15,0% 43,5 4,4 6.148 1,6% 2011 539.733 4,3% 1,8 0,0% 987.078 4,6% 44,8 1,3 6.294 2,4% 2012 547.455 1,4% 1,8 0,0% 1.006.344 2,0% 45,2 0,4 6.312 0,3% 2013 571.020 4,3% 1,8 0,0% 1.024.288 1,8% 44,9 -0,3 6.524 3,4% 2014 596.689 4,5% 1,8 0,0% 1.047.422 2,3% 46,0 1,1 6.486 -0,6% 2015 621.128 4,1% 1,8 0,0% 1.096.961 4,7% 47,4 1,4 6.662 2,7% 2016 638.846 2,9% 1,7 -5,6% 1.101.223 0,4% 46,0 -1,4 6.698 0,5% 2017 669.579 4,8% 1,7 0,0% 1.168.584 6,1% 48,0 2,0 6.863 2,5% 2018 658.668 -1,6% 1,7 0,0% 1.139.836 -2,5% 49,0 1,0 6.287 -8,4% 2019 655.007 -0,6% 1,8 5,9% 1.149.181 0,8% 49,5 0,5 6.404 1,9% 2020 299.611 -54,3% 1,9 5,6% 559.658 -51,3% 27,5 -22,0 6.247 -2,5% 2021 294.653 -1,7% 2,0 5,3% 574.666 2,7% 27,1 -0,4 6.064 -2,9% 2022 516.545 75,3% 1,8 -10,0% 950.006 65,3% 39,1 12,0 6.795 12,1% 2023 645.635 25,0% 1,8 -1,1% 1.147.239 20,8% 40,6 1,5 8.365 23,1% 2024 707.318 9,6% 1,8 0,6% 1.266.098 10,4% 36,5 -4,1 9.919 18,6% 2025 721.464 2,0% 1,8 0,6% 1.298.635 2,6% 37,4 0,9 9.919 0,0% 2026 754.314 4,6% 1,8 0,6% 1.365.308 5,1% 39,3 1,9 9.919 0,0% 2027 765.629 1,5% 1,8 0,0% 1.385.788 1,5% 39,9 0,6 9.919 0,0% 2028 774.816 1,2% 1,8 0,0% 1.402.417 1,2% 40,4 0,5 9.919 0,0% 2029 766.293 -1,1% 1,8 0,0% 1.386.991 -1,1% 40,0 -0,4 9.919 0,0% 2030 780.086 1,8% 1,8 0,0% 1.411.956 1,8% 40,5 0,5 9.969 0,5% 2031 789.447 1,2% 1,8 0,0% 1.428.900 1,2% 41,0 0,5 9.969 0,0% 2032 780.764 -1,1% 1,8 0,0% 1.413.182 -1,1% 40,5 -0,5 9.969 0,0% 2033 794.817 1,8% 1,8 0,0% 1.438.619 1,8% 41,2 0,7 9.969 0,0% 2034 804.355 1,2% 1,8 0,0% 1.455.883 1,2% 41,5 0,3 10.018 0,5% 2035 818.833 1,8% 1,8 0,0% 1.482.089 1,8% 42,3 0,7 10.018 0,0% Quelle: dwif 2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 107 Tab. 28: Prognose Angebot und Nachfrage 2024 bis 2035 (optimistisches Szenario) Jahr Ankünfte Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr Aufenthalts- dauer Zu-/Ab- nahme ggü. Vorjahr Übernachtun- gen Zu-/Ab- nahme ggü. Vorjahr Bettenauslas- tung in % Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr in ppt. Betten Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr 2010 517.377 12,9% 1,8 0,0% 943.415 15,0% 43,5 4,4 6.148 1,6% 2011 539.733 4,3% 1,8 0,0% 987.078 4,6% 44,8 1,3 6.294 2,4% 2012 547.455 1,4% 1,8 0,0% 1.006.344 2,0% 45,2 0,4 6.312 0,3% 2013 571.020 4,3% 1,8 0,0% 1.024.288 1,8% 44,9 -0,3 6.524 3,4% 2014 596.689 4,5% 1,8 0,0% 1.047.422 2,3% 46,0 1,1 6.486 -0,6% 2015 621.128 4,1% 1,8 0,0% 1.096.961 4,7% 47,4 1,4 6.662 2,7% 2016 638.846 2,9% 1,7 -5,6% 1.101.223 0,4% 46,0 -1,4 6.698 0,5% 2017 669.579 4,8% 1,7 0,0% 1.168.584 6,1% 48,0 2,0 6.863 2,5% 2018 658.668 -1,6% 1,7 0,0% 1.139.836 -2,5% 49,0 1,0 6.287 -8,4% 2019 655.007 -0,6% 1,8 5,9% 1.149.181 0,8% 49,5 0,5 6.404 1,9% 2020 299.611 -54,3% 1,9 5,6% 559.658 -51,3% 27,5 -22,0 6.247 -2,5% 2021 294.653 -1,7% 2,0 5,3% 574.666 2,7% 27,1 -0,4 6.064 -2,9% 2022 516.545 75,3% 1,8 -10,0% 950.006 65,3% 39,1 12,0 6.795 12,1% 2023 645.635 25,0% 1,8 -1,1% 1.147.239 20,8% 40,6 1,5 8.365 23,1% 2024 721.599 11,8% 1,8 0,6% 1.291.662 12,6% 37,2 -3,4 9.919 18,6% 2025 743.247 3,0% 1,8 0,6% 1.337.844 3,6% 38,5 1,3 9.919 0,0% 2026 787.047 5,9% 1,8 0,6% 1.424.554 6,5% 41,0 2,5 9.919 0,0% 2027 801.213 1,8% 1,8 0,0% 1.450.196 1,8% 41,8 0,7 9.919 0,0% 2028 813.232 1,5% 1,8 0,0% 1.471.949 1,5% 42,4 0,6 9.919 0,0% 2029 813.232 0,0% 1,8 0,0% 1.471.949 0,0% 42,4 0,0 9.919 0,0% 2030 829.496 2,0% 1,8 0,0% 1.501.388 2,0% 43,0 0,6 9.969 0,5% 2031 841.939 1,5% 1,8 0,0% 1.523.909 1,5% 43,7 0,6 9.969 0,0% 2032 841.939 0,0% 1,8 0,0% 1.523.909 0,0% 43,7 0,0 9.969 0,0% 2033 858.778 2,0% 1,8 0,0% 1.554.387 2,0% 44,6 0,9 9.969 0,0% 2034 871.659 1,5% 1,8 0,0% 1.577.703 1,5% 45,0 0,4 10.018 0,5% 2035 889.092 2,0% 1,8 0,0% 1.609.257 2,0% 45,9 0,9 10.018 0,0% Quelle: dwif 2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 108 Tab. 29: Prognose Angebot und Nachfrage 2024 bis 2035 (pessimistisches Szenario) Jahr Ankünfte Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr Aufenthalts- dauer Zu-/Ab- nahme ggü. Vorjahr Übernachtun- gen Zu-/Ab- nahme ggü. Vorjahr Bettenauslas- tung in % Zu-/Abnahme ggü. Vorjahr in ppt. Betten Zu-/Ab- nahme ggü. Vorjahr 2010 517.377 12,9% 1,8 0,0% 943.415 15,0% 43,5 4,4 6.148 1,6% 2011 539.733 4,3% 1,8 0,0% 987.078 4,6% 44,8 1,3 6.294 2,4% 2012 547.455 1,4% 1,8 0,0% 1.006.344 2,0% 45,2 0,4 6.312 0,3% 2013 571.020 4,3% 1,8 0,0% 1.024.288 1,8% 44,9 -0,3 6.524 3,4% 2014 596.689 4,5% 1,8 0,0% 1.047.422 2,3% 46,0 1,1 6.486 -0,6% 2015 621.128 4,1% 1,8 0,0% 1.096.961 4,7% 47,4 1,4 6.662 2,7% 2016 638.846 2,9% 1,7 -5,6% 1.101.223 0,4% 46,0 -1,4 6.698 0,5% 2017 669.579 4,8% 1,7 0,0% 1.168.584 6,1% 48,0 2,0 6.863 2,5% 2018 658.668 -1,6% 1,7 0,0% 1.139.836 -2,5% 49,0 1,0 6.287 -8,4% 2019 655.007 -0,6% 1,8 5,9% 1.149.181 0,8% 49,5 0,5 6.404 1,9% 2020 299.611 -54,3% 1,9 5,6% 559.658 -51,3% 27,5 -22,0 6.247 -2,5% 2021 294.653 -1,7% 2,0 5,3% 574.666 2,7% 27,1 -0,4 6.064 -2,9% 2022 516.545 75,3% 1,8 -10,0% 950.006 65,3% 39,1 12,0 6.795 12,1% 2023 645.635 25,0% 1,8 -1,1% 1.147.239 20,8% 40,6 1,5 8.365 23,1% 2024 691.213 7,1% 1,8 0,6% 1.237.272 7,8% 35,6 -5,0 9.919 18,6% 2025 701.581 1,5% 1,8 0,6% 1.262.847 2,1% 36,4 0,7 9.919 0,0% 2026 725.381 3,4% 1,8 0,6% 1.312.940 4,0% 37,8 1,4 9.919 0,0% 2027 733.361 1,1% 1,8 0,0% 1.327.383 1,1% 38,2 0,4 9.919 0,0% 2028 740.694 1,0% 1,8 0,0% 1.340.657 1,0% 38,6 0,4 9.919 0,0% 2029 729.584 -1,5% 1,8 0,0% 1.320.547 -1,5% 38,0 -0,6 9.919 0,0% 2030 740.528 1,5% 1,8 0,0% 1.340.355 1,5% 38,2 0,2 10.018 1,0% 2031 747.933 1,0% 1,8 0,0% 1.353.758 1,0% 38,6 0,4 10.018 0,0% 2032 736.714 -1,5% 1,8 0,0% 1.333.452 -1,5% 38,0 -0,6 10.018 0,0% 2033 747.765 1,5% 1,8 0,0% 1.353.454 1,5% 38,6 0,6 10.018 0,0% 2034 755.242 1,0% 1,8 0,0% 1.366.988 1,0% 38,8 0,2 10.068 0,5% 2035 766.571 1,5% 1,8 0,0% 1.387.493 1,5% 39,4 0,6 10.068 0,0% Quelle: dwif 2024 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 109 4. Was kann die Bestandshotellerie tun? Zur (Weiter-)Entwicklung des Karlsruher Hotelmarktes kann auch die Bestandshotellerie aktiv und positiv beitragen. Die Fachgespräche und Vor-Ort-Begehungen zeigen, dass bereits in den letzten Jahren zahlreiche Betriebe in die Modernisierung investiert haben. Instandhaltungen und Moderni- sierungen sind ein fortlaufender und notwendiger Prozess in der Hotellerie. Gerade historisch ge- wachsene und inhabergeführte Betriebe können aufgrund der Betriebsgröße und der zur Verfü- gung stehenden Innenfinanzierungskraft jedoch nicht mehrere große Investitionen gleichzeitig täti- gen. Das ist aus unserer Sicht auch nicht notwendig. Es geht vor allem darum, dass die Bestandsbe- triebe einen mittel- bis langfristigen Strategieplan erstellen und diesen – je nach Möglichkeit der Betriebe – Schritt für Schritt umsetzten. Folgende Empfehlungen bieten Anhaltspunkte für die Be- standshotellerie: Profil schärfen Das Kapitel Trends und Entwicklungen (vgl. Kap. IV) verdeutlicht eine zunehmende Polarisierung und Individualisierung der Nachfrage. Das führt dazu, dass Beherbergungsbetriebe ohne Positio- nierung im mittleren Segment an Bedeutung verlieren. Gerade in diesem Bereich befindet sich je- doch die Mehrzahl der Betriebe in Deutschland und auch in Karlsruhe. In der Reisewelt geht es häufig nicht mehr um das Wohin, sondern um das Warum. 114 Vor allem die Akteure, die sich nicht auf den Preiskampf einlassen wollen, müssen Position beziehen und sehr konkret das „WARUM“ beant- worten. Als Beherbergungsbetrieb reicht es hierbei nicht mehr aus, sich nur einer Sterne-Kategorie anzuschließen. Aufgrund der sehr unterschiedlichen Bedürfnisse von Zielgruppen sollten sich Hotelbetriebe be- wusst entscheiden, welche Angebote zu Alleinstellungsmerkmalen führen. Für die Weitertentwick- lung gilt daher: Bewusst abgrenzen. Für diese Profilschärfung können sich die Karlsruher Betriebe unter anderem an den identifizierten strukturellen Lücken orientieren. Möglicherweise bietet es sich für einen Bestandsbetrieb an, mehr in Richtung Tagung mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis zu investieren oder für einen anderen Betrieb als Strategie eine Ausrichtung im Hostel-Segment zu wählen und entsprechenden Umbaumaßnahmen zu tätigen. Im Rahmen der Profilschärfung sollten die Betriebe hierbei auch einen langfristigen Investitionsplan konzipieren. Darüber hinaus können Klassifizierungs- und Zertifizierungssysteme (z. B. „tourcert“ für Nachhaltigkeit) dazu beitragen, das Profil eines Betriebes zu stärken. Auch besteht die Möglichkeit, sich einer Hotelkooperation (z. B. Best Western, Ringhotels etc.) anzuschließen. Betriebsgröße ausbauen Da, wo es möglich ist, bietet sich für kleinere Hotelbetriebe an, die Betriebsgröße etwas zu erwei- tern. Kleinere Betriebe können zwar mit Individualität punkten, jedoch gibt es auch mehrere __________________________________________________________________________________________________ 114 Häufig ist die geographische Lage nicht mehr entscheidend, sondern die gewünschte Urlaubsart. D.h. bei der Buchung fragen sich die Gäste nicht, wohin will ich fahren sondern primär welche Art von Urlaub will ich machen (z. B. Radfahren, Wellness, Kultururlaub etc.). Insofern wird erst die Art des Urlaubs festgelegt und dann erst das Angebot durchsucht. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 110 Einschränkungen für diese. So können z. B. bestimmte Zielgruppen (z. B. Gruppen-/Busreisen) in der Regel nicht ausreichend bedient werden. Auch bestimmte Komplementär-Angebote (Infra- struktur und Dienstleistungen) lohnen sich häufig aus betriebswirtschaftlicher Sicht erst bei einer höheren Bettenanzahl. Aufgrund von Skalen- und Synergieeffekten sind größere Häuser tendenzi- ell wirtschaftlicher zu betreiben und verfügen über einen größeren unternehmerischen Handlungs- spielraum. Sofern die Möglichkeit (z. B. verfügbare Flächen) zur Ausweitung der Bestandsbetriebe besteht, sollte dies in Betracht gezogen werden. Dabei sollte aber in einem ersten Schritt der angespro- chene Strategieplan erstellt und die Potenziale eines Ausbaus geprüft werden. Aufenthaltsdauer steigern Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer in Karlsruhe ist mit 1,8 Tagen sehr niedrig und liegt auch im Vergleich zu den Vergleichsstädten unter dem Durchschnitt. Ursächlich hierfür ist der hohe Anteil an Geschäfts-, Messe-, Kongress- und Tagungsgästen. Die Steigerung der Aufenthaltstage ist schwierig, jedoch können die Bestandsbetriebe durch Kooperationen mit Freizeit- und Touristikan- bietern (z. B. Ausflugsfahren, Fahrradverleih, Museums-Eintritte etc.) in der Stadt sowie auch im Umfeld von Karlsruhe versuchen, die Gäste für einen Tag mehr zu gewinnen oder neue Zielgrup- pen durch Erlebnis-/Freizeitpakete anzusprechen. Neben einer stärkeren Vernetzung mit den Part- nern und der Entwicklung von entsprechenden Paketen sollten die Bestandbetriebe ihre Über- nachtungspreise stärker variieren (Yield-Management) und entsprechend der Nachfrage anpassen. Dies findet aktuell schon häufiger als früher statt, wobei mehr durch den Wettbewerbsdruck von außen als durch eine aktive Preispolitik zur Steuerung einer besseren Ganzjahresauslastung. Digitale Sichtbar- und Buchbarkeit erhöhen Betriebe, die online nicht sichtbar sind, existieren außerhalb des Stammkundenkreises nicht wirk- lich. In Karlsruhe sind die meisten Hotelbetriebe online auffindbar. Wichtig ist jedoch, dass die In- formationen und Bilder der Hotels aktuell sind und die Betriebe auch aktiv mit den Hotelbewer- tungssystemen arbeiten. Insofern können die Betriebe bei den Gästen aktiv Bewertungen einfor- dern. Bei hoher Anzahl von guten Bewertungen steigt das Vertrauen der Gäste und die Buchungs- rate nimmt zu. Darüber hinaus können gut beworbene und genutzte Bewertungsplattformen als „kostenfreies Marktforschungsinstrument“ genutzt werden. Durch die Rückmeldungen der Gäste können die fortlaufend notwendigen Investitionen und Modernisierungen zielgerichtet eingesetzt werden. Im Zusammenhang mit der digitalen Buchbarkeit spielt auch die Preispolitik der Betriebe eine wich- tige Rolle. Zukünftig wird es noch wichtiger, im Rahmen eines Yield-Managements die Preise ent- sprechend der Nachfrage anzupassen und zu variieren. Die Bestandsbetriebe müssen die Preise tendenziell an den nachfragestarken Tagen unter der Woche erhöhen und an den Wochenenden senken. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 111 5. Fazit Prognose und Empfehlungen zum Hotelbedarf Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass das Hotelangebot in den letzten und im nächsten Jahr überproportional und komprimiert ansteigt (seit 2019 um 31%). Die Bettenauslastung lag zuletzt im Jahr 2023 (40,6%) deutlich unter den Vergleichswerten aus 2015 (47,4%) und 2019 (49,5%). Aus objektiver Sicht haben die Bettendichte und Übernachtungsintensität damit zugenommen und liegen nun im oberen Feld der Vergleichsstädte und gleichauf mit Mannheim. Bis auf die Wiederer- öffnung der Stadthalle Karlsruhe im Jahr 2026 sind keine größeren und nachhaltigen Veränderun- gen, welche signifikante Nachfragesteigerungen mit sich bringen, bekannt. Auf Basis der faktischen Hotelmarktanalyse besteht kurz- und mittelfristig kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen in Karlsruhe. Aus struktureller Sicht konnte ein Großteil der 2016 identifizierten Bedarfe abgedeckt werden. Ak- tuell besteht zwar ein theoretischer struktureller Bedarf für ein günstiges Hotelangebot (Hos- tel/Jugendherberge) sowie für Hotels mit Wellness- / Day-Spa-Angeboten und günstigen Tagungs- flächen. Aufgrund der 2023 und 2024 komprimierten und hohen Angebotszuwächse empfiehlt das dwif keine Umsetzung der identifizierten strukturellen Marktlücken. Aus struktureller Sicht gibt es grundsätzlich „theoretische“ Angebotslücken. Aus gutachterlicher Sicht wird aufgrund der Ergeb- nisse der faktischen Analyse jedoch von einer praktischen Umsetzung der Abdeckung dieser Lü- cken durch neue Hotelbetriebe abgeraten. Vielmehr bietet sich eine Umsetzung der identifizierten strukturellen Bedarfe aus dem Markt bzw. der Bestandshotellerie heraus an. Das Ergebnis der Prognoserechnung verdeutlicht zudem, dass gleichermaßen sowohl beim pessi- mistischen als auch realistischen Szenario während des gesamten Betrachtungszeitraums kein Be- darf für zusätzliche Bettenkapazitäten besteht. Selbst bei der optimistischen Variante empfehlen die Gutachter*innen, erst langfristig zu prüfen, ob weitere Hotelansiedlungen möglich sind. Sofern sich der Markt entsprechend positiv entwickelt, kann aus dwif-Sicht ab 2032/2033 über eine Be- darfsdeckung der identifizierten strukturellen Lücken nachgedacht werden. Die Prognoseberech- nung unterstreicht das Ergebnis aus der faktischen Analyse. Auf Basis aller drei Szenarios wird bis 2035 kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen gesehen. Für die Bestandshotellerie gilt, dass die Wettbewerbsintensität durch die Angebotssteigerung zu- nimmt. Aufgrund des tendenziell homogenen Angebotes in Karlsruhe können sich die bestehenden Betriebe durch Profilschärfungen vom Wettbewerb und damit auch etwas vom Preisdruck abhe- ben. Durch diesen steigt die Notwendigkeit für eine aktive und variable Preisgestaltung. Die Be- standsbetriebe könnten tendenziell die Preise an nachfragestarken Tagen unter der Woche anhe- ben und an den schwächeren Wochenendtagen senken. Insofern bieten sich stufenweise Investitio- nen, welche auf Basis einer grundsätzlichen strategischen Positionierung der Betriebe einzahlen, an. Neben der Steigerung der Betriebsgröße und der Aufenthaltsdauer der Gäste sollte zudem an der digitalen Sicht- und Buchbarkeit noch gearbeitet werden. dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 112 ANHANG Anhang zur faktischen Analyse Tab. 30: Angebotskennzahlen gewerblicher Beherbergungsmarkt Betriebe Beherbergungsgewerbe gesamt 2015 2019 2022 2023 Karlsruhe 62 59 56 65 Mannheim 58 66 62 69 Aachen 67 66 58 57 Darmstadt 42 43 43 40 Wiesbaden 80 82 76 76 LK Karlsruhe 127 122 117 117 Baden-Württemberg 6.701 6.603 6.225 6.189 Deutschland 51.419 51.229 48.429 48.213 Schlafgelegenheiten Karlsruhe 6.662 6.404 6.795 8.203 Mannheim 6.956 9.153 9.408 10.700 Aachen 5.289 5.579 5.201 5.560 Darmstadt 4.610 4.765 5.427 5.436 Wiesbaden 7.279 7.673 8.135 8.532 LK Karlsruhe 7613 7839 7624 7.839 Baden-Württemberg 394.410 423.909 430.927 423.909 Deutschland 3.576.904 3.827.563 3.838.274 3.827.563 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 113 Betriebsgröße Beherbergungsgewerbe gesamt 2015 2019 2022 2023 Karlsruhe 108 109 121 126 Mannheim 120 139 152 155 Aachen 79 85 90 91 Darmstadt 110 111 126 136 Wiesbaden 91 94 107 112 LK Karlsruhe 60 64 65 69 Baden-Württemberg 59 64 69 69 Deutschland 70 75 79 79 Bettenauslastung Karlsruhe 47,4 49,5 39,1 40,6 Mannheim 49,2 49,8 42,6 49,8 Aachen 49,1 50,4 45,8 50,4 Darmstadt 39,9 38,6 34,1 38,6 Wiesbaden 45,1 45,7 37,4 45,7 LK Karlsruhe 36,9 38,5 33,7 36,5 Baden-Württemberg 38,6 40,4 36,1 39,2 Deutschland 37,0 39,2 35,6 37,8 Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 114 Tab. 31: Nachfragekennzahlen gewerblicher Beherbergungsmarkt 2015 2019 2022 2023 Ankünfte Karlsruhe 621.128 655.007 516.545 645.635 Mannheim 567.441 747.905 651.552 837.432 Aachen 491.257 549.313 440.844 522.596 Darmstadt 344.044 353.655 319.368 369.906 Wiesbaden 587.118 591.775 495.264 585.781 LK Karlsruhe 359.824 394.440 341.466 395.228 Baden-Württemberg 20.379.883 23.274.159 20.163.050 22.936.310 Deutschland 166.787.185 190.944.318 163.040.461 183.267.049 Übernachtungen Karlsruhe 1.096.961 1.149.181 950.006 1.147.181 Mannheim 1.241.592 1.619.687 1.456.881 1.808.677 Aachen 972.993 1.043.978 883.327 1.012.170 Darmstadt 670.882 670.605 676.152 735.180 Wiesbaden 1.199.516 1.278.891 1.110.254 1.337.702 LK Karlsruhe 961.961 1.033.823 913.825 1.033.823 Baden-Württemberg 50.763.289 57.187.271 52.262.382 57.516.693 Deutschland 436.232.801 495.615.504 302.313.250 487.109.543 Aufenthaltsdauer Karlsruhe 1,8 1,8 1,8 1,8 Mannheim 2,2 2,2 2,2 2,2 Aachen 2,0 1,9 2,0 3,0 Darmstadt 1,9 1,9 2,1 2,0 Wiesbaden 2,0 2,2 2,2 2,3 LK Karlsruhe 2,7 2,6 2,7 2,6 Baden-Württemberg 2,5 3,0 3,2 2,5 Deutschland 2,6 2,6 2,8 2,8 Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 115 Tab. 32: Nachfragekennzahlen gewerblicher Beherbergungsmarkt Karlsruhe Mannheim Aachen Darmstadt Wiesbaden Übernachtungen 2015 Januar 63.558 75.162 59.406 45.479 77.057 Februar 76.630 82.257 58.023 49.046 86.531 März 97.132 98.915 76.667 59.037 95.807 April 87.988 112.409 73.222 53.542 91.143 Mai 92.825 116.747 85.429 55.749 111.762 Juni 100.660 114.232 80.851 61.939 104.973 Juli 108.502 105.041 82.343 56.008 109.446 August 95.831 99.372 100.142 51.861 115.682 September 101.098 116.318 97.969 68.135 114.830 Oktober 102.253 121.942 92.691 65.720 107.983 November 92.132 112.891 79.978 61.229 96.9250 Dezember 78.352 86.306 86.272 45.642 85.265 Übernachtungen 2019 Januar 75.283 96.221 66.003 50.424 90.011 Februar 85.100 104.088 60.419 57.013 97.367 März 92.159 128.528 77.785 60.842 102.352 April 94.103 136.945 82.427 49.054 95.873 Mai 106.534 146.619 90.109 62.509 116.670 Juni 92.910 138.473 91.253 58.348 113.899 Juli 115.939 151.625 101.555 56.984 111.389 August 95.594 137.397 105.179 55.935 115.912 September 104.759 152.533 96.660 64.071 111.971 Oktober 103.923 152.435 91.633 63.853 116.129 November 96.866 151.113 87.445 57.932 112.250 Dezember 86.011 123.710 93.510 45.026 93.926 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 116 Übernachtungen 2022 Januar 36.731 61.307 43.363 24.249 45.283 Februar 44.704 71.206 39.834 29.352 51.026 März 60.804 98.206 57.736 41.106 69.216 April 72.881 112.311 68.128 46.714 77.975 Mai 92.533 143.126 78.021 61.380 113.442 Juni 86.339 140.577 83.939 65.519 109.517 Juli 101.512 147.142 89.708 67.217 114.956 August 94.984 135.001 93.083 60.072 111.453 September 102.921 152.173 86.878 76.926 120.442 Oktober 98.346 152.088 83.106 69.187 110.896 November 85.991 131.142 76.552 67.761 98.964 Dezember 72.260 112.602 82.979 53.004 87.355 Übernachtungen 2023 Januar 60.822 107.836 54.010 52.659 78.611 Februar 72.876 118.376 55.230 57.853 86.386 März 88.370 139.616 70.763 64.497 101.644 April 85.053 144.381 81.204 54.361 106.977 Mai 102.261 173.540 87.950 65.179 126.959 Juni 105.547 176.145 87.410 68.578 125.627 Juli 120.416 177.857 99.368 61.197 125.588 August 102.192 161.833 99.093 62.057 121.303 September 111.752 176.154 97.654 74.077 132.947 Oktober 110.433 158.551 92.053 62.857 117.514 November 101.643 146.270 85.073 67.073 106.702 Dezember 85.874 128.118 102.362 50.746 102.778 Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 117 Tab. 33: Nachfragekennzahlen Betriebstyp Hotel Ankünfte Übernachtungen 2023 2022 2019 2023 2022 2019 Karlsruhe 315.207 257.267 333.075 519.895 450.128 567.540 Mann- heim 570.975 469.190 545.431 1.027.090 834.433 977.301 Aachen 298.195 279.999 318.835 481.944 462.550 502.376 Darm- stadt 243.917 203.736 238.275 427.469 365.584 441.909 Wiesba- den 249.862 233.434 307.472 497.753 409.597 579.905 Aufenthaltsdauer Bettenauslastung 2023 2022 2019 2023 2022 2019 Karlsruhe 1,6 1,7 1,7 42,9 39,5 50,1 Mannheim 1,8 1,8 1,8 52,6 44,6 49,7 Aachen 1,6 1,7 1,6 51,4 48,8 53,9 Darmstadt 1,8 1,8 1,9 34,5 30,6 37,7 Wiesbaden 2,0 1,8 1,9 42,5 34,5 44,7 Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesamt Baden-Württemberg, Statistische Landesämter dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 118 Anhang zur strukturellen Analyse Tab. 34: Betriebe mit Kapazitäten und Sterne-Klassifizierung Betrieb Zimmer DEHOGA-Sterne Sterne nach Selbst- einschätzung 133 Boutique Hotel 133 2 AAAA Hotelwelt KÜBLER 96 3 ACHAT Hotel Karlsruhe City 215 4-Sterne 4 acora Karlsruhe Zentrum Living the City 152 3-Sterne 3 ALFA Hotel - Superior 36 3 Allee Hotel 50 4 area24/7 42 x Arthotel ANA Eden 71 3 B&B Hotel Karlsruhe 99 2 b5 Apartment Hotel 69 Brauerei-Gasthaus Deutscher Kaiser 14 0 Cinema City Hotel 30 Gasthof Auer Hof 12 0 GenoHotel Karlsruhe 153 3-Sterne 3 Groners 106 Holiday Inn Express Karlsruhe - City Park, an IHG Hotel 115 3-Sterne 3S Hotel Am Gottesauer Schloss 32 1 Hotel am Karlstor 24 3 Hotel Am Markt 37 3-Sterne 3 Hotel Ambassador 52 3 Hotel Astoria 34 2 Hotel Auerhahn 12 0 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 119 Betrieb Zimmer DEHOGA-Sterne Sterne nach Selbst- einschätzung Hotel Avisa 27 3 Hotel Aviva 116 3 Hotel Barbarossa 46 3 Hotel Beim Schupi Karlsruhe 34 3-Sterne 3 Hotel Berliner Hof 49 3-Sterne 3 Hotel Der Blaue Reiter 88 4-Sterne 4S Hotel Elite 37 3 Hotel Erbprinzenhof 50 2 Hotel Hoepfner Burghof 32 3-Sterne 3 Hotel Kaiserhof 57 4-Sterne 4 Hotel Löwe am Tiergarten HBF 24 3-Sterne 3 Hotel Maison Suisse 15 3-Sterne 3S Hotel Markgräfler Hof 20 2 Hotel Maurer 36 2 Hotel Newton Karlsruhe 84 3 Hotel Rio 120 4-Sterne 4 Hotel Royal 43 Hotel Santo 67 4-Sterne 4S Hotel Sonne 72 3-Sterne 3 Hotel Winterrot 46 4-Sterne 4 Hotel zum Erwin 22 0 Hotel-Restaurant Steuermann 30 3-Sterne 3 ibis budget Karlsruhe 68 1-Stern 1S ibis Karlsruhe Hauptbahnhof 139 2-Sterne 2S Intercity Hotel 194 4 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 120 Betrieb Zimmer DEHOGA-Sterne Sterne nach Selbst- einschätzung Leonardo Hotel Karlsruhe 147 4 MC Hotel 82 2 Motel One 323 3 Moxy 150 3 Novotel Karlsruhe City 246 4-Sterne 4 Pension Schramm 9 0 Pension Stadtmitte 7 0 PLAZA Inn Karlsruhe 134 3 Premier Inn Karlsruhe City Am Wasserturm 208 3 Schlosshotel Karlsruhe 93 4-Sterne 4 sevenDays Hotel Karlsruhe 34 0 the niu Hotel Novum 289 3 Trip Inn Hotel Blankenburg 36 3 Zi Hotel 31 3 Quelle: dwif 2024, Daten: eigene Recherche auf den Websites der Betriebe, Zulieferung Auftraggeberin Tab. 35: Bewertungen der Betriebe auf booking.com Betrieb Ge- samt Perso- nal Aus- stat- tung Sau- berkeit Kom- fort Preis- Leis- tung Lage WLAN 133 Boutique Hotel 8,2 8,9 8,2 8,5 8,4 8,4 9 8,8 AAAA Hotelwelt KÜBLER 7,2 8,6 6,9 7,5 7,3 7,6 8,7 7,6 ACHAT Hotel Karlsruhe City 7,7 8,7 7,7 8,3 8,1 7,8 8,5 8,3 acora Karlsruhe Zentrum Living the City 7,5 8,2 7,7 8,1 7,7 7,9 8,3 7,9 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 121 Betrieb Ge- samt Perso- nal Aus- stat- tung Sau- berkeit Kom- fort Preis- Leis- tung Lage WLAN ALFA Hotel - Su- perior 7,7 9 7,6 8,4 8 8 9,1 7,8 Allee Hotel 7,6 8,7 7,8 8,1 7,9 8 8,3 7,8 area24/7 7,5 8,4 7,9 8,4 7,8 8 8,6 8,4 Arthotel ANA Eden 7,6 8,4 7,8 8 8 8,1 8,6 8,3 B&B Hotel Karls- ruhe 7,6 8,3 7,7 8 7,7 7,9 8,3 8,5 b5 Apartment Hotel Brauerei-Gast- haus Deutscher Kaiser Cinema City Ho- tel Gasthof Auer Hof GenoHotel Karlsruhe 7,8 8,6 7,9 8,5 8,1 7,6 7,8 7,8 Groners Holiday Inn Ex- press Karlsruhe - City Park, an IHG Hotel 7,8 8,8 8 8,3 8,3 7,7 8,1 8,7 Hotel Am Got- tesauer Schloss 8,0 9,3 8 8,5 8,3 8,3 8,3 8,8 Hotel am Karls- tor 7,2 8 7,4 7,7 7,6 7,8 8,2 7,5 Hotel Am Markt 7,8 8,8 7,7 8,5 8,1 8 9,4 8,2 Hotel Ambassa- dor 7,9 8,7 7,8 8,3 8,1 8,4 8,7 8 Hotel Astoria 7,8 8,4 7,8 8,3 7,8 8,4 8,3 8,4 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 122 Betrieb Ge- samt Perso- nal Aus- stat- tung Sau- berkeit Kom- fort Preis- Leis- tung Lage WLAN Hotel Auerhahn Hotel Avisa 8,6 9,3 8,4 9,1 8,7 8,9 9,3 8,8 Hotel Aviva 7,7 8,6 7,7 8 7,7 8,1 8 8,2 Hotel Barba- rossa 7,8 8,6 7,9 8,7 8,1 8 8,2 8 Hotel Beim Schupi Karlsruhe 8,1 8,7 8 8,7 8,3 8,4 8 8 Hotel Berliner Hof 8,0 9 7,9 8,6 8,3 8,2 9 8,2 Hotel Der Blaue Reiter 8,7 9,3 9 9,4 9,3 8,2 8,6 8,4 Hotel Elite 7,8 8,5 7,7 8,2 7,7 8,4 8,1 8,4 Hotel Erbprin- zenhof 7,9 9,3 7,7 8,6 7,9 8,3 9,5 8,3 Hotel Hoepfner Burghof 7,4 8,4 7,4 8,2 7,6 7,1 8,1 8,2 Hotel Kaiserhof 8,4 9,3 8,4 8,9 8,8 8,2 9,6 8,3 Hotel Löwe am Tiergarten HBF 7,6 8,4 7,7 8 8 8,1 9 8 Hotel Maison Suisse Hotel Markgräf- ler Hof 8,2 9,5 7,9 8,9 8,1 8,4 8,8 9,3 Hotel Maurer 6,9 7,9 7 7,4 7,2 7,9 7,5 7,6 Hotel Newton Karlsruhe 8,2 9 8,3 8,8 8,5 8,7 7,8 8,6 Hotel Rio 8,7 9,5 8,9 9,3 9,1 8,7 8,9 8,8 Hotel Royal 7,6 8,4 8,1 8,6 8,3 7,6 8,4 8,2 Hotel Santo 8,3 9 8,4 8,7 8,5 8,8 8,6 8,8 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 123 Betrieb Ge- samt Perso- nal Aus- stat- tung Sau- berkeit Kom- fort Preis- Leis- tung Lage WLAN Hotel Sonne 7,8 8,4 7,8 8,5 8,1 8,1 7,8 7,9 Hotel Winterrot 8,5 9 8,9 9,2 9,2 8 7,6 9,1 Hotel zum Erwin Hotel-Restau- rant Steuermann 7,5 8,6 7,5 8,1 7,7 7,5 6,9 8,5 ibis budget Karls- ruhe 7,2 8,1 7,2 7,8 7,3 7,7 7,4 8 ibis Karlsruhe Hauptbahnhof 7,5 8,3 7,5 8,1 7,8 7,5 8,8 8,5 Intercity Hotel 8,1 9,1 8,6 9,1 9,4 7,9 8,9 Leonardo Hotel Karlsruhe 7,9 8,9 7,7 8,2 8,1 8,2 8,6 8,2 MC Hotel 6,8 8,4 6,7 7,3 6,9 7,9 8,2 7,9 Motel One Moxy Novotel Karls- ruhe City 8,2 8,8 8,4 8,8 8,7 7,8 9 8,1 Pension Schramm Pension Stadt- mitte PLAZA Inn Karls- ruhe 8,3 8,9 8,5 8,8 8,8 8,3 8 8,5 Premier Inn Karlsruhe City Am Wasserturm 8,6 9 8,9 9,4 9,3 9,2 8,5 - Schlosshotel Karlsruhe 7,8 8,6 7,7 8,3 8,2 7,9 8,9 7,4 sevenDays Hotel Karlsruhe 8,1 9 8,3 8,9 8,6 8,1 8,7 8,6 dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 124 Betrieb Ge- samt Perso- nal Aus- stat- tung Sau- berkeit Kom- fort Preis- Leis- tung Lage WLAN the niu Hotel Novum Trip Inn Hotel Blankenburg 7,3 8,8 7,2 7,8 7,5 7,9 8,7 8,3 Zi Hotel 7,0 7,9 7,4 7,5 7,5 7,4 8,1 7,6 Hinweis: Betriebe mit leeren Zellen sind nicht bei booking.com gelistet Quelle: dwif 2024, Daten: booking.com Anhang Fachgespräche und Hotelbegehungen Mit folgenden Personen wurden Fachgespräche zwischen August und Oktober 2023 geführt: • Martin Wacker, Karlsruhe Marketing und Event GmbH, 04. August 2023 • Andrea Scholz und Gerd Handl Wirtschaftsförderung Karlsruhe, 08. August 2023 • Dr. Michael Kant, Marcus Fränkle, Patrick Seiffert und Siegfried Weber, DEHOGA Karlsruhe, 09. August 2023 • Pascal Rastetter, Karlsruhe Tourismus GmbH, 10. August 2023 • Sina Knolle, CyberForum e.V., 17. August 2023 • Heidrun Laubscher und Marion Kuhn, Siemens AG, 17. August 2023 • Christoph Woschek, IHK Karlsruhe, 22. August 2023 • Torsten Rieke, Allianz Deutschland AG, 24. August 2023 • Britta Wirtz und Holger Klanfer, Karlsruhe Messe und Kongress GmbH, 25. August 2023 • Boumy Thao, dm-drogerie markt GmbH & Co. KG, 30. August 2023 • Patric Barth, Schlosshotel Karlsruhe, 05. September 2023 • Christina Fitzi, Novohotel Karlsruhe City, 05. September 2023 • Bernhard Zepf, Hotel Erbprinz, 06. September 2023 • Hagen Müller, Achat Hotel Karlsruhe, 07. September 2023 • Kurt Weber und Sebastian Edbauer, Moxy Karlsruhe, 08. September 2023 • Nicolas Hettel, Hotel Watthalden, 26. September 2023 • Andreas Grottke, Styles Hotel Karlsruhe Messe, 27. September 2023 • Marion Friedl-Kment, Kommunaler Versorgungsverband BW, 13. Oktober 2023 (schriftlich) • Britta Müller, BBBank eG, 19. Oktober 2023 (schriftlich) dwif Gutachten zur Analyse des Hotelstandorts Karlsruhe 2023/2024 Seite 125 Darüber hinaus wurden rund 25 weitere Betriebe aufgrund ihrer Größe und Bedeutung für den Wirtschaftsstandort ausgewählt und mehrfach per Mail und telefonisch kontaktiert. Der Rücklauf bei dieser Gruppe war verhalten. Ursächlich hierfür sind mehrere Gründe, unter anderem, dass Ho- telbuchungen dezentral erfolgen und deshalb keine gute Auskunft möglich ist, die geringe Bedeu- tung des Hotelmarktes für das jeweilige Unternehmen etc. Die geringe Beteiligung deutet aber auch auf einen weitgehend gut funktionierenden Hotelmarkt hin, da in der Regel bei bestehenden Buchungsengpässen und/oder Angebotslücken die Teilnahmebereitschaft der Betriebe höher aus- fällt, um den Bedarf zu artikulieren.

  • Abschlusspräsentation
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    Alle Bestandteile dieses Dokuments sind urheberrechtlich geschützt. © 2024 dwif Dieses Dokument ist Teil der Präsentation und ohne die mündliche Erläuterung unvollständig. Bild: freepik HOTELGUTACHTEN ZUR ANALYSE DES HOTELSTANDORTES KARLSRUHE Karlsruhe, 29. November 2024 Ergebnispräsentation Heiko Rainer, Geschäftsführer Folie 1 Bild: freepik FAKTISCHE ANALYSE Folie 2 80 % 90 % 100 % 110 % 120 % 130 % 140 % 150 % 160 % 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 Angebotswachstum ab 2021: Karlsruhe holt gegenüber den Vergleichsstädten auf Folie 3 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesämter Entwicklung des Angebotes (Schlafgelegenheiten) 2015-2023 (Index: 2015 = 100 %) Mannheim: +53,8% (Absolut: 10.700) Karlsruhe: +23,1% (Absolut: 8.203) Darmstadt: +16,8% (Absolut: 5.436) Wiesbaden: +9,6% (Absolut: 8.532) Aachen: +5,1% (Absolut: 5.560) Bettenauslastung in Karlsruhe unterhalb des Vor-Krisen-Niveaus Folie 4 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Quelle: dwif 2024; Daten Statistisches Landesämter Entwicklung der Auslastung im gewerblichen Beherbergungsgewerbe 2015-2023 (in Prozent) Mannheim: 48,0% Karlsruhe: 40,6% Darmstadt: 37,1% Wiesbaden: 43,0% Aachen: 50,1% 10% 20% 30% 40% 50% 60% 201520162017201820192020202120222023 Geringere Auslastung im ersten Halbjahr 2024 Folie 5 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Quelle: dwif 2024; Daten: Statistische Landesamt Baden-Württemberg (Werte aus den Monatsheften, Nachmeldungen möglich) 36,7%39,6%-2,9%-Pkt.Bettenauslastung 1. Hbj. 20241. Hbj. 2023 Veränderung 2024 ggü. 2023 Jan.-Sept. 2024 (YTD) 38,7% Studie Aktuelle Zahlen Folie 6 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe • Das Angebot stieg unter Berücksichtigung der jüngsten Markteintritte stärker als die Nachfrage • Die Nachfrage erholte sich langsamer als bei den Vergleichsstädten – liegt jedoch wieder über dem Vor-Krisenniveau. • Die zeitverzögerte Erholung kombiniert mit einem zuletzt kompakten Angebotswachstum führten zu geringeren Auslastungsquoten. Kein kurz- bis mittelfristiger Bedarf auf Basis der faktischen Analyse! Bild: freepik Folie 6 KAPAZITÄT Ergebnis aus der strukturellen Analyse Folie 7 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Quelle: dwif 2024 PREIS POSITIONIERUNGQUALITÄT € Folie 8 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe • Bedarfe aus der Studie von 2016 in mehreren Bereichen abgedeckt (durchschnittliche Betriebsgröße, Marken-/ Kettendurchdringung, Anteil Budgetbetriebe, qualitatives Gap in der Innenstadt) • Kapazitätszunahme im 2 bis 4-Sterne-Segment • Das Preisniveau liegt leicht unter den Durchschnittswerten der Vergleichsregionen • Hotelbegehungen zeigen gestiegene Qualität durch Investitionen – wird durch Ergebnis der Online-Bewertungen bestätigt • Generelle strukturelle Lücken fernab von klassischen Businesshotels Bild: freepik Fazit zur strukturellen Analyse (I) Folie 8 Folie 9 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Allgemeine strukturelle Lücken: • Preis: Low-Budget-Bereich (Hostel, Jugendherberge) • Positionierung: Themenhotel, Wellness- und Day-Spa-Angebote, Tagungsflächen mit gutem Preis-Leistungs-Verhältnis Kurz- bis mittelfristig kein quantitativer Bedarf für neue Kapazitäten! Identifizierte Lücken durch Modifikation bestehender Angebote der Bestandsbetriebe! Bild: freepik Fazit zur strukturellen Analyse (II) Folie 9 Bild: freepik PROGNOSE FÜR DEN HOTELMARKT Bild: freepik Folie 10 Ausgangslage: Einbezug aller neuen Kapazitäten aus 2023 und 2024 Folie 11 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Quelle: dwif 2024, Stadt Karlsruhe, Hotelbegehungen vor Ort zwischen August und Oktober 2023; BA = Bettenauslastung • 62 Betriebe • 6.662 Betten • 1,10 Mio. ÜN • 47,4% BA 2015 • 63 Betriebe • 7.815 Betten • 0,52 Mio. ÜN • 39,6% BA 1. HJ 2023 • 70 Betriebe • 9.919 Betten Geplant in 2024 Prognose Studie aus 2016: bis 2030 rund 8.460 Betten • 66 Betriebe • 8.365 Betten • 1,15 Mio. ÜN • 40,6% BA Ende 2023 Prognose im realistischen Szenario Folie 12 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Quelle: dwif 2024; * Bettenanstieg von 2024 bis 2035 aus dem Bestand heraus. 1,48 Mio.10.01842,3% 2035 1,10 Mio.6.66247,4% 2015 1,27 Mio.9.91936,5% 2024 Betten* Übernachtungen Bettenauslastung aktuell von Jan. bis Sept. 2024: 38,7% zum Vergleich Folie 13 Hotelgutachten zur Analyse des Hotelstandortes Karlsruhe Gesamtfazit • Faktische Analyse: kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen • Strukturelle Analyse: kein Bedarf für „neue“ Hotelansiedlungen – Umsetzung aus der Bestandshotellerie heraus • Prognoserechnung: bis 2035 kein Bedarf für weitere Hotelansiedlungen Bild: freepik Folie 13 URHEBERSCHUTZ Alle Rechte vorbehalten. © 2024 dwif Das Werk einschließlich aller seiner Teile ist urheberrechtlich geschützt. 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  • Protokoll GR 17.12.2024 TOP 18
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    Niederschrift 5. Plenarsitzung des Gemeinderates 17. Dezember 2024, 15:30 Uhr öffentlich Bürgersaal, Rathaus am Marktplatz Vorsitzender: Oberbürgermeister Dr. Frank Mentrup Punkt 18 der Tagesordnung: dwif Bericht Hotelmarktanalyse Karlsruhe Vorlage: 2024/1207 Beschluss: Der Gemeinderat nimmt die Informationsvorlage zur Kenntnis. Abstimmungsergebnis: Keine Abstimmung Der Vorsitzende setzt um 17:35 Uhr die unterbrochene Sitzung fort, ruft Tagesordnungs- punkt 18 zur Behandlung auf und verweist auf die erfolgte Vorberatung im Ausschuss für Wirtschaft und Wissenschaft am 29. November 2024. Erste Bürgermeisterin Luczak-Schwarz: Zwei, drei Sätze vorweg, denn gestern wurden die aktuellen Tourismuszahlen für Baden-Württemberg bis einschließlich Ende Oktober verkün- det. Das Hotelgutachten zeigt auf, dass wir weitgehend den qualitativen und quantitativen Bedarf, den wir 2016 festgestellt haben, bereinigt haben. Das Hotelgutachten zeigt auch auf, dass Karlsruhe über hervorragende Rahmenbedingungen verfügt. Das zeigt sich auch in dieser kontinuierlichen Entwicklung der Übernachtungszahlen. So sind die Zahlen Ende Oktober noch weiter gestiegen. Wir hatten es schon im Ausschuss mit dem Stichtag Sep- tember kommuniziert. Ende Oktober liegen wir bei knapp 1,1 Millionen an Übernachtun- gen. Das sind rund 14,9 Prozent Steigerung zu 2023. Bei der Bettenauslastung kratzen wir mit 39,8 Prozent an der 40-Prozent-Hürde. Unsere Prognose ist, dass wir bis Ende des Jah- res diese auch überspringen werden und dass wir wahrscheinlich so bei 1,25 Millionen an Übernachtungen im Vergleich, wenn man die Übernachtungszahlen von November und Dezember sich anschaut, abschließen werden. Das wäre eine super Entwicklung. Wir sind weit über den Zahlen von vor Corona, und das wird natürlich in dem Gesamtportfolio der entsprechenden Gesellschaften und das, was wir als Stadt hier zur Verfügung stellen, deutlich. Also auf einem guten Weg, und das ist jetzt einmal eine positive Botschaft aus dem Gutachten. – 2 – Stadträtin Akbaba (GRÜNE): Genau das waren wirklich erfreuliche Nachrichten aus dem Gutachten. Wie Sie schon gesagt haben, Übernachtungen und Ankünfte sind gestiegen. Erfreulich ist auch, dass es eine berechtigte Hoffnung auf Steigerung der Übernachtungs- zahlen durch die Wiedereröffnung der Stadthalle auch geben wird. Das war auch sehr gut. Und wie wir dem Bericht aber auch entnehmen können, ist, dass wir die nächsten zehn Jahre erst einmal keine neuen Hotels mehr brauchen. Das sollten wir bei kommenden Be- bauungsplänen und Grundstücksvergaben konsequent beachten. Es gibt, so das Hotelgut- achten, was Ihnen allen auch öffentlich zusteht, faktisch keinen Bedarf für weitere Hotel- ansiedlungen bis zum Jahr 2035. Stadtrat Bunk (CDU): Der Angebotszuwachs ist erst einmal erreicht, wie er nach dem ers- ten Hotelgutachten angestrebt war. Und aktuell braucht es keine weiteren Hotelzimmer. Aber so schön, wie sie jetzt dargestellt wurden, sind die Zahlen halt nicht. In der Informati- onsvorlage steht drinnen, dass bei den Ankünften und bei den Übernachtungen im ersten Halbjahr 2024 das Vor-Corona-Niveau sogar übertroffen wurde. Was in der Vorlage fehlt, jetzt gerade wurde es mündlich gesagt, ist aber, dass die Auslastung deutlich geringer ist. Es ist auch nicht überraschend, weil im Vergleich zum Vor-Corona-Niveau hat man mehr als 50 Prozent Angebot. Die 40-Prozent-Marke bei der Auslastung zu überschreiten, das wäre sicherlich erfreulich, aber damit ist sie immer noch fast 10 Prozentpunkte geringer als beim Vor-Corona-Niveau. Wenn man jetzt so ein Gutachten in Auftrag gegeben hat, dann muss man auch politische Rückschlüsse daraus ziehen. Wir werden demnächst diese Debatte über die Übernachtungssteuer hier führen. Natürlich hängt es nicht direkt miteinander zusammen, aber wenn man sich die Auslastungszahlen anguckt, dann muss man jetzt kein besonders begabter Wirtschaftswissenschaftler sein, um festzustellen, dass der Markt extremst angespannt ist. In dem Gutachten ist es dann abstrakt formuliert und heißt, es ist eine zunehmende Wettbewerbsintensität zu erwarten. Konkret bedeutet das, dass die Hotels enorm unter Druck stehen. Die Ersten, die schließen müssen, werden sicherlich nicht große Ketten sein, sondern es sind kleine, es sind inhaber- geführte, es sind traditionelle Hotels, die eine Stadt dann auch ausmachen. Und um sich in diesem angespannten Wettbewerbsumfeld zu behaupten, gibt es auch in dem Gutachten konkrete Empfehlungen, können Hotels zum Beispiel diese Bereiche, die jetzt noch nicht so besonders abgedeckt sind in der Stadt, geringpreisig im Hostelbereich oder mit Day Spa umrüsten, aber wenn man so etwas den Hotels empfiehlt und sagt: „Wir erkennen an, der Markt ist jetzt schwierig momentan, der Angebotszuwachs ist vorzeitig erreicht worden, wir brauchen keinen zusätzlichen Bedarf“, dann muss man, und das müssen wir mitneh- men in die Überlegungen, wenn wir dann über die Übernachtungssteuer hier diskutieren, sich die Frage stellen, ob das dann der richtige Zeitpunkt ist, die Hotels aufzufordern, sich vielleicht zu verändern, sich zu behaupten im schwierigen Umfeld und gleichzeitig mit so einer Übernachtungssteuer in diesen Markt dann noch weiter einzugreifen. Das möchte ich mitgeben als politischer Schluss aus diesem Gutachten, auch wenn es heute nur eine Infor- mationsvorlage ist. Stadträtin Ernemann (SPD): Wenn ich mich an das Hotelgutachten von 2016 erinnere, das uns ein Defizit an Hotels prognostiziert bzw. dargelegt hat, dann bin ich doch wahnsinnig erfreut und überrascht, dass es seit 2014 streng genommen einen Anstieg von 48,9 Pro- zent des Hotelangebots gab oder zugenommen hat. Das Gutachten lässt schon einige Rückschlüsse zu, zum Beispiel die Diskussion, die wir immer geführt hatten, inwieweit Air- bnb Einfluss auf die Hotellerie genommen hat, sagt also das Gutachten aus, es ist keine – 3 – Konkurrenz. Es ist keine Konkurrenz deshalb, weil nämlich die meisten Hotelbesucher nicht die Touristen sind, sondern die Geschäftsreisenden, die maximal 1,8 Tage Aufenthaltsdauer in Karlsruhe bleiben. Und Airbnb oder langfristige Wohnungen, die vermietet werden, die sind nicht für Geschäftsreisende geeignet oder die werden von denen auch nicht bean- sprucht. Insofern ist es also keine ernsthafte Konkurrenz. Was ein bisschen Sorge macht, ist der durchschnittliche Preis. Der ist in der Tat also unterdurchschnittlich. Ein Doppelzimmer in Karlsruhe kostet im Durchschnitt 111 Euro und ein Einzelzimmer 96 Euro. Wenn man sich in vergleichbar großen Städten umschaut, ist das in der Tat unterdurchschnittlich. Die Bewertungen für Karlsruhe oder für die Karlsruher Hotellerie ist gut. Die Hotels sind in einem guten Zustand. Die Bestandshotellerie hat in den letzten Jahren größere Investitio- nen vorgenommen. Was Kollege Bunk schon gesagt hat, ist auch ein Bedarf offensichtlich nachgewiesen, laut Gutachten im Wellnesshotel und Spa-Bereich, Luxushotelsegment ei- gentlich weniger. Das wird von ein, zwei Hotels in der Nachbarstadt Ettlingen oder Baden- Baden abgedeckt. Große Hoffnungen haben wir, was die Auslastung der Hotels anbelangt, mit der Eröffnung der Stadthalle im Jahre 2026. Und wie gesagt, diese 1,8 Tage Aufent- haltsdauer, die ist sehr niedrig im Vergleich zu anderen Städten. Aber meiner Meinung nach gibt es Überlegungen, dass man jetzt Pakete schnürt in Verbindung mit Kulturange- boten. Ich glaube, im Wirtschaftsförderungsausschuss wurde vorgestellt, dass es eine Über- legung gibt, Staatstheater und Hotelübernachtung, so ein Paket. Jetzt ist das Staatstheater selbst in dem Umbau oder in der Bauphase. Das ist jetzt nicht gerade, denke ich mal, der geeignete Part für so ein Paket. Da würde ich dann eher ZKM oder andere Institutionen wählen, aber immerhin, man macht sich Gedanken, um die Aufenthaltsdauer zu verlän- gern. Für mich, wie gesagt, Sorge macht mir dieser Preiskampf mit diesen niedrigen, unterdurch- schnittlichen Preisangeboten in der Hotelbranche. Stadtrat Schnell (AfD): Vieles ist schon gesagt worden. Ein paar Anmerkungen möchte ich noch machen. Diesen Wettbewerbsdruck zwischen den Hotels halte ich grundsätzlich für nichts Negatives, denn das bessere Hotel ist immer der Feind des guten Hotels. Da wird es natürlich dann schon Marktaustritte geben, wenn die Kapazität weiter steigen sollte, aber wir sollten das jetzt nicht künstlich abwürgen, wenn es Interessenten gibt, die ein neues Hotel hier bauen würden, weil der Investor, der das tut, hat schon dann die Perspektive o- der sieht die für sich, dass er mit diesem Hotel kommerziell erfolgreich sein will. Und zu diesem Bereich mit den Arrangements, dass man das mit Kultur verbindet, also ge- rade Staatstheater, ob das jetzt umgebaut wird oder nicht, wir haben dafür nach wie vor Programm. Die Zahlen, die wir in der letzten Sitzung präsentiert bekommen haben, das klang alles sehr positiv, was Auslastung und so weiter angeht. Da denke ich, ist noch ein bisschen Luft nach oben. Gerade über die Umweg-Finanzierung, wenn wir dann Auswär- tige, wir haben bisher relativ wenige im Staatstheater, wenn wir dann die Leute dazu brin- gen, sei es nur für ein kulturelles Event oder auch als Verlängerung einer Geschäftsreise, hier noch mehr Übernachtung zu generieren, dann kommt das der Stadt letztendlich zu- gute. Baden-Baden ist auf dem Weg sehr erfolgreich, und ich finde, da können wir auch mehr tun, und das sollten wir auch angehen. Stadträtin Böringer (FDP/FW): Es ist schon vieles Richtige gesagt worden. Wir haben das Gutachten mit Interesse gelesen und nehmen es auch zur Kenntnis. Es ist tatsächlich so, – 4 – dass die Nachfrage gemessen an der Bettenauslastung deutlich zurückgegangen ist, und zwar hinter den Jahren-Vergleichswerten 2015 und 2019. Gleichzeitig, das ist schon ge- sagt worden, sind neue Kapazitäten auf dem Hotelmarkt durch Hotelneueröffnungen, ins- besondere 2023, erfolgt, sodass der Bedarf an weiteren Hotelansiedlungen bis auf Weite- res tatsächlich, und wir reden von 2035, so weit reicht das Gutachten, gedeckt ist sozusa- gen. Was das Gutachten wirklich explizit sagt, ich habe es richtig gelesen, der Hotelstandort Karlsruhe verzeichnet im Vergleich zu anderen Städten einen überdurchschnittlich starken Rückgang an Bettenauslastungen. Was bedeutet jetzt das für die Hoteliers in ihrem tägli- chen geschäftlichen Bereich? Da heißt es, die Herausforderungen bezogen auf die Preispo- litik steigen, denn die Betriebe müssen aufgrund des höheren Wettbewerbs die Preise stär- ker an die Nachfrageschwankungen anpassen. Also was kommt noch hinzu? Die Inflation und die Energiepreise, die die Betriebe belasten. Dann heißt es ausdrücklich, es gibt keine Anhaltspunkte für kurzfristig zu erwartende Nachfragesteigerungen. Das hat mich auch ein bisschen stutzig gemacht. Steigerungen werden allenfalls erst durch die Wiedereröffnung der Stadthalle erwartet, 2026. Ich glaube, dass auch noch Potenziale ausgeschöpft werden können, ich rede von beispielsweise UNESCO City of Media Arts oder auch Stadt des Rechts durch die Tourismusverantwortlichen. Da können, glaube ich, schon im Bereich Frei- zeit touristische Angebote noch gearbeitet werden, und ich glaube, da ist auch schon et- was in Überlegung. Lange Rede, kurzer Sinn, wenn ich die gesamte Situation betrachte, dann komme ich auch zu dem Ergebnis, und darüber werden wir sicher in den nächsten Monaten noch sprechen, dass eine Bettensteuer derzeit nicht in Betracht kommt, und da danke ich Ihnen. Stadtrat Cramer (KAL): Mit Interesse haben wir das aktuelle Gutachten gelesen, aber ich möchte gleich vorneweg sagen, letztendlich können wir nicht viel mehr tun, als das Gut- achten lesen und zur Kenntnis nehmen. Meine Fraktion sieht es nicht so, dass wir hier ein- greifen können in den Markt. Das muss die Hotellerie und das Übernachtungsgewerbe letztendlich selber organisieren. Ich erinnere mich an, wann war das Letzte, ich glaube 2016 oder wann, derzeit gab es eine große Diskussion über mehrere Jahre, dass von der Hotellerie gesagt wurde, wir haben zu wenig hochwertige Häuser hier in Karlsruhe. Das hat sich jetzt sehr positiv entwickelt, aber das hat der Markt gemacht. Da hat sicher kein Gutachten dazu geführt oder wird auch in Zukunft kein Gutachten dazu führen. Ich würde sagen, wir sollten jetzt auch nicht irgendwelche Investoren, die vielleicht in den nächsten Jahren für sich sagen, ich sehe einen Markt, ich sehe, wenn ich jetzt ein Hotel baue und nach Karlsruhe hole, dass wir dann sagen, nein, das brauchen wir nicht, wir haben genü- gend Hotels. Also da würde ich schon sagen, dass wir aufpassen müssen, dass wir den Markt beobachten, dass wir Hilfestellung leisten, auf jeden Fall als Stadt. Zum Stichwort Tourismus würde ich jetzt sagen, also ich persönlich, das ist jetzt ganz per- sönlich meine Meinung, ich bin froh, dass nicht so viele Touristen nach Karlsruhe kommen. (Zurufe) Ja, weil überall sozusagen wird geklagt, dass Touristen die Städte kaputt machen. Das muss man einfach mit einbeziehen, bin ich der Meinung, in die Zukunft, dass wir nicht sa- gen und dass wir dann irgendwann sozusagen überrollt werden und sagen, oh, das ist eine – 5 – Entwicklung, die wir an sich gar nicht so wollen. Also lieber langsam machen, Kulturange- bot ist gut, aber hier irgendwelche Event-Touristen, auf die kann ich persönlich sehr gut verzichten. Erste Bürgermeisterin Luczak-Schwarz: Zwei, drei Anmerkungen. Positiv sollten wir einmal festhalten, dass die Kunden unseren Hoteliers und unseren Hotels sehr gute Bewertungen gegeben haben. Das heißt, auch innerhalb der Hotellerie in Karlsruhe wurde investiert, mo- dernisiert und das Hotel attraktiv gemacht für die Übernachtungen. Ich finde, das ist eine äußerst positive Botschaft für den Wirtschaftsstandort Karlsruhe. Das Zweite ist, wir haben die Zahlen, die Übernachtungszahlen und auch die Auslastungs- zahlen von vor Corona erreicht. Wer hätte das gesagt? Wer hätte das gedacht? Also auch das ist positiv. Herr Bunk, Sie beziehen sich auf die Zahlen von 2015 in dem Bereich. Die Tabelle, die dort aufgerufen ist bei dem Gutachten, umfasst nur ... (Unruhe) - Tobias Bunk, würden Sie mir auch zuhören - umfasst nur die erste Hälfte von 2024. Des- wegen habe ich eingangs noch einmal ausgeführt, wir sind jetzt schon bei knapp 40 Pro- zent Auslastung. Im Juni waren wir erst bei 36 Prozent. Bis Ende des Jahres werden wir über 40 Prozent erreicht haben, also insofern durchaus positive Tendenzen, die erst einmal gut sind. Leider haben wir natürlich keinen Einfluss, wenn Fremdeigentümer Hotels auf ihren Flä- chen entwickeln. Das ist mir an der Stelle auch noch einmal wichtig. Wir werden natürlich aufgrund des Gutachtens versuchen, dagegenzuwirken, aber das ist eine unternehmerische Entscheidung. Wenn ein Eigentümer sagt, ein Hotel ist für den Standort Karlsruhe für mich noch leistbar, um keine falschen Hoffnungen zu wecken, ist mir an der Stelle auch noch einmal wichtig. Das Thema Übernachtungssteuer diskutieren wir dann im ersten Quartal 2025. Stadtrat Bunk (CDU): Ich möchte nur gerne noch einmal klarstellen, dass ich mich nicht auf die Zahl von 2015 bezogen habe, sondern im Gutachten ist aufgeführt, dass die Hotelaus- lastung im Jahr 2019 49,5 Prozent betrug und im Jahr 2023 40,6 Prozent. Jetzt für 2024 prognostiziert 37,2 Prozent im optimistischen Szenario, es ist ja auch egal. Wir kommen auf über 40 Prozent, ist in Ordnung und damit knapp 10 Prozentpunkte unter der Zahl von 2019 laut dem Gutachten. Also auf Seite 106 des Gutachtens steht es. Der Vorsitzende: Ich bitte um eine bilaterale Zahlenklärung. Stadtrat Kehrle (CDU): Vielen Dank für die Vorstellung von dem Hotelgutachten. Was mir ein bisschen fehlt, das Hotelgutachten ist jetzt aber auch eine kleine Hausaufgabe für die Verwaltung. Denn das Hotelgutachten sagt klar, wir haben nur 40 Prozent Auslastung bei höherer Kapazität. Dies wiederum impliziert, wir brauchen bessere, größere Veranstaltun- gen. Da sehen wir jetzt auch die KTG und die KME in der Pflicht, diese auch durchzuführen in der Zukunft und das auch wiederzubringen. Der Vorsitzende: Jetzt muss ich doch noch etwas sagen. Die Feststellung, ich zitiere Frau Ernemann, wir haben die Hotelkapazitäten um 48 Prozent gesteigert, und dann geht die – 6 – Auslastungsquote von 49 auf 37 zurück, mit einer reduzierten Nachfrage zu erklären, ist einfach mathematisch nicht korrekt, sondern trotz der nahezu Verdopplung der Hotelkapa- zitäten ist dann der Rückgang vielleicht 20 Prozent, 25 Prozent, aber nicht in dem Maß, wie man das eigentlich, sagen wir einmal, in einer direkten Zuordnung linear erwarten würde. Das zeigt, dass wir Leute wieder zurückholen in die Stadt, die hier übernachten, die vorher anderswo übernachtet haben. Es zeigt, dass wir insgesamt mehr Leute kriegen, die in Karlsruhe übernachten. Das ist erst einmal eine gute Entwicklung. Ich möchte in Erinnerung rufen, wo wir vor zehn Jahren oder so einmal gestartet sind. Da gab es die Aussage, dass man bestimmte Veranstaltungen in Karlsruhe gar nicht machen kann, weil die Hotelkapazitäten nicht da sind. Wenn man sie dann doch gemacht hat, gab es die Aussage, dass man die Leute teilweise bis Pforzheim oder Mannheim unterbringen musste, weil man sie hier im Raum nicht untergebracht hat. Es gab damals Berichte, dass teilweise Pensionszimmer in den Hochphasen des Messegeschäfts für 400 Euro die Nacht angeboten wurden, weil man es damals verlangen konnte. Und es gab ein bisschen die Be- obachtung, dass teilweise die Hotels nicht so in Modernität investiert haben, wie es aus un- serer Sicht manchmal vielleicht zu raten gewesen wäre. All das hat sich jetzt geändert. Und wenn wir jetzt noch die Stadthalle eröffnen, dass das große Kongressgeschäft wieder zu- rückkommt, wenn Herr Rastetter die schon begonnene Kombination aus Übernachtung, Stadtreisen, Kultur weiter dran voll umsetzt, da müssen Sie ihm halt im Aufsichtsrat dann auch die Möglichkeiten verschaffen. Wenn wir dann es auch noch schaffen, diese großen Event-Dinge, mit denen wir zunehmend auch Leute dazu bringen, auch einmal mehrere Tage in Karlsruhe zu sein, noch weiter verbreiten und auch bekannt machen, dann haben wir hier, glaube ich, eine sehr gute Entwicklung, die wir nicht angestoßen haben, denn wir haben die Hotels nicht gebaut, sondern da bin ich dankbar für jeden, der damit sich enga- giert hat. Wir sollten jetzt nicht aus diesen Überkapazitäten vermeintlicher Art jetzt ein Problem ma- chen, sondern wir sollten sagen, wir müssen die Auslastungsquote erhöhen, indem wir noch zusätzliche Attraktionen schaffen, um hier mehr Übernachtungen in die Stadt zu ho- len. Und dafür sind die Voraussetzungen perfekt. Und dass wir dann auch noch so gute Bewertungen bekommen für die aktuelle Hotellandschaft, das ist eine tolle Veränderung. Und einfach an dieser Stelle auch schon mal allen, die sich da engagieren, herzlichen Dank, dass dadurch der Markt natürlich noch einmal anspruchsvoller wird und dass vor allem die kleineren inhabergeführten Hotelbetriebe, wenn sie auf Geschäftsreisende ausgerichtet sind, Schwierigkeiten bekommen und sich da auch vom Angebot vielleicht ein bisschen entwickeln müssten oder sollten, aber das wissen die. Wir haben das neulich bei der IHK alle miteinander diskutiert, dann ist das, glaube ich, erst einmal ein gutes Ergebnis, wenn man die Ausgangssituation betrachtet, und eine gute Voraussetzung dafür, dass wir jetzt richtig Gas geben können, um noch attraktiver zu sein und noch mehr Menschen in die Stadt zu holen. Die Verhältnisse von Barcelona, Herr Stadtrat Cramer, die werden wir nicht erreichen oder Venedig. Also da sehe ich jetzt noch, wenn die Gefahr droht, unterhalten wir uns hier noch einmal, aber im Moment ist das, glaube ich... Und es hat ja nicht nur was damit zu tun, dass Touristen durch die Stadt laufen, sondern es hat damit auch etwas zu tun, dass sie dann die Kultureinrichtungen nutzen, dass sie einkaufen gehen und vieles andere mehr. – 7 – Das muss in einem gesunden Verhältnis sein, und das haben wir, glaube ich, bisher auch immer so eingehalten. Sie haben das Hotelgutachten zur Kenntnis genommen, vielen Dank. Zur Beurkundung: Die Schriftführerin: Hauptamt - Ratsangelegenheiten – 3. Januar 2025