Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe: Sechste Fortschreibung Schuljahre 2021/22 bis 2023/24
| Vorlage: | 2024/1182 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 18.10.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Schul- und Sportamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grünwinkel, Neureut |
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Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/1182 Verantwortlich: Dez. 3 Dienststelle: Schul- und Sportamt Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe: Sechste Fortschreibung Schuljahre 2021/22 bis 2023/24 Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Schulausschuss 20.11.2024 3 Ö Kenntnisnahme Integrationsausschuss 26.02.2025 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Der Schulausschuss und der Integrationsausschuss nehmen den in der Anlage beigelegten Bericht zur Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über die Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in der Stadt Karlsruhe über die letzten drei Schuljahre 2021/22 bis 2023/24. Er schließt an die Berichterstattung seit dem Schuljahr 2016/17 an und ist die sechste Fortschreibung. Die Abbildung des Zuwanderungsgeschehens in Daten stellt eine gewisse Herausforderung dar, da dieser Prozess sehr dynamisch verläuft. Die Datengrundlage des Berichts bildet zum einen die Amtliche Schulstatistik mit ihrem Stichtag Mitte Oktober eines Jahres und zum anderen besteht sie aus Daten- abfragen an den Schulen durch das Schul- und Sportamt. Es kann nur ein Überblick zur Realität am Stichtag berichtet, nicht aber das dynamische Geschehen abgebildet werden. Zentrale Ergebnisse • Internationale Vorbereitungsklassen (VKL-Klassen) gibt es in Karlsruhe an Grund- und weiterfüh- renden Schulen. Es werden Kinder von 6 bis 15 Jahre beschult, die noch nicht über ausreichend deutsche Sprachkenntnisse verfügen, um am Regelunterricht teilzunehmen. Die Anzahl der Schü- lerinnen und Schüler in VKL-Klassen an den Karlsruher Schulen stieg in den letzten drei Schuljah- ren um mehr als das 2fache von 291 auf 654 Schülerinnen und Schüler an. Allein an den Grund- schulen ist diesem Zeitraum ein Zuwachs von 140 auf 253 Schülerinnen und Schüler zu verzeich- nen. • VKL-Klassen wurden im Schuljahr 2021/22 in 8 Grundschulen im Stadtgebiet vorgehalten, im Schuljahr 2023/24 bereits in 14 Grundschulen mit insgesamt 18 VKL-Klassen. An 6 weiterführen- den Schulen wurden zum Schuljahr 2021/22 VKL-Klassen eingerichtet, im Schuljahr 2023/24 wa- ren es 15 Schulen. Die Anzahl der VKL-Schülerinnen und Schüler stieg in diesem Zeitraum von 151 auf 401 und damit um mehr als das 2,5fache an. • Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an der Felsschule ist nahezu gleichbleibend im Vergleich der letzten Schuljahre (rund 100 Personen). Vorläufig in Obhut genommene unbegleitete minder- jährige Ausländer (UMA) bis einschließlich 15 Jahre wurden im Schuljahr 2023/24 an der Guten- bergschule in VKL-Klassen beschult. Für UMA ab 16 Jahren wird an der Elisabeth-Selbert-Schule der Bildungsgang „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutsch- kenntnissen (VABO)“ vorgehalten. • An 9 beruflichen Schulen im Stadtgebiet sind 12 VABO-Klassen für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren eingerichtet. Der Bildungsgang VABO wurde im Schuljahr 2023/24 zum Stichtag der Amtlichen Schulstatistik von 152 Schülerinnen und Schülern besucht, im Schuljahr 2021/22 von 54 Schülerinnen und Schülern. Die Anzahl der VABO-Schülerinnen und Schüler stieg in den letzten drei Jahren fast um das 3fache an. • Im Bildungsgang „Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf in der Regelform (VAB)“ war die Anzahl ausländischer Schülerinnen und Schüler von 99 auf 40 rückläufig. Der Bildungsgang Arbeitsvorbe- reitung dual (AVdual) wurde in diesem Zeitraum von doppelt so vielen Schülerinnen und Schülern besucht. Die Anzahl der ausländischen Schülerinnen und Schüler innerhalb des AVdual entwickelte sich mit einem Anstieg um das mehr als 2,5fache überproportional nach oben. • Alle berufsvorbereitenden Bildungsgänge (VABO, VAB, AVdual) gemeinsam erlebten im Zeitver- gleich (2021/22 zu 2023/24) einen Anstieg um das 3,5fache. Seit dem Schuljahr 2022/23 bilden ukrainische Schülerinnen und Schüler die größte Gruppe in den Vorbereitungsklassen, zuvor waren es rumänische Schülerinnen und Schüler. Der Bildungshintergrund, den die zugewanderten Schülerinnen und Schüler mitbringen, wird immer heterogener. Das stellt die Schulen vor große Herausforderungen.
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Stadt Karlsruhe Schul- und Sportamt Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Sechste Fortschreibung Schuljahre 2021/22 bis 2023/24 2 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Inhaltsverzeichnis I. Einführung ..................................................................................................................................................... 3 Zusammenfassung ........................................................................................................................................... 3 II. Statistische Daten ..................................................................................................................................... 4 Allgemeinbildende Schulen.............................................................................................................................. 4 Grundschulen mit Vorbereitungsklassen ...................................................................................................... 4 Weiterführende Schulen mit Vorbereitungsklassen ...................................................................................... 7 Grundschulvorbereitende Bildungsbemühungen .......................................................................................... 9 Grundschulförderklassen ........................................................................................................................... 10 Vorbereitungsklassen am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) ................................................................... 10 Berufliche Schulen ......................................................................................................................................... 11 Eingangsklassen während der vorläufigen Inobhutnahme .......................................................................... 11 VABO-Klassen an öffentlichen Schulen ...................................................................................................... 12 VAB-Regelklassen ...................................................................................................................................... 15 Ausbildungsvorbereitung dual ................................................................................................................... 16 III. Bildungslandschaft Karlsruhe .................................................................................................................. 18 Bildungsdialog ............................................................................................................................................... 18 IV. Ausblick und Fazit ..................................................................................................................................... 19 Abbildungs- und Tabellenverzeichnis .......................................................................................................... 21 3 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe I. Einführung Der vorliegende Bericht gibt einen Überblick über die Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in der Stadt Karlsruhe über die letzten drei Schuljahre 2021/22 bis 2023/24. Er schließt an die Berichterstattung seit dem Schuljahr 2016/17 an und ist die sechste Fortschreibung. Die Abbildung des Zuwanderungsgeschehens in Daten stellt eine gewisse Herausforderung dar, da dieser Prozess sehr dynamisch verläuft. Die Datengrundlage des Berichts bildet zum einen die Amtliche Schulstatistik mit ihrem Stichtag Mitte des Oktobers eines Jahres und zum anderen besteht sie aus Datenabfragen an den Schulen durch das Schul- und Sportamt. Es kann nur ein Überblick zur Realität am Stichtag berichtet, nicht aber das dynamische Geschehen abgebildet werden. Der Bericht ist in zwei Teile untergliedert: der erste Teil informiert über die Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen. In einem zweiten Teil wird vorgestellt, welcher Ansatz verfolgt werden soll, die Bildungsermöglichenden in der Stadt miteinander zu vernetzen und die Bildungslandschaft zu gestalten. Der besondere Dank gilt den Schulen, die die grundlegenden Daten für diesen Bericht geliefert haben Zusammenfassung Internationale Vorbereitungsklassen (VKL-Klassen) gibt es in Karlsruhe an Grund- und weiterführenden Schulen. Es werden Kinder von 6 bis 15 Jahre beschult, die noch nicht über ausreichend deutsche Sprachkenntnisse verfügen, um am Regelunterricht teilzunehmen. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in VKL-Klassen an den Karlsruher Schulen stieg in den letzten drei Schuljahren um mehr als das 2fache von 291 auf 654 Schülerinnen und Schüler an. Allein an den Grundschulen ist diesem Zeitraum ein Zuwachs von 140 auf 253 Schülerinnen und Schüler zu verzeichnen. VKL-Klassen wurden im Schuljahr 2021/22 in 8 Grundschulen im Stadtgebiet vorgehalten, im Schuljahr 2023/24 bereits 14 in Grundschulen mit insgesamt 18 VKL-Klassen. An 6 weiterführenden Schulen wurden zum Schuljahr 2021/22 VKL-Klassen eingerichtet, im Schuljahr 2023/24 waren es 15 Schulen. Die Anzahl der VKL-Schülerinnen und Schüler stieg in diesem Zeitraum von 151 auf 401 und damit um mehr als das 2,5fache an. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler an der Felsschule ist nahezu gleichbleibend im Vergleich der letzten Schuljahre (rund 100 Personen). Vorläufig in Obhut genommene unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) bis einschließlich 15 Jahre wurden im Schuljahr 2023/24 an der Gutenbergschule in VKL-Klassen beschult. Für UMAs ab 16 Jahren wird an der Elisabeth-Selbert-Schule der Bildungsgang „Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen (VABO)“ vorgehalten. An 9 beruflichen Schulen im Stadtgebiet sind 12 VABO-Klassen für Jugendliche zwischen 16 und 18 Jahren eingerichtet. Der Bildungsgang VABO wurde im Schuljahr 2023/24 zum Stichtag der Amtlichen Schulstatistik von 152 Schülerinnen und Schülern besucht, im Schuljahr 2021/22 von 54 Schülerinnen und Schülern. Die Anzahl der VABO-Schülerinnen und Schüler stieg in den letzten drei Jahren fast um das 3fache an. Im Bildungsgang „Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf in der Regelform (VAB)“ war die Anzahl ausländischer Schülerinnen und Schüler von 99 auf 40 rückläufig. Der Bildungsgang Arbeitsvorbereitung dual (AVdual) wurde in diesem Zeitraum von doppelt so vielen Schülerinnen und Schülern besucht. Die Anzahl der ausländischen Schülerinnen und Schüler innerhalb des AVdual entwickelte sich mit einem Anstieg um das mehr als 2,5fache überproportional nach oben. Alle berufsvorbereitenden Bildungsgänge (VABO, VAB, AVdual) gemeinsam erlebten im Zeitvergleich (2021/22 zu 2023/24) einen Anstieg um das 3,5fache. Seit dem Schuljahr 2022/23 bilden ukrainische Schülerinnen und Schüler die größte Gruppe in den Vorbereitungsklassen, zuvor waren es rumänische Schülerinnen und Schüler. Der Bildungshintergrund, den die zugewanderten Schülerinnen und Schüler mitbringen wird immer heterogener. Das stellt die Schulen vor große Herausforderungen. 4 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe II. Statistische Daten Internationale Vorbereitungsklassen, auch VKL genannt, werden von neu zugewanderten Kindern und Jugendlichen mit keinen oder geringen Deutschkenntnissen im Alter von 6 bis 15 Jahren besucht. Im Alter von 6 bis 10 Jahren besuchen die Kinder eine Vorbereitungsklasse in der Grundschule, von 11 bis 16 Jahren eine VKL der Sekundarstufe I. Das Sprachniveau liegt bei Abschluss der Vorbereitungsklassen in der Regel bei A2 oder B1 des Gemeinsamen Europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GER). Abbildung 1: Neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler aller Schularten in den Schuljahren 2021/22 bis 2023/24 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober eines Jahres Die Abbildung 1 gibt einen Überblick über die letzten vier Schuljahre. Mit Beginn des Krieges in der Ukraine hat sich die Zahl der neuzugewanderten Kinder und Jugendlichen an den Karlsruher Schulen verdoppelt und liegt aktuell bei 827 jungen Menschen. Fast die Hälfte von ihnen besucht eine Vorbereitungsklasse in der Sekundarstufe I, etwa ein Drittel die einer Grundschule, und 20 Prozent werden im Bildungsgang Vorbereitungsklasse Arbeit und Beruf (VABO) an einer beruflichen Schule beschult. In der Landeserstaufnahmestelle Karlsruhe (LEA) in der Felsstraße werden Vorbereitungsklassen (VKL-Klassen) sowohl im Grundschulbereich als auch im Bereich Sekundarstufe I vorgehalten. Die Klassen im Grundschul- bereich sind der Schillerschule zugeordnet, die VKL-Klassen im Bereich der Sekundarstufe I der Pestalozzischule. Im Juni 2021 wurden dort insgesamt 175 Schülerinnen und Schüler beschult, im Schuljahr 2023/24 82 Jungen und 27 Mädchen (insgesamt 109 Schülerinnen und Schüler). Allgemeinbildende Schulen Grundschulen mit Vorbereitungsklassen Neu zugewanderte Grundschulkinder können mittlerweile an 14 Grundschulen im Stadtgebiet Karlsruhe eine Vorbereitungsklasse besuchen. Die Zuteilung erfolgt wohnortnah. Die Koordination der neu aufzunehmenden Schülerschaft übernehmen die geschäftsführenden Schulleitungen nach den Kriterien Wohnort des Kindes und freie Kapazitäten an den Schulen. Die Zuteilung nach den Niveaus erfolgt zum Übertritt in die Regelklassen. Dadurch wird dem Bild vom Kind entsprochen, dass es als eigenständige Persönlichkeit zählt und nicht sein Kompetenz- und Leistungsniveau im Vordergrund steht. Im Ergebnis kann es sein, dass die Klassen ausgesprochen heterogen sind. 140 288 253 151 389 401 54 158 173 0 100 200 300 400 500 600 700 800 900 2021/22 (N=345) 2022/23 (N=835) 2023/24 (N=827) Neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler aller Schularten in den Schuljahren 2021/22 bis 2023/24 Berufliche Schulen VABO Sekundarschulen VKL Grundschulen VKL 5 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 1 gibt einen Überblick über die einzelnen Grundschulen mit Anzahl der Vorbereitungsklassen sowie der Anzahl der Schülerinnen und Schüler der letzten drei Schuljahre. Tabelle 1: Grundschulen mit Vorbereitungsklassen in den Schuljahren 2020/21 bis 2023/24 Schule Schuljahr 2021/22 Schuljahr 2022/23 Schuljahr 2023/24 Klassen Schüler*innen Klassen Schüler*innen Klassen Schüler*innen Adam-Remmele-Schule 0 0 1 16 1 11 Anne-Frank-Schule 0 0 1 10 1 12 Augustenburg-GMS 0 0 1 10 1 10 GS Grünwinkel 1 17 2 27 2 25 Gutenbergschule 1 14 1 12 1 10 Hans-Thoma-Schule 0 0 1 10 1 18 Hardtschule 1 18 1 17 1 11 Heinz-Barth-Schule 0 0 1 10 1 10 Leopoldschule 1 18 2 35 2 37 Nordschule Neureut 0 0 1 14 1 13 Pestalozzischule 1 21 1 24 1 15 Schillerschule 2 30 3 63 3 54 Tullaschule 1 10 1 24 1 15 Waldschule Neureut 1 12 1 16 1 12 Summe 9 140 18 288 18 253 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober des jeweiligen Jahres Die Klassenanzahl sowie die Schülerzahl haben sich in diesem Zeitraum verdoppelt und liegen bei 18 Klassen mit 253 Schülerinnen und Schülern. Schillerschule, Leopoldschule und die Grundschule Grünwinkel halten die meisten Kapazitäten vor, um den neuzugewanderten Kindern einen guten Start in ihre schulische Bildungsbiografie zu ermöglichen. Wie viele Schülerinnen und Schüler zu welchem Zeitpunkt in Regelklassen wechseln, wird in der amtlichen Statistik nicht erfasst, ebenso die Übergänge in weiterführende Schulen. Ukrainische Schülerinnen und Schüler stellen seit den vergangen beiden Schuljahren die größte Zuwanderungs- gruppe dar und lösen damit die rumänischen Kinder ab, die die letzten Jahre die größte Gruppe bildeten (siehe Abbildungen 2 bis 4). Staatsangehörigkeiten mit einer Anzahl von unter 3 Personen werden aus Gründen des Datenschutzes unter „Sonstige“ zusammengefasst. Bis zum Schuljahr 2021/22 war die Gruppe der Schülerinnen und Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit und Migrationshintergrund nach den Schülerinnen und Schülern mit rumänischer Staatsangehörigkeit die zweigrößte Gruppe. Seit dem Schuljahr 2022/23 finden sich nur noch sehr vereinzelt Schülerinnen und Schüler mit deutscher Staatsangehörigkeit in VKL-Klassen an Grundschulen. 6 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 2: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulkassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2021/22 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober 2021 Abbildung 3: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulkassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2022/23 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober 2022 Rumänien; 15% Ukraine; 10% Indien; 10% Kroatien; 7% Türkei; 5% Syrien; 5% Italien; 5% Deutschland; 4% Bosnien-Herzegowina; 4% Ungarn; 4% Sonstige; 31% Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2021/22 (in %; N=140) Bosnien-Herzego. 3% Bulgarien 2% Indien 4% Italien 3% Rumänien 8% Russland 2% Syrien 2% Türkei 2% Ukraine 57% Staatenlos 2% Sonstige 15% Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2022/23 (in %; N=288) 7 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 4: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2023/24 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober 2023 Abbildung 5: Häufigste Staatsangehörigkeiten in VKL-Klassen an Grundschulen in den Schuljahren 2021/22 und 2023/24 im Vergleich Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand: Oktober eines Jahres Im Vergleich der Schuljahre 2021/22 und 2023/24 ist zu sehen, dass die Zuwanderung aus der Ukraine die Gruppe der rumänischen Schüler*innen nicht nur übersteigt, sondern auch sehr deutlich nach oben abweicht. Weiterführende Schulen mit Vorbereitungsklassen Seit dem Schuljahr 2018/19 gibt es Vorbereitungsklassen an weiterführenden Schulen in Karlsruhe. Die Gesamtzahlen der Schülerinnen und Schüler weisen von Schuljahr 2021/22 auf 2022/23 eine deutliche Zunahme von 151 auf 401 auf. Die jungen Menschen besuchen in der Regel eine VKL-Klasse, die ihrem Wohnort am nächsten liegt. Sie sollen ankommen und sich im Sozialraum in eine lebendige Gemeinschaft einbringen können. Eine Zuordnung nach Kompetenzniveau erfolgt nach Durchlaufen der Vorbereitungsklasse beim Übergang in eine Regelklasse. Ukraine 46% nicht zuordenbar 11% Rumänien 9% Indien 3% Syrien 2% Türkei 2% Albanien 2% Italien 2% Nordmazedonien 2% Polen 2% Sonstige 19% Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2023/24 (in %; N=253) 21 1414 77 0 50 100 150 Rumänien Urkaine IndienSyrienTürkei Häufigste Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2021/22 (absolut) 116 22 7 6 5 0 20 40 60 80 100 120 140 Ukraine Rumänien IndienSyrien Albanien Häufigste Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2023/24 (absolut) 8 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 2: Entwicklung der Schülerzahlen in den Vorbereitungsklassen an weiterführenden Schulen Schulen Anzahl der VKL-Schülerinnen und Schüler nach Schuljahr 2021/22 2022/23 2023/24 Werkrealschulen 109 138 138 Gutenbergschule Werkrealschule 54 63 68 Pestalozzischule Werkrealschule (ohne Felsschule) 37 44 33 Werner-von-Siemens-Schule Werkrealschule 18 31 37 Gemeinschaftsschulen 13 42 46 Ernst-Reuter-Schule Gemeinschaftsschule 13 42 35 Drais Gemeinschaftsschule 0 0 11 Realschulen 10 83 133 Friedrich-Realschule 10 23 21 Nebenius-Realschule 0 18 18 Sophie-Scholl-Realschule 0 17 20 Hebel Realschule 0 0 23 Realschule am Rennbuckel 0 0 10 Tulla-Realschule 0 25 41 Gymnasien 19 126 84 Goethe-Gymnasium 0 17 10 Helmholtz-Gymnasium 0 19 0 Lessing-Gymnasium 0 22 14 Markgrafen-Gymnasium 0 24 15 Otto-Hahn-Gymnasium 19 44 45 Summe 151 389 401 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand des jeweiligen Jahres Abbildung 6 veranschaulicht anhand der prozentualen Verteilung auf die verschiedenen Schularten, dass der größte Anteil der Schülerinnen und Schüler in VKL-Klassen nicht mehr an den Haupt- und Werkrealschulen beschult wird, sondern die Realschulen und Gymnasien einen deutlichen Zuwachs verzeichnen. An den Gymnasien verdoppelte sich der Anteil auf mittlerweile gut 20 Prozent und an den Realschulen hat sich der Anteil mehr als verdreifacht. Gleichzeitig sinkt der Anteil an VKL-Schülerinnen und -Schülern an den Werkrealschulen erheblich von gut 70 auf 35 Prozent. In absoluten Zahlen beschulen alle Schularten im Schuljahr 2023/24 deutlich mehr Schülerinnen und Schüler in Vorbereitungsklassen als im Schuljahr 2021/22 (vgl. Tabelle 2). Aussagen darüber, wie viele Schülerinnen und Schüler im weiteren Verlauf bzw. nach welcher Zeit in eine Regelklasse an Werkrealschulen, Realschulen oder Gymnasien wechseln, lässt die Amtliche Schulstatistik nicht zu. 9 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 6: Entwicklung der Schüler*innenzahlen in Vorbereitungsklassen nach Schulart Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober des jeweiligen Jahres Auch in den weiterführenden Schulen überwiegt die Anzahl der ukrainischen Neuzugewanderten deutlich und löst die bis dato größte Gruppe der rumänischen Schülerinnen und Schüler ab (Abbildung 7). Abbildung 7: Häufigste Staatsangehörigkeiten in VKL-Klassen der Sekundarstufe I in den Schuljahren 2021/22 und 2023/24 im Vergleich Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Juli 2024 Es ist bekannt, dass Teile der ukrainischen Schülerinnen und Schüler zusätzlich zum deutschen Unterricht weiterhin am online-Unterricht der Ukraine teilnehmen. Genaue Angaben über die Anzahl und Beweggründe liegen nicht vor. Wie sich die „Doppelbeschulung“ auf den Erwerb der deutschen Sprache, die Persönlichkeitsentwicklung und die Integrationsleistung auswirkt, kann derzeit noch nicht abgesehen werden. Grundschulvorbereitende Bildungsbemühungen Nicht immer sind Familien und Kinder bereits vor Schuleintritt in Karlsruhe gewesen und sind in die Kita gegangen. Leben Kinder vor der Einschulung bereits in Karlsruhe, sind ein Kita-Besuch und flankierende Sprachförderangebote sowie Elternbildung günstig, um den Deutschspracherwerb so weit zu fördern, dass eine Einschulung in eine wohnortnahe Regelklasse erfolgen kann ohne zuvor eine VKL-Klasse zu durchlaufen. Im Kalenderjahr 2021 hatten 43,1 Prozent der Kita-Kinder in Karlsruhe eine andere vorrangige Familiensprache als Deutsch. Im Kalenderjahr 2022 stieg dieser Anteil auf 43,8 Prozent und im Kalenderjahr 2023 auf 44,5 Prozent (vgl. Tabelle 3). 72,2 35,5 34,4 8,6 10,8 11,5 6,6 21,3 33,2 12,6 32,4 20,9 0,0 10,0 20,0 30,0 40,0 50,0 60,0 70,0 80,0 90,0 100,0 2021/22 (N=151) 2022/23 (N=389) 2023/24 (N=401) Entwicklung der Schüler*innenzahlen in Vorbereitungsklassen nach Schulart (in%) Gymnasium Realschule Gemeinschaftsschule Haupt-/Werkrealschule 32 12 9 88 0 100 200 300 Rumänien Kroatien Serbien SyrienItalien Häuftigste Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2020/21 (absolut) 167 9 8 6 5 0 100 200 300 Ukraine Türkei Rumänien Somalia Russland Häufigste Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2023/24 (absolut) 10 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 3: Vorrangige Familiensprache der Kinder in Karlsruher Kitas Quelle: Stadt Karlsruhe, Sozial- und Jugendbehörde, Stand März eines Jahres Die Daten bilden ausschließlich die Sprachherkünfte der Kita-Kinder ab. Ergebnisse der Einschulungs- untersuchungen aller in Karlsruhe gemeldeten Kinder fließen nicht in diese Übersicht ein und liegen dem Schul- und Sportamt nicht vor. Auf dem Weg zum Kita-Platz begleiten unter anderem Kita-Lotsinnen Familien, die keine ausreichenden Deutschkenntnisse haben. Seit 2023 sind die Kita-Lotsinnen bei der AWO gGmbH angesiedelt, zuvor bei der Sozial- und Jugendbehörde. Die Kita-Lotsinnen decken die Sprachen Arabisch, Türkisch, Rumänisch, Ukrainisch und Russisch ab. Für andere Sprachen können Dolmetschende gebucht werden. Seit Anfang 2023 bis Juni 2024 wurden 270 Familien unterstützt beim Finden eines Betreuungsplatzes. Die Hilfeleistung umfasst die Unterstützung beim Anmelden im Kitaportal, Hilfe bei der Beantragung finanzieller Mittel, Begleitung bei Terminen und Hilfe beim Ausfüllen der Betreuungsverträge („Kita-Verträge“). Bei Konflikten in Kitas können Kita-Lotsinnen beratend und unterstützend mitwirken. Grundschulförderklassen Insgesamt besuchten im Schuljahr 2023/24 78 Kinder eine der 7 Grundschulförderklassen, davon 25 mit nicht- deutscher Staatsbürgerschaft. 53 Kinder besuchten vor Eintritt in die Grundschulförderklasse mindestens 2 Jahre eine Kita, davon 12 mit nicht-deutscher Staatsbürgerschaft. 10 Kinder waren gänzlich ohne Kita-Betreuung eingeschult worden, davon 3 mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Bis zu einem Jahr vor dem Eintritt in die Grundschulklasse konnten 5 Kinder in einer Kita gefördert werden, 4 davon mit nicht-deutscher Staatsangehörigkeit. Vorbereitungsklassen am LEA-Standort Felsstraße (Felsschule) Seit dem Schuljahr 2016/17 gibt es ein staatliches Schulangebot für Kinder und Jugendliche aus den Karlsruher Landeserstaufnahmestellen (LEA) Durlacher Allee und Felsstraße. Schulorganisatorisch gehört die sogenannte Felsschule zur Schillerschule. Die Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I werden durch Lehrkräfte der Pestalozzischule unterrichtet, seit die Schillerschule eine reine Grundschule ist. Die Zahl der an der Felsschule unterrichteten Kinder und Jugendlichen unterliegt starken Schwankungen. Zum Zeitpunkt der Schulstatistik (Oktober 2023) wurden insgesamt 109 Kinder und Jugendliche aus den Landeserstaufnahmestellen am Standort Felsstraße unterrichtet, davon 67 in der Grundschule und 42 in der Sekundarstufe I. Dies entspricht in etwa den Werten des Vorjahres (siehe Tabelle 4). Tabelle 4: Schüler*innenzahlen Felsschule 2021/22 bis 2023/24 Felsschule Schuljahr 2021/22 Schuljahr 2022/23 Schuljahr 2023/2024 Grundschulstufe 67 (3 Klassen) 61 (3 Klassen) 67 (3 Klassen) Sekundarstufe I 37 (2 Klassen) 40 (2 Klassen) 42 (2 Klassen) Summe 104 101 109 Quelle: Stadt Karlsruhe, Schulstatistik eines Jahres Während im Juni 2021 die meisten Schülerinnen und Schüler in der Felsschule aus Syrien zugewandert waren, ist die im Oktober 2023 häufigste Herkunftsregion Nordmazedonien. Diese ist seit Dezember 2005 offizieller Beitrittskandidat der Europäischen Union. Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler in der Felsschule verhält sich sehr dynamisch, und die Verteilung nach Herkunftsländern und Staatsangehörigkeiten kann im Verlauf eines Schuljahrs Abweichungen aufweisen. 2021 2022 2023 Deutsch Andere Sprache Deutsch Andere Sprache Deutsch Andere Sprache U3-Kinder 1.992 529 1.940 561 2.020 578 Ü3-Kinder 5.550 2.723 5.608 2.742 5.579 2.804 Summe 7.542 3.252 7.548 3.303 7.599 3.382 11 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 8: Schülerinnen und Schüler aus der Landeserstaufnahmestelle nach Herkunftsländern im Schuljahr 2023/24 Quelle: Stadt Karlsruhe | Stand Oktober eines jeden Jahres Mit Blick auf das Geschlechterverhältnis liegt die Zuwanderung von jungen Frauen aus Nordmazedonien und Bosnien-Herzegowina bei fast 90 Prozent, während die Zuwanderung aus den übrigen Herkunftsstaaten ausgeglichen ist. Berufliche Schulen Eingangsklassen während der vorläufigen Inobhutnahme In der Stadt Karlsruhe gibt es ein langjährig erprobtes Konzept zur Beschulung von vorläufig in Obhut genommenen unbegleiteten Minderjährigen Ausländern (UMA) ab etwa 15 Jahren, das von der Elisabeth- Selbert-Schule in Kooperation mit der Heimstiftung Karlsruhe umgesetzt wird. Im Schuljahr 2020/21 wurde die Einrichtung einer VABO-Klasse (VABO-Spezial) für diese Zielgruppe genehmigt. Die Stadt Karlsruhe setzt sich für eine dauerhafte Einrichtung einer Klasse mit dem bewährten pädagogischen Konzept und damit für eine Fortführung der erfolgreichen Kooperation zwischen Schule und Jugendhilfe ein. Jüngere unbegleitete Minderjährige Ausländerinnen und Ausländer werden im Schuljahr 2023/24 in der Gutenbergschule beschult. Die Zahl der vorläufigen Inobhutnahmen in Karlsruhe ist seit dem Höchststand im Jahr 2015 kontinuierlich gesunken und lag im Jahr 2020 bei 118 Fällen (siehe Abbildung 9). Im Jahr 2021 ist erstmals wieder ein leichter Anstieg zu verzeichnen und liegt 2023 bei 546 jungen Menschen (Stand Mai 2024). 61 9 8 666 4 9 0 10 20 30 40 50 60 70 Schülerinnen und Schüler aus der Landeserstaufnahmestelle nach Herkunftsländern im Schuljahr 2023/24 (absolut) 12 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildung 9: Vorläufige Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe 2015 bis Mai 2024 Quelle: Statistisches Landesamt und Stadt Karlsruhe, Sozial- und Jugendbehörde VABO-Klassen an öffentlichen Schulen 1 Zugewanderte Jugendliche, die der Berufsschulpflicht (16 bis18 Jahre) unterliegen, werden in Baden- Württemberg in sogenannten VABO-Klassen unterrichtet (Vorqualifizierungsjahr Arbeit/Beruf mit Schwerpunkt Erwerb von Deutschkenntnissen). Ziel ist das Erlernen der deutschen Sprache und daran anschließend die Integration in weiterführende Bildungsgänge oder in eine Ausbildung. Die VABO-Klassen enden mit einer Sprachprüfung, die je nach Stand auf A2- oder B1-Niveau des europäischen Referenzrahmens abgelegt werden kann. Tabelle 5: Schülerinnen und Schüler im VABO 2021/22 bis 2023/24 Schule Schuljahr 2021/22 Schuljahr 2022/23 Schuljahr 2023/24 Klassen Schüler*innen Klassen Schüler*innen Klassen Schüler*innen Carl-Benz-Schule - - - - 1 15 Carl-Engler-Schule - - 1 18 1 13 Carl-Hofer-Schule 3 15 2 34 2 33 Gewerbeschule Durlach 1 6 2 35 2 22 Heinrich-Hübsch-Schule - - - - 1 15 Friedrich-List-Schule - - - - 1 13 Ludwig-Erhard-Schule - - 1 15 1 9 Walter-Eucken-Schule - - 1 18 1 13 Elisabeth-Selbert-Schule 2 33 2 38 2 40 Summe 6 54 9 158 12 173 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres 1 Die Amtliche Schulstatistik weist für die Schulträgerinnen nur öffentliche Schulen aus. 982 730 355 195 133 118 167 321 546 181 0 200 400 600 800 1000 1200 201520162017201820192020202120222023Mai 24 Vorläufige Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe 2015 bis Mai 2024 (absolut) 13 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Die Anmeldung zur Teilnahme am VABO-Unterricht erfolgt derzeit in der Geschäftsstelle des geschäftsführenden Schulleiters. Schülerinnen und Schüler erhalten nach Anmeldung innerhalb einer Woche einen Schulplatz. Die Schülerinnen und Schüler kommen nicht regulär zum Schuljahresbeginn nach Karlsruhe, daher erfolgt die Aufnahme an einer der Karlsruher beruflichen Schulen selbstverständlich analog der Aufnahme in die VKL- Klassen auch unterjährig. Ebenfalls finden unterjährige Veränderungen durch Abgänge statt (Abmeldung, Wegzug, Wechsel in andere Bildungsgänge, Wegbleiben nach Auslaufen der gesetzlich geregelten Schulpflicht). Im Schuljahr 2023/24 wurden an 9 beruflichen Schulen VABO-Klassen eingerichtet und insgesamt 12 VABO- Klassen für 173 junge Menschen vorgehalten. Die Anzahl der Klassen hat sich in den letzten 3 Jahren verdoppelt und die Anzahl der Schülerinnen und Schüler verdreifacht. Abbildung 10: Häufigste Staatsangehörigkeiten im VABO im Schuljahr 2023/24 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Im Schuljahr 2023/24 konnten 24 verschiedene Herkunftsländer verzeichnet werden. Die größte Gruppe bilden Schülerinnen und Schüler aus der Ukraine mit 55 Personen. In den zwei Schuljahren zuvor kam die größte Gruppe aus Rumänien. Die Schülerschaft im VABO ist ausgesprochen heterogen. Die jungen Menschen bringen unterschiedlichste biografische Erfahrungen mit und unterscheiden sich im Grad ihrer bisherigen Bildungserfahrung. Einige Jugendliche sind nicht alphabetisiert, einige in der lateinischen oder einer anderen Schrift. Die Kompetenzen in den Bereichen Lesen, Schreiben und Mengenverständnis unterscheiden sich erheblich. Um eine lernförderlichere Umgebung zu gestalten, wurde im Laufe des Schuljahres 2023/24 eine sogenannte Clearingstelle eingerichtet. Hier machen die jungen Menschen bei der Schulanmeldung einen Sprachtest. Auf diese Weise sollen homogenere Klassen gebildet werden, um die Verweildauer im Bildungsgang VABO zu senken und die Bildungschancen zu erhöhen. Ab den erfolgten Sprachprüfungen im Juli 2024 wird erstmals erhoben, wie sich der Verbleib der Schülerinnen und Schüler gestaltet. Es soll auf dieser Basis beobachtet werden, ob die Clearingstelle für den Bildungserfolg der jungen Menschen hilfreich ist. Durch die erstmalige Erhebung dieser Verbleibe mit Hilfe der Lehrkräfte konnte eine Datenbasis entstehen (vgl. Tabelle 6). Die Amtliche Schulstatistik erhebt die Daten im Oktober eines Jahres. Die Verbleibestatistik erfolgt am Ende des Schuljahres. Nicht alle Schülerinnen und Schüler, die am Schuljahresende den Bildungsgang besuchen, sind zum Stichtag im Oktober bereits in der Schule gewesen (unterjähriger Zuzug) und sind daher nicht zwingend in der Amtlichen Schulstatistik erfasst. Gleichzeitig sind nicht alle Schülerinnen und Schüler, die im Oktober eine VABO- Klasse besuchten, am Schuljahresende immer noch in der Klasse. 55 27 23 6 5 0 10 20 30 40 50 60 UkraineAfghanistanSyrienRumänienSomalia Häufigste Staatsangehörigkeiten im VABO im Schuljahr 2023/24 (absolut) 14 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 6: Verbleibe der Schülerinnen und Schüler des Bildungsgangs VABO im Schuljahr 2023/24 Verbleibe der Schülerinnen und Schüler männlich weiblich Summe Wechsel in Ausbildung nach VABO-Beschulung 14 2 16 Wechsel in Arbeitsverhältnis nach VABO-Beschulung 6 0 6 Wechsel in AVdual-System nach VABO-Beschulung 19 12 31 Wechsel in weiterführende Schule nach VABO-Beschulung 17 13 30 Wechsel in weiterführende Schule außerhalb von Karlsruhe nach VABO-Beschulung 1 0 1 Wechsel in VAB-R nach VABO Beschulung 14 11 25 Wiederholen zum 1. Mal (auch bei unterjährigem Beginn) 43 10 53 Wiederholen zum 2. Mal (auch bei unterjährigem Beginn) 12 5 17 aus Karlsruhe verzogen 2 0 2 vorzeitige Beendigung 9 4 13 unversorgt 3 0 3 Summe 140 57 197 Quelle: Schul- und Sportamt, Verbleibestatistik, Juli 2024 Da die jungen Menschen häufig unterjährig in das VABO starten, kann „Wiederholen“ bedeuten, dass die jungen Menschen kein volles Schuljahr absolvierten, bevor die Sprachprüfung am Schuljahresende erfolgte und daher ein volles Schuljahr auf ein in Teilen absolviertes Schuljahr folgt. Wiederholen kann auch bedeuten, dass das Klassenziel mit dem Bestehen des Sprachprüfung A2 erreicht wurde, jedoch B1 angestrebt wird und daher der Bildungsgang VABO wiederholt wird, um am Ende des wiederholten Schuljahres eine höhere Sprachprüfung abzulegen (in diesem Fall B1). Es ist eine differenzierte Erhebung für das kommende Schuljahr geplant, die sich der Dynamik des Bildungsganges nähern wird. Abbildung 11: Sprachtests (A1 bis B1) der Schülerinnen und Schüler im VABO im Schuljahr 2023/24 Quelle: Schul- und Sportamt, Verbleibestatistik, Juli 2024 Abbildung 12 zeigt die erhobenen Daten, die Aufschluss darüber geben, wie viele Sprachtests (A1 bis B1) im Schuljahr 2023/24 absolviert wurden. 101 44 145 51 34 85 0 20 40 60 80 100 120 140 160 männlichweiblichgesamt Sprachtests (A1 bis B1) der Schülerinnen und Schüler im VABO im Schuljahr 2023/24 (absolut) Zum Sprachtest angetretenSprachtest bestanden 15 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Die Geschlechterverteilung im VABO ist nicht ausgeglichen, es besteht ein Überhang männlicher Jugendlicher. Während bei den ukrainischen Neuzugewanderten das Geschlechterverhältnis ausgeglichen ist, sind im Schuljahr 2023/24 ausschließlich männliche Jugendliche aus Syrien oder Afghanistan im VABO. Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres VAB-Regelklassen Das Vorqualifizierungsjahr Arbeit und Beruf in der Regelform (VAB-R) kann für Schülerinnen und Schüler aus dem Bildungsgang VABO der nächste Schritt auf dem individuellen Bildungsweg darstellen. VAB-R kann der Vorbereitung auf den Hauptschulabschluss sowie der beruflichen Orientierung dienen. Die Amtliche Statistik erhebt die Kategorie „ausländische Schülerinnen und Schüler“ und „Geschlecht“ (siehe Tabellen 7 bis 9). Ausländische Schülerinnen und Schüler machen einen großen Anteil der Gesamtschülerschaft im Bildungsgang VAB-R aus. Die Schulstatistik erlaubt keine Rückschlüsse darüber, wie lange diese Schülerinnen und Schüler bereits in Deutschland leben, daher kann nur festgestellt werden, dass es sich um junge Menschen mit nicht- deutscher Staatsangehörigkeit handelt. Ob es sich explizit um Neuzugewanderte handelt, ist nicht überprüfbar. Der Bildungsgang VAB-R (oder auch VAB genannt) wird an drei Karlsruher Schulen angeboten. Im Schuljahr 2021/22 waren knapp 45 Prozent ausländische Schülerinnen und Schüler. Dieser Anteil verringerte sich im Vergleich der letzten drei Schuljahre und lag im Schuljahr 2023/24 bei 31 Prozent. Mit Blick auf die Geschlechterverteilung liegt der Anteil der Schülerinnen im Durchschnitt um die 40 Prozent. An der Elisabeth-Selbert-Schule liegt der Anteil von Schülerinnen bei über 50 Prozent. Tabelle 7: Schülerinnen und Schüler im VAB-R im Schuljahr 2021/22 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Schule gesamt weiblich ausländisch Carl-Hofer-Schule 64 14 26 Elisabeth-Selbert-Schule 94 49 53 Gewerbeschule Durlach 64 26 20 Summe 222 89 (40%) 99 (45%) 63 36 99 46 35 81 108 44 152 0 20 40 60 80 100 120 140 160 männlichweiblichGesamt Schülerinnen und Schüler im VABO in den Schuljahren 2021/22 bis 2023/24 (absolut) 2021/20222022/20232023/2024 Abbildung 12: Schülerinnen und Schüler im VABO in den Schuljahren 2021/22 bis 2023/24 16 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 8: Schülerinnen und Schüler im VAB-R im Schuljahr 2022/23 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Tabelle 9: Schülerinnen und Schüler im VAB-R im Schuljahr 2023/24 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Ausbildungsvorbereitung dual Die Ausbildungsvorbereitung dual (AVdual) ist ein berufsvorbereitender Bildungsgang, der im Rahmen der Modellregion Übergang Schule-Beruf in Karlsruhe an drei beruflichen Schulen erprobt und 2025 landesweit in Regelform übernommen werden soll. AVdual ist so konzipiert, dass die Schülerinnen und Schüler mehrere Praktika absolvieren. Dabei werden sie von kommunal finanzierten AVdual-Begleitungen unterstützt. Diese stellen ein Bindeglied zwischen Schule, Betrieb und Familie dar. Ihre Aufgabe ist, im interprofessionellen Team die Jugendlichen bei der Akquise, Vorbereitung, Durchführung und Nachbereitung der Betriebspraktika sowie der Anschlussvermittlung in Ausbildung zu betreuen. Durch die individuelle Unterstützung mittels der AVdual- Begleitungen sollen die Chancen eines Praktikums voll ausgeschöpft werden und im besten Fall in eine Ausbildung münden („Klebeeffekt“). Zum Schuljahr 2017/18 wurde der Bildungsgang erstmals für junge Neuzugewanderte geöffnet. Wie auch im Bildungsgang VAB-R werden Neuzugewanderte in der AVdual immer integrativ unterrichtet. Bei der Erhebung wird lediglich das Merkmal „ausländische Staatsbürgerschaft“ berücksichtigt. Ob die Schülerinnen und Schüler neu zugewandert, ehemalige VABO Schüler mit zwischenzeitlich deutscher Staats- angehörigkeit oder langjährig in Deutschland lebende Menschen mit Migrationsgeschichte sind, wird nicht erfasst. Dadurch entsteht in der Statistik eine Unschärfe. Tabelle 10: Schülerinnen und Schüler im AVdual im Schuljahr 2021/22 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Schule gesamt weiblich ausländisch Carl-Hofer-Schule 52 10 21 Elisabeth-Selbert-Schule 91 59 47 Gewerbeschule Durlach 47 17 13 Summe 190 86 (45%) 81 (43%) Schule gesamt weiblich ausländisch Carl-Hofer-Schule 67 24 11 Elisabeth-Selbert-Schule 55 36 16 Gewerbeschule Durlach 58 10 28 Summe 180 70 (39 %) 55 (31%) Schule gesamt weiblich ausländisch Carl-Hofer-Schule 37 9 11 Gewerbeschule Durlach 57 27 17 Summe 94 36 (38%) 28 (30%) 17 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Tabelle 11: Schülerinnen und Schüler im AVdual im Schuljahr 2022/23 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Tabelle 12: Schülerinnen und Schüler im AVdual im Schuljahr 2023/24 Quelle: Stadt Karlsruhe | Amtliche Schulstatistik, Oktober des jeweiligen Jahres Die Anzahl der Schülerinnen und Schüler im AVdual stieg im Schuljahr 2023/24 um das Doppelte im Vergleich zum Schuljahr 2021/22 an. Die Anzahl der ausländischen Schülerinnen und Schüler erhöhte sich im gleichen Zeitraum um mehr als das 2,5fache. Schule gesamt weiblich ausländisch Carl-Hofer-Schule 41 15 15 Gewerbeschule Durlach 57 20 25 Summe 98 35 (36%) 40 (41%) Schule gesamt weiblich ausländisch Carl-Hofer-Schule 31 14 15 Elisabeth-Selbert-Schule 59 19 25 Gewerbeschule Durlach 99 37 35 Summe 189 70 (37%) 75 (40%) 18 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe III. Bildungslandschaft Karlsruhe Bildungsdialog Im Zuge der demografischen Entwicklung und des Fachkräftemangels ist Zuwanderung für eine Wirtschafts- region wie Karlsruhe unerlässlich. Die Schulen leisten einen wichtigen Teil der Integrationsarbeit für die Gesellschaft. Wirtschaftsverbände und Behörden unterstützen und flankieren Bildungsangebote der Schulen in einer lebendige Bildungslandschaft und schaffen Anschluss- und Übergangsmöglichkeiten von der Schule in den Beruf, in die universitäre Bildung oder in das Arbeitsleben. Unerlässlich für gelingende Bildungsverläufe sind auch die Bildungsanstrengungen der Neuzugewanderten selbst. Es gibt bereits zahlreiche Bildungsangebote für Neuzugewanderte, organisiert und angeboten von Bildungsermöglicherinnen und Bildungsermöglichern wie Schulleitungen, Lehrkräften, Beratungsdiensten, Kultureinrichtungen, Dienststellen der Stadtverwaltung, ehrenamtlich engagierten Bürgerinnen und Bürgern, den Kirchen und Glaubensgemeinschaften sowie den Kammern, Verbänden und Universitäten. Die Bildungsermöglichenden sollen noch stärker vernetzt werden, um die Bildungslandschaft Karlsruhe weiter zu gestalten und Bildungsangebote für alle so transparent wie möglich zu machen. Gemeinsam steht man für eine gesamtstädtische gute, zielgerichtete, systematische und nachhaltige Bildung völlig losgelöst von allem Zufälligen. Hier findet der im nationalen Bildungsbericht genannte Gelingensfaktor für gute durchgängige und nachhaltige Bildung seine Entsprechung: eine Koordination der Bildungsangebote. Der Bildungsdialog ist auch ein Forum, um Fragen zu bearbeiten, die sich aus dem Bericht Beschulung für neuzugewanderte Kinder und Jugendliche in Karlsruhe auftun. Diese werden im Fazit ausgeführt. Wesentlich ist, dass Bildung nur gemeinschaftlich und gesamtstädtisch gelingen kann. Digitales Tool In Planung ist die Entwicklung eines digitalen Tools, in welchem alle Bildungsangebote für die verschiedenen Nutzendengruppen aufgeführt sind. Lehrkräfte an Schulen können dann ihre Schüler- und Elternschaft auf dieses digitale Instrument verweisen. Die Schüler- und Elternschaft hat die Möglichkeit, unmittelbar und systematisch Kenntnis von Bildungsangeboten und bildungsflankierenden Angeboten zu erhalten. Die gesamtstädtische Bildungslandschaft wird dadurch transparenter. Dies bietet neben dem Mehrwert für die Nutzenden auch einen erheblichen Mehrwert für die Bildungsermöglichenden selbst. Erkennen diese einen Bildungsbedarf, haben sie die Möglichkeit, nachzusehen, ob dieser Bildungsbedarf in Karlsruhe bereits bedient wird. Im Bildungsdialog finden sie zusätzlich den Austausch, um mit anderen Bildungsermöglichenden systematisch Bildungsangebote (weiterzu-)entwickeln. Basierend auf den Daten der zurückliegenden Schuljahre ergeben sich für die Bildungskoordination der Stadt Karlsruhe Themenbereiche, die vorrangig durch Netzwerkarbeit bearbeitet werden können. 19 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe IV. Ausblick und Fazit Vielfalt als Normalfall In Karlsruhe ist sprachliche und kulturelle Vielfalt in Bildungsinstitutionen der Normalfall. Es stellt sich die Frage, wie diese neue Normalität die Herkunftsgesellschaft prägt und in wieweit eine Haltungsänderung bereits stattgefunden hat oder noch stattfinden könnte. Beim Übergang von der Schule in den Beruf wird Vielfalt selbstverständlich mitgedacht und ist längst Normalität in Karlsruhe. VABO-Clearingstelle Eine Zukunftsaufgabe wird die Evaluation der Clearingstelle im VABO sein. Es soll die Frage beantwortet werden, inwiefern eine gezieltere Zuordnung der jungen Menschen Auswirkungen auf das Bildungssetting im Klassenraum sowie den Bildungserfolg insgesamt hat. Daher ist geplant, die Verbleibestatistik zu führen und parallel dazu in narrativen Erhebungen sich diesen Fragen zu nähern. Monitoring, Bedarfsfeststellung Es soll analysiert werden, welche Sozialräume neuzugewanderte junge Menschen erschließen, in welchen schulischen und außerschulischen Lern- und Bildungsorten sie sich aufhalten und wie sie Informationen über Bildungsangebote erreichen. Es ist noch nicht bekannt, ob in Karlsruhe Vielfalt als inklusives Miteinander gelebt wird oder ob Vielfalt im Sinne von vielfältige Gruppen leben gemeinsam in einer Stadt die Lage beschreibt. Ausblick kann sein, sich dieser Fragen auch im Bildungsdialog zu nähern. Vielfalt bedeutet aber auch eine vielfältige Aufnahmegesellschaft, in die junge Neuzugewanderte kommen. Wie gelingt es uns als Stadt Karlsruhe, Schülerinnen und Schüler bei der Entwicklung ihres Verständnisses vom Ich zu unterstützen, wenn die Gesellschaft, in der die jungen Menschen sich versuchen zu integrieren, aus Vielfalt besteht? Es stellt sich die Frage nach dem strukturell Eigenen und dem strukturell Fremden. In diesem Zuge stellt sich die Frage der Sprachentwicklung. Im Schulunterricht erwerben die jungen Menschen sprachliche und schriftsprachliche Kompetenzen. Gibt es ausreichend Gelegenheit, diese Kompetenzen auch im Alltag anzuwenden? Daran schließt sich die Frage an, wie wir als Stadt mit dem Umstand umgehen wollen, dass nach längeren Ferien eine große Zahl junger Menschen ihre bereits erworbenen deutschen Sprachkompetenzen nicht mehr zeigen. Hat die Herkunftssprache über die Ferien die neu gelernte Sprache überlagert? Handelt es sich um eine Frage der Ich-Entwicklung und Identitätsbildung oder war den jungen Menschen und ihren Eltern das Freizeit- und Bildungsangebot in den Ferien nicht bekannt? Die VABO-Lehrkräfte haben sich bereits auf den Weg gemacht, sich in regelmäßig stattfindenden Treffen auszutauschen und sich zu einem Netzwerk zusammenzuschließen. Auch hier trägt der Gedanke, dass es ein Netzwerk braucht, um dieserlei Aufgaben bewältigbar zu machen, etwa den Übertritt in Ausbildungssysteme zu gestalten. Ein vergleichbares Netzwerk ist auch bei den VKL-Lehrkräften wünschenswert. Um als Netzwerk gut im Dialog bleiben zu können und Inhalte zeitgemäß digital zu teilen, bedarf es auf allen Seiten einer angemessenen digitalen technischen Ausstattung sowie Digitalkompetenz. Bildung als Schutzfaktor für Mädchen und Frauen Mädchen und Frauen, die in der deutschen Sprache sicher kommunizieren können, einen Schulabschluss erworben haben und idealerweise eine Ausbildung oder ein Studium abschließen, sind in der Lage, wirtschaftlich eigenständig zu sein. Daraus folgt, dass die Not, in einer ungesund abhängigen oder sogar gewaltbestimmten Beziehung zu verbleiben, reduziert wird. Bildung kann ein Baustein in der Umsetzung des Übereinkommens des Europarates zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt („Istanbul- Konvention“) darstellen. 20 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Netzwerke stärken und erhalten Der nationale Bildungsbericht verdeutlicht die Wichtigkeit einer Koordination von Bildungsangeboten. Auch in Karlsruhe gibt es ein breites Angebotsportfolio, jedoch wissen häufig weder die potenziellen Nutzenden von den Angeboten noch die Beratungsstellen oder die Schulen. Dadurch können viele potenzielle Nutzende nicht den Angeboten zugeführt werden, bei Schulen entsteht ein enormer Rechercheaufwand, um für die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern entsprechende Angebote zu finden, und Bildungsermöglichende identifizieren möglicherweise Bedarfe, die bereits an anderer Stelle bedient werden. Dadurch entstehen Doppelangebote, für andere Bedarfe hingegen sind die Ressourcen zu knapp und es entstehen keine Angebote. Der vorrangige Auftrag der Bildungskoordination ist daher, die Bildungsermöglichenden auf fachlicher, sozialräumlicher und kommunaler Ebene zu vernetzen, Austausch zu befördern, Informationen in bestehende Netzwerke hineinzutragen und für eine systematische, gesamtstädtische Koordination von Bildungsangeboten für Neuzugewanderte einzutreten. Elternarbeit Bisher ist in Deutschland der Bildungserfolg von Kindern stark mit dem Elternhaus verbunden. Über die soziale Quartiersentwicklung, das Kinderbüro, die Kinder- und Familienzentren und die Kitas gibt es funktionierende Elternarbeits-Systeme. Perspektivisch ist angedacht, sich im Rahmen des Bildungsdialoges der Frage nach Elternangeboten zu widmen. Weiter ist denkbar, den Einfluss von nicht-deutschen Eltern, die im Herkunftsland verblieben sind, auf die Bildungsentwicklung und Berufswahl ihrer Kinder, wissenschaftlich untersuchen zu lassen. Hierzu fanden bereits erste Gespräche statt. Integration durch Bildung Junge Menschen befinden sich entwicklungspsychologisch in einer Phase, in der es sehr hilfreich ist, wenn sie erleben, dass Integration durch Bildung wirklich gelingt. Daher braucht es Vorbilder für Bildungserfolge unmittelbar in den VKL- und VABO-Klassen. Im Rahmen des Bildungsdialoges wurde bereits darauf eingegangen. Es fehlt derzeit noch an in VABO- und VKL-Klassen präsenten männlichen Vorbildern gelungener Integration. In Karlsruhe gibt es eine integrationsförderliche Haltung. Da Integration durch Bildung jedoch auch wesentlich vom Mitwirken der neuzugewanderten Schülerschaft abhängig ist, ist auf eine Mitwirkung – wo noch nicht gegeben – hinzuwirken. Beteiligungsformate werden gebraucht. Bislang gibt es noch keine systematischen, flächendeckenden Beteiligungsformate, in denen junge neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler nach freiheitlich- demokratischen Prinzipien ihre Meinung einbringen, den Dialog mit anderen Gruppen suchen oder eine gemeinsame zukunftsfähige Gesellschaft gestalten könnten. Bildungschancen eröffnen sich neben der Schule zusätzlich auch in Angeboten abseits des Regelbildungssystems. Bislang werden Bildungsverläufe und -erfolge in Bezug auf den Sprach- und Schriftspracherwerb in VKL-Klassen noch nicht durchgängig an allen Schulen und Schularten systematisch erfasst und geprüft. Erstrebenswert ist, dass VKL-Schülerinnen und Schüler im Anschluss an den VKL-Besuch eine Regelklasse besuchen und nicht in das VABO-System eintreten. Entsprechende Anregungen wurden im Bildungsdialog adressiert. 21 | Fortschreibung Bericht Beschulung von neuzugewanderten Kindern und Jugendlichen in Karlsruhe Abbildungs- und Tabellenverzeichnis Abbildungen Abbildung 1: Neuzugewanderte Schülerinnen und Schüler aller Schularten in den Schuljahren 2021/22 bis 2023/24 ........................ 4 Abbildung 2: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulkassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2021/22 ....................... 6 Abbildung 3: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulkassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2022/23 ....................... 6 Abbildung 4: Schülerinnen und Schüler in VKL-Grundschulklassen nach Staatsangehörigkeiten im Schuljahr 2023/24 ...................... 7 Abbildung 5: Häufigste Staatsangehörigkeiten in VKL-Klassen an Grundschulen in den Schuljahren 2021/22 und 2023/24 im Vergleich ........................................................................................................................................................................................ 7 Abbildung 6: Entwicklung der Schüler*innenzahlen in Vorbereitungsklassen nach Schulart .............................................................. 9 Abbildung 7: Häufigste Staatsangehörigkeiten in VKL-Klassen der Sekundarstufe I in den Schuljahren 2021/22 und 2023/24 im Vergleich ........................................................................................................................................................................................ 9 Abbildung 8: Schülerinnen und Schüler aus der Landeserstaufnahmestelle nach Herkunftsländern im Schuljahr 2023/24 ................ 11 Abbildung 9: Vorläufige Inobhutnahmen unbegleiteter minderjähriger Ausländerinnen und Ausländer in Karlsruhe 2015 bis Mai 2024 ............................................................................................................................................................................................ 12 Abbildung 10: Häufigste Staatsangehörigkeiten im VABO im Schuljahr 2023/24 ............................................................................ 13 Abbildung 11: Sprachtests (A1 bis B1) der Schülerinnen und Schüler im VABO im Schuljahr 2023/24 ............................................. 14 Abbildung 12: Schülerinnen und Schüler im VABO in den Schuljahren 2021/22 bis 2023/24 .......................................................... 15 Tabellen Tabelle 1: Grundschulen mit Vorbereitungsklassen in den Schuljahren 2020/21 bis 2023/24 ............................................................ 5 Tabelle 2: Entwicklung der Schülerzahlen in den Vorbereitungsklassen an weiterführenden Schulen ................................................. 8 Tabelle 3: Vorrangige Familiensprache der Kinder in Karlsruher Kitas ............................................................................................. 10 Tabelle 4: Schüler*innenzahlen Felsschule 2021/22 bis 2023/24 ................................................................................................... 10 Tabelle 5: Schülerinnen und Schüler im VABO 2021/22 bis 2023/24 .............................................................................................. 12 Tabelle 6: Verbleibe der Schülerinnen und Schüler des Bildungsgangs VABO im Schuljahr 2023/24 ................................................ 14 Tabelle 7: Schülerinnen und Schüler im VAB-R im Schuljahr 2021/22 ............................................................................................. 15 Tabelle 8: Schülerinnen und Schüler im VAB-R im Schuljahr 2022/23 ............................................................................................. 16 Tabelle 9: Schülerinnen und Schüler im VAB-R im Schuljahr 2023/24 ............................................................................................. 16 Tabelle 10: Schülerinnen und Schüler im AVdual im Schuljahr 2021/22 .......................................................................................... 16 Tabelle 11: Schülerinnen und Schüler im AVdual im Schuljahr 2022/23 .......................................................................................... 17 Tabelle 12: Schülerinnen und Schüler im AVdual im Schuljahr 2023/24 .......................................................................................... 17