Kommentierende Informationstafel zum städtischen Gefallenenmal im Rathaus
| Vorlage: | 2024/1181 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 18.10.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Grötzingen |
Beratungen
- Kulturausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 13.12.2024
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
-
Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/1181 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Kommentierende Informationstafel zum städtischen Gefallenenmal im Rathaus Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Kulturausschuss 13.12.2024 3 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Die städtische Erinnerungskultur sieht für Denkmäler, die nach unserem heutigen Verständnis demokratischen, friedlichen und völkerverständigenden Prinzipien widersprechen oder einer besonders herausragenden militaristischen Ästhetik und Sinnstiftung verpflichtet sind, die Möglichkeit einer Kommentierung vor. Der Kulturausschuss stimmt der Vorlage und der Anbringung einer kommentierenden Tafel im nördlichen Lichthof des Rathauses neben dem Gefallenenmal zu. Finanzielle Auswirkungen Ja ☒ Nein ☐ 7.4100001.700.801.02 ☒ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: 1.000 Euro Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☒ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Das Gefallenenmal im Rathaus wurde 1936 in nationalsozialistischem Sinn in einer monumentalen und nationalistischen Gestaltung ausgeführt, deren Wirkung durch die passgenaue und prominente Anbringung im Rathauseingang noch verstärkt wurde. Während das Rathaus bis auf die Mauern kriegszerstört wurde, blieb das Monument unbeschädigt. Dem Vorschlag von Oberbürgermeister Günther Klotz, dieses Kriegerdenkmal beim Rathauswiederaufbau zu entfernen und stattdessen individuell mit Namenstafeln an die Gefallenen zu erinnern, wurde seinerzeit im Kulturausschuss nicht gefolgt. Stillschweigend wurde das Gefallenenmal an die heutige Stelle versetzt, wo es nur aufmerksamen Betrachtenden auffällt. Der „Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe“, 2016 vom Gemeinderat verabschiedet, listet die prioritär zu kommentierenden Kriegerdenkmäler auf, darunter das Gefallenenmal für die städtischen Beschäftigten im nördlichen Lichthof des Rathauses. Das Konzept sieht einfach gestaltete kommentierende Informationsstelen, wie sie für das Kriegerdenkmal in Grötzingen und zuletzt 2023 beim Leibdragonerdenkmal nahe dem Mühlburger Tor aufgestellt wurden, vor. Anstelle einer solchen Stele, die an diesem Ort ihre Wirkung nicht entfalten kann, wird unter Beibehaltung des Text- und Bildkonzepts der Stelen eine gläserne Tafel neben dem Gefallenenmal angebracht, die folgende Text- und Bildinhalte enthält: Das Denkmal aus der Zeit des Nationalsozialismus für die im Ersten Weltkrieg gefallenen städtischen Mitarbeiter Nach dem Kriegsende 1918 wollte die Stadt mit einem bescheidenen Denkmal im Rathausgebäude an ihre gefallenen Arbeiter, Angestellten und Beamten erinnern. Finanzielle Gründe verzögerten die Ausführung und stoppten sie 1928 ganz. 1933 griff der nationalsozialistische Oberbürgermeister Siegfried Jäger das Denkmalprojekt wieder auf. Angenommen wurde der Entwurf des Bildhauers Fritz Moser, der die monumentale Ausfüllung des Raums zwischen den südlichen, mittleren Pilastern in der Eingangshalle – heute Ort der Rathauspforte – mit dem Denkmal vorsah. Anstelle Mosers erstem Motiv, einer christlichen Pietà, wünschte der NS- Stadtrat eine „vorwärtsstrebende, kämpferische Figur“, einen „fahnentragenden Soldaten“. Das Kriegermal wurde am 4. Juni 1936 feierlich enthüllt. Oberbürgermeister Jäger appellierte dabei an „die Pflicht, es den Toten gleichzutun in der Opferbereitschaft für unser Vaterland“. Auch dieses Gefallenenmal verklärt mit dem Sinnspruch „Sie gaben ihr Leben ... Für Volk und Vaterland“ den Krieg. Trotz der namentlichen Erinnerung an die 243 toten Beschäftigten ist es ästhetisch ein Denkmal der Verherrlichung des Soldatentums und des Revanchismus. Das Rathaus wurde beim Luftangriff am 27. September 1944 bis auf die Mauern zerstört, das Kriegermal blieb unversehrt. Nach 1945 wollte Oberbürgermeister Günther Klotz das Denkmal zunächst entfernen und stattdessen eine allgemeine Erinnerungstafel an die Opfer der beiden Weltkriege anbringen lassen. Der Kulturausschuss fasste 1955 dazu keinen expliziten Beschluss und Klotz beauftragte den Architekten des Rathaus-Wiederaufbaus, Otto Haupt, für „das alte Denkmal, einen würdigen Platz [...] innerhalb des Rathauses auszusuchen“. Stillschweigend, ohne weitere politische Entscheidung und ohne öffentliche Aufmerksamkeit fand das Kriegermal mit der Wiedereröffnung des Rathauses 1955 seinen jetzigen Standort im nördlichen Rathausinnenhof. – 3 – Die frühere Monumentalität hat es ohne die architektonische Eingliederung verloren. Dennoch ist es ein Überbleibsel der militaristischen Ideologie, die der Nationalsozialismus ins Extrem steigerte. QR-Code zu Stadtlexikon Das Denkmal in der Rathaus-Eingangshalle nach der Einweihung am 4. April 1936. Blick vom Rathausturm in die Rathausruine nach dem Luftangriff am 27. September 1944, den das Denkmal nahezu unversehrt überstand. – 4 – Erläuterungen zu finanziellen Auswirkungen Für die kommentierende Tafel sind Mittel im Investitionshaushalt vorgesehen.