Erinnerungskultur
| Vorlage: | 2024/1110 |
|---|---|
| Art: | Informationsvorlage |
| Datum: | 01.10.2024 |
| Letzte Änderung: | 03.03.2025 |
| Unter Leitung von: | Kulturamt |
| Erwähnte Stadtteile: | Durlach, Grötzingen, Hohenwettersbach, Mühlburg, Neureut |
Beratungen
- Kulturausschuss (öffentlich/nicht öffentlich)
Datum: 13.12.2024
Rolle: Kenntnisnahme
Ergebnis: Kenntnisnahme
Zusätzliche Dateien
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Extrahierter Text
Informationsvorlage Gedruckt auf 100 Prozent Recyclingpapier Vorlage Nr.: 2024/1110 Verantwortlich: Dez. 2 Dienststelle: Kulturamt Erinnerungskultur im öffentlichen Raum Gremien Termin TOP Ö / N Zuständigkeit Kulturausschuss 13.12.2024 2 Ö Kenntnisnahme Kurzfassung Ein bedeutendes Thema in der Stadtgesellschaft und daher ein wichtiger Arbeitsbereich des Stadtarchivs ist die Erinnerungskultur im öffentlichen Raum. Die Richtlinien für den Umgang mit bestehenden und die Umsetzung neuer Erinnerungsmale sind im „Leitfaden für die Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe“ beschrieben, der 2016 vom Gemeinderat beschlossen wurde. Der Kulturausschuss nimmt die Informationsvorlage zur Kenntnis. Finanzielle Auswirkungen Ja ☐ Nein ☒ ☐ Investition ☐ Konsumtive Maßnahme Gesamtkosten: Jährliche/r Budgetbedarf/Folgekosten: Gesamteinzahlung: Jährlicher Ertrag: Finanzierung ☐ bereits vollständig budgetiert ☐ teilweise budgetiert ☐ nicht budgetiert Gegenfinanzierung durch ☐ Mehrerträge/-einzahlung ☐ Wegfall bestehender Aufgaben ☐ Umschichtung innerhalb des Dezernates Die Gegenfinanzierung ist im Erläuterungsteil dargestellt. CO 2 -Relevanz: Auswirkung auf den Klimaschutz Bei Ja: Begründung | Optimierung (im Text ergänzende Erläuterungen) Nein ☒ Ja ☐ positiv ☐ negativ ☐ geringfügig ☐ erheblich ☐ IQ-relevant Nein ☒ Ja ☐ Korridorthema: Abstimmung mit städtischen Gesellschaften Nein ☒ Ja ☐ abgestimmt mit – 2 – Erläuterungen Erinnerungskultur im öffentlichen Raum Ein bedeutendes Thema in der Stadtgesellschaft und daher ein wichtiger Arbeitsbereich des Stadtarchivs ist die Erinnerungskultur und als Teilbereich davon die Erinnerungskultur im öffentlichen Raum. Zu seinen Aufgaben in diesem Gebiet gehören die Beteiligung an der Entwicklung und Umsetzung neuer Erinnerungszeichen sowie die Vermittlung von Informationen über im Stadtraum vorhandene Denkmale und andere haptische Formen der Erinnerung an die interessierte Öffentlichkeit. Seit Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden in Karlsruhe zahlreiche Denkmale und andere Erinnerungszeichen im öffentlichen Raum. Dies waren zuerst Herrschermonumente, wie sie sich zum Beispiel auf der „Via Triumphalis“ vom Schloss bis zum Ettlinger Tor finden. Seit Ende des Krieges 1870/71 bis nach dem Zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Denkmale errichtet, die an die Kriege und die beteiligten Soldaten erinnerten, nach 1945 auch verstärkt an zivile Opfer. In den letzten Jahrzehnten standen vermehrt die nationalsozialistischen Verbrechen und deren Opfer im Mittelpunkt des öffentlichen Gedenkens. Doch auch die Erinnerung an Persönlichkeiten, historische Gebäude oder Ereignisse ohne Bezug zur NS-Zeit rückt immer wieder in den Fokus. Der Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe Um auf die steigende Zahl von unterschiedlichsten Anregungen aus der Stadtgesellschaft für Erinnerungsmale wie Gedenktafeln, Stelen, Skulpturen oder auch Forderungen nach Straßenumbenennungen besser reagieren zu können, erarbeiteten Stadtarchiv, Liegenschaftsamt und Stadtplanungsamt den „Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe“. Dieser wurde 2016 vom Gemeinderat beschlossen. Ziel des Leitfadens ist es, klare Regelungen zu schaffen sowie eine gewisse Einheitlichkeit im Erscheinungsbild für haptische Erinnerungsmale im Stadtbild zu gewährleisten. Leitendes Kriterium bei der Umsetzung soll neben der Relevanz des Themas auch der Grundsatz der Zurückhaltung und Sparsamkeit sein, um eine Überfrachtung des öffentlichen Raums mit neuen Gedenkzeichen zu verhindern. Der Leitfaden kann auf der Website des Stadtarchivs heruntergeladen werden: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/erinnerungskultur/erinnerungskultur-im-oeffentlichen-raum Im „Leitfaden zur Erinnerungskultur im öffentlichen Raum in Karlsruhe“ werden die verschiedenen durch die Stadt Karlsruhe genutzten und unterstützten Erinnerungsmale aufgeführt, sowie das Prozedere von der Anfrage nach einem neuen Gedenkzeichen bis zu dessen Umsetzung beschrieben. Für Stelen und Tafeln sind folgende Formen vorgesehen: Erinnerungsstelen: Mit diesen besonderen Stelen aus rotem Sandstein erinnert die Stadt Karlsruhe seit 2010 an herausragende Anlässe des Gedenkens, insbesondere an menschenverachtende Ereignisse in der Zeit des Nationalsozialismus und im Krieg. Informationsstelen: Diese etwas einfacher ausgeführten Stelen aus Metall werden seit 2012 für die Vermittlung unterschiedlicher stadtgeschichtlicher Themen genutzt. Insbesondere kommentieren sie an verschiedenen Plätzen der Stadt Kriegerdenkmale, die durch besonders menschenfeindliche Ästhetik oder Sinnsprüche herausstechen. „Blaue Tafeln“: Die blauen Emaille-Tafeln werden an historischen Gebäuden angebracht und weisen auf bedeutsame Nutzungen oder mit den Bauwerken verbundene stadtgeschichtliche Ereignisse hin. Das Format der Tafeln erlaubt nur knappe Textinformationen, die jedoch mithilfe von QR-Codes durch Zusatzinformationen im Internet ergänzt werden können. – 3 – Eine weitere Form der Erinnerung und Würdigung sind Straßen-, Platz- und Brückennamen. Die Benennung einer Straße, eines Platzes oder einer Brücke stellt die höchste Ehrung im öffentlichen Raum dar, die die Stadt vergeben kann. Die Gelegenheiten für Neubenennungen sind jedoch selten. Vorschläge für Namensgeberinnen und -geber werden bei dem in dieser Angelegenheit federführenden Liegenschaftsamt in einer Vormerkliste gesammelt, das Stadtarchiv erstellt ein historisches Gutachten zur Person. Über die Aufnahme in die Liste entscheidet der Gemeinderat. Da sich die Bewertung von verschiedenen Personen, nach denen Straßen in Karlsruhe benannt wurden, im Laufe der Zeit geändert hat, sieht der Leitfaden die Möglichkeit vor, eine kritische Kommentierung vorzunehmen oder in besonders gravierenden Fällen eine Umbenennung anzustoßen. Eine bedeutende, dezentrale Form des Gedenkens an NS-Opfer sind die Stolpersteine, von denen in Karlsruhe bisher die bemerkenswerte Zahl von 318 Steinen verlegt wurde. Die Stolpersteinverlegungen sind nach Beschluss des Gemeinderats als Projekte bürgerschaftlichen Engagements konzipiert, welche von städtischer Seite durch historische Recherchen des Stadtarchivs sowie Mithilfe des Tiefbauamtes bei den Verlegungsarbeiten unterstützt werden. Weitere Formen von Erinnerungsmalen im öffentlichen Raum Neben diesen im Leitfaden beschriebenen, normierten Formen für Erinnerungsmale gibt es eigene Projekte für Gedenktafeln oder -stelen in den Karlsruher Stadtteilen, deren Umsetzung bei der jeweiligen Ortsverwaltung liegt. Diese haben in der Regel eine eigene Gestaltungsform. Das Stadtarchiv liefert oder redigiert Texte und macht Vorschläge für Abbildungen. In Ausnahmefällen werden städtische „Sonderprojekte“ durchgeführt, wie zum Beispiel die Tafel zu Friedrich Weinbrenner und der Pyramide im Verbindungsgang der U-Strab-Haltestelle Marktplatz. Solche Projekte sind sehr aufwendig und oft auch kostenintensiv, da dafür nicht die Standardformate der Stelen und Tafeln genutzt werden können. Daneben gibt es Tafeln und Stelen, die auf Initiative von Einzelpersonen oder Vereinen hin angebracht werden. Hier sind die städtischen Stellen in der Regel nicht beteiligt. Nur in Einzelfällen unterstützt das Stadtarchiv auch private Projekte für Gedenkzeichen durch seine historische Expertise. Einen Überblick über die Initiativen für neue Gedenkzeichen in den letzten Jahren sowie die Beteiligung des Stadtarchivs an den Projekten findet sich in der Anlage 1. Zur Vermittlung von Informationen über die bereits in der Stadt vorhandenen Gedenkzeichen bietet das Stadtarchiv auf seiner Webseite verschiedene Übersichten an, teils in Form von Listen, teils als Datenbanken, aber auch als herunterladbares Buch. Dies erleichtert den Zugang zu den über die gesamte Stadt verteilten Gedenkzeichen. Eine Auflistung der entsprechenden Informationsangebote findet sich in Anlage 2. – 4 – Anlage 1: Initiativen für neue Gedenkzeichen 2021-2024 (Beteiligung des Stadtarchivs) Mit Ausnahme der abgelehnten sowie der noch nicht abgeschlossenen Projekte wurden alle Vorhaben umgesetzt. 2021 - Kommentierende Informationsstele Kriegerdenkmal in Mühlburg (vollständige Abwicklung) - Kommentierende Informationsstele Kriegerdenkmal 1870/71 Grötzingen (abgelehnt, da eine Kommentierung Denkmalen mit besonders menschenverachtenden oder kriegsverherrlichenden bildlichen oder textlichen Darstellungen vorbehalten ist) - Infotafel zum Freilichtmuseum Mühle, Grötzingen (Textdurchsicht) - Infotafel zum Kallmorgen-Denkmal, Grötzingen (Textdurchsicht) - Friedhofsstele sowjetische Zwangsarbeiter (Texterstellung) - Friedhofsstele Wartehäuschen / Infocenter (Texterstellung Teiltext, Abbildungen) - Gedenktafel Euthanasie, Neureut (Texterstellung) 2022 - Weinbrenner-Pyramide-Infotafel in der U-Strab-Haltestelle Marktplatz (Inhalt und Grafik, Koordination) - Infostele Luftangriff 1916 beim Staatstheater (Inhalt erstellt, Umsetzung verschoben auf Platzneugestaltung um 2032) - Kommentierende Informationsstele Leibdragonderdenkmal (vollständige Abwicklung) - Kommentierende Informationsstele Leibgrenadierdenkmal Europaplatz (Abwicklung einschließlich Kulturausschussbeschluss, Umsetzung nach Platzgestaltung 2026/27) - Friedhofsstele Euthanasie (Textdurchsicht) 2023 - Infotafel an Gedenkstein Zarin Elisabeth im Nymphengarten (abgelehnt, da der Gedenkstein selbst den Anlass seiner Aufstellung vermittelt und deshalb eine Infotafel nicht sinnvoll ist) - Drei Infotafeln abgegangene Durlacher Stadttore (Texterstellung & Abbildungen, noch in Arbeit) - Kunstwerk & Infotafel Fächerstrahl Durlacher Allee, Schlossgartenmauer (historische Beratung, Textvorschlag; Projekt noch nicht abgeschlossen) - Blaue Tafel Brauerei Wolf (Texterstellung) 2024 - Infotafel Dreschplatz Hohenwettersbach (Recherche wegen Inhalt, Bewertung) - Infostele Mühlgraben, Grötzingen (Textdurchsicht, Abbildung) - Blaue Tafel Henriette Obermüller, Durlach (abgelehnt, da bereits eine Würdigung durch die Benennung der Henriette-Obermüller-Straße erfolgte) - Tafel Stuttgarter Straße für das Stadtplanungsamt (Text) - Gedenktafel Brandanschlag 1994 Markgrafenstraße 41 (Projekt noch nicht abgeschlossen, bisher Stellungnahme, Textvorschlag, Vorbereitung der Umsetzung) – 5 – Anlage 2: Dokumentation der Karlsruher Gedenkzeichen auf der Webseite des Stadtarchivs Erinnerungsstelen Die Stadt Karlsruhe erinnert seit 2010 durch mittlerweile sechs Sandsteinstelen an herausragende Anlässe des Gedenkens, insbesondere an menschenverachtende Ereignisse im Nationalsozialismus und Krieg. Gedacht wird folgenden Anlässen: • Jüdische Fußballer des KFV (Julius-Hirsch-Weg) • Bücherverbrennung (Schlossplatz) • Réseau Alliance (Theodor Heuß-Allee/Breslauer Straße) • Deportation der Jüdinnen und Juden (Hauptbahnhof) • 35. Infantrie-Division (Grünstreifen Nördliche Hildapromenade) • Engländerplatz und Walther Bensemann (Moltkestraße) Erläuterungen zu den Stelen: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/erinnerungskultur/erinnerungskultur-im-oeffentlichen- raum/karlsruher-stelen Informationsstelen Neben den Karlsruher Stelen, den Sandsteinstelen, wurde eine einfachere Stelenform als Informationsstele konzipiert. Diese kommentieren an verschiedenen Plätzen der Stadt insbesondere Kriegerdenkmäler, die durch besonders menschenfeindliche Ästhetik oder Sinnsprüche herausstechen. Mittlerweile sind drei Informationsstelen aufgestellt, eine weitere im Kulturausschuss bereits 2022 beschlossene Stele zum Leibgrenadierdenkmal harrt in der Ausführung auf die Neugestaltung des Europaplatzes (voraussichtlich 2026). Eine fünfte anstehende Kommentierung steht heute als TOP 4 auf der Tagesordnung der Kulturausschusssitzung. • Grötzinger Kriegerdenkmal 1. Weltkrieg (Grötzinger Friedhof) • Mühlburger Kriegerdenkmal (Lindenplatz) • Leibdragonerdenkmal (Mühlburger Tor) • Leibgrenadierdenkmal (nach Abschluss der Bauarbeiten: Europaplatz) • Gefallenenmal Rathaus (Entwurf auf TO der heutigen Sitzung) Die bereits aufgestellten kommentierenden Informationsstelen werden hier vorgestellt: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/erinnerungskultur/erinnerungskultur-im-oeffentlichen- raum/kommentierende-stelen Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus Auf einer interaktiven Karte sind die Standorte der über 300 Stolpersteine und 40 weitere Erinnerungsorte eingezeichnet. Zu den Stolpersteinen finden sich Basisinformationen und weiterführende Links. Außerdem werden auf dieser Seite die 40 weiteren Erinnerungsorte für die Opfer des Nationalsozialismus in Wort und Bild vorgestellt. https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/erinnerungskultur/erinnerungskultur-im-oeffentlichen- raum/erinnerungsorte-fuer-die-ns-opfer Denkmale in Karlsruhe Auf dieser Seite kann ein Buch mit ausführlichen Informationen zu den Denkmalen, Brunnen und Freiplastiken in Karlsruhe 1715 bis 1945 heruntergeladen werden. Für die knapp 300 nach 1945 hinzugekommenen Erinnerungsmale (ohne die Stolpersteine) kann dort in einer Datenbank recherchiert werden. https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/erinnerungskultur/erinnerungskultur-im-oeffentlichen- raum/denkmale-in-karlsruhe Grabdenkmale und Denkmale auf dem Alten Friedhof Auf dem Alten Friedhof an der Kapellenstraße haben sich zahlreiche Grab- und Denkmale aus dem 19. Jahrhundert erhalten. Diese interessanten Zeugen der Stadtgeschichte werden hier vorgestellt: https://stadtgeschichte.karlsruhe.de/alter-friedhof – 6 – Straßennamen Im Stadtlexikon Karlsruhe finden sich Informationen zu zahlreichen Straßen und Plätzen: https://stadtlexikon.karlsruhe.de/index.php/De:Stadtlexikon:Stra%C3%9Fen Außerdem stellt das Liegenschaftsamt eine regelmäßig aktualisierte Liste der Namen der knapp 2.000 Straßen und Plätze in Karlsruhe mit Basisinformationen zum Download zur Verfügung: https://www.karlsruhe.de/mobilitaet-stadtbild/bauen-und- immobilien/flaechenmanagement/strassenbennung